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Migros-Magazin-18-2020-d-OS

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Ausgabe Ostschweiz, AZA 1953 Sion Response Zentral, Psdg DP AG, Ent.bez.A 44631

migrosmagazin.ch | MM18, 27.4.2020

Resilienz: Schwere Zeiten besser meistern

Auf Achse

Drei Tage auf den Fersen von Bundesrat Alain Berset Seite 18

Lockdown: So trotzen kreative Köpfe der Krise

Immobilien

Seite 10

Wie wirkt sich Corona auf Hypozinsen und Hauspreise aus? Seite 42

Jetzt wollen alle bio essen Biobauer Christian Rathgeb Bild: Roger Hofstetter

Seite 50

hat alle Hände voll zu tun Seite 36

Bitte Wohnungswechsel der Post melden oder dem regionalen Mitgliederdienst: Tel. 0041(0)71 – 493 24 51, E-Mail: mireg@gmos.ch


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4 | 27.4.2020 | MEINE MIGROS

IN KÜRZE Endlich wieder offen

Gute Neuigkeit für alle Hobby­ gärtner und Heimwerker: Die Fachmärkte Do it + Garden und Obi sind ab sofort wieder offen. Wie in den Supermärkten gilt auch dort die Regel, dass man sich im Laden nicht näher als zwei Meter kommen sollte.

Eiskalt und brandneu Masken in der Migros

Ab sofort verkauft die Migros Hygienemasken. Sie sind in beschränkter Anzahl in grösseren Filialen sowie online auf galaxus.ch und doitgarden.ch erhältlich. Pro Kunde wird jeweils nur eine Schachtel à 50 Stück abgegeben. So tragen Sie die Maske richtig: www.migmag.ch/masken

Die Migros sucht Schleckmäuler, die vier neue Glaces testen und bewerten. Zum Beispiel gibt es die klassische Vanilleglace mit dem S ­ eehund auf der Verpackung jetzt auch in einer laktosefreien Variante mit 20 Prozent weniger ­Zucker. Interessierte können sich auf migipedia.ch melden.

Corona: Viele wollen helfen Während der Epidemie

Steckdose statt Zapfsäule Sind Elektroautos

wirklich so viel umweltfreundlicher als Fahrzeuge mit Benzinmotor? Und wie verwandelt man einen herkömmlichen Laster in einen flüsterleisen Elektro-Truck? Um diese Fragen geht es in der neuesten Ausgabe des GenerationM-Podcasts «Chrut und Rüebli». Jetzt reinhören: generation-m.ch/podcast

Trotz Corona können sich Jugend­ liche bei der Migros um eine Lehre ­bewerben: Gegenwärtig sind noch rund 500 Lehrstellen offen, ­besonders im Verkauf und in der ­Genossenschaft Migros Aare – also in den Kantonen Bern, Solo­thurn und Aargau. Das Bewerbungsgespräch läuft ­etwas anders als sonst ab: Die ­Schülerinnen und Schüler stellen

sich nicht am Arbeitsort, sondern in einer Videokonferenz oder manchmal in einem Telefonge­spräch vor. Das Wichtigste bleibt aber gleich: Es geht darum, sich ­vor­­ab gründlich über den Wunschberuf zu infor­ M e hr mieren, beim Gespräch ­Fragen zu stellen und auch erfahren: möglichst viel von sich . migros-gruppe ­selber zu erzählen. n le el jobs/lehrst

Bilder: Getty Images, zVg

sind viele Gruppen entstanden, die in der Nachbarschaft Hilfe anbieten – von der Kinder­betreuung über Fahrdienste bis zu Besorgungen für Seniorinnen und Senioren. Über 1100 dieser Gruppen sind über hilf-jetzt.ch erreichbar. Das Migros-Kultur­ prozent hat beim Aufbau der Onlineplattform mitgeholfen.


MEINE MIGROS | 27.4.2020 | 5

Sackstarke Badehose Aus einer Migros-Tragetasche hat Kundin Diana Rikasari aus Lausanne diese Shorts ­geschneidert und das Foto ­danach auf Instagram gezeigt. Ihr Kommentar dazu: «Mir ­ war während der Corona-­ Quarantäne langweilig.»

Mehr Zeit zum Sammeln Die Sammelpromotion Nature Heroes

geht in die Verlängerung: Sie dauert neu bis am 18. Mai. Für einen Einkauf im Wert von 20 Franken bei der Migros, bei LeShop oder Do it + Garden gibts einen Sticker. Wer seine Sammelkarte mit Aufklebern gefüllt hat, kann sie bis 25. Mai einlösen und bekommt dafür zum Beispiel ein Insektenhotel oder einen Indoor-Kräutergarten. natureheroes.migros.ch

Hilfe für die Stammbeiz

Alle Schweizer Restaurants bleiben auf unbestimmte Zeit geschlossen. Das bringt viele Lokale in Existenznot. Dank der neuen Onlineplattform helpgastro.ch kann man nun aber seine Stammbeiz unterstützen, indem man ihr einen Gutschein ­abkauft. Die Migros unterstützt den Betrieb der Plattform.


Bild: Jorma Müller

6 | 27.4.2020 | AUGENBLICK


AUGENBLICK | 27.4.2020 | 7

10:16 Uhr

Gruppen-Fitnessinstruktorin Melanie von Activ Fitness schwitzt nur scheinbar allein. Ihr Training verfolgen gleich 40 Kundinnen und Kunden des Migros-Tochterunternehmens im Live-Video auf Facebook und trainieren zu Hause mit. An diesem Morgen steht ein 30-minütiges Intervalltraining auf dem Programm. Die Aufnahme ist am 22. April entstanden. Migros-Moment in Horgen ZH


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INHALT | 27.4.2020 | 9

INHALT 10 Schadensbegrenzung Kreativ durch den Lockdown: So helfen Kleinunternehmer sich selbst und anderen 17  1, 2 oder 3? 18  Unterwegs mit Berset 22  Den Tesla tanken An 91 Migros-Filialen kann man sein E-Auto aufladen 35  Dips selber machen

42

Falscher Zeitpunkt für einen Hauskauf? ­Diese Auswirkungen hat Corona auf den Immobilienmarkt

18

10%

10%

✓ Impressum MIGROS-MAGAZIN vormals: Wir Brückenbauer, Wochenblatt des sozialen Kapitals, Organ des­Migros-Genossenschafts-Bundes, Migrosmagazin.ch Adresse Limmatstrasse 152, Postfach 1766, 8031 Zürich Telefon: 0800 84 0848 Kontakt: www.migmag.ch/leser

Bilder: Niels Ackermann/Lundi13, Veronika Studer

Herausgeber Migros-Genossenschafts-Bund Chefredaktion Franz Ermel (Ltg.), Steve Gaspoz, Rüdi Steiner Auflage/Leserschaft: Beglaubigte Auflage: 1 550 818 Ex. (WEMF 2019) Leserschaft: 2 291 000 (WEMF, MACH Basic 2019-2) Abonnemente: abo@migrosmagazin.ch Tel.: 058 577 13 00 Ausführliches Impressum unter ­migrosmagazin.ch/impressum

Gesundheitsminister auf Achse: Alain Berset eilt derzeit von einer Besprechung zur nächsten ­Sitzung und weiter zur Pressekonferenz. Das ­Migros-Magazin hat ihn drei Tage lang begleitet.

35

Mal was anderes zum Znacht? Selbstgemachte Dips werden mit Crackern und viel Gemüse zur leichten Mahlzeit.

36  Plötzlicher Bioboom In der Coronakrise sind die Konsumenten scharf auf Biofrüchte und -gemüse 42  Migros Bank 44  Ihre Region Aktionen, Reportagen, News

49  Stadt, Land, Stutz 50  Krise – na und? Wie man seine seelische Widerstandskraft trainiert 52  Rätsel und Spiele 54 Migros-Lovestory Beim Kaffeeautomaten ­kamen sich Aylin und Pascal Hauser ­näher


10 | 27.4.2020 | LOCKDOWN

Ein Hofladen zu Gast im Blumengeschäft Als Judica Altmann ihren Blumen­ laden Flair in der Berner Altstadt schliessen muss, verschenkt die ­Floristin und Bäuerin ihre Bouquets kurzerhand auf der Strasse. Die 51-Jährige kultiviert die Pflanzen auf ihrem Hof in Kerzers FR. «Ich wollte sie nicht wegschmeissen.» Dann überlegt sie mit ihrem Mann, was sie tun sollen. In ihrem Geschäft hatten sie neben Blumen auch selbstge­ machte Konfitüre und Sirup verkauft. Altmanns ist klar, dass nun auch ­Bauern, die ihre Ware an Märkten verkaufen, um ihre Existenz bangen. Sie wollen helfen. Von Bauern zu ­Bauern. Und kontaktierten die ­Gemüseproduzenten Maurer aus Diessbach BE. «Wir boten ihnen an, ihre Ware vorübergehend bei uns zu verkaufen.» Für Maurers ein Glücks­ fall. «Wir generieren den grössten Teil ­unserer Einnahmen an Märk­ ten», erklärt die 39-jährige Lucy Mau­ rer. Die Biobauern sind dankbar, dass sie ihre Salate, Radiesli und Zwiebeln noch bis am Muttertag im umfunk­ tionierten Blumenladen anbieten können. «Das motiviert uns weiterzu­ machen, bis wir am 11. Mai hoffentlich wieder auf die Märkte dürfen.» Während der letzten Wochen durfte Altmann ihre Blumen nur per Velo­ kurier verkaufen. Die Unterstützung sei riesig gewesen. Eine Stammkun­ din hat über 20 Sträusse verschickt. Ab sofort darf Judica Altmann die Maierisli, die jetzt Saison haben, den Kunden wieder persönlich in die Hand drücken. «Das ist unbezahlbar.»

Noch bis am Muttertag kann Lucy Maurer (links) ihr Biogemüse im ­Blumenladen von Judica Altmann in der Berner Altstadt verkaufen.

Corona macht erfinderisch

Läden geschlossen, Restaurants geschlossen – dafür viele offene Fragen zur Zukunft: Gerade Kleinunternehmen mussten in der Coronakrise kreativ werden und neue Geschäftsideen entwickeln. Das Migros-Magazin stellt Menschen vor, die sich und anderen zu helfen wussten. Texte: Petra Koci, Yvette Hettinger, Manuela Enggist  Bilder: Daniel Winkler


LOCKDOWN | 27.4.2020 | 11

Eine Plattform für Zürcher KMUs Gutscheine und Online-Verkäufe sind für viele kleine Unternehmen der Rettungs­anker in der Coronakrise. Deshalb sind in den vergan­genen Wochen in der ganzen Schweiz

entsprechende Plattformen entstanden. «Nur für die Stadt Zürich gibts noch nichts», stellte Oliver ­Arnoczky (51), Inhaber der Zürcher Kommunikationsagentur Update AG,

erstaunt fest. Gleichzeitig ächzte ein Kunde der Agentur, der ­Gewerbeverband der Stadt ­Zürich, sunter coronabedingten Schliessungen seiner Mitglieder: Restaurants, Buchhandlungen, kleine Läden. Einige standen vor dem Aus. «Da wussten wir, was wir zu tun hatten», sagt Arnoczky. ­Zusammen mit seinen acht ­Mitarbeitern stellte er innert acht Tagen die Homepage hilf-lokalen-kmu.ch auf die Beine. Dort bieten jetzt Stadtzürcher Gewerbetreibende Ware oder Gutscheine an. ­Darunter sind Bars, Boutiquen oder Handwerker. Mit Beginn des Lockdowns ­waren auch der Update AG gleich mehrere Kundenauf­ träge ­weggebrochen: Das Zürcher Opernhaus musste seine Pforten schliessen, das Konzert Theater Bern ebenfalls. Eine Spitalkette legte wegen Corona gleich mehrere Projekte auf Eis. Viele fuhren ihre Online-­kommunikation herunter. Die KMU-Plattform hilft nicht, diese Verluste ­auszugleichen. «Fürs Erste verdienen wir nichts daran», sagt Arnoczky, «es ist ein ­Prestigeprojekt, das aber über den Lockdown hinaus Bestand haben soll.» Parallel hat die Agentur Kurzarbeit beantragt sowie einen der r­ aschen Kre­ dite – dieser lagert als eiserne Reserve auf einem Konto. Und doch hilft das KMU mit der Plattform nicht nur anderen KMUs, sondern auch sich selbst. «Jetzt können wir zeigen, dass wir da sind und etwas für unsere Kunden tun», so ­Arnoczky. In der Hoffnung, dass die Kunden das später mit Treue und Aufträgen verdanken. Irgendwie so, wie das auch mit Gutscheinen funktionert.

Oliver Arnoczkys ­Agentur hat eine Online-­ plattform lanciert, die das Stadtzürcher ­Gewerbe mit seinen Kunden vernetzt.


12 | 27.4.2020 | LOCKDOWN

Einkaufen im Bergrestaurant «Eggberger Lädeli» steht von Hand geschrieben auf der Kreidetafel am Eingang, daneben steht ein Tischchen mit Desinfektionsmittel. Aus der Lounge-­ Ecke im Berggasthaus Eggberge ist ein improvisiertes Verkaufslokal geworden. Über 100 Nahrungsmittel bieten Gaby und Andy Brownrigg hier an: Mehl, Zucker, Teigwaren, Milchprodukte, Gemüse und mehr. Erst im vergangenen Frühjahr hat das Paar das Gasthaus auf 1440 m ü. M. gekauft und mit viel Herzblut renoviert. Nach zehn Monaten nun der Lockdown. «Wir hatten fast gleichzeitig dieselbe Idee: Wir machen ein Lädeli», erzählt Gaby Brownrigg. Ihre Idee stellte die

46-Jährige sodann im Berg-­ Gruppenchat vor, bei dem die meisten der etwa 70 Bewohner von Eggberge mitmachen. Und nach positivem Echo holte sie sofort alle nötigen ­Bewilligungen ein.

Das autofreie Dorf Eggberge im Kanton Uri ist nur per Luftseilbahn erreichbar. Aktuell fährt diese am Morgen, Mittag und Abend für Einheimische, im Moment mit nur vier statt zwölf Personen pro Kabine. Da soll niemand für eine Milch oder einen Salat extra ins Tal fahren müssen, fanden die Brownriggs. Die Lebensmittel kommen per Bahn hinauf. Die Schwyzerin und der gebürtige

Brite verkaufen sie zu Ladenpreisen, wie sie auch in Altdorf unten gelten. Ihr Lädeli sehen sie als eine Dienstleistung. Das Soziale stehe im Vordergrund. «Wir sind Teil der Gemeinschaft. Und wir haben die Infrastruktur, sind 20 Meter von der Bergstation entfernt und können als Gastrobetrieb alles liefern lassen», so Andy Brownrigg. Ohne Notkredit ginge es aber nicht. «Das Lädeli bringt nur ein bescheidenes Einkommen», sagt Brownrigg, «wichtig ist uns auch, dass wir als Dorftreffpunkt offen bleiben.» Deshalb bietet das Paar jeweils am ­Freitag zusätzlich Take-away-­ Gerichte an. Bestellt wird einfach per Berg-Chat.

Desinfektionsmittel statt Kafi Schnaps Zuerst zögerte Urs Hecht. Seine im Herbst eingemaischten Äpfel und ­Birnen von Hochstammbäumen waren ­eigentlich für hochprozentigen Schnaps in Kaffeequalität gedacht. Sein Sohn Elias überzeugte ihn aber: «Es herrscht Notstand bei Desinfektionsmitteln. Lass es uns selber herstellen – als Hilfe für unsere Region.»

Die Brownriggs haben in ihrem Berggasthaus einen improvisierten Lebensmittelladen ­eröffnet. Die ­Dorfbewohner freuts.

Die prämierten Edel­ fruchtbrände produziert Urs Hecht im luzer­ni­ schen Gunzwil, vorwiegend für die Gastronomie. Die Krise bedeutet für ihn: rund 80 Prozent Einbussen. Aktuell be­ reitet er im Brand-Atelier und der Brennerei alles vor, um im Sommer ­wieder neue Produkte aus­zuliefern. Einen kleinen Zustupf bekommt er nun durch den Verkauf der Desinfektionsmittel ­anstelle von Schnaps für Kafi Lutz oder Kafi fertig. «Die Natur zeigt uns auch so, wie wertvoll sie ist», sagt der Brenner, «als Lebensraum, als Ressource


LOCKDOWN | 27.4.2020 | 13

Von Rapunzel und dem Gabenzaun Rapunzel backt Kuchen: Pia H ­ ansen (36) backt gern, und sie liebt es, i­ hren Mitmenschen Freude zu bereiten. Schwupps wurde aus diesen beiden Tat­sachen eine entzückende Idee: Die Primarlehrerin aus Bülach ZH bietet hausgemachte Kuchen an, die sie zu einem vereinbarten Zeitpunkt in ­einem Korb aus dem Fenster ihrer ­Wohnung ­abseilt. Mit der gebührenden ­sozialen ­Distanz nimmt man vor dem Haus das G ­ ebäck in Empfang und legt einen selber gewählten Unkostenbeitrag in einem Couvert in den Korb. Bestellungen: rapunzels.backstube@gmail.com. Der Geldwäscher: In der Bäckerei am Schaubmarkt in Stein am Rhein SH kann man nicht mit der Karte zahlen. Damit ­An­gestellte und Kunden auch jetzt kein ­virenverseuchtes Bargeld anfassen müssen, nimmt Bäckermeister Franz Marty die Noten und Münzen in einer Schale entgegen und reinigt sie über Nacht in seinem Backofen. Auch sein Wechselgeld ist selbstverständlich gebacken, sprich virenfrei.

Urs Hecht (links) liess sich von Sohn Elias ­überzeugen: Aktuell ­benötigen die ­Menschen ­Desinfektionsmittel dringender als Schnaps.

für Nahrungsmittel, Fruchtbrände – und eben auch Desinfektionsmittel.» Von der Eidgenössischen Zollbehörde musste der 57-Jährige eine ­Bewilligung zum Verkauf eines medizinischen ­Produkts einholen. Dafür wird der Alkohol mit ­Zusätzen ungeniessbar gemacht. Auf der Desinfektionsflasche sind die

Wirkstoffe aufgeführt: 75% Alkohol aus Früchten, Kampfer, Farbstoff. Mit dem Kampfer, einem ätherischen Öl, hat seine Desinfektionslösung ­einen leichten Fettanteil und damit einen guten Schmiereffekt an den Händen. Sie riecht leicht nach Frucht, «aber nur einen kurzen Moment lang», schmunzelt Hecht.

Das Obst für sein Mittel stammt übrigens ausschliesslich aus einem Umkreis von zehn Kilometern. Und auch die fertige Handdesinfektionslösung soll in erster Linie ein regionales Produkt bleiben, dem Gewerbe und Privaten in der Umgebung dienen. Das liegt Urs Hecht am Herzen.

Der Gabenzaun: Plastiksäckli mit Bananen, WC-Papier oder Trockenfrüchten hängen seit ein paar Wochen an einem Zaun an der Zürcher Langstrasse. Die Gaben sind für ­Bedürftige gedacht, die coronabedingt ­weniger von ­sozialen Einrichtungen ­umsorgt werden als sonst. Hinhängen darf jeder ­etwas, den Inhalt sollte man per ­Etikette ­deklarieren. Der erste Gabenzaun der Schweiz stand in Basel, importiert ­wurde die Idee aus Deutschland. Homeoffice im Hotel: So mancher «Homeofficeler» ist zu Hause von Baustellen oder nervigen Nachbarn umgeben statt von der kontemplativen Ruhe, die er für seine Denkarbeit braucht. Für solche Fälle bieten findige Hoteliers – ihrerseits durch Reise­ restriktionen abgestraft – Oasen der Ruhe an, etwa das Hotel Belvoir in Rüschlikon ZH oder das Lofthotel Murg SG – Afterwork-­ Desinfektion ist hier inbegriffen. Design vs. Viren: Designstudent Pascal Walther (23) hat das Tool der Stunde ent­ wickelt: den Hygienegriff, mit dem man ­Türen öffnet oder Einkaufskörbli trägt, ohne sie zu berühren. Wer einen 3-D-Drucker ­besitzt, kann das Tool mit Walthers Plänen selber herstellen. Das Motto des Studenten: «Hab deine Hygiene im Griff».


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LOCKDOWN | 27.4.2020 | 15 Kurzes Treffen im Atelier: Schneidermeisterin Christine Schönbächler (rechts) und Lehrtochter Andrea ­Hufschmid nähen Masken im Akkord.

haben müssen, konnte die ­Medizinerin auch gleich sagen. Deshalb sind alle Produkte bei 60 Grad waschbar und haben eine Innenseite aus Leinen. «Dieser Stoff ist ein natür­ liches Antiseptikum», weiss Schönbächler. Drei Stück kos­ ten zwischen 64 und 79 Fran­ ken und werden der Schneide­ rin quasi von der Maschine weg abgekauft – 900 Stück ­bislang. Schönbächler kommt knapp nach mit Liefern, ob­ wohl sie seit sechs Wochen produziert, ohne freien Tag, und mit ihr die Lehrtochter ­sowie ein Schneiderkollege aus Solothurn – jeder für sich im Home-Atelier natürlich. Die Homepage gesichtsschutz.ch haben Familie und Freunde ­gebaut, Schönbächlers pensio­ nierter Ehegatte schmeisst den Onlineshop, erledigt Adminis­ tratives und macht die Auslie­ ferungen. Mit den Einnahmen durch die Masken plus Tag­ geldern der Ausgleichskasse kommt Schönbächlers Betrieb finanziell nun über die Run­ den, sie kann die Schliessung des Ateliers verhindern. Und sogar noch einen Franken pro Maske abzweigen. Der geht an die Caritas. «Diese Krise hat eine ganz neue Kreativität frei­ gesetzt», sagt die Schneiderin zwischen Lachen und einem kleinen Seufzer. Und neue Kunden seien auch in Sicht. Eine Gartenzaunfirma hat ­einen Auftrag angekündigt, «für nach Corona». MM

Masken aus der Massschneiderei Zehn Stunden am Tag sitzt Christine Schönbächler (59) zurzeit über die Nähmaschine gebeugt und fertigt Gesichts­ masken. Aus Leinen und Baumwolle, in Weiss, Rot, Grün, auf Wunsch auch mit Blümchen oder Karomuster drauf. Normalerweise entwirft und schneidert Schönbächler edle Bekleidung und histori­ sche Kostüme nach Mass oder ändert Teile ab. «Aber beim Anprobieren kann der vorge­

schriebene Abstand von zwei Metern natürlich nicht ein­ gehalten werden», erklärt sie. Die Schneidermeisterin aus Solothurn durfte wochenlang keine Kunden empfangen. Also stellte sie auf Gesichtsmasken um, und zwar pünktlich zum Lockdown – einer Kundin sei Dank: diese ist Ärztin und hatte der Schneiderin schon in den ersten Wochen der Corona­ krise geraten, Masken zu nähen. Welche Eigenschaften diese

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KOLUMNE | 27.4.2020 | 17

Albträume

1, 2 ODER 3 ? Als der Grosse (9) klein war, plagten ihn nachts immer wieder schlechte Träume. Erst versuchten wir, sie durch eine Spezialtruppe von Plüsch­ tieren abzuwenden. Dann bastelten wir einen Traumfänger, der noch immer über seinem Bett hängt. Mittlerweile sieht er etwas mitgenommen aus – der Kleine (4) findet ihn gar «gfürchig». Sein bester Traumfänger ist sein grosser Bruder; auf dessen Matratze fühlt er sich nachts in Sicherheit. Dennoch suchen ihn bis­ weilen Albträume heim. Darin verliert er sein Lieblingsauto oder wird von seinem besten Freund in eine Pfütze geschubst. Möchte der Kleine mit dem Grossen etwas am TV gucken, das nicht alters­ gerecht ist, sage ich: Wenn du mitschaust, träumst du schlecht. Lange hat ihn das Argument überzeugt. Kürzlich aber ­ hat er gekontert: «Ich habe noch nie nach einem Film für Grössere schlecht geträumt. Aber ich habe immer dann Albträume, wenn ich nicht mitschauen darf.» – Und jetzt? MM 1 Wir testen seine steile These: Er darf

bei «Harry Potter 3» mitschauen.

2 Ich lache. Seine Argumentation ist zwar Illustration: Lisa Rock

clever, überzeugt mich aber gar nicht. Wir basteln einen Traumfänger für 3 den Kleinen – einen, der auf verpasste Filme und die Folgen spezialisiert ist.

Monica Müller (45) hat zwei B ­ uben, einen Mann, einen Job, einen Haushalt. Mal wäre sie gern mehr Leitwölfin, mal mehr Gandhi.

Antwort 3: Ich bin ziemlich sicher, dass er begeistert mitwirken wird. Und ich bin gespannt, ob er den Traumfänger lieben oder verschmähen wird. Anzeige

Das Richtige tun

Wenn Armut ihr Gesicht zeigt Erfahren Sie mehr über Mariam: caritas.ch/mariam

Mariam Khalaf (25) aus Syrien, verwitwet, 3 Kinder, lebt im Flüchtlingslager im Libanon


18 | 27.4.2020 | CORONAKRISE

Unterwegs mit

Monsieur Santé Das Migros-Magazin hat Bundesrat Alain Berset drei Tage begleitet und ist mit dem Gesundheitsminister von Termin zu Termin geeilt. Bilder: Niels Ackermann

Mittwoch, 15. April: Der Gesundheitsminister trifft sich im Bernerhof mit Vertretern und Vertreterinnen der Kantone, um den Ausstieg aus dem Lockdown zu b ­ esprechen. Der Hut, in diesen Tagen sein treuer Begleiter, bleibt draussen beim Assis­tenten (ganz oben). Später bespricht sich Berset an einer Telefonkonferenz mit seinem Departement.


CORONAKRISE | 27.4.2020 | 19

Donnerstag, 16. April: Improvisiertes Meeting mit Mitarbeitenden in den Gängen (oben rechts: Daniel Koch), Liftfahrt im Innenminis­ terium und danach die Pressekon­ferenz mit Bundespräsidentin ­Simonetta Sommaruga und Wirtschafts­ minister Guy Parmelin.

«Ich hätte gerne früher mehr Klarheit gehabt, dass die Situation so problematisch ist. Aber am Anfang waren wir alle ein bisschen ungläubig.»

Anschliessend folgt der TV-Marathon. Berset: «Ich glaube fest an die Macht der Worte. In ­Krisenzeiten ist es wich­ tig, den richtigen Ton zu finden, um zu erklären, was vor sich geht.»


Gemeinsam für die Schweiz. Helfen Sie mit! Unsere Solidarität ist gefordert. Deshalb bringt die Post die Briefmarke «COVID-19 Solidarität» für Hilfe in der Schweiz heraus. Unsere Mitarbeitenden verbinden auch in dieser schwierigen Zeit die Schweiz. Zeigen auch Sie sich solidarisch und helfen Sie mit. Sämtliche Einnahmen gehen an die Glückskette und an das Schweizerische Rote Kreuz zugunsten von Personen und Familien in der Schweiz, die unter den Auswirkungen des Coronavirus besonders leiden. Wir danken Ihnen, dass Sie gemeinsam mit uns ein Zeichen setzen. Die Briefmarken sind online auf postshop.ch sowie unter der Telefonnummer 0848 66 55 44 bestellbar. Erhältlich im 10er-Bogen à CHF 50.–. Die Post ist da. Für alle. Auch jetzt.

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CORONAKRISE | 27.4.2020 | 21

Mit «Mr. Corona» Daniel Koch auf dem Weg zur Pressekon­ferenz und vor dem Eingang zu ­Bersets ­Departement.

«Meine acht Jahre Erfahrung als Bundesrat sind mir sehr nützlich.»

Immer wieder heisst es «Hände desinfizieren». Rechts: Der Bundesrat sucht in der Büroküche des Innenministeriums nach Besteck.

Donnerstagabend (16. April), 20 Uhr: Noch immer mit Hut, aber jetzt in Jeans und Leder­jacke, macht sich der Gesund­heits­ minister auf den Weg in seine Berner Wohnung.


22 | 27.4.2020 | ELEKTROAUTOS

Stark unter Strom Die Migros ist die Nummer 1 für Kundinnen und Kunden mit Elektroauto: Bei 91 Filialen im ganzen Land können sie ihr Fahrzeug aufladen. Text: Michael West  Illustration: Belicta Castelbarco

An den meisten ­ Lade­stationen kostet der Strom noch nichts. Nur auf 81 Parkplätzen in der Ostschweiz sowie in den Kantonen Wallis und Waadt ist das Aufladen bereits kostenpflichtig. Dort beträgt der Tarif 30 bis 50 Rappen pro ­Kilowattstunde und eine Grund­gebühr von Fr. 1.50 bis 2.–.

Auf insgesamt 234 Parkplätzen von Migros-Super­­­und -Fachmärkten gibts Steckerbuchsen für E-­Autos. So viele­­ Lademöglichkeiten bietet niemand sonst im Schweizer Detailhandel.

6

Alle Migros-Filialen mit Ladestationen finden Sie auf generation-m.ch/ elektroauto

Eine Ladestation der Migros versorgt ein E-Auto sechsmal schneller mit neuer Kraft als die gängige Wallbox in einer Privatgarage.

Der Amischlitten Tesla ­Model 3 und die zwei ­europäischen Kleinwagen Renault Zoe und BMW i3 waren 2019 die drei ­beliebtesten E-Autos der Schweiz. Der Tesla schaffte es in der Hitliste aller ­Neuwagen gar auf Platz 4.

234

3 1

Die Migros setzt bei Ladestationen auf eine einzige Energiequelle – nämlich auf den Strom aus sauberer ­ Schweizer Wasserkraft.

80

Wer seinem E-Auto etwas Gutes tun will, lädt den Akku nur zu 80 Prozent auf. Wird dieser nämlich stets voll geladen, verkürzt sich seine Lebensdauer.

4,2

Im vergangenen Jahr hatten 4,2 Prozent aller Schweizer Neuwagen einen rein elektrischen Antrieb. 2018 betrug der Anteil erst 1,7 Prozent.


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GENUSS | 27.4.2020 | 35

Dip, Dip, hurra!

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36 | 27.4.2020 | BIOGEMÜSE

Der Biobauer muss noch früher raus

Die Coronakrise lässt die Gemüse- und Früchteverkäufe ansteigen. Vor allem Bioprodukte sind begehrt. Damit es für alle reicht, sät Migros-Lieferant Christian Rathgeb früher an und versucht Kunden von weniger schönem Gemüse zu überzeugen. Text: Benita Vogel  Bilder: Roger Hofstetter


BIOGEMÜSE | 27.4.2020 | 37

W

Kleines Bild: ­Christian ­Rathgeb (links) bespricht mit ­seinen Mitarbeitern den ­Tagesablauf – selbstverständlich unter Einhaltung des Sicherheitsabstands.

eisse Schwaden schweben über den Ackerfeldern. Was aussieht wie eine Nebellandschaft, sind ­bewässerte Gemüsebeete. Die Mitarbeitenden von Rathgeb Bio in Unterstammheim ZH ­haben in den letzten Wochen hier ­Zucchetti angepflanzt. Weil das Wetter und die Böden trocken sind, müssen sie die Setzlinge schon jetzt bewässern. Extra-­ wasser benötigen die Pflänzchen, um beim Wachstum und bei der Qualität nicht ins ­Hintertreffen zu geraten. Gute Erträge sind heuer für Gemüsebauern besonders wichtig. Ihre Produkte sind gefragt. Nach dem Ausbruch der Corona-­ krise ist die Nachfrage in der Schweiz um bis zu einem Drittel gestiegen. Viele Menschen essen jetzt nur noch zu Hause, weil sie dort arbeiten und weil die Restaurants geschlossen sind. Zugleich hat der Gesundheits­ aspekt an Bedeutung gewonnen. Die «Konsumwende» kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt. «Der Frühling ist im ­Gemüseverkauf eine wichtige Zeit», sagt Stephan Blunschi, ­Bereichsleiter Einkauf Früchte und Gemüse beim Migros-Genossenschafts-Bund. Zwischen Februar und Juni werden etliche Importprodukte durch Gemüse aus der Schweiz abgelöst. «Weil in Schweizer Läden mehr gekauft wird, ist es möglich, dass die Importware nicht so lange reicht wie geplant», erklärt Blunschi. Nur «beim konventionellen Gemüse können allfällige Engpässe mit Gemüse aus der Gastronomie gedeckt werden». Denn dort findet es wegen des Lockdown keine Abnehmer. «Nachfrage wie selten zuvor»

Beim Biogemüse gibt es weniger Ersatzmöglichkeiten aus dem Gastronomiekanal, weil in Restaurants geringe Mengen an ­Biogemüse verarbeitet werden. Biobetriebe wie Rathgeb im ­ Weinland laufen deshalb auf

Hochtouren – umso mehr, weil Biogemüse besonders begehrt ist. «Wir sind Schwankungen ­gewohnt, aber jetzt erleben wir eine Nachfrage wie selten zuvor», sagt Firmeninhaber Christian Rathgeb (52), der die Migros seit 25 Jahren beliefert. Täglich verlassen zurzeit bis zu 25 Tonnen Rüebli das Lager von Rathgeb – rund fünf bis zehn Tonnen mehr als üblich. Das bedeutet viel Arbeit für den Chef und seine Angestellten. Auch Winterlauch vom Feld und Lagerkartoffeln gehen schneller weg als sonst. Die neue Lagerhalle in Unterstammheim, die Platz für 6000 Tonnen Gemüse bietet, leert sich schneller als in den Vorjahren. «Ende April sind die Rüebli wohl aus», sagt der Bioproduzent. Im Normalfall reichen sie bis Anfang oder ­Mitte Mai. «Eine noch bessere Verkaufsplanung als üblich ist deshalb das A und O.» Zeitweise hat er täglich Ernteprognosen, Termine und Liefermengen mit den Kunden an Telefonkonferenzen besprochen. Sonst findet der Austausch monatlich statt. Wachstum ist wetterabhängig

Angesichts des beschleunigten Verkaufs haben der Gemüseproduzent und sein Krisenstab alle Prozesse im Betrieb unter die Lupe genommen. Beispielsweise den Saat- und Setzplan. So ­wurde etwa die Aussaat von Sommerrüebli zeitlich vorgezogen. «Somit verfügen wir wieder früher über Ware und mittel­ fristig über eine bessere Ver­ sorgungsplanung», so Rathgeb. Viel Spielraum hat er indes nicht: Das Pflanzenwachstum ist bei Bio noch stärker vom Wetter abhängig als im konventionellen Anbau, chemisch synthetischer Dünger wie Stickstoff darf nicht eingesetzt werden. Einfach mehr Gemüse zu setzen, ist nicht so einfach. Rathgeb hat langjährige Anbaupläne mit vorgegebenen Fruchtfolgen, damit die Felder fruchtbar bleiben. Am wichtigs-


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BIOGEMÜSE | 27.4.2020 | 39

In der Abteilung ­Ver­packung wurden Plexiglaswände ­a­uf­gestellt, damit die ­Mitar­beiterinnen ­geschützt sind.

ten überhaupt ist aber das Personal. Käme es jetzt zu Absenzen, könnte Rathgeb nicht wie gewohnt säen, setzen und ernten. Im Frühjahr beschäftigt das Unternehmen ­normalerweise bis zu 270 An­gestellte – auf dem Feld, im ­Lager, beim Verpacken, der ­Logistik, im Verkauf und in der Administration. Momentan sind es um die 300. «Wir haben Anfang März bewusst aufgestockt und die langjährigen Erntehelfer aus Portugal und Osteuropa früher aufgeboten als sonst.» Er wolle genügend Personal haben, um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht zu überlasten. Auf erfahrene Kräfte setzen

Dabei setzt die Firma auf ­er­fahrene Angestellte. «Ich finde die Idee, im Lockdown Menschen ohne Job zu beschäftigen, zwar schön, aber die Anforderungen an beide Seiten sind enorm.» Nicht nur, was die Schulung betrifft. «Die Arbeit auf dem Feld ist hart, die Tage sind lang, das muss man aushalten können», so der Unternehmer. Zudem bestehe das Risiko, dass die Leute von einem Tag

«Statt neun fahren nur noch vier bis fünf Personen im Bus mit.» Christian Rathgeb Biobauer, Unterstammheim

auf den anderen weg seien, wenn Läden und Restaurants wieder öffnen. «Wir führen eine Liste mit allen Interessenten, die sich bei uns melden, und haben uns auf Jobplattformen registriert, um vorbereitet zu sein, falls wir doch Ausfälle hätten.» Bisher konnte Rathgeb aber Partnerbetrieben gar Personal ausleihen. Damit die Situation so stabil bleibt, legt Rathgeb viel Wert auf Gesundheit und Hygiene. «Wir halten die Vorgaben des Bundesamts für Gesundheit strikte ein.» Es gibt Sonder­schulungen zur Hygiene, und in der Verpackung wurde Plexiglas installiert. Und der Bauer hat zusätz­ liche Busse gemietet, um beim Transport aufs Feld genug Abstand garantieren zu können. «Statt neun fahren nur noch vier bis fünf Personen im Bus mit.»

Rathgeb ist zuversichtlich, dass er seine Kunden auch in der schwierigen Corona-Zeit mit ­genügend frischem Schweizer Biogemüse beliefern kann. Migros-Bereichsleiter Stephan Blunschi ist ebenfalls optimistisch – auch wenn er in den nächsten Wochen noch für das eine oder andere Gemüse ­zusätzliche Lieferanten suchen muss. «Das gehört zum Tages­ geschäft – wir haben ein grosses und gutes Netzwerk», sagt er. Zum Thema Verfügbarkeit hat Biobauer Rathgeb eine ­weitere Idee: «Gerade in dieser speziellen Zeit sollte man auch Gemüse kaufen, das nicht der Norm entspricht.» MM

Grössere Rüebli und kleinere Biosalate Die Migros hat bei diversen Gemüsesorten die Spezifikationen angepasst. So sind beispielsweise seit Mitte ­April schweizweit konventionelle Rüebli im Verkauf, die sonst in Restaurants verarbeitet werden. Diese Rüebli sind grösser und schwerer als die Karotten, die bis anhin im Verkaufsregal lagen. Je nach Region findet man auch ­Biogemüse, das der bisher geltenden Norm nicht entspricht, etwa kleinere Kopfsalate, grössere Biokarotten und leichteren Knoblauch.

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42 | 27.4.2020 | IMMOBILIEN

Ist meine Hypothek gegen das Virus immun?

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Die Coronakrise erschüttert Wirtschaft und Finanzmärkte – und tangiert auch den Immobilienmarkt stark. Was könnte auf Hausbesitzer und -käufer zukommen? Wir haben bei der Migros Bank nachgefragt und ­beantworten neun drängende Fragen. Text: Benita Vogel

1

Brechen die Häuserpreise ein?

Es ist nicht zu erwarten, dass die ­Preise für Wohneigentum ein­ brechen. Zwar wird die Schweizer Wirtschaft das Jahr wohl in einer ­Rezession beenden. Christoph Sax, Chefökonom der Migros Bank, geht aber nicht von einer mehrjährigen Rezession mit grosser Belastung der Wohneigentumspreise aus. Viele Länder haben Massnahmen ergriffen, um die Konjunktur zu stützen. Hinzu kommt, dass anders als an der Aktien­ börse im Immobilienmarkt keine ­Panik herrscht. Die Akteure warten eher ab – was den Markt etwas in Schockstarre versetzt. Auch die tiefen Zinsen sorgen weiter für weitgehend stabile Preise. Folglich ist nicht damit zu rechnen, dass Banken Hypothekar­finanzierungen öfter kündigen oder nachverhandeln werden.

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2

Steigen bald die Hypozinsen?

Die Hypothekarzinsen werden unter anderem von der Rendite der Staatsanleihen ­beeinflusst. Und diese ist derzeit hoch: Investoren fürchten, dass die Staatsschulden ­wegen der Coronakrise aus dem Ruder laufen. Dies hat die Hypozinsen leicht ansteigen lassen. Die Experten der Migros Bank gehen aber davon aus, dass die Sorgen im Fall der Schweiz übertrieben sind, und erwarten, dass die Rendite für die Bundesobligationen wieder sinkt. Der ­Anstieg der Hypothekarzinsen wird sich folglich nicht fortsetzen – auch, weil die Nationalbank ­weiterhin eine Tiefzinspolitik betreibt.

3

✓

Kurzarbeit: Was nun? Auch wenn Sie in Kurzarbeit sind, kann die bestehende Hypothek ­unverändert weiterlaufen. Die Lohnreduktion sollte ja bloss vorübergehend sein und die langfristige finanzielle Tragbarkeit der Hypothek nicht ­beeinflussen. Falls Sie ­dennoch Liquiditäts­ probleme haben, sollten Sie sich an Ihre Beraterin oder Ihren Berater ­wenden. Möchten Sie ein Haus oder eine Wohnung ­kaufen und dafür eine neue ­Hypothek abschliessen, ist es hingegen ratsam abzu­warten, bis die Kurzarbeit beendet ist.


IMMOBILIEN | 27.4.2020 | 43

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5

Kann ich jetzt überhaupt ein Eigenheim kaufen?

Was gehört zum Eigenkapital? Es gibt harte und weiche Eigenmittel. Eigene Ersparnisse, Guthaben der 3. Säule, Wertschriften, Rückkaufs­ werte von Versicherungspolicen, Schenkungen oder Erbvorbezüge sind harte Eigenmittel. Sie müssen mindestens zehn Prozent des Liegen­ schaftswerts ausmachen. Für das restliche erforderliche Eigenkapital bis mindestens 20 Prozent kommen weiche Eigenmittel infrage, etwa ­Bezüge oder Verpfändungen von ­Pensionskassengeldern. Nicht an­ rechenbar sind private Darlehen von ­Freunden oder Verwandten, soweit sie verzinst und zurückbezahlt ­werden müssen: Sie gelten wie eine Bank-Hypothek als Fremdkapital.

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Wie absichern, sollten die Zinsen doch einmal steigen?

Das hängt auch von Ihrer Risiko­ bereitschaft ab. Wenn Sie ein tiefes oder mittleres Risikoprofil haben und steigende Zinsen erwarten, passt für Sie ein Finanzierungsmix mit ­zeitlich gestaffelten Festhypotheken ideal. Im aktuellen Zinsumfeld emp­ fiehlt sich etwa eine Kombination von 7- und 10-jährigen Festhypotheken. Wer mehr Risikobereitschaft auf­ bringt, wählt etwa einen Finan­ zierungsmix mit einer Hälfte geld­ marktbasierter Hypotheken (­ Libor, später Saron) sowie je einem Viertel 5- und 10-jähriger Festhypotheken.

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Auch wenn sich der Immobilienmarkt in einer Schockstarre befindet, gibt es nach wie vor genügend Käufer und Verkäufer, sodass der Markt funktioniert. Rechnen Sie für eine mögliche Abwicklung jedoch genügend Zeit ein. Haus- und Wohnungs­ besichtigungen sind zurzeit oft nur eingeschränkt mög­ lich, beispielsweise per Video. Auch die Notariate und Grundbuchämter führen nur noch dringende und wichtige Beurkundungen durch.

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Wie viel darf es kosten?

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Es gibt zwei wichtige Kriterien: 1. Ihre Eigenmittel müssen mindestens 20 Prozent des Verkehrswerts abdecken, auf den Ihre Bank die ins Auge gefasste Immobilie schätzt. 2. Die finanzielle Tragbarkeit, also alle Wohnkosten – vorab Zinsen, Amortisationen sowie Neben- und Unterhaltskosten –, dürfen maximal 35 Prozent Ihres Nettoeinkommens ausmachen.

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Muss ich nach einem Börsencrash die Amortisation durch 3a-Fonds anpassen? Wenn Ihr 3a-Vorsorgefonds, mit dem Sie die Hypothek indirekt amortisieren, an Wert verloren hat, müssen sie kein Geld nachschiessen. Die indirekte Amortisation erstreckt sich über einen langen Zeitraum. So lassen sich auch im Moment markante Börsen­verluste üblicherweise korrigieren.

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Online-Hypothek: gibt es das? Ja. Eine neue Hypothek oder die Ablösung einer bestehenden Hypothek können Sie bequem und schnell von zu Hause aus beantragen. Wenn Sie bei der Migros Bank eine Festhypothek in der Höhe von mindestens 300 000 Franken online beantragen und abschliessen, gibt es zudem einen Bonus von 2000 Franken.

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Infos: migrosbank.ch/online-hypothek

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Endlich dürfen wir Sie wieder in unseren Filialen willkommen heissen! Bitte helfen Sie uns dabei, die allgemeinen Verhaltensregeln des BAG umzusetzen:

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Da bleibt man doch gern zu Hause: eine Gartenmöbelgarnitur, bei Micasa online bestellt und abgeholt.

Der Fachmarkt als Abholstation Auch wenn SportXX, Micasa und Melectronics geschlossen sind, erfüllen die Mitarbeitenden mit Vollgas Kundenwünsche: Neu kann man Bestellungen online oder telefonisch aufgeben und in den Fachmärkten abholen. Text: Natalie Brägger

Bild: zvg

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eit die Fachgeschäfte Mitte März in der ganzen Schweiz wegen der Corona-­ Pandemie schliessen mussten, herrscht in diversen Onlineshops ein regelrechter Ansturm. Dies hat teilweise lange Lieferfristen zur Folge. Mit dem Service «Reservieren + Abholen» entlasten die Fachmärkte der Migros die Paket-­ Logistik der Schweiz, zudem haben Kundinnen und Kunden so die Möglichkeit, schnell und unkompliziert an die gewünschten Produkte zu kommen. So sind bei Melectronics Druckerpatronen oder USB-Sticks ebenso erhältlich wie Laptops und ­Kaffeemaschinen. Wer Gartenmöbel, Liegestühle oder Dekomaterial direkt bei Micasa abholt, spart die Versandgebühren. Und bei SportXX erhält man schnell und unkompliziert Velohelme,

I­ nlineskates und andere Artikel für die tägliche ­Ration an Bewegung. Im Aussenbereich bereitgestellt

Die im Onlineshop oder per Telefon bestellte Ware stellen Mitarbeitende im Aussenbereich oder an der Rampe zur Abholung bereit. Selbstverständlich wurde bei der Einrichtung der Abholflächen auf hinreichende Abstände geachtet. Zudem werden die Zeitfenster der Abholung so gestaltet, dass es zu möglichst wenig Kontakten unter den Kunden kommt. Deshalb werden auch alle Kundinnen und Kunden, die online eine Reservationsanfrage tätigen, telefonisch über die Abholzeit informiert. MM Onlineshops: sportxx.ch, micasa.ch, melectronics.ch

Do it + Garden Migros und Obi wieder offen Die Obi-Baumärkte und alle Do it + Garden Migros dürfen heute ihre Türen wieder ­öffnen. Somit sind ­unter Einhaltung der Hygienerichtlinien ­wieder diverse Artikel für Heimwerker-­ projekte, Bastelvor­ haben und den Garten ­erhältlich. Dies freut neben den Mitarbeitenden auch regionale Lieferanten. Wer beim Kauf von Geranien, ­Petunien, Kräutern, Setzlingen und anderen Pflanzen auf das Label «Aus der Region. Für die Region.» achtet, unterstützt die regio­ nale Wirtschaft.


46 | 27.4.2020

Fabian Tobler von Vermarkter ProVerda und Simon L­ ässer vom Fahrmaadhof (rechts) freuen sich über die­ ersten Spargeln der Saison.

Mit der «SpargelSpinne» werden die kleinen ­Erddämme bei der Ernte abund wieder ­zugedeckt.

Mit einem Stechmesser schneidet ein Mitarbeiter die Spargeln ab­. Geübte Erntehelfer schaffen bis zu 10 Kilogramm pro Stunde.


27.4.2020 | 47

Text und Bilder: Lukas Aebersold

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angsam fährt die «Spargel-Spinne» durch das Anbaufeld, über unzählige kleine Erddämme, hebt die darauf ­liegende weisse Plane hoch und legt sie anschliessend wieder zurück. Auf dem Fahrmaadhof in Diepoldsau hat die Spargelernte begonnen. Zwei Saisonniers bedienen die Maschine, blicken prüfend auf die abgedeckte Stelle. Ein paar kurze Stiche des Erntemessers in die Erde – zum Vorschein kommt ein prächtiger, etwa 25 Zentimeter langer weisser Spargel. Auf rund einem Drittel des 30 Hektaren ­umfassenden Fahrmaadhofs werden Spargeln angebaut, zum grössten Teil weisse. «Zwar sind die Buschbohnen mengenmässig unsere wichtigste Kultur», erklärt Geschäftsführer Simon Lässer, «aber den Fahrmaadhof kennt man hauptsächlich wegen der Spargeln.» Neben Spargeln und Bohnen werden weitere 17 Früchte und Gemüse kultiviert, darunter Quitten oder ­Edamame – unreif geerntete Sojabohnen. Dass Spargeln einen grossen Teil der Anbau­ fläche belegen, ist kein Zufall. Das Rheintal, ­gerade Diepoldsau, ist ein idealer Ort für das Frühlingsgemüse. Dies aufgrund seiner besonderen Bodenbeschaffenheit. «Spargeln stellen sehr hohe Ansprüche an den Boden», e­ rklärt der studierte Agronom. «Er muss sehr durchlässig sein, nicht lehmig und darf keine Steine enthalten. Bildet sich Staunässe, so sterben die Pflanzen ab.» Der Fahrmaadhof grenzt unmittelbar an das alte Flussbett des Rheins, das 1923 bei der Begradigung des Flusslaufs abgetrennt wurde. Der sandige Schwemmlandboden bietet hier ausgezeichnete Bedingungen. Genug Regenerationszeit für die Pflanzen

Auf dem Fahrmaadhof dauert die Spargelernte von April bis Juni. «Am längsten Tag des Jahres hören wir jeweils auf», erklärt Simon Lässer. Die Erntezeit zu begrenzen, hat seinen Grund: «Die Pflanzen benötigen ausreichend Regenerationszeit, ansonsten leidet die Ernte im nächsten Jahr.» Auch sonst will das Gewächs gehegt und gepflegt werden, damit es über die bis zu 15 Jahre dauernde Lebenszeit reichen ­Ertrag bringt. Lässer und seine Mitarbeitenden überwachen dazu beispielsweise die Boden­ temperatur der Felder. Ist es zu warm oder zu kalt, werden die kleinen Erddämme ab- oder eben wieder zugedeckt.

Die Folien helfen zusätzlich dabei, das Ernte-­ zeitfenster zu steuern. «Schwarze Folien erwärmen den Boden schneller als weisse, also können wir auf diesen Feldern früher ernten», führt der gebürtige Diepoldsauer aus. Aber auch die Sortenwahl hat Einfluss darauf. Gutes Timing ist auf jeden Fall absolut zentral. ­«Spargeln müssen auf den Tag genau geerntet werden, sonst leidet die Qualität sofort.» Das bedeutet: Jeden Tag raus auf die Felder. Neue Absatzkanäle wegen der Pandemie

Eine zusätzliche Herausforderung stellt ­dieses Jahr die Corona-Pandemie dar. Der Absatz der Spargeln sei besonders anspruchsvoll, sagt ­Fabian Tobler, CEO des Rheintaler Gemüsevermarkters ProVerda, der auch die Spargeln des Fahrmaadhofs vertreibt. «Rund ein Drittel der Ernte geht jeweils in die Gastronomie. Dafür müssen wir nun andere Kanäle finden.»

«Spargeln müssen auf den Tag genau geerntet werden, sonst leidet die Qualität sofort.» Simon Lässer Geschäftsführer Fahrmaadhof

Deshalb habe man sich auch schon früh mit der Migros abgesprochen, um Lösungen zu erar­beiten. Ziel sei es, alles frisch zu vermarkten, doch die Spargeln könnten zur Not auch ein­gefroren werden. «Sicher ist, dass wir nichts wegwerfen», sagt Fabian Tobler zuversichtlich. «Es ist keine einfache Situation, doch wir schauen vorwärts. Es gibt immer einen Weg.» Glücklicherweise fehlt es nicht an Erntehelfern. «Die Saisonniers sind grösstenteils hier. ­Zudem haben sich über 100 Personen aus der Region gemeldet, die gerne vorübergehend bei uns arbeiten möchten», freut sich Geschäftsführer Lässer. Wenn schliesslich die frischen Spargeln auf dem Teller liegen, zusammen mit etwas Sauce hollandaise und Schinken, dann merkt man: Die ganze Mühe lohnt sich. MM

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Die Spargelernte ist in vollem Gang. Keine leichte Arbeit, wie ein Besuch auf dem Fahrmaadhof in Diepoldsau zeigt. Das Geschäft mit dem Frühlingsgemüse ist ganz schön herausfordernd.

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Der «König des Gemüses» hält Hof


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STADT, LAND, STUTZ | 27.4.2020 | 49

Illustration: Rinah Lang

«Lisa, runter vom Sofa!»

Lisa Stutz (26) sucht die Balance zwischen urban und ländlich. Und pickt von beidem das Beste heraus.

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STADT, LAND, STUTZ Unsere Familien­ hündin hiess Luna. Sie war ein schwarzer Tibet-Terrier. Den Erwachsenen ragte sie bis zu den Knien, hatte verwuscheltes Fell, lam­ pige Ohren, eine rosa-nasse Zunge und war das faulste Wesen, das ich kannte. Wenn ich viele Hausaufgaben hatte, dann guckte ich zur auf der Treppe dösenden Luna und wünschte mir, ich wäre sie. Mein Vater verwechselte manchmal unsere Namen, dann sagte er: «Lisa, sofort runter vom Sofa!» oder «Luna, wie ist deine Matheprüfung gelaufen?». Luna und ich waren dann jeweils sehr verwirrt, aber wir verziehen es dem über 40-Jährigen. Weil Kinder schon damals einen durch­ getakteten Tag hatten, wollte ich meinen ­regelmässig gegen das Hundeleben von Luna eintauschen. Den ganzen Tag schlafen, essen und gestreichelt werden, das stellte ich mir fabelhaft vor. Ich blieb jedoch Mensch, mit allen damit einhergehenden Verpflichtun­

gen – bis Corona kam. Seit ich quasi nur noch zu H ­ ause bin, fühlt sich mein Leben ein bisschen an wie das von Luna. Meine Haupt­ tätigkeiten sind Schlafen und Essen, nichts von beidem kommt zu kurz. Ab und zu geht mein Freund mit mir Gassi, das ist das High­ light des Tages, und ich freue mich immer, wenn wir die «grosse Runde» gehen. Manch­ mal liege ich einfach so in der Wohnung und gucke aus dem Fenster. Wenn etwas Un­ gewöhnliches passiert, belle ich: «Schau mal, diese zwei Gärtner da draussen! Halten den Sicherheitsabstand ja überhaupt nicht ein! » Wenn mein Freund vom Einkaufen kommt, erwarte ich ihn schon begeistert hinter der Tür. Und wenn er mir durch die Haare fährt, schmeisse ich mich freudig auf den Rücken. Okay, das war jetzt vielleicht übertrieben. Aber lieber nehmen wir die ganze Sache mit Humor, als dass wir alle­ samt vor die Hunde gehen, richtig? MM


50 | 27.4.2020 | GESUNDHEIT

Eveline Kreutzer, Psychotherapeutin und Klinische Psychologin, Medbase St. Gallen Am Vadianplatz

Hinweise, die der Körper gibt, und läuft Gefahr, sich permanent zu überfordern.

Resilienz hilft uns dabei, schwierige Lebensaufgaben besser zu bewältigen. Diese psychische Widerstandsfähigkeit ist aufbau- und lernbar. Text: Eveline Kreutzer

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anche Menschen gehen aus Krisen gestärkt hervor. Andere dagegen zerbrechen daran. Die Resilienz spielt ­dabei eine entscheidende Rolle. Damit ­bezeichnen Psychologen die psychische Widerstandskraft gegenüber ungünstigen Entwicklungen. Dazu gehören sowohl schwierige Lebensbedingungen wie auch akut belastende Situationen. Menschen mit hoher Resilienz gelingt es besser, mit diesen Herausforderungen fertigzuwerden und sich gesund weiterzuentwickeln.

Annehmen, was nicht zu ändern ist Stärken lässt sich die psychische Wider­ standsfähigkeit, indem man bei sich selbst verschiedene Kompetenzen fördert. Zu­ erst einmal geht es darum zu akzeptieren, was man nicht ändern kann. Das tönt zwar einfach, kann aber recht schwierig sein.

Hadert man unablässig oder hängt lange Wunschvorstellungen nach, wie es doch anders sein könnte, erschwert man es, eine Lösung zu finden.

Eigene Gefühle wahrnehmen Menschen mit einer hohen psychischen ­Widerstandskraft nehmen ihre Gefühle gut wahr und «verurteilen» sich innerlich nicht dafür, wenn sie zum Beispiel traurig oder beschämt sind. Es geht in erster Linie darum, Gefühle anzunehmen, sie zuzu­lassen und sie mithilfe von Ent­ spannungsübungen zu regulieren.

Auf den Körper hören Ebenso wichtig ist es, auf den Körper zu hören. Wer Schmerzen, Verspannungen, Verdauungsprobleme oder andere Be­ schwerden ständig übergeht, «verpasst»

«Jeder ist seines Glückes Schmied», lautet ein altes Sprichwort, und es enthält ein Körnchen Wahrheit. Es appelliert daran, selbst die Verantwortung für sein Leben zu übernehmen und nicht zu ­warten, bis einem das Glück beziehungsweise die ­Lösung in den Schoss fällt. Denn in jeder scheinbar noch so verfahrenen ­Situation kommt es auch darauf an, aktiv zu handeln und sich darauf zu konzen­trieren, was ver­ änderbar ist. Vielleicht gewinnt man dem Ganzen so später gar einen Sinn ab.

Sich austauschen und Hilfe annehmen Genauso bedeutend ist die Erkenntnis, dass niemand alles aus eigener Kraft schaffen kann. Das heisst: Man kann sich Hilfe holen und sich mit anderen ­austauschen. Nicht nur, weil «geteiltes Leid halbes Leid» ist, sondern auch, weil andere Menschen manchmal Ideen haben, auf die man selbst nicht kommt. Daneben tut es aber gut, nur schon das Mitgefühl eines anderen zu spüren. Es gibt Kraft.

Zu Kompromissen bereit sein Gleichzeitig gilt es weiterhin, sich im ­sozialen Miteinander zu behaupten. Mal Nein sagen und konsequent sein ist ein Aspekt, um Konflikte zu lösen, die Bereit­ schaft für Kompromisse der andere.

Das Ziel im Auge behalten Schliesslich braucht es noch Zielstrebig­ keit und die Fähigkeit, Probleme zu lösen: Wo will ich hin, und wie gelingt mir das? Hilfreich kann es sein, sich daran zu ­erinnern, was in früheren Situationen gut funktioniert hat. Aber vielleicht kommt man auch auf eine neue ebenso unerwartete wie gute Lösung. MM

Illustration: Stephan Schmitz; Bild: zVg

Wie man Krisen besser meistert

An sich glauben und etwas verändern wollen


GESUNDHEIT | 27.4.2020 | 51

Die Kinder stärken Die Resilienz zu fördern, beginnt bereits vor und mit der Geburt: Fühlt sich eine Frau in der Schwangerschaft gut umsorgt und unterstützt, überträgt sich das auf das Kind – und ist die ­Grundlage für dessen gute Widerstandskraft. Die gesunde Entwicklung des Kindes unterstützt, wer ihm Geborgenheit und Sicherheit ­vermittelt, es annimmt, ihm Körperkontakt gibt und sich a­ ufmerksam und intensiv mit ihm austauscht. Als Mutter oder Vater Stress zu empfinden, ist in Ordnung und bisweilen unvermeidlich. Wichtig ist aber, Strategien zu kennen, um damit umzu­gehen: zum Beispiel Zeitfenster

iMpuls ist die Gesundheits­ initiative der Migros.

­ inplanen für B e ­ ewegung im Freien, sportliche Aktivität, Hobbys oder gezielte Entspannungsübungen wie Auto­genes Training oder Meditationspraktiken. Verschiedene Programme unterstützen Eltern ­dabei, einen positiven Erziehungsstil zu lernen und ihren Kindern dabei sowohl liebevolle ­Fürsorge als auch klare Regeln und Strukturen zu geben. Dies fördert beim Kind unter anderem die Fähigkeit, später Probleme kreativer und kompetenter zu lösen. Empfehlenswert sind das Familientraining nach Gordon, die «Triple P»-­ Methode und das «STEP»-Training (Systematic Training for Effective Parenting).

So können Sie Ihre Resilienz fördern • Fördern Sie Ihre Selbstwahr­ nehmung, beispielsweise mit Achtsamkeitstraining, Medita­tion, Yoga oder Qigong. • Fordern Sie Ihren Körper und Geist mit neuen Aktivitäten, Weiterbildung und Hobbys, aber überfordern Sie sich nicht. • Versuchen Sie, mit einer opti­ mistischen Grundhaltung durchs Leben zu gehen. Sagen Sie Ja zum Leben – auch in ­Momenten, in denen es ­schwierig ist.

Die Resilienz trainieren

Die Klubschule Migros hat ein neues Online-Trainings­programm mit einem Selbsttest für Resilienz entwickelt: migros-impuls.ch/resilienz-self-check

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52 | 27.4.2020 | RÄTSEL

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Füllen Sie die leeren Felder mit den Zahlen 1 bis 9. Dabei darf jede Zahl in jeder Zeile, jeder Spalte und in jedem der neun 3×3-Blöcke nur ein Mal vorkommen. Die Lösungszahl ergibt sich aus den orangen Feldern von links nach rechts. So nehmen Sie teil: Tel.: 0901 000 844 (Fr. 1.–/Anruf) SMS: Senden Sie MMD4, gefolgt vom Lösungswort, Ihrem Namen und Ihrer Adresse an 3113 (Fr. 1.–/SMS). Bsp.: MMD4 123. Hans Muster, Musterweg 22, 8000 Musterdorf Internet: migrosmagazin.ch/wettbewerbe (kostenlos) Teilnahmeschluss: Sonntag, 3.5.2020, 24 Uhr


RÄTSEL | 27.4.2020 | 53

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Ermitteln Sie für jede Quizfrage den richtigen Lösungsbuchstaben. Der Reihe nach in die Lösungsfelder eingetragen, ergibt sich das Lösungswort. Wie kann man innerstädtische Parkanlagen bezeichnen? B Gelber Strich

G Grüne Lunge

O Blaue Zone

Was hat jemand an, wenn er ein Adamskostüm trägt? E nichts

A Shorts

U Zipfelmütze

Wenn etwas kohärent ist, ist es … L kompliziert

N knusprig

D zusammenhängend

Welche dieser am Rhein liegenden Städte zählt am wenigsten Einwohner? A Basel

I

E Duisburg

Wiesbaden

Welcher Buchstabe kommt im Roman «La Disparition» von Georges Perec nie vor? L Q

U F

N E

Wo in der Schweiz stehen gendergerechte Strassenschilder? P Basel

K Genf

T Thun

Die Fläche welches Staates entspricht in etwa dem Ross-Schelfeisgebiet in der Antarktis? E Frankreich 1

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S Luxemburg 3

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G Schweiz 6

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Lösungswort

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2 × 100 gewinnen Füllen Sie dieFranken zehn Wörter inzu das Rätselgitter ein.

Tragen diesich zehn Wörter in das Remplissez la grille avec mots. Die LösungSie ergibt ausles dendix Buchstaben in Rätselgitter den Feldern 1-5.ein. Chaque case de 1 à 5 correspond à une lettre de Buchstaben la solution. Das Lösungswort ergibt sich aus den in den Feldern 1 bis 5.

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Bimaru Die Zahl bei jeder Spalte oder Zeile bestimmt, wie viele Felder durch Schiffe besetzt sind. Diese dürfen sich nicht berühren und müssen vollständig von Wasser umgeben sein, sofern sie nicht an Land liegen.

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Ketrin Murihiah Stojic, Ebikon LU; Chantal Pizzinat, Bramois VS

Alfred Brawand, Matten b. Interlaken BE; Herbert Schaad, Gwatt (Thun) BE

Erika Karakoc, Villars-sur-Glâne FR; Susanne Hochuli-Sennrich, Unterlunkhofen AG


54 | 27.4.2020 | MILOVE

54 | 27.4.2020 | RUBRIK

«Er war mir zuerst nicht sympathisch» Aller Anfang ist schwer. Als sie einander an der Migros-Klubschule kennenlernten, stimmte die Chemie zwischen Aylin und Pascal nicht so ganz. Erst bei den Stelldicheins am Kaffeeautomaten kamen sich die beiden Basler doch noch näher. sraum an der Klub Kur sch : t rn ule ) le

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er erste Eindruck war schlecht. Als Aylin vor sieben Jahren in einem Kurs für Sprachkursleiter in der Klubschule Migros Basel zum ersten Mal mit Pascal sprach und ihn nach seinem Namen fragte, wollte er ihren nicht wissen. «Das fand ich seltsam, und darum war er mir am Anfang total unsympa­ thisch», erzählt Aylin, die d ­ amals eigentlich so gar nicht auf der Suche nach der grossen Liebe war. Er wisse, dass er schroff rüber­ kommen könne, sagt Pascal. «Mich muss man kennenlernen, um mich zu mögen. Aber aufgefallen ist mir

«Pascal ist immer und überall zu 100 Prozent er selbst und verstellt sich für nichts und niemanden. Für das, was ihm wichtig ist, kämpft er bedingungslos. Das macht ihn zu dem grosszügigen, liebevollen Mann, in den ich mich verliebt habe.» Aylin schon.» Sie habe sich der Klasse als Musikerin und Künstlerin vorgestellt. «Ich bin eher der nüch­ terne Kopfmensch. Aber es reizte mich, sie kennenzulernen. I­ ch dachte, der Austausch mit so je­ mandem könnte mir guttun.» Via Gruppenarbeiten kommen sie in Kontakt miteinander – und merken, dass die Chemie irgendwie stimmt.

«Das hat uns schon auch über­ rascht», sagt Aylin. Die beiden treffen sich nun auch ausserhalb des Unterrichts, in der Pausenecke der Klubschule. «Wir kamen uns über den Automatenkaffee immer näher.» Im zweiten Kursteil ­ein halbes Jahr später sind sie ein Paar. Und seit knapp einem Monat stolze Eltern von Söhnchen Nico. MM

Bilder: Christian Possa, zVg (3); Illustration: Getty Images

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Text: Manuela Enggist


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MILOVE | 27.4.2020 | 55

Aktion

uch Haben a be im ie L Sie Ihre iversum n ­Migros-Ud würden Ihre n u n e d den n ­gefu gerne mit Lovestoryn und Lesern des e ? ­Leserinn -Magazins teilen ­Migros Ihre Geschichte ie ­Mailen S fruf@mgb.ch. u a n a en uns Wir freu f!  darau

Aylin (29) und Pascal Hauser (50) leben in Bott­mingen BL. Die Basler haben 2016 geheiratet und nahmen 2018 in selbstgenähten Kostümen als Luigi und Mario am Survival Run in Thun teil. Der erste gemeinsame Sohn Nico ist am 27. März auf die Welt gekommen.

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«Aylin ist Musikerin und spürt Schwin­ gungen – das fasziniert mich. Als sehr ratio­ naler Mensch kann ich in vielen Momenten noch einiges von meiner Frau lernen. Ich habe mich in einen Menschen mit einer ungewöhnlichen Präsenz verliebt.»

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Jetzt die fehlenden Nature Heroes Sammelelemente abholen – noch bis zum 18.5.2020 erhalten Sie für Ihren Einkauf pro Fr. 20.– in allen Migros-Supermarkt-Filialen und auf LeShop oder auf doitgarden.ch ein Sachet. Jedes Sachet enthält 1 Sammelsticker, 1 Saat-Päckli und 1 Pfl anzensticker (max. 15 Sachets pro Einkauf, solange Vorrat). Bis zum 25.5.2020 können Sie Ihre vollen Sammelkarten einlösen. Geschenkkarten und Gutscheine ausgeschlossen. Weitere Infos auf migros.ch/natureheroes

Jetzt auch im Do it + Garden Migros sammeln.


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