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nëus Nr. 2 - 2026

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Die Zeitschrift des Landes Südtirol La revista dla Provinzia autonoma de Bulsan

Sonderheft Landesmuseen

Der Seiltanz

Heimat zwischen Tradition und Inszenierung

Überleben wie Ötzi

Erfahren Sie mehr auf unserer Website Scopri di più sul nostro sito

THE.NEXT. Mit dieser vierten Sondernummer der Landeszeitung zu den Südtiroler Landesmuseen tauchen wir unter anderem in das Thema „Heimat“ ein. Museen sind nicht nur Orte der Konstruktion von Erzählungen, die das kollektive Gedächtnis prägen - sie sind Vermittler zwischen individueller und kollektiver Identität. Welche Verantwortung tragen unsere Museen deshalb für gesellschaftliche Auseinandersetzungen mit Identität, Zugehörigkeit und Wandel – und wo liegen ihre Grenzen? Diese Fragestellungen werden auch Thema bei einem Austauschtreffen mit den Salzburger KollegInnen im Mai sein.

Daneben bieten wir in dieser Ausgabe wieder einen bunten Einblick in das Museumsjahr 2026. Dabei stehen wie immer der Mensch und das Erleben in den Museen im Mittelpunkt. Mitarbeitende der Landesmuseen berichten über ihre spannenden Tätigkeitsfelder und Forschungsthemen. Hinweise auf Veranstaltungen und Angebote veranschaulichen die abwechslungsreichen Aufgabenbereiche und Programme.

Viel Freude mit dieser Ausgabe! Und auf ein herzliches Wiedersehen in unseren Museen!

50 Jahre Museum in Dietenheim

1976 wurde es gegründet, 1980 öffnete es für Besucherinnen und Besucher seine Tore: das Volkskundemuseum in Dietenheim. Es war das erste Landesmuseum in Südtirol, geplant und errichtet als Freilichtmuseum. Die Museumsaison 2026 steht ganz im Zeichen des 50-Jahr-Jubiläums. bsto

Foto: Gerd Eder

IMPRESSUM

Herausgeber:

Autonome Provinz Bozen, Ort: Bozen

Eintragung beim Landesgericht Bozen: Nr. 32/1991

Presserechtlich verantwortlich:

Margit Piok (pio)

Koordination:

Verena Girardi (vg)

Redaktion:

Alexandra Perugini (ap)

Angelika Fleckinger (af)

Armin Torggler (at)

Barbara Stocker (bsto)

Bianca Zerobin (bz)

Brigitte Strauß (bs)

David Gruber (dg)

Elisabetta Maistri (em)

Elisabeth Vallazza (ev)

Francesca Brunet (fb)

Giovanni Mischí (kw)

Herwig Prinoth (hp)

Katharina Hersel (kh)

Katharina Weiss (kw)

Patrick Moser (pm)

Patrizia Gottardi (pg)

Sabine Schwienbacher (ss)

Siglinde Clementi (sc)

Stephanie von Gelmini (svg)

Valentina Campesi (vc)

Verena Girardi (vg)

Foto Titelseite:

Philipp Putzer, www.farbfabrik.com

Grafische Gestaltung: succus.

Druck:

Esperia GmbH

Auflage: 30.700 Exemplare

Kontakt und Abo:

Agentur für Presse und Kommunikation, Silvius-Magnago-Platz 1, 39100 Bozen (BZ), Tel. 0471 412213, lpa@provinz.bz.it landeszeitung.provinz.bz.it

Die Verwendung von Texten und Bildern aus neüs für nicht auf Gewinn ausgerichtete Zwecke ist nach Rücksprache mit der Redaktion möglich. ISSN 2974-8143

facebook.com/LandSuedtirol/ instagram.com/land.suedtirol

Geschichte für alle Brixen |

Zentrum für Regionalgeschichte

„History on Tour“ ist ein Programm regionalgeschichtlicher Vorträge des Zentrums für Regionalgeschichte, das für Südtirols Bildungs-, Kultur- und Geschichtsvereine sowie für Oberschulen gedacht ist. Die wissenschaftlichen MitarbeiterInnen des Zentrums schöpfen dabei aus ihren Forschungsprojekten und vermitteln ihr Wissen nach dem Motto „Geschichte für alle“ einem breiten Publikum.

Foto: Zentrum für Regionalgeschichte

History on Tour: Forschung für ein breites Publikum.

Nature Week

Bozen | Naturmuseum

Das Naturmuseum Südtirol ergänzt das Sommerprogramm in diesem Jahr um eine besondere Woche für SchülerInnen der Mittelstufe. Das bewährte Konzept von fünf Tagen im Museum wird durch einen flexiblen morgendlichen Eintritt zwischen 7.45 und 8.15 Uhr sowie einen ganztägigen Ausflug in einen Naturpark ergänzt.

Die Aktivitäten sind interaktiv und abwechslungsreich gestaltet und umfassen einen Blick hinter die Kulissen der Aquarien und des Ameisenhaufens, Workshops, einen Orientierungslauf in der Stadt sowie den Besuch des Planetariums im Gummer. Ziel ist es, ein immersives Erlebnis zu bieten, das naturwissenschaftliche Bildung mit direktem Kontakt zur Natur verbindet. ap

Zu den Vorträgen zum Weg der Frauen in die Moderne und zu den Gefängnissen in Tirol im 19. und 20. Jahrhundert kommen nun sechs weitere Vorträge hinzu: zu den Geschlechterordnungen in der Ständegesellschaft, zur „Landstreicherei“ in Tirol und an den Tiroler Grenzen zwischen dem 19. und dem 20. Jahrhundert, zum Projekt Frauenbiografien und Straßennamen, zu Option und Absiedelung geistig und körperlich behinderter Frauen, Männer und Kinder aus Südtirol 1939–1945, zur Südtiroler Erinnerungskultur nach 1945 und zur Geschichte des Alpen-Adria-Raumes vom zweiten Weltkrieg bis heute. sc

Weitere Informationen und das Programm

Zahl der Ausgabe

Festung Franzensfeste

… Tonnen Gold der Banca d′Italia sind in der Festung Franzensfeste verblieben. Am 16. Dezember 1943 waren hier in einem Felsstollen 127,5 Tonnen –Barren und Münzen – eingelagert worden (heutiger Wert: über 4 Mrd. Euro). Bis zur Kapitulation am 3. Mai 1945 transportierte die Wehrmacht 102,5 Tonnen ab: zwei Lieferungen an die Reichsbank in Berlin, eine an Schweizer Banken. Die verbliebenen 25 Tonnen beschlagnahmten US-Truppen und brachten sie nach Rom. Weitere Bestände wurden in Thüringen entdeckt; auch abgezweigtes Gold Ribbentrops stellte man 1945 sicher. vg

Theodor Christomannos

Meran | Touriseum

Übergabe eines historischen Schatzes:

Direktor Leo Andergassen, Jutta Heugl, Projektleiterin Karin Maringgele (v. l.)

Vor einem Jahr schenkte Jutta Heugl, Enkelin des Südtiroler Tourismuspioniers Theodor Christomannos dem Touriseum in Meran den Nachlass ihres Großvaters mit handschriftlichen

Älter als gedacht

Aufzeichnungen, Familiendokumenten, Fotografien, Zeitungsartikeln und persönlichen Objekten. Diese wertvolle Schenkung gab den entscheidenden Impuls, ein lang gehegtes Vorhaben zu verwirklichen und das Leben und Wirken einer der prägendsten Persönlichkeiten der alpinen Tourismusgeschichte um 1900 umfassend zu beleuchten.

Im Rahmen des Projekts „Theodor Christomannos – eine Quellensuche“ beginnt nun die systematische Recherche in Archiven in Meran, Bozen, Innsbruck, München und Wien, um Christomannos’ Rolle als touristischer Erschließer Südtirols und sein politisches, wirtschaftliches und gesellschaftliches Wirken kritisch zu untersuchen. Ziel des Projekts ist es, eine wissenschaftlich fundierte Biografie zu erarbeiten und den Nachlass der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. kw

Die Pankratiusskulptur

Tirol | Schloss Tirol

Anfang des Jahres ist das 9. Bauforscherheft mit dem Titel „Die Pankratiusskulptur aus der Burgkapelle von Schloss Tirol“ erschienen. Anstoß dazu gab die bereits im April 2022 zusammen mit dem Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum organisierte Tagung zum Altar von Schloss Tirol. Bei der Skulptur handelt es sich um eine 1370 getätigte herzogliche Stiftung, die von der auf Repräsentation setzenden neuen Herrschaft der Habsburger zeugt. Neben den Ergebnissen der kunsttechnologischen Untersuchung bei der Holzträger, Werkzeugspuren, Lederapplikationen, Gewebekaschierung, Grundierung und Metallauflagen sowie Fragen zur Farbfassung und zur Kunsttechnik der Figur gründlich erforscht wurden, werden erstmals auch die kulthistorische Rolle und die ikonografische Darstellung des Heiligen ausführlich beleuchtet. Die Publikation ist im Museumsshop erhältlich. ss

St.Kassian | Museum Ladin Ursus ladinicus

Conturineshöhle: Die bisher älteste datierte Höhle der Alpen.

Die Conturineshöhle auf rund 2800 Metern Meereshöhe gilt als die weltweit höchstgelegene Höhle mit Funden des Höhlenbären. Im innersten Bereich bedeckt eine fast vier Meter dicke Schicht aus Bodensinter den Höhlenboden. Bodensinter ist eine harte Kalkkruste, die sich über sehr lange Zeiträume aus mineralreichem

Tropfwasser aufbaut. Lange war das genaue Alter dieser Ablagerungen unbekannt.

Dem Team um Christoph Spötl und Gabriella Koltai der Universität Innsbruck gelang nun gemeinsam mit chinesischen Fachleuten die Datierung: Die älteste, unterste Sinterschicht ist knapp sechs Millionen Jahre alt, die jüngste, oberste etwa 1,8 Millionen Jahre. Damit ist diese hochalpine Höhle nachweislich älter als sechs Millionen Jahre und somit die bisher älteste datierte Höhle der Alpen. Diese Ergebnisse liefern neue wissenschaftliche Grundlagen, die künftig in die Ausstellung des Museums Ladin Ursus ladinicus in St. Kassian einfließen werden. hp

Heft über die Pankratiusskulptur: Informiert über die Rolle und die Darstellung des Heiligen.

Fort Biennale

Festung Franzensfeste | Mitte Juni bis November

Von Mitte Juni bis November findet in der Festung Franzensfeste die zweite Ausgabe der FORT biennale mit dem Titel „Reclaiming Collective“ statt. In einem Grenzraum an einer zentralen alpinen Transitachse gelegen, bildet die Festung den räumlichen wie inhaltlichen Ausgangspunkt der Ausstellung, die unter dem Leitthema „Zusammen-kommen | In-contrarsi | Coming-together“ steht. Begegnung, interaktiver Austausch und Zusammenhalt rücken dabei in den Mittelpunkt eines von Migration, Mehrsprachigkeit und Grenzerfahrungen geprägten Kontexts, in dem

Buch „Bäuerliche Archive in Tirol“.

Foto: Südtiroler Landesarchiv

zeitgenössische Kunst in einen vielschichtigen Dialog mit der Geschichte und Architektur des Ortes tritt. Gezeigt werden Werke von Künstlerinnen und Künstlern aus dem regionalen wie internationalen Kontext, die zum Teil ortsbezogen adaptiert werden.

Konzipiert und umgesetzt wird die Biennale vom kuratorischen Team Andrea Lerda, Hannes Egger und Veronika Vascotto. Andrea Lerda, der von Artribune zum Kurator des Jahres 2025 gewählt wurde, ist zudem künstlerischer Leiter der Trienala Ladina im Museum Ladin 2026. ee

Bäuerliche Archive

Heimat kann ein geografischer Raum sein: ein Dorf, eine Landschaft, ein Haus (eben ein „Hoamatl“). Vor allem aber ist Heimat mit Erfahrungen, Erinnerungen und Beziehungen verbunden. „Erinnerungsspeicher“ im ländlichen Raum sind die vielen Archive auf Bauernhöfen. Sie enthalten unterschiedliche Dokumente: Urkunden, Briefe, Fotografien, Tagebücher und andere Aufzeichnungen und geben Einblick in Alltag, Arbeit, Besitz und Verwaltung, aber auch in persönliche Gedanken und Erfahrungen.

Objekt Nummer 1

Dietenheim | Landesmuseum für Volkskunde

Welchen Weg macht ein Objekt wenn es in ein Museum kommt? Diese Frage wird oft gestellt. Für Museumsmitarbeitende ist es klar: Es wird im Eingangsbuch eingetragen und erhält eine Nummer. Dann erfolgt eine genaue Inventarisierung. Das Landesmuseum für Volkskunde hat gleich zu Beginn seiner Sammlungstätigkeit 1976 mit der Erfassung der Objekte begonnen, was damals nicht selbstverständlich war. Die Dinge erhielten nicht nur

eine Nummer, sondern auch je nach Gattung einen Buchstaben. Das erste Objekt unter dem Buchstaben C, der für Materialien aus Glas oder Keramik steht, war dieser Henkeltopf, hergestellt in der Hafnerei Malfertheiner in Bruneck. bsto

Das Buch „Bäuerliche Archive in Tirol. Perspektiven der Dokumentation, Erforschung und Erhaltung“ (Veröffentlichungen des Südtiroler Landesarchivs, Bd. 54), herausgegeben von Andreas Oberhofer (Stadtarchiv Bruneck) und Brigitte Strauß (Südtiroler Volkskundemuseum), zeigt auf, dass diese Sammlungen viele Möglichkeiten der Auswertung bieten und unter anderem Auskunft über das Verhältnis zwischen Menschen und ihrem „Hoamatl“ geben. bs

Dieser Henkeltopf war das erste Objekt im Südtiroler Landesmuseum für Volkskunde.

Foto: Südtiroler Landesmuseum

Micaela Piñero, Un mensaje colectivo olvidado, 2025, Courtesy der Künstlerin.
Foto: Francesco Daoglio

Ötzi online entdecken

Bozen | Südtiroler Archäologiemuseum

Künstliche Intelligenz eröffnet einen neuen Dialogkanal zwischen Museum und Besuchenden. Im Südtiroler Archäologiemuseum steht auf der Website www.iceman.it ein KI-basierter digitaler Assistent rund um die Uhr für Informationen zu Öffnungszeiten, Tickets und Reservierungen zur Verfügung.

Zwischen September 2025 und Januar 2026 wurden 15.827 Chats mit insgesamt 419.851 Nachrichten gestartet. Diese Zahl bestätigt die intensive Nutzung von KI in der Besuchervorbereitung und zur Vertiefung der Ge -

Die freigelegten Fresken waren unter den Schichten der Geschichte lange verborgen.

schichte von Ötzi. Die Fragen reichen vom Alltag und den gefundenen Fundstücken bis hin zu Hypothesen über die Todesursache. Dadurch wird der Chat zu einem ersten Zugangspunkt zu den archäologischen Inhalten des Museums.

Basierend auf ChatGPT liefert der Assistent verifizierte und aktuelle Antworten. Er bietet nicht nur klare und personalisierte Informationen, sondern entlastet auch das Personal, indem er die einfacheren Anfragen bearbeitet und so Zeit für Vertiefungsund Empfangsaktivitäten schafft. pg

Digitaler Ötzi-Assistent: Informiert über Öffnungszeiten, Tickets und Reservierungen.

Geheime Fresken

Bozen | Museum Eccel Kreuzer

Das Museum Eccel Kreuzer in Bozen wurde zwischen Sommer 2024 und Herbst 2025 intensiv restauriert. Die Arbeiten stellten aufgrund des hohen Alters des Gebäudes – dessen ältester romanischer Kern bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht – eine große Herausforderung dar. Gleichzeitig brachten sie jedoch große Erfolge und förderten Geheimnisse zutage, die unter den Schichten der Geschichte lange verborgen gewesen waren: Am Erker in der Laubengasse wurden die Wappen mehrerer Familien wiederentdeckt und restauriert; wer durch die Laubengasse spaziert, kann sie nun bestaunen. Fachkundige Hände widmeten sich zudem dem bereits in den 1950er-Jahren freigelegten Fresko im internen Lichthof mit der Darstellung der Madonna mit Kind, des heiligen Florian und der heiligen Katharina, das einer behutsamen Restaurierung bedurfte. Schließlich zeigten an verschiedenen Stellen freigelegte Freskofragmente, dass das Gebäude, das sich heute mit weißen Wänden präsentiert, einst eine wahre Explosion von Farben und dekorativen Elementen gewesen sein muss. em

Barrierefreie Festung

Franzensfeste | Festung

Als Pilotstätte des Interreg-Projekts Places arbeitet die Festung Franzensfeste daran, baulich bedingte Hindernisse im historischen Bestand zu reduzieren. Ein Rollstreifen soll Personen mit Rollstuhl, Kinderwagen oder eingeschränkter Mobilität eine sicherere Wegeführung bieten. Neu konzipierte Informationspaneele unterstützen zusätzlich einen klaren Parcours durch die Anlage. Parallel erstellt Independent L. einen PEBA-Plan zur Identifikation architektonischer Barrieren.

Zwei Soundshowers in der Kirche der Festung, zugänglich über eine abnehmbare Rampe, ermöglichen in Zusammenarbeit mit Machineria ein rund sechsminütiges 3D-Sounderlebnis. Die Installation ist niedrigschwellig bedienbar und eröffnet einen akustischen Zugang zu zentralen historischen Inhalten. Places versteht kulturelles Erbe als Prozess der Sinnstiftung und ermöglicht BesucherInnen, eine eigene Beziehung zum Ort zu entwickeln. pm

Foto: Georg Hofer

Festung Franzensfeste: Hindernisse sollen reduziert werden.

Foto: Südtiroler Archäologiemuseum
Foto: Museum

Heimat als Bühne

Mit der Publikation „Wilde Jahre“ schließt das Touriseum ein Forschungsprojekt ab, das in die Diskussion zu (Über-)Tourismus eingreift. Im Interview beleuchten die Buchautoren Patrick Rina und Paul Rösch die Rolle von Museen im Umgang mit gesellschaftlichen Themen und die Auswirkungen des Massentourismus in Südtirol –insbesondere auf Identität, Landschaft und das Bild von Heimat.

In den 1970er Jahren wurde Südtirol touristisch als idyllische Heimat für die Gäste inszeniert – mit traditionellen Motiven wie Bergen, Obstgärten, Bauernhäusern und Trachten. Im Bild „Eingeborene“ in Tracht, Prospekte und Plakate vermitteln ein traditionsbetontes Südtirolbild.

Interview Katharina Weiss und Marion Ladurner

Wie viel darf oder soll sich ein Museum mit gegenwärtigen gesellschaftlichen Themen auseinandersetzen?

Paul Rösch: Museen haben die Funktion eines „Denk-Mals“ und sind daher gefordert, in Bewegung zu bleiben, zeitlich relevante Thematiken in die Gegenwart zu bringen, gesellschaftspolitische Herausforderungen im Spiegel der Vergangenheit aufzuarbeiten und diese zur Diskussion zu stellen. So hat der Tourismus beispielsweise etwas von einem Seismographen, der höchst sensibel auf gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Einflüsse reagiert. Das Landesmuseum für Tourismus - Touriseum hat daher die Aufgabe, der Entstehungsgeschichte des Fremdenverkehrs nachzuspüren und die Resultate der Öffentlichkeit darzustellen – in Form von Ausstellungen, Tagungen, Vorträgen, Publikationen und anhand der Sammlung von Objekten.

„Museen müssen Orte der permanenten Konferenz sein“, so hat der Künstler Joseph Beuys die Aufgabe von Museen charakterisiert. Museen und Ehen haben etwas gemeinsam: So gilt in der Ehe, sich ständig zu hinterfragen, sich neu zu definieren, an der Beziehung zu arbeiten, immer wieder Neues einfließen zu lassen und immer wieder zu lernen, die Liebe aufrecht zu erhalten. Bei Museen ist es nicht viel anders: MuseumsbetreiberInnen müs-

„Die Marke und das verkaufte Image einer touristischen Region passen sich den Interessen der potenziellen Gäste an.“

sen die Menschen und die Gesellschaft lieben, keine „ObjektfetischistInnen“ sein und somit einen Beitrag für eine bessere Welt leisten.

Vom Bauern zum Hotelier – ein kurzer Überblick zur Entwicklung des Tourismus der vergangenen 50 Jahre (Beginn Massentourismus)

Patrick Rina: Das deutsche und österreichische „Wirtschaftswunder“ der 1950er-Jahre und das „miracolo economico“ im Italien der 1960er-Jahre führten in Südtirol – jener Scharnierregion zwischen dem deutschen und italienischen Kultur- und Wirtschaftsraum – zu einem „Boom“. Im Jahr 1960 zählte Südtirol 3,7 Millionen Nächtigungen, 1980 waren es schon 20 Millionen. Der größte Zuwachs wurde in den 1970ern verzeichnet. 2025 registrierte Südtirol 38 Millionen Nächtigungen.

Die ersten Gäste, die Südtirol nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs besuchten, kamen aus Italiens Oberschicht: Sie urlaubten vornehmlich in den Hotels der etablierten Tourismusgegenden – also in Meran und in Gröden. Auch die Westdeutschen packte das „wirtschaftswunderliche“ Reisefieber: Nach den Schrecken des Krieges sehnten sie sich nach Natur und Idylle, nach einer „heilen Welt“ und auch nach Familienanschluss. Die vielen Heimatfilme der 1950er- und

1960er-Jahre verstärkten diese Sehnsüchte. Wie Pilze schossen in Südtirols Tälern Frühstückspensionen aus dem Boden: Aus Bauern wurden Gastgeber. Das Angebot war billig und zudem war die D-Mark im Gegensatz zur Lira stark. Mit den neu gekauften Pkws erreichten die Bundesdeutschen Orte, wo bis dahin kaum „Fremme“ gesichtet worden waren.

Wie veränderte der Massentourismus das Alltagsleben der einheimischen Bevölkerung, die Landschaft und den Lebensraum in Südtirol?

Paul Rösch: Mit dem „Hereinbrechen“ des modernen Tourismus ab 1960 fanden in kürzester Zeit ein großer Modernisierungsschub und eine Globalisierung statt: Althergebrachte Lebensweisen, Traditionen und Wertvorstellungen begannen in der Auseinandersetzung und im Vergleich mit einer anderen, zum Teil „neuen“ Welt zu wanken. Dazu kamen die plötzlich neuen finanziellen Möglichkeiten: Alte Häuser wurden renoviert, neue gebaut, die Zimmer bekamen Bäder. Wo vorher der Misthaufen stand, schimmerte nun das Blau eines Schwimmbades. In vielen Landgemeinden wich die bäuerliche Siedlungsweise zusehends einem touristischen Ortsbild. In nur zwei Jahrzehnten – also von 1960 bis 1980 – entstanden über 400 Skianlagen. Die Errichtung von Skiliften und -pisten war von Nebenwirkungen

Südtirolwerbung gestern und heute zum Thema Törggelen: Früher Kastanien mit Bierkrug, heute Kastanien mit Weißwein.

begleitet: So wurden mit zunehmender Eingriffsintensität die gerodeten, planierten und aufgeschütteten Geländebereiche immer erosionsanfälliger und die Kritik an der Zerstörung des ökologischen Gleichgewichts der alpinen Natur wurde laut.

Wie echt ist eine Heimat, die als Marke funktioniert?

Patrick Rina: Die Marke und das verkaufte Image einer touristischen Region passen sich den Interessen der potenziellen Gäste an. Die Verantwortlichen im lokalen Tourismus versuchten in den „wilden Jahren“, ein Südtirol-Gefühl zu vermitteln, das zumeist dem „Heimat“-Verständnis der bundesdeutschen Gäste entsprach. Auf Postkarten und Broschüren fanden sich anfänglich angezuckerte Berggipfel, blühende Obstgärten, urige Bauernhäuser, wuchtige Kruzifixe, stolze Musikkapellen und „Eingeborene“ in Tracht. Ab den 1970ern manifestierte sich in der Tourismuswerbung ein neuer Zeitgeist: Schwimmbäder, Seilbahnen und Diskotheken traten in den touristischen Zeugenstand.

Südtirol wollte das rein agrar-romantische Selbstverständnis ablegen und präsentierte sich als Spielwiese der „Erlebnisgesellschaft“: Dirndl und Dolce Vita, fesche Skilehrer und kecke Badenixen versinnbildlichten einen neuen „Erlebnisraum“. Um diesen Raum wirksam zu vermarkten, schu-

fen die Werbetrommler zwei Sprüche: „Fließend Deutsch und Warmwasser“ – eine Anspielung auf die Zugehörigkeit zum deutschen Sprachraum und zugleich ein Hinweis auf moderne Hygienestandards – und „Sag Du zu Südtirol“, eine an Anbiederung grenzende Einladung zur Annäherung zwischen Gästen und Gastgebern.

Ist die Inszenierung von Heimat ein notwendiges Mittel im Wettbewerb um Aufmerksamkeit?

Paul Rösch: Nach dem Zweiten Weltkrieg griff die Tourismuswerbung auf das vertraute Tirolbild zurück: Glaube, Brauchtum und „heile Welt“. Die Realität war jedoch eine andere: Die Sorge um die politische Zukunft des Landes und die Suche nach Orientierung bestimmten das Leben. Die Rückbesinnung auf Tradition bot Halt und Hoffnung. Vereine wurden neu gegründet, alte Werte neu belebt.

Tradition und Werbung setzten Heimat in Szene: Platzkonzerte, Trachtenumzüge und Brauchtumsabende wurden zum gelebten Klischee – nicht selten mit dem Ziel, den Gästeerwartungen zu entsprechen. Das Kunsthandwerk war Souvenir und Identitätsanker zugleich. So fanden sich in den Wohnzimmern von Touristen und Einheimischen oft dieselben Produkte. Was als Darstellung begann, wurde allmählich Teil der Wirklichkeit: Die inszenierte Heimat wurde vielfach

derart verinnerlicht, dass sie gar als Selbstbild wahrgenommen wurde. An dieses Selbstbild schloss das positive Echo der Touristen an: Die „Gäscht“ schwärmten von Land und Leuten – Balsam für das schwache Selbstbewusstsein der deutsch- und ladinischsprachigen Südtiroler, gleichfalls Anlass für eine ordentliche Portion Selbstüberschätzung und für die Überzeugung, der Nabel der Welt zu sein.

„Die inszenierte Heimat wurde vielfach derart verinnerlicht, dass sie gar als Selbstbild wahrgenommen wurde.“

Paul Rösch Volkskundler, ehemaliger Direktor des Touriseum und ehemaliger Bürgermeister Merans

Foto: Touriseum, IDM Südtirol
Foto: Manuel Ferrigato

Günther Kaufmann und Andreas Putzer, Kuratoren der Sonderausstellung „UNDER PROPAGANDA – Archäologie zwischen Krieg und Frieden“ über die faschistische und nationalsozialistische Vergangenheit der Archäologie in Südtirol

Warum war Ihnen dieses Thema wichtig?

Weil Archäologie hier über Jahrzehnte instrumentalisiert wurde, um politische Ansprüche zu legitimieren. Uns war wichtig zu zeigen, dass Wissenschaft nicht außerhalb ihrer Zeit steht. Gerade in Südtirol prallten Ideologien aufeinander – mit nachhaltigen Folgen für Forschung, Deutung und Erinnerungskultur.

Heimat erzählen

Der Begriff Heimat ist kulturell, emotional und politisch stark aufgeladen und wird in Südtirol wie in Salzburg zunehmend strategisch genutzt – als Schutzraum, Projektionsfläche oder Marketinglabel. Doch Heimat ist nicht selbstverständlich: Sie ist geprägt von Grenzziehungen, Machtverhältnissen und Ausschlüssen. Im Alpenraum treffen unterschiedliche Erfahrungswelten aufeinander: In Südtirol bestimmen Mehrsprachigkeit, Minderheitenrechte und Grenzgeschichte das Zugehörigkeitsgefühl, in Salzburg formen Tourismus, Festkultur und ländlich-städtische Lebensrealitäten ein vielschichtiges Bild.

Heimat erweist sich damit als umkämpftes Narrativ, das zwischen Romantisierung und Abgrenzung ständig neu verhandelt wird. Daraus ergeben sich zentrale Fragen nach der Rolle von Museen und Kulturarbeit im Umgang mit Identität, populistischen Heimatbildern und gesellschaftlichem Wandel.

Um dieses Thema geht es beim Museumstreff „Heimat zwischen Identität, Politik und Tourismusdruck“, der im Rahmen von kultur.raum Südtirol-Salzburg 2026 am 29. Mai von 9 bis 13 Uhr im Waltherhaus in Bozen stattfindet. af

Wie ist es gelungen, dieses schwierige Kapitel verständlich aufzubereiten?

Wir haben bewusst drei Informationsstränge gewählt: die historische Entwicklung, die beteiligten Akteure und konkrete archäologische Funde. Ergänzt wird das durch eine frische, symbolisch aufgeladene Grafik und moderne Vermittlungsmethoden. So können Besucherinnen und Besucher selbst Zusammenhänge herstellen, ohne überfordert zu werden.

Was nehmen Besucherinnen und Besucher aus der Ausstellung mit – gerade mit Blick auf das Thema Heimat?

Die Erkenntnis, dass Heimat kein statisches, sondern ein umkämpftes Konzept ist – auch in der Wissenschaft. Unsere Ausstellung soll nicht nur faszinierende Funde zeigen, sondern sensibilisieren: für den Missbrauch von Forschung, für ideologische und politische Vereinnahmung und für die Verantwortung, die Wissenschaft heute trägt. kh

Bozen | Waltherhaus

29.05.2026

09:00 - 13:00 Uhr

Referenten:

Elisabeth Vallazza, Direktorin des Südtiroler Archäologiemuseums

Peter Heel, Leiter des Museum HinterPasseier

Monika Brunner-Gaurek, Regionalmuseumsreferentin, Land Salzburg

Martin Hochleitner, Direktor des Salzburg Museum

Information und Anmeldung

Foto: Südtiroler Archäologiemuseum

Heimatrecht

Ob eine Person als „Einheimischer“ oder „Ausländer“ galt, bestimmte im österreichischen Kaiserreich noch vor der Staatsbürgerschaft vor allem das sogenannte „Heimatrecht“, also die rechtliche Bindung einer Person an eine Gemeinde. Auf Grundlage eines Gesetzes

aus dem Jahr 1863, das 1896 teilweise reformiert wurde, konnte das Heimatrecht durch Erbschaft, durch Heirat (bei Frauen) oder durch eine Anstellung im öffentlichen Dienst erworben werden; in besonderen Fällen wurde es auch von Amts wegen zuerkannt.

Ferne Heimat

Das Landesmuseum Bergbau geht der Geschichte der Migration im Bergbau nach – und stößt dabei auf überraschende Spuren. Arbeitsmigration war seit jeher fester Bestandteil des Bergbaus, auch in Südtirol. Schon lange vor

der Industrialisierung zogen Spezialisten, Techniker und Verwaltungsfachleute zwischen den Revieren Europas umher. Ihre Gründe waren vielfältig: bessere Verdienstmöglichkeiten, religiöse Freiheit oder die Befehle von

Nach dem Zweiten Weltkrieg griff die Tourismuswerbung auf das vertraute Tirolbild zurück: Glaube, Brauchtum und „heile Welt“.

Das Heimatrecht legte also fest, wer zu einer Gemeinde gehörte und wer nicht, und ermöglichte den Zugang zu einer Reihe von Rechten: So mussten beispielsweise die Gemeinden für die Armen sorgen, die das Heimatrecht in ihrem Gebiet hatten. Personen ohne Heimatrecht - also Menschen in einem Zustand der Heimatlosigkeit, etwa ohne festen Wohnsitz oder gesicherte Existenzgrundlage - sahen sich hingegen mit erheblichen praktischen Schwierigkeiten konfrontiert. Diese verschärften ihre ohnehin prekären materiellen Lebensbedingungen und drängten sie weiter an den Rand der Gesellschaft. fb

Vorgesetzten. Tiroler Bergarbeiter waren weltweit gefragt – von Russland über Schottland bis nach Südamerika. Am Museum werden historische Quellen ausgewertet und Namen, Routen und Ziele in einer Datenbank erhoben. Fündig wird man in spanischen Passagierlisten aus der Zeit der Neuen Welt, in Registern tirolerischer Protestanten oder in Berichten über Moskauer Gesandte, die um 1470 in Sterzing Fachkräfte anwarben. Hinter all diesen Daten stehen bewegende Lebenswege – manche blieben nur wenige Jahre fern der Heimat, andere jahrzehntelang. Und viele kehrten nie zurück. at

Emigration von Tiroler Bergverwandten zwischen 1100 und 1780.

Foto: Touriseum, IDM Südtirol-Alto Adige/Manuel Ferrigato
Foto: Südtiroler Landesmuseum für Bergbau

Überleben wie Ötzi

Wie überlebte man vor 5.000 Jahren in einer Welt ohne Strom, Straßen und Supermärkte? Antworten darauf lieferte im Herbst 2025 ein Outdoortag bei Latsch, der auch einen Bogen schlug vom unmittelbaren Erleben in der Natur zu einem der berühmtesten Menschen der europäischen Jungsteinzeit: Ötzi, dem Mann aus dem Eis.

◀ Beim Outdoortag zeigte Survivalexperte Philipp Schraut, wie Menschen zu Ötzis Zeit überlebten: Wasser prüfen, Feuer mit Feuerstein entzünden, jagen und alles verwerten.

„Stellen wir uns vor, wir gehen 5.000 Jahre zurück. Keine Wege, keine Maschinen. Nur Wald, Wasser und Wissen.“
Philipp Schraut Survival- und Steinzeitexperte

Dass der Vinschgau und das Martelltal bereits in der Kupferzeit besiedelt waren, belegen zahlreiche archäologische Funde. Wahrscheinlich hielt sich auch Ötzi hier auf – vielleicht sogar mehrfach, denn der Mann vom Tisenjoch war viel unterwegs. Genau an diesem historischen Schauplatz setzte der Survival- und Steinzeitexperte Philipp Schraut an, der an einem Tag im Herbst 2025 eine kleine Gruppe aus Wissbegierigen, Archäologieinteressierten und Naturbegeisterten begleitete. Mit Repliken prähistorischer Werkzeuge im Gepäck lud er zu einer gedanklichen Zeitreise ein: „Stellen wir uns vor, wir gehen 5.000 Jahre zurück. Keine Wege, keine Maschinen. Nur Wald, Wasser und Wissen.“

Was ungeübten Augen als gewöhnlicher Wald erscheint, entpuppte sich unter fachkundiger Anleitung als reich gedeckter Vorratsspeicher. Pflanzen, Pilze, Hölzer – alles besitzt Potenzial. Diese Perspektive verbindet Survivalpraxis mit Archäotechnik. Schraut arbeitet konsequent auf Basis archäologischer Funde und Materialien, wie sie aus jungsteinzeitlichen Kontexten und aus Ötzis Ausrüstung bekannt sind. Durch jahrelange praktische Erprobung hat er jene Materialkenntnis erworben, die notwendig ist, um prähistorische Objekte wirklich zu verstehen.

Der erste Schritt zum Überleben ist Wasser. An einem Bach zeigt Schraut, wie bestimmte Insektenlarven als Bioindikatoren sauberes Wasser verraten. Doch Wissen bedeutet auch Vorsicht: Nur wenige hundert Meter entfernt befindet sich eine Fischzucht. Die Schlussfolgerung lautet daher wie in der Steinzeit: beobachten, einschätzen, absichern – im Zweifel abkochen.

Ohne Feuer kein Essen: Mit Feuerstein, Pyrit und Zunderschwamm –Materialien, die auch zu Ötzis Beifunden zählen - entstehen Funken und schließlich ein Glutnest, aus dem mit Geduld eine Flamme entsteht. Feuer war in der Kupferzeit Lebensversicherung und sozialer Mittelpunkt zugleich. Ötzi transportierte Glut in Birkenrindengefäßen – eine raffinierte Methode, um schneller an wärmendes Feuer zu gelangen, als es das mühsame Neuentfachen erlaubt hätte.

Bogenschießübungen mit dem Langbogen verdeutlichen, wie aufwendig, zugleich aber präzise und wirkungsvoll Ötzis Jagdausrüstung war. Mit entsprechender Übung lassen sich auch bewegliche Ziele aus größerer Entfernung treffen – vorausgesetzt, Geduld, Anschleichen und eine ruhige Hand kommen zusammen. Da dies mehr als einen Tag Übung (und das geltende Jagdgesetz) erfordert, bringt Schraut praktischerweise den Lauf eines erlegten Wildtieres mit. Auch beim Zerlegen der Keule durch einige

Was ungeübten Augen als gewöhnlicher Wald erscheint, entpuppte sich als reich gedeckter Vorratsspeicher. Pflanzen, Pilze, Hölzer – alles besitzt Potenzial.

Outdoortag 2026

Im Herbst 2026 bieten das Südtiroler Archäologiemuseum und Philipp Schraut eine Neuauflage des Outdoortags an, diesmal in der östlichen Landeshälfte in der Gegend von Percha:

Referent: Philipp Schraut, Naturund Landschaftsführer, Survivalund Steinzeitexperte

Für wen?

Alle Interessierten ab 16 Jahren bis zu 15 Personen

Wann?

Samstag, 19.09.2026, ab 9.00 Uhr bis ca. 16.30 Uhr

Wo?

Umgebung von Percha

Wieviel?

35€

Unerschrockene erweisen sich Steinwerkzeuge aus Feuerstein als erstaunlich effizient und machen verständlich, warum Ötzis Dolch und Silexklingen genau diese Formen und Materialien aufweisen.

Beim gemeinsamen Kochen wurde deutlich: Nichts wurde verschwendet. Fleisch dient als Nahrung, frisch zubereitet oder getrocknet, Sehnen werden zu Schnüren gedrillt, Knochen zu Werkzeugen verarbeitet. Auch Ötzis Ausrüstung zeugt von diesem umfassenden Materialverständnis: vom Kupferbeil über Pfeil und Bogen bis zur Kleidung aus Fell, Leder und Gras. Seine isolierenden Schuhe, der Fellmantel und die Bärenfellmütze waren perfekt an das Hochgebirge angepasst – Schutz und Statussymbol zugleich.

Am Ende des Tages genießen alle Teilnehmenden zusammen in der Natur eine wohlschmeckende Mahlzeit, die sie selbst erarbeitet haben. Die Erfahrung wirkt nach. Archäotechnik macht Geschichte begreifbar – im wahrsten Sinn des Wortes. Sie zeigt, dass Museumsobjekte keine stummen Zeugen sind, sondern Ergebnisse von Wissen, Erfahrung und Kreativität. Und sie vermittelt ein neues Verständnis für Ötzi und seine Zeit – sowie für die Erkenntnis, dass die Natur alles bereithält, was es zum Überleben braucht – sofern wir lernen, sie zu lesen.

Anmeldung bis 15.9.2026 unter Tel. 0471 320112 oder 0471 320145 (Bürozeiten Mo-Do 9-16 Uhr, Fr 9-12 Uhr) oder per Mail unter office@iceman.it

DT/IT: Jeder bedient sich seiner Muttersprache.

Weitere Details werden nach der Einschreibung bekannt gegeben.

Von den Teilnehmenden mitzubringen: wetterfeste Kleidung, die auch schmutzig werden darf, Wanderschuhe, unzerbrechliches Essgeschirr, Löffel, Wasserflasche, Sonnen- bzw. Regenschutz.

Sun la piedies dl diare de Sissi

L ann passà ie i locai storics dl Touriseum a Maran deventei l palch de na miscion particulera: doi dis alalongia se ài trasfurmà te n Easy Escape Room. L fin fova chël de abiné l diare perdù dl'imperadëura Elisabeta, ntan che dedora se auzova l'ega dl ruf Naif. Per ti vester cun suzes a chësta ncëria fovel debujën de n lëur de grupa, de criatività y de na mënt frëscia. I partezipanc ova nfati mé 30 menuc dl'aurela per crì la ndicazions, abiné ora i cunliamënc scundui y scuvierjer l diare de gran valor. Da dedò piova pona via la ferata che dassova mené Sissi al segur. I locai storics dl Ciastel de Trauttmansdorff ie nstësc deventei na pert dl juech, giaurian ponc de ududa nueves y de marueia per la storia y la lerch. I partezipanc fova ntujiasmei y nscila va l'esperienza misteriëusa inant nce chëst ann. kw

La nrescida dl diare dl'imparadëura va inant.

Ciastel de Tor da udëi coche l ie

Ai 9 de mei dala 11 danmesdì possa i nteressei mparé a cunëscer l Museum

Ladin Ciastel de Tor a San Martin de Tor te na maniera straurdinera coche luech da cësa vivù: ntan na raida tres i locai storics conta Irma Trebo, che stajova plu da giut tl ciastel, de si esperienzes defin persuneles. Union a cunescënza de si vita da uni di tl ciastel, ëila partësc lecorc de familia y mumënc senificatifs dajan inant ntraunides tramandedes, che ne n'ie da abiné te degun liber de storia. Ntan la raida stlarëscela la maniera de coche n se nuzova plu da giut di singui

selfs y mostra coche la cunvivënza tl ciastel à caraterisà la vita da uni di. I locai da sté, i luesc ulache l univa laurà y i luesc cunesciui giaperà pruspetives nueves dla vita te chësc frabicat storich. Tres la vijita ruveràn sëura sun fac storics, lecorc persunei y n ti dajerà nce na udleda do i mures dl Ciastel de Tor. N puderà sentì l passà y l ciastel se musterà coche luegia de lecurdanza, de identità y de ncësa vivuda. gm

San Martin de Tor Ciastel de Tor 09.05.2026 | dala 11:00

L ne n'ie nia debujën de se scrì ite.

Eine Mumie für die Ewigkeit?

Edda Guareschi ist die neue Kuratorin für die Mumie Ötzi aus dem Eis. Im Interview über mögliche neue Entdeckungen in der ÖtziForschung, wie die Mumie am besten konserviert werden kann und wie Museen mit menschlichen Überresten umgehen sollen.

Sie haben eine universitäre Ausbildung in forensischer Anthropologie. Können Sie uns einige besonders interessante Skelette oder Mumien nennen, die Sie analysiert haben?

Meine Erfahrung bezieht sich vor allem auf Skelette, um jene von archäologischem Interesse von solchen zu unterscheiden, die eine forensisch-juristische Relevanz haben könnten. Ich interpretierte vor allem die Pathologien, um die Lebensgeschichte der verstorbenen Person, die Todesursache, den Todeszeitpunkt und die Todesumstände zu verstehen.

Welche Kenntnisse aus der Rechtsmedizin können Sie auf die Forschung zu Ötzi anwenden?

Eine davon ist die Phänotypisierung, also der Versuch, auf das konkrete Aussehen der Person zu Lebzeiten zu schließen. Wir hängen zwar sehr am ikonischen Bild von Ötzi, der Rekonstruktion die wir im Museum zeigen, doch wir wissen, dass viel Interpretation im Spiel ist. Neueste genetische Forschungen deuten auf eine etwas dunklere Hautfarbe und etwas weniger Haare hin. Außerdem sollten wir das Alter der Person zum Zeitpunkt ihres Todes künftig genauer bestimmen können. Mikrobiologische Analysen könnten zudem weitere Klar-

Taphonomische Untersuchungen bedeuten übrigens die Analyse, wie ein Organismus gestorben ist, wie der Körper zerfällt, wie Knochen oder Reste transportiert werden (z. B. durch Wasser, Tiere, Wind), wie sie im Boden begraben werden und wie sie sich zu Fossilien verändern.

◀ Edda Guareschi hofft, Ötzis Alter präziser bestimmen, neue Erkenntnisse über seine Erkrankungen gewinnen und klären zu können, welche Veränderungen sein Körper in den mehr als 5.000 Jahren zwischen seinem Tod und seiner Entdeckung erfahren hat.

„Taphonomische Untersuchungen wiederum könnten helfen zu verstehen, was mit dem Körper in den über 5.000 Jahren zwischen Ötzis Tod und seiner Auffindung geschehen ist.“
Edda Guareschi Kuratorin Mumie Ötzi

heit über die Krankheiten bringen, an denen sie litt. Taphonomische Untersuchungen wiederum könnten helfen zu verstehen, was mit dem Körper in den über 5.000 Jahren zwischen Ötzis Tod und seiner Auffindung geschehen ist.

Zu Ihren Aufgaben gehört auch die Entwicklung von Technologien für die langfristige Konservierung der Mumie. Welche Potenziale sehen Sie in diesem Bereich?

Das grundlegende Ziel ist es, die Mumie so zu erhalten, wie sie heute ist, also Kontaminationen, Abbau oder andere Veränderungen zu vermeiden. Wir können den Zustand der Mumie nicht verbessern, sondern nur verhindern, dass er sich verschlechtert. Dabei muss auch der Ressourcen-Aufwand berücksichtigt werden: Das Museum hat auch das Ziel nachhaltiger zu werden und der Betrieb von Kühlzellen ist und bleibt energieaufwändig. Außerdem könnte KI-Technologie in naher Zukunft die Voraussetzungen schaffen, sich die Person zu Lebzeiten besser vorstellen zu können. Wie hat er sich etwa bewegt? Wir haben auf jeden Fall den Wunsch dieses Individuum noch näher kennenzulernen.

Wurde bisher gute Arbeit geleistet, was die Erhaltung der Mumie betrifft?

Ich würde sagen, eine perfekte Arbeit, wenn man bedenkt, dass dieses Gebäude nicht dafür gebaut wurde die komplexe Kühltechnik oder überhaupt ein Muse -

um zu beherbergen. Eine hochtechnische Konservierungsanlage wie die unsere, in einem historischen Gebäude zu installieren, war eine große Herausforderung. Ich war damals nicht dabei, sehe aber heute das Ergebnis.

Wie lassen sich wissenschaftliche Forschung und Konservierung miteinander vereinbaren, ohne das Objekt zu gefährden?

Für biologische, chemische oder physikalische Untersuchungen werden wir vermutlich mit den zahlreichen Proben arbeiten, die in den letzten Jahrzehnten bereits vom Körper der Mumie entnommen wurden. Weitere Proben zu entnehmen, würde bedeuten, die Mumie aufzutauen – und das tut ihr nicht gut. Deshalb versuchen wir, dies derzeit zu vermeiden.

Welche Verantwortung trägt ein Museum, wenn es menschliche Überreste ausstellt?

Ich denke, menschliche Überreste können in Museen verbleiben, wenn sie gut kontextualisiert sind und einen signifikanten Beitrag zur Forschung und zur Kultur leisten. Sie müssen jedoch mit großem Respekt behandelt werden, und auch das Publikum muss entsprechend sensibilisiert werden. Dasselbe gilt auch für die Tiere, die die naturhistorischen Museen auf der ganzen Welt füllen. Jedes Lebewesen verdient es respektiert zu werden, auch wenn es nach seinem Ableben in einem Museum geschützt wird.

Wir sind die Neuen

Auch heuer präsentieren wir wieder die neuen Gesichter in den Landesmuseen: Wer sind sie? Womit beschäftigen sie sich? Und was gefällt ihnen an ihrer Arbeit?

„Als Sammlungsassistentin bin ich verantwortlich für die Pflege der zoologischen, botanischen und paläologischen Sammlungen und führe Arbeiten durch wie die Kontrolle des Sammlungsklimas, das Aufbereiten (z.B. Kleben von Herbarbelegen, Herstellen von zoologischen Nasspräparaten) und die Inventarisierung von Sammlungsobjekten.“

Mattia Maldonado, Museumsdidaktik und -vermittlung im Museum Ladin

Zineb

Museumsvermittlung in der Festung Franzensfeste

meiner Kindheit und führt mich ohne Grenzen. Heute ist mein Ort die Festung Franzensfeste: Zwischen Kasematten, Stille und Stein gebe ich dem, was man nicht sieht, eine Stimme. Führerin zu sein bedeutet, Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu schlagen. Jeder Besuch ist anders: Die Menschen, die Fragen, der Himmel ändern sich. Und auch ich ändere mich, denn ich lasse etwas zurück und etwas bleibt mir erhalten.“

„Ich liebe es, Menschen ins Gespräch zu bringen und Geschichte lebendig zu vermitteln. Im Museum Ladin widme ich mich der Museumsdidaktik und -vermittlung, erzähle von der einzigartigen Umwelt des Gadertals, seiner Heimat, und mache deren kulturelle wie naturkundliche Zusammenhänge verständlich. Ein Anliegen ist mir dabei, vor allem die lokale Bevölkerung für die eigene Geschichte und Umwelt zu sensibilisieren. Mein fachlicher Hintergrund in den Naturwissenschaften prägt meine Arbeit ebenso wie meine Begeisterung für die Region.“

Martina Bonetto, Sammlungsassistentin im Naturmuseum
Essabar,
Foto: Privat
Foto: Privat
Foto: Privat

Chiara Andreotti, Vermittlung, Südtiroler Weinmuseum

Stefan Mayr und Max Zublasing, Facharbeiter im Landesmuseum für Volkskunde

„Ich habe mich schon immer für Museen und deren Verwaltung begeistert und bin seit Mitte September 2025 Mitarbeiterin des Südtiroler Weinmuseums. Diese Gelegenheit hat mir eine ganz neue Welt hinter den Kulissen eröffnet und mir die Möglichkeit gegeben, mich in eine neue und spannende Tätigkeit mit vielen Facetten zu stürzen, die mir die komplexe multidisziplinäre Arbeit von Museen näherbringt.“

Sandra Steinegger, Mitarbeiterin

Finanzabteilung Betrieb Landesmuseen

Clara Fouqueau, Mitarbeiterin im Südtiroler Archäologiemuseum

„Ich lebe mit meiner Frau und unseren zwei Kindern in Vahrn und bin seit Anfang 2026 im Betrieb Landesmuseen in der Finanzabteilung tätig. Meine Stärken liegen in der Organisation, Struktur und dem Arbeiten mit Zahlen. Besonders schätze ich es, komplexe Sachverhalte zu ordnen, Abläufe zu optimieren und Informationen zusammenzuführen. Ein gutes Gefühl ist es für mich, wenn am Ende alles schlüssig ist, übereinstimmt und ein stimmiges Gesamtbild ergibt.“

„Wir haben im vergangenen Jahr den Wettbewerb für das Museum in Die tenheim bestanden und arbeiten seit her gemeinsam. Unsere Ausbildung als Zimmerer ist von Vorteil für die Aufgaben hier: Wir sind zuständig für die ordentliche Instandhaltung von Museumsgebäuden und Freigelände, betreuen die Haustiere und helfen auch beim Aufbau von Ausstellungen mit. Im Winter ist Zeit für vorbereitende Arbeiten in der Werkstatt und für die Herstellung von Verkaufsartikeln für den Museumsshop.“

„Ich arbeite an der Kassa und im Shop des Museums und bin dort täglich im Austausch mit Menschen aus aller Welt. Besonders am Herzen liegt mir die Zusammenarbeit in unserem Team und der Kontakt mit Menschen. Dabei bin ich jeden Tag von Geschichte und Kultur umgeben und begegne spannenden Geschichten aus vergangenen Zeiten. Parallel dazu beende ich meinen Master in Deutscher Philologie in Wien.“

Foto: Südtiroler Landesmuseum für Volkskunde
Foto: Südtiroler Archäologiemuseum / Andreas Tauber

Sleeping Beauty

Sleeping Beauty macht vernachlässigte städtische Räume in Bozen zu „schlafenden Schönheiten“, erforscht ihre nächtliche Biodiversität und zeigt, wie Stadt, Natur und Museum zusammenwirken, um bislang übersehene Orte ökologisch und gesellschaftlich wertvoll zu machen.

◀ Ein von künstlichem Licht erhellter Spielplatz in Bozen bei Nacht: für nachtaktive Insekten, Fledermäuse und Amphibien wird die starke Beleuchtung zum Hindernis oder zur ökologischen Falle.

Ein Netzwerk aus möglichst dunklen Kernbereichen und Verbindungskorridoren soll es nachtaktiven Arten erlauben, sich auch in einer urbanen Landschaft zu orientieren.

Museen beschäftigen sich längst nicht mehr nur mit der Vergangenheit. Sie greifen aktuelle gesellschaftliche Fragen auf, verbinden Forschung mit Öffentlichkeit und machen wissenschaftliche Erkenntnisse dort sichtbar, wo sie für das tägliche Leben relevant werden. In diesem Spannungsfeld bewegt sich Sleeping Beauty, ein großes europäisches Forschungsprojekt, an dem auch das Naturmuseum Südtirol beteiligt ist und das in Bozen ganz konkret Gestalt annimmt.

Im Zentrum des Projekts steht ein Ort in Bozen, den viele kennen, aber kaum jemand bewusst wahrnimmt: das Areal nördlich des Touristenparkplatzes in der Schlachthofstraße am Bozner Boden. Ein vernachlässigter und ungenutzter Raum, der beispielhaft für jene „vergessenen Orte“ steht, denen Sleeping Beauty neues Potenzial zuschreibt.

Sleeping Beauty ist ein von der Europäischen Union im Rahmen von Horizon Europe gefördertes Forschungs- und Innovationsprojekt mit 20 Partnerinstitutionen aus ganz Europa. Beteiligt sind Universitäten, Forschungszentren, Städte und Regionen, Planungsund Designbüros sowie Kultur- und Vermittlungseinrichtungen. In sechs europäischen Pilotregionen werden

neue Wege erprobt, um vernachlässigte Räume ökologisch, sozial und gestalterisch weiterzuentwickeln.

Bozen ist eine dieser Pilotregionen. Die Stadt steht dabei exemplarisch für viele urbane Räume in Europa: historisch gewachsen, verkehrlich stark belastet, mit wenigen zusammenhängenden Grünflächen und gleichzeitig mit einem hohen Anspruch an Lebensqualität, Nachhaltigkeit und Biodiversität.

Dornröschen?

Der Name des Projekts ist bewusst gewählt. Wie im Märchen vom Dornröschen geht es um Orte, die nicht zerstört sind, sondern in eine Art Schlaf gefallen sind: Flächen, die über Jahre hinweg funktional reduziert, überprägt oder schlicht übersehen wurden. Sleeping Beauty versteht diese Räume als „schlafende Schönheiten“. Nicht als Problemzonen, sondern als Chancenräume.

Am Bozner Boden zeigt sich dieses Prinzip besonders deutlich. Das ausgesuchte Areal bildet eine harte Barriere im Stadtgefüge, zugleich liegt es an einem sensiblen Übergang zwischen Verkehrsraum, Industrie, Wald und Wohngebieten. Genau hier setzt das Projekt an.

by night: Das Naturmuseum führt am Bozner Boden ein Monitoring der nächtlichen Biodiversität durch und untersucht, wie Licht das Verhalten von Tieren beeinflusst – als wissenschaftliche Grundlage für künftige Planungsentscheidungen.

Die Nacht als Schlüsselthema. Ein inhaltlicher Schwerpunkt von Sleeping Beauty (und besonders des Bozner Pilotprojekts) ist die Nacht. Künstliches Licht prägt den Bozner Boden rund um die Uhr: Straßen, Parkplätze und Bahnanlagen sind stark beleuchtet. Für viele Tiere stellt dies ein kaum überwindbares Hindernis dar. Nachtaktive Insekten, Fledermäuse oder Amphibien meiden solche Räume oder geraten dort in ökologische Fallen.

Das Projekt arbeitet daher mit dem Konzept der Dark Infrastructure: einem Netzwerk aus möglichst dunklen Kernbereichen und Verbindungskorridoren, das es nachtaktiven Arten erlaubt, sich auch in einer urbanen Landschaft zu orientieren und zu bewegen. Dunkelheit wird dabei nicht als Defizit verstanden, sondern als ökologische Qualität.

Die Rolle des Naturmuseums Südtirol . Innerhalb des Projekts

übernimmt das Naturmuseum Südtirol eine zentrale Rolle im Bozner Pilotareal. Seine Aufgabe ist es, die biologische Dimension dieses Stadtraums sichtbar zu machen, insbesondere jene, die tagsüber verborgen bleibt.

Konkret wird das Museum am Bozner Boden ein Monitoring der nächtlichen Biodiversität durchführen, mit besonderem Fokus auf die Nacht. Untersucht wird unter anderem, welche Tiergruppen den Raum nutzen, wie sich Licht auf ihr Verhalten auswirkt und welche Bereiche trotz starker Nutzung noch ökologische Funktionen erfüllen. Dieses Monitoring liefert die wissenschaftliche Grundlage für spätere Gestaltungs- und Planungsentscheidungen.

Gleichzeitig versteht sich das Naturmuseum als Vermittler: Die gewonnenen Erkenntnisse fließen nicht nur in Fachberichte, sondern auch in Ausstellungen, Vermittlungsformate und öffentliche Diskussionen ein. Damit wird

dieser vernachlässigte Ort neu lesbar, als Teil eines urbanen Ökosystems.

Sleeping Beauty zeigt an diesem Beispiel, wie europäische Forschung, lokale Fragestellungen und museale Aufgaben ineinandergreifen können. Das Projekt verwandelt einen funktional geprägten Stadtraum in einen Forschungs- und Lernort und macht deutlich, dass selbst dort, wo auf den ersten Blick wenig Natur zu finden ist, komplexe ökologische Prozesse ablaufen.

So wird aus einem vernachlässigten Bahnhofsareal eine „schlafende Schönheit“, die langsam erwacht. Nicht durch große Versprechen, sondern durch genaues Hinsehen. Und genau darin liegt die Stärke dieses Museumsprojekts: Es schärft den Blick für jene Räume und Zeiten, die im Alltag leicht übersehen werden. Wie die Nacht mitten in der Stadt.

Bozen

Über Jahrhunderte prägten Stroh gedeckte Wirtschaftsgebäude die Kulturlandschaft Südtirols, am Tschögglberg, am Ritten, im Sarnund Eisacktal. Das Baumaterial stammte vom eigenen Hof: Stroh ließ sich lokal gewinnen und verarbeiten. Mit strengeren Brandschutzverordnungen, Gebäudeversicherungen und dem Rückgang des Roggenanbaus verschwanden im Laufe des 20. Jahrhunderts die Strohdächer. Heute sind nur noch zehn an ihrem ursprünglichen Standort erhalten

Mehr als ein Strohfeuer Die Menschen im Gadertal

geblieben. Die Freilichtmuseen in Dietenheim, Kramsach (Tirol) und Stübing (Steiermark) verfügen je über einen Strohdachstadel aus Südtirol. Die Pflege ist schwierig, da geeignetes Stroh, traditionelles Handwerk und Fachwissen zunehmend fehlen. Das Forschungsprojekt am Volkskundemuseum Mehr als ein Strohfeuer. Geschichte, Gegenwart und Zukunft von Strohdächern in Südtirol widmet sich der Geschichte, Bauweise und Zukunft dieser fast vergessenen Dachform. bz

Der Hof Spatauf im Volkskundemuseum Dietenheim soll ein neues Strohdach bekommen.

Die Studie „Die Menschen im Gadertal gestern und heute” analysiert die sozioökonomischen und kulturellen Veränderungen, die dieses Tal in den vergangenen Jahrzehnten erlebt hat. Diese Zeit war geprägt von einer rasanten Entwicklung des Tourismus, welche die Landschaft, die sozialen Beziehungen und die Wertesysteme verändert hat. Sie hat neue Möglich-

keiten geschaffen, aber auch Spannungen und eine Erosion der traditionellen Lebensmodelle. Die Studie untersucht, wer diese Veränderungen heute mitgestaltet und wie sie vorgehen, wobei ethnografische Methoden und Fragebögen kombiniert werden. Der Schwerpunkt liegt auf den Wohnpraktiken: Das Haus wird zu einem privilegierten Beobachtungsort, um

Reibungen und Verhandlungen zwischen lokalen Dynamiken und globalen Prozessen zu erfassen.

Ziel ist es, Instrumente zur Reflexion über die Gegenwart anzubieten und eine gemeinsame Debatte über die Zukunft der Region anzustoßen. vc

Weiler in Campill

Foto: Manfred

Die Landesmuseen in Südtirol

Schloss Tirol

Südtiroler Landesmuseum für Kultur- und Landesgeschichte

Schloss Tirol Tirol

Südtiroler

Archäologiemuseum Bozen

Südtiroler Weinmuseum Kaltern

Stephanus-Kapelle Obermontani

Schloss Velthurns Felthurns

Festung Franzensfeste

13

Landesmuseum Bergbau

Standort Schneeberg St. Martin am Schneeberg

Museum Ladin

Museum Ladin

Ciastel de Tor St. Martin in Thurn Museum Ladin Ursus ladinicus St. Kassian

Touriseum Landesmuseum für Tourismus Schloss Trauttmansdorff Meran

Schloss Wolfsthurn

Südtiroler Landesmuseum für Jagd und Fischerei Mareit

Standort Ridnaun Maiern

Standort Steinhaus Ahrntal

Südtiroler Landesmuseum für Volkskunde Dietenheim Museum Eccel Kreuzer Bozen

18

Standort Prettau mit Klimastollen

Glurns Glorenza

Zentrum für Regionalgeschichte Brixen

Naturmuseum Südtirol Bozen

Koffer stehen im und um das Touriseum

2

Planetarium Südtirol Gummer/Karneid

100.000 gesichtete Dokumente im Forschungsprojekt „Archäologie zwischen Krieg und Frieden“

Frauenbiografien hat das Zentrum für Regionalgeschichte ausgearbeitet

25 Jahre feiert heuer das Museum Ladin Ciastel de Tor 271

Kachelöfen und 6 Bauernöfe im Volkskundemuseum

26.345 € des Projekts art X women für den Frauenhausdienst Brixen

1.340 verwendete Schrauben für die Hängung der Kunstwerke

123.769 Schmetterlinge in der Trockensammlung des Naturmuseums

Hier ist was los!

Spezielles für Kinder, Konzerte und Ausstellungen: Ein Überblick über die Veranstaltungen und Angebote in den Südtiroler Landesmuseen.

Touriseum

Meran | Trauttmansdorff

17.05.2026

Internationaler Museumstag

Der Internationale Museumstag lädt dazu ein, die wichtige gesellschaftliche Rolle der Museen zu entdecken. Die Landesmuseen warten an diesem Tag mit einem spannenden Programm auf die Besucherinnen und Besucher.

Weitere Infos zur Veranstaltung

Lange Nacht der Bozner Museen

16.10.2026 | 16.00 – 24.00 Uhr Bozen

Zehn Bozner Museen bieten Workshops, geführte Rundgänge, Ausstellungen, Konzerte, Spiel und Spaß und einen Blick hinter die Kulissen der Museen. Zwischen 16 und 18 Uhr sind die Angebote der Museen speziell auf Familien mit Kindern ab gestimmt. Freier Eintritt in allen teilnehmenden Museen.

Weitere Infos zur Veranstaltung

Ab 01.04.2026

Gestaltete

Paradiese

Die gemeinsame Sonderausstellung des Touriseums und der Gärten von Schloss Trauttmansdorff spannt einen Bogen von historischen Gartenformen bis zur modernen Landschaftsarchitektur. Im Mittelpunkt steht die wachsende Bedeutung öffentlicher Grünräume, mit besonderem Fokus auf die Stadt Meran, ihrer Parkanlagen und Kurgärten.

Ab April 2026

Architektur auf Reisen

Die Ausstellung im Foyer des Schlosses zeigt den Architekturtransfer von München nach Bozen in der Belle Époque. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Tourismusbauten des Architekturbüros Brüder Ludwig, wie z. B. das Hotel Laurin in Bozen.

07. + 08.11.2026

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8. Meraner

Vintage Market

Schloss Trauttmansdorff verwandelt sich zwei Tage lang in ein Paradies für Liebhaberinnen und Liebhaber vergangener Jahrzehnte. Highlight in diesem Jahr ist die Präsentation ausgewählter Modestücke der Künstlerin Judith Bradl, deren Arbeiten Vintage-Elemente mit zeitgenössischer Ästhetik verbinden.

Weitere Infos zur Veranstaltung

Parkhotel Laurin Stadtarchiv Bozen
Foto: Stadtarchiv Bozen

Schloss Tirol

Esther Stocker. Atlas

18.04. bis 08.11.2026

Esther Stocker zeigt in ihrer Ausstellung im Bergfried neben mehreren Arbeiten eine eigens für den Ausstellungsraum entworfene lebensgroße Installation, die das Thema der mythischen Figur des den Erdenball schleppenden Atlas aufgreift.

Mittelalterfest 02. + 03.05.2026

Beim zweitägigen Mittelalterfest steht Schloss Tirol mehr denn je im Zeichen des Mittelalters: spektakuläre Ritterkämpfe, historische Holzspiele, Musik und Kulinarik lassen eine spannende Vergangenheit kurzweilig aufleben und hautnah miterleben.

Weitere Infos zur Veranstaltung

23.05 bis 08.11.2026

Private Collections

D ie Ausstellung gewährt einen Einblick in Südtiroler Privatsammlungen und präsentiert Kunstwerke lokaler sowie internationaler KünstlerInnen von der frühen Neuzeit bis in die Gegenwart. Im Mittelpunkt stehen die SammlerInnen selbst, ihre Motivation, ihr Kultursponsoring, ihr Mäzenatentum sowie ihre besondere Vorliebe für bestimmte KünstlerInnen.

Südtiroler Archäologiemuseum

Bozen | Museumstraße 43

03.04. + 10.07 + 07.08.2026 11.30 – 16.30 Uhr Archäologisches Fachzeichnen

Marco Pontalti arbeitet in der Ausstellung UNDER PROPAGANDA live an seinen Werken und lässt detailgenaue Zeichnungen archäologischer Funde entstehen. Warum diese mehr aussagen als Fotografien und wozu sie angefertigt werden, erzählt er im persönlichen Gespräch.

In italienischer und englischer Sprache. Teilnahme inbegriffen im Museumsticket.

Weitere Infos zur Veranstaltung

27.06.2026 | 09.00 – 17.00 Uhr Archäologische Exkursion

Wanderung auf den Spuren der mesolithischen Jäger und Sammler im Grödner Tal mit der Möglichkeit, urzeitliche Techniken selbst auszuprobieren. Wir wandern vom Grödner Joch, vorbei an prähistorisch genutzten Rastplätzen, hinunter ins Tal. Archäologische Begleitung: Nico Aldegani und Evelyn Egger, Südtiroler Archäologiemuseum.

Die Teilnahme ist kostenlos, mit Anmeldung bis Donnerstag 25.06. um 14 Uhr unter Tel. 0471 320112 oder 0471 320145, oder unter office@iceman.it.

Weitere Infos zur Veranstaltung

6 Termine im Mai + Juni 2026 È roba nostra! – Sicher net!

SchauspielerInnen verpacken Inhalte der Ausstellung UNDER PROPAGANDA in kurze szenische Einlagen und Archäologen vermitteln Fakten und Anekdoten zu den Hintergründen: Kurzweilig und amüsant, mal heiter und mal zum Nachdenken.

Anmeldung erforderlich unter Tel. 0471 320112 oder 0471 320145 oder unter office@iceman.it.

Foto: Südtiroler Archäologiemuseum
Foto: Ginevra Tarascio
Foto: Davide Susini

Planetarium Südtirol

Karneid | Gummer 5

20.06.2026 | 19.30 Uhr

Pink Floyd under the stars

Ein Abend zwischen Kosmos und Kultrock: Das Planetarium Südtirol zeigt „The Dark Side of the Moon“ als Fulldome-Show. Danach spielt „Crazy Diamond“ live, zum Abschluss wird der Mond durchs Teleskop beobachtet.

Weitere Infos zur Veranstaltung

12.08.2026

Partielle Sonnenfinsternis

Schatten über der Sonne, Sternschnuppen in der Nacht: Das Planetarium und die Sternwarte Max Valier in Gummer laden anlässlich der partiellen Sonnenfinsternis zu Führungen und Beobachtungen, am Abend folgt der Blick auf die Sternschnuppen. Ein Himmelsspektakel für alle.

Partielle Sonnenfinsternis

Museum Ladin

St. Martin in Thurn | Ciastel de Tor

09.05.2026

Leben im Schloss

Das Buch „Ciastel de Tor. Families y descendënzes“ erzählt die Geschichte und Genealogie der Bauernfamilien Trebo und Zingerle aus St. Martin in Thurn, die fast 200 Jahre im Schloss Thurn lebten. Die Autorin Irma Trebo verbindet dabei persönliche Familiengeschichten mit der Geschichte des Schlosses.

22.05 bis 27. 09.2026

Ladinische Kunstpreise

Das Museum Ladin fördert mit der Trienala Ladina und dem RichardAgreiter-Preis die Kunst in den ladinischen Gebieten. Die achte Ausgabe, kuratiert von Andrea Lerda, bringt fünf KünstlerInnen zusammen, die sich mit Gesang und Musik als wichtigen Teilen der ladinischen Kultur beschäftigen und zeigen, wie Musik Gemeinschaft schafft und mit der Landschaft verbunden ist.

Weitere Infos zur Veranstaltung

05.06 + 05.07.2026

Museen feiern Geburtstag

Sein 15-jähriges Jubiläum feiert das Museum Ladin Ursus ladinicus in Sankt Kassian am 5. Juni mit einer neuen Ausstellungssektion zu einem 7.800 Jahre alten Elchgeweih. Zum 25. Geburtstag des Museum Ladin Ciastel de Tor in Sankt Martin in Thurn findet hingegen am 5. Juli eine Tagung zum Leben in den Hochlagen statt.

Festung Franzensfeste

Franzensfeste

20.09.2026 | 10.00 – 18.00 Uhr

Familiensonntag

Der Familiensonntag lädt zu einem interaktiven und partizipativen Programm ein, das kreatives Entdecken mit dem Leitthema Coming-together der FORT biennale_02 verbindet. Gemeinsames Erleben, Mitmachen und Zusammenkommen stehen im Mittelpunkt. Beim Theater des Vereins Prometeo tauchen besonders die kleineren MuseumsbesucherInnen in eine Welt voller Überraschungen ein und erwecken mit Brillantina Alltagsgegenstände zum Leben.

27. 09.2026 | 15.00 Uhr

Bolzano Art Weeks

Die Bolzano Art Weeks sind zu Gast bei der FORT biennale_02. Ein geführter Rundgang durch die Ausstellung bietet exklusive Einblicke in die künstlerischen Positionen, das kuratorische Konzept und die Besonderheiten des historischen Ausstellungsortes –inklusive Blicken hinter die Kulissen der Biennale.

Weitere Infos zur Veranstaltung

Zentrum für Regionalgeschichte

Brixen

03.09.2026

Pariser Vertrag

Heuer jährt sich der Pariser Vertrag, die Magna Charta der Autonomie und Minderheitenschutzes in Südtirol, zum 80. Mal. Aus diesem Anlass organisiert das Zentrum für Regionalgeschichte eine Kurztagung zu verschiedenen Aspekten des Abkommens – Rückoption, Wirtschaft, Schule, Rezeption, die bisher kaum thematisiert wurden.

10. + 17. + 23.09.2026

800 Jahre Franziskus

Zum 800. Todestag von Franziskus von Assisi richtet das Zentrum für Regionalgeschichte in Zusammenarbeit mit dem Franziskanerkloster eine Vortragsreihe zum Thema „Franziskus und die Franziskaner“ aus. In zwei Vortrags- und einem Filmabend geht es um das Leben des Hl. Franziskus und das Wirken der Franziskaner.

12. + 13.11.2026

Umstrittene Erinnerung

Im Rahmen der Tagung „Umstrittene Erinnerung. Historisch belastete Straßennamen in Deutschland, Österreich und Italien“ wird die erinnerungskulturelle Praxis im Umgang mit historisch belasteten Straßennamen in Deutschland, Österreich und Italien verglichen.

Weitere Infos zur Veranstaltung

Naturmuseum Südtirol

Bozen | Bindergasse 1

09.06.2026 | 18.00 Uhr

Queer Reich

Queere Vielfalt im Tierreich: Umweltjournalistin Ismeni Walter zeigt in ihrem Vortrag, wie bunt Sexualität und Geschlecht in der Natur sind – von schwangeren, männlichen Seepferdchen bis zu transsexuellen Anemonenfischen. Eine Expedition jenseits menschlicher Normen.

Weitere Infos zur Veranstaltung

Antonia Montanha, Kiss of Life: Zu sehen bis 30.6. in der Ausstellung Queer Nature Photography Awards im Naturmuseum (dann von 1.7. bis 31.8. im Planetarium Südtirol)

Südtiroler Volkskundemuseum

Dietenheim

Herzog-Diet-Straße 24

ab 08.08.2026

Dorf Disco 1967–1997

Als Ende der 1960er-Jahre die ersten Diskotheken in Südtirols Dörfern entstanden, begann eine neue Ära des Nachtlebens. Jahrzehntelang zogen Lokale wie Sportcenter, Après, Eule, Nachtigall, Juwel, Derby, Nörder, Duplago oder Tolder NachtschwärmerInnen aus dem ganzen Land an und wurden zu Treffpunkten mehrerer Generationen. Das Volkskundemuseum widmet diesem Kapitel der Alltags- und Jugendkultur eine neue Ausstellung.

Ab April 2026

Gerahmte Erinnerungen

50 Jahre Museumsgeschichte: Wie entstand das Museum in Dietenheim? Wie verlief der Aufbau der translozierten Gebäude? Die Fotoausstellung gibt Einblicke in das Werden und Wachsen im Laufe von 50 Jahren.

Grafik: Pigment Visuals
Foto: Südtiroler
Foto:
Antonia Montanha

Ungewohntes und Sensationelles

Die Rolle des Archäologiemuseums bei einem Lego-Wettbewerb in Bozen, das kleinste Kochbuch der Welt und der Penis eines Wals: Unübliche Geschichten aus den Südtiroler Landesmuseen.

Archäologie meets FIRST® LEGO® League Challenge. Weltweit entwickeln SchülerInnen mit Innovationsund Teamgeist Lösungen und bauen funktionierende LEGO-Roboter. 2026 steht die Challenge unter dem Motto „Unearthed“ rund um Archäologie. Gefragt sind Ideen zur besseren Dokumentation von Ausgrabungen, 3D-Erfassung von Funden oder Vermittlung archäologischer Themen. Am 14.02.2026 traten in Bozen 16 Teams an. Italienweit nehmen 360 Teams teil, 40 erreichen das Finale. Auch zwei Bozner Teams sind dabei, während Elisabeth Vallazza, Direktorin des Südtiroler Archäologiemuseums in einer der Jurys die Projekte bewertete. ev

„Die Teams haben sich gut in archäologische Fragestellungen hineinversetzt und sich teilweise sehr praktikable Lösungen ausgedacht.“

Vallazza

des Südtiroler Archäologiemuseums

Der Walpenis. Die zoologischen Sammlungen des späten 19. Jahrhunderts sind zwar vom wissenschaftlichen Anspruch geprägt, umfassen aber noch viele Exponate, die vor allem wegen ihrer Seltsamkeit gesammelt wurden. Die Sammlung von Georg Gasser, die im Naturmuseum aufbewahrt wird, ist keine Ausnahme. Eines der kuriosesten Stücke ist zweifellos dieser getrocknete Walpenis mit einer Län-

Das kleinste Kochbuch der Welt. „Warum sollte große Küche nicht in ein winziges Buch passen?“ Diese Frage stellte sich Josef Theiner, ein Koch aus Terlan in den 1980er-Jahren und kam so auf die Idee, die Tiroler Küche in einem Mini-Format festzuhalten. Das Kochbuch „Was ißt und trinkt man in Tirol“ misst winzige 20 mal 20 Millimeter und enthält 50 traditionelle Tiroler Tellergerichte plus sieben Illustrationen. Gedruckt wurden rund 200 Exemplare, gebunden in kunstvolles Leder mit Schatulle. 1985 erklärte Guinness das Minibuch offiziell zum „kleinsten Kochbuch der Welt“. Seit 2025 befindet sich ein Exemplar in der Sammlung des Touriseum in Meran. kw

Kochbuch der Welt

ge von 150 cm. Leider war es bislang nicht möglich, weder die Art noch die Herkunft zu bestimmen. Wer mehr darüber erfahren möchte, kann das Isländische Phallusmuseum in Reykjavík besuchen. Es umfasst mehr als 250 getrocknete oder in Formaldehyd konservierte Penisse sowie Gemälde, Skulpturen und sogar ein Themenrestaurant. dg

Die FIRST LEGO League in Bozen.
Foto: Südtiroler Archäologiemuseum
Das kleinste
Foto: Touriseum/Andreas Tauber
Foto: Naturmuseum Südtirol
Walpenis

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