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MM43, 23.10.2017 | DANKE
DANKE | MM43, 23.10.2017
« Ohne dich würde ich vielleicht nicht mehr leben » Mario Lüchinger (13) verdankt Jan Baumgartner (14)
sein Leben. Er rettete ihn aus dem Alten Rhein, nachdem ein anderer Junge vom 5-Meter-Brett auf ihn gesprungen war.
W Mario (links) hat seinen Unfall gut überstanden – dank Jan, der blitzschnell reagierte und ihn an die Wasseroberfläche zurückholte.
ie dankt man jeman dem, der dem eigenen Sohn das Leben ge rettet hat? Diese Frage trieb Martina und Martin Lüchin gerWalser (beide 42) um, seit Jan Baumgartner am 28. Mai ihren leblos unter Wasser treibenden Sohn Mario aus dem Alten Rhein gezogen hatte. Hätte Jan nicht oder langsamer reagiert, wären bleibende Schäden kaum zu vemeiden gewesen – wenn nicht Schlimmeres. «Was Jan für uns getan hat, ist etwas so Grosses, dass ich lange nicht wusste, wie wir darauf angemessen reagieren könnten», sagt Martina Lüchinger. Dann entdeckte sie den Aufruf, in dem das MigrosMagazin Menschen suchte, die jemandem in dieser Spezialausgabe Danke sagen möchten. Und Jan, der nach seiner Heldentat nicht gross darüber redete, freut sich sehr darüber. Dazu gabs ein TShirt mit dem Aufdruck «Retter» und etwas Süsses für den begeisterten Schwimmer und Taucher. Aber was genau ist an diesem Tag im Naturstrandbad von Diepoldsau SG
passiert? «Ich war mit Kollegen in der Badi, und wir sind immer wieder vom Sprungturm ins Wasser gesprungen», erzählt Mario. «Das Letzte, das ich weiss, ist ein Satz vom 1MeterBrett, der Rest ist weg.» Dass er danach mit Jan auch vom 5MeterBrett gesprun gen ist, daran kann er sich nicht mehr erinnern. «Ein paar Stunden später bin ich in der Notaufnahme im Kinder spital St. Gallen aufgewacht.» Unter Wasser mit Hirnerschütterung und gebrochenen Brustwirbeln
Jan erinnert sich: «Mario und ich kennen uns vom Sehen her von der Schule, mehr nicht. Aber an dem Tag ergab es sich, dass er und ich ein paar Mal zusammen vom 5MeterBrett sprangen. Nach einem dieser Sprünge schwammen wir beide zur Seite hin weg, damit zwei andere nach uns freie Bahn hatten. Aber als ich mich umsah, waren nur zwei Köpfe zu sehen, einer fehlte. Ich realisierte, dass etwas nicht stimmte, tauchte runter und sah Mario wenige Meter tiefer im trüben Wasser treiben.» Einer war auf ihn gesprungen. «Ich
schwamm zu ihm, packte ihn am Arm, zog ihn hoch. Kaum an der Oberfläche begann er zu zappeln und zu schreien. Dann kamen noch andere dazu und halfen mir, ihn ans Ufer zu bringen.» Martina Lüchinger ergänzt: «Er hatte drei gebrochene Brustwirbel, eine Hirnerschütterung und einen Lungenkollaps, deshalb kam er nicht mehr hoch. Sein älterer Bruder Nino hörte ihn dann schreien und rannte sofort hin. Als die Rega schliesslich kam, mussten wir Nino völlig erschüttert in der Badi zurücklassen, weil nur ich mitfliegen durfte. Das war ein ganz schlimmer Moment. Und das Erste, was Mario mich fragte, als er mich sah: Mama, sag bitte, dass alles ein Traum ist! Ich bin nicht querschnittgelähmt, oder?» Daran erinnert sich Mario nicht mehr: «Aber ich war schon vier Tage danach wieder in der Schule. Und nächsten Sommer gehe ich auch wieder in die Badi und springe vom Turm.» MM Text: Ralf Kaminski
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MM43, 23.10.2017 | DANKE
DANKE | MM43, 23.10.2017
Zwei vereint unter
einem Dach Seit 20 Jahren sind Esther Lattmann und Daniela Moser beste Freundinnen. Als Esther Lattmanns Beziehung in die Brüche ging, nahm Daniela Moser
sie mit offenen Armen in ihrem Haus auf. Seither ist ihre Bindung enger denn je.
E
s war die wohl schwierigste Phase in ihrem Leben: «Nach 17 Jahren hatte sich die Beziehung mit meinem Freund auseinandergelebt – ich brauchte ein neues Zuhause», sagt Esther Lattmann (34). Im Juli 2016 sprach sie mit ihrer besten Freundin Daniela Moser (48) darüber, die im Haus ihrer verstorbenen Mutter in Recherswil SO lebt. Moser und Lattmann kennen sich seit 1998, als «Esthy», wie sie von ihren Freunden genannt wird, Praktikantin im «Mooshuus» in Moosseedorf BE war. Hier werden Menschen mit einer körperlichen Beeinträchtigung betreut. Auch Daniela war damals Patientin; sie leidet seit ihrer Geburt an einer zerebralen Bewegungsstörung und sitzt im Rollstuhl. «Als wir uns begegneten, war es Freundschaft auf den ersten Blick. Wir gingen manchmal gemeinsam in die Ferien und hatten keine Geheimnisse voreinander. Ohne Daniela hätte ich den Schritt auszu-
ziehen nie gewagt», sagt Esther Lattmann. Daniela Mosers Lebensmut und Optimismus hätten ihr dabei sehr geholfen. Mit wie viel Gelassenheit und Humor sie ihre eigene Bürde trage, sei bewundernswert. Und Daniela wiederum schwärmt: «Esthy ist das Gotti meiner Nichte. Sie ist mehr als nur eine Freundin. Sie ist ein Familienmitglied.» Neues Zuhause – neue Perspektive
Für Daniela Moser war deshalb sofort klar, dass sie ihr Zuhause mit ihrer besten Freundin teilen würde. Und so zog Lattmann, die in der Nähe von Bern in einer Institution für lernbeeinträchtigte Jugendliche arbeitet, Anfang 2017 nach Recherswil, gemeinsam mit Boxer Samu (4) und mehreren Schildkröten. Ende Februar hat sich Esther Lattmann definitiv von ihrem Partner getrennt. Nun kümmert sie sich auch um Ivo (6), Daniela Mosers Pudel. Und wenn Esther Lattmann arbeiten geht, passt Daniela auf die Tiere auf.
«Dani hat mir mit ihrem Zuhause eine Perspektive aufgezeigt. Ich wollte nicht allein leben. Nun wohnen wir zusammen, richten uns gemeinsam ein. Ich bin ihr wahnsinnig dankbar», sagt Lattmann. Es gebe keinen schöneren Platz zum Leben. Sie schätzt es, mitbestimmen zu dürfen, wie sie das traute Heim zukünftig einrichten. Und beide träumen davon, das Garten- zum Gästehaus umzubauen. «Aber zuerst muss das Geld reinkommen. Vielleicht liest das ja ein hübscher Millionär und stellt ein Hüttchen hin», sagt Daniela Moser mit einem Augenzwinkern. Und sie fügt hinzu: «Auch ich profitiere von Esthy und muss nicht allein leben. Ich bin für die Zweisamkeit gemacht. Wir sind platonisch ineinander verliebt. Aber wir stehen nicht auf Frauen. Wer weiss, vielleicht haben wir bald auch Männer im Haus.»¥MM Text: Reto E. Wild
Esther Lattmann (l.) ist ihrer Freundin Daniela Moser «wahnsinnig dankbar» für das gemeinsame Zuhause.
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DANKE | MM43, 23.10.2017
« Dank Ihnen habe ich ein
ganz neu Leben » Lovey Wymann wog 123 Kilo, als ihre Hausärztin Ursula Köppel entschied, die Notbremse zu ziehen: Sie empfahl ihr einen Magenbypass. Heute wiegt Wymann nur noch 82 Kilo und ist ihrer Ärztin unendlich dankbar.
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DANKE | MM43, 23.10.2017
50 Jahren
« Danke, dass du seit an meiner Seite bist! »
Martin Leonhard Ryser (70) ist seit 50 Jahren mit seiner Monika verheiratet.
Über all die Jahre hätte er sich häufiger bei ihr bedanken sollen, findet er. Ein Liebesbrief.
Mit 17 haben wir uns am Ententeich auf der Kleinen Schanze in Bern erstmals verabredet. Du bist zum Date gekommen. Mit 18 haben wir uns verlobt. Du hast meinen
Ring entgegengenommen.
Lovey Wymann, weshalb wurden Sie so schwer? Wymann: Ich war schon als Kind ein Pummelchen, habe später alle möglichen Diäten gemacht, aber immer wieder zugelegt. 2011 war dann ein furchtbares Jahr: Erst trennte ich mich von meinem Partner, dann wurde bei meiner Mutter ein Hirntumor diagnostiziert, an dem sie später starb. Ich bin eine Stressesserin, und so legte ich plötzlich kräftig zu. Ursula Köppel, wie haben Sie Frau Wymanns Abnehmversuche erlebt? Köppel: Über die Jahre habe ich viele Patienten erlebt, die es mit Diäten versucht haben. Aber es war immer das Gleiche: Sie haben für kurze Zeit an Gewicht verloren und es dann wieder zugelegt. Der Körper gewöhnt sich an ein gewisses Gewicht und will dort wieder hin – so muss man nach der Diät ständig gegen Hungergefühle ankämpfen, was auf die Dauer kaum jemand durchhält. Und dann kam also das entscheidende Gespräch 2011? Wymann: Ja, da bekam ich von Frau Köppel sozusagen einen «Tritt in den Arsch». Sie machte mir klar, dass mir mehrere Risikooperationen bevorstehen, wenn ich nicht die Notbremse ziehe, und schlug einen Magenbypass vor. Damit wird der Magen verkleinert und ein Teil des Darms stillgelegt, sodass man
sich schneller satt fühlt und dramatisch weniger Hungergefühle hat. Köppel: Ich habe den Magenbypass schon rund 40 Patienten empfohlen, fast alle sind glücklich damit. Mittlerweile rate ich dazu, wenn Diäten scheitern, denn die Krankenkassen übernehmen die Kosten ab BMI 35, weil sie gemerkt haben, wie gross die Kosten sind, die durch Übergewicht entstehen.
Mit 20 haben wir geheiratet. Du hast das Kleid, das du getragen hast, selbst genäht. Zwischen 20 und 30 habe ich vier Firmen
Benefi zanlass mit dem früheren «Tagesschau»-Sprecher Heiri Müller für den Verein Strassenkinderprojekt Kiev: 19. 11., Friedenskirche Zürich. www.kievstreetkids.ch
Text: Ralf Kaminski
Nach meinem Unternehmertum bin ich
Entschuldige, dass ich lange vieles für
Mit 65 habe ich mich als Managementcoach
Danke, dass du mir den Rücken freigehalten hast. Danke, dass du alle meine Entscheide mitgetragen hast. Danke, dass du eine gute Mutter, eine sorgsame Hausfrau und eine starke Frau warst. Danke, dass du meine Familienabwesenheit so wunderbar kompensiert hast.
selbständig gemacht, ich konnte es nicht sein lassen. Du hast das akzeptiert.
Mit 68 haben wir gemeinsam die wunderbare
Mit 30 habe ich meine Unternehmen verkauft
mit unserer Tochter Pascale ein neues Unternehmen im Gesundheitsbereich gegründet. Du bist Genossenschafterin von Promoringa.ch geworden.
Mit 40 habe ich eine Stiftung für berufliche
Integration in Zollikofen gegründet, die Gewa. Ich habe 100 Unternehmer angefragt, Jobs für Menschen mit psychisch bedingten Leistungseinschränkungen zu schaffen. Alle haben abgelehnt. Du hast mitangepackt.
später haben wir unseren 50. Hochzeitstag gefeiert. Du liebst Rosen, aber keine ist wie du!
zu Hause zum Lehrling in Sachen Kochen und Staubsaugen geworden. Du bist geduldig.
gegründet. Ich führte ein Malergeschäft, betrieb einen Teig- und einen Getränketransport und bot die ersten Vakuumreinigungen in der Schweiz an. Du hast mir in dieser Zeit zwei Töchter geschenkt, Andrea und Pascale. und bin Therapiechef einer psychiatrischen Klinik geworden. Mein Job war es, die Arbeitstherapie in der «Waldau» aufzubauen. Du hast mich dabei unterstützt, etwas ganz anderes zu machen.
Was hat sich verändert? Wymann: Alles. Ich habe keine Schmerzen mehr, zum ersten Mal seit 17, sehe jünger und besser aus, bin im Alltag wieder viel beweglicher. Vor allem kann ich wieder einkaufen und öffentlich essen, ohne von Fremden beschimpft zu werden, die finden, diese Fette müsse jetzt wirklich nicht noch mehr essen. Es ist wirklich ein neues Leben, und dafür bin ich unendlich dankbar. Total habe ich 43 Kilo verloren – die gleiche Menge Butter kostet etwa 500 Franken, und diesen Beitrag möchte ich Frau Köppel für ihre karitativen Projekte schenken. Köppel: Oh, das ist aber nett! Das geht direkt an ein Heim für Strassenkinder in Kiew, das wir schon länger unterstützen. MM
mich elend. Du hast mit mir zusammen mein Arbeitsleben in Kisten verpackt.
Pflanze «Moringa» auf Gran Canaria entdeckt. Du hast mich bei meinen Abklärungen begleitet.
Mit 69 haben wir zusammen
Am 4. Oktober bist du, liebe Monika Rosa, 70 Jahre alt geworden. Drei Tage
selbstverständlich genommen habe.
Danke, dass du seit 50 Jahren an meiner Seite bist. Wir sind ein gutes Team. Dank dir. Ein beschenkter und dankbarer Martin Leonhard MM
Aufgezeichnet: Monica Müller
25 Jahre lang war ich CEO dieser Sozialfirma. Es begann mit 30 Leuten. Als ich das Unternehmen verliess, beschäftigte es 800 Angestellte. Ich arbeitete immer. Du hast die Wäsche sonntags in mein Büro mitgenommen und dort gebügelt.
Texterin und Journalistin Lovey Wymann (56, rechts) aus Bad Zurzach AG dankt ihrer Ärztin Ursula Köppel aus Oberweningen ZH.
Wir waren auf der Heimreise von Gran Canaria, es waren die letzten Ferien vor meiner Pensionierung. Wir standen am Gepäckband und warteten, als ich plötzlich mein Portemonnaie fallen liess. Du hast mich nach dem Schlaganfall ins Spital Basel und wieder nach Hause begleitet. 60 Termine waren geplant, eine richtige Abschiedstournee. Du hast mich zu Ruhe genötigt. Als ich mit 63 Jahren mein Büro räumte,
tobte draussen ein Sturm, und ich fühlte
Martin Ryser will seiner Frau mit diesem Brief für alles danken.
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MM43, 23.10.2017 | DANKE
DANKE | MM43, 23.10.2017
« Ich wu te, von werde ich
euch immer unterstützt » Elisa Trolese (M.) mit ihren Schwestern Barbara (l.) und Cristina
Elisa Troleses Ex-Mann liess die gemeinsamen Söhne aus den Sommerferien in seinem Heimatland nicht mehr nach Hause reisen. Nicht zuletzt dank ihrer beiden Schwestern überstand sie den jahrelangen Albtraum.
E
s war im Sommer 2003, und in der kriselnden Beziehung zwischen Elisa Trolese und ihrem nahöstlichen Partner ging es gerade wieder etwas besser. Deshalb liess sie sich auch darauf ein, mit ihm und den beiden Söhnen Daniel (4) und Stef (6) fünf Wochen in seinem Heimatland zu verbringen. Erst war es richtig schön, dann jedoch eröffnete er ihr, dass die beiden Jungs nicht in die Schweiz zurückreisen würden, und präsentierte ihr eine schöne Wohnung, in der sie alle künftig wohnen sollten. Doch das wollte Elisa Trolese auf keinen Fall – nicht zuletzt, weil sie oft genug gesehen hatte, wie wenig Frauen in diesem Land zu sagen hatten. Auch für ihre Söhne sah sie keine Zukunft dort. Sie argumentierte und bettelte, schimpfte und tobte – es half alles nichts. In den folgenden vier Jahren reiste sie zwischen der Schweiz und dem Nahen Osten hin und her, sah ihre Kinder, so oft sie konnte, versuchte immer wieder, ihren Mann und dessen Familie zu überzeugen, sie nach Hause zu lassen – ohne Erfolg. Bis Stef 2007 nach einem heftigen Streit mit seiner Tante einen Herzstillstand erlitt und ins Wachkoma fiel. Es stellte sich heraus, dass er einen angeborenen Herzfehler hatte, der bisher nicht entdeckt worden war. Da realisierte ihr Exmann, dass sein Sohn in der Schweiz grössere Überlebenschancen hatte, und liess ihn ziehen. Er kam in ein Zürcher Krankenhaus. Wenige Monate später durfte auch Daniel nach Hause. Für Elisa Trolese war das eine grosse Erleichterung, doch nun bangte sie Tag für Tag am Bett
ihres Ältesten um dessen Leben. 2010 starb er, ohne je wieder ganz aufgewacht zu sein. Diese sieben höllischen Jahre überstand die heute 44-jährige Elisa Trolese nur dank ihres sozialen Netzes, das sie unerschütterlich stützte und auch immer wieder von ihrem Kummer und ihren Ängsten ablenkte. Besonders wertvoll war die stete Hilfe ihrer beiden Schwestern Cristina (49) und Barbara (43). Elisa Trolese: «Ich wusste, von ihnen werde ich immer unterstützt, egal, was ist. Wir hatten immer ein enges Verhältnis. Es gab Momente, wo ich dachte, es wäre besser, ich würde mich irgendwo von einem Turm stürzen – auch dank meiner Schwestern ist es nicht so weit gekommen. Nur schon, dass man über alles reden konnte, hat gutgetan. Wichtig war auch, dass sie mich immer wieder auf andere Gedanken gebracht haben.» «Ich wusste genau, was sie durchmacht»
Cristina Schaufelbühl-Trolese: «Wir fühlten uns zuerst etwas hilflos, als sie damals aus ihren Ferien anrief und erzählte, was passiert war. Aber weil sie deshalb hier in der Schweiz auch ihre Wohnung verloren hat, ist sie dann erst mal in unser Haus in Wettingen AG eingezogen, das wir gerade übernommen hatten. So konnte sie ihr Geld dazu verwenden, hin und her zu reisen und ihre Kinder zu sehen.» Barbara Trolese: «Wir haben versucht, ihren Schmerz ein wenig zu lindern. Mit mir konnte sie immer über alles reden, schon vorher, aber nun erst recht. Ich war selbst durch eine Trennung gegangen und wusste genau, was sie durchmacht. Egal, um welche Uhrzeit, ich war da, und sie konnte reden und weinen. Später, als Stef hier im Krankenhaus lag, war Daniel bei uns, während Elisa Tag und Nacht an seinem Krankenbett sass. Einmal pro Woche ging ich selbst zu Stef, liess Musik laufen und tanzte neben seinem Bett, weil wir alle sicher waren, dass er alles mitbekommt. So konnte Elisa mal was anderes tun. Bis heute stehen Fotos von Stef bei uns zu Hause, und so lebt er irgendwie noch immer in uns weiter.»§MM Text: Ralf Kaminski
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DANKE | MM43, 23.10.2017
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Haben sich immer gegenseitig unterstützt: Morena Diaz und ihre Mutter Vanda (links).
Schicksalhafte Verbindung der angenehmen Art Der Zürcher Stadtrat Filippo Leutenegger dankt Taxidisponentin Damaris Senn-Schmid für ihre Hilfe nach seinen Unfällen mit der Vespa und dem E-Bike. Vor 32 Jahren arbeitete sie als Au-pair bei Familie Leutenegger.
E
s war ein bitterkalter Dreikönigstag 2017. Der Zürcher FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger (64) musste von seinem Arbeitsplatz aus zu einem Termin. «Ich sah nicht, dass der Boden vor der Garage aus blankem Eis bestand. Als ich auf die Vespa aufsteigen wollte, bin ich ausgerutscht und aufs linke Bein gefallen», erzählt er. Trotz starker Schmerzen ging er nicht zum Arzt. In der kommenden Nacht jedoch wurden diese unerträglich. «Ich bestellte mir ein Taxi, um mich ins Spital fahren zu lassen.» Es stellte sich heraus, dass er sich den Fuss gebrochen hatte. Mit diesem Handicap musste Leutenegger in den Tagen und Wochen danach immer wieder ein Taxi bestellen. Eine Mitarbeiterin der Telefonzentrale, Damaris Senn-Schmid (50), bekam mit, dass da ein Herr Leutenegger mehrfach anrief. Weil sie vermutete, ihn zu kennen, bat sie, dass der nächste Anruf zu ihr umgeleitet wird. Filippo Leutenegger konnte kaum glauben, wer da mit ihm sprach: Damaris Senn hatte nämlich 1985 bei der Familie Leutenegger als Au-pairMädchen gearbeitet. «Wir hatten es immer sehr lustig und gemeinsam viel erlebt», erinnert sich Senn. «Ich war das erste Au-pair der Familie, Silvan
Filippo Leutenegger dankt Damaris Senn-Schmid für alles mit einer Flasche Olivenöl.
und Lorenzo waren noch kleine Buben. Filippo war und ist immer so menschennah und unkompliziert.» Ganz aus den Augen verloren haben sich die beiden nicht: Vor 20 Jahren tauschte sich die gelernte Kleinkindererzieherin mit dem damaligen Chefredaktor des Schweizer Fernsehens aus, als dieser eine Kinderkrippe in Leutschenbach etablieren wollte. Und nach dem Fussbruch vom Januar intensivierte sich der Kontakt – erneut nicht ganz freiwillig: Am 20. Juni, nachdem ihn die FDP-Delegierten als Zürcher Stadtpräsidentschaftskandidaten nominiert hatten, stürzte er mit dem E-Bike über einen Randstein und brach sich die Hand. Wieder war der Politiker auf Senns Taxigesellschaft angewiesen, um seine Termine wahrnehmen zu können. «Ich danke Damaris und der Taxizentrale», sagt Leutenegger. «Der Service ist super. Stets kam innerhalb von fünf Minuten ein Fahrzeug.» Um seinem Dank Ausdruck zu verleihen, überrascht der Stadtrat Damaris Senn mit einer Flasche seines bevorzugten Olivenöls – was die Empfängerin daran erinnert, dass im Hause Leutenegger viel lieber mit Öl als mit Butter gekocht wird. MM Text: Reto E. Wild
« Dein Optimismus ist ansteckend! » Morena Diaz (24), Lehrerin aus Ober-
entfelden AG, litt unter einer Essstörung. Sie begann, in einem Blog darüber zu schreiben. Heute ist sie mit über 64 000 Followern das Aushängeschild der Schweizer Body-Positivity-Bewegung. Zu verdanken hat sie das auch ihrer Mutter Vanda Diaz (49), Sachbearbeiterin aus Oftringen AG. Vanda: Ich habe dir immer gesagt, dass du hübsch bist, so wie du bist. Morena: Aber das habe ich natürlich nicht geglaubt. Man muss es selbst fühlen, um solche Komplimente annehmen zu können. Irgendwann habe ich mich gefragt, ob der Sinn des Lebens wirklich darin besteht, dünn zu sein und anderen zu gefallen. Das war der Wendepunkt. Mit deiner Hilfe schaffte ich es. Vanda: Obwohl du meinen Rat nicht immer angenommen hast. Morena: Das stimmt. Am Ende mache ich, was ich für richtig halte. Vanda: Deinen Kopf durchsetzen, das kannst du gut. Trotzdem bin ich froh, dass du dich an mich wendest.
Morena: Wir reden über alles. Aber du hast immer gesagt, «ich bin deine Mutter, nicht deine beste Freundin». Vanda: Genau, ich wollte, dass du vor mir Respekt hast. Morena: Trotzdem musste ich dich schon auch mal zurechtweisen. Vanda: Ja, als ich mit Freundinnen im Ausgang war. Morena: Da haben wir die Rollen getauscht. Aber wenn ich mich immer melden musste, dann du doch auch! Ich mache mir schliesslich auch Sorgen um dich und will, dass wir uns jeden Tag hören. Auch jetzt, wo ich nicht mehr bei dir wohne. Vanda: Wir sind halt einfach ein Team. Seit ich geschieden bin, waren wir immer zusammen, wurden zu sammen gross. Deine Erziehung hat mich erwachsen gemacht. Morena: Mich auch (lacht). Der letzte Schritt war jetzt meine eigene Woh nung. Das war schon schwer. Vanda: Ja, auch für mich. Trotzdem finde ich es wichtig, dass du deinen Weg gehst und selbständig bist. Frü her warst du eine ängstliche Person, heute bist du sehr selbstsicher. Morena: Das habe ich dir abgeguckt, du lässt dich nie heruntermachen! Trotzdem begegnest du den Men schen immer mit Respekt. Egal, wie sie dich behandeln. Das versuche ich auch so zu machen. Hingegen bin ich nicht so happy mit der Vergesslich keit, die ich von dir geerbt habe. Weisst du noch, als ich in der Schule einen Freund hatte und du beim Schulbesuch prompt den falschen Namen sagtest, obwohl ich dich vorher informiert hatte? Vanda: Ja, das gab Streit! Aber zum Glück keinen heftigen. Morena: Den hatten wir nur, wenn es um mein Chaos ging. Vanda: Stimmt. Du hast einfach zu viele Dinge, da hilft es jetzt natürlich auch nicht, dass du als Influencerin jeden Tag Päckli bekommst. Ich dach te immer, dass es nicht möglich ist, zwei Stunden nach dem Aufräumen schon wieder ein Chaos zu haben. In dieser Hinsicht bin ich froh, dass du ausgezogen bist. Aber nur deswegen! Morena: Und du hast mich ja auch darin bestärkt, mit dem Bloggen anzufangen. Du hast mir immer Zeit gegeben und mich unterstützt. Vanda: Ich wusste ja nicht, was da raus wird. Aber zu sehen, wie du jetzt Erfolg hast, ist herrlich für mich.
DANKE | MM43, 23.10.2017
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Morena: Hast du Angst um mich? Vanda: Ja, wenn du dir zu viel zu mutest. Aber Frauen sind ja gut darin, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun. Morena: Multitasking ... Vanda: Das Wort habe ich gesucht. Du hast schon ein enorm hohes Tem po. Wenn ich dich anrufe, heisst es: «MamawaswillstduichhabekeineZeit!» Morena: Du müsstest halt deinen Anruf ankündigen. Vanda: So weit kommt es noch, dass ich einen Termin machen muss, um meine eigene Tochter anzurufen. Sicher nicht, ich rufe an, wann ich will. SMS schreibe ich selten, dafür bräuchte ich die Brille. Morena: Darum muss ich dir auch immer meine Blogbeiträge vorlesen. Vanda: Ich kann mir alles besser merken, wenn ich es höre. Aber was du schreibst, finde ich super, da habe auch ich von dir gelernt. Morena: Dass du besser mit deinem Körper umgehst? Vanda: Genau. Ich stehe ja zu meinem Körper, obwohl ich gern leichter wäre. Aber eine Frau braucht Kurven, das sieht doch besser aus. Morena: Bodyshaming! Mami, du darfst die Dünnen nicht verurteilen, nur weil sie dünn sind! Vanda: Das tue ich nicht. In meiner persönlichen Meinung darf eine Frau etwas auf den Rippen haben. Morena: Und wenn sie es nicht hat, darf sie trotzdem glücklich sein! Vanda: Selbstverständlich! Darum bin ich mit meinem Körper zufrieden. Alle haben ja gewisse Problemzonen, aber man muss einfach lernen, diese zu akzeptieren. Morena: Ich habe schon das Gefühl, dass du darin besser geworden bist. Darum bist du mein Vorbild. Und auch, weil du mir gezeigt hast, dass es viele Wege gibt. Dein Optimismus ist ansteckend! Vanda: Man sollte das Glas immer halb voll sehen, nicht halb leer. Morena: Dank dir bin ich keine Pessi mistin mehr. Danke, Mama, auch da für, dass du immer da warst für mich! Vanda: Danke dir, du weisst, ich bin sehr stolz auf dich und liebe einfach alles an dir! Morena: Was? Das muss ich schrift lich festhalten. Das reibe ich dir ab jetzt unter die Nase! Aber ich liebe dich natürlich auch! MM Text: Dinah Leuenberger
DANKE | MM43, 23.10.2017
Willibald Ruch, danken soll die Lebens zufriedenheit steigern. Dankt man also auch aus egoistischen Gründen? Ich glaube nicht. Wer aus diesem Grund dankt, riskiert, das Gegenteil zu erreichen. Das Gegenüber fühlt sich manipuliert und wird darauf kaum positiv reagieren. Dass man selbst vom Danken möglicherweise profitiert, ist ein Nebeneffekt von authen tischer Dankbarkeit, mehr nicht. Wie haben Sie herausgefunden, dass man selbst vom Danken profitiert? Dank unserer Studien. Sie haben klar gezeigt, dass Dankbarkeitsübungen und briefe zu einem Anstieg im Wohlbefinden führen. Der Effekt hielt zudem deutlich über die Übungsdauer hinaus an. Weshalb, ist noch weitgehend ungeklärt. Aber das Fokussieren aufs Gute im Leben führt generell zu länger fristigen positiven Veränderungen. Ganz sicher hilft es im Zwischenmenschlichen. Das Ausdrücken von Dankbarkeit kann zum Beispiel soziale Beziehungen festigen, was das persönliche Wohlbefinden erhöht. Es soll zudem Glück und Erfolg fördern. Glück im Sinn von Wohlbefinden, ja. Es gibt sogar Studien, laut denen Nonnen länger lebten, die mehr Dankbarkeit ausdrückten. Bezüglich Erfolg sind mir keine Daten be kannt. Es ist aber möglich, dass dankbarere Personen grössere und effizientere Netz werke aufbauen, die langfristig auch zu beruflichem Erfolg führen könnten. Dank ist also ein soziales Schmiermittel, nützlich für den eigenen Fortschritt? Richtig, aber es funktioniert nur, wenn es vom Gegenüber als ehrlich und authentisch empfunden wird. Das gilt auch für Humor, der als soziales Schmiermittel noch wich tiger ist. Es muss von Herzen kommen. Theorien besagen, dass Dankbarkeit sich evolutionär entwickelt hat, sie ist zudem eine zutiefst soziale Emotion: Jemand, der Dankbarkeit empfindet, neigt eher dazu, einen Gefallen zu erwidern. Jemand, der Dankbarkeit ausdrückt, erhöht die Chance, dass ihm erneut ein Gefallen getan wird. Eltern müssen ihren Kindern erst bei bringen, dass sie sich bedanken sollen. Liegt Dankbarkeit also nicht in unserer Natur, sondern ist angelernt? Die Freude, die man empfindet, wenn man ein Geschenk bekommt, ist angeboren – wie man darauf korrekt reagiert, muss man lernen. Danke sagen oder jemandem die Hand drücken, ist also eine Kultur technik. Der Gerechtigkeitssinn, der eine Grundlage für das Empfinden von Dankbar keit ist, entsteht bei Kindern im Alter von etwa 3 bis 5 Jahren, Dankbarkeit zwischen 6 und 8 Jahren.
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Es gibt zahlreiche Apps wie etwa «Grate ful: A Gratitude Journal» oder «Shefa’s flavors of Gratefulness». Was halten Sie von solchen technischen Hilfen? Die sind durchaus nützlich. Ich habe eine ähnliche App auch schon ausprobiert – wem das gefällt, warum nicht? Am Ende ist es Geschmackssache, ob man ein Dankbar keitsTagebuch auf Papier oder in einer App führt. Letztere hat den Vorteil, dass man regelmässig daran erinnert wird und die notierten Dinge mit anderen teilen kann.
Dankbarkeit auszudrücken kann man lernen, hat Ruch in seinen Studien festgestellt.
Es gibt aber auch Erwachsene, die es nie richtig gelernt haben. Könnte man es denen später im Leben noch beibringen? Wenn sie es explizit trainieren, geht das durchaus. Dankbarkeit ist eine Charakter stärke, und die entwickelt sich im Laufe des Lebens und lässt sich leichter verändern als andere Persönlichkeitsmerkmale wie etwa Schüchternheit oder Extravertiertheit. Schwieriger ist es für Leute, die sehr narziss tisch und von sich überzeugt sind, umso mehr, wenn sie sich nicht verändern wollen. Aber auch dann ist es nicht unmöglich, wenn man in kleinen Schritten trainiert. Wie funktioniert das? Bei unserer Studie nehmen sich die Leute abends vor dem Schlafengehen 30 Minuten Zeit und lassen den Tag Revue passieren, überlegen sich, was alles Gutes passiert ist. Das schreiben sie auf und auch, wie sie sich dabei gefühlt haben. Dann überlegen sie, in welchen Situationen sie am nächsten Tag Gutes erleben und dafür Dankbarkeit zeigen könnten. Am nächsten Abend schauen sie, ob es geklappt hat. Bei den meisten Leuten entwickelt sich so schrittweise die Fähigkeit, Dankbarkeit auszudrücken. Meistens entsteht dann eine Aufwärtsspirale, weil man aufs Danken in der Regel positive Reaktionen bekommt, was wiederum bei einem selbst positive Gefühle auslöst. Würde das auch bei einem alten Egoma nen wie Donald Trump funktionieren? Wenn man eine Audienz bekäme … (lacht) Na ja, er müsste es halt wollen, dann gäbe es schon eine Chance. Aber er wäre sicher ein Härtefall. Haben Sie Tipps, wie man am besten mit Leuten umgeht, die nicht danken können? Selbst ein gutes Vorbild sein, das hat viel leicht eine ansteckende Wirkung. Ansonsten wohlwollend darauf hinweisen, am besten mit Humor.
Weiss man wie und wann das Danken entstanden ist? Gab es das schon immer? Das ist so genau nicht erforscht. Aber gewis se Vorformen und Grundlagen der Dankbar keit sind bereits bei Primaten vorhanden, was dafür sprechen würde, dass es beim Menschen angeboren ist. Bestimmte Formen und Rituale entwickelten sich dann erst mit der Zeit. Offenbar hat das Danken auch religiöse Wurzeln: Der Gläubige sollte seinem Gott gegenüber dankbar sein – sonst könnten Sanktionen drohen. Dankbarkeit ist in allen grossen Weltreligio nen eine hoch geschätzte Eigenschaft. Dabei wird es tatsächlich oft auch als Pflicht be trachtet, was zeigt, dass Dankbarkeit auch wichtige Funktionen in der Gemeinschaft erfüllt: Es fördert Zusammenhalt und Gemeinsinn. Einem Skeptiker in einer religiösen Gemeinschaft kann das dauernde Danken aber schon in den falschen Hals ge raten. Ich hatte als Jugendlicher auch meine Zweifel, mir kam das Verhalten gewisser Leute in der Kirche ziemlich gekünstelt und gestellt vor – auch weil sie sich dort so ganz anders verhielten als im realen Leben. Es ist auch eine klare Ansage, wo die Macht liegt, nicht? Ich muss dankbar sein. Klar. Aber für gewisse Leute, die sonst nie Grenzen gesetzt bekommen, kann das auch heilsam sein. Die müssen dann üben, Demut zu zeigen, das tut ihnen vielleicht ganz gut. Wieso mögen Götter und andere Mächtige es so sehr, dass ihre Untertanen Dankbar keit zeigen? In solchen Situationen ist Dank doch bloss eine leere Hülle und gar nicht ehrlich gemeint. Ich kenne zu wenige Götter und Mächtige persönlich. ( lacht) Auch hier könnte ich mir aber ein Gemeinschaftsmotiv vorstellen: Die von den Untertanen verlangte Dankbarkeit vereint die diversen rivalisierenden Inte ressensgruppen des Reichs. Und solange sie von überall gezeigt wird, ist alles in Ord nung. Wenn sie irgendwo nachlässt, ist das ein Alarmsignal, dass Konflikte oder gar eine Revolte bevorsteht. Dahinter steht also ein staatspolitisches Motiv. Beim Herrscher als
DANKE | MM43, 23.10.2017
Privatperson lösen dauernde Huldigungen vermutlich keine grosse Begeisterung aus. Es gibt einen Bericht, wie das Kaiserpaar Sissi und Franz-Josef durch Kärnten reiste. In jedem Dorf wurde ihnen ihr Lieblingslied vorgetragen. Spätestens nach dem dritten Mal dürfte sich ihre Begeisterung darüber in Grenzen gehalten haben. Aber es hat sie sicherlich gefreut, dass ihr Volk sich so um sie bemühte. Nicht alle Leute mögen es, jemandem zu Dank verpflichtet zu sein – ihnen fällt das Danken offenbar schwerer als anderen. Was steckt dahinter? Oft bezieht sich das auf eine bestimmte Person und hat eine Vorgeschichte. Manchmal stehen Machtspielchen dahinter, sodass man auf keinen Fall ausgerechnet dieser Person einen Gefallen schulden will. Gerade auch, wenn das Risiko besteht, dass dieser Gefallen in einem Bereich erwartet wird, der mit der aktuellen Situation nichts zu tun hat. Fühlt man sich verpflichtet, verringert sich die Wahrscheinlichkeit, dass man dem Gebenden in Zukunft helfen möchte. Es gibt auch Leute, die Dank nur sehr schwer annehmen können. Bescheidene, introvertierte Menschen, die es als selbstverständlich ansehen, gewisse Dinge zu tun, finden es unangenehm, wenn man darum ein Aufheben macht. Sie haben nicht das Gefühl, etwas Besonderes geleistet zu haben. Es gibt Menschen, deren Gefühlsleben in diesen Bereichen zurückhaltender ist, das sollte man akzeptieren. Dann gibt es andere, deren Dank so überschwänglich ausfällt, dass man eher peinlich berührt ist, etwa bei der OscarVerleihung. Ist das einfach emotionale Überwältigung oder kalkulierte Show? Diese Frage stellt sich in der Psychologie oft. Hier ist es wahrscheinlich etwas von beidem. Schauspielerinnen und Schauspieler sind Experten darin, Emotionen zu empfinden und auszudrücken, häufig in verstärkter Form, damit es auch vom Publikum erkannt wird. Zudem drückt man im amerikanischen Raum Dankbarkeit generell sehr stark aus, was für Leute aus emotional eher gemässigten Gefilden schnell mal übertrieben wirkt. Es kann natürlich auch kalkuliert sein: Wer die grösste Show abzieht, hat die besten Chancen, in den Medien nochmals extra gewürdigt zu werden. Es ist also auch ein Wettkampf um Sendeminuten. Wer dankt, macht anderen fast immer eine Freude. Kommt es drauf an, in welcher Form wir Dankbarkeit zeigen? Oder ist die Geste an sich das Entscheidende? Die Form spielt eine entscheidende Rolle. Ob eine dankbare Geste als authentisch auf-
gefasst wird, hängt davon ab, ob sie in etwa der eigentlichen Leistung entspricht – überschwängliche Dankbarkeit für eine kleine Geste oder ein kurzes Danke-SMS für eine sehr grosse Geste können dem Empfänger sehr sauer aufstossen. Wenn ich meiner Oma die CD einer Punk-Band schenke, weil ich die so toll finde, wird sie das vermutlich weniger freuen, als wenn ich mit ihr einen Tagesausflug an einen schönen Ort mache. Es braucht emotionale Intelligenz, seinen Dank der Person und der Situation angemessen auszudrücken. Sie beschäftigen sich seit zehn Jahren mit der Positiven Psychologie. Spielt das Danken dabei eine wichtige Rolle? Sogar sehr. Die Positive Psychologie beschäftigt sich mit der Frage nach dem «guten Leben», nach einem längerfristigen Zufriedensein. Und Dankbarkeit ist eine von 24 Charakterstärken, die zu einem guten Leben beitragen – fünf sind dabei über mehrere Kulturen hinweg besonders wichtig: Optimismus, Neugier, Bindungsfähigkeit, Tatendrang und eben Dankbarkeit. Letztere steht in der Bedeutung meist an dritter oder vierter Stelle. Wer eine positive Lebenseinstellung hat, führt ein glücklicheres Leben. Kann man das lernen? Kann jeder es lernen? Bis zu einem gewissen Grad vermutlich schon – wenn man es will und übt, bis es zum Automatismus wird. Gewisse Dinge lernt man schon als Kind. Ich bin zum Beispiel in einem Dorf aufgewachsen und habe gelernt, dass man jeden grüsst, dem man begegnet, auch Fremde. Das war dann später für die Wiener etwas seltsam (lacht). Ich habe auch rasch damit aufgehört, habe also umgelernt. Beim Wohlbefinden hat jeder Mensch eine gewisse Basis. Egal, ob man im Lotto gewinnt oder einen Unfall hat und anschliessend querschnittsgelähmt ist: Nach einer Weile ist man wieder auf seinem Ausgangsniveau im Wohlbefinden angelangt. Unsere Studien zeigen jedoch, dass man das Wohlbefinden beeinflussen kann. Wobei es immer Personen geben wird, die glücklicher oder unglücklicher sind, egal, was sie tun; das Wohlbefinden scheint auch eine starke genetische Basis zu haben. Sind Österreicher dankbarer als Schweizer? Und beide mehr als Deutsche? Darauf einigen wir uns doch einfach mal … ( lacht). Den Daten zur Lebenszufriedenheit nach zu schliessen, geht es allen drei Ländern ziemlich gut. Die Schweiz liegt immer so zwischen dem ersten und dem dritten Platz, Österreich so um den zehnten, Deutschland auf den 15. oder 16. Dankbarkeit spielt dabei aber nur eine kleine Rolle. Der Spitzenplatz der Schweiz hat sicherlich
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auch mit dem Wohlstand zu tun. Zwei weitere Indikatoren sind Spendenfreudigkeit und eine Einschätzung zur Korruption im Land. Bei Ersterem liegen die Österreicher vorn, dafür halten die Schweizer ihre Politiker und Firmen für sauberer. Sind Sie ein dankbarer Mensch? Und entsprechend glücklich und erfolgreich? Glücklich ist ein grosses Wort, ich würde sagen, ich bin zufrieden. Was Dankbarkeit betrifft, bin ich ziemlich durchschnittlich, denke ich. In stressigen Phasen verpasse ich es manchmal, sie gegenüber Leuten zu zeigen, die sie absolut verdienen, mein Team hier an der Uni zum Beispiel. Ich bin jetzt nicht der fanatische Selbstverbesserer. Aber wenn man sich mit der Positiven Psychologie beschäftigt, denkt man fast automatisch auch über sich nach. Alles in allem ruhe ich aber ganz gut in mir selbst, vielleicht, weil ich auf dem Land aufgewachsen und deshalb gut geerdet bin. Gibt es jemanden, dem Sie speziell dankbar sind? Ich verdanke meinem Doktorvater in Österreich sehr viel. Er hat, als es mir noch gar nicht bewusst war, im Hintergrund Weichen gestellt, die mir später bei meiner Karriere sehr geholfen haben. Vor ein paar Jahren, als er etwa 85 war, fand ich, es werde Zeit ihm dafür irgendwie meinen Dank auszudrücken. Aber wie sollte ich das tun, ohne dass er findet, ja, ja, das haben Sie schön gemacht, aber Sie beschäftigen sich ja auch fachlich mit dem Thema. Ich habe dann dennoch bei einem Austausch versucht, ihm zu übermitteln, wie viel ich ihm verdanke, aber darauf keine Reaktion bekommen. Wirklich überrascht hat mich das nicht, er ist mehr so der Typ, der das vielleicht durchaus schätzt, aber nicht weiter thematisiert. Es zeigt jedenfalls: Danken ist gar nicht so leicht. MM Forschungsprojekt: Willibald Ruch sucht Interessenten für eine Studie über Charakterstärken und wie sie zu einem «guten Leben» beitragen: www.projekt-charakter.ch
Zur Person
Der Experte für Positive Psychologie Willibald Ruch (61) ist Professor für Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik an der Universität Zürich. Er hat sich auf das Forschungsgebiet der Positiven Psychologie spezialisiert – also auf jene Eigenschaften, die zu einem «guten Leben» beitragen. Der Österreicher ist seit 2002 in der Schweiz, verheiratet und lebt in Zürich. Infos: www.staerkentraining.ch
DANKE | MM43, 23.10.2017
Die PR-Fachfrau Julia Faulhaber (39) dankt ihrem einstigen Au-pair Clara Oller (30) aus Barcelona für ihre Hilfe bei der steten Suche nach einem geliebten Stofftier.
Julia Faulhaber: Hola, Clara. Clara Oller: Hallo, liebe Julia. Julia: Ich danke dir für deine unglaubliche Geduld und dein Einfühlungsvermögen. Unsere beiden Buben, Max (8) und Filip (6), waren sehr klein, als du im Herbst 2011 zu uns kamst. Max hatte sich als Kuscheltier eine kleine Maus ausgesucht – entgegen aller Empfehlungen hatten wir kein Duplikat davon gekauft. Klein, wie sie war, war sie dann natürlich immer wieder verschollen. Du hast diese Maus mit den Kindern oft gesucht und gemeinsam mit uns gestaunt, welche Dramen ein verloren gegangenes Plüschtierchen auslösen konnte. Aber du hast das Stofftier unseres Sohns immer wieder gefunden! Clara: Ich erinnere mich. Max wollte diese Maus dauernd in seiner Nähe haben. Immer wieder mussten wir nach ihr suchen – am Ende haben wir sie ja auch immer wieder irgendwo gefunden. Julia: Ja. Ohne seine Maus war Max total verzweifelt, schlief nicht und liess sich kaum beruhigen. Wir versuchten, eine zweite Maus zu kaufen, aber es gab sie nirgends mehr. Du warst immer zuverlässig, einfühlsam und so geduldig – ein wahrer Engel. Die Kinder und ich haben dich sehr ins Herz geschlossen. Clara: Danke sehr. Ich weiss nicht … Ich glaube nicht, dass ich so geduldig bin. Aber ich habe immer versucht, eine Lösung für die Kinder zu finden. Tatsächlich sollte man im Umgang mit Kindern geduldig sein. Als Au-pair konnte ich für mein Leben viel lernen: Heute akzeptiere ich Situationen so, wie sie sind, und versuche, das Beste daraus zu machen. Julia: Als du uns am Ende deiner Au-pair-Zeit in der Schweiz verlassen hast, meintest du mit einem Augenzwinkern, so schnell möchtest du doch keine Kinder haben. Wir mussten lachen. Clara: Tatsächlich habe ich noch immer keine Kinder. Aber es war die beste Entscheidung, damals in die Schweiz zu kommen. In diesen Jahren bin ich erwachsen geworden. Dass ihr mich letztes Jahr in Barcelona besucht habt, hat mich sehr gefreut. Wenn ich irgendwann wieder in die Schweiz komme, werde ich euch besuchen. Auf jeden Fall möchte ich euch danken, dass ihr mich immer so gut behandelt habt – ich habe mich immer wohl- und willkommen gefühlt. Julia: Danke dir für diese Worte. Alles Gute! MM Aufgezeichnet: Reto E. Wild
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DANKE | MM43, 23.10.2017
Blumen
Julia Faulhaber rät allen Eltern, für die Lieblingsstofftiere der Kinder von Anfang an einen Ersatz zu kaufen.
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für die Zahnfee
Grossesum eineDrama
Alfred Schaub dankt Caroline Salzmann mit einem Blumenstrauss.
kleine Maus
M
it seinen 92 Jahren hört Alfred Schaub zwar nicht mehr so gut, ansonsten ist der frühere Chefredaktor der «Zürcher Wirtschaftsbriefe» aber noch ziemlich fit. Im Sommer jedoch musste er zu seinem Zahnarzt: Ein Eckzahn hatte einen Riss, was zu einer schmerzhaften Entzündung und Eiterung am Zahnfleisch führte. «Das Problem liess sich zwar beheben, das Risiko einer Wiederholung war laut dem Zahnarzt jedoch gross», erzählt er. Geholfen hat dann zu seiner Überraschung die Mundspülung von M-Budget, die er in seiner Migros-Filiale in Küsnacht ZH
Alfred Schaub dankt Mibelle-Produktentwicklerin Caroline Salzmann. Ihre M-Budget-Mundspülung hat seine Zahnprobleme verschwinden lassen. kaufte und seither doppelt so oft verwendet wie früher. Mitverantwortlich für die Entwicklung dieses Produkts ist Caroline Salzmann (52), die seit 29 Jahren bei Mibelle in Buchs AG in der Forschung und Entwicklung arbeitet: «Meine erste Aufgabe bei der Mibelle war es, eine Mundspülung zu entwickeln, und auch an den Grundlagen der M-Budget-Variante habe ich mitgewirkt. Zuerst wird geklärt, bei welchen Problemen die Spülung wirken soll, dann schauen wir, welche Wirkstoffe
es dazu braucht. Diese werden anschliessend mit Zusatzkomponenten wie Aromen gemischt und in Studien getestet.» Die M-Budget-Mundspülung verfügt über die Wirkstoffe Fluorid und Cetylpyridiniumchlorid, die in den meisten Fällen genügten, um bei Zahnproblemen zu helfen, sagt Salzmann. «Bei einem Riss, wie Herr Schaub ihn hatte, lagert sich das Fluorid an und remineralisiert den Zahn. Die Entzündung wird mit der desinfizierenden Wirkung des Cetylpyridiniumchlo-
rids in Schach gehalten. Das hat in diesem Fall offenbar gereicht. Es gibt von Candida aber Mundspülungen die zusätzlich antibakterielle Wirkstoffkombinationen enthalten, die noch besser auf dieses Problem zugeschnitten wären.» Eine solche hat sie Alfred Schaub gleich mitgebracht, zum Ausprobieren. «Wir bekommen ab und zu mal einen Dankesbrief. Aber einen Dank wie diesen zu erhalten, das ist etwas Besonderes», sagt Salzmann. «Unser Team hat sich darüber sehr gefreut.» Schaub strahlt und verspricht, die neue Spülung auszuprobieren. MM Text: Ralf Kaminski
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MM43, 23.10.2017 | DANKE
DANKE | MM43, 23.10.2017
Rega-Crew mehr als ihren Job
« Die hat nur
gemacht »
Otto Gretler bedankt sich mit einer süssen Überraschung bei seinem Retter.
Mit drei Freunden unternimmt Otto Gretler (75) eine Wanderung. Plötzlich stürzt er 70 Meter in die Tiefe. Es vergehen nur wenige Minuten, bis die Rega bei ihm ist. Gretler bedankt sich dafür beim Rettungssanitäter
11.22 Uhr Hans-Peter Baumann und sein Team finden den Ort, an dem Otto Gretler liegt. Die Notärztin wird zu ihm abgesetzt. Sie untersucht und verarztet Gretler, zieht ihm ein Bergedreieck über. Gemeinsam werden sie mit der Rettungswinde hochgezogen. Im Helikopter nimmt Hans-Peter Baumann die beiden in Empfang. «Ich kann mich erinnern, dass Otto Gretler blutüberströmt war und Rissquetschwunden am Kopf hatte.»
Hans-Peter Baumann (55).
Dienstag, 10. Mai 2016 6.50 Uhr Otto Gretler zieht seine Wanderschuhe an. Er trägt lange Hosen, Gilet, Rucksack. Später wird er sagen, dass die gute Ausrüstung seine Lebensversicherung war. Otto Gretler verabschiedet sich von seiner Frau Marlise. Mit dem Bus macht er sich auf den Weg nach Zürich, wo seine Freunde warten: Bruno, Kurt und Gerry. Sie gehen oft zusammen wandern – heute mit Start in Brunnen SZ, dann weiter den Waldstätterweg entlang bis nach Vitznau. Die Mittagspause ist in Gersau geplant. Zum Zmittag kommt es jedoch nicht.
10.45 Uhr Im Wald geht es bergauf, der Weg ist schmal. Otto Gretler wandert als Zweitvorderster. Die Wanderung macht Spass. Doch dann, plötzlich, stürzt er. 70 Meter tief. Bis heute hat er keine Ahnung, warum. «Das ist das Einzige, über das ich mir noch heute den Kopf zerbreche: Warum bin ich gefallen?» Während des Sturzes denkt er nicht viel, alles geht so schnell. Auf einer ebenen Stelle prallt er auf und bleibt liegen. «Ich schaute als Erstes, ob bei mir noch alles dran ist. Meine Freunde oben dachten wohl, mich gäbs nicht mehr.»
10.55 Uhr Bei der Rega-Basis Erstfeld kommt der Alarm von der Einsatzzentrale herein. Die begleitende Nachricht: «Person abgestürzt. Nicht klar, wo sie sich befindet.» Bevor der Rettungssanitäter Hans-Peter Baumann, die diensthabende Notärztin und der Helikopterpilot starten, schauen sie auf der Karte, wo genau zwischen Brunnen und Gersau sich der Verletzte befinden könnte.
11.05 Uhr Der Rega-Helikopter ist in der Luft. Otto Gretler blutet und hat Schmerzen am ganzen Körper. Aber seine Freunde sind inzwischen zu ihm geklettert – deshalb weiss er, dass die Rega unterwegs ist. Das beruhigt ihn.
11.38 Uhr Der Helikopter landet beim Spital Schwyz. Drei Minuten dauerte die Flugzeit von der Unfallstelle her. Die Diagnose nach den ersten Stunden im Spital: mehrere Knochenbrüche und Frakturen. «Auf der rechten Körperseite war vom Hals bis zu den Füssen alles mehr oder weniger kaputt», erinnert sich Otto Gretler.
Heute Mühe hat Otto Gretler nur noch mit seiner Haltung und einem Finger. Er will der Rega und speziell Hans-Peter Baumann Danke sagen. «Das ist einfach nötig», findet er. «Die Crew hat mehr als nur ihren Job gemacht. Ich bin sehr dankbar, dass ich so schnell und professionell gerettet wurde.»
Text: Lisa Stutz
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MM43, 23.10.2017 | DANKE
DANKE | MM43, 23.10.2017
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Sonntag, 30. Juli 2017 Samstag, 29. Juli 2017 Nach einer Übernachtung in Sursee LU wandert Carmen von Gunten (43) mit ihrem Partner und ihrem Schäfermischling Tiro (2) zurück an ihren Wohnort in Beinwil AG im Freiamt.
7 Uhr Nach einer schlaflosen Nacht fährt Carmen von Gunten erneut Richtung Hitzkirch.
7.15 Uhr
Eine Dame aus Inwil-Buchrain LU ruft an. Sie hat die Vermisstenmeldung auf der STMZ-Site gesehen und in einem streunenden Hund Tiro erkannt.
11.30 Uhr
Carmen von Gunten bedankt sich bei Thomas Theiler, Bruno Meyer und Matthias Iten (von links), den drei Männern, die einen massgeblichen Beitrag zum Auffinden des entlaufenen Tiro geleistet haben.
Ein Trio findet Tiro Schäferhundmischling Tiro war zwei lange Tage
Tiro berührt bei Hitzkirch LU einen Elektrozaun und wird von einem Stromschlag getroffen. Er rennt panisch davon. Carmen von Gunten befürchtet das Schlimmste: Tiro begleitet sie erst seit fünf Monaten. Er stammt ursprünglich aus Rumänien, ist traumatisiert von seinem Leben auf der Strasse und meidet die Menschen. Die aufgelöste Hundebesitzerin ruft den Notruf 117 an und will ihren Hund als vermisst melden. Die Polizei verbindet sie mit der Schweizerischen Tiermeldezentrale (STMZ).
11.41 Uhr Auf der Vermisstensite der Schweizerischen Tiermeldezentrale (STMZ) geht ein Bild von Tiro online, zusammen mit allen wichtigen Angaben, die bei der Suche helfen könnten.
vermisst. Carmen von Gunten ist unendlich
dankbar, dass ihr Hund heute wieder bei ihr ist.
12.30 Uhr Carmen von Gunten sucht ihren Hund in der Umgebung von Hitzkirch. Sie wird dabei erst von ihrem Lebenspartner, dann von einem Freundespaar und später von ihren beiden Kindern unterstützt.
22.00 Uhr Carmen von Gunten ist erschöpft. Den ganzen Tag war sie gemeinsam mit ihren Helfern unterwegs. Sie haben sowohl in Inwil-Buchrain wie auch in Hitzkirch Plakate mit der Vermisstenmeldung aufgehängt, Passanten angesprochen und immer wieder nach Tiro gerufen – erfolglos.
22.30 Uhr
Carmen von Gunten hat eine Idee: Sie bittet ihren Arbeitskollegen Thomas Theiler, der in Inwil aufgewachsen ist, die Vermisstenmeldung von Tiro bei seinen Leuten bekannt zu machen. Thomas Theiler teilt die STMZ-Meldung auf Facebook.
Montag, 31. Juli 2017 7.30 Uhr Thomas Theiler ruft mit guten Neuigkeiten an: Bauer Matthias Iten hat Tiro wahrscheinlich um 6.15 Uhr auf dem Inwiler Berg gesehen. Das habe ihm sein Facebook-Freund Bruno Meyer erzählt, der den Aufruf gesehen hat und sich den Hund von seinem Kollegen beschreiben liess. Carmen von Gunten bricht mit ihrem Sohn Justin nach Inwil auf.
8.10 Uhr Die beiden sprechen erneut Passanten an. Es gibt tatsächlich einige, die einen streunenden Schäfermischling gesehen haben – in der Nähe der Hauptstrasse Richtung Dietwil AG.
8.20 Uhr Justin sieht Tiros Schwanzspitze rund 500 Meter entfernt. Carmen von Gunten ruft nach dem Hund, dieser hebt erst bloss den Kopf, kommt dann zögerlich und schliesslich stürmisch auf sein Frauchen und ihren Sohn zu. Er bellt, winselt und heult wie ein Wolf.
Text: Andrea Freiermuth
DANKE | MM43, 23.10.2017
«Danke für das Stipendium» (37, «Die göttliche Ordnung») dankt dem
Migros-Kulturprozent für die Unterstützung. Mit dem Stipendium finanzierte sie ihre Ausbildung.
Bild: Keystone / Daniel Hofer
Der Förderbeitrag verlieh Marie Leuenberger mehr Selbstvertrauen.
em Stipendium des MigrosKulturprozents verdanke ich sehr viel. Ich bewarb mich im Jahr 2000 während meiner Schauspielausbildung dafür und reiste nach Zürich, um drei Szenen aus der Theaterliteratur vorzuspielen. Darunter war etwa das Drama ‹Quai West›, in dem sich zwei Aussenseiter begegnen, oder ‹Faust› von Goethe. Offenbar kam mein Schauspiel gut an, denn das Kulturprozent überwies mir danach ein Jahr lang ein Stipendium von 1200 Franken pro Monat – was mich gefreut und stolz gemacht hat, mir auch mehr Selbstvertrauen gab. Es ist eine Auszeichnung, dieses Stipendium im Lebenslauf ausweisen zu können. Ich konnte mich dank des Geldes auf die Schauspielerei konzentrieren. Mit dem Betrag finanzierte ich meine Ausbildung in München. Für meine Eltern war das eine grosse Entlastung, denn auch meine Schwestern Julia und Leonie studierten damals. Später habe ich beim Dramaturgen Ole Walburg in Basel gearbeitet. Er sass damals in der fünfköpfigen Jury, die über mein Stipendium befand. Und er verantwortete meine erste Theaterproduktion als Gast. Inzwischen spiele ich nur noch in Filmen und lebe als freischaffende Schauspielerin im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Frühestens in einem halben Jahr werde ich beim ZDF im TV-Krimi ‹Neben der Spur› zu sehen sein.» MM Weitere Infos: www.migros-kulturprozent.ch
Text: Reto E. Wild
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Leben
Lily Jones (27) erfuhr in den Ferien in Australien, dass sie eine Nierenkrankheit hat. Fast wäre sie daran gestorben. Ihr Bruder Lewis (31) schenkte ihr eine seiner Nieren – und damit ein neues Leben.
Lily Jones, normalerweise bekommt eine Schwester von ihrem Bruder Kinotickets oder Ähnliches geschenkt. Sie bekamen eine Niere – wie ist es dazu gekommen? Lily Jones: Als ich 19 war, reiste ich einige Wochen durch Asien und Australien. Ich war damals oft sehr müde und musste mich übergeben, schob das aber auf das Essen und das ständige Unterwegssein ab. Plötzlich verstärkten sich die Symptome: Mir wurde schwindlig, ich spürte meine Beine nicht mehr. Zu der Zeit war ich mit meinem damaligen Freund gerade auf einer australischen Insel, dort machten die Ärzte verschiedene Tests – und überwiesen mich so fort in eine Klinik aufs Festland. Es stellte sich heraus, dass ich an einem Nierenversagen litt.
nicht helfen, das war unerträg lich. Aber du bliebst sehr positiv. Du bist eine der stärksten Per sonen, die ich kenne. Lily, wie haben Sie Ihren Bruder gefragt, ob er Ihnen seine Niere spendet?
Lily Jones: Es ist lustig, alle fragen mich das.
natürlich, unsere Werte stimm ten überein.
Lewis Jones: Tatsache ist: Sie musste mich gar nie fragen. Für mich war von Anfang an klar, dass ich Lily eine meiner Nieren spenden würde. Vorausgesetzt
Lily Jones: Und das haben sie. Wir hatten eine 100prozentige Übereinstimmung, das ist sel ten.
Lewis Jones: Als ich aufwachte, spazierte Lily in mein Zimmer. Sie sah aus wie neu geboren. Die neue Niere hatte sie innert Stun den wieder gesund gemacht. Sie sagte zu mir: «We did it!» Lily Jones: Die Ärzte erklärten mir, dass ich jegliche Rekorde gebrochen hätte. Ich vertrage die Niere meines Bruders hervorragend. Und Lewis seinerseits spürt keinerlei Veränderung in seinem Körper.
Wie ging es weiter? Lily Jones: Ich war fast zwei Monate lang in Australien im Spital, hatte verschiedene Operationen und wäre fast gestorben. Dann startete die Dialyse, die Blutwäsche, ohne die ich nicht überlebt hätte. Als es endlich möglich war, in die Schweiz zurückzureisen, war ich froh. Aber auch hier folgten elf Monate, in denen ich alle zwei Tage sechs Stunden lang im Spital eine Dialyse bekam. Das war kein Leben. Lewis Jones: Die ganze Familie machte sich grosse Sorgen um Lily. Es war eine sehr schlimme Zeit für uns alle. (Schaut seine Schwester an) Wir konnten dir
Am 24. Mai 2011 war es so weit: Sie wurden operiert. Lily Jones: Genau, das war mein zweiter Geburtstag, mein Nierengeburtstag. Den feiern wir seither jedes Jahr. Wir wur den fast gleichzeitig operiert.
Können Sie ihm jemals genug danken? Lily Jones: Nein. Aber ich glaube er weiss, wie dankbar ich ihm bin. Lewis Jones: Lily fährt Ski, modelt, hat gerade ihren Master abgeschlossen und einen neuen Job bekommen. Sie macht das Beste aus jedem Moment. Das ist der grösste Dank für mich. In Lily Jones’ Körper arbeitet seit der Transplantation die Niere ihres Bruders Lewis – dafür ist sie ihm jeden Tag dankbar.
Text: Lisa Stutz
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« Ich geni se die Ze m
Michèle sehr »
Vom Büsi alarm ie
Maria-Therese Marro (70) aus Zumholz FR bedankt
sich bei ihrer Katze Trixli: Im Sommer vor drei Jahren warnte das Tier seine Besitzerin vor dem Feuer.
U
Yvonne Bärtschi aus Bern bedankt sich bei
Michèle Wang-Spirig, die sie jede Woche besucht.
Michèle Wang-Spirig: Gleichfalls (streicht der Hochbetagten über die Hand). Ich bin im Tessin aufgewachsen und spreche kein Schweizerdeutsch. Mit Frau Bärtschi lerne ich jetzt auch Berndeutsch.
Yvonne Bärtschi: Michèle war mir gleich sympathisch. Sie ist so aufmerksam. Sie füllt mein Glas stets nach, bevor es leer ist. Oder sie bringt mir die Frühlingsrollen mit, die ich so gern mag.
Yvonne Bärtschi: Wenn meine Beine mitmachen, gehen wir im Quartier einkaufen, etwa zum Bäcker. Der hat «mis» Brot.
Michèle Wang-Spirig: Es macht mich glücklich, wenn ich Frau Bärtschi eine Freude machen kann. Yvonne Bärtschi: Das macht sie sehr. Ich geniesse die Zeit mit Michèle.
Yvonne Bärtschi: Manchmal tauschen wir auch einige Brocken auf Italienisch oder Französisch aus. Leider habe ich vieles schon vergessen. Michèle Wang-Spirig: Oder wir schauen uns Fotos von früher an. Frau Bärtschi hat sie fein säuberlich in Alben geklebt. Sie war früher viel auf Reisen und hat einiges zu erzählen.
Michèle Wang-Spirig: Der Bäcker kennt Frau Bärtschi gut und freut sich immer, wenn wir da sind. Er weiss genau, welche Sorte sie mag. Yvonne Bärtschi: Mit Michèle ist es einfach gäbig. Sie bringt mir etwas Abwechslung. MM Text: Andrea Freiermuth
Bild: Charles Ellena
M
ichèle Wang-Spirig (37) und Yvonne Bärtschi (89) sind ein eingespieltes Duo: Die junge Tessinerin lebt in der Nachbarschaft der hochbetagten Rentnerin und besucht diese einmal in der Woche. An guten Tagen gehen die beiden Frauen im Quartier spazieren, an schlechten plaudern sie einfach ein wenig bei einem Stück Kuchen. Die beiden haben sich über «Nachbarschaft Bern» kennengelernt, ein Projekt, das die Nachbarschaftshilfe in der Stadt Bern fördern möchte. Ähnliche Initiativen gibt es in vielen anderen Schweizer Städten.
Mochten sich auf Anhieb: Yvonne Bärtschi lernte Michèle Wang-Spirig über «Nachbarschaft Bern» kennen.
m vier Uhr morgens schreckte ich aus dem Schlaf hoch. Erst konnte ich den Lärm gar nicht richtig einordnen. Es klang wie das Fauchen eines wilden Tiers, und das im Wohnzimmer nebenan. Unsere Katze Trixli konnte es nicht sein. Oder doch? Sie kommt eigentlich nur zum Fressen nach Hause und schläft am liebsten im Freien. Am Abend zuvor hatte ich sie um 23 Uhr rausgelassen. Ich weckte meinen Mann. Er murmelte, noch halb im Schlaf: ‹Sie wollte unbedingt wieder rein.› Das Tier nebenan sprang gegen die geschlossene Tür. Ich dachte an den Kater des Nachbarn: Trixli verstand sich nicht mit ihm. War er ihr in unser Haus gefolgt? Ich stand auf und ging ins Wohnzimmer, mit einem flauen Gefühl im Magen. Ich rechnete damit, dass Trixli oder was auch immer mich anspringen würde. Ich öffnete die Tür – und unser Büsi schoss wie ein Pfeil an mir vorbei. Das Licht ging nicht an. Auch das in der Küche nicht. Da wurde mir bewusst, dass etwas nicht in Ordnung war. Dann sah ich das Wasser am Boden: Der Boiler war geplatzt. Wenig später hörte ich das Knistern und roch den Rauch. Es brannte! Wir hatten Glück im Unglück: Hätte Trixli uns nicht geweckt, wären wir erstickt oder verbrannt. Das Feuer hätte viel Nahrung gefunden. Wir leben in einem 248 Jahre alten Holzhaus, und im angrenzenden Wirtschaftsgebäude lagerte ein Cousin Stroh. Später erzählte uns die Feuerwehr, dass sie die Flammen knapp zehn Zentimeter vor dem ersten Ballen stoppen konnte. Dass Trixli ausgerechnet in der Nacht nicht draussen schlafen wollte, grenzt an ein Wunder. Wir sind ihr unendlich dankbar. Selbst die Gemeindeverwaltung von Zumholz fühlte sich zu Dank verpflichtet. Sie hat Geld gesammelt und unser Trixli mit einem Geschenkgutschein für ihr Lieblingsfutter aus der Landi belohnt.» MM Text: Andrea Freiermuth
Wurde dank Katze Trixli vor den Flammen gerettet: Maria-Therese Marro
Trixli – das Büsi, das Glück im Unglück brachte
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MM43, 23.10.2017 | DANKE
DANKE | MM43, 23.10.2017
«Ich bin Jonathan und der Schweiz unendlich dankbar», sagt Eric (rechts). Als Dankeschön überreicht er ihm eines der schönen bunten Hemden, wie man sie in Afrika trägt.
« Jonathan war immer mein Anker hier »
International namens Queeramnesty gibt, die sich für die Rechte von LGBTI-Flüchtlingen (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans-, InterMenschen) einsetzt, und meldete sich dort. Bald gab es ein erstes Gespräch, und er erhielt zwei Betreuer, die ihn ehrenamtlich unterstützten, darunter den Amerikaner Jonathan Gibbs (36), der seit 2008 als Sprachlehrer und Übersetzer in Zürich lebt. Jonathan half Eric bei sprachlichen Hürden, Behördengängen, lud ihn zu Freizeitbeschäftigungen ein und vernetzte ihn mit anderen schwulen Flüchtlingen. Er half ihm, sich ein bisschen weniger fremd und Eric flüchtete aus seiner Heimat Kamerun, nachdem allein zu fühlen. Doch Mitte 2010 ihn seine Familie wegen seines Schwulseins verstossen hatte. erhielt Eric eine Hiobsbotschaft. Jonathan von Queeramnesty begleitete ihn während des Eric: «Man sagte Asylverfahrens in der Schweiz – und sogar darüber hinaus. mir, ich müsste innert einer Woche nach Spanien zurück, weil ich mich amerun ist ein hartes dort erstmals in der Schengen-Zone Pflaster für Schwule. Homo- gemeldet hatte. Deshalb waren die sexuelle Handlungen sind Spanier für mich zuständig. Schon 48 Stunden später kamen sie und gesellschaftlich tabuisiert holten mich ab. Unterwegs zum und können mit Gefängnis bestraft werden. Eric Renaud Nyami Yota (36) Flughafen rief ich Jonathan an.» wurde deswegen verprügelt und von Jonathan: «Ich fiel aus allen Wolken seiner Familie verstossen, zudem und fing sofort an, überall rumzudrohte ihm ein Strafurteil. Er sah in telefonieren. Eric kannte Spanien seiner Heimat keine Zukunft und nicht, konnte nicht mal die Sprache, verliess das zentralafrikanische Land er war dort völlig verloren.» 2007 Richtung Marokko. Dort sparte Eric: «Aber als ich in Madrid ankam, er Geld mit Handlangerarbeiten, bis erwartete mich jemand vom Roten er genug für eine Bootsfahrt nach Kreuz und sagte: Ah, wegen dir haben Spanien hatte. Von dort schlug er sich wir einen Anruf bekommen! Ich erim Herbst 2009 in die Schweiz durch. hielt ein Dach über dem Kopf und Hier entdeckte er im Internet, dass etwas zu essen. Und Anfang Februar 2011 sogar Asyl. Ich fühlte mich dank es eine Untergruppe von Amnesty
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Jonathan auch in Spanien gestützt und getragen, er hat mich sogar zweimal besucht.» Jonathan: «Das ging weit über das hinaus, was wir bei Queeramnesty normalerweise tun. Aber ich habe mich verantwortlich gefühlt und geholfen, wo ich konnte.» Im Sommer 2011 konnte Eric in die Schweiz zurückkehren, da er mit seinem Freund eine eingetragene Partnerschaft einging und so eine Aufenthaltsbewilligung erhielt. Dann lernte er Deutsch und machte eine Ausbildung zum Lageristen. Als es später Probleme mit der Wohnsituation gab, bot ihm Jonathan an, für einige Zeit bei ihm unterzukommen, bis er wieder auf eigenen Füssen stand. Eric: «Jonathan war hier immer mein Anker, ich bin ihm unendlich dankbar. Und auch der Schweiz, dass sie mir eine Chance gibt, hier zu leben. Im Moment arbeite ich halbtags in einer Jugendherberge als Allrounder. Mein Traum wäre, 100 Prozent als Lagerist zu arbeiten und meinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen wie jeder andere auch.» Jonathan: «Mir gehen die Schicksale der Flüchtlinge, die ich betreue, immer sehr nah. Es wäre hart für mich, wenn einer von ihnen in seine Heimat zurückgeschickt würde. Ich bin ein emotionaler Mensch, deshalb engagiere ich mich bei Queeramnesty: Ich habe hier als Schwuler das Glück, mein Leben und meine Liebe frei leben zu können. Und ich möchte den LGBTI auf der Welt helfen, die weniger Glück haben als ich.» MM Mehr Infos: www.queeramnesty.ch
Text: Ralf Kaminski
DANKE | MM43, 23.10.2017
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HĂźhnerfrau
DANKE | MM43, 23.10.2017
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ÂŤ Nur m ihnen kann ich Spo treiben Âť
Heidrun sei Dank!
Chantal Cavin ist blind. Das hält die Sportlerin aber nicht davon ab, ihrer Leidenschaft
nachzugehen. Nach Erfolgen im Schwimmen bestreitet sie jetzt Wettkämpfe im Laufen und Ausdauersport. Immer mit dabei: ihre Guides, denen sie Danke sagt.
Die Bergbäuerin Marlen Eggen aus Zweisimmen BE bedankt sich bei Heidrun Polzin, die sie während zweier Wochen bei der Arbeit auf dem Hof unterstßtzte.
H Ein feines Stßck Bergkäse als DankeschÜn fßr Heidrun Polzin (links). Marlen Eggen erinnert sich gern an die Zeit mit ihr.
eidrun Polzin (63) aus Neuberg im Bundesland Hessen (D) ist seit Kurzem in Rente. Die gelernte Bäckerin ist nach wie vor sehr neugierig und aktiv. Anstatt bloss auf der faulen Haut zu liegen, mÜchte sie die Welt entdecken und Einblick in andere Lebenswelten erhalten. Darum hat sie sich im vergangenen Frßhling bei der Caritas ßber Einsätze im Berggebiet informiert und ist dabei auf die Familie Eggen in Zweisimmen gestossen. Nachdem sie einige E-Mails mit Marlen Eggen (29) ausgetauscht hatte, entschloss sie sich, während zweier Wochen auf dem Hof mit anzupacken.‰MM Weitere Infos: www.bergeinsatz.ch
Text: Andrea Freiermuth
Chantal Cavin, was sind Guides, und wofßr sind sie zuständig? Guides sind meine Begleiter im Sport. Nur mit ihnen kann ich die verschiedenen Sportarten wie Laufen, Schwimmen und Radfahren ausßben. Im Laufen funktioniert es mit einem Band, das mich mit meinem Guide verbindet. Er kommuniziert mir Stufen, Unebenheiten und allgemeine Veränderungen auf dem Weg verbal. Beim Radfahren ist der Guide mein Tandempilot. Beim Schwimmen tippt mir der Guide mit einem Stock leicht auf den Kopf, damit ich weiss, wann ich wenden muss. Warum mÜchten Sie gerade Ihren Guides Danke sagen? Dank ihnen kann ich meiner Leidenschaft, dem Sport, frÜnen, Trainings im Freien absolvieren und Wettkämpfe bestreiten. Das macht mir riesigen Spass! Einen Dank verdient haben klar auch meine Familie, meine Mutter und Schwester sowie meine Freunde.
Was macht einen guten Guide aus? Er sollte die Fähigkeit haben, fßr beide zu schauen, und sollte somit quasi mit zwei Augen so viel sehen wie normalerweise vier. Er muss Spass haben am Trainieren zu zweit. Das Laufniveau ist bei meinen Laufguides verschieden. Die WettkampfLaufguides mßssen schneller laufen kÜnnen als ich, sodass sie sich auf mein Rennen konzentrieren und auch noch reden kÜnnen. Trainings-Laufguides dßrfen auch langsamer sein als ich. Generell machen die Läufe mit den Wettkampf-Guides mehr Spass, weil wir die draussen abhalten und nicht drinnen auf dem Laufband. Wie lange brauchte es, bis Sie Ihren Guides vertrauten? Bei einigen Guides hatte ich ab dem ersten Training volles Vertrauen. Gewissen Menschen liegt das Guiden sofort: Sie sind vorsichtig, aber nicht zu vorsichtig und kÜnnen problemlos fßr
Drei von vielen Guides, die Chantal Cavin fßhren – und tragen: Nils Oesterling, Marco Temoporal und Martina Tschan (v. l.)
zwei schauen. Aber lernen kann das praktisch jede und jeder, der sich dafßr interessiert. KÜnnen Sie sich an eine einmalige Situation erinnern? Ich habe viele coole Erinnerungen an Trainings oder Wettkämpfe mit den Guides. Es ist alles immer Teamwork, das schweisst zusammen. Und da gibt es schon tolle Situationen wie zum Beispiel, als wir am Darmstädter Knastmarathon mitgemacht haben. Ich konnte
damals wegen eines Misstritts nicht am Zßrich-Marathon starten, und der einzige passende Termin fßr meine zwei Guides und mich war eben der Knastmarathon. Also sind wir 24 Runden durch die Justizvollzugsanstalt Darmstadt gelaufen. Das hat viel Spass gemacht, wir werden dieses Erlebnis nie vergessen!”MM Mehr Infos: www.filworb.ch
Text: Dinah Leuenberger
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Drei Engel
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Verschenkt Herzen: Heidi Müller (rechts) mit ihren drei Lebensrettern
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ie bedankt man sich für etwas, das unbezahlbar ist? Heidi Müller (60) hat sich schliesslich für drei 100-Franken-Gutscheine für das Steakhouse Bahnhof in Mettmenstetten ZH entschieden. Diese kommen in Herzform daher, eine Spezialanfertigung für die Frührentnerin. Die Herzengutscheine hat sie in drei herzförmige Schachteln gelegt und sie mit roten Schokoladeherzen gefüllt. All die Herzen kommen nicht von ungefähr. Heidi Müller möchte sich damit bei Ursula Werfeli (62), Max Hug (68) und Markus Karpf (59) bedanken, dass ihr Herz am 3. Oktober 2000 nicht für immer stehen geblieben ist. Die drei arbeiteten damals in der Migros-Filiale Oberengstringen ZH. Heidi Müller war an diesem Tag wegen eines Bandscheibenvorfalls beim Arzt gewesen und hatte eine Spritze in den Rücken erhalten. Eigentlich wollte sie
für Heidi
Heidi Müller brach vor 17 Jahren in einer Migros-Filiale zusammen. Nur dank der schnellen Reaktion der Angestellten hat sie überlebt.
am späten Nachmittag nur noch rasch zwei Koteletts kaufen. Ursula Werfeli sah, wie die Kundin taumelte und zusammenbrach. Sie rief sofort nach Hilfe. Metzger Max Hug eilte herbei und drehte die Bewusstlose in die stabile Seitenlage. Filialleiter Markus Karpf alarmierte augenblicklich die Ambulanz. Verkäuferin Werfeli machte der Frau kalte Umschläge. Markus Karpf durchsuchte ihr Portemonnaie und fand dort das Kärtchen mit dem Termin und der Telefonnummer des Arztes: «Der wollte mir partout keine Auskunft geben, Arztgeheimnis. Ich flippte fast aus!», erinnert er sich. Zum Glück sei dann gleich die Ambulanz eingetroffen. Als sie auf der Intensivstation aufwachte, sagte ihr der Arzt: «Wir dachten, wir hätten Sie verloren. Sie hatten nicht nur einen Schutzengel, sondern wohl gleich ein ganzes Heer.» So etwas überlebe man eigentlich nur
durch ein Wunder. Heidi Müller hatte eine doppelte Lungenembolie und konnte kaum noch atmen. Ob die Spritze in den Rücken der Auslöser dafür war, ist bis heute unklar. Die inzwischen frühpensionierte Versicherungsangestellte erholte sich nach dem Vorfall vollständig. Einzige Folge: Sie muss nun lebenslang ein Medikament einnehmen, das das Blut verdünnt. 17 Jahre nach der Begegnung mit dem Tod hat Heidi Müller ihre drei Lebensretter und das Migros-Magazin zu sich in ihre Wohnung nach Mettmenstetten eingeladen, um ihren Dank auszusprechen. Bei der Übergabe der Herzen sagt sie: «Der Gutschein ist bloss eine kleine Geste. Ohne euch wäre ich nicht mehr. Kein Geschenk dieser Welt kann dem gerecht werden, was ihr für mich getan habt.»§MM Text: Andrea Freiermuth
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DANKE | MM43, 23.10.2017
Gut schlafen – nach
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75 Jahren
Die Eltern von Marcelyne Udry aus Chandolin VS verschwanden 1942 bei einer Wanderung spurlos. Sie hatte die Hoffnung längst aufgegeben, ihre Eltern jemals wiederzusehen. Doch diesen Sommer entdeckte ein Pistenbullyfahrer sie auf dem Tsanfleurongletscher im Eis – nach 75 Jahren.
Jan Theiler (43), Pistenbullyfahrer, Les Diablerets VS «Seit 22 Jahren arbeite ich auf dem Gletscher, ich bin quasi ein Urgestein. Wie jeden Sommer war ich auch dieses Jahr mit ein paar Kollegen damit beschäftigt, die Pisten mit den grossen Pistenfahrzeugen herzurichten. Plötzlich hörte ich den Hilferuf eines Kollegen; er war mit sei nem Fahrzeug in eine Vertiefung geraten. Allein kam er da nicht mehr heraus. Also holte ich den Bagger und versuchte, ihn herauszuziehen. Nachdem dies gelungen war, erblickte ich dort, wo das Fahrzeug eben noch blockiert gewesen war, einen schwarzen Fleck. Ich ging näher heran und realisierte, dass es zwei mumifizierte Körper waren. Die Geschichte vom verschollenen Ehepaar Udry ist bei uns auf dem Gletscher bekannt. Jahrelang spekulierten wir, die Verunfallten könnten eines Tages wieder zum Vorschein kommen, jetzt, da die Gletscher so stark schmelzen. Ich hätte trotzdem nie gedacht, dass ich sie finden würde. Aber sofort sagte ich zu einem Kollegen: ‹He, das sind sicher die Udrys!› Wir riefen den Pistenchef an, dieser informierte den Direktor von Glacier 3000, und schliesslich wurde die Polizei verständigt. Das klingt auf wendig, aber so ist nun mal unser Dienstweg. Schon am nächsten Tag musste ich der Polizei schildern, was passiert war. Danach erhielt ich einen Anruf von Samuel Udry, dem Sohn von Marcelyne. Ich traf die Tochter der Udrys dann eine Woche später an der Fundstelle. So konnte ich ihr zeigen, wo genau ihre Eltern gelegen hatten.»
Ein besticktes Badetuch und Wein mit einer perso nalisierten Etikette für den Finder: Marcelyne Udry und Jan Theiler
10x PUNKTE
Nicht allein in schwerer Zeit
Arbeitskollege fackelte nicht lang
Karin Studer (29) aus Laufen BL ging es im Juli 2016 schlecht. Sie dachte, es handle sich um eine Magen-Darm-Grippe. Doch als sie dann notfallmässig ins Spital musste, stellte sich heraus, dass sie seit Tagen an einem geplatzten Blinddarm litt. Dank einer Notoperation wurde sie wieder gesund. Rückblickend sagt sie: «In dieser schweren Zeit standen mein Freund Cédric Schneider und meine Familie hinter mir.»
Nach einem Znacht im Juli 2017 hatte Andy Martini (59) aus Hunzenschwil AG plötzlich starke Schmerzen in der Nierengegend. Arbeitskollege Milko Savic (36) aus Berikon AG bestand darauf, ihn nach Aarau ins Kantonsspital zu fahren. Befund: ein Blaseninfekt, der sofort behandelt werden musste. Martini: «Milko hat mich vor Schlimmerem bewahrt. Nicht auszudenken, was sonst mit mir passiert wäre …»
Unterstützung aus der Nachbarschaft
Hilfsbereitschaft von allen Seiten
Elena Sollberger (45) aus Oberdorf BL war seit 2013 verheiratet, 2015 kam ihr Sohn auf die Welt.
Anfang Juni begab sich Edda Rutschmann (78) aus Oberwinterthur ZH mit einer Gehhilfe in
Doch das Familienglück währte nur kurz: Im Februar 2017 erhielt ihr Mann die Diagnose Krebs, am 3. Juni starb er. «Von unseren Nachbarn kam in dieser schweren Zeit enorm viel Hilfe. Ich finde kaum Worte, dafür meine Dankbarkeit auszudrücken.»
«Unvergessliche Momente» Marcelyne Udry (79), Pensionierte, Savièse VS «Während 75 Jahren suchte ich vergeblich nach meinen Eltern. Immer wieder stieg ich auf den Gletscher, aber nie gab es Spuren von ihnen. Eigentlich hatte ich die Hoffnung aufgegeben. Glauben Sie mir, man schläft nicht gut, wenn man nicht weiss, wo die Eltern sind. Dann kam plötzlich dieser Anruf, dass jemand meine Eltern gefunden hatte. Stellen Sie sich das vor! Ich wusste sofort, dass sie es sind, denn ich erkannte die Wan derschuhe meiner Mutter auf Anhieb. Sie
waren von sehr guter Qualität – so, wie sie nur mein Vater herstellen konnte. Ich weinte vor Freude. Nach so langer Zeit endlich Gewissheit zu haben, ist das grösste Geschenk, das ich mir vorstellen kann. Für meine Schwester war es nicht so leicht, sie war schon älter, als unsere Eltern verschwanden. Bei ihr sind alle Gefühle wieder hochgekommen. Aber für mich ist es ein Segen. Endlich schlafe ich wieder gut. Darum möchte ich mich bei Jan Theiler bedanken. Dafür, dass er genau hingeschaut und richtig reagiert hat. Dank ihm bin ich wieder glücklich.» MM Aufgezeichnet: Dinah Leuenberger
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die örtliche Migros-Filiale. Dort stürzte sie auf dem Rollband rücklings auf den Hinterkopf. Migros-Mitarbeitende halfen ihr wieder auf die Beine. Die Filialleiterin erledigte die Einkäufe für sie und rief ihr ein Taxi. Der Chauffeur der Taxizentrale Winterthur fuhr sie nach Hause und trug ihr die Einkaufstasche in die Küche. Edda Rutschmann: «Für diese schnelle Hilfe möchte ich mich noch einmal bei allen Beteiligten bedanken.»
Beste Freundin Angela Lehmann (30) aus Münchenbuchsee BE hat am 19. Juli 2017 geheiratet und dankt ihrer Freundin Franziska Rytz (31),
Sarah und Corinne Scharmer (31 und 28) danken ihrem Vater Hubert Scharmer (82, Niederlenz AG, im Bild) dafür, «dass er uns nie zu etwas gezwungen hat, uns unvergessliche Momente schenkte und nie seine Lebensfreude verlor». Der Vater war
in Danzig (Polen) auf die Welt gekommen und im Zweiten Weltkrieg in die Schweiz geflohen. Mit harter Arbeit als Bäcker-Konditor machte er seine grosse Leidenschaft Tanzen zu seinem Beruf und eröffnete 1968 in Baden AG das Tanzstudio City, eine der ersten Tanzschulen der Stadt.
die sie dabei mit Rat und Tat unterstützt hat. Sie schreibt: «Fräne, danke für alles. Ich hab dich gern. Deine Ansch.»
«Für alle Enkelkinder da» Nora Junod-Micatek (57) aus Niederuzwil SG, vierfache Mutter und fünffache Grossmutter, schreibt: «Als unser drittes Kind 1987 auf die Welt kam, waren wir Eltern und die ganze Verwandtschaft vom zusätzlichen Chromosom unseres Sohns überfordert. Und später gab uns das Vierkleeblatt einiges zu tun. Ohne Wenn und Aber hat meine Mutter Vierka Micatek immer für alle ihre Enkel die Tür geöffnet, besonders auch für Nicolas. Er kann immer auf sie zählen! Herzlichen Dank, liebes Mami!»
Nie aufgegeben Melissa Dätwyler (27) aus Root LU dankt ihrem Ehemann Ivan (38), der sich 2014 nach einer misslungenen Operation einer Herztransplantation unterziehen musste. «Ich möchte Ivan danken, dass er trotz allem nie aufgegeben hat. Wir sind so froh, dass alles gut verlaufen ist.»
Die Familie zusammengehalten Monika Vögeli (33) aus Hägendorf SO möchte ihrem Mann Christian Vögeli (44) «von Herzen Danke sagen». Sie hatte vor gut zwei Jahren eine Hirnblutung. «Während ich im Spital und in der Reha war, hat Christian die Familie zusammengehalten und zu unseren beiden Töchtern geschaut.»
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Heute sind die beiden glückliche Eltern zweier Töchter. «Durch jene Zeit ist unsere Ehe noch viel intensiver geworden, und wir geniessen jeden Moment. Ich liebe dich, mein Schatz.»
Die grosse Liebe Prisca Stiz (52) aus Urdorf ZH
fiel vor acht Jahren beim Fensterreinigen aus drei Metern Höhe auf den Betonboden. Die Folge: schwere Hirnerschütterung, rechter Arm zertrümmert. Sie konnte zehn Monate nicht arbeiten. Danach, am ersten Arbeitstag, hörte sie zur Begrüssung: «Bring uns 20 Neukunden, oder du kannst gehen.» Die alleinerziehende Mutter ging – und fand etwas Neues: ihre grosse Liebe. «Er hat mich und meine Kinder grossartig unterstützt», sagt Prisca Stiz über den Mann an ihrer Seite, Erwin Schröter (56). Mittlerweile wurde sie sechsmal operiert, wartet noch immer auf den IV-Entscheid und arbeitet Vollzeit, obwohl sie Schmerzen hat. Erwin und ihren Kindern Steven (23) und Gioa (21) will sie danken: «Für alles, denn sie geben mir Kraft und Stärke.» MM Aufgezeichnet: Reto E. Wild
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MM43, 23.10.2017 | DANKE
DANKE | MM43, 23.10.2017
Die Heldin vom Zürichsee Beat Kaufmann dankt Kapitänin Manuela Balàzs,
dass sie ihn mit einem Manöver vor einer Havarie bewahrte.
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s war einer dieser Sommertage im Juli: blauer Himmel, strahlende Son ne – und nichts wies daraufhin, dass sich daran etwas ändern könnte. Schiffsbauer Beat Kaufmann (64) aus Ober hofen ZH schleppt am Nachmittag auf dem Zürichsee ein Boot mit Motorschaden ab. Plötzlich und fast wortwörtlich aus heiterem Himmel kommt auf der Höhe von Feld meilen ZH ein starker Wind auf. Eine Sturmwarnung, die sonst mit blinkenden Lichtern auf die Gefahr hinweist, bleibt aus.
«Da kam mitten am Tag eine Art Tornadowind, wie ich ihn noch nie erlebt habe. Er brachte einige Boote in Seenot», erinnert sich der erfahrene Bootsführer. Der Sturm löst auf dem See starke Wellen aus, sodass Kaufmann mit seinem Boot und dem hava rierten Motorboot im Schlepptau immer näher Richtung Land treibt. Bei Wind und Wellen dieser Art lassen sich auch Boote mit funktionierendem Motor kaum steuern. Zum gleichen Zeitpunkt ist Manuela Balàzs (44) mit dem Kursschiff «Linth» der
ZürichseeSchifffahrtsgesellschaft (ZSG) unterwegs. «Angesichts dieses starken Sturms schauten wir, wo wir hätten anlegen können und achteten zusätzlich auf Schiffe in Seenot», sagt die Kapitänin. Erst will sie bei Herrliberg anlegen, sieht aber angesichts des hohen Seegangs von dieser Idee ab. «In diesem Moment sah ich zwei Boote, die grosse Probleme hatten und immer weiter Richtung Land trieben.» Balàzs steuert das über 50 Meter lange Schiff mit drei Decks so zu Kaufmanns
Booten, dass es diesen Windschutz bietet. Nun gelingt es dem Schiffsbauer, sein Motorboot abzudrehen und Abstand zum Land zu gewinnen. Die spektakuläre Szene wird an Land von zahlreichen Schaulustigen verfolgt. Kurz danach erreicht die See rettung die beiden Boote und bringt Kaufmann sicher nach Horgen. «Ich hatte die beiden Boote bereits auf gegeben, weil ich mit dem Schlimmsten rechnete», sagt Kaufmann heute. «Wenn Manuela Balàzs mit der ‹Linth› nicht rechtzeitig dort gewesen wäre, hätte ich es nicht geschafft.» «Ich habe nur meinen Job gemacht», entgegnet die erste Raddampferkapitänin der Schweiz, die seit 20 Jahren für die ZSG arbeitet und eigentlich gelernte Malerin ist. «In den letzten Jahren ist es immer öfter passiert, dass das Wetter auf dem See so schnell umschlägt. Früher kündigten dunkle Wolken solche Stürme an.» MM Text: Reto E. Wild
Zum Dank einen Blumenstrauss: Beat Kaufmann mit seiner Retterin Manuela Balàzs.
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« Es gibt immer
Kajany über Irma
*
liebe Menschen,
Dank Irma spreche ich viel besser Deutsch als früher. Das hat mir viel Selbstvertrauen gegeben.
*
Wir machen immer wieder mal einen Ausflug. Ich habe mit Irma spannende Orte in Basel kennengelernt, etwa den TinguelyBrunnen, den Zolli oder die Rheinfähre.
die helfen »
* * *
Es ist immer lustig mit Irma.
Paul Steiner verunfallte im Juni
auf Sizilien und dankt seinem langjährigen
Wir machen Hausaufgaben und lernen für Prüfungen. So schreibe ich bessere Noten.
Freund Giuseppe Alesci für seine Hilfe.
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Bild: zVg
Für Giuseppe: Paul Steiner mit einem Korb voller Köstlichkeiten aus der Schweiz
or 46 Jahren lernte der Luzerner Paul Steiner (67) an einer neuen Arbeits stelle in Basel Giuseppe Alesci (71) kennen. Sie freundeten sich an. Nach zwei Jahren zog Steiner zurück in seine Region, die freund schaftlichen Kontakte aber blieben bestehen. Man besuchte sich gegen seitig in Basel, Luzern und in Giusep pes Ferienhaus im Schwarzwald. Eines Tages jedoch beschloss Giuseppe, in seine Heimat Sizilien zurückzukehren und dort eine Familie zu gründen. Steiner hatte sich schon lange gewünscht, einmal Italiens Stiefel bis nach Reggio di Calabria hinunter zufahren und anschliessend Sizilien zu erkunden. Anfang Juni 2017 wurde aus dem Wunsch Realität. Paul sass am Steuer, Giuseppe war Beifahrer und Reiseleiter. Nach ein paar ein drücklichen Reisetagen und diversen Stationen wie etwa einem Besuch der Schweizer Garde in Rom kamen sie bei Giuseppes Familie in San Giuseppe Jato bei Palermo an. Am 19. Juni, bei einem Ausflug zum Badeort Trappeto, passierte das Unglück: Auf einer Treppe, die vom Parkplatz hinunter zum Meer führt, stürzte Steiner kopfüber auf Korallen steine. Die Folgen waren Prellungen und Blutergüsse an Füssen, Knien und Armen sowie eine Wunde auf der Stirn. «Giuseppe war total ausser sich und betete zu sämtlichen Heiligen dieser Erde», erzählt Steiner. Sein Gastgeber brachte ihn sofort in das nahgelegene Krankenhaus von Partinico. «Nach der Notfallaufnahme
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Zu Hause essen wir mit den Händen. Dank Irma weiss ich, wie man mit Messer und Gabel umgeht.
Kajany dankt Irma Weisser mit einer selbstgebastelten Karte.
Giuseppe Alesci in seiner sizilianischen Heimat San Giuseppe Jato bei Palermo
und der Ersten Hilfe durch Ärzte und Pflegepersonal begann Chirurg Capizzi, meine Stirnwunde zu nähen.» In den internen Spitalpa pieren wurde er übrigens ganz un bürokratisch als «Paziente, Svizzera» geführt. Und gekostet hat all das – nichts. Das Gesundheitswesen in Italien ist verstaatlicht. «Auf diesem Weg möchte ich hier allen lieben Menschen nochmals von ganzem Herzen Danke sagen, ins besondere Giuseppe, den Ärzten und dem Pflegepersonal», sagt Steiner. «Vielleicht schenkt mein Erlebnis Ferienreisenden die Zuversicht, dass es immer liebe Menschen gibt, die helfen.» Als Dankeschön stellte Paul Stei ner einen mit Luzerner Spezialitäten gefüllten Korb zusammen: Willisauer Ringli, Birrewegge, Rahmkäse und vieles mehr. Ganz nach dem Motto «Aus der Region – für Sizilien». MM Text: Reto E. Wild
Zwei, die sich
inspirieren Die tamilische Primarschülerin Kajany ist dank der
Rentnerin Irma Weisser besser integriert. Die beiden erzählen, wie viel Freude ihnen die gemeinsamen Stunden bereiten.
D
ie Primarschülerin Kajany Yogalingam (12) verbringt seit fünf Jahren jede Woche ein paar Stunden mit Irma Weisser (74). Die beiden haben sich über das Programm «Mitten unter uns» des Roten Kreuzes Baselland kennengelernt, das sich gezielt an fremdsprachige Kinder richtet. Kajany ist zwar in der Schweiz geboren und in Binningen BL aufgewachsen, aber als sie in den Kindergarten kam, sprach sie kaum Deutsch, denn zu Hause mit ihren Eltern redet sie Tamilisch. Die Besuche bei Irma Weisser sind nicht nur für Kajany wertvoll, sondern auch für die Gastgeberin. MM
Text: Andrea Freiermuth
*
Mit Irma zusammen lerne ich Dinge kennen, mit denen ich meine Eltern überraschen kann. So habe ich etwa Raclette mit ihr gegessen – und das dann zu Hause auch eingeführt.
*
Ich habe Spiele wie «Uno» oder «Eile mit Weile» kennengelernt. So kann ich mit anderen Kindern spielen und finde Anschluss.
Irma über Kajany
* *
Es ist schön, Kajanys Entwicklung mitzuverfolgen. Ich bin richtig stolz auf sie. Ich mache Kajany gerne eine Freude. Sie ist so offen und wissbegierig. Es macht einfach Spass, sie neue Dinge entdecken zu lassen.
* *
Kajany ist immer so heiter. Wir lachen viel. Wenn wir den Stoff für das Fach «Natur, Mensch und Gesellschaft» repetieren, lerne ich zuweilen sogar noch etwas.
* *
Mit Kajany hat sich mein Horizont erweitert.
Ich habe Einblick in eine andere Kultur erhalten. Es ist schön, wenn Kajany die Dinge, die sie mit mir erlebt, in ihre Familie weiterträgt. So kann ich indirekt sogar den Eltern etwas mitgeben. MM
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DANKE | MM43, 23.10.2017
«Wir verdanken unsere
Begegnung
einer Verwechslung» Der Holocaust-Überlebende Shlomo Graber dankt seiner Partnerin Myrtha Hunziker, dass er sie kennenlernen durfte.
Shlomo Graber (91) und Myrtha Hunziker (75) sitzen in ihrer Galerie Spalentor an der Missionsstrasse 24 in Basel und denken über ihr gemeinsames Leben nach. Myrtha Hunziker (M.H.): «Ich bin in St. Gallen aufgewachsen, mit 20 nach Basel gezogen, habe geheiratet, drei Kinder bekommen, bin mit 46 Jahren Witwe geworden – und dann kam die grosse Katastrophe.» (lacht) Shlomo Graber (S.G.): «Ach so, dann bin ich also die Katastrophe? (lacht) Nun, dich kennengelernt zu haben, war das Schönste, das ich nach dem Holocaust erlebte. Du kümmerst dich so liebevoll um mich. Selbstverständlich passe ich auch auf dich auf.» M.H.: «Eigentlich verdanken wir unsere Begegnung einer Verwechslung: Als mein damaliger Ehegatte vor über 30 Jahren erkrankte, wurde er von einem Professor betreut, der ein Auge auf mich geworfen hatte. Er wollte mich nach Verona einladen, aber ich sagte ab, weil ich jeden Tag damit rechnen musste, dass mein Mann sterben könnte. Dann passierte es tatsächlich, und ich war mit meinen Kindern allein. Eines Tages kam jemand im Radiogeschäft vorbei – ich dachte fälschlicherweise, es sei der Professor und informierte ihn, dass mein Mann gestorben war.»
S.G.: «Worauf ich Myrtha zum Kaffee einlud und ihr dann verkündete: ‹Ich bin Shlomo Graber aus Israel. Abends gehen wir essen.› Ich war damals Handelsreisender und vertrat Schweizer Firmen in Israel, Ungarn und Österreich. Als Myrtha von meiner Vergangenheit hörte, befürchtete sie, dass ich dadurch auf ewig traumatisiert worden sein musste. Doch am Tag, an dem ich aus Auschwitz befreit worden war, hatte ich mir geschworen, kein Mitleid auszulösen und wie jeder andere Mensch zu leben.» M.H.: «Unsere erste gemeinsame Zeit war hart. Du warst von deiner Frau frisch geschieden, und wir waren nicht auf Rosen gebettet. 1989 warst du von Israel nach Basel gezügelt. Später fingst du an, deine Geschichte und die deiner Familie von 1859 bis 2008 aufzuzeichnen – das MigrosKulturprozent finanzierte die Übersetzung. Während du zu Hause geschrieben hast, arbeitete ich in einem Radio- und TVGeschäft, kam abends müde nach Hause und war dankbar dafür, dass du für die Kinder gekocht hattest.» S.G.: «Drei Jahre dauerte es, bis ich mein erstes Buch geschrieben hatte. Dafür all die Erlebnisse von damals nochmals gedanklich durchzugehen, belastete mich stark, sodass ich pro Tag jeweils nicht mehr als eine halbe Stunde schreiben konnte. Jeden Abend,
Sags mit Rosen: Shlomo Graber, Charmeur alter Schule, bedankt sich bei seiner Partnerin Myrtha Hunziker für die gemein same Zeit.
nachdem Myrtha von der Arbeit nach Hause gekommen war, las ich ihr meine Zeilen vor. Aus Auschwitz gibt es ein Bild, das ich nie vergessen werde: Ich sehe meine Mutter, meine Grossmutter, meine drei Brüder und meine Schwester – sie stehen in einer anderen Reihe als ich und lösen sich in meiner Erinnerung wie eine Staubwolke auf. Sie wurden alle ermordet, und ich hatte mich nicht mal von ihnen verabschieden können.» M.H.: «Als ich kurz vor der Pensionierung stand, beschloss ich, eine Galerie zu eröffnen. Und so fuhren wir mit dem Auto nach
Ungarn, das wir von deinen Geschäftsreisen her gut kannten, und füllten es mit Waren. Mit diesen baute ich dann meinen Laden auf, du hattest mich dabei immer unter stützt. Ich arbeite noch immer täglich in der Galerie, in der auch Shlomos Bilder zu sehen sind.» S.G.: «Ja, mit 70 begann ich zu malen, ab strakte Bilder aller Art. Darunter befand sich auch ein HolocaustBild, das ich mit ‹42649› unterzeichnete, meiner Häftlings nummer in Auschwitz. 2015 wurde der 70. Geburtstag der Befreiung gefeiert. Ich wurde nach Görlitz eingeladen und sass
zusammen mit Myrtha weit hinten in einem Festsaal. Doch dann forderte mich der Ober bürgermeister auf zu erzählen, was ich am 8. Mai 1945 erlebt hatte: An vielen Orten war zum Ende des Zweiten Weltkriegs getanzt worden, nicht jedoch in Görlitz, der östlichs ten Stadt Deutschlands. Aber ich begegnete damals einer Frau mit Tochter, die mit zerrissenen Kleidern auf mich zukamen. Ich gab dem Mädchen ein Stück Brot. ‹Wie kannst du einem deutschen Kind etwas zu essen geben?›, wurde ich damals von ande ren gefragt. Ich entgegnete: ‹Für mich ist das ein Mensch. Würde ich hassen, hätte Hitler gewonnen.› Diese Botschaft versuche ich
auch vor Schulklassen zu vermitteln, wenn ich über mein Leben spreche. Ich tue das sehr gern, denn die Jugendlichen sind die Hoffnung für die Zukunft.» M.H.: «Shlomo hat von seiner Mutter gelernt, dass Liebe stärker ist als Hass. Sie hatten eine enge Beziehung, und er redet noch immer fast jeden Tag von ihr.» S.G.: «Vor allem aber geniesse ich mein Leben mit dir und möchte immer mit dir zusammen sein.» MM Text: Reto E. Wild
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DANKE | MM43, 23.10.2017
Bauer,
nicht mehr ledig,
hat gefunden
Die Kuppelshow «Bauer, ledig, sucht» des Privatsenders 3+ bringt erfolgreich Schweizer Landwirte unter die Haube. Einer der Glücklichen ist Hans Blatter. Im Frühjahr hat er seine Marlene Hanser geheiratet. Nun sagen sie Moderator Marco Fritsche Danke.
I
n der Küche von Hans Blatter (59) und Marlene Hanser (58) wuselt es. Er tritt ungeduldig von einem Fuss auf den anderen, während sie ihren Kopf in den Kühl schrank steckt und die Butter sucht. Die drei Katzen schleichen um den Esstisch, Hündin Luna steht davor und schnuppert. Kein Wunder: Auf dem Tisch ist eine riesige Käseplatte aufgestellt, daneben Aufschnitt, ein grosser Brotkorb und andere Früh stücksleckereien. «Ich mache das gern, wenn Besuch kommt. So kann ich zeigen, was unser Hof und unsere Nachbarn alles produzieren», sagt Marlene. Sie lebt seit 2012 bei Hans auf dem Bauernhof im Bezirk Nieder bütschel in Rüeggisberg BE.
Zuerst wars der Marco, dann der Hans
Marco Fritsche (41) kommt zu Besuch und umarmt die Gastgeber. Marco Fritsche ist Moderator der Kuppelshow «Bauer, ledig, sucht», bei der Hans und Marlene 2012 mitmachten. Die drei haben sich auch nach den Dreharbeiten immer wieder getroffen; an den «Stubeten», wo jeweils alle Bauern wieder zusam menkommen; aber auch beim Kaffee klatsch bei Hans und Marlene zu Hause. Heute ist es das erste Treffen, seit Hans und Marlene in diesem Frühjahr geheiratet haben.
Allein aus ihrer Staffel haben sich noch drei weitere Paare gefunden, sagt Hans. Er hat in der achten Staffel mitgemacht, nun läuft bereits die 13. «Zuerst habe ich ja den Marco gesehen, erst dann den Hans», sagt Marlene. Da sei ihre Laune bereits gut gewesen, denn Marco sei so ein Aufgestellter. «Und euer erstes Tref fen war natürlich auch super. Weil eure beiden Hunde schnurstracks aufeinander zurannten. Da ging es bei euch auch schnell», sagt Marco. «Nur tanzen wollte ich nicht. Das wäre mir am ersten Tag zu viel gewesen. Ich mache es schon gern, aber nicht besonders gut», sagt Hans. Die drei sitzen inzwischen am Tisch beim Brunch und erzählen aus ihrem Leben. Hans und Marlene von ihrer Hochzeit, Marco von der letzten «Stubete». Dazwischen steht er auf und lässt sich einen Kaffee raus. «Bei Marlene geht es uns immer schlecht, sie lässt uns fast verhungern», scherzt er. Dabei gab die inzwischen gemüt liche Küche bei den Dreharbeiten viel zu reden: Als die Hofwoche begann und Marlene Hans zum ersten Mal besuchte, war seine Küche noch uralt. «Als ich sie Marlene zeigte, wollte sie gleich wieder gehen. Das war ver ständlich. Aber ich habe ihr verspro chen, sofort zu renovieren, falls sie bleiben würde», sagt Hans. «Daran
hat er sich gehalten. Wir haben alles weggeschmissen, und ich habe in der neuen Küche sogar die Farbe aus gewählt: Hellgrün. Ich bin am meis ten in der Küche, darum muss es vor allem mir gefallen», sagt Marlene. Marco findet, das sei eines der bes ten Gespräche dieser Staffel gewesen: «Sie sagte, er müsse renovieren. Er sagte, sie müsse zehn Kilo abnehmen. Zuerst war ich schockiert. Aber ich habe schnell begriffen, dass die bei den so funktionieren. Sie kämpfen mit harten Bandagen. Aber auf eine besonders liebenswürdige Art.» «Wir haben dich gern»
Hans besuchte Marlene nach der Hofwoche sofort: «Natürlich! Der Samstag danach ist der wichtigste Tag! So kannst du zeigen, dass du Interesse hast.» Marco ist überzeugt, dass es mit den beiden funktioniert: «Ihr werdet jetzt wohl nicht mehr aufs Alter anfangen mit Schwierig tun.» Die drei haben sich in den ver gangenen Jahren schätzen gelernt. Die Kaffeeklatschbesuche sind allen wichtig. «Ja, wir haben dich gern, du kannst immer zu uns kommen. Die Tür ist offen für dich und das Gäste bett gemacht!», sagt Marlene und umarmt Marco. MM Text: Dinah Leuenberger
Die grosse Liebe: Hans Blatter und Marlene Hanser. Moderator Marco Fritsche (r.) freuts.
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DANKE | MM43, 23.10.2017
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« Danke, dass Sie unser
Baby gerettet haben»
Im fünften Schwangerschaftsmonat wird bei Ester Weidmanns Baby ein offener Rücken diagnostiziert. Der Kinderchirurg Martin Meuli operiert Skylee noch im Mutterbauch. Drei Monate später kommt sie mit sehr guten Prognosen zu Welt.
Bild: Gabi Vogt
Ester Weidmann (34): «Mein Mann Rico (36) und ich hatten ein Baby verloren und freuten uns sehr auf ein Schwes terchen für Zavya (3). In der 21. Schwangerschaftswoche er fuhren wir, dass unsere Kleine einen offenen Rücken hatte. Wir waren erschüttert. Im Kin derspital Zürich informierte uns Martin Meulis Team über die Möglichkeit, das freiliegen de Rückenmark mit Hirnhäu ten, Weichteilen und der Haut des Babys zu umgeben, um die natürliche Anatomie so gut wie möglich zu rekonstruieren. Ein Schwangerschafts abbruch, für den sich zwei bis drei von vier Betroffenen ent scheiden, war für uns undenk bar. Mich belastete vor allem die Vorstellung, narkotisiert zu sein, während mein Baby etwas Schwieriges durchmacht. Dass ich selbst bei der Operation auch ein Risiko eingehen wür de, war für mich kein Thema, für Rico schon. Wir diskutierten das Für und Wider und entschieden uns schliesslich dafür. Dank der Operation haben Babys wie Skylee deutliche Vorteile, das konnte man uns versichern. Ich war fünf Wochen im Spital und musste zu Hause weitere fünf Wochen liegen. Laut Herrn Meuli ist die Operation sehr günstig verlaufen. Dass Skylee zu früh zur Welt kom men könnte, war ein Risiko, das dieser Ein griff mit sich bringt. Doch wir hatten Glück und konnten bis zur 38. Woche mit dem Kaiserschnitt warten. Am 13. Juli ist Skylee geboren, und wir sind einfach nur dankbar,
traut. Skylee war bei ihm in gu ten Händen. Seine Herzlichkeit hat uns in dieser schwierigen Zeit sehr geholfen. Auch wenn wir nicht wissen, wie Skylee sich entwickeln wird, sind wir zu versichtlich, dass es so, wie es kommt, gut kommt.»
Martin Meuli (62):
Sind dem Kinderchirurgen Martin Meuli dankbar: Familie Weidmann mit Baby Skylee.
dass sie jetzt bei uns ist. Sie ist ein zufriedenes Baby und bewegt ihre Zehchen – das ist ein gutes Zeichen. Ob sie später gehen lernt und problemlos Wasser löst, wissen wir nicht. Bei unserer ersten Tochter nahmen wir alles für selbstverständlich. Mit Skylee ist uns bewusst geworden, was für ein Wunder die Geburt eines Babys doch ist. Wir schät zen uns glücklich, dass wir in einem Land leben, wo solche Operationen möglich sind. Herr Meuli war für uns immer erreichbar, hat alle unsere Fragen verständlich beantwortet und auch mit uns gelacht. Wir haben ihm unser Wertvollstes anver
«Ich habe in Zürich inzwischen 65 Frauen operiert, deren un geborene Babys einen offenen Rücken hatten. Diese Eingriffe sind sehr anspruchsvoll, da man zwei Patienten gleichzeitig operiert. Die Chirurgen wech seln von der Makro zur Mikro chirurgie, die Anästhesisten müssen auf die unterschied lichen Verhaltensweisen reagie ren, die Mutter und Kind zeigen. Für mich ist es jedes Mal ein ergreifendes Erlebnis, zwei in einanderliegende Patienten zu operieren. Ich empfinde auch grossen Respekt vor Müttern wie Ester Weidmann, die sich als gesunde Menschen freiwillig unters Messer legen. Das ist eine grossartige Geste, die wärmste, in timste Mütterlichkeit zum Ausdruck bringt. Da wir die Kinder bis ins Erwachsenen alter betreuen, kommen sie regelmässig ins Kinderspital Zürich mit ihren Eltern, und wir entwickeln ganz besondere Beziehungen zu ihnen. Fast wöchentlich sehe ich eines ‹meiner› Kinder. Ich freue mich sehr, im November Skylee wiederzusehen, und bin gespannt, wie sie sich entwickelt.» MM Aufgezeichnet: Monica Müller