Eine Analyse aus Perspektiven der Friedensforschung, Geschichte und Völkerrechtswissenschaft
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FRIEDEN GESTALTEN
Warum Gewaltprävention eine gemeinsame Verantwortung ist
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MEHR ALS BEGEGNUNG: INTERNATIONALE JUGENDARBEIT ALS FRIEDENSPRAXIS
Austauschprogramme als Beitrag zur Völkerverständigung
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Frieden in Zeiten der Machtpolitik
Frieden ist eines jener Worte, die uns vertraut sind und zugleich immer fremder werden. Kaum ein politischer Begriff wird so häufig beschworen. Während weltweit aber immer neue Kriege ausbrechen oder alte eskalieren, wächst das Gefühl, dass die internationale Ordnung, die einst Stabilität versprach, reiner Machtpolitik weicht. Frieden erscheint nicht mehr als realistisches Ziel, sondern als fragile Ausnahme. Diese Entwicklung ist kein Zufall, sondern Ausdruck einer Realpolitik, die Interessen über Normen stellt und Stärke über Recht. Internationale Beziehungen unterliegen zunehmend militärischen, ökonomischen und geostrategischen Herrschaftsansprüchen. In dieser Logik verliert Frieden seinen normativen Anspruch und wird zur taktischen Pause zwischen Konflikten, im Kontext einer globalen Ordnung, in der ungleiche Machtverhältnisse strukturell
verfestigt sind. Wer über Ressourcen, Finanzströme oder militärische Mittel verfügt, setzt Maßstäbe – wer nicht, bleibt Objekt fremder Entscheidungen. Konflikte entstehen dabei selten aus plötzlicher Eskalation, sondern aus langfristigen Asymmetrien, aus Abhängigkeiten und Ausschlüssen.
Die rhetorische Berufung auf Frieden verdeckt oft genau diese Zusammenhänge. Dabei ersetzen Friedensappelle keine politische Analyse, genauso wenig moralische Bekenntnisse Machtverhältnisse verschieben. Solange kollektive und kooperative Ordnungsprinzipien als untergeordnete Variablen nationaler Eigeninteressen und geopolitischer Hegemoniebestrebungen unterliegen, bleibt Frieden prekär, zerbrechlich und letzten Endes illusorisch. Für junge Menschen ist diese Weltlage besonders widersprüchlich. Sie wachsen in
einer global vernetzten Realität auf, erleben militärische Konflikte als allgegenwärtiges Phänomen und zugleich als scheinbar unabwendbaren Dauerzustand. Ihnen wird Frieden als Wert vermittelt, während die strukturellen Ursachen von Gewalt weitgehend unsichtbar bleiben. Das erzeugt Ohnmacht und Fatalismus. Jugendarbeit findet inmitten dieser Normalität statt. Friedensarbeit mit Jugendlichen bedeutet nicht, Konflikte zu beschönigen oder einfache Antworten zu liefern. Sie beginnt dort, wo junge Menschen befähigt werden, Zusammenhänge zu erschließen und Machtverhältnisse zu hinterfragen. Frieden lernen heißt in erster Linie, Ursachen zu erkennen. Vor allem dort, wo sie unbequem sind.
Impressum
Beiträge zur Jugendarbeit in Südtirol und Tirol • Offenlegung (Gem. § 25 Mediengesetz) • Medieninhaber (Verleger): Land Tirol in Kooperation mit dem Amt für Jugendarbeit in Südtirol • Für den Inhalt der einzelnen Beiträge sind die jeweiligen Autor*innen verantwortlich. • Redaktion: Gianluca Battistel, Christine Kriwak • Kontakt: Gianluca.Battistel@provinz.bz.it oder Abteilung Gesellschaft und Arbeit, Meinhardstraße 16, 6020 Innsbruck, Tel. +43 (0)512-508-7851, gesellschaft.arbeit@tirol.gv.at • Fotoredaktion: Abteilung Gesellschaft und Arbeit, shutterstock, Amt für Jugendarbeit, Titelfoto: Shutterstock.com • Unternehmensgegenstand: „z.B.“ dient zur Information für die Jugendarbeit. Die Zeitschrift wird den Verantwortlichen in der Jugendarbeit und allen Interessierten gratis zur Verfügung gestellt. Grundlegende Richtung: Im „z.B.“ werden nach überparteilichen, sachbezogenen Gesichtspunkten und nach journalistischen Kriterien eigene und fremde Beiträge für die Jugendarbeit publiziert. • Layout und grafische Gestaltung: Alias Idee und Form, Vahrn • Druck: Druckerei Kraler OHG
Das „z.B.“ ist ein Fachmagazin, in welchem Gastbeiträge zur Jugendarbeit in Tirol und Südtirol publiziert werden. Diese namentlich und grafisch gekennzeichneten Beiträge spiegeln die Meinungen der jeweiligen Autor*innen wider und nicht jene des Landes Tirol als Medieninhaber und Herausgebers des Fachmagazins.
Gianluca Battistel
Inhalt
Themenbeiträge
4 Krieg, Frieden und die Krise des Völkerrechts
6 Frieden gestalten Warum Gewaltprävention eine gemeinsame Verantwortung ist
8 Frieden ist kein starrer Zustand, sondern ein lebendiger Prozess. Und er kann gelernt werden.
10 Frieden lernen, lehren, leben –Zukunft gestalten! Die friedenspädagogischen Angebote des ACP
13 Mehr als Begegnung: Internationale Jugendarbeit als Friedenspraxis
16 Frieden mit der Natur schließen
17 Seitenweis Aktuelles
18 Du entscheidest! Was Demokratie mit deinem Leben zu tun hat
18 Sexualisierte Gewalt –verstehen und handeln
19 Bildungsfahrt der Jugendarbeit nach Bologna
20 Erinnern heißt handeln – Die „Reise der Erinnerung“ wirkt weiter
21 Junge Menschen stärken in unsicheren Zeiten Neuer Vorstand der AGJD setzt klare Schwerpunkte für die Zukunft der Jugendarbeit
22 Fünf Jahre „oja-wissen“: Über 100 Teilnehmende feiern fundiertes Wissen zur Offenen Kinder- und Jugendarbeit
22 Gaming, Gemeinschaft und Aufklärung
23 Posten mit Verantwortung Neuer Leitfaden über Sichtbarkeit und verantwortliche Darstellung von Kinderfotos und -videos im Netz
24 Südtiroler Jugendredewettbewerb 2026: Reden ist Silber, Jugend ist Gold
25 Tiroler Landesjugendredewettbewerb 2026: Mit viel Herz und Mut zum Sieg
25 Spielenachmittag im Alten- und Pflegeheim Jesuheim
26 Landesjugendsingen 2026 Diese Chöre fahren zum Bundeswettbewerb
27 Nachhaltige Naturerfahrung
28 Jukas Bildungsangebot
30 Menschen und Jobs
In dieser „z.B.“-Ausgabe widmen wir uns dem Thema „Frieden“. Dabei geben uns diese Expert*innen aus unterschiedlichen Fachrichtungen Einblicke in ihre Überlegungen: Josef Prackwieser (Center for Autonomy Experience Eurac) analysiert die Frage von Krieg und Frieden aus der Sicht von Friedensforschung, Geschichte und Völkerrecht. Corinne Bertoncini (Forum Prävention) beleuchtet die Ursachen von Gewalt sowie die Formen und Instrumente der Gewaltprävention. Barbara Sieberth und Hanna Westmann sind überzeugt, dass Frieden gelernt werden kann, und stellen die zwei neuen Projekte des Friedensbüros Salzburg „Young Peacemakers“ sowie „GEKKOS“ vor. Ursula Gamauf-Eberhardt vertritt die Ansicht, dass friedenspädagogische Angebote Investitionen in eine Zukunft sind, in der Vielfalt als Voraussetzung für einen lebendigen Frieden gilt. In diesem Sinn beschreibt sie die friedenspädagogischen Angebote des Österreichischen Friedenszentrums ACP. Till Veerbeck-Stroetmann vom IJAB hebt in seinem Beitrag die Bedeutung der Internationalen Jugendarbeit zur Friedenspraxis hervor. Den Abschluss des inhaltlichen Schwerpunktes bildet Simon Ferrara (Dachverband Natur- und Umweltschutz), der die Auswirkungen von Kriegen auf die Umwelt erörtert und dafür plädiert, Frieden mit der Natur zu schließen. Von der Vielfältigkeit und Buntheit der Jugendarbeit in Tirol und Südtirol kann man sich wie gewohnt im zweiten Teil unserer Zeitschrift überzeugen: Hier finden sich Berichte und Informationen zu unterschiedlichen Projekten sowie interessante Fortbildungsangebote. Wir wünschen eine anregende Lektüre.
Für die Redaktion Christine Kriwak
Thema der nächsten Ausgabe: Vertrauen
Krieg, Frieden und die Krise des Völkerrechts
Wann herrscht Krieg, wann Frieden? Diese scheinbar einfache Frage wird komplexer, je genauer man hinsieht. Die laut zahlreichen Expert*innen völkerrechtswidrigen Angriffe der USA und Israels auf den Iran, der seit 2014/2022 andauernde Krieg zwischen Russland und der Ukraine sowie Trumps territoriale Ambitionen in Bezug auf Grönland zeigen: An Belegen mangelt es offenbar nicht, dass die regelbasierte Ordnung der Weltgemeinschaft geschwächt ist und neue Konfliktszenarien am Horizont entstehen. Zugleich wenden mächtige Staaten das Völkerrecht zunehmend auf selektive Weise an. Eine Analyse in vier Schritten aus Perspektiven der Friedensforschung, Geschichte und Völkerrechtswissenschaft.
1. Wann herrscht Krieg?
Hilfreich für die Beantwortung ist der Versuch einer qualitativen Definition: Was verstehen wir unter „Krieg“? Sind damit große zwischenstaatliche Konflikte wie zwischen der Ukraine und Russland, zwischen Iran, USA und Israel gemeint? „Totale Kriege“ wie den Zweiten Weltkrieg? Oder können wir bereits kleinere, regionale militärische Auseinandersetzungen, so genannte „lowintensity-Konflikte“ unter dem Begriff subsummieren? Was ist mit innerstaatlichen Konflikten wie Bürger- oder Guerillakriegen, in denen nicht-staatliche Gewaltakteure wie separatistische Bewegungen eine Rolle spielen?
Zwei quantitative Ansätze könnten nützlich sein: Das an der Universität Michigan Anfang der 1960er Jahre begonnene Statistik-
projekt „Correlates of War” erfasst das weltweite Kriegsgeschehen seit 1816. Als Krieg gilt demnach jeder gewaltsame Konflikt mit mindestens 1.000 getöteten Kombattanten pro Jahr. Damit Völkermorde und einzelne Massaker nicht darunter fallen, erfordert die Definition, dass stets zwei Parteien organisiert Gewalt ausüben. Auch muss die zahlenmäßig schwächere Partei dem Gegner im Verlauf der Kämpfe mindestens fünf Prozent der eigenen Verluste zugefügt haben.
Das Uppsala Conflict Data Program sammelt die Daten von allen Kriegen seit 1946. Der Datensatz umfasst 581 Kriege. Sie werden in zwei Kategorien eingeteilt: große Kriege mit über 1.000 Todesopfern pro Jahr sowie kleinere Kriege und Konflikte mit 25 oder mehr Todesopfern. Der Krieg in der Ukraine hat allein im Jahr 2022 eine sehr hohe sechsstellige Opferzahl (je nach Schätzung) gefordert. Damit ist er ein Großkrieg – wie der Syrien-Krieg zu Beginn des Konflikts oder der Krieg zwischen Eritrea und Äthiopien (Tigray-Krieg 2020). Der Uppsala-Datensatz zeigt: Am häufigsten enden Kriege nicht mit einem klaren Sieg oder einer Niederlage. Gut ein Drittel verebbt, zum Beispiel, weil sich Konfliktparteien auflösen oder es nur noch sporadisch zu gewaltsamen Auseinandersetzungen kommt. Etwas weniger als ein Drittel der Kriege endet, weil eine Seite gewinnt. Und nur rund ein Viertel endet durch Verhandlungen: Waffenstillstände und Friedensabkommen kommen dabei gleich häufig vor. Der Politologe Herfried Münkler unterscheidet zwischen Kriegen, die durch militärische Entscheidung, Erschöpfung oder
Büro der Vereinten Nationen in Genf
Verhandlung enden. Zwei-Staaten-Kriege seien tendenziell leichter zu beenden als Vielparteienkriege, bei denen sich multiple Kriegsziele überlagern. Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) ist dafür exemplarisch: Ein Konfessionskonflikt (Katholiken gegen Evangelische) verschmolz mit einem Verfassungskonflikt (Kaiser gegen Reichsstände), einem Hegemonialkrieg (Frankreich gegen Habsburg) und einem Territorialkrieg (Schweden, Preußen, Bayern und andere Mächte ringen um neue Gebiete). Erst der Westfälische Frieden von 1648 konnte diese Ebenen gemeinsam und multilateral bearbeiten. Er gilt daher zurecht als Meilenstein im Völkerrecht der modernen Staatenwelt. Auch der bereits erwähnte Ukrainekrieg zeigt, dass ein bloßer Waffenstillstand nicht automatisch Frieden bedeutet. Eine dauerhafte Lösung müsste zugleich die Sicherheit der Ukraine, das Verhältnis zwischen Russland und NATO sowie die Stabilität des postimperialen (ex-sowjetischen) Raums zwischen Ostmitteleuropa, Schwarzem Meer, Kaukasus und Zentralasien regeln.
2. Wann herrscht Frieden?
Frieden wird wiederum in der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Thema häufig in zwei Typen unterschieden (nach Johan Galtung): Die bloße Abwesenheit von Krieg oder direkter physischer Gewalt wird als „negativer Frieden“ bezeichnet. Ein positiver Friedensbegriff hingegen meint auch die Zunahme sozialer Gerechtigkeit und die Schaffung einer Kultur des Friedens zwischen Menschen innerhalb einer Gesellschaft und zwischen Gesellschaften.
Unsere heutige Unterscheidung zwischen Krieg und Frieden ist dabei keineswegs selbstverständlich. Erst mit dem Übergang zu Ackerbau und Viehzucht vor etwa 10.000 Jahren entstand eine für die Lebensweise der Menschen relevante Differenzierung zwischen beiden Zuständen. Herrscher, die über Heere, Rechtssysteme und Verwaltung verfügten, befriedeten das Land nach innen und führten Kriege nach außen. Eng mit dieser Entwicklung verknüpft ist die bis heute wirksame Trennung zwischen krimineller und kriegerischer Gewalt. Damit entstand ein neuer Kriegsbegriff, der das Gegenteil des Friedens meinte: nicht mehr die Allgegenwart drohender Gewalt, sondern eine zeitlich begrenzte Phase der Gewalt, die auf bestimmte Räume konzentriert war. Frieden ist also mehr als die Abwesenheit von Schüssen. Er setzt voraus, dass Gewalt politisch, rechtlich und sozial eingehegt ist. Doch diese Einhegung erodiert zurzeit. Zwischen Krieg und Frieden ist ein grauer Raum entstanden, eine „Grey Zone“, in dem Gewalt unterhalb der Kriegsschwelle und „hybrid“ stattfindet: durch Drohnenangriffe ohne Kriegserklärung, Cyberattacken auf kritische Infrastruktur oder Desinformationskampagnen im
Josef Prackwieser
Internet, die Gesellschaften von innen destabilisieren sollen. Das Ziel ist nicht der schnelle Sieg, sondern die dauerhafte Destabilisierung des Gegners. Strategisch ist hier oft kein Ende vorgesehen, denn ohne jemals friedlich zu sein, handelt es sich um keinen offenen Krieg. Die klare Unterscheidung, die das moderne Völkerrecht voraussetzt, verschwimmt. Als bekannter Akteur dieser so genannten „hybriden Kriegsführung“ gegen einzelne Staaten Europas und europäische Institutionen wird häufig Russland genannt.
3. Zweiter Weltkrieg und Gründung der UNO
Die UNO entstand aus der Erfahrung zweier Weltkriege, des Holocaust und der totalen Entgrenzung politischer Gewalt. Ihr Kernversprechen lautet: Künftige Generationen sollen vor der „Geißel des Krieges“ bewahrt werden. Die UN-Charta von 1945 machte aus dem alten Recht zum Krieg ein Recht gegen den Krieg, hier verstanden als „organisierte, kollektive Gewaltanwendung“. Artikel 2 Absatz 4 verbietet die Androhung und Anwendung militärischer Gewalt. Zulässig bleiben gemäß Art. 51 der UN-Charta nur Selbstverteidigung im Falle eines bewaffneten Angriffs oder Maßnahmen des UN-Sicherheitsrats.
Die Nürnberger Prozesse ergänzten diese Ordnung strafrechtlich. Sie formulierten den Gedanken, dass auch Staatsführer persönlich für Angriffskrieg, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantwortlich sein können. Dies galt als zivilisatorische Zäsur, denn nun sollten nicht mehr nur Besiegte politisch bestraft, sondern individuelles Handeln rechtlich beurteilt werden. Das römische Statut und die Gründung des Internationalen Strafgerichtshofes Anfang 2002 steht in derselben Tradition.
Doch die UNO war nie eine wirkliche Weltregierung. Der UNO-Sicherheitsrat ist ein politisches Machtorgan, kein neutraler Weltgerichtshof. Das Vetorecht der fünf ständigen Mitglieder schützt die Großmächte oft vor der vollen Konsequenz jener Ordnung, die sie selbst geschaffen haben, und zur Durchsetzung dieser Ordnung braucht es oft selbst einen Hegemon, wie es die USA nach 1945 lange Zeit waren oder bis heute sind („Pax Americana“).
4. Krise der internationalen Ordnung und des Völkerrechts
Die internationale Ordnung steckt nicht deshalb in der Krise, weil es kein Völkerrecht (mehr) gäbe, sondern weil sich Garantiemächte wie die USA zurückziehen oder einzelne (mächtige) Staaten dieses Recht selektiv und interessensgeleitet anwenden: Russlands Annexionen in der Ukraine (2014 und 2022); der US-amerikanische Irakkrieg 2003 ohne Mandat des Sicherheitsrats; die NATO-Kosovo-Intervention 1999; die Besatzung palästinensischer
Frieden
Autonomiegebiete seitens Israels seit 1967; Angriffe auf zivile Infrastruktur wie im GazaKrieg, der nach dem Hamas-Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 begann und zu Haftbefehlen des ICC im November 2024 gegen Israels Premierminister Benjamin Netanyahu und den ehemaligen Verteidigungsminister Yoav Gallant wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit führte. Im Juni 2025 und März/April 2026 lösten israelische und amerikanische Angriffe auf iranische Nuklear- und Militäranlagen erneut intensive völkerrechtliche Debatten über Gewaltverbot und Selbstverteidigung aus.
Trotzdem wäre es falsch, von einem „Ende des Völkerrechts“ zu sprechen. Die meisten internationalen Beziehungen funktionieren täglich auf rechtlicher Grundlage, man denke nur an den Luftverkehr, das Seerecht, Handel, Gesundheitsschutz und auch Menschenrechte.
Das Problem liegt vor allem im Friedenssicherungsrecht, also dort, wo Machtinteressen am stärksten berührt werden. Aber auch in Krisenzeiten beachten die meisten Staaten viele Regeln. Gerade kleinere und mittlere Staaten, so genannte „Mittelmächte“, haben indes großes Interesse an einer starken Rechtsordnung. Erst jüngst erwähnte der kanadische Premierminister Mark Carney diesen Umstand in seiner vielbeachteten Rede auf dem Davoser Weltwirtschaftsforum im Januar 2026. Das Völkerrecht steht unter Druck, aber es ist nicht obsolet. Es verhindert Krieg nicht automatisch, bietet jedoch den einzigen allgemein anerkannten Maßstab, um Aggression und Kriegsverbrechen zu benennen und zu sanktionieren. Genozid etwa ist kein moralisches Urteil, sondern ein juristisch präzise definierter Tatbestand, über den Gerichte entscheiden. Politisch kommt es schließlich darauf an, früh zu handeln: wenn Sprache entmenschlicht, wenn Vertreibung beginnt, wenn Hunger zur Waffe wird, wenn Straflosigkeit zur Norm gerät.
Josef Prackwieser Center for Autonomy Experience, Eurac Research
Frieden gestalten
Warum Gewaltprävention eine gemeinsame Verantwortung ist
Frieden als Prozess: Konflikte verstehen lernen
„Viel zu oft wurde der Frieden mit dem bloßen ruhigen Dahinleben verwechselt“, so Alexander Langer. Eine Überlegung, die dazu einlädt, unser gängiges Verständnis von Frieden zu hinterfragen: Frieden ist nicht ein Zustand frei von Spannungen, Konflikten oder Unstimmigkeiten, sondern ein komplexer und mitunter anstrengender Prozess. Zugleich erinnerte Langer daran, dass „Frieden nicht nur ein Wert ist, den es zu verteidigen gilt, sondern eine politische Praxis, die täglich neu aufgebaut werden muss“. Eine Praxis, die bewusste Entscheidungen, geteilte Verantwortung und ein kontinuierliches Engagement in Beziehungen, in Bildungszusammenhängen und in gesellschaftlichen Strukturen erfordert.
Doch was bedeutet Frieden für den Einzelnen oder für die Gemeinschaft heutzutage? Für viele Menschen stellt Frieden einen Wert dar, an dem sie ihr Leben ausrichten und der sich im Alltag in der bewussten Entscheidung für gewaltfreie Handlungsweisen niederschlägt. Andere wiederum sind auf der Suche nach innerem Frieden, während andere Frieden als einen Zustand harmonischer Beziehungen verstehen, in dem Konflikte um jeden Preis vermieden werden sollen.
Konflikte – seien sie innerlich, zwischenmenschlich oder international – sind nahezu unvermeidlich. Ein dauerhafter Zustand des Friedens ist
sowohl auf individueller als auch auf kollektiver Ebene utopisch. Entscheidend ist daher nicht die Abwesenheit von Konflikten, sondern die Art und Weise, wie mit ihnen umgegangen wird. Werden Krisen konstruktiv und ohne Gewalt bewältigt, können sie zu Chancen für Veränderung werden. Wenn Frieden als Prozess und nicht als dauerhafter Zustand verstanden wird, wird es umso wichtiger, die Transformation von Konflikten in Gewalt zu verhindern.
Gewalt vorbeugen: Bedürfnisse, Ungleichheiten und die Gestaltung von Lebenswelten Präventives Handeln setzt voraus, sich mit den Ursachen von Gewalt auseinanderzusetzen. Häufig entsteht sie dort, wo geeignete Strategien zur Befriedigung grundlegender menschlicher Bedürfnisse fehlen. Gerade in der Jugendphase sind Bedürfnisse nach Verbundenheit, Sicherheit, Anerkennung und Autonomie zentral. Jugendliche benötigen Räume, in denen sie sich mit einem gewissen Maß an Freiheit erproben können, begleitet von verlässlichen erwachsenen Bezugspersonen. Wenn diese entwicklungsrelevanten Bedürfnisse aus individuellen, sozialen oder strukturellen Gründen nicht erfüllt werden können, kann Gewalt zu einem Mittel werden, um gewünschte Ziele zu erreichen. Sie kann als Bewältigungsstrategie dienen, zur Verteidigung eigener oder fremder Interessen, zur Sicherung von Status oder Macht oder um einem Gefühl der Ohnmacht zu entkommen. In manchen Fällen zeigt sie sich als Ausdruck toxischer Männlichkeit, in anderen als Reaktion auf erfahrene Gewalt. Zudem ist zu berücksichtigen, dass in der Jugend eine erhöhte Neigung besteht, Langeweile und Frustrationen zu vermeiden und impulsiv nach Angenehmem zu streben.
In der Jugendarbeit ist es daher wichtig anzuerkennen, dass Gewalt auch ein Kommunikationsmittel sein kann – insbesondere dann, wenn junge Menschen sich nicht gehört fühlen oder ihnen alternative Ausdrucksformen fehlen. Die Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen eröffnet ihnen andere Wege, mit Konflikten und Frustrationen umzugehen, und stärkt zugleich das Bewusstsein für den eigenen Wert sowie den eigenen Beitrag zur lokalen Entwicklung und zum Frieden. Leider wird an diesen Kompetenzen häufig erst dann gearbeitet, wenn bereits Gewaltprobleme aufgetreten sind und junge Menschen deutliche Anzeichen von Belastung zeigen.
Nicht nur aus Gründen der sozialen Gerechtigkeit, sondern auch mit Blick auf ihre langfristig positiven Wirkungen sollten deshalb universelle Präventionsprogramme gefördert werden, die allen Kindern und Jugendlichen zugänglich sind. Die Reduzierung sozialer Ungleichheiten und die Gewährleistung fairer Chancen sind zentrale Bestandteile eines nachhaltigen Friedensprojekts.
Insbesondere im Jugendalter ist es notwendig, inklusive und kooperative – statt wettbewerbsorientierte – Kontexte zu fördern, in denen junge Menschen Zugehörigkeit erfahren können. Dieses Bedürfnis ist in dieser Lebensphase besonders ausgeprägt. Wird es nicht erfüllt, könnte sein, dass Jugendliche anderweitig nach Anerkennung und Akzeptanz suchen – auch in Gruppen mit problematischen oder devianten Verhaltensweisen, sowohl offline als auch online.
Daher ist es unerlässlich, dass Orte und Menschen, die für junge Menschen zu wichtigen Bezugspunkten werden, ihnen eine Entwicklung frei von Gewalt ermöglichen. In Südtirol stellt die Weiterentwicklung von Gewaltschutzkonzepten einen wichtigen Schritt in diese Richtung dar. Das Ziel dabei ist, möglichst sichere Lebensräume zu schaffen und gewaltfreie erwachsene Vorbilder zu fördern, die auch bei Verdachtsfällen von Gewalt professionell, verantwortungsbewusst und zeitnah handeln können.
Frieden erziehen: Gewalt nicht mit Gewalt beantworten Frieden zu vermitteln, wird besonders schwierig, wenn man mit dem Leid konfrontiert ist, das durch Krieg und schwere Ungerechtigkeiten verursacht wird. Der Verlust von Menschen infolge gewaltsamer Handlungen kann Wut und den Wunsch nach Vergeltung hervorrufen. Wie lässt sich in Situationen tiefen emotionalen Betroffenseins ein friedlicher Ansatz bewahren? Und wie kann weiterhin ein glaubwürdiges Vorbild für jüngere Generationen geboten werden? Bildungsreisen – wie jene, die vom Amt für Jugendarbeit gefördert werden – bieten darauf eine wichtige Antwort. Die Begegnung mit Überlebenden von Ereignissen wie dem Holocaust, dem Bosnienkrieg in den 90ern oder dem Anschlag von Bologna geht weit über historisches Lernen hinaus: Sie zeigt konkret, dass es Alternativen zur Gewalt gibt. Diese Erfahrungen sind wirkungsvolle Instrumente der Gewaltprävention und von großem Wert – nicht nur für junge Menschen, sondern auch für Fachkräfte in Bildung und Jugendpolitik. Denn der Erhalt von Frieden –mit einem klaren Fokus auf Gewaltprävention – ist keine Aufgabe für wenige Expert*innen. Er ist eine gemeinsame Verantwortung, die Bildung, Politik und alltägliche Beziehungen gleichermaßen durchzieht und bereits bei der Art und Weise beginnt, wie wir im Alltag mit Konflikten umgehen.
Corinne Bertoncini Psychologin, Mitarbeiterin in der Fachstelle für Gewaltprävention, Forum Prävention Literatur: Glasl F. Konfliktmanagement. Ein Handbuch für Führung, Beratung und Mediation. Verlag Freies Geistesleben. Stuttgart. 13., aktualisierte Auflage. 2024. Lochman J. E., Wells K. C., Lenhart L. A. Coping Power. Programm zur Förderung sozialemotionaler Kompetenzen und zur Prävention von aggressivem Verhalten bei Kindern und Jugendlichen. Hogrefe Verlag. Bern. 2. Auflage. 2019.
Corinne Bertoncini
Frieden
Frieden ist kein starrer Zustand, sondern ein lebendiger Prozess. Und er kann gelernt werden.
Das Friedensbüro Salzburg ist seit fast 40 Jahren bemüht, in Bildungsarbeit das „Frieden lernen“ zu unterstützen. Zwei neuere Projekte möchten wir hier vorstellen.
„Wir müssen uns für eine friedliche Welt einsetzen!“ Diese Worte stammen von der jungen Frauenrechtsaktivistin Husna Jalal aus Afghanistan. Mit nur 24 Jahren gründete sie eine erfolgreiche Initiative, das Young Afghan Women Movement, eine Plattform, die junge afghanische Frauen in und außerhalb Afghanistans vernetzt. Husna Jalal ist eine von unseren derzeit zehn Young Peacebuilders: Dies sind junge Friedensarbeiter*innen aus verschiedenen Teilen der Welt, die wir auf der Friedensbüro-Plattform whywar.at vorstellen.
Geboren wurde diese Idee im Jahr 2024 im Zuge unseres Projekts Creating Peace – Werkstatt für Friedenscontent. Mithilfe des Projektes wollten wir jungen Menschen eine Plattform bieten, sich im digitalen Raum für den Frieden stark zu machen. Denn, ob in den digitalen Medien, in Filmen oder Social Media-Feeds: Ständig werden wir mit Bildern von Krieg und Gewalt konfrontiert. Bei vielen Menschen führt dies zu starken Gefühlen von Ohnmacht, Resignation oder lähmender Angst. Um diesen Gefühlszuständen etwas entgegenzusetzen, entstand in der Projektgruppe die Idee, junge Hoffnungsträger*innen und ihre Initiativen vor den Vorhang zu holen, über ihre persönlichen Zugänge und Träume zu erzählen und ihre Friedensarbeit einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen. Denn worüber medial selten berichtet wird: Die Bedeutung des Beitrags junger Menschen für eine friedlichere Welt ist enorm. Durch ihr Engagement und ihre Kreativität bringt die junge Generation eine besondere Dynamik in die Friedensarbeit ein: Sie entwickeln innovative Lösungen, nutzen neue Technologien und verwenden soziale Medien, um Menschen zu erreichen. Und sie schenken Hoffnung! Denn durch ihre Arbeit wird sichtbar, dass es durchaus möglich ist, Menschen zu einer
globalen Gemeinschaft, die sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzt, zu vernetzen und gemeinsam etwas zu bewirken. In der Schul- bzw. Jugendarbeit haben die Young Peacebuilders daher eine wichtige Vorbildfunktion.
Begleitet wird unser Online-Angebot Young Peacebuilders auf whywar.at von einer Plakat-Ausstellung, die im Klassenraum, der Schule oder im Jugendzentrum ausgestellt werden kann, von Arbeitsmaterialien für den Unterricht sowie von einem WorkshopAngebot. Mithilfe friedenspädagogischer Methoden setzen sich die jungen Menschen hierbei mit grundlegenden Fragen zum Thema Frieden auseinander: Was ist Frieden und wie kann er erreicht werden? Was ist Friedensarbeit und wie arbeiten Friedensaktivist*innen?
Im zweiten Schritt werden den Jugendlichen unterschiedliche Formen der Friedensarbeit interaktiv vorgestellt. Anhand der Young Peacebuilders-Portraits lernen sie die jungen Friedensarbeiter*innen kennen: Sie erfahren z. B., welche Herausforderungen ihnen begegnen, und wie sie Kraft tanken, um weiterzumachen. In einem persönlichen (Online-)Gespräch mit einem unserer Young Peacebuilders hat die Gruppe die Möglichkeit ihre eigenen Fragen zu stellen.
Ein wichtiges Ziel des Projekts ist es, die Schüler*innen bzw. Jugendlichen zu inspirieren und ihr Interesse zu wecken, mehr über die vielfältigen Möglichkeiten von friedensfördernden Engagements herauszufinden. Genauso wichtig ist uns aber auch, die Eigeninitiative und Selbstwirksamkeit der jungen Menschen zu fördern. In Klein-Gruppen reflektieren wir: Welche Art von Friedensarbeit würde mich interessieren? Was brennt mir unter den Nägeln? Wie können wir uns, mit unseren vorhandenen Mitteln, für eine friedlichere Welt einsetzen, sei es durch Unterstützung von humanitären Projekten, mit einer Spendenaktion, mithilfe einer Petition oder durch Briefe an Politiker*innen etc.
FOTO: Friedensbüro Salzburg
Die Jugendlichen sind außerdem eingeladen, künstlerische Ausdrucksformen für das Thema „Frieden“ zu entwickeln und z. B. Bilder, Podcasts, Musik oder Texte zu erarbeiten. Die Ergebnisse der „künstlerischen Friedensarbeit“ können auf whywar.at veröffentlicht werden. Weiterführende Links: whywar.at/young-peacebuilders/ instagram.com/crpe_contentwerkstatt friedensbuero.at
Was geht ab im digitalen Raum? Wie kann ich friedensfördernd Soziale Medien überhaupt nutzen? Wie sinnvoll ist Zivilcourage online? Diesen Fragen geht unser kostenfreies Online-Angebot im Afterwork-Format nach: „GEKKOS – Gewaltprävention und konstruktive Konfliktkultur in Sozialen Medien“ Soziale Medien stellen einen essentiellen Bestandteil des öffentlichen Raums dar. Sie bieten eine Plattform für Vernetzung, Information und (politische) Meinungsbildung. Sie bieten die Chance, sich niederschwellig an öffentlichen Diskussionen und dem politischen Leben zu beteiligen und stellen – im Besonderen für marginalisierte Gruppen – ein wichtiges Sprachrohr dar. Zeitgleich bietet ihre technologische Beschaffenheit Risiken. Diese werden sichtbar in verschiedenen Gewaltdynamiken von Cybermobbing bis Hate Speech, in gesellschaftlichen Konfliktlagen (z. B. Desinformationskampagnen) und Radikalisierungsprozessen (über gezielte Rekrutierungsstrategien).
Im Besonderen BIPoC, queere Personen und politisch Engagierte (davon meist Frauen) sind von Hass und weiteren Formen digitaler Gewalt betroffen, was nicht selten Silencing – das Verstummen entsprechender Perspektiven – zur Folge hat. Das führt letztlich zu einer Diskurs-
verschiebung, indem extreme bis extremistische Perspektiven der Täter*innen erstarken, während sich marginalisierte Gruppen zunehmend zurückziehen. Nicht umsonst also nehmen Jugendliche, deren politische Meinungsbildung primär digital stattfindet, Gewalt und Konflikt als Normalzustand sozialer Medien wahr.
Das Friedensbüro Salzburg arbeitet seit vielen Jahren gewaltpräventiv an Schulen sowie mit Jugendgruppen. Die Referent*innen sind dabei in Kontakt mit jungen Menschen mit vielfältigen Lebensgeschichten, sozialen Hintergründen und diversen Altersstufen. Zunehmend spielt sich die Gewalt auch in den Digitalen Räumen ab oder verstärkt Gewaltspiralen, die im analogen Miteinander bereits entstehen. Das Friedensbüro ist auch im Bereich Politischer Bildung mit jungen Menschen aktiv, in den letzten Jahren hat sich dabei ein medienpädagogischer Schwerpunkt entwickelt, in dem auch digitale Zivilcourage ein fester Bestandsteil ist.
In der Reflexion mit den jungen Menschen hören wir jedoch oft, dass es auch an Bewusstsein und Vorbildwirkung der „Erwachsenenwelt“ fehlt. Dass Pädagog*innen sich „nicht einmischen“ wollen (?), können (?). Digitale Gewaltformen sind vielen bewusst, einen Umgang damit finden aus unserer Erfahrung heraus wenige.
GEKKOS soll ein Angebot der Weiterbildung für pädagogische Fachkräfte sein, die Wissen, Austausch und persönliche Weiterentwicklung suchen. Das Themenspektrum ist weit und beschäftigt sich mit diesen Fragestellungen:
• Was sind digitale Gewaltphänomene, welche Eskalationsstufen sind erkennbar?
• Welche Machtstrukturen beeinflussen das Nutzen und Wirken im digitalen Raum?
• Wie gelingt Partizipation und Teilhabe im Netz?
• Mit welchen konkreten Formen der Gewalt sind junge Menschen konfrontiert?
• Wie wirkt sich die Gewalt auf verschiedenen Gruppen aus?
• Wie geht digitale Zivilcourage?
• Welche Möglichkeiten der Intervention bewirken was?
• Welche extremistischen Weltbilder haben im digitalen Raum großen Zulauf?
• Wie geht Medienproduktion für die Sozialen Medien, wie kann das pädagogisch genutzt werden?
• Welche Rolle spielt KI im digitalen Raum in Bezug auf Gewalt oder Friedensförderung?
• Welche Good Practice-Beispiele gibt es von Jugendarbeit im digitalen Raum? Die Impuls gebenden Expert*innen kommen aus den verschiedensten Feldern der Jugendarbeit, der Medienbildung, der NGO-Arbeit, der Friedens- und Konfliktforschung. Neben den Impulsen wird auch Raum für Reflexion und Transfer in den eigenen Arbeitsund Lebenskontext gegeben. Die kostenlose Fortbildungsreihe läuft noch bis 9. Juli 2026, Anmeldung ist unter gekkos.at auch kurzfristig möglich!
Barbara Sieberth und Hanna Westmann Friedensbüro Salzburg | friedensbuero.at
Barbara Sieberth
Hanna Westmann Frieden
FOTOS: Friedensbüro Salzburg
Frieden lernen, lehren, leben –Zukunft gestalten!
Die friedenspädagogischen Angebote des ACP
In einer Welt, deren öffentliche Diskurse zunehmend von Polarisierung, Verhärtung und einem diffusen Gefühl permanenter Krisen geprägt sind, gewinnt Friedenspädagogik eine neue Dringlichkeit. Sie ist längst mehr als ein idealistisches Bildungsangebot für Randgruppen: Sie ist eine gesellschaftliche Notwendigkeit. Am Österreichischen Friedenszentrum – Austrian Centre for Peace (ACP) in Stadtschlaining/ Südburgenland – wird diese Einsicht seit Jahren in konkrete, wirkungsvolle Bildungsarbeit übersetzt. Die friedenspädagogischen Programme des ACP verbinden wissenschaftliche Grundlagen, praktische Erfahrung und eine zutiefst humanistische Haltung zu einem Ansatz, der Frieden nicht nur thematisiert, sondern (er)lebbar macht. Ausgangspunkt aller Bemühungen ist ein Gedanke, der bereits in der Präambel der UNESCO-Verfassung von 1945 formuliert wurde: Kriege beginnen in den Köpfen der Menschen – und genau dort muss auch Frieden seinen Ursprung finden. Friedens-
pädagogik am ACP versteht sich daher als gesellschaftspolitische Bildungsarbeit. Sie setzt auf allen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens an und nimmt gleichermaßen Individuen, Gruppen und Institutionen in den Fokus. Dabei geht es nicht um moralisierende Belehrung, sondern um die Entwicklung von Kompetenzen, die es erlauben, Konflikte konstruktiv zu bearbeiten, Gewalt vorzubeugen und Vielfalt als Ressource zu begreifen.
Ursula Gamauf-Eberhardt
Zentral ist der ganzheitliche Ansatz der Programme. Frieden wird nicht bloß als Abwesenheit von Krieg verstanden, sondern als dynamischer Prozess, der friedensförderndes Wissen, Fertigkeiten, Haltungen und Werte umfasst. Die Teilnehmenden erwerben Konflikt- und Friedenskompetenzen, üben gewaltfreie Kommunikation, reflektieren Macht- und Ungleichheitsverhältnisse und setzen sich mit Themen wie Mobbing- und Gewaltprävention, genderbasierter Gewalt, Inklusion und Integration, Diversität und solidarischem Handeln auseinander. Der „kleine Frieden“ des alltäglichen Zusammenlebens wird dabei stets mit dem „großen Frieden“ globaler Zusammenhänge verschränkt.
Besondere Sichtbarkeit haben die friedenspädagogischen Angebote für junge Menschen. Die UNESCO-prämierten Friedenswochen, die sich an Schüler*innen aller Schultypen von der 3. bis zur 13. Schulstufe richten, sind längst zu einem Markenzeichen des ACP geworden. In der außergewöhnlichen Umgebung der Burg Schlaining erleben junge Menschen Gemeinschaft fernab gewohnter Rollenbilder und sozialer Zuschreibungen. In interaktiven, altersadäquat konzipierten Settings lernen sie, Selbst- und Fremdwahrnehmung sowie Selbstwirksamkeit zu aktivieren, Verantwortung zu übernehmen, Grenzen zu überwinden und vor allem Konflikte als Chancen für positive Veränderung zu begreifen und im konstruktiven und kreativen Umgang damit nachhaltig kompetent zu werden. Mehr als 24.500 Schüler*innen haben bereits an diesem renommierten Gewaltpräventionsprogramm teilgenommen – ein eindrucksvoller Beleg für seine gesellschaftliche Relevanz. Ergänzt werden die Friedenswochen durch spezialisierte Bildungsformate wie das Holocaust History Projekt für die 7. bis 10. Schulstufe. Lernen aus der Vergangenheit wird hier als politischer Bildungsprozess verstanden: Die Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus dient nicht allein dem Erinnern, sondern der Sensibilisierung für Menschenrechte, Demokratie und die Gefahren von Ausgrenzung in der Gegenwart. In einem interaktiven Workshop analysieren junge Menschen die Dynamiken zwischen Täter*in, Opfer und Umfeld, thematisieren Möglichkeiten von Zivilcourage und Friedenshandeln, und üben die eigene Selbstwirksamkeit.
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ACP
Frieden
Die friedenspädagogischen Programme des ACP für Schüler*innen verstehen sich nicht als moralische Instanzen, die definieren, was gut oder böse ist. Vielmehr fördern sie eine innere Friedenshaltung und vermitteln Wissen sowie praktische Fertigkeiten, die junge Menschen befähigen, selbst zu Akteur*innen jener Veränderung zu werden, die sie sich für diese Welt wünschen. Ein weiteres zentrales Handlungsfeld des ACP ist die Aus- und Weiterbildung von Pädagog*innen. Mit systemischen Kompetenztrainings im Rahmen der Friedenswochen, dem innovativen Masterlehrgang Friedens- und Life Skills Pädagogik und dem jährlichen FriedenspädagogikSymposium 7 Tage für Frieden trägt das ACP friedenspädagogisches Denken nachhaltig in Bildungsinstitutionen und den öffentlichen Raum hinein. Pädagog*innen werden darin unterstützt, kompetent in Konflikt- und Gewaltkonstellationen zu agieren, pluralitätsfähige Lern- und Begegnungsräume zu gestalten und globale Zusammenhänge didaktisch sensibel zu vermitteln. Friedensbildung wird dabei als gemeinschaftliche Verantwortung verstanden, die als handlungsleitendes Prinzip im pädagogischen Alltag verankert wird. Die Programme des ACP entstehen und wirken in enger Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Burgenland, der Bildungsdirektion Burgenland sowie der Kinder- und Jugendanwaltschaft Burgenland und verbinden damit friedenspädagogische Expertise, schulische Praxis und kinderrechtliche Perspektiven zu einem nachhaltigen Bildungsansatz. Und: sie sind für Schüler*innen und Pädagog*innen aus ganz Österreich (und darüber hinaus!) offen!
Charakteristisch für alle ACP-Friedenspädagogik-Angebote ist die methodische Vielfalt. Statt frontaler Wissensvermittlung setzt das ACP auf erfahrungsorientiertes, partizipatives Lernen. Rollenspiele, Dialogformate, Gruppenarbeiten und kreative Methoden ermöglichen es den Teilnehmenden, eigene Erfahrungen einzubringen und neue Perspektiven zu entwickeln. Der Lernprozess bleibt dabei stets an die jeweilige Lebensrealität angebunden – ein entscheidender Faktor für nachhaltige Wirkung. Die Arbeit des ACP ist freilich nicht auf nationale Bildungsräume beschränkt. Als aktives Mitglied zahlreicher Friedensnetzwerke und als Teil des UNESCO-Fachbeirats für Transformative Bildung ist das Institut stets in internationale Diskurse eingebunden. Diese Vernetzung stärkt nicht nur die Qualität der Programme, sondern macht deutlich: Friedenspädagogik ist eine globale Aufgabe, die lokales Handeln und weltweite Verantwortung zusammen denkt.
In Zeiten, in denen einfache Antworten Konjunktur haben und gesellschaftliche Debatten zunehmend eskalieren, setzt das ACP auf Differenzierung, Dialog und Lernprozesse. Die friedenspädagogischen Angebote sind damit weit mehr als Bildungsprojekte. Sie sind Investitionen in eine Zukunft, in der Konflikte nicht verdrängt, sondern kreativ und gewaltfrei gestaltet werden; eine Zukunft, in der Vielfalt nicht als Bedrohung gilt, sondern als Voraussetzung für lebendigen Frieden. Wer Frieden ernst nimmt, muss ihn lernen, lehren und leben – am ACP geschieht genau das, Tag für Tag. Weitere Informationen: ac4p.at
Ursula Gamauf-Eberhardt
Mag. Ursula E. Gamauf-Eberhardt MA ist Leiterin des Bereichs Friedenspädagogik am ACP Schlaining. Sie bringt Erfahrungen aus internationalen Kooperationen wie UNESCO, UNO, OSZE und EU in die friedensbildende Arbeit ein. Darüber hinaus ist sie Mitglied des UNESCO Fachbeirats für transformative Bildung und Leiterin des Pilot Masterlehrgangs „Friedens- und Life Skills Pädagogik“ der Pädagogischen Hochschule Burgenland.
Mehr als Begegnung
Teilnehmende der Jugendbegegnung youth4peace bei einem Energizer in Berlin 2025
Internationale Jugendarbeit als Friedenspraxis
Internationale Jugendarbeit schafft es, in Zeiten der Polarisierung und gesellschaftlichen Fragmentierung einen Raum zu öffnen für echtes Erleben, direkten Austausch und eine Auseinandersetzung auf Augenhöhe. Der Beitrag zur Friedenspraxis wird dabei oft übersehen und unterschätzt. Doch gerade in Zeiten zunehmender Konflikte und internationaler Spannungen ist der Bedarf nach Begegnung relevanter denn je. Welchen Beitrag kann die Internationale Jugendarbeit zur Friedensbildung leisten? Wo liegen die Stärken und die Grenzen des Arbeitsfeldes?
Die Ursprünge der Internationalen Jugendarbeit sind die Schlussfolgerung zweier Weltkriege mit dem Ziel der Friedenssicherung, der Zusammenarbeit und der Völkerverständigung. Ab den 1950er Jahren etablierte sich ein eigenständiges
Arbeitsfeld. Der staatliche Auftrag, zur Stabilisierung internationaler Beziehungen beizutragen, wird im Sinne des Subsidiaritätsprinzips wesentlich von der Zivilgesellschaft getragen und bildet eine zentrale Grundlage ihres Handelns. Besonders wirkungsvoll ist dies, wenn staatliche und zivilgesellschaftliche Interessen aufeinander abgestimmt sind und gemeinsam verfolgt werden. Historisch gesehen war die Internationale Jugendarbeit also ein wichtiger Beitrag zum Europäischen Friedensprojekt und ebnete den Weg zu internationaler Annäherung und grenzüberschreitender Verständigung1.
Mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine wurden die Grenzen der Internationalen Jugendarbeit sichtbar. Mit kaum einem europäischen Land pflegte Deutschland so viel Jugendaustausch wie mit Russland. Diese Zusammenarbeit brach inner-
halb eines Tages zusammen. Jugendaustausch und Jugendbegegnungen können Kriege weder verhindern noch beenden, aber sie haben dennoch Wichtiges für die Friedenssicherung anzubieten.
Die Angst vor Krieg ist die dringlichste und größte Sorge junger Menschen in Deutschland2. Die Auseinandersetzung mit Fragen zu Frieden und Sicherheit ist damit naheliegend und dringlich. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sich alle jungen Menschen in klassischen Formaten der Friedensarbeit engagieren wollen oder können. Um junge Menschen im Umgang mit Unsicherheit, Widersprüchlichkeiten und Komplexität zu stärken, braucht es weitere Angebote. Ein Schlüssel zur Erhöhung der Konfliktfähigkeit und Resilienz junger Menschen ist der Ansatz der Ambiguitätstoleranz, der Fähigkeit, Uneindeutigkeiten auszuhalten
1 Thimmel, Andreas: Internationale Bildung – Internationale Jugendbildung. In: Hafeneger, Benno (Hrsg.) (2011). Handbuch Außerschulische Jugendbildung: Grundlagen – Handlungsfelder – Akteure. Schwalbach/Ts.: Wochenschau, S. 403–416.
2 Shell Deutschland Holding: Jugendstudie 2024. Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse, Hamburg 2024, S. 13-15.
und mit widersprüchlichen Perspektiven konstruktiv umzugehen3. Gerade hier setzt die Internationale Jugendarbeit an und schafft Erfahrungsräume, in denen junge Menschen mit pluralen Lebenswelten und -wirklichkeiten, Überzeugungen und Denkarten konfrontiert werden. Durch direkte Begegnung wird es möglich, Differenzen nicht nur kognitiv zu begreifen, sondern konkret zu erleben, auszuhalten und emotional mit Geschichten und Menschen zu verknüpfen.
Die Internationale Jugendarbeit eröffnet jungen Menschen Begegnungs-, Lern- und Teilhabechancen über Ländergrenzen hinweg und bietet über vielfältige Formate, wie den internationalen Jugendbegegnungen, Workcamps und internationalen Freiwilligendiensten sowie den europäischen Mobilitäts- und
Austauschprogrammen im Rahmen von Erasmus+ und dem Europäischen Solidaritätskorps, die Gelegenheit selbst wirksam zu werden. Im Selbstverständnis orientiert sich die IJA an den universellen Menschenrechten und trägt durch ihre Praxis zur Stärkung demokratischer Werte und Strukturen bei4. Es liegt ein essenzieller Unterschied darin, ob man abstrakt weiß, dass in einem anderen Land auf der Welt Menschen leben, die so sind wie ich und gleichsam ganz anders oder ob man dies selbst real erlebt hat. Die mediale Repräsentation von Krieg auf Social Media ist etwas gänzlich anderes als die direkte Interaktion mit Menschen aus der Ukraine oder anderen Krisen- und Kriegsregionen. Echtes Erleben führt zu einem Perspektivwechsel und dieser bereitet den Weg zur internationalen Verbundenheit.
Auf Grundlage partizipativer Ansätze, pädagogischer Begleitung und des Prinzips der Begegnung auf Augenhöhe tragen die vielfältigen Formate der Internationalen Jugendarbeit zur Entwicklung von Kompetenzen bei, die für den konstruktiven Umgang mit gesellschaftlichen Konflikten zentral sind. Unabhängig von den Inhalten eröffnen diese Formate Erfahrungsräume, in denen eigene Annahmen hinterfragt, Vorurteile reflektiert und Empathie entwickelt werden können5. Die daraus resultierenden Kompetenzen und Erfahrungen wirken über die unmittelbare Begegnung hinaus und können dazu beitragen, dass Impulse in unterschiedliche Lebens- und Handlungskontexte hineinwirken. In diesem Sinne leisten die Formate der Internationalen Jugendarbeit einen impliziten, Austausch der Teilnehmenden der Jugendbegegnung youth4peace mit Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz im Bundeskanzleramt in Berlin 2025
₃ Deutschlandfunk Kultur: Ambiguitätstoleranz – Lernen, mit Mehrdeutigkeit zu leben, online verfügbar unter: https://www.deutschlandfunkkultur.de/ambiguitaetstoleranz-lernen-mit-mehrdeutigkeit-zu-leben-100.html 4 IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e. V. (Hrsg.): Datenreport Internationale Jugendarbeit 2021, Bonn 2021, S. 5-11. 5 Tropp, Linda R.; White, Faith A.; Rucinski, Cara L.; Tredoux, Colin G.: Intergroup Contact and Youth: Advancing Theory and Practice, in: Group Processes & Intergroup Relations, 25 (2022)
jedoch nachhaltigen Beitrag zur Friedensbildung und zum internationalen Zusammenhalt6
Darüber hinaus weisen zahlreiche Formate einen expliziten Bezug zur Friedensarbeit auf. Sie greifen aktuelle politische Entwicklungen auf, setzen sich mit Fragen von Erinnerung und Geschichte auseinander oder fördern gezielt Kompetenzen wie Konfliktfähigkeit und Menschenrechtsbildung. In dialogorientierten Settings entstehen Räume, in denen junge Menschen aus unterschiedlichen Kontexten miteinander ins Gespräch kommen, Perspektiven austauschen und gemeinsam an Lösungsansätzen arbeiten. Ein Beispiel für das Zusammenspiel dieser unterschiedlichen Wirkungsebenen und zugleich für die Kooperation von staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteur*innen ist die internationale Jugendbegegnung „Youth4Peace“, die von IJAB und seinen Partnerorganisationen umgesetzt wurde. Anlässlich des 80. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkriegs kamen 80 junge Menschen aus 26 Ländern in Berlin zusammen, um sich mit Fragen von Erinnerung, Frieden und Demokratie auseinanderzusetzen.
Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung ermöglichte die mehrtägige Begegnung intensive zwischenmenschliche Erfahrungen, die den Aufbau tragfähiger Beziehungen unterstützten. Damit wird exemplarisch deutlich, wie implizite und explizite Beiträge zur Friedensbildung in der Internationalen Jugendarbeit ineinandergreifen.
Die Internationale Jugendarbeit eröffnet vielfältige Potenziale für die Friedensbildung, da sie auf freiwilliger Teilnahme,
Begegnung und erfahrungsbasiertem Lernen beruht. Sie ermöglicht niedrigschwellige Zugänge zu Themen wie Vielfalt, Demokratie und internationaler Verständigung und schafft Räume, in denen unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen und gemeinsam reflektiert werden können. Gerade vor dem Hintergrund zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung kann sie so zur Förderung von Dialogfähigkeit, Empathie und kooperativem Handeln beitragen7
Diese Potenziale bedürfen bestimmter Bedingungen. Die Wirkung der Maßnahmen hängt stark von der Qualität ihrer pädagogisch fachlichen Begleitung und strukturellen Rahmenbedingungen ab. Erforderlich ist die Reflexion bestehender Ausschlussmechanismen und des eigenen Anspruchs. In einer Zeit der zunehmenden Politisierung kommt auch die Internationale Jugendarbeit nicht umhin, sich immer häufiger positionieren zu müssen. Hierfür braucht es Ressourcen und Qualifizierung. Ebenfalls müssen Fragen des Transfers und der Verstetigung mitgedacht und mitfinanziert werden. Gute internationale Begegnung braucht sichere Rahmenbedingungen8. Es ist Aufgabe staatlicher und internationaler
Akteur*innen, diese zu gewährleisten und die Voraussetzungen für zivilgesellschaftliches Handeln zu schaffen. Die Internationale Jugendarbeit leistet einen wichtigen Beitrag zur Friedensbildung, muss allerdings als ein Bestandteil umfassender gesellschaftlicher Friedensarbeit verstanden werden.
Zur weiteren Ergründung des Potentials der Internationalen Jugendarbeit zur Friedensbildung lädt IJAB zum Fachtag Local to global: Friedensarbeit in der Internationalen Jugendarbeit am 11. Juni in Bonn ein. Dort wird der hier verhandelten Frage weiter auf den Grund gegangen, und mit Praxisbeispielen, Workshops und Methodenangeboten erweitert.
Till Veerbeck-Stroetmann
Referent für Internationale Zusammenarbeit IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V. ijab.de
6 RAY – Research-based Analysis of European Youth Programmes (2022): Comparative Research Report 2014–2020. Wien: RAY
7 König, Dietmut / Jalabert, Laurent (2023): Wie internationale Jugendbegegnungen Verständnis und Zivilcourage fördern können. In: Deutsch-Französisches Jugendwerk (Hrsg.): PANORAMA #4 Über Krieg sprechen. Berlin/Paris: DFJW
8 Feldmann-Wojtachnia, Eva: Internationale Jugendbegegnungen in Zeiten von Krieg und Krisen, in: Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten (Hrsg.): Außerschulische Bildung. Zeitschrift der politischen Jugend- und Erwachsenenbildung, Heft 3/2023, Bonn 2023
FOTO: Julika Roser
Frieden
Till Veerbeck-Stroetmann
Eigenständiges Arbeiten an einem Toolkit zur Jugendpartizipation im Rahmen der Jugendbegegnung youth4peace in Berlin 2025 youth4peace
Simon Ferrara
Dachverband Natur- und Umweltschutz
Frieden mit der Natur schließen
Klimakiller Krieg
Kriege haben nicht nur verheerende Folgen für Menschen, sondern auch für die Umwelt. Schätzungen zufolge verursacht das Militär etwa 5,5 % der weltweiten menschengemachten Emissionen – vermutlich deutlich mehr, da viele Daten nicht erfasst werden („military emissions gap“). Allein in den ersten drei Jahren des Ukraine-Kriegs wurde mehr CO₂ ausgestoßen als in einem Land wie Spanien in einem Jahr. Trotz lückenhafter Daten gilt das Militär als größter institutioneller Emittent. Würde man die Emissionen aller Armeen bündeln, lägen sie im Ländervergleich auf Platz vier – hinter den USA, China und Indien. Hauptursachen sind die Zerstörung von Infrastruktur, Brände und der Einsatz schwerer Waffen. Am emissionsreichsten ist der Wiederaufbau der Gebiete, die zerstört wurden. Auch die Aufrüstung vieler NATO-Staaten seit 2022 erhöht den Ausstoß zusätzlich und führt oft dazu, dass Mittel für den Klimaschutz gekürzt werden.
Die Natur schlägt zurück
Es wäre jedoch falsch, Krieg als alleinige Ursache darzustellen. Auch in Friedenszeiten wurde die Natur massiv ausgebeutet. Bildlich gesprochen führt der Mensch seit Langem einen Krieg gegen sie – und scheint kurzfristig zu gewinnen. Doch langfristig wird die Natur die Oberhand behalten, spätestens dann, wenn die Erde für den Menschen unbewohnbar wird. Die Folgen sind bereits sichtbar: steigende Durchschnittstemperaturen, häufige Hitzerekorde und zunehmende Extremwetter. Was wie einzelne Ereignisse wirkt, hat langfristig gravierende Auswirkungen. In den Alpen könnten Gletscher in wenigen Jahrzehnten weitgehend verschwunden sein. Ihr Rückgang beschleunigt die Erwärmung zusätzlich, da die reflektierende Eisfläche fehlt. Ein Beispiel ist der Marmolata-Gletscher, der in den letzten 130 Jahren über 80 % seiner Fläche und 94 % seines Volumens verloren
hat. Viele Gletscher können sich durch Schneefall nicht mehr regenerieren. Ihr Verschwinden ist ein globales Problem: Millionen Menschen sind auf Schmelzwasser aus Gebirgen angewiesen. Zudem wird instabiles Gelände unter schmelzendem Eis anfällig für Erdrutsche und Muren, besonders wenn mehr Regen als Schnee fällt. Auch zunehmende Hitze und Extremwetter lassen sich als Reaktionen eines gestörten Klimasystems verstehen.
Es wird Zeit, Frieden zu schließen
Angesichts dieser Entwicklungen kann man leicht die Hoffnung verlieren. Viele fragen sich, was sie als Einzelne überhaupt bewirken können. Doch genau hier liegt der Ansatz: Veränderung beginnt im Kleinen. Schon ein bewussterer Lebensstil kann viel bewirken – auch auf regionaler Ebene. Es braucht nicht immer große Proteste. Oft reichen einfache Schritte: bewusster Konsum, kritisches Hinterfragen von Kaufentscheidungen oder ein achtsamerer Umgang mit Ressourcen. Ebenso wichtig ist es, eine persönliche Beziehung zur Natur aufzubauen, sie zu erleben und zu verstehen. Wer Natur kennt, ist eher bereit, sie zu schützen –sei es durch Müllsammeln oder nachhaltigeres Verhalten im Alltag. Wie Konrad Lorenz sagte: „Man schützt nur, was man liebt, und man liebt nur, was man kennt.“ Um die Natur kennenzulernen, müssen wir aufhören, sie wie unseren Feind zu plündern.
Das Lehrbuch setzt sich mit zwei Schwerpunkten auseinander: Zum einen wendet es sich weltpolitischen Konflikten zu. Es nimmt deren Ebenen und Akteure, Gegenstände sowie Austragungsformen in den Blick und diskutiert aktuelle Konstellationen. Zum anderen stellt das Lehrbuch zentrale Friedensstrategien vor, die für verschiedene Denkschulen stehen, und debattiert ihre Chancen und Hindernisse. Abschließend gibt es einen Überblick über den Stand der Friedens- und Konfliktforschung in Deutschland mit seinen Instituten und universitären Studiengängen. Das Buch richtet sich an Studierende der Politikwissenschaft, der Internationalen Beziehungen sowie der Friedens- und Konfliktforschung. Es ist auch für Politik, Journalismus und die interessierte Öffentlichkeit eine aufschlussreiche Lektüre.
Verlag: UTB GmbH, 2024
ISBN: 978-3825262785
Hanne-Margret Birckenbach
Friedenslogik verstehen. Frieden hat man nicht, Frieden muss man machen
Wie muss Frieden heute konzeptionell gedacht werden, damit ein gewaltfreier Konfliktaustrag nicht mit dem Streben nach Sicherheit kollidiert? Wie kann Frieden unter den Bedingungen einer politisierten und globalisierten Welt funktionieren? Dieser Band erläutert die Grundlagen des friedenslogischen Diskurses. Sein Ziel ist es, eine verbreiterte Teilhabe zu ermöglichen, die Relevanz der Schlüsselkategorie Frieden für die Außen- und Innenpolitik begreifbar zu machen und zur Anwendung der friedenslogischen Prinzipien in der Sicherheits- und Menschenrechtspolitik, in der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit ebenso wie in der Kommunalen Konfliktbearbeitung und der alltäglichen Lebenswelt anzuregen. Für die 2. Auflage wurde der Band komplett aktualisiert und um ein neues Kapitel zu einer versöhnungsorientierten Perspektive für die Überwindung von Kolonialität erweitert.
Wochenschau-Verlag, 2026
ISBN: 978-3-7344-1759-7
Abteilung Gesellschaft und Arbeit | InfoEck der Generationen Bozner Platz 5, Innsbruck | T 0800 800 508 infoeck@tirol.gv.at | tirol.gv.at/infoeck
Öffnungszeiten: Mo – Do 8 – 13 Uhr | Di, Do 14 – 16 Uhr, Fr 8 – 12 Uhr
Du entscheidest! Was Demokratie mit deinem Leben zu tun hat
Politik ist allgegenwärtig und oft nehmen wir sie gar nicht bewusst wahr. Unser tägliches Leben ist in hohem Maße von Gesetzen und Regeln geprägt, die uns zugleich Freiheiten eröffnen und Sicherheit gewährleisten. In dieser „z.B.“-Ausgabe stellt das InfoEck der Generationen des Landes Tirol die Broschüre „Du entscheidest! – Was Demokratie mit deinem Leben zu tun hat“ vor. Die Broschüre wurde vom Bundesnetzwerk Österreichischer Jugendinfos in Zusammenarbeit mit den
Jugendinfos aus ganz Österreich erstellt und steht Jugendlichen landesweit sowohl online als auch analog kostenlos zur Verfügung.
Wer wissen möchte, was ein Waldspaziergang oder Mopedfahren mit Politik zu tun hat und warum Essen, Trinken, Musik oder Reisen ebenfalls in Zusammenhang mit Politik stehen, findet in der Broschüre Antworten und zahlreiche Beispiele zur verständlichen Darstellung des politischen Systems. Darüber hinaus soll die Broschüre als Unterstützung bei der eigenen Meinungsbildung dienen und bietet hierzu hilfreiche Tipps und Anregungen sowie einen speziell für Jugendliche konzipierten Persönlichkeitstest.
Die Informationsbroschüre „Du entscheidest! Was Demokratie mit deinem Leben zu tun hat“ ist im InfoEck der Generationen kostenlos erhältlich. Online ist sie über den Broschürenservice (siehe QR-Code) in Klassenstärke bestellbar, über den außerdem die dazugehörige
Handreichung mit Arbeitsblättern für Lehrpersonen heruntergeladen werden kann. Zusätzlich gibt es zahlreiche weitere Informationsbroschüren der Österreichischen Jugendinfos, die wichtige Fragen rund um das Leben junger Menschen verständlich aufbereiten.
QR-Code zum Broschürenservice
Sexualisierte Gewalt verstehen und handeln
Sexualisierte Gewalt ist ein gesellschaftlich relevantes Thema, das in vielen Lebensbereichen vorkommt und oft schwer greifbar ist. Das neue Booklet „Sexualisierte Gewalt –Verstehen und handeln“ des Forum Prävention bietet einen kompakten Überblick über zentrale Dynamiken, gesellschaftliche Zusammenhänge und Täter*innenstrategien. Neben Grundlagenwissen enthält es praxisnahe Impulse zur Prävention sowie Hinweise zum Umgang mit betroffenen Personen und herausfordernden Situationen im beruflichen Alltag. Das Booklet kann zudem in der Entwicklung von Schutzkonzepten als unterstützender Baustein eingesetzt werden. Ziel des Booklets ist es, Handlungssicherheit zu stärken und eine reflektierte Auseinandersetzung mit dem Thema zu fördern. Das Booklet ist auf Deutsch und Italienisch erhältlich, jetzt online verfügbar: forum-p.it Die gedruckte Version kann beim Forum Prävention angefragt werden (0471 324801 oder info@forum-p.it).
Um demokratische Systeme und verschiedene Länder auch außerhalb von Österreich kennen zu lernen, ermöglichen Mobilitätsprogramme der Europäischen Union wie Erasmus+ und das Europäische Solidaritätskorps jungen Menschen Auslandsaufenthalte in Europa und die Chance sich in verschiedenen Bereichen zu engagieren. So können sie beispielsweise im Sozial-, Umwelt- und Kulturbereich etc. tätig werden und haben unzählige Möglichkeiten bei Projekten teilzunehmen, eigene Projekte zu starten und internationale Begegnungen und Austausch zu erleben. Interessierte erhalten im InfoEck der Generationen der Abteilung Gesellschaft und Arbeit Informationen und Beratung zu Erasmus+ Jugend und zum Europäischen Solidaritätskorps. Als Informationsstelle des Landes Tirol für Jugendliche, Familien und Senior*innen ist das InfoEck der Generationen persönlich, telefonisch oder per E-Mail erreichbar.
Bildungsfahrt der Jugendarbeit nach Bologna
Am 15. und 16. April 2026 reiste eine Südtiroler Delegation aus Jugendarbeiter*innen und Mitgliedern des Landesjugendbeirates der deutschen Sprachgruppe nach Bologna. Im Mittelpunkt der Bildungsfahrt stand die Auseinandersetzung mit den Bleiernen Jahren in Italien und der Frage, wie Erinnerungskultur als Instrument der politischen Bildung und der Extremismusprävention in der Jugendarbeit wirksam eingesetzt werden kann. Die Bildungsfahrt wurde vom Amt für Jugendarbeit konzipiert und im Rahmen der Förderung der Erinnerungskultur umgesetzt. Ziel ist es, junge Menschen durch historisches Lernen, kritische Reflexion und persönliche Zugänge für demokratische Werte zu sensibilisieren und Radikalisierung frühzeitig entgegenzuwirken.
Landesrat Philipp Achammer betont die Bedeutung dieses Ansatzes: „Gerade in Südtirol, mit seiner besonderen Geschichte, ist Erinnerungskultur ein politischer Auftrag. Sie hilft uns, junge Menschen für demokratische Werte zu sensibilisieren und ihnen zu vermitteln, dass Extremismus – gleich welcher Ideologie – eine ernsthafte Gefahr für das Zusammenleben ist. Politische Bildung und Jugendarbeit leisten hier einen zentralen Beitrag.“
Zur inhaltlichen Vorbereitung wurden die 15 Teilnehmer*innen bereits am 8. April 2026 von Gianluca Battistel, Koordinator des Schwerpunktes Politische Bildung im Amt für Jugendarbeit, in die historischen Hintergründe der Bleiernen Jahre sowie in die Dynamiken von rechtem und linkem Extremismus der 1970er Jahre eingeführt. Schwerpunkt der Einführung war die sogenannte Strategie der Spannung, die ab dem Anschlag in der Banca Nazionale dell’Agricoltura in Piazza Fontana in Mailand am 12. Dezember 1969 durch gezielte Attentate auf zivile Einrichtungen ein Klima der Angst und allgemeinen Verunsicherung erzeugen sollte, um den Konsens um die konservativen Kräfte zu festigen und die Einführung autoritärer Maßnahmen zu rechtfertigen.
Einen besonders eindrücklichen Beitrag leistete Sonia Zanotti aus St. Ulrich, Überlebende des Attentats am Bahnhof von Bologna vom 2. August 1980 und Vizepräsidentin der „Associazione tra i familiari delle vittime della strage alla stazione di Bologna del 2 agosto 1980“. Zum Zeitpunkt des Attentates war sie elf Jahre alt und befand sich im Wartesaal des Bahnhofes von Bologna, als die Bombe explodierte. Sonia überlebte trotz schwerster Verletzungen. Ihre Erzählung veranschaulichte den Teilnehmer*innen die Grausamkeit eines Anschlages auf Zivilist*innen, aber auch die Zivilcourage einer Person, die das eigene Leid in Kraft verwandelte, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf dieses und andere Massaker jener Jahre aufrecht zu halten.
Am 15. April wurde die Delegation am Bahnhof von Bologna vom Präsidenten der „Associazione 2 agosto“, Paolo Lambertini, sowie von den Historikerinnen Cinzia Venturoli und Antonella Beccaria empfangen. Nach einer historischen und politischen Einordnung des Attentats setzte sich der Austausch im Sitzungssaal der Gemeinde fort. Dort begegneten die Teilnehmenden auch dem Zeitzeugen Agide Melloni, Busfahrer der Linie 37, dessen Fahrzeug am Tag des Anschlags unmittelbar nach der Explosion als Leichenwagen eingesetzt wurde. Agide erzählte 37 Jahre lang niemandem, was er an dem Tag erlebte, bis in ihm die Entscheidung reifte, die eigene Geschichte nach außen zu tragen. Dies aus der Motivation, der Öffentlichkeit, und vor allem den jüngeren Generationen, die Gräuel des Terrorismus, aber auch die unbeschreibliche Welle der Solidarität, die am 2. August 1980 die gesamte Zivilgesellschaft Bolognas an den Tag legte, aufzuzeigen.
Auch Abteilungsdirektor Volker Klotz unterstreicht den Stellenwert solcher Bildungsformate: „Erinnerungskultur ist kein abstraktes Konzept, sondern gewinnt dort an Wirkung, wo junge Menschen Geschichte konkret erfahren und reflektieren können. Bildungsfahrten wie jene nach Bologna schaffen Raum für kritisches Denken, stärken demokratische Resilienz und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Extremismusprävention.“
Zum Abschluss der Bildungsfahrt besuchte die Delegation am 16. April 2026 das „Museo per la Memoria di Ustica“. Die Auseinandersetzung mit dem Abschuss des Passagierflugzeuges am 27. Juni 1980, bei dem alle 81 Insassen ums Leben kamen, machte deutlich, wie wichtig Aufarbeitung, Transparenz und kollektives Erinnern für eine demokratische Gesellschaft sind. Die Präsidentin der „Associazione parenti delle vittime della Strage di Ustica“ Daria Bonfietti rekonstruierte die Ereignisse und deren politische Hintergründe. Parlamentarierin von 1994 bis 2006 und Mitglied der „Commissione d’inchiesta sul terrorismo in Italia“ widmete sie ihr Leben der öffentlichen Aufdeckung der Verantwortlichkeiten in Militär und Politik zur „Strage di Ustica“, in der ihr Bruder ums Leben kam.
Konrad Pamer, Direktor des Amtes für Jugendarbeit, unterstreicht den präventiven Mehrwert der Bildungsfahrt: „Erinnerungskultur ist der Moment, in dem Geschichte Verantwortung wird: Wenn junge Menschen lernen, das Unrecht von gestern zu benennen, finden sie die Sprache, um Ausgrenzung und Hass von heute nicht zu übersehen. Genau dort beginnt wirksame Prävention – nicht bei Angst, sondern bei Haltung.“
Sonia Zanotti und Gianluca Battistel
Die Delegation am Tatort des Attentats mit Cinzia Venturoli
… und am „Museo per la Memoria di Ustica“ mit Daria Bonfietti
Erinnern heißt
handeln
Die „Reise der Erinnerung“ wirkt weiter
Das Projekt Promemoria_Auschwitz: Reise der Erinnerung | Il viaggio della Memoria ist weit mehr als eine Bildungsfahrt. Auch Wochen nach der Rückkehr ist spürbar, wie stark die Erfahrungen nachwirken – in Gedanken, Gesprächen und im eigenen Blick auf unsere Gesellschaft.
Für uns in der Jugendarbeit ist diese Reise ein bewusstes Anliegen: Sie steht klar gegen extremistische Tendenzen und für Menschlichkeit, Verantwortung und Erinnerung. Für viele der über 400 teilnehmenden jungen Menschen aus Südtirol, dem Trentino und Tirol wurde Geschichte auf eine Weise greifbar, wie es sonst kaum möglich ist. „Wenn man dort steht, bedeutet es noch einmal etwas ganz anderes“, beschreibt eine Teilnehmerin. „Die Zahlen bekommen plötzlich Gesichter und Namen.“ Die Gegenstände, die stillen Räume und die Namen der Opfer machen deutlich, dass hinter den Zahlen einzelne Menschen und zerstörte Leben stehen. Vor Ort stellten sich viele Jugendliche dieselbe Frage: Wie konnte es so weit kommen – und was hat das mit uns heute zu tun?
Diese Frage bleibt und wird angesichts aktueller Entwicklungen immer drängender. Gesellschaftliche Spannungen nehmen zu, Sprache verschiebt sich und Ausgrenzung wird wieder sagbar.
Wenn Begriffe wie „Remigration“ in politischen Debatten normalisiert werden, ist das ein Warnsignal. Auch globale Konflikte prägen das Lebensgefühl vieler junger Menschen und werfen Fragen nach Verantwortung, Menschenrechten und Solidarität auf. Eine Teilnehmerin bringt es auf den Punkt: „Früher hätte man gesagt: Erinnern, damit es nie wieder passiert. Heute sehe ich: Es passiert zum Teil wieder. Umso wichtiger ist es, dass wir hinschauen.“
Die Reise hat vielen Jugendlichen nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch persönliche Auseinandersetzungen angeregt. „Hier in Birkenau zu stehen und zu wissen, wie viele Menschen hier ihre letzten Schritte gegangen sind, ist etwas völlig anderes, als es in Büchern zu lesen“, sagt ein Teilnehmer. Viele berichten, dass sich ihr Blick verändert hat – im Umgang mit Sprache, mit anderen Menschen und mit gesellschaftlichen Entwicklungen. „Ich hinterfrage mehr“, sagt eine Teilnehmerin. „Ich habe gesehen, wozu Menschen fähig sind“, ein anderer. Diese Erfahrungen schärfen das Bewusstsein und fordern dazu auf, Verantwortung zu übernehmen.
Erinnerungsarbeit ist für uns keine bloße Rückschau, sondern ein Auftrag. Das bedeutet, Haltung zu zeigen und nicht zu schweigen, wenn Menschen abgewertet oder ausgegrenzt werden. Geschichte wiederholt sich nicht eins zu eins, aber sie kann sich fortsetzen – in Gleichgültigkeit, in Sprache und in schleichenden politischen Verschiebungen. „Es reicht nicht, nur zurückzuschauen – wir müssen auch etwas für die Gegenwart daraus mitnehmen“, sagt ein Teilnehmer.
Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist der grenzüberschreitende Austausch. Junge Menschen aus Südtirol, dem Trentino und dem Land Tirol kommen zusammen, teilen Perspektiven und lernen voneinander. Gerade in Zeiten zunehmender Abgrenzung ist das nicht selbstverständlich, sondern bewusst gestaltet. Viele berichten von neuen Freundschaften, einem erweiterten Horizont und persönlichem Wachstum. Organisiert wurde die Reise von der Arbeitsgemeinschaft der Jugenddienste, Arciragazzi, MeTe, Arci del Trentino und PaiDei(n)a, unterstützt von der Autonomen Provinz Bozen, der Autonomen Provinz Trient, der Region Trentino–Südtirol sowie dem Land Tirol.
Für uns als Jugendarbeit sind solche Projekte zentral. Sie schaffen Räume, in denen junge Menschen sich mit Geschichte auseinandersetzen, eigene Positionen entwickeln und Verantwortung übernehmen können. Gerade in einer Zeit, in der einfache Antworten oft lauter sind als differenzierte Perspektiven, braucht es Orte des Zuhörens, des Austauschs und des gemeinsamen Nachdenkens. Diese Reise geht über reine Wissensvermittlung hinaus: Sie fördert Empathie, stärkt demokratische Kompetenzen und ermutigt junge Menschen, Haltung zu zeigen – im Alltag wie in gesellschaftlichen Debatten.
Die Eindrücke aus Auschwitz werden bleiben – vielleicht nicht immer laut, aber spürbar. „Diese Reise hat etwas in mir verändert“, sagt eine Teilnehmerin. Genau darin liegt die Bedeutung solcher Projekte: Erinnern ist nicht nur ein Blick zurück, sondern eine Entscheidung für die Gegenwart. Denn Demokratie, Menschenwürde und Zusammenhalt sind keine Selbstverständlichkeiten – sie müssen jeden Tag neu verteidigt werden. Erinnern heißt handeln.
Junge Menschen stärken in unsicheren Zeiten
Neuer Vorstand der AGJD setzt klare Schwerpunkte für die Zukunft
Die Arbeitsgemeinschaft der Jugenddienste (AGJD) hat kürzlich ihre jährliche Vollversammlung in Bozen abgehalten. Versammelt waren die ehrenamtlichen Vorsitzenden der Jugenddienste aus ganz Südtirol. Im Mittelpunkt standen die aktuellen Herausforderungen junger Menschen sowie die zentrale Frage: Was brauchen junge Menschen heute von der Jugendarbeit – und insbesondere von den Jugenddiensten? Zudem standen Neuwahlen auf dem Programm.
Herausforderungen junger Menschen im Fokus
Ein zentrales Element der Versammlung war der ausführliche Austausch mit dem Direktor des Amtes für Jugendarbeit Konrad Pamer. Gemeinsam wurde der Blick in die Zukunft gerichtet und diskutiert, wie Jugendarbeit junge Menschen in einer zunehmend komplexen Welt bestmöglich unterstützen kann. Themen wie digitale Anforderungen, gesellschaftliche Debatten, mentale Gesundheit und wachsende Unsicherheiten prägen den Alltag vieler junger Menschen. Umso wichtiger ist es, dass Jugendarbeit flexibel, dynamisch und nah an den Lebensrealitäten bleibt.
Jugenddienste: Starkes Netzwerk für junge Menschen Mit über 180 beruflichen Fachkräften, rund 130 ehrenamtlichen Vorstandsmitgliedern und zahlreichen Freiwilligen bilden die Jugenddienste in Südtirol ein starkes Netzwerk für junge Menschen. Sie setzen wichtige Impulse in der Kinder- und Jugendarbeit sowie in der Jugendpolitik und werden dabei auf Landesebene durch die AGJD unterstützt und vernetzt.
„Jugendarbeit bedeutet Beziehung, Orientierung und Halt – gerade in einer Zeit, in der Unsicherheiten und Krisen zum Alltag gehören“, betonte die Vorsitzende der AGJD, Sonja Plank. „Junge Menschen wachsen mit großen Herausforderungen auf: Klimakrise, Kriege und eine zunehmende soziale Ungleichheit prägen
ihre Lebenswelt. Die Jugenddienste haben hier eine wichtige Aufgabe: Sie begleiten junge Menschen auf ihrem Weg zur Selbstständigkeit, fördern ihre Potenziale und gestalten jugendgerechte Rahmenbedingungen vor Ort.“
Im Austausch wurde zudem kritisch beleuchtet, wie junge Menschen in der öffentlichen Debatte wahrgenommen werden. Häufig stehen sie nur dann im Fokus, wenn Probleme sichtbar werden. Dabei braucht es vielmehr Unterstützung, Begleitung und Vertrauen. Gerade in einer Zeit, die von schnellen Veränderungen und Unsicherheiten geprägt ist, sind verlässliche Angebote und Bezugspersonen entscheidend. Die Jugendarbeit ist ein systemrelevanter Bestandteil des Aufwachsens junger Menschen. Gerade in der unbeständigen globalen Lage sowie den vielfältigen individuellen Herausforderungen bei jungen Menschen müssen Strukturen verlässlich bestehen und Vertrauen schaffen. Auch das in Ausarbeitung befindliche Schutzkonzept nahm eine wichtige Rolle ein. Ziel ist es, sichere Rahmenbedingungen für junge Menschen zu schaffen, sie zu schützen und gleichzeitig aktiv einzubeziehen.
Kontinuität und Ausblick
Neben den inhaltlichen Schwerpunkten standen auch Neuwahlen auf der Tagesordnung. Der neu bzw. wiedergewählte Vorstand setzt sich aus Klaus Nothdurfter, Michelle Dalla Serra, Monika Hofer Larcher, Sonja Plank und Heidi Gamper zusammen. Gemeinsam vertreten sie die Vielfalt der Jugenddienste und setzen strategische Impulse für deren Weiterentwicklung. Die Wiederwahl des Vorstandes bedeutet auch künftig die Kontinuität in der Arbeit der AGJD zu gewährleisten. Ziel bleibt es, die Jugenddienste als starke Partner für junge Menschen weiterzuentwickeln und ihnen auch in Zukunft Orientierung, Unterstützung und Perspektiven zu bieten.
Vollversammlung der AGJD
Am 20. April 2026 feierte die OnlineWissensplattform der Offenen Kinder- & Jugendarbeit oja-wissen.info ihr fünfjähriges Bestehen mit einer gut besuchten Jubiläumsveranstaltung. 107 Fachkräfte, Wissenschaftler*innen sowie Vertreter*innen aus Verwaltung und Praxis der Offenen Kinder- und Jugendarbeit haben online an der Jubiläumsfeier von „oja-wissen“ teilgenommen. Die Teilnehmenden stammen aus Deutschland, Österreich, Schweiz, Liechtenstein und Südtirol.
Seit ihrer Gründung bündelt die Plattform fundiertes Wissen zur Offenen Kinder- und Jugendarbeit im deutschsprachigen Raum. Sie bietet kuratierte
Fünf Jahre „oja-wissen“
Fachartikel, Videos, Praxisimpulse sowie thematische Sammlungen zu Forschung, Theorie und Praxis und versteht sich als frei zugänglicher Raum für Austausch, Inspiration und Wissenstransfer. Die Veranstaltung wurde von den beteiligten Dachverbänden gemeinsam organisiert und eröffnet. In Grußworten wurde die Entstehungsgeschichte der Plattform sowie ihre Bedeutung für die fachliche Vernetzung und Qualitätsentwicklung hervorgehoben. Seit über zehn Jahren ist man hier in Vernetzung, um gemeinsam Qualitätsstandards zu setzen. Im Anschluss erhielten die Teilnehmenden Einblicke in die Inhalte und Nutzungsmöglichkeiten der Plattform.
Den fachlichen Höhepunkt bildete der Vortrag von Moritz Schwerthelm (Universität Hamburg) zum Thema „Wissen in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit – und die Bedeutung unterschiedlicher Wissensformen für die Alltagspraxis“. Er betonte den jugendpolitischen Auftrag der Offenen Jugendarbeit und unterstrich die Notwendigkeit, sich aktiv für die Interessen junger Menschen einzusetzen. Fachkräfte seien gefordert, Jugendliche in ihren Lebensrealitäten abzuholen und Räume für Mitbestimmung und Gestaltung zu schaffen. Gleichzeitig brauche es verstärkt Dialogräume, in denen Wissenschaft und Praxis zusammenkommen, um gemeinsam Verantwortung zu übernehmen – genau hier setze die Plattform „oja-wissen“ an.
Die Jubiläumsveranstaltung bot neben dem fachlichen Input auch Raum für Austausch, Rückfragen und gemeinsames Feiern des bisherigen Erfolgs. Die große Resonanz unterstreicht die Relevanz der Plattform als zentrales Instrument für Wissenstransfer und Vernetzung über die Landesgrenzen im Handlungsfeld der Offenen Kinder- und Jugendarbeit.
Die beteiligten Dachverbände: Arbeitsgemeinschaft Jugendfreizeitstätten Baden-Württemberg e. V. (Deutschland) Dachverband Offene Kinder- und Jugendarbeit Schweiz DOJ (Schweiz) bOJA – Bundesweites Netzwerk Offene Jugendarbeit (Österreich) Offene Jugendarbeit Liechtenstein (Liechtenstein) netz | Offene Jugendarbeit (Südtirol)
Gaming, Gemeinschaft und Aufklärung
Seit April 2025 findet monatlich auf Ankündigung das Projekt „BiblioGaming“ in der Stadtbibliothek Brixen statt. Das Projekt entstand in Zusammenarbeit zwischen der Bibliothek und dem Jugendzentrum Kass und bietet Jugendlichen sowie Erwachsenen die Möglichkeit, an Spielekonsolen in Gemeinschaft zu spielen und verschiedenste MehrspielerGames auszuprobieren. Im Vordergrund soll allerdings nicht nur das Spielen stehen – Mitarbeiter*innen des Jugendzentrums Kass betreuen das Projekt vor Ort und stehen mit teils selbsterstelltem Infomaterial für alle Fragen rund um Gaming und (sozialen) Medien zur Verfügung. Valentin Meyer, Jugendarbeiter im Jugendzentrum Kass Brixen, erklärt: „Uns ist es besonders wichtig, auf die Vielfalt der Videospiele aufmerksam zu machen, Aufklärung zu leisten und Vorurteile abzubauen sowie einen niederschwelligen, offenen Ort für Begegnung und Austausch für alle an Gaming interessierten Personen zu schaffen.“
Posten mit Verantwortung
Neuer Leitfaden über Sichtbarkeit und verantwortliche Darstellung von Kinderfotos und -videos im Netz
Präventionsarbeit in der Kinder- und Jugendarbeit bedeutet, Risiken frühzeitig zu erkennen und Kinder in ihrer Entwicklung zu schützen. Dieser Anspruch endet nicht bei direkten pädagogischen Angeboten – er setzt sich auch in der Öffentlichkeitsarbeit fort. Gerade der Umgang mit Fotos und Videos von Kindern und Jugendlichen ist ein oft unterschätztes Feld präventiven Handelns. Wer hier bewusst agiert, schützt nicht nur Persönlichkeitsrechte, sondern beugt auch langfristigen digitalen Risiken vor. Fotos und Videos sind heute ein zentraler Bestandteil der Kommunikation von Einrichtungen, Vereinen und Organisationen. Sie machen Angebote sichtbar, vermitteln Einblicke in den Alltag und stärken das Vertrauen bei Eltern und Öffentlichkeit. Gleichzeitig entsteht ein Spannungsfeld: Bilder von Kindern sind keine neutralen Inhalte, sondern sensible Daten, deren Veröffentlichung weitreichende Folgen haben kann. Deshalb braucht es eine professionelle Haltung.
Eine solche Haltung zeigt sich darin, dass Organisationen Kinderfotos nicht als selbstverständlich betrachten. Stattdessen geht es darum, bewusst zu entscheiden, wann Bilder wirklich notwendig sind – und wann nicht. Einrichtungen, die regelmäßig mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, sollten klare Standards entwickeln und ihre Praxis regelmäßig reflektieren. Eine zurückhaltende, durchdachte Bildverwendung signalisiert dabei Professionalität und Verantwortungsbewusstsein.
Diese Professionalität wird besonders dann sichtbar, wenn klare Vorgehensweisen etabliert sind – wie sie beispielsweise in den Leitlinien des Forum Prävention beschrieben werden. Verbindliche Richtlinien, dokumentierte Einwilligungen und transparente Abläufe bilden die Grundlage für einen sicheren Umgang mit Bildmaterial. Ebenso wichtig sind klar definierte Zuständigkeiten im Team und einfache Entscheidungsprozesse vor jeder Veröffentlichung. Solche Strukturen schaffen Orientierung im Alltag und reduzieren Unsicherheiten bei den Mitarbeitenden. Medienarbeit ist jedoch nicht nur ein Organisationsthema, sondern immer auch eine pädagogische Aufgabe. Kinder und Jugendliche wachsen in einer digitalen Welt auf, in der Sichtbarkeit selbstverständlich geworden ist. Umso wichtiger ist es, sie aktiv in Fragen zu Bildern, Privatsphäre und Online-Präsenz einzubeziehen. Gespräche darüber, welche Fotos sie von sich im Internet sehen möchten oder welche Rechte sie an ihrem eigenen Bild haben, fördern Medienkompetenz und Selbstbestimmung. Prävention zeigt sich hier als Bildung: Kinder lernen, sich in digitalen Räumen sicher zu bewegen.
Ein sensibler Umgang mit Kinderfotos gewinnt auch durch neue technologische Entwicklungen an Bedeutung. Einmal veröffentlichte Bilder lassen sich kaum mehr kontrollieren – sie können kopiert, weiterverbreitet und aus dem ursprünglichen Kontext gelöst werden. Künstliche Intelligenz verstärkt diese Dynamik zusätzlich. Damit steigen Risiken wie Missbrauch, Bloßstellung oder unerwünschte Weiterverwendung. Fachpersonen übernehmen hier eine wichtige Schutzfunktion, denn Kinder können die Tragweite solcher Entwicklungen oft noch nicht einschätzen.
Trotz dieser Herausforderungen bedeutet verantwortungsvolle Praxis nicht, auf Öffentlichkeitsarbeit zu verzichten. Im Gegenteil: Gute Medienarbeit und konsequenter Kinderschutz schließen sich nicht aus – sie ergänzen sich. Organisationen, die bewusst mit Bildern umgehen, stärken ihre Glaubwürdigkeit und das Vertrauen von Eltern und Partnern. Eine reduzierte, reflektierte Bildsprache – etwa durch Gruppenaufnahmen, Detailbilder oder alternative Darstellungsformen – kann genauso wirkungsvoll sein wie klassische Porträts.
Letztlich zeigt sich Professionalität in der Kinder- und Jugendarbeit auch darin, wie sorgfältig mit der Sichtbarkeit von Kindern umgegangen wird. Prävention bedeutet hier, Risiken mitzudenken, bevor sie entstehen. Einrichtungen, die klare Strukturen schaffen, Verantwortung übernehmen und Kinder aktiv einbeziehen, leisten einen wichtigen Beitrag zu einem sicheren und respektvollen digitalen Raum.
Medienarbeit ist kein Nebenprodukt pädagogischer Arbeit – sie ist ein fester Bestandteil davon. Sie bietet die Chance, Kinderschutz sichtbar zu machen und konsequent zu leben.
Die Leitlinien „Sensibler Umgang mit Kinderfotos und -videos im Netz – Verantwortungsbewusste Öffentlichkeitsarbeit in Organisationen“ wurden vom Forum Prävention entwickelt. Ein gemeinsam mit dem Fotografen Philip Unterholzner erarbeiteter Praxisteil zeigt, wie ausdrucksstarke Bilder aus der Kinder- und Jugendarbeit entstehen können. Die Kinder- und Jugendanwaltschaft Südtirol hat den Abschnitt „Welche Rechte haben fotografierte Personen?“ fachlich beraten. Die Leitlinien sind online unter forum-p.it abrufbar.
Matthias Jud Netzwerk Medien und Jugend / Forum Prävention
Melanie Kemenater Fachstelle Familie / Forum Prävention
Am 14. und 15. April 2026 bewiesen Jugendliche beim Jugendredewettbewerb ihr Redetalent und ihre schauspielerischen Fähigkeiten. Im Hauptsitz der Volksbank in Bozen traten Schülerinnen und Schüler der Mittelschule, Berufsschule und Oberschule auf die Bühne und stellten in den Kategorien Klassische Rede, Spontanrede und Sprache kreativ ihre Gedanken in den Mittelpunkt. Dabei gingen Anna Klara Perkmann, Sophia Pfitscher, Elena Plank, Maximilian Gasser und Felix Oberhollenzer als Siegerinnen und Sieger hervor. Der Redewettbewerb wird in Zusammenarbeit zwischen der Deutschen Bildungsdirektion, dem Landesamt für Jugendarbeit und dem Südtiroler Jugendring ausgetragen. Schülerinnen und Schüler der dritten Klasse Mittelschule sowie der Ober- und Berufsschulen aus ganz Südtirol treten vor eine fachkundige Jury und zeigen dabei ihr großes Talent, ihren Mut
1 Sieger Klassische Rede Oberschule v.l. Hannes Wieser (Volksbank) 1. Platz Sophia Pfitscher, 1. Platz Elena Plank, 3. Platz Melanie Prosch, Landesrat Philipp Achammer
2 Sieger Klassische Rede Mittelschule v.l. Mariano Paris (Volksbank), 2. Platz Sebastian Selva, 1. Platz Anna Klara Perkmann, 3. Platz Marie Ladurner, Manuela Weber (Südtiroler Jugendring)
3 Sieger Spontanrede v.l. Mariano Paris (Volksbank), 2. Platz Marie Niederstätter, 1. Platz Maximilian Gasser, 3. Noah Steiner, Konrad Pamer (Direktor Amt für Jugendarbeit)
4 Sieger Sprache kreativ v.l. Hannes Wieser (Volksbank), 2. Platz Gabriel Mendola, 1. Platz Felix Oberhollenzer, 3. Platz Peter Kolhaupt, Margot Mayrhofer (Jurymitglied – Schauspielerin und Dozentin für Rethorik), Thomas Vonmetz (Jurymitglied – Moderator, Filmemacher und Evolutionspädagoge)
Südtiroler
Jugendredewettbewerb 2026 Reden ist Silber, Jugend ist Gold
und ihr Engagement. Sie animieren die Zuhörerinnen und Zuhörer zur aktiven Auseinandersetzung mit Themen aus ihrem persönlichen Lebensbereich. Heuer haben sich besonders viele Kandidatinnen und Kandidaten aus dem Realgymnasium und technologische Fachoberschule in Meran angemeldet. Unter den Mittelschulen waren vor allem die Mittelschule Latsch, die Mittelschule Terlan und die Mittelschule Sterzing stark vertreten. In der Kategorie Klassische Rede geht es darum, ein Thema selbst zu wählen und die Inhalte zu Hause vorzubereiten. Aus den Reihen der Mittelschule ist dies Anna Klara Perkmann, Sebastian Selva und Marie Ladurner besonders gut gelungen, wobei Themen wie „Zu Gast am Berg: wie wir zu besseren Gästen werden“, „David Goggins – der Mann mit dem stärksten Mindset“ und „Gleichberechtigung ist kein Privileg“ angesprochen wurden. In der Wertungsklasse der Oberschule gingen zwei Siegerinnen mit gleichem Punktestand als beste Rednerinnen hervor, und zwar Sophia Pfitscher und Elena Plank, gefolgt von Melanie Prosch. Ihre Reden handelten von Themen wie „Wenn Helfer zu Opfern werden“, „Die Elfenbeinprinzessin“ und „Im Spiegel der Welt“. Spannend ist die Spontanrede, bei der die spezifische Fragenstellung erst vor Ort ausgelost wird. Innerhalb von fünf Minuten Vorbereitungszeit muss eine Rede entstehen, die beinahe aus dem Stegreif in maximal vier Minuten präsentiert wird. Die Teilnehmenden sprachen zum Großteil über Religion und Weltanschauung, Gesellschaft und Inklusion, Jugend und Familie, Bildung und Arbeit sowie Politik und Demokratie. Maximilian Gasser, Marie Niederstätter und Noah Steiner
überzeugten mit ihren Darbietungen und fesselten die Jury.
In der Kategorie Sprache kreativ ist der kreative Einsatz von Sprache gefragt, er kann mit Schauspiel oder musikalischen Darbietungen kombiniert werden und es können gleichzeitig mehrere Kandidatinnen und Kandidaten auftreten. Die Jury entschied sich für Felix Oberhollenzer, den zweiten Platz belegte Gabriel Mirandola gefolgt von Peter Kolhaupt.
Auch die Berufsschulen waren mit Kandidatinnen in allen Kategorien vertreten.
„Wir brauchen junge Menschen, die für die Demokratie und ihre Rechte kämpfen und mit Argumenten überzeugen. Ihr seid die Hoffnung unserer Demokratie“, war der Appell von Philipp Achammer, Landesrat für Deutsche Bildung und Kultur, für Bildungsförderung, Kulturgüter, Innovation, Forschung, Universität und Museen.
Alle Teilnehmenden ernteten für ihre Reden einen gebührenden Applaus. Sie schätzten die Gelegenheit wichtige Themen und persönliche Erfahrungen vor begeistertem Publikum auszudrücken und fanden den Austausch mit Gleichgesinnten bereichernd.
Konrad Pamer, Direktor des Amtes für Jugendarbeit, betont: „Dass junge Menschen sich trauen, vor Publikum und Bewertungskommission aufzutreten, um ihre Ansichten zu vertreten, erfüllt mich mit Freude und Hoffnung für die Zukunft. Zivilcourage wird hier ganz konkret praktiziert, alle Teilnehmer*innen des Wettbewerbs können sich deshalb als Sieger*innen betrachten und stolz auf sich sein.“ Die Erstplatzierten vertreten Südtirol beim Finale des Österreichischen Bundesjugendredewettbewerbs in Wien, der Anfang Juni stattfinden wird.
Tiroler Landesjugendredewettbewerb 2026
Mit viel Herz und Mut zum Sieg
Sie waren mutig, engagiert und haben ihr Talent unter Beweis gestellt: 54 Schüler*innen und Lehrlinge (34 Mädchen, 20 Burschen) aus ganz Tirol haben sich beim 73. Landesjugendredewettbewerb in den drei Kategorien Klassische Rede, Spontanrede und Sprachrohr einer Jury und einem interessierten Publikum gestellt. Das Themenspektrum der Jugendlichen war breit gefächert und reichte von mentaler Gesundheit und Smartphone-Nutzung über Geschlechterrollen in der Gesellschaft und Social Media bis hin zum Nahostkonflikt und persönlichen Lebensfragen wie die Themen Glück, Solidarität, Liebe, Religion und Macht. Die zehn Landessieger*innen werden Tirol beim Bundesfinale in Wien vom 1. bis zum 3. Juni 2026 vertreten.
„Eine lebendige Demokratie lebt vom Diskurs. Jugendliche, die respektvoll Standpunkte vertreten und sich mit aktuellen Themen dieser Zeit auseinandersetzen, sind für unsere Gesellschaft von unschätzbarem Wert. Deshalb meine herzliche Gratulation an die Siegerinnen und Sieger unseres Landesjugendredewettbewerbs sowie ein herzliches
Jugendlandesrätin Astrid Mair mit den KategorieSieger*innen v. li. Rebecca Edinger, Adriane Sofia Aschaber, Lillian Kilic, Laurin Fellner, Carina Arzbacher, Greta Reinecke, Sofia Migliorini, Caroline Klingler und Lena Sokic (auf dem Foto fehlt Ilian Foidl)
Dankeschön und meinen Respekt an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Wir sehen mit Freude und Stolz auf eine junge Generation, die unser aller Leben bereichert und uns zuversichtlich in die Zukunft blicken lässt“, zeigte sich Jugendlandesrätin Astrid Mair von den Reden begeistert und betonte weiters:
„Es ist beeindruckend, mit welchem Mut und Engagement die jugendlichen Rednerinnen und Redner vor die Jury und das Publikum getreten sind. Mit spannenden Themen aus ihren persönlichen Lebensbereichen sowie sozialen und internationalen Inhalten haben sie alle eine überzeugende Leistung abgelegt. Alle, die bei diesem Wettbewerb aufgetreten sind, haben auch auf ihre Art und Weise für sich und ihr Leben gewonnen und merken schnell, wie das Selbstvertrauen gestärkt wird und wie man als Persönlichkeit von diesem Engagement profitiert.“ Weitere Informationen und Ergebnisse sowie Fotos zum Tiroler Landesjugendredewettbewerb sind unter tirol.gv.at/ jugendredewettbewerb abrufbar.
Spielenachmittag im Alten- und Pflegeheim Jesuheim
Am 16. April 2026 fand im Alten- und Pflegeheim Jesuheim der Spielenachmittag statt, der sowohl Bewohnerinnen und Bewohner als auch die Jugendlichen der Gemeinde begeisterte. Diese gemeinsame Veranstaltung war Teil eines neuen Projekts, das die generationsüber-
greifende Begegnung fördern und wertvolle Erfahrungen für alle Teilnehmenden schaffen sollte.
Die verschiedenen Gesellschaftsspiele, die vorbereitet wurden, erfreuten sich großer Beliebtheit. Die Klassiker wie „Mensch ärgere dich nicht“ und „Uno“ wurden mit Begeisterung gespielt. Besonderen Anklang fand auch das Spiel „Ultner Rumpler“, das von vielen noch nie zuvor gespielt worden war, was zu spannenden Herausforderungen führte. Die Jugendlichen zeigten viel Engagement und Geduld, indem sie den älteren Mitspieler*innen die Regeln erklärten und gemeinsam spielten. Diese Interaktionen waren nicht nur unterhaltsam, sondern auch berührend; sie ermöglichten den Jugendlichen und Senior*innen, voneinander zu lernen und sich näherzukommen. Abgerundet wurde der Nachmittag durch eine besondere „Kuchen-Merende“, die
von der Küche des Heimes liebevoll zubereitet worden war. Die selbstgemachten Köstlichkeiten rundeten das gemeinsame Erlebnis ab und sorgten für zufriedene Gesichter.
Eine besondere Wertschätzung gilt allen, die diesen besonderen Nachmittag ermöglicht haben, sowohl den Mitarbeitenden des Alten- und Pflegeheims als auch den zahlreichen engagierten Jugendlichen. Der Spielenachmittag war nicht nur eine gelungene Veranstaltung, sondern auch ein wertvolles Zeichen der Solidarität und des Respekts zwischen Jung und Alt. Solche Begegnungen stärken die Gemeinschaft und schaffen Erinnerungen, die lange bleiben.
Die Mitarbeiter*innen des Jugenddienstes Überetsch freuen sich schon auf die nächste Veranstaltung, bei der es erneut heißt: „Gemeinsam spielen, lachen und lernen!“
Landesjugendsingen 2026
94 Kinder- und Jugendchöre aus ganz Tirol und Südtirol nahmen teil – nun stehen die Ergebnisse des diesjährigen Landesjugendsingens fest. Beim Festakt am 24. April 2026 im Congress Innsbruck zeichnete die Jury die Nachwuchschöre mit ihren 2.600 mitwirkenden Sänger*innen und Chorleitungen aus. Fünf Ensembles aus den Bezirken Schwaz, Imst, Lienz, Innsbruck und Innsbruck-Land konnten die Jury besonders von ihrer Leistung überzeugen und werden Tirol beim Bundesjugendsingen von 29. Juni bis 2. Juli in Linz vertreten. „In den letzten Tagen haben die teilnehmenden Chöre bewiesen, was im musikalischen Nachwuchs Tirols steckt. Ich gratuliere allen Sängerinnen und Sängern zu ihren beeindruckenden Erfolgen. Wer hier auf der Bühne steht, hat sich diesen Erfolg mit Disziplin und Ehrgeiz erarbeitet“, fand Jugendlandesrätin Astrid Mair anerkennende Worte beim Festakt. Höhepunkt der Schlussveranstaltung war der Auftritt ausgewählter Ensembles, die beim Wertungssingen in Schwaz besonders überzeugten.
Tirols Chornachwuchs auf dem Weg nach Linz
Beim Bundesjugendsingen in Linz treffen die herausragendsten Schul-, Kinder- und Jugendchöre aus ganz Österreich aufeinander. Folgende Tiroler Ensembles wurden von der Jury zum Finale entsandt:
• Kinderchor Sonnenschein Steinach unter der Leitung von Stefan und Isolde Auer
• Musikvolksschule Hans Sachs Schwaz „Meistersinger 2c Klasse“ unter der Leitung von Elisabeth Waldauf
• BORG Lienz „2times4 7m Klasse“ unter der Leitung von Sabine Senfter
• Musikgymnasium Innsbruck „Cantoholics Kammerchor“ unter der Leitung von Thomas Waldner
• VS Untermieming „Dinochor 4. Klasse“ unter der Leitung von Andreas Kranebitter
Das musikalisch hohe Niveau der Tiroler Vokalensembles aus dem schulischen und außerschulischen Bereich schlug sich auch in den Auszeichnungen nieder: 29 der teilnehmenden Chöre bedachte die Jury mit dem Prädikat „Ausgezeichneter Erfolg“. Die Bewertung erfolgte nach klar definierten musikalischen und künstlerischen Kriterien – von Intonation und Chorklang bis hin zu Interpretation und Gesamteindruck.
Das Landesjugendsingen findet alle drei Jahre statt und ist eine gemeinsame Veranstaltung des Landes Tirol in Kooperation mit der Bildungsdirektion für Tirol und dem Chorverband Tirol. Als landesweiter Wettbewerb ist es Teil des Österreichischen Jugendsingens – dieses gilt mit rund 40.000 teilnehmenden Sänger*innen als größter Jugendchorwettbewerb Europas. Kinder und junge Erwachsene zwischen sechs und 24 Jahren haben die Möglichkeit, gemeinsam vor einer Jury zu singen und wertvolle Auftrittserfahrung zu sammeln.
v.l. Sabine Senfter, Stefan und Isolde Auer, Andreas Kranebitter, Maximilian Kindler, Elisabeth Waldauf, Thomas Waldner, Jugendlandesrätin Astrid Mair, Fachinspektor für Musikerziehung und Instrumental Martin Waldauf
Kinderchor Sonnenschein aus Steinach mit Chorleitung Stefan und Isolde Auger
eLearning Gruppe-Mensch-Entscheiden
Wie entscheiden Sie? Impulsiv, situativ, ungern, durchdacht? Im kostenfreien eLearning „Entscheiden“ geht es um psychologische Basics und darum, mit dem gewonnenen Wissen über Entscheidungsfindung in der Funktion als verantwortungsvolle Gruppenleiter*in zu wachsen. Die Kursdauer beträgt 40 Minuten. Wann und wo ist bei diesem flexiblen, zeit- und ortsunabhängigen Lernen selbst überlassen. elearning.alpenverein-akademie.at
Klimawandel verstehen und kommunizieren –Ein globales Thema, lokal erörtert
Der Klimawandel ist nichts Neues – das Klima ändert sich, seit es die Erde gibt. Die Alpengletscher verschwinden – nicht zum ersten Mal. Diesmal ist jedoch der Mensch der entscheidende Faktor. Um dramatische Folgen zu vermeiden, ist ein Systemwechsel erforderlich. Dazu sind fundiertes Wissen und zielgerichtete Dialoge notwendig. Genau hier setzt dieses Seminar aus der Reihe „Naturwissen und RespektAmBerg“ an: Basiswissen und Grundzüge des Klimasystems werden vermittelt und klimatische Veränderungen, Ursachen, Folgen, Ausblicke und Strategien der Klimawandelkommunikation diskutiert. Konkrete Anwendungsfälle eingeschlossen.
Dieser Workshop der Alpenverein-Akademie mit Gebirgsforscher Wolfgang Gurgiser als kompetentem Kursleiter findet vom 18. bis 20. September 2026 oberhalb vom Bergsteigerdorf Ginzling statt, nämlich auf der Berliner Hütte in den Zillertaler Alpen. Buchung: alpenverein-akademie.at
Nachhaltige Naturerfahrung
Naturerfahrung ist im vielfachen Sinn nachhaltig: Impulse für respektvolles Natur-Erleben und ein friedlich-friedvolles Unterwegssein in der Natur geben die qualitätsvollen Ausbildungen der Alpenverein-Akademie. In verschiedenen Formaten, etwa als profunder Lehrgang, als Seminar am Berg oder als digitaler Kurs.
Erlebnis – Zwei Lehrgänge neu überarbeitet
Im Bildungs-Repertoire der Alpenverein-Akademie stehen zwei neu überarbeitete Lehrgänge im Blickpunkt.
Das ist zum einen der Lehrgang Erlebnispädagogik, der auch im 30. Jahr eine fundierte Ausbildung für erlebnispädagogische Prozessbegleitung bietet und seit Mitte April 2026 auf Niveau VI im Nationalen Qualifikationsrahmen (NQR) gereiht ist – vergleichbar mit einem Bachelorabschluss – und der mit dem Einsteigerseminar im Juni 2026 beginnt.
Zum anderen ist es der Lehrgang Erlebnistherapie, der auf Berufsgruppen mit Erfahrung zielt, die eigenverantwortlich therapeutisch orientierte Prozesse begleiten möchten. Wie etwa Fachkräfte aus Psychotherapie, Psychologie und Heilpädagogik. Erlebnistherapie verbindet die Kraft heilsamer naturräumlicher Erfahrungen mit handlungs- und metaphorisch-reflexiven Methoden, um Entwicklungs-, Veränderungs- und Selbstheilungsprozesse gezielt zu unterstützen. Sie ist ein ganzheitlich handlungsorientierter Ansatz, der therapeutische Settings unterstützt, ergänzt oder eigenständig gestaltet.
Interessierte können sich bei kostenfreien Online-Abenden informieren (20. Juni 2026, 05. Oktober 2026, jeweils 18 bis 19.30 Uhr). Der Lehrgang selbst startet im Frühjahr 2027 und qualifiziert für die erlebnistherapeutische Prozessbegleitung in den Handlungsfeldern Sozialer Arbeit, Pädagogik und Therapie. Nähere Informationen: alpenverein-akademie.at
FOTO: Mario Kain
Weiterbildung
jukas.net
Weitere Infos in der Weiterbildungsbroschüre des Jukas. Die Broschüre ist erhältlich beim:
Amt für Jugendarbeit
Andreas-Hofer-Straße 18 I-39100 Bozen T +39 0471 413370 Jugendarbeit@provinz.bz.it
Alle Seminare finden – sofern nicht anders angegeben – im Jugendhaus Kassianeum in Brixen statt und können einzeln besucht werden.
Achtung
Finanzspritze!
Für die Teilnahme an Aus- und Weiterbildungsseminaren haben haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter*innen der Jugendarbeit in Tirol die Möglichkeit, in der Abteilung Gesellschaft und Arbeit um eine finanzielle Unterstützung anzusuchen.
Lehrgang „Coaching, Supervision und Organisationsentwicklung: Systemisch“
Diese berufsbegleitende Systemische Supervisions- und Coaching-Weiterbildung vermittelt die praktische und theoretische Expertise, um Fach- und Führungskräfte zu komplexen Anforderungen der Arbeitswelt mit einem erweiterten methodischen und fachlichen Wissensspektrum begleiten und gut beraten zu können. Sie basiert auf der Grundlage eines systemisch-konstruktivistischen, lösungsorientierten Verständnisses. Themen wie Organisations- und Prozesswissen, Klarheit zur Führungsrolle, Gruppendynamik, Konfliktmanagement, Diversität und die Gestaltung von Transformationsprozessen sind die Schwerpunkte der Weiterbildung, begleitet von einem breiten Methodentransfer.
Die Teilnehmenden werden befähigt, Lern- und Veränderungsprozesse in den unterschiedlichen Formaten von Einzel-, Team- und Gruppensupervision sowie Coaching gezielt zu gestalten. Sie erhalten fundiertes Grundlagenwissen, Methoden und Instrumente, um als freiberufliche*r Supervisor*in, Organisationsentwickler*in und Coach aktiv zu werden oder um unternehmensintern als Führungskraft oder in der (Beg-)Leitung von Teams und Menschen systemisch-lösungsorientiert wirksam zu sein.
Die Weiterbildung besteht aus zwei aufeinander aufbauenden Lehrgängen, dem Lehrgang „Systemisches Coaching“ und dem Aufbaulehrgang „Systemische Supervision und Organisationsentwicklung“, welche auch unabhängig voneinander besucht werden können.
Zielgruppe: Berufliche und ehrenamtliche Führungskräfte aller Führungsebenen in Vereinen, (Non-Profit)Organisationen, Einrichtungen und Institutionen der Jugend-, Bildungs-, Sozial- und Kulturarbeit und andere Interessierte.
Veranstalter: Diese Weiterbildung ist eine Kooperation von INCUM Intercultura Mangement (incum.de) mit dem Bildungshaus Jukas und Bildung St. Michael.
Bildung St. Michael | +43 5273 6236 | info@stm.tirol | st.michael.dibk.at Der Grundlehrgang startet Anfang Oktober.
Anmeldeschluss ist der 30. Juni 2026.
Spielerisch Menschen & Gruppen begeistern, begleiten, entwickeln
Lehrgang Spielpädagogik
Ziel und Inhalt: Spielen ist ein menschliches Grundbedürfnis. Das Spiel begeistert, animiert und motiviert – sowohl analog wie auch digital. Die Spielpädagogik beschäftigt sich mit der Wirkung des Spielens auf die Entwicklung des Menschen – vor allem von Kindern und Jugendlichen. Im Spiel entdeckt der Mensch von Geburt an seine Wirklichkeit und lernt dabei am effektivsten, ein Leben lang. Auch Kreativität, Phantasie und soziales Miteinander werden durch das Spiel grundlegend gefördert. Das Wissen um die Wirkweise und den bewussten Einsatz des Spiels ist daher eine Bereicherung für Kinder- und Jugendarbeit, Schule, Personalführung, Teamentwicklung und Erwachsenenbildung – sprich in jeder Art der Begleitung von Menschen. Die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt: Spiele eignen sich beispielsweise zur Förderung von Gemeinschaftssinn, Kooperationsbereitschaft und Ideenreichtum in Unternehmen, zur geistigen und körperlichen Aktivierung älterer Menschen, als methodisches Werkzeug sowie zur abwechslungsreichen Gestaltung von Gruppenstunden, Unterricht und Arbeitsprozessen… Als Spielpädagoge/Spielpädagogin setzt du dich nicht nur mit der gesellschaftlichen Relevanz von Spiel - für alle Altersgruppen - auseinander, sondern erlebst und reflektierst die vielfältigen Formen dieser Spielpraxis, insbesondere in der eigenen Rolle als Spielleitung.
In der Qualifizierung „Spielpädagogik“ erarbeitest du dir spielerisch theoretisches Grundwissen zur kultur-anthropologischen Entwicklung des Spiels, zur Bedeutung des Spiels für die menschliche Entfaltung in unterschiedlichen Lebensphasen sowie das nötige praktische Knowhow, dieses Wissen in unterschiedlichen Kontexten gezielt anzuwenden. Indem du die verschiedensten Spielarten und -methoden selbst erlebst, eignest du dir die notwendigen praktischen Fähigkeiten an, selbst Spieleaktionen zu gestalten und durchzuführen.
Entdecke dein persönliches Profil in der Spielpädagogik! In einem begleitenden Praxisprojekt erprobst du deine neu erworbenen Fähigkeiten und bekommst Feedback dazu.
Zielgruppe: Mitarbeiter*innen in der Kinder-, Jugend-, Sozial-, Senior*innen- und Kulturarbeit, Erzieher*innen, (Sozial)Pädagog*innen, pädagogische Fachkräfte im Kindergarten, Lehrpersonen, Kinderbetreuer*innen, Jugendleiter*innen, Erwachsenenbildner*innen, Altenpfleger*innen, Coaches, (Groß)Eltern und alle Interessierten
Dauer: 7 Seminare zu je 2 Tagen, insgesamt 14 Tage bzw. 94,5 Stunden
Aufbau: Der gesamte Lehrgang ist in 7 Seminare à 2 Tagen aufgebaut. Wer nicht den gesamten Lehrgang anstrebt, kann die Seminare 1 bis 6 auch als Einzelseminare besuchen.
Abschluss: Für einen erfolgreichen Abschluss des Lehrgangs ist eine Anwesenheit von mindestens 80 % erforderlich sowie die Durchführung eines Praxisprojektes samt Projektskizze, -dokumentation und -reflexion.
Beitrag:
Lehrgang: 1.920 Euro inkl. 22 % MwSt. bei Zahlung des Gesamtbetrags innerhalb 18.12.26
2.000 Euro inkl. 22 % MwSt. bei Ratenzahlung:
1. Rate von 800 Euro innerhalb 18.12.26
2. Rate von 600 Euro innerhalb 19.02.27
3. Rate von 600 Euro innerhalb 16.04.27
Einzelseminare: 295 Euro inkl. 22 % MwSt. pro Seminar
Leitung: Hannes Waldner, Meran. MA Game Studies, Wildnis-, Spiel- und Medienpädagoge, Facilitator, Trainer, Game- und Experience-Designer Eva Marini, Eppan. Spielpädagogin, Clown
Anmeldeschluss: Freitag, 18. Dezember 26
Menschen & Jobs
Jugenddienst Unterland
Maia Oberrauch arbeitet seit Februar 2026 beim Jugenddienst Unterland in der Offenen Jugendarbeit. Sie studiert Sozialpädagogik und hat großes Interesse daran, Jugendliche in dieser besonderen Lebensphase zu begleiten. In diesem Alter probieren sie sich aus, lernen sich selbst besser kennen und finden ihren eigenen Weg. Dafür ist die Offene Jugendarbeit ein wichtiger Ort. Mit einer offenen und neugierigen Haltung gegenüber den unterschiedlichen Lebenswelten von Jugendlichen freut sie sich darauf, sie ein Stück weit begleiten zu dürfen und auf eine spannende, gemeinsame Zeit.
Petra Gasser ist seit Jänner 2026 beim Jugenddienst Unterland für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Bis jetzt war sie in der Videoproduktion tätig und freut sich nun auf ihre neue berufliche Herausforderung. Zu ihren Aufgaben gehören Grafik und Design, die Erstellung von Foto- und Videomaterial, die Betreuung der Website und des Social-Media Auftritts sowie die Pressearbeit. Sie blickt motiviert auf die kommenden Aufgaben und auf viele spannende Projekte.
Manuela Simmerle ist seit Anfang März 2026 als Jugendarbeiterin beim Jugenddienst Unterland tätig. Die Arbeit mit Jugendlichen begeistert sie besonders, weil kein Tag wie der andere ist und man gemeinsam Projekte schaffen kann. Ihr ist wichtig, ein offenes Ohr für die Themen der Jugendlichen zu haben und sie bei ihren Ideen zu unterstützen. Wenn sie nicht gerade im Jugenddienst unterwegs ist, findet man sie meistens draußen in der Natur oder beim Entdecken neuer Orte auf Reisen.
Claudia Paizoni ist seit Kurzem für die religiöse Jugendarbeit im Jugenddienst Unterland tätig. Neben ihrer beruflichen Tätigkeit engagiert sie sich seit vielen Jahren ehrenamtlich in verschiedenen Vereinen in ihrem Heimatdorf Tramin und darüber hinaus. Besonders am Herzen liegt ihr die Arbeit in der Bürgerkapelle, wo sie als Jugendleiterin tätig ist. Die Arbeit mit Jugendlichen begeistert sie, weil sie voller Energie, Ideen und Potenzial stecken. Sie freut sich sehr auf die Zusammenarbeit und darauf, gemeinsam mit anderen engagierten Menschen die religiöse Jugendarbeit in Südtirol lebendig und zukunftsorientiert mitzugestalten.
Kristin Bonazzo arbeitet seit März 2026 als pädagogische Mitarbeiterin beim Jugenddienst Unterland. Sie ist für verschiedene Projekte sowie unterstützend für die Offene Jugendarbeit zuständig. Die Arbeit mit jungen Menschen liegt ihr sehr am Herzen, weil diese Lebensphase entscheidend für die Entwicklung von Identität, Selbstwert und Zukunftsperspektiven ist. Durch ihren psychologischen Hintergrund möchte sie versuchen, sie so gut wie möglich auf diesem Weg zu unterstützen und zu begleiten. Abgesehen von der Arbeit mit jungen Menschen begeistert sie sich auch für Sport, Reisen und die Natur. Sie freut sich auf eine gute Zusammenarbeit.
Südtiroler Pfadfinderschaft
Sara Thaler ist seit dem 1. April 2026 Teil des Teams der Südtiroler Pfadfinderschaft. In ihrer Funktion unterstützt sie sowohl die einzelnen Pfadfinderstämme in Südtirol als auch die gesamte Organisation in der Planung und Umsetzung verschiedener Aktionen. Mit frischem Elan bringt sie neue Ideen in die Pfadfinderarbeit ein und trägt dazu bei, abwechslungsreiche Programme zu gestalten.
Maia Oberrauch
Manuela Simmerle
Sara Thaler
Claudia Paizoni
Kristin Bonazzo
Petra Gasser
Südtiroler Jugendring
Jugendhaus Phönix in Schluderns
Tamara Cornelii ist ausgebildete Sozialpädagogin und seit April 2026 Teil des Südtiroler Jugendrings. Sie arbeitet in der Abteilung Partizipation und setzt sich dafür ein, die Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen in der Gesellschaft zu fördern. In ihrer Tätigkeit unterstützt sie Projekte und Programme, die junge Menschen befähigen, politische Zusammenhänge zu verstehen, kritisch zu reflektieren und sich verantwortungsvoll in demokratische Prozesse einzubringen. Sie legt großen Wert auf eine personenzentrierte Arbeitsweise, bei der Tätigkeiten und Projekte stets auf die individuellen Bedürfnisse, Stärken und Lebenszusammenhänge junger Menschen abgestimmt werden. Ihre Hauptwerte sind Empathie und Wertschätzung.
Jugendzentrum Loop Sand in Taufers
Sandra Hochgruber arbeitet seit Februar 2026 im Jugendzentrum Loop in Sand in Taufers. Nach ihrem Studium in Soziologie und einem Master in Soziale Arbeit an der Unternehmerischen Hochschule MCI wollte sie ihr Wissen in die Praxis umsetzen. Ihr liegt besonders die Beziehungsarbeit mit den Jugendlichen und natürlich auch mit ihren Gitschn am Herzen. Sie organisiert verschiedenste Events und Konzerte im Jugendzentrum. Sie freut sich auf einen spannenden Sommer und ist für alle Erfahrungen offen.
Ab sofort unterstützt Kathrin Fliri das Team im Jugendhaus Phönix in Schluderns. Die gelernte Technische Zeichnerin war bisher als Projektleiterin im Bereich Einrichtung tätig und hat sich nun dazu entschlossen, sich beruflich neu zu orientieren und ihre Energie künftig in die Begleitung junger Menschen zu stecken. Durch ihre Erfahrung im Projektmanagement sowie bei der Ausstellung von Messeständen bringt sie ein ausgeprägtes Gespür für Organisation und Kontaktfreudigkeit gegenüber jungen Menschen mit. Als motivierte Quereinsteigerin in die Jugendarbeit möchte sie Jugendliche bestmöglich fördern, kreative Projekte umsetzen und das Jugendhaus als sicheren, inspirierenden Ort mitgestalten.
Jugendtreff Check In Dorf Tirol
Tobias Schwarz aus Marling hat bereits einige Monate Erfahrung in der Jugendarbeit gesammelt. Nun hat er sich für die Offene Jugendarbeit (OJA) in Dorf Tirol und Obermais entschieden und wird sich zudem an verschiedenen weiteren Projekten beteiligen. Diesen Sommer wird er am Projekt „Sommerpower“ mitwirken und dazu beitragen, den Jugendlichen einen unvergesslichen Sommer zu ermöglichen. Tobias ist außerdem in mehreren Bands aktiv und spielt unter anderem Gitarre. Auch handwerklich ist er sehr geschickt. All diese Talente wird er sicherlich gewinnbringend in seine neue Tätigkeit einbringen.
Tobias Schwarz
Tamara Cornelii
Kathrin Fliri
Sandra Hochgruber
Österreichische Post AG MZ 02Z030010 M
Amt der Tiroler Landesregierung, Abt. Gesellschaft und Arbeit, Meinhardstraße 16, 6020 Innsbruck
Talfergasse 4, Bozen | T +39 0471 970039 info@infes.it | www.infes.it (Beratung nach vorheriger Terminvereinbarung)
Kinder- und Jugendanwaltschaft
Garante per l’infanzia e l’adolescenza
Garant per la nfanzia y l’adolescënza Cavourstraße 23c, Bozen T +39 0471 946050 info@kinder-jugendanwaltschaft-bz.org www.kinder-jugendanwaltschaft-bz.org
Elterntelefon
Grüne Nummer: 800 892 829
Anrufzeiten:
Mo–Sa 9.30–12 Uhr
Mo–Fr 17.30–19.30 Uhr www.elterntelefon.it
Beratungsstelle COURAGE
Salurner Straße 15, Innsbruck
Mo + Mi + Do, 17–20 Uhr T +43 699 16616663 innsbruck@courage-beratung.at www.courage-beratung.at
Drogenarbeit Z6
Jugenddrogenberatung
Dreiheiligenstraße 9, Innsbruck
Di–Do 14–16 Uhr und Do 18–20 Uhr sowie Termine nach telefonischer Vereinbarung
T +43 699 13143316 zentrale@drogenarbeitz6.at www.drogenarbeitz6.at
T +39 0471 413370/71 jugendarbeit@provinz.bz.it www.provinz.bz.it/kulturabteilung/jugendarbeit Europäisches Solidaritätskorps
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Interkulturelle Arbeit
T +39 0471 413373
Abdelouahed.ElAbchi@provinz.bz.it
Amt Freiwilligenwesen und Solidarität
Rittner Straße 33/b, Bozen
T +39 0471 416540 freiwilligenwesen@provinz.bz.it
Abteilung Gesellschaft und Arbeit
Die Abteilung Gesellschaft und Arbeit ist Ansprechpartner für die Themen Arbeitsmarktförderung, Diversität (Integration und Gleichstellung), Generationen, Jugend und Angelegenheiten der Gewaltprävention.
Meinhardstraße 16, Innsbruck
T +43 512 508 80 7804 gesellschaft.arbeit@tirol.gv.at www.tirol.gv.at/gesellschaft-und-arbeit
InfoEck der Generationen
Informationsstelle für Jugendliche, Familien und SeniorInnen
Regionalstelle Erasmus+ Jugend und Europäisches Solidaritätskorps
Bozner Platz 5, Innsbruck | T +43 800 800 508 infoeck@tirol.gv.at | www.tirol.gv.at/infoeck