Skip to main content

Leseprobe Führung im Verein

Page 1


Lachmair | Höhne

Führung im Verein

Leadership, Change und rechtliche Aspekte

mit Mustern, Übungen, Tipps und Praxisbeispielen!

Lachmair | Höhne

Führung im Verein

Leadership, Change und rechtliche Aspekte

Führung im Verein

Leadership, Change und rechtliche Aspekte

von

Dr. Siegfried Lachmair MBA

Dr. Thomas Höhne

LexisNexis® Österreich vereint das Erbe der österreichischen Traditionsverlage Orac und ARD mit der internationalen Technologiekompetenz eines der weltweit größten Medienkonzerne, Reed Elsevier. Als führender juristischer Fachverlag deckt LexisNexis® mit einer vielfältigen Produktpalette die Bedürfnisse der Rechts-, Steuer- und Wirtschaftspraxis ebenso ab wie die der Lehre. Bücher, Zeitschriften, Loseblattwerke, Skripten, die Kodex-Gesetzestexte und die Datenbank LexisNexis® Online garantieren nicht nur die rasche Information über neueste Rechtsentwicklungen, sondern eröffnen den Kunden auch die Möglichkeit der eingehenden Vertiefung in ein gewünschtes Rechtsgebiet. Nähere Informationen unter www.lexisnexis.at

Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

ISBN 978-3-7007-6189-1

LexisNexis Verlag ARD Orac GmbH & Co KG, Wien http://www.lexisnexis.at Wien 2015

Best.-Nr. 97.103.001

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlags reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Es wird darauf verwiesen, dass alle Angaben in diesem Werk trotz sorgfältiger Bearbeitung ohne Gewähr erfolgen und eine Haftung des Verlags, der Herausgeber und der Autoren ausgeschlossen ist.

Foto Lachmair: privat

Druckerei: Prime Rate GmbH, Budapest

Vorwort

„DerVereinalsUnternehmensform“ hießdasBuch,daseinerderbeidenAutorendes nunvorliegendenWerks, SiegfriedLachmair,imJahr2003herausbrachte.Nachwie voristderunternehmerischeAspektinderTätigkeitvielerVereineeinwesentliches Thema.DassVereineunternehmerischtätigseindürfen,stehtmittlerweilenichtnur außerFrage,sondernistfürvieleVereinewesentlicheBedingungihrerExistenz.Das vorliegendeWerkhatseinenBlickwinkeljedocherweitert,nämlichaufFragenderFührungvonundinVereinenüberhaupt.NatürlichbetrifftdiesnachwievorunternehmerischtätigeVereine,werabermiteinemVereinetwas „unternehmen“ will,mussnicht immerunternehmerischimengerenSinnetätigsein.DennochwerdenfürjedenVerein vieleErfahrungen,dieeinerseitsinderFührungvonUnternehmengemachtwurden unddieandererseitsausdemBereichderklassischenUnternehmensformendesGesellschaftsrechtskommen,brauchbarsein.

DasvorliegendeBuchunternimmtes(mankann,wiemansieht,auchmiteinemBuch etwasunternehmen!),diesezweiAspektederVereinsführungzusammenzuführen:den Leadership-oderauchManagement-AspektunddenrechtlichenAspekt.Inseinem rechtlichenTeilkonzentriertsichdasBuchaufjeneAspekte,dieunterdemBlickwinkel derFührungbesondersbedeutsamsind;keinesfallskannhiereinÜberblicküberdas gesamteVereinsrechtgebotenwerden.UndauchinjenenTeilen,indenenrechtliche AspektederFührungdargestelltwerden,richtetsichdasBuchinersterLinieandiein denVereinentätigenPersonenundnichtanJuristen,sodassaufJudikatur-Zitateweitgehendverzichtetwurde.WersichmitrechtlichenFrageneingehenderbeschäftigen will,demseiendieimLiteraturverzeichnisangegebenenweiterführendenWerkeempfohlen.

BekanntlichistFührungmeistnichtsichtbarundwirdofterstdannbemerkt,wenndiesefehlt.1 DiesesBuchmöchteeinenBeitragdazuleisten,dassdieinVereinenTätigen sichmitFragenderFührungnichterstdannauseinandersetzen,wennsichdasFehlen derselbenbereitsschmerzhaftbemerkbargemachthat.

WirhabendiesesBuchfüralleMenschen,diemitVereinenberuflichwieauchprivat zutunhaben,ganzgleichobalsFührungs-Kraft,Funktionär,Mitarbeiter,Mitglied,ehrenamtlichEngagierter,Aufsichtsorgan,Berateroder „einfachnurInteressierter“ ,geschrieben.

DieehrenamtlichewieauchhauptberuflicheMitarbeitinVereinenbegeisterterfreulicherweisevielehunderttausendeÖsterreicher.Vereinsarbeitistkomplex,vielseitig undvielschichtig.DennesgehtumvieleThemen,FragenundvorallemEntscheidungen,dieeszutreffengilt.DazugehörtdasrichtigeGeschäftsmodell,dasFührenvon MitarbeiternundTeams,diePersonal-undOrganisations-Entwicklung,dasLösenvon Konflikten,dierechtlichundsteuerlichoptimaleGestaltungdesVereinsimRahmen derRechtsvorschriftenundvielesmehr.SieerhaltenmitdiesemBucheinübersichtlichesundkompaktgestaltetesPraxiswerkfürIhrenVereinsalltag.DieTheorieistmit

1 Vgl Seliger,DasDschungelbuchderFührung:EinNavigationssystemfürFührungskräfte,17f.

Übungen,Praxisbeispielen,MusternundTippssowieReflexionsfragenangereichert, umdemAnspruchvonPraxisundNutzenmöglichstgerechtzuwerden.DieInhalte sollen,ohneAnspruchaufVollständigkeit,dadiesdenRahmendiesesbewusstkurz gehaltenenKompaktwerkessprengenwürde,alsLeitfadenfürdenberuflichen(Vereins-)Alltagdienen.DiesesBuchistsomitauchalseineArtArbeitsbuchfürSiegedacht.Wirsindunsauchvollbewusst,dasseszudemvonunsverfasstenWerkbegründetegegenteiligeSichtweisenundMeinungengebenkannundwird,wasim SinnevonVielfaltundgemeinsamemLernendurchkonstruktivkritischenDialogdurchausgewünschtist.

WirhabenunsimSinneeinerleichterensowieflüssigerenLesbarkeitentschieden,auf dieunterschiedlicheAnsprachederGeschlechterzuverzichten.Esistfürunsselbstverständlich,dasssämtlichepersonenbezogenenBezeichnungenimmerfüralleGeschlechtergleichermaßengelten.

AndieserStellemöchtenwirauchunseren Dank ausdrücken:WirhabenunsganzbesondersüberdieUnterstützungen,dieErmutigungensowieauchdieaufgebrachteGeduldausunserempersönlichen,familiärensowieberuflichenUmfeldgefreut,waswir mitdiesenWortengarnichtgenugwürdigenkönnen.DiesgiltauchfürdenVerlag mitseinenunsbetreuendenMitarbeitern.

WirwünschenallunserenLesernjedenfallsvielSpaßbeimLesen,hoffentlichguteund vorallembrauchbareAnregungensowieeineerfolgreicheundFreudebereitendeAnwendungbzwUmsetzunginihrempersönlichen(Vereins-)Leben.

ÜberIhreAnregungensowiegelingendeDialogefreuenwirunsschonjetzt.Wirladen Siedaherherzlichein,mitunsalsAutorendirektKontaktaufzunehmen:

Dr.SiegfriedLACHMAIR(www.lachmair-consulting.com)

Dr.ThomasHÖHNE(www.h-i-p.at)

Linz/Wien,imJuli2015

SiegfriedLachmair ThomasHöhne

Lachmair/Höhne,FührungimVerein,LexisNexis

2.1.Selbst-Führung.... ..................................................................................4

2.1.1.Haltung,HaltundOrientierung......

2.1.2.PsychosozialeKompetenz....

2.1.3.IdentitätundWerte...

2.2.FührenvonMitarbeitern...... ................................................................14

2.2.1.Sinn,Anerkennung,MachtundSanktionen.....

2.2.2.FührenvonEhrenamtlichen.. .....................................................20

2.2.2.1.VerbessernderKommunikations-Prozesse....

2.2.2.2.PflegenderBeziehungen. .............................................22

2.2.2.3.EtabliereneinerKonflikt-Kultur...

2.2.2.4.EinsatzderEhrenamtlichennachQualifikation, ErfahrungundInteresse...

2.3.Team-Entwicklung

2.3.1.UnterschiedGruppeundTeam.

2.3.2.TeamtheorienachBelbinundTuckman...

2.3.3.DasRangdynamik-ModellnachSchindler.

2.3.4.Team-KategoriennachLachmair...

2.3.5.Führenvonvirtuellen(globalen)Teams

2.4.Personal-Entwicklung ...........................................................................39

2.4.1.DieStellenbeschreibung ............................................................39

2.4.2.DasEinstellungsgespräch...... .....................................................41

2.4.3.DasMitarbeitergespräch

2.4.4.DielaufendeKommunikationsgestaltung (inklFeedback-Loops) ................................................................45

2.4.5.DieMitarbeiterentwicklungund-bindung ..................................47

2.4.6.DasGehalts-Modell...

2.5.Organisations-Entwicklung... ................................................................49

2.5.1.Organisations-Resilienz.. ............................................................51

2.5.2.DieOrganisationVereinalslebendessozialesSystem ................58

2.5.3.NachhaltigeEntwicklungdurchOrganisations-Entwicklung ........60

3.KonfliktmanagementinVereinen.. ................................................................66

3.1.StreitschlichtungnachdemVereinsgesetz......

3.2.Nutzen,StärkenundVorteilevonMediation..

3.3.WerkzeugezurKonfliktbearbeitung .....................................................70

3.4.MediativesFührenalsentscheidendeKompetenzim21.Jhdt. ............80

II.DieFührungdesVereins – einigerechtlicheAspekte .......................................85

1.AlternativenzumVerein. ...............................................................................85

1.1.WarumüberhauptmitRechtsformenbeschäftigen?.. ...........................85

1.2.GesellschaftbürgerlichenRechts(GesBR)...... ......................................86

1.3.OffeneGesellschaft(OG)..... ................................................................87

1.4.Genossenschaft.... ...............................................................................88

1.5.Privatstiftung(PS).. ...............................................................................89

1.6.StiftungnachdemBundes-Stiftungs-undFondsgesetz(BStFG)... ........90

1.7.StiftungnacheinemderneunLandes-Stiftungs-undFondsgesetze.....90

1.8.KapitalgesellschaftenalsAlternativezumVerein?..... ...........................90

1.9.WannalsosollmaneinenVereingründen – undwannsichernicht?....93

1.10.GemeinnützigkeitalsKriteriumbeiderEntscheidungüber dieRechtsform?.... ...............................................................................94

1.11.OrganisationsformenimNPO-BereichimVergleich.. ...........................95

2.DerVerein ..................................................................................................104

2.1.DieStatutendesVereins ....................................................................104

2.2.Vereinsname... ...................................................................................105

2.3.SitzdesVereins.. ...............................................................................105

2.4.DerVereinszweck...... ........................................................................105

2.5.TätigkeitendesVereins/ArtderAufbringungfinanziellerMittel .........105

2.6.BestimmungenüberdenErwerbunddieBeendigung derMitgliedschaft...... ........................................................................106

2.7.RechteundPflichtenderVereinsmitglieder..... ...................................107

2.7.1.InformationsrechtederVereinsmitglieder.. ...............................108

2.8.OrganedesVereinsundihreAufgaben... ..........................................109

2.9.ArtderBestellungderVereinsorgane/Dauerihrer Funktionsperiode ...............................................................................110

2.10.ErfordernissefürgültigeBeschlussfassungendurchdie Vereinsorgane. ...................................................................................110

2.11.BestimmungenüberdiefreiwilligeAuflösungdesVereins unddieVerwertungdesVereinsvermögens.... ...................................111

3.BesondereFormenvonVereinen... .............................................................111

3.1.Zweigvereine..

3.2.Verband......

3.3.Dachverband..

4.DieTriasLeitungsorgan(Vorstand) – Geschäftsführung –Mitgliederversammlung ...............................................................................114

4.1.DasLeitungsorgan.....

4.1.1.BesondereAufgabenundPflichtendesLeitungsorgans..

4.2.DieMitgliederversammlung..

4.2.1.AufgabenderMitgliederversammlung..

4.2.2.DieLeitungderMitgliederversammlung...

4.2.2.1.RechteundPflichtendesVersammlungsleiters...

4.2.2.2.AblaufderHauptversammlung. ...................................122

4.2.2.3.Versammlungsführung... ..............................................122

4.2.2.4.Protokollführung .........................................................123

4.2.2.5.Abstimmungs-undWahlverfahreninderPraxis. .........123

4.3.Der „Geschäftsführer“ .......................................................................127

4.3.1.AufgabenverteilungLeitungsorgan – Geschäftsführung... .........128

5.DiePrüfer. ..................................................................................................129

5.1.DieRechnungsprüfer – wer,wieviele,werbestellt?.. ........................129

5.2.DieRechnungsprüfer – Eigenschaften.. ..............................................130

5.3.DieRechnungsprüfer – Aufgaben.... ..................................................131

5.4.Wieistzuprüfen?......

5.5.WaskönnendiePrüfer?. ....................................................................132

5.6.DerBericht. .......................................................................................133

6.Aufsichtsorgane... .......................................................................................135

6.1.Eigenschaften. ...................................................................................135

6.2.Kompetenzen. ...................................................................................135

7.DerVereinalsUnternehmer ........................................................................136

7.1.DerVereinalsRechtsformfürwirtschaftlicheTätigkeit...

7.2.WasdarfderVerein?WannunterstehterdemUGB? ........................137

8.DieHaftungdesVereins,seinerMitgliederundOrgane..... ........................140

8.1.DieHaftungderVereinsorganeundRechnungsprüfer imInnenverhältnis...... ........................................................................140

8.2.Haftungnachaußen(=gegenüberVereinsgläubigern).. ....................142

8.2.1.Kridahaftung.... ........................................................................142

8.2.2.Insolvenzverschleppung.. .........................................................143

8.2.3.WeiteregesetzlicheHaftungstatbestände. ...............................144

8.2.4.InterneGeschäftsverteilung – hilftdas?. ...................................145

8.2.5.HaftungdesVereinsfürOrganeundRepräsentanten..... .........146

8.2.5.1.Verbandsverantwortlichkeitsgesetz......

9.DieEntlastung.....

9.1.Bedeutung..

9.2.AnspruchaufEntlastung?......

10.Insichgeschäfte.....

10.1.Wasistdasüberhaupt?..

10.2.BesonderheitimVereinsrecht...

11.StreitigkeitenimVerein

11.1.NotwendigeinterneStreitschlichtung..

11.2.WelcheStreitigkeitengehörenvordasvereinsinterne Schiedsgericht?...

11.3.Fristen.

12.Die(freiwillige)AuflösungdesVereins......

KonfliktManagement

Sich selbst führen

Mitarbeiter führen

FührungsKompass

OrganisationsEntwicklung

TeamEntwicklung

PersonalEntwicklung

Abb1:DerFührungs-Kompass

DieobigeDarstellungdesFührungs-KompassesmitdenzentralenAufgabenvonFührungistnichtsequentiellzuverstehen,sondernalleAufgabensindgleichwichtig,miteinandervernetztundfindenoftzugleichstatt.Manchmalstehtdieeineoderandere etwasmehrimVordergrund.NichtsdestotrotzsollteSelbst-FührungalszentraleAufgabeamBeginnstehen,bevormanandereMenschenführendarf.

Körper,Geist undSeele

Wiegesund fühleichmich inmeinem Körper?

SozialesNetz (-werk)

Arbeit,Leistung undFreizeit

Wiezufrieden binichmit meinen (Arbeits-) Beziehungen? Istdiesein Balance? BinichmitmeinenFähigkeiten richtigeingesetztundkann ichmeinTun verantworten?

Materielle Sicherheitund Ökologie

Werteund Normen

Wiezufrieden binichmit meinerexistenziellen Sicherheit? Wasistmir wichtig? Wofürstehe ich? Wasistfür michder tiefereSinn? Wasbinichmir selbstwert?

Sinn(Bewusstsein)alsFundament

Abb2:DasHausderIdentität34

DiesefünfSäulenzeigen,dassunsereIdentität(Werbinich?Wasmachtmichaus? Überwasdefiniereichmich?...)vondiesenSäulengebaut,gestütztundgetragen wird.BeieinerschwerenSinn-bzwIdentitätskrisewürdeneineodermehrereSäulen wegbrechen,sofernnichtdieanderenSäulendiesausgleichenkönnenundsowieder zurStabilisierungbeitragen.Zentralist,dassdieseSäulensichwährenddesLebens immerwiederändernundentwickeln,womitauchdieIdentitäteinesMenschenein LebenlanginEntwicklungundVeränderungist.

DieFrageninderobigenAbbildungsowiediefolgendenFragenkönnenalsÜbung zurpersönlichenWeiterentwicklungalsFührungs-KraftdienensowieauchzumStärken dereigenenResilienz(„Widerstandskraft“)undGesundheitverwendetwerden.Dabei nehmenSiebittejeFragedieEinstufungbeidenAntwortenmit1–5(1=sehrgut; 5=negativ/schlimmergehtesfastnichtmehr)vor.

Übung8:

Wiegesundfühleichmich(alsFührungs-Kraft)inmeinemKörperalsHaus,dasmich undmeinInneresschützt?

Wiezufriedenbinichals(Führungs-Kraft)mitmeinen(Arbeits-)Beziehungen?

IstdasVerhältniszwischenArbeitundFreizeitinBalance?

WiesiehtesmitmeinermateriellenSicherheitundUnabhängigkeitaus? WassindmeinepersönlichenWerteundwieistesumdiesebestellt?

33 AngelehntandiefünfSäulenderIdentitätnach Prof.HilarionPetzold

34 DieFrageninderAbbildung2wurdenvomAutorimJahre2013gemeinsammitderliebenKollegin ReginaObermayr-Breitfuß imRahmeneinerSeminarvorbereitungzumThema „Gesund/ResilientFührenund ArbeiteninOrganisationen“ entwickelt.

Ending (Adjourning nach Tuckman genannt)

DiefünftePhasegiltfüralleTeams,diezBnurbefristet,wiebei Projekt-Teams,zusammenarbeiten.JedochauchwenneinTeamMitgliedseinTeamverlässt,erfolgteineArt „Teil-Auflösung“ HieristesaussystemischerSichtbesonderswichtig,denAbschied fairzugestalten,dieMitarbeitdieserPersonzuwürdigenundein (kurzes)Team-RitualfürdenAbschiedausdemTeamsamtAusdruckdesDankesvorzusehen.Undbesonderswichtigistauch: WiewirdeinallfälligerNachfolgeroderneuerMitarbeiterins Teamaufgenommen.Hoffentlichoffenundfreundlichoderdoch leidereherdistanziertundskeptisch?

Abb4:Phasen-ModellderTeam-EntwicklunginAnlehnungan Tuckman

WasdasobenbeschriebeneModellbetrifft,sodurchlaufennichtalleTeamsdiese PhasenlinearundesschaffenauchnichtalleTeamsbiszumPerforming.Manchmal kannauchdieKonflikt-Phase(=Storming)ausbleiben,abhängigvomjeweiligen Team.UndselbsteineeinmalerreichteArbeitsphase(=Performing)istkeinsicherer Dauer-Zustand,sonderndarfimmerwiedererarbeitetbzw „ gepflegt “ werden.Wie langedieeinzelnenPhasendauernundwieintensivdiesesind,isteinerseitsabhängigvomGeschickdesTeam-Leiters,diesenEntwicklungs-Prozesszubegleitensowie zuunterstützenundandererseitsvondenTeammitgliedernselbst.Dh,wiegutund wielangekennensichdieseschon,wieteamfähigsinddiesewirklich,wiegutkönnen sieinderPraxismitUnterschieden(Stichwort „ DiversitätundInklusion“)sowieanderenSichtweisen...kooperativumgehen. 50

ImLaufederEntwicklungeinerGruppezumTeammiteinemgemeinsamentwickelten, klaren Ziel-Bild imVerein,aberauchinjederanderenOrganisation,müssenvonden MitgliedernfolgendeFragengemeinsambesprochen,geklärtundvereinbartwerden. DiefolgendeAbbildung5(ChecklistezurTeam-Analyseund-Entwicklung)solltevom Team-LeiterzurVorbereitungeinesTeam-Entwicklungs-ProzessesimVorfeldbereits fürsichalleinbeantwortetwerden.GenausosolltendiesdieTeam-Mitgliederbiszum genanntenTeam-Entwicklungs-Terminjeweilsfürsichausarbeiten.

Übung10:

AntwortenSiebittemöglichstkurz, stichwortartigundverständlich:

WassindunsereZieleundAufgabenim Team?

Woranerkennen/messenwiralsTeam,dass wirErfolghaben?

WiesinddieRollenformellbzwinformellim Teamverteilt?

50 Vglhierzuauch: Glatz/Graf-Götz,HandbuchOrganisationgestalten,220ff; Ferrari/Rühl,FührungsKraft entwickeln,37f.

Wersollwofürmitwemundwiesowiewann zuständigundverantwortlichsein?

Wiesollenunsere(Arbeits-)Abläufegestaltet sein?

WiesinddieSchnittstellenzuanderenBereichen/Stakeholderngeregelt?

Wiewollenwirmiteinanderumgehen?

WiemöchtenwirSpannungen,Konfliktebzw Problemegemeinsam(frühzeitig)lösen?

WietreffenwirEntscheidungenimTeam: WelchetrifftderTeam-Leiter?

WelchedasgesamteTeam?

UndwelchedaseinzelneTeam-Mitglied selbst?

WelcheWertemöchtenwiralsTeamleben?

WiegebenwireinanderehrlichFeedback?

WasbedeutetfürunsSelbst-Organisation ganzkonkret?

Abb5:Diagnose-InstrumentzurTeam-Analyseund-Entwicklung (©SiegfriedLachmair/Linz/2015)

DieAufgabedesTeam-Leitersistes,dasTeamdurchaktivesZuhörenundinteressiertesFragenzuunterstützensowieBeobachtung,ReflexionundFeedbackzumfesten Team-BestandteilzumachenundsodieEntwicklungvon Team-Autonomie zufördern. Dieskannweitergelingen,indemmanFührungundSteuerungdemgesamtenTeam selbstüberträgtundsichalsTeam-LeiternochmehrzurücknimmtaufdasreineBegleitenundCoachen,dasGebenvonRückmeldungensowiefürReflexions-Schleifenim Teamsorgt.Diesistjedochnurmöglich,wenndasTeambereitsdiePerforming-Phase erreichthatundauchwirklichbereitist,diese Selbststeuerung zuübernehmen.

Für(neue) Team-Leiter undderenTeamempfehlensichweiterfolgendepraktische „To-dos“ möglichstgleichvonBeginnan:

Übung11:

• SorgenSiefüreinrasches,gemeinsamesKennen-LernenimTeam.Diesgiltnoch vielmehrfür virtuelle Teamsundsolljedenfalls „face-to-face“ externzBinRahmen eines2-tägigenTeam-WorkshopsmitexternerBegleitung/Moderationerfolgen.

• KlärenSiebittegleichvonBeginnanmitjedemeinzelnenTeam-Mitglied,wasdiesessicherwartet,hörenSiedabeiaktivoffenzuundfragenSieinteressiertnach.

• SagenSie,wasIhreZieleundErwartungensindundwofürSie(nicht)stehen.

• SetzenSieklareZiele,dieambitioniertunderreichbarsind.

ProduktivitätsTeam ErfolgsTeam ScheinTeam FunTeam

tät bedeutet,dassman dierichtigenDingetut unddiesanhanddesWirkungsgrades feststellenkann.DazueinkurzesBeispiel:EinVerein,derzB „BetreuungfürJugendlicheinWohngemeinschaften“ anbietet,obwohlestatsächlichaberkaumJugendliche mitdiesemBedarfimUmfeld(zBimRadiusvonca.35km)desVereinsgibt,istsomit nichteffektiv,dadieserVereinLeistungenanbietet,dienichtoderkaumnachgefragt werden.Eskönnteabersein,dassderVereinsehrwohlinderLageist,dieseLeistungeneffizientzuerbringen.TrotzdemwirdderVereinwahrscheinlichmangelsNachfragekaumKundenbzwKlientenhaben,wasfürdieseninfolgedessenwahrscheinlich sehrbaldzuwirtschaftlichenSchwierigkeitenführenwird. hoch hoch

Effektivität

(= Die richtigen Dinge tun)

Abb6:Die4-Team-Kategorien/EinDiagnosetoolzurTeam-Analyse©SiegfriedLachmair54 DamitmaninderPraxisprüfenkann,welcheKategorieaufeinTeamzutrifft,werdenje zehnFragenzurAnalyseder Effizienz sowiejezehnFragenzurAnalyseder Effektivität gestellt.DieseFragenwerdenjeweilsmitJaoderNeinbeantwortet.Beim ScheinTeam sindsowohldieEffizienzalsauchdieEffektivitätniedrig.Beim ProduktivitätsTeam istdieEffizienzhoch,jedochdieEffektivitätniedrig.Beim Fun-Team wiederum istdieEffizienzgering,dafürdieEffektivitäthoch.Nurdas Erfolgs-Team hatsowohleinehoheEffizienzwieaucheinehoheEffektivität.55

ZehnFragenzur Effizienz:56

1.Team-Meetingsbeginnenundendenpünktlich.

2.Team-MeetingshabeneineoffizielleAgenda,dieimVorauszeitgerechtversandt wird.

3.Team-MeetingsendenmiteinemErgebnis-ProtokollsamtverbindlicherAktivitätenListe.

54 Entnommenaus: Lachmair in Pühl,aaO,60f.

55 Vgl Lachmair in Pühl,aaO,60f.

56 Vgl Lachmair in Pühl,aaO,60f.

2.WiehabenSiepersönlichdenTeam-Prozesserlebt/beeinflusst?

3.WaskonkretwürdenSieausheutigerSichtandersmachen?

UndzuguterLetztnocheinHinweisalsAutorzuvirtuellerTeamarbeitsowievirtuellem Führen: „Distancestillmatters.“

2.4.Personal-Entwicklung

„MancheMenschenhaltendas,wassiedreißigJahrelangfalsch gemachthaben,fürErfahrung.“

MullaNasrudin

IndiesemTeilwerdendiegängigenInstrumentezurPersonal-EntwicklungsowieMitarbeiter-Bindungangeführt,ohneAnspruchaufVollständigkeitzuerheben,dadies denRahmendieseskompaktenPraxis-Werkessprengenwürde.AusmeinerSichtzählendazuimWesentlichenfürjedenVerein:

• DieStellenbeschreibung

• DasEinstellungsgespräch

• DasMitarbeitergespräch

• DielaufendeKommunikationsgestaltung(inklFeedback-Loops)

• DieMitarbeiterentwicklung/-bindung

• DasGehalts-Modellund

• Team-Entwicklung(vglSiedazubittedieAusführungenimKapitel2.3.)

2.4.1.DieStellenbeschreibung

DieStelleistinjedem/rVerein/OrganisationdiekleinsteEinheit,inderAufgaben,Arbeitsmittel,Befugnisse,VerantwortungunddiedafürzuständigePersonsinnvollzusammengeführtwerden.BevordierichtigePersongesuchtwird,istzuerstdieAufgabe natürlichvorhanden.Stellensollensogebildetwerden,dasssichdiezuerledigenden (Fach-)Aufgabensinnvollergänzen,dassdieAufgabenabwechslungsreichimSinne voninteressantundnichtmonotonsind,dassdiezuerledigendenAufgabenauchselbständigvomMitarbeitererledigtwerdenkönnenunddasseszukeinerÜber-oderUnterforderungkommt.WeitersindbeiderBeschreibungeinerStellenichtnurdieAufgabenanzuführen,sondernauchdieKompetenzen(BefugnisseundMittel)unddie VerantwortungdesStelleninhabersfürdieDurchführung.DieswirdinderOrganisations-Entwicklungauchals „AKV“ (=Aufgaben,KompetenzenundVerantwortung) bezeichnet.ImDetailerfolgtdiesallesinderStellenbeschreibung.Vorallemineher kleinenVereinengibtesentwederkeineStellenbeschreibungoderistdiesnicht erwünscht,da,wiebereitsmehrmalsangeführt,inVereinenzumTeildieTendenzbesteht,dasInformelledemFormellenvorzuziehen.FürFührungs-KräfteistesjedochessentielldieStellenbeschreibungenimmerwiederaufdenaktuellenStandzubringen

hoch

Effizienz-Falle

GelebteBalance

niedrig „krankeOrganisation“ Effektivität

EFFIZIENZ

(=DieDingerichtig tun) niedrig hoch

EFFEKTIVITÄT

(=DieRICHTIGENDINGEtun)

Abb8: „DieEffizienz-Falle“ (©SiegfriedLachmair/Linz/2015)

Die Effizienz-Falle85 bedeutet,eineOrganisationbeschäftigtsichvorallemmitsich selbst:

DazuexemplarischeinigeanschaulichePraxis-Beispiele:

• MöglichstallessollimmerschnellergehenbeiimmerwenigerPersonal.

• Hinzukommen – nebenvielzuvielenvonaußenvorgegebenenBestimmungenund Gesetzen – nochzusätzlichinterneNormen,RegelnundVorgaben,dieimmerwenigerMitarbeiterwieauchteilweisedieFührungs-Kräfteselbstverstehen.

• EssindimmermehrsowienochdetailliertereBerichte,Formulare,Listen,Statistiken etcinimmerkürzerenAbständenzuerstellenbzwauszufüllenundandieAufsichtsbehördenzumelden,dadiesdenFührungs-KräftenbzwdenAufsichts-Gremiendas Gefühlvon(Schein-)Sicherheitgibt.Dabeiwirdjedochteilweiseübersehen,was rundumsieselbstwirklichgeschieht.

• Umvondieserteilweisen „Orientierungslosigkeit“ nochbesser „abzulenken“ ,werdeninderFolgeoftzusätzlicheArbeitsgruppeneingerichtet,Prozessepermanent optimiert,PersonalundKostenlaufendreduziert,dieZahlderMeetingssowiederenDauererhöht,EntscheidungenvertagtundlaufendneueProjekte – teilweise parallelundohneechteAbstimmung/Koordination – gestartet.Hauptsachemanist aktivsowieschnellundhatdasGefühlvielzutun,ohneoftzuwissen,obmanauch wirklichdasRichtigetut!86 Dennmanistjazubeschäftigtunddas „Managenvon Prozessen“ wirdinderFolgeimwahrstenSinnedesWorteszumleidertraurigen Selbstzweck.

• DadurchleidetdielaufendeArbeitalsFolgevonfehlenderKlarheitundOrientierungundeskommtinderPraxisauchimmeröfterzuteilweise „radikalen“ (Plan-) Änderungen,waszusätzlichdenArbeitsaufwandfürdieBeteiligten/dieOrganisationerhöht.

• SomitbleibtindiesemZustandvon „Dauerstress “ auchkaumZeitzumExperimentieren,Inne-Halten,Beobachten,Wahrnehmen,Fühlen,Spüren,Nachdenkenund Reflektieren,wasinsoeinerSituationgenaudasRichtigewäre!

85 Lachmair,HerausausderEffizienzfalle!Medianet(27.2.2015),33.

86 Wieschon Einstein angeblichsagte: „ProblemekannmanniemalsmitderselbenDenkweiselösen, durchdiesieentstandensind.“ Diesbedeutet:EinProblemkannnichtmitdemgleichen(Denk-)Muster gelöstwerden.UndmitMehrvomSelbentutmanabergenaudasundwundertsichdann,wennesnicht besserwird.

,FührungimVerein,LexisNexis

Basis-ProzesseErfolgsfaktorenMöglicheTools/Werkzeuge...109

Diagnose-ProzesseVonwelcherISTSituationgehenwiraus?

Zukunftsgestaltungs-Prozesse

Psycho-soziale Prozesse

OE-Kultur-Analyse,SWOT-Analyse, Farbübung,SweetSpot,110 Canvas,111 Zukunftsrad...

Wohinwollenwir?Visionsarbeit,Leitbild-/Werte-Arbeit, U-Prozedur,SMART-ZielemitSinn, WorldCafe,OpenSpace,AppreciativeInquiry...

MitanderenMenschen gemeinsamandasNeue herangehen.

Lern-ProzesseWissenundKönnen gemeinsameinüben.

KommunikationsProzesse

UmsetzungsProzesse

ChangeManagementProzesse

BetroffeneinsBild setzen.

DasNeuewirklicheinführen.

Verantwortung/-lichefür den/dieProzess/e

Mitarbeiter-Workshops,DialogRunden,Team-Building...

Intervisionsgruppen,Lern-Gruppen, KollegialeBeratung,Coaching, Mentoring...

OffeneErfahrungs-/Stärken-/ Transfer-Dialoge...

LaufendnachjedemWorkshop...

Organezum „Steuern“ derProzesse, Meilensteine...

Abb9:DarstellungzumOE-Modellnach Trigon

AndieserStellemöchteichauchnochaufdas ModelldersiebenPhasendespsychologischenVeränderungsprozesses hinweisen,welchesaufdendefinierten fünfPhasen desSterbens beiMenschen(=Ablehnung/Verleugnung,Zorn,Verhandeln,Depression undAkzeptanz)derbereitsverstorbenenUS-amerikanischenPsychologinundSterbeforscherin Kübler-Ross112 basiert.DiesesModellbesagt,dassMenschen,Teams...bei (schwerwiegenden)VeränderungenverschiedenePhasenmitunterschiedlichen Gefühlen, 113 unterschiedlicherIntensitätundDauersowieRationalisierungsversuchendurchlaufen.DiesesiebenPhasen,114 beginnendmeistmiteinemSchock(-Erlebnis)undablaufend imUhrzeigersinn,sindfolgende:

109 BittebeachtenSie,dassmancheToolssichfürmehrereBasis-Prozesseeinsetzenlassen.

110 DasModell „SweetSpot“ alsAnalyse-/Change-ToolgehtaufeineIdeederHarvard-Professoren Collis/ Rukstad,veröffentlichtinderHarvardBusinessReviewimApril2008,zurück.

111 Osterwalder/Pigneur,BusinessModelGeneration.

112 Vglhierzu Kübler-Ross,InterviewsmitSterbenden;http://de.wikipedia.org/wiki/Elisabeth_K%C3%BCblerRoss(21.1.2015).

113 Zum „richtigeren“ UmgangmitGefühlenvergleiche Heitger/Doujak,HarteSchnitte – NeuesWachstum: WandelinvolatilenZeiten.DieMachtderZahlenunddieLogikderGefühleimChangeManagement, 137ff.

114 Vglhierzuauch Glatz/Graf-Götz,aaO,306ff,welchernursechsPhasenanführt.

Lachmair/Höhne,FührungimVerein,LexisNexis

Erkenntnis

Integration (des neu Gelernten)

Verneinung

Ausprobieren (von Neuem) Einsicht

Akzeptanz

Abb10:7PhasendespsychologischenVeränderungsprozesses WennmannuneinenEntwicklungs-/OE-Prozessgutangehenmöchte,soistesbesonderswichtig,dassdieBetroffenenzuBeteiligtenwerdenundmöglichst „rasch“ indie Phase3(=Einsicht),nochbesserindiePhase4(=[rationale]Akzeptanz)bezüglichder Veränderungkommen,daansonsteneinLernenundAusprobierenvonNeuem schlichtwegnichtmöglichist.IndiesemZusammenhangistweiterzubeachten,dass Menschen,aberauchTeams,Abteilungen...unterschiedlichschnellbzwlangsamals auchintensivdiesePhasenerlebenunddurchleben.Wennmandiesweiß,kannman aufdie Bedürfnisse (zBInformation,Akzeptanz,Wertschätzung,Klarheit,Orientierung, Rücksichtnahme,Sicherheit...)desEinzelnen,vonTeamsbzwvonOrganisationenentsprechendbereitsimVorfeldeingehenunddiesegutunterstützensowiebegleiten, damitgemeinsamesLernensowiedasUmsetzenderVeränderungerfolgreichgelingen kann.MancheFührungs-KräftekennendiesesModell,ignorierenesbzwhabenesleidervergessenundwundernsichdann,wenneszuheftigemWiderstand,zuKonflikten

Schock

Kapitel2.5.Organisations-Entwicklungundinsbesondere2.5.2.DieOrganisationVerein alslebendessozialesSystem),damitmanalsFührungs-Kraftauchwirklichglaubwürdig istunddasVertrauenderMitarbeitersowievonKonfliktparteiengewinnenkann.Alles anderewärenurein „Schwindeln“,wasdieMitarbeiterwieauchKonfliktparteiensehr rascherkennen,dasVertrauenschwindetunddamitdienachfolgendangeführtenWerkzeugekeineodernureinekurzfristigeWirkungentfaltenwürden.

BevorSiejedochdiese „tools“ anwendenkönnen,isteswichtig,dassSiealsFührungsKrafteinen heißenKonflikt (meistsehrlaut,hitzig – eskrachtsorichtig,wenndieKonfliktparteienaneinanderprallen)entsprechend „abkühlen“ können.Beieinem kalten Konflikt (dieseristzBamNegierenderBeteiligten,dassesüberhauptSpannungen, Probleme,Konflikte...gibt,oderinderFormeinerArtMauerdeseisigenSchweigens erkennbar)isteswichtig,VertrauendurchEinzel-Gesprächeherstellenzukönnen.135 Abkühlenheißt,dieKonfliktparteienauseinanderzubringen,Ruhehineinzubekommen,aufDistanzzugehen,dieBeteiligtenzumNachdenkenbetreffendihrenKonfliktanteilanzuregensowieverbindlicheRegelnzurKonfliktbearbeitungfestzulegen.Bei kaltenKonfliktensolltenSiedasWort „Konflikt“ selbstvermeidenundvonoffenen Fragensprechen.DiesambestenimEinzel-Setting,umsozudenKonfliktparteienVertrauenherzustellen.KalteKonfliktesindinderPraxismeistauchetwasanspruchsvoller inderBearbeitungundLösungs-EntwicklungmitdenKonfliktparteien.Weiteristes wichtig,eineneutrale,offene,wertschätzendesowievorurteilsfreieHaltungalsMediatorbzwFührungs-Kraftzuhaben,zuentwickelnundehrlicheinnehmenzukönnen.Wer diesineinemKonfliktnichtkann,istsomitnichtmehrallparteilich,unabhängigundunbefangen,wasaufFührungs-KräfteaufgrundvonsozialenBindungenetctendenziellin der(Vereins-)Praxisöfterzutreffenwird.

Folgende Gesprächs-undFragetechniken eignensichgrundsätzlichals Werkzeuge/ Instrumente zurKonflikt-Bearbeitungwieauchzum „mediativenFühren“.Dazu zählen:

• AktivesZuhören

• ParaphrasierenundZusammenfassen

• ICH-Botschaften

• Meta-Kommunikation

• Fragetechniken

• Reframen

• Empathie136 (vglhierzudieAusführungenimKapitel2.1.Selbst-Führung)

135 Vgl Besemer,Mediation:DieKunstderVermittlunginKonflikten; Lachmair in Pühl,aaO,52ffund57ff; Proksch,KonfliktmanagementimUnternehmen:MediationalsInstrumentfürKonflikt-undKooperationsmanagementamArbeitsplatz,5ff; Glasl,SelbsthilfeinKonflikten:Konzepte – Übungen – PraktischeMethoden4,92ff.

136 Lachmair,KeinMediationsprozessohneEmpathie,mediationaktuell,03/2010,18.

diatoren-Ausbildungabsolvieren,wasaberkeinesfallsschadenwürde.Esgenügt,wesentlicheElementederKonflikt-/Mediations-Kompetenzzuerlernen,alsHaltungzu verinnerlichenunddieselaufendverantwortungsbewusstimtäglichen(Vereins-)Alltag anzuwendenundzuüben.DiefolgendeAbbildungzeigtanschaulichdiewesentlichen KompetenzenfürMediatoren/Führungs-Kräfte:

Achtsamkeit, Empathie & Respekt

SelbstBewusstheit/beherrschung

KonfliktKompetenz

Ambiguitätstoleranz

ProzessKompetenz

Aktives neutrales Zuhören

Fragetechniken

Abb12:Konflikt-KompetenzfürFührungs-Kräfte/Mediatoren

AnhanddieserAbbildungerkenntmangut,welche „Kompetenzen“ eineFührungsKraftverinnerlichenbzwweiterentwickelndarf,umnochbesserinderSelbst-undMitarbeiter-Führungzuwerden.WerdieseKompetenzenbereitsverinnerlichthat,wirdals Führungs-KraftauchentsprechendglaubwürdigseinundKonfliktebesserbearbeiten können.Voraussetzungist,dassdieFührungs-KraftselbstnichtTeildesKonfliktes,unbefangenundunparteiischundderKonfliktnochnichtzuweiteskaliertist(maximalbis

4.2.DieMitgliederversammlung

4.2.1.AufgabenderMitgliederversammlung

DieStatutenkönnenderMitgliederversammlungallemöglichenAufgabenübertragen, solltensieaberjedenfallsbeiVereinenabeinergewissenGrößenichtüberfordern;bei VersammlungeninderGrößenordnungvonmehrals15PersonenistdieWillensbildunginkomplexenMaterieninallerRegellangwierig.DieAufgabenderMitgliederversammlungsolltendaheraufWahlenvonVereinsorganenundaufGrundsatzfragen beschränktbleiben.DasGesetzselbstgibtlediglichfolgendeAufgabenvor:

• GemeinsameWillensbildungderVereinsmitglieder(§5Abs1);

• Bestellungdes(fakultativen)Aufsichtsorgans(§5Abs4);

• BestellungderRechnungsprüferbzwdesAbschlussprüfers(§5Abs5);

• EntgegennahmevonInformationendesLeitungsorgansüberTätigkeitundGebarungdesVereins(§20);

• EntgegennahmedesBerichtsdesLeitungsorgansüberdiegeprüfteEinnahmenundAusgabenrechnung(§21Abs4);

• EntgegennahmederMitteilungderRechnungsprüferüberschwereVerstößedes LeitungsorgansgegenRechnungslegungspflichten(§21Abs5);

• BestellungeinesSondervertreterszurGeltendmachungvonErsatzansprüchendes VereinsgegeneinenOrganwalter(§25Abs1).

OhnedassdasGesetzdiesausdrücklichsagenwürde,ergibtsichausdenderMitgliederversammlungvomGesetzzugeordnetenKompetenzen,aberauchausdem allgemeinenVerständnisderOrganevonKörperschaften,dassdieMitgliederversammlungdashöchsteVereinsorganist.185 ObdarauseinWeisungsrechtderMitgliederversammlungunddasLeitungsorganfolgt,istfraglich,gleichzeitigistdieseDiskussion aberauchmüßig:WaswäredieFolge,wennsichdasLeitungsorganübereineWeisungderMitgliederversammlunghinwegsetzte?AbgesehenvondergrundsätzlichjederzeitmöglichenAbwahldesLeitungsorgansallenfallsSchadenersatzpflichten – die würdendasLeitungsorganaberohnediestreffen,wennesvorwerfbarerWeiseHandlungensetzt,diedenVereinschädigen.Umgekehrtsiehtesandersaus:DasLeitungsorgankanneineFragezurEntscheidungindieMitgliederversammlungtragen,wenn esdieseVerantwortungnichtalleineübernehmenwill.Voraussetzungistallerdings, dassdasLeitungsorgandieMitgliederversammlungwahrheitsgemäßundumfassend informiert!

GibtesauchungeschriebeneZuständigkeitenderMitgliederversammlung?Bedarfdas Leitungsorgan,wennes(formalimRahmenderStatuten)Maßnahmentrifft,dieden Vereingänzlich „umkrempeln“ unddiefaktischeStellungderMitgliederoderbestimmterOrganeeinschneidendbeeinträchtigen,einesBeschlussesderMitgliederversammlung?BeiallerVorsicht(kommendenVereinsmitgliederndochnuräußerstredu-

185 Vgl Krejcietal2,§5Rz14.

zierteVermögensrechtezu)wirddiesfürderartigeExtremszenarioswohlzubejahen sein.MassivindieStrukturdesVereinseingreifendeMaßnahmen,wieetwaAusgliederungenbedeutenderBetriebs-oderVermögensteileinTochtergesellschaften(oder, nochgravierender,ineinePrivatstiftung),dieVeräußerungvoninRelationzumgesamtenVereinsvermögenbedeutsamenBeteiligungen,diedasLeitungsorganimAlleingangsetzt,werdenimAußenverhältnisgrundsätzlichgültigsein,könnenaberSchadenersatzpflichtderHandelndennachsichziehen.186

4.2.2.DieLeitungderMitgliederversammlung

Auch – undgerade – inderMitgliederversammlung(Generalversammlung,Hauptversammlung)beweisensichechteFührungsqualitäten.AnschlechtgeführtenMitgliederversammlungensindschonVereinezerbrochen.DamiteineMitgliederversammlung flottundkorrektdurchgeführtwerdenkann,damitsieaberauchinderLageist,alle anstehendenEntscheidungenverantwortungsvollzutreffen,musssie – inderRegel vomVorstand – gutvorbereitetwerden,unddasheißtauch:verschiedeneSzenarien einplanenundsichaufverschiedeneReaktionenderVersammlunggefasstmachen. WerdieVersammlungleitet,richtetsichnachderentsprechendenStatutenbestimmungen;dieVersammlungkannaucheinenVersammlungsleiterwählen.

4.2.2.1.RechteundPflichtendesVersammlungsleiters

• SeineAufgabeistinersterLinie,füreinezügigeAbarbeitungderTagesordnungzu sorgen.

• ErhatalleBefugnisseundRechte,umeinenordnungsgemäßenAblaufsicherzustellenunddurchzusetzen.

• ErleitetdieDiskussionen,erteiltdasWortundsprichtOrdnungsmaßnahmenaus (zBOrdnungsruf,Wortentziehung,imExtremfallAusschlussvonderVersammlung).

• ErkannimSinneeineseffizientenVersammlungsablaufeseineRedezeitbeschränkungvorschlagen – dieVersammlungkannaberauchanderesbeschließen.

• Ermusssichunparteiischverhalten,kannsichaberanSachdiskussionenbeteiligen unddenStandpunktdesVorstandesvertreten.Esistallerdingsnichtleicht,zwischenunparteiischerVersammlungsleitungunddemVertreteneineseigenenStandpunktshinundherzuspringen.DerVersammlungsleiterkanndieVersammlung souveränerführen,wennersichaufdieseRollebeschränkt.

• ErschließtdieVersammlung-abernichtwillkürlich!Erst,wenndieTagesordnung abgearbeitetist,aberauchdann,wennsichdieVersammlunginChaosaufzulösen droht.

186 Keinert,MitgliederversammlungdesVereins(2012)15; ders, „ImpliziteZustimmungsvorbehalte“ derMitgliederversammlungdesVereins?in ÖAMTC (Hrsg)DergroßeVerein,FSMelnizky(2013)106.

4.2.2.2.AblaufderHauptversammlung

NachderEröffnungundBegrüßungsindzunächstdieformellenPunkteabzuarbeiten:

• FeststellenderordnungsgemäßenEinberufung(EinhaltungderstatutarischenVorgaben,Fristen).

• FeststellenderZahlanwesenderstimmberechtigterMitglieder,FeststellenvonBevollmächtigungen(allenfallsschriftlicheVollmachtenzuProtokollnehmen).

• VorWahlenundAbstimmungen:feststellen,obdieZahlderAnwesendennochdieselbeist,BestimmungoderWahlderStimmenzähler.

• GenehmigungderTagesordnung.AllenfallsAufnahmezusätzlicherTagesordnungspunktedurchdieVersammlung.

DannwirdPunktfürPunktdiebeschlosseneTagesordnungerledigt.ÜblichsindjedenfallsfolgendePunkte:

• GenehmigungdesProtokollsderletztenHauptversammlung(meisteineentbehrlicheÜbung,jedenfallsdann,wenndasProtokollzuvorgarnichtausgeschicktwurde.ZwingenderforderlichistdieserAkt,sonichtvondenStatutenvorgesehen, nicht.)

• BerichtdesVorstandes

• BerichtderRechnungsprüfer

• EntlastungdesVorstandes

• BehandlungsämtlicherTagesordnungspunkte

• Wahlen(Vorstand,Rechnungsprüfer)

• BehandlungvonsonstigenAnträgenderMitglieder,diesichnichtaufdieschonerledigtenTagesordnungspunktebeziehen

• Verschiedenes,Informationen,AbschlussdesoffiziellenTeils.

4.2.2.3.Versammlungsführung

• EinführungindieeinzelnenTagesordnungspunkte:KurzeErläuterungdesBeschlussgegenstands(worumgehtes,worübersollabgestimmtwerden).Zusätzliche InformationenzurschriftlichenVorlage.PositionundEmpfehlungdesVorstandes erläutern.

• Diskussioneröffnen:AlleMitgliederhabendasAnrechtaufWortmeldungen.Je nachKomplexitäteinerSachedenAntragstrukturierenundübereinzelnePunkte diskutierenundabstimmenlassen.AufjedenFallamEndenochmalsüberdenAntraginsgesamt(mitdenbeschlossenenÄnderungen)abstimmenlassen.

• AnträgevonMitgliedernzudeneinzelnenTagesordnungspunkten:Allenfallszur KlarstellungdenAntragstellerzurPräzisierungauffordern.InhaltlichgleicheAnträge zusammenfassen.GrundsätzlichunterscheidenzwischenAnträgenzurGeschäftsordnung(zBDurchführungeinergeheimenAbstimmung,SchlussderRednerliste, SchlussderDebatteetc)undsachbezogenenÄnderungsanträgen.Immererstüber AnträgezurGeschäftsordnungabstimmenlassen;übereinenAntragzurGeschäfts-

ordnungist,sofernernichtinoffensichtlichschikanöserAbsichtgestelltwird,immersofortabstimmenzulassen.

• Grundsätzlich:GegenanträgezuHauptanträgenvordiesenabstimmenlassen.

4.2.2.4.Protokollführung

DasProtokollsollsogeführtwerden,dassalleWillensbildungsprozessespäternoch nachvollzogenwerdenkönnen.SosindjedenfallssämtlicheAnträgeunddieentsprechendenAbstimmungsergebnisseschriftlichfestzuhalten.EventuellalsHilfedieVersammlungaufTonband(Datenträger)aufnehmen(dasÜbertragenistallerdingseine Herkulesaufgabe!) – dasmussderVersammlungvorherabermitgeteiltwerden,die diesauchablehnenkann.EingenauesDiskussionsprotokollistfürdieNachvollziehbarkeitderWillensbildungsprozesseoftsinnvoll,kannabermühsamsein.DasGesetzsieht nichtsvor,dieStatutenmeistnurwenig.WennesauchdannkeineRegelineinerGeschäftsordnunggibt,kanneineVersammlungmühsamwerden.

DiewichtigstenInhaltedesProtokolls:

• Datum,ZeitundOrtderVersammlung

• LeitungderVersammlung

• Gästeliste

• Zahlder(stimmberechtigten)AnwesendensamtBevollmächtigungen

• NamenderStimmenzähler

• Tagesordnung

• GgfWortmeldungenmitNamen

• Anträge

• SämtlicheAbstimmungs-undWahlergebnisse

• SchlussderVersammlung

• Namedes/derProtokollführer/s

4.2.2.5.Abstimmungs-undWahlverfahreninderPraxis

• Grundsätzlich AbstimmungenundWahlenoffen,dhdurchHandhebenderStimmberechtigten,durchführen.

• AlleVorstandsmitgliedersowiederVersammlungsleiterstimmenundwählenmit.

• BeiKampfwahlenistmeistgeheimeWahlmitWahlzettelnsinnvoll.

• VorjederAbstimmungbzwWahlprüfen,obeinfacheoderqualifizierteMehrheit gilt(zBbeiStatutenänderungen,Auflösungusw,wenn – jenachStatuten – mindestenszweiDrittelderanwesendenStimmberechtigtenzustimmenmüssen).

• VoreinerAbstimmungkann – aufAntrag – dieVersammlungjederzeiteinebestimmteAbstimmungsformbeschließen.BeivoraussichtlichgeheimenAbstimmungentutderVorstandgutdaran,entsprechendeStimmzettelvorzubereiten,damit dieVersammlungnichtzurBastelstundegerät.

VorgangsweisebeiAbstimmungohneGegenantrag: (Beispiel:EntlastungdesVorstands)

Abstimmungsleiter:

•„WerfürdieEntlastungdesVorstandsist,mögedieHandheben.“

•„Gegenstimmen?“ (Nein-Stimmen)

•„Enthaltungen?“ (nurnötig,wennindenStatutenvorgesehenist,dassdieMehrheitderanwesendenstimmberechtigtenMitgliederzustimmenmuss,wasallerdings unüblichist.AußerdemistdaseineguteProbe,oballegezähltwurden.)DerKlarheithalber:SoferndieStatutennichtanderesregeln,geltenEnthaltungenweder alsJa-StimmennochalsNein-Stimmen,sindalsoinsbesonderenichtdenNeinStimmenzuzuschlagen(wasjawohlauchamehestendemWillenderStimmenthalterentspricht).MeistsehendieStatutenohnehindie „MehrheitdergültigabgegebenenStimmen“ vor,wodurchEnthaltungenunberücksichtigtbleiben.

• DasZählenderStimmendurchdieStimmenzähleristdannnotwendig,wennkein klaresMehrheitsverhältniserkennbarist.BeiangespannterStimmung,insbesondere,wennAnfechtungenzubefürchtensind,lieberüberkorrektsein.

VorgangsweisebeiAbstimmungmitGegenantrag:

(BeispielGenehmigungBeitragserhöhungmitGegenantragvonHerrnGrabowski)

Versammlungsleiter:

•„WerdemAntragdesVorstandsaufBelassendesMitgliedsbeitragesbei € 50zustimmenwill,mögedieHandheben.“

•„WerdemAntragvonHerrnGrabowskiaufAnhebungdesMitgliederbeitragesauf € 70zustimmenwill,mögedieHandheben.“

• ZählenderStimmen,wennkeinklaresMehrheitsverhältniserkennbarist.

ProzederebeiAbstimmungmitmehrerenAnträgen/ErmittelndesSiegersim „CupSystem“:

(Haupt)Antrag:AntragvorbereitetdurchdenVorstand

Gegenantrag1derNeigungsgruppeSchach

Gegenantrag2derNeigungsgruppeTischtennis

1.Abstimmung: Gegenantrag1gegenGegenantrag2

Abstimmungsleiter:

•„WerdemGegenantrag1zustimmenwill,mögedieHandheben.“

•„WerdemGegenantrag2zustimmenwill,mögedieHandheben.“

• ZählenderStimmen,wennkeinklaresMehrheitsverhältniserkennbarist.

Annahme,dassindiesemBeispielderGegenantrag2mehrStimmenerhaltenhat.

2.Abstimmung: Hauptantrag1gegenGegenantrag2

Versammlungsleiter:

•„WerdemHauptantragzustimmenwill,bezeugediesdurchHanderheben.“

•„WerdemGegenantrag2zustimmenwill,bezeugediesdurchHanderheben.“

• ZählenderStimmen,wennkeinklaresMehrheitsverhältniserkennbarist.

Alternative

OftistderGegenantragkonkreteralsderHauptantragundwürdegegenstandslos, wennernachodergleichzeitigmitdemHauptantragabgestimmtwürde;dannistes sinnvoll,zuerstdenGegenantragabzustimmen(inunseremBeispieldenGegenantrag2),unddannerstdenHauptantrag.

Beispiel

DerVereinzurFörderungderDemokratieinÖsterreichbehandeltinseinerMitgliederversammlungdenAntragderPräsidentin,denjedesJahrausgeschriebenenDemokratiepreismitzusätzlichen € 2.000zudotieren.

WährenddernachfolgendenDiskussionstelltKapitänHaddockdenAntrag,mitderErhöhungseinocheinJahrzuzuwarten,daderVereinseinerMeinungnachnichtüber genügendfinanzielleReservenverfüge.FrauCastafioreunterstütztdenAntragderPräsidentin,willaberdenPreisnurum € 1.000erhöhen.FridolinKiesewetter,alsletzter Diskussionsteilnehmer,schlägtvor,denPreiszwarum € 1.000zuerhöhen,abermit derErhöhungnocheinJahrzuzuwarten.

BeimAntragderPräsidentinhandeltessichumeinenHauptantrag(€ 2.000schonbei dernächstenPreisverleihung),derAntragvonKapitänHaddock(€ 2.000ja,abererst nächstesJahr)stellteinenGegenantragdar.DieMeinungvonFrauCastafiore(Erhöhungschonheuer,abernurum € 1.000)isteinAbänderungsantragzumHauptantrag derPräsidentinundderVorschlagvonFridolinKiesewetter(Erhöhungnurum € 1.000, unddaserstnächstesJahr)isteinUnterabänderungsantragzumHauptantragderPräsidentin,obwohlervonderSacheherdemVorschlagvonFrauCastafioreähnlichist. WiehatnundiePräsidentindiesevielenAnträgeinderAbstimmungzubehandeln?

ErsteEventualabstimmungsfrage (=AbstimmungsfragenvorderSchlussabstimmung): WeristfüreineErhöhungum € 1.000diesesJahr,werfüreineErhöhungum € 1.000 diesesJahrerstbeiderPreisverleihungimnächstenJahr? – DieAbstimmungergibt folgendesResultat:DieMehrheitistfüreineErhöhungerstimnächstenJahr.

Jetztstelltsiedie zweiteEventualabstimmungsfrage: WeristfüreineErhöhungum € 2.000,werwillnurum € 1.000erhöhen? – DieAbstimmungergibtfolgendesResultat:dieMehrheitistfüreineErhöhungum € 1.000. – Somitliegtnahe,dassdiePräsidentinihrenAntragabändert(Erhöhungnurum € 1.000unddaserstimnächsten Jahr).

Der bereinigteHauptantrag derPräsidentinwirdjetztdem Gegenantrag vonKapitän HaddockineinerSchlussabstimmungsfragegegenübergestellt.DazustelltdiePräsidentindieSchlussabstimmungsfrage:WeristfüreineErhöhungum € 1.000indiesem

Jahr,wererstfüreineErhöhungimnächstenJahr?NatürlichergibtdieAbstimmung, dassdieMehrheitfüreineErhöhungerstimnächstenJahrist.ObwohlderAusgang derSchlussabstimmungvonvornhereinklarist,mussdiePräsidentindarüberabstimmenlassen,damitihrkeinVerfahrensfehlerunterläuft.

Wahlen:

SobaldsichmehralszweiKandidatenfüreinAmtbewerben,empfiehltessich,imerstenWahlganganderabsolutenMehrheitfestzuhalten(DasistdieMehrheitallergültig abgegebenenStimmen – unddastelltsichschoneinebedeutsameFrage:Wiesind Enthaltungenzuzählen?DasmussdieWahlordnungklarstellen.WerdenauchEnthaltungsstimmenabgegeben,dannheißtabsoluteMehrheit,dassdieStimmenfürAdie SummeausStimmenfürBundEnthaltungenüberwiegenmüssen.).ErreichtkeinKandidatdieabsoluteMehrheit,musseinzweiterWahlgangdurchgeführtwerden.GewähltistdannderKandidat,derdierelativeMehrheit(alsoeinschlichtesÜberwiegen derStimmenfürAüberdieStimmenfürB)erhält.NatürlichkönnenStatutenoder WahlordnungabervonvornhereineinbestimmtesSystemvorgeben.Ebensokönnen dieStatutenoderdieWahlordnungvorgeben,dassdasLeitungsorganenbloc,also alsGesamtheit,zuwählenist – dannkönnennurkompletteListenkandidieren – oder dassEinzelpersonenzuwählensind.EineweitereFrageist,werdieFunktionsverteilungimLeitungsorganbestimmt – sollensichdieGewähltendasuntereinanderausmachenoderwerdenbereitsbestimmtePersoneninbestimmteFunktiongewählt?

Beispiel(DurchführungalsgeheimeWahl):

AlsVereinspräsident/instellensichfolgendePersonenzurWahl:

• GustavGans

• OmaEusebia

• GundelGaukeley

ErsterWahlgang:17gültigabgegebeneStimmen,absoluteMehrheitwäre9

• GustavGans6Stimmen

• OmaEusebia6Stimmen

• GundelGaukeley5Stimmen

KeinePersonerreichtdieabsoluteMehrheitvon9Stimmen.EsisteinzweiterWahlgangnötig.

ZweiterWahlgang:17gültigabgegebeneStimmen

• GustavGans5Stimmen

• OmaEusebia8Stimmen

• GundelGaukeley4Stimmen

GewähltistOmaEusebia,weilsieammeistenStimmenallerKandidatenerreichthat. Sollsoetwasindie Statuten? Nein,sichernicht.Ineine Wahl-undAbstimmungsordnung oder Geschäftsordnung derGeneralversammlung?Ja,unbedingt.Vielleicht nichtindieserAusführlichkeit,abereinigeGrundsätzefestzulegen,hatzweiVorteile:

4.DieTriasLeitungsorgan(Vorstand)

Manhatetwas,womannachschauenkann(dennsoetwasvergisstmanjavoneinem aufsandereMal),undmanbrauchtnichtzustreiten.

4.3.Der „Geschäftsführer “

Der „Geschäftsführer“ stehthierunterAnführungszeichen,dadieGeschäftsführung grundsätzlichAufgabedesLeitungsorgansist.Invielen,zumalgrößerenVereinensehendieStatutenjedochfürdasTagesgeschäfteineweitereFunktionvor.Meistist von „Geschäftsführer“ oder „Generalsekretär“ dieRede;wiebeiallenOrganensind inderNamensfindungderFantasieauchhierkeineGrenzengesetzt.DieserGeschäftsführerkannVereinsorganseinoderauchnicht.

Überalldort,wotäglicheOrganisationsarbeitzuleisten,einBürozuleitenodereine großeZahlvonMitgliedernzuadministrierenist,wirdeinehrenhalbertätigesLeitungsorgannichtausreichen.WillmandemLeitungsorganeinenhauptamtlichenGeschäftsführerzurSeitestellen,sowirddiessinnvollerweiseindenStatutenzuregelnsein.DiesemGeschäftsführerkannorganschaftlicheVertretungsmachteingeräumtwerden,also bereitsindenStatuten.DannwirderauchalsvertretungsbefugtimVereinsregister aufscheinen.IhmkannauchlediglichrechtsgeschäftlichVollmachteingeräumtwerden (dannstehternichtimZVR) – oderauchgarkeine.InjedemFallsollteseineTätigkeit klarabgegrenztundinsbesonderefestgehaltenwerden,welcheGeschäftsführungshandlungenderZustimmungdesLeitungsorgansbedürfenbzwwasindessenausschließlicheZuständigkeitfällt.DieVertretungsmachtdiesesGeschäftsführersnichtin denStatutenzuregeln,istnichtzuempfehlen,dadiesimStreitfallzuunvorhersehbarenErgebnissenführenkann.

InvielenVereinenwirddieserGeschäftsführerdenGroßteilderfaktischenLeitungsarbeitübernehmen.DieMitgliederdesLeitungsorgans,also „dieEhrenamtlichen“ , werdendadurchaberwederüberflüssignochihrerSorgenledig.SiehaftendemVereinschoneinmalfürdieAuswahldesGeschäftsführers(derselbstverständlichdieerforderlicheQualifikationmitbringenmuss)undsiedürfenweitersnichtvergessen,dass dieserGeschäftsführerinallerRegelalsErfüllungsgehilfedesLeitungsorganszubetrachtenseinwird – unddasheißt(iSd§1313aABGB)nichtsanderes,alsdasssein HandelndemLeitungsorganzuzurechnenist,diesesalso(gegenüberdemVerein)für dasHandelndesGeschäftsführershaftet.Unddaswiederumbedeutet,dassdasLeitungsorgansichjenachUmfangderGeschäftedesVereinsregelmäßigdavonKenntnis verschaffenmuss,wiederGeschäftsführerseinAmtausübt;eindurchdachtesBerichtsundKontrollsystemistdaherunbedingterforderlich!

Eswirdausreichen,dieAufgabendesGeschäftsführersindenStatutengrundsätzlich zuskizzieren.Eshatsichaberbewährt,sowohldieseAufgabenimDetailwieauchdas VerhältniszwischenLeitungsorganundGeschäftsführerineinerGeschäftsordnungfestzuhalten,aufdieauch – wennderGeschäftsführerDienstnehmerdesVereinsist – im Dienstvertragverwiesenwerdensollte.WennderGeschäftsführer „denLaden schupft“,dannsollteerwohlorganschaftliche(alsodurchdieStatutenvorgesehene) Vertretungsmachthaben.Fastselbstverständlichistesaberdann,dassseinemTaten-

A

Abschlussprüfer129

Abwicklung156

Achtsamkeit6,12

AG90

Anfechtung153

Anforderungsprofil41

AppreciativeInquiry37

ASVG144

Auflösung111,156

Aufnahme107

Aufsichtsorgan135

Auftragsklärung77

Austritt107

Autonomie29

Autopoesie58

Autorität17

B

BAO144

Basis-Prozesse61

Begegnung55

Beirat135

Beschlüsse110

Beteiligte60

Bewährtes60

Bewertungsfehler42

Bürgerinitiative93

Bundesstiftungen90

C

Change-Prozesse60,62

Coaching

– Begleitung65 Communicare64

D

Dachverband113 demokratischesPrinzip93

Dienstverhältnis140

E

Effizienz-Falle53 ehrenamtlich115

Stichwortverzeichnis

Ehrenamtliche1,20,22,23,127

Eigenkapitalersatzgesetz92

Ein-Personen-Verein104

Einstellungsgespräch41

Empathie8

Entlastung148

Entscheidungen58

Erfolgs-Team52

Eskalationsstufen8,68

F

Feedback-Schleifen47

Finanzierung106 Fonds90

Fragetechniken73

Führung2,6,14,36,37,66

Führungs-Kompass2 Führungs-Kraft5,18,22 Funktionsperiode110 fusionieren140

G

gemeinnützigeZwecke111

Gemeinnützigkeit94,105,114,156

Generalsekretär114

Generalversammlung121

Generationen16

Genossenschaft88

Gerichte151

GesBR86

Geschäftsführer114,115,117,127

Geschäftsordnung109,127

Geschäftsverteilung145

GesellschaftbürgerlichenRechts86

Gewerbsmäßigkeit90

Gewinn104,137

Gläubigerschutzvorschriften92 glaubwürdigesVorbild59

GmbH90,128

Gründungskosten92 gründungsprivilegierteGmbH91

Gruppe25

H

Haftpflichtversicherung117

Haftung92,140

Halt5

Haltung4,70

Hauptversammlung121

Herzlichkeit60

Holdingfunktion90

Hypothesen59

I

Idealverein94 ideelleMittel105

ideelleZwecke90,136

Identität12

Informationsrechte108 innehalten55

Insichgeschäfte149

Insolvenzverfahren143

InternesKonfliktmanagementsystem76 Intuition9

J

juristischePerson91,95

K

Kapitalgesellschaften90,94

Körperschaftsteuer94

Kommanditgesellschaft87

Kommunikation22

Kompetenzaufteilung115

Konflikt71

Konfliktmanagement66

Konkursverschleppung144

Kultur55

L Leadership2

Leitungsorgan109,114,127,133

LernendeOrganisation76

Liquidationsklausel156

M

Macht17 materielleMittel106

Mediation67,69,153

Mediationsklausel70 mediativesFühren82 mentaleBilder4

Mentoring48

Meta-Kommunikation72

Metaebene65

Mitarbeiterbindung48

Mitarbeitergespräch43

Mitglieder104

Mitgliederversammlung108,110,120,133

Mitgliedschaft107

N

Nachdenk-Prozess57

Name105

Nebentätigkeitsprivileg137 nichttrivialeMaschinen58 Non-Profit-Organisation93

O

OffeneGesellschaft87

Organisations-Burn-Out55

Organisations-Entwicklung49,52,56, 60,61

Organisations-Resilienz52 Orientierung5

P

Personal-Entwicklung39

Personengesellschaft87,89,94

Präsentismus55 Privatstiftung89 Protokoll123 psychosozialeKompetenz7

R

Rechnungsprüfer129,136,148

RechtederMitglieder107

Rechtsform85,93,95

Reflexion10,29,47,65,82

Reframen71

Repräsentantenhaftung146

Resilienz13,51

Ressortverteilung116

Ressourcen11

Sanktionen19

Schadenersatzansprüche148

Schiedsgericht150

Schiedsrichter151

Schlichtung150

Selbst-Führung4,11

Selbst-Organisation57

Selbst-Wert17

Sinn15,58

Sitz105

Sozial-Kapital56

Spendenbegünstigung95

Stakeholder50

Standort55

Statuten104

Stellenbeschreibung40

Stifter89

Stiftung90 stilleMitunternehmerschaft87

Streitigkeiten150 System2 systemischeEbenen52 systemischeSchleife60

Systemtheorie58

T

Tätigkeiten106

Tagesordnung121

Team24,28,29,31,52

Team-Entwicklung26

Team-Phasen26

Team-Rollen26

Teamprozesse – dysfunktional30

Teamtheorien26

Tochter-GmbH128

Tochtergesellschaft118,131

Tochterverein113

Typenzwang85

U

Umsatzsteuer94

Unternehmen93,136

Unternehmer138 unternehmerischeTätigkeit137 Unterschiede59

V

Veränderungsprozess – psychologisch62 Verband113

Verbandsverantwortlichkeitsgesetz146 Verein – ideell1 Vereinsdemokratie107

Vereinsorgane109 Vereinsregister92,127 Vereinsvermögen104,111,156 Vereinszweck104,105,137

Vermögensverwaltungsgesellschaften88 Versammlungsleiter121 Vertrauen6 Vertretung115 Vier-Augen-Prinzip115,117 virtuelleTeams34 virtuelleZusammenarbeit36 Vision8,50,59 Vorstand109 VUCA49

W

Wahlarbeitszeiten49 Wahlen126 Weltbild – holistisch9 Werkzeuge59,71 Werte11,12,29 Willensbildung107,120 wirtschaftlicheTätigkeit88

Z

Zahlungsunfähigkeit142 ZVR127

Zweck104,105 Zweigvereine112

Führen und geführt werden, Mitarbeiter auswählen, Teams begleiten, das Geschäftsmodell weiter entwickeln, die Effektivität der Organisation „Verein“ verbessern, Freiräume für Innovation und Wandel zulassen, rechtliche und steuerliche Aspekte kennen, um - nicht nur - eine allfällige Haftung zu vermeiden. All dies sollen die Verantwortlichen, meist sehr wenige Personen, manchmal auch nur eine Person, in Vereinen beachten und können. Dieses Buch verbindet Theorie und Praxis und gibt Ihnen hilfreiche Beispiele und praktische Tipps aus der Welt der Vereine wie auch von Unternehmen und Verbänden

• Selbstführung

• Mitarbeiter führen

• Team-Entwicklung

• Personal-Entwicklung

• Organisations-Entwicklung

• Konfliktmanagement und

• Zentrale rechtliche Aspekte

Fallbeispiele und Reflexionsfragen aus der Praxis zeigen Herausforderungen und Lösungsansätze für Vereine. Mit Hilfe des „Führungs-Kompasses“, welcher aus fünf zentralen Elementen besteht, bekommen Sie hilfreiche Werkzeuge und praktische Methoden zur Vereins-Führung in die Hand. Muster, Übungen, Tipps und Praxisbeispiele unterstützen Sie als Führungs-Kraft, Berater, Funktionär oder Aufsichtsorgan, sodass sowohl Sie, Ihre Mitarbeiter als auch die Organisation „Verein“ im Sinne einer „Win-win-Lösung“ davon profitieren.

„Das Werk behandelt für Vereine und Verbände zentrale Themen äußerst verständlich und ist somit für die praktische Arbeit ein unverzichtbarer Begleiter.“

HR Dr. Hans Gargitter, Direktor des OÖ Gemeindebundes

Dr. Siegfried Lachmair MBA ist geprüfter Unternehmensberater, systemischer Coach, e. Mediator und Management-Trainer sowie als Organisations-, Personal- und Team-Entwickler beratend tätig. Er begleitet, neben Unternehmen, Vereine, Verbände und NPO`s bei der Gründung, Entwicklung sowie in Führungs-, Personal- und Organisationsfragen, trägt an Hochschulen vor und ist Fachautor einschlägiger Beiträge.

Dr. Thomas Höhne ist Rechtsanwalt in Wien und berät Vereine in all ihren Erscheinungsformen, von der kleinen Non-Profit-Organisation bis zu konzernähnlich strukturierten Vereinen.

ISBN 978-3-7007-6189-1

Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
Leseprobe Führung im Verein by LexisNexis Österreich - Issuu