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Agrar- und Forstbericht 2025

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Agrar- und Forstbericht

Liebe Leserinnen und Leser,

wenn ich in unserem Land unterwegs bin, sehe ich jeden Tag, was die Land- und Forstwirtschaft für Südtirol leistet. Ich sehe gepflegte Wiesen und Wälder, bewirtschaftete Höfe und vor allem Menschen, die mit großem Einsatz ihrer Arbeit nachgehen. Als jemand, der selbst auf einem Hof aufgewachsen ist und bis heute jede freie Minute dort verbringt, weiß ich, wie viel Fleiß, Verantwortungsbewusstsein und Leidenschaft hinter diesen Leistungen stehen. Gleichzeitig erlebe ich, wie sehr sich die Rahmenbedingungen für die Land- und Forstwirtschaft wandeln. Klimatische Veränderungen, technologische Entwicklungen und wirtschaftliche Herausforderungen erfordern ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen. Dafür braucht es gezielte Investitionen in Ausbildung, Forschung und Innovation. Gerade in diesem Spannungsfeld zwischen Bewährtem und Neuem liegt die besondere Stärke unserer Land- und Forstwirtschaft. Sie bleibt ihren Wurzeln treu, richtet den Blick aber gleichzeitig nach vorne.

Genau diesen Gedanken greift auch der Agrar- und Forstbericht auf, der sich heuer in einem neuen, modernen Erscheinungsbild präsentiert. Der vorliegende Bericht bietet einen umfassenden Überblick über Zahlen, Fakten und Entwicklungen des Jahres 2025 und macht deutlich, auf welch starkem Fundament unsere Land- und Forstwirtschaft steht. Vor allem macht er aber sichtbar, was in unserem Land tagtäglich geleistet wird: die Arbeit der Menschen, die unsere Kulturlandschaft pflegen, hochwertige Lebensmittel erzeugen und unsere Wälder nachhaltig bewirtschaften.

Mein Dank gilt allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der beteiligten Abteilungen und Einrichtungen, die mit ihrem Fachwissen zur Entstehung dieses Berichts beigetragen haben. Ebenso danke ich allen, die tagtäglich in der Land- und Forstwirtschaft arbeiten.

Mit freundlichen Grüßen

Luis Walcher

Ihr Landesrat für Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Tourismus

Luis Walcher
Ihr Landesrat für Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Tourismus

Inhaltsverzeichnis

3.12

4.6

5. Versuchszentrum Laimburg

5.1 Tätigkeitsprogramm

5.2 Witterung im Jahr 2025

5.3 Institut für Obst- und Weibau

5.4 Institut für Pflanzengesundheit

5.5 Institut für Agrikulturchemie und Lebensmittelqualität

5.6 Institut für Berglandwirtschaft und Lebensmitteltechnologie

6. Fakultät für Agrar-, Umwelt- und Lebensmittelwissenschaften

6.1 Die Bedeutung von Mikroorganismen für die Ökologie des Buchdruckers

6.2 Nacherntekrankheiten des Apfels frühzeitig erkennen

6.3 Milchziegenhaltung in Südtirol: Zwischen Herausforderung und Perspektive

6.4 Wechselwirkungen zwischen Waldschäden, Waldbewirtschaftung und hydrologischen Prozessen im Eggental

6.5 Neue Ansätze zur Bewertung des Hochwasserrisikos in kleinen Gebirgseinzugsgebieten

6.6 Schätzung, Berechnung und Modellierung des Feststofftransports jenseits der Grenzen der bekanntesten empirischen Formeln

6.7 Wie gut ist Brot aus Sauerteig verdaulich? Fragen wir die künstliche Intelligenz

6.8 Natürliche Inhaltsstoffe aus hochalpinen Regionen: Extrakte aus alpinen Pflanzen zwischen Tradition und Innovation

6.9 ZeroResidue: Infrastruktur zur Stärkung der Zirkularität agroalimentarer Ressourcen in Südtirol

7. Berufsbildung an den Fachschulen

7.1

7.2 Fachschule

7.3 Fachschule für LandwirtschaftFürstenburg

7.4 Fachschule für Landwirtschaft, Hauswirtschaft und Ernährung Dietenheim

7.5 Fachschule für Land- und Hauswirtschaft Salern

7.6 Fachschule für Hauswirtschaft und Ernährung Tisens

7.7 Fachschule

Hauswirtschaft und Ernährung Neumarkt

7.8 Fachschule für Hauswirtschaft und Ernährung Haslach

7.9 Landesberufsschule für Obst-, Wein- und Gartenbau in italienischer Sprache Laimburg

7.10 Fachoberschule für Landwirtschaft Auer

50 Jahre Versuchszentrum Laimburg

Von den Anfängen zur führenden Forschungseinrichtung

Im Jahr 1975 wurde das Versuchszentrum Laimburg durch das Landesgesetz Nr. 53 vom 3. November als Land- und Forstwirtschaftliches Versuchszentrum Laimburg gegründet. An der ersten Forschungseinrichtung Südtirols arbeiteten zunächst sieben Angestellte mit dem Ziel, praxisnahe Lösungen für die Landwirtschaft im Land zu entwickeln.

In den vergangenen fünf Jahrzehnten hat das Versuchszentrum kontinuierlich weiterentwickelt und bedeutende Meilensteine gesetzt. In den 1980er-Jahren entwickelte es eine mechanisch-biologische Methode zur Bekämpfung des gefürchteten Maikäfers, die bis heute Anwendung findet. Anfang der 1990er-Jahre wurde ein eigener Forschungsbereich für den ökologischen Obstbau etabliert – damit machte sich das Versuchszentrum als Vorreiter im biologischen Obstbau europaweit einen Namen. 1997 startete es ein eigenes Apfelsortenzüchtungsprogramm, dessen erste Zuchtnummern nach aufwendigem Züchtungsverfahren 2019 zur Marktreife gelangten. Aber auch alte lokale Sorten – von Apfel und Rebe bis hin zu Acker- und Gemüsekulturen – wurden molekulargenetisch charakterisiert, in Genbanken gesichert und stehen für zukünftige Verwendungen zur Verfügung. Bekannt ist auch die am Versuchszentrum entwickelte dynamisch kontrollierte Atmosphäre (DCA), eine Lagerungstechnologie für Obst, die 2005 in die Praxis eingeführt wurde und seither weltweit verbreitet ist. Im Fachbereich Weinbau wurden seit den 1970er Jahren zahlreiche, speziell an die Südtiroler Gegebenheiten angepasste Rebklone, etwa der Sorten Sauvignon Blanc, Lagrein, Weißburgunder und Gewürztraminer, selektioniert und stehen jetzt den Südtiroler Weinbauern zur Verfügung. Mit seiner wissenschaftlichen Forschung unterstützt das Versuchszentrum Laimburg zudem die Berglandwirtschaft und trägt somit zur Erhaltung der regionalen Kultur- und Artenvielfalt bei. Zentrale Bereiche sind die Grünlandwirtschaft, der Freilandgemüsebau sowie der Acker- und Kräuteranbau. Im Jahr 2013 wurde der Fachbereich Lebensmitteltechnologien gegründet und seither gezielt ausgebaut – von der Ausstattung der Labors über den Wissensaufbau bis hin zur intensiven Zusammenarbeit mit lokalen Produzentinnen und Produzenten. Der Fachbereich Gartenbau setzt seit dem Jahr 2020 auf Beratung zu naturnahen öffentlichen und privaten Grünflächen.

Heute ist das Versuchszentrum Laimburg die führende Forschungseinrichtung für Südtirols Landwirtschaft, Gartenbau und Lebensmittelverarbeitung. Am Hauptsitz in Pfatten, in den Labors am NOI Techpark in Bozen, in den Außenstellen sowie auf den im ganzen Land verteilten Versuchsflächen der Agentur Landesdomäne arbeiten rund 250 Mitarbeitende an jährlich etwa 400 Projekten und Versuchen. Dabei deckt die wissenschaftliche Arbeit des Versuchszentrums die gesamte Lebensmittelkette ab – vom Anbau über die Verarbeitung bis hin zum fertigen Produkt.

DIE ANFÄNGE DES VERSUCHSZENTRUMS LAIMBURG →

© Laimburg Research Centre

Jubiläumsjahr 2025

Sein 50-jähriges Bestehen feierte das Versuchszentrum Laimburg im Jahr 2025 mit einer Reihe von Aktivitäten und Initiativen. Den Beginn bildete eine Auftaktveranstaltung im Stadlhof-Gebäude, an der auch Luis Durnwalder und Klaus Platter, Pioniere des Versuchszentrums Laimburg, teilnahmen und auf die Anfänge und die Entwicklung der ersten Forschungseinrichtung Südtirols zurückblickten. Im Rahmen der Feier wurde auch das überarbeitete Logo des Versuchszentrums Laimburg offiziell vorgestellt.

← AUFTAKTVERANSTALTUNG IM STADLHOF-GEBÄUDE

© Laimburg Research Centre /Ivo Corrà

↑ NEUES LOGO VERSUCHSZENTRUM LAIMBURG
© Laimburg Research Centre/Ivo Corrà

Im Jubiläumsjahr war die Bevölkerung eingeladen, aktiv an einem Forschungsprojekt mitzuwirken: Das Citizen-Science-Projekt „Bloomiverse – Wer sät, der erntet (Daten)” startete im Frühjahr mit über 160 Teilnehmenden aus ganz Südtirol. Diese erhielten Saatgut, Topf, Erde und eine Anleitung zur Aussaat und Datenerhebung. Die Saatgutprobe enthielt fünf einheimische Wildpflanzenarten regionaler Herkunft. Anhand der von den Teilnehmenden gesammelten Daten konnten die Forschenden untersuchen, wie sich die Pflanzen bei unterschiedlichen Temperaturen und variierendem Nährstoffniveau entwickeln.

Ein Open Day im Mai machte Forschung für die breite Öffentlichkeit erlebbar. Führungen durch die Apfelversuchsanlagen, das digitale Freilandlabor LIDO, die Stein- und Beerenobstanlagen, den historischen Felsenkeller sowie die Schaugärten gaben Einblicke in die vielfältige Arbeit des Versuchszentrums.

Mit der Photo Action: Nature in Focus hat das Versuchszentrum Laimburg die Bevölkerung eingeladen, die Natur mit der Kamera neu zu entdecken. Alle Fotografie-Interessierten konnten Beiträge zu den drei Kategorien Symmetrie, Lokale Artenvielfalt sowie Farbkontraste einreichen. Im Oktober wurden ausgewählte Fotos sowie historische Abbildungen des Versuchszentrums Laimburg im Rahmen einer öffentlichen Ausstellung am NOI Techpark in Bozen präsentiert.

ACTION ↑

© Laimburg Research Centre/Ivo Corrà

OPEN DAY →

© Laimburg Research Centre/Ivo Corrà

PHOTO
↑ Saatgutprobe des Citizen-Science-Projektes „Bloomiverse – Wer sät, der erntet (Daten)”

Zum Jubiläum erschien auch der neue, dreiteilige Imagefilm, der Einblicke in die Geschichte, Forschung und Erfolge des Versuchszentrums Laimburg bietet. Eine 160 Seiten starke Festschrift gibt einen historischen Rückblick auf die ersten 50 Jahre des Versuchszentrums. Auch eine neue Webseite wurde 2025 lanciert. Zudem wurde eine Spezialausgabe des Laimburg Report publiziert.

Zum Imagefilm: https://www.youtube.com/watch?v=mXrqARVugic

Zur neuen Website https://www.laimburg.it/de/home

Zum Laimburg Report https://www.laimburg.it/de/ laimburg-report

Das Landesweingut Laimburg kreierte eigens einen Jubiläumssekt. Die Trauben stammen aus Dietenheim im Pustertal, wo sie auf 900 Metern Meereshöhe gedeihen. Verwendet wurde die pilzwiderstandsfähige Rebsorte Solaris, die für ihr vielfältiges Aromaspektrum und ihre rassige Säure bekannt ist. Der Jubiläumssekt ist 30 Monate auf der Feinhefe in traditioneller Flaschengärung gereift und auf 130 Flaschen limitiert.

Seinen Höhepunkt und Abschluss fand das Jubiläumsjahr im November mit einem Festsymposium, bei dem Referentinnen und Referenten aus dem In- und Ausland über Impulse der Wissenschaft für Gesellschaft und Wirtschaft diskutierten und zugleich einen Blick in die Zukunft warfen.

← SYMPOSIUM WISSENSCHAFT IM DIALOG
© Laimburg Research Centre/Ivo Corrà

30 Jahre Waldarbeitskurse in Südtirol

30 Jahre Investition in Sicherheit und Kompetenz

Die Waldarbeitskurse in der Forstschule Latemar feiern ihr 30-jähriges Bestehen und gelten heute als zentrale Säule der forstlichen Aus- und Weiterbildung in Südtirol.

Seit 1995 werden landesweit Waldarbeitskurse durchgeführt. Ziel ist es, Personen, die beruflich oder privat mit Holzarbeit zu tun haben, sicher im Umgang mit der Motorsäge und bei der Waldarbeit auszubilden.

Die verpflichtende persönliche Schutzausrüstung hat wesentlich zur Reduktion von Unfällen beigetragen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden nicht nur im Umgang mit Geräten, sondern besonders auch in Arbeitssicherheit geschult – ein elementarer Baustein moderner Forstarbeit.

30 Jahre in Zahlen

– Heute rund 100 Kurse sowie 900 Teilnehmerinnen und Teilnehmer pro Jahr

– Hochgerechnet über 30 Jahre: mehr als 10.000 Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer sowie 2.100 Kurse

Teilnehmer in Zahlen

Interview mit Christian Valtingoier – Waldarbeitsinstuktor vom ersten Tag und Sprecher der Instruktorengruppe.

HERR VALTINGOIER, SEIT WANN SIND SIE INSTRUKTOR UND WIE SIND SIE ZU DIESEM JOB GEKOMMEN?

Das ist eine interessante Geschichte: Ich war 1994 Forstarbeiter am Ritten und der Stationsleiter der Forststation Ritten hat mir angeboten, an einem Waldarbeitskurs teilzunehmen. Erst im Laufe der Ausbildung habe ich herausgefunden, dass ich dann irgendwann als Instruktor selbst Kurse abhalten soll.

SIE BEGLEITEN DIE WALDARBEITSKURSE SEIT BEGINN AN. WAS HAT SICH IN DIESEN 30 JAHREN VERÄNDERT UND WIE HABEN SICH DIE ANFORDERUNGEN AN WALDARBEITSINSTRUKTOREN IM LAUFE DER ZEIT GEWANDELT?

Vor den Südtiroler Waldarbeitskursen hat es bei uns keine Möglichkeit für die Ausbildung der Waldarbeiter gegeben, seit Beginn der Kurse müssen die Südtiroler Waldarbeiter sich nicht mehr im Ausland um Ausbildung bemühen.

↓ Kurs mit Christian Valtingoier

In der Zwischenzeit hat sich die ganze Waldarbeit an sich stark geändert und entwickelt – vor allem in Bezug auf Geschwindigkeit und den Maschineneinsatz. Hat vor 30 Jahren noch fast jeder Waldbesitzer sein eigenes Holz den Winter über motomanuell geschlagen

↑ CHRISTIAN VALTINGOIER Waldarbeitsinstruktor vom ersten Tag und Sprecher der Instruktorengruppe

und aufgearbeitet, so gibt es heute viel mehr spezialisierte Unternehmen, die bestens ausgestattet sind und so viel wie möglich maschinenunterstützt arbeiten. Damit hat sich alles beschleunigt, die Holzmengen pro Holzschlag sind größer und es muss viel effizienter und schneller gearbeitet werden.

DIE WALDARBEIT GILT ALS EINE DER GEFÄHRLICHSTEN TÄTIGKEITEN, WELCHE SICHERHEITSASPEKTE STEHEN IM VORDERGRUND UND WIE HAT DIE SCHUTZAUSRÜSTUNG DIE ARBEITSSICHERHEIT VERÄNDERT? Das Wichtigste bei den Waldarbeitskursen ist die Arbeitssicherheit. Dazu gehören vorausschauendes Arbeiten, richtige Risikobeurteilung und natürlich die persönliche Schutzausrüstung. Vor 30 Jahren waren Schnittschutzhose und Schutzhelm noch die totale Ausnahme, man hat sich fast geschämt, mit einem warnfarbenen Helm in den Wald zu gehen. Heute hingegen ist die persönliche Schutzausrüstung Standard und auch der Komfort und das Material sind besser geworden, sodass man es auch gerne trägt.

WELCHE SITUATIONEN IM WALD SIND AUS IHRER ERFAHRUNG BESONDERS RISKANT –UND WARUM?

Seit 2018 mit dem Sturm Vaia und mit anderen Schadereignissen ist viel Schadholz angefallen. Windwurf und Schneedruck haben großflächig Schäden angerichtet. Unter starker Spannung stehendes Holz musste von den Waldbesitzern, die oft nicht die nötige Erfahrung hatten, aufgearbeitet werden. Aus dieser Notwendigkeit heraus wurden, um die Gefahren aufzuzeigen und sichere Arbeitstechniken zu vermitteln, eigene Schadholzkurse durchgeführt, um Unfällen vorzubeugen.

Heute sind es vor allem Käferholz und Totholz, die besonderes Gefahrenpotential bergen.

WELCHE ÜBUNGEN SIND FÜR DIE TEILNEHMERINNEN UND TEILNEHMER ERFAHRUNGSGEMÄSS AM WERTVOLLSTEN?

Der Praxisbezug ist das ausschlaggebende bei den Kursen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer profitieren von der Möglichkeit, alle Arbeitsschritte selbst ausprobieren zu können und nicht nur theoretisch in der Klasse zu behandeln. Dies fängt bei der Baumbeurteilung an und hört mit dem Kettenunterhalt und der Wartung der Motorsäge auf.

WIE STELLEN SIE SICHER, DASS DIE LEHRINHALTE IMMER AUF DEM NEUESTEN TECHNISCHEN STAND BLEIBEN?

Wir Waldarbeitsinstruktoren haben eine mehrwöchige einschlägige Ausbildung absolviert, wir befinden uns im regen Austausch mit den forstlichen Bildungsstätten und Waldarbeitern der Schweiz, Österreichs, Deutschlands und Italiens und organisieren jährlich ein bis zwei interne Fortbildungen an der Forstschule Latemar.

↑ Wappen – 30 Jahre Waldarbeitskurse südtirol

DIE ZIELGRUPPE IST BREIT GEFÄCHERT: WALDBESITZER, FEUERWEHREN, BEVÖLKERUNGSSCHUTZ, FACHSCHULEN. WIE UNTERSCHEIDEN SICH DIE BEDÜRFNISSE DIESER GRUPPEN?

Wir haben ein Kursprogramm mit Arbeitsschritten, die für alle Teilnehmergruppen gleich behandelt werden. Bei Gruppen mit speziellen Anforderungen oder Aufgaben wird auf diese natürlich eingegangen und Arbeitstechniken, welche in der Arbeitsoder Freiwilligentätigkeit gebraucht werden, werden vertieft.

Besonders die Ausbildung an den landwirtschaftlichen Schulen erfordert viel Feingefühl und es muss mehr auf die individuellen Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler eingegangen werden, da die Jugendlichen oft auf ganz unterschiedlichem technischen Niveau sind.

NEHMEN HEUTE MEHR FRAUEN AN DEN KURSEN

TEIL? WIE HAT SICH DAS BILD DER TEILNEHMENDEN VERÄNDERT?

Seit jeher waren mehr männliche Teilnehmer bei den Waldarbeitskursen als weibliche. Es hat aber von Anfang an auch Frauen bei den Kursen gegeben. Vor allem in den landwirtschaftlichen Fachschulen steigt die Zahl der Schülerinnen und damit sind auch mehr Frauen bei den Waldarbeitskursen.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind in den letzten Jahren oft praxisferner als am Anfang. Gerade deshalb ist es wichtig, dass sie auch selbst anpacken dürfen und ein Gefühl für die Arbeit bekommen.

GIBT ES EIN ERLEBNIS ODER EINE SITUATION IN IHRER INSTRUKTORENLAUFBAHN, DIE IHNEN BESONDERS IN ERINNERUNG GEBLIEBEN IST, UND WAS MOTIVIERT SIE PERSÖNLICH, DIESE ANSPRUCHSVOLLE AUSBILDUNGSARBEIT FORTZUFÜHREN?

Besonders in der Zeit der Corona-Einschränkungen, wo alle Lokale geschlossen waren und wir uns bei den Kursen im Wald selbst verpflegen mussten, ist ein ganz besonderes Gruppengefühl mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern entstanden. Alle waren froh über die Möglichkeit, trotz Krise die Kurse zu besuchen und die wenigen sozialen Kontakte zu pflegen. Die Freude an der Waldarbeit und an der Wissensweitergabe motivieren mich, diese Tätigkeit auch weiter auszuüben.

WELCHE IMPULSE WÜRDEN SIE SICH FÜR DIE NÄCHSTEN 30 JAHRE DER WALDARBEITSKURSE WÜNSCHEN?

Wichtig ist auch in Zukunft die Unterstützung, Anerkennung und die Wertschätzung der Kurse durch die Landesregierung, Abteilung Forstdienst und Agentur Landesdomäne, damit wir auch in den nächsten 30 Jahren hochwertige und praxisnahe Kurse anbieten, diese weiterentwickeln und an die neuen Herausforderungen anpassen können.

Weideprämie: Ein neuer Anreiz für die Almwirtschaft

Die Wiedereinführung der Weideprämie stärkt Tierwohl und Kulturlandschaft

Die Weidehaltung auf Almen ist ein prägendes Element der Südtiroler Berglandwirtschaft und leistet seit jeher einen wichtigen Beitrag zur Pflege der alpinen Kulturlandschaft. Gleichzeitig stellt die Haltung von Tieren auf Almen aber hohe Anforderungen an die Betriebe. Transport, Betreuung und Organisation der Weidehaltung im Sommer verursachen zusätzliche Kosten und einen erhöhten Arbeitsaufwand.

Mit der Wiedereinführung der Weideprämie wurde 2025 ein gezieltes Förderinstrument geschaffen, um die Haltung von Rindern und Pferden auf Almen zu unterstützen. Im Zentrum steht dabei nicht nur die wirtschaftliche Entlastung der Betriebe, sondern ein klar definierter Mehrwert für Tierwohl und Tiergesundheit.

DIE ALM ALS LEBENSRAUM FÜR TIER UND MENSCH

Die Weidehaltung auf Almen bietet zahlreiche Vorteile. Für die Tiere bedeutet der Aufenthalt auf den Weideflächen mehr Bewegungsfreiheit in einem natürlichen Umfeld. Gleichzeitig werden die Almen durch die Beweidung aktiv genutzt und gepflegt. Ohne regelmäßige Bewirtschaftung würden viele Flächen langfristig verbuschen oder verwalden, wodurch wertvolle Lebensräume und charakteristische Landschaftsbilder verloren gingen.

Die Almwirtschaft erfüllt daher weit mehr als eine landwirtschaftliche Funktion. Sie trägt zur Erhaltung der Biodiversität bei, sichert die Offenhaltung der Landschaft und stärkt die Attraktivität des ländlichen Raums. Von diesen Leistungen profitieren nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch die Bevölkerung und der Tourismus.

GEZIELTE UNTERSTÜTZUNG FÜR DIE ALMHALTUNG

Die Weideprämie richtet sich an landwirtschaftliche Betriebe, die Rinder oder Pferde während der Sommermonate auf Almen halten. Voraussetzung für die Gewährung der Förderung ist eine Mindestweidedauer von 60 Tagen. Die Prämie wird in Höhe von 200 Euro pro Großvieheinheit (GVE) gewährt. Die Unterstützung soll Betriebe dabei unterstützen, die mit der Alpung verbundenen zusätzlichen Kosten besser zu bewältigen.

EINE INVESTITION IN DIE ZUKUNFT DER BERGLANDWIRTSCHAFT

Die Wiedereinführung der Weideprämie ist Teil der Bemühungen des Landes, die Almwirtschaft langfristig zu stärken. In einer Zeit, in der viele Bergbetriebe vor wirtschaftlichen und strukturellen Herausforderungen stehen, trägt die Maßnahme dazu bei, die Bewirtschaftung der Almen aufrechtzuerhalten und die damit verbundenen Leistungen für Umwelt und Gesellschaft zu sichern.

Die Weideprämie unterstützt eine Form der Tierhaltung, die Tierwohl, Landschaftspflege und nachhaltige Almbewirtschaftung auf einzigartige Weise miteinander verbindet.

Die Maßnahme auf einen Blick

FÖRDERGEGENSTAND

Weidehaltung von Rindern und Pferden auf Almen

FÖRDERBERECHTIGTE

Landwirtschaftliche Unternehmen, die in der Primärproduktion tätig sind

TIERKRITERIEN

Registrierung in der nationalen Viehdatenbank (BDN)

MINDESTVORAUSSETZUNG

Alpung von mindestens 1 GVE

FÖRDERHÖHE

200 Euro pro Großvieheinheit (GVE)

MINDESTWEIDEDAUER

60 Tage (auch nicht zusammenhängend) nach Prämiengesuch/Almauftrieb innerhalb 30. September

ANTRAGSTELLUNG

Digital über das Landesportal myCIVIS

ZUGELASSENE ALMEN

Auftrieb auf Almen in Südtirol, im übrigen Italien oder im Ausland möglich, solange Tiere von einem Südtiroler Betrieb stammen

IM FOKUS 2025

Im Gespräch mit Abteilungsdirektor

Günther Unterthiner

Das Wolfsmanagement war 2025 eines der prägendsten Themen im Zuständigkeitsbereich des Forstdienstes. Im Interview blickt Abteilungsdirektor Günther Unterthiner auf ein Jahr zurück, das fachlich, politisch und gesellschaftlich stark von der Rückkehr des Wolfs geprägt war. Er spricht darüber, welche Entwicklungen besonders wichtig waren, wo konkrete Herausforderungen entstanden sind und worauf es in den kommenden Jahren ankommen wird.

HERR UNTERTHINER, WENN SIE AUF 2025 ZURÜCKBLICKEN: WARUM WAR DAS THEMA WOLF FÜR DEN FORSTDIENST SO ZENTRAL?

2025 haben wir sehr deutlich gespürt, wie emotional das Thema Wolf in Südtirol besetzt ist. Wir haben gesehen, dass es alle Südtirolerinnen und Südtiroler beschäftigt und auch alle eine Meinung dazu haben. Die Rückkehr des Wolfes betrifft viele Bereiche ganz unmittelbar: die Berglandwirtschaft, den Naturschutz, die öffentliche Sicherheit, den Straßenverkehr und vor allem die Menschen, die in diesen Gebieten leben, arbeiten, aber auch sich erholen. Für uns als Forstdienst bedeutet dies, dass wir fachlich korrekt und rechtlich sauber arbeiten und gleichzeitig den Dialog mit den Betroffenen ernst nehmen müssen. Genau deshalb war das Wolfsmanagement im vergangenen Jahr eines der zentralen Themen.

WAS IST IHNEN IM LAUFE DES JAHRES BESONDERS AUFGEFALLEN?

Der Wolf wird inzwischen auch dort sichtbar, wo man nicht sofort an Konflikte denkt. Schon zu Jahresbeginn gab es mehrere Verkehrsunfällen mit Wölfen. Meist handelt es sich dabei um junge Tiere, die auf der Suche nach einem eigenen Revier unterwegs sind. Solche Fälle zeigen uns, dass die Rückkehr des Wolfs viele Facetten hat. Es geht nicht nur um Risse an Nutztieren, sondern auch um Verkehrssicherheit, um genaue Dokumentation und um ein besseres Verständnis dafür, wie sich die Population entwickelt. Jeder Nachweis hilft uns, die Lage sachlich einzuordnen.

↑ GÜNTHER UNTERTHINER

AUF EUROPÄISCHER EBENE HAT SICH BEIM SCHUTZSTATUS DES WOLFS EINIGES BEWEGT. WAS BEDEUTET

DAS KONKRET FÜR SÜDTIROL?

Die Herabstufung von „streng geschützt“ auf „geschützt“ bedeutet nicht, dass der Schutz des Wolfs aufgehoben wird, sie eröffnet den Mitgliedstaaten aber mehr Möglichkeiten, auf konkrete Situationen zu reagieren. Einen gewissen Spielraum ließ die FFH-Richtlinie auch vorher zu; Italien fuhr aber immer schon eine sehr rigide Schutz-Strategie beim Wolf und ließ kaum bis gar kein Management zu. Mit der Herabstufung des Schutzstatus und der Zuständigkeit zur direkten Anwendung der FFH-Richtlinie war es für Südtirol möglich, den rechtlichen Rahmen auf Landesebene entsprechend anzupassen. Im Sommer wurden die notwendigen Änderungen der Landesgesetze auf den Weg gebracht. Damit haben wir eine Grundlage geschaffen, um künftig differenzierter handeln zu können – immer mit dem Ziel, Schutz der Tierhaltung, der Biodiversität und der öffentlichen Sicherheit bestmöglich miteinander in Einklang zu bringen.

GAB ES 2025 SITUATIONEN, IN DENEN BESONDERS

KLAR WURDE, DASS GEHANDELT WERDEN MUSS? Sehr deutlich war die Situation im Obervinschgau und im Tauferer-Ahrntal. Dort kam es innerhalb weniger Monate zu zahlreichen bestätigten Wolfsrissen an Weidetieren, nachdem bereits im Jahr davor erhebliche Schäden dokumentiert worden waren. Für die betroffenen Almbewirtschafter ist eine solche Lage natürlich sehr belastend. Auch wenn Schutzmaßnahmen gesetzt wurden, blieb der Druck hoch. Nach sorgfältiger fachlicher und rechtlicher Prüfung wurden daher zwei Wolfs-Entnahmen genehmigt; eine davon wurde im August durchgeführt. Es handelt sich dabei um die erste legale Wolfs-Entnahme in Italien seit langer Zeit. Mir ist wichtig zu betonen: Eine Entnahme ist kein Automatismus. Sie ist ein Instrument, das nur unter klar definierten Voraussetzungen und nach genauer Prüfung angewandt werden kann.

WIE WICHTIG IST ES DABEI, GENAU HINZUSCHAUEN UND DIE ENTWICKLUNG LAUFEND ZU BEOBACHTEN?

Ohne gutes Monitoring können wir keine verantwortungsvollen Entscheidungen treffen. Sichtungen, Rissmeldungen, genetische Analysen und andere Nachweise sind die Grundlage dafür, die Entwicklung der Population zu verstehen und Maßnahmen nachvollziehbar zu begründen. Mit der Herabstufung des Schutzstatus dreht sich alles um den guten Erhaltungszustand, der bei jeglichem Handeln nachgewiesen und nicht gefährdet werden darf. 2025 hat erneut gezeigt, wie wichtig dabei die Mitarbeit der Bevölkerung, der Almbewirtschafter, der Jagdaufseher und der forstlichen Mitarbeiter ist. Wenn Hinweise rasch gemeldet und fachlich überprüft werden, entsteht ein verlässliches Bild der Lage. Monitoring ist deshalb weit mehr als Datensammlung: Es ist die Basis für ein sachliches, rechtssicheres und glaubwürdiges Wolfsmanagement.

DER WOLF BESCHÄFTIGT NICHT NUR FACHLEUTE, SONDERN AUCH VIELE BÜRGERINNEN UND BÜRGER. WIE NEHMEN SIE DIESE STIMMUNG WAHR?

Wir merken sehr deutlich, dass das Thema die Menschen bewegt. Die ASTAT-Erhebung hat gezeigt, dass viele Bürgerinnen und Bürger die Rückkehr von Wolf und Bär kritisch sehen und zugleich eine Regulierung problematischer Tiere befürworten. Dahinter stehen nicht nur wirtschaftliche Sorgen der Landwirtschaft, sondern auch Fragen des Sicherheitsgefühls, des Freizeitverhaltens und des Zusammenlebens von Naturraum und Kulturlandschaft. Diese Sorgen müssen wir ernst nehmen. Wolfsmanagement ist deshalb nicht nur eine fachliche Aufgabe, sondern auch eine gesellschaftliche.

WENN SIE NACH VORNE SCHAUEN: WORAUF WIRD ES IN DEN NÄCHSTEN JAHREN BESONDERS ANKOMMEN?

Entscheidend wird sein, mit Augenmaß weiterzuarbeiten. Wir brauchen verlässliche Daten, klare rechtliche Instrumente und einen offenen Austausch mit jenen, die vor Ort direkt betroffen sind. Nur wenn es gelingt, fachliche Grundlagen, praktische Erfahrungen und gesellschaftliche Akzeptanz miteinander zu verbinden, können langfristig tragfähige Lösungen entstehen.

2. Landwirtschaft und Fördermaßnahmen

In der Südtiroler Landesverwaltung versteht sich die Abteilung Landwirtschaft als kundenorientierte öffentliche Dienstleistungs- und Verwaltungsorganisation für die Landwirtschaft. Unser Anliegen ist es, unseren bestmöglichen Beitrag zu einer wettbewerbsfähigen, umweltgerechten, nachhaltigen und sozialverträglichenLandwirtschaft zu leisten. Die flächendeckende Bewirtschaftung in ihrer gesamten Vielfalt, die Bereitstellung hochwertiger Lebensmittel, die Schaffung angemessener Einkommen für die Landwirte sowie der Strukturwandel der Landwirtschaft in Richtung Multifunktionalität sind die wichtigsten Anliegen. Gleichzeitig sollte jedoch das, was sich bis heute bewährt hat, beibehalten werden.

Die Aufgabenbereiche der Abteilung erstrecken sich deshalb über die hoheitlichen Verwaltungs- und Überwachungsaufgaben hinaus auch auf zielgerichtete Beratungsleistungen und eine effiziente und effektive Umsetzung der agrarpolitischen Förderpolitik. Soziale und fachliche Kompetenz sind die besten Voraussetzungen, um alle diese Ziele bestmöglich zu erreichen. In den nächsten Seiten dieses Agrar- und Forstberichtes werden die einzelnen Tätigkeitsbereiche, die wichtigsten Ergebnisse und Ereignisse und viele Zahlen und Fakten des abgelaufenen Jahres sehr detailliert aufgezeigt.

Auf einen Blick

LANDWIRTSCHAFT & FÖRDERMASSNAHMEN

4,3 % Fuji

2,5 % Braeburn

2,3 % Pinova / Evelina

0,6 % Morgenduft

* andere Sorten: Stayman, Jonathan, Idared, Elstar, … ** neue Sorten und Clubsorten: Eny, Jazz, Kanzi, Ambrosia, …

OBSTBAU: APFELSORTEN 2025 WEINBAU: BEPFLANZUNG DER REBFLÄCHEN SÜDTIROLS 2000–2025

Die wichtigsten Ergebnisse. Zahlen und Fakten 2025 als Übersicht.

23,2 %

Golden Delicious

17,0 % Gala

9,0 % Cripps Pink 6,4 % Red Delicious

6,7 % Granny Smith

5.878 ha Jahr 2025

VIEHWIRTSCHAFT:

TIERARTEN 2025

237.694 Geflügel

37.792 Schafe 6.100 Pferde 124.122 Rinder

29.546 Ziegen 4.119 Schweine = 800 Tiere

OBSTBAU: AUFTEILUNG DER ANBAUFLÄCHEN NACH BEERENOBSTART

15 ha

Himbeeren

75 ha

Erdbeeren

18 ha

Heidelbeeren

3 ha Andere

2 ha

Schwarze Johannisbeere

3 ha Rote Johannisbeere

2.1 Viehwirtschaft

Das Berichtsjahr 2025 war aus Sicht der Futterernte, gemessen an den Vorjahren 2023 und 2024, ein relativ gutes Jahr für Südtirols Berglandwirtschaft. Während 2023 und 2024 ausgesprochen nasse niederschlagsreiche Jahre waren, welche sich dementsprechend negativ auf die Futterernte und Futterqualität auswirkten, war 2025 hinsichtlich Menge und Qualität des Grundfutters ein gutes Jahr.

Im Laufe des Jahres 2025 wurden wieder ca. 30 Zuchtviehversteigerungen für Rinder, Schafe und Ziegen abgehalten, über welche sich die Züchter aus Südtirol und den benachbarten Regionen aus dem In- und Ausland mit hochwertigen Zuchttieren eindecken konnten. Die Verkaufspreise sind im Jahr 2025 noch einmal kräftig angezogen. Über das Viehvermarktungskonsortium KOVIEH wurden 43 Kälberversteigerungen und 42 Nutztierversteigerungen abgehalten. Dabei wurden insgesamt 38.536 Tiere lebend vermarktet. Neben einer vermehrten Anlieferung kam es bei fast allen Tierkategorien zu deutlichen Preissteigerungen.

Über den Verband der Südtiroler Kleintierzüchter wurden zusätzlich ca. 9.500 Schafe und Ziegen sowie 1.120 Schweine tot vermarktet.

Das Milchwirtschaftsjahr 2025 konnte mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen werden. Insgesamt lieferten die 3.903 Südtiroler Milchbauern rund 375 Mio. kg Milch an die 10 Südtiroler Genossenschaften. Während die Anzahl der Milchlieferanten weiter rückläufig ist, stieg die Milchproduktion im Vergleich zu 2024 um 10 Mio. kg an. Der durchschnittliche Milchauszahlungspreis ist von 67,63 Cent/kg Milch im Jahr 2024 auf 71,49 Cent/kg Milch im Jahr 2025 leicht angestiegen.

Viehbestand in Südtirol 2025 Tierarten

Für weitere Informationen zum Viehbestand in Südtirol siehe: https://landwirtschaft.provinz.bz.it/ de/viehwirtschaft

Holstein am Salten →

Rinderwirtschaft

RINDERRASSEN IN SÜDTIROL 2025

Die folgende Grafik gibt Aufschluss über den Rassenbestand der verschiedenen in Südtirol gehaltenen Rinder.

Rinderrassen in Südtirol 2025

HERDEBUCHTÄTIGKEIT

Pezzata Rossa Bruna Holstein
Jersey GrigioAlpina
Pustertaler Sprinzen Pinzgau

Vom Südtiroler Braunviehzuchtverband werden das Braunvieh, die Jerseys und das Orginal Braunvieh betreut. Der Südtiroler Rinderzuchtverband betreut das Grauvieh, die Holstein, die Pinzgauer, das Fleckvieh, die Pustertaler Sprinzen, die Angus, die Highlands, die Galloways und die Blauen Belgier.

VIEHVERMARKTUNG / VERSTEIGERUNGSPREISE

Im Jahr 2025 konnten insgesamt 38.536 Tiere vermarktet werden. Damit wurde das Ergebnis von 2024 um 3.319 Tiere übertroffen. Den stärksten Aufschwung hat es bei der Vermarktung der Kleintiere gegeben, der Zuwachs liegt bei rund 2.000 Tieren. Neben der vermehrten Anlieferung kam es in den meisten Kategorien zu deutlichen Preissteigerungen. Besonders stark stiegen die Durchschnittspreise bei den Kälbern und Rindern. Insgesamt wurden 85 Versteigerungen abgehalten, davon 43 Kälberversteigerungen und 42 Nutztierversteigerungen (26 in Bozen, 16 in St. Lorenzen).

Fleckvieh

Braunvieh

Pinzgauer

Jersey

Pustertaler Sprinzen Holstein

Andere Grauvieh

Das Südtiroler Qualitätsfleischprogramm erfährt eine stetig wachsende Bedeutung. Sowohl die Zahl der vermarkteten Rinder als auch das Preisniveau nehmen von Jahr zu Jahr zu. Dank der höheren Wertschätzung durch die Kundschaft kann der Durchschnittspreis jedes Jahr leicht erhöht werden. Insgesamt wurden 594 Rinder über das Qualitätsfleischprogramm vermarktet.

Für detaillierte Informationen über Durchschnittspreise bei Versteigerungen von Zuchtvieh, sowie von Schlachtvieh und Nutzkälbern siehe: https://landwirtschaft.provinz.bz.it/de/ viehwirtschaft#ancdf2bca5

Grauvieh auf der Schnenneralm →

KÜNSTLICHE BESAMUNG

Im Berichtsjahr wurden 55.248 Erstbesamungen durchgeführt, das sind um 158 weniger als im Vorjahr.

Die Anzahl der durchgeführten Besamungen der Eigenbestandsbesamer bleibt stabil.

Erstbesamungen

NATURSPRUNG

Im Jahr 2025 wurden im Sinne des Legislativdekretes Nr. 52 vom 11. Mai 2018 70 neue Sprungstellen genehmigt.

Milchleistungskontrolle

Für detaillierte Informationen über die Durchführung der künstlichen Besamung siehe: https://landwirtschaft.provinz.bz.it/de/ viehwirtschaft#ancdf2bca5

Für Details zu den Stiersprungstellen sieh: https://landwirtschaft.provinz.bz.it/de/ viehwirtschaft#ancdf2bca5

Nachstehende Tabelle zeigt die Ergebnisse der Milchleistungsprüfung im Kontrolljahr 2024/2025.

Milchwirtschaft

KUHMILCH

Bei der Verarbeitung und Vermarktung der Milch konnten folgende Veränderungen verzeichnet werden: die Produktion von Käse stieg um 1,64 % auf 23,33 Mio. kg. Auch die Produktion von Joghurt und Skyr verzeichnete einen Zuwachs im Ausmaß von 2,09 %. Die Produktion von Mascarpone, Topfen und Ricotta hingegen sank um 3,17 % auf 13,11 Mio. kg. Die Produktion von Frischmilch sank um 5,07 % auf 16,20 Mio. kg, davon Heumilch 14,09 Mio. kg und 2,08 Mio. kg Bio-Heumilch.

ZIEGENMILCH

Die Anlieferung ist um 14,33 % auf 1,66 Mio. kg gestiegen. Es wurden 38.451 kg Frischmilch, 40.400 kg Käse, 25.480 kg Joghurt und 1.947 kg Butter hergestellt.

Milchauszahlungspreis in Südtirol: Entwicklung von 2006 bis 2024

Durchschnittlicher Milchpreis ohne Mwst. für 100 kg

Euro (€)

N.B: Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichtes stand der durchschnittliche Milchpreis für 2025 noch nicht fest.

Entwicklung der Milchverwertung in Südtirol der Jahre 2015 bis 2025

Entwicklung Milchverwertung

Frischmilch Joghurt
Käse (inkl. Mozzarella) Butter

Entwicklung der Milchanlieferung an Südtiroler Genossenschaften der Jahre 2005/2006 bis 2025

Entwicklung der milchproduzierenden Betriebe, die an Südtiroler Genossenschaften liefern, der Jahre 2005/2006 bis 2025

Pferdezucht

Von den registrierten Pferden gehören 3.471 der Rasse Haflinger oder Noriker an. Diese beiden Pferderassen werden vom Südtiroler Haflinger Pferdezuchtverband betreut. Vom Amt für Viehzucht werden die öffentlichen Beschälstationen verwaltet und es wird kontrolliert, dass die eingesetzten Hengste jährlich den vorgeschriebenen sanitären Untersuchungen unterzogen werden.

Schaf- und Ziegenhaltung

Südtirol weit gibt es ca. 4900 Betriebe, welche sich der Schaf- oder Ziegenhaltung widmen. Die Interessen der Schaf- und Ziegenhalter werden über den Verband der Südtiroler Kleintierzüchter vertreten, welchem 2055 Mitglieder angehören, die wiederum in 41 örtlichen Schafzuchtvereinen und 16 Ziegenzuchtvereinen organisiert sind.

SCHAF- UND ZIEGENVERSTEIGERUNGEN 2025 Es wurden alle drei geplanten Versteigerungen abgehalten. Bei den drei Versteigerung wurden insgesamt 201 Schafe und 173 Ziegen verkauft.

Detaillierte Infos zur Schaf- und Ziegenhaltung in Südtirol sowie zu den Schaf- und Ziegenversteigerungen siehe: https://landwirtschaft.provinz.bz.it/de/viehwirtschaft#anca401e70

In Südtirol eingesetzte Deckhengste 2025

Bestand Haflinger und Noriker 2025

SCHLACHTVIEH UND SCHLACHTHOF

Im Jahr 2025 hat der Verband der Südtiroler Kleintierzüchter, welcher auch den EU-Schlachthof bis Juli führte, insgesamt 11.558 Schlachtungen von Rindern, Schweinen, Pferden, Schafen und Ziegen durchgeführt.

Im abgelaufenen Jahr wurden 6.279 Schafe und Lämmer, sowie 3.175 Kitze und Ziegen tot vermarktet. Hauptabnehmer ist in Südtirol nach wie vor der Lebensmittelgroßhandel.

Geflügelhaltung

LEGEHENNENHALTUNG

In Südtirol erzeugen rund 90 landwirtschaftliche Betriebe Frischeier unter den verschiedenen EU-Vorgaben der Freilandhaltung, der biologischen Produktion und der Bodenhaltung für den Verkauf an Wiederverkäufer. Die Haltung von Legehennen in Käfigen ist in Südtirol gemäß Tierschutzgesetz verboten! 85 Betriebe verfügen über eine anerkannte Packstelle für die Sammlung, Klassifizierung und Verpackung der Eier, welche als Voraussetzung für die Vermarktung der Eier über den Handel gilt.

Die produzierten Eier werden vorwiegend als Frischeier auf dem Südtiroler Markt vertrieben. Die Vermarktung erfolgt auf direktem Wege vom Produzenten an den Handel sowie über eine Genossenschaft.

Daneben gibt es eine Vielzahl von kleineren Eierproduzenten, welche Frischeier Ab-Hof und auf Bauernmärkten direkt an den Endkonsumenten verkaufen.

Die Nachfrage nach heimischen Frischeiern aus alternativer Produktion war auch im Jahr 2025 rege. Aufgrund der Produktionsrückgänge infolge der Auswirkungen der Vogelgrippe und nicht zuletzt aufgrund der steigenden Nachfrage infolge ernährungsphysiologischer Trends war die Nachfrage auf dem internationalen Eiermarkt teils höher als das Angebot.

MASTGEFLÜGEL

Während vor wenigen Jahren die Geflügelmast noch gänzlich unbedeutend für Südtirols Landwirtschaft war, gibt es mittlerweile einige Betriebe, die sich dieser verschrieben haben.

Nicht zuletzt dürfen seit Juli 2025 Masthühner, Puten, Gänse, Enten und Wachteln das Gütesiegel „Qualität Südtirol“ tragen.

Bienenhaltung

Südtirols Imkerschaft blickt auf ein eher durchwachsenes Honigjahr 2025 zurück. Während gebietsweise zwar passable Honigmengen geschleudert werden konnten, war die Honigernte vielerorts eher dürftig. So blieb die Waldtracht landesweit nahezu vollständig aus; der Eintrag aus der Alpenrosenblüte wurde gebietsweise durch Hagelschauer negativ beeinflusst.

Während die Jahre 2023 und 2024 ausgesprochen nasse Jahre waren, war die Wetterlage im Jahr 2025 sehr viel angenehmer für Imker und Bienen.

Die überdurchschnittlich hohen Temperaturen im Juni und die damit einhergehende Trockenheit bewirkten, dass der nektarspendende Blütezeitraum und somit die Trachtdauer sehr viel kürzer ausfielen als sonst üblich.

Die Entwicklung der Imker- und Bienenvölkerzahlen bleibt stabil.

Übersicht Südtiroler Imkerbund 2025

Bezirk Ortsgruppen Mitglieder

In der Provinz Bozen gibt es aktuell 3.607 Imker, welche insgesamt 36.710 Bienenvölker betreuen.

Förderungen

für die Viehwirtschaft

Im Jahr 2025 sind insgesamt 9.232.517,83 Euro an Förderungen für die Viehwirtschaft gewährt worden. Die verschiedenen Maßnahmen samt Förderausmaß und Begünstigten sind in den folgenden Tabellen ersichtlich: Beihilfen an Zuchtorganisationen (Landesgesetz vom 14.12.1999, Nr. 10, Art. 5).

Zusammenfassung der Beihilfen 2025

Beitragsempfänger

Förderungsvorhaben

Verpflichteter Betrag € Vereinigung der Südt. Tierzuchtverbände

Milchleistungskontrollen

Herdebuchtätigkeit

Südtiroler Braunviehzuchtverband

Südtiroler Rinderzuchtverband

Nazionale Vereinigung der Züchter für die Grauviehrasse

Südtiroler Haflinger Pferdezuchtverband

1.141.000,00

188.000,00

Tests zur Bestimmung der genetischen Qualität oder der Leistungsmerkmale der Tiere 50.000,00

Ausstellungen und Messen 33.400,00

271.400,00

Herdebuchtätigkeit

398.000,00

Tests zur Bestimmung der genetischen Qualität oder der Leistungsmerkmale der Tiere 25.000,00

Ausstellungen und Messen 66.600,00

489.600,00

Herdebuchtätigkeit 10.000,00

Stammbuchführung 200.000,00

Tests zur Bestimmung der genetischen Qualität oder der Leistungsmerkmale der Tiere

Ausstellungen und Messen

Haflinger Welt- Zucht- und Sportvereinigung Veranstaltungen sowie Tätigkeiten der Vereinigung

Verband der Südtiroler Keintierzüchter

Kaninchenzüchterverband

Südtirol

Südtiroler Imkerbund

Herdebuchtätigkeit

50.000,00

260.000,00

Ausstellungen und Messen 20.000,00

280.000,00

Herdebuchtätigkeit

4.900,00

Ausstellungen und Messen 15.000,00

19.900,00

Beratungsdienste für Imker / Imkerinnen

50.000,00 Gesamtsumme 2.631.900,00

INVESTITIONSFÖRDERUNGEN IN DER IMKEREI SOWIE IN DER LAGERUNG, VERARBEITUNG UND VERMARKTUNG LANDWIRTSCHAFTLICHER ERZEUGNISSE TIERISCHER HERKUNFT 2025 (Landesgesetz vom 14. Dezember 1998, Nr. 11)

Förderung für Investitionen in der Viehwirtschaft 2025

Verlustbeiträge

Anzahl Anträge Gewährte Förderung

Förderung Imkerei 58 80.080,00 € Förderung Verarbeitung und Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte tierischer Herkunft

€

BEIHILFEN AN MILCHHÖFE UND SENNEREIEN Für Beihilfen in der Milchwirtschaft wird auf das Landesgesetz Nr. 10, Art. 4 vom 14. Dezember 1999, zurückgegriffen.

BEIHILFEN FÜR DEN AUSGLEICH VON LOGISTISCHEN NACHTEILEN BEI DER SAMMLUNG VON QUALITÄTSMILCH IM BERGGEBIET (Landesgesetz Nr. 10/1999)

BEIHILFEN FÜR DEN UMWELTSCHONENDEN GETREIDEANBAU (Landesgesetz Nr. 11/1998)

Gewährte Beihilfe 2025

Beitragsempfänger Förderungsvorhaben

Verpflichteter Betrag €

Sennereiverband Südtirol Teilnahme an Qualitätsregelungen 1.246.000,00

Südtiroler Viehvermarktunskonsortium „Kovieh“ Teilnahme an Qualitätsregelungen 4.000,00 Gesamtsumme 1.250.000,00

Gewährte Beihilfe 2025

BEIHILFEN ZUR BEWIRTSCHAFTUNG VON WIESENFLÄCHEN AUF DER MALSERHAIDE (Landesgesetz Nr. 11/1998)

BEIHILFEN ZUR FÖRDERUNG DER TIERZUCHT

Gewährte Beihilfe 2025

Umweltschonender Getreideanbau 35 Begünstigte 31.850,00 €

Gewährte Beihilfe 2025

Bewirtschaftung von Wiesenflächen 81 Begünstigte 134.950,00,00 €

Anzahl Tiere Gewährte Förderung

Öffentliche Sprungstellen 95 38.000,00 € Ankauf von Zuchttieren 4 2.000,00 € Insgesamt 99 40.000,00 €

BEITRÄGE FÜR DEN VERSICHERUNGSSCHUTZ IM BEREICH DER VIEHHALTUNG

(Landesgesetz vom 14. Dezember 1998, Nr. 11)

BEGÜNSTIGTE

– Landwirtschaftliche Unternehmer

– Konsortien laut Artikel 11 des Legl.D. Nr. 102/2004

– Versicherungsagenturen und Versicherungsbroker

– Viehversicherungsvereine im Sinne des Landesgesetzes Nr. 9, vom 27. April 1995.

VERSICHERBARE SCHADENSFÄLLE

Versicherungsschutz von Rindern, Pferden, Schafen und Ziegen auf Viehausälle aufgrund von Krankheit oder Unfällen, infolge von Tierseuchen oder Schädlingsbefall oder

von widrigen Witterungsverhältnissen vergleichbar mit Naturkatastrophen und sonstigen widrigen Wetterverhältnissen.

BEIHILFE

Beitrag bis zu max. 50 Prozent der anerkannten bzw. bezahlten Versicherungsprämien des abgelaufenen Jahres. Die zulässigen Versicherungsprämien dürfen sich bei Rindern und Pferden auf einen maximalen Versicherungswert von 2.300,00 Euro und bei Schafen und Ziegen von 350,00 Euro beziehen.

Viehversicherung Anzahl Versicherungsprämien 2024 Anzahl Versicherungsprämien 2025 Viehversicherungsvereine

Versicherungsagenturen /-konsortien 2

BEIHILFEN FÜR DIE FÖRDERUNG DER IMKEREI IM SINNE

DER EU-VERORDNUNG

Nr. 2115/2021 – Beihilfen im Bienenzuchtsektor.

Das entsprechende Jahresprogramm 2025 der Autonomen Provinz Bozen beinhaltet eine Reihe von Förderungen für den Bienensektor:

Beihilfen im Imkereisektor – Ver. (EU) 2021/2115 Beihilfe in Euro

Weiterbildung der Imker und Bienensachverständigen 118.826,49

Ankauf von Varroa-Bekämpfungsmitteln 53.807,89

Ankauf von Bienenbeuten und Geräten für die Imkerei 24.843,91 Förderung der Königinnenzucht 5.025,00

Kommunikations- und Marketingmaßnahmen 22.452,54 Summe 224.955,83

KONTROLLTÄTIGKEIT

Im Rahmen der Kontrolltätigkeit (Beihilfen für den umweltschonenden Getreideanbau, Investitionsbeihilfen, Verbandsförderungen, Viehversicherungen und Verbesserung der Tierzucht) wurden von Seiten des Amtes für Viehzucht ca. 100 Lokalaugenscheine durchgeführt.

Weitere Informationen, Bestimmungen und Gesuchformulare finden Sie unter: www.provinz.bz.it/landwirtschaft E-Mail: viehzucht@provinz.bz.it

Ansteckende Infektionskrankheiten der Tiere

Zum Ende des Jahres besaß das Gebiet der Provinz Bozen Anerkennungen als freies Gebiet für verschiedene Infektionskrankheiten der Rinder, Schafe, Ziegen und Schweine. Es betrifft Krankheiten wie Rindertuberkulose, Rinderbrucellose, Rinderleukose, Infektiöse Bovine Rhinotracheitis (IBR), Brucellose bei Schafen und Ziegen, Blue Tongue (Infektionen mit BTV), Aujeszky-Krankheit der Schweine. Folgend die gesetzliche Grundlage:

Durchführungsverordnung (EU) 2021/620 der Kommission vom 15. April 2021 mit Durchführungsbestimmungen zur Verordnung (EU) 2016/429 des Europäischen Parlaments und des Rates hinsichtlich der Genehmigung des Status „seuchenfrei“ und des Status der Nichtimpfung für bestimmte Mitgliedstaaten oder Zonen oder Kompartimente dieser Mitgliedstaaten in Bezug auf bestimmte gelistete Seuchen und der Genehmigung von Tilgungsprogrammen für diese gelisteten Seuchen.

VORBEUGUNG VON INFEKTIONSKRANKHEITEN DER RINDER, SCHAFE UND ZIEGEN

Die Haupttätigkeit, durchgeführt vom 1. Jänner bis zum 31. Dezember, kann folgendermaßen zusammengefasst werden:

Vorbeugung gegen Tierart

Beprobung der Betriebe durch Sammelmilch

Beprobung der Einzeltiere durch: Impfungen

Blutprobe Ohrknorpelprobe Hauttest intrakutan

Brucella Ovis Widder 5

Infektiöse Bovine

Rhinotracheitis / Infektiöse

Pustulöse Vulvovaginitis (IBR/IPV)

Bovine Virusdiarrhoe (BVD) Virus Rind

Bovine Virusdiarrhoe (BVD) Antikörper Rind

Blue Tongue (Antikörper / Virus) Rind

Blue Tongue (Antikörper / Virus) Schaf 17 10

Blue Tongue (Antikörper / Virus) Ziege 2 22

Paratuberkulose Rind 669

Caprine Arthritis Enzephalitis (CAE) / Lentivirus (SRLV) Ziege

Scrapie-Genotypisierung Schaf

Scrapie-Genotypisierung Ziege 352

Maedi Visna / Lentivirus (SRLV) Schaf 200 Tuberkulose Rind 2.966

Schmallenberg Antikörper Rind 56

Q-Fieber Antikörper Rind 367

Weitere Informationen zu den einzelnen Infektionskrankheiten sowie zu den Prophylaxemaßnahmen und Untersuchungsmethoden siehe: https://landwirtschaft.provinz.bz.it/de/viehwirtschaft#anc3fd45e7

INFEKTIONSKRANKHEITEN BEI SCHWEINEN

Zahl der untersuchten Proben

VOGELGRIPPE

Zur Überwachung der Vogelgrippe werden die aktive und die passive Überwachung gemäß dem nationalen Überwachungsplan umgesetzt. Bei der aktiven Überwachung entnehmen Amtstierärzte Einzelblutproben. Die passive Überwachung besteht darin, abnormes Vogelsterben (vor allem von Wasservögeln) zu melden.

Geflügel haltende Betriebe

Aktive Überwachung, beprobte Betriebe

Der nationale Überwachungsplan wurde im Jahr 2005 eingeführt. Aufgrund des niedrigen Risikos des Auftretens von Infektionen ist seit dem Jahr 2015 die aktive Überwachung nur noch in Betrieben mit Aufzucht von Junghennen verpflichtend.

↑ Schwein in Freilandhaltung

INFEKTIÖSE FISCHKRANKHEITEN

Südtirols Programm zur Kontrolle der gängigen Fischkrankheiten, wie der Viralen Hämorrhagischen Septikämie (VHS), der Infektiösen Hämatopoetischen Nekrose (IHN) und der Infektiösen Pankreasnekrose (IPN), ist von der EU-Kommission mit Entscheidung 2003/634/EG genehmigt worden.

Zahl der beprobten Betriebe / Gewässer

DESINFEKTIONSMASSNAHMEN AN TIEREN UND STRUKTUREN

Vorbeugendes Klauenbad gegen Moderhinke bei Schafen

Desinfektionseinsätze (v.A. in Stallungen)

TOLLWUT

Das Frühwarnsystem der Provinz Bozen sieht vor, dass alle in Südtirol tot aufgefundenen Füchse, Dachse und Marder bei den Sammelstellen abgegeben werden müssen. Die eingesammelten Tierkadaver werden zur Untersuchung auf Tollwut nach Legnaro (PD) an das beim Versuchsinstitut für Tierseuchenbekämpfung der Venetien angesiedelte Nationale Referenzlabor für Tollwut eingesendet. Zusätzlich müssen klinisch auffällige und tollwutverdächtige Tiere aller Spezies unmittelbar dem zuständigen Amtstierarzt gemeldet werden. Südtirol gilt aufgrund der Durchführungsverordnung (EU) 2021/620 der Kommission vom 15. April 2021 mit Durchführungsbestimmungen zur Verordnung (EU) 2016/429 des Europäischen Parlaments und des Rates hinsichtlich der Genehmigung des Status „seuchenfrei“ und des Status der Nichtimpfung für bestimmte Mitgliedstaaten oder Zonen oder Kompartimente dieser Mitgliedstaaten in Bezug auf bestimmte gelistete Seuchen und der Genehmigung von Tilgungsprogrammen für diese gelisteten Seuchen, als Tollwut-freies Gebiet.

Arten der Tiere, deren Kadaver vom Personal des Landestierärztlichen Dienstes bei den verschiedenen Sammelstellen abgeholt wurden

TRANSMISSIBLE SPONGIFORME ENCEPHALOPATHIE

Das Versuchsinstitut für Tierseuchenbekämpfung der Venetien führt mit so genannten Schnelltests die Untersuchung auf Transmissible Spongiforme Encephalopathie (TSE) der geschlachteten, notgeschlachteten und verendeten Rinder, Schafe und Ziegen der gesetzlich vorgesehenen Alterskategorien durch.

Zahl der durchgeführten Schnelltests

Gemäß den staatlichen Vorgaben wird in Südtirol ein Programm zur Genotypisierung der lebenden Schafe umgesetzt. Die TSE-Resistenz soll durch gezielte Zucht gesteigert werden.

Tierische Produkte und Produkte für Tiere

Betriebe mit EU-Zulassung im Bereich der Lebensmittel tierischer Herkunft oder der tierischen Nebenprodukte

Beprobung der Milch liefernden Betriebe in Zusammenarbeit mit dem Sennereiverband Südtirol

Gentechnisch veränderte Organismen (GVO) – lokaler

FUTTERMITTEL

Anzahl der Untersuchungen, die an Proben von Futtermitteln für Heimoder Haustiere durchgeführt wurden:

Für detaillierte Informationen über den nationalen Kontrollplan auf Rückstände (PNR) siehe: https://landwirtschaft.provinz.bz.it/ de/viehwirtschaft#ancdcc9dea

Weitere Informationen, Bestimmungen und Gesuchformulare betreffend die ansteckenden Infektionskrankheiten der Tiere und die Produkte tierischer Herkunft finden Sie unter: https://landwirtschaft.provinz.bz.it/ E-Mail: vet@provinz.bz.it PEC: vet@pec.prov.bz.it

2.2 Obstbau

Die Apfelernte 2025 erreicht mit 1.056.980 Tonnen zum dritten Mal in Folge wieder die Eine-Million-TonnenMarke, nachdem sie zuvor sechs Mal in Folge unter dieser magischen Marke geblieben war.

Die Ernte ist im Vergleich zur Ernteschätzung (ca. 1.011.533 t) deutlich höher ausgefallen. Gründe dafür waren hauptsächlich die im Vergleich zu den Vorjahren niedere Umstellungsrate sowie die wenigen Ausfälle durch Frost, Hagel und Schadorganismen. Außerdem wirkten sich die regelmäßigen Niederschläge im Sommer positiv auf die Fruchtgrößen aus.

Die wichtigsten Gründe für die Ernterückgänge im Allgemeinen in den letzten Jahren waren unter anderem die etwas höheren Umstellungsraten und diesbezügliche Rodungen, der weitere Rückgang der Apfelanbaufläche zugunsten des Weinbaus sowie die Zunahme der biologisch bewirtschafteten Flächen, in denen die Erträge naturgemäß etwas niederer ausfallen.

Der Anteil an Industrieware beträgt 2025 rund 9,6 %, wodurch sich 955.536 t an effektiv verfügbarer Tafelware ergeben. Sortensieger bleibt weiterhin Golden Delicious, gefolgt von Gala, Cripps Pink und Granny Smith.

Südtirol hat grundsätzlich weiterhin das Potenzial, Ernten um die 1 Mio. t zu haben, das heißt mindestens 10 % der europäischen Ernte. Wie wir jedoch in den vergangenen Jahren gesehen haben, wird es mittel- und längerfristig immer schwieriger werden, diese Marke tatsächlich zu erreichen. Gründe dafür sind: Umstellung einiger Obstbauflächen in Weinbau, Umstellung alter (ertragsreicher) Sorten auf neue Sorten, Wetterkapriolen aufgrund des Klimawandels, Umstellung auf biologische Bewirtschaftung usw.

Die für das Wachstum guten Witterungsbedingungen haben zu sehr guten Erträgen mit guter Qualität und Fruchtgröße bei den Beerenkulturen geführt.

Die Marillenernte 2025 fiel im Vergleich zum Vorjahr zwar erheblich besser, im langjährigen Schnitt aber nur durchschnittlich aus. Die Erntemenge bei den Kirschen fiel insgesamt durchschnittlich aus.

↑ Im Sortierraum eines Vermarktungsbetriebes
↓ Apfelblüte mit Biene

Apfel- und Birnenanbau

FLÄCHENVERTEILUNG

Im Vergleich zu 2024 sind die Obstbauflächen weiterhin leicht rückläufig, ein Trend, der schon seit mehreren Jahren zu beobachten ist. Nachstehend die festgestellten Flächenänderungen der einzelnen Sorten:

Bestand der wichtigsten Apfel- und Birnensorten in Südtirol

Sortenflächenverteilung in Südtirol

Innerhalb des Apfelanbaues lag die Umstellungsrate mit ca. 3,5 % weiterhin niedrig.

Kernobsternten der Jahre 2024 und 2025 (t) in der Europäischen Union

(t) EU + GB (28 Staaten)

Apfelernte der Jahre 2024 und 2025 in Südtirol (t)

Apfelernte Südtirol (t)

Quelle: Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau

Äpfel der Sorte Golden Delicious

Die geschätzte Erntemenge der EU für die Ernte 2025 ergibt, voraussichtlich eine etwas niedrigere Ernte wie im Jahr 2024, die ihrerseits ähnlich ausgefallen war als 2023. Dabei muss man jedoch zwischen Apfel und Birne unterscheiden: Die Apfelernte wird abnehmen, die Birnenernte nimmt jedoch wieder etwas zu.

Als größtes apfelerzeugendes Mitgliedsland der EU bleibt weiterhin Polen mit ca. 3.300.000 t (+3 % im Vergleich zu 2024) gefolgt von Italien (2.248.000 t, -3 %), Frankreich (1.484.000 t, +4 %), Deutschland (1.000.000, +15 %), Spanien (501.000 t, -8 %), Rumänien (442.000 t, -10 %) und Portugal (303.000 t, -3 %). Was die Sorten betrifft, liegt europaweit weiterhin der Golden an der Spitzenposition (ca. 2,06 Mio. t; -1 % im Vergleich zum Vorjahr), gefolgt von Gala (c.a. 1,43 Mio. t; +-0 %), die Jonagoldgruppe (ca. 0,83 Mio. t; +6 %), Red Delicious (ca. 0,49 Mio. t: -19 %), Idared (ca. 0,47 Mio. t; -9 %), Shampion (ca. 0,38 Mio. t; +7 %), Granny Smith (ca. 0,35 Mio. t; -3 %) und Rosy Glow + Sekzie (ca. 0,34 Mio. t; +4 %). Die europäische Birnenernte wird mit knapp 1,79 Mio. t um 1,4 % leicht zunehmen.

Bereits im August 2025 wurde für Südtirol eine Apfelmenge von 1.011.533 Tonnen vorausgesagt

Südtirols Bio-Apfelanbauer haben 2025 mengenmäßig nur leicht weniger produziert als im Vorjahr. Die Ernte lag mit 100.101 Tonnen nur leicht unter der Ernte 2024. Die tatsächliche Menge, welche Südtirols Bio-Obstbauern erzeugen, ist insgesamt jedoch höher, denn sie müssen die Ware der Umstellungsbetriebe und die Ernte der Grenzreihen als Integrierte Ware liefern.

Für Informationen zu den durchschnittlichen Auszahlungspreisen der Ernte 2023 und 2024 für Tafelware siehe: https://landwirtschaft.provinz.bz.it/de/obstbau#anc476ce43

Aufteilung der Südtiroler Apfelernte 2025 (t)

3 Pinova / Evelina 23.858 2 Morgenduft 6.323 1 Jonagold 1.549 0 andere Sorten * 14.923 1 neue Sorten **

17

* andere Sorten: Stayman, Jonathan, Idared, Elstar, … ** neue Sorten und Clubsorten: Eny, Jazz, Kanzi, Ambrosia, … Quelle: Handelskammer, VIP und VOG

Für weitere Details zur Aufteilung der Südtiroler Apfelernte 2025 siehe https://landwirtschaft.provinz.bz.it/de/obstbau#anc476ce43

Beerenobst

Im Vergleich zu den Vorjahren sind die Erdbeeranbauflächen im Jahr 2025 weiterhin stabil geblieben. Auch bei den übrigen Beerenkulturen zeigen sich keine nennenswerten Veränderungen der Produktionsflächen. Das Erntejahr 2025 war in Südtirol von unterschiedlichen Rahmenbedingungen geprägt. Einerseits wirkten sich eine ungünstige Witterung mit einem regenreichen Frühjahr negativ auf den Vegetationsverlauf aus, andererseits traten im Vergleich zum Vorjahr lediglich vereinzelte Frostschäden auf. Der Erntebeginn erfolgte im Juni, der durch überdurchschnittlich hohe Temperaturen gekennzeichnet war. Die Haupternte war ursprünglich für den Monat Juli vorgesehen, wurde jedoch aufgrund anhaltend kühler und niederschlagsreicher Witterung erheblich verzögert. Infolgedessen erstreckte sich die Ernte bis in den Herbst hinein und dauerte bis zum ersten Frost an.

Aufteilung der Anbauflächen nach Beerenobstart

Schw. Johannisbeere

Rote Johannisbeere

Andere

75 % Erdbeeren

Himbeeren

Heidelbeeren

18 % Heidelbeeren

15 % Himbeeren

Erdbeeren

3 % Andere

3 % Rote Johannisbeere

2 % Schwarze Johannisbeere

Insgesamt umfasst der Beerenobstanbau in Südtirol derzeit eine Fläche von rund 116 Hektar.

Die Erntemengen bei den Heidelbeeren blieben insgesamt auf stabilem Niveau. Bei den Himbeeren konnte hingegen infolge von Neupflanzungen eine leichte Steigerung der Erntemenge verzeichnet werden. Auch bei den Brombeeren fiel der Ertrag etwas höher aus, bewegte sich jedoch weiterhin auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau.

Im Jahr 2025 traten im Beerenobstanbau insgesamt keine auffälligen Probleme durch Krankheiten oder Schädlinge auf. Lediglich an einzelnen Standorten kam es zu einem vereinzelt erhöhten Auftreten der Kirschessigfliege, das jedoch keine nennenswerten Auswirkungen auf das Gesamtergebnis hatte.

ERDBEEREN

Die Erträge bei überwinterten und programmierten Erdbeeren lagen um das langjährige Mittel. Bei den überwinterten Pflanzen wurden durchschnittlich etwa 250–350 g erster Qualität je Pflanze erzielt, während die programmierten Erdbeeren Erträge von rund 200–250 g erster Qualität je Pflanze erreichten. Die remontierenden Erdbeeren wiesen ebenfalls sehr gute Erträge auf und erzielten Mengen von etwa 400–600 g je Pflanze. Der Auszahlungspreis lag auf einem durchgehend hohen Niveau und zeigte sich über die gesamte Saison hinweg stabil.

HIMBEEREN

Die Himbeerproduktion bewegte sich im Berichtsjahr auf einem durchschnittlichen bis guten Niveau. Der Auszahlungspreis war sehr zufriedenstellend und lag im Durchschnitt über dem langjährigen Mittel.

JOHANNISBEEREN

Im Vermarktungsjahr 2025 erzielten die Johannisbeeren Auszahlungspreise, die dem langjährigen Mittel entsprachen. Auch die Erträge bewegten sich erneut im Bereich der Norm und zeigten keine nennenswerten Abweichungen.

HEIDELBEEREN

Die Ertragsmengen fielen insgesamt gut aus, während sich die Preise über das Vermarktungsjahr hinweg stabil zeigten. Das kontinuierlich steigende Angebot stand einer ebenso anhaltenden Nachfrage gegenüber, sodass sich beide Faktoren weitgehend ausglichen. Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass sich die Preise auch weiterhin auf einem stabilen Niveau einpendeln werden.

VERMARKTUNG

Die Nachfrage auf den Märkten war auch im Jahr 2025 sehr gut. Dies war unter anderem auf die weiterhin steigende Nachfrage der Haushalte nach Beerenobst zurückzuführen. Die erzielten Preise erwiesen sich erneut als ökonomisch sehr attraktiv und lagen durchwegs um bzw. über den langjährigen Mittelwerten. Ein großer Teil des in Südtirol produzierten Beerenobstes wurde über die Erzeugergenossenschaft Martell sowie über die Obstversteigerung EGMA in Vilpian vermarktet. Der Absatz erfolgte dabei

↑ Himbeeren
↑ Erdbeeren als Tischkultur
↑ Heidelbeerblüte

überwiegend im oberitalienischen Raum, teilweise jedoch auch regional über Detailgeschäfte. Ein Großbetrieb mit Sitz in Brixen und weiteren Standorten im Wipptal und im Pustertal vermarktete seine Erdbeeren hauptsächlich über italienische und ausländische Supermarktketten.

Darüber hinaus vermarkteten zahlreiche

Betriebe ihre Beeren sowie daraus hergestellte Verarbeitungsprodukte direkt und regional über Bauernmärkte oder Hofläden. Mittlerweile wurden auf nahezu allen Bauernmärkten während der Sommermonate frische Beeren angeboten.

Steinobst

MARILLENANBAU

Die Gesamtfläche des Marillenanbaus betrug im Berichtsjahr, leicht fallend im Vergleich zum letzten Jahr, ca. 77 ha.

Die Marillenernte 2025 fiel im Vergleich zum Vorjahr zwar erheblich besser, im langjährigen Schnitt aber nur durchschnittlich aus und die traditionelle Hauptsorte Vinschger Marille machte rund die Hälfte der Gesamternte aus.

Im Berichtsjahr waren keine ertragsrelevanten Frühjahrsfröste zu verzeichnen und es kam zu einer gleichmäßigen starken Blüte, auch weil im Vorjahr kaum Erträge erzielt werden konnten. Der leicht durch Regen verzögerte Erntebeginn brachte Probleme mit aufgesprungenen und teils bräunlich verfärbten Früchten.

PFLANZENSCHUTZ

Im Berichtsjahr konnten weniger Schäden durch Schrotschußkrankheit, Monilia und Bakterienkrankheiten (v.a. Pseudomonas) beobachtet werden, aber bei allen Sorten konnte ein erhöhter Fruchtbefall festgestellt werden. Die Fruchtflecken bei der Sorte Goldrich, deren Ursache immer noch nicht abschließend geklärt werden konnte, waren allerdings im Vergleich zum Vorjahr etwas weniger zu beobachten, vor allem im Integrierten Anbau.

Trotz der schlechten Ausgangslage betreffend die Kirschessigfliege konnte einem hohen Befallsdruck mit geeigneten Gegenmaßnahmen erfolgreich entgegen gehalten werden.

↑ Aufgehende Kirschblüten

KIRSCHENANBAU

Der Kirschenanbau verzeichnet einen leichten Rückgang in der Anbaufläche, die sich nunmehr auf 115 ha beläuft (-6 ha). Ältere Anlagen werden zunehmend gerodet.

Die ausbleibenden Spätfröste bedingten eine gute Blüte und einen guten Fruchtansatz. Die anfänglich guten Bedingungen förderten einen schnellen Vegetationsfortschritt und die Ernte belief sich dadurch auf durchschnittlich 20t/ha. Im Bereich Pflanzenschutz gab es weder bei den pilzlichen Erkrankungen, noch mit der Kirschessigfliege signifikante Probleme. Die Vermarktungssaison verlief reibungslos und die Preise konnten wieder das zufriedenstellende Niveau von vor zwei Jahren erreichen.

ZWETSCHGENANBAU

Der Zwetschgenanbau ist nach wie vor von den Hauszwetschgenbeständen im Eisacktal und Schlerngebiet gekennzeichnet. Geschlossene und gepflegte Bestände sind auf konstanten 9 ha (+/-0 ha) anzutreffen.

Erntemengen im Marillenanbau im Vinschgau der letzten 10 Jahre

Erntemengen in

Quelle: Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau

Förderungen im Obstbau

KONTROLLTÄTIGKEITEN ZUR EU-VERORDNUNG 1308/13 VOM 17. DEZEMBER 2013 ÜBER DIE GEMEINSAME MARKTORGANISATION In Südtirol gibt es laut Art. 152 der EU-VO 1308/13 drei anerkannte Erzeugerorganisationen (EO): VOG, VIP und VOG Products.

Produzenten im Bereich Obst und Gemüse

*Schätzung EO Produktionskategorien Angeschlossene Genossenschaften

Außerdem wurde die Vereinigung von Erzeugerorganisationen (VEO) Alpoma im Sinne des Art. 156 der Verordnung (EU) Nr. 1308/2013 anerkannt, deren Mitglieder die drei Erzeugerorganisationen VOG, VIP und VOG Products sind.

In Südtirol sind ca. 82 % der Genossenschaften im Bereich Obst- und Gemüse und gut 84 % der Produzenten für Obst- und Gemüse in Erzeugerorganisationen vereint. Sie verfügen über ca. 95 % der Südtiroler Anbaufläche. Am 15.02.2025 reichten die drei Erzeugerorganisationen die Abrechnung des Jahresabschnittes 2024 des genehmigten Operationellen Programmes ein. Es wurden insgesamt 57.714.000,00 Euro abgerechnet. Die Abrechnungskontrollen wurden von der zuständigen Zahlstelle durchgeführt.

↑ Reife Früchte der Vinschger Marille

Im September reichten die drei Erzeugerorganisationen die Genehmigung des Jahresabschnittes 2025 des Programmes ein. Insgesamt betrug der genehmigte Betrag 55.624.335,00 Euro, der daraus resultierende Beitrag von max. 50 % der anerkannten Ausgaben würde insgesamt 27.812.167,00 Euro betragen.

Schwerpunktmäßig wurden folgende Investitionen getätigt und im Rahmen des Operationellen Programmes vorgelegt:

Investitionen in Anlagen zur Produktion erneuerbarer Energien

Zellenzubau, Erneuerung und Aufrüstung Lagerzellen

im

Dazu wurden noch weitere Projekte, unter anderem EDV-Projekte, Projekte zur qualitativen Verbesserung der Ware, Projekte zur Vermarktung und Marktforschung, Projekte zur Energieeinsparung und Personalkosten für die Steigerung bzw. Erhalt der Qualität über das Operationelle Programm vorgelegt. Es konnte zudem den einzelnen Produzenten der Mitgliedsgenossenschaften für die Teilnahme am Integrierten Programm bzw. für die biologische Produktion eine Flächenprämie von bis zu 70,000 Euro/ha genehmigt werden. Dabei sind ca. 13.900 ha landwirtschaftliche Nutzfläche für die Integrierte Produktion und ca. 2.100 ha für die biologische Produktion vorgelegt worden. Das sind fast 100 % der gesamten Netto-Anbaufläche der Erzeugerorganisationen VIP und VOG.

Weitere Informationen, Bestimmungen und Gesuchsformulare finden Sie unter: www.provinz.bz.it/landwirtschaft/ E-Mail: obst-weinbau@provinz.bz.it obstweinbau.fruttiviticoltura@pec.prov.bz.it

Ebenso konnten die Kosten für den Dispenserankauf den einzelnen Produzenten der Mitgliedsgenossenschaften der Erzeugerorganisationen für die Teilnahme am Projekt der Verwirrung bezuschusst werden.

Außerdem wurde im Sinne der geltenden Bestimmungen jeweils die Funktionalität der drei Erzeugerorganisationen überprüft. Dabei wurde die Übereinstimmung mit den generellen Anforderungen der EU-Marktordnung (Statuten, Regeln und anderes) überprüft. Das Ergebnis der Kontrollen wird als positiv bewertet.

Im Herbst wurde am Sitz der drei Erzeugerorganisationen der Wert der vermarkteten Erzeugung (WVE) des Jahres 2023/24, welcher Grundlage für das Operationelle Programm 2026 darstellt, überprüft. Insgesamt betrug der anerkannte WVE ca. 794,7 Mio. Euro

KAPITALBEITRÄGE ZUR FÖRDERUNG LANDWIRTSCHAFTLICHER VERARBEITUNGS- UND VERMARKTUNGSBETRIEBEN

Im Sinne des LG 11/98 wurden 22 Einzelunternehmen Kapitalbeiträge im Ausmaß von 30–40 % für Bauten bzw. 20–30 % für Maschinen und Anlagen für einen Gesamtbeihilfewert von 309.650,00 Euro gewährt. Das Ausmaß der anerkannten Kosten betrug 888.000,00 Euro

↓ GEFÖRDERTE INVESTITION: Gabelstapler

2.3 Weinbau

Flächen – und Sortenentwicklung

Seit dem Jahr 2000 hat die Rebfläche in Südtirol um 977 ha zugenommen. Laut der Weinbaukartei sind zum 30.12.2025 in Südtirol 5.878 ha mit Reben bepflanzt.

Rebfläche Südtirols 2000 – 2025

Rebfläche Südtirols 2000–2025

Fläche (ha)

Wird berücksichtigt, dass die Rebanlagen im ersten Standjahr keine Produktion haben und jene im zweiten Standjahr zur Hälfte in Produktion stehen, so ergibt sich eine Rebfläche von 5.657 ha, die in Produktion steht. Insgesamt wurden im Jahr 2025 Rebpflanzungen im Ausmaß von 144 ha durchgeführt. Davon entfallen 60 ha auf Neuanpflanzungen, sprich auf bisher nicht mit Reben bepflanzte Flächen, was im Vergleich zum Vorjahr einem Minus von 4 Hektar entspricht. Im Jahr 2025 hat sich somit der deutliche Rückgang der Neuanpflanzungen bestätigt. Auch die Nachfrage um Zuweisung von Pflanzgenehmigungen ist stark rückläufig: im Jahr 2026 ist die beantragte Fläche im Vergleich zum Jahr 2025 um über 40 eingebrochen. Im Jahr 2025 haben die gemeldeten Rebrodungen aufgrund von Kulturänderungen und Verbauungen knappe 22,7 ha betragen und somit ein Plus von lediglich 2,7 ha im Vergleich zum Vorjahr erfahren.

Rebanlage mit der Sorte Ruländer in Guntschna ↑

Hier eine Übersicht über die Bepflanzungstätigkeit der letzten 10 Jahre:

Rebpflanzungen 2015–2025

Fläche (ha)

Im nächsten Abschnitt werden die Sorten angegeben, die im Jahr 2025 bei Rebanpflanzungen verwendet wurden:

Sortenwahl für Anpflanzungen 2025

↑ Gewürztraminer in Mazzon

Im Vergleich zum Jahr 2024 wurden weniger Sauvignon (-3,4 ha) und Lagrein (-2,7 ha) angepflanzt. Die Anpflanzung von Chardonnay (+7 ha) sowie Ruländer (+3,3 ha) hat hingegen zugenommen. Die mit Weißweinsorten bepflanzte Fläche beläuft sich nun auf 65,54 % der Südtiroler Weinbaufläche. Die Sorten Ruländer, Chardonnay, Gewürztraminer und Weißburgunder sind im Spitzenfeld mit jeweils über 600 ha vertreten.

Betrachtet man nun hingegen die Gesamtanbauflächen der verschiedenen Sorten, so sind die stärksten Zuwächse bei den Sorten Chardonnay (+25 ha), Blauburgunder (+22 ha), und Ruländer (+12) ha zu verzeichnen, während die Sorten Vernatsch (-32 ha), und Gewürztraminer (-18 ha) die stärksten Rückgänge aufweisen.

Produktion

Die im Rahmen der Ernte- und Weinproduktionsmeldungen 2025 gemeldete Erntemenge, welche auf Südtiroler Rebflächen produziert worden ist, beläuft sich auf 465.623 dt. Es wurden somit 33.857 dt beziehungsweise 7,3 % mehr Trauben geerntet als im Vorjahr. Die Weinproduktion aus Südtiroler Trauben beträgt insgesamt 329.511 hl, wobei durch die Weinbereitung in Südtirol 296.787 hl Wein produziert wurden, während durch die Verarbeitung von Südtiroler Trauben in der Provinz Trient noch 32.724 hl Wein zu berücksichtigen sind, das sind immerhin 9,93 %.

Die angegebenen Weinmengen beziehen sich auf den fertigen Wein, ohne Leger. Die Gesamtweinproduktion ist im Vergleich zu den im Jahr 2024 im Rahmen der Weinproduktionsmeldungen angegebenen Mengen von 305.771 hl, um 23.740 hl (+7,8 %) höher ausgefallen, und liegt um 2.020 hl (+0,6 %) über dem Mittelwert der letzten 10 Jahre von 327.491 hl. 93,4 % des in Südtirol produzierten Weines entfallen auf DOC-Weine. In Südtirol wurde 2025, in Bezug auf die gemeldeten Produktionsflächen von 5.556 ha, ein durchschnittlicher Hektarertrag von 83,81 dt/ha erzielt. Dieser ist somit um 5,31 dt/ha höher ausgefallen als der Ertrag des Vorjahres und um 4,6 dt/ha geringer als der Durchschnittsertrag der letzten 10 Jahre von 88,41 dt/ha.

Für weitere Details zur Weinproduktion 2000–2025 siehe: https://landwirtschaft.provinz.bz.it/de/ weinbau#anc59687ca

↑ Ölleiten Kaltern

STAND DER WEINBAUKARTEI AM 31.12.2025

Sortenspiegel Rebflächen 2025 in Hektar

Für detaillierte Informationen zur Weinbaukartei 2025 siehe https://landwirtschaft.provinz.bz.it/de/ weinbau#anc59687ca

Zweigelt

Grüner Veltliner

Solaris

717 Ruländer

694 Chardonnay

Souvgnier Gris

622 Blauburgunder

Cabernet Franc

613 Weißburgunder

Sylvaner

612 Gewürztraminer

Goldmuskateller

548 Lagrein

Andere

520 Sauvignon

Riesling

422 Vernatsch

Müller Thurgau

Merlot

112 Cabernet Sauvignon

Vernatsch

112 Riesling

Sauvignon

101 Andere

Lagrein

94 Goldmuskateller

Gewürztraminer

66 Sylvaner

Weißburgunder

53 Cabernet Franc

Blauburgunder

39 Souvgnier Gris

Chardonnay

27 Solaris

Ruländer

199 Merlot

Cabernet Sauvignon

Kerner

136 Kerner

LANDWIRTSCHAFT UND FÖRDERMASSNAHMEN

2.4 Gemüsebau

27 Grüner Veltliner

21 Zweigelt

Laut Landwirtschaftszählung des Jahres 2020 beläuft sich in Südtirol die Gemüseanbaufläche auf 1.455 ha.

Dabei entfallen allein auf den Speisekartoffelanbau ca. 550 ha. Kartoffeln stellen in Südtirol ein wichtiges Nischenprodukt dar, vor allem aber ist der Saatkartoffelanbau im Pustertal von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Weitere Hauptkulturen sind Blumenkohl, Spargel, Rote Rübe, Radicchio und Kopfkohl. Für die meisten Betriebe stellt der Gemüseanbau eine alternative Zuerwerbsmöglichkeit dar. Nur wenige Betriebe haben sich ausschließlich auf Gemüse spezialisiert. In der Direktvermarktung ist der geschützte Anbau für Tomaten, Gurken, Paprika, Aubergine und andere wärmeliebende Gemüsekulturen bedeutsam. Die Gemüseanbaufläche, welche über die wichtigsten Genossenschaften vermarktet wird, beläuft sich derzeit in Südtirol auf über 300 ha (Spargelanbaufläche mitgerechnet).

Anbauflächen von Gemüse der Saatbaugenossenschaft Bruneck im Jahr 2025

143 Müller Thurgau

Anbauflächen von Gemüse des Verbandes der Vinschgauer Produzenten (VI.P Gen.landw.Gesellschaft) im Jahr 2025

Kultur

Blumenkohl

Romanesco, Spitzkohl, Blaukraut, Pak choi

Speisekartoffeln

Eisberg, Radicchio, Gentile

Weißkohl

Rote Rübe

Erntefläche in ha

Anderes Gemüse (Fenchel, Sellerie, Kürbis, u.a.) 3,8

Insgesamt

Für Details zu den Erntemengen von Gemüse im Jahr 2025 siehe: https://landwirtschaft.provinz. bz.it/de/gemuesebau

↑ Direktvermarktung von Gemüse am Rathausplatz in Bozen

↑ Frische Salate am Biomarkt in Bozen

IM PUSTERTAL

war die Witterung für die Kulturen etwas durchwachsen, ein relativ warmer April, ein kühler Mai, ein sehr heißer Juni, ein kühler Juli und anfangs August eine heiße Woche. Die Pflanzung konnte im April und Mai durchgeführt werden. Die anfänglichen warmen Temperaturen ließen ein schnelles Pflanzenwachstum zu, was sich auch in hohen Erträgen bemerkbar machte. Durch die außergewöhnlichen Niederschlagsereignisse im Mai und Juni (in wenigen Tagen bis zu 100 mm Regen) war auch die Wasserversorgung gewährleistet. Die Qualität lag im Durchschnitt der letzten Jahre.

IM VINSCHGAU

wurde 2025 eine Gesamtmenge an Gemüse von über 3.656 Tonnen geerntet. Die gesamte Anbaufläche beläuft sich auf 109,5 ha, davon fallen allein auf den Blumenkohl 91 ha mit einer Erntemenge von 3.167 Tonnen. Die größte Herausforderung für sämtliche Sommerkulturen war 2025 der überdurchschnittlich kalte Juli, der das Wachstum stark gebremst, die Ernte verzögert hat und somit negative Auswirkungen auf den Verkauf hatte. Nach Liefer-Engpässen kam der Produktstau, was entsprechende Konsequenzen in der Einlagerung und auf die Preisgestaltung hatte.

2.5 Landespflanzenschutzdienst

Phytosanitäre Export-Kontrollen

Phytosanitäre Exportkontrollen sichern die Gesundheit der Pflanzen und Pflanzenerzeugnisse bei der Ausfuhr in Nicht-EU-Länder (Drittländer), um die Verschleppung von Schadorganismen zu verhindern. Sie umfassen amtliche Inspektionen, die Erfüllung von Importbestimmungen des Ziellandes und die Ausstellung eines Pflanzengesundheitszeugnisses durch den Pflanzenschutzdienst.

Im Jahr 2025 haben die Inspektoren des Landespflanzenschutzdienstes nach entsprechenden Kontrollen insgesamt 8.579 Pflanzengesundheitszeugnisse für den Export von Pflanzen und Pflanzenerzeugnissen in 56 Drittländer ausgestellt. Rund 94 % davon betrafen Apfelexporte, der Rest entfiel auf den Export von Pflanzen sowie von Holz, Holzerzeugnissen und anderen pflanzlichen Produkten.

Die exportierte Apfelmenge in Drittländerlag bei 147.182 Tonnen, rund 34 % mehr als im Vorjahr und auch deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen 10 Jahre.

Auf die 5 wichtigsten Importländer von Äpfeln aus Südtirol, Saudi-Arabien, Ägypten, Norwegen, Brasilien und Israel, entfielen mit 96.092 Tonnen rund 65 % der exportierten Äpfel. Saudi-Arabien war, wie schon in den vergangenen Jahren, das wichtigste Exportland. Deutlich gesteigert gegenüber dem Vorjahr wurden die Exporte nach Ägypten (plus 175 %) und Indien (plus 52 %). 20.866 Tonnen Äpfel wurden in lateinamerikanische Länder exportiert, wo sich mittlerweile Brasilien als wichtigster Markt etabliert hat.

Monitoring betreffend

Quarantäneschadorganismen

Zur Vorbeugung der Einschleppung und Ausbreitung von Quarantäneschadorganismen sind laut Gesetzgebung der Europäischen Union Erhebungen vorgeschrieben. Im Rahmen eines Monitoringprogrammes müssen jährlich detaillierte Informationen über die geplanten Aktivitäten an den zentralen Pflanzenschutzdienst bzw. das Landwirtschaftsministerium übermittelt werden. Die Ziele des übermittelten und genehmigten Planes wurden in allen Bereichen erreicht. 2025 wurden 71 Quarantäneschadorganismen überwacht. Davon haben sich 4 seit einigen Jahren in Südtirol oder Teilen Südtirols etabliert. Für die bekannten Befallsgebiete wurden jeweils spezifische Maßnahmen auf Landesebene erlassen.

Die Kontrollen auf Quarantäneschadorganismen finden auf dem gesamten Südtiroler Landesgebiet statt. Zum Teil sind dafür Risikostandorte für eine Einfuhr bzw. ein Erstauftreten zu identifizieren und zu überwachen. So wurden 2025 über 90 verschiedene Pflanzenarten in den verschiedensten Betrieben und Landschaftselementen (z.B. Gärtnereien,

Weingärten, urbanes Grün) inspiziert. Den größten Aufwand stellten dabei visuelle Kontrollen (ca. 6095) dar. Darüber hinaus erfolgten rund 1.375 Inspektionen im Rahmen der Betreuung von 106 Lockstofffallen und 873 Probenentnahmen für Laboranalysen. Der Pflanzenschutzdienst wurde dabei vom Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau unterstützt. Im Juli wurden in Fallen erstmals vier Exemplare des Japankäfers (Popillia japonica) im Etschtal und Unterland entlang der Hauptverkehrsstraßen (Mebo und A22) gefunden. Diese Funde sind auf „Tramper“-Insekten zurückzuführen, die aus anderen Herden in Italien stammen, und es gibt derzeit keine Anzeichen für eine dauerhafte Ansiedlung in Südtirol. Weltweit hat sich das Insekt in China, Russland (Kurilen-Inseln), Portugal (Azoren), Kanada und den Vereinigten Staaten verbreitet, wo es sofort zu einer echten Plage für den Ackerbau wurde. In Italien wurde der Käfer erstmals 2014 im „Parco del Ticino“ zwischen der Lombardei und dem Piemont und 2020 auch in der Emilia-Romagna gefunden. Weitere Funde auf Feldern gab es auch in der Region Veneto.

Situation Feuerbrand

Apfelexport nach Kolumbien. Phytosanitäre Kontrolle der Sorte Royal Gala ↑

JAPANKÄFER (POPILLIA JAPONICA) ↑

Quelle: Pflanzenschutzdienst Region Lombardei

Für weitere Details zu den Apfelexporten in Drittländer siehe:

https://landwirtschaft.provinz.bz.it/de/ landespflanzenschutzdienst#anc63a220c

Im Jahr 2025 wurden insgesamt 38 Fälle nachgewiesen, wobei fast ausschließlich Apfel-Neuanlagen betroffen waren. Die meisten Fälle wurden in den Gemeinden Naturns und Partschins festgestellt. In den meisten Fällen war eine „Sanierung“ durch den Ausschnitt befallener Äste möglich. Nur in einem Fall musste aufgrund des starken Befalles die Rodung der gesamten Anlage angeordnet werden. Zudem wurde in einigen Anlagen im Herbst Unterlagenbefall festgestellt.

Für weitere Details zu den Gemeinden mit nachgewiesenem Feuerbrandbefall siehe: https://landwirtschaft.provinz.bz.it/de/ landespflanzenschutzdienst#anc165d2c4

Vergilbungskrankheiten der Rebe

Die beiden bedeutendsten Vergilbungskrankheiten der Rebe, welche durch Phytoplasmen hervorgerufen werden, sind die Schwarzholzkrankheit (Candidatus Phytoplasma solani) und die Goldgelbe Vergilbung (Grapevine flavescence dorèe phytoplasma). Letztere ist aufgrund ihrer Virulenz und epidemischen Ausbreitung in der Europäischen Union als Quarantänekrankheit eingestuft und unterliegt daher der Melde – und Rodungspflicht. Verdachtsfälle müssen somit dem Pflanzenschutzdienst oder dem Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau gemeldet werden. Beide Krankheiten sind in vielen Weinbauregionen Europas verbreitet und können durch die hervorgerufenen Ertragsverluste massive wirtschaftliche Schäden verursachen. Da die Symptome der Vergilbungskrankheiten der Rebe optisch nicht unterscheidbar sind, ist für die Identifizierung des Erregers eine Laboranalyse notwendig.

Die Schwarzholzkrankheit wird durch Hyalesthes obsoletus (Winden-Glasflügelzikade) übertragen, die Goldgelbe Vergilbung vorwiegend durch Scaphoideus titanus (Amerikanische Rebzikade).

Im Jahr 2025 wurden im Monitoringprogramm der Vergilbungskrankheiten der Rebe vom Pflanzenschutzdienst in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau insgesamt 266 Blattproben von symptomatischen Rebstöcken analysiert. Dabei wurde in 95 Fällen (36 %) der Erreger der Schwarzholzkrankheit und in 106 Fällen (40 %) der Erreger der Goldgelben Vergilbung nachgewiesen.

Der Pflanzenschutzdienst hat im Jahr 2025 eine Vielzahl an phytosanitären Kontrollen in den bestehenden Befallszonen sowie in den aufgelassenen Rebanlagen durchgeführt. Weiters wurde auch stichprobenartig die Durchführung der obligatorischen Bekämpfung gegen den Hauptvektor Scaphoideus titanus kontrolliert. Dabei wurden mehrfach phytosanitäre Vorschriften nicht eingehalten, weshalb 43 Verwaltungsstrafen verhängt wurden.

Insgesamt wurden an 51 Standorten Gelbtafeln ausgehängt, um das Vorhandensein des Hauptüberträgers der Goldgelben Vergilbung, Scaphoideus titanus, zu überwachen. Es wurden 1.367 Exemplare von Scaphoideus titanus auf Gelbtafeln gefangen. Die Gelbtafeln wurden ausgewertet, um so Aufschluss über die Populationsdichte sowie den Flugverlauf des Hauptüberträgers zu erhalten.

Die gesetzlichen Bestimmungen bezüglich der Ausweisung der Befalls- und Pufferzonen der Goldgelben Vergilbung sowie der obligatorischen Bekämpfung des Hauptvektors werden vom Pflanzenschutzdienst jährlich neu erlassen und entsprechend veröffentlicht.

BLATTSYMPTOME DER VERGILBUNGSKRANKHEIT ↓ Sorte Chardonnay

Rebschulwesen

Im Jahr 2025 wurden in Südtirol auf einer Fläche von 13,76 ha Schnittgärten für Vermehrungsmaterial zur Produktion von Pfropfreben betrieben. Während die Rebschulen mit Rechtsitz in Südtirol auf dem Landesgebiet vorwiegend Edelreis-Material erzeugen, befinden sich die Schnittgärten für Unterlagen zum Großteil in anderen Regionen. Neben visuellen Kontrollen während der Vegetationszeit wurden im Herbst in den Schnittgärten Proben von verholztem Rebmaterial für Virustests entnommen. Bei keiner der beprobten Partien wurden Virosen festgestellt.

Die Gesundheit und Holzreife für die 2025 produzierten Jungreben kann, trotz der besonderen klimatischen Bedingungen, als sehr gut eingestuft werden. Insgesamt wurden in Südtirol 232.533 amtlich zertifizierte Pfropfreben produziert. Zusätzlich wird eine hohe Zahl an Pfropfreben von Südtiroler Betrieben in anderen Regionen Italiens – vor allem im Veneto –produziert. Zu den am häufigsten veredelten Rebsorten in Südtirol zählen in abnehmender Reihenfolge Chardonnay, Ruländer, Sauvignon, Blauburgunder, Weißburgunder, Lagrein und Kerner.

Kartoffelanbau

Kartoffeln stellen in Südtirol ein wichtiges Nischenprodukt dar, vor allem aber ist der Saatkartoffelanbau im Pustertal von großer wirtschaftlicher Bedeutung.

SAATKARTOFFELANBAU

Der Saatkartoffelanbau unterliegt strengen gesetzlichen Bestimmungen. Der Pflanzenschutzdienst führt visuelle Kontrollen im Feld und im Lager durch und entnimmt Kartoffelknollen für die Laboruntersuchung auf die Bakterielle Ringfäule (Clavibacter sepedonicus) und die Schleimkrankheit (Ralstonia solanacearum). Saatkartoffeln dürfen ausschließlich auf Flächen angebaut werden, die sich als frei von Kartoffelzystennematoden (Globodera pallida und

Globodera rostochiensis) erwiesen haben. Dieser Nachweis ist mittels Laboruntersuchungen zu erbringen.

Im Jahr 2025 wurden von der Pustertaler Saatbaugenossenschaft insgesamt 153,21 ha für die Erzeugung von Saatkartoffeln angemeldet. Je nach Bodenbeschaffenheit werden verschiedene Sorten angebaut; die meistangebauten Saatkartoffelsorten sind Kennebec, Desiree, Sissi, Spunta und Solo.

↑ Saatkartoffelanbau im Pustertal

KAPITALBEITRÄGE ZUR FÖRDERUNG LANDWIRTSCHAFTLICHER VERARBEITUNGS- UND VERMARKTUNGSBETRIEBE

Im Sinne des LG 11/98 wurde einem Unternehmen ein Kapitalbeitrag im Ausmaß von 50 % für den Ankauf von hochwertigem Ausgangsmaterial für die Erzeugung von Saatkartoffeln für einen Gesamtbeihilfewert von 100.000,00 Euro gewährt.

RUOP und Pflanzenpass

Im amtlichen Unternehmerregister „RUOP“ (Registro ufficiale degli operatori professionali) waren am Stichtag 31.12.2025 294 Betriebe mit Rechtssitz in Südtirol registriert. Die Anzahl der neuen Registrierungen ist das vierte Jahr in Folge bedeutend geringer als in den ersten Jahren nach dem Inkrafttreten des neuen EU-Gesetzespaket zur Pflanzengesundheit im Dezember 2019. Es kann davon ausgegangen werden, dass sich zwischenzeitlich auch Betriebe registriert haben, die nur gelegentlich diesbezügliche Tätigkeiten ausführen. So wurden 2025 zehn neue Betriebe ins RUOP eingetragen. Die Ermächtigungen wurden für die Tätigkeit im Import/ Export-Sektor und für die Produktion und Handel von Pflanzmaterial bzw. Vermehrungsmaterial ausgestellt. Zusätzlich wurden 8 Betriebe erstmals ermächtigt Pflanzenpässe auszustellen. Parallel zu den neuen Eintragungen erfolgten zwei Löschungen aus dem RUOP Betreffend den Pflanzenpass sind 2025 zwischen November und Dezember 25 Betriebe amtlich kontrolliert worden. Im Rahmen dieser Kontrollen wurden keine Unregelmäßigkeiten festgestellt.

2.6 Biologischer Landbau

Im Jahr 2025 ist die Anzahl der Biobetriebe in Südtirol im Vergleich zum Vorjahr erstmals seit den 1990er Jahren leicht zurückgegangen. Im Gegensatz dazu nahm die biologisch bewirtschaftete Gesamtfläche neuerlich zu. Der starke Flächenzuwachs seit 2023 um ca. 500 % gegenüber 2022 ist fast ausschließlich auf die erstmalige Förderung biologisch zertifizierter Almweiden über den Entwicklungsplan für den ländlichen Raum zurückzuführen.

Entwicklung der biologisch bewirtschafteten Fläche, nach Kulturarten und Anzahl der Betriebe in Südtirol (1993–2025)

Anteil der biologisch bewirtschafteten Flächen nach Gemeinden am 31.12.2025

Biologisches Grünland (ha)

Anteil der biologisch bewirtschafteten Kernobstflächen nach Gemeinden am 31.12.2025

Biologischer Kernobstbau (ha)

Anteil der biologisch bewirtschafteten Grünlandflächen nach Gemeinden am 31.12.2025

Biologische Fläche (ha)

Frutticole
Agricoltura biologica (ha)

Flächenanteile der Kulturarten im Jahr 2025 in Südtirol und Prozentanteile der biologisch bewirtschafteten Flächen

Kulturart

Gesamtfläche in Südtirol (ha)

Prozentanteil der ökologisch bewirtschafteten Flächen in Südtirol im Verhältnis zur Gesamtfläche je Kulturart (%)

REGELUNG DES BIOLOGISCHEN LANDBAUS

Die Bio-Unternehmen werden von der Abteilung Landwirtschaft fortlaufend in das nationale Verzeichnis der biologisch wirtschaftenden Unternehmen (Elenco degli Operatori Biologici Italiani) eingetragen. Das Verzeichnis gliedert sich in drei Kategorien: Produzenten (landwirtschaftliche Betriebe), Aufbereiter sowie Importeure, die biologische Produkte aus Drittländern einführen.

Aufbereiter von Bioprodukten sind Unternehmen, die biologische Erzeugnisse verarbeiten, haltbar machen, verpacken, kennzeichnen oder vermarkten. Nachfolgend wird die Anzahl der biologisch wirtschaftenden Unternehmen in Südtirol im Jahr 2025 nach Art der Tätigkeit dargestellt.

Produzenten/Aufbereiter * Quelle: Landesverzeichnis der landwirtschaftlichen Betriebe (APIA)

Anzahl der Betriebe

Gesamt 1.974

Aufbereiter

1.490 Produzenten

Aufbereiter / Importeure

Vermarktung von Obst und Gemüse 80 Produktion von Getränken und Säften sowie Konzentraten 31

und Vermarktung von Fleisch und Fleischprodukten 32

von Milch und Milchprodukten 20 Aufbereitung

KONTROLL- UND ZERTIFIZIERUNGSSTELLEN FÜR DIE

BIO-BETRIEBE IN SÜDTIROL

Im Jahr 2025 waren in Südtirol 21 anerkannte Kontrollstellen im Biobereich tätig. Ihre Arbeit wurde vom Amt für Landmaschinen und biologische Produktion überwacht, das hierzu Betriebsüberprüfungen und Audits bei den Kontrollstellen durchführte.

Weitere Informationen, Bestimmungen und Gesuchsformulare finden Sie unter: www.provinz.bz.it/landwirtschaft/ E-Mail: biomeldung@provinz.bz.it biomeldung.notificabio@pec.prov.bz.it

LANDWIRTSCHAFT UND FÖRDERMASSNAHMEN

2.7 Bäuerliches Eigentum

Gemeinnutzungsgüter und Agrargemeinschaften

Die Gemeinnutzungsgüter im Eigentum der Fraktionen oder Gemeinden bestehen vorwiegend aus Wäldern, Weiden und Almen. Bei Gemeinnutzungsrechten handelt es sich vorwiegend um Weiderechte und Holzbezugsrechte. Nutzungsberechtigt sind die in der betreffenden Fraktion bzw. Gemeinde ansässigen Bürger.

Die Gemeinnutzungsgüter sind laut geltender Rechtsordnung unveräußerlich. Lediglich in Ausnahmefällen und nur für geringfügige Flächen ist, mit positivem Gutachten des Landesrates für Landwirtschaft, eine Veräußerung von Gemeinnutzungsgütern zulässig. Im Jahr 2025 wurden dafür 167 Gutachten ausgestellt. Agrargemeinschaften (Interessentschaften, Nachbarschaften) sind historisch gewachsene Privatgemeinschaften von öffentlichem Interesse. Auch diese bestehen vorwiegend aus Wäldern, Weiden und Almen. Grundveräußerungen, Teilungen und Übertragungen von Miteigentumsanteilen sowie andere Maßnahmen müssen genehmigt werden. Im Jahr 2025 wurden dafür 87 Genehmigungen ausgestellt.

↑ Öttenbacher Alm im Sarntal im Eigentum der „Interessentschaft Öttenbach und Glern“

Geschlossener Hof „Unterspinhof“ in der Gemeinde Graun im Vinschgau →

Geschlossener Hof

ÖRTLICHE HÖFEKOMMISSIONEN UND LANDESHÖFEKOMMISSION

Es gibt in Südtirol 136 örtliche Höfekommissionen, die gemäß Höfegesetz (Landesgesetz Nr. 17/2001) von der Landesregierung auf Vorschlag des jeweiligen Bezirks- bzw. Ortsbauernrates für die Dauer von 5 Jahren ernannt werden (derzeitiger Zeitraum 2024–2028) und aus einem Vorsitzenden und zwei Mitgliedern zusammengesetzt sind.

Im Jahr 2025 sind insgesamt 183 Bewilligungen der örtlichen Höfekommissionen überprüft worden. Insgesamt wurden 9 Hofschließungen (3 mit Hofstelle und 6 ohne Hofstelle) und 12 Hofauflösungen genehmigt. Es wurden 9 Genehmigungen für den Kauf eines geschlossenen Hofes erteilt.

Hofschließungen und Hofauflösungen im Jahresvergleich:

Hofauflösungen

Neubildung geschlossener Höfe mit Hofstelle

Neubildung geschlossener Höfe ohne Hofstelle

Die Landeshöfekommission, bestehend aus dem Vorsitzenden und 4 weiteren Mitgliedern wird von der Landesregierung für die Dauer von 5 Jahren ernannt. Im Jahr 2025 wurden 14 Beschwerden behandelt.

Erbhöfe

„Erbhof“ kann ein geschlossener Hof werden, der seit mindestens 200 Jahren innerhalb derselben Familie weitergegeben worden ist und vom Eigentümer selbst bewohnt und bewirtschaftet wird. Seit Bestehen des Landesgesetzes vom 26. April 1982, Nr. 10 bis zum Jahr 2025 sind insgesamt 1.636 Anträge um die Bezeichnung „Erbhof“ eingelangt, 15 davon im Jahr 2025. Insgesamt konnten 1.226 Anträge positiv erledigt werden, davon 9 im Jahr 2025

↑ Erbhofschild

Schlichtungen im Rahmen des staatlichen Pachtgesetzes

Aufgrund des landwirtschaftlichen Pachtgesetzes Nr. 203/82 muss bei Pachtstreitigkeiten zunächst ein außerordentlicher Schlichtungsversuch angestrebt werden, bevor man sich an das Gericht wenden darf. Dazu ist bei der Landesabteilung Landwirtschaft eine eigene Schlichtungskommission eingerichtet, die beim Amt für bäuerliches Eigentum angesiedelt ist. Diese Form der Konfliktlösung ist staatsweit vorgesehen und wird auch in Südtirol erfolgreich praktiziert.

Zweck dieser Schlichtungsverfahren ist es, im direkten Gespräch zwischen den Parteien und unter fachlichem Beistand der Sachverständigen eine Einigung zu erzielen und somit eine Gerichtsverhandlung zu vermeiden.

Wildschadensabkommen im Bereich Landwirtschaft

Das Landesgesetz über die Jagd vom 17.07.1987, Nr. 14, sieht vor, dass das Ausmaß der Wildschäden gemäß den Fristen und Modalitäten einer zwischen den Vertretern der Jagdreviere und den Vertretern der Grundeigentümer abgeschlossenen Vereinbarung festgelegt und entschädigt wird. Im Falle einer nicht zu Stande kommenden gütlichen Einigung wird von der Landesverwaltung ein Fachmann mit der Schätzung des Schadens beauftragt. Gegen diese Schätzung kann von einer Partei oder beiden Parteien ein Rekurs an die Wildschadensrekurskommission eingereicht werden. Der Vorsitzende dieser Kommission ist der Amtsdirektor für bäuerliches Eigentum und ihm stehen je ein Vertreter der Jäger und der Grundbesitzer zur Seite.

Förderungen des bäuerlichen Eigentums

NIEDERLASSUNG VON JUNGLANDWIRTEN

Die Förderung der Niederlassung von Junglandwirten ist eine der Maßnahmen des Nationalen GAP-Strategieplans 2023–2027

Die Förderung soll Junglandwirten den Neustart in der Landwirtschaft erleichtern und den Generationenwechsel vorantreiben.

Die Förderung beträgt – in Abhängigkeit von den Erschwernispunkten, die ein Betrieb vorweisen kann – zwischen 7.500,00 und 33.000,00 Euro. Zugelassen sind Junglandwirte mit beruflicher Befähigung, deren Tätigkeitsbeginn bei Gesuchabgabe nicht länger als ein Jahr zurückliegt (Eröffnung der Mehrwertsteuerposition in der Landwirtschaft).

Die Junglandwirte müssen bei Gesuchabgabe einen Betriebsplan vorlegen, in dem Maßnahmen betreffend Investitionen, Beratungen und Weiterbildungen in den zwei Jahren ab Gewährung des Beitrages angeführt werden.

Im Jahre 2025 wurden 214 Junglandwirten 4.875.000 Euro gewährt.

BERUFSMÄSSIGER LANDWIRTSCHAFTLICHER UNTERNEHMER Gebührenbegünstigungen oder andere Begünstigungen in der Landwirtschaft werden „berufsmäßigen landwirtschaftlichen Unternehmern“ und „Landwirtschaftlichen Gesellschaften“ gewährt, die die Voraussetzungen gemäß Legislativdekret vom 29.03.2004, Nr. 99, in geltender Fassung erfüllen.

Im Jahr 2025 sind insgesamt 31 neue Anträge auf Anerkennung der Qualifikation als „Berufsmäßiger landwirtschaftlicher Unternehmer“ bzw. „Landwirtschaftliche Gesellschaft“ eingereicht worden.

27 Anträge wurden positiv erledigt, 3 Anträge wurde abgelehnt, 2  Anträge wurden zurückgezogen.

Weitere Informationen, Bestimmungen und Gesuchsformulare finden Sie unter: https:/landwirtschaft.provinz.bz.it

E-Mail: baeuerliches.eigentum@provinz.bz.it – lweigentum.agriproprieta@pec.prov.bz.it

LANDWIRTSCHAFT UND FÖRDERMASSNAHMEN

2.8 Ländliches Bauwesen

Urlaub auf dem Bauernhof

Insgesamt wurden ab 2005 bis zum 31.12.2025 3.181 Urlaub auf dem Bauernhof-Betriebe wie folgt eingestuft:

Der Gesetzgeber sieht für Beherbergungsbetriebe, welche sich nach der ersten Einstufung qualitativ verbessert haben, die Möglichkeit einer erneuten Einstufung des Betriebes vor.

Das Dekret des Landeshauptmannes vom 27. August 1996, Nr. 32 i.g.F. regelt die Vermietung von Ferienwohnungen und Gästezimmern, sowie die Modalitäten für die Einstufung der landwirtschaftlichen Betriebe (mit Blumen), welche eine „Urlaub auf dem Bauernhof“-Tätigkeit im Sinne der entsprechenden Landesgesetzgebung gemäß Landesgesetz vom 19. September 2008, Nr. 7 i.g.F., ausüben.

Im Berichtsjahr wurden Beiträge für Investitionen im Bereich Urlaub auf dem Bauernhof in Höhe von insgesamt 2.565.680,00 Euro an 61 Betriebe gewährt.

Förderung der Bautätigkeit in der Landwirtschaft

MASSNAHMEN ZUGUNSTEN DER LANDWIRTSCHAFT

Im Jahr 2025 wurden im Sinne des Landesgesetzes vom 14. Dezember 1998, Nr. 11 i.g.F insgesamt 504 Beitragsgesuche eingereicht. Die von landwirtschaftlichen Betrieben eingereichten Gesuche betreffen in erster Linie Wohnhäuser, Ställe, Futterbergeräume, Maschinen- und Geräteabstellräume, Feldwege, sowie Beregnungsanlagen.

Vergleich Anzahl eingereichter und finanzierter Gesuche der letzten Jahre

↑ Garten
↑ Frühstückskorb

VERTEILUNG DER GELDMITTEL NACH VORHABEN UND BEZIRKEN IM JAHR 2025 (L.G. 11/1998 I.G.F, L.G. 7/2008 I.G.F.)

Anzahl der genehmigten Beiträge laut Vorhaben und Bezirk mit Gesamtbetrag in Millionen Euro je Bezirk:

Bezirke

Vorhaben

ENTWICKLUNGSPROGRAMM FÜR DEN LÄNDLICHEN

RAUM 2014–2020 DER AUTONOMEN PROVINZ BOZEN

VERORDNUNG (EU) NR. 1305/2013

Die Untermaßnahme 4.1 „Unterstützung für Investitionen in landwirtschaftliche Betriebe“ sieht die ausschließliche Förderung von Investitionen bei Viehhaltungsbetrieben mit vorwiegender Milchproduktion vor. Im Jahr 2025 wurden weitere Liquidierungen der vorher gewährten Beiträge vorgenommen. Es wurden 3 Gesuche über die „TOP-UP Mittel“ mit einem Betrag von 449.895,00 Euro, 6 Gesuche über die „COF-Finanzierung“ mit einem Betrag von 1.850.485,00 Euro und 9 Gesuche über die „EURI-Mittel“ mit einem Betrag von 1.566.430,00 Euro liquidiert. Die Programmperiode endete am 31.12.2025, weshalb alle Beiträge bis zu diesem Datum vollständig ausbezahlt werden mussten.

NATIONALER GAP – STRATEGIEPLAN 2023–2027

Die Intervention SRD01 „Investitionen in Produktionsanlagen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit landwirtschaftlicher Betriebe“ fördert die Verbesserung der Bedingungen der Haltung von Rindern für die Milch- und Fleischproduktion in den Berggebieten und hat zum Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe zu steigern und deren Rentabilität zu vergrößern, bei gleichzeitiger Verbesserung ihrer ökologischen Klimaleistung.

Die Intervention verfügt über ein Budget von 11.413.618,60 Euro an öffentlichen Ausgaben (Kofinanzierung). Es wurden insgesamt 27 Beiträge in einer Höhe von 10.524.585,00 Euro gewährt. Im Jahr 2025 wurden 889.033,60 Euro vom Gesamtbudget auf die Intervention SRD13 umgebucht. Im Jahr 2025 wurden insgesamt 10 Vorschüsse in Höhe von 1.736.542,00 Euro und 3 Liquidierungen in Höhe von 1.175.980,00 Euro ausbezahlt.

KONSORTIEN

Im Jahr 2025 wurden den Bonifizierungskonsortien Verlustbeiträge für Investitionen in Höhe von 4.905.070,00 Euro für die Finanzjahre 2025, 2026 und 2027 und den Bodenverbesserungskonsortien Verlustbeiträge in Höhe von 5.727.219,00 Euro für die Finanzjahre 2025, 2026 und 2027 gewährt.

↑ Bewässerungssystem

BEITRÄGE AN BONIFIZIERUNGSKONSORTIEN

Der Artikel 31, Absatz 5 des LG. Nr. 5 vom 28. September 2009 i.g.F. sieht die Gewährung von Beihilfen für die ordentliche Instandhaltung und den Betrieb der Bonifizierungsbauten von Landesinteresse vor. Es wurden Beiträge für die ordentliche Instandhaltung und den Betrieb der Bonifizierungsbauten von Landesinteresse, sowie Beiträge an die Bonifizierungskonsortien für Betriebsspesen in Höhe von 1.323.295,31Euro gewährt. Im Berichtsjahr wurden vier Gesuche eingereicht.

Außerdem wurden dem Landesverband für Bonifizierungs-, Bewässerungs- und Bodenverbesserungskonsortien Beiträge für die Durchführung von Aufgaben im Zusammenhang mit der Überwachung der Wasserressourcen zu Gunsten des Landes in Höhe von 124.000,00 Euro gewährt.

↑ Instandhaltung eines Entwässerungsgrabens

BONIFIZIERUNGS- UND BODENVERBESSERUNGSKONSORTIEN

In die Zuständigkeit des Amtes für ländliches Bauwesen fällt die Aufsicht über die Bonifizierungs- und Bodenverbesserungskonsortien. Im Rahmen dieser Zuständigkeit hat das Amt im Jahr 2025 die Bilanzen der Bonifizierungskonsortien Südtirols und des Landesverbandes der Bonifizierungs- Bewässerungs- und Bodenverbesserungskonsortien überprüft. Es wurden weiters Änderungen des Liegenschaftseigentums der Bonifizierungskonsortien genehmigt.

Im Jahr 2025 wurden vier Konsortien erweitert bzw. deren Einzugsgebiet neu abgegrenzt. Derzeit existieren in der Autonomen Provinz Bozen 283 Bodenverbesserungskonsortien, fünf Bonifizierungskonsortien und ein Bonifizierungskonsortium II. Grades. Es wurde weiters zwei Dekrete des Amtsdirektors zur teilweisen Aufhebung der 20-jährigen Unteilbarkeit im Rahmen der Grundzusammenlegungen und Richtigstellungspläne erlassen.

Weitere Informationen, Bestimmungen und Gesuchsformulare finden Sie unter: www.provinz.bz.it/landwirtschaft/ E-mail: laendliches.bauwesen@provinz.bz.it lwbauwesen.agriedilizia@pec.prov.bz.it

2.9 Landmaschinen

Maschinenpark in Südtirol

Im Jahr 2025 wurden 310 neue Traktoren, 318 neue Anhänger und 15 neue selbstfahrende und 250 gezogene Arbeitsmaschinen für den Straßenverkehr zugelassen. Es wurden 36 Maschinen abgemeldet, 2932 Duplikate ausgestellt (inkl. Umschreibungen), 46 Wiederzulassungen sowie 558 Wiederholungskennzeichen angefordert. Die Antragsteller haben sich auch an die Autoagenturen gewandt, die weitere 374 Traktorkennzeichen, 36 Anhängerkennzeichen und 15 Kennzeichen für selbstfahrende Arbeitsmaschinen vergaben, sodass im Jahr 2025 insgesamt 684 Traktorkennzeichen für neue Traktoren, vergeben wurden.

↑ Traktor mit Güllefass LANDWIRTSCHAFT UND

Detaillierte Infos zum Maschinenpark in Südtirol, zum Ankauf neuer Traktoren sowie zur durchschnittlichen PS-Leistung der Traktoren siehe: https://landwirtschaft.provinz.bz.it/de/landmaschinen

Beihilfen für den Ankauf von landwirtschaftlichen Maschinen und Zuteilung von verbilligtem Treibstoff

BEIHILFEANTRÄGE

Vom 01.01.2025 bis einschließlich 31.03.2025 konnten Anträge um Beihilfe für den Ankauf von landwirtschaftlichen Maschinen und Geräten eingereicht werden. In diesen drei Monaten gingen 1053 Beihilfeanträge für den Ankauf von insgesamt 1240 Maschinen und Geräten ein. Zur Förderung zugelassen wurden 990 Anträge mit einer anerkannten Ausgabe von 32.820.657,00 Euro und einer Beitragssumme von 8.770.830,00 Euro, wobei damit vor Allem der Ankauf von Mähmaschinen, Heuschiebern und zweiachsigen Mähgeräten im Bereich der Außenmechanisierung, sowie von Güllemixer, Heukränen und Heubelüftern im Bereich der Innenmechanisierung unterstützt wurde.

FÖRDERUNG IM RAHMEN DES STAATLICHEN AUFBAU- UND RESILIENZ-PLANS (PNRR) Im Jahr 2025 wurden die Anträge um Auszahlung der Beihilfen im Rahmen des PNRR, Mission 2, Komponente 1, Investition 2.3 „Innovation und Mechanisierung im Landwirtschafts- und Lebensmittelsektor“ bearbeitet. 736 Auszahlungsanträge wurden eingereicht und genehmigt. Die gewährte Beitragssumme beläuft sich auf 14.928.892,72 Euro.

VERBILLIGTER TREIB- UND BRENNSTOFF Im Jahre 2025 wurde 11.644 landwirtschaftlichen Betrieben insgesamt 30.273.797 Liter Diesel und 389.271 Liter Benzin zugewiesen. Weitere Informationen, Bestimmungen und Gesuchsformulare finden Sie unter: www.provinz.bz.it/landwirtschaft/ E-Mail: lamagr.bio@provinz.bz.it lamagr.bio@pec.prov.bz.it

2.10 Allgemeine Dienste

Land- und forstwirtschaftliches Informationssystem (LAFIS) und Führung des Landesverzeichnisses der landwirtschaftlichen Unternehmen

Das land- und forstwirtschaftliche Informationssystem (LAFIS) bildet die informationstechnische Grundlage für die Führung des Landesverzeichnisses der landwirtschaftlichen Unternehmen.

Im Landesverzeichnis werden alle landwirtschaftlichen Unternehmen verwaltet, die ihren Sitz in der Autonomen Provinz Bozen – Südtirol haben, bzw. landwirtschaftliche Flächen in der Provinz bewirtschaften. Die Informationen im Landesverzeichnis bilden die Grundlage für die Auszahlung sämtlicher EU-, Staats- und Landesbeihilfen, sowie für sämtliche andere Beziehungen zwischen dem landwirtschaftlichen Unternehmen und der Landesverwaltung. Zudem werden die entsprechenden Datensätze den öffentlichen Verwaltungen, der Landeszahlstelle, den Gemeinden sowie Organisationen im Bereich der Landwirtschaft (Berufsorganisationen, Beratungsorganisationen, Erzeugergemeinschaften, usw.) zur Verfügung gestellt. Alle im Landesverzeichnis geführten Daten, die von Relevanz für den Betriebsbogen (Fascicolo aziendale) sind, werden laufend in das nationale landwirtschaftliche Informationssystem (SIAN) synchronisiert.

Das Landesverzeichnis enthält u.a. folgende Informationen:

– meldeamtliche und anagrafische Daten der landwirtschaftlichen Unternehmen;

Gesamtbestand und Ausmaß der bewirtschafteten Flächen, Rechtstitel für die Bewirtschaftung und Katasterdaten, sowie

• Detaildaten der Apfelanbauflächen

• Detaildaten der Weinbauflächen

• Detaildaten zu den Kategorien für die Landschaftspflegeprämie

– Erschwernispunkte

– Viehbestand und Viehbesatz

– Almweidetage und Alpungsbesatz

– Berechnete Futterflächen

– Verzeichnis landwirtschaftlicher Maschinen

Mit Stand 31.12.2025 werden im Landesverzeichnis 28.787 Betriebe mit land- und forstwirtschaftlichen Nutzflächen bzw. Viehbestand geführt. Im Laufe des Jahres 2025 wurden bei 13.266 Unternehmen Änderungen vorgenommen (Flächenänderungen, Rechtstiteländerungen, Änderungen aufgrund neuer Orthofotos usw.).

Weitere Informationen, Bestimmungen und Gesuchsformulare finden Sie unter: www.provinz.bz.it/landwirtschaft/ E-Mail: lafis.apia@provinz.bz.it – lafis.apia@pec.prov.bz.it

Weitere Maßnahmen in der Landwirtschaft

FÖRDERUNG DES WISSENSAUSTAUSCH UND DER INFORMATIONSMASSNAHMEN, SOWIE DER BERATUNGSDIENSTE IN DER LANDWIRTSCHAFT

Im Jahr 2025 haben die landwirtschaftlichen Verbände und Organisationen für Wissensaustausch und Informationsmaßnahmen (Tagungen, Seminare, Vorträge, Lehrfahrten, Ausbildungskurse, Workshops), sowie für Beratungsleistungen für landwirtschaftliche Betriebe Beiträge von 4.544.460,00 Euro erhalten.

FÖRDERUNG VON WIEDERHERSTELLUNGSARBEITEN UND AUSGLEICHSZAHLUNGEN AUFGRUND VON UNWETTERSCHÄDEN

2025 war ein Jahr mit vergleichsweise wenigen gemeldeten Unwetterschäden aufgrund von Vermurungen, Erdrutschen, Mauerabbrüchen und Überschwemmungen. Es wurden 135 Beihilfegesuche bearbeitet. Die finanzielle Unterstützung belief sich auf 1.312.269,00 Euro.

Weitere Informationen, Bestimmungen und Gesuchsformulare finden Sie unter: www.provinz.bz.it/landwirtschaft/ E-Mail: lamagr.bio@provinz.bz.it lamagr.bio@pec.prov.bz.it

Schlichtungsversuche

im

Sinne

des „Höfegesetzes“

Abbruch Wiesenweg in steilem Geländev ↑ Wiederherstellung Wiesenweg ↑

Wer vor Gericht eine Klage hinsichtlich des Ausgedinges, der Nachtragserbteilung, der Pflichtteilsergänzung oder der Erbteilung in Fällen, bei denen ein geschlossener Hof einen Teil der Erbmasse bildet erheben will, oder eine Klage auf Ersitzung des Eigentumsrechtes an einem Teil eines geschlossenen Hofes anstrengt, oder die Bestimmung des Hofübernehmers / der Hofübernehmerin und die Festsetzung des Hofübernahmepreises betreffen, ist verpflichtet, einen Schlichtungsversuch bei der Abteilung Landwirtschaft vorzunehmen. Im Jahr 2025 sind 15 Anträge für die Abhaltung eines Schlichtungsversuches eingereicht worden.

LANDWIRTSCHAFT UND FÖRDERMASSNAHMEN

2.11 Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum

Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum (ELR) 2014–2022 der Autonomen Provinz Bozen Verordnung (EU) Nr. 1305/2013 vom 17. Dezember 2013

GENEHMIGUNG DES ELR VON SEITEN DER EU

Das Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum 2014–2020 der Autonomen Provinz Bozen Nr. 2014IT06RDRP002 ist von der Kommission der Europäischen Union mit Entscheidung Nr. C(2015) 3528 vom 26.05.2015, abgeändert mit Entscheidung Nr. C(2022) 5586 vom 27.07.2022 und von der Landesregierung mit Beschluss Nr. 727 vom 16.06.2015, zuletzt abgeändert mit Beschluss Nr.13263 vom 03.08.2022, genehmigt worden.

Mit dem 31.12.2025 ist das Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum 2014–2022 der Autonomen Provinz Bozen abgeschlossen worden.

Vorgesehene Maßnahmen 2014 – 2022

Maßnahme Name der Maßnahne Öffentlicher Beitrag €

Maßnahme 1 Wissenstransfer und Informationsmaßnahmen 1.800.000,00

Maßnahme 4 Investitionen in materielle Vermögenswerte 54.351.942,48

Maßnahme 6 Existenzgründungsbeihilfe für Junglandwirte (ex Erstniederlassungsprämie) 35.220.896,00

Maßnahme 7 Basisdienstleistungen und Dorferneuerung in ländlichen Gebieten 17.779.104,00

Maßnahme 8 Investitionen in die Entwicklung von Waldgebieten und Verbesserung der Lebensfähigkeit von Wäldern 24.709.139,62

Maßnahme 10 Agrarumweltmaßnahmen 137.450.000,00

Maßnahme 11 Ökologisch / biologischer Landbau 12.550.000,00

Maßnahme 13 Ausgleichszulage 156.000.000,00

Maßnahme 16 Zusammenarbeit 2.000.000,00

Maßnahme 19 Unterstüzung für die lokale Entwicklung LEADER 26.135.061,35

Maßnahme 20 Technische Hilfe 2.000.000,00 Summe 469.996.143,45

Die Informationsbroschüre des Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum 2014–2020 ist in der aktuellen Version auf der Homepage der Abteilung Landwirtschaft (http://www.provinz.bz.it/landwirtschaft/service/publikationen.asp) veröffentlicht.

SITZUNG DES BEGLEITAUSSCHUSSES

Am 15. Mai 2025 wurde in Bozen die elfte jährliche Sitzung des Begleitausschusses abgehalten. Behandelte Themen im Rahmen des Begleitausschusses:

– Vorstellung des jährlichen Durchführungsberichts 2024 – Fortschritt des ELR 2014–2022 (Geldmittel QFI, EURI und Top-up) bis zum März 2025 – Überprüfung der automatischen Aufhebung n+3 und Schätzung des Abschlusses des ELR 2014–2022 – Bericht des unabhängigen Bewerters – Vorstellung der Kommunikationsaktivitäten – Informationen über die Fehlerquote

Zusammenfassung der Liquidierungen am 31. Dezember 2025

Maßnahme

Maßnahme 01

Gesamt öffentlicher Beitrag (Euro)

Gesamt öffentlicher Beitrag (Euro) – Jahr 2015

Gesamt öffentlicher Beitrag (Euro) – Jahr 2024

Gesamt öffentlicher Beitrag (Euro) – Jahr 2025 % der finanziellen Verwirklichung des LEP (öffentlicher Beitrag 2015 + 2016 + 2017 + 2018 + 2019 + 2020 + 2021 + 2022 + 2023 + 2024 + 2025)

Gesamt öffentlicher Beitrag (Euro) (Quote EU 2015 + 2016 + 2017 + 2018 + 2019 + 2020 + 2021 + 2022 + 2023 + 2024 + 2025)

Maßnahme Quote EU (Euro) Quote EU Jahr 2025 (Euro) % der finanziellen Verwirklichung des LEP (Quote

2022+2023+2024+2025) Gesamt öffentlicher Beitrag (Euro) (Quote EU) – 2015+2016+2017+ 2018+2019+2020+2021+2022+ 2023+2024+2025

2.12 Nationaler GAP-Strategieplan

2023–2027

Verordnung (EU) Nr. 2021/2115 des Europäischen Parlaments und des Rates

vom 2. Dezember 2021

Der nationale GAP-Strategieplan 2023–2027 wurde von der Europäischen Kommission mit Entscheidung Nr. C(2022) 8645 final vom 2. Dezember 2022 genehmigt und ist zuletzt mit Entscheidung Nr. C(2026) 745 final vom 11. Februar 2026 abgeändert worden.

Die Verordnung (EU) Nr. 2021/2115 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 2. Dezember 2021 enthält Vorschriften für die Unterstützung der von den Mitgliedstaaten im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik zu erstellenden und durch den Europäischen Garantiefonds für die Landwirtschaft (EGFL) und den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) zu finanzierenden Strategiepläne (GAP-Strategiepläne) und zur Aufhebung der Verordnung (EU) Nr. 1305/2013 sowie der Verordnung (EU) Nr. 1307/2013.

Die Verordnung (EU) Nr. 2021/2116 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 2. Dezember 2021 regelt die Finanzierung, Verwaltung und Überwachung der Gemeinsamen Agrarpolitik und zur Aufhebung der Verordnung (EU) Nr. 1306/2013.

Die Landesregierung hat mit Beschluss Nr. 959 vom 13.12.2022, die Einsetzung des regionalen Begleitausschusses zur Umsetzung der regionalen Elemente der Autonomen Provinz Bozen – Südtirol des nationalen GAP-Strategieplanes 2023–2027 laut Verordnung (EU) Nr. 2021/2115, genehmigt.

Das Umsetzungsdokument für die ländliche Entwicklung des GAP-Strategieplans 2023–2027 der autonomen Provinz Bozen – Südtirol (im folgenden Umsetzungsdokument) wurde von der Landesregierung mit Beschluss vom 31. Jänner 2023, Nr. 100 genehmigt. Die letzte Abänderung wurde mit Dekret des Direktors der Abteilung Landwirtschaft vom 16. April 2026, Nr. 6203 genehmigt.

SITZUNG DES BEGLEITAUSSCHUSSES

Die dritte Sitzung des Regionalen Begleitausschusses für die Umsetzung der regionalen Elemente der Autonomen Provinz Bozen fand am 15. Mai 2025 statt.

Behandelte Themen im Rahmen des Begleitausschusses:

– Bericht über den Stand der Umsetzung der auf lokaler Ebene aktivierten Maßnahmen im Rahmen des Nationalen Strategieplans der GAP (PSP) 2023–2027;

– Bewertung des Erreichungsgrades der jährlichen Leistungsziele;

– Bericht über die Umsetzung von AKIS;

– Vorstellung des Kommunikationsplans 2023–2027 der Autonomen Provinz Bozen sowie der der Kommunikationsaktivitäten.

Gesamt Öffentilicher Beitrag – 31.12.2025 Kofinanziert

Intervention

SRA08

Beschreibung

SRA08 – Bewirtschaftung von Dauergrünland und Weiden

SRA09 SRA09 – Bewirtschaftung von Natura2000 -Lebensräumen

SRA14

Flächenprämien (SIGC)

SRA29

SRA14 – Tierzüchter als Bewahrer der Agrobiodiversität

Zahlung für die Einführung und Beibehaltung ökologischer Produktionsverfahren und -methoden

SRB01 Unterstützung von Berggebieten mit naturbedingten Nachteilen

SRD01

SRD04

Investitionen in Produktionsanlagen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit landwirtschaftlicher Betriebe

Nicht-produktive Investitionen in der Landwirtschaft mit ökologischer Zielsetzung

SRD11 Nicht-produktive Investitionen in der Forstwirtschaft

SRD12

StrukturInterventionen (Non SIGC)

SRD13

SRD15

Investitionen zur Verhütung und Wiederherstellung von Waldschäden

Investitionen für die Verarbeitung und Vermarktung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen

Produktive Investitionen in der Forstwirtschaft

SRE01 Siedlung von Junglandwirten

SRG01

Unterstützung der operationellen Gruppen im Rahmen der EIP-AGRI

SRG05 LEADER

Vorbereitungsunterstützung – Unterstützung bei der Ausarbeitung von lokalen Entwicklungsstrategien (LES)

SRG06 LEADER – Umsetzung lokaler Entwicklungsstrategien

Technische Hilfe

Gesamt öffentlicher Beitrag (Euro), genehmigt mit Änderungsantrag Nr. 5

Gesamt öffentlicher Beitrag (Euro) – 31.12.2025

der finanziellen Verwirklichung 2025

3. Forst-, Alm- und Bergwirtschaft

Der Wald bedeckt in Südtirol knapp über die Hälfte der Landesfläche – rund 58 % davon ist Bergwald mit direkter Schutzfunktion d.h. er schützt den Boden vor Erosion und die Siedlungen und Infrastrukturen vor Lawinen, Steinschlag und Muren. Nur ein gesunder, ökologisch stabiler Bergwald kann diese Schutzaufgaben gut erfüllen; Überalterung, mangelnde Verjüngung, zu hoher Wilddruck beeinträchtigen seine Schutz- und Wohlfahrtswirkungen.

Auch die Almen haben in Südtirol aus ökologischer und landeskultureller Sicht eine hohe Bedeutung. Diese einmaligen Kulturlandschaften mit hoher Biodiversität sind heute auch als Natur- und Freizeitraum für die Gesellschaft von unschätzbarem Wert. In der Almnutzung gilt es, die ökologischen Erfordernisse dieser sensiblen Zonen und auch die fragile Stabilität der alpinen Landschaft zu berücksichtigen.

Die Landesabteilung Forstdienst nimmt als Forst-, Jagd- und Fischereibehörde auf über 90 % der Fläche Südtirols behördliche Aufgaben für das Wald- und Wildtiermanagement wahr. Der Forstbetrieb der Agentur Landesdomäne hingegen ist verantwortlich für alle betrieblichen Aufgaben in den Wäldern und auf den Berggebiets- undLandwirtschaftsflächen im Eigentum des Landes – diese umfassen rund 10 % der Landesfläche. Die Abteilung Forstdienst sorgt für einenachhaltige und ausgewogene Behandlung und Erhaltung der Wälder, Weiden, Almen und der Gewässer. Interessenkonflikte der verschiedenen Nutzergruppen und der Eigentümer sollen durch qualifizierte fachliche Betreuung ausgeglichen und minimiert werden. Durch engen Kontakt mit der Bevölkerung und durch flächendeckende Aufsicht in der „natürlichen Landschaft“ können viele Vergehen vermieden und der Schutz und die Erhaltung dieser Lebensräume garantiert werden.

Die vielfältigen Wald- und Almlandschaften zusammen – hervorgegangen aus jahrzehntelanger naturnaher und nachhaltiger Bewirtschaftung- verleihen Südtirol, zusammen mit den Bergmassiven, seine Einzigartigkeit. Noch bedeutsamer für die Südtiroler Bevölkerung ist die Rolle des Waldes und der intakten Almflächen für die Lebensraumsicherung unserer Bergregion. Der Stellenwert dieser Schutzwirkungen kann nicht hoch genug eingestuft werden, zumal gerade die Starkniederschlags-, Sturm- und Schneedruckereignisse in den letzten Jahren die Sensibilität und Anfälligkeit unseres alpinen Lebensraumes deutlich aufgezeigt haben.

Auf einen Blick

FORST-, ALM- UND BERGWIRTSCHAFT

7

Kirche

Interessentschaften 2

Körperschaften

SÜDTIROLS WALDSCHÄDEN: 2025

Abiotische Schäden < 1 %

Biotische Schäden, letal < 1 %

Abiotische Schäden, nicht letal

PRIVATE UND ÖFFENTLICHE

PROJEKTBETREIBER

GARANTIEREN UMSETZUNG:

FÖRDERMASSNAHMEN

FÜR DIE BERGWIRTSCHAFT

Beitrag in Euro < 1 %

Die Instandhaltung und Erneuerung von ländlichen Infrastrukturen ist Grundvoraussetzung für das aktive Wirtschaften der Bergbauern. Im Jahr 2025 verteilen sich die finanzierten Projekte im Bereich Bergwirtschaft wie folgt:

Ländliches Wegenetz – private Hofzufahrten

Almwirtschaft (Gesuche 2024+2025)

Forstwegebau (Gesuche 2024+2025)

Private Trink- und Löschwasserleitungen

Anzahl Projekte

3.1 Wald

Südtirol ist ein ausgeprägt gebirgiges Land; dies zeigt sich daran, dass 40 % der Landesfläche über 2.000 m ü. d. M. liegen. In Übereinstimmung mit dem Forstgesetz, das Böden und Grundstücke jeglicher Art und Zweckbestimmung schützt, unterliegen über 90 % der Landesfläche einer forstlich-hydro-geologischen Nutzungsbeschränkung.

Diese Nutzungsbeschränkung hat das Ziel, die Bodenstabilität zu erhalten und einen geordneten Wasserabfluss sicherzustellen, um besonders gefährdete Gebiete zu schützen. Gleichzeitig fördert sie eine umsichtige Bewirtschaftung von Wäldern, Wiesen und Bergweiden, unterstützt deren Pflege und Verbesserung sowie die Erhaltung der Ökosysteme und der sie bewohnenden Tier- und Pflanzenwelt. All dies trägt dazu bei, die Natur und die Landschaft Südtirols zu schützen. Von dieser forstlichen Nutzungsbeschränkung sind nur Ortschaften, Verkehrswege und Intensivkulturen ausgenommen.

Laut den offiziellen Ergebnissen der dritten landesweiten Forstinventur (INFC 2015 – Inventario Nazionale delle Foreste e dei serbatoi forestali di Carbonio) stocken in Südtirol 339.270 Hektar Wald und 36.081 Hektar „andere bewaldete Flächen“.

Wald Andere bewaldete Flächen Insgesamt Bewaldungsprozent ha ha ha %

In der Nationale Forstinventur wird als Wald jede mit Bäumen bestockte Fläche eingestuft, die größer als 5.000 m², breiter als 20 m, höher als 5 m und einen Überschirmungsgrad von über 10 % aufweist.

Dem Wald werden auch jene temporären Freiflächen zugerechnet, die beispielsweise durch forstliche Nutzungen oder Naturereignisse entstanden sind und bei denen eine Wiederbewaldung entweder durch natürliche Verjüngung oder durch Aufforstung erfolgt.

Andere bewaldete Flächen sind mit Bäumen bestockte Flächen, die größer als 5.000 m² und breiter als 20 m sind, deren Vegetation im Durchschnitt zwischen 2 und 5 m hoch ist und einen Überschirmungsgrad von mehr als 10 % aufweist (z. B. hochgelegene Strauchformationen wie Latschenfelder), oder alternativ Flächen mit Bäumen über 5 m Höhe und einem Überschirmungsgrad zwischen 5 % und 10 % (die sogenannten „lichten Wälder“).

Für die Analyse der Eigentumsverhältnisse sowie der Baumartenzusammensetzung wird auf die Auswertungen der verwaltungsinternen Datenbank zurückgegriffen, welche folgendes Bild ergibt:

Eigentumsverhältnisse

2% — Kirche

2% — Landesforst

7% — Interessen tschaften

52 % Einzelprivate

9% — Mitbesitze

28 % Öffentliche Körperschaften

28% — Öffentlich e Körperschaften

9 % Mitbesitze

52% — Einzelprivate

7 % Interessentschaften

2 % Landesforst

2 % Kirche

Baumartenzusammensetzung

2% — Laubhölzer

3% — Tanne

6% — Zirbe

60 % Fichte

10% — Weisskiefer

19 % Lärche

19% — Lärche

10 % Weisskiefer

60% — Fichte

6 % Zirbe

3 % Tanne

2 % Laubhölzer

SCHUTZWALD

In einem Berggebiet wie Südtirol ist die Schutzfunktion des Waldes für jegliche menschliche Tätigkeit von grundlegender Bedeutung. Mit Bezug auf die Wirkungen des Waldes gegen Sturzprozesse, Lawinen und Wildbachprozesse, sind 58 % von Südtirols Waldbeständen (rund 197.000 ha) als Wald mit direkter Schutzfunktion – Standortsschutzwald, einzustufen. Bezieht man die Schutzwirkung des Waldes auf jene Waldbestände, welche Siedlungen, Verkehrswege und sonstige Infrastrukturen direkt vor den Naturgefahrprozessen wie Sturz (Steinschlag), Lawine oder Murgang schützen, sind 24 % der Südtiroler Waldfläche als Objektschutzwald einzustufen.

FORST-, ALM- UND BERGWIRTSCHAFT

Eckdaten zu Südtirols Wald

Waldfläche.

339.270 ha

Vorrat

Vfm * Vfm/ha *

116.443.137 343,2 Zuwachs pro Jahr

Vfm * Vfm/ha *

2.000.689 5,9

Totholz

Vfm Vfm/ha

8.494.151 25 Hiebsatz (Jahr 2025)

Vfm **

863.870

Vfm = Vorratsfestmeter

*Angaben beziehen sich auf >= 4,5 cm Brusthöhendurchmesser **Angaben beziehen sich auf >= 17,5 cm Brusthöhendurchmesser

Datenquelle: MIPAAF/CRA-ISAFA Nationale Forstinventur und Inventur der forstlichen Kohlenstoffsenken [INFC 2015], Auszug aus forstlicher Landesdatenbank 2025 (Forest.Management@provinz.bz.it).

Weitere Daten zu Südtirols Wald unter: http://www.provinz.bz.it/forst

3.2 Alm- und Bergwirtschaft

In Südtirol gibt es ca. 1.700 Almen. Gut zwei Drittel davon sind im Privatbesitz, 20 % sind Interessentschaftsalmen oder Almen im Miteigentum. Weitere 8 % sind im Eigentum einer Gemeinde oder einer Eigenverwaltung B.N.R. und ein kleiner Anteil entfällt auf die Forstdomäne, Kirche oder andere.

Im vergangenen Jahr waren 1.522 Südtiroler Almen mit Weidetieren bestoßen. Auf den sehr zahlreichen kleineren Almen mit bis zu 20 Großvieheinheiten werden insgesamt nur ca. 18 % des landesweit gealpten Viehbestandes gesömmert. Die größten Almen in Südtirol bieten Weide für mehrere hundert Großvieheinheiten (GVE). Auf 22 Almen in Südtirol wurden im Vorjahr mehr als 200 GVE aufgetrieben (Stichdatum 31.07.2025).

Bewirtschaftete Almen sind reich an attraktiven Lebensräumen und Artenvielfalt →

* GVE = Großvieheinheit

*gealpt >30 Weidetage ** mind. 1 Weidetag *** mind. 1 Weidetag

Im Jahr 2025 wurden 65 Südtiroler Almen mit Milchverarbeitung vom Sennereiverband betreut. Die meisten Milchviehalmen befinden sich im Vinschgau und in den Pfunderer Bergen. Die Anzahl der gemolkenen Kühe bleibt seit rund 20 Jahren konstant bei ca. 2.300. Außerdem werden mittlerweile rund 400 Milchziegen aufgetrieben und gemolken. Aus den 2,5 Millionen Liter Milch werden ca. 250 Tonnen Almprodukte gewonnen. Auf der größten Südtiroler Milchviehalm, der Mitteralm in Taufers im Münstertal, wurden im Vorjahr 94 Kühe gesömmert.

Auf rund 30 % der Südtiroler Almen (454 Almen) wurden Schafe oder Ziegen gealpt, in den meisten Fällen werden kleinere Schaf- und Ziegenherden aufgetrieben. Landesweit gab es im Vorjahr 105 Almbetriebe mit mehr als 15 aufgetriebenen Großvieheinheiten an Schafen und Ziegen.

*0,4 GVE pro Rind <0,5 Jahre

*0,6 GVE pro Rind 0,5-2 Jahre

*1 GVE pro Rind >2 Jahre

**0,15 GVE pro Ziege >1 Jahr

***0,15 GVE pro Schaf >1 Jahr

Stichdatum: 31.07.2025

In den vergangenen 10 Jahren sind für Projekte im Bereich Almwirtschaft jährlich durchschnittlich etwa 2.000.000 Euro an öffentlichen Beiträgen ausgeschüttet worden. Im Jahr 2025 wurden insgesamt 32 neue Beitragsgesuche im Bereich der Almwirtschaft angenommen und finanziert (Beitragssumme = 1.774.932 Euro).

↑ Die meisten Almweiden in Südtirol sind typische Galtviehweiden

HERDENSCHUTZ

Beim Schutz des Almviehs vor dem Großraubwild stehen viele Almbetreiber vor schier unlösbaren Aufgaben. Die Liste der Probleme in diesem Zusammenhang ist lang: Vielfach fehlt es an Hirten samt Hütehunden, und auch die für Schafhirten notwendigen Hirtenunterkünfte sind mancherorts in schlechtem Zustand oder fehlen ganz. Zudem müssten langjährige Praktiken aufgegeben werden, und der Sorge um die Tiergesundheit kommt eine neue und schlagende Rolle zu. Schließlich ist ein geführter Weidegang von

Kleinviehherden auf sehr vielen Almen in Südtirol nur schwer oder gar nicht umsetzbar. Auf landesweit drei Almen kamen im Sommer 2025 Herdenschutzhunde zum Einsatz.

Im Jahr 2025 wurden 11 neue Beitragsgesuche für die Errichtung von Herdenschutzzäunen auf Almen eingereicht. Der Standardpreis für den Ankauf, den Transport und die Errichtung des Herdenschutzzaunes wurde auf 8,00 Euro pro Laufmeter belassen.

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3.3 Waldbewirtschaftung

Holznutzungen

In Südtirol dürfen Bäume nur gefällt oder aus dem Wald entnommen werden, nachdem sie zuvor vom Forstpersonal mittels sogenanntem „Forsthammer“ gekennzeichnet wurden. Die Auswahl der zu fällenden Bäume erfolgt unter Berücksichtigung der natürlichen Verjüngungsfähigkeit des Waldes sowie mit dem Ziel, die Stabilität, Resilienz und Widerstandsfähigkeit der Waldbestände zu gewährleisten.

Die Holzauszeige ermöglicht den regelmäßigen, direkten Kontakt mit den Waldeigentümern und gewährleistet deren fachliche Beratung sowie eine optimale Betreuung der Wälder. Bei jeder Holzauszeige wird ein Auszeigeprotokoll mit den wichtigsten Eckdaten sowie die Vorschriften der Nutzungsbewilligung erstellt. Im Rahmen der regulären Holzauszeige legt der Waldeigentümer gemeinsam mit der zuständigen Forstbehörde das zur Entnahme vorgesehene Holz fest. Im Falle von Schadereignissen (Windwurf, Schneebruch, Borkenkäferbefall) verliert der Waldbesitzer jedoch diese Möglichkeit und muss die Nutzung ausschließlich auf die geschädigten Bäume beschränken. Das aus dem Wald entnommene Holz ist zu quantifizieren, zu klassifizieren und zu registrieren, um die landesweite Datenbank zu aktualisieren. Diese Vorgehensweise verbessert die Planungsgrundlagen, dient als Basis für forstliche Fördermaßnahmen, ermöglicht umfassende statistische Auswertungen und unterstützt eine verantwortungsvolle Waldbewirtschaftung.

Entwicklung der Holzauszeigen 2016–2025

Gesamtnutzungen (Vfm) Hiebsatz (Vfm)

Vfm = Vorratsfestmeter

*Auszug aus forstlicher Landesdatenbank, aktualisiert am 31.12.2025

Im Jahr 2025 wurden 9.639 Holzauszeigeprotokolle erstellt, welche eine Holzmasse von 1.079.662 Vfm als Nutzungsmenge ausweisen. Die am häufigsten genutzten Baumarten waren die Fichte (86,1 %) gefolgt von Lärche (6,4 %) und Kiefer (30 %). Laubhölzer waren mit einem Anteil von 1 % an der Gesamtnutzungsmenge betroffen. Seit dem Sturmereignis „Vaia“ vom Oktober 2018 gab es in Südtirol vorwiegend Schadholzanfälle und kaum mehr normale Nutzungen. Seit dem Jahr 2018 wurden in Südtirol rund 10,8 Millionen Vfm Holz geschlägert: ca. 8,5 Millionen Vfm beziehen sich auf die Aufräumung des Schadholzes; 2,3 Millionen hingegen können den normalen Nutzungen zugeordnet werden. Die normalen Nutzungen umfassen folgende Kategorien: normale Auszeige, Wegtrassen, Pflegehiebe, Kulturänderung, sonstige Gründe.

*Auszug aus forstlicher Landesdatenbank, aktualisiert am 31.12.2025

Gründe für die Holzauszeige von 2021 bis 2025

In der Nutzungsstatistik werden die Auswirkungen der Schadereignisse in den Spalten, Schneedruck, Windwurf und biotische Schäden deutlich sichtbar. Zudem zeigt sich, dass im Jahr 2025 die normale Holzauszeige wieder deutlich zugenommen hat und knapp 40 % der Gesamtnutzung ausmacht.

Holzbringungsarten 2025 1,7% — Andere

— Harvester/Forwarder

42,6 % Seilbodenzug

30,9 % Seilkran < 300 m 17,3 % Seilkran > 300 m

— Traktor

% Traktor

% Andere

% Harvester / Forwarder

— Seilkran > 300 m 30,9% — Seilkran < 300 m 42,6% — Seilbodenzug

In Südtirol werden traditionell verschiedene Holzbringungsarten eingesetzt, abhängig von der heterogenen Geländemorphologie und der unterschiedlichen Erreichbarkeit der Waldflächen. Der Großteil des angefallenen Holzes wurde mittels Seilbodenzug und Seilkran aus dem Bestand zur Forststraße gebracht.

Ausführliche Details zur Waldbewirtschaftung finden Sie auf der Homepage der Abteilung Forstdienst unter: Holznutzung | Wald, Holz und Almen | Autonome Provinz Bozen – Südtirol

Beihilfen für die Waldbewirtschaftung

A)

Beihilfen für die Erstellung von Behandlungsplänen der Wald- und Weidegüter.

Bei der Erstellung und Überarbeitung von Wald- und Weidebehandlungsplänen sind laut Forstgesetz Beiträge im Ausmaß von höchstens 40 % der anerkannten Gesamtausgaben vorgesehen (L.G. 21/1996; Art. 13 und 20). Im Jahr 2025 wurden insgesamt 28 Waldbehandlungspläne überarbeitet, wobei für 7 Wald- und Weidebehandlungspläne Landesbeiträge in einer Gesamthöhe von 59.957,36 Euro gewährt wurden.

B)

Waldpflegemaßnahmen: Für 32 umgesetzte Waldpflegemaßnahmen (Durchforstungen) wurden Beihilfen in der Höhe von insgesamt 61.789,38 Euro aus dem Landeshaushalt ausbezahlt.

C)

Die erschwerte Bewirtschaftung des Wal-des auf extremen Standorten und bei mangelnder Erschließung wird mit einer Beihilfe für die erhöhten Bringungskosten von Schadholz ausgeglichen. Die entsprechenden finanziellen Mittel stammen sind im Landeshaushalt vorgesehen.

D)

Der Nationale Strategieplan für die Gemeinsame Agrarpolitik für die Periode 2023–2027 sieht eine Maßnahme für die Förderung des Ankaufs von Maschinen für die Holzbringung vor. Es handelt sich um die Maßnahme SRD15 – Produktive Forstliche Investitionen.

Im Jahr 2025 wurden insgesamt 134 Beitragsgesuche von Waldeigentümern für den Ankauf von Forstmaschinen zur Finanzierung zugelassen. Es wurden Beiträge im Ausmaß von 40 % der anerkannten Kosten, insgesamt in der Höhe von ~789.000,00 Euro zugesichert.

Jahr Anzahl Schadholz-Bringungsprämien anerkannte Beiträge (Euro)

*davon 3.680 Beihilfen in der Höhe von ~18.496.700,00 Euro mit Landesmitteln

**Alle Beihilfen wurden mit Landesmitteln finanziert.

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3.4 Waldzustand – Forstschutz & Waldschäden

Forstschutz – Überwachungsdienst

Der Wald ist natürlichen Störungen ausgesetzt, die biotischer (Insekten, Pilze, Bakterien u. a.) oder abiotischer Natur (Windwurf, Schneedruck, Hagel, Waldbrände) sein können. Bis zu einer gewissen Intensität ist die Störung physiologischer Natur und der Wald ist in der Lage, ohne sichtbare Schäden zu reagieren.

Angesichts makroskopischer Ereignisse wie der Sturm „Vaia“ (2018), die Schneedruckereignisse von 2019-2020 und der Borkenkäferbefall von 2021 bis 2024 bleibt der Wald zwar widerstandsfähig, benötigt aber deutlich längere Erholungszeiten. Lokal können solche Ereignisse die Schutzfunktion des Waldes vorübergehend beeinträchtigen. Aus diesen Gründen wird der Gesundheitszustand des Waldes vom Südtiroler Forstdienst seit ca. einem halben Jahrhundert mit Sorgfalt beobachtet und überwacht. Die großen Datenserien, die im Laufe der Jahre gesammelt wurde, zeigen den engen Zusammenhang zwischen Massenvermehrungen der Schädlinge und klimatischen Verlauf auf.

Für weitere, detailliertere Informationen zum Thema wird auf diesen QR-Code verwiesen: https://landwirtschaft.provinz.bz.it/de/waldzustand-forstschutz-waldschaeden#anc40a026e

Biotische Schäden

FICHTENBORKENKÄFER (IPS TYPOGRAPHUS, BUCHDRUCKER GENANNT)

2020 begann in Südtirol die Borkenkäfergradation, wobei die Borkenkäfer zu Beginn liegendes Schadholz befallen haben, welches vorwiegend durch die Schneedruckereignisse (Streuschäden) im Wald liegen geblieben war. Mit der ersten Wärmewelle ab Juni 2021 vermehrten sich die Fichtenborkenkäfer sehr stark und es begann der auffällige Stehendholzbefall. 2022 begünstigten ein niederschlagsarmes Frühjahr und ein besonders trockener und heißer Sommer erneut die

Vermehrung, sodass auch die höher gelegenen Waldgebiete betroffen waren. Im Jahr 2023 gab es dank des unbeständigen, niederschlagsreichen Wetters im späten Frühjahr eine leichte Entspannung; durch die erhöhte Vitalität der Wirtsbäume war die befallene Fläche um 20 % kleiner als 2022. In den Jahren 2024 und 2025 hat sich diese positive Tendenz bestätigt. Das Monitoringnetz des Buchdruckers mit insgesamt 120 Pheromonfallen hat dazu positive Resultate geliefert, welche in der untenstehenden Tabelle zusammengefasst sind.

(*) Der außerordentlich hohe Fangwert im Jahr 2025, entspricht einen Einzelfall im Oberpustertal, welcher statistisch nicht repräsentativ ist; die restlichen maximalen Fangergebnisse liegen alle unter 30.000 Individuen. Borkenkäfer-Monitoring

Seit vier Jahren verfügt Südtirol über das von der Universität für Bodenkultur in Wien erarbeitete System Phenips zur landesflächendeckenden Vorhersage der Phänologie (die im Jahresablauf periodisch wiederkehrenden Entwicklungserscheinungen) des Buchdruckers. Als Test wurden automatische Käferfallen eingeführt, die tägliche Fangwerte über App liefern können und die Interpretation der Phänologie des Käfers wesentlich erleichtern. Die ersten Resultate sind zufriedenstellend.

↑ Automatische Lockstofffalle für das Borkenkäfermonitoring

WEITERE BAST- UND HOLZBRÜTENDE INSEKTEN

Kiefernborkenkäfer der Gattungen Ips und Tomicus wurden in den Weiss- und Schwarzkiefernbeständen erwähnt, aber nicht in großem Ausmaß, sowie der große Lärchenborkenkäfer (Ips cembrae), der sich in den künstlichen Lärchenbeständen der tieferen Lagen im Obervinschgau etabliert hat. Diese Bestände unterliegen seit 3 Jahren einer Monitoringtätigkeit mit entsprechenden Pheromonfallen. Immer auf der Lärche, oft in Verbindung mit dem Lärchenborkenkäfer, wurde der Lärchenbock vermehrt gemeldet (Tetropium gabrieli), der die unteren Stammpartien befällt. Seit einem Jahr läuft dazu ein Monitoring in Zusammenarbeit mit der Universität Padua und dem Forstinspektorat Schlanders.

KIEFERNPROZESSIONSSPINNER

Der Kiefernprozessionsspinner (Thaumetopoea pityocampa) befällt in Südtirol vorwiegend Schwarz- und Weisskiefer; er ist deswegen in den Schwarzkiefernaufforstungen auf dem Vinschger Sonnenberg besonders verbreitet. Dort hat er sich in den letzten Wintern besonders stark vermehrt; mehrere Kiefernexemplare erlitten dadurch Kahlfraß. Obwohl die Kiefer neue Blätter austreiben kann, wird sie dadurch wesentlich abgeschwächt und ist somit sekundären, letalen Schädlingen stärker ausgesetzt. Zudem sind die Larven dieses Falters ab der 2. Häutung mit leichten Brennhaaren versehen, die er in Notsituationen in die Luft freilassen kann. Das kann bei Menschen und Haustieren die bekannten unangenehmen Auswirkungen auf Haut und Schleimhaut hervorrufen.

↑ Prozessionsspinnernest

Aus diesen Gründen hat die Abteilung Forstdienst mit der wissenschaftlichen Betreuung der Universität Padua im September 2023 mit einer vom Sanitätsministerium erlassenen Sondergenehmigung eine flächendeckende Behandlung mit einem biologischen Bekämpfungsmittel (Bacillus thuringiensis) vorgenommen, das für Säugetiere harmlos ist. Dadurch wurde die Population des

Prozessionsspinners stark reduziert, zu Gunsten der Vitalität des Wirtsbaumes und der Erholungsfunktion dieses beliebten Waldgebietes, wo sich die Anzahl der Nester zwei Jahre lang in Grenzen hielt. Nachdem der Befall zuletzt wieder zunahm, hat der Forstdienst in Abkommen mit seinen wissenschaftlichen Partnern eine weitere Sondergenehmigung für eine Befliegung in die Wege geleitet, die 2026 stattfinden soll. In anderen Gebieten ist der Befall auch stark, aber das mäßigere Vorhandensein des Wirtsbaumes dämmt das Phänomen ein.

ANDERE NICHT LETALE INSEKTEN

Von der Lärchenminiermotte, die bei passenden Rahmenbedingungen sich stark vermehren kann, gab es 2025 keine Meldung; genauso für den grauen Lärchenwickler, dessen Gradationen in regelmäßigen Zeitabständen erfolgen (8-9 Jahre). Der Fichtennestwickler (Epinotia nanana) wurde in der Gemeinde Mühlbach gemeldet; es handelt sich um einen Einzelfall, doch erwähnenswert. Die Zirbennadelmotte (Ocnerostoma copiosellum), welche 2023 im Martelltal eine Massenvermehrung auf über 200 ha im Martelltal gehabt hat, bleibt nach wie vor im Latenzzustand.

ABIOTISCHE SCHÄDEN

2025 sind Südtirol weit recht mäßige abiotische Schäden zu verzeichnen; es wurden insgesamt 1,5 ha Windwurf gemeldet.

PILZKRANKHEITEN

Pilze gehören zum natürlichen Waldökosystem. Dort übernehmen sie zahlreiche Funktionen, wie z. B. die Zersetzung von Holz und Streu, die für den Lebensraum Wald äußerst wichtig sind. Pilze zählen jedoch auch zu den wichtigsten Krankheitserregern im Wald, wovon nachfolgend einige angeführt sind.

NACHWEIS VON DOTHISTROMA

SEPTOSPORUM → rot: befallen; gelb: vermutlich befallen; grün: nicht befallen

ROTBANDKRANKHEIT AUF ZIRBE UND LATSCHE

Die Infektion mit der Rotbandkrankheit (Dothistroma septosporum) bewirkt eine starke Nadelschütte von älteren Nadeljahrgängen. Vor allem Kiefernarten sind von dieser Krankheit betroffen. Die Nadelschütte (Nadelabfall) beginnt in Bodennähe und breitet sich dann sukzessive Richtung Baumspitze aus. In schweren Fällen sind nur noch die Zweigspitzen benadelt. Die Probenahmen zur Ermittlung des Vorkommens und der Ausbreitung von Dothistroma septosporum wurden im Jahr 2025 abgeschlossen. Erhebungen zielten darauf ab, das gesamte Gebiet der Region abzudecken. Die Gesamtzahl der Probenahmestellen stieg somit auf 278. Die Verteilung der Probenahmestellen ist in der nachfolgenden Karte dargestellt, wonach der Pilz im gesamten Gebiet nachweisbar ist.

LÄRCHENNADELSCHÜTTE

Auch in diesem Jahr haben die starken Niederschläge das Wachstum einiger Blatt-/ Nadelpilze begünstigt, auch wenn die heiße und trockene Phase im Juni und möglicherweise der Temperaturrückgang im Mai nicht zu einem massiven Befall geführt haben.

Für die Lärchennadelpilze war es jedoch ein „gutes“ Jahr. Gelbfärbungen und Rötungen der Baumkronen wurden bereits im Juli festgestellt und breiteten sich in den folgenden Monaten weiter aus. Die Mycosphaerella-Lärchennadelschütte wird dabei als gering letal eingestuft.

ESCHENTRIEBSTERBEN

Das durch den Pilz bzw. das Falsche Weiße Stängelbecherchen (Hymenoscyphus fraxineus) hervorgerufene Eschentriebsterben ist seit einigen Jahren in Südtirol anzutreffen. Landesweit ist eine starke Schädigung der Gemeinen Eschen (Fraxinus excelsior) zu verzeichnen, wobei einige Individuen über eine gewisse Resistenz zu verfügen scheinen. Einige Studien bestätigen, dass diese Resistenz eine hohe genetische Komponente besitzt und daher auf die Nachkommen übertragen werden kann. Demnach sind „resistente“ Individuen zu fördern.

↑ Befallene Nadeln an Zirbe
↑ Nadel- und Zuwachsverluste

VERTICILLIUM-WELKE AM GÖTTERBAUM

Im Jahr 2025 wurden weitere 24 Standorte mit der Krankheit festgestellt, die durch geschwächte oder in einigen Fällen bereits abgestorbene Baumkronen deutlich erkennbar waren. Die Abteilung Forstwirtschaft wird bei ihren Analysen und Bestimmungen der Pilzkrankheiten an Waldbäumen maßgeblich durch die wertvolle Arbeit von Dr. Giorgio Maresi von der Fondazione Edmund Mach in San Michele all’Adige unterstützt.

Verbreitung der Befallsherde von 2017 bis 2025 ↑

Südtirols Waldschäden 2025

Abiotische Schäden

Biotische Schäden, nicht letal

> 90 % Keine Schäden

< 1 % Biotische Schäden, nicht letal

Biotische Schäden, letal

< 1 % Biotische Schäden, letal

< 1 % Abiotische Schäden

Keine Schäden

Für weitere Informationen zu den Waldschäden, wird auf den beiliegenden QR-Code verwiesen: https://landwirtschaft.provinz.bz.it/de/waldzustand-forstschutz-waldschaeden#ancfdb474e

Abschließend wird die landesweite Gesamtübersicht der Waldschäden 2025 in Südtirol abgebildet. Diese Übersicht gibt das Ergebnis der Schadensmeldungen wieder, welche von den Forststationen der Autonomen Provinz Bozen jährlich gemeldet werden.

Waldbrandereignisse – Forstlicher Bereitschaftsdienst

25 Wald- und Buschbrände verursachten 2025 den Verlust von einer Gesamtfläche von 237,3754 ha Wald. Das rechtzeitige Ausrücken von Löschmannschaften der Feuerwehren und des Forstpersonals hat das weitere Ausbreiten der Brandflächen verhindert. Im Durchschnitt liegt die verlorene Fläche pro Brandereignis (Index für die Effizienz der Löschaktion) bei 9,49 ha.

Bei Waldbränden und allen Natur- und Zivilschutzereignissen aktiviert der rund um die Uhr erreichbare Bereitschaftsdienst-Forst die zuständigen forstlichen Dienststellen und organisiert den eventuell notwendigen Einsatz des Hubschraubers für Löscharbeiten: es gab 2025 8 Waldbrand-Einsätze mit Hubschrauber und 8 Hubschraubereinsätze für Waldbrandübungen.

2025 verzeichnete der forstliche Bereitschaftsdienst insgesamt 647 Einsätze, darunter 564 Einsätze für die Bergung von verletzten oder getöteten Wildtieren – sehr oft in Zusammenhang mit Verkehrsunfällen.

Anderes Fuchs

Bär, Wolf Nutztier, Haustie

Bereitschaftsdienst Forst: Tiereinsätze

Schalenwild Waldbrand

Wildsäuger klein

Wildvogel

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3.5 Arbeiten in Regie

Die Arbeiten in Regie der Forstbehörde umfassen zahlreiche Maßnahmen von Aufforstungen und Waldpflegemaßnahmen über den von Steigen oder auch von Alm- und Hofzufahrten bis hin zu Arbeiten zur Verbesserung und Wiederherstellung von wertvollen Lebensräumen oder Vorbeugemaßnahmen vor Waldbrand u.v.a.

Die Projekte werden vom Forstdienst ausgearbeitet und größtenteils mit eigenen Forstarbeitern realisiert. Der Forstdienst achtet auf eine landschaftsschonende Durchführung und auf die Verwendung von ortstypischen Materialien, sodass sich neu errichtete Bauwerke bestmöglich in die Landschaft einfügen.

Die Leistungen umfassen neben den Arbeiten der Forstinspektorate auch die Tätigkeit in den Forstgärten, Maßnahmen zur Einstellung von Arbeitslosen gemäß Landesgesetz Nr. 11/86, die Erhebung der Waldschäden und die Erstellung der Waldbehandlungspläne. Für die Durchführung der Arbeiten stellt der Landesforstdienst jedes Jahr eine große Anzahl von saisonalen Arbeitern ein.

↑ Die Abteilung Forstwirtschaft führt jedes Jahr zahlreiche Projekte in Regie durch

Umfang der Arbeiten in Regie und Sofortmassnahmen

Im Jahr 2025 belief sich der finanzielle Gesamtumfang für die 414 Einzelprojekte der Abteilung Forstwirtschaft auf 15.025.460,00 Euro, davon sind 10.941.210 Euro von der Landesverwaltung finanziert worden, die verbleibenden 4.084.250,00 Euro sind von Dritten finanziert worden.

Die Ausgaben für die sofortige Behebung von Unwetterschäden an Infrastrukturen im ländlichen Raum umfassten im Jahr 2025 einen Gesamtbetrag in Höhe von 771.300,00 Euro

Der größte Teil davon, und zwar 635.800,00 Euro betrafen Ausgaben für die Umsetzung von Sofortmaßnahmen durch die Forstinspektorate. Für Maßnahmen zur Behebung von Unwetterschäden mit Eigenbeteiligung der jeweiligen Eigentümer wurden 135.500,00 Euro aufgewendet.

Verzeichnis Arbeitstypologien –Regieprojekte

Monitoring der Regieprojekte 2025: umgesetzte Arbeitstypen in den Forstinspektoraten: https://landwirtschaft.provinz.bz.it/de/ arbeiten-regie

Bergwirtschaft und länd liche Infrastrukturen (Hofzufahrten, Trink- und Löschwasserversorgung, Almen, Forstwege)

In den vergangenen fünf Jahren 2021–2025 sind insgesamt 924 Projekte gefördert worden, die ausgeschütteten Beiträge belaufen sich auf rund 168.950.000,00 €.

Jahr Anzahl finanzierte Projekte Beiträge

2021 110 21.176.324 €

2022 193 44.862.054 €

2023 87 39.621.126 €

2024 297 33.464.555 €

2025 237 29.835.070 €

SUMME 924 168.959.129 €

A) LÄNDLICHES WEGENETZ UND HOFERSCHLIESSUNG

Im Ländlichen Wegenetz sind alle öffentlich befahrbaren Zufahrten von ganzjährig bewohnten ländlichen Siedlungen und Höfen erfasst. In typischen Landgemeinden ist das ländliche Wegenetz sehr umfangreich und erstreckt sich in der Gemeinde Sarntal gar über eine Länge von ~200 km. Heute gilt die Bautätigkeit im ländlichen Wegenetz in erster Linie der Erhaltung und Sanierung, der Absicherung und dem Ausbau einzelner Straßenabschnitte sowie der Wiederherstellung von Abschnitten nach Schadereignissen. Neubauten von Straßen im ländlichen Raum betreffen in erster Linie Neutrassierungen von bereits bestehenden Zufahrten.

PRIVATE UND ÖFFENTLICHE PROJEKTBETREIBER

GARANTIEREN UMSETZUNG

Überall im Land haben sich die Bergbauern kleiner Gebiete oder Fraktionen zu Interessentschaften und Agrargemeinschaften zusammengeschlossen. Diese Interessensgemeinschaften vertreten die jeweiligen Bergweiler bzw. Höfegemeinschaften und sorgen für den Bau und den Erhalt der notwenigen Infrastrukturen. Die Vorteile dieser Interessensgemeinschaften liegen auf der Hand: Unmittelbare Beteiligung an Projekten, dadurch Identifikation mit Entscheidungen und pragmatische Lösungsfindung sowie eine nicht zu unterschätzende Entlastung der Gemeindeverwaltungen.

Projekte 2021–25 (Ländliches Wegenetz LG-50 + private Hofzufahrten)

Jahr Anzahl Projekte Beiträge

2021 71 15.679.052,00 € 2022 73 21.704.443,00 €

2023 58 22.713.216,00 €

2024 116 21.139.732,00 €

2025 134 24.841.670,00 €

Summe 2021–25 452 106.078.113,00 €

Im Jahr 2025 sind insgesamt 134 Projekte finanziert worden, die ausbezahlten Beiträge beliefen sich auf ~24.840.000,00 Euro

↑ Nahezu alle bewirtschafteten Höfe sind über das Ländliche Wegenetz erschlossen.

Finanzierte Projekte im Jahr 2025 (Ländliches Wegenetz LG-50 und Zufahrt zu den Höfen)

B) FÖRDERMASSNAHMEN FÜR DIE BERGWIRTSCHAFT

Die im Jahr 2025 finanzierten Beitragsgesuche zur Förderung von ländlichen Infrastrukturen als Grundvoraussetzungen für aktives Wirtschaften und zur Einkommenssicherung der Bergbauern verteilen sich wie folgt:

Anzahl Projekte

Almwirtschaft (Gesuche 2024+2025)

45 Forstwegebau (Gesuche 2024+2025)

134 Ländliches Wegenetz – private Hofzufahrten

4 Private Trink- und Löschwasserleitungen 99.560,00 €

Im vergangenen Jahr 2025 sind 4 Projekte zur Sicherung der privaten Trink- und Löschwasserversorgung des ländlichen Raums wegen Dringlichkeit und Unaufschiebbarkeit einer Finanzierung zugeführt worden. Die Beitragssumme belief sich auf 99.560,00 Euro

C) NOTSTANDSBEIHILFEN (GEM. L.G. VOM 21. OKTOBER 1996, NR. 21, ART. 50)

Für die Beseitigung von Schäden, die durch Unwetter, Überschwemmungen, Lawinen und Vermurungen an Infrastrukturen entstanden sind, deren Vorbeugung sowie für den Schutz der Wälder vor Schädlings- und Pilzbefall durch Schadereignisse sieht das Forstgesetz die Gewährung von Notstandbeihilfen vor. Im Laufe des Jahres 2025 wurden 224 Notstandsbeihilfen gewährt, die ausbezahlten Beihilfen beliefen sich insgesamt auf ~2.085.100,00 Euro

↑ Das Trink- und Löschwassernetz im Land wird laufend Instand gehalten

3.6 Wildtiermanagement

Wildarten & Wildmanagement

Die aktuelle Wildsituation in Südtirol stellt das Wildmanagement vor vielfältige Herausforderungen. Ziel ist es, Natur sowie Land- und Forstwirtschaft und weitere menschliche Nutzungen in Einklang zu bringen. Neben biologischen und ökologischen Aspekten spielen dabei zunehmend auch sozioökonomische Faktoren eine Rolle. Wildtiere sind ein wertvoller Bestandteil der alpinen Fauna und werden teils jagdlich genutzt, können jedoch auch Nutzungskonflikte verursachen. Unterschiedliche Interessen und eine komplexe Rechtslage erfordern daher eine sorgfältige Abwägung zwischen Schutz- und Nutzungsansprüchen.

Das Amt für Wildtiermanagement führt in Zusammenarbeit mit den hauptberuflichen Jagdaufsehern, den Forstinspektoraten und dem Südtiroler Jagdverband Erhebungen durch, um die Entwicklung der Wildbestände zu überwachen. Diese Informationen dienen der Jagdplanung sowie verschiedenen Maßnahmen zum Schutz und Management der Wildtiere.

MANAGEMENT GESCHÜTZTER WILDARTEN

Der Großteil der in Südtirol vorkommenden Wildarten, sowohl Säugetiere wie auch Vögel, sind geschützt und werden nicht bejagt. Ein besonderes Augenmerk wird auf seltene und gefährdete Arten in Schutzgebieten gelegt - sei es im Nationalpark Stilfserjoch sowie auch in den Naturparken, Biotopen und Natura-2000-Gebieten. Der Erhalt der Lebensräume ist aber auch außerhalb durch die entsprechenden Bestimmungen in der Landnutzung und Urbanistik gewährleistet. Bei einzelnen nicht jagdbaren Wildarten ist deren Schutzstatus nicht ökologisch und landeskulturell, sondern juridisch begründet. Für viele ehemals gefährdete oder gar ausgerottete Arten z.B. viele Tag- und Nachtgreifvögel, gibt es heute ein gesichertes Vorkommen. Dank Wiederansiedlung brüten mittlerweile in der westlichen Landeshälfte Bartgeierpaare (Gypaetus barbatus). Der Steinadler (Aquila chrysaetos) kommt landesweit auf mindestens 70 Brutpaare. Seine Lebensweise wird in einem Projekt mit der Schweizerischen Vogelwarte und dem Max-PlanckInstitut über besenderte Adler studiert.

Der Uhu (Bubo bubo) ist insbesondere im Etschtal und unteren Eisacktal verbreitet, leider gibt es regelmäßig anthropogen

verursachte Abgänge, beispielsweise durch Unfälle an Mittelspannungsleitungen. Bis in die Bergtäler hinein fliegt der Graureiher (Ardea cinerea), einige Brutkolonien befinden sich in den Haupttälern. Problematischer hingegen ist die Situation für jene Arten mit spezifischen Ansprüchen an die Umwelt, deren Lebensräume nur mehr selten oder fragmentiert vorkommen. Das trifft im Besonderen für die Arten in Feuchtlebensräumen zu. Auch das Auerwild (Tetrao urogallus) wird seltener. Eine Überprüfung von historischen Balzarealen in den westlichen Bezirken zeigt, dass viele Balzplätze

↑ Der Graureiher ist ein geduldiger Lauerjäger

verwaist sind. Die Ursachen hierfür sind vielfältig, in der Regel sind sie menschlichen Ursprungs. Demgegenüber erweisen sich die Großen Beutegreifer Bär (Ursus arctos) und Wolf (Canis lupus) als sehr anpassungsfähig und erobern nicht immer konfliktfrei Lebensräume zurück.

Bemerkenswert ist auch der natürlich zugewanderte Goldschakal (Canis aureus), der zuletzt wiederholt in Südtirol festgestellt worden ist und sich rasch ausbreitet.

Der Steinmarder (Martes foina) ist in Ortschaften und Siedlungsnähe häufig anzutreffen. Wenige Nachweise gibt es vom Baummarder (Martes martes). Der Dachs (Meles meles) kommt im Mittelgebirge verbreitet vor. Gelegentlich konnte insbesondere in den nördlichen und östlichen Landesteilen der Iltis (Mustela putorius) nachgewiesen werden. Im Osten Südtirols ist der früher landesweit verbreitete Fischotter (Lutra lutra) wieder beheimatet. Ebenso hat sich dort der Biber (Castor fiber), Europas größter Nager, mit einem ersten und einzigen Vorkommen angesiedelt. Im benachbarten Österreich ist die natürliche Wiederbesiedlung des Bibers weit fortgeschritten.

Steinmarder besiedeln die urbanen Lebensräume nicht völlig konfliktfrei. Mit Dekret ist daher verfügt, dass der Steinmarder in öffentlichen und privaten Gebäuden aus Sicherheitsgründen und zur Verhinderung bzw. Vorbeugung von Schäden mit Kastenfallen von Angehörigen des Landesforstkorps und von hauptberuflichen Jagdaufsehern gefangen werden darf. Die gefangenen Tiere werden von Aufsichtsorganen in siedlungsfernen Gebieten wieder in Freiheit entlassen. Auf Basis von Gutachten der Wildbeobachtungsstelle können mit Dekret des

zuständigen Landesrates Sonderabschüsse zur Regulierung von nicht jagdbaren Tieren oder zur Ausdehnung der Jagdzeit für jagdbare Wildarten genehmigt werden, wenn letztere durch übermäßige Vermehrung das ökologische Gleichgewicht, die Landwirtschaft, die Forstwirtschaft, die Fischereiwirtschaft, den Wildbestand oder die öffentliche Sicherheit oder Gesundheit gefährden. Im Jahr 2025 wurden Sonderdekrete zur Regulierung von Fuchs und Kormoran sowie zur Entnahme von Rabenkrähen zur Schadensvermeidung in der Landwirtschaft erlassen.

Zum Schutz der heimischen Fischarten, insbesondere der Äsche (Thymallus aeliani) und der Marmorierten Forelle (Salmo marmoratus), wurden im Rahmen des Managementkonzepts zwischen November 2024 und März 2025 insgesamt 34 Kormorane (Phalacrocorax carbo) erlegt, um die stark steigende Präsenz dieses fischfressenden Vogels in den sensiblen Alpenflüssen einzudämmen.

BÄREN IN SÜDTIROL Im Gegensatz zu den vorherigen Jahren, konnte im Jahr 2025 ein leichter Anstieg an Bärennachweisen festgestellt werden, vor allem im südwestlichen Teil der Provinz. Landesweit wurden Im Jahr 2025 7 männliche Bären und erstmals eine weibliche Bärin genetisch nachgewiesen. Es handelt sich um die Bären M73 (6 Jahre), M99 (4 Jahre), M102 (4 Jahre), M105 (4 Jahre), M106 (3 Jahre), M119 (im September 2025 im Gemeindegebiet von Fondo (Trentino) tot aufgefunden), M128 und F105. Seit der Bärin Vida im Jahr 2001 handelt es sich nach vielen Jahren der Abwesenheit, um den ersten Nachwuchs eines Weibchens in Südtirol.

Die Individuen M128 und F105 wurden erstmals ausschließlich in der Provinz Bozen nachgewiesen. Der männliche Bär ist vermutlich im Jahr 2023 geboren, während es sich auch bei dem weiblichen Tier vermutlich um ein junges Exemplar handelt, da am Tag vor dem Auffinden der Haare an einem beschädigten Heuballen, ein relativ kleiner Bär im Martelltal gesichtet wurde.

↑ Der Fuchs ist ein klassischer Kulturfolger und opportunistischer Allesfresser

Für Bärenschäden hat die Provinz im Jahr 2025 eine Vergütung von insgesamt 7.050,00 € ausgezahlt.

Anhand der genetischen Nachweise konnten in den letzten 25 Jahren in der Provinz Bozen 45 Bären genetisch erhoben werden.

↑ Gesicherte Nachweise des Braunbären in Südtirol im Jahr 2025

DER WOLF BREITET SICH WEITER AUS

Südtirol weit konnten im Jahr 2025 mindestens 49 verschiedene Wölfe (canis lupus) genetisch erhoben werden. Davon waren achtundzwanzig männliche und einundzwanzig weibliche Tiere. 46 Tiere stammen aus der italienischen Wolfspopulation, 3 Tiere hingegen aus Osteuropa. Nur 5 der 21 im Jahr 2025 genotypisierten Weibchen wurden über mehr als zwei aufeinanderfolgende Jahre nachgewiesen. Bei den Männchen traf dies nur auf 3 Individuen für jeweils zwei Jahre zu.

Hinsichtlich der Anzahl von Wölfen im Jahr 2025 kann in Südtirol wahrscheinlich von einer Mindestzahl von mehr als 98 Individuen ausgegangen werden. Anhand der gesammelten Nachweise und nach Absprache mit den Nachbarprovinzen konnten in Südtirol 9 Wolfsrudel bestätigt werden. Weiters wurden 8 Paare nachgewiesen.

Schäden durch Wolfsrisse an Nutztieren wurden im Jahr 2025 im Ausmaß von 74.220,00 Euro vergütet.

Im August 2025 wurde im Gebiet der Gemeinde Mals/Vinschgau, stützend auf dem Landesgesetz Nr. 10/2023, der Durchführungsverordnung Nr. 25/2023 und dem Dekret des Direktors der Abteilung Forstdienst Nr. 12296/2024, erstmals ein Wolf in Südtirol legal erlegt.

im Jahr 2025

MANAGEMENT INVASIVER WILDSÄUGER Auf europäischer und nationaler Ebene ist eine Liste gebietsfremder invasiver Tierarten festgelegt, die wegen ihrer schwerwiegenden negativen Auswirkungen eingedämmt und wenn möglich völlig eliminiert werden sollen. In den letzten Jahren gab es vereinzelte Nachweiße vom Marderhund (Nyctereutes procyonoides) und Waschbär (Procyon lotor) In Südtirols Süden wandert zuweilen die Nutria (Myocastor coypus) ein. Mit Änderung des des Landesgesetzes Nr. 14/1987 wurden 2025 auch Jagdausübungsberechtigte, die im Besitz der allgemeinen Voraussetzungen sind, ermächtigt diese invasiven Arten innerhalb der Jagdzeit zwischen 1. Mai und 15. Dezember zu entnehmen.

MANAGEMENT JAGDBARER WILDARTEN

Unter dem jagdbaren Schalenwild ist das Reh (Capreolus capreolus) in Südtirol am häufigsten anzutreffen. Es kommt in unterschiedlicher Dichte auf der gesamten Landesfläche vor und wird in allen Revieren bejagt. Der im Jagdjahr 2025 getätigte Rehwildabschuss wird mit 7.855 Stück beziffert (Jagdstrecke 2024: 7.838 Stück), was einer landesweiten Abschussplanerfüllung von 93 % entspricht.

Das Gamswild (Rupicapra rupicapra) ist durch die Räude bedingt in einigen Landesteilen weniger zahlreich vorhanden, es kommt aber vielerorts bis in tiefere Lagen und sogar an den Talhängen des Etsch- und Eisacktales vor. Die Gamsräude sorgt gebietsweise für größere Verluste: Landesweit wurden im Jahr 2025 mit 370 aufgefundenen Räudefällen nahezu gleich viele Fälle wie im Vorjahr

↑ Gesicherte Nachweise des Wolfes in Südtirol

verzeichnet (369 Räudefälle). Das lokale Infektionsgeschehen verursachte größere Verluste in den Hegeringen der Wilden Kreuzspitze, der Karl-Kampelespitze, der Pfunderer Berge, im Einzugsgebiet des Lüsner-Maurerbergs, der Windschar und des Rammelsteins . Orografisch rechts des Eisacks bestätigten sich 1 Räudefall im Revier Ritten und einer im Revier Bozen.

Die Jagdstrecke liegt beim Gamswild im Jahr 2025 bei 2.803 Stück (Jagdstrecke 2024: 2.867 Stück), was einer landesweiten Abschussplanerfüllung von 88 % entspricht. Ein professionelles Management des Gamswildes setzt populationsweiße Bestandserhebungen und überlegte jagdliche Eingriffe voraus, um Entnahmen im Einklang mit der Erhaltung des guten Erhaltungszustandes zu ermöglichen.

↑ Registrierte Gamsräudefälle in Südtirol (2019-2025): Festgestellte Räudefälle im Jahr 2025 (rot), Räudefälle zwischen 2019 und 2024 (weiß)

Rotwild (Cervus elaphus) ist auf dem gesamten Landesgebiet verbreitet, allerdings mit sehr unterschiedlichen Bestandsdichten. In den Jagdrevieren Südtirols wurden im Jagdjahr 2025 insgesamt 4.420 Stück Rotwild erlegt (Jagdstrecke 2024: 4.439 Stück), womit 92 % des landesweiten Abschussplans erfüllt wurden. Aufgrund der Tatsache, dass Schalenwildpopulationen in ganz Mitteleuropa von den klimatischen Veränderungen generell profitieren, kann in einigen Landesteilen trotz hoher Abschusszahlen von einer weiteren Zunahme dieser Wildart ausgegangen werden. Steigender Jagddruck mündet gleichzeitig in einer anspruchsvolleren Bejagbarkeit. Darauf muss mit innovativen Jagdstrategien und individuell den örtlichen Bedingungen angepassten Bejagungskonzepten reagiert werden. Gestiegene Freizeitnutzung, Störungen jeglicher Art und der

Druck auf den Lebensraum des Rotwildes verschärfen die Situation und müssen in der Konzeption berücksichtigt werden. Langfristig wird es ein integrales Rotwildmanagement mit revierangepassten Jagdstrategien und -konzepten brauchen, um diese Wildarten in der Kulturlandschaft Südtirols in den Griff zu bekommen.

Seit dem Jahr 2012 werden Verkehrsunfälle mit Schalenwild landesweit systematisch von den hauptberuflichen Jagdaufsehern erhoben. Im Jahr 2025 wurden 1171 Unfälle mit tödlichem Ausgang für die involvierte Tiere erfasst (863 Stück Rehwild, 126 Stück Rotwild, 76 Füchse, 74 Dachse, 9 Goldschakale, ein 6 Wölfe, 6 Feldhasen, 5 Steinmarder, 2 Gämsen, einen Baummarder, einen Iltis, ein Mäusebussard, ein Murmeltier, ein Wildschwein, ein Uhu und 6 weitere Tiere unbestimmter Art), während es im Vorjahr 995 waren. An mehreren Unfallstrecken werden in Zusammenarbeit mit dem Straßendienst Pilotprojekte umgesetzt, um die Wirksamkeit von Vorbeugemaßnahmen zu testen. Beim Ankauf von Wildwarnreflektoren für besonders kritische Straßenabschnitte, werden die Jagdreviere von der Landesverwaltung unterstützt. Maßnahmen zur Vernetzung von Lebensräumen und der Wiederherstellung von interregionalen Wildkorridore können auch die Errichtung von Wildbrücken sein.

Gelegentlich anzutreffen ist das Wildschwein (Sus scrofa), was da und dort mit Kulturschäden einhergeht. Mit insgesamt 4 Stück, allesamt Keiler, kamen weniger Wildschweine zur Strecke als im Vorjahr (8 Stück im Jahr 2024).

Frühjahrszählung (Scheinwerfertaxation)

Abschussplanung (zum Abschuss freigegebene Stückzahl) Erlegte Stückzahl Differenz

↑ Rotwildstatistik der Autonomen Provinz Bozen – Südtirol (2014–2025), einschließlich des Südtiroler Anteils des Nationalparks Stilfserjoch (NPSJ); aufgrund der COVID-19-Pandemie wurde die Zählung im Jahr 2020 nicht landesweit vollständig durchgeführt, der angegebene Wert stellt eine Schätzung dar; Daten: Amt für Wildtiermanagement, Nationalpark Stilfserjoch und Südtiroler Jagdverband.

Im benachbarten Fassatal besteht schon seit langem ein Muffelvorkommen (Ovis musimon), von dem immer wieder auch einige Individuen in das Rosengartengebiet herüberwechselt und von denen in vergangen Jahren immer wieder einige entnommen wurden. Die allochthone Wildart ist ökologisch problematisch und steht mit anderen Wildwiederkäuern in Konkurrenz.

Der Feldhase (Lepus europaeus) findet vornehmlich in den Obstanlagen der Talniederungen ein günstiges Habitat und kommt dort überaus häufig vor. In geringer Dichte kommen Feldhasen bis ins Gebirge vor.

Über den Alpenschneehasen (Lepus timidus varronis) ist bislang wenig bekannt. Die

Jagdstrecken lassen jedoch auf ein konstantes Vorkommen schließen. Als arktoalpine Art wird er durch den Klimawandel zunehmend unter Druck geraten, weshalb der Populationsentwicklung besondere Aufmerksamkeit zukommen sollte.

Seit der Anpassung der Abschusszeiten an das staatliche Rahmengesetz im Jahr 2013 ist die Population beim Fuchs (Vulpes vulpes) zunächst angestiegen. Mit Dekret des zuständigen Landesrates wurde zur Schadensvorbeugung eine Entnahme von Füchsen im Umfeld von Geflügelhaltungen und in den Lebensräumen von Raufußhühnern bereits ab 15. Juli ermöglicht. 2025 kamen 1.458 der insgesamt 2.449 erlegten Füchse während der Sonderjagdzeit zur Strecke.

Abschussstatistik 2025

Wildart Getätigter Abschuss [Stk.]

Rehwild 7.855

Rotwild 4.420

Gamswild 2.803

Birkhuhn 323

Steinhuhn 14

Schneehuhn 98

Feldhasen 1.762

Schneehasen 203 Füchse 2.406

Fasan 0

Ringeltaube 81

Stockente 591

Knäkente 5

Krickente 14

Blässhühner 7

Waldschnepfen 178

Wacholderdrosseln 1.081

Singdrosseln 196

Rabenkrähen 399

Elstern 112

Eichelhäher 720

Stare 0

Amseln 787

Wachteln 0

Die mit D.lgs. 11. Dezember 2016, Nr. 240 genehmigten Durchführungsbestimmung zum Autonomiestatut eröffnet der Landesverwaltung die Möglichkeit zur Genehmigung einer Jagd auf vom Staatsgesetz geschützte Wildarten.

Zeitraum 2023–25

Von dieser in Italien einzigartigen Ausnahmebestimmung hat Südtirol in den Jahren 2017–2020 für Steinbock (Capra ibex) und Murmeltier (Marmota marmota) Gebrauch gemacht. Nach Einholen der entsprechenden Fachgutachten und der Zustimmung des Umwelt- und Landwirtschaftsministers hat der Landeshauptmann im Juli 2022 das Dekret für den »Managementplan Steinwild 2022–2026« und den »Managementplan Murmeltier 2022–2026« erlassen.

Der in Südtirol mittlerweile auf mehr als 2.000 Stück angewachsene Steinwildbestand erlaubt eine vorsichtige jagdliche Nutzung. Das Managementkonzept sieht die jagdliche Entnahme, den Fang zur Markierung und die Entnahme zur Wiederansiedelung in kleinen Steinwildkolonien Südtirols vor. Dabei sollen neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu dieser hochalpinen Wildart gesammelt werden, um das Management weiterhin zu verbessern und einen Beitrag für die Erforschung dieser Boviden-Art zu leisten.

Im Frühjahr 2025 gelangen insgesamt 15 Fänge. Diese Steinböcke und -geißen wurden in der Metapopulation ReschenBrenner gefangen und in der Kolonie Sella (8 Individuen) und der Kolonie Seekofel in Prags (7 Individuen) freigelassen. In der Metapopulation zwischen Reschen und Brenner wurde ein Abschuss von insgesamt 74 Stück Steinwild getätigt.

Freilassung Kolonie Fang Kolonie Weisskugel Sesvenna Sella Seekofel Eisbrugg Sarntaler Alpen

↑ Überblick über die Steinwildfänge und Umsiedlungen in den Südtiroler Steinwildkolonien im Zeitraum 2023-2025. Mit Asterisk (*) markierte Zahlen beziehen sich auf Individuen, die im Rahmen wissenschaftlicher Projekte gefangen und vor Ort wieder freigelassen wurden.

Das genehmigte Managementkonzept für Steinwild 2022-26 schließt auch eine jagdliche Entnahme in der Kolonie Sesvenna, die mit der Population im benachbarten Graubünden zusammenhängt, nicht mehr aus. Im Jahr 2025 wurden aus dieser Kolonie 3 Individuen jagdlich entnommen.

Landesweit stark verbreitet ist das Murmeltier (Marmotta marmotta), mit einer geschätzten Population von 50.000 Individuen. Nach derselben Vorgangsweise wurde im Jahr 2025 für 86 Jagdreviere kraft Gesetzes, fünf Eigenjagdreviere sowie ein Domänengebiet ein Abschussplan für Murmeltiere erlassen, wobei 40 % der Abschussfreigaben den von der Forstbehörde bestätigten Schadflächen zugewiesen wurden.

Insgesamt kamen landesweit 1.411 Murmeltiere zur Strecke, wobei mehr als die Hälfte im Bereich untergrabener Infrastrukturen und Mähwiesen mit erheblichen Grabschäden erlegt wurden.

Einige Hühnervögel sowie Enten können jagdlich nachhaltig genutzt werden, wobei für Raufußhühner und Steinhuhn eine Verträglichkeitsprüfung jegliche Gefährdung für den günstigen Erhaltungszustand der betroffenen Art ausschließen muss.

Die alljährlichen Zählungen von Birkhuhn (Lyrurus tetrix), Schneehuhn (Lagopus muta) und Steinhuhn (Alectoris graeca) auf ausgewiesenen Probeflächen sind Grundlage für die Abschussplanung und werden über die Forststationen bzw. das Fachpersonal des Amtes für Wildtiermanagement durchgeführt. Diese Zählungen erfolgen zur Balzzeit; beim Schneehuhn finden auch Sommerzählungen mit Hilfe von Vorstehhunden statt. Seit dem Jahr 2024 werden auch Sommerzählungen

beim Birkwild durchgeführt. Derzeit sind die Birk- und Schneehuhnbestände mit einigen Ausnahmen stabil, während das Steinhuhn insbesondere wegen ungünstiger Witterungslagen in vergangenen Wintern in vielen Bewirtschaftungseinheiten einen Bestandseinbruch erlitt und sich davon auch aufgrund der zunehmenden Verbuschung der Lebensräume nur langsam erholt. Aus diesem Grund wurden 2025 nur in den Bewirtschaftungseinheiten Texelgruppe, Sarntaler Alpen und Ulten Deutschnonsberg Steinhühner für die jagdliche Entnahme freigegeben. Weitere Details und Entwicklungen können aus den jährlich im Herbst vom Amt für Wildtiermanagement veröffentlichten Berichten über die Situation der Hühnervögel in Südtirol entnommen werden, die auch online auf der Webseite des Amtes für Wildtiermanagement abrufbar sind.

Landesweite Bestände von Hühnervögeln, Abschussplan und Strecken (Anzahl Individuen; Stand 2025):

Hühnerart Geschätzter Frühjahrsbestand Abschussfreigabe Getätigter Abschuss

↑ Steinhuhn (Alectoris graeca)

3.7 Jagd

In Südtirol gelten etwas über 623.200 ha (84 % der Landesfläche) als Jagdfläche.

Diese verteilt sich auf 145 Jagdreviere kraft Gesetzes und 51 Eigenjagdreviere mit insgesamt 14.000 ha (2 % der Landesfläche).

65.000 ha der Landesfläche sind als Domänen Wildschutzgebiete und 52.500 ha als Schongebiete, darunter der Stilfser Joch Nationalpark, ausgewiesen, in denen die Jagd verboten ist. Die 226 geschützten Biotope mit 2.963 ha sind darin integriert. In Biotopen unter 10 ha ist die Jagd vollständig untersagt, während in 56 größeren Wildschutzgebieten eine Regulierung von Schalenwild und Fuchs aus sanitären Gründen zulässig ist.

Der Jagdschutz wird in den Jagdrevieren von 70 hauptberuflichen Jagdaufsehern sowie von Bediensteten der Jagdreviere und des Südtiroler Jagdverbandes gewährleistet. In Eigenjagdrevieren übernehmen freiwillige Jagdaufseher diese Aufgabe, im Stilfser Joch Nationalpark das Landesforstkorps. Im Jahr 2025 hatten die Reviere kraft Gesetzes 6.174 Mitglieder mit mindestens einer Jahres- oder Gastkarte, darunter 442 Frauen.

Im Südtiroler Jagdgesetz ist die jagdpolitische Zielsetzung zur Erhaltung eines artenreichen, gesunden Wildbestandes sowie der Schutz und die Verbesserung der jeweiligen Lebensräume durch ein aktives Wildmanagement festgeschrieben. Eine nachhaltige Nutzung wird über Abschusspläne und individuelle Abschusskontingente bei Schalenwild und Hühnervögeln angestrebt. Aus dem Feld-Wald-Wild Dialog vom Südtiroler Bauerbund, Südtiroler Jagdverband, Abteilung Forstwirtschaft und Abteilung Landwirtschaft gehen regelmäßig Leitlinien für einen Interessenausgleich hervor.

Wildschäden

Ein wichtiger öffentlicher Auftrag der Jagd ist die Anpassung des Wildbestandes an die Äsungsbe dingungen und damit auch die Vermeidung von Wildschäden. Die Vergütung von Schäden, welche von jagdbaren Wildarten verursacht werden, übernimmt grundsätzlich das betreffende Jagdrevier.

Für Schäden durch nicht jagdbares Haarwild, wie durch Großraubwild, aber auch durch Greifvögel und Hasen zahlt die Landesverwaltung Beihilfen zum Ausgleich dieser Einbußen aus. Für unverzüglich gemeldete und durch die Behörde bestätigte Schäden durch Bär, Wolf und Goldschakal ist eine Entschädigung von 100 % vorgesehen.

Vorbeugemaßnahmen spielen grundsätzlich eine wichtige Rolle in der Prävention. Daher gilt grundsätzlich das Prinzip der Prävention, bevor andere Maßnahmen ergriffen werden. Die Landesverwaltung gewährt Beihilfen für Wildschadensverhütungen wie Wildzäune, Wildroste und Elektrozäune.

WILDSCHADENSVERGÜTUNG UND BEITRÄGE FÜR VORBEUGEMASSNAHMEN

Das Südtiroler Jagdgesetz (LG. 14 vom 17. Juli 1987, Art. 37 und 38) sieht Beiträge für die Vergütungen von Wildschäden und für Vorbeugemaßnahmen gegen Wildschäden vor. Für Vorbeugemaßnahmen gegen Wildschäden (Wildzäune, Wildroste und Vogelschutznetze) wurden 158 Vorhaben (21 für Wildzaun, 31 für Bienenschutz, 11 für Herdenschutz auf Almen, 95 für Herdenschutz auf Heimweiden) mit insgesamt 404.433,62 Euro an Beihilfen unterstützt.

Im Jahr 2025 wurden 169 direkte Vergütungszahlungen für Wildschäden an Kulturen und Nutztieren für einen Gesamtbetrag von 121.689,86 Euro ausbezahlt: – 123 Gesuche betreffen Schäden durch Großraubwild. Die Beihilfen im Umfang von 98.235,00 Euro betreffen, 378 Schafe, 18 Ziegen, 4 Rinder. Die Bienenschäden haben Bären verursacht. Ca. 94 % der vergüteten Großraubwild-Schäden entfallen auf Risse von Nutztieren durch den Wolf. – 39 Gesuche betreffen Schäden durch Kleinraubtiere wie Fuchs und Marder. Die Beihilfen im Umfang von 11.528,80 Euro entschädigen 1410 Stück Geflügel. – 3 Gesuche betreffen Schäden an Kulturen. Die Beihilfen im Umfang von 8.824,46 Euro betreffen Schadensfälle von Fraßschäden durch Siebenschläfer.

BEITRÄGE ZUR SICHERUNG DES WILD- UND FISCHBESTANDES

Zur Vermehrung und zum Schutze des Wild- und Fischbestandes sowie zur Unterstützung für entsprechende Maßnahmen sehen sowohl das Fischereigesetz als auch das Jagdgesetz Beiträge vor. Im Jahr 2025 wurden dem Südtiroler Jagdverband und Jagdrevieren für Wildbewirtschaftungsmaßnahmen auf Jagdbezirks- und Revierebene einschließlich der Errichtung von Kühlzellen Beiträge in der Höhe von 1.073.534,00 Euro gewährt, den Pflegezentren für einheimische Vögel für Errichtung und Führung 635.923,00 Euro sowie dem Landesfischereiverband und Bewirtschaftern für den Erhalt und Verbesserung des Fischbestandes Beiträge in der Höhe von 36.316,28 Euro.

3.8 Schutz der aquatischen Lebensräume und der Gewässerfauna

Flüsse, Bäche und Seen prägen Südtirols Landschaft, sie sind Lebensräume mit hoher ökologischer Bedeutung, Grundlage vielfältiger Nutzungen und zugleich sensible Systeme, die zunehmend unter Druck stehen. Klimawandel, hydromorphologische Eingriffe, Wasserentnahmen, invasive Arten und Nutzungsansprüche wirken gleichzeitig auf aquatische Lebensgemeinschaften ein und verändern deren Struktur und Funktionsfähigkeit. Das Amt für Wildtiermanagement arbeitet täglich daran, diese komplexen Systeme zu schützen, zu verstehen und deren nachhaltige Bewirtschaftung voranzutreiben.

Fischwasser in Südtirol

Das Fließgewässersystem Südtirols erstreckt sich über 9.500 km und schließt sowohl Gebirgsbäche als auch Flüsse und Gräben der Talsohle ein. Davon können fischereilich lediglich um die 1.600 km genutzt werden. Dies entspricht einer Wasseroberfläche von etwa 1200 ha.

Auch die Stillgewässer sind über alle Höhenstufen des Landes verteilt. In Summe gibt es an die 350 Stillgewässer, wovon lediglich

20 % fischereilich genutzt werden können. Die natürlichen Seen mit einer Wasseroberfläche von etwa 520 ha machen den kleineren Teil davon aus. Den weitaus größeren Teil stellen die Stauseen und künstlichen Seen mit einer Wasseroberfläche von beinahe 1200 ha dar.

Die große Mehrheit der Fischwässer wird als Salmonidengewässer eingestuft. Es handelt sich hierbei um schnell fließende Gewässer mit tiefen Wassertemperaturen

sowie um Hochgebirgs- und Bergseen, wie sie in der alpinen Landschaft typisch sind. Die Cyprinidengewässer, welche im Wesentlichen die Überetscher Seen, die langsam fließenden Gräben mit warmgemäßigtem Temperaturprofil sowie einzelne Weiher bilden, machen hingegen nur 6 % der Fischwasserflächen aus.

SCHUTZ UND FÖRDERUNG HEIMISCHER FISCHE

UND KREBSE

Das Amt für Wildtiermanagement führt kontinuierliche Erhebungen zu den Fischbeständen in den Fließgewässern und Seen durch, um die Entwicklung der Wildbestände zu überwachen. In Zusammenarbeit mit dem Fischereiverband Südtirol und Freiberuflern werden auch die Krebsbestände landesweit erhoben. Diese Informationen dienen der Bestimmung des Qualitätszustandes der Gewässer, der Bewirtschaftungsplanung und sind die Grundlage für verschiedenen Maßnahmen zum Schutz und Management der aquatischen Lebensräume- und gemeinschaften.

↑ In den Fließgewässern werden die Fischbestandserhebungen mittels Elektrobefischung durchgeführt: Im Jahr 2025 sind hinsichtlich Fischbestand 37 Gewässer beprobt worden. Generell wird in den letzten Jahren ein Rückgang der Fischbestände in den Fließgewässern Südtirols festgestellt.

Brütlingskontrollen sind eine zentrale Untersuchung zur Beurteilung des Fortpflanzungserfolgs in natürlichen Fischbeständen. Die Ergebnisse liefern wichtige Hinweise auf Beeinträchtigungen im Lebensraum (z. B. Abflussdynamik, Struktur- und Geschiebesituation) und bilden eine wesentliche Grundlage für Schutz- und Bewirtschaftungsmaßnahmen.

↑ In großen Fliessgewässern, die nicht watend überquert werden können, erfolgt die Bestandskontrolle mittels Bootsbefischung. Die Erhebungen der Etsch zwischen Bozen und Auer wurden 2025 im Frühjahr und im Herbst durchgeführt.

Im Frühjahr 2025 wurden vom Amt für Wildtiermanagement landesweit Brütlingskontrollen an Salmonidengewässern durchgeführt. Die festgestellte natürliche Fortpflanzung bei den Forellen und Äschen kann im langjährigen Vergleich als mäßig-schlecht eingestuft werden (durchschnittlich 37 Forellenbrütlinge/100m und 23 Äschenbrütlinge/100m). Generell weisen natürliche Fließgewässer, welche keine Beeinträchtigungen wie Sunk und Schwall, Stauraumspülungen, Begradigungen, Strukturarmut, Geschiebemangel, fischfressende Vögel und natürliche Hochwässer unterworfen sind gut strukturierte Fischbestände auf.

↑ Forellenbrütlinge

↑ Die Marmorierte Forelle (Salmo marmoratus) und die Adriaäsche (Thymallus aeliani) sind die Leitfischarten der größeren Fließgewässer, welche sich im Einzugsgebiet der Etsch befinden. Beide Fischarten weisen eine unzureichende Altersstruktur sowie sehr geringe Biomasse auf. Gerade in den Hauptgewässern spitzt sich die Lage durch die komplexe Kombination zahlreicher negativer Faktoren besonders stark zu. Dies erschwert in besonderer Weise jegliche Maßnahme zum Schutz und Stützung der heimischen Leitfischarten. Bei der Marmorierten Forelle kommt zudem erschwerend hinzu, dass die Bestände stark mit der Bachforelle hybridisiert sind und nur mit genetischen Analysen voneinander unterschieden werden können.

SCHUTZMASSNAHMEN HEIMISCHER ARTEN

Die Förderung der Marmorierten Forelle wird seit 1994 aus Mitteln des Landeshaushaltes, der Umweltgelder, dem Energiefond und dem Wasserzins unterstützt. Gemäß dem 2016 ausgearbeiteten Positionspapier erfolgen Stützmaßnahmen und die Erzeugung von Besatzmaterial unter umfassender genetischer Qualitätskontrolle aller verwendeten Fische.

Vereinbart wurde zudem, landesweit künftig ausschließlich befruchtetes Eimaterial und frühe Jungfischstadien der Marmorierten Forelle zu besetzen. Als Mutterfische werden vorrangig zur Laichzeit im Herbst gefangene Wildfische eingesetzt, die nach genetischer Prüfung zur Nachzucht geeignet sind und anschließend ins Ursprungsgewässer zurückgesetzt werden. Gehältete Mutterfische müssen direkte Nachkommen von Wildfischen sein. Diese Vorgaben sollen die Etablierung von Zuchtstämmen verhindern und die Fitness der Wildbestände sichern; Hälterung, Erbrütung und Aufzucht sollen möglichst naturnah erfolgen.

↑ Einbringung von befruchtetem Eimaterial der Marmorierten Forelle in den angestammten Lebensraum

Besatz Marmorierte Forelle

Anzahl

Brütlinge

Befruchtetes Eimaterial

↑ Seit Winter 2017/2018 werden große Mengen an Eiern und Brütlingen in den Hauptgewässern besetzt. Das Aquatische Artenschutzzentrum stellt gemeinsam mit lokalen Fischereibewirtschaftern und privaten Brutanlagen genetisch qualitätsgeprüftes Besatzmaterial der Marmorierten Forelle bereit.

FLUSSKREBSE

Im Rahmen des Artenschutzprojektes „Südtiroler Bachkrebs“ koordiniert das Amt für Wildtiermanagement landesweite Erhebungen zur Verbreitung der Flusskrebsarten sowie zum Gefährdungszustand des Dohlenkrebses (Austropotamobius pallipes) als einzige heimische Flusskrebsart in Südtirol.

↑ Der heimische Dohlenkrebs: Der Erhaltungszustand der autochthonen Populationen des Dohlenkrebses muss mit der Feststellung von nur sechs Standorten mit positiven Nachweisen im gesamten Landesgebiet als kritisch eingestuft werden. Damit diese Krebsart nicht Gefahr läuft gänzlich zu verschwinden, wurden die autochthonen Bestände genetisch analysiert und auf Grund der Ergebnisse mit einer Genpoolsicherung zweier Herkünfte (Pfusserlahn und Angelbach) im Areal des Aquatischen Artenschutzzentrum in Schenna begonnen.

INVASIVE ARTEN – MONITORING UND MANAGEMENT

Neben dem als eingebürgert klassifizierten Edelkrebs (Astacus astacus) kommen in Südtirol vier invasive, gebietsfremde Arten von unionsweiter Bedeutung vor: Signalkrebs, Kamberkrebs, Roter amerikanischer Sumpfkrebs und Marmorkrebs Der Marmorkrebs wurde 2024 im Perelegraben bei Bozen erstmals auf dem italienischen Festland nachgewiesen. Für alle Arten werden Maßnahmen zur Kontrolle und Eindämmung, wo möglich auch zur Eradikation, umgesetzt; beim Roten amerikanischen Sumpfkrebs wurde dazu ein Besatz mit jungen Aalen im Kalterer See und im Kalterer Graben durchgeführt (Wirkung erst langfristig beurteilbar).

Die Entnahme invasiver Flusskrebse mittels Reusen wurde 2025 in weiteren Gebieten fortgeführt. Im Sinne der EU-Verordnung Nr. 1143 haben zudem Präventionsmaßnahmen hohe Priorität, insbesondere Vorgaben zu Fischbesatz und Fangmitteln sowie sachliche Öffentlichkeitsarbeit zur Sensibilisierung der Bevölkerung.

Fischerei in Südtirol

Dem Landesfischereigesetz unterliegen nicht sämtliche Gewässer in Südtirol, sondern nur jene Gewässer, welche bereits im „alten“ Verzeichnis der öffentlichen Gewässer von Jahr 1943 eingetragen wurden und jene, welche in einem direkten Zusammenhang damit stehen.

Über 90 % der Fischgewässer sind mit Eigenfischereirechten belegt (Einzelpersonen sowie private oder öffentliche Körperschaften). Diese Rechte sind in Südtirol nicht an Grund und Boden gebunden und können frei veräußert werden. Wo keine Eigenfischereirechte bestehen, steht die Fischerei dem Land Südtirol zu; die Gewässer werden konzessioniert an örtliche Fischervereine vergeben.

Die Fischwässer werden von über 100 Bewirtschaftern betreut. Neben Eigenfischereirechten bestehen vereinzelt mittelalterliche Tafelrechte; zudem gibt es Fischereirechte

der Autonomen Provinz Bozen, die meist an örtliche Vereine konzessioniert sind. Die Überwachung erfolgt durch freiwillige Fischereiaufseher der Vereine und privaten Rechtsinhaber.

Zentrales Anliegen der Südtiroler Fischerei ist der Schutz, die Erhaltung und die Verbesserung der Fischgewässer in ihrem qualitativen und quantitativen Zustand. Diese Zielsetzung bildet die grundlegende Voraussetzung für eine nachhaltige und verantwortungsvolle fischereiliche Nutzung, die ökologische Funktionen wahrt und gleichzeitig eine langfristige Nutzung der Gewässer ermöglicht.

↑ Fischerei in Zahlen: Im Jahr 2025 wurden 3.915 Jahreskarten und 13.734 Tageskarten zum Fischen in Südtirols Fischgewässern ausgegeben. Insgesamt wurden Ausfänge von 23.907 Fischen registriert, dies entspricht einer Biomasse von 9.756 kg. Bevorzugt wurden Regen- und Bachforellen entnommen und an den Seen waren Renken und Flussbarsche am beliebtesten. Die Entnahme der geschützten Fischarten, wie die Marmorierten Forelle und die Äsche ist im Moment verboten bzw. Stark eingeschränkt.

JÄGER- UND FISCHERPRÜFUNG, AUSSTELLUNG VON DOKUMENTEN

Die Ausübung der Jagd und der Fischerei sind an einen Befähigungsnachweis gebunden, welcher nach erfolgreichem Bestehen der entsprechenden Prüfungen, durchgeführt vom Amt für Wildtiermanagement, erlangt wird. Die Jägerprüfungen konnten wiederum regulär abgehalten werden. Im Jahr 2025 wurden 269 Befähigungsnachweise für die Jagdausübung ausgestellt.

Jägerprüfungen2025

Seit November 2021 wird die Fischerprüfung in einem neuen Modus abgehalten. Die Prüfung findet an mehreren Terminen verteilt über das Jahr für je maximal 57 Teilnehmer pro Tag statt. Im Jahr 2024 wurden 7 Prüfungstermine angeboten.

Fischerprüfungen 2025

eingeschriebene Kandidaten angetretene Kandidaten Kandidaten Prüfung bestanden

Im Jahr 2025 wurden 373 staatliche Fischereilizenzen neu ausgestellt und weitere 972 verlängert. Zusätzlich stellte die Fischereibehörde 983 Ausländerlizenzen aus. Rund 11.109 Personen sind im Besitz einer gültigen Fischereilizenz.

AUFSICHT UND KONTROLLE

Im Jahr 2025 fand die Vorauswahl für den bevorstehenden Kurs für hauptberufliche Jagdaufseher statt. Es wurden 25 Kandidaten für den Kurs, welcher 2026 stattfinden wird, zugelassen. Die für zwei Jahre gültigen Ernennungsdekrete der Sonderwachorgane im Jagd- und Fischereibereich stellt der Direktor des Amtes für Wildtiermanagement aus. Im Jahr 2025 wurden 66 Dekrete ausgestellt.

Ernennungsdekrete zum Sonderwachorgan für Jagd und Fischerei 2024

Neuausstellungen Erneuerungen

Anzahl der Dekrete 4 62

SANKTIONEN IM BEREICH JAGD- UND FISCHEREI

Das Amt für Wildtiermanagement führt das Verwaltungsverfahren zur Verhängung von Verwaltungsstrafen im Zusammenhang mit der Aufsicht und Kontrolle durch die Angehörigen des Landesforstkorps, der Jagd- und Fischereiaufseher durch. Im Laufe des Jahres 2025 wurden in Summe 247 Verfahren für Verwaltungsstrafen abgewickelt. Davon endfallen 28 Verwaltungsverfahren auf den Bereich Fischerei und 219 Verwaltungsverfahren auf den Bereich Jagd. Zusätzlich wurden insgesamt 4 Meldungen von strafbaren Handlungen im Jagdbereich an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet.

FORST-, ALM- UND BERGWIRTSCHAFT

3.9 Genehmigungen & Gutachten

Kulturänderungen / Waldumwidmungen

Unter Kulturänderung ist die Umwidmung von Wald in eine andere Kulturgattung (z.B. Wiese, Weide, Weinberg) oder Bodennutzungsform (z.B. Skipiste, Parkplatz, Gewerbegebiet) zu verstehen. Eine Kulturänderung stellt eine nachhaltige Änderung in der Nutzung einer bewaldeten Fläche dar.

BAULEITPLANÄNDERUNGEN MIT UMWANDLUNG VON WALD IN ANDERE BODENNUTZUNGSFORMEN. 2025 wurden in Südtirol insgesamt 120 Verfahren für Waldumwidmungen durchgeführt: 117 Grün-Grün Verfahren (KGG) und 3 andere Landschaftsplanänderungsverfahren (KRL)

UMGEWIDMUNGSFLÄCHEN 2025

Umwidmung von Wald in Landwirtschaftsgebiet: 336.346 m²; Umwidmung von Wald in alpines Grünland oder bestockte Wiese und Weide: 185.824 m²; Gesamtfläche: 522.170 m²

Fachkommission

In der Landesfachkommission gemäß Art. 2 des LG 23/1993 sind im Jahre 2025 insgesamt 211 Projekte behandelt und begutachtet worden, und zwar Projekte der Abteilungen Wasserschutzbauten, für Forstwirtschaft, Landwirtschaft und die Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz. Weiters wurden die 2 Preisverzeichnisse für das Jahr 2025 der Agentur für Bevölkerungsschutz (Funktionsbereich Wildbach- und Lawinenverbauung), der Abteilungen Land- und Forstwirtschaft und der Landesagentur für Umwelt bewilligt, sowie 9 Rangordnungen für die ELR-Maßnahmen genehmigt.

GUTACHTEN FÜR UMWELTVERTRÄGLICHKEITSPRÜFUNGEN, GUTACHTEN FÜR DIE UMWELTDIENSTSTELLENKONFERENZ UND FÜR BAGATELLEINGRIFFE SOWIE GENEHMIGUNGEN FÜR ERDBEWEGUNGEN

Im Jahr 2025 wurden für die Genehmigung von Projekten im Rahmen von 26 Dienststellenkonferenz für den Umweltbereich und von 6 Umweltverträglichkeitsprüfungen von den Forstinspektoraten 268 Gutachten in Bezug auf die forstlich-hydrogeologische Stabilität und vom Amt für Wildtiermanagement 73 Gutachten in Bezug auf Schutz der Wildtiere, Fischerei/Fischwasser erstellt. Weiters erteilten die Forstinspektorate 1.965 Genehmigungen mit Erdbewegungsvorschriften und 330 Gut achten für Bagatelleingriffe

SONDERERLAUBNIS ZUM PILZESAMMELN

Der Abteilungsdirektor kann, aufgrund einer Delegierung des Landesrates für Forstwirtschaft, eine Sondererlaubnis zum Pilzesammeln für wissenschaftliche oder

Unterrichtszwecke erteilen. Diese Erlaubnis kann für begrenzte Gebiete oder für die gesamte Landesfläche ausgestellt werden. Wo ein ausdrückliches Verbot von Seiten der Eigentümer besteht, gilt die Sondererlaubnis nicht. Im Jahr 2025 wurden 75 Sondergenehmigungen zum Pilzesammeln ausgestellt.

BEWILLIGUNGEN ZUM FAHREN AUF GESPERRTEN STRASSEN

Der Abteilungsdirektor kann, aufgrund einer Delegierung des Landesrates für Forstwirtschaft, den Verkehr mit Kraftfahrzeugen auf gesperrten Straßen zu Studienzwecken oder zu anderen Zwecken von offensichtlich öffentlichem Interesse erlauben. Im vergangenen Jahr 2025 wurden 300 Bewilligungen zum Befahren gesperrter Straßen ausgestellt.

3.10 Aufsicht und Kontrollen 2025

Zu den Aufgaben des Forstdienstes gehören auch die Überwachung und Kontrolle der Bestimmungen des Forstgesetzes (LG 21/1996) sowie des Jagd- und Fischereigesetzes (LG 14/1987 und LG 3/2023). Daneben wurde die Forstbehörde in den vergangenen Jahrzehnten mit der Überwachung weiterer Gesetze zum Schutze von Landschaft und Umwelt betraut; die vom Landesforstkorps festgestellten Übertretungen werden dabei von den jeweiligen Fachämtern der zuständigen Landesabteilungen weiterbearbeitet. Das Landesforstkorps ist mit Aufsicht und Kontrolle der Rechtsvorschriften in folgenden Sachbereichen betraut: Gemeinnutzungsrechte (LG 16/1980), Landschaftsschutz (LG 9/2018), Naturschutz (Flora, Fauna, Habitat, Mineralien; LG 6/2010), Verkehr mit motorbetriebenen Luftfahrzeugen (LG 15/1997) Abfallbewirtschaftung und Bodenschutz (LG 4/2006), Gewässerschutz (LG 8/2002), Verbrennen von Biomaterial (LG 8/2000), Schutz der Wasserläufe (LG 35/1975), CITES (Washingtoner Artenschutzübereinkommen – Gesetz 150/1992)

Anzahl

Festgestellte Übertretungen des Forstgesetzes

Festgestellte Übertretungen des Pilzgesetzes

Festgestellte Übertretungen des Kraftfahrzeugverkehrs in geschützten Gebieten

Festgestellte Übertretungen des Natur- und Landschaftsschutzgesetzes

Festgestellte Übertretungen Umweltschutzgesetze

Festgestellte Übertretungen Jagd und Fischerei

Durchgeführte Kontrollen gefährdete und gefährliche Tiere

Verfasste Mitteilungen Nachricht strafbare Handlungen

Durchgeführte sicherheitspolizeiliche Dienste

*4 Dienste:

– Sicherheitsdienst – 03.04.2025 – Aufsicht bei Entschärfung Kriegsbombe in Enneberg / 4 Personal LFK (1 Tag)

– Aufsicht Gemeindewahlen 2025 – 03. bis 04.05.2025 / 40 Personal LFK (2 Tage)

– Aufsicht Referendum 2025 – 07. bis 09.06.2025 / 40 Personal LFK (3 Tage)

– Sicherheitsdienst Sommerresidenz Staatspräsident Sergio Mattarella – Seiser Alm – 09. bis 26.08.2025 –Fst. Kastelruth + Personal F.I. Brixen für die gesamte Besuchszeit / 7 Personal LFK (14 Tage)

140

64

444

77

24

37

0

71

*4

Übersicht über die Mitteilungen von Nachrichten strafbarer Handlungen durch das LFK

Das Landesforstkorps (LFK) hat in der täglichen Arbeit in den über das gesamte Landesgebiet verteilten Dienststellen neben verwaltungspolizeilichen auch gerichtspolizeiliche Aufgaben, um strafbare Handlungen im Zusammenhang mit dem Wald, der Jagd und Fischerei, dem Landschafts- und Umweltschutz zu verhindern und einzudämmen.

Nachrichten strafbarer Handlungen

Gerichtspolizeiliche Tätigkeit 2024 2025

Nachrichten strafbarer Handlungen gegen bekannte Täter 26 43

Nachrichten strafbarer Handlungen gegen unbekannte Täter 7 19

Nachrichten strafbarer Handlungen vor dem Friedensrichter 1 -

Nachrichten strafbarer Handlungen – keine strafbare Handlung 3 1

Nachrichten strafbarer Handlungen nach Anzeige gegen bekannte Täter - -

Nachrichten strafbarer Handlungen nach Anzeige gegen unbekannte Täter 1 -

Nachrichten strafbarer Handlungen nach Strafantrag gegen bekannte Täter 4 1

Nachrichten strafbarer Handlungen nach Strafantrag gegen unbekannte Täter 2 3

Nachrichten strafbarer Handlungen im Auftrag der Staatsanwaltschaft Bozen (für strafbare Handlungen, die nicht vom LFK festgestellt wurden, diesem jedoch zugewiesen wurden) 1 4

Insgesamt Nachrichten strafbarer Handlungen 45 71 Übermittelte Folgeakten:

(Beauftragungen für Ermittlungen, Beschlagnahmen, Durchsuchungen, technische Erhebungen, Ortsaugenscheine, Verhöre, Beschaffung von Akten, Wahl Domizil/Verteidiger, Protokolle, Zustellungen Gerichtsakte …)

Waldbrand Latsch 2025 →

Nachrichten strafbarer Handlungen nach Bereich

Verschiedene strafbare Handlungen im Bereich Jagd, Fischerei, CITS, Waffen, Wilddiebstahl usw. Gesetz 157/1992 (Jagd) – Gesetz. 150/1992 (CITES) und andere Fachgesetze

Bauvergehen und Vergehen gegen den Landschaftsschutz sowie Naturdenkmäler, usw.

LD 42/2004 – DPR 380/2001 – StGB. Art. 734 – und andere Fachgesetze

Vergehen gegen die öffentliche Gesundheit (Verunreinigungen / Umwelt)

StGB. Art. 452/bis

Verschiedene Vergehen im Umweltbereich (Boden, Wasser und Luft)

LD 186/2012 – LD 152/2006

Verursachung eines Waldbrandes

StGB Art. 423-bis

(einschließlich der Fälle mit Schaden Art. 635 StGB)

Widerrechtliche Weide

StGB Art. 636

Betrug zu Lasten des Staates und der öffentlichen Verwaltung

StGB Art. 316-ter – Art. 640 – andere Artikel des StGB

Rauschmittel (Cannabis / Haschisch, usw.)

DPR 309/1990

Diebstahl (Holz- und Materialdiebstahl)

StGB Art. 626 und 624

StGB Art. 544-ter

Andere Vergehen (u.a. Sachbeschädigung, fahrlässige Körperverletzung, Amtsmissbrauch, Unterlassung von Amtshandlungen usw.)

Nichtbefolgung behördlicher Anordnungen

StGB Art. 650

Vergehen von Privatpersonen gegen die öffentliche Verwaltung

Gewaltanwendung, Drohung, Widerstand gegen eine Amtsperson, Verweigerung der Herausgabe der persönlichen Daten usw.;

StGB Art. 336, 337 und 651

Insgesamt

Am 6. März 2025 ereignete sich in Latsch, in der Örtlichkeit Platz (auf rund 1.300 m ü. M.), ein unbeabsichtigter Waldbrand. Ein Privatfahrzeug geriet während der Fahrt aufgrund eines technischen Defekts in Brand. Infolge des starken Windes breiteten sich die Flammen rasch auf den angrenzenden Wald aus und erfassten eine Gesamtfläche von 92 Hektar. Aufgrund der unmittelbaren Gefährdung der Wohnhäuser in der nahegelegenen Fraktion St. Martin wurde deren vorsorgliche Evakuierung angeordnet.

↑ Erdbewegungsarbeiten ohne Genehmigung, Bau- und Landschaftsvergehen

Kontrollen für die Gewährung der EU-Agrarumweltprämien

2025 wurden vom Landesforstkorps 446 Vor-Ort-Kontrollen im Rahmen der 3 %-Stichprobe für die EU-Beiträge im Auftrag der Landeszahlstelle durchgeführt. Diese Kontrollen umfassen die Überprüfung der Einhaltung der Verpflichtungen der verschiedenen Vorhaben, die Einhaltung der „anderweitiger Verpflichtungen“ (Cross Compliance), Flächenkontrollen, Tierregistrierung sowie die Betriebsprämie. Es wurden insgesamt 384 Betriebskontrollen, 45 Almkontrollen und 17 Kontrollen traditioneller, lokaler Weiden (PLT) durchgeführt.

FORST-, ALM- UND BERGWIRTSCHAFT

3.11 Informations- und Öffentlichkeitsarbeit

Im Jahr 2025 wurden 80 öffentliche Forsttagsatzungen bzw. Forstinfotage abgehalten; diese finden in der Regel in jeder Gemeinde einmal jährlich statt. In der Forsttagsatzung werden Neuerungen vorgestellt, Ziele und Jahresprogramme mit anderen Verwaltungen vereinbart und Ermächtigungen erteilt.

2025 wurden in ganz Südtirol mit 11.057 Grundschulkindern Baumfeste durchgeführt, weiters 102 Exkursionen und Fachtagungen, 1 Messeauftritt, sowie 196 Vorträge und Informationsveranstaltungen organisiert, 40 Fachartikel veröffentlicht und 69 Praktikanten und Diplomanden betreut.

↑ Baumfest

FORST-, ALM- UND BERGWIRTSCHAFT

3.12 Aus- und Weiterbildungstätigkeit

Grundausbildung für 25 Forstwachen und Ausbildungskurs für 25 Försterinnen und Förster

Im Jahr 2025 fanden zwei Ausbildungskurse statt; beide Kurse wurden vom Forstdienst in der Forstschule Latemar am Karerpass ausgetragen.

Im Februar endete ein fünfmonatiger Ausbildungslehrgang für 25 Forstwachen. Im März traten die neuen Mitarbeiterinnen (9) und Mitarbeiter (16) ihren Dienst auf den Forststationen an und absolvierten anschließend eine Reihe von Aufbaumodulen.

Im November begann ein dreimonatiger Ausbildungslehrgang für insgesamt 25 Försterinnen und Förster (4 Anwärterinnen und 21 Anwärter).

FORST-, ALM- UND BERGWIRTSCHAFT

3.13 Forstgärten

2025 wurden von den Landesforstgärten insgesamt 411.613 Pflanzen an private Waldbesitzer, an öffentliche Körperschaften und für die Baustellen des Landesforstdienstes abgegeben:

342.192

55.048

7.764

5.943

Nacktwurzelige Pflanzen für Aufforstungen

Vertopfte Pflanzen für Baumfeste und Aufforstungen

Sträucher für Hecken in der Landwirtschaft

Vertopfte Zierpflanzen für öffentliche Körperschaften

666 Veredelte Edelkastanien

411.613

Weiters wurden im Jahr 2025:

8.975

104.650

367.655

Pflanzen insgesamt

Pflanzen vertopft als Zierpflanzen

Pflanzen vertopft als Aufforstungspflanzen und für Baumfeste

Pflanzen verschult

↑ Pflanzbeete der Forstgärten mit verschiedenen Baumarten

Zur Auswahl standen insgesamt 75 verschiedene Pflanzenarten. Der Nachfrage an Pflanzen für Hecken in der Landwirtschaft konnte entsprochen werden. Der Bedarf an Lärche und Tanne sowie an Laubmischbaumarten wie Buche, Bergahorn und Linde konnte nicht gedeckt werden. Insbesondere für Tanne und Bergahorn konnten 2025 gezielt Samen geerntet und ausgesät werden, um deren Nachfrage zu entsprechen. Für die Buche hingegen war u.a. erneut ein schlechtes Samenjahr zu verzeichnen.

FORST-, ALM- UND BERGWIRTSCHAFT

3.14 Studien und Projekte

Messstation Ritten-Grünwald

Die Messstation Ritten-Grünwald wurde 1996 in Betrieb genommen. Hier werden die Kohlendioxid-, Wasserdampf- und Energieflüsse zwischen der Atmosphäre und dem Waldökosystem, praktisch „der Atem des Waldes“, gemessen. Seit 2021 ist der Standort Teil der europäischen ICOS-Infrastruktur-Klasse 2 (Integrated Carbon Observation System – https://www.icos-cp.eu). Im Sinne einer umfangreichen wissenschaftlichen Betreuung der Messstation wurde 2022 eine Stiftungsprofessur an der Freien Universität Bozen eingerichtet, welche an Professor Dr. Leonardo Montagnani übertragen wurde. Dabei wird die Universität in den kommenden Jahren noch weitere Aufgaben hinsichtlich der Führung der Messstation Ritten Grünwald übernehmen.

↑ Vertopfte Pflanzen im Forstgarten
↑ Saatguternte der Weißtanne (Abies alba)
↑ Herbstsaat im Forstgarten

Die Daten werden täglich an die zentrale Datenbank in Lund (Schweden) gesendet. Somit stehen tägliche und jährliche Informationen über die Photosyntheseleistung und Evapotranspiration bereit.

Des Weiteren wurden 2025, wie auch in den vergangenen Jahren, auf der eingezäunten Waldfläche der Messstation Ritten-Grünwald mehrere Projekte und Monitorings umgesetzt und weitergeführt. Hierbei waren auch Instandhaltungsarbeiten notwendig, insbesondere zur Absicherung des Messturms.

Neophyten

Als „Neophyten“ (griechisch für „neue Pflanzen“) werden Pflanzenarten bezeichnet, die in unserem Gebiet nicht heimisch sind.

„Invasive Neophyten“ sind Pflanzen, die sich im neuen Gebiet festsetzen, sich dort stark verbreiten, einheimische Arten verdrängen und das natürliche Gleichgesicht stören. Einige von ihnen haben sich insbesondere in den letzten Jahrzehnten in Südtirol stark ausgebreitet. Zu den bedeutendsten Vertretern zählen Riesen-Bärenklau, Schmalblättriges Greiskraut, japanischer Staudenknöterich, Drüsiges Springkraut, sowie Robinie und Götterbaum.

Die Abteilung Forstwirtschaft führt seit dem Jahr 2012 auf Landesebene schwerpunktmäßig Projekte zur Eindämmung des Riesen-Bärenklaus sowie des Schmalblättrigen Greiskrauts durch. Diese zwei Arten zählen zu den Gesundheitsgefährdenden Neophyten und haben im Management die höchste Priorität. Während der Riesen-Bärenklau aufgrund seiner phototoxischen Wirkung schwere Hautentzündungen verursachen kann, stellt das Greiskraut eine erhebliche Gefährdung für Weidetiere und Bienen dar.

Die Bestände des Riesen- Bärenklaus werden landesweit im Rahmen eines jährlichen Monitorings beobachtet. Bei allen bekannten Vorkommen des Riesen-Bärenklaus konnte in den vergangenen Jahren eine weitere Ausbreitung erfolgreich unterbunden werden. Auf einer Probefläche im Eggental wurden auch im Jahr 2025 verschiedene mechanische Bekämpfungsmaßnahmen untersucht.

Nach aktuellen Erkenntnissen ist das frühzeitige mechanische Ausstechen der Jungpflanzen im Frühjahr am effizientesten.

Das Schmalblättrige Greiskraut wird seit rund 10 Jahren in den beiden Hauptverbreitungsgebieten Castelfeder und Vinschgau durch wiederholte Ausreißaktionen erfolgreich zurückgedrängt. Auch im Jahr 2025 wurden landesweit erneut einzelne Ausreißaktionen durchgeführt. Darüber hinaus werden auch weitere invasive Neophytenarten durch den Landesforstdienst auf ausgewählten Standorten, insbesondere in Schutzgebieten eingedämmt.

↑ Messstation Ritten-Grünwald
↑ Heracleum Mantegazzianum: Riesenbärenklau

Die vollständige Eliminierung aller invasiven Arten ist nicht realistisch; das Ziel besteht jedoch in einer möglichst weitgehenden Eindämmung. Es ist entscheidend, integrierte Managementstrategien zu verfolgen und die Bevölkerung zu informieren und aufzuklären, um die Ausbreitung invasiver Arten zu begrenzen und ihre negativen Auswirkungen zu minimieren. Durch eine aktive, kleinflächige und naturnahe Bewirtschaftung unserer wertvollen Kulturlandschaften kann die weitere Etablierung invasiver Neophyten sicherlich eingedämmt werden.

Erfassung der Luftfahrthindernisse

Gemäß Landesgesetz 1/06 sind die Betreiber von Luftfahrthindernissen verpflichtet, deren Bestehen, Errichtung und Abbau der Landesabteilung Forstwirtschaft zu melden.

Das Ziel ist die Erstellung einer flächendeckenden, digitalen, ständig aktualisierten Karte der gesamten Flughindernisse in Südtirol.

Diese Karte soll Hubschrauber- und Flugzeugpiloten einen genauen Überblick bieten bzw. die notwendige Information bereitstellen, um den Hindernissen in der Luft auszuweichen und damit wesentlich zur Flugsicherheit beitragen.

Im Jahre 2025 erfolgten über die Forststationen sowie über das Amt für Forstplanung 1.167 Neumeldungen und 1.220 Abbruchmeldungen. Es handelt sich vornehmlich um Meldungen von ortsveränderlichen

Materialseilbahnen für die Holzbringung. Derzeit (Stand vom 31.01.2026) umfasst die digitale Karte der Luftfahrthindernisse 4.171 linienförmige und 1.081 vertikale Hindernisse. Allgemein ist die Anzahl der fixen linearen Anlagen (Materialkleinseilbahnen, Schussdrähte) im landwirtschaftlichen Bereich weiterhin leicht rückläufig. Stark gestiegen sind die vertikalen Hindernisse (Antennen, Sendemasten, usw.), die im vergangenen Jahr nur knapp über 1.000 lagen.

↑ Senecio inaequidens: Schmalblättriges Greiskraut
Impatiens glandulifera: Drüsiges Springkraut →

Meldung von Luftfahrthindernissen über die Forststationen und das Amt für Forstplanung

Jahr Neumeldungen

Diese bisher erfassten Luftfahrthindernisse, die vom Amt für Forstplanung täglich aktualisiert werden, sind im Landes-Geobrowser Maps veröffentlicht und können jederzeit eingesehen werden. Derzeit haben 79 Personen bzw. Personengruppen für den Downloaddienst der Luftfahrthindernisse angesucht.

Weitere Informationen über dieses Projekt sowie den Zugriff zum Geobrowser Maps findet man unter folgender Adresse: http://www.provinz.bz.it/forst/studien-projekte/flughindernissen.asp

Linienförmige Luftfahrthindernisse

*Ab 2020 wurden die als „Materialseilbahnen“ erfassten Luftfahrthindernisse in Materialkleinseilbahnen (Nutzlast < 1.000 kg) und Materialgroßseilbahnen (Nutzlast > 1.000 kg) aufgegliedert.

↑ Materialkleinseilbahn Juval

Wegeprojekt

Das öffentliche Interesse an verlässlichen Daten des Fahrwegenetzes ist sehr groß. Bei der Adressenverwaltung der Landesverwaltung, der Landesnotrufzentrale, der Gemeinden, der freiwilligen Feuerwehren, der Berufsfeuerwehr Bozen und verschiedenen Privatfirmen, spielen auch die Forst- und Güterwege eine wichtige Rolle und stellen das eigentliche Grundgerüst des digitalen Wege- bzw. Straßenkatasters dar.

Von der Forstbehörde werden derzeit 16.492 km Fahrwege (Forst-, Alm- und Güterwege) verwaltet. Die Anzahl der Einzelabschnitte beträgt 25.794. Von dieser übergeordneten Kartei wurde auch die digitale Anbindung der mit Dekret gesperrten Fahrwege (L.G. Nr. 10/90) weitergeführt, damit auch in diesem Bereich ein besserer Überblick bzw. eine Vereinheitlichung der Karteien möglich ist. Die linienmäßige Überprüfung wie auch die Richtigstellung der beschreibenden Parameter sämtlicher Güter- und Forstwege wurde auf der gesamten Landesfläche weitergeführt bzw. aktualisiert. Es handelt sich zurzeit um 4.001 km Güterwege mit 7.817 einzelnen Wegeabschnitten, aufgeteilt auf 3.732 km LKW- und 269 km Traktor befahrbare Wege und 12.491 km Forstwege mit 17.977 einzelnen Wegeabschnitten, aufgeteilt auf 5.882 km LKW- und 6.609 km Traktor befahrene Wege.

Zudem werden seit 2018 auch 15.817 km Wanderwege digital verwaltet. Dazu gehört auch die Erhebung im Gelände, die Datenausgabe und eine kontinuierliche Verbesserung der Daten, grafisch wie auch die Korrekturen in der Datenbank.

Beobachtung der Rutschungen von

RUTSCHUNG VON CORVARA

Seit 2001 führt das Amt für Forstplanung GPS-Messungen zur Beobachtung der Rutschung in Corvara durch. Die Rutschung erstreckt sich oberhalb des Dorfes Richtung Campolongo-Pass-Straße bis zum Golfplatz sowie weiter Richtung Pralongià, Bioch und Piz-Arlara-Hütte (Ciablun) und umfasst ca. 300 ha. Von ursprünglich 52 Messpunkten sind 33 verblieben; 11 davon werden Eurac Research für Forschungsprojekte zur Verfügung gestellt. Die übrigen 22 Punkte misst das Amt für Forstplanung einmal jährlich. Im Jahr 2025 erfolgte die Messung im Oktober; die gemessenen Bewegungen liegen im Trend der Vorjahre.

RUTSCHUNG VON TRAFOI

Die Rutschung liegt auf der orografisch linken Seite oberhalb von Trafoi zwischen oberer Tartscher Alm und Furkelhütte und umfasst insgesamt ca. 600 ha. Sie kann in zwei Abschnitte gegliedert werden; der obere Abschnitt (zwischen 2000–2900 m ü.M.) wird vom Amt für Forstplanung mit 11 Messpunkten überwacht.

Im Jahr 2025 wurde im Juli eine Messung durchgeführt. Vier Punkte zeigen gegenüber dem Vorjahr Bewegungen von bis zu 9 cm; dies entspricht der Tendenz der Vorjahre. Die übrigen Punkte sind weiterhin stabil.

Insgesamt führte das Amt für Forstplanung 2025 zur Beobachtung der beiden Rutschungen an 26 Punkten präzise GPS-Vermessungen durch. Die Ergebnisse werden jährlich an das Amt für Geologie und Baustoffprüfung übermittelt und bilden eine wichtige Datengrundlage für die Überwachung.

↑ Messpunkt Corvara

4. Agentur Landesdomäne

„Wir schützen und nützen die uns anvertrauten natürlichen Ressourcen – nachhaltig und verantwortungsvoll.“ Diesem Leitsatz folgt die Agentur Landesdomäne bei der Verwaltung und Bewirtschaftung der ihr zugewiesenen Flächen des unverfügbaren Vermögens Forste und Landwirtschaft. Im Fokus stehen Kreislaufwirtschaft und Ressourcenschonung in Land-, Forstwirtschaft und Gartenbau.

Die Agentur ist eine Hilfskörperschaft der Autonomen Provinz BozenSüdtirol und agiert zugleich wie ein Unternehmen. Über den Agrarbetrieb Laimburg und den Forstbetrieb verwaltet und bewirtschaftet sie sämtliche land- und forstwirtschaftlichen Flächen im Eigentum des Landes, einschließlich der Hochgebirgsflächen, sowie die zugehörigen Infrastrukturen. Dazu zählen unter anderem 20 landeseigene Gutshöfe, vier forstliche Aufsichtsstellen, die Gärten von Schloss Trauttmansdorff in Meran, die Forstschule Latemar, das Landessägewerk Latemar in Welschnofen und das Aquatische Artenschutzzentrum in Schenna.

Zudem begleitet die Agentur die verwaltungsmäßige Abwicklung von jährlich über 1.000 Projekten der Abteilungen Forstdienst, Natur, Landschaft und Raumentwicklung sowie der Umweltagentur. Damit sichert sie die Umsetzung zentraler Maßnahmen wie Waldpflege, Aufforstung, Hangstabilisierung, Lawinenverbauung, Biotopschutz, Wanderwege und Sofortmaßnahmen nach Unwetterschäden.

Auf einen Blick

AGENTUR DER LANDESDOMÄNE

AGENTUR LANDESDOMÄNE: 2025

75.000 ha

Gesamtfläche Agentur Landesdomäne

5.095 ha Wald

740.000 ha

Gesamtfläche Südtirol

601 Konzessionen

2 ha Aquatisches Artenschutzzentrum

12 ha Die Gärten von Schloss Trauttmansdorff

219 ha Landwirtschaft

3 Aktive Verträge

73 Immobilien

174

FORSTGARTEN AICHA: 2025 = 100 Ernten

20.000 Aufforstungspflanzen

1.700 Wildsträucher 700 Laubbäume

76 Jagdkonzessionen

18 Passive Verträge

ERNTEMENGEN:

LANDWIRTSCHAFTSJAHR 2025

0 kg

Oliven

41.961 kg

174 kg

Kräuter getrocknet

1.017 kg Honig

2.025 kg div. Stein- und Beerenobst

Gemüse 2.090 kg Kastanien

216.450 l Milch

2.460.000 kg Weintrauben

6.860.000 kg Äpfel

7.644 kg

Kirschen

4.1 Die Südtiroler Agentur Landesdomäne

Die Agentur Landesdomäne gliedert sich in fünf operative und dienstleistende Bereiche: Agrarbetrieb Laimburg, Forstbetrieb, Die Gärten von Schloss Trauttmansdorff, Verwaltung und Liegenschaftsverwaltung. Sie verwaltet und bewirtschaftet die Hochgebirgsflächen sowie die land- und forstwirtschaftlichen Flächen des Landes Südtirol einschließlich der zugehörigen Immobilien, Betriebe und Gebäude. Zudem führt sie die Forstschule Latemar; auch das Landessägewerk Latemar und das Aquatische Artenschutzzentrum fallen in ihren Zuständigkeitsbereich. Auftrag der Agentur ist es, das Landesvermögen bestmöglich zu erhalten und nachhaltig zu nutzen.

Mit rund 130 Hektar Obstbau, 50 Hektar Weinbau, 15 Hektar Grünland, knapp 5 Hektar Gemüse und über 5.095 Hektar Wald ist die Agentur der größte land- und forstwirtschaftliche Betrieb des Landes.

Die Agentur Landesdomäne in Zahlen

Gesamtfläche Agentur Landesdomäne

ha

ha

AGENTUR LANDESDOMÄNE

4.2 Agrarbetrieb

Laimburg

Zum Agrarbetrieb Laimburg gehören 20 Gutshöfe in den unterschiedlichsten Lagen Südtirols, vom Vinschgau über den Meraner Raum, das Unterland und Überetsch bis ins Pustertal. Alle Zweige der heimischen Landwirtschaft sind hierbei vertreten: Alpine Landwirtschaft, Obst-, Wein-, Beeren-, Getreide- und Gemüsebau sowie Kräuteranbau und Imkereiwesen. Daneben werden auf 4 Gutshöfen am Freiberg oberhalb von Meran auch Kastanien angebaut. Das geerntete Obst wird an verschiedene Obstgenossenschaften geliefert, die Traubenernte an das Landesweingut Laimburg und an verschiedene Weinkellereien.

Ein Vergleich des Agrarbetriebes Laimburg mit anderen landwirtschaftlichen Betrieben des Landes ist schwer möglich, da ein Großteil der landwirtschaftlichen Flächen für Forschungszwecke nach den Vorgaben des Versuchszentrums Laimburg bewirtschaftet wird und der Agrarbetrieb als Teil einer öffentlichen Körperschaft andere Bestimmungen anwenden muss als ein privatwirtschaftlich geführter Betrieb (z. B. in Vergabewesen, Personalverwaltung, Buchhaltung, Arbeitsschutz u. m.).

ZIEL: EINE BEDARFSGERECHTE AUTOMATISIERTE BEWÄSSERUNG AUF ALLEN FLÄCHEN

Der sparsame Umgang mit Ressourcen ist ein zentrales Ziel der Agentur Landesdomäne, weshalb die Beregnungsanlagen schrittweise auf ein sensorgesteuertes, bedarfsgerechtes Bewässerungssystem umgestellt werden; diesem Ziel ist man im Jahr 2025 erneut nähergekommen, da die Umsetzung neben den bereits automatisierten Flächen auch

im Betrieb Binnenland erfolgt ist.Zudem hat der Agrarbetrieb Laimburg für dieses Projekt nach dem zweiten Platz beim Umwelt- und Klimapreis der Länder Tirol/Südtirol (Kategorie „Maßnahmen und Aktivitäten“) im Jahr 2024 auch beim Raiffeisen-Wettbewerb „Gemeinsam für unsere Zukunft“ 2025 den sehr guten dritten Platz erreicht.

↑ 3. Auszeichnung 3. Platz beim Raiffeisen-Wettbewerb „Gemeinsam für die Zukunft“ 2025

ZIEL: LANGFRISTIGES ERSETZEN DER MINERALISCHEN STICKSTOFFDÜNGUNG

DURCH ORGANISCHE ALTERNATIVEN

Im Jahr 2025 wurden die Düngepläne aller Anlagen für den Zeitraum 2025–2029 angepasst, wobei besonderer Wert darauf gelegt wurde, die mineralische Stickstoffdüngung durch organische Alternativen zu ersetzen. Dadurch sollen künftig mehrere Tonnen mineralischer Stickstoffdünger und damit auch CO₂-Emissionen eingespart werden.

LANDWIRTSCHAFTSJAHR 2025

Menge und Qualität der Äpfel im Agrarbetrieb Laimburg waren im Jahr 2025 noch besser als im guten Jahr 2024. Aufgrund der idealen Wachstumsbedingungen waren die Fruchtgrößen 2025 besonders gut.

Im Weinbau war es hingegen, wie im gesamten restlichen Land, wieder ein eher schwieriges Jahr mit teilweise sehr geringen Mengen und bescheidenen Qualitäten. Im Vergleich zum generell schwachen Jahr 2024 brachte das Landwirtschaftsjahr 2025 zwar vereinzelt gute Qualitäten, jedoch auch Anlagen mit Totalausfall durch Fäulnis.

Erntemengen 2025

Äpfel 6.860 t

Weintrauben 2.460 dt

Milch 216.450 l

Honig 1.017 kg

Kräuter getrocknet 174 kg

Gemüse 41.961 kg

Kirschen 7.644 kg

Tabelle felt

Kastanien 2.090 kg

Oliven 0 kg

div. Stein- und Beerenobst 2.025 kg

Anbauflächen 2025

Kultur Fläche*

Obstbau 128,5 ha

Davon Bio-Anbau Äpfel: 10,9 ha

Pflanzenanzucht 5,6 ha

Weinbau 48,88 ha

davon Bio-Anbau Trauben: 2,35 ha

Kirschen 2,4 ha

Diverse Beeren 0,23 ha

Marillen 0,34 ha

Anderes Obst 0,96 ha

Kräuter 0,75 ha

Getreide 0,75 ha

Gemüse 4,5 ha

Dauerwiese 14,18 ha

Gemischte Wechselwiese 2,15 ha

Kartoffeln 0,16 ha

Futtermais 1,59 ha

*Bruttofläche laut Lafis; Stand: Juli 2025

↑

↑ 2-jährige Mehrachsanlage am Ladstätterhof in Sinich

Elektrische Hebebühne am Betrieb Laimburg (Ersatz für dieselbetriebene Maschine)

4.3 Forstbetrieb

Der Forstbetrieb der Agentur Landesdomäne verwaltet über 75.000 Hektar Fläche im alpinen Bereich, darunter rund 5.095 Hektar Waldfläche in Landesbesitz. Mit der Überwachung und Bewirtschaftung der Waldflächen sind vier forstliche Aufsichtsstellen (FAS) betraut.

WALDBEWIRTSCHAFTUNG GEHT

LANGSAM IN RICHTUNG NORMALITÄT

Der Holzeinschlag lag mit rund 14.500 Festmetern etwas über dem Jahreshiebsatz. Die Waldbewirtschaftung beginnt sich nach den Schadereignissen der letzten Jahre langsam zu normalisieren. Neben den Endnutzungen wurden auf etwa 6 Hektar Pflegemaßnahmen durchgeführt. Auf einer Fläche von 5 Hektar erfolgten aktive Maßnahmen zur Erneuerung des Waldes, wie Aufforstung oder Verbissschutz. Der Anteil an Schadholz am Gesamteinschlag ist mit 68 % dennoch hoch, bedingt vor allem durch Borkenkäferbefall. Rund 90 % des Käfer- und Windwurfholzes aller Domanialwälder landesweit konnten innerhalb desselben Jahres aufgearbeitet und damit vorbeugend gegen weiteren Borken-käferbefall aus dem Wald gebracht werden.

↑ Bei der Anschaffung neuer Maschinen wird großer Wert auf eine umfassende Einschulung gelegt AGENTUR LANDESDOMÄNE

Die Landeswälder in Welschnofen sind nach wie vor am stärksten von Schadereignissen betroffen: Im Jahr 2025 wurden dort 7.000 m³ Käferholz geerntet. Die Holzernte erfolgte ausschließlich durch eigene Forstarbeiter und mit eigenen Maschinen. Ein Teil des geernteten Sägerundholzes wurde über Versteigerungen zu zufriedenstellenden Preisen verkauft.

Der Einschnitt im Landessägewerk Latemar betrug 6.200 Festmeter, woraus 3.800 m³ Bretterware produziert wurden.

↑ Die Preise für Sägerundholz waren 2025 zufriedenstellend

↑ Der Anteil planmäßiger Holznutzungen in den Landeswäldern nimmt wieder zu

NATURSCHUTZ

In den Landeswäldern befinden sich auch mehrere Naturschutzflächen. Im Jahr 2025 wurde im geschützten Biotop Palwetschmoos in Welschnofen auf einer Fläche von 3 Hektar eine umfassende Pflegemaßnahme durchgeführt, um die Wiederbewaldung des wertvollen Kalkflachmoores zu verhindern. Mit mehreren Seilkranlinien wurden alle hochstämmigen Nadelbäume – mit Ausnahme einiger markanter, landschaftlich und ökologisch wertvoller Kiefern – samt Nadelmasse schonend entfernt.

WILDMONITORING UND ANDERE AUFGABEN

Zu den vielfältigen Aufgaben der Förster der Agentur Landesdomäne gehört das Monitoring von Murmeltieren, Schalenwild, Hühnervögeln sowie Großraubwild. Um Schäden an der Waldverjüngung zu vermeiden, hat das eigene forstliche Aufsichtspersonal in einigen Gebieten Abschüsse von Schalenwild, insbesondere von weiblichem Rotwild, durchgeführt. Die Gämse oberhalb des Waldareals werden derzeit hingegen geschont, da ihre Bestände durch die Räude bereits reduziert wurden. Die hochgebirgsdominierten Flächen außerhalb der Domänenwälder sind als Jagdreviere in Konzession vergeben, sodass den Förstern dort lediglich die Aufsicht und Kontrolle der Konzessionen obliegt.

FORSTGARTEN AICHA

Der Forstgarten Aicha ist bestrebt, heimische Wildgehölze anzubieten. Damit soll das Kulturgut der „Heckenlandschaft“ gefördert und ein Beitrag zum Landschafts- und Naturschutz in Südtirol geleistet werden. Im Jahr 2025 wurden rund 1.700 Wildsträucher und 700 Laubbäume sowie über 20.000 Aufforstungspflanzen produziert. Die Käuferinnen und Käufer sind vorwiegend öffentliche Institutionen und private Betriebe, aber auch Privatpersonen.

↑ Um das Verlanden des Palvetschmoores zu verhindern, wurden hochstämmige Bäume entfernt
↑ Der Forstgarten Aicha produziert hauptsächlich Laubgehölze
↑ Trotz Wolfspräsenz im Latemargebiet wird das Rotwild durch gezielte Entnahmen des Forstpersonals reguliert

4.4 Aquatisches Artenschutzzentrum

Die Erhaltung und die Wiederansiedlung von in Südtirol heimischen Fischarten sind die Hauptaufgaben des Aquatischen Artenschutzzentrums. Eigens errichtete naturnahe Wasserläufe und Teiche helfen dabei den Wildfischcharakter zu bewahren.

BEWAHRUNG DER GENETISCHEN VIELFALT UND DES WILDFISCHCHARAKTERS

Die Marmorierte Forelle, die Königin der Hauptgewässer Südtirols, steht im Mittelpunkt der Arbeit im Aquatischen Artenschutzzentrum. Die beiden Grundprinzipien sind die Unterstützung der Bestände durch die Vermehrung und Aufzucht von Teilen des Wildfischnachwuchses sowie die lückenlose genetische Untersuchung aller Individuen.

Dabei werden jedes Jahr wildlebende Marmorierte Forellen gefangen, um Eimaterial zu gewinnen. Insgesamt wurden 2025 rund 40.000 Wildfischeier befruchtet, von denen die meisten wieder in die Ursprungsgewässer ausgesetzt wurden. Ein kleiner Teil dieser Nachkommen wird unter naturnahen Bedingungen zu Reproduktionsfischen herangezogen, um in den kommenden Jahren eine ausreichende Eimenge für den Besatz zu sichern.

Um eine Domestikation zu vermeiden, wurden sowohl die Strukturen als auch das Futter im Aquatischen Artenschutzzentrum an die natürlichen Lebensraumansprüche angepasst. Beim Heranwachsen leben die Marmorierten Forellen in einem eigens errichteten Fließgerinne, das von einem alpinen Bachlauf kaum zu unterscheiden ist. Im vergangenen Herbst wurden in der Anlage insgesamt 380.000 Eier gewonnen, von denen 140.000 zu Brütlingen herangezogen werden sollen. Der Rest der Marmorata-Eier wurde in Zusammenarbeit mit dem Amt für Wildtiermanagement direkt in die Gewässer besetzt.

Naturnahes Fließgerinne im Aquatischen Artenschutzzentrum →

ÄSCHE, DOHLENKREBS UND KLEINFISCHARTEN

Die heimische Adriaäsche gewinnt für das Aquatische Artenschutzzentrum zunehmend an Bedeutung. Die Fische, welche über vier Jahre hinweg zu fortpflanzungsfähigen Tieren herangewachsen sind, wurden im Frühjahr 2025 erstmals erfolgreich abgestreift. Die gewonnenen Eier wurden zu insgesamt 3.390 Jungfische aufgezogen und anschließend in die Passer ausgesetzt. Dieser Besatz stellt jedoch nur einen Teil einer landesweiten Initiative dar. Ziel ist es, mehrere sich selbst erhaltende Genpools aufzubauen, um den langfristigen Fortbestand dieser selten gewordenen Fischart zu sichern.

AGENTUR LANDESDOMÄNE

4.5 Forstschule Latemar

Die Forstschule Latemar ist ein Aus- und Weiterbildungszentrum für den Forst-, Jagdund Umweltbereich. Sie besteht seit 1973 und ist heute Teil der Agentur Landesdomäne. Seit 2006 befindet sich der Sitz der Schule am Karerpass in der Gemeinde Welschnofen.

GUT AUSGEBILDETE JÄGERINNEN UND JÄGER

Im Bereich Jagd wurden Kurse in deutscher und italienischer Unterrichtssprache für Jagdinteressierte aus Südtirol, aber auch aus dem restlichen Staatsgebiet und darüber hinaus angeboten. Ziel ist es, die Kompetenz und den Wissensstand der Jägerinnen und Jäger zu erweitern.

ANHALTEND STARKE NACHFRAGE BEI DEN WALDARBEITSKURSEN

Die Aus- und Weiterbildung von Personen, die beruflich oder nebenberuflich in der Waldarbeit tätig sind, ist für das Land Südtirol von großer Bedeutung. Oberstes Ziel ist dabei die Vorbeugung von Unfällen, die oft schwerwiegende Folgen haben. Das Interesse an Waldarbeitskursen in den verschiedenen Forstinspektoraten ist konstant hoch.

FORSTWACHEN UND FÖRSTERAUSBILDUNG

Im März 2025 wurde der bereits 2024 begonnene, sechsmonatige Ausbildungslehrgang für 25 Forstwachen abgeschlossen. Weiters wurde von Oktober bis Dezember 2025 ein Ausbildungslehrgang für 25 Försterinnen und Förster der VI. Funktionsebene durchgeführt.

Gruppenfoto Forstwachenausbildung 2024/25 →

↑ Jungäsche für den Besatz

(Die Vorjahreszahlen zum Vergleich sind in Klammer gesetzt)

AGENTUR LANDESDOMÄNE

4.6 Die Gärten von Schloss Trauttmansdorff

Die Gärten von Schloss Trauttmansdorff sind eines der beliebtesten Ausflugsziele in Südtirol. Auf 12 Hektar werden über 80 verschiedene Gartenlandschaften aus aller Welt gezeigt. Es gibt neben verschiedenen Themengärten und Pflanzensammlungen auch zahlreiche Künstlerpavillons und Erlebnisstationen zu erleben. Die Gärten wurden mehrfach ausgezeichnet und setzen heute vor allem auf eine ökologische Bewirtschaftung und einen hohen Qualitätsstandard.

KONSTANTE BESUCHSZAHLEN

Die Gärten von Schloss Trauttmansdorff können 2025 auf eine erfolgreiche Gartensaison zurückblicken. Insgesamt 371.286 Besucher:innen genossen die vielfältige Pflanzenwelt der Gärten. In der Gartensaison 2025 wurden vom Gartenvermittlungsteam 1.284 Führungen durchgeführt. Aufgrund der Streikaktionen der Lehrkräfte gab es im Herbst keine Nachfrage nach didaktischen Angeboten vonseiten der deutschen Schulen in Südtirol.

↑ In der Gartensaison 2025 wurden vom Gartenvermittlungsteam insgesamt 1284 Führungen durchgeführt

VERANSTALTUNGEN UND JAHRESTHEMA

Ein abwechslungsreiches Konzertprogramm begeisterte 5.400 Musikinteressierte. Mit vier erfolgreichen Konzerten und den beliebten Gartenpicknicks waren die Sommerveran-staltungen weiterhin ein beliebter Treffpunkt für das einheimische Publikum.

↑ Entspannte Momente beim beliebten Gartenpicknick

Die Besucher:innen konnten während ihres Rundgangs die renommierte Fotoausstellung IGPOTY besichtigen. Sie gilt als einer der weltweit angesehensten Wettbewerbe für Gartenfotografie. Im Gartenareal wurden insgesamt 35 Fotowerke internationaler Künstler:innen präsentiert.

↑ Besucher:innen entdecken entlang der Wege 35 preisgekrönte Gartenfotografien der IGPOTY-Ausstellung aus aller Welt

Zum zweiten Mal in der Geschichte der Gärten wurden die Öffnungszeiten bis zum 6. Januar verlängert. In der Zeit vom 20. November bis 6. Januar verzauberte die Lichtershow LUMAGICA die Gäste. Mit 34.600 Besucherinnen und Besuchern stellte sie ein erfolgreiches Zusatzprogramm zur beliebten Gartensaison dar.

GARTENGESTALTUNG, -TECHNIK UND -PFLEGE Ziel der Gartengestaltung war es auch 2025, einen vielfältigen und langblühenden Wechselflor zu gestalten. Um dies zu gewährleisten ist es wichtig, eine große Vielfalt an Arten und Sorten in der betriebseigenen Gärtnerei zu produzieren und so eine flexible Handhabung sicherzustellen.

Im Herbst musste ein größerer Austausch von Gehölzen vorgenommen werden, da diese aufgrund ungünstiger Bodenverhältnisse seit Längerem Vitalitätsdefizite und Schadbilder aufwiesen. Nach einem umfangreichen Bodenaustausch wurden schließlich neue Bäume gepflanzt. Um den Wasserbedarf für die Gärten auch in Zukunft gering zu halten und die Verfügbarkeit der Ressource Wasser zu sichern, wurde zusätzlich zur neuen Tiefbrunnenbohrung die bodennahe Bewässerung über Tropfschläuche in Kombination mit Feuchtigkeitssensoren in mehreren Beeten erweitert. Im Rahmen der vorgeschriebenen Baumsicherungen wurden über 1.000 Bäume kontrolliert.

Trauttmansdorff in Zahlen

Fläche Gartensaison

5. Versuchszentrum Laimburg

Das 1975 gegründete Versuchszentrum Laimburg ist eine Forschungseinrichtung für Landwirtschaft und Lebensmittelwissenschaften. Es sichert durch angewandte Forschung den Anbau und die Herstellung hochqualitativer landwirtschaftlicher Produkte. Am Versuchszentrum Laimburg arbeiten jährlich rund 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an etwa 400 Forschungs- und Versuchsprojekten in den Labors in Pfatten und am NOI Techpark sowie auf den Versuchsflächen der Agentur Landesdomäne, mit der eine historische und partner-schaftliche Zusammenarbeit besteht.

Die Forschung umfasst Obst- und Weinbau, Berglandwirtschaft, Ergänzungskulturen wie Gemüse, Beeren-, Stein- und Schalenobst sowie Gartenbau. Zusätzlich werden Kompetenzen in Lebensmittelverarbeitung, Produkt- und Prozessinnovation kontinuierlich ausgebaut und durch passende Dienstleistungen ergänzt. Gemeinsam mit der Freien Universität Bozen bildet das Versuchszentrum das Technologiefeld „Food & Health“ im NOI Techpark.

Die Labors unterstützen lokale Betriebe durch Analysen von Boden, Pflanzen und Futtermitteln sowie durch Rückstandsanalysen und bewerten Lebensmittelqualität und -sicherheit mithilfe chemisch- physikalischer, mikrobiologischer und molekularbiologischer Methoden.

5.1 Tätigkeitsprogramm

Das Tätigkeitsprogramm des Versuchszentrums Laimburg wird in enger Abstimmung mit seinen Fachbeiräten erstellt, in denen Forschende des Versuchszentrums sowie zentrale Interessenvertreter der Südtiroler Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung vertreten sind. Damit ist gewährleistet, dass die Forschung direkt auf die konkreten Erfordernisse der Praxis in Südtirol ausgerichtet ist. Im Jahr 2025 haben 148 Interessensvertretungen insgesamt 110 Projektvorschläge eingereicht, von denen 73 Prozent umgesetzt oder in laufende Projekte integriert wurden.

Die Mitarbeitenden engagieren sich zudem stark in Lehre und Wissenstransfer, insbesondere für Studierende der Freien Universität Bozen und landwirtschaftliche Fachschulen. Sämtliche Projekte, Tätigkeiten und Veröffentlichungen des Versuchszentrums sind auf der Webseite www.laimburg.it abrufbar. Der alle zwei Jahre erscheinende „Laimburg Report“ gibt einen umfassenden Überblick über Struktur und Forschungstätigkeit und wurde 2025 als Spezialausgabe zum 50-jährigen Jubiläum veröffentlicht (Laimburg Report). In der frei zugänglichen Online-Zeitschrift Laimburg Journal informiert das Versuchszentrum über ausgewählte Projekte und Ergebnisse.

Das Versuchszentrum Laimburg in Zahlen (2025):

376 Forschungsprojekte und -tätigkeiten

362 Vorträge

27.690 Laboranalysen

203 Publikationen

Für weitere Details siehe: https://journal.laimburg.it/index.php/ laimburg-journal/user/setLocale/ de_DE?source=%2Findex.php%2Flaimburg-journal%2Findex

Zum Laimburg Report https://www.laimburg.it/de/ laimburg-report

12 Auftragsforschungsprojekte für private Unternehmen

381 Führungen durch das Versuchszentrum Laimburg

78 (mit-)organisierte Veranstaltungen

VERSUCHSZENTRUM LAIMBURG

5.2 Witterung im Jahr 2025

Das Jahr 2025 war insgesamt von überdurchschnittlich milden Temperaturen und vorwiegend günstigen Witterungsbedingungen für den Obst- und Weinbau geprägt.

Der Winter 2024/25 verlief sehr mild. Der Januar wies nur zu Monatsbeginn winterliche Temperaturen auf, insgesamt lag die Durchschnittstemperatur deutlich über dem langjährigen Mittel. Durch mehrere Südstaulagen fielen überdurchschnittlich hohe Niederschläge, sodass trotz eines sonst eher trockenen Winters ein ausgeglichener Wasserhaushalt erreicht wurde. Auch der Februar blieb außergewöhnlich mild, Frost trat nur schwach ausgeprägt auf. Die Niederschläge fielen hingegen sehr gering aus.

Der März verlief ausgewogen, ohne ausgeprägte Kälte- oder Wärmephasen. Trotz mehrerer Frosttage fielen die Temperaturen nur leicht unter null. Gleichzeitig sorgten überdurchschnittliche Niederschläge für eine günstige Durchfeuchtung des Bodens. Der April zeigte sich ausgesprochen frühlingshaft. Bei teilweise frühsommerlichen Verhältnissen blieben kritische Frostereignisse weitgehend aus, lediglich lokal kam die Frostschutzbewässerung zum Einsatz. Der Mai wiederum verlief wechselhaft mit einem deutlichen, aber kurzzeitigen Kälteeinbruch in der Monatsmitte, insgesamt lagen Temperatur und Niederschlag aber nahe am langjährigen Durchschnitt.

Der Sommer 2025 war von starken Gegensätzen geprägt. Im Juni wurden mit sehr hohen Durchschnittstemperaturen und mehreren Tagen über 35 °C einige neue Rekorde erreicht. Im Juli normalisierten sich die Temperaturen wieder und lagen nahe am Mittelwert, begleitet von gut verteilten Niederschlägen. Im August folgte eine zweite markante Hitzeperiode mit zahlreichen Wüstentagen, die jedoch durch niederschlagsreiche Phasen zu Monatsbeginn und -ende ausgeglichen wurde.

Drei unterschiedliche Witterungsphasen zeigte der September: zunächst feucht und kühl, dann sonnig und warm, gefolgt von einer erneut nassen und kühlen Periode. Insgesamt lagen Temperatur und Niederschläge leicht über dem Durchschnitt. Der Oktober verlief vergleichsweise kühl, sonnig und sehr trocken, mit den ersten herbstlichen Frostnächten. Ebenfalls geringe Niederschläge gab es im November, welcher zudem von häufigen Frosttagen und unterdurchschnittlichen Temperaturen geprägt war. Auch der Dezember zeigte sich äußerst niederschlagsarm und zählt zu den trockensten der letzten Jahrzehnte, allerdings war der Temperaturverlauf eher mild.

In der Jahresbilanz lag die Durchschnittstemperatur 0,7 °C über dem 30-jährigen Mittel. Die Niederschläge waren in der ersten Jahreshälfte überdurchschnittlich, ab Spätsommer jedoch deutlich wesentlich spärlicher, sodass sich zum Jahresende ein Niederschlagsdefizit von rund 120 mm einstellte. Extreme Wetterereignisse wie Spätfröste, Hagel oder Sturm blieben weitgehend aus, wodurch 2025 aus landwirtschaftlicher Sicht insgesamt als günstiges Witterungsjahr bewertet werden kann.

VERSUCHSZENTRUM LAIMBURG

5.3 Institut für Obst- und Weibau

Biofumigation steigert

Wachstum und Ertrag

Ewald Lardschneider, Lukas Vonmetz Arbeitsgruppe Ökologischer Anbau

Werden Apfelbäume wiederholt an derselben Stelle gepflanzt, ermüdet der Boden. Fachleute nennen dieses Problem Bodenmüdigkeit (engl. „replant disease“). Die Bäume zeigen ein geringeres Wachstum, verzögerten Ertragsbeginn und können sogar früher absterben. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von Krankheitserregern im Boden über Nematoden bis hin zu pflanzlichen Abbaustoffen.

KREUZBLÜTLER GEGEN BODENMÜDIGKEIT

Der sechsjährige Feldversuch (2020–2025) fand am Versuchszentrum Laimburg statt. Die Sorte MC38 – Crimson Snow® auf der Unterlage M9 T337 wurde in dieselben Reihen eines gerodeten Bestandes gepflanzt. Die Biofumigationseinsaat bestand aus einer Mischung von Kreuzblütlern (Brassicaceae) mit Gelbsenf, Ölrettich und Brauner Senf. Diese Pflanzen haben besondere Inhaltsstoffe (Glucosinolate), die beim Einarbeiten in den Boden schädliche Bodenorganismen unterdrücken können (Biofumigation). Die Aussaat erfolgte im Juli, die Einarbeitung im September des Pflanzjahres direkt in den Baumstreifen und wird daher als Untersaat bezeichnet. In der Kontrollparzelle wurde eine spontane Begrünung zugelassen. Alle Parzellen wurden ab dem zweiten Jahr identisch bewirtschaftet.

BESSERES WACHSTUM – BESSERE ERNTE

Die Untersaat mit einer Biofumigationseinsaat verbesserte den Ertrag und das Wachstum junger Apfelbäume deutlich. Das Baumvolumen lag 2025 im Durchschnitt bei 1,17 m³ in den Parzellen mit Biofumigationseinsaat gegenüber 0,94 m³ in der Kontrolle – also rund

24 % größer. Die Apfelbäume der Biofumigationsvariante erzielten im Mittel über fünf Ertragsjahre hinweg 56,8 kg Ertrag pro Baum, während die Kontrolle 41,3 kg erreichte. Dies ist ein Mehrertrag von 37,5 % bzw. 15,5 kg pro Baum auf fünf Ertragsjahre.

AGRO-ÖKOLGISCHE UND PRAXISTAUGLICHE

ALTERNATIVE

Eine für kurze Dauer angelegte Untersaat mit einer Biofumigationseinsaat im Pflanzjahr genügt bereits, um positive Effekte für die Neupflanzung zu erzielen. Dies ist ein neuer Ansatz für den Apfelanbau, der den kleinstrukturierten Obstbaubetrieben eine agro-ökologische, kostengünstige und praxistaugliche Möglichkeit bietet, die Bodenmüdigkeit zu verringern und den Ertrag zu steigern.

↑ Biofumigationseinsaat als Untersaat bei neu gepflanzten Apfelbäumen.

2. Standjahr 3. Standjahr 4. Standjahr 5. Standjahr 6. Standjahr

Heidelbeere: neue Chancen für Südtiroler Betriebe

Víctor Marí Almirall, Sebastian Soppelsa, Michael Gasser, Massimo Zago – Arbeits-gruppe Stein, Beeren- und Schalenobst

Der Anbau der Kulturheidelbeere (Vaccinium corymbosum) erfährt weltweit eine deutliche Flächenausweitung. Gründe dafür sind die Einführung neuer Sorten, ihre hohe Rentabilität, gute Lagerfähigkeit sowie ihre gesundheitsfördernden Eigenschaften. Diese Kultur ermöglicht die Nutzung kleiner Flächen und verlängert den Einsatzzeitraum der Saisonarbeitskräfte, beispielsweise durch die Überbrückung der Zeit nach der Ausdünnung im Apfelanbau. Dadurch wird der landwirtschaftliche Betrieb für Arbeitskräfte attraktiver, deren Verfügbarkeit zunehmend eingeschränkt ist. Am Versuchszentrum Laimburg wurde eine Sortenprüfung gestartet, um einerseits Ertrag und Fruchtqualität zu charakterisieren und andererseits die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen gegenüber Umweltstress sowie das Potenzial dieser Kultur unter den lokalen Klimabedingungen zu bewerten.

← Der Ertrag von 5 Jahren im Vergleich zwischen der Untersaat mit Biofumigation und Kontrolle ohne Biofumigation. Die verschiedenen Farben zeigen die durchschnittlichen Erträge pro Baum für jedes Jahr. Die Gesamterträge der beiden Behandlungen unterscheiden sich signifikant voneinander (t-Tests, p = 0,063).

↑ Versuchsfläche Heidelbeere, Süßkirsche, Zwetschge und Tafeltrauben am Versuchszentrum Laimburg

53 VERSCHIEDENE HEIDELBEERSORTEN IM TEST

Das im Jahr 2022 angelegte Versuchsfeld am Standort Laimburg in Pfatten auf 220 m.ü.M. umfasst 53 Heidelbeersorten, die im Topf (Substratkultur) angebaut werden. Dies ermöglicht den Anbau auf ungeeigneten Böden und optimiert gleichzeitig den Einsatz von Wasser und Nährstoffen. Die Anlage ist durch Insektenschutznetz und Regenabdeckung geschützt, was dazu beiträgt, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren. Die Auswertungen umfassen die Erhebung der Phänologie, des Ertrags, der Fruchtgröße, der Fruchtqualität sowie der Lagerfähigkeit.

ERSTE BEOBACHTUNGEN UND ERGEBNISSE

Dank der Züchtung wurden alte Sorten wie Berkeley, Bluecrop oder Brigitta Blue von neueren Sorten übertroffen: So liegt z.B. die Sorte Valor hinsichtlich des Ernteertrags höher, Calypso in Bezug auf die Fruchtqualität, Cargo dank der hohen Erträge oder Last Call hinsichtlich der späten Reife. Duke bestätigt sich dank ihrer frühen Reife weiterhin als Referenzsorte. Das Mikroklima der Talsohle im Südtiroler Unterland zeigte unterschiedliche Auswirkungen auf die Sorten. So weist Draper ein ungewöhnliches Blühverhalten auf, während die für warme Klimabedingungen geeignete Sorte Gupton durch ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber hohen Sommertemperaturen überzeugte.

DATEN ALS BASIS FÜR ANPASSUNG

Die bisher erzielten Ergebnisse stellen ein wertvolles Instrument für die Beratung dar. Langfristiges Ziel ist es, das sorten- und anbautechnische Gesamtbild für unterschiedliche Höhenlagen und Betriebsstrukturen zu vervollständigen. Die erhobenen Daten liefern eine solide wissenschaftliche Grundlage, um die Resilienz der Heidelbeere gegenüber klimatischen Stressfaktoren zu bewerten und die gewonnenen Erkenntnisse in geeignete Anbaustrategien umzusetzen. Damit kann auf Wetterextreme wie sehr heiße Sommer, warme Herbste und trockene Winter gezielt reagiert werden. Ein weiteres Forschungsziel ist die Erprobung der halbmechanischen Ernte mittels Schüttler, um die Arbeitseffizienz sowie die Auswirkungen auf die Produktqualität zu bewerten. Besonderes Augenmerk gilt der Analyse des Antioxidantiengehalts, sowohl in Abhängigkeit von der Sorte als auch von der Erntestrategie, mit einer Unterscheidung zwischen frühen Ernten für den Export und späteren Ernten für den lokalen Markt.

↓ Die Sorte Draper zeigte in den letzten warmen Herbsten unerwartete Herbstblüten

Phänologischer Kalender 2025

Last call

Peachy Blue Blue Ribbon Berkeley Bluecrop Osorno Megas Blue Legacy Calypso Elisabeth Darrow Brigitta Blue Liberty Lunablue Elliot Cargo Aurora

Duke Spartan Huron Kathadin Titanium Draper Valor Top Shelf

10. April

April

7. April 15. April 15. April

10. April 4. April 15. April

4. April

7. April

7. April 15. April

10. April 10. April 10. April

10. April 10. April 15. April 17. April

10. April

7. April

7. April

7. April

7. April

4. April

14. Juli

14. Juli

10. Juli

3. Juli

3. Juli

3. Juli

3. Juli

26. Juni 26. Juni

Juni

30. Juli

25. Juli

Blütezeit Erntezeit

← Große Früchte erhöhen die Pflückleistung und reduzieren somit die Erntekosten. Bei gleicher Anzahl geernteter Früchte unterscheidet sich die geerntete Fruchtmenge (Gewicht) signifikant.

Pink Blueberry | 9G

Elliot | 2A

Bluecrop | 3B

Last call | 9D

Cargo | 9B

Peachy Blue | 5A

Brigitta Blue | 3A

Legacy | 10B

Duke | 10D

Huron | 4B

Alix Blue | 6A

Lunablue | 9I

Osorno | 1B

Megas Blue | 11G

Gupton 9E

Blue Ribbon | 9H

Elisabeth | 7A

Liberty | 11A

Berkeley | 9A

Hanna's Choice | 1A

Pinnacle | 5B

Top Shelf | 9F

Calypso | 2B

Spartan | 6B

Kathadin | 8A

Valor | 4A

Draper | 9J

Darrow | PINK

Die Sorte Cargo zeichnet sich durch hohe Erträge sowie eine gute Lagerfähigkeit aus →

5.4 Institut für Pflanzengesundheit

Neue Wege der biologischen Blutlausbekämpfung

Die ursprünglich aus Nordamerika eingeschleppte Apfelblutlaus (Eriosoma lanigerum) ist heute einer der Hauptschädlinge im Apfelanbau. Die Blutlaus ist gut an ihren typischen weißen Wachsausscheidungen erkennbar und kann bedeutende Ertragseinbußen sowie nachhaltige Schäden an Bäumen verursachen.

Eine wirksame Bekämpfung wird zunehmend schwierig, da aufgrund strenger gesetzlicher Vorgaben nur noch wenige geeignete Aphizide zugelassen sind. Zwar tragen heimische Nützlinge wie die Zehrwespe (Aphelinus mali) zur natürlichen Regulierung der Blutlaus bei, für eine verlässliche Schadensvorbeugung sind jedoch ergänzende Managementmaßnahmen im Rahmen einer angepassten Pflanzenschutzstrategie erforderlich. Um dieser Problematik aktiv zu begegnen, widmet sich die Arbeitsgruppe „Biologische Pflanzenschutzmethoden“ der Entwicklung innovativer biologischer Lösungsansätze.

↑ Im Prüfverfahren eingesetztes Pflanzenmaterial unmittelbar nach erfolgter Sprühbehandlung (links) sowie bei Versuchsbeendigung (rechts)

Seit 2025 läuft ein dreijähriges Projekt zur Erforschung einer mikrobiologischen Bekämpfung der Apfelblutlaus. Im Labor werden hierfür natürlich vorkommende, für Menschen und Pflanzen unbedenkliche Pilze untersucht, die jedoch als Krankheitserreger für Insekten bekannt sind und als mögliche biologische Gegenspieler der Blutlaus dienen könnten. Im Rahmen der Tätigkeit wird das grundsätzliche Potenzial einer pilzbasierten Bekämpfung der Apfelblutlaus bewertet und an zweckmäßigen, neuartigen Verfahren zur Ausbringung der Pilze bzw. deren Sporen

gearbeitet. Mittels vergleichender und standardisierter Prüfmethodik werden die effizientesten Pilzisolate identifiziert. Als Alternative zur herkömmlichen Sprühapplikation werden sporenbesetzte Trägermaterialien, die als Infektionsquellen für wandernde Lausstadien am Baum fungieren, erprobt. Es gilt geeignete, möglichst nachhaltige Materialien zu finden, die passende Bedingungen für den Pilz bieten und das allgemeine Infektionsgeschehen positiv beeinflussen können.

METHODISCHE TESTS IM LABOR

In einer ersten Projektphase wurde eine funktionale Methodik entwickelt, um die Virulenz der Pilze zu prüfen. Dabei zeigte sich, dass in in-vitro-Tests ungeeignet sind, da es sich um rein insektenbasierte Prüfsysteme ohne Wirtspflanzeneinbindung handelt und es daher eine erhöhte natürlichen Sterblichkeit des Schädlings gibt. Die Untersuchungen wurden daher an lausbesiedeltem Pflanzenmaterial durchgeführt: Jungpflanzen wurden gezielt mit frischgeborenen

Blutlaus-Nymphen infiziert und nach einer kurzen Etablierungsphase wiederholt mit Pilzsporensuspensionen definierter Konzentration besprüht.

ERSTE BEOBACHTUNGEN

Erste Zwischenergebnisse deuten darauf hin, dass gewisse Pilzstämme das Populationswachstum der Apfelblutlaus unter spezifischen Laborbedingungen zeitweilig reduzieren können. Eine gänzliche Tilgung des Befalls konnte durch keinen der bisher berücksichtigten Pilze erreicht werden. Weitere systematische Untersuchungen laufen, um gesicherte und verlässliche Aussagen zur Wirkeffizienz verschiedener Pilze zu ermöglichen.

← Die Apfelblutlaus (Eriosoma lanigerum) ist heute einer der Hauptschädlinge im Apfelanbau

Anzahl Individuen / Waschprobe

Anzahl Individuen / Waschprobe

(∑ = Gesamtzahl an 30 Sämlingssprossen)

Einseitiger t-Test: p = 0,006; Teststärke (a = 0,05) = 0,887

↑ Populationsdichte oberirdisch siedelnder Apfelblutläuse nach zweimaliger Behandlung: Gegenüberstellung der mit dem Pilz Isaria farinosa Isolat AWBO behandelten Variante und der Negativkontrolle.

SIRNACIDE: RNAi-Wirkstoff gegen den Falschen Mehltau

Sabine Oberhofer, Urban Spitaler – Arbeitsgruppe Mittelprüfung

Der Falsche Mehltau der Rebe, auch als Peronospora bekannt, wird durch den Erreger Plasmopara viticola verursacht und zählt zu den bedeutendsten Krankheiten im Weinbau. Die Regulierung stellt weiterhin eine große Herausforderung dar. Ein neuer Ansatz zur Bekämpfung des Falschen Mehltaus ist die Nutzung der RNA-Interferenz (RNAi). Beim angewandten Verfahren werden spezifische Zielgene im Erreger mittels passender RNA-Stränge stillgelegt, um dessen Wachstum zu stoppen. Im EUREGIO-geförderten Projekt „SIRNACIDE“ wurde von 2022 bis 2025 an der Entwicklung einer neuartigen umweltfreundlichen Substanz auf Basis dieses Verfahrens geforscht.

TRANSPORT DER RNA IN DEN ZIELORGANISMUS

Im ersten Teil des Projekts wurden Gene des Erregers des Falschen Mehltaus untersucht, um ein geeignetes Zielgen für die Stilllegung zu identifizieren. Passend zum identifizierten Zielgen wurde der spezifische RNA-Strang

↑ Sporangienträger des Falschen Mehltaus auf einer infizierter Blattunterseite im Stereoskop.

hergestellt, welcher mittels Lipid-Vesikel in den Zielorganismus transportiert wird. Die unterschiedliche Oberflächenladung der Vesikel (positiv, negativ oder neutral) beeinflusst ihre elektrostatischen Wechselwirkungen mit der Sporenwand, die in der Regel negativ geladen ist. Dadurch werden ihre Anhaftung, ihre Diffusion sowie ihr potenzielles Eindringen in den Zielorganismus beeinflusst. Die Diffusion der unterschiedlich geladenen Vesikel in die Sporen des Krankheitserregers wurde mittels Fluoreszenzmikroskopie untersucht. Für die anschließende Wirkungsprüfung des Präparates wurden Blattscheiben der Rebsorte Vernatsch mit der Vesikel-RNA-Mischung behandelt und im Folgenden mit Sporen des Falschen Mehltaus inokuliert.

WIRKUNGSPRÜFUNG DES NEUEN PRÄPARATS

Die höchste Diffusionsrate in die Sporen konnte für positiv geladene Vesikel nachgewiesen werden. Negativ geladene Vesikel waren hingegen nicht in der Lage, in die Sporen zu diffundieren. Bei neutralen Vesikeln konnte ein leichtes Aufnahmesignal festgestellt werden. Resultierend aus den Ergebnissen der Fluoreszenzmikroskopie können positiv geladenen Vesikel zum Transport der RNA genutzt werden. In weiteren Versuchen wurde das Präparat mittels Sprühapplikation auf ausgestanzte Blattscheiben der Rebsorte Vernatsch aufgetragen und mit einer Falschen Mehltau-Suspension inokuliert, um die Pflanzenverträglichkeit zu prüfen.

ERGEBNISSE ALS GRUNDLAGE FÜR DIE ENTWICKLUNG

RNAI-BASIERTER PFLANZENSCHUTZMITTEL

Die Ergebnisse des Projekts „SIRNACIDE” liefern eine wichtige Grundlage für die Entwicklung RNAi-basierter Pflanzenschutzmittel und können zur Weiterentwicklung dieser Ansätze genutzt werden. Die positiv geladenen Vesikel erwiesen sich als vielversprechend für den Transport der RNA in den Erreger. Die bislang untersuchten Zielgene führten zu keiner signifikanten Reduktion der Falschen Mehltau-Infektion auf Blattscheiben. Für eine zukünftige praktische Anwendung muss weiter an der Formulierung und der Identifikation geeigneter Zielgene geforscht werden.

↑ Im Projekt wurde die Diffusion der verschieden geladenen Vesikel (negativ, positiv, neutral) mit verschiedenen Sporenstadien des Erregers unter dem Fluoreszenzmikroskop untersucht

↑ Anhand von Blattscheiben der Rebsorte Vernatsch kann eine Wirkungsprüfung neuer Substanzen im Labor durchgeführt werden

5.5 Institut für Agrikulturchemie und Lebensmittelqualität

Projekt „INNONährstoffe”: Perspektiven für die Erhöhung des organischen Kohlenstoffgehalts in Obstbauböden

Martina Guerra, Aldo Matteazzi – Labor für Boden- und Pflanzenanalysen

Das dreijährige Projekt „INNONährstoffe” zielte darauf ab, regionale organische Nährstoffkreisläufe zu optimieren und nachhaltige Alternativen zu mineralischen Düngemitteln in der Südtiroler Landwirtschaft zu entwickeln. Das Projekt wird vom Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums 2014-2020 (ELER) finanziert, vom Südtiroler Bauernbund federführend begleitet und in Zusammenarbeit mit dem Beratungsring für Berglandwirtschaft (BRING), dem Beratungsring für Obst- und Weinbau, dem Versuchszentrum Laimburg, der Freien Universität Bozen sowie einer Vielzahl landwirtschaftlicher Betriebe umgesetzt.

Ein Schwerpunkt des Projekts liegt auf intensiven Obstbausystemen. Südtirol ist mit über 18.000 Hektar Apfelanbau das größte zusammenhängende Obstbaugebiet Europas. Bodenqualität und -stabilität bilden eine zentrale Grundlage für die agronomische und ökologische Nachhaltigkeit des Obstbaus. Mit der Intensivierung der Produktion nahm der Einsatz von Düngemitteln zu. Seit den 1980er-Jahren wurde das Nährstoffmanagement jedoch zunehmend an den tatsächlichen Nährstoffentzug sowie an die Effizienz der Nährstoffnutzung angepasst. Die heutige Bewirtschaftung mit Dauerbegrünung und gezielten Nährstoffgaben erfordert eine kontinuierliche Überwachung der bodenchemischen Parameter. Bodenanalysen liefern wichtige Informationen über das Gleichgewicht zwischen Boden und Pflanze und tragen zur langfristigen Sicherung der Bodenfruchtbarkeit bei.

ZWANZIGJÄHRIGE VERGLEICHE AUF 200 FELDERN Im Jahr 2002 wurden 98 Apfelanlagen untersucht. In den Jahren 2023 und 2024 wurde diese Erhebung auf rund 200 Standorte ausgeweitet, wodurch ein Vergleich über mehr als zwanzig Jahre möglich wurde. Die Bodenproben wurden in vier Tiefenstufen (0–20, 20–40, 40–60 und 60–100 cm) entnommen

↑ Darstellung des Elementaranalysators und der visuellen Durchführung der Analyse

und unter anderem auf organischen Kohlenstoff (Humusgehalt), pH-Wert, Carbonate, Kationenaustauschkapazität, Makro- und Mikronährstoffe sowie Schwermetalle analysiert.

GESUNDE BÖDEN

Der Vergleich der Ergebnisse zeigt insgesamt eine hohe Stabilität der Humusgehalte. In der obersten Bodenschicht (0–20

cm) verringerte sich der durchschnittliche Wert leicht von 4,3 % im Jahr 2002 auf 4,0 % in den Jahren 2023/24. Der Gehalt an organischem Kohlenstoff nimmt mit zunehmender Tiefe ab, was den natürlichen Bodenprozessen und der Bewirtschaftung mit Dauerbegrünung entspricht. Hinweise auf eine Verarmung oder eine übermäßige Anreicherung konnten nicht festgestellt werden.

BODEN, KOHLENSTOFF UND KLIMA:

EIN BLICK IN DIE ZUKUNFT

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die derzeitigen Bewirtschaftungsmethoden ein Gleichgewicht zwischen organischem Eintrag und Mineralisierung aufrechterhält und somit eine nachhaltige Entwicklung der Obstbauböden sicherstellt. Gleichzeitig bildet die Untersuchung eine wichtige Grundlage für zukünftige Strategien zur gezielten Erhöhung der organischen Substanz im Boden. Weitere Studien werden sich insbesondere mit stabilen und leicht abbaubaren

Kohlenstofffraktionen, der Wasserresilienz der Böden sowie innovativen Bewirtschaftungsmaßnahmen befassen. Ziel ist es, die Resilienz der Apfelanlagen weiterhin zu stärken und gleichzeitig einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Gesamtorganischer Kohlenstoff ausgedrückt als Humus % Kohlenstoff ausgedrückt als Humus %

di campionamento Filari

↑ Grafische Darstellung der Probenahme mit Fokus auf die inneren Bereiche der Apfelanlagen

↑ Diagramm der Durchschnittswerte des gesamtorganischen Kohlenstoffgehalts (Humus %) für das Jahr 2002 und die Jahre 2023/2024

↑ Karte mit allen beprobten Standorten

Punto

Neue Methode zur Bestimmung der Weinsteinstabilität

Eva Überegger – Labor für Wein- und Getränkeanalysen

Das Labor für Wein- und Getränkeanalysen am Versuchszentrum Laimburg erweitert sein Analysenspektrum um die Methode zur Bestimmung der Weinsteinstabilität. Mit der Einführung eines modernen, leitfähigkeitsbasierten Schnelltests steht den Kellereien nun ein präzises, schnelles und praxisnahes Verfahren zur Verfügung, um das Risiko von Weinsteinausfällungen zuverlässig zu beurteilen.

WAS IST WEINSTEIN?

Bei Weinstein handelt es sich um schwer lösliche Salze der Weinsäure. Weinstein (Kaliumhydrogentartrat) kann sich während der Lagerung oder nach der Abfüllung in Form von Kristallen im Wein bilden. Diese Kristalle entstehen vor allem bei niedrigen Temperaturen oder während längerer Lagerung, wenn sich überschüssige Tartrate aus dem Wein abscheiden. Obwohl Weinstein gesundheitlich unbedenklich ist und die sensorische Qualität des Weines nicht beeinträchtigt, wird sein Auftreten von Konsumentinnen und Konsumenten häufig als Qualitätsmangel wahrgenommen. Eine zuverlässige Prüfung der Weinsteinstabilität ist daher ein wichtiger Bestandteil der Qualitätssicherung im Keller.

VORTEILE FÜR DIE KELLEREIEN

Die neu eingeführte Methode basiert auf der Messung von Leitfähigkeitsveränderungen im Wein nach Zugabe definierter Mengen an Kaliumhydrogentartrat. Durch die kontrollierte Induktion einer möglichen Kristallisation kann innerhalb kurzer Zeit beurteilt werden, ob ein Wein zur Ausfällung von Weinstein neigt. Im Vergleich zu klassischen Stabilitätstests liefert dieses Verfahren rasch reproduzierbare und aussagekräftige Ergebnisse. Für die Kellereien bietet diese Analyse eine wertvolle Entscheidungshilfe bei der Planung von Stabilisationsmaßnahmen, wie Kalium-Poly-Aspartat, Metaweinsäure oder CMC. Solche Maßnahmen können dadurch gezielter eingesetzt und besser an den tatsächlichen Bedarf angepasst werden. Dies erhöht nicht nur die Planungssicherheit im Hinblick auf Lagerung und Abfüllung, sondern kann auch helfen, Energie, Zeit und Kosten zu sparen.

ERWEITERUNG DES DIENSTLEISTUNGSANGEBOTS

Proben können wie gewohnt im Labor für Wein- und Getränkeanalysen am Versuchszentrum Laimburg abgegeben werden. Für die Bestimmung der Weinsteinstabilität muss der Wein eiweißstabil sein, weshalb für die Analyse in der Regel eine Weinprobe von etwa einem halben Liter benötigt wird. Die Untersuchung erfolgt nach Probeneingang innerhalb weniger Arbeitstage, sodass die Ergebnisse zeitnah für betriebliche Entscheidungen zur Verfügung stehen. Mit der Einführung dieser Methode erweitert das Versuchszentrum Laimburg sein Dienstleistungsangebot im Bereich der önologischen Analytik und bietet der Südtiroler Weinwirtschaft ein weiteres praxisorientiertes Instrument zur Sicherung und Optimierung der Weinqualität.

Das Labor für Wein- und Getränkeanalysen bietet eine neue Methode zur Bestimmung der Weinsteinstabilität an. © Laimburg Research Centre/ivo corrà →

VERSUCHSZENTRUM LAIMBURG

5.6 Institut für Berglandwirtschaft und Lebensmitteltechnologie

Anbau von Hülsenfrüchten in Südtirol: Sortenprüfung ausgewählter Arten im Berggebiet

Daniel Ortler, Manuel Pramsohler – Arbeitsgruppe Acker- und Kräuteranbau

Um den Anbau von Getreide in Südtirol langfristig sicherzustellen, ist eine geeignete Fruchtfolge essenziell. Körnerleguminosen sind aufgrund ihrer positiven Effekte auf die Bodenstruktur, die Humusanreicherung und die Stickstoffversorgung des Bodens besonders wertvoll – insbesondere für viehlose landwirtschaftliche Betriebe und den biologischen Anbau. Zudem bieten diese Kulturen eine Möglichkeit zur Erzeugung eiweißreicher Nahrungs- und Futtermittel mit lokaler Wertschöpfung. Trotz ihrer langen Tradition in Südtirol gibt es bislang wenig Wissen über die Anbaueignung und die agronomischen Eigenschaften moderner Sorten. Ziel dieses Projektes war es, Sortenprüfungen für ausgewählte Leguminosen durchzuführen, um deren agronomische Eigenschaften zu untersuchen. Die Ergebnisse dienen als Grundlage für weitere Projekte zur Weiterverarbeitung und Vermarktung von Körnerleguminosen.

FELDVERSUCHE BEI ACKERBOHNE, ERBSE, LUPINE UND SOJA

Es wurde die Anbaueignung ausgewählter Sorten von Ackerbohne, Körnererbse, Blaue Lupine, Weiße Lupine und Sojabohne in Form eines Feldversuchs in Kleinparzellen untersucht. Die Feldversuche wurden in den Jahren 2021 bis 2024 am Standort Dietenheim durchgeführt. Die Anbauflächen befanden sich auf Höhenlagen von 915 bis 940 m ü.d.M. Es wurde ein randomisiertes vollständiges Blockdesign mit

vier Feldwiederholungen verwendet. Im Rahmen der Untersuchung wurden die agronomischen Parameter Pflanzenlänge, Standfestigkeit, Ertrag und Proteingehalt erhoben. Der Proteingehalt wurde mittels Dumas-Methode bestimmt. Besondere Berücksichtigung fand der Mischanbau von Körnererbsen mit Sommergerste, bei dem sowohl der Gesamtertrag als auch der spezifische Erbsenertrag gemessen wurden.

↑ Blühende Ackerbohne

VIELVERSPRECHENDE

QUALITÄT UND ERTRAG

Die Anbauversuche bestätigten, dass moderne Sorten der Leguminosen unter den spezifischen klimatischen und agronomischen Bedingungen Südtirols gut gedeihen können. Die Erträge unterscheiden sich teilweise stark zwischen den Jahren. Unterschiede zwischen den Sorten waren nicht bei jeder Art zu erkennen. Das Erntegut wies gute Qualitätsparameter auf, die eine Weiterverarbeitung zu hochwertigen Eiweißprodukten ermöglichen. Grundsätzlich können gute Erträge und eine hohe Qualität erzielt werden, jedoch ist der Anbau von Hülsenfrüchten anspruchsvoller als jener von Getreide. Dies spiegeltsich in deutlichen Ertragsunterschieden zwischen den Anbaujahren wider. Ideale Aussaatbedingungen sind besonders wichtig, um einen gleichmäßigen Feldaufgang zu gewährleisten.

HERAUSFORDERUNGEN IM ANBAU

BIS HIN ZUR VERARBEITUNG

Die Ergebnisse liefern eine wissenschaftliche Grundlage für die Förderung des Leguminosenanbaus im Berggebiet Südtirols und legen nahe, dass Körnerleguminosen als fester Bestandteil einer nachhaltigen Fruchtfolge in Südtirol etabliert werden können. Künftige Projekte können sich auf die Weiterentwicklung von Verarbeitungs- und Vermarktungsstrategien konzentrieren, um den ökonomischen Wert dieser Kulturen zu erhöhen. Nachdem das Beikrautmanagement als entscheidender Erfolgsfaktor identifiziert wurde, wird aktuell der Einfluss mechanischer Beikrautregulierung auf Ertrag und Qualität in einem Folgeprojekt untersucht. Zudem wurde die Trockenbohne in die Sortenversuche integriert, um das Artenspektrum sowie die Palette an möglichen Produkten zu erweitern.

← Samen von Weißer Lupine, Sojabohne, Blauer Lupine und Ackerbohne
↓ Ackerbohne mit reifenden Hülsen

↑ Durchschnittliche Erträge (t/ha) und Proteingehalte (% TM) der getesteten Sorten. Bei der Körnererbse ist in der Tabelle der reine Ertrag an Erbse angegeben. Der Gesamtertrag ergibt sich aus den angegebenen Erbsen-erträgen zuzüglich 0,4 Tonnen Gerste pro Hektar durchschnittlich. Bei Weißer Lupine konnte 2023 und 2024 aufgrund von Problemen mit der Keimfähigkeit des Saatguts nichts geerntet werden. Im Jahr 2021 musste der Sojabohnen-Versuch aufgrund des kalten, nassen Wetters nach der Aussaat abgebrochen werden. Die für Soja typischen hohen Proteingehalte konnten 2024 wegen der kühlen Temperaturen während der Reife nicht erreicht werden.

Fermentation von Heidelbeeren

Hannah Mayr, Lorenza Conterno – Arbeitsgruppe Fermentation und Destillation

Victor Mari-Almirall – Arbeitsgruppe Beeren-, Stein- und Schalenobst

Die Heidelbeere (Vaccinium corymbosum) ist reich an wertvollen Inhaltsstoffen wie Polyphenolen, hat allerdings eine begrenzte Haltbarkeit. Um die gesundheitsfördernden Eigenschaften von nicht für den Frischverzehr geeigneten Früchten zu erhalten, wurde die Möglichkeit der intrazellulären Fermentation unter anaeroben Bedingungen – die sogenannte Kohlensäuremazeration – in Kombination mit alkoholischer oder Milchsäuregärung untersucht.

TESTS MIT KONTROLLIERTER FERMENTATION

Die Kohlensäuremazeration wurde angewandt, um enzymatische Umwandlungsprozesse in den Heidelbeeren auszulösen, wie etwa die Säureatmung, pektolytische Prozesse, die Bildung aromatischer Komponenten sowie die Diffusion von Polyphenolen aus der Schale in das Fruchtfleisch. Intakte Heidelbeeren aus der Kühllagerung wurden sieben Tage lang bei kontrollierter Temperatur von 30 °C in einer mit Kohlendioxid gesättigten Atmosphäre mazeriert. Anschließend wurden die Beeren blanchiert, um die Enzyme zu deaktivieren. Der daraus gewonnene Saft wurde entweder

einer alkoholischen Gärung mit dem Hefepilz Torulaspora delbrueckii oder einer Milchsäuregärung mit drei verschiedenen Starterkulturen von Milchsäurebakterien unterzogen. Die Gärungen wurden durch Messung physikalisch-chemischer Parameter sowie der Produktion organischer Säuren und Ethanol überwacht. Der Gesamtpolyphenolgehalt wurde ebenfalls bestimmt. Die alkoholische Gärung verlief bis zum vollständigen Zuckerverbrauch mit einer durchschnittlichen Alkoholproduktion von 4,8 % Vol. bei einem Ausgangszuckergehalt

von 9,2 °Brix. Für die Milchsäuregärung wurde der Saft auf eine anfängliche Gesamtzuckerkonzentration von 50 g/L verdünnt. Der Einsatz verschiedener Starterkulturen führte zu deutlichen Unterschieden sowohl im mikrobiellen Wachstum als auch im Zuckerabbau und in der Produktion von Milchsäure. Obwohl nicht der gesamte Zucker verbraucht wurde, kann die Milchsäuregärung zumindest für die Starterkulturen 2 und 3 als erfolgreich bewertet werden. Die progressive Ansäuerung hemmt den bakteriellen Stoffwechsel, wodurch der Zuckerverbrauch während der Milchsäuregärung geringer ausfällt als bei der alkoholischen Gärung. Der Gesamtpolyphenolgehalt blieb während der gesamten Milchsäuregärung relativ stabil.

KOHLENSÄUREMAZERATION ZUR

AUFWERTUNG VON HEIDELBEER-SAFT

Als ein Vorteil der Kohlensäuremazeration erwies sich die gesteigerte Saftausbeute, die ohne Zugabe pektolytischer Enzyme erreicht wurde. Die mazerierten Beeren entwickelten ein ausgeprägtes, makelloses Aromaprofil. Die instrumentelle Analyse der flüchtigen

Verbindungen wird Bestandteil zukünftiger Studien sein. Darüber hinaus führte die Kohlensäuremazeration durch den Abbau einiger organischer Säuren zu einem leichten pH-Anstieg. Diese ersten Beobachtungen zeigten, dass das angewandte Verfahren die Verarbeitung und die gleichzeitige Erhaltung der Qualitätsmerkmale von Heidelbeeren ermöglicht. Dadurch können alkoholfreie oder leicht alkoholische Getränke mit reduziertem Zuckergehalt erzeugt werden, die auch als hochwertige Halbfabrikate für weiterführende Prozesse in der Lebensmittelindustrie einsetzt werden können.

(mM GAE)

Gärzeit (h)

6. Fakultät für Agrar-, Umwelt- und Lebensmittelwissenschaften

Die 1997 gegründete Freie Universität Bozen ist eine international ausgerichtete, mehrsprachige Universität (Deutsch, Italienisch, Englisch und Ladinisch). Die fünf Fakultäten mit einem hohen Anteil von Lehrenden (35 %) und Studierenden (17 %) aus dem Ausland beschäftigen sich mit wirtschaftlichen, naturwissenschaftlich-technischen, informationstechnischen, pädagogischen, ästhetischen und sozialen Grundfragen der Gesellschaft. Etwa 4100 Studierende sind in mehr als 30 Studienprogrammen und Lehrgängen eingeschrieben. Die Lehrangebote und Forschungsprojekte sind in nationale und internationale Netzwerke – wie beispielsweise das der Euregio-Universität mit den Universitäten Innsbruck und Trient – eingebunden und orientieren sich an hohen Qualitätsstandards. Neben den Fakultäten wird an 8 Kompetenzzentren geforscht.

Seit dem Jahr 2023 besteht die Fakultät für Agrar-, Umwelt- und Lebensmittelwissenschaften. Nachhaltigkeit und Interdisziplinarität bilden die Grundlage, auf der die Fakultät aufbaut, um komplexe Herausforderungen vor allem in Berggebieten zu bearbeiten: von der landwirtschaftlichen Primärproduktion über Umweltfragen bis hin zu Lebensmittelproduktion und -qualität sowie Prozess- und Produktinnovationen. Im Jahr 2025 konzentrierten sich die Forschungsschwerpunkte entsprechend auf drei Makrobereiche: Agrarwissenschaften, Analyse und Management von Bergökosystemen sowie Lebensmittelwissenschaften. Die Forschungsarbeiten verbinden grundlagenorientierte Ansätze mit anwendungsnahen Fragestellungen. Viele Projekte werden gemeinsam mit der Provinz und Partnern aus der Praxis durchgeführt. Im folgenden Berichtsteil sind verschiedene Beispiele angeführt.

Die Fakultät verfügt über vielfältige Labore und Forschungsinfrastrukturen, in denen junge Forschungsteams in strategisch wichtigen Bereichen für Südtirol tätig sind. Diese befinden sich sowohl im Stadtzentrum und am NOI Techpark als auch am Versuchszentrum Laimburg. Ergänzt wird dieses Forschungsumfeld durch die enge Vernetzung mit fakultätsübergreifenden Kompetenzzentren der unibz, an denen Forschende der Fakultät aktiv beteiligt sind. Dazu zählen das Kompetenzzentrum für Pflanzengesundheit, das Internationale Kompetenzzentrum für Lebensmittelfermentationen, Kompetenzzentrum für Innovationsökosysteme in Bergregionen und das Kompetenzzentrum für Nachhaltigkeit.

Auch im Jahr 2025 erreichte die Fakultät bei der Einwerbung finanzierter Forschungsprojekte auf lokaler, Landes-, nationaler und europäischer Ebene ein beachtliches Niveau. Allein die im Jahr 2025 gestarteten Projekte umfassten ein Gesamtvolumen von über 7 Millionen Euro. Besonders hervorzuheben sind dabei Projekte im Rahmen der europäischen Partnerschaften Agroecology und FutureFoods mit einem Volumen von über 1 Million Euro, ein Seal of Excellence, Auftragsforschungsprojekte im Umfang von rund 800.000 Euro, mehrere Interreg-Projekte mit Partnern aus Österreich und der Schweiz mit insgesamt rund 1,2 Millionen Euro sowie Joint-D/I- und Joint-D/Lux-Projekte mit

einem Gesamtvolumen von knapp 1 Million Euro. Damit bestätigte die Fakultät im Jahr 2025 nicht nur ihre wachsende Forschungsstärke, sondern auch ihre Fähigkeit, regionale Schwerpunkte mit nationalen und europäischen Forschungsprogrammen zu verbinden und innovative Lösungen für Landwirtschaft, Umwelt, Lebensmittelproduktion und nachhaltige Entwicklung in Berggebieten voranzutreiben.

Die Fakultät in Zahlen

2 Bachelorstudiengänge

4 Masterstudiengänge

1 Executive Master

2 Doktorats-Studiengänge

>400 Studenten

6.1 Die Bedeutung von Mikroorganismen für die Ökologie des Buchdruckers

Der Buchdrucker ist der forstwirtschaftlich und ökologisch bedeutendste Schädling Europas, da er große Flächen von Fichtenwäldern befallen und zerstören kann. Auf der Suche nach einer wirksamen Bekämpfungsmethode richtete sich ein Projekt der Freien Universität Bozen auf die Mikroorganismen, mit denen der Käfer assoziiert ist.

Bakterien spielen eine entscheidende Rolle in der Biologie von Insekten und können sowohl negative als auch positive Effekte haben. Einige Bakterien sind pathogen oder können das Verhalten des Insekts so beeinflussen, dass seine Überlebenschancen sinken. Gleichzeitig sind Bakterien, besonders im Verdauungstrakt, wichtige Symbionten, da sie helfen, pflanzliches Material zu verdauen. Wir haben eine umfangreiche Charakterisierung des Mikrobioms des Buchdruckers in unterschiedlichen Regionen in

Südtirol und Populationen in Europa durchgeführt und konnten zwei Bakteriengruppen identifizieren, die in nahezu allen untersuchten Insekten vorkommen. Dies deutet darauf hin, dass es sich um für diesen Borkenkäfer essenzielle Bakterien handelt.

Eine Forschungsgruppe der Universität Salamanca (Spanien) hat kürzlich eine bedeutende metabolische Funktion dieser Bakterien im Darm des Käfers nachgewiesen. Alle aus dem Darm isolierten Bakterien waren in der Lage, komplexe Moleküle zu spalten und für den Käfer verfügbar zu machen. So steht dem Insekt eine zusätzliche Kohlenstoffquelle zur Verfügung. Außerdem zeigten viele der isolierten Bakterien antifungale Wirkungen gegen mindestens eine pathogene Pilzart und tragen damit zum Schutz des Insekts vor Krankheitserregern bei. Die Bedeutung dieser Bakterien haben Forschende des Max-Planck-Instituts in Jena dokumentiert, die zeigen könnten, dass ein Buchdrucker-Weibchen die Eier nach der Ablage mit zerkauter Rinde bedeckt. Dadurch kommen die Eier mit dem Speichel der Mutter in Kontakt, was die Übertragung der Bakterien auf die Larven ermöglicht. Dies zeigt, dass das Weibchen die Bakterien aktiv auf die

Nachkommen überträgt, und bestätigt unsere Hypothese zur Bedeutung der Bakterien für die Ökologie des Buchdrucker-Borkenkäfers.

Außerdem wurden einige Bakterien gefunden, die in vielen Populationen vorhanden sind, jedoch unterschiedlich häufig auftreten, was auf eine Rolle während Massenvermehrungen hindeutet. Die Auswirkungen dieser Bakterien auf den Buchdrucker-Borkenkäfer sind noch nicht geklärt. Einige Bakteriengruppen gelten als potenziell pathogen für die Insekten, ihr tatsächlicher Einfluss auf die Fitness des Käfers muss jedoch noch erforscht werden.

Der Buchdrucker ist nicht nur mit Bakterien, sondern auch mit zahlreichen Pilzen assoziiert. Vor allem Bläuepilzen, die die Farbe des Splintholzes verändern sind weit verbreitet. In Europa wurden etwa 40 verschiedene Arten dieser ophiostomatoiden Pilze festgestellt. Insekt und Pilz können auch unabhängig voneinander existieren, aber ihre Verbindung bringt beiden Vorteile. Da die Pilze die Rinde nicht eigenständig durchdringen

können, sind sie auf den Käfer angewiesen, um in das Phloem der Pflanze zu gelangen. Einige Pilzarten haben klebrige Sporen entwickelt, die am Insekt haften und beim Flug auf neue Bäume übertragen werden.

Gleichzeitig kann der Buchdrucker gesunde Bäume leichter befallen, wenn diese bereits von Pilzen infiziert sind. Diese Wechselwirkung ist bedeutungsvoll für den Käfer, da die Pilze helfen, die Verteidigung des Baumes zu überwinden, während die Käfer den Pilzen den Weg in den Baum ermöglichen. Am Ende steht der Baum einer doppelten Belastung durch Pilze und Käfer schutzlos gegenüber. Dieser Effekt ist bei Wassermangel besonders ausgeprägt, wie Studien an der BOKU Wien gezeigt haben.

In unserem aktuellen Projekt charakterisierten wir Pilze, die mit Käfern in unterschiedlichen Regionen Europas assoziiert sind. Wir konnten nachweisen, dass jeder untersuchte Käfer mit zwischen 26 und 162 pilzlichen Taxa assoziiert war, was auf eine konstant hohe Diversität von Pilzen auf individueller Ebene schließen lässt. Insbesondere wurden zehn Gattungen – sechs ophiostomatoide Pilze und vier Hefegattungen – bei allen Käfern in sämtlichen untersuchten Regionen nachgewiesen. Diese Ergebnisse belegen eine enge Assoziation des Buchdruckers mit einer Vielzahl von Pilzen, deren positive Effekte auf den Käfer angenommen werden. Darüber hinaus konnten zahlreiche Taxa identifiziert werden, die als Pathogene potenziell negative Auswirkungen auf den Käfer haben.

IN ETHANOL KONSERVIERTE KÄFER ↑ die mikrobielle Diversität (Bakterien und Pilze) wurde an Einzelindividuen analysiert

Fichte mit durch Bläuepilze verursachter Verfärbung des Splintholzes →

In unseren Forschungen haben wir außerdem zahlreiche Nematoden und Milben gefunden, die mit dem Buchdrucker-Borkenkäfer assoziiert sind. Ob dieses Zusammenleben für den Käfer von Vorteil oder Nachteil ist, ist bisher unklar. Zukünftig müssen Zusammensetzung und Wechselwirkung dieser Organismen sowie ihre Rolle für die Entwicklung des Buchdrucker-Borkenkäfers genauer untersucht werden. Über die Interaktionen zwischen all diesen Arten wissen wir noch wenig, aber es ist offensichtlich, dass sie sich stark gegenseitig beeinflussen. Ein vertieftes Verständnis dieser Zusammenhänge kann neue Ansätze für den Waldschutz eröffnen und zur effektiven Vorbeugung künftiger Massenvermehrungen des Buchdruckers beitragen.

FAKULTÄT FÜR AGRAR-, UMWELT- UND LEBENSMITTELWISSENSCHAFTEN

6.2 Nacherntekrankheiten des Apfels frühzeitig erkennen

Früchte können nicht nur im Feld von Krankheitserregern befallen werden, sondern auch nach der Ernte. Solche sogenannte Nacherntekrankheiten können während und nach der Lagerung zu erheblichen Verlusten führen.

Äpfel werden dabei in erster Linie von pflanzenpathogenen Pilzen befallen. Einige Erreger dringen erst an reifen Früchten über Verletzungen der Apfelschale ein. Andere Erreger infizieren die Früchte hingegen bereits im Feld; die Krankheitssymptome werden jedoch erst während oder nach der Lagerung sichtbar. Gerade diese latenten Krankheitserreger sind von außen oft nicht erkennbar: Ein scheinbar gesunder Apfel entwickelt dann nach wenigen Tagen in der Obstschale Faulstellen, die häufig von den Lentizellen ausgehen. Ebenso kann ein äußerlich intakter Apfel im Inneren bereits faul sein. Solche Erfahrungen können bei Konsumentinnen und Konsumenten zu großer Enttäuschung führen und die Akzeptanz bestimmter Apfelsorten beeinträchtigen. Deshalb spielt neben der Vorbeugung von Nacherntekrankheiten auch deren frühzeitige Erkennung eine zentrale Rolle, damit betroffene Früchte vor der Vermarktung aussortiert werden können.

DAS FORSCHUNGSPROJEKT HIPPA

Die Herausforderung besteht darin, innere Schäden frühzeitig zu erkennen, solange das äußere Erscheinungsbild des Apfels noch unauffällig ist. Aus diesem Grund arbeitet das Labor für Phytopathologie der Freien Universität Bozen gemeinsam mit einem interdisziplinären Projektteam an der Entwicklung einer innovativen Lösung zur zerstörungsfreien Erkennung innerer Schäden beim Apfel. Das Forschungsprojekt mit dem Akronym „HIPPA“ wird im Rahmen des Programms des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE 2021–2027) der Autonomen Provinz Bozen – Südtirol gefördert. Das Projektkonsortium besteht aus der Freien Universität Bozen, dem Versuchszentrum Laimburg und Eurac Research, sowie dem Technologieunternehmen MiCROTEC mit Sitz in Brixen, Südtirol.

HYPERSPEKTRALE BILDGEBUNG

Zum Einsatz kommt die hyperspektrale Bildgebung, die elektromagnetische Signale über zahlreiche Wellenlängen hinweg erfasst. Während das menschliche Auge Wellenlängen nur in einem Bereich zwischen 380 nm und 780 nm wahrnimmt, deckt die hyperspektrale Bildgebung einen Bereich von 350 nm bis 2500 nm ab. Dadurch entstehen

detaillierte „spektrale Fingerabdrücke“, die deutlich mehr Informationen liefern als herkömmliche RGB-Kameras. Diese vielschichtige spektrale Information erhöht jedoch die Komplexität der Datenauswertung und erfordert fortschrittliche Methoden zur Datenextraktion, die über klassische Bildanalysetechniken hinausgehen.

NICHT-INVASIVE INOKULATION VON APFELFRÜCHTEN

Ein Schwerpunkt des Projekts ist die Bereitstellung gezielt infizierter Äpfel mit definierten Nacherntepathogenen für die hyperspektrale Bilderfassung. Häufig werden Apfelfrüchte zu diesem Zweck mit einer Nadel verletzt, um anschließend eine Sporensuspension des jeweiligen Erregers aufzutragen und eine Infektion auszulösen. Dieses Vorgehen spiegelt den natürlichen Infektionsprozess jedoch nur unzureichend wider. Deshalb bestand die Herausforderung in der Entwicklung eines effizienten, nichtinvasiven Inokulationsverfahrens.

Zu Beginn des Projekts wurde hierzu ein Verfahren zur gezielten Infektion definierter Lentizellenbereiche entwickelt. Dabei wurden kleine, mit Pilzsporen getränkte Wundpflaster auf die Epidermis des Apfels aufgebracht. Mit dieser Methode konnten – je nach Erregerart und Sorte – Infektionsraten von bis zu 79 % erreicht werden. Das Verfahren wurde an den Sorten ‘Golden Delicious’ und ‘Gala’ mit unterschiedlichen Nacherntepathogenen getestet, die den Apfel über Lentizellen infizieren, wie Colletotrichum godetiae, Colletotrichum fioriniae oder Phlyctema vagabunda (Abbildungen 1 und 2). Das Inokulationsverfahren eignet sich außerdem zur Untersuchung von Wechselwirkungen zwischen Wirt und Erreger und kann so dazu beitragen, die Infektionsbiologie von latenten Nacherntepathogenen besser zu verstehen.

↑ ABBILDUNG 2

← ABBILDUNG 1

Nicht-invasive Inokulation von Apfelfrüchten mit pilzsporengetränkten Wundpflastern

Durch Phlyctema vagabunda verursachte Lentizellenläsionen nach Pflasterinokulation und 14-tägiger Inkubation in der Feuchtkammer

Das zweite Inokulationsverfahren zielte auf die Induktion von Kernhausfäulen ab. Dazu wurde die Sporensuspension des Pilzes der Fusarium-Kernhausfäule vorsichtig mithilfe einer stumpfen Kanüle in das Kernhaus eingebracht. Für diesen Versuch wurde die Apfelsorte ‘Red Delicious’ ausgewählt, die aufgrund ihrer weiten Kelchöffnung auch eine natürliche Prädisposition für Kernhausfäulen aufweist. Es konnten Infektionsraten von 100 % erreicht werden. Derzeit werden hyperspektrale Datenerhebungen mit zwei Kernhausfäuleerregern, Fusarium avenaceum und Trichthecium roseum, durchgeführt.

↑ ABBILDUNG 3

Außenansicht inokulierter Apfelfrüchte ohne sichtbare Symptome 14 Tage nach der Inokulation (links). Die Innenansicht derselben Früchte nach einem Längsschnitt zeigt eine durch Fusarium avenaceum verursachte Kernhausfäule (rechts).

HYPERSPEKTRALEN BILDGEBUNG ZUR UNTERSCHEIDUNG VERSCHIEDENER NACHERNTEKRANKHEITEN

Die Forschungsgruppe untersucht außerdem, ob sich unterschiedliche Nacherntekrankheiten mithilfe hyperspektraler Bildgebung unterscheiden lassen. Dafür wurden acht in Südtirol verbreitete Nacherntepathogene ausgewählt (Alternaria alternata, Botrytis cinerea, Cadophora luteo-olivacea, Colletotrichum godetiae, Fusarium avenaceum, Mucor spp., Penicillium expansum und Phlyctema vagabunda) und an drei Apfelsorten (‘Golden Delicious’, ‘Granny Smith’ und ‘Cripps Pink’) untersucht. Die hyperspektralen Aufnahmen erfolgten im Rahmen einer Zeitreihe nach der Inokulation, um die Veränderungen der Fäulnissymptome im zeitlichen Verlauf zu erfassen. Im Zuge dieser Arbeit wurden bisher 3456 Inokulationen an 864 Apfelfrüchten durchgeführt, 4488 hyperspektrale Datensätze mit jeweils 1980 Spektralbändern erfasst und insgesamt mehr als 5 TB Daten generiert. Diese Daten werden aktuell von Informatik-Wissenschaftlern analysiert und ausgewertet.

AUSBLICK

Um Nacherntekrankheiten vorzubeugen und geeignete Maßnahmen bei der Ernte, während der Lagerung sowie bei der Vermarktung ergreifen zu können, müssen deren Ursachen präzise und frühzeitig erkannt werden. Dafür braucht es eine zuverlässige und schnelle Technologie, die einerseits Bilddaten der Früchte erfassen und andererseits diese Daten in Echtzeit auswerten kann, um für Anwenderinnen und Anwender unmittelbar nutzbare Informationen bereitzustellen. Eine solche Lösung kann nur in einem interdisziplinären Team mit komplementären Kompetenzen entwickelt werden. Dabei spielt der Einsatz von Deep-Learning-Methoden eine zentrale Rolle, um komplexe hyperspektrale Datensätze robust zu interpretieren und latente bzw. innere Schäden zuverlässig zu detektieren. Das System soll schließlich dazu beitragen, Lebensmittelverluste entlang der Produktions- und Lieferketten zu verringern und damit nachhaltigere Produktionsund Vermarktungswege fördern.

FAKULTÄT FÜR AGRAR-, UMWELT- UND LEBENSMITTELWISSENSCHAFTEN

6.3 Milchziegenhaltung in Südtirol: Zwischen Herausforderung und Perspektive

Die Milchziegenhaltung ist in Südtirol ein kleiner, aber bedeutender Betriebszweig. Gerade in extremen Berglagen, wo klassische Milchviehhaltung wirtschaftlich und zunehmend auch gesellschaftlich an ihre Grenzen stößt können Milchziegen eine tiergerechte und landschaftspflegende Alternative darstellen.

Besonders die ganzjährige Anbindehaltung bei Milchkühen wird von Konsumentinnen und Konsumenten immer kritischer gesehen. In Ländern wie Österreich und Deutschland ist der Ausstieg aus der Anbindehaltung bereits gesetzlich beschlossen, und auch in Südtirol wächst der Druck auf die Landwirtschaft, tierfreundlichere Systeme umzusetzen. Vor diesem Hintergrund könnten Ziegenbetriebe mit Laufstall und Weidezugang eine sinnvolle Alternative zur herkömmlichen kleinstrukturierten Milchwirtschaft darstellen.

DOCH WIE SIEHT ES MIT DER WIRTSCHAFTLICHKEIT AUS?

Eine aktuelle Untersuchung von Südtiroler Ziegenbetrieben liefert erstmals belastbare Zahlen.

UNTERSCHIEDE IN STRUKTUR UND LEISTUNG

Die durchschnittliche Milchleistung beträgt 357 kg pro Ziege und Jahr bei einer Herdengröße von 82 laktierenden Tieren (Tabelle 1). Die Spannbreite reicht von 28 bis zu 350 Milchziegen und die Milchleistung pro Tier von 172 bis über 540 kg. Die meisten Betriebe setzen auf Direktvermarktung und betreiben ihre Höfe im Vollerwerb. Nahezu alle untersuchten Betriebe halten ihre Tiere in Laufställen mit Weidezugang –ein Pluspunkt in Sachen Tierwohl und Konsumentenakzeptanz. Betriebe, die ihre Produkte selbst vermarkten, erzielen höhere Erlöse pro kg Milch. Gleichzeitig ist der Arbeitsaufwand deutlich höher.

Tabelle 1. Eigenschaften der untersuchten Betriebe (N=10)

Bewirtschaftung in Vollzeit (%) 60

Direktvermarktung (%) 70

Biologische Bewirtschftung (%) 20 Laufstallhaltung (%) 90

Weidehaltung (%) 80

Bewirtschaftete Grünlandfläche (ha) 12 (11)

Kraftfutter / Ziegen und Tag (kg)

(0,4)

ECM: Fett-Eiweiß-korrigierte Milch. Mittel; Standardabweichung in Klammer.

FÖRDERUNGEN ALS WIRTSCHAFTLICHE STÜTZE

Im Durchschnitt erwirtschaften die Betriebe rund 2,81 € pro kg Milch inkl. Förderungen, wobei die Produktionskosten bei etwa 2,43 € liegen. Mit Förderungen liegt der Gewinn damit bei etwa 0,38 € pro kg Milch – was einem Stundenlohn von durchschnittlich 2,75 € entspricht. Ohne Förderungen ergibt sich ein Verlust von rund 0,45 € pro kg Milch. Das zeigt: Die wirtschaftliche Tragfähigkeit ist stark von der öffentlichen Unterstützung abhängig.

WAS MACHT BETRIEBE ERFOLGREICH?

Einige der untersuchten Betriebe zeigen, dass wirtschaftlicher Erfolg trotz schwieriger Rahmenbedingungen möglich ist. Diese Höfe erzielen entweder besonders hohe Einnahmen – etwa durch intensive Direktvermarkt-ung oder überdurchschnittliche Milchleistung – oder haben vergleichsweise niedrige Fixkosten. Letzteres gelingt vor allem durch die Nutzung bestehender Gebäude und vorsichtige Investitionen. Auch eine

effiziente Arbeitsorganisation und die Einbindung von Familienarbeitskräften tragen zur besseren Wirtschaftlichkeit bei. So gelingt es einzelnen Betrieben, einen Gewinn von bis zu 2,50 € pro kg Milch zu erwirtschaften – ein Wert, der deutlich über dem Durchschnitt liegt und zeigt, welches Potenzial in durchdachten Entscheidungen steckt. Die Ergebnisse zeigen: Entscheidend ist die Kombination aus angepasster Betriebsstruktur, Vermarktung und Kostenbewusstsein.

HERDENGRÖSSE ALS WIRTSCHAFTLICHER FAKTOR

Die Herdengröße beeinflusst das Einkommen wesentlich. Laut Studie bringt jede zusätzliche Milchziege im Schnitt rund 163 € mehr Gewinn pro Jahr. Größere Herden bedeuten also grundsätzlich mehr Milch und damit höhere Einnahmen. Allerdings stößt dieses Wachstum in der Praxis schnell an Grenzen: In vielen Berglagen

fehlt es an Platz, Futterflächen oder Arbeitskapazitäten. Auch Förderauflagen können eine Ausweitung des Tierbestands einschränken. Zudem steigen mit der Herdengröße die Anforderungen an das Betriebsmanagement – etwa in Bezug auf Tiergesundheit, Arbeitsorganisation und Infrastruktur. Die wirtschaftlichen Vorteile größerer Herden sind also real, aber nicht unbegrenzt nutzbar. Für viele Betriebe bleibt die Optimierung innerhalb bestehender Strukturen die realistischere Strategie.

INVESTITIONEN UND BETRIEBSENTWICKLUNG – SINNVOLL, ABER RISKANT?

Trotz der wirtschaftlichen Herausforderungen investieren viele Betriebe in Stallbau und Maschinen. Diese Investitionen – etwa in neue Stallungen oder Melktechnik – erhöhen allerdings die Fixkosten erheblich. In der Studie lagen die durchschnittlichen Abschreibungen für Gebäude bei über 19.000,00 € pro Jahr, für Maschinen bei rund 11.800,00 €. Diese hohen Fixkosten sind ein zentraler Grund für die geringe Rentabilität vieler Betriebe. Dennoch zeigen die Investitionen sehr deutlich: Die Landwirtinnen und Landwirte glauben an die Zukunft der Ziegenhaltung.

WEGE ZU MEHR WIRTSCHAFTLICHKEIT

Die Studie empfiehlt, die Produktivität pro Tier zu steigern – etwa durch ein gezieltes Zuchtprogramm, welches bis dato nicht vorhanden ist. Auch die Futterqualität in Berglagen ist oft unzureichend, wie bereits in vorangegangenen Studien gezeigt werden konnte. Verbesserungen in diesen Bereichen könnten helfen, die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen, ohne die Herden zu vergrößern.

Zudem braucht es politische Rahmenbedingungen, die kleine Bergbetriebe gezielt unterstützen – etwa durch angepasste Fördermodelle, Beratungsangebote und Investitionshilfen. Auch die Vermarktung regionaler Ziegenprodukte sollte gestärkt werden, etwa durch Qualitätsmarken oder gemeinsame Vermarktungsinitiativen.

FAZIT

Die Milchziegenhaltung in Südtirol ist kein Selbstläufer, aber einige erfolgreiche Betriebe zeigen: sie hat Zukunft. Sie bietet ökologische Vorteile, passt gut zur Berglandwirtschaft und trifft den Wunsch vieler Konsumentinnen und Konsumenten nach tierfreundlicher Haltung und regionaler Vermarktung. Damit sie wirtschaftlich tragfähig wird, braucht es gezielte Unterstützung, Forschung und Beratung –und den Mut der Betriebe, neue Wege zu gehen.

Tabelle 2. Aufstellung Erlöse, Kosten, Gewinne der untersuchten Betriebe in € pro kg energiekorrigierter Milch (N=8)

Danksagung:

Die Autoren bedanken sich bei den teilnehmen Ziegenbetrieben für die wertvolle Zusammenarbeit sowie beim Südtiroler Sennereiverband (Bertram Stecher) für die Unterstützung bei der Datenerhebung.

6.4 Wechselwirkungen zwischen Waldschäden, Waldbewirtschaftung und hydrologischen Prozessen im Eggental

Neue Erkenntnisse aus dem Projekt MONIVA („Monitoraggio delle aree colpite da Vaia“)

Andreoli A., Rozzoni A., Koyanagi K. (Fakultät für Agrar-, Umwelt- und Lebensmittelwissenschaften –Freie Universität Bozen); Markart H., Pietrogiovanna M. (Forstdienst – Amt für Forstplanung –Autonome Provinz Bozen)

Der Sturm Vaia im Oktober 2018 stellt ein besonders aussagekräftiges Fallbeispiel dar, da er in den nordöstlichen italienischen Alpen großflächige Waldschäden verursachte. Im Eggental waren rund 10 % der Waldfläche von Windwürfen betroffen. In der Folge gab es unterschiedliche Bewirtschaftungsmaßnahmen, darunter die Aufarbeitung des Schad-holzes, die natürliche Wiederbewaldung sowie künstliche Aufforstungen. Dies bietet eine ideale Grundlage, um die Wechselwirkungen zwischen Schäden, Vegetationsentwicklung und hydrologischen Prozessen zu untersuchen.

ABBILDUNG 1 →

Unterschiedliche Bedingungen nach dem Störungsereignis: (a) Windwurfholz, das nach Vaia (2018) nicht aufgearbeitet wurde; (b) Aufarbeitung der Windwurffläche mit anschließender natürlicher Verjüngung (2000); (c) Aufarbeitung der Windwurffläche mit anschließender Wiederbewaldung (2000); (d) Aufarbeitung der Windwurffläche mit anschließender künstlicher Aufforstung nach Vaia (2018). Parallel dazu wurde das verteilte hydrologische Modell Soil and Water Assessment Tool (SWAT) eingesetzt, um die Auswirkungen der Schäden auf den Wasserhaushalt und den Feststofftransport auf Einzugsgebietsebene zu simulieren.

Vor diesem Hintergrund wurde das Projekt MONIVA in Zusammenarbeit zwischen der Freien Universität Bozen und dem Amt für Forstplanung der Landesforstdirektion der Autonomen Provinz Bozen ins Leben gerufen. Ziel des Projekts ist es, die Auswirkungen von Vaia auf die Vegetation sowie die damit verbundenen hydrologischen Prozesse zu analysieren. Dazu werden hochauflösende Monitoringmaßnahmen auf Hangebene mit hydrologischen Modellierungen auf Einzugsgebietsebene kombiniert.

Im Bereich des Lavazèjochs (Gemeinde Deutschnofen) wurden dafür vier Versuchsflächen eingerichtet, auf denen Wasser- und Feststoffabflüsse infolge von Niederschlagsereignissen erfasst werden.

Die Monitoringdaten der Jahre 2021–2023 zeigen deutliche räumliche Unterschiede in den hydrologischen und erosiven Reaktionen, die wesentlich von der jeweiligen Nachbewirtschaftung abhänge. Die Analyse der Daten (Abb. 2) zeigt, dass die bei Niederschlagsereignissen erzeugten Abflussmengen (Abb. 2a) auf den verschiedenen Versuchsflächen weitgehend vergleichbar sind und keine signifikanten Unterschiede aufweisen.

Ereignisablauf (mm)

Sedimentbildung (t ha-1)

Nicht entferntes Totholz (Vaia 2018)

Aufforstung (2000)

Natürliche Regeneration (2000)

Jüngste Wiederaufforstung (Vaia 2018)

↑ ABBILDUNG 2

Nicht entferntes Totholz (Vaia 2018)

Aufforstung (2000)

Natürliche Regeneration (2000)

Jüngste Wiederaufforstung (Vaia 2018)

Mittlere Werte für den Zeitraum 2021–2023 des Abflusses (a) und der Sedimentproduktion (b) in den vier untersuchten Flächen: NI2018 (nicht aufgearbeitete Windwurffläche, Vaia 2018), CN2000 (Windwurf aufgearbeitet, natürliche Verjüngung, 2000), CP2000 (Windwurf aufgearbeitet, künstliche Aufforstung, 2000) und CP2018 (Windwurf aufgearbeitet, künstliche Aufforstung nach Vaia 2018). Die Ergebnisse sind in allen Varianten weitgehend vergleichbar. Deutlichere Unterschiede zeigen sich hingegen bei der Sedimentproduktion: Die höchsten Werte wurden auf den aufgeforsteten Flächen gemessen, insbesondere nach jüngeren Schadereignissen. Geringere Werte treten dagegen auf Flächen mit natürlicher Verjüngung oder mit nicht entferntem Totholz auf.

Die Bewirtschaftungsmaßnahmen beeinflussen somit die insgesamt mobilisierte Wassermenge am Hang nur geringfügig. Deutlichere Unterschiede zeigen sich hingegen bei der Sedimentproduktion. Diese fällt auf bewirtschafteten Flächen, insbesondere nach künstlicher Aufforstung, höher aus. Flächen mit natürlicher Verjüngung oder mit nicht entferntem Totholz weisen dagegen geringere Werte und damit eine niedrigere Erosionsanfälligkeit auf. Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Windwurfereignisse die Abflussmengen kaum verändern, wohl aber die Abflussdynamik und insbesondere den Sedimenttransport beeinflussen.

Die Entfernung des Schadholzes und künstliche Aufforstungen fördern Erosionsprozesse, während verbliebene Holzreste und natürliche Verjüngung diese Effekte abschwächen. Auf Einzugsgebietsebene weist die Modellierung auf einen moderaten Anstieg des jährlichen Oberflächenabflusses hin (3–16 %). Deutlich stärker fällt jedoch die Zunahme der Sedimentproduktion aus, die in besonders stark betroffenen Bereichen bis auf das Vierfache ansteigen kann. Der Einfluss auf den Gesamtabfluss bleibt jedoch begrenzt, da der direkte Oberflächenabfluss nur einen geringen Anteil daran ausmacht (ca. 4 %).

Die Ergebnisse des Projekts MONIVA zeigen, dass die Wahl der Bewirtschaftungsmaßnahmen nach Schadereignissen die hydrologischen und erosiven Prozesse maßgeblich beeinflusst. Während die Räumung von Schadholz und künstliche Aufforstungen aus wirtschaftlichen oder forstplanerischen Gründen häufig erforderlich sind, können sie die Erosionsanfälligkeit erhöhen. Der Erhalt von Holzresten sowie die Förderung der natürlichen Verjüngung erweisen sich hingegen als wirksame Maßnahmen zur Risikominderung.

Insgesamt haben Windwurfereignisse und die darauffolgenden Bewirtschaftungsmaßnahmen nur geringe Auswirkungen auf den Wasserhaushalt, beeinflussen jedoch die Erosionsprozesse deutlich. Die Kombination aus experimentellem Monitoring und Modellierung liefert dabei wichtige Erkenntnisse für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung unter den Bedingungen des Klimawandels.

FAKULTÄT FÜR AGRAR-, UMWELT- UND LEBENSMITTELWISSENSCHAFTEN

6.5

Neue Ansätze zur Bewertung des Hochwasserrisikos in kleinen

Gebirgseinzugsgebieten

Michele Larcher, Fakultät für Agrar-, Umwelt- und Lebensmittelwissenschaften

Kleine Gebirgseinzugsgebiete reagieren auf Starkregen oft sehr rasch. Innerhalb weniger Minuten bis Stunden können aus unscheinbaren Wildbächen Sturzfluten, Murgänge oder stark geschiebeführende Abflüsse entstehen.

Für Siedlungen, Verkehrswege, Brücken, land- und forstwirtschaftliche Flächen sowie Schutzbauwerke ist dies eine besondere Herausforderung. Im Klimawandel gewinnen diese Prozesse zusätzlich an Bedeutung:

Auch allmähliche Änderungen von Niederschlag, Temperatur, Schneedecke, Vegetation und Bodenstabilität können nichtlineare Wirkungen auslösen, sobald kritische Schwellen überschritten werden. Vor diesem Hintergrund entstand im Rahmen des PNRR-Partnerschaftsprojekts RETURN – Multi-Risk sciEnce for resilienT commUnities undeR a changiNg climate – das Projekt RETURN-PB. Das Projekt ging innerhalb des Spoke VS1 „Acqua“ aus einem Cascade-Funding-Call hervor und wurde von Michele Larcher an der Freien Universität Bozen national koordiniert. Zur unibz-Arbeitsgruppe gehörten außerdem Andrea Andreoli, Ouiza Bouarour, Luigi Piemontese, Maurizio Righetti und Enrico Tomelleri.

Das Kernkonsortium umfasste 14 Forschungseinrichtungen: die Freie Universität Bozen, die Universitäten Brescia, Kalabrien, Salerno, Neapel Parthenope, Mailand, Perugia, Kampanien „Luigi Vanvitelli“, Pavia, Basilikata, Messina und Trient sowie CNR-IRPI und ISPRA. Bei der Ausarbeitung des Handbuchs wurde diese Expertise durch Beiträge weiterer Fachleute der italienischen Hydraulik- und Gebirgswasserbau-Community ergänzt, unter anderem von den Universitäten Padua, Florenz und Palermo, CNR-IRPI Padua und dem Politecnico di Milano.

Ein zentrales Ergebnis ist ein anwendungsorientiertes technisches Handbuch zur Bewertung und zum Management des Hochwasserrisikos in kleinen Gebirgseinzugsgebieten. Es führt den aktuellen Stand der Forschung mit praktischen Erfahrungen zusammen und bereitet ihn für Verwaltungen, technische Dienste, Planerinnen und Planer sowie Fachleute der Gefahrenzonenplanung auf. Das Handbuch wird 2026 im Rahmen des XL Convegno Nazionale di Idraulica e Costruzioni Idrauliche vorgestellt.

Das Handbuch behandelt zunächst den rechtlichen und fachlichen Rahmen der europäischen Hochwasserrichtlinie 2007/60/EG und die Begriffe Gefahr, Risiko, Exposition und Vulnerabilität. Für kleine Bergbäche reicht es jedoch nicht aus, nur Wasserstände und Überflutungsflächen zu betrachten. Entscheidend sind häufig auch Geschiebe-, Sediment- und Schwemmholztransport, die Veränderung der Gerinneform während eines Ereignisses sowie lokale Prozesse an kritischen Engstellen wie Brücken, Durchlässen oder Schutzbauwerken.

Deshalb beschreibt das Handbuch die gesamte Prozesskette: von der Niederschlagsbelastung und der hydrologischen Reaktion des Einzugsgebiets über die Mobilisierung von Sediment und Holz bis zur Ausbreitung von Murgängen, Schlammströmen und sedimentbeladenen Hochwasserabflüssen. Berücksichtigt werden geomorphologische Analysen ebenso wie hydrologische, hydraulische und morphodynamische Modellansätze. Die Arbeiten zeigen, dass kleine Einzugsgebiete nicht einfach als verkleinerte Version großer Flüsse verstanden werden können. Steile Hänge, kurze Konzentrationszeiten, grobe Sedimente und enge Gerinne erfordern angepasste Methoden.

↑ Sequenz eines Murgangs in Antholz am 5. August 2022, der zur Verlegung eines Brückenquerschnitts und anschließend zum Einsturz der Brücke führte. Bildquelle: Agentur für Bevölkerungsschutz der Autonomen Provinz Bozen

Ein besonders kritischer Punkt ist die Interaktion zwischen Abfluss, Geschiebe, Schwemmholz und Infrastrukturen. Brücken können bei extremen Ereignissen zu Engstellen werden. Wenn Sedimente, Blöcke oder Holz den Abflussquerschnitt teilweise oder vollständig verlegen, steigen Wasserstand und Druckkräfte rasch an. Das Ereignis von Antholz am 5. August 2022 zeigt exemplarisch, wie eine Mure einen Brückenquerschnitt verlegen und schließlich zum Einsturz der Struktur führen kann. Solche Ereignisse verdeutlichen, dass die Bewertung der Hochwassergefahr in Berggebieten auch die Dynamik des festen Materials und die Veränderung der Abflussbedingungen während des Ereignisses einbeziehen muss.

Für die Europaregion Tirol–Südtirol–Trentino ist dieser Ansatz besonders relevant. Viele land- und forstwirtschaftlich genutzte Flächen, Verkehrsverbindungen und Siedlungsbereiche liegen in engem Kontakt mit Wildbächen, Schwemmkegeln und kleinen alpinen Einzugsgebieten. Gleichzeitig übernehmen Wälder, Almen und Schutzbauwerke eine wichtige Rolle im Umgang mit Naturgefahren. Das RETURN-PB-Handbuch unterstützt eine integrierte Betrachtung dieser Räume: Es verbindet wissenschaftliche Modelle, Fallstudien und praktische Kriterien für Prävention, Schutz, Vorbereitung und Wiederherstellung.

Ziel ist nicht nur eine bessere Beschreibung einzelner Extremereignisse, sondern eine fundierte Grundlage für Entscheidungen: Welche Daten sind notwendig? Welche Modelle sind für welchen Prozess geeignet? Welche Unsicherheiten müssen berücksichtigt werden? Wo können Schutzbauwerke wirksam sein, und wo können sie unter veränderten klimatischen und geomorphologischen Bedingungen selbst zu kritischen Punkten werden?

Durch die Zusammenführung nationaler Expertise liefert RETURN-PB einen Beitrag dazu, alpine Räume gegenüber Starkregen, Sturzfluten und Murgängen widerstandsfähiger zu machen.

Danksagung:

Diese Studie wurde im Rahmen der erweiterten Partnerschaft RETURN durchgeführt und durch die Europäische Union – NextGenerationEU finanziert: Nationaler Aufbau- und Resilienzplan, Mission 4, Komponente 2, Investition 1.3 – D.D. 1243 vom 02.08.2022, PE0000005.

FAKULTÄT FÜR AGRAR-, UMWELT- UND LEBENSMITTELWISSENSCHAFTEN

6.6 Schätzung, Berechnung und Modellierung des Feststofftransports jenseits der Grenzen der bekanntesten empirischen Formeln

Maurizio Righetti, Fakultät für Agrar-, Umwelt- und Lebensmittelwissenschaften

1. ZIEL

Ziel der durchgeführten Forschungsarbeiten war es, mittels Laborexperimenten spezifische Sedimenttransportphänomene zu untersuchen, die unter hydraulischen Bedingungen auftreten, die in der Literatur bislang noch nicht ausreichend untersucht wurden (Shields-„Theta“-Werte, die das 10- bis 20- fache des kritischen Wertes erreichen), und für die die in der Literatur angegebenen Sedimenttransportgleichungen noch nicht getestet wurden und vermutlich Einschränkungen in ihrer Anwendbarkeit aufweisen, die es zu bewerten gilt.

2. EINLEITUNG

Wie bereits erwähnt, gibt es im Wesentlichen drei Mechanismen des Sedimenttransports in einer Flüssigkeitsströmung: Grundtransport, Sprungkörniger Transport und Schwebetransport. Mit zunehmender Kraft, die die Strömung auf die Sedimente am Gewässergrund ausübt – also mit steigendem Durchfluss –, können die Sedimente, sobald sie in Bewegung gesetzt wurden, in einer Schicht am Gewässergrund, in zwei oder mehr Schichten über dem Gewässergrund oder über die gesamte Wassersäule verteilt transportiert werden.

Der Bodentransport kann somit auch schichtweise erfolgen und geht in einen Schwebetransport über, wenn eine Verteilung über die gesamte Wassersäule stattfindet. In der Literatur sind verschiedene Formeln zur Abschätzung des Sedimenttransports verfügbar; diese sind in der folgenden Tabelle zusammengefasst:

Tabelle 1. Formeln zur Schätzung des Feststofftransports

Mayer Peter Muller (1948)

Smart and Jeaggi (1983)

Rickenmann (1991, 2001)

Recking (2010)

Ancey and Recking (2023) - sheet flow regime

φ = 8(ϑ − ϑc)15

φ = 4[(d₉₀/d₃₀)⁰ ² × S⁰ ⁶ × C × ϑ⁰ ⁵ × (ϑ − ϑc)]

φ = 3,1(d90/d30)⁰ ² × ϑ⁰ ⁵ × (ϑ −

Fr¹ ¹ × (s − 1)

φ = 14 × ϑ842 45 (ϑ84 > ϑc84)

ϑc84 = (1,32 × S + 0,037)(d84/d50) ⁰ ⁹³

φ = 12,5 × ϑ⁵ ³

Ancey and Recking (2023) - transitional regime φ= 40 × ϑ3 1. 2.

Dabei steht φ („Phi“) für die dimensionslose Feststoffdurchflussrate, die durch die folgende Formel (1) beschrieben wird, während das Symbol ϑ („Theta“) die dimensionslose Spannung (2) bezeichnet:

3. MATERIALIEN UND METHODEN

Die Versuche wurden in einem 12 Meter langen und 26 Zentimeter breiten Kanal durchgeführt, der an eine Pumpe angeschlossen war, die Wasser und Sediment mit einer Durchflussrate von bis zu 80 l/s fördern konnte. Das aus der Pumpe austretende Wasser verbleibt in einem hohen Tank, der dazu dient, die Strömung zu verlangsamen; sobald es in den Kanal gelangt, fließt es weiter, bis es in einen weiteren, tiefer gelegenen Tank fällt, wo die Pumpe es umwälzt, um einen geschlossenen Kreislauf zu bilden. Die folgende Abbildung (Abbildung 1) zeigt ein Schema des Kanals.

Der Kanal ist ein Kreislaufsystem mit variablem Gefälle, das sowohl Wasser als auch Sedimente rezirkuliert, wobei letztere in unterschiedlichen Mengen zugeführt werden, um die Feststoffdurchflussrate von Versuch zu Versuch zu variieren. Es ist zu beachten, dass, da die Versuche mit einem beweglichen Bett und unter stationären Strömungsbedingungen durchgeführt werden, das Bettgefälle in jedem einzelnen Versuch dem Gleichgewichtsgefälle entspricht, das nicht unbedingt

mit dem Gefälle des (festen) Kanalbetts übereinstimmt. Für jeden Versuch wurden die Flüssigkeitsdurchflussmenge, die Wasserstandshöhe und die Neigung des beweglichen Bettes gemessen, um aus der Impulsbilanz die Tangentialspannung am Bett und die entsprechende Reibungsgeschwindigkeit zu berechnen. Für jeden Versuch wurde auch die Feststoffdurchflussrate gemessen, wobei wie folgt vorgegangen wurde: Nachdem die Neigung des Messkanals und die Durchflussmenge der Flüssigkeit für den jeweiligen Versuch festgelegt worden waren, wurde die Strömung beobachtet, bis sich ein stationärer Zustand eingestellt hatte. Sobald ein stabiler Sockel und eine gleichmäßige Strömung erreicht waren, wurde die Durchflussmenge der Feststoffe durch Wiegen gemessen, wobei ein durch-lässiger Beutel am Ende des Messkanals angebracht wurde, der die transportierten Sedimente über einen vorgegebenen Zeitraum sammelte.

↑ ABBILDUNG 1

Schema des bei den Experimenten verwendeten Kanals

4. ERGEBNISSE

Die folgenden Tabellen zeigen die durchgeführten Tests (Tabelle 2) und die bei den Tests verwendeten Wertebereiche (Tabelle 3).

Tabelle 2. Anzahl der durchgeführten Tests

Testdaten

Anzahl der Tests 68

Anzahl der verwendeten zuverlässigen Tests 45

Tabelle 3. Während der Tests verwendete Parameterbereiche

Die J/Jcit (Theta/Theta_crit) liegen daher im Bereich von 7,5 bis 14. Die Experimente werden unter Bedingungen intensiven Volumentransports durchgeführt, bei denen ein Schichtströmungs-Transportmechanismus erwartet wird.

Die folgende Abbildung (Abb. 2) zeigt die experimentellen Datenpunkte, aufgetragen in einem Diagramm, das den dimensionslosen Parameter J (1) mit dem dimensionslosen Parameter F (phi) (2) in Beziehung setzt.

↑ ABBILDUNG 2

Bei jedem Versuch wurde der gemessene Feststoffdurchsatz mit dem anhand der in Tabelle 1 beschriebenen Formeln berechneten Wert verglichen. Die Abbildungen 3–7 zeigen diese Vergleiche, wobei der anhand der Formeln berechnete Parameter F (Phi) auf der x-Achse und der in den Versuchen gemessene Wert auf der y-Achse aufgetragen sind.

↑ ABBILDUNG 3

Vergleich der gemessenen F-Werte mit den nach der Formel von Meyer-Peter & Müller (1948) berechneten Werten

↑ ABBILDUNG 4

Vergleich der gemessenen F-Werte mit den nach der Formel von Smart & Jaeggi (1983) berechneten Werten

↑ ABBILDUNG 5

Vergleich der gemessenen F-Werte mit den nach der Formel von Rickenmann (1991, 2001) berechneten Werten

↑ ABBILDUNG 7

Vergleich der gemessenen F-Werte mit den nach der Formel von Ancey & Recking (2023) für Sheet Flow berechneten Werten

↑ ABBILDUNG 6

Vergleich der gemessenen F-Werte mit den nach der Formel von Recking (2010) berechneten Werten

↑ ABBILDUNG 8

Vergleich der gemessenen F-Werte mit den nach der Formel von Ancey & Recking (2023) für den Übergangsbereich berechneten Werten

5. SCHLUSSFOLGERUNG

Ein Vergleich der experimentellen Daten mit den von MPM, Smart & Jaeggy, Rickenmann und Recking vorgeschlagenen Formeln zeigt, dass diese Formeln den gemessenen Feststofftransport leicht unterschätzen. Umgekehrt neigt die von Ancey und Recking vorgeschlagene Formel für den Übergangsbereich dazu, den gemessenen Feststofftransport zu überschätzen, während die von Ancey und Recking vorgeschlagene Formel für die Schichtströmung eine angemessene Übereinstimmung mit den experimentellen Daten liefert.

6.7 Wie gut ist Brot aus Sauerteig verdaulich? Fragen wir die künstliche Intelligenz

Andrea Polo, Olga Nikoloudaki, Ali Zein Alabiden Tlais, Alessandra Gasparini, Raffaella Di Cagno, Marco Gobbetti

Brot ist weltweit ein Grundnahrungsmittel, und seine Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit werden weitgehend davon bestimmt, wie es verdaut wird, insbesondere hinsichtlich der Proteinverfügbarkeit und der glykämischen Reaktion.

Tatsächlich wird während der Verdauung eine breite Palette bioaktiver Verbindungen freigesetzt, darunter Peptide mit nutrazeutischen Eigenschaften sowie Verbindungen, die sich nachteilig auf die menschliche Gesundheit auswirken können (z. B. Allergien und Unverträglichkeiten), oder Nährstoffe, die die Magen-Darm-Gesundheit beeinflussen und physiologische postprandiale glykämische Effekte haben. Aus einer ganzheitlichen Perspektive stellt daher die Möglichkeit, die Verdaulichkeit dieser Nährstoffe im Magen-Darm-Trakt vorherzusagen, eine wichtige Herausforderung hinsichtlich der funktionellen und gesundheitlichen Auswirkungen dar.

Die Bestimmung der Verdaulichkeit von Brot ist ein komplexer Prozess, der auf verschiedenen mechanischen, chemischen und biochemischen Vorgängen beruht. Auch die Untersuchung der Verdaulichkeit von Stärke und Proteinen sowie der Nährstoffaufnahme ist komplex und stützt sich auf unterschiedliche Ansätze (sowohl in vivo als auch in vitro) sowie auf analytische Methoden, die Schwierigkeiten bei der Anwendung bereiten, zeitaufwändig und für das Screening einer großen Anzahl von Brotformulierungen wenig praktikabel sind. Folglich sind die Untersuchungen zur Verdaulichkeit von Brot begrenzt und uneinheitlich, während es nach wie vor an eindeutigen, schnellen und wirksamen Screening-Methoden mangelt, um vorläufige Informationen über dessen Verdaulichkeit zu erhalten. In diesem Zusammenhang können Technologien der künstlichen Intelligenz (KI) die Vorhersage der Verdaulichkeit erleichtern und die Screening-Analysen reduzieren und eingrenzen. Tatsächlich sind diese Technologien in der Lage, die Gesamtkapazität zur Überwachung und Automatisierung von Prozessen, zur Erfassung und Verarbeitung großer Datenmengen aus verschiedenen Quellen sowie zur Identifizierung von Zusammenhängen zwischen den Daten erheblich zu

verbessern. Das Projekt „Data to Platform: AI-Powered Insights into Sourdough Bread Digestibility (IDigest)“ zielt darauf ab, Datensätze zu erstellen, um ein robustes und nachhaltiges Vorhersagemodell zur Automatisierung der Verfahren zur Bestimmung der Brotverdaulichkeit zu entwickeln und so die Einführung der untersuchten Methode im industriellen Maßstab zu erleichtern. Darüber hinaus zielt IDigest darauf ab, ein zuverlässiges, auf künstlicher Intelligenz basierendes Tool zu implementieren, das in der Lage ist, die in-vitro-Proteinverdaulichkeit (IVPD) und den prognostizierten glykämischen Index (pGI) von Broten präzise vorherzusagen, sobald deren Zusammensetzung, Struktur und biochemische Eigenschaften bekannt sind (Abbildung 1).

Dies schließt die derzeitige Lücke an skalierbaren Instrumenten zur Echtzeit-Bewertung der Verdaulichkeit und ermöglicht eine effizientere Rezeptur von Brot mit größerem gesundheitlichen Nutzen.

IDigest stellt einen wegweisenden Schritt in Richtung der Digitalisierung der Bewertung der ernährungsphysiologischen Qualität von Lebensmitteln (z. B. Verdaulichkeit) dar und erleichtert den Wissenstransfer von Daten zu praktischen Anwendungen. Das Projekt vertieft unser Verständnis der Verdaulichkeit von natürlich gesäuertem Brot, indem es die experimentelle Analyse von Brot mit KI-basierter prädiktiver Modellierung verbindet, und eröffnet neue Perspektiven auf Brot und seine Auswirkungen auf die Gesundheit. Das Endziel besteht darin, die Entscheidungsfindung von Verbrauchern und Herstellern bei der Auswahl und Rezeptur von Brot zu unterstützen und zu erleichtern. Auf lokaler und regionaler Ebene steht das Projekt IDigest im Einklang mit den Schlüsselprioritäten für nachhaltige Innovation, gesunde Ernährung und die Modernisierung des regionalen Lebensmittelsystems.

↑ ABBILDUNG 1

Projektübersicht IDigest

6.8 Natürliche Inhaltsstoffe aus hochalpinen Regionen: Extrakte aus alpinen Pflanzen zwischen Tradition und Innovation

Giovanna Ferrentino, Maria Concetta Tenuta (Freie Universität Bozen) in Zusammenarbeit mit Lara Manzocco (Universität Udine) und Anja Schuster (Fachhochschule Salzburg)

EINLEITUNG UND KONTEXT

Das Projekt NETTLE (ITAT-11-007) wurde dank der Kofinanzierung durch die Europäische Union im Rahmen des Programms INTERREG Italien–Österreich 2021–2027 ins Leben gerufen, mit dem Ziel, die alpine Biodiversität durch einen fortschrittlichen wissenschaftlichen und technologischen Ansatz aufzuwerten. In einem europäischen Kontext, der zunehmend auf Nachhaltigkeit, Bioökonomie und den grünen Wandel ausgerichtet ist, stellen alpine Pflanzen eine bislang nur teilweise erschlossene, jedoch äußerst vielversprechende Ressource dar, insbesondere im Hinblick auf bioaktive Verbindungen. Traditionell in der Volksmedizin, Kosmetik und Ernährung genutzt, gewinnen diese Pflanzenarten heute dank wissenschaftlicher Erkenntnisse über ihre antioxidativen, antimikrobiellen und entzündungshemmenden Eigenschaften neue Bedeutung.

Trotz der hohen Biodiversität im Alpenraum fehlen bislang geeignete Instrumente, um Bürgerinnen und Bürger sowie Akteure bei der Erschließung und Nutzung dieser natürlichen Ressourcen zu unterstützen. Das grenzüberschreitende Gebiet ist äußerst reich an biologischer Vielfalt, jedoch auch verletzlich: Zunehmend häufige klimatische Veränderungen stellen eine konkrete Bedrohung für deren Erhalt dar. Vor diesem Hintergrund wurde das Projekt ins Leben gerufen, ermöglicht durch die Förderung des Programms INTERREG Italien–Österreich 2021–2027 in Zusammenarbeit mit der Universität Udine und der Fachhochschule Salzburg.

Das Hauptziel von NETTLE war die Erstellung der ersten Open-Source-Datenbank für natürliche Extrakte aus alpinen Pflanzen der grenzüberschreitenden Region, die den Familien

der Asteraceae, Lamiaceae und Rosaceae angehören. Die Datenbank, verfügbar in italienischer, deutscher und englischer Sprache (https://sites.google.com/view/ nettle-it), sammelt Ergebnisse zu den Eigenschaften der Extrakte, die mittels innovativer und nachhaltiger Technologien gewonnen wurden. Besonderer Fokus liegt auf ihren antioxidativen, antimikrobiellen und entzündungshemmenden Aktivitäten sowie auf den wichtigsten bioaktiven Verbindungen der jeweiligen Pflanzenfamilien. Mit diesem Instrument soll das Projekt Bürger, Unternehmen und Forschungseinrichtungen unterstützen und den Technologietransfer sowie Innovationen in den Bereichen Lebensmittel, Kosmetik und Pharmazie fördern. Gleichzeitig wird die Anwendung nachhaltiger Technologien zur Extraktion und Charakterisierung natürlicher Verbindungen vorangetrieben.

↑ ABBILDUNG 1a Einige der im Rahmen von NETTLE untersuchten alpinen Pflanzenarten

EIN MULTIDISZIPLINÄRER ANSATZ ZUR AUFWERTUNG DES TERRITORIUMS ÜBER GRENZEN HINWEG

Das Projekt basiert auf einem multidisziplinären Ansatz, der Kompetenzen aus den Lebensmittelwissenschaften und -technologien, der Chemie sowie der Biotechnologie vereint und einen seiner zentralen Stärken darstellt.

Die Aktivitäten umfassten die Probenahme von über 30 alpinen Pflanzenarten unter aktiver Einbindung lokaler Stakeholder und Bürger, die an der Sammlung und Erkundung des Territoriums beteiligt waren.

Die gesammelten Pflanzen wurden sowohl konventionellen Extraktionsverfahren als auch innovativen und nachhaltigen Methoden unterzogen, wie der überkritischen CO₂-Extraktion, Ultraschallbehandlung und gepulsten elektrischen Feldern. Der Einsatz fortschrittlicher chromatographischer und massenspektrometrischer Techniken ermöglichte eine umfassende phytochemische Analyse, durch die die wichtigsten bioaktiven Verbindungen der drei untersuchten Pflanzenfamilien identifiziert wurden. Die funktionellen Eigenschaften der Extrakte wurden hinsichtlich ihrer Toxizität, antioxidativen Aktivität sowie ihrer Fähigkeit zur Hemmung oxidativer Prozesse sowohl in Zellmodellen als auch in Lebensmittelmatrizen bewertet.

VON DER FORSCHUNG ZU KONKRETEN ERGEBNISSEN:

DAS HERZSTÜCK DES PROJEKTS

Die Projektergebnisse bildeten die Grundlage für die Entwicklung der Datenbank – ein innovatives und zugängliches Instrument zur Sammlung und Aufwertung von Wissen im grenzüberschreitenden Raum. Die Analysen zeigten, dass die untersuchten Pflanzenarten zwar unterschiedliche, jedoch komplementäre chemische Profile aufweisen: Phenolsäuren und Flavonoide sind in vielen Arten verbreitet, während bestimmte Verbindungen charakteristisch für einzelne Familien sind.

Aus funktioneller Sicht zeigten alle Extrakte antioxidative Aktivität, deren Wirkung von der eingesetzten Konzentration abhing, sowie die Fähigkeit, oxidative Prozesse sowohl in Zellmodellen als auch in Lebensmittelmatrizen zu hemmen.

Die Lamiaceae, bekannt für ihren Gehalt an aromatischen Metaboliten, erwiesen sich als besonders wirksam, gefolgt von Asteraceae und Rosaceae. Darüber hinaus zeigten alle Extrakte – mit Ausnahme von Alchemilla xanthochlora – eine schützende Wirkung gegenüber zellulärem oxidativem Stress.

ÜBER DAS PROJEKT HINAUS: ZUKÜNFTIGE PERSPEKTIVEN

Die zukünftigen Perspektiven des Projekts sind eng mit der Nachhaltigkeit seiner Ergebnisse verbunden. Die Open-Source-Datenbank wird auch nach Projektende weiter aktualisiert und genutzt werden und somit einen wichtigen Referenzpunkt für Forschung und den grenzüberschreitenden Raum darstellen. Die gewonnenen Erkenntnisse können zudem auf andere geografische und produktive Kontexte übertragen werden und fördern so die Replizierbarkeit des Ansatzes.

In diesem Zusammenhang steht auch das neue Projektkapitel Nettle4EU, das ebenfalls im Rahmen des INTERREG Italien–Österreich 2021–2027 Programms gefördert wird und eine Weiterentwicklung sowie Erweiterung der mit NETTLE begonnenen Aktivitäten darstellt.

↑ ABBILDUNG 1b Einige der im Rahmen von NETTLE untersuchten alpinen Pflanzenarten

6.9 ZeroResidue: Infrastruktur zur Stärkung der Zirkularität agroalimentarer Ressourcen in Südtirol

Emanuele Boselli, Maria Concetta Tenuta, Edoardo Longo, Giovanna Ferrentino, Ksenia Morozova, Matteo Scampicchio, Olga Nikoloudaki, Raffaella Di Cagno (unibz) in Zusammenarbeit mit Alberto Ceccon (Versuchszentrum Laimburg)

EINLEITUNG UND KONTEXT

Das Projekt ZeroResidue (https://zeroresidue.it/), finanziert von der Autonomen Provinz Bozen durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE-FESR 2021–2027), wurde in einem Gebiet konzipiert, das durch qualitativ hochwertige agroalimentare Produktionen gekennzeichnet ist, insbesondere in den Sektoren Obstbau und Weinbau. In Südtirol werden jährlich etwa 250.000–320.000 Tonnen Restbiomasse erzeugt, die aus agroindustriellen

Tätigkeiten sowie aus der organischen Fraktion des urbanen Abfalls stammt. In Übereinstimmung mit der Agenda 2030, dem Klimaplan Südtirol 2040, dem Pariser Abkommen und den Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) der Vereinten Nationen ordnet sich das Projekt in den Rahmen der Strategien ein, die den Übergang zu einer zunehmend zirkulären Wirtschaft fördern.

ZeroResidue sieht die Schaffung einer fortgeschrittenen technologischen Infrastruktur vor, die in der Lage ist, als Brücke zwischen wissenschaftlicher Forschung und industrieller Anwendung zu fungieren. All dies wird durch die Zusammenarbeit zwischen der Freien Universität Bozen und dem Versuchszentrum Laimburg ermöglicht, die als Referenzinstitutionen für die Forschung in Südtirol gelten.

ZIEL DES PROJEKTS

Das Ziel ist eindeutig: die vollständige Verwertung von agroindustriellen Reststoffen und Nebenprodukten gemäß einem Modell, in dem nichts verloren geht und alles transformiert wird. Einerseits erfolgt die Extraktion von bioaktiven Verbindungen mit hohem Mehrwert, andererseits die energetische Umwandlung der nicht verwertbaren Fraktion in erneuerbare Biokraftstoffe. Das Ergebnis ist die Schaffung eines geschlossenen Kreislaufs, in dem jede Fraktion der Biomasse eine neue Funktion erhält und gleichzeitig auf ein konkretes Bedürfnis des Territoriums reagiert: die Reduktion der Umweltbelastung der Produktionsketten sowie die Generierung neuer Wettbewerbsfähigkeit.

VOM RESTSTOFF ZU NEUEM WERT:

EIN MULTIDISZIPLINÄRER FORSCHUNGSANSATZ

Die Freie Universität Bozen stellt als Projektträger die Kompetenzen der Fakultät für Agrar-, Umwelt- und Lebensmittelwissenschaften sowie der Fakultät für Ingenieurwesen zur Verfügung. Das Versuchszentrum Laimburg trägt mit fortgeschrittenen Kompetenzen in der Reinigung von Extrakten, in der NMR-Analyse sowie in der biochemischen Validierung bei. Die Forschungsaktivitäten beginnen mit der Analyse und Charakterisierung der verschiedenen Typologien agroalimentarer Reststoffe, wie Schalen, Samen und Verarbeitungsrückstände, überwiegend pflanzlicher Natur, aber auch tierischer Herkunft für spezifische Zwecke. Abhängig von der jeweiligen Typologie werden die geeignetsten Extraktions- und Charakterisierungstechniken identifiziert, die eine Maximierung der Ausbeuten ermöglichen. „Grüne“ Extraktionstechnologien wie Mikrowellen, Ultraschall und überkritisches Kohlendioxid ermöglichen die Gewinnung funktioneller Extrakte aus pflanzlichen Restmatrizen. Darüber hinaus werden fermentative Prozesse zur weiteren Aufwertung der

Biomasse eingesetzt, mit Aktivitäten zum Monitoring von Pestiziden und/oder anderen neu auftretenden Kontaminanten.

Die nicht verwertbaren Fraktionen werden beispielsweise mittels HTC (Hydrothermal Carbonization) und HTL (Hydrothermal Liquefaction) weiter valorisiert.

Dieses zirkuläre Modell ermöglicht die Generierung innovativer Inhaltsstoffe für die Lebensmittel-, kosmetische, nutraceutische und pharmazeutische Sektoren sowie Anwendungen im Bereich der Biolubrikanten, wobei die Nutzung der verfügbaren Ressourcen maximiert und die finalen Reststoffe minimiert werden.

PERSPEKTIVEN UND AUSWIRKUNGEN

AUF DAS TERRITORIUM

Das Projekt stellt eine konkrete Gelegenheit für das agroalimentare System Südtirols dar und bietet innovative und integrierte Lösungen zur Valorisation der Nebenprodukte der agroalimentaren Produktionsketten. Das Projekt hat bereits ein signifikantes Interesse seitens der Stakeholder des Territoriums geweckt: Insgesamt 18 Akteure, darunter der NOI Techpark, Ecoresearch, Eurac, Fraunhofer, die Universität Trient, Kellereien, Konsortien, eine Sozialgenossenschaft sowie Unternehmen aus den Bereichen Lebensmittel, Gastronomie und Kosmetik, haben ihre Wertschätzung für die Initiative zum Ausdruck gebracht und deren Relevanz sowie ihr Potenzial auf regionaler Ebene bestätigt. Dank der involvierten multidisziplinären Kompetenzen eröffnet sich zudem die Möglichkeit, bislang wenig erforschte bioaktive Verbindungen zu untersuchen, die einen weiteren Baustein für Entwicklung und Innovation darstellen könnten. Der eigentliche Wert der Initiative liegt in der Fähigkeit, eine solide Brücke zwischen Forschung und industrieller Anwendung zu schaffen, den Technologietransfer zu fördern und zur nachhaltigen Entwicklung des Territoriums beizutragen, und zwar durch einen integrierten Ansatz zur Valorisation der verschiedenen Komponenten und nicht beschränkt auf eine einzelne Fraktion.

ALLGEMEINE STRUKTUR VON ZERORESIDUE

Rückstände

Abfälle aus der Lebensmittelverarbeitung

Wertvolle Extrakte gewonnen durch sequenzielle / alternative Protokolle (UNIBZ / Laimburg)

Extrakte

BIOAKTIVITÄT

Optimierte Parameter

Nebenprodukte

Profilierung (UNIBZ) Reinigung / Isolierung (Laimburg) der Zielverbindungen (UNIBZ + Laimburg)

» Charakterisierung der Bioaktivitäten (Laimburg + UNIBZ)

» Charakterisierung mittels in-vitro-NMR und Spektroskopie (UNIBZ + Laimburg)

Lebensmittelabfälle

zum Beispiel: Trester, Samen, Rappen/Stiele, Reb- und Pflanzentriebe, Weinhefe usw.

Nicht extrahierbare Rückstände (UNIBZ / ING-IND)

Energetische Verwertung (UNIBZ / ING-IND)

BIO-BIOENERGIE

1. Hydrochar 1. HTL

» Biokraftstoffe

Vorbereitung A Vorbereitung B

Tests

Transfer der Rückstände/Abfälle Test / Lebensmittelsicherheit

» Überführung der Rückstände/ Abfälle zur Infrastruktur

» Vorbehandlungen, zum Beispiel enzymatische Verfahren, Fermentationen usw.

» Trennung der Materialien, zum Beispiel Traubenkerne, Trester, …

Entfernung der Kontaminanten

» HTC zur Degradation exogener Kontaminanten, vor oder nach dem Prozess

» HSCCC oder ähnliche Verfahren (Laimburg)

» Fermentation (UNIBZ)

Extraktionsmethoden

» Überkritisches CO₂

» Ultraschall

» Mikrowellen

» HTC

Rückgewinnung und Reinigung

» Filtration, zum Beispiel Membransystem

» HSCCC (Laimburg)

» Präparative HPLC (Laimburg UNIBZ)

» Allergene (Laimburg)

» Metalle (externe Dritte)

» Pestizide (externe Dritte)

» Toxine (externe Dritte)

» Exogene Verbindungen, zum Beispiel Pestizide im Ausgangsmaterial, Schwermetalle usw.

Nutraceutika / Lebensmittelzusatzstoffe

» SHIME? (ICOFF)

» Wasseraktivität (ICOFF oder UNIBZ)

» Molekularer Fingerabdruck / molekulares Profiling (HPLC / HRMS, ICOFF)

» Hemmung von ROS in Ölproben (UNIBZ)

» Elektrochemie (UNIBZ)

» VOC-Fingerabdruck (UNIBZ)

Bioaktivität / Biomedizin / Pharmakologie

» Biomedizin / Pharmakologie

» In-vitro-NMR (Laimburg)

» AOX-Tests in Zellen (EURAC)

» Interaktomik (Laimburg)

» Überführung der nicht für die Extraktion geeigneten Rückstände/Abfälle

HTC Transfer aus Vorbereitung A

» Verbindung zu Vorbereitung A: Nutzung von HT / subkritischem Wasser für die Extraktion

» oder Nutzung von HTC zur Vorbehandlung des Ausgangsmaterials

3. 4. Hydrochar-Produktion

» Test des erzeugten Hydrochars als Brennstoff

HTL

» Filtration, zum Beispiel Membransystem

» HSCCC (Laimburg)

» Präparative HPLC (Laimburg UNIBZ)

» Test als Brennstoff

» Bioenergieproduktion

7. Berufsbildung an den Fachschulen

Die Fachschulen bieten eine berufliche Ausbildung sowie Fortbildungen in der Land- und Forstwirtschaft, in Hauswirtschaft, Ernährung und Agrotourismus, in Obst- und Weinbau, in Gartenbau und Floristik sowie Lebensmittelverarbeitung und Lebensmitteltechnik.

Weitere Informationen auf www.provinz.bz.it/berufsbildung

Fachschulen für Landwirtschaft www.fachschule-fuerstenburg.it www.fachschule-laimburg.it www.fachschule-salern.it www.fachschule-dietenheim.it

Landesberufsschule für Wein-, Obst- und Gartenbau in italienischer Sprache www.agraria.fpbz.it

Fachschulen für Hauswirtschaft und Ernährung www.fachschule-tisens.it www.fachschule-kortsch.it www.fachschule-haslach.it www.fachschule-neumarkt.it www.fachschule-dietenheim.it

Fachoberschule für Landwirtschaft Auer www.ofl-auer.it

BERUFSBILDUNG

7.1 Fachschule Laimburg

Technik verstehen, Praxis gestalten. Die Fachschule Laimburg als moderner Bildungsort

Die Landwirtschaft befindet sich im Wandel. Klimatische Unsicherheiten, technologische Entwicklungen und neue betriebliche Anforderungen prägen den Obst- und Weinbau stärker denn je. Umso wichtiger sind Bildungsorte, die junge Menschen fachlich fundiert, praxisnah und zukunftsorientiert auf diese Veränderungen vorbereiten. Die Fachschule Laimburg nimmt dabei eine zentrale Rolle ein: Sie verbindet Fachwissen, Allgemeinbildung, Persönlichkeitsentwicklung und Praxis mit dem Ziel, Schülerinnen und Schüler gezielt auf die Anforderungen einer modernen Landwirtschaft vorzubereiten.

Wie dieser Bildungsansatz umgesetzt wird, zeigt ein fächerübergreifendes Projekt der 4. Klasse Obst- und Weinbau. Die Schülerinnen und Schüler bauten eigenständig einen Frostsensor und integrierten ihn in das TTN-Netzwerk (The Things Network). Das Projekt verband aktuelle Themen des modernen Obstund Weinbaus mit handwerklicher Präzision, technischem Verständnis und digitaler Anwendungskompetenz. Gerade in der Frostüberwachung gewinnen Sensortechnik und vernetzte Systeme an Bedeutung, da sie es ermöglichen, Temperaturdaten in Echtzeit zu erfassen, kritische Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und betriebliche Entscheidungen auf einer fundierten Datengrundlage zu treffen.

Die Umsetzung verdeutlichte das enge Zusammenspiel von externem Fachwissen, Theorie und Praxis an der Fachschule Laimburg. Durch die Expertise und Fachkompetenz von Martin Thalheimer vom Versuchszentrums Laimburg, dem Fachbereich Kulturtechnik mit Florian Scherer, dem Fachbereich IKT mit Simone Blasbichler, der Praxis mit Johannes Unterhauser und Lukas Zelger setzten sich die Schülerinnen und Schüler nicht nur mit der Sensortechnik auseinander, sondern bauten, löteten, montierten und vernetzten die Geräte selbst. Den selbst gefertigten Sensor durfte jede Schülerin und jeder Schüler den Sensor mit nach Hause nehmen.

Ein besonderer Vorteil des TTN-Netzwerks liegt darin, dass Daten kostenlos, online und in Echtzeit verfügbar sind. Für die landwirtschaftliche Praxis bietet dies eine wichtige Grundlage zur Überwachung von Frostereignissen und für datenbasierte Entscheidungen. Digitalisierung wird so als konkretes Werkzeug für den Berufsalltag im Obst- und Weinbau erlebbar.

Das Projekt steht exemplarisch für das Profil der Fachschule Laimburg: eine moderne Ausbildung, die Fachwissen, Praxis und digitale Kompetenzen verbindet und junge Menschen befähigt, die Zukunft der Landwirtschaft aktiv mitzugestalten.

BERUFSBILDUNG AN DEN FACHSCHULEN

7.2 Fachschule für Hauswirtschaft und Ernährung Kortsch

Kooperation, die verbindet: Fachschule Kortsch und Annenbergheim Latsch begehen Tag der Senioren

Am 1. Oktober 2025 wurde im Seniorenwohnheim Annenberg in Latsch der Tag der Senioren im Rahmen eines besonderen generationsübergreifenden Projekts gefeiert. Gemeinsam mit der dritten Klasse der Fachschule für Hauswirtschaft und Ernährung Kortsch gestalteten insgesamt 18 Schülerinnen einen abwechslungsreichen und bereichernden Tag für alle Beteiligten. Der Internationale Tag der Senioren lenkt jedes Jahr den Blick auf die Lebenssituation und die Bedürfnisse älterer Menschen – ein Anliegen, das im Annenbergheim auf besonders lebendige Weise umgesetzt wurde.

Ziel der Initiative war es, den Austausch zwischen Jung und Alt zu fördern und den Bewohnerinnen und Bewohnern des Heims eine besondere Freude zu bereiten. Gleichzeitig konnten die Schülerinnen bei der Planung und Durchführung des Projekts wertvolle praktische Erfahrungen sammeln und sowohl ihre fachlichen als auch ihre sozialen Kompetenzen einbringen und erweitern. Initiiert wurde das Projekt von Paula Plank, der Koordinatorin für die Tagesgestaltung im Seniorenheim. Begleitet und

unterstützt wurden die Schülerinnen von den Fachlehrerinnen Susanne Federspiel und Marion Gemassmer im Bereich Küchenführung sowie von Sinja Telser im Bereich Raumgestaltung.

Für einen reibungslosen Ablauf teilten sich die Schülerinnen in drei Gruppen mit unterschiedlichen Aufgabenbereichen auf. Eine Gruppe arbeitete eng mit dem Küchenteam des Heims zusammen und bereitete ein mehrgängiges Menü zu. Serviert wurden eine weiße Gemüseschaumsuppe mit Blätterteig-Sesamstangen, Spinatnocken mit Käsesauce und gelbem Bete-Salat sowie eine HimbeerJoghurt-Creme als Dessert. Darüber hinaus besuchten die Schülerinnen auch jene Bewohnerinnen und Bewohner auf den einzelnen Stockwerken, die nicht im Speisesaal essen konnten. Sie nahmen sich Zeit für Gespräche und sorgten so für zusätzliche Abwechslung im Alltag. Die zweite Gruppe bereitete gemeinsam mit den Heimbewohnerinnen und Heimbewohnern kleine Köstlichkeiten zu. In geselliger Atmosphäre wurden Käsestangen gebacken und Obstspießchen vorbereitet. Dabei stand weniger das Ergebnis als vielmehr das gemeinsame Tun im Vordergrund. Die dritte Gruppe gestaltete gemeinsam mit einigen Bewohnerinnen und Bewohnern den Speisesaal. Mit viel Liebe zum Detail wurden die Tische herbstlich dekoriert und festlich eingedeckt. Den Höhepunkt des Tages bildete das gemeinsame Mittagessen, bei dem die Schülerinnen die Seniorinnen und Senioren bedienten. In herzlicher und entspannter Stimmung entwickelte sich ein lebendiger Austausch zwischen den Generationen. Es wurde gelacht, erzählt und das Beisammensein genossen.

Das Projekt erwies sich insgesamt als großer Erfolg: Der Tag der Senioren zeigte eindrucksvoll, wie bereichernd Begegnungen zwischen den Generationen sein können. Das Projekt ist ein gelungenes Beispiel für gelebte Gemeinschaft, gegenseitige Wertschätzung und engagiertes soziales Handeln.

7.3 Fachschule für Landwirtschaft Fürstenburg

„Kitz direkt“: Neues Standbein für den Egghof

Der 18-jährige Samuel Höchenberger vom Egghof in Taufers im Münstertal besuchte im Schuljahr 2025/26 die 5. Klasse der Fachschule für Land- und Forstwirtschaft Fürstenburg in Burgeis. Mit dem Projekt „Kitz direkt“ verfolgt er das Ziel, lange Transportwege für die Tiere zu vermeiden.

Die Entscheidung, sich im Rahmen dieser Projektarbeit mit der Direktvermarktung von Kitzfleisch am Egghof zu befassen, resultiert aus einer tiefen persönlichen Verbundenheit zur Berglandwirtschaft und dem Wunsch, traditionelle Strukturen zukunftsfähig zu gestalten. Da bisherige Absatzkanäle nicht mehr vorhanden sind bzw. immer schwieriger zugänglich sind, ist es ihm ein besonderes Anliegen, eine nachhaltige und wirtschaftlich lukrative Alternative zu entwickeln. Dadurch will er nicht nur die Wertschöpfung am eigenen Betrieb steigern, sondern durch kurze Transportwege und eine stressfreie Schlachtung auch ein deutliches Zeichen für mehr Tierwohl und höchste Produktqualität zu setzen.

Das Projekt ist praxisnah am Egghof in Taufers im Münstertal angesiedelt und bietet eine ideale Grundlage, um die strategische Zusammenarbeit mit lokalen Partnern weiterzuentwickeln und eine eigene Marke zu planen. Im Zentrum steht die Entwicklung eines tragfähigen Konzepts zur Direktvermarktung von Kitzfleisch, mit dem die gesamte Produktion eigenständig und gewinnbringend abgesetzt werden kann.

Ein zentraler Fokus liegt auf dem Aufbau eines eigenen Betriebsstandbeins durch gezielte Vermarktung. Besonders Privatkunden bilden dabei die Hauptzielgruppe, da hier höhere Erlöse als im Großhandel erzielt werden können. Gleichzeitig sollen Gastronomie und Einzelhandel eingebunden werden, um größere Absatzmengen und eine stabile Nachfrage zu sichern. Angestrebt wird, bereits vor der Schlachtung mindestens die Hälfte der Tiere verbindlich zu vermarkten.

Das Projekt wird durch einen Marketingplan begleitet, der den Ausbau der Social-Media-Präsenz, die Überarbeitung der hofeigenen Website sowie gezielte Werbemaßnahmen über Flyer auf Bauernmärkten und in Hofläden umfasst. Die Wirtschaftlichkeit wird durch einen Businessplan überprüft.

Unterstützt wird das Vorhaben durch Stakeholder sowie das familiäre Umfeld, die mit Beratung und Erfahrung zur erfolgreichen Umsetzung beitragen. Eine detaillierte Marketinganalyse prüft Konzepte von Mitbewerberinnen und Mitbewerbern und analysiert auch bereits bestehende erfolgreiche Beispiele ähnlicher Betriebe. Zudem profitiert das Projekt vom aktuellen Trend zu regionalen und nachhaltig produzierten Lebensmitteln, die bei Konsumentinnen und Konsumenten zunehmend gefragt sind.

Insgesamt soll das Projekt nicht nur die wirtschaftliche Grundlage des Egghofs stärken, sondern auch die regionale Direktvermarktung weiter ausbauen.

BERUFSBILDUNG AN DEN FACHSCHULEN

7.4 Fachschule für Landwirtschaft, Hauswirtschaft und Ernährung Dietenheim

100 Jahre Fachschule Dietenheim

MIT DEM BLICK ZURÜCK NACH VORNE SCHAUEN

Die Schülerinnen und Schüler stehen im Mittelpunkt des Gedenkjahres – mit und von ihnen werden die 100 Jahre landwirtschaftlicher Bildung im Pustertal gefeiert.

GESCHICHTE

Für die Landwirtschaft „brennen“ die Jugendlichen der Schule, das spürt man auf Schritt und Tritt. Daher durchforsten die 2. Klassen die Geschichte ihrer Schule mit großer Begeisterung. Es war im Jahr 1925, da übersiedelte die Landwirtschaftliche Landes-Winterschule von Schloss Moos in Wiesen / Sterzing in den Ansitz Mair am Hof nach Dietenheim. Viele Herausforderungen warteten auf die

↑ HISTORISCHES FOTO: Erste, in Dietenheim geführte Klasse

Einrichtung in den Wirren der Weltkriege und den Jahren der Faschismen. Durch die Zeit haben sich Schule und Ausbildung immer wieder an geänderte Erfordernisse angepasst.

ERLEBNISSE

Dieselbe Leidenschaft legen die beiden dritten Klassen in die Interviews, mit denen sie zum Gedenkjahr die Generationen ihrer Eltern und Großeltern zu ihren Erfahrungen in Dietenheim befragen. Manch lustige Geschichte haben sie der Schulgemeinschaft am gemeinsamen Gedenktag dazu zu erzählen.

LANDWIRTSCHAFT VERBINDET

An die vielseitigen Rollen der Landwirtschaft erinnert die 4. Klasse in ihrem Projekt zur Agrarökologie. Simon und Jan präsentieren die Ergebnisse. Klar wird, dass ein Denken in geschlossenen Kreisläufen der Schlüssel für die Zukunft ist.

KRAFTORTE

Eine Schule ist im besten Fall ein „Kraftort“, wo Persönlichkeiten heranreifen und große, sichtbare Entwicklungen erleben. Der Künstlerbund und die Raika Bruneck haben den Schülerinnen und Schülern der ersten Klassen zusammen mit der Künstlerin Claudia Barcheri in einem Projekt die Möglichkeit gegeben, ihre „Kraftorte“ mittels persönlichem Stein im Rund des Schulhofes zu verankern. Ein bleibendes Zeichen ihrer Verbundenheit mit der Schule.

FAZIT

„Dass die Schule ein ‚Kraftort‘ für alle sei, sowohl für jene, die ihn als Arbeitsplatz besuchen, wie für jene, die ihn zu ihrem Ausbildungsort gewählt haben“, dies wünscht sich die Direktorin Gertraud Aschbacher, wenn sie mit dem Blick zurück nach vorne schaut.

↑ Elias, Tobias und Leon bei ihren „Kraftsteinen“
↑ Schulgemeinschaft heute

7.5 Fachschule für Landund Hauswirtschaft Salern

Praxisorientierter Unterricht mit Mehrwert: Schulprojekt verbindet Technik, Nachhaltigkeit und Solidarität

Mit dem Anspruch, praxisnahen Unterricht zu bieten und gleichzeitig einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten, initiierte Fachlehrer Florian Spiess im Schuljahr 2023/2024 ein bemerkenswertes Projekt an der Fachschule für Landwirtschaft Salern in Vahrn. Der Landtechnikexperte, selbst Absolvent der Schule, setzte damit ein starkes Zeichen für die Verbindung von Ausbildung, Nachhaltigkeit und sozialem Engagement.

Im Mittelpunkt stand die Generalüberholung eines älteren Reform Metrac samt Mähwerk. Nach Zustimmung durch die Schulleitung wurde die Maschine angekauft und in den Unterricht integriert. Insgesamt 35 Schülerinnen und Schüler, organisiert in fünf Praxisgruppen, arbeiteten über zwei Schuljahre hinweg intensiv an der Instandsetzung. Ziel war die vollständige technische Erneuerung bei gleichzeitiger Vermittlung fundierter praktischer Kompetenzen.

TECHNISCHE GRUNDSANIERUNG IN ZWEI ETAPPEN

Im ersten Projektjahr wurde das Mähwerk instandgesetzt, im Schuljahr 2024/2025 der Metrac umfassend überarbeitet. Die Arbeiten umfassten zentrale Wartungs- und Reparturmaßnahmen: Einstellung des Ventilspiels, Austausch von Schmierstoffen und Filter sowie die Überholung der Bremsanlage mit neuen Belägen, Leitungen und Kolben. Auch Fahr-, Zapfwellenkupplung und Getriebedichtungen wurden erneuert und eingestellt.

Darüber hinaus wurden elektrische und hydraulische Systeme instandgesetzt. Dazu zählte der Austausch von Anlasser, Batterie, Hydraulik- und Kraftstoffschläuchen sowie Keilriemen. Die Elektrik wurde überprüft, neu isoliert und teilweise modernisiert. Ergänzend erfolgte eine optische Aufwertung: Kabine und Anbauteile wurden sandgestrahlt und lackiert – unterstützt durch regionale Partnerbetriebe.

Eine besondere Herausforderung stellte die fachgerechte Montage der neu lackierten Kabine dar. Diese konnte dank der hohen Einsatzbereitschaft und Teamfähigkeit der Schülerinnen und Schüler erfolgreich bewältig werden und unterstrich die hohe Praxisrelevanz des Projekts.

DER SOZIALE MEHRWERT

Nach zwei intensiven und lehrreichen Schuljahren wurde der vollständig überholte Reform Metrac wurde im Rahmen der Diplomverleihung über den „Bäuerlichen Notstandsfonds – Menschen helfen“ (BNF) an die Familie Niederfriniger aus dem Vinschgau übergeben. Die Auswahl erfolgte nach sorgfältiger Prüfung mehrerer Bewerbungen.

BNF-Obmann Sepp Dariz betonte den besonderen Wert des Projekts, das technische Ausbildung mit sozialer Verantwortung verbindet. Auch Florian Spiess zog eine positive Bilanz und betonte den hohen pädagogischen Nutzen sowie die persönliche Entwicklung der Beteiligten.

Unterstützt wurde das Projekt von regionalen Partnern wie LHG Südtirol, Hansaflex, Nils, Autoservice Schweigkofler, Karosserie Martin, Blauschild, Axalta Axcess, Mila. Den Abschluss bildete die Segnung der Maschine durch Prälat Eduard Fischnaller.

Das Projekt wird auch im laufenden Schuljahr fortgeführt: Erneut wird an Maschinen gearbeitet, geschraubt und instandgesetzt. Damit geht eine weitere Auflage dieses nachhaltigen und sozial ausgerichteten Ausbildungsansatzes in die Umsetzung.

BERUFSBILDUNG AN DEN FACHSCHULEN

7.6 Fachschule für Hauswirtschaft und Ernährung Tisens

Fachschule Tisens: Wissen erleben

Das Motto der Fachschule für Hauswirtschaft und Ernährung Tisens hat in all den Jahren nicht an Aktualität verloren, es hat in unserer digital bestimmten Zeit sogar noch an Bedeutung gewonnen. Heranwachsende brauchen mehr denn je ein Gegengewicht zur digitalen Welt, vor allem tragfähige Beziehungen und praxistaugliche Lernerfahrungen im geschützten Ambiente. Als berufsbildende Ausbildungsstätte kommt die Fachschule Tisens diesem Gebot der Stunde vollauf nach und wird dafür mit steigenden Schülerzahlen und viel Zustimmung in der Region belohnt: Im Jahr 2025 besuchten mit vier Klassen erstmals über hundert Schüler und Schülerinnen die Fachschule. Das auf der Höhe der Zeit ausgestattete Internat fand ebenfalls viel Zustimmung und war voll ausgelastet. Dass eine derartige Leistung nur in Kooperation gestemmt werden kann, liegt auf der Hand: Die Fachschule Tisens pflegt seit jeher ihre guten Beziehungen zu Einrichtungen im Land und darüber hinaus, um eine bestmögliche Begleitung und Förderung ihrer Schüler und Schülerinnen zu gewährleisten.

Fotostrecke zu Kooperationen

SCHULE INTERNATIONAL

Die Teilnahme am Euregio Hauswirtschaftsaward 2025 in Landeck (A) war für die Fachschule ein Erfolg. Mit ihrem Stück Heimat, der Tisner Kastanie, kamen sie auf den ersten Platz.

Im September 2025 kamen die Erasmus+ Partner aus Deutschland zum Gegenbesuch nach Südtirol.

↑ FS TISENS

Im Bild die glücklichen Tisner Gewinner mit der Jury

↑ FS TISENS

Hier im Bild wagemutige Partnerschülerinnen und Partnerschüler aus NRW und Südtirol auf der Aussichtsplattform von Iceman Ötzi Peak im Schnalstal

SCHULE UND WIRTSCHAFT MIT HERZ

Die Schülergenossenschaft „hondgmocht & hausgmocht“ produziert und vertreibt mit Ultner Brot ihr Mountain Müsli, von dem ein Teilerlös an den Verein Kinderherz geht.

↑ FS TISENS

Im Bild die feierliche Spendenübergabe im Oktober 2025

SCHULE UND VERBÄNDE ALS PARTNER

Die erste Schülergenossenschaft in Südtirol „hondgmocht & hausgmocht“ wird von Beginn an vom Raiffeisenverband Südtirol begleitet.

Die Zusammenarbeit mit der Südtiroler Bäuerinnenorganisation hat sich über die Jahre als äußerst fruchtbar erwiesen.

↑ FS TISENS

Im Bild die Weihnachtskekse-Aktion für den RVS im Dezember 2025

↑ SÜDTIROLER BÄUERINNENORGANISATION

Hier im Bild ein regional-saisonales Catering der Schülergenossenschaft für die SBO im Meraner Frauenmuseum zum Auftakt der Feierlichkeiten zum Internationalen Jahr der Bäuerin.

7.7 Fachschule für Hauswirtschaft und Ernährung Neumarkt

Über den Umgang mit Menschen*

ORIENTIERUNGSJAHR

Die jeweilige erste Klasse der Fachschule Neumarkt absolviert nunmehr schon seit drei Jahren ein Orientierungsjahr. Es soll die Jugendlichen dabei unterstützen, ihre persönlichen Talente zu entdecken, sich auszuprobieren und herauszufinden, welcher Ausbildungsweg ihnen Freude bereiten würde. Die Jugendlichen haben die Möglichkeit sich durch 6 Themenwochen im Schuljahr und zusätzliche Wahlfachangebote selbst besser kennenzulernen und sich bewusster für einen Weg, sei es an der Fachschule oder an einer anderen Schule, zu entscheiden. Die Themenwochen bieten direkten Kontakt mit Menschen verschiedener Altersgruppen und Berufe in Einrichtungen wie Kindergärten, Altersheimen, an anderen Schulen und bei Dienstleistern und Handwerkern.

Während der Wahlfächer unter dem Projekttitel „Talente und Neigungen“ praktizieren die Schülerinnen und Schüler Yoga, fotografieren, filzen, sticken, erstellen Graffitis, lernen Handlettering, bauen ein Instrument oder klettern, um nur einige Beispiele zu nennen.

Kreatives und Handwerk Essen und Trinken Ich und die Anderen Talente und Neigungen (wählbar)

Themenwochen

Handgemacht

Gestalten und Wohnen Wir laden ein Ich bin Ich Musik, Bewegung, Kunst, Neue Medien, Soziales, Forschen, Schreibwerkstatt...

Genießer *innen von morgen Animation und Betreuung

THEMENWOCHE „GENIESSER/INNEN VON MORGEN“

Anfang Dezember fand an der Fachschule die Themenwoche „Genießer/innen von morgen“ statt. Da das Schuljahr unter dem Motto Etikette und gutes Benehmen stand, waren die Schwerpunkte in dieser Themenwoche auch daran ausgerichtet. Es ging um höfliche Gesprächsführung und Schriftverkehr, die Sensibilisierung für korrektes Verhalten in der Gesellschaft und den höflichen Umgang mit dem Gast und als Gast bei Tisch. Die Inhalte waren Thema im Unterricht oder wurden bei fächerübergreifenden Projekten umgesetzt.

Ein Highlight der Woche war das 3-Gänge-Menü am 2. Dezember 2025. Die Schülerinnen und Schüler deckten dafür die Tische,

*Zitat nach Adolph Freiherr Knigges gleichlautenden Buchtitel von 1788 „Über den Umgang mit Menschen“

Die erste Klasse der Fachschule Neumarkt mit Werner Frank →

servierten und genossen die Speisen. Ein weiteres Projekt war die Tea Time, bei der in Zusammenarbeit mit den Fächern Englisch, Küche und Service nach typisch britischer Manier Schwarztee mit Milch, Sandwiches und Scones selbst zubereitet, serviert und genossen wurden.

Im Jänner haben die Schülerinnen und Schüler der 1. Klasse abschließend noch einen Lehrausgang nach Brixen in die Hotelfachschule Hellenstainer unternommen, um sich den fachgerechten Service in gehobenem Ambiente bei einem Mittagessen auch noch einmal bei anderen angehenden Fachkräften anzusehen.

Alles in allem nahmen die Jugendlichen aus dieser Woche das Bewusstsein mit auf ihren Weg, dass höfliches Benehmen alles andere als verstaubt und altmodisch ist, sondern zu einem gelungenen Miteinander, Anerkennung und Wohlbefinden beiträgt.

7.8 Fachschule für Hauswirtschaft und Ernährung Haslach

Ein Ort, an dem Ideen wachsen

FACHSCHULE HASLACH BEGEISTERT AM TRADITIONELLEN BLUMENMARKT

Im Mai 2025 präsentierte sich die Fachschule für Hauswirtschaft und Ernährung Haslach erstmals beim traditionellen Blumenmarkt am Bozner Walterplatz als moderner und praxisnaher Lernort. Zwei Tage lang veranschaulichten die Fachlehrerinnen, wie lebendig, alltagsrelevant und vielseitig Bildung in Hauswirtschaft und Ernährung heute gestaltet werden kann. Im Rahmen von interaktiven Mitmachaktionen, anschaulichen Beispielen und kleinen Überraschungen konnten Besucherinnen und Besucher selbst aktiv werden, neue Ideen sammeln und einen authentischen Einblick in den Schulalltag in Haslach gewinnen.

Der Stand in kräftigem Pink – der Schulfarbe – stach sofort ins Auge. Im Zentrum stand ein großer, rund gedeckter Tisch, liebevoll dekoriert mit floralen Arrangements. Ein besonderer Fokus lag auf den essbaren Blumen. Die Fachlehrerinnen erklärten, welche Blüten sich zum Verzehr eignen, und gaben Tipps für ihren Einsatz in der Küche – zum Beispiel zur Dekoration von Desserts, Salaten oder Getränken. Auch Möglichkeiten zur Haltbarmachung, etwa durch Trocknen oder das Einlegen in Zucker, wurden vorgestellt. So konnten Besucherinnen und Besucher neue Ideen für den Alltag mitnehmen.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Nachhaltigkeit. Mit den Blumentalern aus Recycling-Material zeigte die Fachschule, wie aus alten Eierkartons dekorative und nützliche Objekte entstehen. Die mit Blumensamen gefüllten Taler können direkt eingepflanzt werden. Die Herstellung wurde vor Ort de-monstriert und stieß auf großes Interesse.

Zudem bot der Auftritt einen kompakten Überblick über das breite Bildungsangebot der Fachschule. Dieses reicht von Kochen und Ernährung über Produktverarbeitung und Sensorik bis hin zu kreativem Gestalten, Gartenarbeit, Floristik, Nähen, Wäschepflege und professioneller Reinigung. In der Schule werden Kompetenzen vermittelt, die für bewussten Konsum, nachhaltige Lebensführung und die Entwicklung praktischer Fähigkeiten von zentraler Bedeutung sind.

Der Premierenauftritt der Fachschule Haslach zeigte, dass Hauswirtschaft und Ernährung heute innovativ, vielseitig und lebendig sein können.

BLUMENMARKT2025 → An der Fachschule Haslach wird Tischkultur gelebt und Bildung praktisch vermittelt

BLUMENMARKT2025 ↓ Team Fachschule Haslach

7.9 Landesberufsschule für Obst-, Wein- und Gartenbau in italienischer Sprache Laimburg

TEILNAHME AN MESSEN, WETTBEWERBEN UND BILDUNGSBESUCHEN

Im Laufe des Schuljahres nahmen die Schülerinnen und Schüler an zahlreichen Bildungsinitiativen teil. Hervorzuheben sind dabei der Besuch der Myplant & Garden – International Green Expo, der wichtigsten italienischen Messe für Gartenbau, Garten- und Landschaftsgestaltung, sowie der Ausflug zu VOG Products.

Von besonderer Bedeutung waren auch der Ausflug nach Dachau sowie der Besuch des MUSE, wo die Klasse an Workshops teilnahm. Darüber hinaus wurde die erste „Eccellenze“-Reise ins Leben gerufen, mit der das schulische Engagement einiger Schülerinnen und Schüler mit einer einwöchigen Kulturreise nach Paris belohnt wurde.

Die Teilnahme am Wettbewerb „Legalità“ und die Auszeichnung beim Eureka-Wettbewerb bestätigen das Engagement der Schule für die Förderung von fachübergreifenden Kompetenzen.

GRÜNANLAGEN

Im Laufe des Schuljahres wurden verschiedene Maßnahmen zur Pflege und Aufwertung der Grünflächen durchgeführt. Die Schülerinnen und Schüler haben in der Nähe des Schulbienenhauses einen neuen Bereich für Kräuter und bienenfreundliche Pflanzen sowie eine Beerenobstanlage angelegt.

Es wurden verschiedene Arbeiten durchgeführt, darunter die Instandhaltung des Spielplatzes von Pfatten, die Pflege des Kastanienhains in Frangart sowie Arbeiten in der Grünanlage der Kaserne 4. Altair in Bozen.

Zudem wurde an der Mittelschule E. Fermi in Bozen ein neues Projekt gestartet, das die Anlage einer Grünfläche und eines Kräuterbeets vorsah, wobei Pflanzen aus der Schulgärtnerei verwendet wurden. Für den Eingangsbereich der Schule bauten die Schülerinnen und Schüler Bänke und Pflanzkästen aus recycelten Paletten.

WEITERBILDUNGT

Das Angebot der beruflichen Weiterbildung am Arbeitsplatz erwies sich erneut als breit gefächert und vielfältig, mit den bewährten Kursen „Anbau, Bestimmung und Verwendung von Gewürz- und Heilpflanzen“, „Imkerei“ und „Pflege von Grünflächen“.

Darüber hinaus wurden berufsbildende Kurse zum Umgang mit der Motorsäge, zum „tree climbing“, zum Einsatz von Hubarbeitsbühnen sowie Vorbereitungskurse für die Prüfung zum „berufsmäßigen Anwender von Pflanzenschutzmitteln“ angeboten. Große Beliebtheit erfreuten sich zudem die Grundkurse – von der Bierherstellung bis zur Käseproduktion.

16TH EUROPEA WINE CHAMPIONSHIP – SOUTH TYROL 2025

Die 16. Ausgabe der EUROPEA-Weinmeisterschaft, eines renommierten Wettbewerbs für landwirtschaftliche Schulen in Europa, fand vom 22. bis 26. April 2025 in Südtirol statt.

Die Veranstaltung wurde in Zusammenarbeit mit der Fachschule Laimburg, der Fachoberschule für Landwirtschaft sowie der Landesberufsschule für Obst-, Wein- und Gartenbau organisiert.

Die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler stellten ihr Können in theoretischen und praktischen Prüfungen in den Bereichen Weinbau, Weinbereitung und Verkostung unter Beweis. Darüber hinaus wurden ihre Kenntnisse über den Weinsektor sowie über das Gastgebergebiet bewertet. Unsere Schule war für die Erstellung der Lernunterlagen und der Prüfungen für den Sonderbereich zu Italien und zur Provinz Bozen verantwortlich.

BERUFSBILDUNG AN DEN FACHSCHULEN

7.10 Fachoberschule für Landwirtschaft Auer

DREI SCHULEN, EIN ZIEL: SÜDTIROL ALS GASTGEBER DER 16. EUROPEA WINE CHAMPIONSHIP

Die Europameisterschaft für Weinbauschülerinnen und -schüler (EUROPEA Wine Championship) richtet sich an Jugendliche im Alter von 17 bis 25 Jahren, die eine Schule im Weinsektor besuchen. Seit 2006 findet jede Meisterschaft in einem anderen europäischen Land statt. Im Frühjahr 2025 war es endlich so weit und Südtirol durfte sich als Gastgeber zeigen. Dabei lag die Organisation der 16. EUROPEA Wine Championship bei den drei Bildungseinrichtungen: Fachoberschule für Landwirtschaft in Auer, Fachschule Laimburg und Scuola Professionale Provinciale per la Frutti-Viticoltura e Giardinaggio. Südtirol verwandelte sich in einen zentralen Treffpunkt für junge Nachwuchstalente im Weinbau und Kellerwirtschaft. 60 Schülerinnen und Schüler sowie 40 Begleitpersonen aus zehn Ländern stellten ihr Können in Weinbau, Kellerwirtschaft und Sensorik unter Beweis.

Die Wettbewerbe umfassten Einzel- und Teamaufgaben, welche ausschließlich in englischer Sprache abgehalten wurden –ein weiterer Ausdruck des internationalen Anspruchs an die Meisterschaft. Zusätzlich fand auch der „Special Award Italy“ für ausländische Teams statt, der das Wissen über den Weinbau und die Kellerwirtschaft des Gastgeberlandes prüfte.

Die Meisterschaft förderte nicht nur die fachlichen Kompetenzen, sondern auch den interkulturellen Austausch und die europäische Zusammenarbeit. Neben den fachlichen Wettbewerben gab es auch ein kulturelles Programm, Betriebsbesichtigungen und weitere Rahmenveranstaltungen. Die facettenreichen Erfahrungen tragen dazu bei, das Verständnis und die Wertschätzung für die Vielfalt Europas bzw. des europäischen Weinbaus zu fördern, das interkulturelle Verständnis und

das Gefühl der Zugehörigkeit zur europäischen Gemeinschaft zu stärken und die persönlichen und beruflichen Netzwerke der Teilnehmenden zu erweitern.

Erfolgreich schnitten auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der OfL ab. Wir gratulieren unserem OfL-Team zu diesem großartigen Erfolg!

↑ MAXIMILIAN MONSORNO (5AWÖ) erreichte den 3. Platz in der Kategorie Weinbau und den 2. Platz in der Kategorie Kellerwirtschaft

↑ IDA SCHWEIGKOFLER (5AWÖ) sicherte sich den 3. Platz in der Kategorie Kellerwirtschaft

DER A.L.S. LÄDT EIN: 40 JAHRE ABSOLVENTEN TREFFEN

DER OFL

Am 21. Mai 2025 feierten rund 150 ehemalige Schülerinnen und Schüler das 40-jährige Jubiläum der Fachoberschule für Landwirtschaft. Eine Schulführung erinnerte an die Entwicklung der Schulstrukturen. Ehrengäste, darunter Alt-Landeshauptmann Dr. Luis Durnwalder, blickten auf die Gründungszeit zurück. Seit 1985 haben jährlich etwa 50 Absolventinnen und Absolventen ihren Weg in verschiedenste landwirtschaftliche Berufsbereiche gefunden. Die Veranstaltung begann mit einer Führung durch die in der bewegten Schulgeschichte räumlich gewachsenen Strukturen: dem Übungshof mit den verschiedenen Laboren im Haus der Naturwissenschaften, der Kellerei, dem Laufstall, dem Gewächshaus, den Klassengärten, dem Schloss Baumgarten und schließlich der Aula Magna mit der Turnhalle. Besonders die Absolventinnen und Absolventen der ersten Stunde staunten über den heutigen Sitz der OfL, mussten sie doch in den ersten Jahren zunächst in der Geometer- und Handelsoberschule in Bozen und später in der Handelsschule in Auer ihre Oberschulkarriere beginnen und ihre Praktika in der benachbarten Laimburg durchführen.

Das Treffen wurde durch Grußworte von Landesrat Luis Walcher abgerundet und endete mit einem geselligen Umtrunk. Der Arbeitsgruppe der Sektion Auer des ALS gebührt ein großer Dank für die Organisation der Veranstaltung.

NEU: UNSERE SCHULIMKEREI!

In der Fachoberschule für Landwirtschaft gibt es seit 2025 eine Schulimkerei, in welcher Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit haben, den Bienenstand zu besichtigen und in die Welt der Imkerei einzutauchen. Einige Klassen konnten bereits Erfahrungen sammeln und erfuhren, wie ein Bienenvolk aufgebaut ist und funktioniert. Schülerinnen und Schüler berichteten, dass es spannend sei zu sehen, wie die Bienen zusammenarbeiten und welchen wichtigen Beitrag sie für die Natur leisten.

↑ Unterrichtsbesuch der Klasse 5APV in der neuen Schulimkerei

Abbildungsnachweis

Sofern nicht dezidiert gekennzeichnet, stammen die verwendeten Bilder von den einzelnen Abteilungen, Landesagenturen und Forschungseinrichtungen sowie einzelne Fotos von folgenden Organisationen, Firmen oder Einzelpersonen: Die Gärten von Schloss Trauttmansdorff/Marion Lafogler/Alexander Schechinger/Philipp Unterholzner, Benjamin Pfitscher, Pflanzenschutzdienst Region Lombardei, Othmar Seehauser, Südtiroler Bäuerinnenorganisation (SBO), Serena Osti/Uni Bozen, Laimburg Research Centre, Laimburg Research Centre/Ivo Corrà. Coverbild: IDM Südtirol-Alto Adige/Armin Terzer.

Impressum

Autonome Provinz Bozen – Südtirol Ressort Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Tourismus Landhaus 6, Brennerstraße 6, 39100 Bozen, Tel. 0471 41 50 10

Abteilung Landwirtschaft www.provinz.bz.it/landwirtschaft

Abteilung Forstwirtschaft www.provinz.bz.it/forstwirtschaft

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