Ausgabe Basel, AZA 4002 Basel. Psdg DP AG Ent. bez. A 44631
MM22, 26.5.2015 | www.migrosmagazin.ch
Nachbarn
Illustration: Badoux
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4 | MM22, 26.5.2015
30 Editorial
«Hallo, Nachbar!»
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Weshalb ist das so? Weshalb ist das Stichwort Nachbar heute mit derart vielen nega tiven Assoziationen behaftet? Wieso lese ich, wenn ich zum Thema «Nachbarschaft» recher chiere, erst einmal über «Lärmbeschwerden», «Kinderterror», «Grenzstreitigkeiten»? Ist es in Zeiten von Dichtestress, Reihenhäuschen und individueller Lebensweise nicht mehr möglich, einfach gute Nachbarn zu sein?
Meine Frau und ich haben vor zwei Jahren den Versuch gewagt und ganz spontan einige nähere und weitere Nachbarn an unserer Quartierstrasse zu einem Fest eingeladen. Das Wetter liess uns etwas im Stich, aber die Stim mung war aufgeräumt. Alle haben sich gefreut, man hat geplaudert, getratscht, Neuigkeiten ausgetauscht. Nachbarschaft gepflegt halt. Dieses Jahr werden wir diesen Event wiederholen. Mit noch mehr Gästen aus dem Quartier, denen wir zu selten begegnen. Menschen, für die wir in der Hetze des Alltags zu wenig Zeit haben. Bethli, die nicht mehr so gut zu Fuss ist, aber uns auf der Strasse immer anstrahlt. Die Kinder aus der Nummer 10, bei denen uns Annika auf dem Gartentor stehend, erwartet. Oder der Architekt aus der Nummer 8, der die halbe Stadt kennt. Und alle freuen sich darauf. Jeder bringt etwas mit. Einen Insalata mista, eine Quarkcreme oder einen Kuchen. Vielleicht auch eine Flasche aus dem Keller. Nachbarschaft halt. Ich kann nur empfehlen: Versuchen Sie es wieder einmal! Das Leben besteht nicht nur aus SocialMediaBeziehungen, aus «Best Friends Forever» auf Handydistanz. Nein, ganz in der Nähe gibt es Menschen mit spannenden Geschichten, die wir selten erfahren, News aus dem Dorf oder der Stadt, die an uns vorübergehen. Den Tag der Nachbarn am 29. Mai haben wir zum Anlass genommen, ein Mal Nach barschaft in all ihren Facetten zu zeigen. Nicht nur die Nachbarn jenseits des Gartenzauns, sondern noch viele Nachbarschaftsformen mehr. Über die Landesgrenze, über die Sprachgrenze, ja sogar Nachbarschaft über den Tod hinaus. Hans Schneeberger, Chefredaktor hans.schneeberger@migrosmedien.ch
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Nachbarn
85 Supermarktkollegen
8 Mitbewohnerinnen Wand an Wand mit der Schlummermutter.
86 Generationen
10 Schulfreunde
88 Grüne Daumen
Pult an Pult mit dem Gschpänli.
13 Bauernkinder
Hof an Hof im Napfgebiet. 18 Bänz Friedli 20 Wöchnerinnen
Bett an Bett im Spital. 22 Grenzgänger
Steg an Steg am Rhein. 25 Schicksal
Tür an Tür mit einer Toten.
Sonderheft
Rasen an Rasen mit dem Feind. 94 Scientologen
Flyer an Flyer mit der Sekte. 97 Tierfreundinnen
Ei um Ei im Hühnerstall. 98 Sprachgrenzler
Dorf an Village im Seeland. 110 Wohngemeinschaft
Migros-Welt
Steuerfuss an Steuerfuss in der Innerschweiz. 36 Promi
Zaun an Zaun mit «Superstar» Luca Hänni. 38 Sträflinge Zelle an Zelle hinter Gittern. 43 Fussballfans Schulter an Schulter im Stadion. 82 Auswanderer
Balkon an Balkon in Hongkong.
51 Saisonküche
Beere um Beere im Rezept. 63 Knusprige Snacks 64 Sommerideen 69 Sommerwettbewerb 70 Cumulus digital einlösen 73 Die Bouillon-Revolution
77 Neues aus Ihrer Region Aktionen, Reportagen und interessante News aus den Genossenschaften. 101 Glücksgriff 103 Rätsel/Impressum 108 Cumulus
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91 Streithähne
30 Wasserratten
33 Kantonsgrenzler
Der Schweizer Comiczeichner Badoux (51) hat sich für diese Ausgabe des Migros-Magazins mächtig ins Zeug gelegt. Herausgekommen sind 20 Comics, die fast ein wenig an die legendäre Zeichentrickfigur La Linea erinnern.
Beet an Beet im Schrebergarten.
Zahnbürste an Zahnbürste in der Gross-WG.
Tuch an Tuch in der Badi.
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Haus an Haus mit dem Ersatzgrosi.
28 Parlamentarier
Bank an Bank im Bundeshaus.
Nachbarn – Geschichten über die Menschen in unserer Nähe.
Artikel um Artikel an der Kasse.
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Nachbarn MM22
Darauf freuen wir uns Europäischer Tag der Nach barschaft: Auch in der Schweiz finden am Freitag, 29. Mai,
in vielen Quartieren Feste statt. Hofgesang: Der Hofgesangs
verein singt bis Ende Juni in diversen Zürcher Innenhöfen, um die Nachbarschaft zu beleben. www.hofgesang.ch
Unnützes Wissen
Nachbarn und Nach barschaft
Bilder: Keystone/AP Photo/Yves Logghe, iStockphoto, Ueli Christoffel
ist der bekann teste Schweizer Sportreporter und hat als Moderator von «Benissimo» und «TellStar» TVGeschichte geschrieben.
«Das Treppenhaus ist ein spezieller Ort. Es gehört allen und niemandem. Es ist nur eine Verbindung vom Hauseingang zu den Wohn und Büroräumen und für niemanden ein Ziel. Hier bleibt man nicht, hier geht man bloss durch. Begegnungen mit den Nachbarn sind immer zufällig, oder sie fühlen sich zumindest so an, auch wenn einer dem Zufall ein bisschen nachhilft, weil die Frau so schön oder der Mann so interessant ist. Gut möglich, dass es auch in dem hier abgebildeten grossen Treppenhaus solch inszenierte Zufälle gibt: Es gehört zum Europäischen Parlament in Brüssel.» Mein Bild der Woche
Leseprobe
Entschuldigung, was lesen Sie gerade? Joana Schüpfer (25), Studentin aus Zürich
a) «Fragen an das Leben» von Rolf Dobelli b) «Inferno» von Dan Brown c) «Macht und Gesellschaftsstruktur» von James Coleman
Auflösung: c) «Weil ich in diesem Fach meine mündliche Abschlussprüfung habe.»
Bernard «Beni» Thurnheer (65)
Am kommenden Sonntagabend wird auf ARD die 1532. Folge der Sendung «Die Lindenstrasse» ausgestrahlt. Der Verein Neu start Schweiz setzt sich unter dem Motto «Gemeinsam ge niessen – statt ein sam verzichten» für Ökologie und aktiv gelebte Nachbarschaft ein. Im Telefonbuch gibt es einen offiziellen An schluss unter dem Stichwort Nach bar: Es handelt sich dabei um Dirk Nachbar aus Lausanne.
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Die Teilzeittöchter mit ihren Ersatz eltern (von links): Tatjana Hug und Steffi Scheuber im 1. Stock, Susi und Martin Walther im Parterre.
NACHBARN | MM22, 26.5.2015 | 9
Unsere Nachbarinnen – die Studentinnen
«Ich weiss, ich bin hier nicht allein, und das gibt mir ein gutes Gefühl» Tatjana Hug
Martin und Susi Walther beherbergen seit zwölf Jahren Studierende in ihrem Haus. Sie pflegen ein familiäres Verhältnis zu den jungen Leuten, für die sie auch ein bisschen Ersatzeltern sind. Text: Monica Müller
M
artin (75) und Susi Walther (71) haben drei Kinder, sechs Enkel und vier Teilzeittöchter. So zumindest könnte man die Studentinnen nennen, die in ihrem Haus in Olten SO in der obersten Wohnung leben. Denn die Walthers pflegen einen sehr familiären Kontakt zu ihren jungen Nachbarinnen. «Meine Kinder sagen mir immer wieder: ‹Bemuttere sie nicht so ›», sagt Susi Walther. Doch sie kann nicht anders: Zu Weihnachten schenkt sie ihnen «eine Klei nigkeit», an Ostern bastelt sie ihnen ein Nest, zum Geburtstag bäckt sie ihnen einen Kuchen. Als ihr Sohn mit seiner Freundin aus der Wohnung auszog, wies ein Bekannter sie auf die Wohnungsnot der Oltner Studierenden hin. Fortan boten sie die vier Zimmer Studen tinnen und Studenten der Fachhochschule Nordwestschweiz an. Insgesamt 80 junge Menschen haben in den vergangenen zwölf Jahren unter ihrem Dach gewohnt. Anfangs waren es vor allem Austauschstudenten, die vier Monate blieben. «Da haben wir einiges erlebt», sagt Martin Walther und erzählt vom Brasilianer, der mor gens um 1 Uhr auf dem Balkon Gitarre spielte und ständig eine andere Freundin mit nach Hause brachte. Und von der Schwedin, die plötzlich sehr hohes Fieber hatte und die er notfallmässig ins Spital fuhr. Und von der Österreicherin, die er zu einem Vorstellungs gespräch in Wädenswil ZH begleitete, weil sie so nervös war. Postkarten aus der ganzen Welt
Bild: Salvatore Vinci
zeugen von den vielen schönen Begegnungen. «Sie halten uns jung», sagen die Walthers. Über die Jahre haben sie auch gelernt, sich etwas abzugrenzen. So sind Gäste der Mieter bis 22 Uhr willkommen. Bleiben sie über Nacht, müssen sie 25 Franken zahlen. Seit einigen Jahren haben die Walthers nur noch Studen tinnen in Untermiete, die mehrere Semester bei ihnen wohnen bleiben. Wie Tatjana Hug (23) und Steffi Scheuber (25). Tatjana Hug stammt aus einem kleinen Dorf nahe dem deutschen Jestetten, wo jeder jeden kennt. Sie schätzt die Wärme der Walthers. «Ich weiss, ich bin hier nie allein, und das gibt mir ein gutes Gefühl.» Erlischt die Glühbirne oder funktioniert der Fernseher nicht, ist Martin Walther stets zur Stelle. Sind die drei WG Mitbewohnerinnen der jungen Frau alle unter wegs und sie möchte trotzdem etwas plaudern, freut sich Susi Walther auf einen Schwatz. Tatjana studiert im 4. Semester Optometrie in Olten. Sobald wie möglich möchte sie mit den Walthers einen Augentest machen – als kleines Dankeschön für ihre Gastfreundschaft. Steffi Scheuber aus Wisen SO studiert in Basel Fachfrau Radiologie und macht immer wieder Praktika in Aarau. Da liegt Olten ideal. Und mit den Walthers habe sie einen Glücks treffer gelandet: Sie tauscht sich gern mit ihnen bei einer Tasse Tee aus, borgt Eier und Milch oder lässt sich bei kniffliger Wäsche beraten. «Die Walthers sind mehr als Nachbarn», sagt sie. «Sie sind fast Teil meiner Familie.» MM
10 | MM22, 26.5.2015 | NACHBARN
Mein Nachbar – der Schulfreund
«Jetzt sind wir Freunde»
Cédric
Laurin und Cédric besuchen die 4. Klasse im aargauischen Oberrohrdorf. Seit rund drei Monaten sind sie Pultnachbarn – und seit Kurzem auch Freunde. Text: Andrea Freiermuth
Bild: Salvatore Vinci
NACHBARN | MM22, 26.5.2015 | 11
Laurin: Bis vor Kurzem hatte ich einen anderen Pultnachbarn. Der Junge, der nebenan sass, hat mich aber genervt, weil er immer so unruhig war. Darum habe ich Frau Spierenburg gefragt, ob ich wechseln könne – und dann einfach gewartet, bis es so weit war. Cédric: Wir wechseln die Sitzordnung häufig. Dieses Mal durften wir wählen, neben wem wir sitzen möchten. Laurin: Ich sitze viel lieber neben einem ruhigen Mitschüler. So kann ich mich nämlich besser auf den Unterricht konzentrieren.
Cédric (10, links) und Laurin (10) sind immer für einen Schabernack zu haben. Seit sie Pultnachbarn sind, gehen sie noch lieber in den Unterricht.
Cédric: Flieger werfen oder mit Gummibändeln rumspicken würden wir während der Schulstunde nie. Es gibt einige Schüler, die Radiergummis zer stückeln und dann die Mädchen mit diesen Bölleli bespicken. Aber ich mach da nicht mit. Laurin: Manchmal droht Frau Spierenburg mit Ver setzen. Aber bisher musste deswegen niemand seinen Platz wechseln. Cédric: Einmal musste ein Schüler für etwa fünf Minuten vor die Türe. Aber sonst ist eigentlich noch nie etwas Schlimmes passiert. Laurin: Streiche spiele ich lieber in der Freizeit. Die ist schliesslich da, um sich auszutoben.
Cédric: Also manchmal passieren schon Dumm heiten, die so nicht geplant sind. Kürzlich hatten wir beim Töggelen keinen Ball und haben mit einem Znünisäckli gespielt – das ist dabei kaputtgegangen. Laurin: Dann mussten wir den Töggelikasten putzen. Cédric: Aber das war wäh rend der Pause. Laurin: Wenn wir am Pult sitzen, passieren solche Dinge nicht. Aber es ist nicht so, dass wir immer still sitzen müssen. Manchmal machen wir auch Gruppenarbeiten oder helfen uns gegen seitig. Ich habe Cédric zum Beispiel beim schriftlichen Dividieren unterstützt. Cédric: Ich bin dafür in Geschichte besser. Momen tan nehmen wir gerade das Mittelalter durch, bald haben wir eine Prüfung zu den Burgen. Da fragen wir uns dann gegenseitig ab. Laurin: Das Gute am Platzwechseln ist auch, dass man so die anderen Mitschüler besser kennen lernt. Seit Cédric und ich nebeneinandersitzen, ma chen wir auch in der Frei zeit mehr miteinander ab. Cédric: In den Ferien wa ren wir zusammen bräteln. Laurin: Und ich habe mal bei Cédric übernachtet. Cédric: Jetzt sind wir beide Freunde. MM
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NACHBARN | MM22, 26.5.2015 | 13
Meine weit entfernten Nachbarn
«Ich schätze vor allem die Ruhe hier oben. Hier spüre ich die Natur noch ganz nah» Pia Vogel
Vier Kilometer Luftlinie trennen die beiden Familien Roos und Vogel im Napfgebiet. Eine Seilbahn, eine Kinderfreundschaft und eine Ziege verbinden sie. Text: Monica Müller
Bilder: Salvatore Vinci
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NACHBARN | MM22, 26.5.2015 | 15
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1 Lea Roos und Linus Vogel sitzen nur selten gemeinsam in der blauen Gondel, welche die Höfe ihrer Familien verbindet. 2 Sieben Minuten
dauert die 1270-Meter-Fahrt im Seilbähnli vom Schwändi nach Ober Länggrat LU. 3 Lea und Linus führen
die Ziegen auf dem Breitäbnet spazieren.
3
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ea Roos (9) und Linus Vogel (9) trennt eine Seilbahn. Oder eher ein Seilbähnli. Vier Personen haben Platz in der blauen Gondel, die vom Schwändi nach Ober Länggrat LU fährt. Morgens um 7.20 Uhr fährt Linus mit dem Velo vom Hof seiner Familie auf dem Breitäbnet zur Bergstation und lässt sich die 1270 Meter zur Talstation hinunterseilen. Sieben Minuten später trifft er auf Lea. Meistens bleibt noch kurz Zeit zum Fangis spielen, bis sie mit dem Schulbus nach Romoos LU in die Primarschule fahren. In der Freizeit treffen sie sich kaum, dafür ist die Distanz zwischen den Höfen mit vier Kilometern Luftlinie schlicht zu gross. Über die Kinder haben sich auch die Familien näher kennengelernt. Pia und Stefan Vogel (beide 46) betreiben auf dem Breitäbnet einen Biohof
mit 24 Kühen, 8 Geissen, 12 Hasen, 5 Hühnern und 3 Katzen. Sie leben vom Fleisch- und Holzverkauf, Stefan Vogel ist zudem Präsident der Strassengenossenschaft Kleiner Susten. Ihre Töchter Carolin (14) und Julia (12) besuchen die Kantonsschule in Willisau LU, Linus die Primarschule. Alle packen zu Hause mit an. Die vier Kinder helfen melken
David (34) und Martina (35) Roos haben ihre Kühe im Schwesterboden vor zwei Jahren wegen des tiefen Milchpreises verkauft. Seither setzen sie auf Schafsmilch in Bioqualität, 75 Tiere haben sie aktuell. David Roos arbeitet auch auswärts, im Tiefbaugeschäft seines Vaters, oder er montiert Solarzellen auf Dächern. Gehts los zum «Mälä», kommen die vier Kinder Lea (9), Sara (7), David (5) und Marco (2) mit in
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NACHBARN | MM22, 26.5.2015 | 17
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den Stall und helfen – der Kleinste mit der Heugabel. Die Gemeinde Romoos ist mit 37 Quadratkilometern Fläche etwa gleich gross wie der Kanton Basel-Stadt. Bloss hat Romoos etwa 700 Einwohner, in Basel-Stadt sind es rund 190 000. Das Napfgebiet ist zerklüftet, die Höfe sind abgelegen. So gefällts den Familien Roos und Vogel. «Wir kennen es nicht anders», sagt David Roos beim gemeinsamen Kafi mit Marmorkuchen und Schoggicrème bei den Nachbarn. Seine Frau erzählt, dass sie einmal kurz im Gemeindehaus des Nachbardorfs Doppleschwand gewohnt habe. «Sehr ungewohnt», sagt sie. Dieses Gefühl, dass jeder sieht, was man macht, habe ihr nicht behagt. Pia Vogel pflichtet ihr bei: «Ich schätze vor allem die Ruhe hier oben. Hier spüre ich die Natur noch ganz nah.» Zur Vor-
stellung, in der Stadt zu wohnen, sagen alle nur «Jesses nei!». Wie gehts Ziege Kläri?
Oft sehen sich die beiden Familien bloss aus der Ferne. Dann winken sie sich mit der Heugabel zu. Treffen sie sich in der Schule oder Kirche, tauschen sie sich auch über Kläri, die Ziege, welche die Vogels der Familie Roos abgekauft haben, aus. Eben hat sie zwei Böckli bekommen, das gibt Trockenfleisch und Würste im Herbst. Im Alltag helfen sich die Vogels und Roos’ vor allem beim Transport der Kinder. «Mal bringen wir eins hoch, mal bringen sie eins runter», sagt Martina Roos. Auch wenn sie alle die Abgeschiedenheit schätzen – sie sind froh, dass es da jemanden gibt, den sie anrufen könnten, sollten sie Hilfe brauchen. «Das gibt uns ein gutes Gefühl», sagt Pia Vogel. MM
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1 Von links: David,
Sara, Julia, Lea und Linus tollen mit Kläri und ihren zwei Böckli sowie weiteren Ziegen über die Wiese beim Hof der Familie Vogel. 2 Ein seltenes Treffen
fast aller Familien mitglieder auf dem Breitäbnet: David und Martina Roos (hinten rechts) mit Marco, Sara, Lea und David. Stefan und Pia Vogel (hinten Mitte) mit Julia und Linus. Martin (59, ganz links) wohnt auch bei ihnen.
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E Bänz Friedli
Nachbarfest statt YB-Match
Es klingelt, und weil es bei uns zwei unterschiedliche Klingeltöne gibt, je nachdem, ob jemand drunten vor der verschlossenen Haustür oder bereits vor unserer Wohnung wartet, weiss ich: Das ist ein Nachbars-, kein Fremdklingeln. Also kein Paketpöstler, kein Monteur, keine Zeugen Jehovas; ich kann die Tür öffnen, wie ich grad bin, zerzaust, im Unterleibchen, wie auch immer. Denn vor der Tür steht – ahnte ichs doch! – ein kleiner krauser Blondschopf, der Finn vom unteren Stock: Ob er zwei Zitronen haben dürfe, sie würden drum Zitronenguetsli backen. Er und sein Vater haben öfter solch spontane Ideen, mal fehlt dann halt ein Ei, mal Milch, mal Butter. Kein Problem, umgekehrt hole auch ich bei ihnen jeweils Reis, Zwiebeln oder was ich sonst einzukaufen versäumt habe. Finn bittet also um zwei Zitronen, und ich bin selber baff, dass wir noch zwei Stück vorrätig haben.
Bänz Friedli (50) hat super Nachbarn.
Nachbarschaft ist etwas Wunderbares. Man hat sie sich ja nicht ausgesucht. Dennoch helfen wir uns, wo es geht, giessen Pflanzen, organisieren Mittagstische, leihen einander das Leiterwägeli aus, um etwas in die Sperrgutabfuhr zu transportieren, und geben Kinderkleider weiter. Vielleicht haben wir Glück, aber: Unsere Nachbarschaft ist eine arschlochfreie Zone. In vollen zehn Jahren gab es bei uns nie Streit um die Waschküche. Nie! Und das bei zwei Maschinen auf neun Parteien. Im Gegenteil: Man springt ein, hilft sich aus, hängt auch
mal jemandem die Wäsche auf, wenn er sie in der Trommel vergessen hat, und legt Getrocknetes zusammen. Gute Nachbarschaft ist unspektakulär wie alles Wichtige im Leben. Wundern Sie sich deshalb nicht, dass ich vorigen Sonntag, statt das Fussballspiel Basel - YB schauen zu gehen, ein ungezwungenes Grillfest mit den Nachbarinnen und Nachbarn veranstaltete. Zuerst bemalten wir mit den Kindern unsere Gartenkisten, die wir auf einem Vorplatz aufgestellt haben, dann sassen wir gemütlich im Schatten zusammen. Nachbarn sind beste Freunde, zu denen man nicht «Freunde» sagen muss. Doch sie sind, was Freunde sein sollten: Sie sind einfach da. Als ich Ulrike vom unteren Stock unlängst im Treppenhaus einen Kummer anvertraute und mich sogleich entschuldigte, sie damit zu belasten, meinte sie nur: Nein, das sei doch okay. «‹Thanks for sharing›, würden Amerikaner in diesem Fall sagen», lachte sie. Und ich glaube, genau darum geht es: ums Teilen. Ums Teilen von guten und schwierigen Momenten. Oder auch mal nur ums Teilen von Backzutaten. Gegen Abend kommt Finn mit einem Teller und lässt uns von seinen Zitronenguetsli naschen. Mmmh, sind die fein! Fast wie selber gemacht. MM Bänz Friedli live: 29. 5. Wängi TG, 2. 6. Zürich, «Hechtplatz»
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Meine Nachbarin – die Wöchnerin
«Durch die spezielle Situation, in der wir uns kennenlernten, fühlten wir uns einander gleich nahe» Karen Ballmer
Die ersten Tage nach der Geburt haben Karen Ballmer und Barbara Wehrli gemeinsam im Spitalzimmer verbracht. Heute sind die ehemaligen Bettnachbarinnen enge Freundinnen. Text: Monica Müller
Bild: Mirko Ries
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aren Ballmer (heute 41) lag mit ihrer zwei Tage alten Tochter Lisa im Spitalbett, da kam Barbara Wehrli (heute 40) mit ihrem zehn Stunden alten Sohn Jonathan zu ihr ins Zimmer. Erst war der frischgebacke nen Mutter elend zumute, denn sie vertrug die Schmerzmittel schlecht. Karen Ballmer hatte ebenfalls einen Kaiserschnitt hinter sich und konnte sich sehr gut einfühlen. Mit ihren zwei Tagen Vorsprung hatte sie bereits einige Tipps parat. Etwa, wie man seitlich aus dem Bett aufsteht, ohne die Bauchmuskeln anzuspannen. Für beide war es das erste Kind. Sie stillten oft gleichzeitig, schickten ihre Männer gemeinsam ins Wickelzim mer, assen miteinander, plauderten und schliefen nebeneinander ein. «Wir verstanden uns auf Anhieb, und unsere Männer sich auch», erzählt Barbara Wehrli. «Durch die spezielle Situation, in der wir uns kennenlern ten, fühlten wir uns einander gleich nahe», sagt Karen Ballmer. Es war Anfang Dezember, die Besucher brachten Weihnachtsguetsli, und draussen schneite es. «Es herrschte eine Stimmung wie im Schullager.» Sechs Jahre nach der gemein samen Zeit als Wöchnerinnen in der
Privatklinik Bethanien in Zürich setzen sich Karen Ballmer und Barbara Wehrli für ein Fotoshooting des MigrosMagazins wieder auf ein Spitalbett. «Ein emotionaler Moment», sagen beide. Sie erinnern sich an das Gefühl der Geborgenheit, das sie hier empfunden haben. «Wir wussten, wenn wir die Klinik verlassen, sind wir mit unseren Babys auf uns allein gestellt», erzählen sie. Aus den Babys von damals sind zwei vife Kindergärtler geworden, die sich sehr übers Wiedersehen freuen und kaum auf dem Bett zu halten sind. In den vergangenen Jahren haben Lisa und Jonathan viel Zeit zusam men verbracht. Erst spazierten die Mütter gemeinsam der Limmat entlang, während die Babys im Kinderwagen schliefen. Bald krabbel ten sie nebeneinander, später tollten sie auf Spielplätzen herum und pilzelten in gemeinsamen Ferien. Seit sie im Kindergarten sind, sehen sie sich weniger oft. Das ändert nichts an
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ihrer Verbundenheit. Leider kann die eine selten am Geburtstag des anderen teilhaben, da die Partys meist gleichzeitig steigen. Mit den Kindern entwickelten sich auch die Themen weiter, über die Karen Ballmer und Barbara Wehrli jeweils diskutierten: Stillen, Schlafen, Wiedereinstieg im Job, Familie und Beruf unter einen Hut bringen. Karen Ballmer ist Fernsehproduzentin, Barbara Wehrli Tierärztin. Um ein Haar hätten die beiden das Spitalzimmer erneut geteilt: Barbara Wehrli brachte ihren zweiten Sohn einen Monat früher zur Welt als Karen Ballmer ihre Zwillinge. Als sie ihre Freundin hochschwanger in der Privatklinik Bethanien besuchte, wollten die Hebammen sie erst in den Gebärsaal begleiten. MM
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22 | MM22, 26.5.2015 | NACHBARN
Die Br端ckenbauer Peter Scholer und Susi Sailer auf dem Rhein: Hier soll der geplante Steg dereinst die beiden Rheinfelden verbinden.
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Meine Nachbarin – die Brückenbauerin
«Wir teilen viel, da braucht es Übergänge in sinnvoller Distanz» Peter Scholer
Peter Scholer und Susi Sailer wollen die Nachbarschaft über den Rhein pflegen. Darum kämpfen sie dafür, dass Rheinfelden (Schweiz) und Rheinfelden (Deutschland) bald wieder mit einem Steg verbunden sind. Text: Andrea Freiermuth
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ber 100 Jahre gab es in Rhein felden zwei Brücken über den Rhein. Eine grosse breite aus Stein und eine kleine schmale aus Eisen. Der Eisensteg war Teil des histo rischen Kraftwerks, das 2011 vollständig zurückgebaut wurde. Seither fehlt den Rheinfeldern beidseits des Rheins ein wichtiger Verbindungsweg: «Der Steg ist aus städtebaulichen und touristischen Aspekten wichtig», sagt alt Vizeammann Peter Scholer (68), der die Interessen gemeinschaft Pro Steg präsidiert. Das Kurzentrum und das Spital etwa würden viele Grenzgänger beschäftigen, die früher mit dem Velo oder zu Fuss über den alten Steg gekommen seien. Zudem sei die Grenze in den letzten Jahren viel durchlässiger geworden. «Heute teilen wir viel mit BadischRheinfelden, wie etwa die Biblio thek und viele Vereine. Da braucht es Über gänge in sinnvoller Distanz.»
Bild: Salvatore Vinci
Nicht immer war das Nachbarschafts verhältnis der beiden Rheinfelden so ent spannt. In den Kriegsjahren waren die Grenzen dicht, und bis in die 80erJahre waren in beiden Städten Männer am Ruder, die in den Kriegswirren sozialisiert wurden. Versöhnt hat man sich über die Jahre auf der sogenannten AHVRunde: dem sonn täglichen Spaziergang über die beiden Brücken mit Einkehr in einer oder mehre ren Beizen entlang der Strecke. «Um diese Tradition zu erhalten, die längst nicht nur von Alten gepflegt wurde, brauchen wir einen Ersatzsteg», sagt Susi Sailer (48), Vizepräsidentin der IG Pro Steg und Vertre terin der badischen Seite. Gegen Atomkraft für den Steg geübt
In Rheinfelden Schweiz stiess die IG Pro Steg schnell auf offene Ohren: Die Gemeindeversammlung sprach sich noch 2011 für die Erneuerung des Stegs aus. Auf der deutschen Seite hingegen hat das Volk kein direktes Mitspracherecht. Solche Entscheide liegen in der Hand des Gemeinderats. Dieser aber zögerte lange, sich an den Kosten von rund sechs Millionen Franken zu beteiligen – unter anderem
auch, weil die Kasse längst nicht so gut gefüllt ist wie ennet dem Rhy. 2013 sagten auch die deutschen Behörden Ja zum Steg. Inzwischen führten die beiden Städte einen Ideenwettbewerb für den Brückenschlag durch und vergaben den Auftrag an ein Ingenieurbüro aus Deutschland. Der Über gang soll bis spätestens 2017 realisiert werden. Nun müssen die beiden Städte nur noch zur Ausführung Ja sagen. Dazu muss man wissen: Peter Scholer hat Erfahrung im Mobilisieren von binationalen Interessengruppen: In den 70erJahren gründete er die «Gewaltfreie Aktion Kaiseraugst» und war federführend im Kampf gegen das geplante Atomkraftwerk. Anders als vor 50 Jahren kann er heute auch auf finanzielle Hilfe aus Bern und Brüssel zählen. Der Bund und die Europäische Union beteiligen sich aus ihren Fonds für regionale Entwicklung mit jeweils rund zwei Millionen am Steg. MM
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Meine Nachbarin – die Tote
«Man kann niemanden vom Suizid abhalten» Die Nachbarin von Nina * nahm sich vor zwei Jahren das Leben. Ein Erlebnis, das bei ihr bis heute nachwirkt. Aufgezeichnet von: Anne-Sophie Keller
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ennengelernt habe ich meine Nachbarin vor drei Jahren, als ich nach Wollishofen ZH zog. Sie wohnte gleich nebenan und hatte wie ich einen Hund. Zwei Monate nach meinem Einzug kamen wir beim Gassigehen ins Gespräch. Wir tauschten Nummern aus und gingen fast jede Woche gemeinsam an den See. Der Freund meiner Nachbarin war um die 40 und hatte Drogenprobleme. Sie war damals 28 Jahre alt und depressiv. Es waren also viele Probleme vorhanden. Die beiden waren eigenartig. Mein Freund und ich gingen dennoch etwa zweimal zu ihnen grillieren. Menschen sind nun mal unterschiedlich. Ein unerwarteter Anruf
Meine Nachbarin und ich beschäftigten einen Hundesitter. Eines Tages rief er mich an und sagte, dass meine Nachbarin sich das Leben genommen habe. Erfahren hat er es von den Eltern der Verstorbenen. Er hütete damals ihren Hund. Wie genau sich meine Nachbarin umgebracht hat, weiss ich bis heute nicht. Vier Tage, nachdem ich vom Selbstmord erfahren hatte, war ich an einer Büroparty. Plötzlich klin-
Bild: Salvatore Vinci
gelte das Telefon. Es war die Mutter der Verstorbenen. Sie fragte mich, ob ich noch einen Schlüssel zur Wohnung habe. Leider konnte ich ihr nicht weiterhelfen. Vielleicht hätte ich eine Beziehung zu den Eltern aufbauen sollen. Vielleicht hätten wir das Erlebte gemeinsam verarbeiten können. Es hätte die Eltern bestimmt gefreut zu hören, dass es ihrer Tochter nicht immer schlecht ging. Hätte … Dieses Wort sagte ich nach diesem Erlebnis oft. Die Nachricht ihres Suizids kam unerwartet, aber sie hat mich nicht überrascht. Hierzulande distanziert man sich von Depressiven und Kranken. Man will nicht fragen, man will nicht unhöflich sein. Zudem kümmert man sich wenig um die Nachbarn. Es gibt alle zwei Monate einen Fall in der Schweiz, bei dem man den Tod einer Person erst bemerkt, wenn es im Treppenhaus riecht. Aber auch mir bedeutet Nachbarschaft wenig: Ich bin oft sogar froh, wenn ich meine Nachbarn nicht sehe. Denn sobald ich jemanden treffe, beschweren sich die Leute: über die Waschküche, die Sauberkeit, die Lautstärke. Zu den anderen Leuten im Haus habe ich gar kein Verhältnis.
Die Einwohner in unserem Block sind merkwürdig. Wenn man zufälligerweise gleichzeitig ins Treppenhaus kommt, verkriechen sich manche gleich wieder in der Wohnung. Ich glaube, das ist etwas sehr Schweizerisches. Zudem kann man sich und seine Probleme in der Stadt besser verstecken. Seit dem Suizid meiner Nachbarin fragte ich öfter mal in meinem Umfeld nach, ob jemand Hilfe brauche. Manchmal sollte man weniger Angst vor unangenehmen Fragen haben und sich mehr einmischen. Ich habe mich nie wirklich von meiner Nachbarin verabschieden können. Ich weiss bis heute nicht, wann man ihre Leiche gefunden hat. Es hat keine Todesanzeige gegeben, kein Grab, nichts. Alles, was ich tun konnte, war, dafür zu sorgen, dass für ihren Hund ein schönes, neues Plätzchen gefunden werden konnte.» MM * Name der Redaktion bekannt
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Schlössern, Kirchen und Burgen. Anschliessend Besichtigung der oberösterreichischen Stadt Linz mit ihrem sehenswerten Hauptplatz. Fahrt über die österreichisch-tschechische Grenze nach Budweis. 3. Tag: Budweis, fak. Ausflug Böhmerwald. Wir besuchen die Region des grossen Moldaustausees und fahren entlang dem gleichnamigen Fluss durch die historischen Orte Rosenberg und Hohenfurt. Durch eine liebliche Naturlandschaft geht es weiter nach Böhmisch Krumau. Mehr als dreihundert historische Häuser, zwischen denen das Areal des Schlosses (zweitgrösste Anlage nach der Prager Burg und Unesco-Weltkulturgut) und die Kirche des heiligen Veits dominieren, bilden einen Altstadtkern von seltener Harmonie und Schönheit. Anschliessend Fahrt zurück nach Budweis. Beim gemeinsamen Spaziergang durch den Stadtkern mit seinem quadratischen Marktplatz erfahren wir Interessantes über die gut erhaltenen Renaissance- und Barockbauten. 4. Tag: Südböhmisches Teichen- und Burgenland–Prag. Nicht weit von Budweis machen wir unseren ersten Stopp in Hluboká. Grund dafür ist das gleichnamige Schloss, das unübersehbar über der Moldau thront. Basteien und Türme, Zinnen, Erker und spitzbogige Fenster verleihen dem Schloss etwas märchenhaftes. Daher auch der Name «Tschechisches Neuschwanstein». Nach einer Führung geht es weiter durch das südböhmische Teichenland zur stimmungsvollen Burg Klingenberg mit dem über 30 Meter hohen Turm. Anschliessend unternehmen wir eine gemütliche Bootsfahrt auf dem Orlikstausee zum prunkvollen Schloss Orlik (Aussenbesichtigung). An diesem herrlichen Ort haben wir Zeit für eine individuelle Mittagspause. Entlang der Moldau erreichen wir am Abend die «Goldene Stadt» Prag.
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Nina (25) an der Tür, die niemand mehr öffnet: Ihre Nachbarin hat sich vor zwei Jahren das Leben genommen.
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Mein Nachbar – der Parlamentarier
«Nur den wichtigsten Rat, wie er abstimmen soll, nimmt er nie an» Gregor A. Rutz
BDP-Nationalrat Rudolf Winkler und SVP-Nationalrat Gregor A. Rutz sind unfreiwillig Pultnachbarn im Parlament. Obwohl sie politisch nicht einer Meinung sind, bezeichnen sie ihr Verhältnis als freundschaftlich. Text: Reto E. Wild
Bild: Salvatore Vinci
Handshake an der Fraktionsgrenze im Nationalrat: Gregor A. Rutz (SVP, links) und Rudolf Winkler (BDP).
NACHBARN | MM22, 26.5.2015 | 29
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ls BDP-Nationalrat Rudolf Winkler (59) im März 2015 für den zurückgetretenen Lothar Ziörjen in den Nationalrat nachrückte, wurde ihm der Stuhl neben dem Zürcher SVP-Nationalrat Gregor A. Rutz (42) zugewiesen. Vorher kannten sich die beiden bürgerlichen Politiker nicht, obwohl Winkler aus Ellikon an der Thur ZH bis 2005 für die SVP politisiert hatte und Rutz damals deren Generalsekretär war. «Ich gab meinem neuen Nachbarn den guten Tipp, das Parteiprogramm der SVP zu übernehmen», sagt Rutz, Inhaber einer Kommunikationsagentur. Landwirt Winkler kontert: «Selbstverständlich mache ich das Gegenteil von dem, was
Gregor sagt.» «Du stimmst sowieso zu drei Vierteln mit den Linken», sagt Rutz, der 2012 Bruno Zuppiger ersetzte. «Stimmt nicht. Wir beide sind bürgerlich. Aber im sozialen Bereich hat die BDP eine breitere Optik als die SVP», entgegnet Winkler. Trotz des verbalen Schlagabtauschs sitzen zwei Parlamentarier nebeneinander, die sich respektieren – und einander aushelfen. Winkler sagt: «Gregor kann mir mehr helfen als umgekehrt, weil er über eine grössere Parlamentserfahrung verfügt. Ich bitte ihn immer wieder um Rat. Heute morgen hat mein Pager, mit dem ich im Parlament kontaktiert werden kann, nicht reagiert.» Rutz habe sogleich gewusst: Es ist die Batterie.
«Nur den wichtigsten Rat – wie er abstimmen soll – nimmt er nie an», witzelt der SVP-Mann. «Dafür bin ich zu alt», lacht Winkler. Rutz wird wieder ernst: Tatsächlich gebe es im Parlament viel mehr überparteiliche Kontakte, als man dies von aussen denken würde. Sie würden oft unterschiedlich abstimmen, was jedoch nie in Streit ausarte. «Es ist ganz normal, dass wir uns bei Alltäglichem helfen und uns unterstützen», sagt Winkler. «Mit Gregor habe ich ein sehr freundschaftliches Verhältnis, obschon wir auf politischer Ebene gewisse Differenzen haben.» Winkler betont, dass er sich als Bauer nachbarschaftliche Hilfe gewohnt sei. Die Pultnachbarn diskutieren über Zeitungsartikel, Abend-
anlässe in Bern, aktuelle Volksabstimmungen. Der vierfache Vater Winkler: «Ich habe Gregor auch schon über Familiäres ausgefragt.» Gregor Rutz hat keine Kinder, ist aber schon «seit 22 Jahren mit der gleichen Frau glücklich und verliebt zusammen, seit 2004 verheiratet», wie er sagt. Rutz schätzt am BDP-Mann, dass man sich mit ihm ungezwungen austauschen kann. Umgekehrt mag Winkler Rutz’ «sympathische und offene Art». Mit Rutz könne man über alles reden. «Er hat ein unheimlich breites Wissen und ist eine sehr eigenständige Persönlichkeit.» Ein Wermutstropfen bleibt: Es werde auch ihm nicht gelingen, Rutz von seinem politischen Programm zu überzeugen. MM
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Meine Nachbarin – die Frau auf dem Badetuch nebenan
«Das Privatleben sollte man nicht thematisieren» Vera Lutz
Am Eröffnungstag der Badi Dreilinden in St. Gallen treffen sie sich und verbringen danach drei Monate fast täglich nebeneinander – bis die Saison zu Ende geht. Vera Lutz und Elsa Sturzenegger kennen sich nur vom Badetuch. Text: Laila Schläfli
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inen Sommer lang liegen sie nur wenige Meter ausein ander: «Ich sehe Vera immer, wenn ich ins Wasser steige», sagt Elsa Sturzenegger (77), «und dann schwatzen wir zusammen.» Beide gehören einer Gruppe von rund zehn Leuten an, welche die drei monatige Badesaison im Familienbad Dreilinden oberhalb von St. Gallen verbringt. «Es sind immer die gleichen hier, darum ist es so lustig.» Die Liegeplätze sind seit über zehn Jahren dieselben, Stammplätze sozu sagen. Notfalls verteidigen sie diese auch – «mittels useekle», präzisiert Sturzeneggers Partner. Um unnötige Schwierigkeiten mit anderen Bade gästen zu vermeiden, halten sie sich gegenseitig die Plätze frei. Vera Lutz (74) kommt um 9 Uhr morgens, Sturzenegger ein wenig später. Beide sind sich einig: «Am Morgen ist es am schönsten.» Die Tage verbringen sie mit Lesen, Schwimmen, Picknicken und Plau dern. Von Kindesbeinen an kommen sie hierher, doch der Kontakt zuein
Bild: Salvatore Vinci
ander begann erst mit ihren Pensio nierungen vor gut zehn Jahren. Seit dann sind die ehemaligen Verkäufe rinnen täglich in die Badi gegangen. Vera Lutz kam früher schon in ihren Mittagspausen zum Schwimmen, sie ist die Wasserratte der beiden. Heute schwimmt sie einen bis zweieinhalb Kilometer pro Tag. Die regelmässige Bewegung scheint sich positiv auszu wirken: Beide wirken deutlich jünger, als sie sind. «Wir sind die, die auch bei halbbatzigem Wetter in die Badi gehen», sagt Elsa Sturzenegger. «So gar Nieselregen stehen wir durch», ergänzt ihre BadiNachbarin. Heim gehen gilt nicht, da müsste schon ein ganztägiges Unwetter anstehen. Bei kurzen Gewittern flüchten die beiden unters Garderobendach. Wetter, Enten und Clique sind erlaubt
Das «Dreilinden» ist am Waldrand gelegen und bietet mit seinem Weiher chlorfreies Naturwasser an. Das schätzen die beiden. Sturzenegger und ihr Partner wohnen in der Nähe, Lutz kommt vom anderen Ende der
Stadt. «Ah was? Det wohnsch du?», fragt Sturzenegger. In zehn Jahren hatten sie noch nie darüber geredet, wer wo lebt. «Das Privatleben sollte man nicht thematisieren», sagt Lutz: «Das ist schliesslich privat.» Elsa Sturzenegger nickt zustimmend. Themen ohne Tabu sind: Wetter, Enten oder Leute aus der Clique – zum Beispiel, wenn jemand fehlt. Das einzig Persönliche, über das sie reden, ist Sturzeneggers Partner: Den lernte sie in der Badi kennen, er gehört zur Gruppe. Alle drei sind Dauergäste mit Kabine. Darin lagern sie Badehosen, Tücher, Liegestühle, Sonnenschirme und Prosecco – «für Fäschtli», erklärt Sturzenegger. Etwa bei Saisonstart und ende. Letzteres feiern sie mit Sekt, Snacks und Grill. Dann kommt die Verabschiedung für neun Monate: «En guete Winter!», wünschen sie sich. «Man könnte eigentlich ausser halb der Saison auch mal abmachen», sinniert Sturzenegger. Aber auch so ist es für beide in Ordnung – jede hat schliesslich ihr eigenes Leben. MM
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Beim Stammplatz kennen sie keinen Spass: Die Badi-Freundinnen Elsa Sturzenegger (links) und Vera Lutz.
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Meine Nachbargemeinde – das Steuerparadies
«Im Kanton Zug was Vergleichbares zu finden, wäre unmöglich gewesen» Karin Birrer
Sie wohnen in Nachbarsgemeinden, doch die Kantonsgrenze – und damit ein unterschiedlicher Steuerfuss – trennt sie. Unter dem Strich geht die Rechnung für beide auf: Familie Birrer zahlt in Gisikon LU viel Steuern, kann sich dafür jedoch ein Eigenheim leisten. Singlefrau Aline Reichmuth gibt in Risch-Rotkreuz ZG weniger an den Staat ab, haust aber auf teurem Boden. Text: Andrea Freiermuth
Bilder: Salvatore Vinci
Tiefe Bodenpreise, hoher Steuerfuss: Reto und Karin Birrer mit ihren Kindern Franziska, Raphael und Christoph (von oben) in ihrem Eigenheim im luzernischen Gisikon.
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Hohe Bodenpreise, tiefer Steuerfuss: Aline Reichmuth auf der Terrasse ihres Studios in Risch-Rotkreuz.
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or dem Hauseingang wachsen Obstbäume und Kräuter, auf dem Rasen stehen eine Kinderrutschbahn, ein Schwimmbecken und ein Riesentrampolin – und im Garten spriessen diverse Gemüsesorten. Es ist das Reich von Familie Birrer: Vater Reto (42), Mutter Karin (42) sowie den drei Kindern Christoph (6), Raphael (8) und Franziska (11). Das Ehepaar Birrer stammt ursprünglich aus dem Kanton Luzern, lebte jedoch mehrere Jahre im Kanton Zug, bevor es 2006 in Gisikon LU ein Eigenheim erstand. In der Nachbargemeinde Risch-Rotkreuz ZG würden die Birrers laut des Internetvergleichsdienstes Comparis bei einem steuerbaren Einkommen von 70 000 Franken rund 5000 Franken an Steuern sparen. Der hohe Steuerfuss im Kanton Luzern kümmert das Ehepaar aber nicht: «Uns war ein finanzierbares Eigenheim mit Umschwung wichtiger. Wir bezahlten damals 300 Franken pro Quadratmeter. Im Kanton Zug etwas Vergleichbares zu finden, wäre unmöglich gewesen», sagt Karin Birrer. Als ehemalige Hauswirtschaftslehrerin ist es der Hausfrau wichtig, dass ihr Nachwuchs das Gemüse nicht nur aus dem Supermarkt kennt: «Meine Kinder helfen im Garten mit. Sie sehen, wie die Pflanzen wachsen und wie sie gepflegt werden müssen.» Deshalb rümpften sie wahrscheinlich auch die Nase nicht, wenn etwas Grünes auf dem Teller liege.
Die gebürtige Aargauerin Aline Reichmuth (23) lebt nicht ganz freiwillig in Risch-Rotkreuz ZG. Sie hat im vergangenen Herbst die Polizeischule im Kanton Zug abgeschlossen und sich mit dem Antritt ihrer ersten Stelle verpflichtet, die kommenden drei Jahre im Kanton Zug zu wohnen. Ihre 2,5-Zimmer-Wohnung in der Siedlung Suurstoffi unweit des Bahnhofs ist mit einem Mietzins von rund 1500 Franken inklusive Nebenkosten und Tiefgarage vergleichsweise günstig. Der Bodenpreis an dieser Lage dürfte hingegen nicht ganz so günstig sein: Die Besitzerin der Siedlung, die Zug Estates AG, will diesbezüglich keine Auskunft geben. Kleine Wohnfläche, viel Ruhe Die Wohnung ist eigentlich bloss ein Studio mit Trennwand zum Schlafzimmer und nur rund 50 Quadratmeter gross. Zudem befindet sie sich im Erdgeschoss eines Wohnblocks mit vier Etagen. Nicht jede junge Frau wäre bereit, allein in dieser Parterrewohnung zu leben. Als Polizistin fürchtet sich Aline Reichmuth aber nicht vor ungebetenen Gästen. Sie schätzt vor allem die Ruhe in der Siedlung. «Ich bin eigentlich nur zum Schlafen hier. Darum bin ich froh, dass in der Siedlung kein motorisierter Verkehr erlaubt ist.» Wie viel Steuern sie einspart, weil sie im Kanton Zug und nicht etwa im Kanton Luzern wohnt, weiss sie nicht genau: «Über den Daumen gepeilt, dürfte es ein Monatslohn sein.» MM
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Gegen Armut in der Schweiz In der Schweiz gibt es rund 200 000 Mütter und Väter, die ihre Kinder allein erziehen. Jede/r sechste von ihnen ist von Armut betroffen, wobei die Mehrheit Working Poor sind – also Menschen, die trotz Arbeit zu wenig für den Lebensunterhalt ihrer Familie verdienen. Und: Armut ist vererbbar. Kinder aus armen Familien sind als Erwachsene nachweislich öfter von Armut betroffen.
Patrizia (33): Eine Mutter kämpft gegen die Armut
Caritas ruft Öffentlichkeit, Politik und Wirtschaft zum Handeln auf, fordert eine bezahlbare Kinderbetreuung, verbesserte Arbeitsbedingungen und Unterstützungsleistungen für armutsbetroffene Alleinerziehende.
Auf den Schultern Alleinerziehender lastet viel: die Verantwortung für die Kinder, der Beruf und der Haushalt. Oft kommen dann noch finanzielle Probleme hinzu, weil das Einkommen für den Lebensunterhalt nicht ausreicht. So wie bei Patrizia Monier (33), Mutter zweier Kinder aus Zürich. Frau Monier, mit welchen Problemen kämpfen Sie derzeit am meisten? Ich kann meine Rechnungen nicht pünktlich zahlen, das ist wohl mein grösstes Problem. Jeden Monat muss ich schauen, dass noch genügend Geld für Lebensmittel bleibt. Ich bin immer unter Druck und kämpfe tagtäglich, dass wir nicht zum Sozialfall werden.
Erfahren Sie mehr über Patrizia und ihre Kinder: www.dasrichtigetun.caritas.ch
Haben Sie denn ein Einkommen? Ja, aber es ist zu wenig. Ich arbeite stundenweise am Flughafen und würde gerne mehr arbeiten. Aber ich finde keinen Job und bekomme nur Absagen, weil ich alleinerziehend bin. Immer heisst es, ich sei zu wenig flexibel. Es tut weh, wenn man keine Chance erhält. Wie kommen Sie im Alltag zurecht? Unser Leben ist ein einziger Verzicht. Besonders schmerzt es mich, dass ich immer nein sagen muss, wenn die Kinder sich etwas wünschen. In den Zoo oder schlitteln gehen liegt einfach nicht drin. Das sind Momente, an denen ich fast zerbreche. Was gibt Ihnen Kraft? Meine Kinder. Ohne sie gäbe es mich nicht mehr. Ich wünsche mir so sehr, dass sie glücklich sind, und ich würde ihnen gerne mehr geben, aber ich kann nicht.
Mit einer Spende können Sie die Familien am Existenzminimum entscheidend entlasten und unterstützen dabei Hilfsangebote wie den CaritasMarkt und die Secondhandläden, die Sozial- und Schuldenberatung, die KulturLegi, Gratis-Ferien und das Patenprojekt «mit mir». Spendenkonto: 60-7000-4 Für Online-Spenden: dasrichtigetun.caritas.ch/schweiz
36 | MM22, 26.5.2015 | NACHBARN
Mein Nachbar – der Promi
«Früher ist Luca mit dem Töffli rumgebrettert» Christian Josi
Als Martha und Christian Josi vor 13 Jahren ins bernische Uetendorf zogen, suchten sie vor allem die Ruhe. Schliesslich konnte niemand ahnen, dass der damals siebenjährige Nachbarsbub Luca Hänni dereinst zum prominenten Unruhestifter wird. Text: Anne-Sophie Keller
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as geschieht, wenn 4000 Leute ein 6000-Seelen-Dorf überrennen? Es bricht das totale Chaos aus. Passiert ist es im Sommer 2012 in Uetendorf BE. Luca Hänni (20) stand im Finale der deutschen Castingshow «Deutschland sucht den Superstar», und Tausende von Fans schauten sich die Liveübertragung in der Turnhalle Uetendorf an. Mädchenschwarm Luca gewann und wurde über Nacht zum Star. Jeder wollte ein Stück von ihm. Die Folgen des Hypes bekam das ganze Dorf zu spüren. Lucas Anhänger, die «Fännis», besetzten jeweils das Trottoir komplett. Einmal blockierten 1000 Leute die Strasse – dann kam die Polizei. Ein anderes Mal rannten die Fans vor lauter Euphorie den Gartenzaun der Hännis um. Jetzt steht an der Stelle ein robuster Holzzaun. Ein Dorf wird zum Pilgerort
Die Nachbarsfamilie Josi kann sich an das Leben vor dem Rummel erinnern. Sie zog 2002 von Adelboden BE nach Uetendorf. «Früher ist Luca mit dem Töffli rumgebrettert, ein Unruhestifter war er schon immer!», sagt Vater Christian Josi (50) und schmunzelt. Doch sie hatten sofort einen guten Draht zu den Hännis. «Wir hüteten in den Ferien gegenseitig das Haus und die Tiere. Das ist in Uetendorf einfach so», sagt Mutter Martha Josi (44). Als Luca an der Castingshow teilnahm, hatten die Josis noch keinen TV-Empfang. Also gingen sie mit ihren Kindern Alisha (10), Renato (12) und
Bild: Salvatore Vinci
Timon (4) jeweils zu anderen Nachbarn in die Stube. Als das Finale in der Turnhalle ausgestrahlt wurde, gab es unerwarteten Besuch: «Einige Fans campierten auf der Wiese vor unserem Haus. Das war wie ein Pfadilager.» Und was sagt eigentlich Luca selbst dazu? «Ich glaube, manche hatten weniger Freude am Rummel. Es wurde zuweilen etwas viel. Uetendorf wurde beinahe touristisch!» Gerade bei den nächtlichen Gesangseinlagen habe sich die Frage aufgedrängt: «Was denken wohl die Nachbarn?» Lucas Mutter Marianne Schmid (53) liess sich nicht aus der Ruhe bringen: «Die Fans haben die Hauswand bekritzelt, das Haus oder den Hund Samy fotografiert, Geschenke gebracht und teilweise im Fünfminutentakt geklingelt. Nach der Arbeit musste ich an 40 Fans vorbei», sagt die Lehrerin. Diese kamen aus Österreich oder Berlin und fuhren zwölf Stunden mit den Eltern zu ihrem «Pilgerort». «Hereingelassen habe ich niemanden. Aber die Tür habe ich immer geöffnet. Und manchmal sagte ich halt: ‹Nein! Luca muss jetzt erst mal etwas essen.›» Vorbereitet sein könne man auf so etwas nicht: «Doch wir sind als Familie sehr zusammengewachsen», sagt sie. Seit einem Jahr läuft das Leben in Uetendorf wieder in geregelteren Bahnen. 2014 zog Luca in seine erste eigene Wohnung in der Nähe von Bern – fernab vom Elternhaus. Die genaue Adresse verrät er nicht. Das dürften wohl auch seine neuen Nachbarn zu schätzen wissen. MM
NACHBARN | MM22, 26.5.2015 | 37
Familienbild mit Promi: Martha und Christian Josi mit ihren Kindern Alisha, Renato und Timon (von links) und dem nicht ganz unbekannten Nachbarn Luca H채nni.
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Mein Nachbar – der Mithäftling
«Es ist wichtig, eine Vertrauensperson zu haben» Kreshnik Krasniqi
Ihre Nachbarschaft ist nicht freiwillig: Kreshnik Krasniqi und Petar Gashi sitzen beide im Regionalgefängnis Thun in Untersuchungshaft, Zelle an Zelle. Die beiden Kosovaren haben sich auf Anhieb gut verstanden. Text: Ralf Kaminski
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ie machen, was alle guten Nach barn tun: Sie helfen sich aus mit Kaffee, tauschen die Tageszei tungen, gehen sogar zusammen spazieren. Nur eins dürfen sie nicht: ihr Zuhause verlassen. Kreshnik Krasniqi* (43) und Petar Gashi* (51) sitzen beide in Untersuchungshaft im Regionalgefängnis Thun BE. Krasniqi wegen Diebstahls, Gashi wegen Einbruchs. Kennengelernt haben sie sich bei einem Spaziergang in einem der Innenhöfe mit den hohen Mau ern, am 22. Oktober 2014. Damals wurde Krasniqi vom Regionalgefängnis Burgdorf nach Thun verlegt, wo Gashi bereits seit Mitte Juni sass. «Wir sprechen die gleiche Sprache, deshalb haben wir miteinander zu reden begonnen», sagt Krasniqi. Sie sprechen zusammen über alles
Die Kosovaren verstanden sich auf Anhieb, seit vier Monaten bewohnen sie benachbarte Zellen. «Natürlich lernt man unter diesen Bedingungen nur bestimmte Seiten voneinander kennen», sagt Gashi. «Man kann nirgends zu sammen hin, lernt weder Freunde noch die Familie des anderen kennen.» Aber sie reden viel, «über alles», sagt Krasniqi. Ihre Familien, die Politik im Kosovo, *Namen der Redaktion bekannt
Bilder: Salvatore Vinci
Sport, ihre Situation, auch über ihre Taten, die Gründe, die Scham. Beide sind schon zum zweiten Mal im Gefängnis. «Das ist auch richtig so. Wir haben Fehler gemacht, und das muss bestraft werden», sagt Gashi, der einige Jahre mit einer Schweizerin verheiratet war und nach der Scheidung auf die schiefe Bahn geriet. Sein erster Gefängnis aufenthalt in St. Gallen kostete ihn die CBewilligung und führte zu einem zehnjährigen Landesverweis. Trotzdem kam er in die Schweiz zurück, weil er hier noch immer Familie hat. Er arbeitete erst schwarz auf dem Bau und machte dann den erwähnten Einbruch. «Ich schäme mich, und ich bin froh, dass wir hier in Thun so gut behandelt werden. Die Betreuer sind alle sehr anständig, und das Essen ist gut.» Viele sässen im Gefängnis und würden über die Schweiz schimpfen. «Dabei haben sie Scheisse gebaut. Sie sind schuld, nicht die Schweiz. Es ist ein schönes Land.» Auch Krasniqi war nur als Tourist hier. Er lebt eigentlich in Holland, ist auch geschieden und hat zwei Kinder, die bei ihrer Mutter wohnen. Monatelang schon hat er sie nicht mehr gesehen. «Ich geriet an die falschen Leute, habe viel getrunken und dann diese Dummheit gemacht.» Er beteiligte sich am Diebstahl einer grossen
NACHBARN | MM22, 26.5.2015 | 39
Zelle an Zelle: Kreshnik Krasniqi (vorn) und Petar Gashi im Regionalgef채ngnis Thun.
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Menge von Zigaretten und wurde erwischt. «Ich schäme mich. Aber es ist passiert, und ich kann es nicht ungeschehen machen. Ich kann nur verhindern, dass es je wieder passiert.» Das Schwierigste im Gefängnis sei, dass man ganz allein mit allem fertig werden müsse. Etwa mit schlechten Nachrichten von zu Hause, sagt Krasniqi. «Umso wichtiger ist es, wenigstens eine Vertrauensperson zu haben, mit der man über diese Dinge reden kann.» Und das ist Gashi. Nachbarschaft auf Zeit
Die beiden arbeiten fast täglich gemeinsam in der Wäscherei, um etwas Geld zu verdienen. Damit können sie sich ein Mal pro Woche beim internen Kiosk Lebensmittel kaufen. Sie trainieren auch mehrmals pro Woche zusammen im Sportraum. «80 Prozent der Zeit verbringen wir miteinander», so Krasniqi. Dazu kommen ab und zu noch andere Häftlinge, mit denen sie sich gut verstehen. Aber es sind nie sie selbst, die entscheiden, ob die Zellentüren aufgehen und sie eine dieser Aktivitäten machen dürfen oder nicht. Und wenn die Türen zu sind, haben sie nur sich selbst, den Fernseher mit seinen paar Sendern und etwas Lesematerial. Hinzu kommt: Sie leben eine Nachbarschaft auf Zeit. Eine, die jeden Tag zu Ende gehen kann. Ein U-HaftGefängnis ist eine Durchlaufstation; schon morgen kann der eine oder andere verlegt werden. Krasniqi weiss seinen
Gerichtstermin schon: 1. Juni 2015. Bei Gashi ist der Ablauf noch weniger klar. Er hat auch keinerlei Vorstellung, wie lange er letztlich im Gefängnis bleiben muss. Krasniqi hofft auf nicht mehr als drei Jahre. Mit etwas Glück dürfte er nach 24 Monaten wieder raus, zurück nach Holland zu seiner Familie. Dort will er sich dann wieder richtige Arbeit suchen, zum Beispiel als Chauffeur. «Ich bin ein guter Arbeiter, hier drinnen genau wie draussen.» Gashi will zurück in den Kosovo, wenn er wieder frei ist. Dort allerdings ist die wirtschaftliche Situation alles andere als rosig. «Aber ich möchte sowieso nicht in Europa bleiben.» Sein Traum ist es, nach Kanada oder in die USA auszuwandern. «Dort brauchen sie Leute, die anpacken können», sagt der Automechaniker. Werden die beiden sich wiedersehen, wenn sie dereinst ihre Zeit im Gefängnis hinter sich haben? «Ich glaube schon», sagt Krasniqi. Und von Gashi: «Ich glaube nicht» – worauf beide lachen müssen. «Wir werden nachher ziemlich weit weg voneinander leben», sagt Gashi, «das wird schwierig.» Krasniqi ist optimistischer. «Ich bin sicher ab und zu in Kosovo zu Besuch. Ausserdem gibt es heute ja Facebook und Skype, das kriegen wir schon hin.» Noch aber erfreuen sie sich ihrer Nachbarschaft, so lange das halt möglich ist. Denn schon jetzt ist klar: Wenn einer der beiden plötzlich in ein anderes Gefängnis verlegt wird, werden sie einander vermissen. MM
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NACHBARN | MM22, 26.5.2015 | 43
Mein Nachbar – der Fussballfan
«Zu Hause hätte ich Pay-TV, aber ich will spüren, dass andere genauso nervös sind wie ich» Paul Wüthrich
Die Fussballfans Peter Martig und Paul Wüthrich sitzen seit zehn Jahren an jedem Spiel der Berner Young Boys nebeneinander im Stadion. Einziges Gesprächsthema: Fussball. Text: Reto Vogt
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Bild: Salvatore Vinci
u fährst mit dem Auto zum Stadion?» Paul Wüthrich (70) ist erstaunt. Seit fast zehn Jahren sitzt er jedes zweite Wochenende neben Peter Martig (67) im Stade de Suisse in Bern, aber das ist ihm trotz rund 200 gemeinsamen Begegnungen neu. Die Fussballfans lernten sich 2005 kennen – durch Zufall. Sie kauften sich zur Neueröffnung des Schweizer Nationalstadions Saisonkarten für Spiele der Berner Young Boys und erhielten die Sitzplätze 328 und 329 in der Reihe 2 im Sektor C8 zugewiesen. Vor dem ersten Spiel waren beide nervös. Man wisse ja nie, wer neben einem sitzt.
«Es könnte ein Raucher sein, ein Säufer oder noch schlimmer: jemand, der keine Ahnung von Fussball hat», sagt Paul Martig. Die beiden verstanden sich zum Glück von Anfang an blendend. Paul Wüthrich setzt sich jedes zweite Wochenende eine Viertelstunde vor Anpfiff auf seinen Sitzplatz. Kurze Zeit später stösst Peter Martig dazu, manchmal ausgerüstet mit einer YB-Wurst und einem Bier. Nach einem kurzen «Hallo» sind nicht etwa die vergangene Woche oder ihre Familien Thema, sondern das anstehende Spiel. Weit über 1000 haben sie schon gesehen. Für Wüthrich war im Frühling 1957 Premiere.
44 | MM22, 26.5.2015 | NACHBARN
«Gegen die Grasshoppers aus Zürich; 4:4 stand es am Ende.» Der drei Jahre jüngere Martig wurde 1960 beim 6:0-Testspielsieg gegen Gerlafingen infiziert. «Fussball ist wie ein Virus», sagt er. «Wenn man ihn einmal hat, wird man ihn nicht mehr los.» Zwar dachten die beiden Pensionierten in Momenten der Wut: «Jetzt gehe ich und komme nie wieder!» Daran gehalten haben sie sich aber nie. Dafür fasziniert sie die Ambiance im Stadion zu sehr. «Weisch», sagt Paul Wüthrich, «zu Hause hätte ich Pay-TV und könnte mir jedes Spiel ansehen, aber ich will die Gesänge im Stadion hören und spüren, dass andere genauso nervös sind wie ich.» Die Anspannung während der Matches führt manchmal auch dazu, dass die beiden auch mal etwas lauter werden. Für die Fans ist der Fussball wie ein Ventil, um aufgestaute Emotionen rauszulassen. «Da rutscht mir schon mal etwas raus, das politisch nicht ganz korrekt ist», sagt Peter Martig und lacht. Dafür fluche er nicht so oft über den Schiedsrichter wie sein Kollege. Bis sich ihr letzter Traum – ein weiterer Meistertitel mit YB – erfüllt, werden die beiden Rentner mindestens noch eine Saison warten müssen. Wäre nicht 2016, exakt 30 Jahre nach dem letzten Titel, ein guter Zeitpunkt dafür? «Ach», meint Martig, die Hauptsache seien schöne Spiele im Stade de Suisse. «Aber das Resultat ist schon auch wichtig», insistiert Wüthrich und zwinkert seinem Sitznachbarn zu. MM
Seit 2005 sitzen Peter Martig (links) und Paul Wüthrich nebeneinander im Stadion. Vor ihrem ersten Treffen waren sie nervös: Wer wohl mein Nachbar wird?
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Ihr tolles Reiseporogramm: 1. Tag, Freitag 18. September 2015 – Gardasee Fahrt im komfortablen Extrabus an den Gardasee. Der Gardasee zeigt sich im Spätsommer immer noch von seiner schönsten Seite. Unser Ziel ist die Halbinsel Sirmione, die Perle des Gardesees. Hier bleibt genügend Zeit am See bei einem feinen Capuccino zu verweilen oder die bekannten Grotten des Catullo zu besichtigen. Am späten Nachmittag Weiterfahrt die Gegend von Vicenza, wo uns der Hotelier bereits mit einem feinen Nachtessen erwartet. 2. Tag, Samstag 19. September 2015 – Venedig Nach dem Frühstück fahren wir durch schöne Landschaften zum Bootsanlegerplatz Tronchetto, von wo uns eine herrliche Bootsfahrt direkt ins Herzen der Stadt Venedig bringt. Kaum von Bord stehen wir schon auf der berühmtesten Piazza der Welt, dem Markusplatz. Bei einer tollen Stadtführung werden uns dann gleich anschliessend die Höhepunkte der auf 118 kleinen Inseln erbauten und von 100 Kanälen durchzogenen Stadt der Superlative gezeigt. Der Nachmittag steht Ihnen dann zur freien Verfügung. Zeit zum Staunen, Geniessen und Einkau-
✓ Eintritt für das Konzert der Giganten der Volksmusik in der Arena di Verona vom 20.9.2015 (cat D/E) fen. Am frühen Abend Rückfahrt per Boot und Bus ins Hotel, wo wir mit einem feinen Nachtessen erwartet werden. 3. Tag, Sonntag 20. September 2015 - Freizeit, Verona & Oper in der Arena di Verona Den heutigen Tag gehen wir gemütlich an. Schlafen Sie etwas länger oder erkunden Sie Vicenza auf eigene Faust. Am Mittag fahren wir nach Verona – die Stadt von Romeo und Julia erwartet uns mit seiner vollen Pracht. Die weiten Plätze der Altstadt, die prachtvollen Renaissance-Paläste, die romanischen und gotischen Kirchen sowie natürlich die Arena di Verona, das fantastische römische Amphitheater aus dem 1. Jahrhundert, werden Sie begeistern. Hier auf der schönsten Freiluftbühne der Welt erwartet Sie für einmal nicht eine Oper sondern die absoluten Superstars der Volksmusik! Freuen Sie sich auf Hansi Hinterseer, die Amigos, die Kastelruther Spatzen, Andi Borg & Rosanna Rocci. 4. Tag, Montag 21. September 2015 – Heimreise Nach dem Frühstück treten wir mit vielen unvergesslichen Eindrücken die Heimreise in Richtung Schweiz an.
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Migros-Welt MM22
Zitat der Woche
«Die Schiene ist das Rückgrat in der Migros-Transportlogistik.» Bernhard Metzger, Leiter Direktion Logistik Transport beim Migros-Genossenschafts-Bund, am 7. Mai bei einem Podiumsgespräch zum Gotthard-Basistunnel.
Bei der Arbeit
Antonio Varandas (54), Bananenreifer bei der Migros Genf.
Bilder: Guillaume Megevand, Christian Schnur
Klassische Musik
Musik für die Ohren Das Repertoire des im Jahr 2000 gegründeten Aulos Quartetts umfasst
Werke aus der Zeit des Barock, der Klassik und Romantik bis hin zur Gegenwart. Mit Konzerten in ganz Europa und den USA haben sie bereits international auf sich aufmerksam gemacht. Am 6. Juni um 19.30 Uhr spielen sie im Naturhistori-
schen Museum Basel Musik von W. A. Mozart, J. G. Rheinberger und Juraj Filas. Mitglieder der Genossenschaft erhalten Tickets für 25 Franken (statt 30 Franken) an der Abendkasse. www.aulosquartett.ch
Mehr aus der Migros Basel ab Seite 77.
«Die Überwachung der Bananen ist ein Vollzeitjob. Meine zwei Arbeitskollegen und ich kontrollieren die Bananen deshalb täglich – auch am Sonntag. Wir sind dafür verantwortlich, dass sie schön gelb und wohlgeformt in die Migros-Filialen geliefert werden. Für den Reifeprozess sind Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit entscheidend. Mit der Zeit entwickelt man ein Gespür für die ideale Temperatur. Unter 13,5 Grad darf sie aber nicht liegen, sonst werden die Bananen ungeniessbar.»
48 | MM22, 26.5.2015 | MIGROS-WELT
Zahl der Woche
224 037 So viele Menschen nahmen im vergangenen Jahr an Volksläufen teil, die von der Migros als Hauptsponsorin unterstützt wurden. Auch dieses Jahr sollen bei diesen Anlässen wieder über 200 000 Hobbysportler Spass haben und ins Schwitzen kommen.
Urabstimmung
Ihre Stimme zählt! Die Genossenschafterinnen und Genossenschafter haben ihre
persönliche Stimmkarte für die Urabstimmung 2015 in den letzten Tagen erhalten. Mit der Karte können Sie direkt Ihre Stimme abgeben. Dabei erfahren die Verantwortlichen der Migros auch gleich, was Sie über unser Unternehmen denken. Die Frage, die Ihnen gestellt wird, betrifft die Genehmigung der Jahresrechnung Ihrer Genossenschaft, die im Migros-Magazin 21 publiziert wurde. Bericht und Jahresrechnung werden Ihnen von der regionalen Verwaltung sowie dem regionalen Genossenschaftsrat zur Annahme empfohlen. Nehmen Sie Ihr Recht zur Urabstimmung wahr! Wir freuen uns über Ihre Beteiligung. Ihre Migros
Urabstimmung 2015
Das Appenzell ist die Landschaft des Jahres 2015. Ausgezeichnet wurde sie von der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, die diesen Preis im Wert von 10 000 Franken jedes Jahr vergibt. Der Migros-Genossenschafts-Bund tritt dabei als offizieller Partner auf. Ausschlaggebend für die Preisvergabe war das Engagement, mit dem sich der Kanton Appenzell Innerrhoden für den Erhalt und den sorgfältigen Ausbau der traditionellen Streusiedlung einsetzt.
Bauprojekt in Gränichen
Jowa investiert 57 Millionen Beim feierlichen ersten Spatenstich für das grosse Projekt in Gränichen AG
sprach Jowa-Unternehmensleiter Marcel Bühlmann von einem «Bau in der Schweiz für die Schweiz». Der Ergänzungsbau zur bestehenden Regionalbäckerei wird in 20 Monaten errichtet sein; die Jowa investiert dafür 57 Millionen Franken. Auf den neuen Anlagen soll mit moderner Technik und zugleich mit traditionellem Bäckerhandwerk Tiefkühlbrot produziert werden. Die Brote werden anschliessend in den Backstationen kleinerer Migros-Filia-
len fertiggebacken, sodass die Kundinnen und Kunden während des ganzen Tages ofenwarme Brote in den Verkaufsregalen finden. Regelmässige Befragungen zeigen, dass die Konsumenten sich durchgehend frisches Brot in den Läden wünschen. Die Jowa passt ihre Produktionsstrukturen konsequent diesem Bedürfnis an. So hat sie seit 2005 jedes Jahr 5 Millionen Franken in den Umbau und die Erweiterung der Hausbäckereien investiert und zudem 1,5 Millionen Franken in Aufbackstationen.
Spatenstich in Gränichen (von links): Projektleiter Andreas Seubert, JowaUnternehmensleiter Marcel Bühlmann und Walter Huber, Leiter M-Industrie.
MIGROS-WELT | MM22, 26.5.2015 | 49
Sie ist die Königin unter den Beeren, und mit ihr werden Häppchen und Salate herausgeputzt. Auch nur so genascht oder mit reichlich Schlagrahm sind sie eine Wucht. Erdbeeren lassen sich herrlich kombinieren und fantasievoll inszenieren. Feinschmecker marinieren sie mit Portwein und würzen mit schwarzem Pfeffer.
Bilder: Paul Broger, Istockphoto, Ueli Christoffel
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Vitamin-C-Bombe Auch gesundheitlich haben die roten Beeren einiges zu bieten. Sie enthalten mehr Vitamin C als Zitronen und Orangen.
Enthält viel Folsäure und Mangan Erdbeeren sind aussergewöhnlich reich an Folsäure, die wichtig für die Blutbildung ist und beim Zellwachstum eine grosse Rolle spielt. Zudem enthalten die Früchte viel Mangan. Dieses nährt unsere Nerven und regt die Produktion von Schilddrüsenhormonen an. Rezepte ab Seite 51
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MIGROS-WELT | MM22, 26.5.2015 | 51
Saisonküche
Everybodys Darling Kaum einer kann ihr widerstehen: Die Erdbeere versüsst Desserts, Salate, und sie kann auch in herzhaften Rezepten eine geschmackvolle Rolle spielen. Text: Sonja Leissing Bilder und Styling: Christine Benz Rezepte: Annina Ciocco
Menü Dessert
Herausnehmen und sammeln!
für 6 Personen
Das Erdbeer-Tiramisù als krönender Abschluss eines feinen Menüs.
Noch mehr Rezepte
Die Saisonküche gibt es auch im Jahresabonnement, 12 Ausgaben für nur Fr. 39.– www.saison.ch
52 | MM22, 26.5.2015 | MIGROS-WELT
Apéro-Spiesschen mit Erdbeeren
Pouletbrüstchen an Erdbeervinaigrette
Erdbeer-Tiramisù
Dessert für 6 Personen
Hauptgericht
Vorspeise für 4 Personen
Zutaten für 4 Personen ½ Gurke 200 g Feta 1 TL grober Pfeffer 2 EL Olivenöl 100 g Erdbeeren Zubereitung
Gurke schälen. Längs vierten und in Würfel schneiden. Feta in ungefähr gleich grosse Würfel schneiden. Pfeffer im Öl leicht rösten. Gurken- und Fetawürfel darin wenden. Erdbeeren je nach Grösse vierteln oder sechsteln, mit je einem Gurken- und einem Fetawürfel auf Zahnstocher stecken. Zubereitungszeit ca. 15 Minuten
Pro Person ca. 9 g Eiweiss, 15 g Fett, 2 g Kohlenhydrate, 750 kJ/180 kcal
für 4 Personen
Zutaten für 4 Personen 60 g grüne Linsen ½ Schalotte 150 g Erdbeeren 6 EL Weissweinessig 8 EL Rapsöl Salz, Pfeffer ¼ Bund Pfefferminze 4 Pouletbrüstchen 2 EL Öl zum Braten
Zutaten für 6 Gläser à ca. 2,5 dl 400 g Erdbeeren 1 EL Erdbeersirup 1 dl Wasser 2 EL Zitronensaft 3 EL Holundersirup 100 g Löffelbiskuits 4 EL Zucker 250 g Mascarpone 1,25 dl Rahm
Zubereitung
Zubereitung
Linsen in reichlich Wasser bissfest kochen. Abgiessen und abtropfen lassen. Schalotte fein hacken. Erdbeeren in Würfelchen schneiden. Erdbeeren, Schalotte, Linsen, Essig und Rapsöl mischen. Erdbeervinaigrette mit Salz und Pfeffer abschmecken. Pfefferminze dazuzupfen. Poulet mit Salz und Pfeffer würzen. Im Öl bei mittlerer Hitze beidseitig ca. 12 Minuten durchbraten. Mit Erdbeervinaigrette servieren. Dazu passt Couscous oder Blattsalat. Zubereitungszeit ca. 25 Minuten
Pro Person ca. 36 g Eiweiss, 30 g Fett, 10 g Kohlenhydrate, 1900 kJ/450 kcal
1. 250 g Erdbeeren in grobe Würfel schneiden und pürieren. Restliche Erdbeeren in dünne Scheiben schneiden und mit dem Erdbeersirup mischen. Wasser, Zitronensaft und Holunderblütensirup mischen. Löffelbiskuits damit übergiessen. Pürierte Erdbeeren, Zucker und Mascarpone mischen und die Masse glatt rühren. Rahm steif schlagen und unter die Mascarponemasse heben. 2. Gläser mit einer Lage Löffelbiskuits auslegen. Mit der Hälfte der Mascarponemasse bedecken. Restliche Biskuits darauflegen. Restliche Mascarponemasse darauf verteilen. Tiramisù mit den Erdbeerscheiben garnieren. 1–2 Stunden kühl stellen. Zubereitungszeit ca. 40 Minuten und 1–2 Stunden kühl stellen
Pro Person ca. 4 g Eiweiss, 27 g Fett, 31 g Kohlenhydrate, 1650 kJ/390 kcal
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MIGROS-WELT | MM22, 26.5.2015 | 61
Wissenswertes
Rund um die Erdbeere Geliebt seit eh und je
Dem süssen Aroma der Erdbeere konnte der Europäer schon in der Steinzeit nicht widerste hen. Und das, obwohl er nur die kleinen Wald erdbeeren geniessen konnte: Erst mit der Einführung amerikani scher Sorten im 18. Jahr hundert hielten die grossen Beeren Einzug in unsere Gärten. Waschen und putzen
Die Früchte sind sehr empfindlich und ver lieren rasch ihr Aroma, ihre Vitamine und Mine ralstoffe. Darum sollte man sie nicht unter fliessendem Wasser waschen. Besser kurz in eine grosse, mit Wasser gefüllte Schüssel geben und anschliessend auf einem Küchentuch vorsichtig trocken tupfen. Damit die Früchte nicht wässrig werden, sollten die grünen Kelchblätter erst nach dem Waschen und kurz vor dem Essen abgezupft werden.
Beste Freunde
Mehr Rezepte unter www.saison.ch
Die Erdbeere lässt sich gern kombinieren. Zwar ist sie allein mit Rahm und Glace schon ein Hochgenuss. Jedoch mit ausgewählten Partnern verkuppelt, zündet sie so manch kulinarisches Feuerwerk.
Wahre Liebe Fabelhaft kommen geviertelte Erdbeeren an einem lauwarmen Spargelsalat zur Geltung. Als Dressing sind Olivenöl, Aceto balsamico, Fleur de sel und eine Prise schwarzer Pfeffer empfehlenswert.
Gewagt, aber fein Zusammen mit kleinen Parmesanwürfeln setzt die Erdbeere auf jeder Apéroplatte einen aussergewöhnlichen, aber durchaus spannenden Akzent. Wer mag, gönnt sich dazu ein Glas Champagner.
Säure willkommen Etwas Zitronensaft und frische Minze stärken den Eigengeschmack der Erdbeere. Grundsätzlich sind alle Zitrusfrüchte willkommene Partner.
Richtig lagern
Selbst an einem kühlen Ort oder im Gemüse fach des Kühlschranks halten frische Erdbeeren höchstens zwei Tage. Man sollte sie unbedingt aus der Verpackung nehmen, ausbreiten und aussortieren. So kann allfällige Fäulnis nicht auf die unbeschadeten Beeren übergreifen. Das alles steckt drin
Die Beeren enthalten mehr Vitamin C als Oran gen. Sie sind reich an den Vitaminen B1, B2 und Karotin. Ausserdem lie fern sie Kalium, Kalzium, Folsäure, Eisen und Zink.
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Süsse machts Würzige Höhenflüge Ein Hauch Muskatnuss, eine Prise schwarzer oder grüner Pfeffer oder auch gemahlener Ingwer über die Erdbeeren gestreut, sieht nicht nur schön aus, sondern harmoniert auch geschmacklich.
Mit etwas Ahornsirup oder auch Holunderblütensirup beträufelt, intensiviert sich das fruchtige Aroma der Erdbeere.
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MIGROS-WELT | MM22, 26.5.2015 | 63
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Knuspriger Snack für jetzt und hier
Bild: Lucas Peters; Styling: Mirjam Käser
Crackwich ist die ideale Zwischenmahlzeit für relaxte Stunden in der freien Natur.
Crackwich heissen zwei Neuheiten im Party-Sortiment. Leicht zu erraten, dass es sich dabei um eine Kreation aus Sandwich und Cracker handelt. Beide Sorten überraschen mit einer feinen Füllung – einmal mit Kräutern, einmal mit Tomaten und Rosmarin. Anders als die übrigen Artikel der Party-Linie ist Crackwich weniger für den Apéro in der grossen Runde gedacht, sondern vielmehr als knuspriger Snack für unterwegs oder für den Solo-Apéro zur Einstimmung auf den Feierabend.
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Die M-Industrie stellt viele beliebte Migros-Produkte her. Dazu gehört auch das Party-Sortiment.
64 | MM22, 26.5.2015 | MIGROS-WELT
100 neue Ideen: Ob regengrau oder himmelblau, mit der passenden Idee aus dem Sommerbuch kommt keine Langeweile auf.
Drinnen bowlen
Grundrezept Erdbeer-Rhabarber-Bowle Zutaten: 600 g Rhabarber, 4 EL Zucker, 5 EL Wasser, 200 g Erdbeeren, ½ Bund Minze oder Zitronenmelisse, 1 Flasche alkoholfreier Schaumwein, gekühlt. Zubereitung: Rhabarber schälen, in Würfelchen schneiden. Mit Zucker und Wasser in einer Pfanne zugedeckt ca. 4 Minuten köcheln. Im Sirup auskühlen lassen. Erdbeeren in kleine Stücke schneiden. Minzeblättchen abzupfen. Alles in eine Karaffe geben. Mit Schaumwein auffüllen. Nach Belieben mit Eiswürfeln servieren. Texte: Sonja Leissing, Nicole Ochsenbein; Bilder: Daniel Ammann; Styling: Mira Gisler; Rezepte: Kathrin Klaus
MIGROS-WELT | MM22, 26.5.2015 | 65
Tipp
Variante 1
Bowle wie Erdbeer-RhabarberBowle zubereiten und Früchte austauschen (siehe Variante 1 und Variante 2). Anstelle des alkoholfreien Schaumweins mit Prosecco oder je zur Hälfte mit Weisswein und kohlensäurehaltigem Mineralwasser auffüllen.
Rhabarber durch Pflaumen, Pfirsiche oder Aprikosen und Erdbeeren durch Himbeeren ersetzen. Anstelle von Minze einige Basilikumblätter beigeben.
Variante 2
Rhabarber durch ungeschälte säuerliche Äpfel und Erdbeeren durch ½ Galiamelone ersetzen. Statt Schaumwein gekühlten Apfelwein verwenden.
Das Buch mit 100 neuen Ideen für jedes Sommerwetter gibt es für Fr. 7.70 nur in der Migros. Laden Sie Ihre eigene Idee auf www.100ideen.ch hoch und nutzen Sie die Chance, jede Woche eine Geschenkkarte im Wert von 1000 Franken zu gewinnen.
66 | MM22, 26.5.2015 | MIGROS-WELT
100 neue Ideen: Ob himmelblau oder regengrau, mit der passenden Idee aus dem Sommerbuch kommt keine Langeweile auf.
Draussen bowlen
Bowlingbahnen befinden sich oft in dunklen Kellerlokalen – und genau dort will man sich bei strahlendem Sonnenschein eher nicht aufhalten. Dabei funktioniert Funbowling hervorragend auch im Freien. Und das geht so: Mit Klebestreifen Wurfbahn definieren, 10 PET-Flaschen mit etwas Wasser füllen (wer es bunt mag, mischt Lebensmittelfarbe hinein), Pins (Kegel) als Dreieck anordnen, dessen Spitze zum Spieler zeigt. Jetzt noch den Tennisball schnappen, zielen und – strike!
MIGROS-WELT | MM22, 26.5.2015 | 67
Drinnen bowlen, draussen bowlen Rhabarber, per kg
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69 | MM22, 26.5.2015 | MIGROS-WELT
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Schlechtwetter-Idee Grillieren kann man auch im Regen. Trockenes Holz findet sich unter Fichten, da diese Bäume ein sehr dichtes Astnetz haben. Als Zunder dienen Holzstaub oder Flusen aus der Jackentasche.
Teilnahmeschluss ist jeweils am Sonntag um Mitternacht. Weitere Teilnahmebedingungen und Infos online auf: Migrosmagazin.ch
70 | MM22, 26.5.2015 | MIGROS-WELT
Cumulus-Karte
Profitieren mit einem Klick
Seit April können Cumulus-Kunden ihre Vorteilscoupons digital einlösen. Benedikt Zumsteg, Leiter Kundenmarketing bei der Migros, erklärt die Vorteile und spricht über Cumulus-Green. Text: Thomas Tobler Bild: Jorma Müller
Benedikt Zumsteg, die Cumulus-Vorteilscoupons gibt es seit einem Monat auch digital. Was ist das Ziel dieser Neuerung?
Ziel ist es, die Kunden auf dem für sie geeigne ten Kanal zu erreichen. Da Vorteilscoupons oft zu Hause vergessen wurden, bieten wir diese nun auch in digitaler Form an. Kunden behalten damit einfach und komfortabel den Überblick über ihre Coupons. Auch unter wegs. Werden die digitalen Coupons die Papierform zukünftig ganz ersetzen?
Nein, denn wir haben zahlreiche Kunden, die nach wie vor Coupons in Papierform bevor zugen.
Bewusstsein für nachhaltig hergestellte Produkte fördern. Im zweimonatlichen Kon toauszug erhalten CumulusMitglieder einen persönlichen Überblick über den Anteil der nachhaltig eingekauften LabelProdukte wie zum Beispiel MigrosBio oder TerraSuisse. Dieser Anteil wird nach jedem Einkauf auch online auf dem CumulusKonto der Kunden angezeigt.
Wie intensiv werden die digitalen Coupons von den Kunden genutzt? Liegen dazu bereits erste Zahlen vor?
Konkrete Zahlen zur Aktivierung der digita len Coupons gibt es noch keine. Aber aktuell nutzen bereits über 750 000 Kunden unsere Migros-App und können die digitalen Coupons damit einsetzen. Mit dem Cumulus Versand im Mai sind erstmals alle Coupons aus dem Supermarkt und FachmarktAn gebot auch digital erhältlich.
Welche Rolle spielt der WWF dabei? Der WWF unterstützt Konsumenten dabei,
nachhaltiger einzukaufen. Der Einkauf von umweltfreundlichen LabelProdukten und mehr Transparenz im Einkaufskorb sind wichtige Schritte dazu. Deshalb entwickelte
Seit einem Jahr bietet die Migros in Zusammenarbeit mit dem WWF Cumulus-Green an. Was genau ist Cumulus-Green?
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MIGROS-WELT | MM22, 26.5.2015 | 71
Benedikt Zumsteg (45) macht es vor: Digitale Coupons kann man sich nun bequem mit dem Handy gutschreiben lassen.
Anleitung
So funktionieren digitale Coupons Die digitalen Coupons gibt es entweder online auf der Cumulus-Homepage oder mobil in der Migros-App.
der WWF gemeinsam mit der Migros Cumulus-Green und unterstützt das Unternehmen mit seiner Erfahrung in der Konsumarbeit und mit seiner fachlichen Kompetenz. 2,8 Millionen Schweizer Haushalte nutzen aktiv eine Cumulus-Karte. Was tut man bei der Migros für die Sicherheit der Kundendaten?
Der Datenschutz ist für Cumulus wichtig. Unsere Kunden sollen sich darauf verlassen können, dass wir mit ihren Daten sorgfältig umgehen und den Datenschutz in jeder Beziehung respektieren. Mit unserem zertifizierten Datenschutz-Qualitätssystem Good Privacy bieten wir Gewähr dafür, dass der Datenschutz bei Cumulus zuverlässig umgesetzt und ständig weiterentwickelt wird. MM
Die Coupons werden mit einem Klick aktiviert und damit direkt auf die Cumulus-Karte geladen. Beim nächsten Einkauf profitiert man so automatisch an der Kasse durch das Vorweisen der Cumulus-Karte. Mehr Informationen
Digitale Coupons:
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Cumulus-Green: migros.ch/cumulus-green
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MIGROS-WELT | MM22, 26.5.2015 | 73
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MIGROS-WELT | MM22, 26.5.2015 | 75
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MIGROS-WELT | MM22, 26.5.2015 | 77
Circus Knie
Artistik im Blut Ihre Region Neues aus der Genossenschaft Migros Basel
Die Familie Knie präsentiert ab dem 12. Juni unter dem Titel «phénoménal» zum 97. Mal ein neues Programm mit jeder Menge mutiger Tiernummern, clownesker Einlagen und atemberaubender Akrobatik. Text: Moritz Weisskopf
25% Rabatt auf Premieren-Tickets am 12. Juni für Genossenschafter an den MigrosVorverkaufsstellen.
A
lles begann 1806, als Friedrich Knie mit Akrobaten und eigenen Pferden ein eigenständiges Seiltänzer- und Künstlerunternehmen gründete. Unter dem Namen «Wiener Seiltänzertruppe» gastierten sie in den Ländern der Donaumonarchie, Bayern, Baden und Preussen. Er erhielt viel Lob und Anerkennung von Königen und Fürsten für seine Darbietungen und wurde somit schnell berühmt. Ab 1814 traten die Knies auch regelmässig in der Schweiz auf. Mittlerweile steht mit Chris Rui bereits die achte Generation der Knie-Familie in der Manege. Zusammen mit seinen Eltern Linna und Franco Knie junior präsentiert er eine schwungvoll inszenierte Darbietung mit den drei asiatischen Elefanten Delhi, Ceylon und MaPalaj. Wie zu Anfangszeiten spielen auch heute Pferde eine wichtige Rolle im Circus Knie. So werden auch dieses Jahr die schönen Reittiere in der Manege zu sehen sein: Von jungen Andalusiern, über Palominos und Ponys bis hin zu Vollblutarabern. Neben den Tiernummern wird auch Akrobatik gross geschrieben. So zeigt das Trio Stoian waghalsige Kunststücke am russischen Barren, einer der riskantesten Disziplinen im Zirkus. Mit Mario Berousek ist der «schnellste Jongleur der Welt», der mehrfach im Guinnessbuch der Rekorde vertreten ist, Teil des Programms. Insgesamt sorgen 42 Artisten aus acht Ländern der ganzen Welt für einen Abend voller Höhepunkte. MM www.knie.ch
Linna und Franco Knie junior zusammen mit ihrem Sohn Chris Rui und der Elefantendame Ceylon.
78 | MM22, 26.5.2015 | MIGROS-WELT
Melectronics
Im neuen Kleid Nach sechs Wochen Bauzeit zeigt sich Melectronics im MParc Dreispitz am 28. Mai im
neuen Look. Der Laden ist heller und man kann sich anhand von Farben leichter orientieren. So sind im grünen Bereich Haushaltsgeräte, im gelben TV und Ste-
reoanlagen. Im pinken Teil findet man Games und Software-Artikel, im blauen PCs, Handys und Kameras. Falls ein Produkt nicht vorhanden ist, kann man dieses neu an einer speziellen Station online kaufen und sich gratis nach Hause liefern lassen. An den Eröffnungstagen am 28. und 29. Mai profitiert die Kundschaft von 10% Rabatt sowie weiteren Eröffnungsangeboten. Klubschule
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Aus der Region
Vorboten des Sommers
Kaum sind die Eisheiligen vorüber, stehen in den Filialen der Migros Basel die ersten «Aus der Region»-Erdbeeren im Regal. Warum diese speziell gut schmecken, weiss ihr Produzent Hans Bürki. Text und Bilder: Moritz Weisskopf
I
n den 60er-Jahren wurde die Bürki Gemüse AG gegründet, 1986 übernahm Hans Bürki diese von seinem Vater. Auf 40 Hektaren Land wachsen beim langjährigen Migros-Produzenten allerlei Beeren und Gemüse – unter anderem drei Hektaren Erdbeeren. Diese Felder liegen im deutschen Grenzach. Trotzdem sind seine Erdbeeren mit dem «Aus der Region. Für die Region.»-Label gekennzeichnet. Denn laut einem Abkommen von 1926 zwischen der Schweiz und den Nachbarländern, dürfen Bodenprodukte aus der grenznahen Produktion zollfrei in die Schweiz eingeführt und hier als Schweizer Produkte verkauft werden. Dies gilt natürlich auch umgekehrt. Jeweils im August werden bereits die Erdbeeren für das nächste Jahr gepflanzt. Die kritische Phase ist jeweils im April während der Blütezeit. Wenn es zu diesem Zeitpunkt kälter als null Grad wird, sieht es schlecht für die Erdbeeren aus. Auf solche Fälle ist Bürki jedoch vorbereitet. Neben den Feldern liegt das Vlies bereit. Bei Temperaturen um den Nullpunkt kann dieser über die Pflanzen gelegt werden, damit sie vor der Kälte geschützt sind. Nach den Eisheiligen (11. bis 15. Mai) wird aufgeatmet und
die Erntezeit beginnt. Der 30-PersonenBetrieb muss dazu jeweils um zehn Personen aufgestockt werden. Aus der Sonnenstube der Schweiz
Regionale Erdbeeren sind teurer als diejenigen aus Spanien, insbesondere bei der aktuellen Frankenstärke. Sie werden jedoch ihrem Preis gerecht, wie Hans Bürki hervorhebt, denn «aufgrund des kurzen Transportweges können sie besser ausgereift werden. Dadurch sind sie viel süsser, saftiger und frischer und verfügen somit über die optimale Qualität». Die Kundinnen und Kunden der Migros Basel kommen speziell früh in den Genuss von regionalen Erdbeeren. «Die heimischen Erdbeeren können von Mitte Mai bis Mitte Juli geerntet werden. Denn die Region Basel ist aufgrund des Wetters ein Frühgebiet, wir sind die Ersten, die liefern können», so Bürki. Was man mit den Erdbeeren dann macht, ist jedem selbst überlassen. Manche mögen sie mit Rahm, manche mit Zucker – wobei letzteres bei den regionalen Erdbeeren meistens nicht nötig ist. Hans Bürki mag sie am liebsten nature und dazu Schoko- oder Vanille-Glacé. MM
MIGROS-WELT | MM22, 26.5.2015 | 79
Mehr Wissen! Die Erdbeere ist eine Sammelnussfrucht. Die vielen «Nüsschen» sitzen auf dem fleischigen Blütenboden.
In nur vier Wochen haben sich die Blüten zu saftig roten Erdbeeren entwickelt. Hans Bürkis Felder liegen nahe der Schweizer Grenze.
Die Bürki Gemüse AG in Riehen ist seit jeher treue Lieferantin der Migros Basel. Heute wird sie in zweiter Generation von Hans Bürki geleitet.
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Mein Nachbar in Hongkong
«Platz ist hier Mangelware» Thomas Paroubek
NACHBARN | MM22, 26.5.2015 | 83
Bier auf dem Balkon: Thomas Paroubek und Kam Bahra im siebten Stock ihres Hochhauses in Hongkong.
Seit vier Monaten leitet Thomas Paroubek das Beschaffungsbüro der Migros in Hongkong. Er lebt in einem Wohnturm neben einem indischen Nachbarn, den er allmählich besser kennenlernt. Text: Janine Wagner
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Bild: Philipp Engelhorn
homas Paroubek (40) ist mit seiner Frau und seinen beiden Kindern (3 und 5) Anfang dieses Jahres nach Hongkong gezogen. In der chinesischen Metropole leitet er das Beschaffungsbüro der Migros. Paroubek steht einem Team aus Schweizern und Einheimischen vor, das die Einhaltung der Richtlinien bei Importprodukten aus dem asiatischen Raum sicherstellt. So haben Migros-Kunden die Sicherheit, dass Artikel aus Fernost unter fairen Arbeitsbedingungen entstanden sind. Familie Paroubek wohnt im siebten Stock eines für Hongkonger Verhältnisse sehr kleinen Wohnblocks mit lediglich 20 Etagen. Keller? Estrich? Fehlanzeige. Dafür hat sich die Familie mit den Nachbarn, indischen Sikhs, angefreundet. «In unserem Haus wohnen neben Hongkongern auch zahlreiche Expats, Menschen aus anderen Kulturkreisen», erzählt Paroubek. Zehn Prozent aller Einwohner Hongkongs sind Ausländer. Der Kontakt zu den Nachbarn ist bis dato zwar spärlich; man geht frühmorgens zur Arbeit, kehrt spät wieder zurück. Und dennoch: Es gibt sie, die persönlichen Begegnungen im Flur, die kurzen Gespräche im Hauseingang. So weiss Paroubek zum Beispiel, dass sein Nachbar Kam Bahra (52) einst aus beruflichen Gründen nach Hongkong gekommen ist. Aber wie lange das her ist? «Ich lebe seit elf Jahren in Hongkong», gibt Bahra in akzentfreiem British English bereitwillig Auskunft. «Meine Familie wanderte nach England aus, als ich zehn war.» In London studierte der gebürtige Inder Luftfahrttechnik, arbeitete später als Wirtschaftsprüfer, kam so in die Finanzindustrie und mit ihr nach Hongkong.
Bahras Söhne sind ausgezogen – der eine macht in Hongkong gerade seinen Abschluss, der andere studiert in Oxford. Anders als Kam Bahra ist Thomas Paroubek neben der Arbeit zurzeit voll damit beschäftigt, die Grossstadt zu entdecken und die ersten Worte Kantonesisch zu lernen. Und dann sind da noch die neuen, beengenden Platzverhältnisse, an die er sich gewöhnen muss. «Die Velöli der Kinder und mein Bike stehen auf dem Balkon», sagt er. Biken in Hongkong? «Ja, tatsächlich», lacht er. «Mit der Fähre bin ich in einer halben Stunde auf einer einsamen Insel im Bikeparadies.» Entspannt ist er, der Mann. Kaum zu glauben, dass er vor gerade erst drei Monaten mit Kind und Kegel um die halbe Welt gereist ist, um ein neues Leben zu beginnen. Entgegen aller Befürchtungen gelang es seinen Kindern leicht, sich in Hongkong zu integrieren. Bereits kurz nach der Ankunft fanden sie neue Freunde. Damit die Kleinen sich weiter an die Internationalität Hongkongs gewöhnen, rät Bahra seinen Nachbarn, dem Landhockey-Club beizutreten: «Landhockey fördert den Mannschaftsgeist!», ist er sich sicher. Die Schweizer Familie hat Hongkong mitsamt Kulturpatchwork nach kurzer Zeit bereits ins Herz geschlossen. «Kürzlich war ich geschäftlich in der Schweiz», erzählt Paroubek. «Da habe ich am Ende der Reise erstmals gesagt und gleichzeitig gefühlt: Jetzt fliege ich heim.» Es ist kein leichtes Unterfangen, in einem fremden Land ein neues Leben aufzubauen. Das Kennenlernen neuer Menschen hilft. Gemeinsam mit den Bahras planen die Paroubeks deshalb ein Essen. Chicken Masala und Raclette für den Völkeraustausch. Genau so geht Nachbarschaft. MM
NACHBARN | MM22, 26.5.2015 | 85
Mein Nachbar – der Kassier
«Er ist mein Stammkunde»
Markus Zimmermann
In der Basler Migros-Filiale Claramarkt ist mit den Jahren eine Freundschaft entstanden: Kunde Arnold Waltisberg stellt sich immer bei der Kasse von Markus Zimmermann an. Text: Janine Wagner
Bild: Salvatore Vinci
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Nachbarschaftlicher Schwatz an der Kasse: Markus Zimmermann (links) und Arnold Waltisberg kennen sich seit zwölf Jahren.
s ist Montagmorgen. In der Migros Claramarkt beginnt eine neue Woche mit rund 40 000 Kundin nen und Kunden aus dem kun terbunten Quartier, die regel mässig im Herzen Kleinbasels stöbern und einkaufen. Unter ihnen ein kleiner, grauhaariger Mann, in dessen Gesicht sich die Spuren eines bewegten Lebens eingegraben haben. Ansonsten: unauffällig. Bis ihn die erste Mitarbeiterin entdeckt. «Hallo, Noldi, wie gehts?», ruft sie fröhlich. «Miserabel, mir gehts wirklich hundsmiserabel! Ich bin zu bemitleiden», tönt es zurück. Die Mitarbeiterin lacht. Sie kennt Arnold Waltisberg (88). Alle Mitarbeitenden hier kennen ihn. Und einer kennt ihn besonders gut. Es ist Markus Zimmermann (57), seit zwölf Jahren Kassier im Claramarkt Basel. Ist er bei der Arbeit, reiht sich Arnold Waltisberg mit seinen Einkäufen an seiner Kasse ein. Immer. Egal, wie lang die Warteschlange ist. Ist er nicht da, lässt er ihm einen Gruss ausrichten. Längst sind die beiden per Du. Markus Zimmermann weiss, dass «mise rabel» Noldis Standardantwort ist auf die Frage, wie es ihm geht. Und er weiss auch, dass es ihm lange Zeit wirklich hundsmise rabel ging. Als er Arnold Waltis berg kennenlernte, kam dieser noch mit seiner Frau zum Einkaufen in den «Claramarkt».
Irgendwann dann kam er allein. Seine Frau lag schwer krank zu Hause. Nach fünf Jahren der aufopfernden, liebevollen Pflege starb sie. Ein Wendepunkt in seinem Leben. «Fast 57 Jahre waren wir zusammen», erzählt Arnold Waltisberg, und seine Stimme wird brüchig. «Allein meiner Frau habe ich es zu verdanken, dass ich so alt geworden bin.» Zimmermann kennt die Geschichte. Zwar waren es jeweils kaum mehr als ein paar Minuten, in denen er an der Kasse mit seinem Kunden sprechen konnte, dennoch weiss er, dass Arnold Waltisberg in seiner Frau die Liebe seines Lebens gefunden hatte. Ebenso registrierte er, wie ihr Tod aus ihm einen anderen Menschen machte. Er erfuhr, dass Arnold Waltisberg sieben Stunden täglich am Grab seiner Frau verbrachte; stehend, liegend, trauernd. «Sieben Stunden!», ruft Markus Zimmermann heute noch sichtlich bewegt, «das berührte mich sehr.» Wenn im mer möglich nahm er sich Zeit für den gezeichneten Mann an seiner Kasse. Er plauderte mit ihm, versuchte, ihn aufzustellen. Längst war der «Claramarkt» zu Arnold Waltisbergs Lieblings filiale und zu einer Art zweiter Heimat geworden. Und irgend wann, Jahre später, ging es ihm besser. Zimmermann hat seinen Teil dazu beigetragen. MM
86 | MM22, 26.5.2015 | NACHBARN
Meine Nachbarin – die Zweitgrossmutter
Was unsere Leser über ihre Nachbarn schreiben. Migrosmagazin.ch
«Ich war der Quartierschreck, der ihr die Blumen ausriss»
Denise Sinito
Martha Augustin und Denise Sinito kennen sich seit 41 Jahren. Bis auf einen Unterbruch von sechs Jahren – als Denise kurz auszog – waren sie durchgehend Nachbarinnen. Nun bewohnt die Familie Sinito in Landquart das Elternhaus von Denise und erfreut sich der Zweitgrossmutter im Nebenhaus. Aufgezeichnet von: Laila Schläfli
Martha Augustin: Zwetschge lise! Denise Sinito: Baabä! Martha: Ich will nicht ins MigrosMagazin! Schreiben Sie das! Denise überredet mich im mer zu solchen Sachen, wie jetzt zu diesem Interview. Es wird einfach gemacht, was sie will. Denise: Seich! Wir kennen uns schon seit meiner Kindheit. Damals war ich der Quartier schreck, der ihr die Blumen ausriss oder die Briefkästen der Nachbarn mit Steinen füllte. Martha: Du konntest zwängeln, wenn du etwas wolltest. Und du gingst oft mit meinem Pudel spazieren. Einmal wurde er von einem anderen Hund gebissen – und du sagtest nichts. Denise: Ich hatte Angst! Martha: Geschimpft habe ich nie. Das nützte bei dir sowieso nichts. Denise: Wir alle schätzen deine Geschichten von früher.
Bild: Salvatore Vinci
Martha: Ohne Führerschein! Eigentlich hatte ich mich schon gefreut, dass du mit den Kindern wieder hier wohnst (zu Denise). Aber du siehst halt alles bei mir. Denise: Das sagt die Richtige! Aber es stimmt: Wir sehen ein ander in die Küche. Dann winke ich jeweils hinüber. Martha: Was? Du winkst mir doch nie! Denise: Du siehst es bloss nicht. Leider kommst du selten einfach so vorbei – aus Angst, uns zu stö ren. Wir sehen dich nur, wenn du morgens die Zeitung bringst, nachdem du sie gelesen hast. Martha: Ich hab mir überlegt, die Zeitung nicht mehr zu brin gen. Ihr solltet sie selber holen. Denise: Einmal hattest du das Portemonnaie nicht mehr gefunden … Martha: … wie so vieles … Denise: … ein Griff – und ich hatte es!
Martha: Ja, heute ist alles anders: Früher waren wir froh, wenn wir ein Velo hatten – heute haben alle ein Auto.
Martha: Du bist da, wenn ich Hilfe brauche. Sei es beim Ra senmähen oder Einkaufen. Im Grossen und Ganzen ertrage ich die Nachbarschaft mit dir gut.
Chiara Sinito: Genau! Und dann erzählst du, Mama, dass ich mit dem Auto im Quartier herum gefahren bin.
Denise: Ja, ja … Ich weiss: Wenn du mich als Freund hast, brauchst du keine Feinde mehr, gäll. MM
Leserstory
NACHBARN | MM22, 26.5.2015 | 87
Was sich liebt, das neckt sich: Denise Sinito (42, rechts) und ihre Tochter Chiara (20) mit Nachbarin Martha Augustin (89).
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Mein Nachbar – der Schrebergärtner
«Nützt dein neues Ultraschall-Dings etwas?» Lore Burlet
Seit mehr als 15 Jahren pflanzen und jäten Eleonore Burlet und Rafael Gutierrez Pünt an Pünt. Die Familiengärten im Effretiker Butzenriet sind ihre zweite Heimat geworden. Aufgezeichnet von: Almut Berger
Eleonore Burlet: Also, so zusammenhöckle wie grad jetzt bei mir hier auf der Terrasse, das machen wir sonst nicht, gell, Rafi! Rafael Gutierrez: Nein, aber reden schon, oder, Lore? Meist auf dem Wegli zwischen unseren beiden Gärten. Eleonore Burlet: Aber mehr so über das Wetter, nichts Privates. Und was die Schnecken wieder alles abgefressen haben. Und die Werren, die sind auch schon wieder riesig, da hilft nur Gift. Und dann die Mäuse, die sind sowieso unser ewiges Thema. Nützt dein neues Ultraschall-Dings eigentlich was?
Bild: Salvatore Vinci
Rafael Gutierrez: Das kann ich noch nicht sagen. Wieso? Stört dich das hohe Pfeifen? Eleonore Burlet: Nein, nein, ich hörs schon gar nicht mehr. Ich selber habe ja so einen alten Spazierstock, der meinem Schwiegervater gehört hat. Mit dem stochere ich immer in den frischen Mäusegängen rum. Hatte ich schon erzählt, dass der Rafi die grössten Stangenbohnen vom ganzen Pflanzerverein zieht? Sagenhafte 20 Zentimeter! Rafael Gutierrez: Die Samen habe ich vor Jahren aus Südspanien mitgebracht; wie sie heissen, weiss ich aber nicht.
NACHBARN | MM22, 26.5.2015 | 89
Rafael «Rafi» Gutierrez (65) und Eleonore «Lore» Burlet (77): In ihren Stühlen sitzen sie nur für das Gespräch, meist sind die beiden am Werken.
Eleonore Burlet: Rafis Bohnen schmecken auf jeden Fall sehr gut, das kann ich beurteilen. Ich bin nämlich eine begeisterte Hobbyköchin. Drum baue ich auf meinen Beeten auch vor allem Gemüse an. Blaukabis beispielsweise fülle ich heiss ein, anderes landet in meiner grossen Gfrüri. Diesen Winter habe ich nicht einmal Gemüse kaufen müssen. Rafael Gutierrez: Die Lore kann wirklich kochen, sie hat mir auch schon gute Tipps gegeben. Eleonore Burlet: Ui, jetzt werd ich fast ein bisschen verlegen. Der Rafi ist aber auch ein Guter. Seit mein Mann gestorben ist, mäht er
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mir den Rasen. Ich will ja meinen Plätz noch möglichst lang bewirtschaften können. Ich finde, man braucht ein Ziel, einen Ort, wo man täglich für ein, zwei Stunden hingehen kann. Gerade auch, wenn man allein lebt wie ich jetzt. Rafael Gutierrez: Du, Lore, nochmals wegen der Mäuse. Das hohe Pfeifen, stört dich das wirklich nicht? Eleonore Burlet: Nein, nein, ich hörs schon gar nicht mehr! Was mich hingegen stört, sind die Samen der Chrottepösche, die grad wieder überall rumfliegen. Aber es jäten halt nicht alle so ordentlich wie der Rafi, gell! MM
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NACHBARN | MM22, 26.5.2015 | 91
Erika Sprenger beim Einsammeln von fremdem Laub. Schuld daran: die Pappeln des Nachbarn im Hintergrund.
Mein Nachbar – die Nervensäge
«Seit 31 Jahren rechen wir fremdes Laub!» Erika Sprenger
Zwietracht im Thurgau: Erika Sprenger ärgert sich über das Laub, das vom Garten des Nachbarn auf ihr Grundstück weht. Eine Geschichte über zwei Streithähne und zu viele Pappeln. Text: Anne-Sophie Keller
Bilder: Salvatore Vinci
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NACHBARN | MM22, 26.5.2015 | 93
Was tun bei Zoff mit dem Nachbarn? Die Tipps. Migrosmagazin.ch
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an kann nicht sagen, dass Erika Sprenger (74) gut auf das Thema Nachbarschaft zu sprechen ist. Das Problem ist aber nicht direkt ihr Nachbar, der hier gern einfach Peter Müller genannt werden möchte, sondern die Botanik. Seit Jahrzehnten besitzt Peter Müller 14 Pappeln, die in 13 Meter Ent fernung zum Haus des Ehepaars Sprenger stehen. Das hat Folgen: «Dachrinne, Balkon, Hausplatz und Garten sind bei uns das ganze Jahr hindurch mit Ästen und Laub belegt. Bei Gewitter und Sturm ist es arg», sagt Sprenger. Das Laub mit dem Handrechen zu entfernen bringe jeweils wenig. «Dann fährt er unmittelbar nachher freund licherweise mit dem Motormäher durch seinen Garten und befördert das Laub von seinem Areal wieder zu uns.» Damit nicht genug: Müller habe einen Landwirt gesucht, der Schweinegülle auf sein Areal verteilt, damit es stinke. Die letzten 31 Jahre seien nicht einfach gewesen, sagt Erika Sprenger. Nun will der Unruhestifter von nebenan auch noch seine Garage zur Töffliwerkstatt umbauen. Daraufhin reich te Sprenger Einspruch gegen das Baugesuch ein. Es gehe ihr um den Umweltschutz. «Streit ist ihr Hobby»
Der beschuldigte Nachbar zeigt sich teilweise einsichtig: «Manchmal gefällt mir das auch nicht, wie es hier aussieht», sagt Peter Müller (67). Ende April habe sich dann die Gemeinde eingeschaltet. Frau Sprenger habe gedroht, das Laub in seinen Teich zu werfen. «Von wegen Umweltschutz», spottet Müller. Später habe Frau Sprenger ihn noch beim Kanton angeschwärzt. Er sei ein «böser Hagel», soll sie gesagt haben. Danach habe sie ihm einen Ast vor die Haustür gelegt. Als Warnung, wie Peter Müller meint. «Streit ist ihr Hobby. Vor Jahren hatte sie mit einem Bauern über die Heubelüftung und den Dreck ge stritten. Wenn alle so wären, gäbe es gar keine Bäume mehr. Von wo soll denn der Sauerstoff herkommen?», fragt er sich. Er sei zu alt für solche Stürmereien. Bis die Sache mit der Garage kam: «Ich habe keine Pensionskasse; ich muss arbeiten. Der Umbau der Garage zur Werk statt ist wichtig für mich.» Also ging er Unterschriften sammeln. Erika Sprenger habe geschimpft wie ein «Wald voller Affen». «Wissen Sie, Fehler habe ich schon gemacht», gibt Peter Müller zu, «zum Beispiel mal im Garten Sperrholz verbrannt.» Damit habe er aber aufgehört. Nur schon wegen des Teichs. Erika Sprenger habe er nun versprochen, sich um das Laub zu kümmern. Und auch sie kann der Geschichte etwas Gutes abgewinnen: «Immerhin ist mein 84jähriger Mann heute noch fit, nachdem er 31 Jahre lang fremdes Laub zusammengesammelt hat.» Wenn Herr Müller wolle, dann solle er halt diese Garage ein richten. Die Einsprache habe sie mittlerweile zurückgezogen. MM
Dass sich der beschuldigte Nachbar zumindest teilweise einsichtig zeigt, freut Erika Sprenger.
94 | MM22, 26.5.2015 | NACHBARN
Mein Nachbar – der Scientologe
«Das ist keine Religion, sondern eine reine Geldmaschine»
Thomas Erlemann
A
m 25. April hat Scientology in Basel ein neues Zentrum eröff net. Zur Einweihungsfeier kamen laut Scientology rund 2500 Mitglieder, viele aus dem Ausland. Sogar der oberste Scien tologe, David Miscavage, flog extra aus den USA ein. Gestört wurde die Eröffnungsfeier von einer Anwohnergruppe, die lautstark gegen die Präsenz der Sekte im Wohnquartier protes tierte. Laut Thomas Erlemann (50) kamen rund 300 Personen. Der Sozialpädagoge hat für das MigrosMagazin fünf Sorgen der Nachbarschaft formuliert. Patrick Schnidrig (47), Immo bilienunternehmer und Präsident von Scientology Basel, antwortet darauf: Eine Sekte in einem Wohnquartier, das geht einfach nicht. Wir be fürchten, dass Sciento logy aktiv missioniert. Erste Flyer in Brief kästen gab es bereits.
Flyer sind in Basel nicht verboten und ein idealer Kanal, um etwas mitzutei len oder anzubieten. Der Empfänger entscheidet selbst, was er damit tut. Aber wir haben nicht die Absicht, in diesem Quar tier die Nachbarn aktiv zu missionieren. Und wir ha ben hier im Allgemeinen gute Kontakte, viele Nach barn haben uns am Tag der offenen Tür besucht.
In anderen Ländern bietet Scientology günstige Nachhilfestunden für Schulkinder an und ver sucht so, über ahnungslose Kinder und Jugendliche an die Eltern heranzukom men. Planen Sie so was auch bei uns?
Nein, wir planen keine Nachhilfestunden für Schulkinder. Aber ein wichtiger Teil der Sciento logy ist unsere Studier Technologie. Bildung ist wohl das wichtigste Fun dament für Erfolg und Selbständigkeit im Leben. Die Fähigkeit, zu studie ren, ist unersetzlich. Wir bieten das weltweit an, auch in Basel. Scientology bezeichnet sich selbst als Kirche. Beschäftigt man sich aber näher damit, spricht mit Ehemaligen oder schaut den neuen Dokumentar film «Going Clear: Scien tology and the Prison of Belief» des USBezahl senders HBO an, wird klar: Das ist keine Religion, son dern eine gut organisierte Betrügerbande, eine reine Geldmaschine, deren Ziel es ist, ihren Anhängern so viele Mittel wie möglich aus der Tasche zu ziehen.
Es ist völlig okay, dass es Ehemalige gibt, die gibt es überall. Scientology bietet Wissen und Werkzeuge für die alltäglichen Her ausforderungen im Leben, für Beruf und Familie. Und ja, die Dienste und Bücher kosten etwas. Das ist völlig legitim, und wir
Patrick Schnidrig in den Räumen des neuen ScientologyZentrums im Basler Iselinquartier.
NACHBARN | MM22, 26.5.2015 | 95
Im Basler Iselinquartier herrscht Aufruhr. Ende April hat Scientology dort ein neues Zentrum eröffnet. Familienvater Thomas Erlemann führt den Widerstand an und formuliert die Ängste des Quartiers. Patrick Schnidrig, Präsident von Scientology Basel, antwortet darauf. Text: Ralf Kaminski
Bilder: Salvatore Vinci
finanzieren uns so. In vielen Ländern sind wir als Religion anerkannt, sogar der Bundesrat erklärte, dass wir als Religionsgemeinschaft zu behandeln sind. Es ist uns sehr wichtig, dass Leute sich aus erster Hand informieren und so sehen, dass Falschinformationen kursieren. Unser neues Gebäude gibt dazu eine gute Möglichkeit. HBO macht übrigens keine Dokumentarfilme, sondern erstellt gegen Bezahlung völlig einseitige Angriffe gegenüber Organisationen, so auch gegen den verstorbenen Apple-Chef Steve Jobs und andere.
Nachbar Thomas Erlemann leitet den Widerstand der Quartierbewohner gegen die Sekte.
Die Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel sind keine 500 Meter entfernt vom neuen Zentrum. Die Psychiatrie jedoch gehört zu den Lieblingsfeinden von Scientology – diese Nachbarschaft birgt grosses Konfliktpotenzial. Kommt hinzu, dass psychisch labile Menschen zu den Hauptopfern von Sekten gehören.
Wir suchen keinen Konflikt, sondern weisen darauf hin, dass hinter der Psychiatrie ein Milliardengeschäft mit Psychopharmaka steckt. Wer glaubt, dass mit Pillen die Probleme des Lebens langfristig gelöst werden, glaubt auch an den Osterhasen. Psychiatrie versucht, Menschen anzupassen und stillzuhalten. Elektroschocks werden
auch in der Schweiz noch gegeben und heissen heute aus marketingtechnischen Gründen Elektrokrampftherapie. Wir wollen, dass Menschen lebendiger sind und sich persönlich entfalten können. Scientology agiert vor allem über Immobilienfirmen, oft weiss man nicht, dass die was mit der Sekte zu tun haben. So gelingt es, klammheimlich mehr Gebäude und Land zusammenzukaufen. Wir fürchten, dass das Zentrum hier so noch weiter wächst, und wir wollen wirklich nicht das neue Schweizer Clearwater werden (der Hauptsitz der Scientology befindet sich in Clearwater, Florida, USA, Anm. d. Red.). Ich bin seit 20 Jahren
Unternehmer im Immobilienbereich und seit 19 Jahren Präsident der Basler Scientologen. Beides ist im Handelsregister seit jeher offengelegt, und ich habe es bei jeder Presseanfrage bestätigt. Das einzige Projekt, das ich im Iselinquartier realisiere, ist die Umgestaltung von 50 oberirdischen, betonierten Parkplätzen in ein neues Wohnhaus mit einer Tiefgarage und einer schönen Begrünung. Dies ist im Sinne der Stadt Basel, trägt zur Stadtentwicklung bei und schafft zusätzlichen Wohnraum. Es hat nichts mit Expansionsplänen von Scientology zu tun. Unser Gebäude reicht uns. MM
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NACHBARN | MM22, 26.5.2015 | 97
Meine Nachbarin – die Hühnerfrau
«Die Hühner weggeben? Kommt gar nicht in Frage!» Martina Häfelfinger
Seit mehr als 40 Jahren hält Margrit Ammann Hühner als Nutztiere, seit gut zwei Jahren unterstützt Martina Häfelfinger ihre betagte Nachbarin beim Betreuen der Tiere. Dabei profitiert die junge Mutter vom umfangreichen Wissen der Rentnerin. Text: Laila Schläfli
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as Klackgeräusch der Tür ist das Erste, was Martina Häfelfinger (31) frühmorgens vom Hühnerstall her hört. Dann das «Gerede» der zehn Hühner, weil sie Hunger haben – Zeit zum Füttern für Margrit Ammann (81). Etwa um halb acht öffnet die Seniorin den Tieren das Tor zur Wiese und sammelt die gelegten Eier ein. Gut fünf Stück pro Tag gibt es, die teilen sich die Nach barinnen aus Oberneunforn TG nach Bedarf. Die restlichen ver kaufen sie. Die Tiere sind ein Gemein schaftsprojekt: Margrit Ammann, die schon seit über 40 Jahren Hühner hält, wollte sie weggeben: Das Misten in dem kleinen Häus chen wurde ihr zu anstrengend. Das war vor zweieinhalb Jahren. Damals zog Martina Häfelfinger mit ihrer Familie wieder in das Nachbarhaus, in dem sie gross geworden war. Für sie war klar: «Das kommt gar nicht in Frage!» So kam die Arbeitsteilung zustande: Margrit Ammann ist für die Fütterung und Haltung zuständig, Martina Häfelfinger für das Putzen und Misten. Hühner und Garten verbinden «Ich hätte das jetzt mit dem Besen gemacht und sie in eine Ecke gedrängt», kommentiert die Rentnerin Fangversuche der jungen Familienfrau. Bis aufs
Bild: Salvatore Vinci
Leserstory
Wenn Hühner verbinden: Margrit Ammann (links) mit ihrer Nachbarin Martina Häfelfinger und deren Kinder Max (7) und Katharina (6).
Metzgen hat Martina Häfelfinger alles, was sie über Hühner weiss, von ihrer Nachbarin gelernt. «Bisher habe ich noch kein Huhn getötet», sagt die junge Frau. Das stehe ihr noch bevor: «Ich finde, wenn man Hühner als Nutztiere hält, muss man dazu in der Lage sein.» Margrit Ammann kennt sich aber nicht nur bei den Hühnern aus, sondern versteht auch was vom Gärtnern: Was ist Unkraut? Was muss raus? Was blüht wann? Martina Häfelfinger gerät ins Schwärmen. «Sie ist eine Garten koryphäe.» Die Rentnerin erwidert: «Du hast schon mehr Flair für die Pflanzen als deine Mutter.» Margrit Ammann hat den Direktvergleich: Sie hat rund zehn Jahre neben der Mutter von Martina Häfelfinger gelebt. «Obwohl Martina eine kleine Rotznase war, freute ich mich sehr, als sie wieder in ihr Eltern haus einzog.» Diese zeigt auf ihre Tochter Katharina und sagt: «Ich habe jetzt die Quittung: Die ist genau wie ich damals.» Die Rentnerin ist voll in den Alltag der Familie eingebettet. Und am Abend spazieren die beiden Nachbarinnen zwischen den Beeten im Garten und be staunen die getane Arbeit. Die Rentnerin schätzt die Gesell schaft: «So habe ich immer Be trieb um mich herum und fühle mich weniger allein.» MM
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Pierre Stamm (links) und Christof Berner in den Weinreben. Im Hintergrund: Le Landeron NE, dahinter links Erlach BE.
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Mein Nachbar – der Romand
«Ich verbringe meine Freizeit gern in der Romandie»
Christof Berner
Zwei Orte, zwei Kantone, zwei Sprachen und dazwischen ein Fluss als Trennlinie: Christof Berner aus Erlach und Pierre Stamm aus Le Landeron erzählen von Annäherungsversuchen an der Sprachgrenze. Text: Anne-Sophie Keller
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ie Strassen heissen Märit oder Spittelgässli, im Bistro Bärengraben bestellen Wanderer ein Egger-Bier, im Clubhaus trifft sich der Schützenverein: Das Städtchen Erlach BE am westlichen Fuss des Bielersees könnte einem bernischen Bilderbuch entstammen. Doch fährt man dem See entlang Richtung Norden und überquert dabei die Zihl, tun sich neue Welten auf: «Bienvenue! Willkommen!» steht dort zweisprachig unter der Ortstafel von Le Landeron NE. Die Rue de la Croix führt direkt in die malerische Vieille Ville. Auf der Speisekarte des Restaurants Hôtel de Nemours stehen Schnecken und ein Absinth-Soufflé, daneben spielen ältere Herren Pétanque, und an der Zihl, die hier Thielle heisst, grüsst man sich mit Bonjour statt Grüessech. Der Kanal, der den Bieler- mit dem Neuenburgersee verbindet, markiert hier die Kantonsgrenze Bern/Neuenburg und trennt somit auch die Deutschschweiz von der Romandie. Auf den zweiten Blick sieht man: Die Grenze
Bild: Salvatore Vinci
ist weich. Das fängt bei Pierre Stamm (58) an, dem Dorfmetzger in Le Landeron: Sein Grossvater stammt aus Schaffhausen. Dass man Deutsch lernt, ist für ihn also selbstverständlich. «Es ist schade, dass das ökonomische Interesse für Englisch so gross ist. Zum Zusammenleben ist die jeweils andere Landessprache enorm wichtig», sagt Stamm. Doch die Romands hätten oft Angst, sich zu exponieren und sich auszudrücken. «Viele Generationen haben unter extremem Druck Deutsch lernen müssen. Das hat Spuren hinterlassen.» Man müsse sich halt etwas öffnen. Integration in der Schule
Eine gewisse Offenheit gegenüber denen «ännet em Grabe» bestätigt auch Christof Berner (31). Er ist Gemeindeschreiber von Erlach und im Städtchen geboren. «Ich erlebe die Gegend hier als sehr durchmischt – auch politisch. Hier, an der Grenze, möchten wir den aktiven Austausch vorleben.» Das fängt früh an: Das 10. Schuljahr wird in der benachbarten Gemeinde
gemacht, und im 3. Lehrjahr tauschen die Betriebe für einen Monat die Lehrlinge aus. Darüber hinaus hat das welsche Flair einen gewissen Charme: «Ich verbringe meine Freizeit gern in der Westschweiz», sagt Berner, «die Mentalität der Romands ist einfach anders und viel lockerer.» Dass die Schweiz sich allmählich auch gegen innen öffnet, spürt man ebenfalls in Le Landeron: So will das Dorf demnächst die historische Partnerschaft mit Solothurn ausbauen. Die Annäherung ist nicht nur an den Ufern der Zihl spürbar: In der welschen Gemeinde BasVully FR ist die Deutschschweizer Minderheit stark gewachsen. Und in Gals BE südlich des Zihlkanals ist mittlerweile rund ein Drittel der Gemeinde frankophon. Doch ganz konfliktfrei ist das Zusammenleben in Gals nicht immer: Im Sommer 2012 sollen die Romands die Gemeindeversammlung geschwänzt haben, weil dort nur Berndeutsch gesprochen wurde. Mittlerweile konnte man sich auf Hochdeutsch einigen. MM
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Mumbai, Indien
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LEBEN | MM22, 26.5.2015 | 105
Quiz
Gewinnen Sie eine von 3 Migros-Geschenkkarten im Wert von je 100 Franken! Ermitteln Sie für jede Quizfrage den richtigen Lösungsbuchstaben. Der Reihe nach in die acht Lösungsfelder eingetragen, ergibt sich das Lösungswort. 1. Welcher Fluss gilt als Realsymbol für den Röstigraben? U Rhein
T
Saane
E
Reuss
2. Alle Winkel am Halbkreisbogen (Thaleskreis ) sind … Winkel. N stumpfe
R gestreckte
A rechte
3. Welcher Kanton grenzt nicht an das Fürstentum Liechtenstein? D St. Gallen
G Thurgau
T
Graubünden
E
Amriswil
S
Punk
So nehmen Sie teil
4. Wo in der Schweiz befindet sich ein Schulmuseum? K Brig
I
Faido
Tel. Wählen Sie die 0901 560 042 (Fr. 1.–/Anruf ab Festnetz) SMS Senden Sie MMD2, gefolgt von dem Lösungswort, Ihrem Namen und Ihrer Adresse an die 920 (Fr. 1.–/SMS). Beispiel: MMD2 TASTSINN Hans Mustermann Musterstrasse 22 8000 Musterhausen Postkarte (A-Post) Migros-Magazin, Quiz, Postfach, 8074 Zürich Internet www.migrosmagazin.ch/raetsel Teilnahmeschluss: Sonntag, 31.5.2015, 24 Uhr
5. Wie heisst eine Apfelsorte aus Neuseeland? B Jazz
L
Blues
6. Welcher dieser Schauspieler lehnte 1973 den Oscar ab? L
Jack Nicholson
U Marlon Brando
G David Niven
7. Bei welcher Sportart kommt der Pinguinschlag zum Einsatz? S
Baseball
E
Badminton
C Rennrodeln
8. Was wird eingesetzt, um gezielte Regen- oder Hagelbildung zu erzeugen? H Silberiodid
L
Uran
N Erbium
Teilnahmebedingungen: Auf der ersten Rätselseite
Auflösung Nr. 21: LAUBWALD
Gewinner Nr. 19: Roman Schenker, Niederhasli ZH; Gabriela Chapuis, Münchenbuchsee BE; Karin Klaus, Metzerlen SO
Lösungswort: 1
2
3
4
5
6
7
8
Paroli
Gewinnen Sie eine von 3 Migros-Geschenkkarten im Wert von je 100 Franken! Füllen Sie die zehn Wörter in das Rätselgitter ein. Das Lösungswort ergibt sich aus den Buchstaben in den Feldern 1 bis 5. 2 5 1
E
4
Auflösung Nr. 21: SEIFE Gewinner Nr. 20: Franziska Rauscher, Basel; Hana Culakova, Rheinfelden AG; Christina Werder, Unterlunkhofen AG
3
BE I SE I TE E I SGLAT T FL I ESSE I GA EN S E E I I BERER I N MAL T ESER R E G E N A RM REN I T ENZ UNT ERL I D Z E I NDL ER
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3 5 8 1 6 9 2 5 7
Auflösung Nr. 21: 832
6 8 7 4
3 4 9 6 8 1 7 2 5
4
9 2 8
3 7 1 6 5 9 4 8
6 4 3 1
1 2 6 5 9 7 8 4 3
8 7 5 4 3 2 6 9 1
6 5 1 8 7 4 9 3 2
2 8 4 3 5 9 1 6 7
9 3 7 2 1 6 4 5 8
4 1 8 9 2 5 3 7 6
5 6 3 7 4 8 2 1 9
7 9 2 1 6 3 5 8 4
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Bimaru
Brücken
Die Zahl bei jeder Spalte oder Zeile bestimmt, wie viele Felder durch Schiffe besetzt sind. Diese dürfen sich nicht berühren und müssen vollständig von Wasser umgeben sein, sofern sie nicht an Land liegen.
Jeder Kreis stellt eine Insel dar. Die Zahl darin gibt an, wie viele Brücken dort enden. Brücken sind nur zu horizontal oder vertikal benachbarten Inseln erlaubt. Diese dürfen mit einfachen oder doppelten Brücken verbunden werden. Am 2 5 4 4 3 Schluss sollen alle Inseln miteinander verbunden 1 sein. Verboten: Kreuzungen, diagonale Brücken 3 2 3 2 2 und mehr als zwei Linien.
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Impressum MIGROS-MAGAZIN vormals: Wir Brückenbauer Wochenblatt des sozialen Kapitals Organ des MigrosGenossenschafts-Bundes www.migrosmagazin.ch Auflage/Leserschaft: Beglaubigte Auflage: 1 569 115 Ex. (WEMF 2014) Leserschaft: 2 391 000 (WEMF, MACH Basic 2015-1) Adresse Redaktion und Verlag: Limmatstrasse 152, Postfach 1766, 8031 Zürich Telefon: 058 577 12 12 Fax: 058 577 12 08 redaktion@migrosmagazin.ch Herausgeber: Migros-Genossenschafts-Bund Leiter Migros-Medien: Lorenz Bruegger
Publizistische Leitung: Monica Glisenti Chefredaktor: Hans Schneeberger Produktion/Ressort Leben: Andrej Abplanalp (Leitung), Bettina Langenbach (Chefin vom Dienst), Gerda Portner (Produzentin), Daniel Schifferle (Verantwortlicher Leben), Heinz Stocker (Korrektor) Ressort Menschen: Sabine Lüthi (Leitung), Andrea Freiermuth, Yvette Hettinger, Ralf Kaminski, Anne-Sophie Keller (Volontärin), Monica Müller, Reto E. Wild Migros-Welt: Ressort M-Aktuell: Daniel Sidler (Leitung), Jean-Sébastien Clément, Anna Meister, Sabine Müller, Christoph Petermann, Thomas Tobler, Michael West
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Druck: DZZ Druckzentrum Zürich AG
PUNKTEN. SPAREN. ERLEBEN. LILIBIGGS KINDER-FESTIVALS 2015 Stars, Clowns, Hip-Hop-Shows, spektakuläre Zaubershows, Open-Air-Kino und Märchentheater: Die Lilibiggs Kinder-Festivals gehen 2015 mit einem tollen Programm auf Tour. Mit dabei zwei grosse Namen – Ritschi und Pepe Lienhard.
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Datum: 6. Juni bis 27. September 2015 Ort: diverse Spielorte Preis: Familienpass für 3 Pers.: Fr. 56.– statt Fr. 70.– Familienpass für 4 Pers.: Fr. 68.– statt Fr. 85.– Familienpass für 5 Pers.: Fr. 80.– statt Fr. 100.– Informationen und Buchung: www.cumulus-ticketshop.ch
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Die Walensee-Bühne überrascht zum zehnjährigen Jubiläum mit einem besonderen Höhepunkt: Freuen Sie sich auf die Neuinszenierung von «Titanic – Das Musical». Kommen Sie mit an Bord, tauchen Sie ein in die Welt des legendären Ozeandampfers und geniessen Sie ein bewegendes, romantisches Bühnenerlebnis. Datum: 26., 29. und 30. Juli sowie 5. August 2015 Ort: Walenstadt Preis: Fr. 46.50 bis Fr. 105.75 statt Fr. 62.– bis Fr. 141.–, je nach Kategorie Informationen und Buchung: www.cumulus-ticketshop.ch
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Jeden Monat treffen sich die besten Stand-Up-Comedians im Bernhard Theater. Datum: 14. April / 12. Mai / 16. Juni 2015 Ort: Zürich Preis: Fr. 19.– bis Fr. 36.75 statt Fr. 19.– bis Fr. 49.– Infos und Buchung: www.cumulus-ticketshop.ch
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Freuen Sie sich auf fesselnde Musikabende. Datum: 10. Juli bis 6. August 2015 Ort: diverse Orte Preis: Fr. 16.– bis Fr. 24.– statt Fr. 20.– bis Fr. 30.–, je nach Kategorie Infos und Buchung: www.cumulus-ticketshop.ch
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BEI FRAGEN RUND UM CUMULUS: CUMULUS-INFOLINE 0848 85 0848
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Unser Lieblingsprodukt
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Der Bio Alpenkräutertee: Er ist nicht zu süss, schmeckt natürlich und ist Bio – «e Schnurre voll Alpe».
Unsere Welt
«Es gibt keine Regeln, und doch funktioniert alles reibungslos»
Die Nachbarn
Der Verein «Die Nachbarn» basiert auf einer Zwölfer-Wohngemeinschaft in Uerikon. Die WG dient als Haupttreffpunkt für Aktivitäten, darunter viel Sport, Spass und Spiel. Auf dem Laufenden halten sich die 32 Mitglieder über mehrere WhatsApp-Chats. Text: Laila Schläfli Bilder: Daniel Winkler
NACHBARN | MM22, 26.5.2015 | 111
Nachbarschaftshilfe: Adressen und Onlinedienste. Migrosmagazin.ch
1 Unser Zuhause Zu zwölft bewohnen
wir ein teilrenoviertes Bauernhaus. Es gibt keinen Putzplan und keine Abrechnung – trotzdem funktioniert alles reibungslos. Es ist ein Geben und Nehmen. 2 Unser Lieblingsrestaurant «Dave’s
Kitchen» im alten Hausteil: Wenn David (25), Jonathans Bruder, kocht, schreibt er es in den WG-Chat. Sehr zu empfehlen sind seine Rösti und die Lasagne. 3 Unsere Leidenschaft Die Begeisterung für Sport ist unser gemeinsamer Nenner. Alles Sportmaterial ist in zwei Räumen gelagert.
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Name: Die Nachbarn Zweck: Unser Verein bringt
Menschen in Uerikon ZH und Umgebung zusammen. Mit sportlichen Aktivitäten oder gemeinschaftlichen Events fördert er die Nachbarschaft und vertieft Freundschaften. Geschichte: Angefangen hat es mit einer Facebook-Gruppe zwischen zwei benachbarten WGs. Der Name entstand, weil sich Jonathan die Namen nicht merken konnte und mit «Hallo, Nachbar!» grüsste. Mittlerweile gehören drei benachbarte Häuser dazu, total sind es 32 Personen, einige wohnen auch ennet der Gemeindegrenze. Über Aktivitäten informiert ein WhatsApp-Chat. Hauptsitz: Die 12er-WG ist der Kern des Vereins, der in Stäfa ZH eingetragen ist. Ein Mal pro Jahr gibt es eine Generalversammlung.
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4 Unsere Gründer Fünf der sieben
Gründungsmitglieder (von links): Präsident Thomas Meyer (30), Adrian Lohner (28), seine Frau Caroline Lohner (25), Dominik Schwitter (27) und – auf dessen Schultern – Jonathan Heusser (28). 5 Unser WG-Leben Wenn wir uns abends treffen, jassen wir oft oder inspirieren uns für weitere Projekte. 7
6 Unsere Turnhalle Jonathan und Adrian haben den Dachstock zu einem Boulderraum umgebaut. Dienstags ist er öffentlich, da kommen sogar Leute aus Bern und dem Tessin. 7 Unser zweites Zuhause
Wir sind oft in der Natur, etwa in den Glarner Alpen, um Energie zu tanken.
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