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Migros magazin 13 2018 d vs

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Ausgabe Wallis, AZA 1920 Martigny

30 Jahre Steps: Es wird wieder schweizweit getanzt

S. 38

MM13, 26.3.2018 www.migrosmagazin.ch

Was ist schädlicher: Diesel oder Benzin? Seite 8

Die Welt der Rapperin 11Ä Seite 102

Frohe Ostern

Illustration: Corina Vögele

• Hasensafari im Wauwilermoos, S. 10 • Hasen und andere fabelhafte Wesen, S. 14 • Grosser Wettbewerb, S. 24

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MM13, 26.3.2018  5

Editorial

W Glauben Sie an den Feldhasen?

Bilder: Jorma Müller, Cira Moro

Wann haben Sie, liebe Leserin, lieber Leser, zum letzten Mal einen Hasen gesehen? Bei mir war es vor vier, fünf Jahren. Und zwar in Frankreich: Meister Lampe flüchtete nächtens vor dem Scheinwerferlicht unseres Autos.

Inhalt Menschen 8  Diese Woche

Kommt es auch bei uns zum ­Verbot von Dieselfahrzeugen?

10  Hier hoppeln sie

Die Biologin Jael Hoffmann weiss, wie der Hase läuft – und vor a­ llem, wo: unterwegs auf Feldhasensafari

Meine bemerkenswerteste Begegnung mit einem Hasen fällt indes in die Zeit, als ich noch ein Schulbub war. An einem kalten Wintertag entdeckte ich am Waldrand einen toten Hasen. Er sah aus wie präpariert: Er lag seitlich im Schnee, die schwarzen Augen offen, die Hinter­läufe ge­ streckt, als sei er im Sprung erstarrt. Das unglück­ liche, tief­gefrorene Tier faszinierte mich derart, dass ich es in den nächsten Tagen noch ein paarmal besuchte. Bis es plötzlich einfach weg war. War es während des Tauwetters wieder aufgewacht und weiter­gehoppelt? Wer weiss ...

14  Mythen im Alltag

Sicher ist: Es gab damals noch deutlich mehr Hasen in der Schweiz. Die Chance, ein Exemplar, tot oder lebendig, anzutreffen, war ungleich höher als heute. Inzwischen steht der Feldhase auf der Roten Liste. Pro Quadratkilometer gibt es hierzulande noch 2,7 Mümmelmänner (Mümmel­ frauen sind mitgemeint). Woher man das weiss? Meine Kollegin Andrea Freiermuth war beim Zählen dabei. Lesen Sie ihren Bericht ab Seite 10.

Die Eiersuche geht weiter: ­mitmachen und Preise gewinnen!

Keine bedrohte Art ist dagegen der Osterhase. Schon gar nicht dieser Tage. Sie werden ihm in diesem Heft auf Schritt und Tritt begegnen. Einmal sogar zusam­ men mit seinen fabel­haften Cousins, dem Christkind und dem Samichlaus. Ab Seite 14. Vergessen Sie aber bei all den Hasen an Ostern die Eier nicht ganz. Auf die Eiersuche können Sie sich bei uns schon mal ein­stellen – mit unse­ rem grossen Osterwettbewerb. Alle Details auf Seite 24. Jetzt wünsche ich Ihnen eine anregende Lektüre und entspannte Ostertage! Franz Ermel, Leiter Redaktionen franz.ermel@migrosmedien.ch

Zauberhaft: der Glaube an ­Osterhase, Storch und Co. hat noch keinem Kind g­ eschadet

19  Bänz Friedli 20  Mein Geld ist dein Geld

Gemeinsame Wohnung, ­gemeinsames Guthaben: Eine Berner WG wagt das Experiment

24 Osterwettbewerb 27 Leserforum 28 Interview

«Gomorrha»-Autor Roberto Saviano über sein Leben unter Polizeischutz und den Mafioso in uns allen

Migros-Welt 38  Die Schweiz im Tanzfieber Seit 30 Jahren unterwegs: das ­internationale Tanzfestival Steps

45 Migusto

In Form gebracht: So gelingt die ­festliche Lachsterrine

61  Nachhaltige Osterhasen 63  Schmackhafter Reismix 64 «TerraSuisse»-Kalbfleisch

38 67  Vegane Schleckereien 69  Frühlingsaroma Bärlauch 70  So wird Ostern ein Fest 73  Neues aus Ihrer Region

Aktionen, Reportagen, News

Leben 79  1, 2 oder 3?

Von Elefanten und Hüllenwesen

80 Familie

Wenn Jugendliche ­Freiwilligenarbeit leisten

83 Gesundheit

Problemzone Achillessehne

85  Stadt, Land, Stutz

Lisa fühlt sich wie Kaiserin Sisi

87 Kinder

Till macht Taekwondo

91 Glücksgriff

Hotelgutscheine für ­Grindelwald zu gewinnen

93 Leseraktion

Reise durch den Süden Irlands

95 Rätsel 99 Impressum 100 Cumulus 102  Meine Welt

Rapperin Romy Eigenmann

M-Infoline: Tel. 0800 84 0848 oder Fax +41 800 84 0848 (Ausland). www.migros.ch/kundendienst; www.migros.ch Cumulus: Tel. 0848 85 0848* oder +41 44 444 88 44 (Ausland). cumulus@migros.ch; www.migros.ch/cumulus Redaktion Migros-Magazin: Limmatstrasse 152, Postfach 1766, 8031 Zürich, Tel. 058 577 12 12, Fax 058 577 12 08. redaktion@migrosmagazin.ch; www.migrosmagazin.ch * Normaltarif


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PUNKTE


Menschen

Darauf freuen wir uns Auf nach Lummerland Am Donners­tag kommt «Jim Knopf» neu in die Kinos. Mit dabei sind natürlich Lukas, der Loko­ motivführer, und Frau Mahlzahn.

MM13

Ab in die Dunkelheit Am Karfreitag treffen sich die Grufties bei «Der Schwarze Ball» im X-Tra in Zürich.

Unnützes Wissen

Das Gelbe vom Ei Die Wahrsagerei aus Eiern nennt man Ovomantie. Das Eierorakel war bei den ­Römern beliebt.

Bilder: PD; Nightclub Les Bains Douches, Paris, 1990; Interior Design: Philippe Starck. © Foc Kan, Marco Zanoni

Mein Bild der Woche «So sieht eine gute Party aus: feucht-fröhlich, weder over-

Gabriel Vetter (35) ist Satiriker und Träger des Salzburger Stiers. Er ist mit dem Pro­ gramm «Hobby – Stand up» auf Tour.

noch underdressed – und mit der richtigen Attitüde irgendwo zwischen grenz­ debil und cool. Das Bild ist in der Ausstellung ‹Night Fever› im Vitra Design ­Museum in Weil am Rhein bei Basel zu sehen, die sich mit der Architektur legen­ därer Tanzklubs beschäftigt. Es zeigt einen von Philipp Starck entworfenen Raum in Paris in den 90er-Jahren und illustriert perfekt, wie man sowohl dem frostigen Wetter als auch dem karfreitäglichen Tanzverbot begegnen kann: mit fidel herbeiorchestriertem Sommerfeeling statt fröstelndem Ostereiersuchen – und mit Floaten auf Luftmatratzen statt Tanzerei auf dem Parkett. Ahoi!»

zweipunktnull

Entschuldigung, wie digital sind Sie? Sara El-Haddad (23), Studentin, Belp BE So informiere ich mich: «Im Internet.» Dafür bin ich zu alt: «Ich fühle mich für nichts zu alt und probiere gern Neues aus.» Da bin ich analog: «Ich lese gern Printmagazine.»

Liebste App: Spotify

In Peru legen ­manche Hühner blaue Eier. Grund dafür ist die Schwefel­ konzentration im Boden. Alfred Hitchcock,

der Meisters des Thrillers, fürchte­ te sich vor Eiern.

Das teuerste Ei der Welt kostet 30 Millionen ­Dollar. Es handelt sich dabei um ein Ei aus Diamant mit 118 Karat.

Der Flawiler ­Unternehmer Othmar Hunger­ bühler hat 2009 mit 8000 Eiern den Weltrekord für das grösste Rührei erzielt. Es wog 530 Kilo­ gramm. Quelle: www.stern.de


8  MM13, 26.3.2018 | MENSCHEN

Diesel oder Benziner? Kalte Motoren stossen so oder so besonders viele Schadstoffe aus.

Zahlen und Fakten

Diese Woche

29

4,6

Millionen Personen­ fahrzeuge waren im ver­ gangenen Jahr schweiz­ weit immatrikuliert. Das heisst, rund jede zweite Person in der Schweiz besitzt ein Auto.

2

Millionen Elektromobile sollen laut einer Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz 2035 auf Schweizer Strassen unterwegs sein. Quelle: BFS, FHNW

Diesel ist fürs Klima besser als Benzin In Deutschland und auch in Genf werden derzeit Fahrverbote für ältere Dieselautos geprüft. Aber sind Dieselmotoren tatsächlich so schlimm? Christian Bach, Experte für Fahrzeugantriebe bei der Empa, zeigt die Fakten auf. Text: Andrea Freiermuth

D

ie Luft in der Schweiz ist mancherorts gar nicht gut: An Verkehrsachsen und zentralen Lagen wird der Grenzwert von 30 Mikrogramm Stickstoffoxid pro Kubikmeter regelmässig überschritten. Das ergaben Messungen, die der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) im Januar und Februar an fünf verschiedenen Messstationen durchgeführt hat. Einer der Hauptverursacher hoher Stickoxidbelastung ist der Dieselantrieb. Zu seinem schlechten Ruf hat auch der Skandal um

manipulierte Abgaswerte von Dieselautos beigetragen. Dank einer extra auf diesen Zweck getrimmten Steuersoftware produzierten die Autos im Labortest bis zu zehn Mal weniger Abgase als im Alltagsgebrauch. 1140 vorzeitige Todesfälle in der Schweiz waren 2013 laut der Europäischen Umweltagentur auf Stickoxide zurückzuführen. Damit seien Dieselabgase für ähnlich viele Tote verantwortlich wie Verkehrsunfälle, rechnete die «Sonntagszeitung» kürzlich vor. Was dabei vergessen geht: Auch

Feinstaub ist ungesund, und davon produzieren Benziner mehr als Dieselfahrzeuge. Zudem wird der Grenzwert für Feinstaub regel­ mässig überschritten. «Diesel ist besser als sein Ruf», sagt Christian Bach (55), Experte für Fahrzeugantriebe der Eid­ genössischen Forschungsanstalt Empa. «Er verursacht weniger Kohlendioxid (CO2) als Benzin.» Das Treibhausgas sei mittelfristig das grössere Problem als die Stick­o­xide, aber CO2 sei eben für das globale Klima schädlich – und nicht umittelbar für die eigene Gesundheit.

Bilder: Gaetan Bally/Keystone, zVg

Prozent der PWs sind mit einem Dieselantrieb unterwegs, 68 Prozent mit Benzin. Die Zahl der Elektroautos liegt noch immer unter 1 Prozent.


MENSCHEN | MM13, 26.3.2018  9

Diesel versus Benzin

Nicht alle Neuwagen sind auf dem Stand der Technik – Fragen und Antworten 1. Ist Diesel dreckiger als Benzin? Betrachtet man nur die Stickoxidemissionen (NOx), dann ist dem tatsächlich so: Dieselfahrzeuge stossen im Vergleich zu Benzinern bis zu zehn Mal mehr NOx aus. Benzinautos erzeugen allerdings bis zu 20 Prozent mehr Kohlendioxid (CO2) und ausserdem mehr Feinstaub. Dazu kommen noch die sekundär gebildeten Partikel. Diese kommen nicht direkt aus dem Auspuff, sondern entstehen erst später in der Aussenluft, wenn die Abgase der Benziner chemisch reagieren. 2. Sind Stickoxide schädlicher als Russpartikel? Stickoxide sind Reizgase, die zu Bronchitis oder Husten führen können. Russpartikel gelten jedoch allge­ mein als schädlicher, da sie sich tief in der Lunge festsetzen und Krebs verursachen können. 3. Weshalb erzeugt Diesel weniger Kohlendioxid als Benzin? Der Dieselmotor verbrennt den Treibstoff etwas effizienter als Benziner und kann so die darin enthaltene Energie besser nutzen. Der Preis dafür ist allerdings, dass die Stickoxide nicht wie beim Benziner durch einen vergleichsweise einfachen Katalysator umgewandelt werden können. 4. Droht ein Fahrverbot für Diesel? In 28 deutschen Städten prüft man die Einführung von Fahrverboten für ältere Dieselfahrzeuge. Ob hier­zu­lande ein Verbot durchgesetzt werden kann, ist schwer abzuschätzen. Ältere Dieselfahrzeuge, ins­ besondere solche ohne Partikelfilter, sollten aber aus lufthygienischer Sicht tatsächlich nicht in Städten ein­gesetzt werden. 5. Wie könnte man das Diesel­ problem ohne Fahrverbot lösen? Die effektivste Möglichkeit wäre, nur noch Fahrzeuge in Verkehr zu bringen, die so sauber wie möglich sind. Auch eine höhere Besteuerung von älteren Dieselfahrzeugen wäre denk-

Strassenumfrage

Würden Sie heute noch ein Dieselauto kaufen?

bar, so würde sich der Fahrzeugpark wahrscheinlich schneller erneuern. 6. Was sollte man beachten, wenn man ein neues Auto kauft? Nicht alle Autos, die heute neu in Verkehr gesetzt werden dürfen, sind auf dem höchsten Stand der Technik. Eine Orientierung bieten die Euro-­ Normen. Die Empa empfiehlt, Dieselfahrzeuge nur dann zu kaufen, wenn sie nach Euro 6d-Temp oder Euro 6d zugelassen sind. Diese beiden Normen beruhen nicht nur auf einem Labortest, sondern auch auf einer Abgasmessung im Alltagsgebrauch. Für Benziner rät die Empa, nur Modelle ab Euro 6c zu kaufen. Sie haben entweder niedrige Partikelemissionen oder einen Partikelfilter und ver­ur­sachen damit nur wenig Feinstaub. 7. Welche Alternativen zu Benzinund Dieselautos gibt es? Elektro- und Gasautos haben wesentlich niedrigere bis gar keine Schadstoff- und niedrigere CO2-Emissionen. Wer die Fahrzeuge dann noch mit Öko­strom beziehungsweise Biogas betreibt, ist deutlich sauberer unterwegs als mit Benzin oder Diesel. Die Empa sieht den Elektroantrieb im Pendler-, Stadt- und Kurzstrecken­ betrieb im Vorteil. Für Langstrecken sowie bei Gewerbe- und Lastanwendungen empfiehlt sie Gasantrieb. 8. Was kann man tun, wenn man das alte Auto nicht durch ein neues ersetzen will oder kann? Fahren Sie damit nicht in Städte und lassen Sie das Auto öfters mal stehen. Vermeiden Sie vor allem kurze Fahrten: Kalte Motoren erzeugen überdurchschnittlich viele Schadstoffe. Beim Benziner etwa werden beim Kaltstart auf dem ersten Kilometer genauso viel Schadstoffe in die Luft geblasen, wie auf über 1000 Kilo­ metern mit warmem Motor. Das Spar­potenzial ist enorm, wenn man bedenkt, dass fast die Hälfte aller Autofahrten nicht mehr als fünf Kilometer lang sind. MM Quellen: Empa, Bafu, Bfs

Barbara Seiwert (53), Ingenieurin, München (D) «Ja, Diesel könnte man viel sauberer machen. LKWs sind mit dem Zusatzstoff AdBlue unterwegs, der Stickoxid reduziert. Das kommt bei PWs hoffentlich auch bald.»

Shpejtim Zhegrova (46), Taxi­ fahrer, Zürich «Nein. Ich fahre aktuell einen Diesel. Der Motor ist laut und stinkt. Beim Stop-and-go ist Diesel sehr ­dreckig. Es gibt zwar einen ­Eco-­­ Knopf, aber der ist Betrug.»

Silvan Müller (60), Unternehmer, Zürich «Das ist abhängig davon, ob die Motoren sauberer werden. Und falls es in den Städten wirklich ein Dieselverbot geben sollte, dann will man sicher keinen Diesel besitzen.»


10  MM13, 26.3.2018 | MENSCHEN

Dem Feldhasen auf der Spur: Biologin Jael Hoffmann von der Vogelwarte Sempach.

Monitoring

Auf Hasensafari

Echte Hasen werden nicht zu Ostern, sondern im Spätwinter gesucht: unterwegs auf einer nächtlichen Tour mit der Biologin Jael Hoffmann, um Feldhasen im Wauwilermoos zu zählen. Text: Andrea Freiermuth  Bilder: Daniel Winkler

E

in Auto rollt im Schritttempo über den Feldweg. Aus den offenen ­Fenstern der beiden hinteren Türen leuchten helle Scheinwerfer rund 200 Meter in das Schwarz der Nacht. Eine junge Frau auf dem Beifahrersitz hält eine Karte in der Hand, die so detailliert ist, dass sogar einzelne Höfe eingezeichnet sind. Jael Hoffmann (30), Biologin und Mitar­ beiterin der Vogelwarte Sempach, ist ge­ meinsam mit drei Freiwilligen auf Hasen­ suche: «Wir zählen sie nachts, weil die Feld­ hasen dann aktiv sind. Auch können wir sie in der Dunkelheit gut entdecken, denn ihre

Augen reflektieren das Licht.» Im Gebiet Wauwilermoos bei Sursee LU sind in dieser Nacht im März noch vier weitere Teams auf Hasen­safari. Warum der Feldhase gefährdet ist

Dem Feldhasen geht es nicht gut. Seine Be­ stände sind seit den 1950er-Jahren stark ge­ sunken. Sein Lebensraum schwindet infolge der intensiven Landwirtschaft und Zersiedelung. Deshalb steht der Feld­­hase seit rund 25 Jahren auf der Roten Liste und ist als regional gefährdete Art eingestuft. Seit 1991 führt das Bundesamt für Umwelt (Bafu)

ein jährliches Monitoring durch. Es gibt 43 Zählgebiete, sechs davon unter den Fitti­ chen der Vogel­warte Sempach. 20.09 Uhr: Im Licht der Schweinwerfer funkeln zwei grüne Augen. «Das ist bloss eine Katze», sagt Jael Hoffmann, noch bevor sie den Feldstecher zur Hand nimmt, der ihre Vermutung bestätigen wird. Die Katze befindet sich im 200-Meter-­Radius eines Hofs, ist also vermutlich nicht am Wildern und muss darum nicht in der Karte vermerkt werden. Der Feldhase ist verletzlich. Er ist das kleinste Säugetier, das ganzjährig oberhalb


MENSCHEN | MM13, 26.3.2018  11

Bild: Markus Jenny

310_Legende_QS_x11 Um fugitibus apit elis et ea consequam abo. Et aped quis intotas et quuntia eperibus, sitam

der Erde lebt: Im Gegensatz zum Kaninchen gräbt Lepus europaeus keine Höhlen. Die Häsin lässt ihre Jungen, die behaart und sehend zur Welt kommen, in e­ iner Mulde – auch Sasse genannt – auf ­offenem Feld zu­ rück. Sie säugt die Kleinen bloss ein Mal am Tag und auch das nur kurz: So verhindert sie, dass Feinde auf den Nachwuchs auf­ merk­sam werden. Die Strategie ist gut, funktioniert aber nur, wenn die Wiesen nicht grasgrün sind und keine todbringende Land­ wirtschaftsmaschine naht. Auf Brachen und in Hecken hingegen sind die braun gespren­ kelten Häschen gut versteckt und damit auch vor Raubvögeln und Füchsen geschützt. 20.12 Uhr: Fahrer Christian will das Auto wenden, als Helferin Stefanie «Stopp!» ruft: «Da hinten war was.» Sie schwenkt das Licht ihres Scheinwerfers zurück, röt­liche Augen blitzen auf, und ­einen Moment später hüp­ fen sie davon. Ein hoppelnder Hase, ganz klar. Jael Hoffmann trägt ihn mit einem Punkt in der Karte ein. Auf den Hasen folgen wenige Minuten später fünf weitere Augenpaare. Sie bleiben stehen, huschen über die Wiese, stehen wieder still. «Rehe», ruft Röbi aufgeregt. Er bedient einen weiteren Schweinwerfer. Und tatsächlich kann man die eleganten

Silhouetten der Tiere im Dunkel erkennen. Röbi kann sich kaum beruhigen: Normaler­ weise hat er Rehe vor der Flinte, er ist Jäger. Auch Feldhasen müssen den Jäger fürch­ ten. Sie gelten als eidgenössisch jagdbare Tierart mit einer Jagdzeit zwischen dem 1. Oktober und 31. Dezember. Die kantonalen Regelungen beim Feldhasen sind unter­ schiedlich: Insgesamt elf Kantone schützen ihn aktuell vollständig vor Bejagung, in acht Kantonen gilt eine gegenüber dem Bundes­ recht eingeschränkte Jagdzeit, und in sieben Kantonen ist die Jagd auf Feldhasen analog zum Bundesrecht erlaubt. Verfolgungsjagd im nächtlichen Nebel

Im Wauwilermoos zieht Nebel auf. Das ärgert Biologin Hoffmann. Die weissen Schwaden beeinträchtigen die Sicht und könnten damit auch das Resultat der Er­­­ hebung beeinflussen. Um Verzerrungen aus­ zugleichen, gibt es pro Jahr und ­Gebiet zwei Zählungen im ­Abstand von wenigen Wochen. 20.21 Uhr: Ein weiteres Augenpaar. Es bewegt sich langsam, aber es hoppelt nicht, also kein Hase. Vielleicht ein Fuchs? Im Rund des Feldstechers erkennt man einen buschigen Schwanz, die Lunte des kleinen Räubers. Kaum eine Minute später wieder

In Kürze

Wo es am meisten Hasen hat Die höchste Hasendichte der Schweiz findet man laut dem Bafu-Montoring 2017 am nordwest­ lichen Ufer des Neuenburgersees. Man zählte dort 22,8 Feldhasen pro Quadratkilometer. Der schweizweite Schnitt liegt bloss bei 2,7 Hasen pro Quadratkilometer. 7 der 43 Zählgebiete weisen seit zwei Jahren keine Feldhasen mehr auf. Darunter sind Gebiete bei Sempach LU und in der Linthebene SG.


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Der Feldstecher bringt Gewissheit: Jael Hoffmann hat einen Hasen gesichtet.

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ein hoppelndes Augenpaar. Ist der Fuchs dem Hasen auf der Spur? «Ausgewachsene Feldhasen müssen Füchse eigentlich nicht fürchten. Sie kön­ nen sie hakenschlagend und mit einem Tempo von 70 Kilometern pro Stunde lo­ cker abhängen», erklärt Hoffmann. Aber Junghasen und kranke Tiere könne der Fuchs natürlich erlegen. Doch Hase Num­ mer 2 scheint kräftig und wohlauf zu sein: Er setzt sich auf die Hinterläufe, starrt neugierig ins Licht und lässt seine Löffel spielen. Nummer 3 und 4 sind gemeinsam unterwegs: «Die sind am Rammeln. Ha­ sen sind normalerweise Einzelgänger. In 42 Tagen gibts Nachwuchs», sagt Jael Hoffmann und lacht. Feldhasen pflanzen sich schnell fort. Ein Weibchen trägt bis zu vier Mal im Jahr ein bis drei Junge aus. Sogar eine Super­ fötation ist möglich. Das heisst, eine be­ reits trächtige Häsin kann, noch bevor sie gesetzt hat, erneut befruchtet werden. Mit ein Grund, warum der Hase seit der Antike als Fruchtbarkeitssymbol verehrt wird. Umso beun­ruhigender ist es, dass sich die Population der Feldhasen in der Schweiz nicht längst erholt hat. Zumindest im Gebiet Wauwilermoos scheint der Bestand wieder zuzunehmen: Während man 2009 nur 26 Hasen entdeckte, ­waren es 2016 erstaunliche 80. Auf unse­ rer Tour werden die fünf Teams bis Mit­ ternacht insgesamt 61 Hasen zählen. Das ist mit 3,7 Hasen pro Quadrat­kilo­meter immer noch ein Hase mehr als im Schwei­ zer Durchschnitt. MM

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14  MM13, 26.3.2018 | MENSCHEN

Osterhase und Co.

Du glaubst ja an den Osterhasen Aber klar doch! Ein wenig Zauber im Alltag hat noch keinem Kind geschadet. Es gibt noch vier weitere Figuren, an die es sich zu glauben lohnt. Text: Lisa Stutz  Illustrationen: Corina Vögele

Der Osterhase Wer ist er? Frühmorgens, wenn die Kinder noch in ihren Betten schlummern, hoppelt der Osterhase durch die Gärten und versteckt die farbigen Ostereier und die mit Schokolade gefüllten Oster­ nestchen. Natürlich ist er längst über alle Berge, wenn die Kinder erwachen und sich auf die Suche machen. Woher kommt er? So rätselhaft es ist, dass der Papi plötzlich weiss, wo das lang gesuchte Nestchen versteckt ist, so rätselhaft ist die Herkunft des Osterhasen. Es kursieren verschiedene Geschichten. Eine davon besagt, dass der Oster­hase in seinen Anfängen eine Osterhenne, ein Osterfuchs, ein Osterhahn, ein Osterkuckuck und ein Osterstorch war. Je nach Region war offenbar ein anderes Tier zuständig. Vermutet wird, dass sich der Hase aufgrund ­seiner starken Vermehrung von bis zu

20 Jungen pro Jahr als österliches Tier durchgesetzt hat. Dadurch gilt er als ein Symbol der Fruchtbarkeit.

Was ist zu beachten? Es gilt als unschädlich, kleineren Kin­ dern vorzugaukeln, dass der Oster­ hase die Eier und Süssigkeiten bringt. Im Gegenteil: Diese Illusion regt die Fantasie an und unterstützt die kognitive Entwicklung. Auch der er­ zieherische Nutzen ist hoch: Wann hat das Kind zuletzt so ausdauernd etwas gesucht? Allerdings – und das gilt auch für die Freunde des Osterhasen – sollten kritische Fragen und Zweifel von den Eltern unterstützt werden, sodass der Glaube an den Hasen schliesslich von selbst verschwindet. Aber Vorsicht: Ist das Kind noch von der Existenz des Storchs (Seite 17) überzeugt, sollte bezüglich der Frucht­ barkeit der Hasen nicht zu sehr ins Detail gegangen werden.


MENSCHEN | MM13, 26.3.2018  15

Die Zahnfee Wer ist sie? In Kindermündern wackelt es manchmal ganz schön stark. Dann nämlich, wenn ein Milchzahn nach dem anderen ausfällt. Da kommt die Zahnfee ins Spiel beziehungsweise ins Kinderzimmer. Vor dem Zubettgehen legt das Kind seinen ausgefallenen Zahn unter das Kopfkissen. In der Nacht kommt die Zahnfee, die den Zahn mitnimmt und stattdessen ein kleines Geschenk dalässt. Mal ist es ein Glitzerstift, mal eine Murmel oder sogar ein Fünfliber. Woher kommt sie? Die Zahnfee ist uns aus dem englisch­ sprachigen Raum zugeflogen. Ver­ mutlich liegen ihre Ursprünge in ­einem magischen Ritual, das das Kind in die Jugend begleiten sollte. Als man noch an Hexen glaubte, war der richtige Umgang mit ausgefallenen

Zähnen für die Menschen äusserst wichtig. Feenfiguren gibt es schon lange. Es ist nicht geklärt, wann sich die Mythen miteinander zur Zahnfee verwoben haben. Die ersten Berichte über die Zahnfee als gute Fee, die aus­ gefallene Zähne gegen Goldmünzen tauscht, gab es bereits Anfang des 19. Jahrhunderts. Was ist zu beachten? Statt unter das Kopfkissen kann das Kind den Zahn in einer Schatulle auf den Nachttisch legen. So laufen die Eltern nicht Gefahr, das Kind zu ­wecken, wenn sie sich unter dem Kopfkissen zu schaffen machen. Zu­ dem kann die Zahnfee hervorragend als Komplizin in der Erziehung ein­ gesetzt werden: Vielleicht hinterlässt sie ja mal einen Brief, in dem steht, wie wichtig es ist, immer gründlich die Zähne zu putzen.


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MENSCHEN | MM13, 26.3.2018  17

Der Storch Wer ist er? «Mama, wo kommen die Babys her?» – «Na, die bringt der Storch!» Seine grossen Flügel schwingen auf und ab, im langen Schnabel hält er ein kleines Bündel mit dem Neu­ geborenen drin. Vorsichtig setzt er es vor dem Hauseingang ab. Nun ­gehört das Baby zu der Familie. Woher kommt er? Der Klapperstorch ist ein Symbol für Glück. Die Rückkehr der Störche im Frühjahr wurde mit neu erwach­

tem Leben in Verbindung gebracht. Sexualität war lange ein Tabuthema. Dank des Storchs kamen die Eltern darum herum, ihre Kinder über die tatsächlichen Umstände von Zeugung und Geburt aufzuklären. Was ist zu beachten? Der Storch ist zwar ein Klassiker, aber nicht mehr zeitgemäss. Wenn Fragen zu Schwangerschaft, Körper und Sex auftauchen, können Eltern inzwischen viele gute Kinderbücher zur Hand nehmen.

Das Christkind Wer ist es? An Heiligabend öffnen Eltern und Kinder das Fenster zum Wohnzim­ mer. Sie verlassen den Raum für eine ganze Weile. In dieser Zeit fliegt das Christkind hinein und legt die ­Geschenke unter den Baum. Wenn es mit dem Glöckchen klingelt, heisst das für die Familie: Jetzt darf sie rein­ kommen. Leider ist das Christkind dann schon wieder weg. Woher kommt es? Wie sein Name schon verrät, ist das Christkind religiöser Herkunft. Auch wenn es heute vor allem katholische Haushalte anfliegt, wurde es von den Reformierten erfunden. Daran ist der Samichlaus (rechts) nicht ganz unschuldig. Zuerst war nämlich er für das Schenken zuständig. Da die Reformierten nicht an Heilige glau­ ben, aber den Brauch des Schenkens nicht aufgeben wollten, entstand im 16. Jahrhundert das Christkind.

Der Samichlaus Wer ist er? Wenn es am 6. Dezember an der Tür klingelt, steht da mit ziemlicher ­Sicherheit der Samichlaus. Er hat den Schmutzli, ein Eseli und ein grosses Buch dabei. Daraus liest er den Kin­ dern vor, was sie im vergangenen Jahr gut und was weniger gut gemacht ha­ ben. Zum Schluss gibt es Mandarinen, Schokolade und Spanische Nüssli. Und natürlich das hohe und heilige Versprechen der Kinder, dass sie künftig artig sein werden. Woher kommt er? Na, aus dem Wald! Niemand weiss, wo genau seine Hütte steht. Was viele auch nicht wissen: Der Samichlaus ist Türke. Der heilige Nikolaus wurde 325 nach Christus in der Stadt Myra, die heute zur Türkei gehört, zum ­Bischof geweiht. Um ihn kreisen viele Legenden und Mythen. In der Schweiz verschmolz der Sankt Niko­ laus irgendwann zum Samichlaus.

Was ist zu beachten? Dem Christkind kann man Briefe schreiben. Es arbeitet mit der Schwei­ zerischen Post zusammen – ein Team ist dafür zuständig, ihm beim Beant­ worten der Kinderbriefe zu helfen.

Was ist zu beachten? Der Samichlaus ist nicht mit dem Weihnachtsmann zu verwechseln. Der Weihnachtsmann ist das ame­ rikanische Pendant zum Christkind und bringt an Weihnachten die Ge­ schenke. Dank Filmen und Werbe­ spots wird er auch in der Schweiz im­ mer bekannter – und beliebter. Eltern dürfen gern ihr Kind darüber auf­ klären, welcher weissbärtige Mann zu welcher Tradition gehört. MM


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Bänz Friedli

«Husröiki» bei den Stüssis

Bild: Vera Hartmann

Wenn es gegen Frühling geht, muss ich an die Stüssis denken. Anfang Jahr hatten sie ihr Häuslein bezogen, hübsch am Ortsrand mit Blick auf den Glärnisch. Das war nun, genau genommen, kein eigentliches Häuslein mehr, sondern ein Haus. Sie hatten ja vorher schon ein Eigenheim bewohnt, nur eben: ein kleineres. Eines Samstags nun luden sie ein – Freunde, Nachbarn, Bekannte. Wir brachten Tulpen mit und dachten an einen netten Apéro.

Bänz Friedli (52) fühlt sich etwas überrumpelt.

Es stellte sich als Bettelaktion heraus. Schon am Eingang hing eine Liste: «Bitte eintragen!» Und beim Anstossen kam Vater Stüssi eindringlich aufs Thema zu sprechen. Es sei eben so, sagte er den «lieben Leuten», dass sie sich keinen Rasen leisten könnten, die ganze Bauerei sei kostspielig gewesen, und wenn man nun nach draussen schaue, müsse man doch zugeben, dass es trostlos aussehe: vor dem Haus alles matschig und braun, die reinste Baustelle noch. «So wollen wir nicht in den Sommer gehen», schloss Stüssi, «deshalb sind wir auf die Idee mit dem Crowd­funding gekommen. Wir wären schampar dankbar, wenn jeder von euch uns mindestens einen Quadratmeter Rollrasen sponsern würde.» Der Rasen, ergänzte die frisch coiffierte Gattin, werde übernächste Woche verlegt, «beste Schweizer Qualität, gäll, Schatz?» Der Qua­dratmeter à Fr. 21.90 plus Gärtnerkosten. Mit 30 Stutz pro Quadratmeter sei man dabei.

«Crowdfunding», sagte der gute Stüssi. Klingt so rassig. Längst kennt man die Sponsorenläufe sporttreibender Gross­ nichten und Nachbarskinder, die einem immer wieder bewusst machen, wie viele Grossnichten und Nachbarskinder man hat. Seit einigen Jahren nun gibt es Crowd­ funding: Schwarm­finan­zierung. Da gehts darum, etwas vorauszubezahlen, was man sich ohnehin gekauft hätte. So habe ich unlängst für den Bildband eines befreunde­ ten Fotografen eingezahlt, ein Kinderbuch über berühmte Politikerinnen, die neue CD der US-Sängerin Emily Duff. Alles gut und recht. Da hab ich ja am Ende etwas davon. Unangenehm ist nur, wenn man ultimativ genötigt wird – «Noch fehlen 1800 Franken, nur noch zwei Tage Sammel­ frist!» –, sich das Büchlein eines, nun ja, minder begnadeten Lyrikers aus dem erweiterten Bekanntenkreis zu sichern, das man sich mit Sicherheit nie gekauft hätte. Item, die Stüssis. Sie haben das Prinzip des Crowdfundings nur so halb begriffen, scheint mir. Aber man hält sich ja dann nicht dafür, Nein zu sagen, also habe ich zwei Quadrat­ meter Rollrasen bezahlt. Diesen Sommer ist es an der Zeit, ihn auch endlich zu nutzen und mich bei den Stüssis auf meinem Rasenstück in die Sonne zu legen. MM Bänz Friedli live: 28.3. Zug, 6./7.4. Flaach ZH

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Wenn Armut ihr Gesicht zeigt Erfahren Sie mehr über Amal und ihre Familie: www.dasrichtigetun.caritas.ch

Amal Mahmoud (43), Syrien, kämpft um das Überleben ihrer Kinder.


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Gemeinsame Ökonomie

Ein Konto für die Kommune Sieben Erwachsene, drei Kinder, ein gemeinsames Guthaben: In einem alten Schloss in der Nähe von Bern wagt eine WG ein Experiment – die solidarische Verteilung des Einkommens. Text: Simon Jäggi  Bilder: Ephraim Bieri

B Name: Christoph Trummer Alter: 39 Ausbildung und Tätigkeit: Lehrer; Mu­siker und politischer Leiter im Verband Sonart – Musikschaffende Schweiz Weitere Beschäftigungen: Veranstalter einer offenen Bühne, Kolumnist beim «Frutigländer» Arbeitspensum: ca. 80 % Hauptaufgaben in der Gemeinschaft: Multimedia­geräte, Suche nach einem neuen Zuhause, Entsorgung Eigene Kinder: Emilia (6 Monate)

«Unsere steile Lernkurve ist mir viel wert, denn ich mag es spannend im Leben Obwohl das meine erste WG ist, kann ich mir keine sinnvollere Lebensform mehr vorstellen, besonders als junge Familie.»

lumenkohl, Deo, zwei Packungen Windeln. Sarah Wüthrich ist auf Einkaufstour. Fr. 63.70 zeigt die Kasse an. Die 30-Jährige zieht ihre Bankkarte aus dem Portemonnaie und bezahlt. Geld verdient die Studentin zurzeit keines, doch das spielt keine Rolle: Andere bezahlen für sie. Sarah Wüthrich lebt im Schloss Hubelgut, auf einem Anwesen aus dem 17. Jahrhundert bei Bolligen im Kanton Bern. Doch das Leben der ­heutigen Bewohnerinnen und ­Bewohner ist alles andere als feudal. Wo einst vornehme B ­ erner Patrizierfamilien ihre Sommer­ tage verbrachten, leben sieben Personen mit drei kleinen Kindern in finanzieller Egalität. Alle kennen sich unterschiedlich ­lange, haben unterschiedliche ­Bedürfnisse und verdienen unterschiedlich viel Geld. Aber was sie an Einkommen verdienen, gehört allen. Gemeinsame Ökonomie heisst das Modell, das sie seit knapp zwei Jahren leben. Sarah Wüthrich und Raffael Wüthrich sind verheiratet, Christoph Trummer und Sarah Widmer seit vielen Jahren ein Paar – wie auch Jannik Böhm und Lena Feldmann. Philippe Wietlisbach ist der

einzige Single. Und dann ist da noch Esther Greter, die ebenfalls im Schloss lebt, als neueste Bewohnerin aber bis jetzt nicht Teil der gemeinsamen Ökonomie ist. Vorbild aus Deutschland

Die Idee zu dem Experiment hatten Lena Feldmann, Raffael Wüth­rich und Jannik Böhm. Sie besuchten vor knapp zehn Jahren im alternativen Kulturzentrum Reitschule in Bern einen Vortrag der Kommune Niederkaufungen aus Deutschland, eine der grössten und bekanntesten Gruppen in Europa, die in einer gemeinsamen Ökonomie leben. Als sie danach bei einem Bier sassen, entdeckten sie ihr gemeinsames Interesse an dem Modell. «Ich war neugierig herauszufinden, welche Bedeutung Geld für mich wirklich hat und was geschieht, wenn ich die Kontrolle über meine Finanzen aufgebe», sagt Feldmann. Sie machten sich auf die Suche nach Freunden und Bekannten, die sich ein solches Modell vorstellen konnten. Vor vier Jahren zogen sie ins Schloss Hubelgut. Bis sie ihre Konten zusammen­ legten, vergingen zwei Jahre. «Am Anfang waren die Ängste gross, bei allen von uns», sagt Feldmann.

Technisch ist das Modell simpel: Alle Einkommen fliessen auf ein gemeinsames Konto, mit dem Guthaben begleicht die Gemeinschaft laufende Rechnungen: Krankenkassenprämien, Generalabonnemente der SBB, Telefon­ gebühren, Yogastunden. Und auch die Bedürfnisse der drei kleinen Kinder, die im vergangenen Jahr die ­Gemeinschaft erweitert haben, werden über das Konto finanziert. Zudem besitzen alle eine eigene Bankkarte, mit der sie jederzeit Einkäufe tätigen und Geld beziehen können. Wer eine Ausgabe plant, die 400 Franken übersteigt, muss das zuvor an­ melden. Quittungen, Abrechnungen und Budgets gibt es nicht – aber ein Sparkonto und eine goldene Regel: Bedürfnisse sind nicht verhandelbar. «Uns ist wichtig, dass niemand zurückstecken muss», sagt Lena Feldmann. Denn Asketen leben hier keine. Auch für ein Abend­essen im Restaurant, eine Reise nach Istanbul oder ein Wochenende im Wellnesshotel steht das Geld auf dem Konto zur Ver­fügung – wenn es reicht. Sarah Wüthrich sitzt nach ihrem Einkauf in einem Café und erzählt von den Geldsorgen, die


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Gemeinsames Konto: Geld gewinnt eine andere Bedeutung, wenn jeder verdiente Franken jedem gehört.

Lena Feldmann

«Gelebte Solidarität ist für mich der zentrale Aspekt dieses Projekts.»

während vieler Jahre an ihr nag­ ten. Von den kräftezehrenden Nebenjobs, mit denen sie ihr Stu­ dium finanzieren musste. «Zum ersten Mal in meinem L ­ eben sind meine Existenz­ängste in den Hin­ tergrund ­gerückt», sagt Wüthrich. Und das, obwohl sie seit einem halben Jahr Mutter einer kleinen Tochter ist und derzeit selber kein Geld verdient. «Dieses Füreinan­ derdasein berührt mich tief.» Und sie freut sich schon auf die Zeit nach dem Studium, wenn auch sie

finanziell für andere sorgen kann. Doch verpflichtet ist sie zu nichts. Jede und jeder kann jederzeit aus der Gemeinschaft austreten. Synergien und Solidarität

Einmal im Monat treffen sich die Mitbewohnerinnen und -be­ wohner zur Plenumssitzung im Rittersaal neben dem grossen ­Ka­chel­ofen. Hier besprechen sie grös­sere Ausgaben – etwa für ­einen Urlaub, Zahnarztbehand­ lungen oder einen neuen Compu­

ter – und den aktuellen Konto­ stand. Durchschnittlich liegen zu Beginn des Monats rund 20 000 Franken auf dem Konto: so viel, wie zuvor keiner von ihnen je zur Verfügung hatte. Doch verteilt auf alle sieben und die drei Kinder ist es wenig. Rechne­ risch lebt die Gemeinschaft an der Armutsgrenze. Wirklich arm fühlt sich aber niemand von ihnen. «Wir können viel Geld sparen, in­ dem wir gemeinsam leben, Syner­ gien nutzen, Kühlschrank, Auto

Name: Lena Feldmann Alter: 30 Ausbildung und Tätigkeit: Sozialarbeiterin Weitere Beschäftigungen: Schneidern, Gärtnern Arbeitspensum: 60 % Hauptaufgaben in der Gemeinschaft: Gartenpflege, Organisatorisches und Suche nach einem neuen Zuhause für die Gemeinschaft Eigene Kinder: Pina Runa (10 Monate)

«Ich sehe die gemeinsame Ökonomie als praktischen Gegenentwurf zu Lohnungleichheit und allgemeinem Konkurrenzdenken.»


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und Konsumgüter teilen», sagt Lena Feldmann. Philippe Wietlisbach ist einer der Grossverdiener unter den Bewohnern. Er arbeitet als Lehrer an einer Mittelschule in Biel. Zu Beginn der gemeinsamen Öko­nomie war er selber noch Student. Jetzt fi ­ nanziert er mit seinem Einkommen die drei Kinder mit, die nicht seine eigenen sind, und subventioniert das Leben der Kleinverdiener in der Gruppe. Als er sich vor einigen Monaten einen eigenen Gleitschirm kaufen wollte, fehlte dafür das Geld. Jetzt spart die Gemeinschaft darauf, dass er den Schirm noch vor dem Frühling erwerben kann. «Das sind Momente, wo ich mich schon manchmal frage: Wäre es nicht einfacher, wenn ich einfach für mich schaue? Doch es sind flüchtige Zweifel. Denn was Wietlisbach von der Gemeinschaft erhalte, sei wertvoller als unbeschränkte Konsummöglichkeiten. «Ich erlebe hier eine unglaubliche Solida­ rität. Und die Sicherheit, dass andere für mich sorgen, wenn es bei mir einmal knapp wird.» Eineinhalb Jahre sind vergangen, seit die Gemeinschaft ihre gemeinsame Ökonomie begonnen hat. Im Umfeld schütteln noch immer viele den Kopf, in manchen Familien sorgt die Lebensform für hitzige Diskussionen. Und auch die Bewohnerinnen und Bewohner sind immer wieder neu gefordert: Sarah Wüthrich fühlt sich in gewissen Momenten schuldig, weil sie finanziell nichts zur Gemeinschaft beiträgt. Lena Feldmann ärgert sich über Philippe Wietlisbachs Parkbussen. Und der nervt sich über die Haare im Abfluss. Doch die befürchteten Grundsatzdiskussionen blieben aus, die Existenzängste schwinden. «Geld hat in meinem Leben noch nie eine so kleine Rolle gespielt wie heute», sagt Feldmann. «Aus dem Experiment ist Normalität ge­worden.» Nun möchte die ­Gemeinschaft weiterwachsen und ist auf der Suche nach einem grös­seren Zuhause in der Region Bern, das sie als Genossenschaft kaufen kann. Denn in einem Punkt sind sich alle einig: Ihr Modell hat Zukunft. MM

Name: Philippe Wietlisbach Alter: 32 Ausbildung und Tätigkeit: BA in sozialer Arbeit; Lehrer in Biel Weitere Beschäftigungen: Fliegen, Gleitschirmfliegen Arbeitspensum: 80 % Hauptaufgaben in der Gemeinschaft: Handwerkliches und Kulinarisches Eigene Kinder: keine

Name: Raffael Wüthrich Alter: 32 Ausbildung und Tätigkeit: Journalist und Organisationskommunikator; Projektleiter Repair Cafés und Medienarbeit für die Vollgeld-Initiative. Weitere Beschäftigungen: ­Gemüseanbau und ­Keyboarder bei Major B. Arbeitspensum: 80 % Hauptaufgaben in der Gemeinschaft: Gartenpflege, Kontakt mit der Verwaltung, Suche nach einer geeigneten Liegenschaft Eigene Kinder: Sanna Sophia (9 Monate)

Name: Sarah Wüthrich Alter: 30 Ausbildung und Tätigkeit: Studium Theologie Weitere Beschäftigungen: Trauungen, Yoga, Schwimmen, Lesen und Schreiben Arbeitspensum: 140 % (Mutter, Studentin) Hauptaufgabe in der Gemeinschaft: Versorgung der Gemeinschaft mit Lebensmitteln Eigene Kinder: Sanna Sophia (9 Monate)

«‹Zäme geits geng besser›: Ich konsumiere weniger nutzlose Dinge, die einem kurzfristig das Gefühl von Glück vermitteln und danach in einer Ecke ­landen und nicht mehr ­gebraucht werden. Drei kleine Kinder zu Hause zu haben, ist aber nicht immer einfach.»

«Viele Menschen sehen sich gezwungen, etwas zu tun, was ihr Konto auffüllt. Oft ist es nicht das, was sie gerne tun würden. Mit der gemeinsamen Kasse schenken wir uns gegenseitig ein Grundeinkommen, damit wir ein bisschen ­freier denken, handeln und arbeiten können.»

«Ich habe mich für die gemeinsame Ökonomie ­entschieden, weil ich es ungerecht finde, dass die Lohnschere in unserer Gesellschaft immer ­ex­tremer auseinandergeht – zugunsten derer, die bereits viel Geld haben, während es bei denen fehlt, die es dringend nötig hätten.»

«Unser Modell hat Zukunft»: Seit eineinhalb Jahren lebt die zehnköpfige Wohngemeinschaft das Prinzip der gemeinsamen Ökonomie.


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Jannik Böhm

Name: Jannik Böhm Alter: 30 Ausbildung und Tätigkeit: Sexualpädagoge, Politologe Weitere Beschäftigungen: politischer Aktivismus, Tauchen Arbeitspensum: 60 % Hauptaufgabe in der Gemeinschaft: kleinere und grössere Bauvorhaben, Betreuung der Web­site: www.unserhausprojekt.ch Eigene Kinder: Pina Runa (10 Monate)

«Die gemeinsame Öko­ nomie ändert zwar nicht die Welt, aber sehr wohl meine eigene Lebens­ realität. Das soli­darische Miteinander in der Gruppe nimmt mir sämt­liche Existenzängste.»

«Die gemeinsame Ökonomie ist für mich ein Stück richtigeres Leben im Falschen.»

Name: Sarah Widmer Alter: 30 Ausbildung und Tätigkeit: freischaffende Sängerin und Gesangspädagogin Weitere Beschäftigungen: Mitarbeiterin im Schul­ besuchsteam von Public Eye (ehemals «Erklärung von Bern») Arbeitspensum: ca. 60 % Hauptaufgaben in der Gemeinschaft: Einkäufe, Ver­anstaltungen und Gartenpflege Eigene Kinder: Emilia (6 Monate)

«Mir gefällt, dass Geld und Geldverdienen in ­meinem Alltag an Wichtig­ keit ver­lieren. Ich definiere den Wert meiner Arbeit nicht nur über die mone­ täre Entschädigung.»

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Leserforum MM12: Diese Woche Immer mehr Pflegefälle – und wer solls bezahlen?

«Man sollte den Pflegedienst für je zwei Jahre einführen» Ich stamme aus einer Generation, die noch den Landdienst kennt. Und als Physiker weiss ich: Wenn man an einem System nichts ­ändert, bleibt alles, wie es ist. Für das Problem mit der Pflege der alternden Gesell­ schaft hätte ich eine Lösung zur Hand: Man sollte endlich den Pflegedienst für Menschen ab 65 Jahren für je zwei Jahre einführen. Kurt Rohrbach, Schönenberg ZH Menschen, die zu Hause ihre Angehörigen pflegen, müssten vom Staat grundsätzlich finan­ ziell unterstützt werden. So könnte man Kosten bei den Heimen sparen. Mägi Bedin, via Migrosmagazin.ch

Die 25 Jahre bis 2045 sollten zu überbrücken sein. Der ­l­­etzte geburtenstarke Jahrgang ist 1964. Danach folgt zum Glück der Pillenknick. Ab 2050 regelt sich das alles von allein. Monika Brunner, via Migrosmagazin.ch MM12: Kinderfrage Wieso gibt es Arme und Reiche?

«Auch Kinder können etwas gegen Armut tun» Herzlichen Dank für diesen wertvollen Artikel. Sie schrei­

ben, dass Kinder nur begrenzt etwas gegen Armut tun können. Damit haben Sie natürlich recht. Allerdings ist bei uns in der F ­ amilie gerade die ­Diskussion um Markenkleider voll entbrannt. Und gerade bei diesem ­Thema zeigt sich, dass ­Kinder sehr wohl etwas tun können. Statt mit grosser ­Umweltzerstörung hergestellte Markenartikel könnten sie sich von ihren Eltern fair und bio­ logisch produzierte K ­ leider wünschen. Dasselbe gilt auch für andere Produkte wie Bana­ nen, Schokoladetafeln oder Ananas. Das ­bedingt aber eine entsprechende Bildung, sprich die Aufklärung über die aus­ beuterischen Mechanismen

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des Markts und die damit verbundene Be­fähigung, zu kritischen Konsumentinnen und Kon­sumenten ­heran­zuwachsen, die dazu b ­ ereit sind, ihre G ­ ewohnheiten ständig zu hinterfragen. Alexander Stebler, via Migrosmagazin.ch

Schicken Sie Ihre Leserbriefe an: Redaktion Migros-Magazin, Limmat­strasse 152, Postfach 1766, 8031 Zürich, oder per Mail an: redaktion@migrosmagazin.ch Die Redaktion behält sich Kürzungen vor und übernimmt keine Verantwortung für Inhalt und Richtigkeit der Aussagen. Über Erscheinen resp. Nichterscheinen der Leserbriefe wird keine zusätzliche Korrespondenz geführt.


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«Ich lebe seit vielen Jahren im Kopf eines Mafiabosses» Roberto Saviano

Seit er in seinem Buch «Gomorrha» die Machenschaften der Camorra beleuchtet hat, lebt Roberto Saviano im Untergrund. Der Schriftsteller über das Mafiöse in uns allen, seine neuesten Projekte und die Lage der Nation Italien. Text: Monica Müller Bilder: Florian Jaenicke


MENSCHEN | MM13, 26.3.2018  29

«Ich weiss auch nicht genau, warum ich diesen verrückten Weg eingeschlagen habe», sagt Schriftsteller Roberto Saviano.


30  MM13, 26.3.2018 | MENSCHEN

Roberto Saviano, wir führen dieses Gespräch im Haus des Hanser-Verlags in München, zwei Landeskriminalbeamte stehen vor der Tür, und draussen wartet Ihr Bodyguard. Wie ist das, wenn man ständig unter Personenschutz steht? Eine angstvolle Unruhe begleitet mich immer. Ich bin nie allein – und doch immer allein. In der Regel bleiben die Leute, die mich beschützen, ein Jahr lang bei mir, dann kommen neue. Ich wechsle ständig den Aufenthaltsort, übernachte in Hotelzimmern oder Polizeikasernen, werde von bis zu fünf Bodyguards bewacht und bewege mich in Autos mit Panzerglas. In der Vergangenheit weigerten sich manche Fluggesellschaften, mich zu transportieren. Und in gewissen Restaurants bin ich nicht willkommen. Früher machte mich das wütend, heute habe ich mich irgendwie auch daran gewöhnt. Erinnern Sie sich noch an den Moment, als Ihnen die Präsenz der Mafia erstmals auffiel? Den einen Moment gibt es nicht. Sie war immer da. Hingegen erinnere ich mich gut an die erste Leiche. Auf dem Heimweg nach der Schule, da war ich wohl 12 oder 13 Jahre alt, sah ich einen Toten in einem Auto liegen. Die Polizei hatte die Tür geöffnet – ich weiss noch genau, wie verdreht der Mann dalag. Seine Haut war ganz weiss. Sie sind in Neapel aufgewachsen. Wie war das Neapel Ihrer Kindheit? Meine Erinnerungen sind ziemlich düster. Das Italien meiner Kindheit war zwar reich, aber auch sehr korrupt. Alle hatten zwei, drei Häuser, eins davon am Meer. Es gab Jobs, und man hatte Lust zu arbeiten. Und da war auch noch Maradona, der für Neapel spielte. Stellen Sie sich vor, wie das für einen zehnjährigen Jungen ist: Maradona beim Training zuschauen zu können! Gleichzeitig wütete ein Verteilkampf zwischen den Camorra-Clans, auch um die Hilfsgelder, die nach dem verheerenden Irpinia-Erdbeben im Jahr 1980 in die Region flossen. Pro Jahr wurden 250 Leute ermordet. Weshalb haben Sie Ihr Leben der Recherche über die Mafia und ihre Machenschaften gewidmet? Aversion? Obsession? Manie? Faszination? Ich weiss auch nicht genau, weshalb ich diesen verrückten Weg eingeschlagen habe. Heute glaube ich nicht mehr an Gerechtigkeit. Aber an Rache – an eine Rache der Worte. Gesund ist das nicht, das weiss ich. Wie kann man die Mafia bekämpfen? Indem man über die Missstände berichtet, damit die Leute sie verstehen lernen. Und indem man alle Offshore-Konten auf der ganzen Welt schliesst.

Roberto Saviano: «Ich verfolge immer das gleiche Ziel: über die Macht, die Grausamkeit und die Realität der Mafia zu berichten.»

Das dokumentarische Buch «Gomorrha» über die Machenschaften der Camorra hat sie bekannt gemacht – zum Preis, dass Sie zwölf Jahre später immer noch unter Polizeischutz stehen. Würden Sie das Buch aus heutiger Sicht noch so schreiben? Nein, ich habe es sehr oft bereut. Es hat mir viele Probleme beschert und macht es mir unmöglich, ein normales Leben zu führen. Ich hätte vorsichtiger sein und es anders angehen müssen. Könnte ich das Rad der Zeit zurückdrehen, würde ich die Informa­ tionen in einen Roman verpacken und nicht mehr als Sachbuch publizieren. Ist Ihr neuestes Buch, «Der Clan der Kinder», deshalb ein Roman? Meine bisherigen Bücher waren immer eine Mischung. Auch «Der Clan der Kinder» ist von Fakten inspiriert. Ich habe die Form des Romans gewählt, um meinen Protagonisten mehr Tiefe zu geben. In meinen bisherigen Büchern konnte ich zwar die abgehörten Telefongespräche eines Mafiabosses wiedergeben und sein Leben erzählen, aber da blieb immer eine gewisse Distanz. Dieses Mal wollte ich in den Kopf eines Mafiabosses eindringen und erzählen, wie er und seine Jungs ticken. Ich verfolge immer das gleiche Ziel: über die Macht, die Grausamkeit und die Realität der Mafia zu berichten. Was ist Ihrer Meinung nach die Aufgabe der Literatur?

Bis vor Kurzem hätte ich gesagt, die Literatur sei ein Instrument, um die Dinge zu verändern. Jetzt sehe ich das romantischer. Sie ist eine Möglichkeit, jemandem zu sagen: Gib mir das Wertvollste, das du hast – deine Zeit, deinen Blick, deinen Kopf, dein Herz, deinen Bauch, alles, was dich ausmacht. Lass uns zusammensein; du entscheidest, wann und wie lange. Mit einem Film hat jemand anders die Entscheide für dich getroffen. Aber bei einem Buch ist alles in deinem Kopf. Du malst dir etwas aus und empfindest es. Das macht die Kraft des Buchs aus. Wenn sie schiessen, schiesst auch du. Wenn sie lieben, liebst auch du. Wenn sie sterben, stirbst auch du. Was hat das mit Ihnen gemacht, im Kopf eines Mafiabosses zu sein? Nun ja, ich lebe seit vielen Jahren im Kopf eines Mafiabosses. Ich habe viele gekannt, habe sie fast alle studiert: wie sie sprechen, wie sie sich kleiden, wie sie ihre Frau und ihre Freundin behandeln, welche Drogen sie konsumieren oder weshalb sie die Finger davon lassen. Es hat mir gezeigt, dass wir uns eigentlich sehr ähnlich sind. Für manche ist die Mafia der einzige Arbeitgeber, der ihnen ein Angebot macht. Denn den Jungen im Süden fehlen vor allem Perspektiven. Was raten Sie ihnen? Es gibt einen leider ziemlich zutreffenden Spruch: «O briganti, o emigranti.» Entweder


MENSCHEN | MM13, 26.3.2018  31

Gauner oder Auswanderer. Wenn man alles Mögliche versucht hat und keinen Weg findet, sollte man Italien verlassen und sein Glück anderswo versuchen. In der Regel blei­ ben diejenigen, deren Familie Geld hat. Im Süden lässt sich gut leben: Die Sonne scheint, das Essen schmeckt. Damit sich wirklich etwas verändert, bräuchte es Investitionen ins Bildungssystem und Jobs. Zudem müss­ ten die weichen Drogen legalisiert werden, denn alle Kleinmafiosi fangen mit Hasch­ dealen an und landen dann beim Kokain. In Ihrem letzten Buch, «Zero Zero Zero», und im aktuellen Roman dreht sich alles um Kokain. Kokain ist die Droge der Schnelligkeit – und eine Metapher für unsere Zeit. Kokain ver­ dichtet, lässt uns in kürzerer Zeit viel mehr erleben und uns auch entsprechend schnel­ ler altern. In der Wirtschaftskrise kaufen die Leute nicht Kleider oder Autos, sondern Kokain. Die Jungs in «Der Clan der Kinder» konsumieren und verkaufen Kokain.

So finden sie ihren Platz in dieser schreck­ lich schnellen Welt. Warum sind Mafiageschichten so beliebt? Weil sie die ungeschminkte Realität zeigen. Was Mafiabosse und ihre Leute machen, pas­ siert auch im Büro und zu Hause. Mit dem Unterschied, dass man einander in der Regel nicht umbringt. Im Büro mobbt man oder zieht über andere her. Wir alle hintergehen einander. Bei der Mafia gelten klare Regeln in Bezug auf das, was wir im Versteckten auch tun. Das fasziniert. Die Bosse wissen, dass ihre besten Leute sie eines Tages ver­ raten werden. Je mehr die rechte Hand auf die Position des Bosses aus ist, desto stärker ist sie. Also umgeben sich die Bosse mit Leu­ ten, die ihnen eines Tages gefährlich werden. Und versuchen, sie umzubringen, bevor sie selbst umgebracht werden. Immer wieder wird die Kritik laut, die TVSerie «Gomorrha» verherrliche die Mafia. Können Sie das nachvollziehen?

Zur Person

Schriftsteller im Visier der Mafia Roberto Saviano (38) kam in Neapel als Sohn eines katho­ lischen Arztes und einer jüdi­ schen Lehrerin zur Welt. 2006 erschien sein dokumentarisches Buch «Gomorrha» , in dem er die wirtschaftspolitischen Machenschaften der Camorra, der neapolitanischen Mafia, beschreibt. Daraufhin folgten Morddrohungen – seither steht er unter Personenschutz. Mittlerweile wurden weltweit mehr als zehn Millionen Exem­ plare des Buchs verkauft. Auch die TV-Serie «Gomorrha» ist ein Riesenerfolg – sie wurde in 130 Länder verkauft. Saviano lebt in Italien und in den USA.

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32  MM13, 26.3.2018 | MENSCHEN

Dass ich mit «Gomorrha» Junge dazu verleiten soll, kriminell zu werden, ist doch unglaublich, oder? Meine Serie zeigt die Realität, nicht umgekehrt. Es ist ja nicht so, dass man, wenn man Michael Corleone im Film «Der Pate» sieht, auch zu Michael Corleone wird. Hätte ich die Serie nicht gedreht, hätte ich keinen einzigen Jungen gerettet. Es ist viel eher so, dass man sich dank der Serie bewusst wird, dass es diese Jungen gibt. Hat Sie der internationale Erfolg der TV-Serie überrascht? Und wie! Wissen Sie, warum? Als ich sie vorstellte, interessierte sich niemand dafür. Man kritisierte, dass die Protagonisten neapolitanischen Dialekt sprechen. Und dass das Gute schlicht nicht vorkommt. Ich denke, die Authentizität der Serie macht schliesslich ihren Erfolg aus. Wann ist Schluss? Ich hoffe, nach der vierten Staffel. Auch wenn man mich ständig drängt weiter­ zumachen. Bis jetzt wurde jede Staffel ge­ feiert; ich möchte nicht das Risiko eingehen, schlechter zu werden. Welches ist Ihr nächstes Projekt? Ich arbeite an einer Serie über den libyschen Herrscher Muammar al-Gaddafi. Eine amerikanische Produktionsfirma hat sie bereits gekauft. Die erste Staffel ist fast fertig geschrieben.

Warum Gaddafi? Weil seine Geschichte toll ist und die Ver­ gangenheit hilft, die Gegenwart zu verstehen. Es ist die unglaubliche Geschichte eines Jungen, der mit elf Freunden einen Staats­ streich verübt und damit innert weniger Stunden zum absoluten Herrscher über das Territo­rium mit dem weltbesten Erdöl wird. Er wandelt sich vom Reformer und Krea­ tiven zum gewalttätigen und korrupten Ty­ rannen. Es ist eine Parabel der Macht – mit allen Bestandteilen: Faszination, Grössen­ wahn, Grausamkeit. Ich bleibe also beim Thema, bloss das Setting ist ein anderes. Anfang März fanden die Parlaments­ wahlen in Italien statt. Ihr Eindruck? Der Populismus regiert. Wir sind ein Labor für die westliche Welt: Was in Italien gesche­ hen ist, passiert auch anderswo. Erst kam Berlusconi, dann Trump. Erst Mussolini, dann Hitler. Erst kamen die Roten Brigaden, dann kam die RAF. Der Populismus ist im Süden am stärksten. Dort haben die Cinque Stelle abgesahnt. Die Bewegung hat kein Programm, ändert dauernd ihre Positionen und macht unhaltbare und auch rassistische Versprechen. Sie verdankt ihren Erfolg der weitverbreiteten Wut. Wird sich nach den Wahlen etwas ändern? Ich bin sehr gespannt, was geschehen wird und ob sich eine Regierung bildet. Aber ich befürchte, dass sich nichts ändert. Absolut nichts. Italien ist ein hoffnungsloser Fall.

Welche Veränderung bräuchte es denn? Vielleicht einen Regierungstausch? Die deutschen Politiker könnten in Italien ans Ruder, die italienischen in Deutschland. Das wäre doch ein Ansatz! Grossartig! ( lacht) Das wäre Stoff für eine neue Serie ... Genau! Ich glaube, das wäre richtig gut. Was halten Sie eigentlich von der Schweiz? In der Schweiz lebt man sehr gut. Der Alltag und der Ursprung des Reichtums stehen aber in krassem Widerspruch: Lange war die Schweiz das schwarze Finanzloch der Welt; alle Gelder wurden ohne Überprüfung angenommen. Weil die Schweizer selbst keine Verbrechen verübt haben, fehlen die mora­lischen Bedenken. Was mich als Ita­ liener aber beeindruckt: Die Strassen sind sauber, die Schulen funktionieren, die Spitäler haben einen guten Ruf. In Italien ist das Gegenteil der Fall. Deshalb gelten ­ die Politiker bei uns auch als Verbrecher­ vereinigung, die die Bürger beklaut. Fehlt Ihnen Neapel? Und wie. Ich gehe immer wieder dorthin, aber unter erschwerten Umständen: Ich stehe unter verschärftem Personenschutz. Dennoch sage ich mir seit bald zwölf Jahren: Eines Tages werde ich zurückkehren. Doch dafür muss ich erst lockerer werden – oder leichtsinniger. MM Roberto Saviano: «Der Clan der Kinder», Hanser-Verlag; bei www.exlibris.ch für Fr. 27.90

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Migros-Welt MM13

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Migros-Besitzer

«Das Bier fehlt im Sortiment» Seit wann sind Sie Migros-Genossenschafter? Das weiss ich gar nicht mehr so genau. Schätzungsweise seit sechs Jahren. Und weshalb sind Sie Migros-Besitzer? Ich finde den genossenschaftlichen Gedanken sympathisch. Was mögen Sie an der Migros? Hier findet man einfach alles, was man braucht. Und ich bin ein Migros-­ Kind, obwohl meine Eltern gar nicht besonders oft dort eingekauft haben. Die Migros scheint mir einfach ein Unternehmen zu sein, das sehr nahe beim Volk ist.

Bild: René Ruis

Was würden Sie an der Migros verändern? Das Bier fehlt im Sortiment! ( lacht) Spass beiseite, ich finde es gut, dass die Migros den Verzicht auf den Alkohol­ verkauf durchzieht.

Name: Stephan Fröhlicher (31) Wohnhaft: Olten Beruf: Musiker Lieblingsprodukt: M-Budget Olivenöl

Welches ist denn Ihr Lieblingsprodukt? Das Olivenöl von M-Budget kaufe ich sehr häufig. Für ein so günstiges Olivenöl aus der PET-­ Flasche ist der Geschmack wirklich erstaunlich gut.


36  MM13, 26.3.2018 | MIGROS-WELT

Frage der Woche

Warum kann ich in Migros-Filialen keine leeren Glasflaschen entsorgen? Das liegt daran, dass es beim Recycling in der Schweiz eine historisch gewachsene Auf­ gabenteilung zwischen dem Detailhandel und den Gemeinden gibt: Glas, Alu- und Konserven­ dosen werden von den Gemeinden gesammelt.

Viele Artikel aus dem Ex-Libris-­ Sortiment sind neu auch auf Galaxus verfügbar. Händlerprogramm

Ex Libris auch bei Galaxus Die Schweizer Medienhändlerin Ex Libris bietet neu rund 600 000 der bestverkauften Artikel aus ihrem Sortiment auch im Online-Warenhaus Galaxus an, wo Kunden künftig Bücher, Musik und Filme aus dem Ex-Libris-Sortiment finden. Ex Libris übernimmt Einkauf, Sortimentierung und die gesamte Logistik. Digitec

Die Migros nimmt viele Verpackungen und ausgediente Produkte zurück: Bei jeder Filiale können Sie an der Recyclingstation PET-Getränke­ flaschen, Plastikflaschen, Batterien, CDs, Wasserfilterkartuschen, Rahmbläserkapseln, Leuchtmittel und Elektrogeräte entsorgen. Die Migros unterhält das grösste Recyclingsystem im Schweizer Detailhandel. Aus logistischen Gründen könnte sie keine weiteren Ver­ packungen entgegennehmen. MM

Galaxus stellt mit dem Shop das Schaufenster und sichert den Bestellprozess. Ex Libris ist nach Globus und M-way die dritte Migros-Tochter, die sich dem GalaxusHändlerprogramm anschliesst. Das Online-Warenhaus Galaxus baut sein Sortiment so auf neu über 1,5 Millionen Artikel aus.

Preisbarometer

Aktuelle Preisänderungen Die Migros muss die Preise bei verschiedenen Wurstwaren mit Rindfleischanteil

Kontaktieren Sie uns! M-Infoline, der Kundendienst der Migros, erreichbar ­unter 0800 84 0848 oder www.migros.ch/ kundendienst

Telefonisch erreichbar Montag bis Freitag: 8.00–18.00 Uhr Samstag: 8.30–16.30 Uhr Anrufe auf die oben ­genannte Nummer sind gratis.

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Bio Cervelas, 200 g

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Haben Sie eine Frage?

erhöhen. Der Grund sind gestiegene Rohstoffpreise bei Rindfleisch. Ebenfalls teurer werden Produkte, die Wildlachs enthalten. Geringere Fang­erträge und eine stärkere Nachfrage führen zu höheren Rohmaterialkosten.


MIGROS-WELT | MM13, 26.3.2018  37

Neuheit

MigipediaSiegerin im Regal

Schicken Sie uns Ihr Migros-Bild und gewinnen Sie einen Einkaufsgutschein im Wert von 50 Franken. Wenn auf Ihrem Foto ein MigrosZu­sammenhang zu erkennen ist, sind Sie dabei.

Joghurt-­Minze heisst die neue Grillsauce von M-Classic im Migros-­ Sortiment. Über ihre Community-Plattform Migipedia rief die Detailhändlerin im vergangenen Sommer dazu auf, Vorschläge für fehlende Saucen zu Bratwürsten oder Grillgemüse ein­zu­ reichen. Zahlreiche Geschmackskombinationen fanden den Weg auf Migipedia, drei kamen in die engere Auswahl. Mit über 44 Prozent der Stimmen machte schliesslich die Joghurt-Minze das Rennen. Wer die Gewinner-Sauce testen und bewerten möchte, kann sich jetzt auf www.migipedia.ch melden.

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Der unglaubliche Hulk «Ganz in seiner Manier macht Hulk die Dose M-Budget Energy Drink platt, um sie später zu rezyklieren.» Philippe Hebert, La Chaux-de-Fonds NE

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Video über Maurus Gauthier

38  MM13, 26.3.2018 | MIGROS-WELT

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Tanz

Der Schwerelose Der junge Bündner Maurus Gauthier begeistert als Spitzentänzer Zuschauer auf der ganzen Welt. Für das Tanzfestival Steps des Migros-Kulturprozents kommt er bald in die Schweiz zurück. Text: Michael West  Bilder: Cira Moro

M

aurus Gauthier springt in die Luft und dreht sich zweimal ra­ sant um die eigene Achse. E ­ inen Moment lang sieht es so aus, als lasse ihn die Schwerkraft los, als werde er gleich davonschweben. Kein Publikum sieht das perfekte kleine Kunststück. Die Sitz­ reihen im Saal 3 des Theaterhauses Stuttgart sind leer. Denn zusammen mit den anderen Mitgliedern des Ensembles Gauthier Dance absolviert der 25-jährige Bündner hier nur eines von zahllosen Trainings. An sechs Tagen pro Woche arbeitet die 16-köpfige Truppe unermüdlich an Kraft und Koordination, perfektioniert Verdre­ hungen und Sprünge, die einen ungeübten Normalsterblichen ins Spital bringen könn­ ten. Auf der Bühne wirkt ihre hart erarbei­ tete Kunst später nicht nur enorm dyna­ misch, sondern oft auch humorvoll. Im neuen Programm «Stream» wird zum Beispiel auf witzige Art mit Geschlechter­ rollen gespielt. Eine Szene besteht aus ­einem getanzten Flirt: Ein eitler Mann um­ wirbt eine Frau. Die beiden setzen sich auf ein gelbes Sofa, das plötzlich nach hinten kippt, sodass die beiden Figuren verschwin­ den. Dann fällt das Sofa ebenso abrupt ­wieder nach vorne. Nun hat sich die Frau in ­einen Mann verwandelt, und der Charmeur reagiert mit theatralischem Entsetzen.

In einer anderen Szene verschmelzen die Tänzerinnen und Tänzer regelrecht mitein­ ander: In goldenen Kostümen imitieren sie die Wellen und Wirbel eines aufgewühlten Flusses. Auch diese Darbietung wäre ohne langes und hartes Training unmöglich. Seit fünf Jahren gehört Maurus Gauthier zu Gauthier Dance. Dass das weltweit ­gefeierte Spitzenensemble seinen Namen trägt, ist jedoch purer Zufall – es wurde nicht etwa nach ihm benannt. In vielen Ländern unterwegs

Die Formation gehört zwar zum Theater­ haus Stuttgart, ist aber oft auf Tournee in der ganzen Welt. «Wir sind schon auf fünf Kontinenten aufgetreten», erzählt Gauthier. «Für mich ist es etwas vom Schönsten, dass wir mit unseren Darbietungen Menschen aus ganz verschiedenen Kulturen begeistern können.» Nicht immer stellt sich der ­Kontakt zwischen Publikum und Künstlern sofort her. Gauthier erinnert sich an an­fänglich schwierige Auftritte in Moskau und Sankt Petersburg. «Die Zuschauer dort w ­ aren zuerst spürbar reserviert. Doch ­plötzlich schien ein Funke überzuspringen. Am Ende bekamen wir stehenden A ­ pplaus.» Nun wird der Bündner schon bald vor ­einem Publikum auftreten, dessen Mentali­ tät ihm vertraut ist. Gauthier Dance nimmt

nämlich am grossen Tanzfestival Steps des Migros-Kulturprozents teil. Vom 12. April bis 5. Mai finden in der ganzen Schweiz Dar­ bietungen von Formationen aus Europa und Übersee statt (siehe auch Seite 40). Es ist der grösste Anlass für zeitgenössischen Tanz in unserem Land, und er feiert 2018 ein rundes Jubiläum: Vor 30 Jahren wurde Steps vom Kulturprozent gegründet. Extra für die Jubiläumsausgabe des Festivals hat Gauthier Dance das Programm «Stream» entwickelt. Voraussichtlich insgesamt 30 000 Zuschaue­ rinnen und Zuschauer werden Steps erle­ ben. «Ich finde es toll, dass das Publikum so gross ist», mein Gauthier. «Aber noch mehr freue ich mich, dass darunter auch Men­


MIGROS-WELT | MM13, 26.3.2018  39

Enorm gelenkig: Maurus Gauthier auf einer Treppe im Theaterhaus ­Stuttgart und bei einer Aufführung (oben, links im Bild)

schen sind, die sich sonst keinen zeitgenös­ sischen Tanz ansehen.» Ihnen möchte er zeigen, wie überraschend und mitreissend moderne Tanzkunst sein kann. Seit der Kindheit vom Tanz begeistert

Gauthier selbst hat die Leidenschaft für diese Kunst mit elf Jahren gepackt: Bei einem Schulausflug ans Stadttheater Chur sah er auf der Bühne einen Tänzer. Seine Bewegun­ gen schienen einem unsicht­baren Muster zu folgen. Das faszinierte den Buben Maurus auf den ersten Blick. Danach sagte er zu ­seinen ­Eltern, er wolle sich später auch so bewegen können. Mit 13 Jahren nahm er neben der ­Sekundarschule erste Ballett­

lektionen in Chur. Die ­Eltern unterstützten seinen Traum, obwohl sie beruflich nichts mit ­Profitanz zu tun hatten: Der Vater war ­Mechaniker, die Mutter Hausfrau, zeitweise auch Gärtnerin und Wirtin. Schwierig wurde es erst, als Maurus nach der 3. Sek eine Lehr­ stelle als Geometer hätte antreten können. Der Vater war dafür; sein Sohn sollte einen soliden Beruf erlernen. «Ich erklärte ihm aber, dass ich nur als Tänzer glücklich wer­ den kann», erinnert sich Gauthier. «­ Darauf änderte er seine Meinung.» Der angehende junge Künstler schaffte schliesslich die Auf­ nahmeprüfung für die renommierte Ham­ burg School of Ballet. Während der dreijäh­ rigen Ausbildung in Norddeutschland unter­

stützte ihn die Talentförderung des Migros-­ Kulturprozents. Und heute? Gauthier ist in seinem Traum angekommen und geniesst sein Glück. Zwar ist die Zukunft unsicher, denn kaum ein Spitzentänzer kann länger als bis ins Alter von 40 Jahren auf der Bühne tanzen. «Viel­ leicht arbeite ich später einmal als Ballett­ meister oder als Lichtdesigner im Theater», meint der Bündner. «Im Moment ist mir vor allem wichtig, meine Begeisterung mit dem Publikum zu teilen.» MM Tipps zum Steps-Programm auf den folgenden Seiten


40  MM13, 26.3.2018 | MIGROS-WELT

Eine Inspiration für alle Vom 12. April bis 5. Mai findet schweizweit das Tanzfestival Steps statt. Isabella Spirig, die künstlerische Leiterin, gibt Programmtipps.

D

as Festival Steps des MigrosKulturprozents überzieht das ganze Land mit einem Netz aus 83 Vorstellungen: Zwölf internationale Ensembles treten in 31 Städten und Dörfern auf – von ­Poschiavo bis Steckborn und von Genf bis St. Gallen. Sie zeigen zeitgenössischen Tanz auf Spitzenniveau und in zahlreichen Ausprägungen. Das Wort

«Mut» steht als Motto über der Vielfalt. «Tanz überwindet Grenzen und kennt keine Angst vor dem Fremden», sagt dazu Isabella Spirig, die seit 20 Jahren künstlerische Leiterin von Steps ist. Niemand kennt das aktuelle Gesamtprogramm so gut wie sie. Hier empfiehlt sie sieben Kompagnien, die ­Zuschauer mit ganz verschiedenem ­Geschmack inspirieren werden. MM

Wuchtig Das schwedische En­sem­ble Göteborg­ operans Danskompani zeigt eine ­Choreografie, für die 3,5 Tonnen Lehm auf die Bühne geschafft werden. Die Tänzerinnen und Tänzer ringen mit der mächtigen Masse und verschmelzen mit ihr. «Das ist etwas für Men­ schen, die sich für Skulp­ turen begeistern und den zeitgenössischen ­ Tanz vielleicht erst neu ­entdecken», meint Spirig.

Sinnlich Zum Bühnenbild des ­libanesischen Maquamat Dance Theatre g ­ ehört ein langer Tisch. Das ­Thema ist Gastfreund­ schaft, und auf der B ­ ühne werden Speisen zube­ reitet. Laut Spirig etwas für Tanzfans, die sich auch für fremdländische Kochkunst begeistern.

Amüsant Die Stuttgarter Formation Gauthier Dance bringt eine Abfolge aus dynamischen und humorvollen ­Dar­­bietungen auf die Bühne. «Besonders Familien mit ­Kindern können sich perfekt unterhalten, auch wenn sie noch nie zuvor zeitgenössischen Tanz erlebt ­haben», versichert Isabella Spirig.


MIGROS-WELT | MM13, 26.3.2018  41

Rasant Die französisch-deutsche Compagnie Wang ­Ramirez verbindet Tanz mit Kampfkunst und ­Hip-Hop. Die Tänzer sind oft mehr in der Luft als am ­Boden. «Für alle, die Action auf der Bühne lieben», empfiehlt Spirig.

Jubiläum

30 Jahre Steps

Bilder: WendyDPhotography; Ibrahim Dirani; Regina Brocke; Chris Parkes; Denis Kooné Kuhnert; Mats Bäcker

1988 wurde das internationale Tanzfestival des Migros-Kulturprozents von Walter Boris Fischer gegründet. Seither fand Steps alle zwei Jahre statt.

Zu den bisher 15 Fes­ tivalausgaben ­gehörten 1200 Vorstellungen; 200 Kompagnien ­zeigten ihre Kunst. Rund ein Viertel der Bühnen­ programme waren Schweizer Produk­ tionen. Zum Festival ­gehören seit 2004 auch spezielle Tanz-­ Workshops und Vorstel­ lungen für Schülerinnen und Schüler. Insgesamt 25 000 Kinder und ­Jugendliche haben ­bisher an diesem Vermittlungsprogramm ­teilgenommen.

Düster Der kanadische Schauspieler Jonathon Young (45) hat 2009 bei einem Brand seine halbwüchsige Tochter ­verloren; später versuchte er die Tragödie in surrealen Texten zu verarbeiten. Das Ensemble Kidd ­Pivot macht daraus eine unheimliche Show mit Varietéelementen. ­Spirig nennt das Programm «etwas für mutige Zuschauer, die einen schwierigen Stoff nicht scheuen».

Grenzenlos Die englische Stopgap Dance Company erzählt in i­ hrem Stück eine schräge und sehr britische Geister­ geschichte, die in einem verschachtelten Bühnenbild spielt. Künstler mit und ohne Behinderung gehören zum Ensemble. Spirigs Empfehlung: «Die Darbietung wird allen gefallen, die sich auch auf der Bühne ­Diversität wünschen.»

Infos und Tickets für das diesjährige Festival auf www.steps.ch Tickettelefon: 0900 325 325 (Fr. 1.19/Min.)


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Nicht inbegriffen: Auftragspauschale pro Person Fr. 20.– (entfällt bei Buchung über www.mittelthurgau.ch) • Persönliche Auslagen und Getränke • Zuschlag Kabine zur Alleinbenützung auf Anfrage • Flüge in Business Class auf Anfrage • Annullationskosten-Versicherung auf Anfrage • Einreiseformalitäten auf Anfrage

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MIGROS-WELT | MM13, 26.3.2018  43

60 StepsTickets zu gewinnen

Jugendlich

Verlosung

Gratis ans Festival

Die Schweizer Tanz-­ Bachelors sind Studentinnen und Studenten im Alter von 17 bis 24 Jahren. Sie sprühen vor Energie, und ihre Darbietung vereint ­viele verschiedene Stile. Spirig empfiehlt ihr Programm einem breiten ­Publikum – ganz besonders jungen Leuten, die ­selber eine Tanzausbildung in Betracht ziehen.

Bild: Gregory Batardon

Das Migros-Magazin verlost Tickets für ausgewählte Steps-Vorstellungen. Zu gewinnen gibt es insgesamt 30-mal zwei Tickets für Auftritte der fünf folgenden Kompagnien: Gauthier Dance am 13. 4. in Basel. Kidd Pivot am 28. 4. in Zürich. Die Schweizer Tanz-Bachelors am 30. 4. in St. Gallen. Stopgap Dance Company am 3. 5. in Zürich. Wang Ramirez am 3. 5. in Bern. Teilnahme auf www.migrosmagazin.ch/ wettbewerbe Einsendeschluss am 1. April 2018

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MIGROS-WELT | MM13, 26.3.2018  45

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Text: Andrea Pistorius, Claudia Schmidt Bilder: Christine Benz Styling: Vera Guala Rezept: Andrea Pistorius

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46  MM13, 26.3.2018 | MIGROS-WELT Step-by-step

Lachsterrine mit Rogen und Dill    1

Gelatine in kaltem Wasser einweichen. Terrinenform mit Klarsichtfolie auslegen. Dill waschen, trockenschütteln und feinhacken. Etwas Dill zum Anrichten beiseitestellen.

5

Gelatine tropfnass in eine Pfanne geben und bei kleiner Hitze auflösen, mit 3 EL ­Lachscreme verrühren, dann restliche Lachs­ creme unterheben. Lachscreme in die Form giessen und auf der ersten Schicht v­ erteilen. Im Kühlschrank während ca. 3 Stunden fest werden lassen.

2

Einen Drittel des Weins erhitzen. Pfanne vom Herd ziehen. Gelatine gut ausdrücken und im Wein auflösen. Restlichen Wein und Fond dazugiessen. Rogen und gehackten Dill unterheben. Masse in die Form giessen.

6

Die Terrine auf eine Platte stürzen, Folie ­vorsichtig entfernen. Terrine in Scheiben schneiden. Mit beiseitegestelltem Dill deko­ rieren und servieren. Dazu nach Belieben Brot oder Salat servieren.

3

Im Kühlschrank während ca. 1 Stunde festwerden lassen. Vor der Weiterverarbeitung kontrollieren, ob die Masse wirklich fest ist, sonst noch etwas länger kühl stellen.


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MIGROS-WELT | MM13, 26.3.2018  59

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Als Vorspeise verleiht eine ­Terrine jedem Menü eine sehr edle Note und beeindruckt so manchen Gast. Doch ob­wohl ihre Zubereitung aufwendig ­erscheint, ist sie in Wirklichkeit ziemlich einfach und benötigt nur etwas Zeit zum Festwerden.

Gelatine Dill Weisswein Fischfond Wildlachsrogen

Lachscreme: 3 ½ Blätter Gelatine 200 g Rauchlachs 250 g Magerquark 100 g Frischkäse ½ Zitrone Salz weisser Pfeffer

Für die Lachscreme Gelatine einweichen. Lachs, Quark und Frischkäse mit dem Stab-­ mixer feinpürieren. Zitronenschale fein dazu­ reiben. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Anstelle einer Terrinenform kann auch eine auszieh­ bare Cakeform verwendet werden. Im Notfall funktioniert das Rezept auch mit ­einer beliebigen Vorratsdose.

Statt des Weissweins kann man Fischfond verwenden.

Andrea Pistorius, Rezeptautorin

Fischterrinen können auf zwei Arten ­zu­bereitet werden: ent­weder kalt mit geräuchertem oder gegartem Fisch mithilfe von Gelatine, die der Terrine die nötige Festigkeit verleiht. Oder man verwendet ­rohen Fisch, wobei die Terrine vorzugsweise im W ­ asserbad gegart wird. Bei dieser Methode sorgt das im Fisch e­ nthaltene Eiweiss für die gewünschte Konsistenz. Wer ­Fischrogen nicht mag, kann ­diesen weglassen und die erste Schicht nur mit Dill zubereiten. Der Rogen sieht aber nicht nur sehr schön aus, s­ on­dern bietet – in Kombina­tion mit dem Weisswein und der luftigen Mousse – auch ein ganz spezielles Geschmacks­erlebnis. MM

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MIGROS-WELT | MM13, 26.3.2018  61

Chocolat Frey

Mit Bedacht gemacht Neun Millionen Schokoladen-Osterhasen verlassen jedes Jahr den M-Industriebetrieb Chocolat Frey in Buchs AG. Dabei achtet die MigrosTochter auf eine nachhaltige Herstellung ihrer Ostersüssigkeiten. Text: Thomas Tobler  Bild: Roger Hofstetter

Herstellung Der Wärmebedarf für die Herstellung der Chocolat-­ Frey-Hasen stammt praktisch zu 100 Prozent aus Fernwärme. Die nahegelegene Kehrichtverbrennungsanlage Buchs übernimmt den Restabfall der Chocolat Frey und führt die Abwärme aus der Abfall­ verwertung zurück in die Produktionshallen des Schokoladenherstellers. Damit kann viel fossile Energie ein­ gespart werden.

Prämie Für die Kakaobohnen aus den Partnerschaften bezahlt Chocolat Frey eine überdurchschnittlich hohe UTZ-Prämie an die Bauern. Dafür darf der M-Indus­trie­ betrieb über die Verwendung der Prämien­gelder mitbestimmen. So wurden eine Kranken­station mit Geburtsab­teilung in der Partner­kooperative Necaayo in der Elfen­ beinküste errichtet, eine Trinkwasserauf­berei­tungs­ anlage in Gua­yacanes in Ecuador saniert oder Trinkwasserbrunnen für über 50 000 Einwohner in der Region Samreboi in Ghana gebaut.

Rückverfolgbarkeit Chocolat Frey bezieht einen Grossteil der verwendeten Kakaobohnen direkt von Bauernbetrieben in der Elfenbeinküste, in Ghana oder auch Ecuador. Die Migros-Tochter kennt die einzelnen Bauerngemeinschaften, die die Kakaobohnen der Osterhasen anbauen, und besucht sie regelmässig, um Qualität und Herkunft zu überprüfen.

UTZ steht sowohl für nachhaltigen Anbau von Kaffee, Kakao, Tee und Haselnüssen als auch für bessere Zukunftsaussichten der Bauern und ­deren Familien sowie für unsere Umwelt.

Zertifizierung Seit 2013 sind alle Schokoladenprodukte der Marke Frey «UTZ»-zertifiziert. Der Kakao wird dank der «UTZ»-Zerti­ fizierung umweltschonend angebaut. Zudem erhalten die Bauern Unterstützung, um ihre Anbaumethoden zu verbessern und den Ertrag sowie die Qualität ihrer Ernte zu steigern – zum Beispiel mit Informationen zum korrekten Erntezeitpunkt oder zu Pflanzenkrankheiten.

Herkunft Der Zucker, der für die Herstellung der Osterhasen verwendet wird, stammt vollständig aus der Schweiz. Im Durchschnitt fährt an jedem Werktag ein Bahnwagen davon bei der Chocolat Frey aufs Produktionsgelände.

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Die Migros ist mit ­ihrem Engagement für Nachhaltigkeit seit Generationen der Zeit voraus.


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MIGROS-WELT | MM13, 26.3.2018  63

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Linsen und Quinoa verleihen den Mixprodukten v­ on Mister Rice feine nussige Aromen.

Linsen und Quinoa passen prima z­ u Reis – wieso also nicht Reis mit spannenden ­neuen Zutaten kombinieren? Mister Rice machte genau dies und ent­wickelte zwei Reismix-Produkte: den Basmati-­Reismix mit roter, weisser und schwarzer Quinoa sowie den Jasmin- Reismix mit weisser Quinoa und roten Linsen. Sie lassen vielseitige weitere Kombinationen zu. Etwa mit ­Gemüse, Salat und Avocado ergeben die Reismix-Produkte eine schmackhafte Buddha-Bowl.

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Die M-Industrie stellt viele Migros-­ Produkte her. Dazu ­gehören auch die ­Mister-Rice-Produkte.


64  MM13, 26.3.2018 | MIGROS-WELT

TerraSuisse

Alles fürs Tierwohl Bauer Stefan Niederhauser betreibt auf seinem Hof «Chüeweid» bei Zimmerwald BE hauptsächlich Kälbermast. Er produziert Kalbfleisch von hoher Qualität nach IP-Suisse-Richtlinien, das in der Migros unter dem Label «TerraSuisse» verkauft wird. Wichtig ist dabei vor allem die artgerechte Haltung. Text: Claudia Schmidt  Bilder: Mischa Imbach

Die Produktion des hochwertigen ­Kalbfleischs, das unter dem Label «TerraSuisse» angeboten wird, unter­ liegt den strengen Richtlinien der IP-Suisse. Deren Einhaltung wird von Kontrolleuren jährlich Punkt für Punkt anhand einer Checkliste ­geprüft. Die Tiere werden artgerecht gehalten. Rund 11 000 Bauern und Bäuerinnen in der Schweiz pro­duzie­ ren in ihren z­ ertifizierten Betrieben gemäss den Richtlinien von IP-Suisse.

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MIGROS-WELT | MM13, 26.3.2018  65

Stefan Niederhauser (41) ist diplomierter Landwirt und Agronom FH. Stefan Niederhauser

«Unsere Kälber bekommen mehr Milch» Wie viele Kälber halten Sie aktuell auf Ihrem Hof? Wir haben zwei Gruppen à 27 Kälber. Dazu kommen insgesamt 28 Milchkühe, die wir auf in einer Betriebszweiggemeinschaft mit ­einem benachbarten ­Bauern halten. So sind wir langsam gewachsen: 2009 haben wir mit neun Kälbern begonnen. Laut IP-Suisse stehen ­jedem Kalb 1000 Liter Milch zu. Wie siehts bei Ihnen aus? Unsere Kälber bekommen mehr Milch. Es sind im Durchschnitt rund 1200 Liter Milch. Diese ergänzen wir mit Milchpulver, um die gewünschte Fleischqualität zu erzielen. Die Kälber haben zudem immer Zugang zu frischem Heu à discrétion sowie natürlich zur Wassertränke.

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Die Tiere wachsen auf IP-SuisseBauernhöfen artgerecht mit Auslauf und in Gruppen heran.

Die IP-Suisse-Richtlinien gehen über die gesetz­ lichen Anforderungen in der Kälbermast hinaus. Was bedeutet das konkret? IP-Suisse Kälber haben mehr Platz als konventionell gehaltene Kälber. ­Unsere Kühe und Rinder können im Sommer täglich auf die Weide. Die Kälber haben das ganze Jahr freien Zugang zum Laufhof. Ausserdem beschränken die Richtlinien den Einsatz von Medikamenten in der Kälbermast. MM


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MIGROS-WELT | MM13, 26.3.2018  67

M-Classic

Vegane Osterschleckereien

Bild: Christine Benz  Styling: Vera Guala

Süsse Gelée-Früchte sind eine vegane Alternative zum Schoggi-Osterhasen.

Sie dürfen in keinem Osternestli fehlen: die bunten Gelée-Früchte. Seit ­Generationen ist die Süssigkeit bei ­Kindern und Erwachsenen beliebt. Gelée-Früchte, -Häsli und -Eili der ­Migros werden natürlich gefärbt, ent­ halten natürliche Aromen und sind mit dem gelben Vegan-Logo gekennzeichnet. Während Eili und Häsli nur in der Osterzeit erhältlich sind, gibt es die klassischen Gelée-Früchte über das ganze Jahr zu kaufen.

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MIGROS-WELT | MM13, 26.3.2018  69

Anna’s Best

Frühlingsbote im grünen Kleid Man riecht ihn bereits beim Waldspaziergang: Sobald die Frühlingssonne den Boden erwärmt, streckt der Bärlauch seine Blattspitzen aus der Erde und verströmt seinen würzigen Duft. Anna’s Best bietet zum Frühlingsanfang einige schmackhafte Produkte, die den Bärlauch in ­seiner aromatischen Herrlichkeit feiern – zum Beispiel die Ravioli mit C ­ herrytomaten.

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Bärlauch enthält von Natur aus ätherische Öle, die ihn so typisch nach Knoblauch riechen lassen, und anregende Substanzen, die sich positiv auf die Verdauung auswirken. ­Zudem enthält der ­Bärlauch wie viele andere Frühjahrspflanzen ­Vitamin C, E ­ isen und diverse ­Mineralien.


70  MM13, 26.3.2018 | MIGROS-WELT Familienfeier

Feinheiten zum Osterfest

Ob Dekoartikel, gefärbte Ostereier in Bioqualität, Piratenhasen oder glutenfreie Osterguetsli: In der Migros und ihren Fachmärkten gibts viele Artikel, die Ostern noch schöner machen.

Glamouröse ­Oster­dekoration Die Hühnereier mit ihren goldenen Akzenten sind echte Hingucker.

Deko-Eier Easter, 2 Stück Fr. 9.90 In der Micasa

Ein Dach über dem Kopf für Wildbienen & Co. Der Frühling naht. Dieses ­ In­sektenhotel baut man selbst zusammen und kann es auch gleich bemalen.

InsektenhotelBausatz Bee Fr. 24.90

Farbtupfer auf dem Zmorgetisch Die bunten Eierbecher im schlichten Design sind in vier verschiedenen Farben erhältlich.

Retro Eierbecher Fr. 1.50 In der Micasa

Bilder: Studio 81 Photography; zVg (5)

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MIGROS-WELT | MM13, 26.3.2018  71

Grenzenloser Ostergenuss Die gluten- und laktosefreien ­Osterguetsli kann jeder geniessen – auch Knabberfans mit einer Lebensmittel­ unverträglichkeit. aha! Osterguetzli Nuss, 60 g Fr. 2.10

Fertigmachen zum Entern! Der Piratenosterhase aus Milchschokolade sorgt für ­Wirbel im Osternest.

Frey Junior Captain John Rabbit Milch, 240 g Fr. 9.50

Wer gewinnt das Eiertütschis? Die gekochten und gefärbten Eier in Bioqualität sind ideal für den Osterbrunch.

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MIGROS-WELT | MM13, 26.3.2018  73

Ihre Region Neues aus der Genossenschaft Migros Wallis

Die Genossenschaftsrätinnen und -räte sind das Bindeglied zwischen der Migros Wallis und ihren 79 400 Genossenschafterinnen und Genossenschaftern.

Statutarische Organe

Auf dem Laufenden Die Genossenschaftsrätinnen und -räte der Migros Wallis tagen viermal pro Jahr, um sich über die aktuellen Entwicklungen des Unternehmens zu informieren. Die erste Sitzung in diesem Jahr hat am 21. Februar in Martigny stattgefunden. Text: Mélanie Zuber

Bilder: zVg

M

igros-Besitzer zu sein, bedeutet auch, sich in die Verwaltung des Unternehmens einbringen zu können. Im Wallis werden die 79 400 Genossenschafterinnen und Genossenschafter durch ein 30-köpfiges Gremium vertreten. Es trifft sich mehrmals im Jahr mit der Verwaltung und der Geschäftsleitung des Unternehmens und wird über den Geschäftsgang und aktuelle Projekte informiert. Die erste Sitzung in diesem Jahr fand am Mittwoch, 21. Februar, in der Verteilzentrale der Migros in Martigny statt. Auf dem Programm

standen zahlreiche Themen und Informationen rund um die Migros Wallis. Eine Arbeitsgruppe schlug dem Genossenschaftsrat eine aktualisierte Version des Organisationsreglements vor, die allen Mitgliedern zur Genehmigung vorgelegt wird. Geschäftsleiter Max Alter analy­sierte danach in einer detaillierten Beschreibung die aktuelle Situation des Detailhandels und ging auf die künftigen Herausforderungen ein. Traktandum Nachhaltigkeitslabels

Im Anschluss führte die Kommission für Soziales und Kulturelles, die zahl-

reiche Projekte im Kanton finanziell unterstützt, die neuesten Spendenempfänger auf. Danach verfolgten die Räte eine Präsentation des MigrosUnterstützungsfonds des MigrosGenossenschafts-Bunds, mit dem Projekte in der ganzen Schweiz und auch im Ausland gefördert werden. Zum Abschluss sprach Lionel Saudan, der stellvertretende Leiter des Departements Supermärkte, über die Labels Bio und «Aus der Region. Für die Region.» und die Marke Alnatura. Auf diese Weise konnte die Versammlung die Anforderungen an diese Programme und ihre Bedeutung für die Migros kennenlernen. MM


74  MM13, 26.3.2018 | MIGROS-WELT Sozialhilfe

Ein zweites Leben für Lebensmittel Der «Rottu Tisch Oberwallis» rettet monatlich rund 4000 Kilogramm Lebensmittel vor der Vernichtung und verteilt sie an Bedürftige. Text: Denise Jeitziner  Bilder: Fabian Rottmeier

1 Verteilen statt wegwerfen: Der «Rottu­Tisch» wird mit gespendeten Lebensmitteln gedeckt. 2 Maria Oester von der Winterhilfe Oberwallis hat den «Rottu Tisch» im Jahr 2013 lanciert. 3 Wer eine Bezugs­ karte vorweisen kann, darf Lebens­ mittel mitnehmen. 4 Frisches Gemüse, Fleisch und Brot: Das Angebot ist reichhaltig. 5 Mit dem Kühlbus holen ehrenamt­ liche Fahrer die Lebensmittel ab.

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enn Sie sich eine Per­ son oder eine Familie vorstellen, die so we­ nig Geld hat, dass es kaum für eine warme Mahlzeit pro Tag reicht: Woran denken Sie? An jemanden, der in einem armen Land oder in einer Kriegsregion lebt? Irgendwo weit weg? Dass auch im Oberwallis Men­ schen am Existenzminimum oder gar darunter leben, ist vielen nicht bewusst. Vielleicht ist es ja der Mann, Mitte 50, im Wohnblock nebenan, der seine Arbeitsstelle verloren hat und keinen neuen Job mehr findet. Oder die junge Familie mit kleinen Kindern, die aus ihrer Heimat flüch­ ten musste.

Gleichzeitig bleiben Monat für Monat überall im Oberwallis grosse Mengen einwandfreier Lebensmittel liegen, die nicht verkauft werden können, weil etwa das Verkaufs­datum abge­ laufen ist, das Etikett in der Fabrik falsch angebracht wurde oder sich je­ mand bei der Bratwurstbestellung fürs Vereinsfest verschätzt hat. Dafür, dass diese Lebensmittel nicht im Abfall landen, sondern Men­ schen zugutekommen, die wenig Geld haben, setzen sich zahlreiche Frei­ willige des Projekts «Rottu Tisch» ein. «Im vergangenen Jahr konnten wir über 52 Tonnen Lebensmittel sammeln und an Bedürftige im Oberwallis verteilen», sagt Maria Oester, Geschäftsführerin der Win­

terhilfe Oberwallis, die den «Rottu Tisch» im Dezember 2013 lanciert hat. «Für diese Unterstützung sind wir sehr dankbar, denn damit können Lebensmittel vor der Vernichtung gerettet werden, und andererseits profitieren Menschen im Oberwallis davon.» Mehr Lebensmittel bei gutem Wetter

An drei Vormittagen pro Woche rücken zwei ehrenamtliche Fahrer mit einem Kühlbus aus und holen zwischen Fiesch, Saas Fee und Susten bei Bäckereien und Lebens­ mittelgeschäften wie der Migros übrig gebliebene Waren ab: Brot, Früchte, Gemüse, Milchprodukte, Eier, Fleisch, Kolonialwaren, Geträn­


MIGROS-WELT | MM13, 26.3.2018  75

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ke. «Meist erhalten wir bei schönem Wetter mehr Waren, weil die Kunden sich dann vermehrt in der Natur aufhalten und weniger einkaufen, wodurch mehr Lebensmittel in den Regalen bleiben», sagt Maria Oester. Gelegentlich meldeten sich auch Pri­vate oder kleinere Betriebe beim «Rottu Tisch», um einwandfreie Lebensmittel anzubieten. An den Abgabestellen, freitags in Visp, mittwochs in Brig und montags in Susten, sortieren Helferinnen die gesammelten Waren, während sich vor dem Eingang bereits die ersten Menschen versammeln. 230 bis 250 Erwachsene und Kinder profitieren wöchentlich vom «Rottu Tisch»-Angebot. «Viele kennen sich inzwischen

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und nutzen die Gelegenheit für ein Gespräch», erzählt Maria Oester. Etwa zwei Drittel sind Zugezogene. Die Einheimischen hätten oft mehr Mühe, den Gang zu wagen, weil sie nicht wollten, dass andere etwas von ihrer Not mitbekommen. Auch deswegen sind die Abgabestellen diskret gewählt. Mit einer Bezugskarte, ausgestellt vom sozialmedizinischen Zentrum, können Familien und Alleinstehende für einen symbolischen Betrag von einem Franken Lebensmittel mit­ nehmen. Damit es fair zugeht, ziehen alle, die eine gültige Karte vorweisen können, eine Nummer. Die freiwil­ ligen Helferinnen und Helfer vom «Rottu Tisch» verteilen die Lebens-

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mittel in der Reihenfolge der gezogenen Nummern und achten darauf, dass weder jemand zu kurz kommt noch sich auf Kosten anderer begünstigt. «Ein älterer Herr wollte zum Beispiel immer nur Fleisch und Süssigkeiten, aber nie Früchte und Gemüse, und eine alleinstehende Person verlangte mal eine ganze Schwarz­wäldertorte für sich allein», erzählt Maria Oester. Besonders in solchen Situationen sei das Fingerspitzengefühl der Hel­ ferinnen gefragt. «Die meisten Bedürftigen sind jedoch sehr dankbar, dass sie in ihrer schwierigen finanziellen Situation Unterstützung in Form von Lebensmitteln erhalten.» MM www.rottutisch.ch


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Leben MM13

Umfrage

In welcher Phase sind Ihnen Kinder am liebsten? Jede Phase ist schön.

46%

Ich wünschte, mein Kleines würde ewig Baby bleiben. 1, 2 oder 3?

Monica Müller (43) hat zwei Buben, einen Mann, einen Job, einen Haushalt. Mal wäre sie gern mehr Leitwölfin, mal mehr Gandhi.

Rufe ich meine Kinder, hören sie mich meist nicht. Also rufe ich immer lauter – und genervter. An einem Vortrag an unserer Schule beleuchtete eine Expertin das Phänomen. Kinder seien wie von einer unsichtbaren Hülle geschützt, um in ihrem Spiel nicht gestört zu werden, sagte sie. Man könne sie aber gut erreichen, indem man sich auf ihre Welt einlasse und eine Brücke zu unserer baue. Nun gut, denke ich. Versuchen wir es mal so. Der Kleine (2) spielt versunken mit Elefant und Katze; meine Rufe dringen nicht zu ihm durch. Also sage ich: «Die Tierli haben Hunger.» Und siehe da: Er springt auf und rennt zum Tisch. Unterwegs holt er Plastikgeschirr aus der Kinderküche. Dann teilt er seine Tomatenpasta mit ihnen und drückt sie kopfüber in ihre Tellerchen, bis Elefant und Katze ebenso rote Gesichter haben wie er. Der Grosse (7) beschafft begeistert weitere Plüschtiere und Tellerchen. Und jetzt? 1   Yeah! Mir ist es wirklich gelungen, diese Brücke zu schlagen!

Das Vorschulalter ist unschlagbar.

21 %

Sobald sie eingeschult sind, ist es gut.

4 % Die Teenager-Phase ist die spannendste.

2 %

2   Ich versuche, den Schaden zu begrenzen, und sage, ich hätte nur

für drei Menschen und zwei Tiere gekocht.

3   Elefant und Katze müssen sofort ab ins Lavabo, das Spiel ist aus.

99 Abstimmende

Eine Umfrage von

Antwort 2: Mehr als zwei Plüschtiere mag ich nicht baden. Und doch bin ich überrascht, wie schnell ich den Kleinen so an den Tisch locken konnte. Ich werde mir neue Brücken überlegen, die sich einfacher wieder abbauen lassen.

Illustration: Lisa Rock, Bild: René Ruis

Hüllenwesen

27 %


80  MM13, 26.3.2018 | LEBEN

Familie

Im Einsatz für eine offene Welt

In der Schweiz setzen sich Zehntausende von jugendlichen Freiwilligen unentgeltlich für eine gute Sache ein. Eine von ihnen ist Cléo Schwerzmann: Sie betreut Austauschstudentinnen und profitiert dabei auch selbst. Text: Claudia Weiss  Bild: Désirée Good

Infos

Freiwillige Jugendliche Gemäss Bundesamt für Statistik betätigen sich 18 Prozent der Jugend­ lichen zwischen 19 und 24 Jahren freiwillig. Nicht erfasst sind En­ gagements in Projekten gegen Food-Waste, für Umweltanliegen und in der Politik. Benevol: Regeln für freiwillige Einsätze. www.benevol.ch Das Migros-Kulturprozent fördert frei­­williges Engagement von Jugendlichen im Bildungsdungsbereich. www.servicelearning.ch Pro Juventute: Ab April bieten hier Jugendliche Beratung für Jugendliche. www.147.ch

Weitere Anbieter: migmag.ch/freiwillig

D

ie Möwen drehen ihre Runden über dem Zürichsee, immer rascher, immer dreister. Vom Ufer aus schauen ihnen zwei junge Frauen zu. Sie lachen auf, als neben ihnen eine Ente aus dem Wasser watschelt. Lydia Bucher (16) liebt diese Spaziergänge. Daheim in Beaver Creek (US-Staat Ohio) gibt es keinen See. Austauschstudentin Bucher trifft ihre freiwillige Betreuerin Cléo Schwerzmann (22) gern bei jedem Wetter im Freien. Kurz nach Lydias Ankunft reisten sie im August an den Rheinfall. Später besichtigten sie die Zürcher Altstadt und verbrachten drei Tage in Genf, wo Schwerzmann ihr Übersetzungsstudium absolviert. Im Winter schlenderten sie zusammen durch die Weihnachtsmärkte. Solche Treffen gehören zu den Aufgaben, die freiwillige Betreuende der Organisation AFS (steht ursprünglich für «American Field Service») wahrnehmen: Sie sehen ihre Studentinnen und Studenten mindestens einmal pro Monat, um mit ihnen etwas zu unternehmen. Regelmässig erkundigen sie sich zudem, ob es ihren Göttikindern in der Gastfamilie und in der Schule gut geht und ob sie in der Freizeit Kontakt knüpfen oder Gelegenheit finden, einem Hobby nachzugehen. Eine andere AFS-Gruppe meist etwas älterer Freiwilliger kümmert sich um die Gastfamilien, und bei allfälligen Problemen

zwischen ihnen und Austauschstudenten suchen sie mit der Organisation zusammen nach einer Lösung. Ungefähr eine Stunde pro Woche wenden die Volunteers für ihren Einsatz auf, und nach jedem Besuch liefern sie der Organisation AFS einen Bericht ab. Win-win-Situation als Ziel

So wie Cléo Schwerzmann engagiert sich in der Schweiz jeder fünfte Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren freiwillig für ein Projekt. Barbara Richiger von der Freiwilligenorganisation Benevol in Bern rät: «Jugendliche im Schulalter sollten ein solches Engagement unbedingt mit den Eltern besprechen und sich von ihnen begleiten lassen.» Ansonsten, betont Richiger, solle das unentgeltliche Engagement auch für die Freiwilligen befriedigend sein: ­Gefordert sei kein aufopferndes Helfen, es sollen Win-win-Situation entstehen. Cléo Schwerzmann war mit 17 Jahren selbst als Austauschschülerin in Kanada und dort sehr dankbar für eine Betreuerin, die ihr das Zurechtfinden im fremden Land vereinfachte. Zurück in der Schweiz, war ihr bald klar: Auch sie will sich für ausländische Gaststudenten einsetzen. «So geht es vielen», sagt Schwerzmann, «im Ausland packt einen die Begeisterung für den interkulturellen Austausch.» Auf ihre Aufgaben werden Freiwillige von AFS gut vorbereitet: Sie erhalten einen

Cléo Schwerzmann (rechts) und Lydia Bucher geniessen ihre regelmässigen Treffen.


LEBEN | MM13, 26.3.2018  81

Sozialpädagoge Thomas Brunner (45) hat eine Masterarbeit über junge Menschen verfasst, die sich für Gleichaltrige einsetzen. Thomas Brunner

«Sie sollen Verantwortung übernehmen» Warum sollen sich Jugendliche freiwillig mit Problemen von Altersgenossen befassen? Jugendliche wissen oft besser, was die Gleichaltrigen brauchen, sie treffen eher den richtigen Ton. Und ihr Wissen stammt aus dem Alltag und nicht aus Büchern. Dieser Zugang auf Augenhöhe macht die Kommunikation viel einfacher.

Wochenend-Einführungskurs, später regelmässige Weiterbildungsangebote rund um Themen wie «Röstigraben» oder «Geflüchtete Personen». Bei verschiedenen Treffen können sich die Volunteers austauschen. «Dabei lerne ich auch für mich selber viel», sagt Schwerzmann. Beispielsweise grössere Gruppen zu organisieren – denn genau das müssen sie und Mitbetreuende an Weiterbildungsanlässen immer wieder tun.

Bild: zVg

Neue Gastfamilie für das «Gottekind»

«Ausserdem kann ich heute mein Wissen weitervermitteln und meinen Standpunkt vertreten, ohne andere abzulehnen», sagt sie. Ihrem vorherigen «Gottekind» aus Thailand vermittelte Schwerzmann etwa eine neue Familie, weil in der ersten die Chemie

nicht stimmte. Inzwischen ist sie sogar Volunteer-Trainer und führt andere in ihre Aufgaben ein. So üben sie alle den zwischenmenschlichen Umgang und lösen Konflikte. Darum macht sich der Einsatz auch im Lebenslauf gut. Die Erfahrungen lassen sich Freiwillige von der Organisation bestätigen. Dennoch ist freiwilliges Engagement kein Ego-Projekt. Die Idee bei AFS ist, durch Erfahrung besser zu werden, die Welt gerechter zu machen – offener für andere Kulturen. Für ihren Einsatz erhalten die Jungen ihre Auslagen für Zugtickets oder Mittagessen zurückerstattet, mehr nicht. Inzwischen haben die jungen Frauen kalte Hände. Zeit für einen Kaffee für Cléo und eine Schoggi für Lydia. Im Café wird der Ausflug ans Sechseläuten geplant.

Wie kann das Engagement für die berufliche Zukunft von Vorteil sein? Zum Beispiel können Jugendliche, die das Gymnasium mit Fachrichtung Psychologie, Pädagogik und Philosophie besuchen, beim Beraten Gleichaltriger ­Erfahrungen machen, die ihnen später im Beruf zugutekommen. Wer seinen Weg in der Wirtschaft sieht, erlebt, wie Organisationen funktionieren und wie sie Einfluss nehmen können – etwa im Jugendrat von Pro Juventute. Wie stellt man sicher, dass junge Männer und Frauen durch die Freiwilligenarbeit nicht ausgenützt werden? Wichtig ist, dass Aufgaben und Rollen klar definiert sind. Und dass die Jugendlichen echt partizipieren können, sie auch Gestaltungsmöglichkeiten haben und nicht Aufträge ausführen müssen. Jugendliche sollen Verantwortung übernehmen. Damit sie sich dabei nicht überfordern, müssen ihnen die Erwachsenen Unterstützung geben. Und es gilt: «Über mich wird nicht ohne mich entschieden.» MM


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LEBEN | MM13, 26.3.2018  83

Schuhwechsel empfohlen: Sich nur mit hohen ­Absätzen zu bewegen, versteift die Achillessehne.

Tipps

Dehnen und erholen Aufwärmen: Vor dem Training ist ein kurzes Aufwärmen und Dehnen (Blackroll) wichtig. Harter Boden: Das Laufen auf weichem Untergrund kann die Sehne stärker belasten als Erschütterungen auf einer harten Unterlage. Gesundheit

Autsch – die Sehne! Die Achillessehne kann problemlos eine Belastung von bis zu 400 Kilogramm aushalten. Sie ist die dickste und längste Sehne des menschlichen Körpers. Aber auch ihr sind Grenzen gesetzt: Wer sie missachtet, muss mit langwierigen Verletzungen rechnen. Text: Philipp Keller

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D

ie Achillessehne verbindet den kräftigsten Knochen des Fusses, das Fersenbein, mit dem Wadenmuskel. Ihre Funktion ist so einfach wie entscheidend: Sie verhindert, dass wir beim Stehen nach vorne fallen. Und genau hier liegt auch das Problem: Da wir uns nicht auf allen vieren fortbewegen, kann sie leicht überlastet werden. Bei Läufern wird diese Sehne besonders beansprucht, denn bei jedem Schritt wird das gesamte Körpergewicht auf ein einzelnes Bein verlagert. Wer beim Laufen Beschwerden hat, sollte aber zuallererst alle anderen Ursachen ausschliessen, bevor die Achillessehne allein verdächtigt wird. Ab 25 nimmt die Elastizität der Sehne ab

iMpuls ist die Gesundheits­ initiative der Migros.

Besonderes Augenmerk sollte dabei auf die Schuhe gerichtet ­werden. Passen die Schuhe nicht zum Laufstil und dem Boden, kann das der Achillessehne schaden. Zudem sollten nach einer längeren Pause Trainingsumfang und -intensität nur langsam erhöht werden. Selbst wenn Verletzungen vor allem bei Sportlern verbreitet sind, kann es auch

Personen, die sich wenig bewegen, treffen. Gerade bei Älteren treten häufig Probleme auf, da die Elastizität der Sehne zwischen dem 25. und 30. Lebensjahr abnimmt. Auch bei Menschen mit X- oder O-Beinen sind Schmerzen häufiger, denn ihre Sehne wird durch die Fehlstellung stärker beansprucht. Klar erkennbare Verletzungen sind – unabhängig von der Ursache – nicht die schlimmsten. Werden sie schnell diagnostiziert und behandelt, heilen sie meist gut aus. Teilverletzungen sind gefährlicher, weil sie häufig unbeachtet bleiben. Die Entzündung schreitet dann schleichend voran und der Schmerz droht chronisch zu werden. Egal, um welche Art der Verletzung es sich handelt, der Heilungsprozess er­fordert Geduld. Es ist wichtig, dass die sportlichen Aktivitäten in der ein- bis viermonatigen Heilungsphase ganz oder teilweise ein­ gestellt werden. Man kann auch Bandagen, Physio­therapie, Stosswellenbehandlung oder Infiltrationen einsetzen, um den Heilungsprozess zu fördern. Zur Vermeidung von Verletzungen sollte die Sehnenmuskulatur durch Dehnübungen gestärkt werden. MM

Erholung: ­Zwischen zwei Trainings sollte für genügend Erholung gesorgt ­werden. Lauftechnik: ­Variieren Sie die Strecken und Techniken, um die Gelenke zu entlasten. Ein Laufkurs lohnt sich. Eine Laufanalyse ist sinnvoll.

Dr. med. Philipp Keller Allgemeine Innere Medizin FMH, Sportarzt, Medbase Zürich Löwenstrasse In Zusammenarbeit mit


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LEBEN | MM13, 26.3.2018  85

Kolumne

Illustration: Rinah Lang

Als ich mich wie Sisi fühlte

Lisa Stutz (24) sucht die Balance zwi­schen urban und ländlich. Und pickt von ­beidem das Beste heraus.

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Ob Schneewittchen, Aschenputtel oder Dornröschen: Als Kind liebte ich es, Prinzessin zu spielen. Musste ich mein Zimmer aufräumen, stellte ich mir vor, meine böse Stiefmutter hätte es mir befohlen – bald würde ich in einer pompösen rosaroten Robe zum Ball davonschleichen. In Tat und Wahrheit hatte es mir meine echte Mutter befohlen, und danach ass ich eine Portion Milchreis und ging ins Bett. Mittlerweile bin ich jedenfalls zur Kaiserin aufgestiegen. Genau vor einer Woche war es, als ich mich wie Sisi fühlte.

von etwa 50 Jahren, dicke Jacke, Ohrwärmer, feste Stiefel. Er fahre Kutsche, seit er 16 sei, erzählte er uns und wischte sich die Flocken von den Haaren. Dann schwang er sich auf seinen Sitz gleich hinter den beiden Schimmeln. Der Schnee, die Kutsche, die Stadt, die Einkaufstaschen – ja, war ich nun plötzlich Prinzessin geworden? Mich irritierte es nicht einmal, als mein Märchenprinz eindöste und synchron zum Hufgeklapper zu schnarchen begann. Fortan würde ich mich nur noch in Kutschen fortbewegen, sinnierte ich.

Wir waren auf einem Städtetrip in Wien. Nach einem Abstecher in eine Boutique, in der ich unvernünftig teure Kleider erstand, entschieden wir uns für eine Kutschenfahrt. Dicke Schneeflocken tänzelten zu Boden und hatten uns überzeugt, die Sehenswürdigkeiten vom überdachten Kutschenwagen aus zu begutachten. Unser Kutscher war ein Mann

Die unroyale Realität holte mich erst in der Schweiz ein. Ich war wieder mal viel zu spät dran. Als ich zu meinem Auto hetzte, fragte ich mich, wie lange ich wohl mit der Kutsche vom aargauischen Freiamt nach Zürich bräuchte. Statt plötzlich Prinzessin war ich plötzlich froh, dass ich mehr als zwei PS unter meinem Pendler-Popo hatte.  MM

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LEBEN | MM13, 26.3.2018  87

«Ich heisse Till und bin zehn Jahre alt. Zweimal pro Woche gehe ich ins Taekwondo. Das ist eine koreanische Kampfsportart. Damit könnte ich mich verteidigen, aber den ersten Schlag darf man nie machen. Es geht darum, mit anderen respektvoll umzugehen. Wegen der Narbe im Gesicht wurde ich gehänselt. Seit ich trainiere, passiert das nicht mehr oft. Denn jetzt habe ich viel mehr Selbstvertrauen und eine andere Ausstrahlung.»

Kinder

«Mein Ziel ist der schwarze Gurt»

Mit Kampfsport lernt Till (10), sich selber zu verteidigen. Aber Taekwondo stärkt vor allem sein Selbstvertrauen. Neben dem Gurt will er Holzstücke mit dem Fuss entzweischlagen können. Text: Nora Zukker Bild: Gabi Vogt

«Im Training trage ich einen weissen Anzug, Bein-, Bauch- und Rückenschutz und einen Helm. Mit dem nächsthöheren Gurt bekomme ich einen Mundschutz, weil man dann auch Kicks auf der Höhe des Gesichts übt. Am Anfang kickt man nur in die Luft oder gegen Pratzen, das sind spezielle Kissen.»

«Beim Taekwondo nimmt man viel Rücksicht auf die anderen. Gemeinschaft ist das wichtigste, Meditation und Konzentration. Eingeübte Kicks und Schläge ergeben Bewegungsabläufe, die mit Kraft und Ausdruck demonstriert werden. Es geht schon darum, besser zu werden, aber Selbstvertrauen ist das erste Ziel.»

Mein Hobby

Sport und Klub «Taekwondo ist eine koreanische Kampfsportart und gilt als Kunst der Selbstverteidigung. Die Silben stehen für Fusstechnik (Tae), Handtechnik (Kwon) und Weg (Do). Wenn du gerne mit anderen trainierst und dein Selbstvertrauen stärken willst, findest du hier eine Taekwondoschule in deiner Nähe: www.taekwondo.ch

«Im Sommer findet jeweils ein zweiwöchiges Trainingslager statt. Das ist sehr streng, weil wir um 5 Uhr aufstehen müssen und vor dem Frühstück schon fünf Kilometer joggen und auf einem Bein die Treppe hinaufhüpfen. Aber wir machen auch Pausen und haben Freizeit, in der wir zum Beispiel ins Schwimmbad gehen. Ich habe jetzt den grünen Gurt. Der höchste ist der schwarze. Der ist natürlich mein Ziel.»  MM

Ich trainiere seit vier Jahren in Noël’s ­Taekwondoschule in Turbenthal ZH. Es gibt Kurse für Kinder und ­Erwachsene. Egal, wie weit jemand ist: Wir ­helfen uns gegenseitig, geben einander Tipps, damit wir uns weiter-­ entwickeln können. Ich mag die Kombination von Meditation, Konzentration sowie Kicks und Schlägen.» swissteakwondo.ch


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Das Erste, was du wahrgenommen hast, schon bevor du auf die Welt kamst, war: Rhythmus. Denn als dich deine Mutter noch unter ihrem Herzen trug, hör­-­ test du ständig ihren Herzschlag. Rhythmus allein macht noch keine Musik, aber er ist ein ­wichtiger Teil davon. Damit Musik ­entsteht, braucht es auch Töne. ­Daraus ­gestalten wir Melodien. Die ersten Melodien deines ­Lebens hast du auch bereits im Bauch deiner Mutter wahrgenom-

men – sofern sie selbst Musik ­gehört, gesungen oder gemacht hat. Auch als Kleinkind wurdest du in Musik eingelullt: dann, wenn dir liebende Menschen Lieder vorgesummt und vorgesungen haben. Das tun Mütter (und übrigens auch Väter) überall auf der Welt seit ­jeher, ganz von selbst. Dabei setzen sie das erste Instrument ein, das ­jeder Mensch zur Verfügung hat: die menschliche Stimme.

in Melodien: Vögel singen wunderbar, Wale ebenso. Tiere ­scheinen indes Musik nicht ­bewusst zu gestalten – Menschen hingegen schon. Musik verbin­det Menschen, und zwar über alle Sprachen hinweg. Sie vermittelt Stimmungen. Sie dringt durch das Ohr bis in unser tiefstes Inneres ein. Dorthin, wo ich glaube, dass das Geheimnis unseres Ursprungs weilt. MM

Musik ist also jedem von uns ­vertraut. Auch die Natur erklingt

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Das Migros-Magazin verlost sechs ­Gutscheine für das ­Romantik Hotel Schweizerhof in ­Grindelwald im Wert von je 500 Franken.

Glücksgriff

Gipfel der Entspannung Das Berner Oberländer Dorf ­Grindelwald liegt eingebettet in ­einer sanften T ­ almulde und bietet eine Aussicht, die in den gesamten Alpen ihresgleichen sucht. Der Ort ist von einer mächtigen, steil aufragenden ­Berg­kulisse mit Wetterhorn und Eiger-­Nord­wand umgeben. Das Romantik Hotel Schweizerhof liegt in Grindelwald zentral und ruhig. Das Haus ist somit der ideale Ausgangspunkt für ­Ausflüge in die Bergwelt – sei es für Ski- oder Mountainbike-Touren, gemütliche Spaziergänge oder ­anspruchsvolle Wanderungen. Das 5-Sterne-Hotel ist seit 40 Jahren im Besitz der gleichen ­Familie. Hier wird der Gast herzlich und ­zuvorkommend empfangen, er soll

sich als Mitglied der «Schweizerhof»-­ Familie fühlen. ­Kulinarischen ­Genuss bieten die drei h ­ otel­eigenen Restaurants A ­ lpter­rassen, Schmitte und ­Gast­stübli. Das Hotel bietet einen vielfältigen Wellnessbereich an, in dem sich ­jeder Gast auf seine Art entspannen und erholen kann. Zu diesem ­weit­läufigen Bereich gehören ein ­beheiztes Hallenbad, eine Saunenlandschaft mit Finnischer Sauna, ­Biosauna, Dampfbad, Kneipp­becken und Erlebnisduschen s­ ­owie ein ­umfangreiches Massage- und Kosmetikangebot. Bei einem Schlummertrunk auf der Gartenterrasse oder am prasselnden Kaminfeuer in der Lobby lässt man den Tag ­entspannt ausklingen.  MM

• Per Telefon: Wählen Sie 0901 560 039 (1 Fr. /  ­Anruf) und nennen Sie Lösung, Ihren Namen und Ihre Adresse. • Per SMS: Senden Sie eine SMS mit dem Text GEWINNEN, der ­Lösung, Ihrem Namen und Ihrer Adresse an die Nummer 920 (1 Fr. / SMS). Beispiel: GEWINNEN, Lösungswort, Beat Beispiel, Beispielstrasse 1, 9999 Exempelstadt • Per Post: Senden Sie eine Post­karte (A-Post) mit Ihrem Lösungswort und Ihrer Adresse an Migros-­Magazin, «Romantik Hotel Schweizerhof», ­ Postfach, 8099 Zürich • Online: www.migrosmagazin.ch/ gluecksgriff Einsendeschluss: 1. April 2018 Die Gewinner werden schriftlich benachrichtigt. Es erfolgt keine Barauszahlung, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt. Mehrfach­teilnahmen sind nicht erlaubt und werden vom ­Wettbewerb ausgeschlossen. Preise, die nicht bis spätestens drei ­Mo­nate nach Ziehung durch den Gewinner bezogen werden, verfallen ersatzlos.


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Grünes Märchenland Auf kleinem Raum erleben ­Reisende in Irland faszinierende Gegensätze: Der Westen der Insel ist geprägt von Felslandschaften mit eindrücklichen K ­ lippen. Die Midlands wirken mit ihren ü ­ ppigen grünen Weiden und t­ raditionellen Dörfern wie der Schauplatz eines Märchens. Und im S ­ üden lohnt sich ­besonders die Fahrt auf der Panorama­strasse Ring of Kerry. In den ­lebendigen ­Städten Dublin, ­Galway und Cork laden bunte Einkaufsstrassen zum Bummeln ein, und die historischen Bauten im Osten der Insel zeugen von der 5000 Jahre alten G ­ eschichte der ­irischen Kultur. Während der achttägigen Tour im Mietwagen wohnen Sie in ­guten Mittelklassehotels. Ihre Route führt zu den imposanten

Cliffs of Moher und der Stadt ­Galway. Geschichts­träch­tige Orte ­sowie die pulsierende Hauptstadt Dublin können Sie im Osten der Insel entdecken. Auf den drei Halb­inseln im ­Südwesten fahren Sie über Küstenstrassen mit atem­beraubendem Ausblick auf den Atlantik und vorbei an male-­ rischen ­Fischerdörfern. Das ist in der Reise inbegriffen: Sieben Übernachtungen in Mittelklassehotels, Frühstück, Miet­ wagen der Kategorie E ­ conomy mit unbeschränkter A ­ nzahl ­Kilometer und der Direktflug ab ­Zürich mit ­Helvetic Airways in der Economy-Klasse inklusive Sitzplatzreservation.  MM Es gelten die Allgemeinen Vertragsund Reisebedingungen der MTCH AG. Änderungen bleiben vorbehalten.

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Teilnahmebedingungen: Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Keine Barauszahlung. Computergesteuerte Massenteilnahmen sind nicht gewinnberechtigt. Die Mitarbeiter der Migros-Medien sind von der Teilnahme ausgeschlossen. Gewinner werden schriftlich benachrichtigt und mit Namen und Wohnort veröffentlicht.


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Gewinnen Sie eine von 6 Migros-Geschenkkarten im Wert von je 100 Franken!

Quiz & Paroli

Quiz Ermitteln Sie für jede Quizfrage den richtigen Lösungsbuchstaben. Der Reihe nach in die acht Lösungsfelder eingetragen, ergibt sich das Lösungswort.

3 × 100 Franken zu gewinnen

So nehmen Sie teil:

Tel: 0901 560 042 (Fr. 1.–/Anruf) SMS: Senden Sie MMD2, gefolgt vom Lösungswort, Ihrem Namen und Ihrer Adresse an die 920 (Fr. 1.–/SMS). Bsp.: MMD2 TASTSINN. Hans Muster, Musterweg 22, 8000 Musterdorf Postkarte (A-Post): Migros-Magazin, Quiz, Postfach, 8074 Zürich Internet www.migrosmagazin.ch/ wettbewerbe

1. Welche Brotart ist auch Teil einer Frisur? F

K Zopf

Semmel

T

Ciabatta

2. Wenn man plötzliche Friedfertigkeit vortäuscht, hat man … gefressen. R Kohle

O Kreide

A Kümmel

3. Welche Ortschaft liegt nicht im Berner Oberland? N Kerzers

E

S

Thun

Spiez

4. Welches ist ein typischer Schweizer Halbhartkäse? I

G Tilsiter

Sbrinz

H Brie suisse

Teilnahmeschluss: Sonntag, 1.4.2018, 24 Uhr

5. Wer wurde Schweizer Sportlerin des Jahres 2017? S

Z

Giulia Steingruber

R Wendy Holdener

Daniela Ryf

Teilnahmebedingungen: Auf der ersten Rätselseite

6. Über wie viele Zeichen verfügt die Blindenschrift Braille? O 26

E

64

L

144

S

Kopf

7. Wo in unserem Körper befindet sich der «Türkensattel»? I

N Knie

Hüfte

Auflösung Nr. 12: LEIHGABE

8. Der grösste Salzsee der Erde, Salar de Uyuni, entspricht in etwa der Fläche … S

T

des Libanons

Gewinner Nr. 11: Roland Schmid, Zürich;

R der Schweiz

Maltas

Hans Rudolf Kobel, Rapperswil BE; Johanna Bürki, Herbligen BE

Lösungswort: 1

2

3

4

5

6

7

8

Füllen Sie die zehn Wörter in das Rätselgitter ein. Die Lösung ergibt sich aus den Buchstaben in den Feldern 1-5.

AUSDAUER ECKDAT EN EN E G die I S R Sie EFüllen N I E Nin E R AWörter Gzehn T I NUA O NRätselgitter Kdas NRADE O RDas Kein. F F ENBAR OLösungswort aus G TUN U E S sich Rergibt den Buchstaben SE EADL ER T I CK B S Feldern UinS den 1 bis 5:

Füllen Sie die zehn Wörter in das Rätselgitter ein. Die Lösung ergibt sich aus den Buchstaben in den Feldern 1-5.

Paroli

3 2 1 4

R

Lösungswort: Lösung: 1

2 1

2

3 3

4 4

Auflösung Nr. 12: GLEIS

5 5

5

AUSDAUER ECKDAT EN E I SREGEN GERAN I EN KONT I NUA KORNRADE OF F ENBAR RUESTUNG SE EADL ER USBST I CK

3 × 100 Franken zu gewinnen

So nehmen Sie teil: Tel: 0901 560 043 (Fr. 1.–/Anruf) SMS: Senden Sie MMD3, gefolgt vom Lösungswort, Ihrem Namen und Ihrer 3 Adresse an die 920 (Fr. 1.–/SMS). Bsp.: MMD3 OSTEN. 2Hans Muster, Musterweg 22, 8000 Musterdorf 1 Postkarte (A-Post): Migros-Magazin, Paroli, Postfach, 8074 Zürich 4 Internet www.migrosmagazin.ch/ wettbewerbe R Teilnahmeschluss: Sonntag, 1.4.2018, 24 Uhr

Lösung: 2 3 Gewinner Nr. 11: Evelyne Junker, Schliern1 b. Köniz BE ;

Dori Zumkehr, Frutigen BE; Fritz Eberle, Kloten ZH

4

5

Teilnahmebedingungen: Auf der ersten Rätselseite

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LEBEN | MM13, 26.3.2018  99

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Füllen Sie die leeren Felder mit den Zahlen 1 bis 9. Dabei darf jede Zahl in jeder Zeile, jeder Spalte und in jedem der neun 3 × 3-Blöcke nur ein Mal vorkommen. Die Lösungszahl ergibt sich aus den blauen Feldern von links nach rechts.

Gewinner Nr. 11: Werner Burri, Meggen LU; Rosmarie Lucca, Therwil BL; Marie-Luisa Thierry, Orbe VD; Peter Bauer, Berneck SG; Maria Lüthi, Steinhausen ZG

Sudoku

So nehmen Sie teil: Tel: 0901 560 044 (Fr. 1.–/Anruf) SMS: Senden Sie MMD4, gefolgt von der Lösungszahl, Ihrem Namen und Ihrer Adresse an die 920 (Fr. 1.–/SMS). Bsp.: MMD4 123. Hans Muster, Musterweg 22, 8000 Musterdorf Postkarte (A-Post): Migros-Magazin, Sudoku, Postfach, 8074 Zürich Internet www.migrosmagazin.ch/ wettbewerbe Teilnahmeschluss: Sonntag, 1.4.2018, 24 Uhr Teilnahmebedingungen: Auf der ersten Rätselseite

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Brücken

Die Zahl bei jeder Spalte oder Zeile bestimmt, wie viele Felder durch Schiffe besetzt sind. Diese dürfen sich nicht berühren und müssen vollständig von Wasser umgeben sein, sofern sie nicht an Land liegen.

Jeder Kreis stellt eine Insel dar. Die Zahl darin gibt an, wie viele Brücken dort enden. Brücken sind nur zu horizontal oder vertikal benachbarten Inseln erlaubt. Diese dürfen mit einfachen oder doppelten Brücken verbunden werden. Am Schluss sollen alle Inseln 3 3 4 3 2 miteinander verbunden 1 sein. Verboten: Kreuzungen, diagonale Brücken und 2 3 2 1 mehr als zwei Linien.

Auflösung Nr. 12:

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1 2 3

5 1

4 4

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Auflösung Nr. 12: 2 3 2 3 3

3

3 3 3 4 2

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Impressum MIGROS-MAGAZIN vormals: Wir Brückenbauer, Wochenblatt des sozialen Kapitals, Organ des­Migros-Genossenschafts-Bundes, Migrosmagazin.ch Auflage/Leserschaft: Beglaubigte Auflage: 1 554 258 Ex. (WEMF 2017) Leserschaft: 2 373 000 (WEMF, MACH Basic 2017-2)

Adresse Redaktion und Business Limmatstrasse 152, Postfach 1766, 8031 Zürich, Telefon: 058 577 12 12 Fax: 058 577 12 08 redaktion@migrosmagazin.ch Herausgeber Migros-Genossenschafts-Bund

Leitung Direktion Migros-Medien Lorenz Bruegger Leitung Redaktionen Migros-Medien Franz Ermel

Leitung Ressort Gesellschaft & Familie Sabine Lüthi a.i., Daniel Sidler a.i., Reto Vogt a.i. Leitung Ressort Health & Beauty Susanne Schmid Lopardo Leitung Ressort Food Roberto Zimmermann Leitung Produktion Remo Leupin

Leitung Business Rolf Hauser Leitung Beratung & Verkauf Thomas Brügger Abonnemente: Sonja Frick abo@migrosmagazin.ch Tel.: 058 577 13 00, Fax: 058 577 13 01

Druck: NZZ Media Services AG, Tagblatt Print


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Meine Welt

«Manchmal ist unser Haushalt etwas chaotisch» Die Berner Rapperin Romy Eigenmann alias «11Ä» hat ihr erstes Album veröffentlicht und geht im April auf Tour. In ihrem Daheim vereinigt die Pferdenärrin und alleinerziehende Mutter Proberaum und Mädchenzimmer unter einem Dach. Text: Claudia Langenegger Bilder: Jorma Müller


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1 Meine Passion «Ich bin mit Pferden aufgewachsen. Heute arbeite ich als Pferdewartin auf dem Hof meiner Mutter. Hier werden Isländer gezüchtet und Therapiestunden für Menschen mit Beeinträchtigungen angeboten. Ich mag Tiere mit langen Haaren – dazu zählt auch meine Katze Duchessse.»

2

2 Meine Töchter «Janna-Ina (7), Jolina (8) und ich sind die Prinzessinnengang und schauen gern Disney-Filme oder kochen gemeinsam. Obwohl meine Töchter viel h ­ elfen und ich alles u ­ nter einen Hut bringe, ist ­unser Haushalt manchmal etwas chaotisch.»

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Name Romy Eigenmann alias «11Ä» Wohnort Rapperswil BE Sternzeichen Zwilling Alter 32 Lebenslauf «Ich habe mit acht Jahren angefangen, Gedichte zu schreiben, und als Teenager den Hip-Hop entdeckt. Von da an konnte ich Gedichte mit Sound verbinden und sie ­rappen. Seither schreibe ich Songs und trete immer wieder auf. Ich hatte aber nie die Absicht, etwas zu ver­öffentlichen. 2014 kam meine erste EP heraus, und im Januar habe ich mein Album ‹Hiä› veröffentlicht – im April gehe ich auf Tour. Ich habe Köchin gelernt, als Verkäuferin und als Betreuerin mit Behinderten gearbeitet und vor sechs Jahren ein Nagelstudio in Burgdorf mit­ eröffnet. Heute bin ich Pferdewartin und lebe und a­ rbeite wieder in Rapperswil BE, wo ich aufgewachsen bin.» 6

3 Mein Übungsraum «Statt einer Stube haben wir einen Proberaum – meine Oase. Hierher ziehe ich mich abends, wenn die Kinder schlafen, zurück. Hier übe ich mit der Stigi-Crew, meiner Band. Mädchen und Musik unter einem Dach: für eine Alleinerziehende ein Must.»

Bild: Baldy Minder

4 Mein Lieblingsbild «Das hat meine Mutter gezeichnet. Es zeigt mich, wie ich bin. Es sagt einiges über mich aus, was nur meine Mutter und ich verstehen.»

Mein Lieblingsprodukt «Ich liebe die Zauberwelt und den kitschigen, süssen, fruchtigen Duft dieser ­Duschmittel. Oft verschenke ich sie auch.»

5 Meine Sucht «Morgens gibt es als ­Erstes einen Kaffee, dann erst kann der Tag beginnen. ‹Käfele› mit Freundinnen ist meine Lieblingsbeschäftigung.» 6 Mein Schaf «Momo habe ich von klein auf mit dem Schoppen aufgezogen. Ihn gebe ich nicht mehr her. Er ist ein Drilling und bekam von seiner Mutter keine Milch. Er hätte nicht überlebt.»  MM


Diesen Mittwoch, 28.3.2018:

Doppelte Sticker!

Plüschbaby-Fans, aufgepasst: Diesen Mittwoch gibt es für jeden Einkauf die doppelte Menge Sticker! So können Sie Ihr Sammelheft noch schneller füllen und Häsli, Lämmli oder Bibeli nach Hause holen. Am 28.3.2018 erhalten Sie pro Fr. 20.– Einkaufswert an jeder Migros-SupermarktKasse oder bei LeShop zwei Sticker (max. 30 Sticker pro Einkauf, solange Vorrat, Käufe von Gutscheinen und Geschenkkarten sind ausgeschlossen). Gegen Abgabe des vollen Sammelhefts bis zum 9.4.2018 erhalten Sie gratis eines von drei Plüschbabys. Angebot nur solange Vorrat. Weitere Infos auf migros.ch/plueschbabys


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