Ausgabe Basel, AZA 4002 Basel. Psdg DP AG Ent. bez. A 44631
MM13, 29.3.2016 | www.migrosmagazin.ch
Familien beherbergen Fl端chtlinge Seite 10
Wenn Kinder viersprachig aufwachsen Seite 106
Daniela Neugebauer
Bild: Kal Griffig
Die Baslerin verzaubert mit ihrem britischen Ensemble das Tanzfestival Steps Seite 56
Bitte Wohnungswechsel der Post melden oder dem regionalen Mitgliederdienst: Tel. 058 575 55 44, Mitglieder.reg@migrosbasel.ch
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4 | MM13, 29.3.2016
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K Editorial
Sozialromantik?
Kilian Kleinschmidt ist ein hartnäckiger Mensch. Mit unangenehmen Einsichten hält er nicht hinter dem Berg. Der 53-Jährige ist Berater der österreichischen Regierung in Sachen Flüchtlingspolitik. Und er redet der europäischen Gesellschaft, die Schweiz miteingeschlossen, ins Gewissen. Die Vorstellung, wir könnten uns hinter Mittelmeer und Grenzen vor dem Flüchtlingselend im Nahen Osten verstecken, findet Kleinschmidt absurd. «Keine Grenze der Welt kann so geschützt werden, dass niemand mehr durchkommt.» Für ihn gibt es nur eine Lösung: legale Migration. «Wir müssen den Zugang kontrolliert zulassen.» Derartige Ansichten sind in der aktuellen europäischen Gefühlslage nicht mehrheitsfähig. Populistische Regierungen stilisieren die Flüchtlingsfrage zur grossen Identitätsfrage hoch. Wie sich in Osteuropa der liberale Geist des Aufbruchs aus den neunziger Jahren so schnell verflüchtigen konnte, und wie es Putin schafft, 80 Prozent der Bevölkerung hinter sich zu scharen, darüber haben wir uns mit dem Historiker Karl Schlögel unterhalten. Auch die Schweiz tut sich mit der Flüchtlingsproblematik schwer. Nach den Anschlägen in Brüssel wohl noch mehr als vorher. Die Vorstellung, dass Zehntausende aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan in die Schweiz kommen, macht vielen Angst. Interessanterweise ist es immer die Zahl, vor der wir uns fürchten, nicht der einzelne Flüchtling. MM-Volontärin Anne-Sophie Keller porträtiert fünf Schweizer Familien, die privat Flüchtlinge aufgenommen – und Freunde und Familienmitglieder gefunden haben. Vielleicht würde es wirklich helfen, wenn wir die Flüchtlinge nicht mehr als Masse wahrnehmen würden, sondern als Individuen. Wie der 13-jährige S. aus dem Iran, der in der Familie Kästli lebt. Oder Milad Kourie und Merna Ablahad, die mit ihren Söhnen Elias (2) und Lucas (4 Monate) bei Familie Kaufmann in Sins AG eingezogen sind. Sozialromantik? Vielleicht die neue europäische Realität … Hans Schneeberger, Chefredaktor hans.schneeberger@migrosmedien.ch
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Menschen
Migros-Welt
8 April, April! Warum es eine gute Sache ist, im Frühling zu scherzen
56 Tanzfestival Steps
10 Leben mit Flüchtlingen
Zu Besuch bei fünf Schweizer Familien, die Flüchtlinge bei sich aufgenommen haben 20 Scharfes Panorama
Die Messerklingen von Andy Hostettler sehen aus wie Schweizer Bergpanoramen 22 Voll agglo!
Zahlen und Fakten zu den Schweizer Agglomerationen
«Das Ende des Euro wäre nicht das Ende der Europäischen Union» Bilder: Daniel Auf der Mauer, Marco Zanoni, Daniel Aeschlimann; Illustration: Tina Berning/2Agenten
Karl Schlögel (68), Historiker
24 Elfjährige Weltmeisterin
Im Trial ist Sheyla Wipf ohne Konkurrenz. Aber die Schweiz hat noch mehr Velokünstler 34 Lebensmut
Wie zwei junge Frauen trotz drohender Erblindung nicht verzweifeln
Sprossen, die kleinen Vitaminbomben, schmecken auch gekocht wunderbar 79 Feiner Vegi-Strudel 80 Resten-Fest nach Ostern 83 Neue fruchtige Pralinés 84 Grosse Migros-Bio-Welt 86 Essen gegen Allergien 90 Gute Wäsche, guter Schlaf 93 Meine erste Wohnung
99 Neues aus der Region Aktionen, Reportagen und News aus den Regionen
Leben 106 Mehrsprachige Familien Vorteile und Tücken im Alltag
45 Leserforum 46 Interview Osteuropa-Experte Karl Schlögel
134 Meine Welt Der zehnjährige Ricky Kam ist ein begnadeter Pianist
40 Gestohlenes Leben Ausgenützt und gedemütigt: Lina Zaugg wurde 50 Jahre lang wie eine Sklavin gehalten
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61 Saisonküche
111 Wie alt ist Ihr Herz? 113 Wertvolle Pflanzenfasern 115 Woran Chüngel kranken 119 Die Wasserspitzmaus 123 Bitte melde dich 125 Glücksgriff 127 Rätsel/Impressum 132 Cumulus
39 Bänz Friedli
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Menschen MM13
Darauf freuen wir uns SnowpenAir Die Fantastischen
Vier, Patent Ochsner, Pegasus: Am Musikfestival auf der Kleinen Scheidegg wird am 2. April der Winter mit Hits vertrieben. Flashmob Noch mehr Action verspricht am selben Tag der «Pillow Fight Day», eine welt weite Kissenschlacht. Viel Spass!
Unnützes Wissen
Schwein gehabt Nilpferde sind Schweine , keine Pferde. Das Hausschwein von Arnold Schwarzenegger trägt den Namen Bacon. Mein Bild der Woche «Hier sehen wir: einen Atomreaktor, der Geschichte ist. Wurde
Pascale Bruderer Wyss (38) ist ehe
malige National ratspräsidentin und seit 2011 Ständerätin des Kantons Aargau.
der Kernbrennstoff bereits 2012 entfernt, zerlegt ein kleines Team derzeit die restliche Reaktorstruktur Modul für Modul in seine Einzelteile. Das Prozedere dauert insgesamt zwei Jahre. Die Minidimension dieser Stilllegung erstaunt. Aber es geht eben weder um Mühleberg noch um Beznau, sondern um den Nullleis tungsreaktor Proteus am Paul Scherrer Institut in Villigen AG. Auch wenn die Verhältnisse nicht mit den Problemen ‹echter› AKW verglichen werden können, strotzt das Bild doch vor Aktualität und Symbolkraft. Der Grund für die Ausser betriebnahme? Sie erfolgt – Sie ahnen es – aus wirtschaftlichen Gründen.»
Entschuldigen Sie, was hören Sie gerade? Daniel Gnos (17), Schüler aus Sarnen OW
a) «Fin de l’affaire» von Hank Mobley b) «Protect Ya Neck» von Wu Tang Clan c) «You Got Me» von The Roots
Antwort a): Als Klavierspieler mag ich besonders den gefühl vollen PianoPart in diesem JazzStück.
Bilder: Fotolia, Paul Scherrer Institut, Salvatore Vinci
Hörprobe
Um Gewebever änderungen zu er forschen, werden in Taiwan Schwei ne gezüchtet, die im Dunkeln grün leuchten, wenn man blaues Licht auf sie richtet. Schweine können einen Sonnenbrand bekommen. Schweine sind so klug, dass sie Belüftung und Temperatur in ih rem Stall mithilfe eines Joysticks selbst steuern können, wie ein dänischer Bauer herausfand. Schweine schlafen bis zu 13 Stun den am Tag. Quelle: Neon/Stern
8 | MM13, 29.3.2016 | MENSCHEN
Was bringt Sie am 1. April zum Lachen? www.migmag.ch/ umfrage
Umfrage Letzte Woche fragten wir:
April, April!
Am 1. April blüht der Spaghettibaum Jedes Jahr fallen wir auf sie herein: Aprilscherze. Wahre Meister darin sind die Briten. Ihre Spaghettibaum-Ente bleibt unerreicht. Weshalb das Scherzen im Frühling und auch sonst eine gute Sache ist, sagt Humorforscher Willibald Ruch im Interview. Text: Peter Aeschlimann
Haben Sie Vertrauen in Abstimmungsresultate, die per E-Voting zustande kommen? 43% Ja, heute gibts Identitätskontrollen, die Missbrauch erschweren. 30% Nein, jedes elektronische Prozedere ist von Könnern manipulierbar. 27% Vielleicht, wenn ich ich den genauen Prozess kenne.
Humor in Zahlen
215
Minuten dauerlachen kann Lachweltmeister Belachew Girma. Er ist auch Rekordhalter im Handstandstehen.
Dollar kostete die Produktion von Monty Pythons «Life of Brian». Bezahlt hat Ex-Beatle George Harrison.
42
lautet die kryptische Antwort des Supercomputers Deep Thought aus «Per Anhalter durch die Galaxis» (1981) auf die Frage nach dem Sinn des Lebens. Fans diskutieren heute noch darüber. Quelle: Wikipedia/Welt.de
Als Spaghetti noch eine exotische Delikatesse war: Tessiner Pasta-Pflückerinnen im BBC-Beitrag aus den 50er-Jahren.
A
chtung Spoiler: Am Freitag ist der 1. April. Falls Ihnen an diesem Tag etwas seltsam vorkommen sollte, müssen Sie damit rechnen, dass Ihnen plötzlich jemand fröhlich zuruft: «April, April!». Das «Hereinlegen» oder «in den April schicken» hat in den meisten europäischen Ländern und in den USA Tradition. Besonders beliebt ist der Aprilscherz bei Kindern und Journalisten. Jahr für Jahr überbieten sich auch hiesige Medien mit zuweilen irrwitzigen Einfällen. Einige der Falschmeldungen
haben inzwischen Kultstatus erreicht. Unvergessen ist etwa der TV-Beitrag der britischen BBC aus dem Jahr 1957, worin von Spaghettibäumen und gefrässigen Spaghettirüsselkäfern im Tessin die Rede war. Hunderte von Zusehern riefen damals bei der BBC an und wollten wissen, was es mit der exotischen Pflanze auf sich habe und wo man sich einen solchen Teigwarenbaum beschaffen könne. 1962 lieferte ein schwedischer TV-Sender eine Anleitung, wie man aus dem Schwarz-Weiss-Fernseher einen Farbfernseher bastelt:
einfach einen Nylonstrumpf drüberstülpen, das verändere die Wellenlänge des Lichts. Tausende probierten den Trick. 1998 kündigte Burger King in einem Inserat einen Whopper für Linkshänder an. Der Ursprung des Aprilscherzes ist unbekannt. Eine mögliche Erklärung ist das Wetter. Dieses macht im April ja bekanntlich, was es will. Und meist fallen wir darauf herein: am Morgen bei schönstem Sonnenschein im Pulli hinaus, nur um am Abend bei Schneefall zu frieren. Seien Sie also auf der Hut, wir haben Sie gewarnt! MM
Bilder: Keystone/Hulton Archive/Getty Images, zVg
4 Mio.
MENSCHEN | MM13, 29.3.2016 | 9
Strassenumfrage
Willibald Ruch
«Humor ist eine Charakterstärke und sollte gefördert werden» Professor Willibald Ruch, in Taiwan werden Schweine gezüchtet, die im Dunkeln grün leuchten. Wofür soll das gut sein? Wenn es auch welche gibt, die gelb und rot leuchten, könnte man sie als Ampel verwenden. Schweine sind aber nicht mein Forschungsthema … April, April! ( lacht) Finden Sie das lustig? Mässig. Aprilscherze können aber durchaus lustig sein. Als die englische BBC im Jahr 1957 berichtet hatte, dass die Spaghettiernte im Tessin wegen des milden Winters reich ausfallen werde, war das schon grossartig. Weshalb erheitert es uns, wenn wir jemanden «in den April schicken»? Der Aprilscherz enthält alle Elemente der Komik: Er ist ein generell harm loses Spiel mit einem Spannungsauf bau und einer Pointe. Ein im Kalender festgelegter Scherz tag ist doch per se ein Spasskiller! Nicht unbedingt. Natürlich wäre es grausam, wenn Humor nur an diesem Tag möglich wäre. Humor ist eine Charakterstärke und muss gefördert werden. Ein Ritual wie der 1. April kann da wertvolle Dienste leisten. Jüngst machte sich die ganze Welt lustig über eine holprige Ansprache unseres Bundespräsidenten. Ist Humor auf Kosten anderer nicht verwerflich? So sind wir halt. Amüsiert hat uns der Kontrast: Da spricht einer mit ernster Miene übers Lachen. Mir als Humor forscher gehts manchmal ebenso. Die Leute erwarten von mir, dass ich witzig bin – sonst irritiert sie das. Ein Ornithologe hat es besser. Von ihm wird nicht erwartet, dass er den Lockruf der Eule nachahmen kann. «Rire, c’est bon pour la santé», sagte Johann SchneiderAmmann, Lachen sei gesund. Hat er recht? Es hilft, Stresssituationen zu meis
Was finden Sie lustig?
tern. Menschen, die in Kriegsgefan genschaft ihren Humor nicht ver lieren, tragen weniger Schäden davon. Sicher ist: Lachen hebt die Lebens qualität und fördert das Miteinander. Erzählt man sich deswegen an Be erdigungen auch muntere Episoden aus dem Leben eines Verstorbenen? Genau. In Rumänien gibt es einen Friedhof, wo lustige Sprüche auf den Grabplatten stehen. Wenn man die Gratwanderung schafft, einem gelieb ten Verstorbenen mit humorvollen Geschichten nahezukommen, ohne dabei ins Frivole zu kippen, kann das Erleichterung verschaffen. Wird man als humorvoller Mensch geboren? Zwillingsstudien bestätigen das: Wenn zwei Brüder beide über Manta fahrerwitze lachen können etwa. Humor ist ein Spiel. Und jeder Mensch trägt das Spielerische seit der Geburt in sich. Erst verschiedene Formen der Kultivierung beein flussen unsere Humorfähigkeit. Demnach ist Humor lernbar? Die Fähigkeit zu lachen ist angeboren. Wie etwa das Niesen. Humor lässt sich aber schon trainieren. Wir haben das gemacht: Als wir Erwachsene an lustige Episoden aus ihrer Kindheit erinnerten, mussten sie lächeln. Die Dinge sind noch da, auch wenn widrige Lebensumstände sie viel leicht verschüttet haben. Inwiefern verändern Soziale Medi en wie Facebook unseren Humor? Ich beobachte eine gewisse Abstump fung. Wenn früher jemand auf der berühmten Bananenschale ausge rutscht ist, hat man das den Kollegen vielleicht mit hochrotem Kopf er zählt. Heute hält man die Szene mit dem Handy fest. Es findet ein Wett kampf um Aufmerksamkeit statt. Die Herausforderung dabei ist, dass wir unsere Werte nicht verlieren. Wann vergeht Ihnen das Lachen? Im Tiefschlaf. MM
Willibald Ruch (59)
ist Humorforscher an der Universität Zürich.
Aaron Mannhart (18), Mediamati ker, Sargans SG: «Für Streiche, die
niemandem wehtun, bin ich immer zu haben. Lustig finde ich auch die Menschen am Bahnhof, die sich über leicht verspätete Züge aufregen.»
Shelly Jackson (29), Opernsängerin, Maryland USA: «Lachen musste ich
zuletzt während einer Szene aus Ros sinis komischer Oper ‹Le Comte Ory›: als Nonnen verkleidete Männer betrinken sich und tanzen.»
Ruedi Limacher (53), Software ingenieur, Zürich: «Ich mag Brachial
humor, den klassischen Bananen ausrutscher zum Beispiel. Aber auch die subtile Komik, wie sie in den Filmen der CoenBrüder vorkommt.»
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1
Flüchtlingshilfe
Zu Hause bei Fremden
Sie wagten das Experiment und nahmen Flüchtlinge bei sich auf. Fünf Schweizer Gastfamilien und ihren neuen Bewohner erzählen über Ängste, Erfahrungen und Chancen eines (noch) nicht alltäglichen Zusammenlebens. Text: Anne-Sophie Keller
A
Bilder: Daniel Auf der Mauer
ls sich die Kinder zum ersten Mal stritten, wussten Alex (47) und Concetta (48) Kästli, dass der ganz normale Familienalltag eingekehrt war. Die Kinder, das sind die leibliche Tochter Anastasia und Said (Name von der Redaktion geändert), ein Flüchtling aus dem Iran. Beide sind 13 Jahre alt. Und beide wären sich normalerweise wohl nie begegnet. Angefangen hat es mit einem Aufruf über das Amt für Soziales, St. Gallen,
das auf der Suche nach Pflegefamilien war. Ein Aufruf, der Concetta Kästli nicht mehr aus dem Kopf ging: «Das hat in mir ganz viel ausgelöst. Ich bin schliesslich Seconda.» Anfang September 2015 reiste die Familie nach Altstätten SG, um Said im Auffangzentrum zu besuchen. «Wir haben zusammen eine Glace gegessen. Er war ganz schüchtern und hat nichts runtergebracht. Aber auch ich war nervös», sagt Anastasia. Mit Chiara (25), die schon ausgezo-
gen ist und selber eine Familie hat, und Fabio (23) hat sie bereits zwei Geschwister. Als Nachzüglerin freute sie sich über den neuen Bruder und hätte ihn am liebsten gleich mitgenommen. Damit war sie nicht allein. «Ich habe Said beim Abschied umarmt», sagt Vater Alex Kästli. «Das ist sonst nicht meine Art. Aber es fühlte sich richtig an. Ich sagte ihm, dass wir uns, wenns geht, wiedersehen.» Auch Said hatte nach der Begegnung ein gutes Gefühl: «Im Auffangzentrum
MENSCHEN | MM13, 29.3.2016 | 11
Gastfamilien über Ihre Motivation und Erfahrungen. www.migmag.ch / fluechtlinge
Flüchtlinge in Zahlen
50
Prozent der Flüchtlinge weltweit sind Kinder.
Familie 1
60
Seit September lebt Familie Kästli aus Degersheim SG mit Said (13) unter einem Dach. Für Anastasia (rechts) ist der gleichaltrige Said wie ein Bruder.
Millionen Menschen waren laut einem Bericht der Uno-Flüchtlingshilfe Ende 2014 auf der Flucht.
40 000
Familie 2
Menschen stellten 2015 ein Asylgesuch in der Schweiz. 1999 stellten aufgrund des Kosovo-Kriegs 47 513 Menschen ein Asylgesuch.
Sabine Schubert und ihr Mann Benedict haben im Dezember zwei afghanische Teenager bei sich aufgenommen.
Quellen: Uno-Flüchtlingshilfe, Staatssekretariat für Migration (SEM)
2
hatte ich Heimweh und vermisste meine Familie. Meine Mutter und Schwestern leben noch im Iran, mein Vater ist in Afghanistan gestorben.» Zusammen mit seinem Onkel gelang te Said im Schlauchboot einer Schlep perbande nach Griechenland. Über die Balkanroute erreichten die beiden die Schweiz. Sein Onkel wurde in Luzern unter gebracht. Said traf Ende September 2015 mit einem Betreuer in Degers heim SG bei der Familie Kästli ein. Vor seiner Ankunft hatte die Familie das Gästezimmer für ihn eingerichtet. In der ersten Nacht im neuen Zuhau se schlief er schlecht. «Er hat ständig geredet. Ich lag hellwach und habe mir furchtbare Sorgen gemacht», sagt Concetta Kästli. «Mein Mutter instinkt war sofort aktiviert.» Said musste sich an die neue Umgebung gewöhnen. Ausser durchlöcherte Kleider besass er nichts. Ein Stapel neuer Kleider lag für ihn parat. Inzwischen spielt Said im Junioren Team des FC Degersheim, einem klassischen Multikultiverein. In der Schule besucht er eine Integrations klasse. Wie lange er bei den Kästlis leben wird, ist derzeit noch ungewiss. Für sie gehört er aber bereits zur Familie: «Wir wollen ihn nicht integ
rieren, und dann wird er uns wegge nommen. Dass er ein Pflegesohn ist, macht für uns keinen Unterschied. Er ist ein Teil von uns.» Minderjährig und auf der Flucht
Said hatte das Glück, mit seinem Onkel auf der Flucht zu sein. Immer grösser wird die Zahl der unbegleite ten Minderjährigen (UMA), die Rich tung Norden unterwegs sind. 2378 UMA stellten letztes Jahr ein Asyl gesuch in der Schweiz. 2014 waren es noch 794. In St. Gallen kommen unter 14Jährige in Pflegefamilien; die Älte ren sind im Zentrum Thurhof unter gebracht. Die Konferenz der kantona len Sozialdirektoren will demnächst Empfehlungen für die Unterbringung und Betreuung von UMA vorlegen. In Basel dürfen Gastfamilien seit Ende Dezember UMA bei sich auf nehmen. Denn die 15 Plätze im Basler Wohnheim für minderjährige Flücht linge waren schnell weg. Die Sozial hilfe BaselStadt sucht seither in Zusammenarbeit mit dem Kinder und Jugenddienst Unterkünfte. Mit der Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige (GGG) hat die Sozial hilfe zudem eine Kontaktstelle geschaffen, die es auf einfache Art erlauben soll, Flüchtlinge aufzuneh
men. Sabine (57) und Benedict (58) Schubert haben von diesem Angebot Gebrauch gemacht. Und sind unge bremst in die neue Lebenssituation reingerutscht. Am 14. Dezember 2015 nahmen die Religionspädagogin und der Pfarrer mit der Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige Kontakt auf. Noch am selben Tag fragte die Gesellschaft, ob eine Kontaktperson vorbeikommen könnte. Als Verantwortliche eines Wohnheims für 25 Studierende im Auftrag der Stiftung Theologisches Alumneum in Basel und Eltern von vier erwachsenen Kindern sind sich die Schuberts Betrieb gewohnt. Auf die Situation mit den zwei Flücht lingsbuben hätte sie dennoch nie mand vorbereiten können: Zu vieles war unbekannt. Der Anfang war nicht leicht
«Fünf Tage nach unserem Gespräch mit der GGG, also am 21. Dezember, wurden die Brüder H. (14) und K. (16) aus Afghanistan bei uns abgegeben», erzählt Sabine Schubert. Das sei ihr Weihnachtsgeschenk gewesen. Unterstützt wird das Paar von einer Juristin der GGG, einer offiziellen Beiständin des Kinder und Jugend dienstes sowie einer Kontaktperson
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bei der Pflegeeltern-Bewilligungsbehörde. Auch das Sozialamt BaselStadt wird bei administrativen Belangen miteinbezogen. Zudem wurde der Familie ein Hausarzt zugewiesen. Über die Feiertage sei es jedoch schwierig gewesen, die richtige Unterstützung zu finden. Mittlerweile funktioniere das Zusammenspiel mit den Ansprechpersonen. Aber der Flüchtlingsansturm überfordere immer noch alle. «Die Flüchtlinge selbst, die Behörden, uns Gasteltern, die Politiker, die Gesellschaft. Darum müssen wir umso mehr zusammenarbeiten», sagt Sabine Schubert. Klar sei, dass man es als Familie nicht allein schaffe, «es braucht ein Umfeld, das einen stützt». Der Anfang war hart. «Man merkte den Buben die Rastlosigkeit an. Sie schliefen oft in den Kleidern. Als hätten sie Angst, am nächsten Tag gleich wieder aufbrechen zu müssen. Wir schauen nun von Tag zu Tag, ob es für beide Seiten lebbar ist. Haben die Kinder Raum zum Atmen? Mehr braucht es im Moment gar nicht.» Inzwischen sei es möglich, eine Tagesstruktur zu leben: zusammen aufstehen, zusammen essen, am Abend einen Tee trinken. Im Februar waren die Buben in einem Skilager der Kirchgemeinde mit dabei. Mit ihren Pflegeeltern haben sie täglich via SMS kommuniziert. Die Sprache: Smileys und Icons. Das funktioniert. Irgendeine Angst begleitet beide Seiten immer. Die Angst, Fehler zu machen. Die Angst, an Grenzen des Verstehens und der Kraft zu kommen. Doch die Angst schafft auch Nähe. Als Pflegeeltern ist es für Sabine und Benedict Schubert in erster Linie wichtig, den Buben verständlich zu machen, dass sie willkommen sind. Der Anfang sei «unschweizerisch undurchdacht» gewesen. So wäre mehr Zeit für die Vorbereitung hilfreich gewesen. Sabine Schubert resümiert: «Wir machen es nicht perfekt, wir machen es einfach.» Eine junge Idee macht Schule
Die teilweise schwierigen Umstände bei der Familie Schubert in Basel zeigen: Ein Erfahrungsschatz in der privaten Unterbringung von Flüchtlingen wird erst allmählich aufgebaut. Die Schweizerische Flüchtlingshilfe rief im Oktober 2013 erstmals dazu auf, Flüchtlinge bei sich aufzunehmen. Es meldeten sich 150 Personen für das Projekt «Gastgeber sein». Im März 2015 fand dann der erste Asyl-
suchende in der Romandie einen Platz bei einer Familie. Mittlerweile verweisen die Sozialdepartemente der Kantone Aargau, Bern, Waadt und Genf interessierte Private an die Flüchtlingshilfe. Die Suche nach geeigneten Flüchtlingen übernimmt der Kanton, der als Betreiber der Unterkünfte weiss, wer infrage kommen könnte. Die Flüchtlingshilfe koordiniert schliesslich die Unterbringung. Geduld ist gefragt
Allgemein trägt das Staatssekretariat für Migration die Verantwortung für das schweizerische Asylverfahren. Es betreut die Empfangs- und Verfahrenszentren, wo Asylsuchende ihr Gesuch einreichen. Letztlich liegt es in der Verantwortung der jeweiligen Gemeinden, Unterkünfte für zugewiesene Flüchtlinge zu finden. Während das Projekt anfangs mit bürokratischen Hürden kämpfen musste, konnten die administrativen Abläufe mittlerweile etwas vereinfacht werden. Interessierte müssen sich aber nach wie vor zwei bis drei Monate gedulden, bis eine konkrete Anfrage für die Unterbringung eines Flüchtlings eintrifft. Eine Vielzahl von Ansprechpartnern behindert oft eine rasche Abwicklung.
Eine nationale Regelung zur privaten Unterbringung gibt es nicht. Im Kanton Freiburg lancierte etwa eine Bürgergruppe eine Hotline, über die Angebote deponiert und an die Kantone weitergeleitet werden können. In Basel-Stadt erlaubte die Sozialhilfe das Thema Privatunterbringung im Dezember 2015. Zürich liess auf sich warten: Der Stadtrat lancierte im Herbst 2015 ein Gastfamilienprojekt, um die private Unterbringung von Flüchtlingen zu ermöglichen. Laut der Asylorganisation Zürich haben sich bereits Personen gemeldet, die bereit wären, Flüchtlinge bei sich aufzunehmen. Pionierarbeit im Aargau
In der Deutschschweiz hat das Ehepaar Kaufmann aus Sins AG mit der privaten Flüchtlingsunterbringung Pionierarbeit geleistet. «Wir waren die erste Familie in der Deutschschweiz und die zweite überhaupt in der Schweiz, die Flüchtlinge aufgenommen hat», sagt Marie-Theres Kaufmann (75) mit einer überraschenden Selbstverständlichkeit. Das Medieninteresse, das ihr Fall auslöste, versteht sie nicht wirklich: «Unsere vier Söhne sind längst ausgezogen. Das obere Stockwerk stand
Familie 3
Bei Marie-Theres (75) und Alois Kaufmann (76) brachten Milad Kourie und Merna Ablahad mit Elias (2) und Lucas neues Leben ins Haus.
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also schon längere Zeit leer. Als wir die Broschüre der Flüchtlingshilfe erhielten, war der Fall für uns klar.» Am 1. April 2015 zog das syrische Ehepaar Milad Kourie (35) und Merna Ablahad (26) mit Sohn Elias (2) ein. Vor dem Krieg geflüchtet ist das junge Paar sehr früh, vor drei Jahren, und noch mit dem Flugzeug. Mittlerweile leben sie zu viert in der Schweiz: Im November kam Lucas zur Welt. Das Kindergeschrei stört die Kaufmanns keineswegs – im Gegenteil: «Wenn die Kleinen herumspielen, ist das sehr schön. Es ist dann nicht so still im Haus», sagt MarieTheres Kaufmann. Auch die Nachbarn zeigten grosses Verständnis für die Zuzügler: «Obwohl wir hier in einem rechtsbürgerlichen Umfeld leben, haben wir nur Anerkennung und Unterstützung erfahren», stellt Alois Kaufmann (76) fest. So kann Milad Kourie beim Goldschmied im Dorf arbeiten. Die Beschäftigung tue ihm gut. «In Syrien habe ich 16 Jahre lang als Goldschmied gearbeitet», sagt er. Eine Anstellung liegt für das Geschäft aus finanziellen Gründen nicht drin, doch der kulturelle Austausch ist für beide Seiten wertvoll. Kourie hofft nun auf einen baldigen Eintritt ins Erwerbs-
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Reiseprogramm
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1. Tag: Schweiz–Deggendorf. Hinfahrt ins Donaustädtchen Deggendorf vor Passau. 2. Tag: Deggendorf–Passau–Linz–Budweis. Unsere Reise beginnt mit einer unvergesslichen Donauschifffahrt auf dem vorwiegend natürlichen Flusslauf zwischen Passau und Linz. Die Strecke ist gesäumt von zahlreichen Schlössern, Kirchen und Burgen. Anschliessend Besichtigung der oberösterreichischen Stadt Linz mit ihrem sehenswerten Hauptplatz. Fahrt über die österreichisch-tschechische Grenze nach Budweis. 3. Tag: Budweis, fak. Ausflug Böhmerwald. Wir besuchen die Region des grossen Moldaustausees und fahren entlang dem gleichnamigen Fluss durch die historischen Orte Rosenberg und Hohenfurt. Durch eine liebliche Naturlandschaft geht es weiter nach Böhmisch Krumau. Mehr als dreihundert historische Häuser, zwischen denen das Areal des Schlosses (zweitgrösste Anlage nach der Prager Burg und Unesco-Weltkulturgut) und die Kirche des heiligen Veits dominieren, bilden einen Altstadtkern von seltener Harmonie und Schönheit. Anschliessend Fahrt zurück nach Budweis. Beim gemeinsamen Spaziergang durch den Stadtkern mit seinem quadratischen Marktplatz erfahren wir Interessantes über die gut erhaltenen Renaissance- und Barockbauten. 4. Tag: Südböhmisches Teichen- und Burgenland–Prag. Nicht weit von Budweis machen wir unseren ersten Stopp in Hluboká. Grund dafür ist das gleichnamige Schloss, das unübersehbar über der Moldau thront. Nach einer Führung geht es weiter durch das südböhmische Teichenland zur stimmungsvollen Burg Klingenberg mit dem über 30 Meter hohen Turm. Anschliessend un-
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ternehmen wir eine gemütliche Bootsfahrt auf dem Orlikstausee zum prunkvollen Schloss Orlik (Aussenbesichtigung). An diesem herrlichen Ort haben wir Zeit für eine individuelle Mittagspause. Entlang der Moldau erreichen wir am Abend die «Goldene Stadt» Prag. 5. Tag: Prag mit Altstadtbesichtigung. Die tschechische Hauptstadt ist gleichzeitig auch die grösste Stadt des Landes. Zum imposanten Stadtbild gehören die Karlsbrücke mit neunundzwanzig Heiligenstatuen, die Prager Burgstadt (Hradschin), die Altstadt mit den fröhlichen Märkten, wo auch heute noch traditionelle Handwerkskunst dem Besucher Einblicke in vergangene Tage gewährt sowie verschiedene Kirchen, u.a. die Teynkirche, mit den Klängen der ältesten Orgel Europas. Heute Vormittag unternehmen wir, unter kundiger Führung, eine Besichtigung der Altstadt. Nachmittag zur freien Verfügung. 6. Tag: Der Prager Burgberg. Am Vormittag interessante Besichtigung der Prager Burg, einem in jeder Hinsicht überragenden Bauwerk. Von den Gärten der Festungsanlage hat man einen schönen Blick über die Stadt. Freier Nachmittag für individuelle Entdeckungen und Einkäufe. 7. Tag: Prag–Schweiz. Rückfahrt in die Schweiz zu den Einsteigeorten.
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MENSCHEN | MM13, 29.3.2016 | 15
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Familie 4
Sie nennen sie «Tante» und «Onkel»: Der Syrer Rodeng (28) und sein Bruder Nuhad (17, links) leben derzeit bei Heidi (69) und Hans Weiss (75) im Berner Länggassquartier.
leben und den Schritt in die Unab hängigkeit. Integration durch Arbeit
Wenn erwachsene Flüchtlinge bei privaten Gastgebern leben und diese sie in den Alltag und in die Regeln des Zusammenlebens einführen, sollten sie nach einem Jahr genug integriert sein, um – falls die Möglichkeit besteht – in eine eigene Wohnung zu ziehen und zu arbeiten. Je nach Kanton dürfen Asylsuchende oder vorläufig aufgenommene Jugendliche eine Lehrstelle antreten. Der Bundesrat lancierte im De zember 2015 ein Pilotprogramm zur Flüchtlingslehre. Damit sollen fähige und motivierte anerkannte Flücht linge und vorläufig Aufgenommene frühzeitig sprachlich und fachlich geschult und mit Praxiseinsätzen in die Schweizer Arbeitswelt eingeführt werden. Das Pilotprojekt richtet sich primär an Branchen mit einem Arbeitskräfte oder Lehrlingsmangel wie die Gastronomie oder die Land wirtschaft. Ab 2018 sollen so jährlich bis zu 1000 Flüchtlinge berufliche Grundkompetenzen erhalten. Die Schweizerische Konferenz für Sozial hilfe schlug derweil im November
2015 Massnahmen vor, um die Er werbsquote von Flüchtlingen zu steigern. Der zentrale Punkt sei die Einführung von mehrmonatigen bis einjährigen Berufseinsteigerkursen. Sie sollen von den Berufs und Bran chenverbänden konzipiert und ge tragen werden. 2015 stellten 40 000 Personen in der Schweiz ein Asylgesuch. Per Ende Jahr waren nur 278 von ihnen erwerbstätig. Ein Grund: Für Asyl suchende besteht in den ersten drei bis sechs Monaten des Aufenthalts ein Arbeitsverbot. Sobald sie einen Job haben und Geld verdienen, müssen sie die bezogenen Sozialhilfe gelder mit einer Lohnabgabe von rund zehn Prozent zurückzahlen. Mehrgenerationen-WG in Bern
Die berufliche Integration ist auch bei Rodeng Abbas (28) ein zentrales Thema. In Damaskus hat er als Plattenleger gearbeitet. Nicht ohne Stolz sagt er: «Und hier in der Schweiz mache ich eine Vorlehre als Plattenleger.» Im Sommer kann er im Rahmen des Programms «25Plus» der Berufs, Fach und Fortbildungs schule Bern eine Lehre anfangen. Zwei Tage pro Woche wird er in die
Schule gehen, an drei Tagen kann er bei der Blatter AG in Bümpliz als Bodenleger arbeiten. Geflüchtet ist er vor vier Jahren. Zuerst nach Istanbul, dann nach Tunesien. Mit falschen Papieren überquerte er im Juli 2012 die Schweizer Grenze in Genf. Im Deutschunterricht hat Rodeng Heidi Weiss (69) kennen gelernt, die im Tauschnetz Läng gasse in Bern und auch privat ehrenamtlich Migranten unter richtet. «Rodeng hat damals in der Asylunterkunft im Hochfeld gelebt. In einem Luftschutzkeller, in dem Flüchtlinge verschiedener Kulturen auf engem Raum zusammenleben», sagt sie. Eines Tages fragte sie ihren Mann, ob man nicht ein Zimmer entbehren könnte; schliesslich hätten sie in ihrer Wohnung im Berner Länggassquartier Platz genug. Hans Weiss (75) war sofort dabei: «Heidi und ich haben zwei Töchter, und ich habe drei Kinder aus früherer Ehe. Wir sind Betrieb gewohnt.» Rodeng zog Anfang 2013 ein. Vor einigen Monaten fragte er, ob auch sein Bruder Nuhad (17) bei Heidi und Hans Weiss wohnen könne, bis er für sich und ihn eine Wohnung finde. «Wir haben realisiert, dass es für sie
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MENSCHEN | MM13, 29.3.2016 | 17
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Familie 5 Kulinarische und kulturelle Horizont erweiterung: Die Tibeterin Chokyi Pashe (38) und ihr Mann Tsega Samt hoen (36) leben seit Anfang November bei Esther (65) und Bernhard Oettli (64) in Beringen SH.
schwierig sein wird, eine Wohnung zu finden, haben aber gleichzeitig gemerkt, dass wir zu viert gut zusammenleben können.» Seither gehen Heidi und Hans Weiss als «Onkel» und «Tante» den beiden Flüchtlingen vor allem bei Administrativem zur Hand. Dafür flicken die jungen Männer Fahrräder oder helfen im Garten. «Es ist eine klassische Win-win-Situation», sagt Hans Weiss. Für die Untermiete, die auch die Mitbenutzung von Küche, Bad und eines Arbeitsplatzes einschliesst, erhält das Ehepaar Weiss monatlich 750 Franken vom Sozialdienst. Gerstensuppe trifft tibetische Momos
Das Interview mit Entwicklungshelfer Kilian Kleinschmidt lesen Sie auf den Seiten 18 und 19.
Die Kantone erhalten vom Bund eine Monatspauschale von 1500 Franken pro Person für die Unterbringung. Falls Private Flüchtlinge aufnehmen, zahlt ihnen das kantonale Migrationsamt das Logis, der Betrag ist dabei von Fall zu Fall verschieden. Zudem zahlt die jeweilige Migrationsbehörde den Flüchtlingen das Geld für Essen direkt aus – auch weil die kulinarischen Gewohnheiten oft nicht denen der Gastfamilien entsprechen. Für Chokyi Pashe (38) und ihren Mann Tsega Samthoen (36) hat die
Integration bei einem dampfenden Teller Bündner Gerstensuppe angefangen, gegessen im Haus von Esther (65) und Bernhard (64) Oettli in Beringen SH, wo das tibetische Paar seit dem 5. November 2015 zu Hause ist. Wundersamer Effekt auf die Nachbarn
In Beringen SH hatten die beiden erstmals Kontakt zur Schweizer Kultur. Auch Oettlis entdecken immer wieder Neues: Als Esther Oettli am Morgen des 9. Februar, dem Beginn des tibetischen Frühlings festes, die Küche betrat, wurden ihr Chhang (ein heisses Getreidebier), süsslicher Reis, gesalzener Butter tee und wenig später Momos ser viert. Die Teigtaschen sind ein tibetisches Nationalgericht. Ganz neu war die Erfahrung nicht: Esther und Bernhard Oettli haben in den 80er-Jahren zusammen in der Entwicklungsarbeit in Nepal gearbeitet. Verständnis für andere Kulturen war also bereits vorhanden. Das Zusammenleben funktioniert: Tibetischer und Schweizer Alltag kommen gut aneinander vorbei. Beinahe zu gut, wie Bernhard Oettli findet: «Momentan leben wir fast zu fest aneinander vorbei. Sie gehen zum Beispiel früher schlafen und stehen früher
auf.» Als Tsega Samthoen und Chokyi Pashe bei den Oettlis ankamen, hatte das einen wundersamen Nebeneffekt auf die Nachbarschaft. «In so einem Quartier wie hier muss man die Nachbarn informieren, wenn man eine solche Aktion plant», sagt Bernhard Oettli. An einem «Samstag der offenen Tür» hätten sich dadurch schliesslich Nachbarn kennengelernt, die seit Jahren in der gleichen Strasse wohnen. MM Schweizerische Flüchtlingshilfe
Private Unterbringung von Flüchtlingen Das Gastfamilienprojekt der Schweizerischen Flüchtlingshilfe knüpft dort an, wo es im Asylprozess meist hapert: bei der sozialen und beruflichen Integration. Interessierte Gastgeber aus den
Kantonen Aargau, Bern, Genf und Waadt können sich online anmelden. Für die Schweiz ist die organisierte Aufnahme von Flüchtlingsfamilien oder Asylsuchenden bei privaten Familien eine Premiere. Mehr Infos: www.fluechtlingshilfe.ch
Kleinschmidt 18 | MM13, 29.3.2016 | MENSCHEN über den Alltag in Flüchtlingslagern.
www.migmag.ch/ kleinschmidt
Flüchtlingshilfe
«Keine Grenze kann so geschützt werden, dass niemand durchkommt»
Der Deutsche Kilian Kleinschmidt weiss wie kein zweiter, was die syrischen Flüchtlinge bewegt: Für die Uno leitete und befriedete er das grösste und chaotischste Flüchtlingslager im Nahen Osten. Mit neuen Ideen soll er der EU nun aus der Bredouille helfen. Text: Reto E. Wild
Kilian Kleinschmidt, vor wenigen Tagen hat die EU ein Flüchtlingsabkommen mit der Türkei abgeschlossen. Was halten Sie davon? Ich bin skeptisch. Wenn Asylschnellverfahren nicht vernünftig ausgeführt werden, wird das ganze System in Frage gestellt. Und wenn Nicht-Syrer kaum eine Chance haben, werden sie noch gefährlichere Routen wählen und sich nur noch illegal in Europa aufhalten. Das wird dann ein wirkliches Sicherheitsproblem, denn unversorgte Menschen müssen sich ernähren. Und von dieser Beschaffungskriminalität warnen auch alle Sicherheitsdienste. Aber immerhin ist die EU bereit, 72 000 Flüchtlinge aus der Türkei legal aufzunehmen. Ja, das ist gut. Hinter vorgehaltener Hand ist zu hören, dass es sogar noch viel mehr sein werden. Der Fehler ist jedoch, dass sich das Abkommen nur auf die Türkei beschränkt. In Jordanien etwa warten 30 000 Menschen auf die Ausreise. Wie beeinflussen die Anschläge von Brüssel die Diskussion über die Flüchtlingspolitik? Die haben mit den Flüchtlingen ja überhaupt nichts zu tun – sondern mit demVersagen der europäischen Sozialpolitik.
Aber wird es für die Regierungen nicht noch schwieriger, eine vernünftige Flüchtlingspolitik zu betreiben? So gesehen schon. Problematisch ist eben, dass diese Regierungen nur in halbjährlichen Abständen denken. Sie betreiben keine Politik, um den Rechtspopulisten etwas entgegenzusetzen. Sie beraten das österreichische Innenministerium und waren kürzlich als Experte bei EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in Brüssel. Wie soll Europa denn das Flüchtlingsproblem lösen? Es braucht einen Strauss von Massnahmen. Ich rate, neben den verstärkten Massnahmen in den Krisenregionen, eine noch grössere Zahl von Flüchtlingen nach Europa zu fliegen, statt zu warten, bis sie die Reise in Booten antreten. Weshalb? Jeder denkende Mensch sollte begreifen, dass wir die Schlepperorganisationen unterstützen, indem wir die Grenzen schliessen. Keine Grenze der Welt kann so geschützt werden, dass niemand mehr durchkommt. Schmuggler und kriminelle Banden haben letztes Jahr vier Milliarden Euro mit Flüchtlingen verdient. Der Weg nach
vorne ist die legale Migration. Wir müssen Zuwanderung kontrolliert zulassen und Mischformen suchen. Die Flüchtlinge sollten arbeiten oder studieren können, um sich schneller zu integrieren. Kanada etwa holt 25 000 Syrer aus dem Libanon und Jordanien, in Kanada sind sie keine Flüchtlinge mehr, sondern erhalten per sofort Bürgerrechte. Europa müsste ebenfalls in diese Richtung arbeiten. Solche Forderungen lösen bei der europäischen Bevölkerung nur Entrüstung aus. Der Aufschrei kommt so oder so, wenn über eine Million Flüchtlinge nach Europa reist. Und sogar die Rechtspopulisten sagen, dass wir die Menschen vor Ort unterstützen müssen, sodass Flüchtlinge im Nahen Osten beispielsweise legal arbeiten können. Die Türkei hat begonnen, für sie Arbeitsgenehmigungen zu erteilen. Das muss man auch im Libanon und in Jordanien tun, aber auch beide Länder stärker unterstützen. Was ist Ihre Rolle dabei? Mein Team und ich sind eine Schaltstelle in einem globalen Netz. Ich unterstütze zudem einige Initiativen als GoodwillBotschafter und versuche, das Thema Flucht und Migration anders an ein grosses Publikum
zu bringen und neue Ansätze der Kooperation zu entwickeln. Die Welt hat sehr viele Ressourcen und Kapazitäten, die durch bessere Vernetzung viele Probleme lösen können, ohne Almosen zu verteilen. Sehr wichtig wird es auch sein, gezielte Vermittlung von Arbeitskräften aus Afrika nach Europa zu stützen. Wie stellen Sie sich das vor, wenn Spanien unter einer Jugendarbeitslosigkeit von rund 50 Prozent leidet? Wir wissen, dass Europa in den nächsten zwei Jahrzehnten 50 Millionen Menschen benötigt, um die Einwohnerzahl nur schon zu halten. Europa braucht junge Arbeitskräfte von anderen Kontinenten, um die Überalterung zu verhindern. Der Flüchtlingsstrom hat ja auch Gutes: Er regt die westlichen Länder zum Denken an. So sollten wir schon lange den Sozialwohnungsbau weiterentwickeln und fördern. So betrachtet verdanken wir der Flüchtlingskrise, dass unsere Gesellschaft politisiert und hoffentlich auch wieder sozial offener wird. Sie selbst haben schon ein Flüchtlingslager geleitet. Aber viele Flüchtlinge aus Syrien leben gar nicht in Lagern. Richtig. In Jordanien befinden sich derzeit nur 100 000 syri-
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Kilian Kleinschmidt war Camp-Manager im Uno-Flüchtlingslager Zaatari im Norden von Jordanien. Mit Dialog meisterte er die angespannte Atmosphäre.
Bilder: zVg, DPA/Keystone
sche Flüchtlinge in Lagern, ausserhalb sind es 600 000. 15 Prozent der Flüchtlinge im Nahen Osten leben in Lagern, und es geht ihnen vergleichs weise gut. Bei den Menschen ausserhalb wird die humanitäre Hilfe oft zuerst abgedreht. Viele leben komplett ohne Unterstüt zung und dürfen auch nicht le gal arbeiten. Deshalb schicken Eltern ihre Kinder los, um mit Gelegenheitsjobs Geld zu ver dienen. Hunderttausende Kin der müssen arbeiten und ihre Familien ernähren. Darum wer den Mädchen auch oft schon mit 12 verheiratet, und Jungs gehen zu den Milizen nach Syri en, weil dort gezahlt wird. Was kann die Schweiz tun? Die Schweizer Wirtschaft sollte sich aktiver beteiligen. Gemein den und Städte könnten direkte Unterstützung an Gemeinden der Aufnahmeländer leisten, die total überfordert sind. Zudem wäre wichtig, eine Vorbereitung des Wiederaufbaus schon jetzt zu planen – durch gezielte Aus bildung von Syrern. Entschei dend ist, sich zu überlegen, was man tun kann, damit die Men schen legal einreisen, studieren und arbeiten können. Das sind die besten Voraussetzungen für eine rasche Integration, und es wäre auch eine direkte Hilfe für die Region.
Nur eben: Die politische Realität sieht anders aus. Einige Länder, auch die Schweiz, nehmen Flüchtlingen sogar Bargeld und Schmuck ab. Das ist vollkommener Schwach sinn und ein Armutszeugnis, das deutlicher kaum signalisieren könnte, dass man die Flücht linge eigentlich nicht will. Man bricht so das grosse Vertrauen, das Flüchtlinge in unsere Rechtsgesellschaft haben. Es wird die Integration beeinträch tigen und langfristig mehr Schaden bringen als die ver meintliche Unterstützung des Staatshaushalts. Immer wieder wird kritisiert, dass viele Flüchtlinge die Situation ausnutzen und nur finanziell profitieren wollen. Dass Flüchtlinge nur von unseren Sozialsystemen profitieren wollen, ist ganz einfach falsch. Eine OECD-Studie zeigt: Die Flüchtlinge wollen vor allem Ruhe und Frieden und sofort in den Arbeitszyklus oder studieren. Dass sich die Menschen in Europa sorgen, ist verständ lich. Aber zu denken, dass jeder Flüchtling, der nicht kommt, ein guter Flüchtling ist, ist eine fal sche und sehr teure Kalkulation. Wie kam es dazu, dass Sie selbst ein Flüchtlingslager geleitet haben?
Die Uno beauftragte mich 2013, die Leitung eines Lagers in Nordjordanien zu übernehmen, weil die Lage vor Ort ausser Kontrolle geraten war. Es kam regelmässig zu Schlägereien und Demonstrationen, die jordani sche Polizei und Hilfsorganisa tionen wurden angegriffen, es gab Verletzte und einen Toten. Wie haben Sie das gelöst? Mit viel Dialog konnten wir die bösen Buben und Profiteure isolieren. Als sie zu Demonstra tionen aufriefen, folgte ihnen niemand mehr. Ich musste allerdings zusammen mit der jordanischen Polizei oft rabiat durchgreifen, um eine Struktur reinzubringen. Man nannte mich Boss und Bürgermeister. Haben Sie heute noch Kontakt mit den Leuten im Lager? Nur noch lose, aber so schwierig wäre das nicht: Sie haben fast alle Skype oder Whatsapp. Ich arbeite eng mit Organisationen aus unserem Netzwerk in Jor danien zusammen. Und auch sonst haben sich aus jener Zeit viele neue Partnerschaften entwickelt. Unter anderem ist daraus 2014 die Organisation IPA entstanden, die ich heute leite. Mit dem Startup wollen wir moderne Technologien für die Armen der Welt nutzbar machen. MM
Zur Person
Vom Dachdecker zum Flüchtlingsexperten
Kilian Kleinschmidt (53) ist
in Berlin aufgewachsen, ging mit 18 nach Frankreich, wurde Besitzer einer Ziegenherde und Dachdecker in den Pyrenäen. Mit 26 fuhr er mit dem Motorrad durch die Sahara nach Mali. Er half beim Bau einer Schule unweit der Oasenstadt Timbuk tu und legte damit die Grund lage für seine spätere Tätigkeit als Entwicklungshelfer und UnoMitarbeiter. Seit Sep tember 2015 berät er das öster reichische Innenministerium über Erstaufnahmeeinrichtun gen. 2014 gründete er die Orga nisation Innovation and Plan ning Agency (IPA). Sein neuestes Buch «Weil es um Menschen geht» erschien 2015. Er lebt mit seiner Frau, fünf Kindern und einem Adoptivsohn in Wien.
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Andy Hostettler
Einer für alle Einfälle
Der Werber Andy Hostettler erfand das erste Messer, dessen Klingen aussehen wie Schweizer Bergpanoramen. Das funktioniert nie, dachten viele. Sie lagen falsch. Text: Anna Miller
A
ndy Hostettler lehnt sich aus dem Fenster seines Hotels im thur gauischen Ermatingen und deutet auf den Untersee. «Dort drüben ist Deutschland», sagt der 56Jährige, «ein paar Hundert Meter mit dem Boot, und schon ist man über der Grenze». Der ehemalige Werber machte mal einen Witz darüber:
Die Steuerfahnder aus Deutsch land könnten doch in seinem Hotel Ermatingerhof Asyl finden. Das fanden nicht alle im Dorf lustig. Ein anderes Mal setzte er für die Gemeinde kurzerhand den Slogan «Ermatingen. Der langweiligste Ferienort der Schweiz». Das mochten auch nicht alle. Einige sagen, er sei
Bild: Basil Stücheli
mediengeil. Andere, er sei ein Spinner. Andy Hostettler ist das recht. Sollen sie nur reden, die Leute. So lange sie reden. Und so lange sie an seiner Beerdigung sagen werden: Irgendwie war er doch ein guter Kerl, dieser Andy. Bis vor ein paar Jahren sass er als CEO einer Werbeagentur in Zürich in einem Sessel und ver
diente viel Geld damit, ameri kanische Firmen zu beraten. Bis er und seine Frau nach Erma tingen zogen, ein Boutiquehotel eröffneten und er auf der Pend lerfahrt ins Büro plötzlich dach te: Ich mache ein Messer, dessen Zacken aussehen wie diese Berg kette hier. Er schaute gerade aus dem Fenster, in Gedanken versunken.
MENSCHEN | MM13, 29.3.2016 | 21
ser, Brotmesser, Sackmesser, Käsemesser, Messerblöcke, Brotbrettli. Sogar Berlin, Luzern oder Bern kann man sich auf Messer prägen lassen. Es gibt PanoramaSchokolade zu kau fen, eine Brotbox ist in Planung. Und Hostettler will endlich ein Messer erfinden, mit dem man Brötchen schneiden und gleich zeitig Butter schmieren kann. Einen Traum erfüllt
Worin gründet der Erfolg des PanoramaMessers? «Es weckt Gefühle von Heimat und Zugehörigkeit», sagt Andy Hostettler.
Hinten am Horizont war der Säntis vor ihm aufgetaucht, die sieben Churfirsten. «Und dann kam die Idee hoch, aus dem Unterbewussten», sagt er heute. Er fuhr ins Büro und begann zu recherchieren. Nach ein paar Stunden war ihm klar: Diese banale Idee, die Kombination von Messer und Bergpanorama, die hatte
vor ihm tatsächlich noch keiner gehabt. Oder nicht umgesetzt. Heute, vier Jahre später, hat er bereits über 100 000 Pano ramaKnifes verkauft, 2015 einen Umsatz von fast 2 Millio nen Franken erwirtschaftet. Der Kunde kann zwischen 18 Pa noramen wählen: Berner Alpen, Walliser Alpen, Zentralschwei zer Alpen. Es gibt Fleischmes
Er ist eben ein Pragmatiker. Mit dem PanoramaKnife habe er sich einen Traum erfüllt, den viele Werber hätten: ein Mal im Leben ein eigenes Produkt auf den Markt bringen – und dann allen zeigen, wie gut man darin ist, es zu verkaufen. Dabei wollte Hostettler an fangs gar kein Produkt verkau fen, sondern nur eine Idee. Doch niemand wollte seine Idee ha ben. Er ging zu Victorinox, zu Kuhn Rikon. Bei letzterer Firma versuchte er über drei Monate, einen Termin zu bekommen, um danach zu hören: Mit dieser Idee wirst du keinen Franken machen. Also rief Andy Hostett ler den Präsidenten der Schwei zer Messerschmiedvereinigung an und liess erste Exemplare in Norditalien produzieren. Inner halb der ersten zwei Monate verkaufte er bereits 4500 Stück. Den grossen Erfolg erklärt er sich damit, dass dieses Produkt ehrlich sei, direkt. «Es weckt Gefühle von Heimat und Zugehörigkeit.» In jedem noch so kleinen Ort in der Schweiz stehe eine Panoramatafel; die Berge seien für uns alle ein prägendes Element. Und für die Touristen sei dieses Produkt eine Erinnerung, das über Jahre halte. Ungefähr 90 Prozent der Kunden würden das Panorama Knife verschenken – vor allem an Männer. Und so kreierte Hostettler kurzerhand den Slogan «Panorama Knife. Für Leute, die schon alles haben». Seine Messer werden mittler
weile in die ganze Welt ver schickt, nach Südafrika, nach Russland. In ein paar Wochen kommt ein Inder zu ihm nach Ermatin gen, er will das Panorama des Himalayas auf Messer prägen lassen. Das störe ihn nicht weiter, sagt Hostettler, «solange die Leute genug finanzielle Mittel haben, um das dort unten selbst zu stemmen». Und solange er nicht in Indien Messer verkaufen müsse. Die Lizenz für die Messer kann er in die ganze Welt ver kaufen, doch er selbst möchte sich auf die Schweiz und den Al penraum konzentrieren. «Diese ganze Profittreiberei geht mir auf den Geist», sagt er, heute verdiene er viermal weniger als damals als Werber. Aber Frei heit, die habe er jetzt. Und die sei sowieso unbezahlbar. Zwischen durch einfach in den Untersee springen, Velo fahren, mit seiner Frau zusammen sein. Bei Hostettler machen alle alles
Andy Hostettler sagt von sich, er sei Werber, Hotelier und Erfinder – in dieser Reihenfolge. Nie im Leben würde er das Wort Unternehmer auf eine Visiten karte schreiben. Das machen nur Chefs grosser Firmen, sagt er. Er selbst habe einen sehr kleinen Betrieb. Frau, Kinder und Hotelangestellte packen vor Weihnachten jeweils tagelang Messer ein, die ehema lige Frühstücksdame ist nun für die Logistik zuständig. Das Unternehmen Hostettler macht eben, was gerade anfällt. Hostettler hat neben seinem Messerunternehmen eine Kommunikationsagentur, eine Holzmanufaktur, und er ver treibt einen digitalen Röhren verstärker. Vielleicht eröffnet er in ein paar Jahren ein Restaurant, das nur gutes Brot und Saucen serviert, sonst nichts. Wahr scheinlich würde sogar das funktionieren. MM
22 | MM13, 29.3.2016 | MENSCHEN
Agglomerationen
Geballte Ladung Schweiz Wussten Sie, dass rund drei Viertel der Schweizer Bevölkerung in Agglomerationen leben? Kein Wunder, konzentrieren sich doch fast 80 Prozent der Arbeitsplätze in den städtischen Ballungsräumen. Text: Tania Araman
Illustrationen: LargeNetwork
Weil am Rhein
Saint-Louis
Basel
Agglomerationen in Zahlen 2014
12 28 49 73 79
der Schweizer Agglomerationsgebiete sind grenzüberschreitend. In den im Ausland liegenden Teilen dieser Gebiete leben insgesamt 1,2 Millionen Einwohner.
Biel La Chaux-de-Fonds
Luzern
Neuenburg
Prozent oder fast ein Drittel beträgt der Flächenanteil der Agglomerationen an der Gesamtfläche der Schweiz.
Köniz
Bern
Freiburg Thun
Agglomerationen gibt es in der Schweiz. Sie umfassen 1099 der 2352 Schweizer
Lausanne
Gemeinden.
Prozent der Schweizer Bevölkerung leben in Agglomerationen. Dies entspricht rund 5,9 Millionen Menschen. Prozent der Schweizer Arbeitsplätze konzentrieren sich in den Agglomerationen.
Vernier
Sion
Annemasse
Genf
Die Schweizer Agglomerationen im internationalen Vergleich Klassierung der Agglomerationen nach Einwohnerzahl
Europa
London 14 000 000
Paris 12 000 000
Madrid 6 400 000
Zürich* 1 300 000
Martigny* 20 000
Weltweit
Tokio 37 800 000
Delhi 25 000 000
Schanghai 23 000 000
* Grösste und kleinste Agglomeration der Schweiz
MENSCHEN | MM13, 29.3.2016 | 23
Die fünf grössten Agglomerationen der Schweiz Bevölkerungsentwicklung
Schaffhausen
Zürich
Genf
Basel
Bern
Lausanne
1995 1 070 000 2014 1 300 000
1995 462 000 2014 570 000
1995 499 000 2014 537 000
1995 377 000 2014 407 000
1995 327 000 2014 403 000
Konstanz Bregenz
Winterthur
Zürich
St. Gallen
Uster
Chur Legende zur Karte
Agglomeration Grenzüber schreitende Agglomeration
Grösseres Stadtzentrum
Stadtzentrum
Grenzstadt 0
25
SKALA
Zürich – ein leistungsstarkes Ballungszentrum
Lugano
(*nur kantonales Gebiet) Varese
Zürich
Genf*
Basel*
Bern
Lausanne
1086,1
478,1
481,2
479
314,3
880 228
363 394
349 428
296 564
236 052
3,27
5,3
3,05
2,54
5,44
2119
846
808
653
658
Quellen: Bundesamt für Statistik (BFS), Eurostat, Vereinte Nationen (UNO)
Fläche in km2 (2009)
Anzahl Arbeitsplätze (2013)
Arbeitslosenquote in Prozent (2013)
Anzahl Haltestellen des öffentlichen Verkehrs (2013)
24 | MM13, 29.3.2016 | MENSCHEN
Körperbeherrschung auf schmalem Grat: Jugendweltmeisterin Sheyla Wipf vollführt einen Backwheel-Hop.
MENSCHEN | MM13, 29.3.2016 | 25
Die Jugendweltmeisterin
Auf dem Sprung nach ganz oben
Schweizer Trial-Stars zeigen, was sie können.
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Sheyla Wipf ist erst elf und schon Weltmeisterin im Trial. Über ihre Tricks auf dem Velo staunt selbst der schottische Star Danny MacAskill, der sein Können am Wochenende am Urban-Bike-Festival in Zürich zeigt. Text: Andrea Freiermuth
Bilder: Marco Zanoni
M
ittwochnachmittag in Vordemwald AG: Ein paar Kinder kurven mit ihren Velos auf dem Gemeindehausplatz herum. Beide Beine in den Pedalen, verharren sie an Ort und Stelle. Sie halten das Gleichgewicht, indem sie auf ihrem Velo stehend rumhüpfen – wie Boxer im Ring. Das Tänzeln auf zwei Rädern dient zur Vorbereitung auf den nächsten Sprung. Da eine Treppenstufe, dort ein Mäuerchen – selbst der Dorfbrunnen, eine Kaskade von Betonblöcken, wird nicht verschont. In der aargauischen Gemeinde regt sich niemand über den Missbrauch der Infrastruktur auf. Schliesslich hat man dank des Hobbys der Dorfjugend internationale Beachtung erhalten. Vordemwald ist die Heimat von zwei Weltmeisterinnen. Die jüngste heisst Sheyla Wipf und ist erst elf Jahre alt. Trial entstand in den 70er-Jahren
Sheyla lebt gemeinsam mit ihrer Familie auf einem ehemaligen Bauernhof. Mehrere Ponys, Katzen, Zwergziegen, Hasen und ein Hund lassen den Hof regelrecht als Tierpark erscheinen. In einem Zoo aufzuwachsen, davon träumen viele Mädchen. «Ich mag Tiere, aber Trial mag ich noch mehr», sagt die Primarschülerin und lacht. Sie liebe es, wenn sie die Angst vor einem schwierigen Sprung überwun-
Jahren entwickelt. Die Sportart wird auf Velos ohne Federung und ohne Sattel ausgeübt. Die Räder haben wahlweise 20 oder 26 Zoll Durchmesser. Die geringe Grösse macht die Räder robuster und tauglich für Sprünge aus waghalsiger Höhe. Beim Trial gilt es, das Velo in jeder Situa tion perfekt zu beherrschen. «Koordination, Konzentration und Kraft sind wichtig», erklärt Vater Karl Wipf (41). Aber auch Mut und Fantasie, um die Hindernisse richtig anzufahren, gehörten dazu. Den Vater mit dem Virus infiziert
2014 durften Sheyla und ihr Bruder Noel mit dem schottischen TrialStar Danny MacAskill trainieren.
den habe. Und natürlich mache es ihr Spass zu gewinnen. Sheyla ist seit der 1. Klasse in der Trialgruppe des örtlichen Radfahrervereins. Sie wollte denselben Sport ausüben wie ihr älterer Bruder Noel (12), der knapp ein Jahr früher als sie mit Trial begann. Eigentlich fährt Noel noch einen Tick besser, aber die Konkurrenz unter den Knaben ist grösser. Er hat im vergangenen Jahr ebenfalls an der Jugendweltmeisterschaft in Belgien teilgenommen, hat den Final aber knapp verpasst. Trial, englisch für Prüfung, hat sich in den frühen 70er-
Der Lokführer musste erst mal googeln, als sich sein Sohn vor sechs Jahren ein Trial Bike wünschte. Inzwischen wurde er von seinen Kindern vom Virus infiziert. Nach einem Versuch, der ihm eine unschöne Narbe am Schienbein beschert hat, steigt er nicht mehr selber aufs Bike, sondern dient dem Verein als Trainer und seinen Kindern als Begleitung zu den Sportanlässen. Wann immer Eltern sich für die Sportkarriere ihrer Kinder begeistern, regt sich der Verdacht, dass sie vielleicht überambitioniert sind. Beim Trial ist die Gefahr diesbezüglich gering. Die Sportart ist äusserst spielerisch, mit Drill lässt sich da nicht viel erreichen. Zudem ist Trial eine Randsportart, für die sich nicht viele Sponsoren interessieren. Viel Geld lässt sich damit also nicht
verdienen. Ausser man ist so gut darin wie Danny MacAskill (30), der beim Energy-Drink-Hersteller mit Stieremblem unter Vertrag steht. 2009 drehte der Schotte zusammen mit einem Kollegen ein Video, das ihn beim Fahren in den Strassen der schottischen Hauptstadt Edinburgh zeigt. Wobei er selten wirklich auf der Strasse zu sehen ist. Eher auf Dächern, Mauern, Geländern und in der Luft. Der Clip wurde inzwischen mehr als 37 Millionen Mal angeklickt. Mutter Isabelle Wipf (39) betont aber, dass das, was der Youtube-Star macht, etwas anderes sei: «Im Wettkampf absolvieren Trialisten einen Parcours mit künstlichen Hindernissen, unter Zeitdruck und den wachsamen Augen von Strafpunktrichtern. Es gibt Strafpunkte, wenn man sich mit einem Fuss oder einem anderen Körperteil abstützen muss, um im Gleichgewicht zu bleiben.» Danny hingegen könne sich für seine Stunts alle Zeit der Welt lassen und einen Sprung x-mal versuchen. Im Clip erscheine dieser dann durch den Videoschnitt wie aus einem Guss, auch die Sicherheitsvorkehrungen seien ausgeblendet. Und ganz wichtig: «Danny macht auch Saltos, was das Ganze gefährlicher macht.» In der Trial-Szene bewundert man den Schotten, ist sich aber auch einig, dass er im Wettkampf gegen Profis wie die beiden Schweizer Lucien Leiser oder
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MENSCHEN | MM13, 29.3.2016 | 27
Glossar
Roger Keller keine Chance hätte (siehe Porträts ab Seite 29). Trotzdem wird Familie Wipf nächsten Samstag nach Zürich pilgern, wo Danny MacAskill am Urban-Bike-Festival teilnimmt. Es ist nicht das erste Mal, dass die Wipfs den Schotten live sehen: 2014 trat er am «Velofrühling» in Baden AG auf. Sheyla und ihr Bruder durften damals mit ihm trainieren. Ihr Vorbild ist Trainerin Karin
Für Sheyla Wipf war die Begegnung mit dem Star ein tolles Erlebnis. Geht es um Vorbilder, orientiert sie sich aber lieber an ihrer Trainerin Karin Moor (29), dem zweiten Crack im Dorf. Die Vordemwaldnerin hat nach ihrem neunten Weltmeistertitel im Jahr 2011 ihren Rücktritt bekannt gegeben. Sie engagiert
Trial: Gehupft wie gesprungen
Treiben sich gegenseitig zu Bestleistungen an: Noel Wipf (links) ist zwar technisch besser, aber Sheyla holte sich den WM-Titel vor ihrem älteren Bruder.
sich heute für die Ausbildung des Nachwuchses. Sheyla ist auf dem besten Weg, in die Radspur ihres Vorbilds zu fahren. Wenn man das Video (siehe Migrosmagazin.ch) sieht, das Mutter Wipf an der Jugendweltmeisterschaft auf-
genommen hat, staunt man, wie unglaublich fokussiert dieses junge Mädchen den Parcours absolviert. Wie zielsicher und ruhig sie aufs Podest fährt – und es trotzdem bis kurz vor der Siegerehrung kaum glauben kann, dass sie gewonnen hat. MM
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Backwheel Hop: Hüpfen auf dem Hinterrad. Diese Technik setzen die Fahrer ein, wenn zu wenig Platz vorhanden ist, um mit beiden Rädern gleichzeitig auf einem Hindernis zu stehen, oder wenn grosse Sprünge von Hindernis zu Hindernis gefragt sind. Pedal Kick: Sprünge nach vorne vom Hinterrad aus. Mit ihnen lassen sich ohne Anlauf Lücken von zwei Metern und mehr überspringen. Auch ziemlich hohe Stufen können mit einem Pedal Kick überwunden werden.
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Der Vizeweltmeister
Trial als Lebensschule
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Lucien Leiser (21) ist durch seinen Vater zum Trial gekommen. Allerdings hat der seinem Sohn damals, vor 14 Jahren, bloss ein Trial-Bike gekauft, weil dieser als siebenjähriger Knirps noch nicht Motorrad fahren durfte. Vater Leiser übte den Sport ausschliesslich in der motorisierten Form aus. Lucien jedoch kam vom Fahrrad nicht mehr los: «Mit dem Velo kannst du dich viel freier bewegen. Mit dem Töff auf irgendeinem Platz in der Stadt über Geländer und Bänke springen? Undenkbar!» Der Jurassier ist dreifacher Schweizer Meister und amtierender Vizeweltmeister. Er wohnt noch bei seinen Eltern in Courroux JU und hat eben die
Rekrutenschule absolviert. Gerne hätte er eine der 18 Stellen als Zeitsoldat ergattert, mit denen die Schweizer Armee den Spitzensport subventioniert. Aber als Trialist hatte er keine Chance, in die Auswahl zu kommen.
Der Vater fuhr Motorrad-Trials, der Sohn zieht die motorlose Form vor: Lucien Leiser unterwegs zum dritten SchweizerMeister-Titel im vergangenen Jahr in Stäfa ZH.
Der gelernte Mechatroniker findet es schade, dass sein Sport nicht mehr gefördert wird: «Trial ist eine Lebensschule. Man steckt die Messlatte ständig höher und darf gleichzeitig nicht zu weit gehen.» Fähigkeiten und Risiko müssten immer gegeneinander abgewogen werden. Ihm selber ist das bisher stets gelungen. Bis auf einen verstauchten Knöchel ist er unverletzt geblieben.
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MENSCHEN | MM13, 29.3.2016 | 31
Der Veteran
Showbiker und Trainer Roger Kellers Geschichte liest sich ganz ähnlich wie diejenige von Lucien Leiser. Denn auch sein Vater war ein begeisterter Motorrad-Trial-Fahrer und setzte ihn darum im Alter von zehn Jahren aufs Velo. Und wie Lucien zog er schliesslich das Fahrrad dem Motorrad vor – und das, obwohl er sich für eine Lehre als Motorradmechaniker entschlossen hatte. Heute ist der Zürcher 36 Jahre alt, arbeitet als Key Account Manager bei einem Hersteller von Reinigungsgeräten und blickt auf eine erfolgreiche Sportlerkarriere zurück. Er wurde Vizejugendweltmeister und ist achtfacher Schweizer Meister. Seit seinem Rücktritt vom Spitzensport engagiert sich Keller als Trainer im Velo Trial Club Zürich und tourt mit zwei Kollegen als Showfahrer. Die drei
Roger Keller in Aktion, hier in Giverola, Spanien.
lassen sich mit ihrer Bikeshow.ch für Firmenevents, Sportanlässe oder Hochzeiten buchen. Den bisher grössten Auftritt hatte das Team an der Rock’in Fashion Milano vor mehreren Millionen Fernsehzuschauern. Im Vergleich zu Danny Mac Askill ist Roger Keller weniger «rotationsfreudig». Er macht keine Flips und Saltos, dafür baut er in seine Show mehr Witz ein und scheut sich auch nicht vor Einlagen mit Synchrontanz. Für Keller ist Trial auch eine Art Meditation: «Man konzentriert sich so stark auf sich selbst und auf die Kontrolle des Bikes, dass man vollständig in sich geht und alles andere rundherum vergisst.» Darum sei der Sport ein so gutes Training für hyperaktive Kinder mit Konzentrationsschwierigkeiten. MM
Urban-Bike-Festival
Velo-Expo mit Gaststar Danny MacAskill Die Schweiz hat ein neues Velo-Festival:
Im Schiffbau Zürich und auf dem nahen Turbinenplatz findet vom 1. bis 3. April zum ersten Mal das UrbanBike-Festival statt.
Zeigt mit Kollegen eine waghalsige Show am Urban Bike Festival: Trial-Crack MacAskill.
Im Zentrum stehen das Velofahren in der Stadt und der dazu
passende Lifestyle. Insgesamt stellen rund 50 Velo- und Zubehöranbieter ihre Produkte aus, wobei auch Probefahrten möglich sind.
Bilder: zVg, Fred Murray / Red Bull Content Pool
Das Rahmenprogramm lockt mit zahlreichen Wettkämpfen und Shows.
Als Stargast tritt der Schotte Danny MacAskill auf. Zusammen mit seinen Kollegen Duncan Shaw, Ali C und Fabio Wibmer wird er am Samstag und Sonntag jeweils zwei Shows zeigen. Anschliessend geben sie Autogramme.
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MENSCHEN | MM13, 29.3.2016 | 35
Zwei Frauen – ein Schicksal
«Fast blind, aber nicht behindert»
Sie sehen nur noch wenig und wissen, dass sie eines Tages ganz erblinden werden. Dennoch geniessen Nicole Pfister und Anja Reichenbach ein farbiges Leben mit Reisen, Snowboarden, Gleitschirmfliegen, Arbeit und Studium. Text: Claudia Weiss
F
lott biegen Nicole Pfister (23) und Anja Reichenbach (27) um die Ecke: Zwei junge Frauen, hübsch, fröhlich, ganz normal. Auffallend sind nur der schokoladenbraune Labrador im Führgeschirr an der Seite von Anja Reichenbach und der Blindenstock in Nicole Pfisters Hand. Die beiden Frauen sehen nur noch einen sche menhaften kleinen Ausschnitt, wie durch eine Röhre. Sie haben dieselbe seltene Augenkrankheit, Retinitis pigmentosa, die sie schon seit ihrer Geburt immer weniger sehen lässt. Eines Tages werden auch die Schat tenumrisse ganz verschwinden. Wenn die Gesellschaft behindert
Trotz erheblich eingeschränkter Sehfähigkeit voller Lebensfreude: Anja Reichenbach (links mit Labrador Taro) und Nicole Pfister.
Doch das ist für beide kein Grund, sich vom aktiven Leben abhalten zu lassen. Nicole Pfister studiert Psychologie, Anja Reichenbach arbeitet als Projektleiterin. Beide sind sportlich, reisefreudig, gehen gern aus und sind am liebsten mit Freunden unterwegs. «Wir sind fast blind, aber nicht behindert», sagt die eine, und die andere ergänzt: «Unsere grösste Behinderung ist die Gesellschaft.» Zielstrebig gehen sie zum Hinter eingang des ehemaligen Länggass stübli in Bern, das gerade umgebaut wird. Sicher führt der fünfjährige Rüde Taro durch das Durcheinander, Reichenbach hält sich am Führ geschirr fest, Pfister an ihrem Ellbo gen. Im Speisesaal nehmen sie Platz. Hier werden sie künftig öfter an zutreffen sein: Anja Reichenbach begleitet als Projektleiterin für Blindspot.ch den Umbau des Lokals
Bild: Beat Schweizer
in ein Begegnungs und Wohnzent rum für junge Menschen mit und ohne Behinderung. «Oben können vorerst Studentinnen und Studenten wohnen, nach dem Grossumbau wird es auch für junge Menschen mit Be hinderung zugänglich sein», erklärt sie. «Unten werden wir ein Restau rant einrichten, in dem Menschen mit und ohne Behinderung zusam menarbeiten.» Im Frühjahr soll es eröffnet werden. Nicole Pfister schmunzelt: «Da werde ich mal auf einen Kaffee vorbeikommen, die Uni ist ganz nah.» Kennengelernt haben sich die beiden durch das Projekt «Sensa bility», in dem Menschen mit Behin derung jenen ohne Behinderung zeigen, wie sich das anfühlt. «Wie kochst du?», werden sie von Schul kindern oft gefragt, oder: «Wie kannst du putzen?» Anja Reichenbach ant wortet dann locker: «Genau wie du.» Aber sie braucht eine andere Taktik, weil sie die Pfanne nicht sieht oder den Schmutz. «Vielleicht wische ich mal eine Zimmerecke nicht so gut. Dafür ist das Badezimmer bei mir viel sauberer als bei meinem Freund, weil ich mich nicht wie er auf die Augen verlasse, sondern mit der flachen Hand fühle, ob alles glatt und sauber ist.» Die Unsicherheit im Umgang
Genau genommen ist er nicht mehr ihr Freund, die beiden haben sich kürzlich nach drei Jahren getrennt. «Ein neuer Mann kommt bestimmt», ist Anja Reichenbach überzeugt. Im Alter zwischen 17 und 23 Jahren sei das Thema Männer besonders
schwierig, sagt sie, «weil da das Aus sehen und Coolness das Wichtigste sind». Nicole Pfister nickt mit einem wissenden Lächeln, das kennt sie gut. «Ich hatte zwei Freunde, aber die hatten auch eine Sehbehinde rung», sagt sie. «Andere Männer wissen oft nicht, wie sie mit mir umgehen sollen, und sind unsicher.» Sogar ihre Studienkolleginnen wuss ten anfangs nicht so recht, wie sie sich verhalten sollten. «Sie merkten erst nach und nach, dass ich ganz normal mitgehen kann.» Die beiden Frauen sind unter schiedlich aufgewachsen. Anja Rei chenbach besuchte die Regelschule im Dorf und rannte tagein, tagaus ihrem älteren Bruder und den Nach barskindern nach. «Ich war ständig von blauen Flecken übersät», erzählt sie. «Einmal verdächtigte der Kinderarzt meine Eltern sogar der Misshandlung, bis sie ihm glaubhaft machen konnten, dass ich aufgrund meiner Sehbehin derung überall hineinrannte oder umfiel.» Sie lacht. Die blauen Flecken seien ihr egal gewesen. Hauptsache, sie konnte dabei sein. «Ganz normal mitmachen», lautet ihr Motto. Lange sagte sie nicht «ich bin sehbehindert», sondern «ich sehe nicht so gut». Die klassischen Hilfsmittel wie das MailVorleseprogramm lässt sie so weit wie möglich beiseite, sie liest ihre Mails lieber selber – in Riesen schrift. Und wenn sie in einer Gruppe ausgeht, lässt sie ihren Hund oft zu Hause. Auch Nicole Pfister klappt im Ausgang oft den Stock zusammen und hängt sich bei einer Freundin ein. Vorleseprogramm und andere
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Hilfsmitteln machen ihr weniger aus. Sie besuchte den Kindergarten an der Blindenschule Zollikofen und liebte die Schulfächer «Brailleschrift» und «Haptisches Training», in denen sie Tricks für Putzen, Kochen und andere nützliche Alltagsdinge lernte. Routiniert tastet Nicole Pfister nach der Teetasse. Nachdem sie den Kuchen aufgegessen hat, liegen kaum Krümel auf dem Teller: Mit einer diskreten Fingerbewegung hat sie die Kuchenstücke auf die Gabel bugsiert. So unterschiedlich die beiden sind – Reichenbach energisch und anpackend, Pfister freundlich und ruhig –, Geschwindigkeit mögen beide. Anja Reichenbach saust gern mit dem Tandem-Mountainbike durch die Gegend. Oder sie flitzt mit ihrem Snowboard hangabwärts, während ein speziell ausgebildeter Guide sie leicht an der Hand hält und ihr ankündigt, wenn eine Kurve kommt. Das sieht schwungvoller aus als bei vielen Sehenden. Nicole Pfister wiederum fuhr in Thailand begeistert auf dem Soziussitz mit, wenn ihr Gastvater mit dem Motorrad
unterwegs war. Und ab und zu gönnt sie sich einen Tandemflug mit dem Gleitschirm. Krisen und Wünsche
Schwierig sind vor allem Momente, wenn die Krankheit einen Schub macht. «Das ist immer wieder ein Abschied», sagt Anja Reichenbach. Einige haben ihr erzählt, wenn es eines Tages mit dem Sehen vorbei sei, werde es einfacher. Darauf hofft sie. Nicole Pfister hingegen kann sich das nicht vorstellen. «Ich koste so lange wie möglich aus, dass ich noch irgendetwas erkennen kann.» Beide haben klare Wünsche für ihr Leben. Anja Reichenbach: «Einmal auf jeden Kontinent reisen, solange ich noch etwas sehen kann.» Afrika und Südamerika fehlen noch, in Malaysia hat sie die Farben des Sonnenuntergangs über dem Meer ganz bewusst in sich aufgenommen. Der zweite Wunsch: «Mein Kind einmal sehen, wenn auch nur als Baby.» Nicole Pfister träumt von einer grossen Weltreise, irgendwann möchte sie in Thailand eine Schule zur beruflichen Integration
von blinden und sehbehinderten Menschen gründen. Vorher wird sie voraussichtlich eine Weiterbildung als Erziehungsberaterin machen. Ein Kompromiss, denn eigentlich wäre sie gern Ärztin geworden. «Der Traum zerplatzte an den Vorschriften zum Numerus clausus», sagt sie mit etwas Bitterkeit: «Dazu sind keine Hilfsmittel zugelassen, auch keine Lesehilfen. Alle Verantwortlichen bedauerten, mir nicht helfen zu können.» Bisher war das ihr einziges unüberwindbares Hindernis. Ansonsten mag sie eigentlich nicht immer über ihre Behinderung reden: Wenn man zu sehr darauf fokussiere, vergrössere das die Distanz zwischen ihnen und den anderen. Die beiden stehen auf, tasten nach ihren Jacken und Taschen, sie müssen weiter. Nicole Pfister hat ein Psychologiebuch vor sich und Anja Reichenbach mit dem grossen Umbauprojekt viel zu tun. Sie verabschieden sich und spazieren davon. Nur Führhund Taro und der weisse Stock fallen auf. Die beiden lebenslustigen jungen Frauen lassen sich nicht behindern. MM
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Ihr Reiseprogramm: La Traviata (Giuseppe Verdi)
Die tragische Liebesgeschichte der schönen, schwindsüchtigen «Kameliendame» rührt seit 150 Jahren die Herzen. Ein absolutes Meisterwerk Verdis, das mit seinen wunderschönen Melodien, bezaubernden Arien und überwältigende Chorpassagen zu den schönsten Opern der Welt zählt.
Carmen (Georges Bizet) Carmen , die emanzipierte Zigeunerin, liebt ihre Freiheit – einen Mann liebt sie so lange, bis der nächste kommt. Bizets atmosphärisch dichte Musik und strahlend-farbige Orchestrierung haben„Carmen“ zu einer der meistgespielten Opern der Welt gemacht.
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1. Tag, Donnerstag – Mailand & Anreise Fahrt im komfortablen Extrabus nach Mailand, der ersten Etappe unserer 3-Städtereise. Hier bleibt Ihnen genügend Zeit, die italienische Wirtschaftsmetropole mit allen Sinnen zu erleben. Geniessen Sie ein feines Mittagessen in einem der vielen feinen Restaurants, besuchen Sie den berühmten Dom oder flanieren Sie durch das elegante Modeviertel mit seinen unzähligen Einkaufsmöglichkeiten. Am späten Nachmittag Weiterfahrt in die Gegend von Vicenza, wo uns der Hotelier bereits mit einem feinen Nachtessen erwartet. 2. Tag, Freitag – Venedig Nach dem Frühstück fahren wir durch schöne Landschaften zum Bootsanlegerplatz Tronchetto, von wo uns eine herrliche Bootsfahrt direkt ins Herzen der Stadt Venedig bringt. Kaum von Bord stehen wir schon auf der berühmtesten Piazza der Welt, dem Markusplatz. Bei einer tollen Stadtführung werden uns dann gleich anschliessend die Höhepunkte der auf 118 kleinen Inseln erbauten und von 100 Kanälen durchzogenen Stadt der Superlative gezeigt. Der Nachmittag steht Ihnen dann zur freien Verfügung. Zeit zum Staunen, Geniessen und Einkaufen. Am frühen Abend
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Rückfahrt per Boot und Bus ins Hotel, wo wir mit einem feinen Nachtessen erwartet werden. 3. Tag, Samstag - Freizeit, Verona & Oper Den heutigen Tag gehen wir gemütlich an. Schlafen Sie etwas länger oder erkunden Sie die wunderschöne Stadt Vicenza auf eigene Faust. Am Mittag fahren wir nach Verona – die Stadt von Romeo und Julia erwartet uns mit seiner vollen Pracht. Die weiten Plätze der Altstadt, die prachtvollen Renaissance-Paläste, die romanischen und gotischen Kirchen sowie natürlich die Arena di Verona, das fantastische römische Amphitheater aus dem 1. Jahrhundert, werden Sie begeistern. Hier auf der schönsten Freiluftbühne der Welt erwartet uns am Abend das fantastische Opernspektakel (Carmen oder La Traviata). Freuen Sie sich auf ein unvergessliches Erlebnis. 4. Tag, Sonntag – Heimreise Nach dem Frühstück treten wir mit vielen unvergesslichen Eindrücken die Heimreise in Richtung Schweiz an!
✓ 3 Übernachtungen in der gewählten Hotelkategorie ✓ 3 x ausgiebiges Frühstücksbuffet ✓ 2 x feines 3-Gang-Abendessen im Hotel ✓ Herrliche Bootsfahrt Tronchetto/ Markusplatz & retour ✓ Interessante Stadtführung in Venedig ✓ Ausflug nach Verona ✓ Ausflug nach Mailand ✓ Eintritt für die Oper Ihrer Wahl in der Arena di Verona (cat. D/E) ✓ Eigene Schweizer Reiseleitung während der ganzen Reise
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MENSCHEN | MM13, 29.3.2016 | 39
M Bänz Friedli
Obacht, der Frühling!
Mit dem Frühling kommen die Velofahrer (die -innen sind jeweils mitgemeint, wenn auch in allen Kategorien in abgeschwächter Form). Da sind, zum Ersten, die Selbst gerechten, die sich alles erlauben. Weil sie sich ja umweltfreundlich fortbewegen, fräsen sie getreu der Losung «Ich rette den Plane ten, ich darf alles!» über Trottoirs, brettern sie durch Unterführungen, missachten sie Rotlichter, ignorieren sie Fahrverbote und zwingen Trams zur Notbremsung, weil sie ihnen den Weg abschneiden. Bei uns in der Stadt sind AnarchoPedaleure, die sich an keine Regel halten, die Regel. Bremsvorrich tungen? Waren gestern. Licht? Ist für Bünzli! Meist haben solche Velofahrer ein dickes Bügel oder Kettenschloss um Hals und Schulter geschlungen, mit Vorliebe fahren sie Fixies – Räder mit nur einem Gang und schmalem Lenker –, alte Rennvelos und Dreigänger verblichener Marken wie Eiger.
Bänz Friedli (50) fährt Rad.
Zweitens gibt es die Körblitypen. Das ist dann eher die Gemüsefraktion: gemächli cher unterwegs, aber nicht minder gefährlich. Im Korb auf dem Gepäckträger transpor tieren sie zwölf Rollen RecyclingToiletten papier und ein NeunLiterGebinde Mineral wasser; am Lenker hängt links und rechts je ein Papiersack voller Einkäufe, oben ragen Lauchstängel heraus. Ob all der Last schwan ken diese Velofahrer. Sie steuern ja auch nur
einhändig, denn in der Linken halten sie einen Weidenzweig, mit dem sie dann beim Zeichengeben derart fuchteln, dass es aussieht, als vollführten sie ein keltisches Frühjahrsritual. Aber im Gegensatz zur ersten Kategorie geben die Körbliradler wenigstens Zeichen, bevor sie abbiegen …
Zum Dritten müssen wir tapfer sein und über die Atomvelos reden. (So heissen bei uns familienintern die Gefährte, deren Ener gie aus der Steckdose stammt.) Mittels dieser Elektrobikes nehmen vor allem ältere Men schen am Verkehr teil, die zuvor jahrelang nicht Rad gefahren sind. Entsprechend wack lig tun sie es, dafür dreimal so schnell als sei nerzeit. Bei schönem Wetter kurven sie in Ru deln auf Radwegen rund um hiesige Gewässer und kommen, «Obacht!» rufend, so rasant angedonnert, dass der Wanderer sich nur mit einem Satz ins Unterholz retten kann. Stram pelt man selber keuchend eine Anhöhe hinauf, grinsen sie beim Überholen noch hämisch.
Viertens: die Korrekten. Ähm … Gibts die? Dann wären sie mir nicht aufgefallen. Mich dürfen Sie sich übrigens als eine Mischung aus den Typen eins und zwei vorstellen. Fahre ich jedoch ausnahmsweise Auto, zeige ich den Velofahrenden öppedie auch, was ich als Rad fahrer gern den Autofahrern zeige: den Vogel. Passt zum Frühling. MM
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40 | MM13, 29.3.2016 | MENSCHEN
Putzen, bügeln, schweigen – ihre Herrin quält und demütigt Lina Zingg mehr als 50 Jahre lang.
MENSCHEN | MM13, 29.3.2016 | 41
Lina Zingg
Die Leibeigene
Unter den Augen der Vormundschaftsbehörde wird Lina Zingg über Jahrzehnte von ihrer Pflegemutter als Dienstmädchen gehalten, missbraucht und ausgenutzt. Bei ihrer Befreiung im Jahr 2011 ist sie 71 Jahre alt. Text: Karin Aeschlimann
D
ie Farbstiftzeichnungen über dem Sofa sind unübersehbar und erfül len die niedrige Stube im Rhein taler Bauernhaus von Emma und Werner Zingg mit leuchtenden Farben. Wer die Geschichte der Familie nicht kennt, könnte denken, ein Enkelkind des betagten Ehepaars habe all die Blumen und den Vogel gemalt, der vor einem offenen Käfig sitzt. Doch die Zeichnungen stammen nicht von einem Kind, sondern von Werners Schwester Lina, die in den nächsten Tagen ihren 76. Geburtstag feiert. Sie markieren die Wende zum Guten in einer äusserst tragischen Lebensgeschichte: Lina wurde mehr als 50 Jahre lang wie eine Leibeigene gehalten, missbraucht und misshandelt. Die Vormundschaftsbehörde erkannte Linas Martyrium nicht. Und schlug alle Warnun gen von Emma und Werner in den Wind. Lina, ihr Bruder Werner und zwei weitere Buben werden in eine mausarme Rheintaler Bauernfamilie hineingeboren. Als Lina sieben Jahre alt ist, stirbt die Mutter. Das Mädchen geht weiter zur Schule, daneben muss es den Haushalt schmeissen, später auch in der Fabrik arbeiten. Ein hartes Leben. Der Vater spricht nicht viel, Lina ist auf sich gestellt. Zeichnen tut sie schon damals gern, «mit Bleistift – wenn es mal Papier gab», erinnert sich ihr Bruder. Mit 17 erleidet die überforderte Lina einen Zusammenbruch und landet in der Psychiatrischen Klinik Wil SG. Nun begin nen die Mühlen zu mahlen. Ein einziger IQ Test, nach der Einlieferung durchgeführt und nie verifiziert, drückt ihr für immer den Stempel «debil» auf, und das Etikett «schizophren» gibt es gleich noch dazu, ob wohl Lina weder Stimmen hört noch Wahn
Illustrationen: Tina Berning/2agenten
vorstellungen hat. Schlimmer noch: Alle – vom Psychiater über den Gynäkologen bis zum Dorfpfarrer – sind sich einig, was mit dieser rotwangigen Bauerstochter nach ihrer Erholung, natürlich nur zu ihrem eigenen Schutz, am besten geschehen soll: Sie soll ihr Auskommen als Dienstmädchen an einem guten Plätzchen finden. Denn nach den Normen der damaligen Zeit, 1958, ist sie eine potenziell lasterhafte junge Frau, wurde sie doch im Bett eines Burschen «aufgefunden». Vergewaltigt, geschlagen, ungeliebt
Wie der Vater von der Behörde dazu gebracht wird, auf die elterliche Gewalt zu verzichten, damit Lina bevormundet werden kann, ist eine Geschichte für sich. Tatsache ist: Als Lina volljährig wird und die Vormundschaft eigentlich erlöschen sollte, geht dies in den Akten unter. Sie bleibt entmündigt als Mädchen für alles bei ihrer von der Vor mundschaft vermittelten Herrin. Diese, eine selbst ernannte Frau Doktor und Psychologin, isoliert sie geschickt von der Aussenwelt, täuscht die Behörden konse quent und raffiniert. Lina lebt in Angst, lässt sich manipulieren. Ihre Dienstherrin bläut ihr ein, dass sie nichts ist und nichts kann, dass ihr Bruder Werner sie nur ausnützen will. Die Drohung «wenn du nicht parierst, musst du zurück nach Wil» hilft immer. Wil, die Psychiatrie, ist Linas grosse Furcht. Sie nennt die Klinik «die grauen Wände». Lieber nimmt sie alles andere in Kauf. Als Bruder Werner und Schwägerin Emma 1975 einen Überraschungsbesuch bei Lina in Zürich wagen, obwohl sie längst Hausverbot haben, ist die Herrschaft nicht da. Lina sagt, sie dürfe niemandem öffnen.
Lässt sich dann aber überreden. Emma verwirft heute noch die Hände, wenn sie zurückdenkt: «Das Haus war eine Villa. Aber Lina war angezogen wie aus der Brockenstube. Sie zeigte uns ihre Kleider. Zehn Zentimeter an einer Stange: zwei Pärli Hosen, zwei Blusen, fertig.» Noch heute nagt an Emma, dass sie ihre Schwägerin nicht einfach mitgenommen hat: «Sie hat mich so ‹verbarmet›. Aber wir dachten, wir dürfen das nicht.» Und Lina hat Angst, würde sich nie trauen, das Haus ohne Erlaubnis und für etwas anderes als zum Einkaufen zu verlassen. 1975. Da arbeitet sie bereits seit 17 Jahren als Dienstmädchen bei ihrer Herrin und deren Mann, fast ohne Lohn und ohne Ferien. Was niemandem auffällt, ausser Emma und Werner. Aus Sicht der Vormund schaft ist weiterhin alles bestens. Mit der zweiten Ehe von «Frau Doktor» verschlimmert sich die Situation weiter, denn dieser neue Mann hat einen extremen Hygienefimmel, und er fühlt sich von Lina abgestossen. Während der erste Gatte sie regelmässig vergewaltigte, verlangt der zweite, dass Lina sich möglichst unsichtbar macht. Dabei aber ihre Arbeit perfekt er ledigt. Die Herrin bestimmt nun, dass Lina nur mit Ja oder Nein antworten darf, ansonsten bekommt sie ein Pflaster über den Mund geklebt. Für die Glätte der gebügelten Hemden, es sind täglich drei Stück, gibt es Punkte. Hat Lina zu wenige davon, setzt es Schläge. «Egal, wohin, mit dem Stock, wies grad gekommen ist», sagt Lina später. Manchmal wird sie auch zur Strafe in den Kleidern kalt abgeduscht. Und manchmal gibt man ihr Farbstifte. Aber sie darf nur fertige Mandalas ausmalen, freies
42 | MM13, 29.3.2016 | MENSCHEN
Die damalige Vormundschafts behörde schaute weg. Die heutige Kesb lieferte eine schriftliche Entschuldigung.
Zeichnen ist verboten. Parallel zu die ser zusätzlichen Verschärfung laufen weitere Versuche von Linas Schwäge rin und ihrem Bruder, die Vormund schaftsbehörde darauf hinzuweisen, dass etwas nicht stimmt. Dass sie die Schwester nicht sehen dürfen, dass diese bei den wenigen Telefongesprä chen wie ferngesteuert wirkt. Doch die Behörden sind weder willens noch fähig, sich mit dem Vorzeigefall zu beschäftigen. Niemand setzt sich wirklich mit der Situation auseinan der. Die Blindheit der Gutachter führt dazu, dass jeder vom andern abschreibt: Linas Herrin hat aus dem Hausmädchen inzwischen einen Pflegefall gemacht. Über die Jahre kas siert sie so mehr als 500 000 Franken Betreuungsgeld und viele dankende Worte der Amtsvormundschaft. Indes: Je älter Lina, ihre Herrin und deren zweiter Mann werden, desto gefährlicher wird die Situation. Lina, die Süsses liebt, bekommt vor wiegend Tomaten und Brot zu essen, angeblich hat sie Diabetes. Sie ist brandmager und schwach. Emma und Werner versuchen jedes Jahr, ihr zum Geburtstag zu gratulieren, und jedes Jahr kommt ihre Karte zurück. «Wenn das so weitergegangen wäre, gäbe es jetzt keine Lina mehr», sagt Lina einmal nach ihrer Befreiung. Diese wird von unerwarteter Seite initiiert: Zwei Töchter der Herrin sind es, die eine Gefährdungsmeldung an die Zürcher Vormundschafts behörde machen. Jahrelang haben sie den Kontakt zur Mutter gemieden.
Als sie nun Lina, ihr Kindermädchen aus längst vergangener Zeit, wieder sehen, sind sie schockiert, und es gelingt ihnen, die Behörden endlich wachzurütteln. Glück? Eine Abwaschmaschine
Bei ihrer amtlich bewilligten «Entfüh rung» im Jahr 2011 ist Lina 71 Jahre alt. Sie wird in einem betreuten Wohnheim untergebracht, in dem es ihr gefällt. Erstaunlich schnell erholt sie sich, findet wieder Freude am Malen und Genuss beim Essen. Doch etwas in ihr ist für immer zerbrochen. Sie hat ihre ganz eigene Art sprung hafter Kommunikation. Und wenn sie nicht im Haushalt arbeiten kann, fühlt sie sich schnell einmal wertlos und unruhig. Manchmal gehen über raschend Türen auf, und sie erinnert sich mit grosser Klarheit an Situa tionen. Anderes hat sie so tief in sich verschlossen, dass es wohl für immer begraben ist. «Wann warst du am glücklichsten in deinem Leben, Lina?», fragt sie nach der Befreiung eine Betreuerin. «Ich glaube, als die Abwaschmaschine gekommen ist», antwortet sie. Emma und Werner machen sich noch immer Vorwürfe, dass sie Lina nicht früher helfen konnten. Balsam für ihre Seelen ist eine schriftliche Entschuldigung der Kindes und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb), wie die Vormundschaftsbehörde seit Jahresbeginn 2013 heisst. Im roten LinaOrdner, in dem Emma jahr zehntelang alle Notizen, Briefe und
Postkarten abgeheftet hat, liegt der Entschuldigungsbrief zuoberst. Als das ganze Ausmass der Miss handlungen und des Betrugs klar wurde, überlegte sich die Kesb, Straf klage gegen die Täterin einzureichen. Diese Bemühungen verliefen jedoch im Sand; auch deshalb, weil man der traumatisierten Lina einen Prozess ersparen wollte. Stattdessen hat man sich für eine pragmatische Lösung eingesetzt: Lina darf bis an ihr Lebensende und ohne finanzielle Sorgen in ihrem geliebten Wohnheim bleiben. Die Täterin wie auch ihr erster Gatte sind inzwischen gestor ben. Der zweite Ehemann lebt noch, er war jedoch vielmehr Mitläufer als Täter. MM Aus Gründen des Daten- und Persönlichkeitsschutzes sind alle Personen- und Ortsnamen (ausser Zürich und Wil) anonymisiert.
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Tragisches Schicksal Lina Zinggs unglaubliche Lebensgeschichte wurde von der Autorin und Journalistin Lisbeth Herger in aufwendiger Recherche- und Quellenarbeit rekonstruiert und in einen soziokulturellen Zusammenhang gestellt. Lisbeth Herger: Unter Vormundschaft. Das gestohlene Leben der Lina Zingg, Verlag Hier und Jetzt, 240 Seiten, ExLibris, 32 Franken.
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Leserforum MM12: Manuel Dubach Der Pfarrer mit den Tablarkühen
«Ethisch bedenklicher als ein gedankenloser Fleischesser» Der Burgdorfer Pfarrer ist ethisch bedenklicher als ein gedankenloser, undifferenzierter Fleischesser: Weil er intellektuell fähig ist, das Unrecht zu erkennen, dieses Unrecht aber doch tut. Weil er kalt und pietätlos nüchtern seine erste Schlachtung schildert. Und weil er als einzige Begründung für sein Unrecht auszusagen weiss, dass halt Fleisch «verdammt fein» sei.
MM11: Knigge reloaded
Was sollte man nie auf sozialen Netzwerken posten?
«Ich poste auch weiterhin, was ich will»
Renato Werndli, Eichberg SG
MM12: Alleinerziehende Der ewige Krampf um Geld und Zeit
Bild: Beat Schweizer; Illustration: Andreas Klammt
«Armutszeugnis für die Schweiz» Ich bin alleinerziehend und kann mich mit einigen der geschilderten Herausforderungen gut identifizieren. Aufgefallen ist mir der in der Spalte «Brennpunkte» erwähnte Satz: «Wo es am meisten klemmt. Für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf müssten die Krippen die Öffnungs zeiten anpassen.» Wie bitte? Ist das alles? Krippen bieten in der Regel Blockzeiten und eine verlässliche Betreu ung. Ungleich grösser sind die Herausforderungen im Schulalter, wenn Allein erziehende mit fehlen den Blockzeiten, langen Mittagspausen, unter schiedlichen Schulan fangszeiten oder Lehrer fortbildungen an Schul tagen konfrontiert wer
den. Gemäss der aktuellen EconomistRangliste «Die besten und schlech testen Orte für arbeitende Mütter» liegt die Schweiz diesbezüglich weit unter dem OECDDurchschnitt nach Ländern wie Polen, der Slowakei, Israel, Italien und Griechenland. Diese Platzierung stellt der Schweiz in Bezug auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein Armutszeugnis aus. Mit den Öffnungszeiten von Krippen hat sie allerdings – leider – wenig zu tun. Nina Prochazka, Biel Für mich ist der Bericht zu einseitig. Mich hätte auch die Sicht eines allein erziehenden Vaters inter essiert. Zudem berichten Sie von zwei Frauen, die seit Geburt des Kindes alleine sind, dessen Väter sich wenig bis gar nicht um das Kind kümmern und auch keine Alimente bezahlen können oder wollen. Meiner Meinung nach ergibt sich daraus ein Bild von uninteres
sierten Vätern, die kein Verantwortungsbewusst sein für ihr Kind und schon gar nicht für die ExPartnerin haben. Jedoch stellt sich mir die Frage, weshalb es so weit gekommen ist. Ein Kind ist schnell gemacht, aber Verantwortung für ein Leben lang dafür zu über nehmen, ist definitiv auf wendiger wie ein kurzer Flirt und eine flotte Nacht. Das unterstelle ich den beiden Frauen im Bericht natürlich nicht. Ich meine das im Allgemeinen. Es braucht immer zwei, um ein Kind zu zeugen, und es braucht immer zwei, um sich zu trennen. In meinen Augen braucht es verschiedene Faktoren, die die Kinder erziehung und betreuung erleichtern können. Es ist nicht nur Glück, dass viele dieser Faktoren bei meiner Tochter und mir erfüllt sind; es ist auch Verantwortungsgefühl und das Bewusstsein, dass man auch nach einer Trennung Eltern des
gemeinsamen Kindes bleibt. Angela Graf, Winterthur Ich beziehe mich auf das Budgetbeispiel der Infografik. Zu meinem Erstaunen ersehe ich daraus, dass Alleinerzie hende keine Steuern bezahlen. Aber auch in Bezug auf die Gesund heitskosten scheint eine Überprivilegierung zu bestehen. Ich selber bin eine echt alleinstehende Rentnerin, die mit ihrem Einkommen spitz rech nen muss. Mein grösster Ausgabeposten auf dem Budget sind die Steuern mit rund 18 Prozent mei nes Bruttoeinkommens. Zum Beispiel von 545 Franken für «Erholung etc.» kann ich nur immer träumen. Monika Nyffeler, Bern Meine Antwort/Lösung zum Artikel: Ja zum bedingungslosen Grund einkommen am 5. Juni! Manuela Bregenzer, Rapperswil
Philipp Tingler hat seinen Knigge für soziale Medien bekannt geben. Tabu sind seiner Mei nung nach Bilder von Nahrung (ausser es sei ein missglücktes Rezept), Bilder der eigenen Kin der (wer auf seine Kinder stolz ist, ärgert die ande ren Leute), Bilder, die einen beim sportlichen Training zeigen, sowie schöne Bilder aus dem Urlaub (die sind banal). Also fast alles, was die Leute freut und was sie gerne mit ihren Freunden teilen, wäre tabu. Meine KniggeRegel für Philipp Tingler wäre: Behalten Sie Ihre merkwürdigen Ansichten für sich. Ich poste weiterhin, was ich will. Zum Beispiel Bilder mit schönem Essen auf unserem Grill, Velo trainings mit unseren Söhnen und meiner Frau, meine Enkelin und ich beim Klettertraining. Dazu eine schöne Ur laubsansicht aus Turin. Wer das nicht gerne sieht, soll einfach weg schauen! Hans Rudolf Lüscher, Unterkulm AG
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Karl Schlögel
«Wer jung ist und etwas kann, der verlässt das Land» Autoritäre Regierungen kontrollieren Ungarn, Polen und Russland. Rassismus, Antisemitismus und Schwulenfeindlichkeit sind weitverbreitet. Was ist los in Osteuropa? Der Historiker Karl Schlögel erklärt und warnt: All das könnte auch in Westeuropa wieder alltäglich werden. Text: Ralf Kaminski Bilder: Florian Jaenicke
MENSCHEN | MM13, 29.3.2016 | 47
Karl Schlögel: «Die Turbulenzen der letzten Zeit werden zum Normalzustand.»
48 | MM13, 29.3.2016 | MENSCHEN
Karl Schlögel, Osteuropa sorgt in letzter Zeit vermehrt für Irritation in West europa: autoritäre Regierungen, Rassis mus und die Weigerung, Flüchtlinge aufzunehmen. Was ist da los? Diese Irritation entsteht ja vor allem, weil wir nach den Revolutionen von 1989 dach ten, dass eine Annäherung zwar kompliziert und schwierig sei, aber schon irgendwie funktionieren wird. Nun fühlen wir uns überrumpelt, dass es anders läuft als erwar tet. Und das bezieht sich nicht nur auf Osteuropa. Die ganze Europäische Union ist in einem Zustand, auf den man noch vor zwei Jahren nicht gefasst war. Nun sind viele enttäuscht, ja fast schon gekränkt, dass die Geschichte nicht so läuft, wie sie sie sich zurechtgelegt haben. Wir dachten, der Osten wird so wie wir – und merken jetzt, dass das voreilig war? Wenn man sich die Zukunft vorstellt, extra poliert man ja immer aus der eigenen Er fahrung: Aus den verheerenden Weltkriegen entstand eine friedliche Einheit. Und nun dachte die Nachkriegsgeneration, dass es immer so weitergehen muss. Wir sind frie densverwöhnt und fühlen uns überfordert von den Entwicklungen der letzten Jahre. Osteuropa hat die 68erRevolution ver passt, die im Westen die gesellschaftliche Liberalisierung ausgelöst hat. Ist das die Wurzel der kulturellen Differenzen? Das würde ich so nicht sagen. Auch in Ost europa gab es in den 1960erJahren grosse Umwälzungen, die Studentenunruhen in Warschau 1968, den Prager Frühling, die Dissidentenbewegung in Moskau. Aber die Lebenswelten in Ost und West waren einfach lange Zeit zu verschieden. Es war fast unmöglich, eine gemeinsame Kom munikationsbasis zwischen den Bewegun gen in Ost und West zu finden. Und es wird wohl eine oder zwei Generationen dauern, bis es genügend gemeinsame – gesamt europäische – Erfahrungen gibt, um dies zu verbessern. Bis dahin müssen wir mit diesen Differenzen leben und umgehen. Die neue autoritärkonservative Tendenz hat der Westen erstmals 2010 wahr genommen, als Viktor Orban in Ungarn gewählt wurde. Und er scheint noch im mer fest im Sattel zu sein. Woher kommt diese Stimmung in der Bevölkerung? Ich glaube, dass das mit einer grossen Kränkung zu tun hat. Orban wird vor allem von jenen unterstützt, die sich nach der Wende 1989 erhofft haben, bald ein ebenso gutes Leben führen zu können wie die Menschen im Westen – und enttäuscht worden sind. Draussen in den Dörfern ist der Wohlstand nur beschränkt angekom men. Die autoritäre Rechte bedient nun
Karl Schlögel: «Die autoritäre Rechte bedient erfolgreich die Gefühle der Zukurz gekommenen.»
erfolgreich die Gefühle der Zukurzgekom menen. Schuld an der Misere sind angeblich die hauptstädtischen Eliten, die Ausländer und die Juden – ein altes Feindbild, das nie ganz verschwunden ist. Orban ist ein talen tierter Politiker, er weiss wie man Ressen timents nutzt, wie man Feindbilder aufbaut, statt wirkliche Lösungen für das Land zu be nennen. Putin macht in Russland dasselbe. Der Übergang zu einer westlichen Demokratie war sicher für einige auch eine schwierige Erfahrung. Auf jeden Fall, das war eine radikale, schockartige Zäsur. Und die Frage ist, wie man mit so was umgeht: Arbeitet man sich daran ab und zieht daraus Stärke, oder mo bilisiert das die Kräfte der Ressentiments? Ein Beispiel, was für seltsame Blüten die Konsumgesellschaft damals trieb: In den 1980erJahren tauchten an den UBahn Eingängen in Moskau diese Kioske auf: Darin sassen 70jährige Frauen, die Dildos und alle nur erdenklichen pornografischen Magazine verkauften. Diese Dinge waren gerade verfügbar, also boten die Frauen das an, obwohl sie ihr Leben lang nie mit so was zu tun hatten. Ich fragte mich immer: Wie kommen sie klar damit? Wie verarbeiten sie einen solchen Erfahrungsschock? Es gibt unzählige Beispiele der völligen Überforde rung durch die konsumistische Massenkul tur, die völlig abrupt über diese Länder kam, seien das nun 20 Sorten Olivenöl im Laden oder USSektenprediger, die in den 1990er Jahren nach Osteuropa strömten. Trotzdem schien es lange, als ob es funktionieren könnte.
Zur Person
Osteuropa-Experte, Historiker und Autor Karl Schlögel (68) ist emeritierter Professor für Osteuropäische Geschichte an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder und einer der renommiertesten Osteuropa-Experten. Er hat Dutzende Bücher und Artikel verfasst und Preise erhalten, unter anderem das Bundesverdienstkreuz. Schlögel war einst Mitglied der maoistischen Kommunistischen Partei Deutschlands und lebte einige Jahre in der früheren Sowjetunion. Er ist mit einer Moskauerin verheiratet, die beiden leben in Berlin und haben eine Tochter und eine Enkelin.
Meine Zuversicht speiste sich bis in die 2000erJahre aus dem Eindruck, dass die Leute mit all dem relativ gut klarzukommen schienen. Ich erklärte mir das damit, dass Sowjetmenschen ein Leben lang gelernt hatten, zu improvisieren und sich durchzu wursteln, das Gleichgewicht zu halten selbst in ausweglos scheinenden Situationen. Ent sprechend wurde auch ich davon überrascht, dass Russland sich in die Illusion flüchtete, ein Zar, eine starke Hand, würde einen ret tenden Ausweg aus der Krise bieten. Auf eine Figur wie Putin war ich nicht gefasst. Seine erste Präsidentschaft löste kaum Irritationen aus. Erst als er 2012 erneut Präsident wurde, kam der Kurswechsel. Es gibt ja die These, dass es nie einen Rich tungswechsel gegeben hat, dass seit den
1980er-Jahren ein harter Kern innerhalb des Sicherheitsapparats auf die Rückeroberung der Kontrolle hingearbeitet hat. Und dass Putins erste Kandidatur aus diesen Kreisen ganz gezielt lanciert wurde. Ich kann nicht beurteilen, ob das wirklich stimmt. Aber die Rückkehr Putins ins Präsidentenamt 2012 war eine Grenzüberschreitung, eine Verhöhnung des russischen Publikums. Das reagierte ja dann auch heftig mit Massendemonstrationen, auf die Putin mit scharfer Repression antwortete. Tatsache ist, dass er die goldenen Jahre, in denen Russland von ausserordentlich hohen Einnahmen aus dem Öl- und Gasexport getragen wurde, praktisch verspielt hat. Er hat zwar spendabel umverteilt, was auch die Mittelklasse positiv gespürt hat, aber er hat es verpasst, Wirtschaft und Infrastruktur so zu modernisieren, dass das Land längerfristig prosperieren kann. Und nun, da die Zeiten schwieriger sind, hat er nichts zu bieten und flüchtet sich in das Fantasiegebilde von der Bedrohung Russlands. Er braucht ein Feindbild, muss es stets am Laufen halten und immer neue Eskalationsstufen zünden.
Manche sprechen schon mit Sorge von einem neuen Kalten Krieg. Im Kalten Krieg bestand die Symmetrie der Supermächte, die sich gegenseitig in Schach hielten. Heute haben wir eine multipolare Welt mit Konflikten und Debatten, die mich eher an die 1920er- und 1930er-Jahre erinnern. Was Putin betreibt, ist «negative Integration», so hat es der russische Soziologe Lew Gudkow genannt. Wenn man nichts Positives zu bieten hat, muss man die Menschen mit anderen Methoden zusammenhalten. Das Erfinden immer neuer Feinde ist da zentral: vorneweg der Westen, die USA, Europa, neu auch die Ukraine, die angeblich von Faschisten regiert wird. Zudem werden alle, die sich nicht verhalten, wie Putin das wünscht, als Agenten des Feinds gebrandmarkt. Die engagierten, kreativen, unternehmerischen Leute haben resigniert oder landen im Gefängnis. Wer jung ist und etwas kann, der verlässt das Land. Trotzdem scheint sich Putin auf die Unterstützung des Volks verlassen zu können, obwohl sich das Leben der Russen eher verschlechtert hat. Wie macht er das? Für viele hat sich in den 2000er-Jahren das Leben durch den staatlichen Geldsegen auch verbessert. Etwa für jene Leute aus der Provinz, die Putin toll finden und auf die Stellen der ausgewanderten enttäuschten Mittelklasseleute nachrücken können. Für viele ausserhalb der Hauptstadt haben sich die Lebensbedingungen aber verschlechtert, gerade im Vergleich zur ersten Präsidentschaft Putins. Jetzt soll der wiedergewonnene Weltmachtstatus diese Einbussen kompensieren. Die Idee, dass man es den Amerikanern
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MENSCHEN | MM13, 29.3.2016 | 51
endlich mal wieder zeigen kann, wirkt stärker als die Verschlechterungen im Alltag. Ob das dauerhaft funktioniert, ist die andere Frage. Sie halten eine Revolte für möglich? Dass Putin bis zu meinem Lebensende im Kreml sitzen wird, halte ich für unwahr scheinlich. Plötzlich passiert etwas, das eine eigene Dynamik entwickelt. Putin hat nicht alles unter Kontrolle. Vor Kurzem gab es etwa einen Streik der Lastwagenfahrer, der in den westlichen Medien aber kaum zur Kenntnis genommen wurde. Sie blockierten Strassen, darunter den Autobahnring um Moskau. Es gab Transparente, auf denen «Putin ver schwinde!» stand. So etwas könnte irgend wann der Funke sein, der die Veränderung auslöst. Ob es eine zum Guten ist, steht auf einem anderen Blatt. Es könnte auch noch schlimmer werden? Niemand weiss es, aber es gibt einen gewalt erprobten faschistischen Untergrund, einen gewaltbereiten Mob in Russland, der dann zum Zug kommen und etwa ethnische Zu sammenstösse entfesseln könnte. Das Kon fliktpotenzial in Russland ist enorm.
Bild: Mikhail Metzel/Tass/Keystone
Nationalismus, Homophobie und Anti semitismus werden von den Autokraten Osteuropas schon jetzt gezielt genutzt, um ihren Kurs zu fördern. Definitiv. Ich bin vor Kurzem in einem ukrainischen Museum mit einer älteren prorussischen Dame ins Gespräch gekom men. Die leitete einen ihrer Sätze mit den Worten «Ihr da in eurem GayEuropa» ein. Es war für sie ganz offensichtlich der Inbegriff des Feindseligen, des Bösen – natürlich ohne über das Thema an sich irgendwie mehr zu wissen. Mein Eindruck war immer, dass man in Russland relativ entspannt mit Homosexualität umging. Inzwischen aber hat Putin das Schwulsein dermassen politisch aufgeladen, dass der liberale Umgang damit zum Inbegriff der westlichen Dekadenz und zu einer funda mentalen Differenz geworden ist. Auch das ist wieder typische Feindbildproduktion. Seit den Wahlen in Polen ist auch dort eine autoritäre Regierung an der Macht, die sofort damit begann, das System um zubauen. Dabei war Polen doch bis anhin eine Erfolgsgeschichte. Aber auch dort gibt es viele, die von dieser Erfolgsgeschichte nicht profitiert haben. Die polnische Provinz, das ländliche östliche Polen, sieht ganz anders aus als Boomtown Warschau. Rund eine Million Polen leben und arbeiten im Ausland, weil sie dort mehr Chancen gesehen haben. Die Tüchtigsten sind weggegangen. Unterschätzen darf man auch nicht, wie einflussreich und konser vativ die katholische Kirche in Polen noch
«Er versucht, sich Westeuropa gefügig zu machen.» (Karl Schlögel über Russlands Präsident Putin)
immer ist; sie ist ein wichtiger Treiber der Opposition gegen das moderne Europa. Kann die EU etwas gegen diese Ent wicklungen unternehmen? Sanktionen und Belehrungen helfen nicht, wenn es nicht in Polen selbst eine entspre chende Bewegung gibt. Die EU hat derzeit ausserdem noch ganz andere Probleme. Angesichts all der Krisen muss der Konti nent sich fragen, wer noch bereit ist, sich für diese Form von Europa einzusetzen und etwas dafür zu riskieren. Ich glaube, dass die Karte Europas in den nächsten Jahren nochmals neu gezeichnet wird, es dürfte eine Abgrenzung geben zwischen jenen Ländern, die dabeibleiben und den Karren ziehen wollen, und den anderen. Das Wich tigste im Moment ist sicherlich, einfach nur schwere Fehler zu vermeiden – was gar nicht so leicht ist. Und man sollte sich vor Über treibungen hüten: Wer jetzt behauptet, das Wiedereinführen von Grenzkontrollen sei das Ende der EU, der dramatisiert. Europa kann in einer bestimmten Situation auch mal einen Schritt rückwärts machen und trotzdem an sich weiterarbeiten. Auch das Ende des Euros wäre nicht das Ende der EU. Wichtig ist, dass wir eine freie Diskussion über diese Dinge führen und uns klar werden, was wir uns zumuten können und was nicht. War es ein Fehler, die osteuropäischen Staaten so schnell in die EU zu lassen? Im Nachhinein ist man ja immer schlauer. Damals traute das potente Westeuropa es sich zu, Osteuropa an sich zu binden und quasi zu assimilieren. Es hat wohl einfach niemand so genau hingeschaut. Aber Ent wicklungsprozesse passieren immer nur in Ernstfällen, nicht bei Schönwetterlagen. Krisen sind somit auch nützliche, erzie herische Momente.
Könnte es sein, dass Osteuropa Trend setter ist für eine neue Politik in Europa? Autoritäre und rechte Ideen kommen derzeit auch bei vielen im Westen gut an. Ja, auch das könnte sein. Im Positiven denke ich manchmal, dass die Leute im Westen vom Osten nach 1989 etwas lernen könnten: Improvisation, sich durchwursteln, Illu sionslosigkeit. Aber zugleich habe ich den Eindruck, dass man im Westen immer noch nicht wahrnimmt, was auf dem Spiel steht. Putins Strategie ist es, in Europa eine reaktionäre Internationale zu bilden, er will das liberale, offene Europa eindäm men oder gar zerstören. Weil das, was er zu bieten hat, nicht mithalten kann. Also versucht er so, sich Westeuropa gefügig zu machen. Er will, dass Marine Le Pen in Frankreich und Pegida in Deutschland stark werden. Wie kann der Westen Gegensteuer geben? Die Nerven behalten. Sich nicht in Panik versetzen lassen. Wenn man aus der deut schen Geschichte des 20. Jahrhunderts etwas lernen kann, dann dies: dass man standhalten und nicht die Flucht nach vorn antreten sollte. Wir müssen entschieden die Kostbarkeit funktionierender Institutionen verteidigen und darauf gefasst sein, dass das eine lange Auseinandersetzung sein wird. Noch haben nicht alle erkannt, was sich da anbahnt. Es wird Zeit, dass wir aufwachen. Die krisenhaften Entwicklungen, die wir in Europa derzeit erleben, werden so schnell nicht wieder verschwinden? Nein. Die Idee, mit irgendeiner Lösung zu einem ruhigen Alltag zurückzukehren, ist reines Wunschdenken. Die Turbulenzen der letzten Zeit werden zum Normalzustand – wie in der Zwischenkriegszeit der 1920er und 1930erJahre. Auch damals waren radikale Bewegungen sehr aktiv, Grenzen wurden ver schoben, alles geriet in Bewegung. Manche Leute sehen in den aktuellen Ereignissen das Vorspiel zum nächsten Weltkrieg. Ganz abwegig ist das leider nicht. Ihr Interesse für Osteuropa ist ideologisch bedingt, richtig? Mein Interesse ist älter als die 68erBewe gung. Ich hatte auf einem bayerischen Gym nasium Russisch gelernt und wurde später Augenzeuge des Prager Frühlings, was mich immun machte gegen den Realsozialismus in Osteuropa. Deshalb engagierte ich mich in einer maoistischen Fraktion der deutschen Linken. Über viele Jahre war ich mit den so wjetischen und osteuropäischen Dissidenten in Kontakt, und ich erlebte mit der Wende, der Perestrojka der 1980erJahre, einen der glücklichsten Momente, als das «Jahrhun dert der Extreme», wie es Eric Hobsbawm genannt hat, zu Ende ging. MM
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Migros-Welt MM13
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Die neue Gesamtweltcupsiegerin Lara Gut startete 2005 zum letzten Mal beim GP-Migros. Schon damals gabs am Ende eine Medaille. Käse
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GP-Migros
Zum Abschluss der Winter saison geht vom 1. bis zum 3. April das Finale des Grand Prix Mi gros über die Bühne. In St. Moritz starten die schnellsten Kinder und Jugendlichen aus den 13 Qualifikations rennen und machen den GPMigros Sai sonsieger unter sich aus. Die Teilnehmer des grössten Jugendskiren nens Europas befinden sich in prominenter Gesellschaft. Nicht nur Gesamtwelt cupsiegerin Lara Gut star tete beim GP Migros, son dern auch Ski asse wie Carlo Janka oder Fabienne Suter. Die Migros ist seit vielen Jahren Haupt sponsor der Breitensport veranstaltung. www.gp-migros.ch
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MIGROS-WELT | MM13, 29.3.2016 | 55
Personelle Wechsel
Handelschef mit neuen Aufgaben
Dieter Berninghaus wird im zweiten Halbjahr 2016 die Migros verlassen und künftig als Verwaltungsrat, Investor und Unternehmer tätig sein. Seit acht Jahren ist Berninghaus Mitglied der Generaldirektion des MGB und Leiter des Departements Handel. Zudem hat er Einsitz im Hotelplan-Verwaltungsrat. Berninghaus hat der Migros-Gruppe wichtige Impulse gegeben, etwa für die Weiterentwicklung der ConvenienceKette Migrolino oder des Discounters Denner sowie für den Ausbau des Online-Handels.
Interio-Leiter geht zu Globus
Annina Walt brilliert in «Nichts passiert» als Tochter eines Mannes, der dauernd die Welt schönredet.
Kino Bei der Verleihung des Schweizer Filmpreises wurden gleich
drei Produktionen ausgezeichnet, die das Migros-Kulturprozent unterstützt hatte. «Köpek» wurde zum besten Spielfilm gekürt. Dieses Werk verwebt Lebensschicksale im modernen Istanbul. Die Produktion «Above and Below», die unter anderem von Obdachlosen in der Glitzerstadt Las Vegas erzählt, wurde als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet. Und die Familiengroteske «Nichts passiert» bekam den Preis für das beste Drehbuch.
K-Tipp
Bilder: PD
Migros günstiger als Coop Reto Waidacher, der 2010 die Leitung von Interio übernahm, wechselt per 1. Mai zu Globus. Er wird dort als Leiter Einkauf tätig sein. Globus-Chef Thomas Herbert freut sich auf die Zusammenarbeit: «Dank seiner Branchenerfahrung und seinem ausgeprägten Gespür für Design und Trends wird das Warenangebot von Globus noch attraktiver werden.»
Das Konsumentenmagazin K-Tipp vergleicht in seiner Märzausgabe die Sortimente der beiden Detailhändler Migros und Coop. «Die Produkte aus dem Normalsortiment sind bei Coop deutlich teurer als bei der Migros», lautete dabei die klare Aussage des Vergleichs. Einander gegenübergestellt wurden die Verkaufspreise von 50 verschiedenen Produkten aus dem Lebensmittel-
und dem Non-FoodBereich – unabhängig von der Marke, Qualität und Herkunft der Produkte. Vom Apfel über Speiseöl bis zur Zahnpasta und dem Toilettenpapier. Bei unterschiedlich grossen Verpackungen wurden die Verkaufspreise jeweils umgerechnet. Insgesamt ist der Migros-Warenkorb mit den 50 Produkten im K-Tipp- Vergleich um 11,6 Prozent günstiger als jener seines Hauptkonkurrenten.
56 | MM13, 29.3.2016 | MIGROS-WELT
Daniela Neugebauer
Immer in Bewegung Die Baslerin Daniela Neugebauer gehört zur Company Wayne McGregor, einer der berühmtesten Tanzformationen Englands. Demnächst tritt die Frau, die ihrem Körper schier Unglaubliches abverlangt, beim Tanzfestival Steps in der Schweiz auf. Text: Michael West
Bilder: Kal Griffig; Ravi Depress
A
n einem klaren Vorfrühlingstag spaziert Daniela Neugebauer durch den Londoner Stadtteil Shoreditch. In Sichtweite ragt der Swiss-Re-Wolkenkratzer über den Häuserreihen in den Himmel und glitzert in der Sonne wie eine gigantische Weltraumrakete. Das Quartier Shoreditch wirkt im Vergleich dazu altertümlich: Hier gibt es verwitterte Backsteinfassaden und auf den Dächern windschiefe Fernsehantennen. Da und dort sind die Mauern von haushohen Graffiti bedeckt. Eines der knallbunten Wandbilder zeigt Winston Churchill in Uniform, ein anderes eine violette Riesenkrake. «Dieser Stadtteil zeigt, wie lebendig London ist», sagt Neugebauer. «Shoreditch entwickelt sich seit einigen Jahren zu einem hippen Künstlerviertel. Hier verändert sich gerade alles.» Auch die 32-jährige Baslerin ist dauernd in Bewegung. Zurzeit absolviert sie an sechs Tagen pro Woche ein jeweils bis zu zehnstündiges Training aus Tanz und ergänzend dazu Kraftaufbau, Pilates und Yoga. Sie schwitzt zusammen mit den anderen Mitgliedern der Truppe von Wayne McGregor. Die Programme dieses Starchoreografen sind eine Mischung aus Tanz und Science-Fiction. In seinem neuesten Stück «Atomos» arbeitet er mit 3-D-Projektionen. Die Tänzer leben wie Nomaden
Doch McGregors bester Spezialeffekt sind seine Tänzerinnen und Tänzer: Sie zeigen scheinbar unmögliche Bewegungen und verdrehen sich manchmal so,
ein «Brennen in den Knochen». Ihre Eltern begeisterten sich für Kultur, doch Profitänzer gab es zuvor nicht in der Familie; ihr Vater arbeitete als IT-Spezialist. Das Mädchen wurde dabei unterstützt, seinen Traum zu erfüllen. Daniela lernte zuerst in Basel bei der amerikanischen Tänzerin und Choreografin Cathy Sharp. Mit 13 Jahren kehrte sie der Schweiz den Rücken und besuchte anschliessend Spitzenballettschulen in Hamburg und Rotterdam. Seit 2010 gehört sie zu Wayne McGregors Formation. Magie auf der Bühne
High-Tech-Kunst: In einer Aufführung der Company Wayne McGregor wird die Tänzerin durch 3-D-Projektionen verdreifacht.
als hätten sie keine Knochen im Leib. McGregor will die Grenzen des menschlichen Körpers ausloten. «Diese Art Tanz können wir nur meistern, weil wir extrem diszipliniert arbeiten», erklärt Neugebauer. «Jeder von uns versucht sich täglich zu verbessern.» Der britische Tanzguru verlangt seinen Künstlern auch sonst viel Flexibilität ab: Weil die Company Wayne McGregor gerade beim Queen Elizabeth Olympic Park ein neues Hightechstudio bauen lässt, wechselt die Truppe zwischen temporären Trainingslokalen hin und her. Eines davon befindet sich im Quartier Shoreditch. Ausserdem ist die Tanztruppe immer wieder auf Tournee. Seit der Premiere von «Atomos» vor drei Jahren wurde das Stück
auf allen Kontinenten in ausverkauften Häusern gezeigt. Für Steps, das grosse Tanzfestival des Migros-Kulturprozents, kommt die britische Formation im April in die Schweiz. Sie wird in Zürich, Freiburg, Basel, Genf und Baden auftreten. Für Neugebauer schliesst sich damit ein Kreis: Denn im Jahr 2000 erhielt sie vom Migros-Kulturprozent den Studienpreis Tanz. «Für drei Jahre wurde meine Ausbildung finanziert», erinnert sich die Künstlerin. «Es war für mich eine grosse Hilfe, meinen Weg als Tänzerin zu gehen.» Dieser Weg begann für Neugebauer bereits im Alter von sechs Jahren. Schon damals wusste sie, dass sie unbedingt tanzen wollte. Sie beschreibt diesen Wunsch als
Seit über fünf Jahren unterwirft sich Neugebauer also dem eisenharten Training, das der Choreograf seiner Truppe abverlangt. Was treibt sie dazu, das alles auszuhalten? «Es sind vor allem die Aufführungen und der Kontakt mit dem Publikum», sagt sie. «Ich stehe dann ja im Rampenlicht und kann die einzelnen Zuschauer kaum erkennen. Ich spüre aber ihre Energie. Für die Dauer der Vorstellung findet ein intensiver Austausch statt. Nach den anstrengenden Vorbereitungen ist es manchmal so, als sterbe ich als Tänzerin ein wenig auf der Bühne und würde zugleich wiedergeboren.» Doch wie lange kann man diese Leistung erbringen? «Ein allgemein gültiges Höchstalter gibt es nicht», versichert Neugebauer. Dann fügt sie lächelnd hinzu: «Ich spüre, dass ich selber noch mitten in meinem Tanzleben stehe.» MM Siehe auch «Tanz in allen Facetten» Seite 59
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Daniela Neugebauer wohnt seit sechs Jahren in London. Oft ist sie aber rund um den Globus auf Tournee.
MIGROS-WELT | MM13, 29.3.2016 | 59
Festivalprogramm
Tanz in allen Facetten
Isabella Spirig ist künstlerische Leiterin des Tanzfestivals Steps. Isabella Spirig
Vom 7. April bis 1. Mai findet auf 40 Bühnen das
«Qualität als roter Faden»
Migros-KulturprozentTanzfestival Steps statt. Elf Formationen aus der Schweiz, Deutschland, Belgien, Spanien, Grossbritannien, Brasilien, Australien, Südkorea und Taiwan zeigen in 90 Vorstellungen ihre Kunst. Steps gilt mit seinen erwarteten 30 000 Zuschauern als grösstes Tanzfestival der Schweiz. Alle Infos auf: www.steps.ch
Gesprengte Fesseln
Bilder: Hugo Glendinning, Ghostographic, Jacob Blickenstaff, Caroline Minjolle
Die britische Candoco Dance Company vereint Menschen mit und ohne Behinderung. In ihren Darbietungen scheinen sie gemeinsam die Schwerkraft zu überwinden.
Grandioses Schattenspiel
Tanzender Roboter
Im Mittelpunkt der Produktion «Felahikum» stehen die deutsche Künstlerin Honji Wang, die vom Ballett und Hip-Hop geprägt ist, und die spanische Flamenco-Virtuosin Rocio Molina. Aus der Begegnung zwischen den gegensätzlichen Tanzwelten entstehen faszinierende Schattenspiele.
Der Choreograf Huang Yi aus Taiwan beschäftigt sich mit dem Zusammenspiel zwischen Mensch und Technik: Auf märchenhafte Art bringt er einen Industrieroboter zum Tanzen. Die Darbietung ist vieldeutig: Stets bleibt unklar, ob die Maschine nun ein hilfreicher Freund oder ein Konkurrent ist.
Isabella Spirig, manche Leute halten zeitgenössische Tanzkunst für elitär. Kann jeder das Festival Steps geniessen? Ja, das Publikum braucht keinerlei Vorwissen. Es genügt, mit offenem Herzen ins Theater zu gehen und sich von den Darbietungen verzaubern zu lassen. Denn jede der Tanzcompagnien hat ihre eigene Magie. Zudem finden bei den meisten Vorstellungen entweder Einführungen zum Stück oder nach der Vorstellung ein Gespräch mit den Künstlern statt. Sie haben für das Festival 160 Tänzer aus neun Ländern engagiert. Gibt es einen roten Faden, der sich durch alle Auftritte zieht? Sämtliche Compagnien zeigen Tanz auf höchstem Niveau, auch wenn sich der Stil stark unterscheidet. Alle Künstler beschäftigen sich in ihren Darbietungen mit grossen Zukunftsfragen, von denen unsere Gesellschaft heraugefordert ist: Wie wollen wir Fremden begegnen? Wie gehen wir mit Menschen um, die von Normen abweichen? Welche Rolle soll die Technik in unserem Leben spielen? Finden Sie während des Festivals Zeit, auch selber Vorstellungen zu geniessen? Ich werde jeden Abend in einer Vorstellung sitzen. Ich möchte den Austausch zwischen dem Publikum und den Künstlern miterleben. Die Begeisterung der Zuschauer ist für mich der grösste Lohn. MM
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Saisonküche
Was keimt denn da?
Während das meiste frische Gemüse aus Freilandanbau noch auf sich warten lässt, haben Sprossen ihren grossen Auftritt. Doch wer sie nur roh geniesst, verpasst eine kulinarische Erfahrung – wie die Rezeptempfehlungen zeigen. Text: Claudia Schmidt Bilder & Styling: Daniel Aeschlimann Rezepte: Annina Ciocco
Herausnehmen und sammeln!
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Jetzt neu am Kiosk Ungewöhnlich, aber köstlich: Mungobohnen sprossen werden mit Poulet zu einer Wähe gebacken.
Die Saisonküche gibt es auch im Jahresabonnement, 12 Ausgaben für nur Fr. 39.– www.saison.ch/abo
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Glücksrollen mit Mungobohnensprossen
Risotto mit gebratenen Mungobohnensprossen
Mungosprossenwähe mit Poulet
Vegetarisch Für 4 Personen
Vegan Für 4 Personen
Mit Fleisch Für 6 Personen
Zutaten 80 g Mungobohnensprossen 40 g Rüebli 60 g Weisskabis 1 TL Sambal Oelek 2 EL Sojasauce ¼ Avocado 1 TL Limettensaft 4 Frühlingsrollenblätter aus Reismehl à ca. 22 cm Ø ¼ Bund Pfefferminze 2 EL Erdnüsse Zubereitung
1. Sprossen waschen und gut abtropfen lassen. Rüebli mit dem Sparschäler in Zungen hobeln. Diese in feine Streifen schneiden. Kabis fein dazuhobeln. Sambal Oelek und die Hälfte der Sojasauce dazumischen. Avocado in dünne Scheiben schneiden und mit Limettensaft beträufeln. 2. Frühlingsrollenblätter nacheinander in reichlich Wasser einlegen, bis sie biegsam sind. Auf eine Arbeitsfläche legen und hal bieren. Auf jede Blattmitte 2 Pfefferminz blätter, eine Avocadoscheibe, 2 EL Sprossen und ca. 1 EL mariniertes Gemüse legen. Frühlingsrollenblätter seitlich einschlagen und die Füllung satt einwickeln. Erdnüsse hacken, mit der restlichen Sojasauce über die Glücksrollen geben. Zubereitungszeit ca. 50 Minuten
Pro Person ca. 3 g Eiweiss, 5 g Fett, 14 g Kohlenhydrate, 450 kJ/110 kcal
Zutaten 250 g Mungobohnensprossen 1 Bund Frühlingszwiebeln 4 EL Olivenöl 300 g Risottoreis 2 dl Apfelwein 8 dl Gemüsebouillon, heiss 50 g Parmesan Salz, Pfeffer Zubereitung
1. Sprossen waschen und gut abtropfen lassen. Knollen der Frühlingszwiebeln fein hacken. Die Hälfte des Öls in der Pfanne erhitzen. Zwiebel darin dünsten. Reis beigeben und kurz mitdünsten, bis er glasig ist. Apfelwein dazugiessen, etwas einkochen lassen. Bouillon nach und nach dazugiessen. Risotto unter gelegentlichem Rühren ca. 20 Minuten köcheln lassen, bis er sämig ist, aber noch etwas Biss hat. Parmesan dazu reiben. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
2. Restliches Öl in einer Bratpfanne erhitzen. Frühlingszwiebelgrün leicht schräg in Ringe schneiden. Mit den Sprossen kurz anbraten. Mit Salz und Pfeffer würzen. Mit dem Risotto servieren. Zubereitungszeit ca. 35 Minuten
Pro Person ca. 13 g Eiweiss, 16 g Fett, 65 g Kohlenhydrate, 2000 kJ/480 kcal
Zutaten für 1 Blech à 28 cm Ø 250 g Mungobohnensprossen 400 g Pouletbrüstchen
1 Stängel Zitronengras 2 EL flüssiger Honig 1 EL HOLL-Rapsöl 2 EL Sesamöl Salz, Pfeffer 3 Eier 180 g Saurer Halbrahm 1 dl Vollrahm
Für den Teig: 220 g Halbweissmehl, 40 g Sesamsamen, ½ TL Salz, 120 g Butter, kalt, 0,5 dl Wasser Zubereitung
1. Für den Teig Mehl, Sesam und Salz mischen. Butter in Würfeln dazuschneiden. Zwischen den Fingern krümelig reiben. Wasser beigeben. Zu einem Teig zusammenfügen. Falls nötig, wenig Wasser beigeben. In Klarsichtfolie ein wickeln, ca. 30 Minuten kühl stellen. Sprossen waschen, abtropfen lassen. 2. Backofen auf 200 °C vorheizen. Teig zwi schen 2 Lagen Backpapier rund auswallen. Auf Backpapier ins Blech legen. Teig mit einer Gabel mehrmals einstechen, kurz kühl stellen. Pouletbrust in Stücke schneiden. Zitronengras fein hacken. Mit Honig, Raps und Sesamöl zum Poulet mischen. Mit Salz und Pfeffer wür zen. Rundum kurz anbraten, abkühlen lassen und auf den Teigboden verteilen. Sprossen daraufgeben. Eier, Sauer und Vollrahm verrühren. Mit Salz und Pfeffer würzen. Guss über die Sprossen giessen. Wähe in der unteren Ofenhälfte ca. 35 Minuten backen. Zubereitungszeit ca. 40 Minuten + ca. 30 Minuten kühl stellen + abkühlen lassen + ca. 35 Minuten backen
Pro Person ca. 26 g Eiweiss, 44 g Fett, 31 g Kohlenhydrate, 2600 kJ/630 kcal
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Rohschinken lässt sich wunderbar mit einem Gerstensalat kombinieren. Für den Salat Zwiebeln und Knoblauch hacken, Karotten in feine Scheiben schneiden. Alle Zutaten zusammen mit der Gerste kurz dünsten, mit Bouillon gar köcheln und dann mit ApfelessigDressing aromatisieren. Mit Rohschinken belegt servieren. Das Rezept finden Sie auf www. saison.ch/m-tipp, die Zutaten in Ihrer Migros.
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MIGROS-WELT | MM13, 29.3.2016 | 75
Wissenswertes
Tipps und Tricks
Rund um Sprossen Saison
Sprossen haben immer Saison. Die Samen keimen geschützt vor Wettereinflüssen. Aufbewahrung
Damit Sprossen nicht weiter wachsen und Blätter ausbilden, bewahrt man die Pflänz chen im Kühlschrank auf. So bleiben sie einige Tage frisch.
Mehr Rezepte auf www.saison.ch
Jung, frisch, knackig Sprossen haben es in sich. Einige überraschen mit Schärfe, andere bleiben selbst nach ihrer Zubereitung in der Bratpfanne noch knackig. Eines jedoch ist allen gemein: Sie sorgen für Raffinesse auf dem Teller.
Linsensprossen
können kalt oder warm genossen werden. Sie schmecken mild bis nussig, haben Biss, vertragen eine kräftige Vinaigrette im Salat und sind eine eiweiss reiche Bereicherung für Suppen aller Art.
Zwiebelsprossen
eignen sich mit ihrer leicht zwiebeligen Schärfe als Suppen topping. Dips und Brotaufstrichen mit Frischkäse verleihen sie ein mildes, feinwürziges Zwiebelaroma.
Verarbeitung
Vor der Verwendung sollte man Sprossen sorgfältig waschen und anschliessend abtropfen lassen. Sprossen selber ziehen
Aus getrockneten Linsen, Mungobohnen, Weizenkörnern oder Alfalfasamen sowie einigen Gemüsesäme reien kann man Spros sen problemlos selber ziehen. Dazu werden die Samen eingeweicht und in Gläser gegeben, die man mit einem Stück Gaze verschliesst. Die Gläser stellt man leicht schräg auf, damit Wasser ablaufen und die Luft zirkulieren kann. Die Sprossen werden zweimal täglich gespült.
Alfalfasprossen
Mungo bohnensprossen
haben ihren grossen Auftritt in der asiatischen Küche. Sie sorgen für knackigen Biss in Reis papierrollen und pfannen gerührten Gerichten.
werden auch Luzernen sprossen genannt. Sie sind leicht nussig im Geschmack, sehr zart und sollten nicht gekocht werden. Sie eignen sich ausgezeichnet zum Ver feinern von Blattsalaten und Butterbroten.
Einweich-/Keimzeiten
Mungobohnen: 12 Stunden / 3–6 Tage Radieschensprossen: 6 Stunden / 2–5 Tage Alfalfasprossen: – / 2–4 Tage Linsensprossen: 12 Stunden / 3–4 Tage Zwiebelsprossen: 12 Stunden / 6–7 Tage In Zusammenarbeit mit www.saison.ch
Radieschensprossen
geben Quark und Cottage Cheese eine würzige Schärfe und sorgen in Suppen und Salaten für pikante Geschmackserlebnisse.
76 | MM13, 29.3.2016 | MIGROS-WELT
Blattsalat an Radieschen-Speck-Vinaigrette Vorspeise für 4 Personen Zutaten 80 g Baumnüsse 100 g Speckwürfelchen 150 g Radieschen 3 EL Weissweinessig 1 TL milder Senf 6 EL Rapsöl
Stefan Zurkirchen (26) sorgt in der Migros Zugerland in Steinhausen ZG dafür, dass von morgens bis abends frische Salate verfügbar sind.
«Ab jetzt Schweizer Salate bis Oktober» Jetzt sind in der Migros täglich wieder Salate aus Schweizer Anbau erhältlich. Frisch geerntet und appetitlich präsentiert. Stefan Zurkirchen, viele Kunden kommen bereits in der Früh in die Filiale, um sich mit frischem Salat einzudecken. Wie viele Salate bieten Sie an? Wir haben momentan täglich 13 bis 16 Salatsorten vorrätig.
Ich orientiere mich an der Wetterprognose: Wirds am Wochenende schön, wird mehr grilliert und automatisch mehr Salat eingekauft. Ebenso wird vor Feiertagen mehr Salat gekauft. Unter der Woche bestellen wir weniger.
Wie schafft man es, dass alles immer so perfekt aussieht? Wir arbeiten morgens schon mit sieben bis elf Personen. An Tagen vor Feiertagen sind wir bis zu 14 Leute, und wir haben stets alle Hände voll zu tun. Damit unsere Kunden bis Ladenschluss die komplette Auswahl haben, füllen wir nach Bedarf ständig auf.
Welche Sorte bevorzugen Sie persönlich, und wie geniessen Sie Ihren Salat am liebsten? Da wir ab jetzt bis Oktober wieder Schweizer Salate anbieten, nutze ich selbstverständlich auch dieses Angebot und wähle mal diese, mal jene Sorte. Am besten schmeckt mir der Salat mit einem selbst gemachten Dressing. Wir bereiten dann gleich eine grössere Menge zu und haben mehrere Tage feine Salatsauce auf Vorrat. MM
Wie vermeiden Sie, dass Sie zu viele Salate einkaufen, die dann liegen bleiben?
Text: Claudia Schmidt; Rezeptbild & Styling: Veronika Studer; Illustrationen: Olivia Aloisi; Portrait: Daniel Winkler; Rezept: Katrin Klaus
Stefan Zurkirchen
Countdown für Tomaten läuft Schweizer Tomaten sind bei den MigrosKunden besonders beliebt. Aus diesem Grund haben sich einige Produzenten auf den Anbau früher Sorten spezialisiert, sodass bereits ab Mai Tomaten aus heimischer Produktion verfügbar sein werden.
Salz, Pfeffer 250 g gemischter Blattsalat, z. B. Spinat, Eichblattsalat und Kopfsalat Zubereitung
Baumnüsse in einer beschichteten Bratpfanne ohne Fett leicht rösten. Herausnehmen.
MIGROS-WELT | MM13, 29.3.2016 | 77
Speckwürfelchen in derselben Pfanne ohne Fett knusprig braten. Auf Haushaltspapier abtropfen lassen. Radieschen in kleine Würfel schneiden. Radieschen und Speck mit Essig, Senf, Rapsöl, Salz und Pfeffer in einen Schüttelbecher geben und schütteln. Über den
Jetzt aktuell
Salat giessen. Baumnüsse darüber streuen. Dazu passt Brot.
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Zubereitungszeit ca. 20 Minuten
Pro Person ca. 10 g Eiweiss, 38 g Fett, 4 g Kohlenhydrate, 1650 kJ/390 kcal
Zartes, knackiges Grün lädt ein, täglich einen Teller mit frisch geerntetem Salat zu geniessen. Mit jedem Monat wächst das Angebot, bis schliesslich spätestens zum Sommeranfang wieder alle Salatsorten – auch diejenigen aus der Region – zur Verfügung stehen.
Kopfsalat
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MIGROS-WELT | MM13, 29.3.2016 | 79
M-Classic
Spinat und Feta im Blätterteigmantel Über Abwechslung auf dem Mittagstisch freut sich die ganze Familie. Dank Tiefkühlprodukten wie den neuen Spinat-Feta-Strudeln von M-Classic sind dafür keine Sonderschichten am Herd nötig. Schnell und einfach sind sie zubereitet, indem man sie direkt aus der Packung in den Ofen schiebt und bei 220 ºC 25 bis 30 Minuten backen lässt. Die mit Sesam bestreuten Strudel aus knusprigem Blätterteig kombinieren Feta aus Griechenland und Spinat aus der Schweiz. Ein echter Leckerbissen – und mit einem frischen Beilagensalat auch eine komplette Mahlzeit, die nicht nur Fans der fleischlosen Küche schmeckt.
Aktion 20-fache Cumulus-Punkte bis 4. April
Bild und Styling: Claudia Linsi
Mit einem frischen Salat als Beilage ergibt der Spinat-Feta-Strudel eine vollwertige Mahlzeit.
Die M-Industrie stellt viele Migros-Produkte her. Dazu gehört auch der Spinat-Feta-Strudel von M-Classic.
M-Classic Spinat-Feta-Strudel, tiefgekühlt, 2 × 140 g Fr. 3.90 In grösseren Filialen
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1
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Aus praktisch allen Resten sind schnell und einfach raffinierte Gerichte gekocht oder gebacken.
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Nachhaltigkeit
Resten vom Fest?
Alle Jahre wieder: Nach Ostern sind Schoggihasen, gekochte Eier oder hartes Brot übrig. Bloss nicht wegwerfen! Aus den Resten lassen sich mit ein wenig Fantasie neue Gerichte und gluschtige Desserts zaubern.
Osterhasen-Schoggi-Cake
Eier im Wurstmantel
2
1
Zutaten für ca. 12 Stück, für 1 Cakeform à 25 cm Ø 200–300 g gemischte Osterhasenschokolade 40–80 g Butter
Text: Sonja Leissing Bilder: Christine Benz Illustration: Rahel Eisenring
Rezepte: Janine Neininger
1 TL
Recycling in der Küche Schoggiosterhasen
lassen sich grob gehackt über ein Müesli streuen. Fein sind auch Fruchtspiessli. Dafür dreht man die Früchte in geschmolzener Schoggi und lässt sie auf einem Gitter auskühlen. Haltbarkeit: Aufgrund ihres hohen Zuckergehalts ist Schokolade lange über das deklarierte Datum hinaus geniessbar. Nussschoggi kann allerdings ranzig werden. Gekochte Eier eignen
3
4 120 g 100–150 g 300 g
Tipps
Eier Zucker Rahm, Crème fraîche, Quark oder gemischt Mischung aus gemahlenen Nüssen, Mandeln und Mehl Backpulver einige Schokoladen-Eili nach Belieben Puderzucker oder Kakaopulver zum Bestäuben
Zubereitung
Schokolade in Stücke brechen. Mit Butter über einem heissen Wasserbad langsam schmelzen. Abkühlen lassen. Cakeform mit Backpapier auskleiden. Backofen auf 180 °C vorheizen. Eier, Zucker und Milchprodukt schaumig schlagen. Geschmolzene Schokolade darunterrühren. Nüsse, Mehl und Backpulver daruntermischen. Teig in die Form geben. Nach Belieben Schokoladen-Eili in den Teig drücken. In der Ofenmitte ca. 60 Minuten backen. Nadelprobe machen. Herausnehmen und in der Form auskühlen lassen. Zum Servieren mit Puderzucker oder Kakaopulver bestäuben. Zubereitungszeit ca. 25 Minuten + ca. 60 Minuten backen
Zutaten für 4 Personen ca. 60 g hartes Brot oder Paniermehl ½ Bund Kräuter, z. B. Petersilie, Basilikum 6 gekochte Ostereier 5 Schweinsbratwürste à 140 g Öl zum Braten Zubereitung
Brot an einer feinen Raffel zu Paniermehl reiben. Kräuter hacken. Mit dem Paniermehl mischen. Eier schälen und halbieren. Wurstbrät aus der Haut drücken und zu einer einigermassen geschmeidigen Masse kneten. Eier ins Fleisch einpacken. Im KräuterPaniermehl wenden. Bei mittlerer Hitze im Öl rundum ca. 5 Minuten braten. Dazu passt Salat. Zubereitungszeit ca. 40 Minuten
sich zum Dippen, indem man sie zu Creme verarbeitet. Ausserdem sind sie perfekte Begleiter auf Fleischplatten und schmecken gehackt über Salate gestreut. Haltbarkeit: Gekochte, unbeschädigte Eier kann man problemlos 14 Tage im Kühlschrank lagern. Schweinsbratwurst
übrig? Haut abziehen, das Wurstbrät scharf anbraten und zu einer Bolognese verarbeiten. Man kann die Würste auch der Länge nach aufschneiden, anbraten und ins Sandwich geben. Haltbarkeit: Am Geruch merkt man sofort, ob eine Wurst noch geniessbar ist. Rezepte www.saison.ch
Ein Teil von
Generation M steht für das nachhaltige Engagement der Migros.
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Frey
Fruchtige Sommeredition Wer gern etwas ausprobiert, freut sich über die neue saisonale Frey-Pralinés-Linie Rêves d’or. Schokolade-Liebhabern bietet sie neuartige Kreationen wie mit Fruchtcreme oder Nussfüllungen. Den Auftakt macht die fruchtige Création d’été mit den Sorten Mangue, Fraise, Citron und Coco. Die Pralinen überraschen mit je zwei Schichten feiner Milch-, dunkler oder weisser Schokolade, die mit zartschmelzender Mango-, Erdbeer-, Zitronen- oder Kokoscreme gefüllt sind. Die Verpackung der Sommeredition ist in einem eleganten, transparenten Look gehalten.
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Pralinés Rêves d’or Création d’été, Limited Edition, 113 g Fr. 9.80 In grösseren Filialen
Bild: Yves Roth; Styling: Katja Rey
Welche Farbe darf es sein? Zur Auswahl stehen die Geschmacksnoten Erdbeer, Mango, Zitrone und Kokos.
Die M-Industrie stellt viele Migros-Produkte her. Dazu gehört auch Rêves d’or Création d’été von Frey.
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Bio-Kompetenz
Wachsende Vielfalt
Die beiden Bio-Marken der Migros, Migros-Bio und Alnatura, ergänzen sich ideal und decken so die unterschiedlichsten Bedürfnisse der Kundschaft ab. Text: Anna-Katharina Ris
Bilder & Styling: Claudia Linsi
Immer mehr Schweizer bevorzugen biologisch produzierte Lebensmittel.
Das Angebot der Migros umfasst rund 1600 Produkte unter zwei etablierten Labels: Migros-Bio steht für klassische Frischeprodukte, die möglichst aus der Schweiz stammen. Alnatura bietet hochwertige Bio-Produkte, die dem Zeitgeist entsprechen – unter anderem eine breite Auswahl an vegetarischen und veganen Artikeln. Zudem legt Alnatura grossen Wert auf einfache Zutatenlisten: Nur das Nötigste kommt in die Rezeptur. Wie gross die Vielfalt an Bio-Artikel in der Migros ist, zeigen unsere drei Sandwich-Empfehlungen auf dieser Doppelseite. MM
Bio Forellenfilet, Zucht aus Dänemark, 100 g Fr. 5.–
Alnatura Bio Zitronensaft, 2 dl Fr. 1.70
Für Flexitarier: Der grobkörnige Bio-Senf und die Bio-Zwiebeln verleihen der geräucherten Bio-Forelle die gewünschte Würze.
Bio Bauernbrot in Scheiben, 350 g Fr. 3.10
In ausgewählten Filialen
Alnatura Bio Veggie «Salami», 50 g Fr. 1.30 In ausgewählten Filialen
Bio Butter, 200 g Fr. 3.70
Bio Rucola, per 100 g aktueller Tagespreis In grösseren Filialen
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Nachhaltigkeit
Schweizer sind Bio-Weltmeister Gemäss Forschungsinstitut
Für Fleischliebhaber: Das Brot des SchinkenGurken-Sandwichs ist mit Bio-Mayonnaise bestrichen.
für biologischen Landbau ist die Schweiz das Land mit dem weltweit höchsten Pro-Kopf-Verbrauch von Bio-Produkten – gefolgt von Luxemburg, Dänemark, Schweden. 35 Prozent der Schweizer Bevölkerung geben an, mehrmals wöchentlich Lebensmittel in Bio-Qualität zu kaufen.* * Quelle: Bio Suisse, Organisation für ökologischen Landbau
Dies sind die beliebtesten Bio-Produkte in der Migros: Bio Haselnussbrot, 320 g Fr. 3.40
Meistverkaufte Migros-Bio-Artikel
1. Bananen 2. Nature-Joghurt 3. Milchdrink 4. Karotten 5. Eier
Beliebteste Alnatura-Produkte
Bio Chämischinken geschnitten aktueller Tagespreis
Für Vegetarier: Das luftige Bio-Sonnenhofbrot ist der ideale Geschmackspartner für die feinwürzige Bio-Veggi-Salami aus Seitan, Tofu und Paprika.
Bio Gurken pro Stück aktueller Tagespreis
1. Müesli 2. Frucht- und Gemüsesäfte 3. Milchalternativen 4. Teigwaren und Saucen 5. Hülsenfrüchte und Sojaprodukte
Migros-Bio steht für eine Landwirtschaft im Einklang mit der Natur. Das Bio-Sortiment der Migros umfasst rund 1300 Produkte.
Alnatura steht für zeitgemässen Bio-Genuss mit Sinn. Hochwertige Zutaten und nur die nötigsten Inhaltsstoffe stecken drin.
Ein Teil von
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Porträt
Zöliakie bestimmt den Alltag
Die Migros bietet ein vielfältiges Sortiment an Lebens mitteln für Betroffene von Allergien und Intoleranzen an. Davon profitiert die Familie Roth. Die Glutenunverträg lichkeit der Töchter erfordert für die Essensplanung ein grosses Organisationstalent. Text: Claudia Langenegger
Bilder: Daniel Rihs
T
abea (9) zeigt stolz auf ihre eigene Schublade in der Küche und sagt: «Mein Lieb lingsessen sind Pastetli und Spätzli». In der Schublade hat es nur Esswaren für sie und ihre jüngere Schwester Alisa (5). Guetsli, Waffeln, Zwieback, Müesli, Teigwaren, Mehl – alles glutenfrei. Denn beide Mädchen leiden an Zöliakie. Sie vertragen das Klebereiweiss, das Gluten von Getreide, nicht. Es führt zu Ent zündungen im Dünndarm und löst eine Autoimmunreaktion aus.
Toaster, Blech und Brotmaschine in doppelter Ausführung Als Tabea vier Jahre alt war, fanden ihre Eltern Andrea (42) und Ueli (42) heraus, warum sie so häufig an Bauch schmerzen und Krämpfen litt, oft sehr müde war und nicht mehr wuchs. «Als die Diagnose feststand, haben wir als Erstes die Küche ausgemistet», erinnert sich Andrea. In ihrer Küche im Einfamilienhaus in Kehrsatz BE hat es nun zwei Brotmaschinen, zwei Toaster und zwei Backbleche. Was glutenfrei ist, wird separat gelagert: in Tabeas und Alisas Schublade, in einem Tupperware mit gelbem
Deckel oder in einem Aufbewah rungsbeutel mit gelber Klammer. Im Tiefkühler findet sich immer Spezialbrot. Mit einem eigenen Kuchen ans Geburtstagsfest Andrea Roth hat sich schon durch zahllose Zutatenlisten von Lebens mitteln gelesen. Getreidestärke ist manchmal auch in Würze, Chips oder Tiefkühlspinat enthalten – für Tabea und Alisa sind selbst kleinste Mengen davon tabu. Nicht einmal ein Schöpf löffel darf gleichzeitig für Getreide teigwaren und Spezialpasta verwen det werden. «Ich bin sicher pingeliger geworden», sagt die dreifache Mutter. «Brösmeli auf dem Tisch putze ich sofort weg.» Zöliakie bedeutet für Andrea Roth, dass sie immer vorausdenken und viel organisieren muss. Sie weiss immer, wann die Geburtstage von Schul und Kindergartenkameraden sind, damit sie ihren Mädchen weizenfreien Kuchen mitgeben kann. Dasselbe gilt für Spielnachmittage, auch da nehmen Tabea und Alisa ihr eigenes Gebäck mit. «Hauptsache, sie können dabei sein», sagt ihr Mami. «Ich will nicht,
Tabea (r) und ihre Schwester Alisa wissen, dass sie nur glutenfreie Produkte essen dürfen. Ihr Bruder und die Eltern sind nicht von Zöliakie betroffen.
dass Eltern Angst haben, die Mäd chen einzuladen.» Auch auswärts übernachten ist problemlos möglich – mit passendem Proviant: Brot zum Zmorge. Häufig spricht sich Andrea vorher kurz mit den anderen Eltern ab, was es zum Znacht gibt. Sind sie unterwegs, nimmt sie immer einen Snack für die Mädchen mit. In der Badi essen die Mädchen meist ihr separates Pick nick. Gehen sie Ski fahren, muss Andrea beim Zmittag am Buffet nach fragen, wie die Pommes frites zu bereitet sind. Werden sie im gleichen Öl wie die Chicken Nuggets frittiert, sind sie nichts für Tabea und Alisa. Auf Verständnis und Unterstützung angewiesen Andrea, ihr Mann und Sohn Alex (5) sind nicht von Zöliakie betroffen. Doch Bäckereibesuche meiden sie aus Rücksicht auf die Mädchen. Ausser es geht an den Brunch der Dorfbäckerei in Uettligen BE – mit glutenfreiem Buffet. Ein Highlight. «Dieses Buffet ist viel, viel besser als das normale», schwärmt Tabea. Ansonsten müssen die Mädchen oft verzichten. Im Kin dergarten und in der Schule dürfen
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Esther Jenni (42) ist Lehrkraft für Kindergartenkinder in Kehrsatz BE.
sie ihr Znüni natürlich nicht mit anderen tauschen. Und wenn jemand spontan Gebäck mitbringt, müssen sie Nein sagen. «Das mag mich manchmal», sagt Tabea. Bei Alisa gab es kürzlich Tränen, als ein Mädchen zum Spielnachmittag gluschtig dekorierte Süssigkeiten mitbrachte. Sie war enttäuscht, dass sie nicht wie alle anderen probieren durfte. Ihr Lieblingsessen ist glücklicherweise getreidefrei: «Chäs, Rösti, Schleckstängel», zählt sie auf und strahlt dabei. Immer wieder sind die Roths auf Verständnis und Unterstützung angewiesen. «Da haben wir grosses Glück», sagt Andrea. So würden zum Beispiel beim Mittagstisch in der Tagesschule für Tabea und Alisa separate Gerichte gekocht. Die Zöliakie prägt indessen auch die Ferien. Es kommen nur Hotels infrage, die glutenfreie Speisen anbieten. Als Land ist derzeit Italien Favorit, denn in der Heimat von Pizza und Pasta gibt es erstaunlicherweise viele glutenfreie Produkte zu kaufen. Tabea freut sich schon jetzt auf die Ferien dort. «Da gibt es so feine Muffins mit Konfi drin», schwärmt sie. Selbstverständlich sind diese getreidefrei. MM
Esther Jenni, Kindergärtnerin
«Wir essen immer gemeinsam» Esther Jenni, haben Sie in Ihrer Laufbahn schon viele Kinder mit Nahrungsmittelintoleranzen oder Allergien erlebt? Am Anfang waren es wenige, heute sind es mehr. Ich hatte schon eine Klasse mit mehreren betroffenen Kindern. Das eine hatte Zöliakie, die anderen waren auf Eier, Erdnüsse und Haselnüsse allergisch. Wurden Sie von den Eltern aus reichend darüber aufgeklärt? Ja, mit dem «Notfallpapier» und beim ersten Elterngespräch. Sie haben mich auch mit Infomaterial versorgt. Wie geht das betroffene Kind selber damit um? Meist weiss es recht gut, was es essen darf und was nicht. Oder es fragt immer nach. Wie kontrollieren Sie das Kind, damit es nicht spontan seinen Znüni tauscht?
In meiner Klasse essen wir immer gemeinsam unseren Znüni. Zudem erkläre ich den anderen Kindern, welche Konsequenzen so ein Tausch haben kann. Haben Sie für das betroffene Kind etwas anderes parat, wenn jemand einen Geburtstagskuchen mitbringt? In der Dorfbäckerei gibt es glutenfreie Muffins, die ich auf Vorrat habe. Viele Eltern haben bei den Geburtstagsznünis auch Rücksicht auf die benachteiligten Kinder genommen und passende Znünis für die ganze Klasse mitgebracht. Wie ist es für die betroffenen Kinder? In diesem Alter will man ja in allem genau so sein wie die anderen. Ich habe nur positive Erfahrungen gemacht. Die Kinder in diesem Alter sind sehr rücksichtsvoll und wollen ihren Gschpänli behilflich sein. Interview: Dora Horwath
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Roger Lauener, Facharzt
«Mut zur Normalität»
Warum sind Allergene immer Eiweisse und nicht Fette oder Kohlenhydrate? Weil diese allein zu klein sind, um vom Immunsystem erkannt zu werden. Die Antikörper, die unser Immunsystem bildet und die für eine allergische Reaktion mitverantwort lich sind, können nur gegen spezielle Eiweisskomponenten gebildet werden. In Industrieländern sind Kinder rund doppelt so häufig von Nah rungsmittelallergien betroffen als Erwachsene. Wie erklärt man sich das? Das Immun und das Verdauungssys tem, die bei der Bildung von Allergien eine tragende Rolle spielen, sind bei Kleinkindern noch nicht vollständig entwickelt. Ihre Darmschleimhaut ist noch sehr durchlässig, sodass Aller gene schneller vom Darm ins Blut gelangen. Man liest immer wieder, dass unser reinlicher Lebensstil das Allergie risiko erhöht. Tatsächlich spricht manches dafür. In industrialisierten Staaten wie der Schweiz ist das Immunsystem weniger Keimen ausgesetzt. So werden unsere Abwehrkräfte auch nicht gefordert. Auch die Art und Weise, wie wir uns ernähren, hat sich verändert.
Machen wir ein zu grosses Theater ums Essen? Vielleicht. Besonders, was die Ernäh rung von Kindern betrifft, gilt heute: Weg vom Verzicht, Mut zur Norma lität. Eine abwechslungsreiche Er nährung im Kleinkindalter kann das Allergierisiko verringern. Sellerie, Äpfel und Hühnereiweiss gehören zu den Lebensmitteln, auf die Schweizer am häufigsten aller gisch sind. Weshalb? Das liegt daran, dass diese auf dem Speiseplan vieler Schweizer stehen. Schliesslich kann man nur auf Nah rungsmittel allergisch reagieren, die man isst. Die Allergien gegen Äpfel und Sellerie sind zudem eine so genannte Kreuzreaktion, also eine Folge des Heuschnupfens. Und der kommt bei uns ja sehr häufig vor. Gibt es bei Nahrungsmittelallergien eine Alternative zum Verzicht? Es gibt eine relativ neue Immun therapie, die aber erst im Rahmen von Studien angewendet wird: Die sogenannte spezifische orale Toleranz induktion, kurz SOTI genannt. Dabei nimmt der Patient Schritt für Schritt eine steigende Dosis des Allergens zu sich, um sein Immunsystem unemp findlicher zu machen. Bei Zöliakie funktioniert das leider nicht. Warum nicht? Zöliakie ist keine Nahrungsmittel allergie, sondern eine autoimmuno logische Erkrankung der Darm schleimhaut: Hier löst das Getreide eiweiss Gluten eine Immunreaktion aus, die die Schleimhaut des Dünn darms angreift. Die einzige bekannte Therapie der Zöliakie ist die gluten freie Ernährung. Von Laktoseintoleranz sind weltweit 70 Prozent der Menschen betroffen, in Ostasien sind es sogar 90 Prozent. Wie ist das zu erklären? Es liegt in der Natur, dass gesunde Säuglinge das LaktaseEnzym besit
Roger Lauener ist Facharzt für Kinderund Jugendmedizin, Allergologie und Immunologie und Chefarzt am Kinderspital St. Gallen.
zen, damit sie die Muttermilch ver dauen können. In Südostasien, wo die Menschen quasi keine Milchprodukte zu sich nehmen, versiegt die Laktase Produktion beim Kleinkind nach dem Stillen meist rasch. In unseren Breitengraden hat die Milchwirt schaft dazu beigetragen, dass das LaktaseGen im Lauf der Evolution so programmiert wurde, dass es län ger aktiv bleibt. Sollte man sich einfach nach den Grundsätzen der Steinzeitdiät ernähren und auf Milchprodukte und Getreide verzichten? Jedem das Seine. Der Mensch hat sich jedoch seit der Steinzeit weiter entwickelt und sich seiner Umwelt angepasst, auch in Bezug auf die Er nährung. Unser genetisches Material ist nicht mehr dasselbe wie damals. Ein schönes Beispiel dafür ist gerade das Phänomen des LaktaseEnzyms, das aufgrund von Essgewohnheiten länger aktiv bleibt. Aus demselben Grund kann dem gesunden Homo sapiens von heute Getreide kaum schaden. Interview: Nicole Ochsenbein
Bild: Urs Bucher/St. Galler Tagblatt
Roger Lauener, bei Nahrungsmittel unverträglichkeiten unterscheidet man zwischen Intoleranzen und Allergien. Was ist der Unterschied? Bei Intoleranzen kann der Körper einen bestimmten Stoff nicht verdauen. So können Betroffene mit Laktoseintoleranz Milchzucker nicht verwerten, weil ihr Organismus das Enzym Laktase nicht oder nur in ungenügendem Masse produziert. Allergien hingegen sind eine Über reaktion des Immunsystems auf gewisse Eiweissbestandteile von Nahrungsmitteln, wie beispielsweise von Meeresfrüchten.
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aha! Kakaogetränk, laktosefrei, ohne Milch, glutenfrei, ohne Weizen, ohne Ei, ohne Soja, 500 g* Fr. 6.90
aha! Lasagne Teigwarenblätter, glutenfrei, ohne Weizen, ohne Ei, 250 g* Fr. 3.90 aha! Hörnli, glutenfrei, ohne Weizen, ohne Ei, 500 g* Fr. 3.90
aha! Früchtemüesli Bio, glutenfrei, mit Hafer, ohne Weizen, 500g* Fr. 5.80
aha! Farmer Soft Heidelbeere & Brombeere, glutenfrei, ohne Weizen, 150 g* Fr. 4.60
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aha! Brotblume, laktosefrei, glutenfrei, ohne Weizen, tiefgekühlt 400 g* Fr. 5.90
aha! Zöpfli, laktosefrei, glutenfrei, ohne Weizen, 200 g* Fr. 4.80
aha!-Sortiment
Die Auswahl wächst stetig Die Migros ist bestrebt, Menschen, die von einer Allergie oder Nahrungsmittelintoleranz betroffen sind, ein reichhaltiges Sortiment an Lebensmitteln anzubieten. So hat sich die Detailhändlerin Mitte 2014 im Rahmen ihres Nachhaltigkeitsprogramms Generation M verpflichtet, ihr Angebot an Produkten mit dem aha!-Gütesiegel bis Ende 2016 um 30 Prozent zu erweitern. Dieses Ziel dürfte erreicht werden, denn bereits heute sind in der Migros 130 aha!zertifizierte Produkte, davon 118 Lebensmittel, erhältlich. Da Laktoseintoleranz die häufigste Nahrungsmittelunverträglichkeit ist, bietet die Migros zahlreiche zertifizierte Milchprodukte ohne Laktose – etwa UHT-Milch, Voll- und Halbrahm sowie Butter und Joghurts – an. Zum aha!-Sortiment zählen aber auch glutenfreie Brote, Pasta und Cerealien sowie laktosefreie Süsswaren. Hinzu kommt das Angebot der Gastronomie: Bereits 40 MigrosRestaurants und -Takeaways führen heute aha!-zertifizierte Speisen. Neben zertifizierten Nahrungsmitteln findet man in der Migros auch diverse hyperallergene Kosmetika. MW
aha! Muffin Schokolade, laktosefrei, glutenfrei, ohne Weizen, 75g* Fr. 1.90
durch p Empfohlen Recommandé par Raccomandato da Service Allergie
aha! MSC Fischstäbchen, glutenfrei, ohne Weizen, laktosefrei, ohne Milch, tiefgekühlt, 450 g* Fr. 5.20
Das Gütesiegel von aha! kennzeichnet Produkte, die auch bei einer Allergie oder Intoleranz besonders verträglich sind.
Ein Teil von
* in grösseren Filialen erhältlich
90 | MM13, 29.3.2016 | MIGROS-WELT
Migros-Bio Cotton
Natürlich für Kinder
Die neue und exklusive Dschungel-Kinderkollektion ist nicht nur fröhlich bunt, sondern auch rundum ökologisch: Sie besteht aus hochwertiger Bio-Baumwolle.
Migros-Bio Cotton Baby T-Shirt, Gr. 68–98* Fr. 9.–
Migros-Bio Cotton, Mädchen T-Shirt, Gr. 98–128* Fr. 15.–
Migros-Bio Cotton Baby T-Shirt, Gr. 68–98* Fr. 9.– * in grösseren Filialen erhältlich.
Migros-Bio Cotton Mädchenkleid, Gr. 98–128* Fr. 25.–
Text: Jacqueline Vinzelberg Bilder: Christian Dietrich Styling: Mirjam Käser
Migros-Bio Cotton Knaben Ensemble, 2-teilig, Gr. 98–128* Fr. 25.–
MIGROS-WELT | MM13, 29.3.2016 | 91
Baumwolle
Migros-Bio Cotton Baby T-Shirt, Gr. 68–98* Fr. 9.–
Migros-Bio Cotton Baby-Shirt mit Kapuze, Gr. 68–98* Fr. 11.–
Migros-Bio Cotton Mädchen Pyjama Gr. 98/104–122/128* Fr. 21.–
Migros-Bio Cotton und Eco machen den Unterschied Baumwolle ist die wichtigste natürliche Faser in der Textilproduktion. Ihr Anteil in unserer Kleidung beträgt etwa 40 Prozent. Weltweit arbeiten rund 30 Millionen Menschen in über 60 Ländern in der Textilindustrie. Eine nachhaltige Produktionsweise ist aber nicht überall selbstverständlich. So werden beim konventionellen Baumwollanbau häufig Pestizide und bei der Verarbeitung Chlorbleiche eingesetzt. Nicht so bei Textilien aus dem Migros-Bio-CottonLabel, die mit kontrolliert angebauter Baumwolle hergestellt werden und höchste Qualität bieten. Die Herkunft der Baumwolle kann von der Ernte bis zum Saatgut zurückverfolgt werden. Die zertifizierten Textilien sind garantiert schadstofffrei und damit besonders für Baby- und Kinderbekleidung geeignet.
Migros-Bio Cotton Baby Body Gr. 62/68–98* Fr. 9.80
Das Gütesiegel EcoStandard gewährleistet zusätzlich ökologische Standards, die in allen Schritten der Textilproduktion befolgt werden.
Migros-Bio Cotton Mädchen Jumpsuit, Gr. 98–128* Fr. 25.–
Migros-Bio Cotton garantiert kontrolliert biologischen Baumwollanbau mit Respekt vor Mensch und Umwelt.
Ein Teil von
92 | MM13, 29.3.2016 | MIGROS-WELT
Ellen Amber
Süsse Träume Ellen Amber Pyjama, 95% Bio Baumwolle, 5% Elastan, Gr. S–XXL* Fr. 29.80
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Der Shorty bietet Beinfreiheit in warmen Nächten.
MIGROS-WELT | MM13, 29.3.2016 | 93
Jens G. Acker, Chefarzt der Klinik für Schlaf medizin, Bad Zurzach, gibt Tipps für einen erholsamen Schlaf.
Vier Regeln Entspannung
Ellen Amber Pyjama, 100% BioBaumwolle, Gr. S–XL* Fr. 29.80
Vor dem Schlafen gehen soll man zur Ruhe kommen. Ein warmes Bad entspannt. Ideal ist eine feste Zeit für das Zubettgehen. Ruheoase
Das Schlafzimmer muss als Ruheraum abgegrenzt sein. Es sollte gut gelüftet und 16 bis 19 Grad warm sein. Medienfreie Zone
Fernseher und Smart phones haben im Schlafzimmer nichts zu suchen. Der inten sive Blaulichtanteil von Bildschirmen stört den Schlaf.
Ellen Amber Shorty, 100% Bio Baumwolle, Gr. S–XL* Fr. 24.80
Text: Anette Wolffram Bild: Mirjam Kluka Styling: Mirjam Käser
Hair make up: Arlette Kobler
Verzichten
Bequem wie ein Hausanzug: Herz mit Streifen gemixt
Alkohol macht müde, verschlechtert aber die Schlafqualität. Die letzte Mahlzeit sollte mindestens drei Stun den zurückliegen. Wer Medikamente ein nimmt, sollte prüfen, ob sie den natürlichen Schlaf beeinflussen.
Bio Cotton garantiert kontrol liert biologischen Baumwoll anbau mit Respekt vor Mensch und Umwelt.
Ellen Amber Nachthemd, 95% Bio Baumwolle, 5% Elastan, Gr. S–XXL* Fr. 24.80
Ellen Amber Nachthemd, 80% Bio Baumwolle, 20% Polyester, Gr. S–XL* Fr. 24.80
Ellen Amber Pyjama, 100% Bio Baumwolle, Gr. S–XL* Fr. 24.80
Ein Teil von
94 | MM13, 29.3.2016 | MIGROS-WELT
Meine erste Wohnung
Abschied von Hotel Mama
Patenter Helfer beim schnellen Abwasch mit der Hand: Miobrill Microfaser Abwaschtücher, 2 Stück Fr. 4.60
Ob mit 18 oder 30 – irgendwann steht dann der Zügelwagen vor der Tür. Und mit ihm ein halbes Dutzend Freunde, die beim Flüggewerden mithelfen. Um sich endgültig von Mamas Rockzipfel zu lösen, braucht es zunächst aber auch eine Grundausstattung für die erste eigene Wohnung. Doof, wenn man am Morgen nach dem Umzug keinen Kaffee trinken kann, weil zwar der neue Wasserkocher in der Küche bereit steht, sich aber keine Tasse finden lässt. Und ohne Topf werden keine Spaghetti al dente, auch wenn man noch so lange mit knurrendem Magen auf die Packung starrt. Wie so oft im Leben, ist auch in diesem Fall eine intelligente Planung empfehlenswert. Dafür gibt es zum Beispiel das Online-Tool M-Connect auf www.migros.ch, mit dem sich bequem jede bedarfsgerechte Einkaufsliste erstellen lässt.
Allzwecktücher, die notfalls auch als Serviette dienen: Twist Classic Haushaltpapier, 4 Rollen Fr. 3.15
Mamas unermüdliche Erziehungsversuche haben gefruchtet: Miobrill WC-Garnitur mit Randreiniger* Fr. 7.90
Bequemes Gästebett, wenn man die halbe Nacht verplaudert hat: Bettsofa Jung, Petrol Fr. 349.– www.micasa.ch
Darf in keiner Küche fehlen: Kochtopf Deluxe, Ø 24 cm, 7 l Aktion Fr. 44.50 statt 89.– 50% auf Cucina & Tavola-Kochgeschirr beim Kauf von zwei Produkten bis 4. 4. www.micasa.ch
MIGROS-WELT | MM13, 29.3.2016 | 95
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Wetten, dass sich Mama diesen Fensterreiniger bald ausleihen wird? Kärcher Window Vac WV 2 Plus Aktion Fr. 59.90 statt 79.90 25% vom 29. 3. bis 11. 4., solange Vorrat Im Do it + Garden
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Wenn man die Wäsche ökonomisch aufhängt, fasst er eine ganze Waschmaschinenladung: Knick-Wäscheständer* Fr. 20.80
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89.–
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MIGROS-WELT | MM13, 29.3.2016 | 97
m-way
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Die grösste E-Bike-Auswahl
Fabrik abgebrannt
Die Auswahl an verschiedenen E-BikeModellen war noch nie so gross wie in diesem Jahr. Die motorisierten Räder gibt es für die Stadt, für den Berg oder den Wochenendausflug. «Sich als Kunde mit dieser Vielfalt zurechtzufinden, ist nicht ganz einfach», sagt Mario Klaus, Director Marketing bei m-way. Das Migros-Unternehmen bietet mit 60 Modellen in 29 Filialen die grösste E-Bike-Auswahl des Landes. Zuerst sollte man sich überlegen, wozu das E-Bike genutzt werden soll. Bremsen, Gangschaltung oder Federung sind beim Mountainbike anders als beim Rennvelo. Ein weiteres Kriterium ist die Reichweite des Akkus. Dafür ist der Motor, aber nicht der Velotyp ausschlaggebend. Ein Trekkingbike hat also nicht zwingend die grössere Reichweite als ein Stadtfahrrad. Die Leistungsdauer des Akkus ist vielmehr abhängig vom gewählten Fahrmodus, also wie stark der Motor beim Treten mithilft, der Topografie und dem Gewicht des Fahrers. Die Reichweite variiert deshalb stark und beträgt je nach Ausgangslage zwischen 40 und 200 Kilometern. «Der Kauf eines zusätzlichen Ladegeräts empfiehlt sich für Leute, die längere Pendelstrecken mit dem E-Bike bewältigen, um beispielsweise während der Arbeitszeit den Akku wieder zu laden», erklärt Mario Klaus. Die vollständige Ladung des Akkus dauert ungefähr drei Stunden. Wichtig zu wissen ist auch, wie hoch die maximale Geschwindigkeit sein soll. Für E-Bikes gelten zwei gesetzlich vorgegebene Höchstgeschwindigkeiten - bis 25 km/h und
bis 45 km/h. Das heisst, der Motor unterstützt zum Beispiel bis zu 25 km/h. Für höhere Tempos ist alleine die Muskelkraft des Fahrers verantwortlich. Für die schnellere Variante gilt Helmpflicht, und Jugendliche unter 16 Jahren müssen dafür eine Mofa-Prüfung (Kategorie M) ablegen. «Bei steigender Geschwindigkeit ist eine erhöhte Konzentration und mehr Aufmerksamkeit gefordert. Mit einem gesunden Mass an Vorsicht und Rücksicht im Strassenverkehr steht der Freude am E-Biken aber nichts im Weg», sagt Mario Klaus. MM
Mario Klaus, Director Marketing bei m-way, trägt sein E-Bike normalerweise nicht, sondern fährt damit.
Die Fabrik der holländischen Firma, die bisher für die Migros Reiswaffeln mit Überzug herstellte, ist bei einem Grossbrand zerstört worden. In den nächsten Monaten kann die Firma deshalb keine Produkte mehr liefern. Die Migros hat den Bedarf vorerst noch aus Lagerbeständen gedeckt. Ab April wird sie die Reiswaffeln von einem anderen holländischen Hersteller beziehen. So finden die Kunden das Produkt vorläufig in einer ungewohnten Verpackung im Verkaufsregal (Bild oben). Frühstücksflocken
Farmer-Flakes sind zurück
Frage der Woche
Bild: zVg
Ich leite einen Dorfverein, der lokale Kultur- und Sportanlässe organisiert. Ist es möglich, dafür von der Migros Unterstützung zu bekommen? Mit Ihrer Anfrage wenden Sie sich am besten an die Abteilung des Migros-Kulturprozents in Ihrer regionalen Migros-Genossenschaft. Auf www.migros-kulturprozent.ch klicken Sie zuerst auf «Förderung beantragen» und dann auf «Förderbeiträge». Das Kulturprozent unterstützt soziale Projekte in den Regionen, wenn sie zum Beispiel den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken. Jeder Förderantrag wird einzeln geprüft. Das Kulturprozent engagiert sich zudem mit der Fachstelle Vitamin B für das Vereinsleben. Bei der Fachstelle erhalten Vereine Beratung und Know-how: www.vitaminb.ch.
Haben Sie eine Frage?
Kontaktieren Sie uns! M-Infoline, der Kundendienst der Migros, erreichbar unter 0800 84 0848 oder www.migros.ch/ kundendienst
Telefonisch erreichbar Montag bis Freitag: 8.00–18.00 Uhr, Samstag: 8.30–16.30 Uhr. Anrufe auf die oben genannte Nummer sind gratis.
Auf die beliebten Farmer-Flakes Schokolade mussten die Kunden 16 Wochen lang verzichten. Der bisherige Hersteller konnte den Artikel von einem Tag auf den anderen nicht mehr liefern, weshalb die Migros nach einem neuen Produzenten suchen musste. Ab sofort sind die Frühstücksflocken aber wieder erhältlich.
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Ihre Region Neues aus der Genossenschaft Migros Basel
Kindertheater
Abenteuer in fremdem Land In der fantasievollen Geschichte «Der Zauberer von Oz» reiht sich ein Abenteuer ans andere. Für die Matinée der Migros Basel im Theater Arlecchino am 17. April ist der Eintritt vergünstigt. Text: Dieter Wullschleger
Von einem Wirbelsturm wurde Dorothy in das geheimnisvolle Land Oz getragen. Im Theater Arlecchino erlebt das Publikum gemeinsam mit dem Mädchen ein spannendes Abenteuer. Löwe, Blechmann, Hexen, Zauberschuhe und natürlich der Zauberer von Oz kreuzen dabei den Weg der jungen Dame, die sich nichts sehnlicher wünscht, als wieder nach Hause zu kommen. Dorothy und allen weiteren Protagonisten kann nur der Zauberer von Oz ihre Wünsche erfüllen. Ob er ihnen helfen wird? Das Migros-Magazin hat dem Zauberer von Oz auf den Zahn gefühlt. Zauberer von Oz, helfen Sie Dorothy, wieder nach Kansas heimzukommen? Das werden wir sehen. Wichtig wird sein, wie viele Kinder Dorothy in der Vorstellung tatkräftig unterstützen werden. Schenken Sie der Vogelscheuche Verstand, dem Blechmann ein Herz und dem Löwen Mut? Selbst einem Zauberer, wie ich einer bin, gelingt
Klubschule
Floristik – Schönes mit Blumen kreieren Rechtzeitig zum Frühjahr erwacht in vielen Menschen der Wunsch, selber pas-
es nicht immer, alles zu vollbringen. Besonders dann, wenn andere Kräfte viel erfolgversprechender sind.
sende Dekorationen mit Blumen, Früchten, Pflanzen und anderen Materialien stilvoll und originell zu kreieren. Kein Problem. Dank den FloristikKursen in der Klubschule Migros Basel. Das Angebot reicht von Tageskursen über einen fundierten Grundkurs über drei Abende bis hin zur Floristikausbildung mit Diplom und Akkreditierung durch den Schweizerischen Floristenverband.
Mit welcher der vier Hexen verstehen Sie sich am besten? Mit der bösen Hexe kann ich es nicht so. Bei den guten Hexen gibt es aber bestimmt eine, mit der ich immer wieder für zauberhafte Überraschungen bereit bin. Besten Dank für das interessante Gespräch. Gern geschehen. Die ersten Vorstellungen dieses hinreissenden Märchens waren voll besetzt. Gross und Vergünstigte Klein sollten sich Tickets sputen. Und ganz besonders für die für den 17. April, 11 Uhr Vorstellung der exklusiv an den Migros Basel am M-Vorverkaufsstellen 17. April mit den Fr. 10.– Erwachsene; Fr. 5.– Kinder vergünstigten Eintritten. MM
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Kann der Zauberer von Oz Dorothy und ihren Gefährten helfen?
100 | MM13, 29.3.2016 | MIGROS-WELT
Mehr Wissen Gartenmöbel
Die Triebe der RattanLiane können bis zu 200 Meter lang werden.
Der Sommer wird blau-weiss Draussen ein Buch lesen, grillieren oder einfach nur die Sonne geniessen – endlich beginnt die neue Gartensaison. Micasa bietet viele Möglichkeiten, sich auf die schönen Stunden im Garten, auf der Terrasse oder dem Balkon vorzubereiten. Text und Bilder: Moritz Weisskopf
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on Tischen, Stühlen Dreispitz, überzeugt. Die Farben und ganzen Sitzgrupder Möbel sind auch in diesem pen in verschiedenen Jahr wieder natürlich und geMaterialien, über deckt: Braun oder Beige, aber Campingartikel, Liegen, Sonauch Weiss und Anthrazit sind nensegel und -Schirme bis hin weiterhin angesagt. Doch besonzu Kindermöbeln und Strandders maritime Farben wie körben findet man bei Micasa Petrol, Enzian, Pastellblau und sowie Do it + Garden ein umCremeweiss sind im Trend und fangreiches Sortiment bilden einen schönen für Balkon, Terrasse Kontrast. Für eine und Garten. Mithilfe gemütliche Atmovon zusätzlichen sphäre sorgen AccesServices wie Heimsoires wie Kissen, lieferung, Montage Tischdecken, Gläser, und Entsorgung alter Vasen und KerzenhalGartenmöbel bleiben ter in diesen passenfast keine Wünsche den Farben. Gestreifte offen. Für das eigene oder bestickte Kissen Ronny Cairoli, Gartenfest, zum Entsind das i-Tüpfelchen Fachberater spannen im Freien der Möblierung. Für Gartenmöbel im oder für einen Tag am das authentische MParc Dreispitz, See bietet das neue Nordsee-Feeling darf freut sich auf die Gartenmöbelsortinatürlich der klassiGartensaison. ment eine Vielzahl an sche Strandkorb nicht praktischen und abfehlen, der vor Wind wechslungsreichen Ideen für die schützt, Schatten spendet und sommerlichen Tage. Zeit also, zum gemütlichen Entspannen die neuesten Trends unter die einlädt. Lupe zu nehmen. Den Strand im Garten
Schweizer sehnen sich als klassische Binnenlandbewohner immer wieder nach dem Meer. Doch dieses Jahr kann man sich den Strand beinahe in den Garten holen. «Der Sommer im Garten wird blau-weiss und steht im Zeichen des Meeres», davon ist Ronny Cairoli, Fachberater Gartenmöbel im MParc
Der Mix macht es aus
Eine Lounge kann man sich dank variabel einsetzbarer Zwischenteile individuell zusammenstellen – ob extra lang oder um die Ecke gebaut. Auch Sessel und Hocker gibts passend dazu. Holz und Rattan sind nach wie vor die Basismaterialien für die meisten Gartenmöbel. Doch sie werden vermehrt mit Teak, Edelstahl oder Stein kombiniert,
wodurch ein moderner Look entsteht. Besonders beliebt in Sachen Material-Mix: die Gartenmöbel der Linie Cape Cod mit Akazienholz, wetterfestem Kunststoffgeflecht und einem Holztischgestell mit einer Steinplatte. Dauerbrenner sind auch dieses Jahr Granit- und Keramiktische, die sich durch ihre Wetterfestigkeit, Hitzebeständigkeit und Langlebigkeit von den Holzvarianten abheben. Dazu kommen neu Kunststofftische mit den gleichen robusten Eigenschaften, die aber wesentlich leichter sind. Doch nicht nur der Möbelbereich wurde für die Gartensaison erweitert, auch fürs Grillieren gibt es Neuheiten zu entdecken. Aufgrund der grossen Beliebtheit im letzten Jahr, wurde das Weber-Grill-Sortiment ergänzt. Zusätzlich kommt die Char-BroilLinie nun ins Angebot. Das Neue an diesen Grills ist die InfrarotTechnik. «Zwischen Rost und Flamme befindet sich eine spezielle Platte, die die Wärme aufnimmt und weitergibt, aber verhindert, dass das Fleisch direkt mit dem Feuer in Kontakt kommt. So entstehen keine Schadstoffe, und das Fleisch wird viel saftiger», erklärt Ronny Cairoli. Wer sich bei dieser grossen Auswahl an Grills und Gartenmöbeln nicht entscheiden kann, dem stehen Fachberater Cairoli und seine Kollegen zur Verfügung, um bei der Wahl behilflich zu sein. MM
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MIGROS-WELT | MM13, 29.3.2016 | 101
Gesundheit
Fit an der Kasse Der Migros Basel ist die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden wichtig.
Um dies sicherzustellen, werden regelmässig gesundheitsfördernde Projekte lanciert. Nach dem
Bianca Suter von MedBase optimiert die Bewegungsabläufe. letztjährigen Erfolg von «Wir stärken uns den Rücken», startete die Migros Basel das Projekt «Fit an der Kasse», das den Fokus auf die Mitarbeitenden legt, die sich neben konditionellen Defiziten bei der Arbeit wenig bewegen.
1 Die Linie «Cape Cod» kombiniert Materialien wie Akazienholz, Geflecht und Stein.
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2 Gestreifte und bestickte Kissen bilden einen schönen Kontrast zu den Möbeln in Beige und Anthrazit. 3 Dank ihrer Wetterfestigkeit und Hitzebeständigkeit feiern Kunststofftische bei der Kundschaft ihr Comeback.
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4 Der Strandkorb in den aktuellen Farben versprüht eine Prise Nordsee. 5 Petrol, Enzian, Pastellblau, Cremeweiss und weitere maritime Farben bestimmen dieses Jahr. 6 Die neue Infrarot-Technik der Char-Broil-Grills garantieren noch saftigere Steaks.
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«Die Kassiererinnen und Kassierer arbeiten mit monotonen und repetitiven Bewegungen. Das führt zur Überbelastung und schneller Ermüdung, wenn sie keinen Ausgleich haben», weiss Bianca Suter von MedBase. Seit drei Wochen besucht sie Arbeitsplätze in verschiedenen Filialen und beobachtet die Bewegungsabläufe des Kassenpersonals. Bianca Suter weist das Personal auf Optimierungen hin und nimmt kleine Anpassungen gleich vor Ort vor. «Schon kurze Haltungswechsel und kleine Ausgleichsbewegungen fördern die Durchblutung und reduzieren Beschwerden», sagt Suter. Am Ende des Projekts werden die Erkenntnisse zusammengefasst und in einer Broschüre an das Kassenpersonal verteilt, damit es in Zukunft noch unbeschwerter arbeiten kann.
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Wie hat man «Bitte keine Geschenke» zu verstehen?
Richtig oder falsch?
Herr und Frau Schweizer verbrauchen jährlich 21 Kilo Haushaltsund Hygienepapier.
Illustrationen: Andreas Klammt, Alice Kolb; Bild: Stefan Sulzer
Richtig!
Philipp Tingler (44) ist Autor
und Philosoph und schreibt hier jede Woche über Phänomene des modernen Benehmens.
«Der Hinweis ‹Bitte keine Geschenke› auf Einladungen hat wie manche Geste vermeintlicher Bescheidung eine passiv-aggressive Note. Geschenke sind nämlich nicht nur für die Beschenkten da, sondern auch für den Schenkenden. Sie bringen Freude und Wertschätzung und eine symbolische Gegenleistung für eine Einladung zum Ausdruck. Was also tun? Zunächst: ‹Keine Geschenke› bedeutet nicht, dass man keine Karte und keine Blumen mitbringen könnte. Denn Blumen zerstören sich schliesslich selbst: Sie verwelken. Nach dem Kriterium der Kurzlebigkeit wären auch andere Geschenke mit Verfallsdatum zulässig. Oder quasiimmaterielle Geschenke, etwa eine Einladung zu einem Ausflug oder eine Spende an eine Organisation, die dem Gastgeber am Herzen liegt. Oder Sie verhalten sich passiv-aggressiv und ignorieren das Geschenkverbot. Das tun die meisten Gäste.»
Jährlich werfen Schweizerinnen und Schweizer 21 Kilogramm Haushalts- und Hygienepapier in den Abfall beziehungsweise in die Toilette. Dies liegt weit über dem westeuropäischen Durchschnitt. Da sich Haushalts- und Hygienepapier nicht mehr rezyklieren lässt, ist es besonders wichtig, darauf zu achten, welches Papier man kauft. Dank der Verwendung von Papierprodukten aus Recyclingfasern lässt sich der Ressourcenverbrauch für die Herstellung erheblich verringern. Darum gilt:
Wer Produkte aus Recyclingpapier bevorzugt, schont die Wälder.
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1 Portugiesisch:
«Und bei dir Kaio, wie war es in der Schule?» 2 Spanisch: «Hallo Liebes, was hast du für das Abendessen vorbereitet?» 3 Alma! (Kaio ruft seine Schwester)
Eine Familie und vier Sprachen: Marta und Benji mit ihren Kindern Alma (oben), Maya (rechts) und Kaio (unten).
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Mischen, vergleichen, korrigieren? Elterntipps.
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Familie
Wenn jeder eine andere Sprache spricht Spanisch, Brasilianisch, Berndeutsch, Hochdeutsch: Die Kinder von Marta und Benji Villanueva aus Biglen BE beherrschen bereits mehrere Sprachen. Sie haben das Glück, mit einer grossen Sprachenvielfalt aufzuwachsen. Denn Kinder lernen Sprachen besonders leicht. Text: Claudia Langenegger
E
u quero mais um! Ich möchte noch eins!», sagt Kaio (7) und zeigt auf die Honigschnitte, die sein Mami Marta Martins-Villanueva (39) gerade streicht. «So mais um, depois chega», antwortet sie. «Noch eins, dann ist genug.» Kaios Halbschwestern Alma (2½) und Maya (4) hüpfen im Gras umher, rufen ihm auf Brasilianisch zu: «Vem! Komm!» Die letzten Sonnenstrahlen leuchten flach über die Hügel von Biglen BE. Es ist Abend, und schon kommt Papi nach Hause. «Hola», begrüsst ihn Kaio und redet zwei, drei Sätze auf Spanisch. Auch Marta stellt auf Spanisch um. Marta ist gebürtige Brasilianerin, sie lebt seit 15 Jahren in der Schweiz, Benji (41) kam mit 24 Jahren von Peru hierher. «Mit den Kindern spreche ich brasilianisches Portugiesisch», erklärt Marta, «mit Benji spanisch.» Die dreifache Mutter ist sehr konsequent: Sie wechselt von ihrer Muttersprache sofort auf Spanisch, sobald sie mit Benji spricht oder es alle zusammen etwas angeht. Sie tut das innert Sekunden problemlos, auch nur für einen Satz. Ist Schweizer Besuch da, reden sie berndeutsch. «Uns ist es wichtig, dass sie unsere Muttersprachen lernen», sagt Marta. «Sie ist näher beim Herzen.» Und Benji will nicht, dass das passiert, was er erlebt hat: «Meine Mutter ist Schwei-
zerin, sie sprach aber nie Schweizerdeutsch mit mir», erzählt er. «Ich hätte als Kind gratis Deutsch lernen können.» Doch nun hat sein Berndeutsch einen südamerikanischen Akzent, wie das von Marta auch. Und die Kinder? Kaio spricht astreines Berndeutsch, die Kleinen sind noch etwas scheu, es zu sprechen, verstehen aber alles. Die Mädchen besuchen beide an zwei Tagen pro Woche die Krippe. Hauptgrund: die Sprache. «Sie sollen nicht im Kindergarten plötzlich ins kalte Wasser geworfen werden», sagt Marta. In Biglen, dem weitläufigen Dorf in den Hügeln des Emmentals, sind die Häuser weit über die grünen Wiesen verteilt. Die Mädchen treffen beim Spielen draussen nicht automatisch auf gleichaltrige Kinder. Kaio wechselt flink die Sprachen
Besonders amüsant ist es, wenn Maya und Alma daheim beim Spielen schweizerdeutsch sprechen. «Sie sagen dann vor allem «Jaaa, Momou und Mm-hhm», macht Marta sie schmunzelnd nach. «Das ist sehr süss.» Maya singt auch oft Lieder aus der Kita und erfindet spontan schweizerdeutsche Texte dazu. Und Kaio, welche Sprache spricht er am besten? «Bärndütsch», antwortet der Kleine. Doch Geschichten hört er sich seit einer Weile lieber auf Hoch-
Bilder: Michael Sieber
deutsch an: «Ich bin denk nun in der Schule – da spricht man Hochdeutsch!», sagt er stolz. Der dunkelhaarige Junge wechselt problemlos von einer Sprache in die andere. Er kann sogar Französisch. Sein leiblicher Vater David, bei dem er regelmässig die Wochenenden verbringt, ist ein Berner, der mit einer Französin verheiratet ist. Kaio spricht mit ihr und seinem anderen Halbschwesterchen französisch. «Du sprichst so komisch»
«Kinder sind extrem lernfähig», sagt Dominik Schöbi (43) vom Institut für Familienforschung an der Universität Freiburg FR. «Sie können mehrere Sprachen aufs Mal lernen. Es ist aber relativ wichtig, dass dies früh passiert. Beispielsweise nimmt die Fähigkeit, gewisse Laute zu unterscheiden, schnell ab.» Ein Nachteil sind die vielen Sprachen nie. Aus der Forschung weiss man zwar, dass einzelne Kinder sich sprachlich dann etwas langsamer entwickeln, doch das ist nur vorübergehend. Kaio hat sich aber auch schon geschämt – wegen seiner Mami. «Kaio hat erst kürzlich so richtig realisiert, dass ich kein richtiges Berndeutsch rede», sagt Marta lachend. «Als ich ihn zur Schule begleiten wollte, sagte er zu mir, ich müsse nicht kommen.» Sie fragte, warum denn. Seine Ant-
wort: «Du sprichst so komisch!» «Ich erklärte ihm, dass ich die Sprache erst mit 23 gelernt hätte und man das halt nun höre», sagt Marta. Eine Woche später fand ihr Sohn: «Ist schon gut, wie du redest. Du bist ja nicht hier geboren.» Dominik Schöbi kennt dieses Phänomen. «Kinder schämen sich schnell für Andersartigkeit», erzählt er. «Das beginnt im Verlauf der Primarschule, wenn Identifikation, Identität, Gruppen- und Familienzugehörigkeit zu relevanten Themen werden.» Er weiss aber auch, dass es nicht grundsätzlich schädlich ist, wenn Eltern in gebrochenem Deutsch mit ihren Kindern reden: «Kinder lernen die Sprache ja auch mit anderen Menschen im Umfeld, die ebenfalls deutsch, respektive schweizerdeutsch sprechen.» Manchmal kommen nicht alle mit
Simona Vega-Isler (33) aus Bern spricht mit ihrem Ehemann Alejandro Vega (37) spanisch, mit den Kindern Iori (8) und Rita (3) berndeutsch. Und wenn es alle etwas angeht? «Dann rede ich spanisch, das ist unsere Familiensprache», sagt die Historikerin, die wie ihr Mann 80 Prozent arbeitet und mit ihm die Betreuung der Kinder teilt. «Obwohl: Es kommt schnell mal vor, dass ich zu den Kindern auf Deutsch etwas sage, und Alejan-
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dro kriegt es nicht ganz mit – was zu Missverständnissen füh ren kann.» So kann es sein, dass sie das Fernsehen nach dem Znacht verbietet, aber Alejandro bekommt es nicht mit. Denn er spricht zwar deutsch, doch zu schnell geht berndeutsch Ge sagtes bei ihm unter. Alejandro hat die Kinder von der Tagesschule respektive aus der Kita abgeholt. «Schau, mein Laternchen!» Rita zeigt stolz, was sie heute gebastelt hat. Iori, der scheu «Grüessech» sagt, nimmt seine Mathematikaufga ben hervor, setzt sich neben Papi, und schon plappert er sich in astreinem Spanisch kreuz und quer durch die Zahlen. Sprache prägt Kommunikation
Dass sein Spanisch so problem los läuft, hat er dem Chileauf enthalt zu verdanken. Letztes Jahr lebte die Familie für neun Monate in Chile, Simona arbei tete als Doktorandin an der Uni in Valparaíso. «Vorher hatte Iori manchmal Hemmungen», erzählt die Mut ter. «Es kam vor, dass er fragte: ‹Kannst du das Papi sagen?›» Die kleine Rita hingegen hatte in Chile komplett aufgehört, bern deutsch zu sprechen. «Sie hat sogar mit mir spanisch geredet», sagt Simona mit einem Schmun zeln. In diesen Monaten merkte sie, wie schwierig es ist, das Deutsch aufrechtzuerhalten, obwohl es ihre Muttersprache ist. Dass Simona so gut spanisch spricht, ist ein Vorteil für die Fa milie und die Zweisprachigkeit der Kinder. Für Alejandro ist es manchmal aber auch ein Nach teil: «Er möchte gern daheim mehr hochdeutsch sprechen, damit er üben kann.» Mit den verschiedenen Spra chen ist auch eine andere Art von Kommunikation verbunden. Während Jori mit Papi viel spa nische Musik hört und den süd amerikanischen Humor pflegt, tauscht er sich mit seiner Mami öfter über seinen Schulalltag aus. Auch bei der kleinen Rita klappt es problemlos, hin und her zu wechseln, abgesehen von einigen lustigen Worterfindungen. Fragt man sie: «Kannst du Spanisch?» antwortet sie: «Ja – sì!» MM
Dominik Schöbi
«Gefühle lassen sich in der Muttersprache leichter ausdrücken» Dominik Schöbi, Mami und Papi sprechen je eine Fremdsprache und verständigen sich auf Englisch. Wie sollen sie mit dem Kind reden? In Einzelgesprächen am besten die eigene Sprache. Die Fami liensprache sollte eine Sprache sein, die alle verstehen. Es müssen sich alle beteiligen können, sonst gibt es ein Ungleichgewicht. Wenn sich ein Familienmitglied nicht mühelos und flüssig ausdrü cken kann, ist dies kein Drama, wenn die Beziehungen unter einander gut etabliert sind. Das wird erst zum Problem, wenn diese nicht mehr gut funktio nieren. Wie wichtig ist die Muttersprache für die ElternKind-Beziehung? In der Muttersprache ist es einfacher, Gefühle und Meinungen mit all ihren Feinheiten auszudrücken. Man benützt beim Trösten die richtigen Worte, formuliert seine Sorgen, seinen Stolz oder seine Verärgerung passend und ist authentischer. Und es passieren weniger Missver ständnisse. In der Mutterspra che gibt es in der Regel keine Diskrepanz zwischen den Wörtern und der nonverbalen Gestik. Sie ist wichtig in Situationen, in denen man Vertrauen aufbaut. Ist eine Familiensprache sinnvoll, die weder Muttersprache eines Elternteils noch Landessprache ist? Für eine Familie ist es wichtig, eine gemeinsame Sprache zu haben. Aber es ist nicht ein fach, dies auch durchzuziehen. Es braucht sehr viel Disziplin. Die Kinder müssen wissen, wann welche Sprache gesprochen wird, und alle müssen sich konsequent an klare Regeln halten.
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Dominik Schöbi (43) ist Familienforscher und Direktor des Instituts für Familienforschung und -beratung an der Universität Freiburg.
Ist das eher bei oberen Schichten, wie etwa Akademikerfamilien, der Fall? Nein, gerade bei Immigranten familien ist es oft so, dass ein Elternteil schon länger in der Schweiz ist und hier arbeitet. Wenn Partner und Kinder nachziehen, sprechen sie dann zu Hause nicht selten auch hochdeutsch, damit die Kinder es schneller lernen. Die Eltern könnten doch einfach eine eigene Sprache für sich haben? Ja, aber so ist ihre Sprache exklusiv: Die Kinder sind ausgeschlossen. Diese können nicht «abgucken» und lernen, wie die Eltern zusammen re den, wie sie verbal miteinander umgehen. Wie wichtig ist es, dass Kinder ihre Grosseltern aus dem anderen Sprachraum verstehen? Sehr wichtig, denn die Bezie hungspflege läuft über die Sprache. Und die Sprache ist auch ein wichtiges Tor zu einer Kultur, man lernt dadurch neue Themen und andere Lebensarten und ansichten kennen. MM
4 Marta kocht
heute peruanisch: Ceviche, fein geschnittener roher Fisch, und Lomo Saltado, in Stücke geschnittenes gebratenes Rindfleisch mit Zutaten. 5 Benji antwortet: «O wie fein!» 6 Milch (Spanisch)
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N Mamma mia
Voll peinlich
Neulich war ich mit meiner Grossen in einem Computerladen. Zwischen all den Notebooks und Tablets wuselten Schulkinder herum. Hä? War der Hort abgebrannt? Da zeigte Ida auf zwei Knirpse, die an einem Riesenbildschirm ein Game testeten. Irgend was mit Herumrennen und Münzen sammeln.
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Die Buben wirkten total entkoppelt. Faszinierend. Konnte man sie überhaupt erreichen? Ich stellte mich direkt vor den Bildschirm und guckte sie an. Einer machte einen Ausfallschritt nach links, um wieder freie Sicht zu haben – ich hinterher. Und dann das Ganze in die andere Richtung. Während sein Kollege bereits grinste, gab der Powergamer sich unbeeindruckt. Also begann ich, den Hampelmann zu machen. Beine auseinander, Arme an die Seite, Beine zusammen, Klatsch! Immer mehr Menschen lachten mit. Ich hörte erst auf, als der Knirps aus seiner Trance erwachte. Game over!
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Es gab nur eine, die meine Show unlustig fand: Ida. Gefragt, wer die Frau neben ihr sei, hätte sie geantwortet: «noch nie gesehen».
Die Familie in ihrem heimeligen Zuhause in Biglen im Emmental
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Online zu mehr Gesundheit Matthias Schleuss lässt seine Daten beim Arzt Rubén Oliver abgleichen.
Gesundheit
Verjüngungskur fürs Herz Wissen Sie, wie alt Ihr Herz ist? Der Swissheart-Coach kann es Ihnen sagen. Das neue Online-Tool hat die Schweizerische Herzstiftung entwickeln lassen. Text: Marc Bodmer
Bild: René Ruis
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s sind acht Faktoren, die unser Herz gesund erhalten: nicht rauchen, viel Bewegung, gesunde Ernährung, optimales Körpergewicht, wenig Stress, normaler Blutdruck, ausgeglichene Blutfette und kein erhöhter Blutzucker. Das meiste hat man wohl selber gewusst. Aber hält man sich daran? Verzichtet man seiner «Pumpe» zu liebe auf Schnitzel und Pommes? Überwindet man den inneren Schweinehund und geht stattdessen täglich joggen, damit der Puls einmal etwas höher schlägt? Dort, wo sich im Alltag eine Schere zwischen optimalem und tatsächlichem Verhalten auftut, setzt der Swissheart-Coach (SHC) an. Die Schweizerische Herzstiftung, die sich aktiv für die Prävention von Herzkrankheiten und Hirnschlag einsetzt, hat dieses Online-Tool entwickeln lassen. Damit lässt sich zum einen das eigene Risiko ermitteln, zum ande-
ren das rechnerische Alter des Herzens. Ausgehend von diesen Werten kann man mit dem Arzt ein Gespräch führen und Massnahmen festlegen, um eine Verjüngungskur anzutreten. «Etwa die Hälfte der Schweizer Bevölkerung bewegt sich regelmässig die empfohlenen 2,5 Stunden pro Woche in einer mittleren Intensität», sagt Rubén Oliver, Arzt bei Medbase Winterthur. Ein Viertel aber treibe nie Sport und sei stark gefährdet. Ziele vereinbaren
Rubén Oliver begleitet seinen Patienten Matthias Schleuss (48) seit November 2015. Bei einem Routinecheck wurde bei ihm Diabetes festgestellt. Gemeinsam mit seinem Hausarzt hat der Informatiker den Swissheart-Coach-Test online ausgefüllt. «Das kann ich nur empfehlen», sagt Matthias Schleuss. «Der Arzt hilft, die Resultate einzuordnen, und hat auch die erforderlichen Laborwerte zur
Hand.» Der Swissheart-Coach zeigt auf, wo der Patient Defizite hat, aber auch, was positiv ist. Anhand dieser Informationen werden Ziele vereinbart. «Das wichtigste war, Gewicht zu verlieren und Stress abzubauen», sagt Schleuss. Mithilfe einer Ernährungsberatung hat er in den letzten vier Monaten 20 Kilo abgenommen: «Das Tolle am SHC ist, dass er einem gleich zeigt, was welche Massnahme bringt. Das ist sehr motivierend.» Auch Rubén Oliver sieht darin eine wichtige Qualität des Online-Tools: «Die Umrechnungen des individuellen Herz-KreislaufRisikos in ein virtuelles Alter des Herzens zeigen auf, ob das HerzKreislauf-System beim aktuellen Lebensstil gefährdet ist.» «Das gibt mir eine gewisse Sicherheit», sagt Matthias Schleuss und sieht zuversichtlich dem nächsten Check entgegen. MM Mehr Informationen: www.swissheartcoach.ch
In Zusammenarbeit mit Herzund Präventionsspezialisten hat die Schweizerische Herzstiftung den Swissheart-Coach entwickelt. Das Online-Tool kann auf www.swissheartcoach.ch gratis genutzt werden. Nach Eingabe Ihrer Daten kön-
nen Sie sofort Ihr persönliches Herzalter ermitteln und sehen auf einen Blick, wie der Lebensstil die Gesundheit beeinflusst. Es empfiehlt sich für Herz-Kreislauf-Patienten,
die Daten gemeinsam mit dem Arzt zu erfassen und auszuwerten. Ein Ampelsystem
signalisiert zudem, wo noch Verbesserungspotenzial und wo Handlungsbedarf besteht. Auf www.migmag.ch/ swissheart sehen Sie, wie das Tool funktioniert. In Zusammenarbeit mit
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Angehörige von alkoholkranken Menschen sind in ihrer Not oft alleine. Sie sorgen sich um die betroffene Person und den Zusammenhalt der Familie. Viele schämen sich, fühlen sich ohnmächtig oder gar schuldig, nichts verändern zu können. Informationen für Angehörige www.alkoholkonsum.ch/fuer-nahestehende Die Seite bietet Kurzfilme mit Aussagen von betroffenen Angehörigen und Fachpersonen sowie viele praktische Tipps. Den Mut fassen, Hilfe zu holen Viele wünschen sich, vertraulich die Not zu schildern und Lösungen zu suchen. Die Unterstützung einer Beratungsstelle oder Selbsthilfegruppe kann für Angehörige sehr entlastend sein. Regionale Beratungsstellen: www.suchtindex.ch, Selbsthilfegruppen: www.selbsthilfeschweiz.ch Beratungstelefon von Sucht Schweiz 0800 104 104 Eine Kampagne des SZB Mit Unterstützung von: Schweizerischer Blindenbund, Schweizerischer Blinden- und Sehbehindertenverband SBV, Fondation Leenaards
LEBEN | MM13, 29.3.2016 | 113
Tipps
So is(s)t die Jugend
I
Eins nach dem anderen
Hier hats viele Fasern drin
Ich hatte meine Spaghetti aufge gessen und es gar nicht mitgekriegt. Das stellte ich erstaunt fest, nachdem meine Mahlzeit fertig war, das YoutubeVideo dagegen noch nicht. Und plötzlich wurde mir klar, wie oft ich während des Essens noch 1000 andere Dinge erledige oder mir schlicht zu wenig Zeit fürs Essen nehme.
• Vollkornbrot, Vollkornteig waren, Vollreis, ungeschälte Lin sen oder Müesli mit Flocken aus dem ganzen Korn bevorzugen. Auch mal mit Vollkorn statt Weissmehl backen. • Hülsenfrüchte wie Bohnen, Lin sen, Kichererbsen in die Menüs einbauen. Auch Quinoa und Ama rant, Buchweizen, Hirse, Grünkern und Gerste sind faserreich. • Nüsse, Samen und Kerne sind wahre Faserbom ben. Leinsamen, Weizen oder Ha ferkleie und Kür biskerne machen sich gut im Müesli und auf dem Salat. Täglich möglichst wenig verarbeite te Früchte und Gemüse essen. • Ein Glas Wasser zu Faserreichem trinken. So quellen die Fasern in Magen und Darm besser auf und sät tigen nachhaltiger.
Bild: Paula Hible/Getty Images
Hier schreiben die VivaiExperten über Ernährungs fragen. Dieses Mal der Ernährungs wissenschaftler David Fäh. In Zusammenarbeit mit
Das Nachhaltigkeits magazin der Migros
Quelle für verschiedene Arten von Fasern: Vollkornbrot mit Samen und Kernen.
Ernährung
Kleine Sattmacher Pflanzenfasern stillen nicht nur den Hunger und halten lange
satt, sie sind auch gesund und können Krankheiten vorbeugen. Text: David Fäh
N
ährwert haben Pflanzen fasern für den Menschen zwar kaum. Sie aber einfach als Ballaststoffe zu bezeich nen, wie man das früher tat, wäre auch falsch. Heute wissen wir, dass Pflanzenfasern viel mehr ent als belasten. In einer Umwelt, die uns wenig Bewegung abverlangt, uns aber überall und jederzeit energiereiche Lebensmittel bietet, sind Nahrungs fasern so wertvoll wie nie zuvor. Fasern stillen kalorienarm den Hunger, halten lange satt und beu gen der Verstopfung vor. Ihrer Wir kung entsprechend, lassen sich zwei Typen von Fasern unterscheiden: diejenigen, die sich in Wasser lösen, und die, die nicht löslich sind. Von den nichtlöslichen Fasern landet nichts in unserem Körper. Dafür binden sie viel Wasser, was
den Magen füllt und den Stuhl auf lockert. Nichtlösliche Fasern sind in vielen Getreiden enthalten, in Nüssen und Pilzen und in manchen Gemüsen. Lösliche Fasern binden weniger Wasser als nichtlösliche, aber sie bil den im Magen einen Schleim. Dieser bewirkt eine Verlängerung des Sätti gungsgefühls und sorgt dafür, dass wir die Kohlenhydrate aus der Nah rung langsamer aufnehmen. Dies entlastet die Bauchspeicheldrüse und senkt das Diabetesrisiko. Im Dickdarm angekommen, bauen Bakterien die löslichen Fasern in gesunde Fettsäuren um, die wir aufnehmen und die unsere Blutfett werte verbessern können. Lösliche Nahrungsfasern sind in Hafer und Hülsenfrüchten und in vielen Gemü sen und Früchten enthalten. MM
Dabei wäre es viel gesünder, beim Essen auch mental bei der Sache zu sein: «Der selbst kreierte Auflauf schmeckt richtig gut», «Die Suppe ist gut ge salzen» oder «Ich bin satt» – solche Dinge merken wir eher, wenn wir nicht abgelenkt sind. Dafür muss man auch mal einen Gang zurückschalten. «Bewusst essen» lautet das Zauber wort: essen und mit der Aufmerksamkeit 100 Prozent dabei sein. Danach erst den Freund anrufen, die Zeitung lesen oder an die unerledigten Hausaufgaben denken. Das Essen soll genos sen und zelebriert werden. Sei es mit der Familie im Wohn zimmer, mit Freunden in der WG oder allein mit einer Fertigpizza auf dem Teller am Küchentisch. MM
Annina Brüh wiler (23), Stu dentin, Winterthur
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LEBEN | MM13, 29.3.2016 | 115
Die schiefe Kopfhaltung des Kaninchens deutet auf eine Erkrankung des Nervensystems hin.
Tipps
So erkennen Sie die Krankheit Kaninchen, die ein neues Zuhause beziehen, sollten zu
Beginn unter Quarantäne gestellt und be obachtet werden. Viele Krankheiten brechen erst in Stresssituationen aus, etwa nach einem Umge bungswechsel. Eine Infektion
Zootierärztin
Parasit jagt Chüngel Viele Hauskaninchen leiden an einer verbreiteten Infektionskrankheit. Bekämpfen lässt sich der Parasit nicht. Doch eine medikamentöse Behandlung kann den Chüngeln helfen. Text: Karin Federer
Bilder: Walter Zoo
V
Karin Federer (30) ist Tierärztin und berichtet regelmässig aus dem Walter Zoo in Gossau SG.
iele Leute halten Kaninchen, einige nennen sie Hasen und sprechen von Nagetieren. – Bringen wir doch schnell Ordnung in den Kaninchenstall: Kaninchen gehören nicht zu den Nage tieren, sondern zu den Hasen artigen. Aber sie sind keine Hasen. Das Hauskaninchen stammt vom Wildkaninchen ab, und das unterscheidet sich in mehreren Punkten vom Feldhasen. Der Hase ist aus serhalb der Paarungszeit ein Einzelgänger und die Jungtiere sind Nestflüchter. Kaninchen dagegen leben in Gruppen in einem Bau. Selbstverständlich leben die Hauskaninchen auch bei uns im Zoo in einer Gruppe. Vor ein paar Tagen kam eine Neuzuzügerin zu uns in den Zoo. Die Tierpfleger beobach teten, dass sie sich auffällig verhält. Das Kaninchenweib
chen starrt ins Leere, hält den Kopf schief, frisst nicht recht. Ich habe einen Ver dacht: Das Tier könnte an einer Krankheit leiden, die durch einen einzelligen Para siten mit dem komplizierten Namen Encephalitozoon cuniculi verursacht wird. Sind die Tiere gestresst, bricht die Krankheit aus
Dieser Parasit ist weitver breitet: 50 Prozent der Kaninchen kommen im Lauf ihres Lebens mit dem Erreger in Kontakt. Die Krankheit bricht aber bei den meisten nicht aus. Und wenn doch, dann oft bei Veränderungen der Lebensbedingungen: ein neuer Ort, eine neue Grup pe. Das kommt sowohl bei Hauskaninchen als auch bei Wildkaninchen vor und bedeutet Stress für das Tier. Und da Stress das Immun
system schwächt, kann die Krankheit in solchen Situa tionen ausbrechen. Im Untersuch bestätigt sich mein Verdacht: Das Kanin chen leidet an einer Erkran kung des Nervensystems, andere Ursachen können mit grosser Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Bekämpfen kann man den Parasiten kaum. Aber ich sor ge dafür, dass die im Darm be findlichen Einzeller abgetötet werden und dass das Kanin chen möglichst wenig leidet. Ich gebe ihm Medikamente und schaue, dass es wieder regelmässig frisst. Das führt zum Erfolg: Das Kaninchen wird wieder fit. Nur die schiefe Kopfhaltung bleibt – für den Moment. Im Normalfall ver schwindet sie nach ein paar Monaten. Das Kaninchen selbst stört sich wenig daran und hoppelt jetzt fröhlich in der Gruppe mit. MM
mit Encephalito zoon cuniculi ist dennoch nicht selten, da der Erre ger in der Kanin chenpopulation weitverbreitet ist und nur schwie rig bekämpft werden kann. Die Symptome
können sehr unter schiedlich sein. Bei der klassischen Ausprägung mit Kopfschiefhaltung und Lähmungser scheinungen muss aber auf jeden Fall an Encephalito zoon cuniculi gedacht werden. Selten können auch Menschen
mit einer Immun schwäche mit dem Erreger infiziert werden. Nach Erkennen der Symptome
rasch einen fach kundigen Tierarzt aufsuchen.
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LEBEN | MM13, 29.3.2016 | 119
Kinder
Gefrässige kleine Maus Sie sieht aus wie eine Maus, ist aber eher mit dem Igel verwandt: Die Wasserspitzmaus. Der Verein Pro Natura hat sie zum Tier des Jahres ernannt. Damit wir daran denken, wie wichtig saubere Gewässer sind. Text: Yvette Hettinger
Illustration: bunterhund.ch
Die Feinde der Wasserspitzmaus
Schleiereulen, Reiher, Ringelnattern und Hechtes fressen gern Wasserspitzmäuse. Auch Wiesel, Füchse und Katzen erbeuten das Tierchen manchmal, fressen es aber nicht – wahrscheinlich, weil sie seinen leicht moschusartigen Geruch nicht mögen. Der Mensch ist eine Bedrohung, wenn er die Bachufer verbaut oder Flüsse begradigt.
Ein seltenes Bild: Wasserspitzmäuse sind Einzelgänger und verteidigen normalerweise ihr Revier vor Artgenossen.
Winziges Tier, mächtiger Hunger:
Die Wasserspitzmaus frisst jeden Tag so viel wie ihr eigenes Körpergewicht. Das ist etwa so, wie wenn ein zehnjähriges Kind täglich 30 Kilogramm Essen zu sich nähme! Die Wasserspitzmaus muss so viel Energie futtern, weil sie viel Wärme über die Körperoberfläche verliert. Am liebsten frisst sie kleine Krebse,
Insektenlarven und Fischchen – und manchmal, wenn sie an Land ist, auch Würmer oder Schnecken. Die meiste Beute findet sie aber am Grund von Bächen und Teichen. Sie lähmt sie vor dem Verspeisen mit einem Biss – ihr Speichel enthält ein Nervengift, das für Menschen unschädlich ist. Für das Jagen unter Wasser ist das Tierchen gut ausgerüstet: Seine Haare sind so
Reiher
Ringelnatter
angeordnet, dass darin Luftbläschen hängen bleiben und Kälte und Nässe nicht an die Haut gelangen können. Ausserdem hat der kleine Taucher Borstensäume an den Füssen, die wie Schwimmhäute wirken. Ein Borstenkiel am Schwanz hilft beim Lenken im Wasser. Dieses sollte sauber und sauerstoffreich sein, damit sich die Wasserspitzmaus wohlfühlt. MM
Fuchs
Mensch
LEBEN | MM13, 29.3.2016 | 121
Fragen und gewinnen! Schreibt uns. Für jede publizierte Frage gibt es einen 20-FrankenGutschein.* Alina (9), Wettswil ZH
Das ist, wenn du über etwas nachdenkst und es richtig gut verstehen willst. Du suchst nach der Wahrheit und stellst darum kluge Fragen. Dabei lässt du dich nicht mit unsinnigen Antworten abwimmeln und glaubst auch nicht einfach, was man dir dazu sagt. Lieber prüfst du, ob eine Antwort wirklich logisch ist und Sinn ergibt. Die Philosophie ist die Liebe zur Weisheit. Aber was ist denn Weisheit? Was ist Wahrheit? Du siehst:
Jetzt sind wir schon mitten am Philosophieren. Das kann man allein tun oder gemeinsam mit anderen grossen oder kleinen Philosophen. Typische Fragen sind zum Beispiel: Was ist der Sinn des Lebens? Woher kommen wir? Ihr Kinder stellt oft philosophische Fragen. Ihr könnt nämlich etwas, was viele Erwachsene verlernt haben: gedanklich bei Null anzufangen. Da ihr noch nicht mit Vorurteilen und Meinungen von anderen
Leuten verstopft seid, geht ihr frei und voller Neugier an ein Thema heran. Das ist wichtig in der Philosophie. Zudem könnt ihr euch noch Dinge vorstellen, die «unmöglich» sind. In Wirklichkeit ist aber nichts unmöglich. Nur: Was ist denn «wirklich» …? Bleib dran beim Philosophieren! Es hilft uns, immer wieder zu staunen, und macht das Leben reichhaltiger. MM *Hast du auch eine Frage zu einem aktuellen Thema? Dann sende eine Mail an kinderfragen@migrosmedien.ch
Gabriela Bonin (48) beantwortet
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LEBEN | MM13, 29.3.2016 | 125
Zu gewinnen 3 x 1 Wochenende im Hotel Garni Muttler**** sowie 9 x 1 MerrellMultifunktionsschuhe Capra GTX
Wettbewerb
Mitmachen und gewinnen Das Migros-Magazin in Zusammenarbeit mit Sport XX und Merrell verlosen: • 3 x 1 verlängertes Wochenende (Freitag bis Sonntag) für 2 Personen im Hotel Garni Muttler**** Alpinresort & Spa inklusive reichhaltigen Frühstücksbuffets mit frischen regionalen Produkten • 9 x 1 Paar MerrellMultifunktionsschuhe Capra GTX
Samnaun lädt zum Wandern ein – am besten mit den leichten Capra-GTXMultifunktionsschuhen von Merrell. Das Hotel Garni Muttler**** ist ein idealer Ausgangspunkt für Touren.
Wettbewerbsfrage: Wie viele Sterne hat das Hotel Garni Muttler?
Glücksgriff
Auf in die Berge! Wanderfans, aufgepasst: Das Migros-Magazin, SportXX und Merrell verlosen ein
Wochenende im Hotel Garni Muttler**** in Samnaun sowie Multifunktionsschuhe.
Bild: Fritz Breig/Interfoto/Keystone
F
rühlingszeit ist Wanderzeit. In Samnaun GR empfängt das Hotel Garni Muttler**** Alpinresort & Spa seine Gäste und offeriert ihnen nebst erholsamer Ruhe ein vielfältiges Wellnessangebot. Der kleine, aber feine Familienbetrieb ist zentral gelegen und wurde komplett renoviert. Das Vier-Sterne-Hotel empfiehlt sich als Ausgangspunkt für Wanderungen im Münstertal und Unterengadin. Wer sich aufmacht, die herrliche Alpenwelt zu Fuss zu erkunden, sollte dies in der kommenden Saison in einem Capra GTX des Outdoor-Schuhherstellers Merrell tun. Dieser bietet trotz seines gerin-
gen Gewichts von nur 420 Gramm pro Schuh (Herrenmodell Gr. 43) die nötige Trittsicherheit auf ausgiebigen Wanderungen und einfachen Bergwegen. Die patentierte Unifly-Mittelsohle stützt dabei im Fersenbereich, während sie im Vorder- und Mittelfussbereich flexibler gestaltet ist. Dies ermöglicht ein rundes Abrollen und verhilft zu einem angenehmen, natürlichen Gefühl beim Gehen. Stets ein angenehmes Fussklima
Ein in der Fersenkonstruktion eingebautes Luftpolster sorgt für zusätzliche Dämpfung beim Auftritt. Dank geringem Gewicht und gelenkschonendem Bewegungsab-
lauf lässt sich mit diesem Schuh weiter gehen, bevor Ermüdungserscheinungen eintreten. Optisch überzeugt der Capra GTX durch die Verarbeitungsqualität des robusten Wildleders. MeshEinsätze sorgen zusammen mit der Goretex-Membrane für ein angenehmes Fussklima. Eine Behandlung des Futters und der Innensohle auf Basis natürlicher Mikroben bekämpft wirkungsvoll geruchsbildende Bakterien. Die griffige Sohle des Marktführers Vibram bietet sicheren Halt, auch wenn das Gelände mal rauer und steiler wird. MM Merrell Multifunktionsschuhe Capra GTX, Fr. 179.90; www.merrell.ch
So machen Sie mit: Per Telefon: Wählen Sie 0901 560 039 (1 Fr./Anruf) und nennen Sie Ihre Lösung, Ihren Namen und Ihre Adresse. Per SMS: Senden Sie ein SMS mit dem Text GEWINNEN, dem Lösungswort, Ihrem Namen und Ihrer Adresse an die Nummer 920 (1 Fr./SMS). Per Postkarte: Senden Sie eine Postkarte (A-Post) mit Ihrem Lösungswort und Ihrer Adresse an MigrosMagazin, «Merrell», Postfach, 8099 Zürich Online: Gratis unter www.migrosmagazin.ch/ gluecksgriff Einsendeschluss: 3. April 2016. Die Gewinner werden schriftlich benachrichtigt. Es erfolgt keine Barauszahlung, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt. Die Mitarbeitenden der Migros-Medien sind von der Teilnahme ausgeschlossen. Mehrfachteilnahmen sind nicht erlaubt und werden vom Wettbewerb ausgeschlossen. Preise, die nicht bis spätestens drei Monate nach Ziehung durch den Gewinner bezogen werden, verfallen ersatzlos.
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Teilnahme per Post bis 19.04.2016 an: Nestlé Purina Petcare, Matzinger, Postfach 9339, 1811 Vevey. Aktion nur in der Schweiz gültig. Ein Produkt pro Haushalt. Solange der Vorrat reicht.
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LEBEN | MM13, 29.3.2016 | 127
Kreuzworträtsel
Gewinnen Sie eine von 5 Migros-Geschenkkarten im Wert von je 100 Franken!
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oder eine von 5 MigrosGeschenkkarten im Wert von je 50 Franken für das grün eingefärbte Feld! Tel. Wählen Sie die 0901 560 065 (Fr. 1.–/Anruf) SMS Senden Sie MMD5, gefolgt von dem Lösungswort, Ihrem Namen und Ihrer Adresse an die 920 (Fr. 1.–/SMS) Chancengleiche WAP-Teilnahme ohne Zusatzkosten http://m.vpch.ch/MMD12315 (gratis übers Handynetz) Teilnahmeschluss: Sonntag, 3.4.2016, 24 Uhr
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HERAG AG Treppenlifte Tramstrasse 46 8707 Uetikon am See info@herag.ch www.herag.ch 044 920 05 04
So nehmen Sie teil Tel. Wählen Sie die 0901 560 041 (Fr. 1.–/Anruf) SMS Senden Sie MMD1, gefolgt von dem Lösungswort, Ihrem Namen und Ihrer Adresse an die 920 (Fr. 1.–/SMS). Beispiel: MMD1 SOMMER. Hans Mustermann Musterstrasse 22 8000 Musterhausen Postkarte (A-Post) Migros-Magazin, Kreuzworträtsel, Postfach, 8074 Zürich Internet www.migrosmagazin.ch/raetsel Teilnahmeschluss: Sonntag, 3.4.2016, 24 Uhr Teilnahmebedingungen: Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Keine Barauszahlung. Computergesteuerte Massenteilnahmen sind nicht gewinnberechtigt. Die Mitarbeiter der Migros-Medien sind von der Teilnahme ausgeschlossen. Gewinner werden schriftlich benachrichtigt und mit Namen und Wohnort veröffentlicht.
Auflösung Nr. 12: SPITZMAUS Gewinner Nr. 11: Rita Hasler, Zürich; Treppenlifte
CH-9620 Lichtensteig Tel. 071 987 66 80
www.hoegglift.ch
Théa Burgherr, Rheinfelden AG; Erika Rolli, Kaisten AG; Guido Stammler, St. Gallen; Elisabeth Zimmermann, Wohlenschwil AG; Kathrin Blatter, Oberbütschel BE; Hildegard Bögli, Herzogenbuchsee BE; Gertrud Kessler, Siebnen SZ; Pascale Bianchi, Aesch BL; Marianne Hotz, Ostermundigen BE
Gewinner «Zusatz» Nr. 11:
Beatrix Schärer, Oberwil BL; Hansjörg Häusler, Winterthur ZH; André von Steiger, Therwil BL; Doris Stahnke, Lyss BE; Anna Dolf, Uster ZH
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Bild: Vera Hartmann
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LEBEN | MM13, 29.3.2016 | 129
Quiz
Gewinnen Sie eine von 3 Migros-Geschenkkarten im Wert von je 100 Franken! Ermitteln Sie für jede Quizfrage den richtigen Lösungsbuchstaben. Der Reihe nach in die acht Lösungsfelder eingetragen, ergibt sich das Lösungswort. 1. Wer rastet, der …? T
hastet
M kostet
O rostet
L
E
2. Was kommt in der Natur vor? I
Rasierer
Föhn
Zahnbürste
3. Welche Behälter werden oft beim Zügeln eingesetzt? R Milchkannen
D Bananenkisten
M Kartoffelsäcke
So nehmen Sie teil
4. Welcher Fluss durchfliesst das aargauische Freiamt? S
Wigger
O Surb
T
Bünz
E
Butterfly
Tel. Wählen Sie die 0901 560 042 (Fr. 1.–/Anruf) SMS Senden Sie MMD2, gefolgt von dem Lösungswort, Ihrem Namen und Ihrer Adresse an die 920 (Fr. 1.–/SMS). Beispiel: MMD2 TASTSINN Hans Mustermann Musterstrasse 22 8000 Musterhausen Postkarte (A-Post) Migros-Magazin, Quiz, Postfach, 8074 Zürich Internet www.migrosmagazin.ch/raetsel Teilnahmeschluss: Sonntag, 3.4.2016, 24 Uhr
5. Eine Band aus der Innerschweiz heisst «Jolly and the… » A Dragonfly
I
Flytrap
6. Wie viele Krankenhäuser zählte man 2014 in der Schweiz? S
148
M 289
R 496
7. Wie lautet das Schweizer Unwort des Jahres 2015? E
Asylchaos
Z
Shitstorm
I
Rauchverbot
T
Murten
R Chur
8. Wo steht der Malteserturm? N Burgdorf
Teilnahmebedingungen: Auf der ersten Rätselseite
Lösungswort: 1
2
3
Gewinner Nr. 10:
4
5
6
7
8
Annalise Jaeger, Malans GR; Elisabeth Blumer-Kunz, Cazis GR; Reinhart Hummel, Güttingen TG
Auflösung Nr. 12: ZUCKEREI
Paroli
Gewinnen Sie eine von 3 Migros-Geschenkkarten im Wert von je 100 Franken! Füllen Sie die zehn Wörter in das Rätselgitter ein. Das Lösungswort ergibt sich aus den Buchstaben in den Feldern 1 bis 5. 3 5
T
4 1
Auflösung Nr. 12: KASSE Gewinner Nr. 11:
Monika Blanchard, Aesch BL; Edith Nüesch, Diepoldsau SG; Josilia Frey, Allschwil BL
2
AT LANT I S BAS I L I KA E I NLADEN ENTARTEN JETL I NER KALTLE IM MA S T D A RM MO T O R R A D REAKT I ON T E A R O OMS
So nehmen Sie teil Tel. Wählen Sie die 0901 560 043 (Fr. 1.–/Anruf) SMS Senden Sie MMD3, gefolgt von dem Lösungswort, Ihrem Namen und Ihrer Adresse an die 920 (Fr. 1.–/SMS). Beispiel: MMD3 OSTEN Hans Mustermann Musterstrasse 22 8000 Musterhausen Postkarte (A-Post) Migros-Magazin, Paroli, Postfach, 8074 Zürich Internet www.migrosmagazin.ch/raetsel Teilnahmeschluss: Sonntag, 3.4.2016, 24 Uhr Teilnahmebedingungen: Auf der ersten Rätselseite
Lösungswort: 1
2
3
4
5
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Von fair bis chic, von Besserschlafen bis Fettverbrennen, von Trainieren bis Faulenzen – Vivai, das Wohlfühl- und Nachhaltigkeitsmagazin der Migros, inspiriert mit Ideen und Trends.
Das Wohlfühl- und Nachhaltigkeitsmagazin der
02/2016
In der neuen Ausgabe:
ERNÄHREN Von Aspartam bis zuckerkrank – über unser gespaltenes Verhältnis zum Zucker und seinen Alternativen
BEWEGEN Moderne Haltungsschäden im Porträt: Leiden Sie womöglich an einem WhatsApp-Daumen?
Geht da noch was?
Immer weiter, immer höher: Wo hat das Prinzip Wachstum seine Grenzen? Antworten aus der Natur, der Wirtschaft und dem Leben. Tippen und Trippeln: Wo unser moderner Alltag spürbare Spuren hinterlässt – vom Handydaumen bis zu den High-Heels-Ballen.
Von grossen Menschen und schrumpfenden Tieren — ein Heft über das Naturprinzip Wachstum und dessen Grenzen
In Nachbars Garten: Die Städte überlassen wir den Fussballfans. Wir geniessen Frankreichs Lebensart auf dem Lande.
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LEBEN | MM13, 29.3.2016 | 131
Sudoku
Gewinnen Sie eine von 5 Migros-Geschenkkarten im Wert von je 100 Franken! Füllen Sie die leeren Felder mit den Zahlen 1 bis 9. Dabei darf jede Zahl in jeder Zeile, jeder Spalte und in jedem der neun 3x3-Blöcke nur ein Mal vorkommen. Die Lösungszahl ergibt sich aus den gelben Feldern von links nach rechts.
1
8 7 4 6
3
7 8 4 2 8
6
9
5
7
4 7 1 5 2 6 3 9 8
2
1 5 6 8 1
9 4 3 2
7
Auflösung Nr. 12: 765
9
3 9 6 7 8 1 4 5 2
5 2 8 3 4 9 6 1 7
1 3 4 9 7 2 8 6 5
9 5 7 8 6 4 2 3 1
6 8 2 1 5 3 9 7 4
2 6 5 4 9 7 1 8 3
8 1 9 2 3 5 7 4 6
7 4 3 6 1 8 5 2 9
So nehmen Sie teil Tel. Wählen Sie die 0901 560 044 (Fr. 1.–/Anruf) SMS Senden Sie MMD4, gefolgt von der Lösungszahl, Ihrem Namen und Ihrer Adresse an die 920 (Fr. 1.–/SMS). Beispiel: MMD4 123 Hans Mustermann Musterstrasse 22 8000 Musterhausen Postkarte (A-Post) Migros-Magazin, Sudoku, Postfach, 8074 Zürich Internet www.migrosmagazin.ch/raetsel Teilnahmeschluss: Sonntag, 3.4.2016, 24 Uhr
Gewinner Nr. 11:
Barbara Hofer, Grossaffoltern BE; Anita Martinoni, Brunnen SZ; Elisabeth Amsler, Pohlern BE; Caroline Pharao, Gland VD; Eva Lutz, Winterthur ZH
8
Teilnahmebedingungen: Auf der ersten Rätselseite
Bimaru
Brücken
Die Zahl bei jeder Spalte oder Zeile bestimmt, wie viele Felder durch Schiffe besetzt sind. Diese dürfen sich nicht berühren und müssen vollständig von Wasser umgeben sein, sofern sie nicht an Land liegen.
Jeder Kreis stellt eine Insel dar. Die Zahl darin gibt an, wie viele Brücken dort enden. Brücken sind nur zu horizontal oder vertikal benachbarten Inseln erlaubt. Diese dürfen mit einfachen oder doppelten Brücken verbunden werden. Am Schluss sollen alle Inseln 1 3 3 2 miteinander verbunden 2 sein. Verboten: Kreuzun2 gen, diagonale Brücken 3 3 3 1 und mehr als zwei Linien.
2 3 2 0 1 1
Auflösung Nr. 12:
4
1 7
3
1 2 3
0
6
1
2
0
4
1
1
3
2
2
3
5
1
3 3
2
2
4
3
2
4
Auflösung Nr. 12: 2
2 2
4 2
2 3
4
4 3
2
3 3
2 2 3
2 3 2 2
4
3
4
4 1 4 2 2
2
2 3
1 2
2
1 1 3
3 2 4 1
3 2 3 2
Impressum MIGROS-MAGAZIN vormals: Wir Brückenbauer, Wochenblatt des sozialen Kapitals, Organ des Migros-Genossenschafts-Bundes, Migrosmagazin.ch Auflage/Leserschaft: Beglaubigte Auflage: 1 567 892 Ex. (WEMF 2015) Leserschaft: 2 375 000 (WEMF, MACH Basic 2015-2) Adresse Redaktion und Verlag: Limmatstrasse 152, Postfach 1766, 8031 Zürich, Telefon: 058 577 12 12 Fax: 058 577 12 08 redaktion@migrosmagazin.ch Herausgeber: Migros-Genossenschafts-Bund Leiter Migros-Medien: Lorenz Bruegger
Publizistische Leitung: Monica Glisenti Chefredaktor: Hans Schneeberger Produktion/Ressort Leben: Remo Leupin (Leitung), Robert Rossmanith (Chef vom Dienst), Sabine Müller (Produzentin), Gerda Portner (Produzentin), Ursula Trümpy (Produzentin), Daniel Schifferle (Verantwortlicher Leben), Heinz Stocker (Korrektor) Ressort Menschen: Sabine Lüthi (Leitung), Andrea Freiermuth, Yvette Hettinger, Ralf Kaminski, Anne-Sophie Keller (Volontärin), Monica Müller, Reto E. Wild Online: Reto Vogt (Leitung), Almut Berger, Reto Meisser
Ressort Migros-Welt: Daniel Sidler (Leitung / stv. Chefredaktor), Heidi Bacchilega, Jean-Sébastien Clément, Dora Horvath, Sonja, Leissing, Anna Meister, Fatima Nezirevic, Nicole Ochsenbein, Anna-Katharina Ris, Claudia Schmidt, Thomas Tobler, Jacqueline Vinzelberg, Michael West, Anette Wolffram
Prepress: Liliane Bolliger, Ruedi Bolliger
Bildredaktion: Olivier Paky (Leitung), Benjamin Böttcher, Franziska Ming, Susanne Oberli, Helen van Pernis
Kommunikation & Medien-Koordination: Eveline Zollinger (Leitung), Rea Tschumi
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1
Meine Welt
«Klavierspielen macht mir einfach Spass»
Der zehnjährige Ricky Kam aus Muri bei Bern ist ein begnadeter Pianist und stand schon mit den ganz Grossen des Musik-Showbusiness auf der Bühne. Text: Claudia Langenegger
Bilder: Michael Sieber
LEBEN | MM13, 29.3.2016 | 135
Der kleine Klavier künstler in Aktion
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2
1 Mein Piano «Klavierspielen macht mir einfach Spass. Zum Üben muss ich mich nie zwingen. Ich spiele nur etwa eine Stunde pro Tag, weil ich auch gern draussen bin und Fussball spiele. Diesen SteinwayFlügel hat mein Vater gekauft. Er war bis vor vier Jahren mein Lehrer, nun gehe ich zweimal pro Woche in Privatstunden.»
3
Name: Ricky Kam (10) Sternzeichen: Skorpion Lebenslauf: Mit zweieinhalb Jahren
habe ich mit Klavierspielen ange fangen. Ich klimperte auf den Tasten herum, als mein älterer Bruder am Üben war. Mein Paps sagte: «Hör auf oder spiel richtig!» Ich konnte schnell zweihändig ganze Stücke spielen. Mit fünf Jahren trat ich zum ersten Mal auf. 2011 kam ich in der RTL Show «Supertalent» ins Finale, seit her kennen mich alle. Ich habe zwei ältere Brüder und zwei Halbschwes tern, Linda (28) und Alice (24). Meine Mutter ist Schweizerin, mein Vater stammt aus Peking und führt in Bern eine Praxis für Chinesische Medizin.
2 Mein Glücksbringer «Diesen Plüsch
affen habe ich von meiner älteren Schwester zum vierten Geburtstag erhalten. Bis ich acht Jahre alt war, kam er überallhin mit. An Auftritten habe ich ihn jeweils neben mich auf den Hocker oder auf den Flügel gesetzt. Heute bleibt Ching Ching zu Hause und drückt mir von dort aus die Daumen.» 3 Meine Lieblingsbühnen «Die Bühne in der HeleneFischerShow mag ich sehr, denn sie ist gross. Es haben 16 000 Zuschauer im Saal Platz. Ich liebe es, vor vielen Leuten zu spielen. Der Kursaal Bern ist auch super. Da haben zwar nur 1200 Leute Platz, aber die Mikrofone und der Sound sind sehr gut.» 4 Meine Brüder «Mit meinen Brüdern Mike (12) und Charly (14) spiele ich oft
Fussball, Basketball, Tischtennis oder Billard. Beide finden es super, dass sie bei meinen grossen Auftritten meistens als VIP mitkommen können.» 5 Meine Games «ComputerAuto
rennen sind lustig: Ich kann schnell fah ren und muss keine Busse zahlen. In ‹Need for Speed› fährt man mit richtigen Rennautos. Ich habe einen richtigen Rennsitz mit Lenkrad, den hat mir Paps zum letzten Geburtstag geschenkt.» 6 Mein Lieblingsfach «Ich mag Mathe
matik, weil ich gut im Rechnen bin.»
Bild: Getty Images
4
5
6
Mein Lieblingsprodukt «Fasnachtschüechli. Die aus der Migros sind die besten. Leider gibt es sie nur eine kurze Zeit. Ich würde sie am liebsten das ganze Jahr essen.»
oekom Rating 2015: Die Migros ist die nachhaltigste Detailh辰ndlerin der Welt.
Versprochen ist versprochen:
Wir haben 端ber 200 000 Kinder und Jugendliche f端r Umweltthemen sensibilisiert. Die Migros unterst端tzt das Umweltbildungsprogramm des WWF Schweiz und hilft so, die Jugend einen bewussten Umgang mit der Natur zu lehren.
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