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THE Stylemate issue 01 | 2026 Man In Progress DE

Page 1


Mindful Essentials

Seite 3

Wann ist ein Mann ein Mann?

Seite 4–8

LIFE:

Wo alles zusammenkommt

Seite 9

Rollenbilder-Check –Der Test

Seite 10–11

Siggi –Der Musiker im Interview

Seite 12–13

Kolumne von Eberhard Schrempf: Wenn Rollen sich auflösen

Seite 14

STYLE:

Wahr oder falsch?

Seite 15

Der Duft der Männer

Seite 16–17

A State of Scent

Seite 18

Sakrales Schweigen

Seite 19

Kleidung als Zustand

Seite 20–22

Notiert

Seite 23

Reportage: In Ruhe und Stille zu den

Laufsteg-Naturen Seite 24–26

Lifestylehotels™ Selection:

Vestige Collection

Seite LH-Cover 01

Lifestylehotels™ Directory

Seite LH 02

Hotel zur Wiener Staatsoper Seite LH 03

Das Graseck Seite LH 04

SANDnature & SANDglow Seite LH 05

Pfösl Seite LH 06

Puradies Seite LH 07

Vestige Collection

Seite LH 08–09

Seegut Zeppelin Seite LH 10

Hofergut Seite LH 11

Dexamenes

Seite LH 12

Impressum Seite 2

Die neue Männerordnung

Früher wusste man (angeblich), wie ein Mann zu sein hatte: stark, wortkarg, unerschütterlich. Und heute? Heute trägt er Sneaker zum Anzug, weint beim Songtext und verhandelt seine Gefühle wie Aktienkurse. Willkommen im 21. Jahrhundert, wo Männlichkeit keine Blaupause mehr hat. In dieser Ausgabe fragen wir nicht nur: „Wann ist ein Mann ein Mann?“ – wir zeigen, dass die Antwort genauso individuell ist wie ein Duft, ein Outfit oder ein Songtext. Der deutsche Musiker Siggi etwa singt über Verletzlichkeit und Stärke zugleich. Seine Texte sind kleine Lehrstunden in neuer Männlichkeit. Im Essay zerlegen wir die alten Rollenbilder und beleuchten die Ambivalenz, die moderne Männer begleitet: sensibel sein, souverän wirken, stark auftreten und trotzdem menschlich bleiben. Und weil Männer heute nicht nur sichtbar, sondern auch spürbar sein wollen, haben wir Aik von der Osmotheca getroffen. Er erklärt, wie Duft Männlichkeit inszeniert: dezent, aber klar. Was wir aber alle brauchen, ganz egal, wie wir uns „definieren“, ist Ruhe und Stille, um in uns hineinzuhören. Denn nur dann kann man herausfinden, wer man ist und wie man gerne leben möchte. In unserer Reportage aus Südtirol erzählen wir von einer Erfahrung, bei der man abseits von Yoga und Co. zur inneren Ruhe finden kann. Die Kernaussage ist simpel: Männlichkeit ist keine Schablone. Sie wird jeden Tag neu gedacht, getragen, gelebt. Wer fragt: „Wann ist ein Mann ein Mann?“, muss sich eigentlich nur selbst fragen: „Welcher Mann will ich sein?“ Und dann anfangen, ihn zu zeigen.

Wenn Sie keine Ausgabe mehr versäumen wollen, können Sie THE Stylemate auch abonnieren. thestylemate.com

ESSENTIALS FÜR MÄNNER

Beistelltisch Andrée von Minotti, minotti.com

Bespoke AI Jet Ultra von Samsung, samsung.com, ab 22. April in Österreich erhältlich, ca. 1349 € Putzen reinigt die Seele. Und wird zum Lifestyle, wenn ein Staubsauger beginnt, mitzudenken. Der Bespoke AI Jet Ultra ist Samsungs bislang stärkster Akku-Staubsauger und macht aus dem Frühlingsputz eine erstaunlich kontrollierte Angelegenheit. Mit bis zu 400 Watt Saugleistung, einem neu entwickelten HexaJet-Motor und AI Cleaning Mode 2.0 passt sich das Gerät selbstständig an Boden, Staub und Situation an. Weniger Denken für uns, mehr Präzision fürs Ergebnis. Teppich, Parkett, Ecke? Erkennt er. Saugleistung und Bürstentempo reguliert er gleich mit. Bis zu 100 Minuten Laufzeit inklusive. Dazu ein HEPA-Filtersystem, das Feinstaub nahezu vollständig aus der Luft zieht. Sauberkeit, die man nicht nur sieht, sondern auch spürt. Hightech ohne Drama, Funktion ohne Firlefanz. Der Bespoke AI Jet Ultra ist ein Statement für smarte Ordnung.

SMARTE SAUBERKEIT

Die Kollektion rechteckiger und quadratischer Beistelltische Andrée von Hannes Peer für Minotti greift die Fassadenarchitektur Mailands der 70er-Jahre auf und setzt in Wohnräumen innen wie außen einen dekorativen Akzent. Die strenge Geometrie kontrastiert mit der changierenden glasierten Keramikoberfläche, die jedem Tisch eine individuelle, lebendige Textur verleiht. Verchromte Aluminiumkanten heben die Flächen hervor, während zurückgesetzte Holzfüße das Design leicht erscheinen lassen. Erhältlich in charakteristischen 70er-Jahre-Farben, gibt es die multifunktionale Prismenform zusätzlich mit verchromter Messingplatte.

MAILAND DER 70ER NEU INTERPRETIERT

Speedy Soft 30 von Louis Vuitton, louisvuitton.com, ca. 3700 €

Die Speedy Soft 30 feiert 130 Jahre Monogramm mit einem Augenzwinkern: Das klassische LouisVuitton-Design wird neu interpretiert – Trompe-l’œil-Motive zeigen die legendären Koffer aus dem Archiv des Hauses. Canvas trifft auf Ledergriffe, und das Initial „S“ setzt einen persönlichen Akzent. Trotz ihres ikonischen Designs bleibt die Tasche pragmatisch: Platz für Tablet, Buch und alles, was man täglich braucht. Eine moderne Hommage an ein zeitloses Symbol, das Tradition mit Funktion verbindet.

TRADITION MIT TWIST

ICHIGO.Coupette No. 1 Champagne, ichigovienna.com, Duo Coupette, 149 €

Die Cruise-Collection von ICHIGO.Vienna vereint präzise Handwerkskunst mit zeitloser Eleganz. Mundgeblasene, bleifreie Kristallgläser in Crystal, Citrine, Rosalin und Light Blue changieren im Licht, während das Noppendesign Fingerabdrücke verhindert.

Die Zusammenarbeit mit der MennYacht Group bringt die preisgekrönten Gläser – unter anderem ausgezeichnet mit dem Red Dot Award – an Bord der ikonischen Riva-Yachten und macht jeden Schluck zu einem kleinen Luxusmoment. Ob auf See oder zu Hause: Die Gläser wirken klar, leicht und durchdacht. Perfekt für alle, die Design und Funktion gleichermaßen schätzen.

JEDER SCHLUCK EIN

Lampe Caret von Matteo Fogale für &Tradition, andtradition.com

Matteo Fogales Lampe Caret für &Tradition erhält zwei neue Farbtöne: Anthrazit und Forest. Inspiriert von den klassischen Banker’s Lamps historischer Bibliotheken, verbindet Caret ikonische Silhouetten mit tragbarer Funktionalität – ideal zwischen Bücherregal, Tisch oder Arbeitsplatz. Gefertigt aus gepresstem Zink und lackiertem Stahl, sorgt der pyramidenförmige Schirm für weiches, dimmbares Licht in drei Stufen. Mit vier Farbtönen – Dark Burgundy, Silk Grey, Anthrazit und Forest –ergänzt Caret mühelos moderne Wohn- und Arbeitswelten und bleibt dabei zeitlos.

LICHT MIT LITERARISCHEM FLAIR

Le trifold von paper republic, paper-republic.com, 200 €

Le trifold von paper republic ist das Notizbuch für alle, die viel zu sagen haben. Das robuste Ledercover schützt die Seiten, während das weiche Innenfutter mit integrierter Ledertasche Notizen, Karten oder kleine Schätze sicher aufbewahrt. Drei Gummibänder fassen bis zu sechs Book Refills, sodass genug Platz ist, um Ideen, Skizzen oder Projekte zu organisieren – mehr Raum als in jedem Standard-Notizbuch. Handgefertigt in Wien, ist le trifold langlebig und entwickelt mit der Zeit Charakter. Das trifold-Design sorgt dafür, dass alles sicher verstaut bleibt, aber jederzeit griffbereit ist: perfekt für unterwegs, im Büro oder zu Hause. Ein durchdachtes Notizbuch, das Alltag, Arbeit und Kreativität mühelos verbindet.

NOTIZEN MIT SYSTEM

WANN IST
Text: Nina Prehofer
„MÄNNLICHKEIT

IST KEIN ZUSTAND, SONDERN EIN PROZESS. UND DIESER PROZESS IST DERZEIT SO SICHTBAR, SO UMKÄMPFT UND SO WIDERSPRÜCHLICH WIE SELTEN ZUVOR.“

„MÄNNER SOLLEN SENSIBEL UND DURCHSETZUNGSFÄHIG SEIN, REFLEKTIERT UND BELASTBAR, EMOTIONAL PRÄSENT UND LEISTUNGSORIENTIERT.“

MÄNNER HABEN’S SCHWER, NEHMEN’S LEICHT

AUSSEN HART UND INNEN GANZ WEICH

WERD’N ALS KIND SCHON AUF MANN GEEICHT

WANN IST EIN MANN EIN MANN?

WANN IST EIN MANN EIN MANN?

WANN IST EIN MANN EIN MANN?

Als Herbert Grönemeyer 1984 in seinem Lied „Männer“ fragte: „Wann ist ein Mann ein Mann?“, war das weniger eine rhetorische Spielerei als ein kulturelles Seismogramm. Die Frage traf einen Nerv. Nicht, weil sie neu war, sondern weil sie etwas offenlegte, das bis dahin kaum ausgesprochen worden war: dass Männlichkeit erklärungsbedürftig ist. Dass sie keine Selbstverständlichkeit darstellt, sondern ein Konstrukt aus Erwartungen, Projektionen und Zumutungen. Grönemeyers Song war ironisch, tastend, fast zärtlich und seiner Zeit voraus. Er stellte keine Antwort bereit, sondern ließ die Frage stehen. Genau darin lag seine Sprengkraft. Vier Jahrzehnte später hat diese Frage nichts von ihrer Relevanz verloren. Im Gegenteil: Sie ist komplexer geworden. Was damals zwischen Machismo und leiser Selbstironie pendelte, ist heute ein gesellschaftlicher Diskurs, der Biologie, Kultur, Macht und Emotion gleichermaßen umfasst. Männlichkeit wird nicht mehr vorausgesetzt, sondern verhandelt. Und sie ist längst kein monolithisches Ideal mehr, sondern ein Feld von Möglichkeiten und Konflikten. In den vergangenen fünf Jahrzehnten hat sich das, was wir landläufig als Männlichkeit bezeichnen, radikal verschoben und doch erstaunlich stabil gehalten. Was einst als naturgegebenes Ideal galt, wird heute als historische Konstruktion verhandelt: kein biologisches Schicksal, sondern ein soziales Arrangement, das sich mit Zeit, Kultur und Machtverhältnissen verändert. Männlichkeit ist kein Zustand, sondern ein Prozess. Und dieser Prozess ist derzeit so sichtbar, so umkämpft und so widersprüchlich wie selten zuvor.

VON DER ROLLE ZUR KONSTRUKTION

Noch bis weit in die Mitte des 20. Jahrhunderts hinein galt Männlichkeit als etwas Selbstverständliches: biologisch fundiert, sozial bestätigt, kaum hinterfragt. Die Eigenschaften Stärke, Autorität und emotionale Zurückhaltung galten nicht als erlernt, sondern als natürlich. Erst mit der zweiten Welle der Frauenbewegung begann sich dieser Blick zu verschieben. Soziologische und kulturtheoretische Ansätze machten deutlich, dass Geschlechterrollen nicht aus der Natur erwachsen, sondern gesellschaftlich produziert werden. Männlichkeit verlor ihren Status als Essenz und wurde lesbar als das, was sie ist: ein Set aus Erwartungen, Praktiken und Normen, das historisch gewachsen und damit veränderbar ist.

Diese Einsicht markierte einen Bruch. Sie entzog traditionellen Rollenbildern ihre vermeintliche Unumstößlichkeit und machte Männlichkeit erstmals verhandelbar.

MÄNNER HABEN MUSKELN

MÄNNER SIND FURCHTBAR STARK

MÄNNER KÖNNEN ALLES

MÄNNER KRIEGEN ’NEN HERZINFARKT

OH, MÄNNER SIND EINSAME STREITER

MÜSSEN DURCH JEDE WAND, MÜSSEN IMMER WEITER

In der Popkultur der 1980er-Jahre jedoch schien davon wenig angekommen zu sein. Dominant war das Bild des harten, kontrollierten Mannes: physisch präsent, emotional reserviert, unangreifbar. Hollywood-Helden jener Zeit verkörperten eine hegemoniale Männlichkeit, in der Stärke als Abwesenheit von Verletzlichkeit inszeniert wurde. Werbung verstärkte diese Erzählung global. Männer als Entscheider, Macher, Fixpunkte einer Ordnung, die männliche Dominanz als Normalzustand reproduzierte.

Dieses Ideal war nie neutral. Es war eng verwoben mit patriarchalen Machtstrukturen, die bestimmte Formen von Männlichkeit privilegierten und andere marginalisierten. Abweichungen – Sensibilität, Abhängigkeit, Zweifel – galten nicht als Varianten, sondern als Defizite.

DER WISSENSCHAFTLICHE BLICK: VIELFALT STATT EINHEIT

Parallel dazu formierte sich im akademischen Raum ein Gegenentwurf. In den 1980er- und 1990er-Jahren entwickelte sich die Männlichkeitsforschung als eigenständiges Feld. Aufbauend auf feministischer Theorie wurde zunehmend deutlich: Es gibt nicht die Männlichkeit. Vielmehr existieren multiple Männlichkeiten, geprägt von Klasse, Ethnizität, sexueller Orientierung, Kultur und sozialem Kontext.

Das Konzept der „hegemonialen Männlichkeit“ beschreibt dabei eine dominante Norm, die andere Formen überlagert, abwertet oder unsichtbar macht und zugleich permanent um ihre Vorherrschaft kämpfen muss. Diese Perspektive verschob den Diskurs grundlegend: Emotionale Zurückhaltung, Leistungsdruck und Dominanz erschienen nicht länger als individuelle Charakterzüge, sondern als soziale Anforderungen mit messbaren Folgen für psychische Gesundheit, Beziehungen und gesellschaftliche Gewaltstrukturen.

BIOLOGIE ALS AUSREDE? NICHT MEHR

Neuere neurowissenschaftliche Ansätze liefern eine zusätzliche, entscheidende Dimension. Der StanfordNeurowissenschaftler Andrew Huberman etwa beschäftigt sich mit Neuroplastizität – der Fähigkeit des Gehirns, sich durch Erfahrung und Verhalten zu verändern. Seine Forschung macht deutlich: Emotionale Muster, Stressreaktionen und Bindungsverhalten sind keine fixen Eigenschaften, schon gar keine „typisch männlichen“. Sie sind lernbar, trainierbar, veränderbar.

MÄNNER FÜHREN KRIEGE

MÄNNER SIND SCHON ALS BABY BLAU

MÄNNER RAUCHEN PFEIFE

MÄNNER SIND FURCHTBAR SCHLAU

MÄNNER BAUEN RAKETEN

MÄNNER MACHEN ALLES GANZ GENAU

Was lange als biologisches Argument für männliche Härte oder emotionale Distanz herhalten musste, verliert damit seine Legitimation. Wenn emotionale Regulation, Empathie und soziale Bindung neurologisch formbare Prozesse sind, dann ist auch das klassische Argument der Unveränderlichkeit obsolet. Männlichkeit ist nicht nur sozial konstruiert, sie ist auch biologisch flexibel.

SELBSTREFLEXION ALS KULTURELLE PRAXIS

Auf einer anderen, weniger akademischen, aber gesellschaftlich wirksamen Ebene argumentiert Jay Shetty. Der ehemalige Mönch und heutige Autor und Podcaster spricht über Selbstreflexion, emotionale Verantwortung und Beziehungskompetenz. Themen, die lange als „unmännlich“ galten. Shettys Ansatz ist dabei weniger theoretisch als existenziell: Er beschreibt, wie sehr Männer durch tradierte Rollenerwartungen von ihren eigenen emotionalen Bedürfnissen abgeschnitten werden und wie Selbstverständnis und Verletzlichkeit nicht Schwäche, sondern Voraussetzung für stabile Beziehungen sind.

In diesem Sinne wird Selbstreflexion zu einer stillen Form des Widerstands gegen überkommene Normen. Nicht als moralischer Imperativ, sondern als notwendige Fähigkeit in einer Welt, in der emotionale Intelligenz zunehmend als soziale Kompetenz verstanden wird.

MEDIEN, GEGENBEWEGUNGEN UND KULTURELLE BRÜCHE

Seit der Jahrtausendwende verdichten sich diese Spannungen. Während traditionelle Bilder von Männlichkeit weiterhin präsent sind – in Sport, Politik und Popkultur –, gewinnen alternative Darstellungen an Sichtbarkeit: Männer als fürsorgliche Väter, als emotionale Partner, als zweifelnde, reflektierende Individuen. Werbung, Mode und Serien tragen zur Pluralisierung bei. Doch jede Verschiebung ruft Widerstand hervor. Kampagnen, die toxische Aspekte von Männlichkeit benennen, provozieren teils heftige Gegenreaktionen. Diese Reaktionen legen weniger eine „Krise der Männlichkeit“ offen als vielmehr die Fragilität eines Identitätsmodells, das lange nicht hinterfragt wurde.

MÄNNER NEHM’N IN DEN ARM

MÄNNER GEBEN GEBORGENHEIT

MÄNNER WEINEN HEIMLICH

MÄNNER BRAUCHEN VIEL ZÄRTLICHKEIT

OH, MÄNNER SIND SO VERLETZLICH

MÄNNER SIND AUF DIESER WELT EINFACH

UNERSETZLICH

AMBIVALENZ ALS NEUER NORMALZUSTAND

Heute ist Männlichkeit kein klares Skript mehr, sondern ein Spannungsfeld. Männer sollen sensibel und durchsetzungsfähig sein, reflektiert und belastbar, emotional präsent und leistungsorientiert. Diese Gleichzeitigkeit erzeugt Freiheit – und Verunsicherung. Der Diskurs über toxische Männlichkeit macht sichtbar, dass traditionelle Normen nicht nur Frauen geschadet haben, sondern auch Männer selbst in emotionale Isolation, Stress und Gewaltstrukturen drängen können.

KEIN ENDE, SONDERN BEWEGUNG

Historisch betrachtet ist dieser Wandel kein Endpunkt. Männlichkeit wird nicht abgeschafft, sondern neu ausgehandelt, zwischen Tradition und Innovation, Biologie und Kultur, Selbstbild und gesellschaftlicher Erwartung. Sie bleibt ein offenes Feld, voller Widersprüche und Möglichkeiten.

Vielleicht ist das größte Missverständnis der aktuellen Debatte die Annahme, Männlichkeit müsse gerettet, neu erfunden oder überwunden werden. Tatsächlich muss sie vor allem verstanden werden: als historisches Narrativ, das sich ständig neu schreibt. Nicht die Abwesenheit von Männlichkeit ist das Ziel, sondern ihre Öffnung. Eine Männlichkeit, die nicht länger beweisen muss, dass sie stark ist, sondern aushält, komplex zu sein.

Wo alles

Morgens ist es ruhig. Vielleicht ein paar Schritte im Innenhof, Kaffee in der Hand, Kinderlachen irgendwo im Hintergrund. Die Welt fühlt sich überschaubar an. Genau in diesen Momenten versteht man, worum es bei den Hotels der ALTO Hotel Group geht: um das Zusammenspiel von Alltag und Auszeit, von Bewegung und Ruhe, von Ankommen und Dableiben. Klaus und Moritz Dissertori haben Orte geschaffen, die sich diesem Rhythmus anpassen. Die Brüder führen ihre Hotels – das Parkhotel Mondschein in Bozen, das Hotel Schwarzschmied, das 1477 Reichhalter und die Villa Arnica in Lana –mit einer Selbstverständlichkeit, die man spürt, aber kaum erklärt bekommt. Beide sind Väter, beide leben zwischen Verantwortung und Freiheit. Familie, Arbeit und

ÜBER REISEN, RÄUME

UND

EIN NEUES SELBSTVERSTÄNDNIS. ZU GAST

BEI DEN BRÜDERN DISSERTORI UND IHREN HOTELS.

ZUSAMMEN

Zeit für sich stehen nicht in Konkurrenz, sondern fließen ineinander.

ORTE MIT VERGANGENHEIT UND GEGENWART

Jedes ALTO Hotel ist aus dem entstanden, was bereits da war. Bestehende Gebäude wurden behutsam weiterentwickelt, Geschichte wird sichtbar, Räume erzählen von früher, ohne stehenzubleiben. Antike Möbel, natürliche Materialien und handverlesene Details schaffen eine Atmosphäre, die sich sofort vertraut anfühlt. Nichts wirkt ausgestellt, alles scheint seinen Platz gefunden zu haben.

Die Häuser öffnen sich nach außen und laden ein, Teil des lokalen Lebens zu werden. Gespräche entstehen beiläufig, bei Konzerten, bei einem Glas Wein, bei gemeinsamen Workshops oder kulinarischen Abenden. Gäste mischen sich unter Einheimische, Begegnungen

bleiben ungezwungen. In Bozen und Lana wird dieses Miteinander durch das arise Body & Mind Studio ergänzt. Ein Ort für Yoga, Bewegung und bewusste Pausen, der weit über klassische Hotelangebote hinausgeht.

ZEIT, DIE MAN SICH NIMMT

Auch in der Küche zeigt sich diese Verbundenheit mit der Umgebung. Vieles wächst im eigenen Naturgarten Arnica Acker, der einen Großteil des Obstes und Gemüses liefert. Ergänzt wird das Angebot durch regionale Partner, die man kennt und schätzt. Die Gerichte sind leicht, saisonal und ehrlich. Sie schmecken nach Landschaft, nach Jahreszeit und nach Zeit, die man sich nimmt. Achtsamkeit zieht sich als stiller roter Faden durch alle Häuser. Yoga, Mindfulness und körperliche Praxis sind Teil des Alltags – nicht als Programmpunkt,

sondern als Einladung. Eine Einladung, langsamer zu werden, den eigenen Rhythmus wiederzufinden. Vielleicht ist genau das der zeitgemäße Luxus: Räume, die nichts verlangen und dennoch viel geben. Die ALTO Hotels sind für Menschen gemacht, die gern reisen und dabei verbunden bleiben möchten, mit sich selbst, mit anderen, mit dem Ort. Sie sind Rückzugsorte ohne Abschottung, Treffpunkte ohne Lärm. Orte, an denen man arbeitet, lacht, zur Ruhe kommt und weiterzieht –oder eben bleibt. Was Klaus und Moritz Dissertori geschaffen haben, fühlt sich nicht nach Konzept an, sondern nach Leben. Vielleicht ist das der Grund, warum man hier nicht einfach eincheckt. Man kommt an und nimmt etwas mit.

ROLLENBILDER-CHECK:

MÄNNER SIND NICHT MEHR NUR MUSKELN UND DURCHSETZUNGSVERMÖGEN.

SORRY, JAMES BOND. HEUTE GIBT’S EMOTIONEN, STYLE, VERANTWORTUNG UND EIN BISSCHEN CHAOS DAZU.

FRAGEN

(MULTIPLE CHOICE, EINE ANTWORT PRO FRAGE)

1. WIE GEHST DU MIT GEFÜHLEN UM?

a) Ich teile sie offen, denn Tränen sind keine Schwäche.

b) Ich rede nur mit engen Freunden darüber.

c) Ich halte mich eher zurück, Gefühle bleiben privat.

d) Ich analysiere sie erst, bevor ich sie zeige.

Welcher Typ Mann bist

2. WIE SIEHT FÜR DICH EIN „STARKER MANN“ AUS?

a) Jemand, der für andere da ist, egal was passiert.

b) Jemand, der unabhängig und selbstbewusst ist.

c) Jemand, der Verantwortung übernimmt bei Familie, Job und Freunden.

d) Jemand, der seine eigene Identität und Überzeugungen klar lebt.

3. DEIN PERFEKTER SONNTAG?

a) Zeit mit Freunden und Familie verbringen.

b) Allein ein Buch lesen oder Musik hören.

c) Sport treiben oder draußen aktiv sein.

d) Kreativ sein: schreiben, malen, Musik machen.

4. WIE GEHST DU MIT ERWARTUNGEN DER GESELLSCHAFT UM?

a) Ich hinterfrage sie und entscheide selbst, was ich tun möchte.

b) Ich versuche, einen Mittelweg zu finden.

c) Ich passe mich an, wenn es einfacher ist.

d) Ich kämpfe aktiv dagegen, wo es mich einschränkt.

5. WENN DU JEMANDEN INSPIRIEREN WILLST, DANN DURCH …

a) Empathie und Mitgefühl.

b) Selbstbewusstsein und Kompetenz.

c) Verantwortung und Tatkraft.

d) Kreativität und neue Perspektiven.

6. WIE GEHST DU MIT KRITIK UM?

a) Ich nehme sie an und reflektiere meine Gefühle.

b) Ich höre zu, aber lasse mich nicht von meinem Weg abbringen.

c) Ich handle pragmatisch und suche Lösungen.

d) Ich hinterfrage die Normen, die hinter der Kritik stehen.

7. WELCHE EIGENSCHAFT BESCHREIBT DICH AM EHESTEN?

a) Sensibel

b) Unabhängig

c) Verantwortungsbewusst

d) Kreativ 8. WAS BEDEUTET FÜR DICH ERFOLG?

a) Menschen positiv zu beeinflussen, Beziehungen zu pflegen.

b) Die Freiheit zu haben, eigene Ziele selbst zu bestimmen.

c) Dinge in die Tat umzusetzen und für andere da zu sein.

d) Ideen umzusetzen und neue Wege zu gehen.

9. DEIN VORBILD IST …

a) Jemand, der emotionale Stärke mit Empathie verbindet.

b) Jemand, der mutig seinen eigenen Weg geht.

c) Jemand, der Verantwortung übernimmt und andere schützt.

d) Jemand, der Grenzen sprengt und Kreativität lebt.

BIST DU EIN SENSITIVE LEADER, EIN FREIGEIST ODER EHER DER

TRADITIONSHELD? DAS HIER IST KEIN TEST IN SACHEN PERFEKTION, SONDERN IN SACHEN EHRLICHKEIT.

AUSWERTUNG

DEIN TYP MANN & PROMI-REFERENZ

MEHRHEIT a )

DER SENSITIVE LEADER

BESCHREIBUNG : Du kombinierst emotionale Offenheit mit Verantwortung. Stärke bedeutet für dich, auch verletzlich zu sein und für andere da zu sein.

PROMI-BEISPIEL:

Harry Styles –sensibel, reflektiert, gesellschaftlich engagiert.

Statement: „

STÄRKE ZEIGT SICH AUCH DARIN, GEFÜHLE ZUZULASSEN.

MEHRHEIT b )

DER UNABHÄNGIGE FREIGEIST

BESCHREIBUNG :

Du gehst deinen eigenen Weg, unabhängig von Erwartungen. Selbstbewusst, manchmal introvertiert, aber klar in deiner Haltung.

PROMI-BEISPIEL : Timothée Chalamet –unkonventionell, kreativ, frei.

Statement: „

MÄNNLICHKEIT BEDEUTET FÜR MICH, AUTHENTISCH ZU SEIN, EGAL WAS ANDERE DENKEN.

MEHRHEIT c )

DER TRADITIONSBEWUSSTE MACHER

BESCHREIBUNG:

Praktisch, verantwortungsbewusst, aktiv gestaltend. Für dich bedeutet Männlichkeit, für andere da zu sein und Verantwortung zu übernehmen.

PROMI-BEISPIEL:

George Clooney –charmant, engagiert, familienbewusst, tatkräftig.

Statement: „

ICH MESSE MICH DARAN, WAS ICH FÜR ANDERE BEWEGEN KANN.

MEHRHEIT d )

DER KREATIVE VISIONÄR

BESCHREIBUNG :

Du hinterfragst alte Rollenbilder und lebst deine Individualität. Männlichkeit ist Ausdruck von Kreativität, Ideen und Experimentierfreude.

PROMI-BEISPIEL : Pharrell Williams –innovativ, unkonventionell, Vorreiter in Musik und Mode. Statement: „

MÄNNLICHKEIT HEISST FÜR MICH, GRENZEN ZU SPRENGEN UND NEUE PERSPEKTIVEN ZU ZEIGEN.

DER DEUTSCHE KÜNSTLER SIGGI GEHÖRT ZU EINER GENERATION VON MUSIKERN, DIE GEFÜHLE NICHT ERKLÄREN, SONDERN BENENNEN. SEINE TEXTE KREISEN UM ZWEIFEL, NÄHE UND INNERE ZUSTÄNDE. IM GESPRÄCH MIT IHM REDEN WIR ÜBER NEUE MÄNNLICHKEIT, ALTE PRÄGUNGEN UND DIE FRAGE, WARUM VERLETZLICHKEIT KEIN WIDERSPRUCH ZU STÄRKE IST, SONDERN DAS GEGENTEIL VON SCHWEIGEN.

Text: Nina Prehofer

„ES IST EINFACHER, STARKE KINDER GROSSZUZIEHEN, ALS GEBROCHENE MÄNNER

ZU REPARIEREN.“

In vielen deiner Texte geht es um innere Zustände, Zweifel, Nähe. War Verletzlichkeit für dich immer ein künstlerisches Werkzeug oder ist sie erst im Laufe deiner Arbeit zu einer bewussten Haltung geworden?

Ich habe die eigene Verletzlichkeit eigentlich nie bewusst als Stilmittel eingesetzt. Ich habe vielmehr die Musik als Werkzeug genutzt, um einen Zugang zu meinen Emotionen zu bekommen. Darüber zu schreiben war dann eher ein Ventil, um das alles rauszulassen. Das hat was sehr Therapeutisches, einfach mal Sachen aufzuschreiben, und bei mir hat es sich halt gereimt. Verletzlichkeit zu zeigen ist ja irgendwie auch eine politische Praxis gegen dieses alte „Reiß dich zusammen“-Denken.

Männlichkeit wurde lange über Stärke, Kontrolle und Schweigen definiert. Welche Eigenschaften empfindest du heute persönlich als „männlich“ und welche hast du bewusst verlernt?

Inzwischen ist es männlich für mich, nicht sofort die emotionale Notbremse zu ziehen, sobald die Gefühle einen überrumpeln. Darüber zu reden, zuzuhören und auch Verantwortung dafür zu übernehmen ist für mich männlich. Es gibt viele Eigenschaften, die wir neu denken und lernen müssen – da bin ich selber noch lange nicht so weit, aber ich übe mich darin, Schwäche zu zeigen, zuzulassen und über meine Unsicherheiten zu sprechen, vor allem mit anderen Männern. Männer, die sich in den Arm nehmen, voreinander weinen, sich emotional unterstützen, sind meiner Meinung nach nicht weniger männlich, sondern einfach weniger anstrengend.

Deine Lieder arbeiten oft mit emotionaler Offenheit, ohne sentimental zu sein. Glaubst du, dass Männer heute lernen müssen, Gefühle anders zu erzählen – nicht lauter, sondern präziser?

ÜBER SIGGI

Viele von uns haben gelernt, gar nicht über ihre Gefühle zu sprechen, und dadurch explodieren wir häufig emotional und haben Wutausbrüche, Depressionen, Angst und vieles mehr. Wir müssen demnach definitiv lernen, uns genauer mitzuteilen. Es tut nicht weh zu sagen: „Ich bin überfordert“. Niemand wird das negativ beurteilen.

Kunst bot für Männer historisch oft einen Raum, in dem man Gefühle zeigen durfte, die im Alltag tabu waren. Hat sich dieser Raum deiner Beobachtung nach verändert oder bleibt Kunst immer noch ein Ausnahmezustand?

Ich glaube, Kunst ist ein Schlüssel, der die Tür zu Emotionen öffnet, selbst bei harten Typen. Ich glaube schon, der Raum wird größer – und auch inhaltlich habe ich den Eindruck, ändert sich das Männerbild.

Viele junge Männer stehen heute zwischen widersprüchlichen Erwartungen: sensibel, aber souverän; reflektiert, aber erfolgreich. Spiegelt sich diese Ambivalenz in deiner Musik wider, bewusst oder unbewusst?

Ich erkenne mich in dieser Frage selbst wieder. Denn diese Ambivalenz ist das, was mich beschäftigt. Ich komme ja aus derselben Generation, und genau darüber schreibe ich – und im besten Fall hilft es auch anderen, sich zu reflektieren oder mal darüber nachzudenken.

Sprache spielt in deinen Texten eine zentrale Rolle. Gibt es Worte oder Bilder, die dir helfen, neue Formen von Männlichkeit zu beschreiben – jenseits klassischer Zuschreibungen?

Ich beschreibe in meinem Song „Keine Panik“ die Depression als einen schwarzen Hund. Dieses Bild ist im klinischen Kontext recht bekannt. Ich finde, Hunde sind ein schönes Bild für Männer, weil sie oft treudoof und hart wirken, aber eigentlich, wenn man Hunde kennt, sind sie auch nur ängstliche Kläffer.

Siggi, bürgerlich Simon Günther, macht in seiner Musik das zum Thema, worüber Männer lange nicht gesprochen haben: Überforderung, Unsicherheit, emotionale Nähe. Er lebt und arbeitet in dem kleinen Ort Beierstedt bei Braunschweig und ist sowohl Gesundheits- und Krankenpfleger in der Psychiatrie als auch Solokünstler. Er schreibt auf Deutsch und fühlt sich im Indie-Rap mit Punk-Elementen zu Hause. 2023 gelang ihm mit seiner EP „blum“ (Mai) sowie der Single „Alles darfst du lieben“ (September), die er über Grönland Records releast hat, ein erfolgreicher Start in die deutsche Indie-Pop-Szene. Seine Songs sind keine Parolen, sondern Innensichten – persönlich, reflektiert und bewusst frei von Pathos. Er erzählt nicht lauter, sondern genauer, und trifft damit einen Nerv in einer Zeit, in der Männlichkeit neu verhandelt wird. bta.com

In der Popkultur wird oft von „toxischer Männlichkeit“ gesprochen. Findest du diesen Begriff hilfreich oder zu vereinfachend für ein so komplexes Thema?

Ich finde den Begriff schon okay, weil er klarmacht, dass dieses Problem kein individuelles ist, sondern ein strukturelles. Nicht einzelne Männer sind das Problem, sondern ein ganzes System, das uns erzählt, wie wir zu sein haben. Wir müssen nicht einzelne Männer „reparieren“, sondern dieses System, das uns beibringt, unsere Gefühle zu unterdrücken.

Viele deiner Songs wirken wie Innensichten, nicht wie Statements. Ist das für dich ein Gegenentwurf zur traditionellen männlichen Haltung, immer eine klare Position vertreten zu müssen?

Ich glaube, das ergibt sich daraus, dass ich meine eigenen Erfahrungen in meiner Musik verarbeite. Ich will auch gar nicht sagen, wo es langgeht oder so, das weiß ich ja manchmal selber nicht.

Hat sich dein Blick auf dich selbst als Mann durch dein künstlerisches Arbeiten verändert? Gibt es etwas, das du durch Musik über Männlichkeit gelernt hast, was dir außerhalb der Kunst schwerer gefallen wäre?

Was ich erkannt habe, ist, dass ich mich nicht entscheiden muss, wer ich bin, sondern dass ich mich entwickeln darf. Und diese Entwicklung ist wichtig und spannend und macht Spaß.

Welche Rolle spielt Intimität in deiner Arbeit – musikalisch, textlich, persönlich? Und warum ist Intimität für Männer nach wie vor so ein sensibles Terrain?

Die eigenen Gefühle offen in einen Song zu packen und ihn dann anderen Menschen zu zeigen, ist ja schon irgendwie eine Form des Sich-Nacktmachens. Ich finde das wichtig, um anderen den Zugang zu diesen Gefühlen zu erleichtern. Für Männer ist das gar nicht so einfach, weil Intimität oft als Risiko für die eigene Stärke und Autorität gilt. Dabei ist Nähe ja eigentlich alles andere als schwach.

Männlichkeit wird heute oft neu gedacht, aber selten neu gefühlt. Kann Musik dabei helfen, diesen emotionalen Zugang zu öffnen, gerade für Männer?

Ja, ich glaube, Musik ist ein Raum, in dem Männer „legal“ ihre Gefühle zeigen können – Fußball scheinbar auch, aber damit kenne ich mich nicht aus. Ich finde, wir brauchen mehr Räume, in denen Emotionen normal sind und die nicht gleich „Therapie“ heißen müssen. Gibt es männliche Vorbilder – Künstler, Musiker, Denker –, die dir gezeigt haben, dass Männlichkeit auch leise, widersprüchlich oder suchend sein darf? Witzigerweise muss ich da klar Herbert Grönemeyer nennen, und das mache ich nicht nur, weil ich bei seinem Label unter Vertrag bin, haha. Nein, er hat schon in den Achtzigern über Angst, Verlust und Nähe gesungen – zu einer Zeit, in der Gefühle für Männer eher ein Karriererisiko waren oder etwas, das nur Frauen was angeht. Auch Rio Reiser ist für mich ein Vorbild. Er war immer politisch und gefühlvoll, ohne dabei laut und aggressiv zu sein. Es gibt aber auch ganz viele junge männliche Künstler, die zeigen, dass jetzt ein wunderbarer Moment ist, mit alten Bildern zu brechen.

Wenn du auf dein jüngeres Ich blickst: Welche Vorstellung von „Mannsein“ hast du hinter dir gelassen und welche hat dich überrascht? Glaubst du, dass sich Männlichkeit heute eher auflöst oder erweitert? Und empfindest du diese Entwicklung als Befreiung oder als Überforderung?

Ich glaube, dass alte Bilder sich auflösen und Männlichkeit dadurch positiv erweitert wird. Diese alten verstaubten Bilder von der Wand zu nehmen und wegzuschmeißen, ist definitiv eine Form der Befreiung. Gleichzeitig ist das mit viel Arbeit verbunden, und das überfordert glaube ich viele von uns. Aber ich nehme lieber die Überforderung als die alte sture Enge.

Zum Schluss: Wenn du einen Satz schreiben müsstest, der dein aktuelles Verständnis von Männlichkeit beschreibt – wie würde er lauten?

Ich bin der Meinung, wir müssen das patriarchale System angreifen, das uns Männer in diese bestimmte Rolle zwingen will. Daher würde ich gerne Frederick Douglass zitieren: „Es ist einfacher, starke Kinder großzuziehen, als gebrochene Männer zu reparieren.“

DORT, WO GESTALTUNG KEINEN MÄNNLICHEN MASSSTAB MEHR KENNT, BEGINNT IHRE EIGENTLICHE VERANTWORTUNG.

Wenn Rollen sich auflösen.

Gibt es ihn noch, den Designer? Diese eine Figur, klar verortet, gestalterisch autoritär, kulturell abgesichert? Wer heute auf Gestaltung blickt, erkennt schnell: Dieses Bild verliert an Tragfähigkeit. Geschlechterrollen sind längst in Bewegung, Identitäten haben sich vervielfacht, Gewissheiten lösen sich auf. Neue Männlichkeit erscheint dabei nicht als neues Leitbild, sondern als offenes Feld unterschiedlicher Haltungen und Selbstdefinitionen. Für Design bedeutet das mehr als einen stilistischen Wandel – es markiert das Ende einer Ära.

Über Jahrzehnte war Gestaltung eng mit patriarchalen Denkmustern verknüpft. Produkte sollten Stärke zeigen, Kontrolle, technische Überlegenheit. Klare Linien, schwere Materialien, dominante Farben. Design sprach mit fester Stimme und wusste genau, für wen es entwarf – und für wen nicht. Diese Eindeutigkeit schwindet allmählich. Nicht aus modischem Kalkül, sondern weil ihre gesellschaftliche Grundlage nicht sinnvoll erscheint.

Mit der Auflösung traditioneller Rollenbilder verändert sich auch der Entwurfsprozess selbst. Empathie wird zur Schlüsselkompetenz. Nicht als emotionales Schlagwort – vielmehr als professionelle Fähigkeit, unterschiedliche Perspektiven, Geschlechterrollen und Lebensrealitäten mitzudenken. Gestaltung entsteht nicht mehr aus der eigenen Position heraus, sondern aus dem bewussten Wechsel der Blickwinkel. Der Designer wird weniger Autor, mehr Übersetzer.

Gleichzeitig wächst die Verantwortung. Modernes Design agiert nicht im luftleeren Raum. Es beeinflusst Konsumverhalten, Ressourcennutzung, soziale Teilhabe. Es steht in Beziehung zur Gesellschaft, zur Umwelt, zu Auftraggebern – und vor allem zu den Menschen, die Produkte nutzen. Neue Männlichkeit im Design bedeutet daher auch, Verantwortung nicht auszulagern, sondern vielmehr, sie sichtbar zu übernehmen.

Viele Marken reagieren auf diese Komplexität mit Zurückhaltung. Sie neutralisieren, glätten, reduzieren jede Form von Reibung. Das Resultat ist ein neuer Einheitslook: lauwarm, fade, kontextlos, universell. Produkte verlieren ihre Haltung, werden austauschbar. Vielfalt im Anspruch, Gleichförmigkeit im Ergebnis.

Hier liegt die eigentliche Herausforderung zeitgemäßer Gestaltung. Wenn das patriarchale Selbstverständnis im Design endet, darf das Ergebnis nicht Beliebigkeit sein. Verantwortung bedeutet nicht Neutralität, sie bedeutet Haltung. Sie zeigt sich darin, Unterschiede zuzulassen, Ambivalenzen auszuhalten und Gestaltung als Angebot zu verstehen. Nicht der eine Designer, nicht der eine Mann, nicht das eine Ideal – sondern viele Perspektiven. Design wird so zum Resonanzraum einer Gesellschaft im Wandel. Und genau darin liegt seine neue Relevanz.

ÜBER EBERHARD SCHREMPF

Eberhard Schrempf ist Designer, Kulturmanager und selbstständiger Consultant. Nach seiner künstlerischen Ausbildung (Bildhauerei, Bühnen- und Filmarchitektur) arbeitete er über 20 Jahre in Kulturmanagement und Design, u. a. als Technischer Direktor und Organisationsleiter des Avantgarde-Festivals „steirischer herbst“. Er gründete die Unternehmen „The Organisation“ und „Culture Industries Austria“ und realisierte internationale Projekte für Kultur, Wirtschaft und Politik, darunter die Expo 2000 in Hannover und Graz – Europäische Kulturhauptstadt 2003. Von 2007 bis 2026 war er Geschäftsführer von Creative Industries Styria, der Vernetzungsplattform für die kreative Wirtschaft in der Steiermark. Heute berät Schrempf als selbstständiger Consultant Unternehmen und Institutionen in den Bereichen Design, Kultur und kreative Strategien.

Im Südwesten von Menorca, eingebettet in eine unberührte mediterrane Landschaft, liegt Vestige Santa Ana – ein historisches Landgut aus dem 18. Jahrhundert, das heute als exklusive private Luxusresidenz neu gedacht wurde. Umgeben von über 200 Hektar Natur entfaltet sich hier ein Refugium, das absolute Privatsphäre mit einem tiefen Gefühl von Ruhe und Authentizität verbindet.

VESTIGE SANTA ANA Spanien / Menorca / Santa Ana vestigecollection.com/santa-ana Ein Ort der Stille, Weite und zeitlosen Eleganz.

Lifestylehotels™ Directory

BELGIEN

ANTWERPEN August

ANTWERPEN Hotel Julien

BRÜGGE Everelmus Boutique B&B

DEUTSCHLAND

BERLIN Hotel Wilmina

CHIEMGAU Agrad Chalets

FRIEDRICHSHAFEN Seegut Zeppelin

GARMISCH-PARTENKIRCHEN Das Graseck

TIMMENDORFER STRAND SANDnature

HUSUM SANDglow

GRIECHENLAND

AMALIADA/PELOPONNES Dexamenes Seaside Hotel

FOLEGANDROS Hotel Gundari

MYKONOS The Wild by Interni

SIFNOS Verina Astra

SIFNOS Verina Terra

INDIEN

KASAR DEVI The Kumaon

INDONESIEN

SUMBA ISLAND Nihi Sumba

APULIEN Paragon 700 Boutique Hotel & Spa

BRIXEN Arthotel Lasserhaus

BRIXEN Hotel Badhaus

CAMAIORE Locanda al Colle

DEUTSCHNOFEN Naturhotel Pfösl

DORF TIROL Küglerhof

MATERA Sextantio Le Grotte della Civita

MONTEFOLLONICO Follonico

REISCHACH BEI BRUNEGG Hofergut

RIMINI i-Suite

RIPOSTO Zash Country Boutique Hotel

SAND IN TAUFERS OLM Nature Escape

SANTO STEFANO DI SESSANIO Sextantio Albergo Diffuso

SIZILIEN Zash Country Boutique Hotel

ST. LEONHARD Apfelhotel Torgglerhof

VENEDIG Hotel Heureka

Hotel zur Wiener Staatsoper, Wien

(LH 03)

Das Graseck, Garmisch-Partenkirchen

(LH 04)

Stylish retreats for inspiring timeouts.

lifestylehotels.net

SANDnature – SANDglow,

Timmendorfer Strand – Husum (LH 05)

Pfösl, Deutschnofen (LH 06)

Puradies, Leogang (LH 07)

Vestige Collection, Spanien – Namibia (LH 08–09)

Seegut Zeppelin, Friedrichshafen (LH 10)

Hofergut, Reischach bei Bruneck (LH 11)

Dexamenes, Kourouta (LH 12)

JAPAN

TOKIO Hotel K5

KYOTO Genji

KROATIEN

BRAČ Hotel Lemongarden

STARI GRAD/HVAR Maslina Resort

MEXIKO

BACALAR Boca de Agua

ÖSTERREICH

FÜGEN Mia Alpina Zillertal Family Retreat

GRAZ Aiola Living

GRAZ Augarten Art Hotel

GRAZ Kai 36

GRAZ Schlossberghotel

GROSSARL Hotel Nesslerhof

HALLSTATT Hallstatt Hideaway

KALS AM GROSSGLOCKNER Gradonna Mountain Resort

KALTENBACH Das Kaltenbach

KITZBÜHEL Alpenhotel Kitzbühel am Schwarzsee

LEOGANG Puradies Naturresort

LUNZ AM SEE Refugium Lunz

MARIA ALM Hotel Eder

MARIA ALM Hotel SEPP

MAYRHOFEN ElisabethHotel Premium Private Retreat

SAALBACH HINTERGLEMM Alpin Juwel

SALZBURG Hotel Goldgasse

SALZBURG Hotel Stein

SCHLADMING Stadthotel Brunner

SEE Bergwiesenglück

SEEFELD/MÖSERN Nidum Casual Luxury Hotel

UDERNS Sportresidenz Zillertal

UDERNS The Green

WIEN Hotel Das Tyrol

WIEN Hotel Motto

WIEN Hotel zur Wiener Staatsoper

PORTUGAL

ALENTEJO Sublime Comporta Country Retreat & Spa

ALGARVE Vila Valverde

AZOREN Santa Bárbara Eco-Beach Resort

AZOREN White Exclusive Suites & Villas

LISSABON Torel Palace Lisbon

PORTO Torel Avantgarde

PORTO Torel Palace Porto

PORTO Torel 1884 Suites & Apartments

SCHWEDEN

HARADS Treehotel

SCHWEIZ

LUZERN Hotel des Balances

VALLÉE DE JOUX Hotel des Horlogers

ZERMATT Matterhorn Focus Design Hotel

SPANIEN

FIGUERAS Vestige Palacio de Figueras

MALLORCA Es Racó d’Artà

MALLORCA Hotel Can Simoneta

MALLORCA Pleta de Mar

MALLORCA Vestige Miramar

MENORCA Vestige Santa Ana

MENORCA Vestige Son Vel

MENORCA Son Ermita & Binidufá

TENERIFFA Ecohotel El Agua

USA

ARIZONA AmbienteTM Sedona

Der Anspruch an Ästhetik und Qualität ist zentral in der LifestylehotelsTM Vision einer modernen Hotellerie und untrennbar mit seiner Bekenntnis zur Nachhaltigkeit und Achtsamkeit verknüpft.

Glanzvoll

An ihrem ersten Tag als Hoteldirektorin saß Victoria Klinkhammer auf einer Heurigenbank mitten auf der Baustelle der Krugerstraße 11 – genau an jenem Ort, an dem wir sie heute zum Interview treffen. Nur, dass die karge Einrichtung im kleinen Frühstücksraum des Hotels Zur Wiener Staatsoper schon längst durch stilvolle, mit Samt bezogene Stühle und Bänke eingetauscht wurde und auch sonst alles dank der britischen Interior-Designerin Nina Campbell in neuem Glanz erstrahlt. Das zentrale Hideaway ist ein Schmuckstück aus dem 18. Jahrhundert, das zum Juwel reifte. Eine Entwicklung, die auch Victoria Klinkhammers Weg widerspiegelt: Noch vor wenigen Jahren besuchte sie eine Tourismusschule. Heute führt sie mit Feingefühl und Vision eines der charmantesten Häuser der Wiener Innenstadt.

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Gastgeberin, Grande Dame, gute Fee …

Wenn Sie Ihrer Rolle als Hoteldirektorin einen Namen geben würden, welcher wäre das?

Ich finde Gastgeberin sehr treffend. Gerade in diesem Haus, das mehr ein Zuhause auf Zeit ist. Bei 14 Zimmern kennt man jeden Gast. Gastfreundschaft entsteht dann ganz natürlich, im Gespräch, durch kleine Gesten.

Als Sie in der Tourismusschule waren:

Wie haben Sie sich die Rolle einer Hoteldirektorin vorgestellt – und was davon spiegelt sich heute tatsächlich in Ihrem Alltag wider?

Früher dachte ich an Präsenz in der Lobby, perfekte Abläufe und schnelle Entscheidungen. Heute merke ich: Hoteldirektorin zu sein heißt vor allem, auf Menschen zu achten, Stimmungen zu spüren und das Team zu unterstützen.

Sie haben in Deutschland, der Schweiz, Österreich, England, Kanada und in den Arabischen Emiraten gearbeitet. Wie haben Sie die Länder geprägt?

Jedes Land auf seine Art und Weise. Im Sacher in Wien habe ich alle Abteilungen durchgemacht und Basics gelernt, die ich jetzt auch noch brauche. Ich kann nicht verlangen, dass ein Bett schön gemacht ist, ohne zu wissen, wie es geht. In London habe ich bei Four Seasons zum ersten Mal bei einer Kette gearbeitet und war Teil eines multikulturellen Teams aus den besten Fachkräften Europas. Wer hier nicht performt, ist draußen. In Kanada spielt die Gewerkschaftsstruktur eine große Rolle und Führung funktioniert eher partizipativ.

In den Arabischen Emiraten hingegen sind die Möglichkeiten grenzenlos. Für einen Gast, der seine Kinder vom Strandliegenplatz aus wegen eines Sandhügels nicht sehen konnte, haben wir etwa über Nacht einen Bagger organisiert und den Sand ebnen lassen.

jeden Gast einzugehen, aber bei 14 Zimmern gelingt das besonders authentisch.

Welche Begegnungen mit Gästen sind Ihnen dabei besonders im Gedächtnis geblieben?

So viele! Klar, ich habe auch Sportprofis oder Filmstars aus Hollywood erlebt, und ja, das beeindruckt. Aber oft bleiben mir die bodenständigen Begegnungen besonders in Erinnerung. Zum Beispiel jene mit Henry, einem sieben Jahre alten Jungen aus Amerika, der mit seiner Familie bei uns Urlaub machte. Er wollte alles über die Prozesse und Abläufe in einem Hotel wissen und durfte jeden Abend fünf Fragen an mich aufschreiben. Das waren richtig kluge Fragen, die mich selbst zum Nachdenken gebracht haben. Und er schreibt mir heute noch. Neulich war er in Japan und wollte wissen, was ich dazu sage, dass in dem Hotel nur Hotelgäste in die Lobby dürfen.

Gibt es umgekehrt Geschichten, die Ihnen als Gast in Hotels in Erinnerung geblieben sind?

Absolut – während eines Kurzurlaubs im Four Seasons New York, als ich Anfang 20 war und Mitarbeiterin wie jede andere, durfte ich gemeinsam mit meinem Verlobten das Hotel erleben. Der Direktor des Hauses nahm sich bewusst Zeit für uns und war an unserer Geschichte interessiert. Als er hörte, dass wir später zum Spiel der New York Knicks gehen würden, bot er uns an, vorher die neue private Lounge im Madison Square Garden zu testen – eine kleine, aber unglaublich wertschätzende Geste.

Spielte Ihr Frausein in Ihrer Rolle als Hoteldirektorin jemals eine besondere Rolle? Ja, aber auch, dass ich jung bin. Als junge Frau wird man manchmal stärker hinterfragt. Das ist eine Herausforderung, die man ernst nehmen kann, ohne sich von ihr definieren zu lassen.

Wie unterscheidet sich in diesen Ländern die Rolle der Direktion?

In manchen Häusern ist sie präsent und sichtbar, in anderen bewusst im Hintergrund. Das hat weniger mit dem Land zu tun, als man vielleicht vermuten würde, sondern vielmehr mit dem persönlichen Werdegang. Ob jemand aus der Küche, dem Service, dem Front Office oder dem Finanzbereich kommt, prägt den Führungsstil ebenso wie das eigene Naturell.

Sie leiten ja nun ein kleines, aber feines Haus in Wien. Inwiefern passt sich die Intensität der Betreuung an die Anzahl der Gäste an?

Ein kleines Haus erlaubt Nähe und echte Beziehungen. Der persönliche Austausch mit unseren Mitarbeitern macht uns einzigartig; natürlich bemühen sich viele Häuser, auf

Macht es heute noch einen Unterschied, ob ein Hotel von einer Frau oder einem Mann geführt wird?

Ich glaube, es macht einen Unterschied, wie jemand führt, nicht wer. Führung lebt von Haltung, Klarheit und Empathie. Das funktioniert unabhängig vom Geschlecht. Gleichzeitig sehe ich, dass Frauen in der Branche oft stärker auf Teamdynamik, Kommunikation und die kleinen Details achten, die den Alltag im Hotel ausmachen.

Gibt es Momente in Ihrem Alltag als Hoteldirektorin, die all das zusammenfassen, wofür Sie diesen Beruf lieben? Wenn ich sehe, dass Mitarbeiter die Vision des Hauses verstehen, proaktiv arbeiten und wachsen. Aber natürlich auch, wenn Gäste Lob aussprechen.

HOTEL ZUR WIENER STAATSOPER Österreich / Wien / Innere Stadt hotel-staatsoper.at
Charmantes Boutiquehotel mit 14 Zimmern in einer Seitengasse der Wiener Innenstadt nahe der Staatsoper.

Männer sind Weltmeister im Aushalten, viele auch im Funktionieren und vielleicht auch im Aufschieben. Die eigene Gesundheit rutscht dabei oft nach hinten, denn Vorsorge klingt nach Organisation, Wartezimmern und einem Aufwand, der schwer in ein durchgetaktetes Leben passt. Im Hotel Graseck, hoch über Garmisch-Partenkirchen, darf man es anders erleben.

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GRASECK

Deutschland / Bayern / Garmisch-Partenkirchen das-graseck.de

Nur über die Gondelbahn erreicht man dieses Mountain Hideaway mit Healthcare Mission. Ein exklusives Boutiquehotel mit Blick auf die oberbayrische Alpenwelt.

Check-in für die

Deutschland / Bayern / Garmisch-Partenkirchen

Das Graseck ist kein klassisches Gesundheitshotel, und genau das macht es interessant. Es ist ein Ort, der medizinische Vorsorge mit einem Setting verbindet, das eher an Rückzug als an Untersuchung erinnert. Klare Bergluft, Weitblick, Ruhe. Und ein medizinisches Angebot, das sich konsequent an Menschen richtet, die wenig Zeit haben, aber hohe Ansprüche. Der entscheidende Unterschied liegt in der Struktur. Vorsorgeuntersuchungen werden hier gebündelt angeboten, sinnvoll koordiniert und in den Aufenthalt integriert. Was sonst mehrere Termine bei unterschiedlichen Fachärzten erfordert, lässt sich im Graseck an einem Ort erledigen. Ohne Hektik, ohne unnötige Wege. Gerade für Führungskräfte ist dieser Ansatz relevant. Wer gewohnt ist, effizient zu denken, schätzt Abläufe, die funktionieren.

EIN THEMA, DAS AUCH MÄNNER BETRIFFT

Inhaltlich setzt das Graseck Schwerpunkte dort, wo Männer besonders betroffen sind und oft zu spät reagieren. Die Krebsvorsorge spielt dabei eine zentrale Rolle, denn Krebserkrankungen wären in vielen Fällen vermeidbar oder mit viel geringerem Aufwand behandelbar, wenn Vorsorgeuntersuchungen früher stattfinden würden. Im Graseck ist ein umfassender kardiologischer und onkologischer Check möglich. Diskret, medizinisch präzise von den jeweiligen Fachärzten Hand

in Hand durchgeführt und fernab klassischer Klinikroutinen. Vor allem die Darmkrebsvorsorge wird durch eine optimierte Vorbereitung so in den Aufenthalt eingebettet, dass sie nicht als Belastung empfunden wird und man auf kein einziges exquisites VierGang-Abendmenü verzichten muss.

MEDIZIN TRIFFT LEBENSSTIL

Was den Aufenthalt besonders macht, ist das Zusammenspiel aus Medizin und Erholung. Nach Untersuchungen geht es nicht zurück in den Alltag, sondern ins Spa, auf Panoramawege, an einen Ort, der Raum schafft. Bewegung findet draußen statt, Essen ist bewusst, aber nicht asketisch. Gesundheit wird hier nicht isoliert betrachtet, sondern als Teil eines Lebensstils verstanden. So entsteht ein anderes Verhältnis zur Vorsorge. Weniger Pflicht, mehr Motivation zur Änderung ungesunder Lebensgewohnheiten. Keine Verbote, aber mehr Bewusstsein, ohne komplett auf Genuss verzichten zu müssen. Es ist eine zeitgemäße Form von Wellness, die sich natürlich nicht nur an Männer richtet: sich um die eigene Gesundheit zu kümmern, ohne dafür alles andere unterbrechen zu müssen. Und dabei das Gefühl zu haben, nicht im Wartezimmer zu sitzen, sondern an einem Ort, der guttut. Das wollen wir doch alle.

Gesundheit

Fotos: Magnus Winterholler, Gipfelliebe
Marc Gilsdorf

Zwischen zwei Meeren

Der Frühling an der Küste hat seinen eigenen Rhythmus. Die Tage werden heller, die Luft wärmer, das Meer ist noch eine Erfrischung für Mutige. Genau richtig für lange Spaziergänge, klare Gedanken und das Gefühl, wieder mehr bei sich zu sein.

Zwei Boutiquehotels, zwei Küsten, zwei Stimmungen. Das SANDnature am Timmendorfer Strand und das SANDglow in Husum stehen für bewusstes Reisen ohne Chichi, für Design mit Ruhe und für nachhaltigen Lifestyle, der sich nicht erklären muss. SAND ist kein lautes Versprechen, sondern ein Ort, an dem vieles einfach passt. An der Ostsee beginnt der Frühling sanft. Das Licht wird weicher, der Strand erwacht langsam wieder zum Leben und die Tage werden länger. Im SANDnature spiegelt sich diese Stimmung in natürlichen Materialien, warmen Farben und einem Design, das Raum lässt für Gedanken, für Pausen und den eigenen Weitblick. Die Zimmer sind Rückzugsorte ohne unnötige Inszenierung. Morgens barfuß Richtung Strand, später ein Saunagang auf dem Rooftop, dazwischen Zeit für nichts und alles zugleich. Da darf sich Entschleunigung ganz selbstverständlich anfühlen.

Ein paar Stunden weiter nordwestlich zeigt sich die Küste von ihrer anderen Seite. Husum ist nordisch, urban, in ständiger Bewegung. Das SANDglow greift genau diesen Charakter auf: klar, reduziert, mit einem feinen Strahlen. Stylishe Zimmer, eine entspannte Bar, ein Day Spa als Ruhepol zur Stadt. Wer hier ankommt, wechselt mühelos zwischen Hafenflair und Rückzug. Ideal für alle, die Weite mögen und sich an bunten Fassaden erfreuen.

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SAND nature

Deutschland / Ostsee / Timmendorfer Strand sandnature.de

DER „SPIRIT OF SOFI“

Nein, SOFI ist keine Person – es ist ein Gefühl, das man sowohl im SANDnature als auch im SANDglow spürt. Es ist stylish, open minded, fair, inspiring. Nachhaltigkeit wird nicht ausgestellt, sondern gelebt. Regionale Produkte, bewusster Umgang mit Ressourcen, Design mit Sinn. Luxus zeigt sich hier leise: in Qualität und in der Freiheit, Dinge langsamer zu tun. Der „Spirit of SOFI“ wird begleitet von SANDus. So beschreibt das Team das Gefühl von Gemeinschaft, das im Austausch untereinander, mit anderen Gästen, bei gemeinsamen Momenten entsteht.

Man kann sie spüren, die Kraft des Frühlings, den Spirit und die Inspiration, die einem eine Auszeit an der Nord- oder Ostsee bescheren. Wenn die Natur noch nicht voll im Sommermodus ist, aber bereits Energie hat. Wenn Reisen nicht nach Programm klingt, sondern nach Freiraum. Und nach Entspannung. Bei der SANDsignature, einer von warmem Sand und maritimen Ritualen inspirierten Massage, kann man seinen Körper und Kopf wieder auf Anfang bringen. Unkompliziert, wohltuend, genau richtig nach einem Tag am Meer. Am Ende weiß man: Im SAND war man zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Entspanntes Adults-only-Boutiquehotel an der Ostsee mit Weitblick und Sinn für Design und Nachhaltigkeit.

SAND glow

Deutschland / Nordsee / Husum sandglow.de

Stylishes Adults-only-Hotel im Herzen von Husum zwischen Hafenflair und Innenstadtcharme.

SAND nature Deutschland / Ostsee / Timmendorfer Strand
SAND glow Deutschland / Nordsee / Husum

Wer die Natur nicht nur als Kulisse wahrnimmt, sondern wachsam hinsieht, erkennt, dass sie aus unzähligen Kreisläufen besteht, die ineinandergreifen – sofern der Mensch sie nicht aus dem Gleichgewicht bringt.

Im Green Luxury Hotel Pfösl, wo Sonne, Nadelwälder, saftige Wiesen, die Dolomiten und der eine oder andere Hirsch oder Haflinger die Südtiroler Landschaft prägen, ist man sich dessen sehr bewusst.

Die Natur gibt hier den Rhythmus vor, und das Green Luxury Hotel stimmt ganzheitlich mit ein. Eine gipfelförmige Holzfassade und Nebengebäude, die mit der Rasenfläche verschmelzen, machen von außen sichtbar, was sich im Inneren fortsetzt. Eine Philosophie, die sich aus vier Themenfeldern zusammensetzt, mit denen die Gastgeber Brigitte und Eva Zelger sowie Daniel Mahlknecht versuchen, der Welt und der Natur etwas zurückzugeben.

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GREEN LUXURY HOTEL PFÖSL Italien / Südtirol / Deutschnofen pfoesl.it

Resort im Einklang mit der Natur mit ganzheitlichem Ansatz und Verantwortungsbewusstsein sowie 360-Grad-Blick, im wörtlichen wie auch im übertragenen Sinn.

Von Kräutern

und Reisen

EINER DAVON IST MINDFULNESS.

Das Durchatmen und Loslassen ergibt sich hier fast von alleine, und doch wissen die drei Gastgeber, wie man noch ein bisschen nachhelfen kann, damit Körper und Seele rundum regenerieren können.

Auf 2000 Quadratmetern mit Weitblick über Bergwiesen, Kräutergarten und Gipfel hinweg ist im naturaspa innen wie außen viel Raum für einen selbst. Man reguliert sich in einer der acht Saunen bei Lieblingstemperatur und -luftfeuchtigkeitsgrad. Man spürt die unendliche Weite der Landschaft im Infinitypool. Man taucht ein in den Biopool und stapft barfuß durch Wasserläufe und Kneipp-Becken, vorbei an alpinen Pflanzen und duftenden Kräutern. Man spürt die wohltuende Ruhe der Natur, die sich durch Yoga achtsam vertieft.

Man genießt Behandlungen, die von der Natur hätten geschrieben werden können. Das heimische Ursteinritual mit Harzen, Silberquarziten sowie Wildkräuteressenzen zum Beispiel. Oder seit Kurzem auch Ayurveda, ein Angebot, das im ersten Moment fern von Südtirol liegen mag. Und dennoch: Aufgrund der ganzheitlichen Philosophie gliedert es sich hier ebenso wie Yoga nahtlos ein, vielleicht riechen die Kräuter nur dann und wann ein bisschen würziger.

Purheit

Schon der Weg hinauf fühlt sich an wie der Weg Richtung Freiheit. Oben angekommen, stellt man sein Gepäck ab. Und mit ihm all das, was im Alltag oft so schwer wiegt: Leistung, Optimierung, Selbstdarstellung.

Im Puradies geht es nicht darum, jemand zu sein und eine Rolle einzunehmen. Hier geht es darum, man selbst zu sein. In seiner ganzen Purheit. Still und gelassen ruht das alte Pinzgauer Bauernhaus über dem Tal, und mit ihm das Chaletdorf. Moderne Akzente verleihen den Häusern Frische und Offenheit. Man fühlt sich geerdet und ist dem Himmel gleichzeitig so nah. Das Puradies schenkt einem Halt, aber auch die Ungezwungenheit, zu tun, wonach einem beliebt.

Vielleicht beginnt der Tag auf der Matte im Atelier mit Bergpanorama oder, wenn es wärmer ist, auch auf der Plattform am See oder am Waldrand. Mit einem Sonnengruß und der stillen Erkenntnis, dass man sich nur mehr für "Trikonasana, die Triangelpose", und andere Yogahaltungen verbiegen möchte.

Vielleicht beginnt der Tag damit, die Hausschuhe gleich gegen Skischuhe zu tauschen und direkt vor der Hoteltür auf zwei Brettern ganz trubelfrei zur Steinbergbahn zu gleiten, die 270 Pistenkilometer in vollen Zügen zu genießen und am Ende des Tages ohne Umwege ins Puradies zurückzukehren.

Oder im Sommer mit Klick-Pedalen direkt ins Mountainbike-Abenteuer zu starten.

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PURADIES

Österreich / Salzburg / Leogang puradies.com

Weitläufiges Naturresort mit Bio-Bauernhof in Alleinlage in Leogang zwischen Himmel und Erde.

Vielleicht beginnt der Tag damit, guten Gewissens noch ein wenig länger im warmen Bett zu verweilen, bevor es ins Heaven Spa geht. Gemächlich gleitet man dann zwischen dem angenehm temperierten Pool, dem erfrischenden Naturbadeteich und der Adults-Only-Sauna hin und her, während das atemberaubende Bergpanorama stets den Blick fängt. Vermutlich beginnt der Tag im Frühstücksraum, begleitet von frischem Kaffeeduft, Eiern vom eigenen Hof und weiteren Köstlichkeiten aus der Region. Die Gedanken schweifen schon voraus zum mehrgängigen Abendmenü oder zum bevorstehenden Erlebnis im Gourmetrestaurant Ess:enz. Und vielleicht endet der Tag mit einem guten alpinen Cocktail, verfeinert mit Kräutern aus dem eigenen Garten, in der beeindruckenden Atmosphäre der Freiraum Bar. Und spätestens hier wird klar: Purheit bedeutet, den eigenen Freiraum zu entdecken. Manchmal muss man nur den gewohnten Weg verlassen und abbiegen, um sich selbst zu begegnen.

Der Alltag fühlt sich manchmal an wie eine Fahrt auf einer geschäftigen Hauptstraße. Umso wohltuender ist es, zwischendurch abzubiegen – an einen Ort, der wie eine Insel vom Trubel abgeschirmt ist. Mitten in der Natur, umgeben von Bergen, Wiesen und Wäldern, in sonniger Lage. So wie das Puradies, das zwischen Asitzbahn und Steinbergbahn auf einem Hochplateau in Leogang liegt, ein wenig versteckt und doch gut erreichbar.

PURADIES Österreich / Salzburg / Leogang

Was mit dem Wunsch nach einem eigenen Zuhause begann, entwickelte sich für eine spanische Unternehmerfamilie still und leise zu einer Annäherung an die Bedürfnisse eines besonderen Ortes – und an die eigenen. Aber auch zu einer einzigartigen Reise, die in Spanien begann und sich bald in Namibia fortsetzt. So entstand also die Vestige Collection – eine Reihe einzigartiger Hospitality-Projekte, von denen eine Auswahl hier vorgestellt werden soll.

Dem Schönen

Ein lange vernachlässigter Palast in Asturien aus dem 16. Jahrhundert, eindrucksvoll auf einem Hügel mit Blick auf den Hafen von Figueras gelegen, sollte zur privaten Residenz der Familie Madera Fernández werden. Elf Jahre dauerte es, bis die alten Gemäuer wieder in voller Pracht erstrahlten. Elf Jahre lang widmete die Familie sich der Renovierung, lernte die Zusammenarbeit mit lokalen Künstlern und Architekten zu schätzen und musste zugleich erkennen, dass die unzähligen Quadratmeter mehr Raum boten, als sie tatsächlich brauchte. So galt es, die Zukunft des 500 Jahre alten Palacio de Figueras, einst Sitz der Adelsfamilie Pardo de Donlebún, neu zu gestalten. Zugleich wurden andere Eigentümer ehrwürdiger Gebäude auf die Familie aufmerksam – beeindruckt von ihrem verantwortungsvollen Umgang mit der historischen Substanz.

Es entstand die Idee, aus solchen Überresten – „Vestige“, wie es auf Englisch heißt –besondere Orte der Hospitality zu erschaffen. Villen, die exklusiv zu mieten sind, aber auch Boutiquehotels mit außergewöhnlichen Zimmern. Um diese Schätze mit der Welt zu teilen, aber auch der Welt ein Stück davon zurückzugeben. Die Revitalisierung der Herrenhäuser, Paläste oder Residenzen erfolgt stets im Einklang mit ihrer Umgebung, aus der sie ihre Identität beziehen. Zeitgenössische Elemente werden dabei bewusst integriert.

Ob es Schicksal war, dass das erste Anwesen nach dem Palacio de Figueras auf der Insel ihrer Familienurlaube stand? Vermutlich.

Son Vell ist ein palladianisches Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert auf Menorca, nahe der Küste gelegen, mit zugehörigen Farmgebäuden und umgeben von 200 Hektar Land. Mit lokalen Materialien wie dem traditionellen Marés-Stein, handgefertigtem Ton, Leinen und natürlichen Pigmenten wurde es sanft revitalisiert und um neue Gebäude ergänzt. Das elegante Boutiquehotel umfasst heute 33 individuelle Zimmern und Suiten. Auch das umliegende Areal wurde liebevoll gestaltet: Zwei Pools, ein Küchengarten, 1400 neue Bäume und zahlreiche bunte, duftende einheimische Pflanzen fanden hier ihren Platz.

So entstand ein warmherziges Refugium, das nicht nur Ruhe und Erholung schenkt, sondern zugleich die natürliche Vielfalt Menorcas behutsam bewahrt und fördert.

auf der Spur

SON VELL, MENORCA

BINIDUFÀ, MENORCA

Nur wenige Kilometer entfernt, an der unberührten Nordküste der Insel, teilen sich auf 800 Hektar gleich zwei Boutiquehotels der Vestige Collection eine Adresse, deren Aufzeichnungen bis ins 13. Jahrhundert reichen. Während Son Ermità auf einer Anhöhe liegt und die Landschaft mit ihren grünen Hügeln, der roten menorquinischen Erde und den friedlich grasenden Rindern überblickt, ist das in einem Tal liegende neue Hotel Binidufà noch enger mit der üppigen rauen Naturlandschaft verwoben. Es ist ein intimes Hideaway im Grünen mit rustikalem Chic und der Einladung, sich direkt mit der Natur zu verbinden.

Ebenfalls auf Mallorca, und dennoch in einer ganz anderen Welt, liegt Son Veri – ein privat buchbares Landhaus aus dem 19. Jahrhundert. Nur 20 Minuten von Palma entfernt, ruht es abgeschieden auf einem Hügel im Tramuntana-Gebirge und bietet einen Panoramablick über das Tal, die Bucht und ein ehemaliges Kartäuserkloster. Früher wurden hier Oliven, Getreide und

Mandeln angebaut. Heute ist es ein Refugium für Familien und Freundesgruppen, die ein entschleunigtes und bewusstes Leben suchen. Spuren seiner landwirtschaftlichen Vergangenheit sind im ganzen Haus erlebbar: Die historische Olivenpresse im Wohnzimmer zeugt von der achtsamen Verbindung zur Vergangenheit und lädt dazu ein, innezuhalten und die Stille zu genießen.

VESTIGE COLLECTION Spanien / Namibia vestigecollection.com

Einzigartige historische Häuser und besondere Plätze in Spanien und Namibia, vom eigenen Designteam liebevoll geplant, restauriert, harmonisch in deren Umgebung integriert und in Orte der Hospitality verwandelt. ( + )

Der Name lässt es erahnen: Dieses Anwesen bietet einen atemberaubenden Blick aufs Meer. Auf der Nachbarinsel Mallorca gelegen, gehört es zu den exklusiv vollständig mietbaren Objekten der Vestige Collection. Das Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert steht in erster Reihe neben der gotischen Kathedrale La Seu und bietet auf 1700 Quadratmetern großzügigen Raum für Familien oder Freundesgruppen –inklusive Indoorpool und Home Cinema. Mitten im pulsierenden Herzen Palmas gelegen, offenbart sich Miramar als ruhiger Rückzugsort, in dem der Charme vergangener Zeiten neu auflebt.

Und bald schon erreicht die Vestige Collection einen neuen Kontinent. Von Spanien aus geht es nach Namibia, wo im Herbst vier Lodges an vier besonderen Orten eröffnen – jede geprägt von der Kraft ihrer Landschaft: an prähistorischen Dünen, am höchsten Berg des Landes oder nahe der Wildnis des Ovambo-Stammes.

Es sind tausende Hektar Land und unzählige historische Gebäude, denen die Vestige Collection neues Prestige schenkt. Aus Überresten erwächst behutsam Neues, lebendig interpretiert und zugleich im Einklang mit der Geschichte und den Gegebenheiten des Ortes. Vieles ist noch unentdeckt, aber bereit, seine Geschichte mit Vestige zu erzählen.

MIRAMAR, MALLORCA
SON VERI, MALLORCA
SORRIS SORRIS – OMATENDEKA – SHEYA SHUUSHONA – XAUDUM, NAMIBIA

Visionen über dem Bodensee

Mag es die Weite des Bodensees sein, die Visionen entstehen lässt? Mag es die Tiefe des Sees sein, die dafür sorgt, dass sich hier nichts nach Oberflächlichkeit anfühlt? Und mag es vielleicht die Geschichte Friedrichshafens sein, die daran erinnert, dass große Gedanken Zeit brauchen?

Dort, wo Graf von Zeppelin einst seine Luftschiffe baute und testete, spürt man noch heute die Kraft, die damals freigesetzt wurde. Mit einer Idee begann er über Jahre hinweg an seiner Vision zu arbeiten – bis der „LZ“, der Prototyp des Zeppelins, seinen ersten Namen erhielt. Rückschläge wie der Absturz eines Modells im Jahr 1908 hätten viele aufgehalten. Doch die Menschen der Region standen hinter ihm, sammelten Geld und gaben ihm so die Chance, weiterzumachen. Die Zeppeline, die noch heute über den See gleiten, erinnern daran, dass man Träume nicht aufgeben sollte.

Ein ähnlicher Traum lebte 2016 in Sandra und Hendrik Fennel. Mit dem Businessplan für das „Haus am Bodensee“ entstand eine Vision, die vieles vorwegnahm, was heute das Seegut Zeppelin ausmacht. Doch auch hier brauchte es Zeit, Geduld und Herzblut: Die historische Villa musste revitalisiert, Nebengebäude mussten errichtet und der Landschaftspark behutsam geformt werden. Rückschläge gehörten dazu – doch sie wurden nicht als Scheitern verstanden, sondern als Lernschritte.

Heute lebt diese Vision weiter: nachhaltig, regional verankert und offen für die Menschen vor Ort. Wie einst die Bürger Zeppelin unterstützten, trägt auch das Seegut seinen Teil zur Gemeinschaft bei: Lieferanten, Musiker und Einwohner werden einbezogen, Sonderkonditionen angeboten – und das Seegut wird zum lebendigen Teil der Region.

Sandra und Hendrik Fennel bilden dabei ein starkes Team: Sie, die strategische Denkerin aus Friedrichshafen, und er, der erfahrene Hotelier mit visionärem Blick. Gemeinsam führen sie ihr Haus am Bodensee mit Ruhe und Weitblick – und mit den kleinen Höhenflügen, die große Ideen möglich machen.

Magie

Das Hofergut ist ein Haus mit Geschichte, die bis ins Mittelalter zurückreicht. Charakterstark und atmosphärisch wurde es behutsam in die neue Zeit geführt, ohne die Spuren der Vergangenheit wegzuradieren. Die alte Stube, die Räucherküche und die gewölbten Mauern erzählen davon –ebenso wie die in Stein gefasste Tür mit ihren überlieferten Schnitzereien.

HOFERGUT Italien / Südtirol / Reischach bei Bruneck hofergut.com

Charakterstarkes Gästehaus in einem historischen Ansitz aus dem Jahr 1085 –stilvoll renoviert, unaufgeregt, gemütlich und den Charme vergangener Zeiten behutsam bewahrend. ( + )

Es ist aber auch ein Haus mit einer guten Fee, die auf Deutsch, Englisch, Italienisch oder Südtirolerisch alle möglichen Wünsche erfüllt – oft bevor man überhaupt durch die Pforte gegangen ist.

Sie weiß um das Glück Bescheid, in solch ehrwürdigen Gemäuern zu arbeiten, in ihrer Heimat, dem Pustertal. Wobei es fast gar nicht so wirkt, als würde Gudrun Huber hier arbeiten. Mit ihrer warmen und offenen Art lächelt sie sich schon beim Ankommen in die Herzen der Gäste. Vermutlich gibt es wenige Menschen, die so viel Freude daran haben, Gastgeber zu sein. Auch wenn ihr, aufgewachsen im kleinen elterlichen Gastbetrieb, diese Einstellung und Freude wohl in die Schuhe gelegt wurden.

Ein bunter Blumenstrauß auf dem Tisch, ein außergewöhnlicher Restauranttipp für den Abend, eine zusätzliche Decke, das Beibringen von Südtiroler Dialektwörtern, eine Anekdote aus der Umgebung – Gudrun erfüllt Wünsche von A bis Z und bereichert den Aufenthalt ihrer Gäste. Ganz ohne Zauberstab und Zaubermantel.

Aber nur so weit, wie es erwünscht ist. Manche wollen lieber ihre Ruhe, andere plaudern gern. Wenn Letzteres der Fall ist, dann ist ein gemeinsamer Aperitivo in der gemütlichen Stube keine Seltenheit. Gerne auch ein wenig länger.

Gudrun ist so unkompliziert wie ihr Name und daran interessiert, dass sich jeder fühlt wie zu Hause bei Freunden. Manchmal entstehen daraus sogar echte Freundschaften.

Und fragt man die Gäste oder sieht sich die Rezensionen an, so sind die magischen sechs Buchstaben G U D R U N nahezu immer zu hören und zu lesen. Mit ein bisschen Glitzer in den Augen – fast so, als wäre doch ein wenig Feenstaub im Spiel.

DEXAMENES SEASIDE HOTEL Griechenland / Peloponnes / Kourouta

Wo einst Traubenmost gärte, entwickeln heute die kulinarischen und künstlerischen Ideen von Nikos Karaflos ihre eigene Gärung – in einem Silo einer ehemaligen Weinfabrik. Doch das greift zu kurz. Der Imagineer, wie er sich selbst nennt, verwandelt das kreisrunde Gebäude in einen Fine-Dining-Ort und zugleich in einen performativen Think Tank. Es ist ein faszinierendes Zusammenspiel aus Kunst, Architektur, Geschichte, Wein und Essen.

DEXAMENES SEASIDE HOTEL Griechenland / Peloponnes / Kourouta dexamenes.com

Eine Weinfabrik am Meer, umgedacht als Luxushotel. Die Vergangenheit bewahrend, mit Eleganz versehen und um spannende Events ergänzt, die Kulinarik und Kunst rituell verbinden. (

Die raue Schönheit der verlassenen Weinfabrik aus den 1920ern am Rande des Ozeans am westlichen Peloponnes zog Nikos Karaflos sofort in seinen Bann.

Doch was soll ein gelernter Ingenieur mit solch einer Anlage anfangen? Ganz schön viel, wie sich herausstellte.

Mit dem Dexamenes Seaside Hotel ist ein einzigartiger Ort für Hospitality entstanden, der Brutalismus und Eleganz vereint.

Im Zentrum des Komplexes stehen nahezu unangetastet die beiden mächtigen Stahltanks. Ihre Patina spiegelt sich im Wasser, das die Objekte atmosphärisch einrahmt.

Über Betonplatten, die der Fabrik an anderer Stelle entnommen wurden, nähert man sich, begleitet von einer eigenen Akustik, Schritt für Schritt dem Silo an. Hier nehmen die von Nikos Karaflos kuratierten Erlebnisse Form an.

Unter dem Namen dex.Silo.01 wird einer der zwei Stahltanks regelmäßig in diverse Szenerien getaucht. Ritualartig ausgeführt, sind die Events mal zugänglich für Gäste, mal bewusst als Kunstperformances gedacht.

Die Zymosis Experience steht für Fine Dining mit Fokus auf Fermentation – jener natürliche Prozess, der untrennbar mit der Geschichte des Ortes verbunden ist. Gäste aus unterschiedlichsten Bereichen wie Winzer, Bierbrauer oder Bäcker bringen dabei ihre jeweilige Expertise ein. Die Gerichte sind ein Abbild der Region und Saison – Gemüse, handgemachte Pasta, Olivenöl … Und natürlich auch peloponnesischer Wein.

Full Moon, No Moon hingegen steht ganz im Zeichen des Vollmondes oder Neumondes. Eindrucksvolle Videoproduktionen und ein eigens komponierter Soundtrack schaffen die Kulisse für ein intensives, fast rituelles Essen. Das Erlebnis fühlt sich an wie ein Mondritual und setzt zugleich den erlernten Beruf von Nikos Karaflos eindrucksvoll in Szene.

Im runden, nach oben offenen Silo finden auch Events unter dem Namen Traditional, Illegal statt. Sie gehen über das bloße Genießen von Speisen hinaus und wollen auf kulturelle, soziale oder ökologische Themen aufmerksam machen. Die einzigartigen Performances stellen kulturelle, soziale oder umwelttechnische Probleme in den Mittelpunkt. Es ist ein künstlerischer Protest etwa gegen das Verbot des offenen Feuers zum Brotbacken, gegen die vorgeschriebene Pasteurisierung von Milch – und eine Hommage an die Wiederentdeckung und Wertschätzung uralter Pflanzensamen.

Wo einst Traubenmost gärte, gären nun also die Ideen von Imagineer Nikos Karaflos. Als kreativer Builder schafft er Rahmenbedingungen, die Visionen Raum geben. Er verbindet Menschen mit Orten, frühere Denkweisen mit heutigen – und einen 5000 Hektoliter fassenden Silo mit Liebe.

SILO LOVE

Fotos: Jim Georgiopoulossilo, Giagkos Papadopoulos, Claus Brechenmacher & Reiner Baumann Photography

YVES SAINT LAURENT

COCO CHANEL

„Moden vergehen, Stil bleibt –und ebenso sollte die Neugier eines Mannes bleiben.“

HELMUT LANG

„Kleidung geht es nicht darum, sich zu zeigen, sondern darum, was sie einem Mann ermöglicht.“

„Ein Mann, der es wagt, Farbe zu tragen, ist bereits auf halbem Weg zum Mut.“

ODER WAHR

ALAIN DE BOTTON

„Reife ist die Fähigkeit, Ambivalenz auszuhalten –das gilt ebenso für moderne Männlichkeit.“

JEAN-PAUL SARTRE

STEVE MCQUEEN

„Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt.“

„Das Einzige, was ein Mann niemals sein sollte, ist vorhersehbar.“

OSCAR WILDE

STYLE

„Ein Mann, der nicht selbst denkt, ist leicht zu beeindrucken.“

ALBERT EINSTEIN

„Versuche nicht, ein Mann des Erfolgs zu werden, sondern ein Mann von Wert.“

DAVID HOCKNEY

„Der Wert eines Mannes liegt in den Details, die er wahrnimmt.“

FALSCH

AIK

Text: Nina Prehofer

ER GILT ALS DIE FEINSTE NASE WIENS: AIK SARGSIAN, GRÜNDER DER OSMOTHECA, LIEST MÄNNLICHKEIT NICHT IN ROLLENBILDERN, SONDERN IN DUFTSPUREN. EIN GESPRÄCH ÜBER PARFUM ALS SPRACHE, ERINNERUNG ALS IDENTITÄT UND DIE KRAFT LEISER OLFAKTORISCHER HALTUNGEN.

Was verrät der Geruch eines Mannes über ihn, bevor er spricht oder sich bewegt?

Der Duft, den ein Mann trägt, ist wie ein stummer Eintritt in den Raum –er vermittelt unbewusst bereits Charakter und Stimmung, noch bevor ein Wort gefallen ist. Unser Geruchssinn koppelt Düfte direkt mit Assoziationen: Ein frischer Zitrusduft kann Vitalität und Offenheit suggerieren, während schwere Leder- oder Gewürznoten Stärke und Tiefe andeuten. Tatsächlich zeigen Studien, dass

wir Menschen bestimmte Persönlichkeitsmerkmale auf Basis eines wahrgenommenen Dufts zuschreiben. Der erste Eindruck wird also maßgeblich vom Duft mitgeprägt. Ein bewusst gewähltes Parfum kann subtil Hinweise geben – etwa auf das Selbstfürsorge, den Stil oder die Stimmung eines Mannes. In jedem Fall ist der Geruch etwas sehr Intimes; er verrät, wie viel Wert jemand auf seine persönliche Ausstrahlung legt und welche unsichtbare Signatur er bei anderen hinterlassen möchte.

Der Duft

SARGSIAN

In der Osmotheca sammelst und kuratierst du olfaktorische Welten. Begegnet dir dort so etwas wie ein archetypisch „männlicher Duft“ oder ist diese Idee längst überholt?

Gerade in meiner Osmotheca erlebe ich täglich, wie vielfältig und facettenreich Düfte jenseits alter Kategorien sind. Früher hätte man vielleicht an ein archetypisch „männliches“ Profil aus herbem Eichenmoos, Leder, Tabak oder Lavendel gedacht. Doch heutzutage verschwimmen diese Grenzen: Zwischen all den von mir kuratierten Düften finde ich kein Monopol einer einzigen Duftnote für Männlichkeit. Ingredienzen an sich haben kein Geschlecht – wo würde man etwa die Grenze ziehen zwischen einem „holzig-weiblichen“ und einem „holzig-männlichen“ Aroma?

Genau deshalb sieht man immer mehr geschlechterübergreifende Kompositionen. Statt eines Archetyps gibt es eine Palette von olfaktorischen Identitäten. Ein Mann kann heute genauso gut einen rauchigen Vetiver tragen wie einen Hauch von weißer Blüte. Wichtig ist, dass der Duft zu seiner Persönlichkeit passt, nicht zu einem veralteten Rollenbild.

Parfum war historisch oft ein Symbol von Macht, Status und Verführung. Welche Rolle spielt Duft heute für Männer: Inszenierung oder Selbstvergewisserung? Ich beobachte, dass der Schwerpunkt sich verschoben hat. Natürlich nutzen manche Männer Parfum noch zur Inszenierung, um bewusst Eindruck zu machen oder Attraktivität zu unterstreichen. Allerdings trägt die neue Generation von Duftträgern ihr Parfum viel mehr zum Selbstausdruck und zur Bestätigung der eigenen Identität. Ein Duft wird heute von vielen Männern wie ein persönliches Statement verstanden, nicht bloß als Statussymbol. Branchenanalysen bestätigen diesen Wandel: Herrendüfte entfernen sich von den alten Archetypen von Macht und Verführung und zelebrieren stattdessen eine nuancierte, individuelle Männlichkeit. Oder anders ausgedrückt: Duft gilt nicht mehr bloß als Körperpflege oder Verführungswerkzeug, sondern als Mittel, zu zeigen, wer man ist. Diese neue Rolle des Parfums verleiht Männern eine Form von leiser Selbstsicherheit. Man trägt Düfte jetzt primär für sich selbst, zur eigenen Freude und Selbstvergewisserung und weniger, um einem fremden Ideal zu entsprechen.

Viele klassische Herrendüfte setzen auf Schwere: Leder, Rauch, Holz. Beobachtest du aktuell eine Verschiebung hin zu fragileren, transparenteren olfaktorischen Sprachen?

Absolut, die Duftsprache der Herrenwelt erweitert sich derzeit deutlich. Neben den

traditionellen schweren Noten gewinnen leichtere, transparentere Kompositionen an Beliebtheit. Man spricht etwa von „Skin Scents“, die sehr subtil sind und hautnah wirken. Diese flüstern statt zu schreien. Solche Düfte verzichten auf wuchtige Projektion und schaffen stattdessen eine intime Aura, die nur im Nahbereich wahrnehmbar ist. Gleichzeitig wagen Männer vermehrt auch einmal fragile Nuancen: Florale Akzente wie Iris oder Rose tauchen in Herrendüften auf, aber modern interpretiert oft mit metallischen oder holzigen Untertönen, sodass sie transparent und doch markant wirken. Das heißt nicht, dass die klassischen Leder-Rauch-Düfte verschwinden, aber die Bandbreite hat sich erweitert. Die Tendenz geht zu vielfältigeren Texturen: Ein Duft darf heute auch mal luftig, sanft oder „unvollständig“ wirken, was eine spannende neue Männlichkeit olfaktorisch ausdrückt.

Duft wirkt unmittelbar auf das limbische System, jenseits von Rationalität. Ist Parfum vielleicht einer der letzten Bereiche, in denen Männer sich Gefühle erlauben, ohne sie benennen zu müssen? Tatsächlich bietet Parfum einen geschützten Raum für Emotionen, gerade für Männer, die sonst mit Gefühlen vorsichtig umgehen. Düfte umgehen den Verstand und treffen direkt ins Gefühlszentrum: Der Geruchssinn leitet Signale ohne Umweg ans limbische System weiter, wo unsere Emotionen und Erinnerungen sitzen. Das heißt, ein Mann kann durch einen bestimmten Duft Rührung, Geborgenheit oder Freude empfinden, ohne es analytisch erklären zu müssen. In der Tat beobachten wir derzeit, dass Männer Düfte verstärkt auch zur emotionalen Selbstfürsorge nutzen: Es gibt einen Trend zu aromatherapeutischen Kompositionen, die bewusst beruhigen, beleben oder erden sollen. Der Griff zum richtigen Parfum am Morgen oder Abend ist dann wie ein stilles Ritual, das Gefühle weckt und auslebt –ganz privat. So gesehen erlaubt Parfum Männern einen Zugang zur Gefühlswelt, der subtil und gesellschaftlich akzeptiert ist. Man kann sentimentale oder sensible Stimmungen durch einen Duft ausleben, ohne ein Wort darüber verlieren zu müssen.

In einer Zeit, in der Männlichkeit neu verhandelt wird: Kann ein Duft Haltung zeigen, ohne laut zu sein?

Definitiv. Oft sind es gerade die leisen Töne, die die stärkste Haltung zeigen. Ein subtiler, fein komponierter Duft kann eine klare Botschaft senden: nämlich, dass der Träger sich nicht über markerschütternde Lautstärke definieren

muss, sondern über Souveränität und Geschmack. In der heutigen Parfumkultur gilt tatsächlich „weniger ist mehr“. Zurückhaltung und feine Nuancen gelten als neue Zeichen von Stil und Raffinesse.

Ein Mann kann beispielsweise einen dezenten Vetiverduft tragen, der nur im kleinen Umkreis wahrnehmbar ist, und dadurch vermitteln: Ich bin präsent, aber muss nicht im Mittelpunkt stehen. Diese Art von olfaktorischem Understatement strahlt oft sogar mehr Selbstbewusstsein aus als ein aufdringliches Wässerchen. Es zeigt Haltung im Sinne von innerer Ruhe und Klasse. Gerade weil Männlichkeit neu definiert wird, kann ein leiser Duft aussagen: Hier ist jemand, der sich seiner sicher ist und keine laute Show braucht.

Du arbeitest mit Erinnerung, Archivierung und Zeit. Gibt es Düfte, die du klar mit bestimmten Männlichkeitsbildern verbindest und solche, die diese Bilder bewusst unterlaufen? Ja, bestimmte Duftfamilien sind wie olfaktorische Zeitkapseln für Männlichkeitsbilder. Zum Beispiel ruft ein legendärer klassischer Fougère Royale von Houbigant Paris – hier haben wir Noten von Lavendel, Eichenmoos und Cumarin – sofort das Bild des gepflegten Gentlemans vergangener Zeiten wach. Solche Düfte verströmen eine beinahe archetypische traditionelle Männlichkeit mit „stolzer Haltung“ und formellem Flair. Ebenso stehen die kräftigen Leder- und Eichenmoos-Parfums der 1970er/80er für das Bild des machtvollen, selbstbewussten Mannes im Maßanzug. Diese kapitelhaften Düfte gehören zu bestimmten Epochen und Rollenbildern einfach dazu. Gleichzeitig gibt es aber auch bewusst subversive Düfte, die mit solchen Klischees brechen. Moderne Nischendüfte mischen zum Beispiel Blumen mit rauen Noten oder spielen mit süßen Elementen, die früher als „unmännlich“ galten – etwa das brillante Trio "der Thomas de Monaco Artist Collection"? Viele der spannendsten aktuellen Kompositionen verweigern klare Zuschreibungen – statt „für ihn“ oder „für sie“ zählen hier Geschichte und Emotion über klischeehafte Geschlechtergrenzen hinweg. So kann ein Mann heute einen Duft tragen, der Nuancen der Rose, Weihrauch und metallische Akzente vereint – wie Rose Mecanique vom neuen urbanistischen Pariser Parfüm-Atelier Parfumerie Particulière –, und damit bewusst ein altes Bild unterlaufen. Solche Düfte machen deutlich: Männlichkeit kann auch vielschichtig, verletzlich oder verspielt sein, ohne an Stärke einzubüßen. Als Kurator freue ich mich besonders über Parfums, die diese festgelegten Bilder hinterfragen und neu erzählen.

Viele Männer tragen Parfum wie eine Rüstung. Was passiert, wenn Duft nicht schützt, sondern öffnet?

Wenn ein Mann seinen Duft nicht mehr als Schutzschild einsetzt, erlebt er Parfum plötzlich als Brücke statt als Barrikade. Eine olfaktorische „Rüstung“ – also ein extrem dominanter, einschüchternder Duft – mag zwar Abstand schaffen, aber sie verbirgt auch viel von der eigentlichen Persönlichkeit. Legt man diese Rüstung ab und wählt stattdessen einen Duft, der offenbart statt verbirgt, macht man sich gewissermaßen verwundbarer, aber im positiven Sinne. Der richtige Duft kann Türen öffnen: Er lässt andere näherkommen, weckt vielleicht sogar Neugier und Gesprächsanlässe. Parfum bietet so die Chance, Authentizität zu zeigen. Schließlich lässt sich die Funktion von Düften nicht auf Verführung reduzieren. Parfümerie ist so vielfältig wie Filmgenres,

sie kann dokumentarisch, avantgardistisch oder gefühlvoll sein, und nicht nur Action oder Romanze. Ein öffnender Duft erlaubt es einem Mann, echte Emotionen und Erinnerungen mitschwingen zu lassen, anstatt sich hinter einem olfaktorischen Machtgehabe zu verstecken. Das Ergebnis: Zwischenmenschlich entsteht mehr Nähe und Echtheit, weil der Duft nicht abschirmt, sondern Anteil an der eigenen Innenwelt gibt.

Der Markt spricht immer noch von „Herrendüften“ und „Damendüften“.

Ist diese Kategorisierung aus deiner Sicht olfaktorisch sinnvoll oder rein kulturell bedingt?

Aus meiner Sicht ist diese Einteilung überwiegend kulturell und historisch gewachsen, olfaktorisch aber kaum haltbar. Düfte selbst kennen kein Geschlecht –Moleküle sind Moleküle. Die Unterscheidung in „für Herren“ und „für Damen“ war in erster Linie ein Marketingkonstrukt des 20. Jahrhunderts, um Produkte zielgruppengerecht zu verkaufen. Heute beginnt sich das deutlich aufzuweichen: Die innovativsten Düfte passen in keine Schublade mehr, sie werden absichtsvoll ohne Geschlechterlabel kreiert. Viele große Häuser und Nischenmarken setzen inzwischen auf sogenannte UnisexParfums (ich nenne sie Allsex :)), weil sie verstanden haben, dass etwa eine Holznote oder eine Blüte von jedem Menschen getragen werden kann, der sie mag. Selbst traditionelle Konzerne verzeichnen, dass jüngere Kunden Düfte als Teil ihrer Persönlichkeit auswählen und sich nicht um alte Etiketten scheren. Kurz gesagt: Ob ein Parfum „maskulin“ oder „feminin“ wirkt, liegt im Auge (bzw. in der Nase) des Betrachters – geprägt durch Kultur und Erwartung. Rein olfaktorisch zählt nur die Komposition und ob sie den Träger berührt. Alles andere sind Konventionen, die gerade zunehmend an Bedeutung verlieren.

Wenn man Parfum als Sprache versteht: Welche Wörter fehlen uns derzeit, um neue Formen von Männlichkeit olfaktorisch zu beschreiben?

Wir stehen eigentlich noch am Anfang, eine neue Vokabelsammlung für Düfte jenseits der alten Genderkategorien zu entwickeln. Bisher greifen wir oft zu Begriffen, die mit Klischees behaftet sind – „herb“, „markant“, „sportlich“ für Männerdüfte etwa. Was fehlt, sind Wörter, die Zartheit, Verletzlichkeit oder Vielschichtigkeit bei Herrendüften positiv benennen. Warum nicht von einem Herrenparfum sagen, es sei „poetisch“, „sanft leuchtend“ oder „introspektiv“? Solche Begriffe sind noch ungewohnt, würden aber neue Facetten von Männlichkeit ausdrücken. Auch Gefühlsbegriffe könnten Teil des Duftvokabulars werden: Ein Duft könnte „zuversichtlich“ oder „melancholisch“ wirken. Uns fehlen Worte für Zartheit ohne Schwäche, für Stille ohne Leere, für Tiefe ohne Schwere ... Wahrscheinlich, weil wir uns lange in der Dichotomie maskulin vs. feminin bewegt haben. Jetzt, da diese Grenzen in der Parfümerie aufbrechen, müssen wir sprachlich Neuland betreten. Ich denke, wir werden in Zukunft kreativere, freiere Beschreibungen hören, Worte, die Charakter und Stimmung eines Duftes betonen, statt ihn in ein Geschlechterraster zu zwängen.

Gibt es so etwas wie einen „Duft der Zukunft“ für Männer und wenn ja, wonach riecht er nicht mehr?

Ich glaube, es wird nicht den einen Duft der Zukunft geben, sondern eher eine Richtung, in die es geht. Die Zukunft der Herrendüfte riecht vor allem nach

Offenheit und Authentizität und eben nicht mehr nach gewissen überholten Klischees. Was verschwindet, sind die überreizten Elemente vergangener Trends: Man denke etwa an die Flut von schweren Oud-LederDüften der letzten Jahre. Oud, einst als Exotik gefeiert, ist mittlerweile so inflationär verwendet worden, dass dieser laute, düstere Ton sicherlich abklingen wird. Der Duft der Zukunft wird nicht mehr nach reiner Machtdemonstration riechen – also nicht nach dem schrillen Einheits-Macho-Parfum, das nur Lautstärke ausstrahlt. Er wird nicht mehr von übertriebener Süße oder brachialer Würze erschlagen sein, wie es bei manchem Trendduft der 2010er der Fall war. Eine steht sicher-nicht langweilig. Er verzichtet auf jene Noten, die nur dazu dienten, traditionalistische Ideale zu bedienen, und öffnet Raum für Neues. Kurz gesagt: Der Duft der Zukunft für Männer riecht nicht mehr nach der Angst

oder dem Zwang, etwas beweisen zu müssen. Er riecht frei nach Kreativität, Persönlichkeit und vielleicht einer Prise Technologie und Nachhaltigkeit. Alles, was früher als olfaktorischer Ballast diente, wird abgestreift. Übrig bleibt ein Duft, der so vielfältig ist wie die Männer, die ihn tragen und der zeigt, was Männlichkeit zukünftig sein kann: grenzenlos und im besten Sinne unbeschreiblich.

Kurz gesagt: Der Duft der Zukunft duftet nach Authentizität und nicht mehr nach vorgeschriebenen Rollen. Von allem anderen lassen wir uns überraschen. Die Zutaten mögen neu sein oder altbekannt in neuem Gewand. Doch diese Befreiung von alten Zwängen, die wird man erschnuppern können. Darauf freue ich mich.

RITUAL, ORDNUNG, BARBERSHOP

Männlichkeit als tägliche Disziplin, Pflege, Form.

• Houbigant Fougère Royale Der archetypische Fougère. Lavendel, Kräuter, Struktur. Ein historischer Referenzpunkt männlicher Duftkultur.

• Santa Maria Novella Acqua di Colonia Zitrisch, klar, funktional. Duft als Ordnungssystem und morgendliches Ritual.

KÖRPER, MACHT, PRÄSENZ

Duft als Erweiterung des Körpers, als Volumen und Gewicht. Jeroboam Ambra Dicht, körpernah, langanhaltend. Präsenz ohne klassische Dramaturgie.

• Etat Libre d’Orange Rien Verkörpert Volumen, Leder, Schwere – eine Männlichkeit, die Raum einnimmt.

ZWEIFEL, INNERLICHKEIT, SPIRITUALITÄT Männlichkeit, die nach innen schaut.

• Meo Fusciuni Notturno Rauch, Harze, Nacht. Ein Duft der Kontemplation und Erinnerung. Filippo Sorcinelli Reliqvia Sakral, dunkel, still. Duft als spiritueller Raum, nicht als Statement.

FRAGMENTIERUNG UND REIBUNG

Zeitgenössische Männlichkeit als Widerspruch.

• Moth & Rabbit Parasite Konzeptuell, irritierend, bewusst unkomfortabel.

• Ephemeral Dyadic Duft als offenes System, nicht als abgeschlossene Form.

STILLE PRÄSENZ / QUIET STRENGTH Hautnahe Dichte statt Lautstärke Wienerblut Freudian Wood Warm, intim, nicht projektionistisch. Präsenz im Nahbereich. Pierre Guillaume 14.2 Costume Liquide  Innere Stärke. Düfte ohne laute Kopfnote, aber mit Tiefe und Dauer.

FREIHEIT JENSEITS DER ZUSCHREIBUNG Nicht als Ideologie, sondern als olfaktorische Realität.

• Etat Libre d’Orange Hermann à mes côtés me paraissait une ombre Poetisch, ambivalent, nicht festlegbar.

• Histoires de Parfums This Is Not A Blue Bottle Abstraktion und Sinnlichkeit pur.

AIK SARGSIANS OSMOTHECA DER MÄNNLICHKEIT

Die Zukunft der Herrendüfte riecht vor allem nach Offenheit und Authentizität und nicht nach überholten Klischees.

AIK SARGSIAN

Aik Sargsian verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Kosmetik- und Parfümeriebranche. In dieser Zeit bekleidete er führende Managementpositionen im Luxus-Distributions- und Einzelhandelsbereich, sowohl innerhalb der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAEU) als auch in Österreich. Als Gründer von Cosmotheca und Osmotheca entwickelte er wegweisende, unabhängige RetailKonzepte, die sich auf kuratierte Kosmetik und künstlerische Duftkompositionen spezialisieren. Darüber hinaus war Aik Sargsian Jurymitglied der Beauty Challenge Awards im Rahmen der Cosmeeting in Paris und ist Ehrenmitglied renommierter internationaler Beauty-Messen, darunter Cosmoprof, Beyond Beauty, Pitti Fragranze und Esxence.

an-other.com

Zeitgenössisch, kosmopolitisch, bewusst zurückhaltend. FR/2018 fühlt sich an wie ein Spaziergang durch eine europäische Metropole: elegant, entspannt und intuitiv getragen.

A.N OTHER FR/2018 PARFUM

iggywoo.com

Ein Duft für die Nacht, wenn Regeln verschwimmen. Üppige Blüten, dunkle Nuancen, pure Sinnlichkeit. Night Narcotic ist emotional, expressiv und gemacht für große Auftritte.

IGGYWOO

NIGHT NARCOTIC

byredo.com

Mediterrane Wärme trifft auf orientalische Tiefe. Diese Orangenblüte ist reich, sonnengetränkt und luxuriös interpretiert. Ein Duft mit Geschichte und einer sehr gegenwärtigen Ausstrahlung.

L’ARTISAN PARFUMEUR HISTOIRE D’ORANGERS EXTRÊME artisanparfumeur.com

ohtop.paris

Oud, aber mit Leichtigkeit. Air Oud übersetzt den klassischen Luxusrohstoff in eine moderne, luftige Form. Elegant, transparent und überraschend tragbar. Tag wie Nacht.

OHTOP AIR OUD

Reinheit als Stilfrage. Blanche Absolu bleibt dem ikonischen Charakter treu, gewinnt jedoch an Tiefe und Präsenz. Sauber, weich und modern wie ein minimalistischer Look, der nie aus der Zeit fällt.

BYREDO

BLANCHE ABSOLU

manceraparfums.com

Ein Duft, der sofort Urlaubsstimmung transportiert. Cinque Terre vereint Zitrusnoten mit maritimer Frische und sonniger Wärme – wie ein Spaziergang entlang der bunten Häuser an Italiens Küste. Leicht, elegant und unaufdringlich: mediterrane Lebensfreude in Duftform.

Ein Duft als Ausdruck von Wandel. Paradigme spielt mit Kontrasten und Perspektiven und bleibt dabei unverkennbar Prada: intelligent, modern, stilistisch offen. Für Menschen mit Sinn für Mode und Ideen.

PRADA PARADIGME pradabeauty.com

PENHALIGON’S THE CUT penhaligons.com

Sharp, refined, self-assured. The Cut verkörpert britische Eleganz mit zeitgemäßem Selbstverständnis. Klar strukturiert, stilvoll und immer passend, wie ein perfekt abgestimmtes Outfit.

Kühle Eleganz mit urbanem Twist. Iced Cologne wirkt klar und souverän, fast mühelos, wie perfekt geschnittene Linien in hellem Licht. Ein Duft für Tage, an denen Leichtigkeit Stärke ist.

YVES SAINT LAURENT ICED COLOGNE EAU DE TOILETTE yslbeauty.com

Sakrales

MANCHMAL WIRD ES LAUT. LAUTER, ALS ES DEM HERZEN GUTTUT. UND DANN IST ES NOTWENDIG, EINEN MOMENT IN SICH HINEINZUHÖREN.

An einem besonderen Ort, wo klösterliche Ruhe allgegenwärtig ist. So wie in den Silent Villas im Thermenresort Laa an der Thaya.

Zehn Villas reihen sich hier wie moderne Kapellen in meditativem Schweigen um einen Badeteich.

Das Ensemble, geplant von Architekt Wolfgang Vanek von Holzbauer & Partner, ist eine stille Verneigung vor der niederösterreichischen Klostertradition.

Das sakrale architektonische Element des Vierblatts, das im gesamten Resort mal lauter, mal leiser in Erscheinung tritt, findet in den Villen seinen Höhepunkt. Der Baukörper ist ein klar gefasster Kubus, durchzogen von präzise gesetzten Öffnungen im Sichtbeton, die das Motiv des Vierblatts aufnehmen. Eine große, ruhige Pforte als überdimensionales Leitmotiv öffnet sich zum Wasser hin und wirkt wie eine magische Schwelle.

Eine Schwelle, die dazu einlädt, leisezutreten. Alleine oder auch zu zweit. Auf großzügigen 70 Quadratmetern verteilen sich Schlaf-, Ruhe- sowie ein Wohnbereich mit Kamin, geprägt von Holz und Stein und hochwertigster Technik. Die Villen verfügen über ein privates Spa mit Sauna, Erlebnisdusche und freistehender Badewanne. Und auf den Terrassen mit direktem Zugang zum Badeteich laden Whirlpool und Infrarotstrahler zu Outdoor-Entspannungen ein.

Es ist ein exklusiver Rückzugsort mit außergewöhnlichen Serviceleistungen. In-Room Dining, Massagezeremonien, Yogastunden und ausgesuchte Treatments, die eigens für die Villen konzipiert wurden, ergänzen den Aufenthalt.

Es verschlägt einem die Sprache, wie ruhig es hier ist.

Doch in dieser Stille liegt keine Leere. Sie ist ein Raum für das, was sonst überhört wird.

Und das erfüllt das Herz.

Schweigen

MODE ALS

ZUSTAND

KLEIDUNG BESCHREIBT

EINE VERFASSUNG. SIE REAGIERT AUF DEN MÄNNLICHEN KÖRPER, AUF ZEIT, AUF INNERE SPANNUNG. FRÜHJAHR/SOMMER 2026 ZEIGT, WIE SIE EXISTIERT, WIE SIE WIRKT, OHNE ERKLÄRUNG. SIE SPRICHT NICHT, SIE VERLANGT KEINEN KONSENS. SIE IST PRÄSENT, UND DAS REICHT.

Bild oben links

KLEIDUNG WIRD RESONANZRAUM,

NICHT BÜHNE, NICHT KOSTÜM. WER SIE TRÄGT,VERÄNDERT DEN RAUM, FORMT

Die Saison beginnt beim Körper, nicht beim Look. Ärmel verlängern, Hosen verlangsamen, Stoffe reagieren auf Bewegung. Silhouetten kippen, verschieben sich, ohne dass man genau sagen könnte, wohin. Acne und MM6 zeigen das mit einer Art beiläufiger Eleganz, als würde Kleidung aus purer Beobachtung entstehen. Rick Owens hingegen ist radikal im Verhältnis von Körper zu Stoff: Volumen, Schatten, Drapierungen, die den Körper fast in eine Skulptur verwandeln. Owens’ Entwürfe funktionieren wie Bühnenbilder – A$AP Rocky oder Kanye West tragen sie als Erweiterung ihres Körpers, als Aura, die sich um sie legt. Emotion zeigt sich in Textur, in Materialität, nicht in narrativer Geste. Antonio Marras stapelt Stoffe wie Erinnerungen, malt auf Prints wie auf einer unsichtbaren Leinwand. Timothée Chalamet und Harry Styles sind die modernen Kuratoren dieser Formen: Sie tragen nicht Kleidung, sie interpretieren sie, lassen Muster und Silhouetten zu Akzenten ihrer Persönlichkeit werden. Kleidung wird Resonanzraum, nicht Bühne, nicht Kostüm. Wer sie trägt, verändert den Raum, formt ihn subtil und bleibt doch Teil von ihm. Schwarz bleibt zentral, aber es ist keine Uniform. Enfants Riches Déprimés nutzt es, um Distanz zu erzeugen, um Haltung zu provozieren. Komfort wird hier neu gedacht: nicht als Bequemlichkeit, sondern als Dimension der Erfahrung. Wer diese

Bei Rick Owens tragen Männer lange, lockere Paillettenkleider mit einem Ausschnitt, der tief blicken lässt.

Oben Mitte

Die Brillen auf dem Laufsteg bei Lacoste erinnern an eine Mischung aus Schwimm- und Schutzbrille. Oben rechts Bei Gabe Gordon trägt man Schuhwerk wie ein Stormtrooper.

Rechts unten

Acne findet Männer sollten kleine Motorroller fahren und dabei aussehen wie Schulbuben.

Text: Nina Prehofer

Links oben

Mit den Brillen bei Jean Paul Gaultier kann man praktischerweise gleich ins Wasser springen und einen kleinen Tauchgang starten.

Oben Mitte

Bei Burberry kommt man leise angeschlängelt und bei Comme des Garçons ist man hoffentlich ob der Farben zumindest fröhlich oder erinnert sich an den letzten LSD-Trip oben rechts

Unten links

Bei Enfants Riches Deprimes drückt der Wohlstand aufs Gemüt, aber man sieht cool dabei aus.

FRÜHJAHR / SOMMER 2026

INTERESSIERT SICH NICHT FÜR MODISCHE DIPLOMATIE. DIE DRAMATISCHEN,PUNKIGEN ENTWÜRFE VON ENFANTS

RICHES STEHEN NEBEN DER STILLEN PRÄZISION VON GABE GORDON. SIE ALLE DEMONSTRIEREN, DASS KLEIDUNG

NICHT GEFALLEN MUSS, SIE MUSS SPÜRBAR SEIN.

Kleidung trägt, ob FKA twigs, Playboi Carti oder Ezra Miller, demonstriert Präsenz, ohne dass ein Wort gesprochen wird. Der Körper spricht, die Kleidung antwortet, die Umgebung registriert.

Tradition wird dekonstruiert. Burberry lockert das Trenchcoat-Erbe, verschiebt Silhouetten, löst Eleganz aus Perfektion und macht sie fließend, fast beiläufig. Comme des Garçons experimentiert mit bekannten Formen, Rei Kawakubo entwirft Räume für Körper, die Regeln nicht folgen. Klassische Codes werden neutralisiert, interpretiert, wieder zusammengesetzt und immer auf die Gegenwart bezogen. Kleidung ist Referenz, Experiment, Spiegel, sie wirkt in der Spannung zwischen Erwartung und Interpretation.

Ironie, Provokation, Intensität. All das ist erlaubt, aber nie plakativ. Frühjahr/ Sommer 2026 interessiert sich nicht für modische Diplomatie. Die dramatischen, punkigen Entwürfe von Enfants Riches stehen neben der stillen Präzision von Gabe Gordon. Sie alle demonstrieren, dass Kleidung nicht gefallen muss, sie muss spürbar sein.

Und inmitten dieser Spannung entsteht etwas anderes: eine Art poetische Radikalität. Kleidung wird zum Filter, durch den der Mann die Welt sieht und durch den die Welt ihn sieht. Sie ist Erinnerung, Suggestion, Reibung. Bei Vivienne Westwood, bei Antonio Marras, bei Rick Owens: Kleidung schreibt Geschichten, ohne zu erzählen; sie reflektiert Zeitgeist, ohne ihn zu zwingen. Sie ist Moment, sie ist Zustand.

Mode wird wieder zu einem Raumerlebnis. Sie formt Männer, ohne sie zu definieren. Sie existiert, bevor sie gedeutet wird und bleibt spürbar, lange nachdem man den Raum verlassen hat. Es ist ein Sommer, der Präsenz einfordert, Intuition belohnt und Selbstbewusstsein voraussetzt. Kleidung ist kein Accessoire mehr, sie ist ein Filter, ein Spiegel, ein Feld, das den Körper und den Geist durchdringt. Kleidung als Zustand und Zustand als Mode.

NOTIERT

Sie waren Unternehmensberater und haben dann angefangen, Notizbücher zu produzieren. Wie kam es dazu?

Ich fühlte mich irgendwie verloren, wollte nicht mehr als Unternehmensberater arbeiten. Ich habe dann einfach gekündigt, ohne zu wissen, was ich nachher machen soll. Ich habe immer gerne geschrieben, aber nie das Notizbuch gefunden, das ich wirklich mag. Also habe ich einfach begonnen, selbst eines zu machen. Wir produzieren heute alles in Wien, die Rohstoffe kommen aus Europa. Mein Anspruch ist es, das beste Notizbuch der Welt zu machen.

Wie viele Notizbücher benützen Sie denn gleichzeitig?

Ich verwende immer mindestens drei. Neben meinem Business-Notizbuch, einem trifold, mit dem ich meine Woche organisiere und Ziele aufschreibe, habe ich auch eines für Notizen, wenn ich unterwegs bin. Zu Hause liegt noch ein großes A4-Notizbuch für persönliche Gedanken. Ich besitze sie zwar in allen Farben, aber komme doch immer wieder auf meine erste Farbe „Cognac“ zurück.

Papier ist geduldig, sagt man – haben Sie sich verändert, seit Sie schreiben? Komplett. Mein Leben wurde vom Schreiben beeinflusst. Auch vom Lesen. Das Schreiben selbst und das Reflektieren sind ein unglaublich wichtiger Teil der Selbstentwicklung. Es gibt einen schönen Satz von Albert Camus: „Il y a un temps pour vivre et un temps pour témoigner de vivre“, „Es gibt eine Zeit zu leben und eine Zeit, das Leben zu reflektieren“. Das ist es. Man muss sich diese Zeit nehmen – zum Leben, aber eben auch eine Zeit, darüber zu schreiben und das Erlebte zu verarbeiten.

Hat sich die Rolle von Notizbüchern vielleicht sogar verändert?

Hat sie sich geändert? Leute verwenden Notizbücher seit etwa 500 Jahren. Unlängst habe ich eine Biografie von Benjamin Franklin gelesen. Er verwendete sein Notizbuch, um sich selbst zu reflektieren und zu verbessern. Hier sehe ich eine gewisse Kontinuität. Gleichzeitig gibt es seit vielleicht zehn Jahren einen klaren Gegentrend zur digitalen Welt. Es geht darum, abzuschalten, um sich wiederzufinden. Dafür braucht man ein Medium. Einen Safe Place.

„Zeig mir dein Notizbuch und ich sag dir, wer du bist“ … Inwiefern lässt das Notizbuch Rückschlüsse auf den Menschen zu, der es nutzt? Auf unseren Social-Media-Plattformen zeigen wir gerne Leute und ihre Notizbücher. Und es ist jedes Mal komplett anders. Ein Notizbuch ist wie ein Spiegel der Person, die es benutzt. Aber ich glaube, dass die wichtigste Frage zuerst ist: Hast du ein Notizbuch?

Tagebuch, Kalender, Skizzenbuch – benützen Menschen sie auch auf überraschende Art? Ja, jedes Konstrukt ist einzigartig. Manche falten jede einzelne Seite im Inneren, wodurch dreidimensionale Kunstwerke entstehen. Andere füllen die Seiten mit künstlerischen Collagen. Es gibt auch Menschen, die keine einzige Linie

auslassen beim Befüllen der Seiten. Vor Kurzem haben wir eine Community entdeckt, die die Einbände mit Cross Stitching versehen. Jetzt veranstalten wir dazu sogar einen Workshop gemeinsam mit einer Influencerin aus Deutschland. Wir haben außerdem eine Mitarbeiterin, die Tattoo-Künstlerin ist. Mit ihr haben wir ausprobiert, ob man Ledereinbände tätowieren kann. Und es hat super funktioniert! Haut ist eben Haut.

Es gibt so viele Apps, mit denen man ganz schnell Notizen oder Kalendereinträge digital verwerten kann. Inwiefern kann ein Notizbuch da überhaupt mithalten? Die Frage ist eigentlich umgekehrt: Wie können Apps da mithalten? Ein Notizbuch hat immer Akku. Es geht nicht nur darum, Notizen zu machen. Es geht darum, das eigene Leben zu organisieren – mit einem Produkt, das uns täglich begleitet. Es geht um eine Beziehung zu etwas Physischem, etwas Persönlichem. Es geht darum, sich bewusst Zeit zu nehmen. Es geht um eine gewisse Intimität, die man mit einem Notizbuch hat. Ich glaube, je digitaler wir werden, desto wichtiger werden Notizbücher.

Sie sind aus Frankreich, wohnen in Wien, exportieren in die ganze Welt – ein grand voyageur also. Wie international ist ein Notizbuch? Funktioniert es überall? Ich glaube schon. 95% der Produkte exportieren wir. Wir

DASS MEIN DRUCKER AN DIESEM TAG NICHT FUNKTIONIERTE, WAR WOHL SCHICKSAL. SO MUSSTE ICH DIE FRAGEN FÜR DAS INTERVIEW MIT JÉRÔME BACQUIAS, DEM GRÜNDER VON PAPER REPUBLIC, IN MEIN ORANGEFARBENES GRAND VOYAGEUR-NOTIZBUCH SCHREIBEN. JA, DAS HAT LÄNGER GEDAUERT ALS ÜBLICHERWEISE. ABER GLEICHZEITIG HAT DAS HÄNDISCHE NOTIEREN ETWAS IN MIR AUSGELÖST. DIE FRAGEN HABEN SICH VERÄNDERT UND WURDEN TIEFSINNIGER. UND DOCH IST ES NUR PAPIER IN EINEM LEDEREINBAND, ODER NICHT? EIN REFLEKTIERTES GESPRÄCH ÜBER DAS SCHREIBEN, VERGÄNGLICHKEIT UND EINEN TREUEN BEGLEITER ALS SPIEGEL EINES LEBENS – MIT EINER PRISE FRANZÖSISCHEM FLAIR, EINEM HAUCH POESIE UND UNZÄHLIGEN GALGENMÄNNCHEN.

verkaufen nach Südamerika, Japan, Afrika, Alaska. Schreiben ist ein Grundbedürfnis der Menschheit, denke ich. Es gibt jedoch Unterschiede, welche Lineaturen bestimmte Länder bevorzugen. Manche haben lieber karierte Blätter, manche linierte …

Und wie männlich ist es, Notizbücher zu verwenden? So viele männliche Schriftsteller haben

in Notizbücher geschrieben. Sich selbst ausdrücken zu wollen, ist ein universelles Bedürfnis. Ich würde da keinen Unterschied zwischen Mann und Frau machen. Es mag sein, dass es unterschiedliche Arten gibt, wie Notizbücher verwendet werden, aber unsere Kundschaft ist bunt gemischt. Es gibt auch keine Farbe, die männlich oder weiblich wäre.

Mit la maison geben Sie den Notizbüchern auch ein physisches Zuhause. Wie wichtig ist es, der Community einen Raum zu geben?

La maison ist ein Ort, an dem man sich sicher und wohl fühlt. Man muss dafür nicht unbedingt Teil einer Community sein oder werden. Er ist für alle offen. Man soll reinkommen und sich wohl fühlen, ohne etwas zu kaufen. Es soll auch ein Ort sein, wo man nette Leute trifft und spannende Sachen lernen kann – wir veranstalten hier Workshops. Und natürlich kann man die Notizbücher hier auch sehen, angreifen und riechen.

Pflanzlich gegerbtes Leder entwickelt mit der Zeit eine Patina. Sehen Sie darin eine Metapher für das Leben?

Ja, genau so ist das. Es ist die direkte Reflexion von dem, was man erlebt hat. Es ist wie eine zweite Haut. Die Leute schätzen sehr, dass es nicht perfekt ist. Das Leder hat Spuren, Kratzer. Es ist etwas sehr Persönliches. Wir haben in la maison einen ganzen Stapel voll mit Notizbüchern, die schon Patina haben. Die Leute mögen das.

Womit wird die nächste leere Seite in Ihrem Leben befüllt?

Es gibt viele leere Seiten, die befüllt werden. Die Notizbücher sind wie ein Ökosystem, das es stets zu erweitern gilt. Es gibt Hüllen und Dinge, mit denen man sie füllt. Wie Hardware und Software. Worauf ich mich immer freue, um im wahren Sinn des Wortes zu bleiben, ist, mit meinen Töchtern Zeit zu verbringen und leere Seiten zu gestalten. Die Notizbücher sind Orte, an denen wir uns treffen, skizzieren und malen oder „Pendu“, also „Galgenmännchen“, spielen. Wir haben schon unendlich viele Notizbücher voll mit Galgenmännchen.

FALLS DIE UHREN MAL WIEDER AUF FÜNF VOR STRESS STEHEN: IN SÜDTIROL

FINDET JEDES JAHR AM ENDE DES SOMMERS EIN SCHAULAUFEN STATT, DAS AUF BESONDERE WEISE ERDET UND ENTSCHLEUNIGT: DER SCHAFABTRIEB IM RAHMEN DER LEGENDÄREN TRANSHUMANZ. EINE STILLE SELBSTERFAHRUNG, DIE AM LAUFSTEG BEGINNT UND BIS AUF 2300 METER FÜHRT.

IN RUHE UND STILLE

ZU DEN LAUFSTEG-NATUREN

Es ist einer dieser feinen Abende, zu denen man geladen ist. Ein renommiertes Wiener Fashion-Label bittet zur Show. Man begrüßt, man busselt, man unterhält sich. Häppchen, Prosecco und Wein werden gereicht, Gemälde und Zeichnungen präsentiert, eine Jazz-Band spielt auf – bis schöne Frauenkörper in traumhaften Kleidern am Publikum entlangdefilieren, als hätte sich ein kühler Fallwind auf ihre Gelenke, Gesichter und Gemüter gelegt. Attitüde unter allerfeinsten Stoffen. Das Besondere bühnenadäquat inszeniert.

Zwei Tage später in Südtirol wartet ein Erlebnis, das einen etwas anderen Laufsteg zum Hotspot avancieren lässt. Steil und steinig führt zunächst ein Weg vom

Dorf Vernagt durchs Tisental weit hinauf. Lärchenwälder und Wiesen säumen ihn, während kleine Bäche durch dichtgrünen Wildwuchs Richtung Tal plätschern. Auch die heute erwarteten Models entstammen einer etwas anderen Natur. Jetzt am Morgen dürften sie sich gerade von 3000 Metern Seehöhe abwärts drängeln, schieben, laut blökend ihre Hirten auf Trab halten. Von diesem uralten archaischen Brauch ist hier auf 1700 Metern noch nichts zu sehen und zu hören. Bis auf das Läuten einiger Kuhglocken Ruhe pur. Somit lässt sich still und leise der Transhumanz entgegenwandern, dem alljährlichen Schafabtrieb vom österreichischen Ötztal zurück ins Schnalstal in Südtirol. Wobei es „still und leise“ nicht ganz trifft.

Text + Fotos: René Wentzel

LOSLASSEN

AUF ANDEREM

WEG

Gedanken und Gefühle tummeln sich stets in unseren Köpfen, als wären sie ein Taubenschlag. Nicht selten zeugen davon Versatzstücke mit sich selbst geführter Dialoge, indem sie den Weg nach draußen finden. „Fuck!“ Der Wald schweigt. „Hätte ich doch nur!“ Die Dohle schaut. „Wohin führt der ganze Stress?“ Der Bach plätschert dahin. Viele Dinge und Fragen treiben uns um: von jenen der Arbeit und Gesundheit über unsere Selbstwertbefriedigung auf Social Media bis hin zur Liaison vielleicht mit einer Schauspielprofessorin, die sich hinter ihrem samt-seidenen Vorhang aus perfekt gewebten Worten kaum zu zeigen vermag. Schade. Doch ist bei all der Südtiroler Bergluft sowie der bald schon meditativen Schritt- wie Atemfrequenz immer noch der Weg das Ziel. Etwas Steigung braucht es bis zu den Schwellen der Erkenntnis freilich noch. Aber mit einer mehr oder weniger schweigsamen Hotspot-Wanderung wird das schon werden.

Dann endet der Lärchenwald. Eine Ebene aus Gräsern, Flechten und Moosen reicht in spätsommerlichen Grün- und Gelbtönen bis an die Bergmassive der südlichen Ötztaler Alpen. Tief ziehende Wolken kappen die Bergspitzen, verdichten das Areal zu einer geheimnisvollen Landschaft, die von äußerer Stille geprägt, von zahllosen Felsgesteinen durchzogen und mit wenig Sonnenlicht bedacht ist. Der Wind bläst kühler, die Luft wird dünner. Selbst eingefleischten Kopfmenschen fällt es nun langsam leichter, sich mehr vom Aufstieg als vom Gedankenwälzen ermüden zu lassen. Man hört und spürt in sich hinein, lauscht der Pumpe, die nun druckvoller arbeitet, bemerkt den Atem, der nun schwerer geht sowie die Schweißperlen, die zwischen den Schulterblättern nach unten laufen. Mit der Selbsterfahrung geht es indes weiter bergauf. Auf 2300 Metern weitet ein Plateau den Blick erneut und hält einen von vielen riesigen Felsbrocken zum Raufklettern und Ausruhen bereit.

WIRD

Während warmer Tee und belegte Brötchen aufgrund der unwirtlichen Umgebung zu einer Art sensorischer Neuerfahrung werden, begibt sich die Pumpe langsam wieder auf Ruhe-Niveau. Diese Stille an diesem Ort ist ein Ereignis. Keinen konsum-gepushten Begeisterungspuls braucht es, um sie zu empfinden. Es genügt, Blicke und Gedanken schweifen sowie Farben, Formen und Lichtstimmungen auf sich wirken zu lassen, das Bergpanorama in sich aufzunehmen. Einfach sein. Ruhig. In und bei sich. Die Rastlosigkeit unserer Zeit verzieht sich dagegen ins Hinterzimmer unseres Geistes, eine wunderbare Weile lang.

Weit hinten am Fuße des Niederjochs machen sich nach einer Stunde der Ruhe und Erwartung nun die Laufsteg-Naturen bemerkbar. Zunächst nur in Schemen erkennbar, schlängeln sich unzählige Schafe den steilen Hang hinab. Mit ihnen kommen auch das Blöken sowie das Läuten der Schafglocken immer näher und breiten sich schließlich in der Ebene aus,

das Rasten und Grasen beginnt. Mehr als ein Dutzend Hirten sind mit 1300 Schafen in den frühen Morgenstunden von den Sommerweiden des österreichischen Ötztals aufgebrochen, um über das Niederund Hochjoch zurück nach Südtirol zu gelangen. Der beschwerliche, nicht ungefährliche Weg führt teils über Felsrinnen, Schneefelder und Grate – und als weltweit einziger Schafabtrieb über einen Gletscher, der zwei Nationen miteinander verbindet. Schon viel wurde über die Transhumanz erzählt: Dass ein bis heute gültiges Weiderecht aus dem 14. Jahrhundert den Schnalser Bauern erlaubt, ihre Schafe im Sommer im Ötztal weiden zu lassen. Dass sich über Grenzen und Generationen hinweg Bräuche sowie soziale und kulturelle Beziehungen entwickelt und gehalten haben. Oder auch, dass Manuel Götsch, Oberhirte der Transhumanz, sich für nachhaltige Landwirtschaft, Biodiversität sowie die traditionelle Herstellung von Milch- und Wollprodukten engagiert. Jüngere Menschen sollen dieses kulturelle Erbe weiter pflegen.

schnalstal.it

Sich gepflegt ins Moos zu legen und diese Szenerie zu beobachten, ist ähnlich großartig: Die Schafe sind mit roten, gelben, violetten oder blauen Punkten markiert, um sie ihren Besitzern und Zuchtvereinen zuordnen zu können. Und die sind mächtig stolz auf ihre Tiere, vor allem auf die schönsten und bestgenährten. Da braucht es kein wichtiges „I’m so proud to be part of the team!“. Es reichen strahlende Besitzeraugen sowie ein Lachen, das den halben Erdkreis umspannen könnte. Als die Sonne immer mehr durch die Wolken blinzelt, beginnt das große Schmücken: Farbenfrohe Stoffblumen, die vom alten Sauter Sepp zurechtgelegt wurden, werden von den Hirten und Treibern am Fell ihrer schönsten Schafe befestigt. Störrisch wie diese sind, sind schon ein paar Männer mehr nötig. Das Zeremoniell begehen sie mit tatkräftiger Allerweltsruhe sowie humorigem Schlagabtausch untereinander. Und auch hier: einfach nur zuschauen, ganz nah sein, wirken lassen – sowie einem Border Collie das Fell streicheln, nachdem er sich plötzlich zu einem an die Seite gelegt hat, als gehöre man zur Familie. Stilles Glück mit einem Hirtenhund.

Am Nachmittag heißt es schließlich: Abmarsch! Wieder hinunter ins Tal nach Vernagt, wo Tausende Menschen die geschmückten Nature Models

zurückerwarten. Vor uns liegt ein naturbelassener Laufsteg, wie ihn die Jahrtausende schufen, umstanden von Bergen, die wie riesige Gemälde und Zeichnungen in der Landschaft stehen. Die Show beginnt. Unter lautem Blöken und Glockenklimpern setzen sich die Schafe in Bewegung. Hirten und Treiber führen mit Pfiffen, Kommandorufen und Hunden ihre Herde, die bald so schnell und trittsicher im unwegsamen Gelände defiliert, dass Ungeübte aufpassen müssen, nicht komplett aus der Ruhe zu kippen oder sich die Knochen zu brechen.

Die Transhumanz ist eine sehr geerdete und deshalb wunderbare Selbsterfahrung. Wenn dieses uralte Brauchtum zum immateriellen Weltkulturerbe der UNESCO gehört: Was ist dann mit jenem Schatz, den wir uns täglich selbst vererben – unserer Persönlichkeit? Können wir mit unseren Gedanken und Emotionen so umgehen, dass wir uns nicht verlieren zwischen all den Befindlichkeiten, den To-dos und der Rastlosigkeit des Alltags, sondern all das zum Wohle unserer inneren Balance abfedern? In Watte packen sollten wir uns nicht. Sich auf Moos zu betten und Hirten bei ihren uralten Ritualen zuzuschauen, ist da schon eine andere Idee. Mitte Juni beim Schafübertrieb nach Österreich gibt es erneut die Gelegenheit dazu.

WENN STILLE
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