Skip to main content

Mecklenburg-Vorpommern-Magazin 2024

Page 1

MECKLENBURG-VORPOMMERN

Mecklenburg Vorpommern MAGAZIN

meckpomm.de

2024

„Immer eine Reise wert“ Ministerpräsidentin Manuela Schwesig im Interview

Der Weltstar aus Pommern Auf den Spuren von Caspar David Friedrich

Willkommen im Urlaubsparadies! PREIS: 5,50 EURO

Liebeserklärung an das schönste Bundesland


20 JAHRE

Für Ihren entspannten Zwischenstopp in Schwerin!

Lidl lohnt sich

Anrufen, Bestellen, Abholen

0385-58909990, 0172-7352122

Wir sind für Sie da.

Abhol-Hotline

0385-34356845

Terminvereinbarung

01521-4327452

Einkaufcenter am Lankower Dreieck 19057 Schwerin Greifswalder Straße 1 www.gewerbepark-kiesow.de

Lieferservice

0385-48856540

20 JAHRE


Der Leuchtturm Warnemünde ist ein Wahrzeichen unseres Landes.

EDITORIAL

Sie halten die erste Ausgabe des neuen Mecklenburg-VorpommernMagazins in Ihren Händen. Es ist ein kleiner Wegweiser ins Urlaubsparadies. Jetzt noch einmal umblättern, dann starten wir mit Ihnen eine aufregende Reise durch unser, wie wir natürlich finden, schönstes Bundesland. Sind Sie bereit? Na dann, nichts wie los! Unseren ersten Zwischenstopp legen wir bei einem Weltstar ein: 2024 steht ganz im Zeichen von Caspar David Friedrich. Der Maler wurde vor 250 Jahren in Greifswald geboren. Die Hansestadt ist schon seit Jahresbeginn im Romantik-Rausch und bereitet weitere Events zum Geburtstag des berühmten Pommern vor, zu denen Sie herzlich eingeladen sind! Entlang der Ostseeküste führt unsere Tour nun durch die historischen Hansestädte Rostock, Stralsund und Wismar. Danach statten wir unserer Ministerpräsidentin einen Besuch ab, von der Sie jede Menge Tipps für den Urlaub in Mecklenburg-Vorpommern erhalten. Und vielleicht verrät Ihnen Manuela Schwesig ja sogar, wo sie privat ihren Urlaub verbringt ... Auf jeden Fall hat auch unsere Landesmutter noch eine Einladung für Sie: In diesem Jahr finden die offiziellen Feiern zum Tag der Deutschen Einheit in der Landeshauptstadt Schwerin statt. Höchste Zeit, unsere Schatzinsel kennenzulernen. Wir nehmen Sie mit auf die Insel Rügen und verhelfen Ihnen zu einem kleinen Rendezvous mit dem berühmten „Freibeuter der Meere“. Auf Piratenhauptmann Klaus Störtebeker und seine Gefährten wartet auf der Naturbühne Ralswiek ein dramatisches Abenteuer. An der Stelle hätten wir mal eine Frage: Wer ist für Sie die berühmteste Persönlichkeit aus Mecklenburg-Vorpommern? Fußballer Toni Kroos, der Rapper Marteria oder ein bisschen Angela Merkel (die ja keine echte Mecklenburgerin ist). Wir hätten in diesem Magazin noch zwei weitere Damen, die wie die Altkanzlerin einst in der Weltpolitik zu Hause waren. Die berühmte Preußenkönigin Luise sowie die britische Königin Charlotte, die zu Lebzeiten zu den mächtigsten Frauen der Welt gehörten. Viel Spaß mit diesem Magazin wünscht Ihnen Sirko Salka, Redaktionsleiter

Foto: eplisterra / stock.adobe.com

Liebe Leserinnen & Leser,


Inhalt

S.6 Stadt und Land

S.14

S.26

S.30

Titel

Westmecklenburg

Willkommen im Urlaubsparadies: Liebeserklärung an MV Der Weltstar aus Pommern: Caspar David Friedrich Land in Sicht

Mecklenburgisches Märchenschloss und ein echter Wolkenkratzer „Immer eine Reise wert“ Interview mit Manuela Schwesig Ludwigslust: Versailles des Nordens Schloss Bothmer und die Downingstreet Der letzte Zeuge der Eldenburg Der schwebende Engel von Güstrow

06 14 18

Ostseeküste Meer erleben: 7 Fakten über die Ostsee Coole City an der Küste: Besuch in Rostock Mit dem Molli in die weiße Stadt Eine Radtour nach Warnemünde Wismar und Stralsund

4

Ostseeküste und Seenplatte

20

Ostseeinseln

22 25 26 28

Ein Tag auf der Schatzinsel: Störtebeker Festspiele auf Rügen Rügens kleine Schwester: Die Insel Hiddensee Usedomer Seebrücken: Flaniermeilen ins Meer Die Aussicht ist phänomenal: Riesenräder auf Usedom Das Gold der Ostsee

30 32 34 34 35 36

38 42 44 46 47


Freizeit und Kultur

S.32 S.44

S.38

S.58

Mecklenburgische Seenplatte Neustrelitz – Barocker Stern der Seenplatte TV-Star forscht zu Königin Luise: Interview mit Friederike Werner Leinen los für die schwimmenden Hotelzimmer An der Müritz sind die Bären los: Besuch im Bärenwald Müritz Die Meister der edlen Tropfen: Weingut Schloss Rattey

Kultur 48 51 52 54 56

62 63 64 64 65

Meckpomm-Tipps

Vorpommern Das Tor zur Ostsee: Wolgast feiert Geburtstag Idyllische Lagunenstadt: Ein Tag in Ueckermünde Mönkebude – Malerisches Dorf am Haff Auch Anklam ist alt aber sexy

Festspiele im Schlossgarten „Ein Walzertraum“ Die Festspiele MV sind im Sommer im ganzen Land zu erleben Stavenhagen feiert Fritz Reuter Hans Fallada in Carwitz Königin Charlotte ist jetzt Netflix-Star

58 60 61 61

Dr. Ruth Slenczka Ursula Haselböck Peter Kranz Wolfgang Lippert Michael Steuer Robert Dahl

18 28 30 40 47 63 5


Titel

Abwechslungsreiches Mecklenburg-Vorpommern

Waren an der Müritz

Heiligendamm


Titel

Stolpe

Pudagla auf Usedom Strand Loissin

Fotos: Ines Patro

Wustrow am Tollensesee

Spüren Sie die Sonne auf der Nasenspitze? Hören Sie die Möwen? Riechen Sie den Wald, den Raps, das satte Gras? So fühlt sich Mecklenburg-Vorpommern an. Zwischen der Ostseeküste und Berlin streckt sich dieses Bundesland dahin, mit so viel unberührter Natur wie sonst nirgendwo in Deutschland. Auf einer Rad- oder Bootstour lässt sich der Zauber unserer Landschaft im wahrsten Sinne des Wortes „erfahren“. Wer sich hier auf den Weg macht, erlebt ländliche Idylle und den Charme verträumter Dörfer, entdeckt Wiesenkräuter und Küstenhafer, erhascht Blicke auf Kraniche und Adler, Eichhörnchen und Rehe und findet Raum zum Ruhen, Genießen, Fallenlassen. Willkommen im Urlaub!


Titel

Fotos: Ines Patro

Marktplatz in der Hansestadt Wismar

Schloß Bothmer Bad Doberan

Warnemünde

Yachthafen Karlshagen auf Usedom


Foto: autofocus67 / stock.adobe.com Foto: riebevonsehl / stock.adobe.com

Die Ostsee klingt nach „Aloha“ und riecht nach salziger Freiheit. Für viele ist sie ein Sehnsuchtsort, so vertraut und doch so geheimnisvoll.

Liebeserklärung

an Mecklenburg-Vorpommern

Ein Hauch von Freiheit liegt in der Luft über Mecklenburg-Vorpommern (MV), die zart über die Wangen streicht und den Kopf ordentlich freimacht. Das Land zwischen der Ostsee und den drei Metropolen Hamburg, Berlin und Stettin hat uralte Wälder, weite Seenlandschaften, romantische Kreidefelsen, sanfte aber auch wilde Küstenabschnitte, kilometerlange Strände, altehrwürdige Hansestädte, Schlösser, Burgen, Kirchen. Alles, was sich Urlaubsgäste wünschen. Wer im Sommer den großen Trubel sucht, wird

in den Seebädern und Städten fündig werden. Und wem Ruhe, Krafttanken, Entschleunigung, Seele baumeln lassen die erhoffte Erholung versprechen, für den ist Mecklenburg erst recht ein Urlaubsparadies. Unsere Meer-Jungfrau Über die Ostsee ist schon so viel berichtet und fast alles erzählt worden. Und dennoch zieht sie uns jedes Mal aufs Neue in ihren Bann. Denn ihre Geschichten sind so unendlich wie das Meeres-

rauschen, wie die Sandkörner am Strand oder wie das ewige Spiel der Wellen. In der Ferne gleiten Boote und schwere Tanker über die See. Möwenkreischen, Fischerrufe, Kleckerburgen, Dünengras – die Ostsee beschreibt mehr als nur einen Landstrich, sie spiegelt das Lebensgefühl vieler Menschen wider und ist ein ewiger Sehnsuchtsort. Mit fast 1750 Kilometern Küstenlänge kann kein anderes Bundesland Mecklenburg-Vorpommern das „Wasser“ reichen. Den Großteil nehmen 9


Foto: Timm Allrich

Die Kreidefelsden auf der Insel Rügen: Im Jahre 1818 hat Caspar David Friedrich hier sein berühmtestes Werk gemalt.

Buchten und die Vorpommersche Küste ein. Im Vergleich zur Nordsee und deren biblisches Alter von 350 Millionen Jahren ist die Ostsee eine Meer-Jungfrau, da erst in der letzten Eiszeit vor 10.000 Jahren entstanden. Rügen ist der Riese unter den Ostseeinseln, zehnmal größer als Sylt. Rund 70.000 Menschen leben auf dem Eiland, das wenig von seiner Ursprünglichkeit verloren hat. Im Nordosten der Insel liegt Deutschlands kleinster National-

park Jasmund mit den berühmten Kreidefelsen und alten Buchenwäldern, die seit 2011 zum UNESCO-Weltnaturerbe gehören. Wälder voller Magie Buchenwälder gelten als Gesundheits-Granaten: Sie produzieren viel Sauerstoff, halten die Waldluft staubarm und wirken heilend, insbesondere bei Atemwegs-, Haut- und Gelenkerkrankungen. Auf der Insel Usedom wurde vor einiger Zeit der

187 Hektar große Heringsdorfer Küstenwald zum ersten Kur- und Heilwald Europas gekürt. Deutschlands ältester Buchenwald findet sich in der Feldberger Seenlandschaft. Großfürst Georg von Mecklenburg-Strelitz hat ihn vor 150 Jahren auf den Namen „Heilige Hallen“ getauft. Der Adlige stellte den 25 Hektar großen Wald für alle Zeiten unter Schutz. Erstaunlicherweise hat sein Wort überdauert. Besucher betreten die „Heiligen Hallen“ auf eigene Gefahr, sind angewiesen, sich an den Wanderweg zu halten. Bei Rostock wiederum sorgt ein Gespensterwald für Gruselmomente und Gänsehaut: In der Dämmerung können zwischen den weit auseinander stehenden Erlen, Buchen und Eschen im Nienhagener Holz Trugbilder entstehen: Plötzlich sind auf den Ästen Feen, Gespenster und andere Fabelwesen auszumachen. Wenn dann noch von der Ostsee ein pfeifender Wind durch den Wald weht, läuft so manchem Wanderer ein Schauer über den Rücken. Bestnoten beim Baden „Besucher entscheiden sich hauptsächlich wegen der Natur und der Landschaft für einen Urlaub in Mecklenburg-Vorpommern“, sagt Tobias Woitendorf, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern. An zweiter Stelle stünden Ruhe und Erholung, an dritter die Bademöglichkeiten und Strände. „Lässt man

IM KAISERBAD HERINGSDORF AUF USEDOM:

SCHLOßAPPARTEMENTS Das Zuhause für Deinen

Urlaub auf Usedom! Modern & Stilvoll Für 1 - 5 Personen Penthouse für Dachterrasse

Weitere Informationen & Buchung:

SCHLOSSAPPARTEMENTS.DE

10

RESTAURANT Alles für

Deinen perfekten Abend! Kulinarischer Genuss Über 120 Sorten Gin an der Bar Schloß-Terrasse mit Ostseeblick

Online Tischreservierung & Speisekarte:

WEISSESSCHLOSS.DE/RESTAURANT

WELLNESS

Auf dem Kulm ist

Deine Wellnessoase!

Pool unter der Glaskuppel Finnische Sauna & Dampfsauna Auch für Außerhaus-Gäste

Das gesamte Wellness-Angebot & Buchung:

WEISSESSCHLOSS.DE/WELLNESS


diese natürlichen bzw. landschaftlichen Gegebenheiten außen vor, so sind es das Angebot zum Radfahren und die Gastfreundschaft, die die Besucher dazu bewegen nach MV zu reisen.“ Top aufgestellt ist das Bundesland beispielsweise bei seinen Stränden und Bademöglichkeiten; in einer Befragung aus den Jahren 2022/2023 benoteten Gäste das mit einer starken 1,5. Die Badewasserqualität in Mecklenburg-Vorpommern ist ausgesprochen hoch, wie eine Analyse des Landesamts für Gesundheit und Soziales ergab. „Vor Pfingsten wurden an rund 500 Badegewässern im Land Proben entnommen, 96 Prozent von ihnen sind mit den Einstufungen ‚ausgezeichnet‘ oder ‚gut‘ bewertet worden“, erklärt Tobias Woitendorf. Königin der Seenplatte Die Ostsee ist das mit Abstand größte, doch bei Weitem nicht einzige beeindruckende Gewässer in Mecklenburg-Vorpommern. Im Süden des Landes bilden gut 1000 durch Schleusen und kleine Flüsse verbundene Seen Europas größtes vernetztes Wasserrevier – ein Paradies für Wasserwanderer und -sportler. Mit ihren 112,6 Quadratkilometern ist die Müritz das größte Binnengewässer Deutschlands und natürlich die Königin der Seenplatte. Eine Landschaft wie die Mecklenburg-Vorpommerns, die so viel Wasser zu bieten hat und zu

einem Viertel bewaldet ist, gibt es kein zweites Mal in Deutschland, aber sehr ähnlich in Kanada und Schweden. In Mecklenburg-Vorpommern leben 1,6 Millionen Menschen – halb so viele wie in Berlin –, auf einer Fläche, die 25 Mal größer als die Hauptstadt ist. Hier hat die Natur viel Platz, um sich zu entfalten. Es gibt seltene Pflanzen und Tiere wie Otter, Seeadler und Mops-Fledermaus. Die dünne Besiedelung des Landes verspricht eine Idylle, die viele Urlauber in Mecklenburg-Vorpommern so schätzen. Umso erstaunlicher ist es, dass in dieser Region, in der einst die Herzogtümer Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg-Strelitz sowie die alten Pommern die Geschicke lenkten, weit über 1000 Schlösser und Herrenhäuser die Geschichte vergangener Zeiten lebendig halten. Nirgendwo sonst in Europa gibt es eine solche Vielzahl an Gutshäusern, Gutskapellen und Gartenanlagen. Schloss Ludwigslust, das Versailles des Nordens und das Schweriner Schloss, Sitz des Landtags oder Schloss Mirow, wo die britische Königin Charlotte ihre Kindheit verlebte, gehören zu den namhaften Residenzen. Der Schlosspark Ludwigslust ist mit 127 Hektar der größte Landschaftsgarten in MV. Kein Geringerer als Peter Joseph Lenné, Preußens ChefGärtner, hat hier Mitte des 19. Jahrhunderts sein Spätwerk realisiert. Aus einem barocken Garten

Foto: Sina Ettmer / stock.adobe.com

Titel

Blick auf den Marktplatz der Hansestadt Greifswald mit seinen gotischen Giebelhäusern.

10 % abatt

Online Rnhäuser

1,534

Nur auf Ferie t Code: mvtutgu unter nen valk.de/aktio linstow.vander

Resort Linstow

Naturresort Drewitz

MECKLENBURGISCHE SEENPLATTE

WUNSCHLOS GLÜCKLICH AM SEE

· 3 Übernachtungen inkl. Halbpension · 1 x 1 Std. Schifffahrt auf der Müritz · 1 x Leihfahrrad oder 1 x Minigolf · täglich Eintritt ins Erlebnisbad p. P. ab € 252,50

· 3 Übernachtungen inkl. Halbpension · 1 x 2 Std. Sauna im Haupthaus · 1 Korb Kaminholz · täglich Nutzung von Schwimmbad p. P. ab € 271,50

Tel. 038457 70

Tel. 039927 7670

linstow.vandervalk.de

drewitzersee.vandervalk.de

Newsletter Erhalten Sie die neuesten Angebote und Informationen über unsere Van der Valk Hotels & Restaurants.

Van der Valk Resort Linstow GmbH · Krakower Chaussee 1 · 18292 Linstow

11


Foto: Heiko Zahn / stock.adobe.com Foto: Oliver Göhler

Der Geschäftsführer des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Tobias Woitendorf, verbringt seinen Urlaub gern an ruhigeren Orten, wie der Insel Hiddensee oder dem Sternberger Seenland.

zauberte Lenné einen Traum-Garten Eden. Kein Wunder, dass es der schöne Park vor ein paar Jahren auf Platz 2 beim Europäischen Gartenpreis in der Kategorie „Beste Weiterentwicklung eines historischen Parks“ schaffte. Historische Hansestädte Im Mittelalter war Mecklenburg-Vorpommern ein Zentrum von Handwerk und Handel. Sechs altehrwürdige Hansestädte – Anklam, Demmin, Greifswald, Rostock, Stralsund und Wismar – kamen durch den traditionellen Kaufmannsverbund schnell zu einem gewissen Wohlstand. Beim Besuch dieser Städte sind nicht nur die Spuren jener glorreichen Vergangenheit allgegen12

Der Müritz-Nationalpark ist mit 332 Quadratkilometern der größte in Deutschland. Er liegt inmitten der Mecklenburgischen Seenplatte und ist Schutzgebiet für allerlei Arten und Pflanzen.

wärtig, sondern auch viele Sehenswürdigkeiten jüngeren Datums zu besichtigen. Die Menschen leben längst im Hier und Jetzt, sie verbreiten ein modernes Lebensgefühl. Nicht nur in den Hansestädten, überall im Land, erwartet die Urlauber ein umfangreiches Freizeitangebot, aufregend und actionreich für Groß und Klein. Unter den vielen erlebnisreichen Tierparks ist der Zoo Rostock hervorzuheben, immerhin gilt er seit vielen Jahren zu den besten Zoos in Europa. „Unser Zoo blickt auf eine 125-jährige Geschichte zurück“, sagt Zoodirektorin Antje Angeli. „Unser großer, denkmalgeschützter Bereich ist etwas ganz Besonderes. Gleichzeitig sind wir nicht nur zoologischer, sondern auch dendrologischer Garten und liegen im Wald. Unsere Besucher haben das Gefühl, sie machen einen Waldspaziergang mit Tieranlagen rechts und links des Weges.“ Zu den Highlights des Zoos zählen das Tiergehege Darwineum und das Polarium, in denen nicht nur einzigartige Tierwelten hautnah erlebt werden können, sondern auch Informationen und Wissen unter dem Leitgedanken von Natur- und Artenschutz vermittelt werden. Besonders beliebt bei den Zoogästen sind der Nachwuchs und die Jungtiere. Dazu noch einmal Zoodirektorin Angeli: „In diesem Jahr konnten wir uns bereits über kleine Pinguine, Elche, Rentiere, über eine Litschi-Moorantilope oder ein Wisent freuen. Über unseren Zuchterfolg bei den Beos freue ich mich sehr. Die Nachzucht dieser monogam lebenden und in der Partnerwahl sehr wählerischen Tiere ist besonders schwer und

somit sind die Vögel in Zoos auch recht selten zu sehen.“ Wohin die Reise im Tourismus geht Seit Jahren gehört Mecklenburg-Vorpommern zu den beliebtestens deutschen Reisezielen. Vor allem bei Kurzreisen ist das Land stets auf vorderen Plätzen zu finden. MV hat längst eine treue Fanbase, viele Wiederholungstäter können einfach nicht genug kriegen von Usedom, Müritz oder Schwerin, von Sonne, Sommer, Strand und Land. Allerdings gilt es für die Branche, am Ball zu bleiben und sich aktuellen Herausforderungen zu stellen. Dazu Tobias Woitendorf, der Chef des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern: „Mit Blick auf die derzeitigen gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen muss sich die Branche Fragen stellen wie: Wie begegnen wir innerhalb der Branche dem Klimawandel? Wie wirken wir dem Fachkräftemangel entgegen? Wie gestalten wir all diese Projekte nachhaltig? Wie gehen wir weiter auf dem Weg der Qualitätsverbesserung?“ Letzteres betreffe in die Jahre gekommene Unterkünfte oder Erneuerungen beim Radwegenetz. Vom Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern gibt es dazu einen neuen digitalen Qualitätslotsen, „der Leistungsträgerinnen und Leistungsträger dabei unterstützt, ihre Einzigartigkeit und Stärken hervorzuheben“, betont Woitendorf. Damit die Gäste ihren Urlaub in MecklenburgVorpommern auch künftig zu ihrer vollen Zufriedenheit genießen können.


BESUCHEN SIE UNS | HOTEL-AMSEE.NET | 17192 WAREN, AMSEE 6

Kurz-Mal-Weg Aktivität und Erholung - unsere Stichworte für das Jahr 2024 Mitten in der Natur und doch nur 1,5 Stunden von Berlin entfernt liegt Ihr Aktiv- und Wellnesshotel Amsee.

238€

ab pro Person

Wer die Kombination aus aktivem Urlaub in eindrucksvoller Landschaft und erholsamen Stunden im SPA liebt, dem bietet unser Angebot „Kurz-Mal-Weg“ genau das Richtige! Entdecken Sie die Schönheit der mecklenburgischen Seenplatte und entspannen Sie anschließend bei anregenden Aufgüssen und wohltuenden Anwendungen in unserem über 1000 m² großen Wellnessbereich.

3 Übernachtungen im großzügigen Komfort-Doppelzimmer inkl. Halbpension 1 Flasche Wein bei Anreise auf dem Zimmer 1 Wohlfühlrücken-Massage pro Person freie Nutzung des 10 0 0 m² Wellnessbereiches Bademantel und Saunatuch Flasche Wasser auf dem Zimmer kostenfreies Parken und WLAN

+49 (0) 3991 67 36 - 0 | INFO@HOTEL-AMSEE.NET | HOTEL-AMSEE.NET


Titel

„Toni ist Kroos,

Friedrich ist größer“ Deutschlands bedeutendster romantischer Maler wäre in diesem Jahr 250 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass hat Caspar David Friedrichs Geburtsstadt Greifswald beschlossen, bei den Feierlichkeiten nicht zu kleckern, sondern zu klotzen.

Was würde Caspar David Friedrich (17741840) wohl denken, wenn er den Rummel um seinen 250. Geburtstag in Deutschland miterleben könnte. In Hamburg, Berlin, Dresden und seiner Geburtsstadt Greifswald wird eine spektakuläre Ausstellung nach der anderen mit seinen berühmtesten Gemälden und Zeichnungen gezeigt. Die Besucher strömen

in Scharen in die Museen, in Hamburg gab es schon Wochen vor dem Finale der Exposition keine Termine mehr für Besichtigungen. Es ist anzunehmen, dass Friedrich der Trubel gefreut hätte. Schließlich waren die Bilder des Malers, der heute als berühmtester deutscher Romantiker gewürdigt wird, in seinen letzten Lebensjahren kaum noch gefragt. Entspre-

Caspar David Friedrich, der Greifswalder Markplatz mit der Familie Friedrich, 1818 – Pommersches Landesmuseum Greifswald

14


Titel

Albert Freyberg, Bildnis Caspar David Friedrich, 1840 – Pommersches Landesmuseum, Greifswald

Caspsar David Friedrich, Kreidefelsen auf Rügen, 1808 – Kunst Museum Winterthur, Stiftung Oscar Reinhard – Foto: SIK ISEA, Zürich (Philipp Hitz)

chend sanken seine Einkünfte, weil er immer weniger Bilder verkaufen konnte. Seine Frau Caroline hatte als Witwe keine Einkünfte und war auf finanzielle Hilfe von Bekannten und Freunden angewiesen. Ende des 19. Jahrhunderts drohten Caspar David Friedrich und sein Werk gar in Vergessenheit zu geraten. Ausgerechnet ein Norweger, der Kunsthistoriker Andreas Aubert, entdeckte den deutschen Maler und sein Werk Ende des 19. Jahrhunderts wieder. Die öffentliche Anerkennung dokumentierte sich in der Berliner Jahrhundertausstellung 1906, in der der Meister der Romantik mit knapp 100 Bildern vertreten war. Apropos vergessen. Falls Friedrich Anfang 2024 auf seinem Weg zwischen Greifswald und Dresden, den er in der Regel zu Fuß zurücklegte, Neubrandenburg besucht hätte, wäre er möglicherweise ein wenig enttäuscht gewesen. Keine Plakate, die Besucher in eine Ausstellung locken würden. Und noch schlimmer: Das Denkmal, das er für den Neubrandenburger Pastor Franz Christian Boll (1776-1818) entworfen hatte, steht ohne Kreuz neben der Marienkirche. Anfang 2022 hatte ein Sturm die Spitze heruntergeschüttelt. Es sollte mehr als zwei Jahre, bis Anfang Mai 2024, dauern, dass das Denkmal wieder saniert wurde. Boll war nicht nur ein Jugendfreund und Verwandter des Malers, sondern auch sein „theologischer Stichwortgeber“, wie der Friedrich Biograf Detlef Stapf schreibt. Überhaupt habe es sehr enge Verbindungen zu der Stadt am Tollensesee gegeben. Beide Eltern stammten aus der Viertorestadt, von wo aus sein Vater Adolph 15


Pünklich zum Geburtstag des Meisters hat das Pommersche Landesmuseum Greifswald die Graphic Novelle „1818. Caspar David Friedrich mit Caroline in Greifswald“ herausgegeben. Maiken Albert hat die in Neubrandenburg spielende Geschichte modern illustriert. Das Buch hat 36 Seiten und kostet 20 Euro.

Gottlieb Friedrich 1763 aufbrach, um in Greifswald seine Seifensiederwerkstatt zu eröffnen. Nachdem die Mutter früh starb, besuchte Friedrich häufig seine Großeltern mütterlicherseits, die Bechlys, in Neubrandenburg, ebenso seine älteste Schwester Catharina Dorothea im nahen Dorf Breesen. Vor allem aber entstanden zahlreiche Skizzen und Zeichnungen rund um den Tollensesee sowie im südlich gelegenen Hohenzieritz. Diese dienten später als Vorlage für viele seiner be16

rühmtesten Gemälde. Motive aus frühen Skizzen montierte er später oft zu den Landschaften, die ihn berühmt machen sollten. „Zeichnungen, die am Nordufer des Tollensesees entstanden sind, wurden in dem Gemälde ‚Meeresstrand mit Fischer‘ verwendet, das wiederum konzeptionell auf das berühmte Bild ‚Mönch am Meer‘ verweist“, nennt Stapf nur ein Beispiel. Zudem sind einige wenige Gemälde erhalten, in denen Friedrich Neubrandenburg darstellt: „Das brennende Neubrandenburg“ sowie die „Gartenlaube“, das den Freund Franz Christian Boll und dessen Ehefrau Friederike beim Blick auf die Marienkirche zeigt. Dass Neubrandenburgs Stadtväter mit Caspar David Friedrich fremdeln, zeigt schon die frühere Geschichte des Boll-Denkmals. Bereits in der Woche nach dem Tod seines Freundes am 12. Februar 1818 hatte Friedrich das Denkmal entworfen. Im Herbst des gleichen Jahres wurde der Auftrag zur Fertigung erteilt. Doch dann war das Denkmal aus Sicht des Magistrats nicht nur viel zu teuer, sondern auch viel zu groß. Die Stadtväter waren von einem üblichen Grabstein ausgegangen, in Wirklichkeit war es etwa acht Meter hoch. Es sollte bis 1854 dauern, ehe das -Boll-Denkmal auf dem Marienkirchplatz aufgestellt wurde. In Greifswald wird der 250. Friedrich-Geburtstag das ganze Jahr über groß gefeiert. Dort wird geklotzt und nicht gekleckert, wenn es um die Erinnerung an den größten Sohn der Stadt geht. Das Pommersche Landesmuseum präsentiert seit Ende April gleich drei hochkarätige Ausstellungen hintereinander bis Anfang

Januar 2025: „Caspar David Friedrich. Lebenslinien“, „Sehnsuchtsorte“ sowie „Heimatstadt“. Insbesondere die Exposition „Sehnsuchtsorte“ (18. August bis 6. Oktober) rund um den Geburtstag am 5. September dürfte für FriedrichFans ein Muss sein. Denn erstmals wird sein wohl berühmtestes Werk, ein „Stargast“, wie das Museum schreibt, der Öffentlichkeit im Nordosten präsentiert: Die „Kreidefelsen auf Rügen“. „Ein langersehntes Treffen von Bild und Landschaft nach über 200 Jahren“, jubeln die Greifswalder Museumsleute. In einem wahren Malerei-Rausch hatte Friedrich die „Kreidefelsen“ im Herbst 1818 zusammen mit weiteren seiner bekanntesten Werke fertiggestellt. Unter anderem entstanden in diesen Wochen im Atelier in Dresden „Die Kathedrale“, „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ sowie „Zwei Männer in Betrachtung des Mondes“. Die „Kreidefelsen auf Rügen“ sind nicht nur wunderschön anzuschauen, sie erzählen auch eine interessante kunsthistorische Geschichte. Nach dem Tod Friedrichs blieb das Bild wohl im Besitz der Familie, ehe es der Cottbuser Textilfabrikant und Kunstsammler Julius Freund (1869-1941) erwarb. Als er die „Kreidefelsen“ Anfang des 20. Jahrhunderts in eine Auktion gab, wurden sie anfangs dem Maler Carl Blechen (1798-1840) zugeschrieben, da auch er durch Rügen-Darstellungen bekannt geworden war. Erst der Kustos der Berliner Nationalgalerie Guido Joseph Kern stellte 1920 fest, dass die „Kreidefelsen auf Rügen“ 1920 von Friedrich stammen.


Titel

1930 verkaufte Freund das Bild an den Schweizer Kunstsammler Oskar Reinhart (1885-1965) für 50.000 Reichsmark, was einer heutigen Kaufkraft von rund 200.000 Euro entspricht. Jahre später schenkte Reinhart seine Sammlung mit mehr als 800 Werken seiner Heimatstadt Winterthur beziehungsweise der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Mittlerweile gibt es in der Stadt zwei Museen, die die Reinhart-Sammlung präsentieren, darunter eben die „Kreidefelsen auf Rügen“ sowie die „Frau am Strand von Rügen“ (1818) und „Landschaft mit Eichen und Jägern“ (1811) von Friedrich. Wer sich den aktuellen Friedrich-Hype also nicht antun möchte, dem bleibt die Möglichkeit, die „Kreidefelsen“ samt der Schweizer Berge ab 2025 wieder in Ruhe zu genießen. Greifswald bietet über die drei großen Ausstellungen hinaus aber noch viel mehr zum Thema Caspar David Friedrich: Eine „Kunstreise zu Fuß“ durch die Stadt, eine Wanderwerkstatt, in der der Besucher selbst kreativ wirken kann oder aber eine Lichtskulptur des Berliner Künstlers Götz Lemberg, die einige der bekanntesten Friedrich-Werke in „leuchtende, schwebende Lichtzeichnungen“ verwandelt. Und das sind längst noch nicht alle Veranstaltungen. Das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern verspricht sich vom Jubiläumsjahr einen zusätzlichen Push. Man setzt auf

Friedrich als Touristenattraktion und hat bei der Internationalen Tourismusbörse in Berlin sogar das „Jahr der Romantik“ für den Nordosten ausgerufen. Wer sich zusammen mit seinen Kleinen dem großen Maler nähern will, dem sei eine gerade erschienene Graphic Novel empfohlen: „1818 Caspar David Friedrich mit Caroline in Greifswald“. Für den auf seine Zeitgenossen oft kauzig wirkenden Maler war die Heirat der fast 20 Jahre jüngeren Frau ein besonderer Schritt. In einem Brief an seine Brüder in Greifswald schreibt der damals 43-Jährige: „Auch ist mir gar schnurrig daß alles was ich jetzt unternehme immer mit Rücksicht auf meine Frau geschiet und geschehen muß.“ Maiken Albert erzählt mit ihren farblich dezent gestalteten Bildern die erste gemeinsame Reise des Paares nach Greifswald, die mit der Kutsche über Neubrandenburg und Wolgast führt. Der Leser erfährt auf unterhaltsame Weise viel von der Familie Friedrichs und vom damaligen Alltag. Über die vergangenen 15 Jahre schien der Platz des berühmtesten Greifswalders aller Zeiten von einem der besten Fußballer besetzt: Toni Kroos wurde 1990 in der Hansestadt geboren. Doch bei seiner Festrede zum Friedrich-Jubiläum stellte der Publizist Florian Illies die Verhältnisse wieder klar: „Toni ist Kroos, Friedrich ist größer“.

Caspar David Friedrich, Ruine Eldena im Riesengebirge, 1830/1834, Pommersches Landesmuseum, Greifswald

Im Pommerschen Landesmuseum Greifswald dreht sich 2024 alles um den Maler Caspar David Friedrich Lebenslinien bis 4. August 2024 Das Pommersche Landesmuseum verfügt mit sechs Gemälden, mehr als 60 Zeichnungen und Druckgrafiken sowie vielen Archivalien und Briefen über eine der umfangreichsten Sammlungen an Originalmaterialien aus Caspar David Friedrichs Leben und Werk weltweit. Sehnsuchtsorte 18. August 2024 – 06. Oktober 2024 Die Jubiläumsausstellung um den Geburtstag von Caspar David Friedrich am 5. September wartet mit einem Stargast auf: dem Hauptwerk „Kreidefelsen auf Rügen“. Das weltberühmte Gemälde, das heute im Schweizer Winterthur zu Hause ist, wird mit der Präsentation im Pommerschen Landesmuseum sieben Wochen lang und zum ersten Mal überhaupt in Friedrichs Heimatregion ausgestellt. Heimatstadt 16.10.2024 – 05.01.2025 Caspar David Friedrich blieb Greifswald, dem Ort seiner Geburt, Kindheit und Jugend, zeit seines Lebens eng verbunden. Zu sehen sind sein Gemälde „Wiesen bei Greifswald“ sowie Werke von Zeitgenossen. www.pommersches-landesmuseum.de


m

m

er

sch

es L

Land in Sicht!

andes museu m

Fo

to

:P

o

Titel

Meckpomm Tipps

von Dr. Ruth Slenczka, Direktorin des Pommerschen Landesmuseums Greifswald Mecklenburg-Vorpommern ist „das Land zum Leben“ – warum ist es auch das Land zum Urlauben? Weil hier Natur pur zu erleben ist, weil Kraniche, Seeadler und Singschwäne zuhause sind, man Hirsche röhren hört und 2000 km Ostseeküste vor der Haustür liegen. Und natürlich, weil das Pommersche Landesmuseum in Greifswald ein erstklassiges Kulturerlebnis garantiert! Was hat die Ostsee, was die Nordsee nicht bieten kann? Es gibt keine Gezeiten und so kann man zu jeder Tages- und Nachtzeit schwimmen gehen! Mit welcher kulinarischen Spezialität verbinden Sie die Region? Ich habe hier die beste Wildsalami meines Lebens gegessen … und die pommersche Gans verbinde ich mit Weihnachten. Wer ist die berühmteste Persönlichkeit, die wir hier haben? Caspar David Friedrich – er hat die Sehnsuchtslandschaften MecklenburgVorpommerns durch seine Bilder weltbekannt gemacht, an erster Stelle die Kreidefelsen auf Rügen. Welche Sehenswürdigkeiten sollten sich „Erstbesucher” anschauen? Das Pommersche Landesmuseum und die Inspirationsorte Caspar David Friedrichs in der hiesigen Landschaft, allen voran das hohe Ufer an den Kreidefelsen auf Rügen.

Mecklenburg-Vorpommern ist eine beispiellose Mischung aus Pampa und Provence. Ein etwas verkannter Flecken, der richtig süchtig macht. Fünf Klischees, die viel über uns verraten.

1. Wir können alles, sogar Hochdeutsch! Urlaub im tiefsten Schwabenländle, in Hessen oder im schönen Bayern ist wunderbar. Wenn man ein gewisses Interesse an „Fremdsprachen“ hat. Ansonsten kann es mitunter schwierig werden, den örtlichen Dialekt zu verstehen. Sicher, auch in MV gibt es so etwas: Plattdeutsch. Doch das sprechen vor allem die Älteren untereinander. Ansonsten wird hier im Norden ziemlich lupenreines Alltags-Hochdeutsch gesprochen. Das kann ein unschätzbarer Vorteil sein, wenn man nach dem Weg fragt oder sich mit den Einheimischen über Land und Leute unterhalten möchte. 2. Über allen Wipfeln ist Ruh‘ In unserem Land leben durchschnittlich 69 Einwohner je Quadratkilometer. In Rostock etwas mehr, in manchen Regionen der Seenplatte wesentlich weniger. Zum Vergleich: Der deutschlandweite Durchschnitt beträgt 230 Einwohner je Quadratkilometer, und in der Kernzone des Ruhrgebietes drängeln sich sogar knapp 2100 Menschen auf der gleichen Fläche. Was heißt das für Sie als Besucher? Himmlische Ruhe! Wenn Sie nicht gerade in den Kaiserbädern Urlaub machen, kann es Ihnen passieren, dass Sie – abgesehen von ein paar Kranichen, Rehen, Seeadlern und Rotmilanen – stundenlang niemandem begegnen. In einer lärmenden, stressigen Alltagswelt wie der heutigen unbezahlbar! 3. Wir sind nicht so flach wie Nordfriesland Ja, theoretisch reden wir bei MecklenburgVorpommern über Flachland. Praktisch jedoch haben die Gletscher der letzten Eiszeit ganze Arbeit geleistet und mit Grundmoränen, Sandern, Osern und Endmoränen eine überaus liebliche wie hügelige Landschaft geschaffen. Wer also Nordfriesland mit Mecklenburg vergleicht, vergleicht Äpfel mit Birnen. Für Radler bedeutet

dies zum einen, dass sie in MV eine beispiellos vielfältige Landschaft im Wortsinn erfahren können. Zum anderen wird es auch für die Waden nie langweilig. Denn wo es eben noch bergab ging, geht es kurze Zeit später schon wieder hügelauf. Auch sportlich ambitionierte Radfahrer kommen hier voll auf ihre Kosten, ohne gleich Tour-de-france-fit sein zu müssen. 4. Unsere Gipfel sind nur Hügel, dafür einsame Spitze Den höchsten Berg der Welt wollen sie alle erobern. Und so heißt es am Mount Everest: Schlange stehen. Dort oben gewesen zu sein, ist mittlerweile so ungewöhnlich wie ein Transatlantikflug. Massenabfertigung. Das passiert Ihnen beim höchsten „Berg“ in MV garantiert nicht. Der Helpterberg – stolze 179 Meter hoch – lässt sich ganz ohne Höhentraining, Sauerstoffmaske, Sherpa und Lawinengefahr bezwingen. Dafür wahlweise zu Fuß, mit dem Mountain- oder Trekkingbike. Oben angekommen, ist man meist allein mit sich und seinem Erfolg. Dafür kann man ein Selfie mit Gipfelkreuz machen und sich anschließend im Gipfelbuch eintragen. Fast wie Reinhold Messner ... Tipp: www.helpter-berge.de 5. Heute ein König – so krönen Sie Ihre Urlaubsreise Nirgendwo in Deutschland gibt es so viele Schlösser und Herrenhäuser wie in Mecklenburg-Vorpommern. Mehr als 2000 sind es heute noch. Wer nicht gerade eines erwerben möchte – zum Verkauf stehen etliche – kann sich vielerorts auch als Schlossherr auf Zeit fühlen. Denn etliche der prachtvollen Anwesen sind in den letzten Jahren mit viel Aufwand saniert worden und laden mit ihrem mondänen Charme zum Verweilen ein. Zwischen klein und verträumt oder riesig und luxuriös gibt es für jeden Geschmack etwas. Eine einzigartige Zeitreise in einem einzigartigen Land.

An welchen Flecken zieht es Sie, wenn Sie mal eine Auszeit benötigen? Ich würde nach Hiddensee gehen – oder auch ins Landesinnere, nach Tressow oder Ulrichshusen.

18

Illustration: Andreas Meenke

Welchen Geheimtipp haben Sie für „Wiederholungstäter“? Für mich war der deutsch-polnische Grenzraum am Stettiner Haff eine echte Entdeckung – völlig unterbewertet.


Herzlich Willkommen im Schloss Rattey! Sie besuchen Norddeutschlands größtes Weinanbaugebiet ‚Mecklenburger Landwein‘ und erleben die Vielfalt unserer Weine bei einer Führung. Sie übernachten im Hotel in ländlicher Ruhe nahe der Brohmer Berge. Sie heiraten und feiern im Schloss oder im Saal ‚Alte Kellerei‘. Sie Geniessen unsere gute Küche im Restaurant und decken sich im Hofladen mit Produkten unserer Naturmanufaktur Inselmühle Usedom ein. Sie trinken unser selbstgebrautes Bier ‚Brohmer Landbräu‘, einen Flaschengärsekt oder einen Wein auf der Terrasse am historischen Weinberg... und wir freuen uns über Ihren Besuch! Schloss Rattey www.schlossrattey.de +49 3968 25500


Fotos: Ines Patro

Ostseeküste

Meer erleben:

7 Fakten über die Ostsee Sie ist die Größte und das schönste Geschenk Mecklenburg-Vorpommerns. Die Ostsee. Unser Tor in die Welt. Sehnsuchtsort. Urlaubsgöttin. Ein Wellness-Paradies.

1

Warum das Baltische Meer kein Meer ist Wir können sie hören. Riechen. Sehen. Schmecken. Fühlen. Erleben. Mit allen Sinnen genießen. An stürmischen Tagen rauscht sie dahin wie ein wildes Meer, dann schlägt sie Wellen so hoch wie ein Ozean. Dabei ist die Ostsee weder das eine noch das andere, sondern fast komplett von Festland umgeben. Nicht umgekehrt, wie es sich für ein Meer gehört. Neun Staaten umarmen sie: Dänemark, Deutschland, Polen, Litauen, Lettland, Estland, Russland, Finnland und Schweden. Im Gegensatz zur Nordsee ist sie auch kein Randmeer eines Ozeans, sondern ein Binnenmeer.

20

2

Die Ostsee ist immer für uns da An drei schmalen Stellen hat die Ostsee eine Verbindung mit ihrer großen Schwester, der Nordsee. Diese befinden sich im Kattegat, ihrem nordwestlichen Ausläufer, zwischen der schwedischen Westküste und dem dänischen Jütland gelegen. Anders als kleine Meere oder große Ozeane hat das Baltische Meer keine Gezeiten, weder Ebbe, noch Flut. Die Ostsee ist immer da, präsentiert ein gleich anmutendes Ufer: ihre prächtigen Steilküsten und die dominierenden Flachküsten mit größtenteils weiten Sandstränden von ewiger Schönheit.


Ostseeküste

3

4

Das größte Brackwasser der Welt Schon mal gekostet? Sehr salzig schmeckt das Wasser nicht. Im Westen hat die Ostsee 15 bis 20 Gramm Salz pro Liter (im Vergleich: Nordsee und Mittelmeer haben gut 35 Gramm pro Liter Meereswelle). Je weiter es gen Osten geht, desto geringer wird ihr Salzgehalt. Im Finnischen Meerbusen, kurz vor der russischen Newabucht, sind es weniger als 3 Gramm Salz pro Liter. Diese Ausgewogenheit zwischen salzig und süß nennt man brackig. Auf der ganzen Welt gibt es kein größeres Brackwassermeer als das Baltische Meer.

Sie kann sich mit den Meeren der Welt messen Die Ostsee ist rund 400.000 Quadratkilometer groß und kann sich mit den Meeren der Welt messen. Doch mit durchschnittlich 60 Metern Tiefe ist sie verhältnismäßig flach. Ihre maximale Tiefe beträgt 450 Meter. Auf ihrer längsten Nord-Süd-Achse sind es von Haparanda (Schweden) 1300 Kilometer bis Danzig (Polen). Und 700 Kilometer liegen zwischen der schwedischen Hauptstadt Stockholm und St. Petersburg in Russland, der längsten West-Ost-Ausdehnung. Der kürzeste Weg von Deutschland nach Schweden ist die Fährverbindung von Sassnitz und Trelleborg, 60 Seemeilen gilt dabei zu überwinden.

5

Warum die Ostsee eine junge Meeres-Lady ist Seit ewigen Zeiten, könnte man meinen, trennt die Ostsee Skandinavien von Mitteleuropa. In Wirklichkeit aber steckt sie noch in ihren Kinderschuhen. Erst vor 10.000 bis 12.000 Jahren entstand das Baltische Meer. So kam es am Ende der letzten Eiszeit zum Abschmelzen gigantischer Gletscher. In der Nähe von Stockholm bildete sich zunächst ein Baltischer Eisstausee heraus, aus dem die Ostsee hervorging. Das Mittelmeer ist 150 Millionen Jahre alt, und die Nordsee gibt es schon seit 350 Millionen Jahren.

6 In Schlittschuhen über die Ostsee laufen In strengen Wintern verwandeln sich die Fluten des Baltischen Meeres mitunter zurück in alte Eisformationen. Wie im Winter 1986/87 kann die Ostsee bei lang anhaltender Kälte zufrieren. Dann entsteht eine 400.000 Quadratkilometer große Eislaufbahn. Damals in den 1980er-Jahren ließen sich Tausende Menschen dieses Spektakel nicht entgehen und genossen die Ostsee beim Eislaufen. An manchen Stellen soll das Eis über einen Meter dick gewesen sein. Schon in den 1940er-Jahren war die Ostsee mehrmals zugefroren. Seinerzeit machten schwere Eisschollen den hölzernen Seebrücken, etwa auf der Insel Usedom, arg zu schaffen.

7 Schweinswale und größere Meeressäuger Im Ostsee-Raum haben viele Tiere ein Zuhause gefunden: Fische von A wie Aal bis W wie Wittling, Quallen, Muscheln, Schnecken, Seesterne. Möwen, Seeadler, nordische Gänse. Auch Säugetiere wie Fischotter, Robben und Schweinswale lieben die Ostseewellen. Der Gewöhnliche Schweinswal ist der einzige heimische Wal, eng verwandt mit dem Delfin und bis zu zwei Meter lang. Laut Experten leben nur noch ein paar Hunderte dieser gefährdeten Tierart in der Ostsee. Äußerst selten verirren sich weit größere Meeressäuger in hiesige Gewässer. So sind in den vergangenen zehn Jahren vereinzelt Finn- und Buckelwale in der Ostsee gesichtet worden.

21


Foto: Selina Jäcks / stock.adobe.com

an der Küste Zwei Häfen, Hansa und die Hanse, haufenweise Läden und historische Bauten. Das Lebensgefühl in Rostock

Foto: SEB-www.sebfoto.de / stock.adobe.com

ist angenehmer als anderswo.

In Rostock brummt der Bär, die Hansestadt ist die größte City des Landes, jung, voller Studenten, sie strahlt Glanz und Atmosphäre aus – und ein durch und durch angenehmes Lebensgefühl. Die Metropole am Meer hat alles, sogar echte Bären: Seit 70 Jahren begeistern die „weißen Riesen“ Besucher im Zoo Rostock. Diese prächtigen Könige der Arktis (Nordpol), die 2021 nach längerer Pause Nachwuchs bekommen haben, weibliche Zwillinge, leben in einer ungewöhnlichen Tierpark-WG. Das „Polarium“ teilen sie sich ausgerechnet mit Pinguinen, deren natürlicher Lebensraum auf der Südhalbkugel ist. Vogel und Eisbären trennen Welten,

doch im Zoo Rostock trifft der Nordpol auf den Südpol – das sorgt bei Besuchern für Begeisterung. Doch sie sind nicht die einzigen Stars: In Rostock können Sie Wölfen ungefährlich nahekommen, oder den Orang-Utans einen Besuch abstatten. Die rothaarigen Menschenaffen hausen mit 200 anderen Tierarten (!) unter dem Dach des Darwineums. Auch einen Ausstellungsbereich gibt es in der Mega-Mehrzweckhalle zu besichtigen. Wenn man so will, führt uns der Rostocker Zoo durch das Wunder der Evolution. Benannt wurde das „lebendige Museum“ nach dem Evolutionsforscher Charles Darwin. Dessen Ururenkel eröffnete es 2012 höchstpersönlich. Der Zoologische Garten liegt im Westteil der Hansestadt, gleich neben dem Ostseestadion von Hansa Rostock. Das Fahrrad erobert die Hansestadt Die City beeindruckt mit einem Mix aus historischen und vielen neuen Bauten. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt, die seinerzeit eine Hochburg der Rüstungsindustrie war, stark zerstört. In den Jahren des Wiederaufbaus entstand eine neue Mitte mit breiten Straßen, die den damals aufkommenden Autoverkehr gerecht werden wollte. Inzwischen liegt der Fokus verstärkt auf zwei Rädern. So entstanden in jüngster Zeit die ersten Fahrradstraßen, seit


Ostseeküste

2022, beispielsweise die ehemalige Verkehrsader Lange Straße, die von Ost nach West durch die historische Altstadt führt. Wer die Karl-MarxAllee in Berlin kennt, bekommt eine Vorstellung von der Dimension der Langen Reihe. Und das ist erst der Anfang. Rostock plant, bis zu zehn weitere Fahrradstraßen. Zu den historischen Sehenswürdigkeiten der Innenstadt zählen unter anderem die Marienkirche, das Rathaus und das Kröpeliner Tor. Letzteres befindet sich in einer besonders bei jüngeren Leuten sehr beliebten und trubelreichen Shopping-Ecke. Eine weitere historische Perle der Hansestadt ist das Kerkhofhaus. Seine zunächst gotische Fassade aus dem Jahre 1470, wurde im 16. Jahrhundert im Renaissance-Stil umgestaltet. Heute befinden sich in dem Gebäude das Standesamt und Stadtarchiv. Über die Große Wasserstraße und Grubenstraße geht es weiter in die östliche Altstadt. Die Nikolaikirche ist ein Wohnhaus Die Häuser sind dort deutlich kleiner, aber schmuck. Und anders als rund um die Lange Straße hat in der Östlichen Altstadt eine kleintei-

Foto: Falko Göthel / stock.adobe.com

In der Nikolaikirche (re.) kann man heutzutage auch wohnen; aus dem alten Stadthafen ist ein Freizeitund Erholungsgebiet entstanden.

lige, mittelalterliche Straßenstruktur überdauert. Viele Straßennamen verraten hier ein Detail aus der Stadtgeschichte. So sind beispielsweise die Große Goldstraße oder die Brauergasse nach alten Handwerkerberufen benannt worden. Ein Blickfang im Viertel ist die Nikolaikirche – und der Besucher stutzt: Das Schiff der Kirche sieht eigenartig aus. Stimmt. 1976 wurde das im Zwei-

ten Weltkrieg stark zerstörte Gotteshaus wieder auf- und umgebaut. Für den Turm, das Kirchendach und Kirchenschiff lag ein ungewöhnliches Konzept zugrunde: Dabei entstanden 1985 zehn Turmetagen für Dienststellen der Kirche. Und das wiedererrichtete gotische Kirchenschiff beherbergt drei Wohnetagen mit insgesamt 13 Wohnungen und fünf Gästezimmern!

DBR_AZ_MVMagazin_Lay1_Layout 1 10.04.24 12:22 Seite 1

Meer erleben. Kultur genießen. << Wissen, was los ist. Tourist-Information Bad Doberan-Heiligendamm Mollistr. 10 · 18209 Bad Doberan · Tel.: 038203 - 420311 www.bad-doberan-heiligendamm.de

23


Ostseeküste

Ausflugstipp

Diese sehr nahe mit uns verwandten Orang Utans dürfen im besten Zoo Europas natürlich nicht fehlen; die Menschenaffen sind im Darwineum oder der Außenanlage anzutreffen.

Das „Land der aufgehenden Sonne“ beginnt bereits keine 50 Kilometer südlich von Rostock: Auf Schloss Mitsuku in Todendorf lockt der Zauber Asiens alle Neugierigen in ein besonderes Reich der Sinne und der Künste. Das dortige Japanmuseum zeigt zeitgenössische Werke von japanischen wie auch internationalen Kunstschaffenden. So sorgte beispielsweise im Frühjahr 2024 die Jubiläumsausstellung „Wege zur Schlichtheit“ für Aufsehen und Bewunderung. Das Ambiente der gesamten Anlage flößt auf angenehmste Weise Ruhe und Inspiration ein. Schloss Mitsuku heißt seine Gäste aufs Herzlichste willkommen – es ist ein unvermuteter Ort, sicherlich, aber einer zum Krafttanken und Wohlfühlen. www.schloss-mitsuko.org

Fotos: Ines Patro

Foto: Zoo Rostock

Japanische Künste auf Schloss Mitsuku

Über die Altschmiedestraße geht nun hinauf bis zum Alten Markt, auf dem erst einmal Staunen angesagt ist. Denn hier ragt das höchste Gebäude Rostocks in den Himmel; der Turm der Petrikirche misst 117 Meter. Auch die Petrikirche wurde im Zweiten Weltkrieg durch Bombenangriffe zerstört. Dabei verbrannten das Mittelschiff, der Turm sowie der mit Kupfer beschlagene Turmhelm. Wertvolle Inneneinrichtungsgegenstände wie die Orgel, der barocke Altar und die Renaissancekanzel konnten nicht gerettet werden. Rostock hat zwei stattliche Häfen Im Zuge des zögerlichen Wiederaufbaus wurde der Turm mit einem Notdach gesichert. Von 1992 bis 1995 ergab sich schließlich die Chance, dem Turm wieder einen Kupferhelm aufsetzen zu können. Mit Mitteln der Stadt, des Landes, von Denkmalschutzorganisationen und vielen Bürgern wurde Rostock ein Wahrzeichen zurückgegeben. Der Helm hat ein stolzes Gewicht von 265 Tonnen. Bis zum Stadthafen ist es von der Petrikirche nicht weit. Dieser kleinere der beiden Rostocker Häfen hatte seine Hochzeit Ende des 19. Jahrhunderts. Heute dient er Einheimischen und Gästen als Naherholungsgebiet und

Event-Location. Die jährliche Hanse Sail findet hier statt. Wer den Stadthafen beim Spaziergang mit Einkehr in einem der netten Cafés zu recht für recht groß hält, wird sich wundern, welche Ausmaße der zu DDR-Zeiten errichtete Industriehafen Rostock Port hat. Die Straße Amberg führt hinunter zum ehemaligen Kloster St. Katharinenstift. 1223 errichteten die Franziskaner die Anlage. Nach der Reformation diente das Katharinenstift als Armenhaus, später auch als Waisenhaus, Zuchthaus und Lazarett. Heute beherbergt es die Hochschule für Musik und Theater Rostock. Hartmut Nieswandt / Sirko Salka

Ausflugstipp

Foto: www.ka

rls.de

Ein Tag in Karls-Erlebnisdorf Rövershagen bei Rostock In Karls Erlebnisdörfern dreht sich alles um das Lieblingsfrüchtchen der Deutschen – um Erdbeeren. Die köstlichen Kugeln werden in den Freizeitparks auf kreativste Weise vermarktet. Marmeladen, Torten, Weine und Liköre gehören ins Sortiment, aber auch Rucksäcke, Damenhausschuhe, Trinkbecher oder Weinstopper – alles im Zeichen der Erdbeere. Herzstück sind Karls Manufakturen, in denen es erdbeerlecker nach frischen Backwaren, Bonbons oder Marmelade duftet. Die knallbunten Markthallen lassen keine Wünsche offen – für den Eigenbedarf oder als Geschenkidee. Bei den Kids und manch Erwachsenem sorgen Fahrgeschäfte wie die Raupen-Achterbahn oder das Traktor-Rennen für Glücksmomente. In Mecklenburg-Vorpommern betreibt Karls Tourismus Standorte auf Usedom, Rügen und bei Rostock. www.karls.de

24


Mit dem Molli

DIE SCHMALSPURBAHN FÜHRT ZU EINER PERLE DER BACKSTEINGOTIK UND IN DAS ÄLTESTE DEUTSCHE SEEBAD. Seit fast 150 Jahren dampft auf einer rund 15 Kilometer langen Strecke entlang der Ostseeküste westlich von Rostock die Schmalspurbahn Molli. Ihre Tour führt durch ein von Gletschern und Meer geformtes Naturparadies von Kühlungsborn nach Bad Doberan mit seinem Ortsteil Heiligendamm, dem ältesten Seebad Deutschlands und Kontinentaleuropas. Wegen der von der See aus sichtbaren weißen Häuserreihe in Strandnähe wird Heiligendamm auch die „Weiße Stadt am Meer“ genannt. 2004 wurde der Ort als Seeheilbad anerkannt. Durch den G8-Gipfel im Jahre 2007 wurde Heiligendamm international bekannt. Die Gründung des Seebades erfolgte 1793 durch Friedrich Franz I., Großherzog von Mecklenburg. Anstoß für die Gründung gab damals übrigens Georg Christoph Lichtenberg, Professor für Mathematik und Physik, als er ob der aufkeimenden Beliebtheit des Meeres fragte: „Warum hat

Foto: Bäderbahn Molli

in die Weiße Stadt

Dampfllok Molli ist an der Ostseeküste bekannt wie ein „bunter Hund“, in Heiligendamm hat sie ihr Ziel erreicht und fährt zurück bis Kühlungsborn.

Deutschland noch kein Seebad?“ Bereits am 22. Juli 1793 wurde der Beschluss gefasst, am „Heiligen Damm“ ein Seebad zu errichten. Die Gründung des Seebades Heiligendamm zog viele Badegäste an. Eine zügige Verkehrsanbindung an die Ostseeküste gab es damals noch nicht. Darum wurde 1886 eine Bahnverbindung von Bad Doberan zunächst nach Heiligendamm ausgebaut, 1910 erfolgte die Erweiterung bis Kühlungsborn. Auf ihr verkehrt die liebevoll „Molli“ genannte Schmalspurbahn. Über eine Strecke von 15,4 Kilo-

metern bringt der „Molli“ auch heute noch seine Fahrgäste schnaufend und bimmelnd durch enge Straßen, vorbei an Wiesen und Feldern zu ihren Urlaubsorten und Ausflugszielen. Der „Molli“ mit seiner Spurbreite von 900 Millimetern (die Normalspur der Bahn misst 1435 Millimeter) ist die älteste Schmalspurbahn an der Ostseeküste. Zu den Sehenswürdigkeiten in Bad Doberan zählt das Klosterareal mit dem Doberaner Münster, das auch als „Perle der norddeutschen Backsteingotik“ bezeichnet wird. Die Kirche des damaligen Zisterzienserklosters wurde im späten 13. Jahrhundert erbaut. Heute finden im Münster regelmäßig Gottesdienste, Andachten, Konzerte und Themenführungen statt. www.molli-bahn.de

UNSECO Welterbe- und Hansestadt WISMAR SCHABBELL – Stadtgeschichtliches ©TZW, Christoph Meyer Museum St.-Georgen-Kirche mit Aussichtsplattform und St.-Marien-Kirchturm mit 3D-Film, Ausstellung „Dialog des Geistes“ und ©TZW, Christoph Meyer Turmführung mit Guide

Veranstaltungshighlights 2024 Hafenfest Wismar

NDR Elbphilharmonieorchester

02.06.

Eröffnung Festspielsommer

16.06.

Pöttermarkt

13.07. bis 14.07.

14. Internationales Straßentheaterfest boulevART 02.08. bis 04.08. 23. Schwedenfest

Marktplatz mit Wasserkunst und ©TZW, Christoph Meyer Giebelhäusern

06.06. bis 09.06.

15.08. bis 18.08.

NDR Radiophilharmonie 16.11. Weihnachtliches Welterbe Wismar 25.11.2024 bis 05.01.2025

Alter Hafen mit Baumhaus, Ausflugfahrten ©TZW, Christoph Meyer und Speichern

29. Kunstmarkt 13.12. bis 15.12. NDR Vokalensemble 20.12

Tourist-Information Wismar, Lübsche Straße 23a, 23966 Wismar 03841 19433 touristinfo@wismar.de wismar.tourist

25

Foto: Sina Ettmer / stock.adobe.com

Rubrik


Eine Radtour

nach Warnemünde

.adobe.com stock nz / ore L s cu ar M o: t Fo

Auf dem Ostseeküstenradweg gibt es von sanften Stränden bis wilder Romantik alles zu erleben. Unsere Etappe führt vom Ostseebad Rerik bis nach Rostock-Warnemünde und bietet immer wieder die herrlichsten Aussichten aufs Meer.

Zwei Bundesländer und ein Meer: Der Ostseeküstenradweg beginnt in Schleswig-Holstein, genauer gesagt in Flensburg nahe der dänischen Grenze, führt durch den nördlichen Teil Mecklenburg-Vorpommerns bis ins Seebad Ahlbeck. Dort ist dann schon die polnische Grenze erreicht. Ein kleines blaues Schild weist den Weg entlang der Ostsee. Wer einen Teil der mecklenburgischen Ostseeküste auf dem Rad erleben will, dem sei eine Tagestour von Rerik nach Warnemünde empfohlen. Das Ostseebad Rerik ist für Naturliebhaber interessant. Im Norden grenzt es mit einer wildromantischen Steilküste und einem schönen Naturstrand an die Ostsee. Es lohnt sich, die Augen nach Bernstein, dem „Gold des Meeres“, offen zu halten. Im Süden sind auch Strände zu finden. Wer hier baden geht, steigt ins Salzhaff. Durch die Halbinseln Wustrow und Boiensdorfer Werder ist ein fast von der Ostsee abgetrennter Teil 26

der Mecklenburger Bucht entstanden. Ein ideales Gebiet für Segel- und Surfeinsteiger. Die Küste rings um das Haff wird oft überflutet. Das Ergebnis sind Salzwiesen, in denen eine einzigartige Flora und Fauna zu finden ist. Es wachsen Strandflieder, Strandbeifuß, Salzbinsen und Salzstraußkraut, aber auch seltene Pflanzenarten wie Löffelkraut und Erdbeerklee. Die Salzwiesen sind beliebte Brut-, Rast- und Überwinterungsplätze für Wasser- und Wattvögel wie Seeschwalben, Rotschenkel und Kiebitze. Fernglas nicht vergessen! Von Rerik geht es Richtung Norden über Mechelsdorf nach Bastorf. Auf dem höchsten Punkt der Tour liegt der Leuchtturm Buk, das Wahrzeichen der Gemeinde Bastorf. Er ist topografisch gesehen der höchstgelegene Leuchtturm Deutschlands, mit seinen 20,8 Metern Turmhöhe aber eher klein. Das Leuchtfeuer ragt trotzdem gut 95 Meter über den Meeresspiegel, damit es

auch über weite Strecken sichtbar ist. Bis zu seiner Errichtung 1876 stand der nächste Signalturm in westlicher Richtung in Travemünde und in östlicher Richtung in Darßer Ort. Die lang gestreckte Sandbank namens Hannibal vor der Wismarer Bucht etwa konnte mit ihnen nicht angezeigt werden, deshalb nahm der Leuchtturm in Bastorf 1878 seinen Betrieb auf. Damals noch mit einem Petroleumdocht befeuert, erstrahlte er bis auf 18 Seemeilen auf die Ostsee hinaus. 1912 bekam der Buk als einer der ersten Leuchttürme an der Ostseeküste elektrisches Licht. Knapp 70 Jahre später wurde das Leuchtfeuer automatisiert. Ein Leuchtturmwärter sitzt dort heute also nicht mehr, das Bauwerk kann aber in der Zeit von 11 bis 16 Uhr für einen Eintrittspreis von 2,50 Euro besichtigt werden. In Bastorf lohnt sich ein Abstecher auf den Gutshof. Im Restaurant und Café lässt es sich gut verweilen, im Hofladen in der alten Scheune gibt


lang einer Nebenstraße geht es dann weiter nach Kühlungsborn, ins größte Seebad Mecklenburgs. Ostsee-Flair und die einzigartige Bäderarchitektur erleben Besucher am besten bei einem Spaziergang entlang der mehr als vier Kilometer langen Uferpromenade. Radfahren ist da allerdings nicht erlaubt. Wer also direkt weiter möchte, muss einen Parallelweg entlang radeln. Auf dieser Strecke liegt auch ein bedrückendes Geschichtszeugnis: der Ostsee-Grenzturm von Kühlungsborn. Zwischen 1961 und 1990 war in dem Seebad eine Kompanie der DDR-Grenzbrigade Küste stationiert. Sie sollte Fluchtversuche von DDR-Bürgern verhindern. Ziele waren die 40 Kilometer entfernte Küste der BRD, von Dänemark, Schweden und Schiffe auf See.

es Bio-Lebensmittel aus der Region sowie auf dem Hof hergestellte Marmeladen und Bonbons. Typisch für die Ostseeküste sind Produkte aus Sanddorn, die hier angeboten werden: Liköre, Tees, Säfte, Cremes und mehr. Das perfekte Mitbringsel für Daheimgebliebene! Ent-

Die berühmten Wahrzeichen von Warnemünde: Der altehrwürdige Leuchtturm und der Teepott

Nach Heiligendamm geht es durch den Gespensterwald Zwar kamen damals auch schon viele Urlauber in die Ostseebäder, fast 40 Jahre lang herrschten dort aber strenge Regeln und Meldepflichten. Mehr als 20 Wachtürme standen entlang der Seegrenze. Lediglich zwei von ihnen sind heute noch erhalten: der in Kühlungsborn und der in Börgerende. Letzterer steht ebenfalls an der beschriebenen Radroute. Begehbar ist aber nur der Kühlungsborner. Er wurde 1972 errichtet. Von der 15 Meter hohen Kanzel aus konnten die Grenzsoldaten das Seegebiet bis zu 12 Seemeilen weit absuchen. Jede verdächtig erscheinende Bewegung wurde protokolliert, über Funk wurden dann Grenzschiffe oder Landeinheiten verständigt. Den Arbeitsort der Grenzsoldaten können Besucher heute besichtigen und in einer Ausstellung sind Fluchtversuche dokumentiert. Beispielsweise die Geschichte von Peter Döbler, der 1969 schwimmend nach 25 Stunden die Insel Fehmarn erreichte. Er hatte Glück und wurde nicht entdeckt, viele andere Fluchtver-

Foto: haiderose / stock.adobe.com

Foto: fotowunsch / stock.adobe.com

Auf dem Drahtesel lässt sich die Ostseeküste besonders gut erkunden. Das Meer als ständiger Begleiter macht die Tour zu einem unvergessenen Erlebnis.

Foto: Gehkah / stock.adobe.com

Ostseeküste

Der Leuchtturm Buk hat nur eine Höhe von 20 Metern und ist dennoch das Leuchtfeuer Norddeutschlands.

suche endeten allerdings tragisch mit der Verhaftung oder sogar mit dem Tod. Auf der Strecke geht es dann direkt nach Heiligendamm, entlang der Küste nach Börgerende und weiter nach Nienhagen. Vor dem Ort liegt der sogenannte Gespensterwald. Wer hineinfährt, kann verstehen, warum er diesen Namen trägt. Gespenstisch ragen dort die Bäume in den Himmel. Sie sehen nicht wie die anderen bekannten Buchenwälder in Mecklenburg-Vorpommern aus und werden auch nicht so alt wie ihre Artgenossen im Land. Denn an der Küste bei Nienhagen sind die Buchen extremen Bedingungen ausgesetzt: Hohe Sonneneinstrahlung führt zu Sonnenbrand ähnlichen Schäden an der Rinde. Hinzu kommen schlechte Bodenverhältnisse und starker Wind, dem die Bäume ausgesetzt sind. Das ist aber nicht das einzige Natur-Highlight, mit dem Nienhagen aufwarten kann. Auch die Steilküste des Ortes ist atemberaubend schön. Östlich des Ortes befindet sich ein Aussichtspunkt mit einer Treppe, die hinab auf den Strand führt. Es ist allerdings Vorsicht geboten: Besonders nach Regen, Frost, Sturm oder Hochwasser kann es zu Abbrüchen, Rutschungen oder Steinschlägen kommen. Das gilt auch für andere Streckenabschnitte, die entlang der Steilküste führen. Hinweis- und Warnschilder sollten auf jeden Fall ernst genommen werden. Die Tour führt weiter Richtung Osten und endet in Warnemünde, am bekannten Teepott neben dem Leuchtturm. Zahlreiche Restaurants und Cafés bieten dort ein vielfältiges Angebot für einen entspannten Ausklang des Tages. Susann Moll 27


or

ch e

rt

to :O

li

v

B er

Fo

Wismar und Stralsund

Meckpomm Tipps

sind unser Weltkulturerbe

von Ursula Haselböck Intendantin der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern

Was hat die Ostsee, was die Nordsee nicht bieten kann? Die Küste in Mecklenburg-Vorpommern ! Aber für die Details von unter Wasser empfehle ich das Konzert „Unsere Meere“ am 11. August in Stralsund. Im Filmmusikkonzert in der beeindruckenden Halle von Ostseestaal spielt die NDR Radiophilharmonie zu Bildern aus Ostsee und Nordsee, moderiert von Judith Rakers. Mit welcher kulinarischen Spezialität verbinden Sie die Region? Luxus, da einfach zu einer der Seenfischereien zu radeln und sich die herrlichsten Delikatessen aus dem See fischen zu lassen… Das kenne ich aus meiner Heimat Wien so nicht. Wer ist die berühmteste Persönlichkeit, die wir hier haben? In diesem Jahr: All eyes on Caspar David Friedrich. Seine Bilder begleiten mich schon lange und ich freue mich sehr auf all die schönen Projekte rund um seinen 250. Geburtstag im Land, besonders auf die beiden Uraufführungen im Rahmen der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern, die zwei seiner berühmtesten Bilder – das „Eismeer“ und „Mondaufgang am Meer“ – zum Klingen bringen.

In Wismar stolpert der Gast über einen berüchtigten Vampir – und den Vater eines berühmten Shopping-Imperiums. In Wismar lauert Trödelgefahr: Die Altstadt ist wunderbar zum Bummeln geeignet. Zu den Sehenswürdigkeiten gehören die großen Backsteinkirchen Sankt Georgen, Sankt Nikolai und der überlebende Turm von Sankt Marien. Sie künden von der glorreichen Historie der Hansestadt Wismar, die 2002 mit ihrer größeren Schwester Stralsund zum Weltkulturerbe der Vereinten Nationen erklärt wurde – als Ideal der Hansezeit. Bürgerhäuser stehen Spalier und zeigen Giebel und Portale, die um den Ruf des Schönsten buhlen. Ein viergeschossiges Jugendstil-Haus in der Lübschen Straße ist Stammsitz der Warenhauskette Karstadt. An jenem Ort hatte Rudolph Karstadt 1881 einen ersten Mitarbeiter angeheuert und seinen Aufstieg begonnen. Der Marktplatz der 44.000 Einwohner-Stadt ist einer der größten Norddeutschlands, gekrönt mit der Wasserkunst im Stil der holländischen

Foto: Ines Patro

Mecklenburg-Vorpommern ist „das Land zum Leben“ – warum ist es auch das Land zum Urlauben? Ostsee, Strand, herrliche Natur – und am besten kann man das Land mit den Konzerten der Festspiele, an über 90 Spielstätten im ganzen Land, von Gutshaus bis Papierfabrik, von Schlosspark bis Eisengießerei, entdecken. Versprochen!

Welche Sehenswürdigkeiten sollten sich „Erstbesucher” anschauen? Die herrliche Natur und die vielen großartigen Hansestädte und Schwerin mit Schloss, 7 Seen und der herrlichen Altstadt muss ich ja nicht extra erwähnen … Tatsächlich finde ich aber, dass MV besonders durch Geheimtipps, zum Beispiel die tollen Guthäuser, punkten kann. Tolle Plätze im Land, die oft durch viel privates Engagement liebevoll wieder aus dem Dornröschenschlaf geweckt und oft auch in Kombination mit moderner Architektur und zeitgenössischer Kunst neu in Szene gesetzt werden. Dort Konzerte zu veranstalten, macht besonders viel Spaß! Welchen Geheimtipp haben Sie für „Wiederholungstäter“? Einfach jeden einzelnen See in MV zu erschwimmen oder zu erpaddeln, da wird man ganz von selbst zum Wiederholungstäter. Aber sonst: Die Landschaft der Feldberger Seenplatte, und da besonders das Restaurant „Alte Schule“ in Fürstenhagen. Ein herrliches Plätzchen Erde, an dem ein Österreicher sich einen Stern erkocht hat … Und, wer lieber im Westen des Landes urlaubt: Der Schaalsee bei Zarrentin ist mit seinem Biosphärenreservat auch immer einen Besuch wert. An welchen Flecken zieht es Sie, wenn Sie mal eine Auszeit benötigen? Als Österreicherin bin ich immer noch besonders begeistert, nun so nahe am Meer zu wohnen. Also: An den Strand, zum Beispiel auf die Insel Poel. Aber Gott sei Dank komme ich auch dorthin mit den Festspielen. Mein persönlicher Luxus ist, dass mein Job mich ganz von selbst zu den schönsten Plätzen des Landes bringt! Blick von der Wismarer Schweinsbrücke auf die Nikolaikirche.

28


Renaissance, die fast 300 Jahre die Trinkwasserversorgung der Hanseaten sicherte. Das Gasthaus „Alter Schwede“, ein backsteinernes Schmuckstück, bezeugt Wismars Zeit unter schwedischer Herrschaft von 1648 bis 1803. Durch die Stadt zieht sich einer der ältesten künstlichen Wasserläufe Deutschlands, die Grube. Vor dem Wassertor, dem letzten von vormals fünf Stadteingängen, liegt der Alte Hafen mit Speichern und Fachwerkhäusern. Am Kai ist eine Hansekogge vertäut, und Fischstände bieten Delikatessen an. Wer den Boden im Blick behält, kann am Markt oder Hafen Hinweise auf einen Vampir bemerken. Nosferatu, Fürst der Finsternis aus den Karpaten, hatte einst mit einem Schiff voller Ratten in Hafen festgemacht, an seinen Fersen hing die Pest. So erzählte es Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau 1921 in „Nosferatu – eine Symphonie des Grauens“ über Wismar alias Wisborg. Sein Stummfilm, der erste Horrorstreifen im deutschen Kino, begründet Wismars Stolz auf imposante Drehorte. „Verschwenderischer“ Reichtum an historischen Bauten in Stralsund, dem Tor zur Insel Rügen Die altehrwürdige Hansestadt Stralsund explodiert geradezu vor Sehenswürdigkeiten. Auf dem höchsten Turm kann man sich zunächst eine Übersicht verschaffen. 366 Stufen führen in der St. Marien-Kirche am Neuen Markt auf eine Höhe von 90 Metern. Übrigens, dieser Turm, heute 104 Meter hoch, soll von 1549 bis 1647 mit 151 Metern das höchste Bauwerk der Welt gewesen sein! 1549 wurde die 151 Meter hohe gotische Turmspitze fertiggestellt, 1647 aber durch einen gewaltigen Blitzschlag zerstört. St. Marien ist eine dreischiffige Kirche mit Querhaus, Chorumgang und Kapellenkranz. Sie ist die größte Pfarrkirche der Hansestadt. Im Volksmund hieß es: „Stralsund hat drei Kirchen – die mächtige, die prächtige und die schmächtige.“ St. Marien war und ist die mächtige. Sie gilt als ein Meisterwerk der Spätgotik in Mitteleuropa. Wie schon erwähnt: Die Innenstadt Stralsunds ist durch einen verschwenderischen Reichtum an historischen Bauten gekennzeichnet. Seit 1990 wurden große Teile der Altstadt saniert. Sie bietet eine reiche Gebäudevielfalt – mit vielen ehemaligen Kaufmannshäusern, Kirchen, Gassen und Plätzen. Von mehr als 800 denkmalgeschützten Häusern in Stralsund stehen mehr als 500 als Einzeldenkmal in der Altstadt.

Die Rügendammbrücke verbindet Stralsund mit der Insel.

Foto: Björn Wylezich / stock.adobe.com

Das Ozeaneum (vorn) und die Kirchen St. Marien (li.) und St. Jakobi in Stralsund

Foto: spga / stock.adobe.com

Foto: holger.l.berlin / stock.adobe.com

Ostseeküste

Das Karstadt-Stammhaus wurde 1881 in Wismar gegründet.

Im Jahr 1234 erhielt Stralsund das Stadtrecht. Als Gründungsmitglied der Hanse kam man durch internationalen Handel zu Wohlstand. Heute ist Stralsund auch bekannt durch das Deutsche Meeresmuseum (welches im Sommer 2024 wieder öffnet) samt Ozeaneum und durch die neue Rügenbrücke. Stralsund wird aufgrund der Lage am Strelasund, einer Meerenge der Ostsee zwischen Festland und der Insel Rügen, auch als „Tor zur Insel Rügen“ bezeichnet. 29


Mecklenburgisches Märchenschloss

und ein wahrer Wolkenkratzer

Das Schloss ist nicht nur die Schweriner Top-Attraktion, sondern auch eines der bekanntesten Wahrzeichen des Landes Mecklenburg-Vorpommern.

Im Oktober 2024 finden in Schwerin die Foto: Bernd / stock.adobe.com

Feiern zum Tag der Deutschen Einheit statt.

Das Mecklenburgische Staatstheater in direkter Nachbarschaft des Schlosses

Schwerin lädt zum Feiern ein Jahr für Jahr wechselt die Präsidentschaft im Bundesrat, damit jedes Bundesland mal dran ist. 2024 hat Mecklenburg-Vorpommern den Vorsitz in der Länderkammer – und damit den Auftrag, die diesjährigen Feiern zum Tag der Deutschen Einheit zu veranstalten. Die Vorbereitungen in Schwerin laufen längst auf Hochtouren: Unter dem Motto „Vereint Segel setzen“ lädt die Landeshauptstadt vom 2. bis 4. Oktober zu einem großen Fest auf dem Platz Alter Garten ein, zu erleben gibt es unter anderem eine Meile der Bundesländer und ein umfangreiches Programm. www.tag-der-deutschen-einheit.de

30

Wir haben die Landeshauptstadt vorab bei einem ausführlichen Bummel kennengelernt. Mit den zuletzt 2021 gezählten knapp 97.000 Einwohnern ist Schwerin nicht nur die kleinste Landeshauptstadt Deutschlands, sondern auch die einzige Nicht-Großstadt. Allerdings auch die einzige deutsche Landeshauptstadt, die vom Mittelalter bis heute durchgehend und ausschließlich als Sitz der Landesobrigkeit diente. Seit Jahrhunderten werden weite Teile Mecklenburgs von Schwerin aus regiert und verwaltet – die bisher längste Zeit durch den Adel, zwischendurch von der Nomenklatura der DDR, seit 1990 von einem demokratisch gewählten Parlament für Mecklenburg und Vorpommern. Typisch für Schwerin: viel Wasser mitten in der Stadt. Offiziell ist von der Stadt der sieben Seen die Rede, bei genauem Hinsehen kommt sogar ein Dutzend zusammen. Die Schweriner Altstadt trumpft auf mit vielen imposanten Bauwerken. Besonders empfehlenswert: Ein Bummel durch Puschkin- und Münzstraße, wo originelle Geschäfte, Galerien und Handwerker zu finden sind. Die Tourist-Information befindet sich am Markt unterhalb des Doms. Der Dom überragt den Marktplatz von Schwerin und ist aus keiner Richtung zu verfehlen. Sein Turm mit 117,5 Metern gilt als höchster Kirchturm Ostdeutschlands und kann bestiegen werden. Der Turm entstand als neugotisches Bauwerk Ende des 19. Jahrhunderts und ist jünger als der Dom, der gut 850 Jahre auf dem Kirchbuckel hat.


Foto: SEB - www.sebfoto.de / stock.adobe.com

Foto: Sirko Salka

Westmecklenburg

Der Schweriner Dom erreicht eine Höhe von 120 Metern. Wer mag, gelangt über 220 Stufen in den Turm und wird mit einer herrlichen Aussicht für die Strapazen des Aufstiegs belohnt.

Zu DDR-Zeiten wurden künftige Kindergärtnerinnen in den erhabenen Hallen und Gemächern des romantischen Schlosses ausgebildet. Allerdings, das Schloss in seiner Pracht würde es nicht geben, wenn nicht einige hundert Meter weiter, zwischen Schweriner See und Faulem See, ein ganz und gar romantisches Haus stehen würde: die Schleifmühle. Dort wurden mithilfe der Wasserkraft Steinplatten und mächtige Findlinge in dekorative Steinplatten, Sarkophage, Denkmalsockel und Einfassungen verwandelt. Und all das wurde gebraucht beim Aufbau des Schlosses. Wie das funktionierte mit der Schleiferei, kann man sich heute noch ansehen. Denn zum Glück wurde bereits zu DDR-Zeiten die alte Mühle in Schuss gebracht – und ein Museum darin untergebracht. Schon seit mehr als 300 Jahren dreht sich das Rad der Wassermühle. Von 1749 bis 1857 schnitten, schliffen und polierten hier geschickte Hände Steine für die Fürsten Mecklenburg-Schwerins. So entstanden vorwiegend in Handarbeit aus Edelsteinen und Mineralien hier auch kleine Schmuckstücke. Die Schleifmühle befindet im Stadtteil Ostorf gleich neben dem Schlossgarten des Schweriner Schlosses. Das Wasserrad nutzt das 50 Zentimeter betragende Gefälle zwischen den Wasserspiegelhöhen des Faulen und des Schweriner Sees. Zum Ensemble gehört auch der ehemalige Wohnsitz des Steinschleifers, das Schleifmüllerhaus. Die Mühle entstand um 1705 als Lohmühle und wurde 1718 zur Graupenmühle umgebaut. Nach dem Tod des Schleifmühleninspektors Niedt übernahm der bis heute bekannte Hofbaumeister Georg Adolph Demmler die technische Leitung der Anlage 1842. In den Jahren 1845 bis 1857 leistete die Mühle viel Arbeit beim Umbau des Schweriner Schlosses. Wegen Baufälligkeit ruhte die Produktion seit 1904. Zwischen 1983 und 1985 die Rekonstruktion, die Mühle wurde eine Schauanlage. 1996 ging das Museum von der Stadt in die Trägerschaft des Stadtgeschichts- und -museumsvereins Schwerin e. V. über. Marlis Tauz / Hartmut Nieswandt

Foto: Schleifmühle

Weiter geht es zum Schweriner Schloss. Der Platz davor – der Alte Garten – gestattet den Rundumblick auf Burg- und Schweriner See, die Staatskanzlei, Sitz des Ministerpräsidenten, das Mecklenburgische Staatstheater, das Staatliche Museum sowie Schloss und Schlossgarten. Das auf einer Insel gelegene Märchenschloss fußt auf einer slawischen Burganlage aus dem Jahr 965. Seine heutige Form erhielt es Mitte des 19. Jahrhunderts bei einem Umbau nach Vorbild französischer Renaissanceschlösser. Seit 1990 beherbergt die Residenz der Herzöge und Großherzöge den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, außerdem Restaurants und ein Museum. Und vielleicht ist sogar eine Begegnung mit dem Petermännchen drin, dem Schweriner Schlossgeist. Eine Museumsführung bietet sich ebenso an wie eine Bootspartie mit der Weißen Flotte.

Eintauchen... ...in die Welt der Technikgeschichte Sep bis Juni Di - So 10-17 Uhr Juli und Aug Täglich 10-18 Uhr

In dieser Schleifmühle wurde Steine für das Schweriner Schloss geschleift.

31


Westmecklenburg

„Immer eine Reise wert “ Ministerpräsidentin Manuela Schwesig begründet, warum Mecklenburg-Vorpommern für sie das schönste Bundesland ist. Sie benennt Trends sowie Herausforderungen im hiesigen Tourismus und gibt im Interview mit Sirko Salka auch etwas Privates preis.

Fotos: Staatskanzlei MV

Mecklenburg-Vorpommern zählt zu den beliebtesten Reisezielen in Deutschland. Was sind die Stärken des hiesigen Tourismus? Wir leben da, wo andere Menschen Urlaub machen. Wir haben die größte Insel, die längsten Strände und den größten Binnensee in Deutschland, die Müritz, sowie weitere rund 2000 Seen. Ein Drittel der Landesfläche steht unter Naturschutz. Nirgendwo in Deutschland gibt es mehr Nationalparke als bei uns. Dazu kommen wunderschöne Städte. Wismar und Stralsund sind Weltkulturerbe. Die Landeshauptstadt Schwerin mit ihrem Schloss bewirbt sich mit dem Residenzensemble gerade darum. Weitere Attraktionen sind das großartige Ozeaneum in Stralsund. Dort befindet sich auch das Meereskundemuseum, das im Sommer wieder eröffnet wird. Der Skywalk auf Rügen, direkt am berühmten Königsstuhl, offenbart einen wunderbaren Blick auf die Kreidefelsen der Insel und auf die Ostsee in luftiger Höhe. Das sind nur einige Beispiele für ganz viele

touristische Attraktionen, die sich großer Beliebtheit erfreuen.

Strategisch verfolgen wir bei uns im Land schon länger die Richtung Qualität vor Quantität.

Andere Bundesländer verzeichneten jüngst größere Zuwächse – der Chef des Tourismusverbandes MV beklagt eine Stagnation der Branche. Teilen Sie die Kritik, dass es qualitativ kaum vorangeht? Mecklenburg-Vorpommern ist ein gefragtes Urlaubsland. Wir haben mit über 32 Millionen Übernachtungen in 2023 das zweitbeste Ergebnis in der Geschichte des Landes erreicht. Aber wir müssen uns als Tourismusland weiterentwickeln, wenn wir weiter erfolgreich sein wollen.

Welche Weichen kann das Land stellen, was muss die Branche tun, um als Urlaubsregion auch künftig wettbewerbsfähig zu bleiben? Das Land unterstützt die Tourismusbranche sehr, auch finanziell. Die größte Herausforderung für die Branche ist sicherlich die Sicherung des Fachkräftebedarfs. Für die erfolgreiche Entwicklung insgesamt im Land ist ein breiter Mix aus Attraktion, Erholung und Servicequalität wichtig. Gute Bedingungen für alle schaffen – unsere Gäste und die vielen fleißigen Beschäftigten in der Branche – das ist das Wichtigste. MecklenburgVorpommern ist auf jeden Fall 365 Tage im Jahr eine Reise wert. Deshalb bin ich zuversichtlich, was die weitere Entwicklung des Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern angeht. Welche Tipps haben Sie für unsere Leserinnen und Leser, die noch unentschlossen sind, ob und vor allem wo in MV sie mal Urlaub machen sollten? Für mich ist Mecklenburg-Vorpommern das schönste Bundesland. Die Luft ist klar, der Erholungswert groß, die Natur wunderbar. Ich mag besonders die Insel Hiddensee und kehre immer wieder gern dorthin zurück. Entschleunigung und Entspannung finde ich hier ge-


Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, freut sich auf die offizielle Feier zum Tag der Deutschen Einheit, die 2024 in Schwerin stattfinden wird.

meinsam mit der Familie. Neben der Ostseeküste hat auch das Binnenland viel zu bieten. Eine unverwechselbare Natur, ländliche Urlaubsangebote, Nationalparke, Naturparke und regionale Köstlichkeiten sorgen hier für ein ganz besonderes Urlaubsfeeling. Nachhaltigkeit, Urlaub auf dem Bauernhof, Wellness und Digital Detox sind wichtige Trends gerade auch für den ländlichen Raum. Die zentralen Feiern zum Tag der Deutschen Einheit finden 2024 in der Landeshauptstadt Schwerin statt. Was können Sie als Gastgeberin uns dazu schon verraten? Unsere schöne Landeshauptstadt wird vom 2. bis zum 4. Oktober Gastgeberin für Bürgerinnen und Bürger aus allen Teilen des Landes sein. Es wird der Höhepunkt unserer Bundesratspräsidentschaft. Neben dem Festakt planen wir ein unterhaltsames und informatives Programm: eine Meile aller Bundesländer am schönen Schweriner Schloss. Eine große Bühne auf dem Alten Garten mit Konzerten, eine spektakuläre Lichtinszenierung des Schlosses, Orte der Begegnungen und der Erinnerung an die Friedliche Revolution 1989. Unter welchem Motto stehen die Tage in Schwerin, was sind Ihre Themen? „Vereint Segel setzen“, so lautet das Motto unserer Präsidentschaft und auch das Motto des Bürgerfestes in Schwerin. Wir wollen vereint feiern, uns erinnern an das Glück der Einheit. Ebenso wollen wir Raum für Austausch schaffen. Denn wir leben in einer Zeit großer Herausforderungen. Bei uns im Norden sagt man: Egal woher der Wind weht, man muss die Segel richtig setzen. Lassen Sie uns also vereint Segel setzen.

„Bei uns im Norden sagt man: Egal, woher der Wind weht, man muss die Segel richtig setzen. Lassen Sie uns also vereint Segel setzen.“ Manuela Schwesig

In diesem Jahr kommt man an Caspar David Friedrich in MV nicht vorbei. Welches seiner Gemälde gefällt Ihnen gut? Ich mag den Kreidefelsen besonders. Warum ist der Maler nach 250 Jahren immer noch so bedeutend, weit über die Landesgrenzen hinaus? Caspar David Friedrich ist der herausragende Maler der Romantik. Und so sind seine Werke heute noch beliebt. Vor ein paar Wochen hat es eine große Ausstellung mit seinen Arbeiten in der Hamburger Kunsthalle gegeben mit rund 60 Gemälden. Das Pommersche Landesmuseum in Greifswald zeigt gleich mehrere Sonderausstellungen mit Werken von Caspar David Friedrich.

Rostock bekommt ein neues Volkstheater, Sie waren beim Spatenstich dabei. Was bedeutet das langersehnte Projekt für die Region? Das neue Volkstheater wird Strahlkraft in die ganze Region entfalten und ich bin mir sehr sicher weit darüber hinaus. Es wird zu einem Publikumsmagneten für Besucherinnen und Besucher aus nah und fern werden. Freuen wir uns darauf! Inwiefern halten Sie Investitionen in die Kultur – vielleicht auch vor dem Hintergrund aktueller politischer Herausforderungen – für wichtig? Wir brauchen Kunst und Kultur, nicht nur an Feiertagen, sondern auch im Alltag. Sie bringen uns Freude, fordern uns zum Nachdenken heraus und ja natürlich unterhalten sie uns auf ihre ganz eigene Weise. Deswegen investiert die Landesregierung natürlich in Kunst und Kultur. Und: Auf welche kulturellen Höhepunkte im Kalenderjahr freuen Sie sich persönlich besonders? Ein Höhepunkt liegt schon hinter uns. Das war die Einweihung der neuen Kirchenfenster von Ólafur Elíasson im Greifswalder Dom. Sie tauchen den Dom in ein besonderes Licht. Das sollte man gesehen haben. Ebenso wie die ersten beiden Uecker-Fenster im Schweriner Dom. Ein voller Erfolg war auch der Museumstag in Stavenhagen. Ich freue mich schon sehr auf die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern, besonders auf das Kinderfest in Hasenwinkel. Und natürlich spielt das Caspar David Friedrich-Jubiläum mit zahlreichen Veranstaltungen und Ausstellungen eine große Rolle. Das ist ohne Zweifel ein großer kultureller Höhepunkt in diesem Jahr. 33


Foto: mije shots / stock.adobe.com

„Versailles des Nordens“

W O D I E A LT E N S C H W E R I N E R H E R Z Ö G E F R Ü H E R I H R E R J A G D L E I D E N S C H A F T F R Ö N E N K O N N T E N , E R F R E U T D A S B A R O C K E S TÄ D T C H E N L U D W I G S L U S T G Ä S T E A U S A L L E R W E LT. Die Müllerstochter konnte Gold aus Stroh spinnen – das ist keine große Nummer, fand man dereinst in Ludwigslust und verwandelte Pappmaschee in pures Gold. Und das kann man im Barockschloss der mecklenburgischen Kleinstadt bewundern: Im Mitteltrakt des Schlosses erstreckt sich der Goldene Saal über zwei Stockwerke. Große Fenster, Spiegel und Kristalllüster lassen den Festsaal in höfischem Glanz erstrahlen. Die vergoldeten Dekorationen, die Wände, Decken und Türen verzieren all das. Es sind Produkte der herzoglichen Carton-Fabrik zu Ludwigslust. Dort fertigte man auf das Kunstvollste

aus Pappmaschee die Dekorationen, die mit einem Hauch von Blattgold geadelt wurden ... Ludwigslust trägt die Beinamen „Lindenstadt“ und „Versailles des Nordens“ und wurde 1997 mit dem Titel „Umweltfreundliche Kommune“ geehrt. Der Ursprung der Barockstadt liegt 500 Jahre zurück in einem Gut mit dem Namen Klenow. In der wald- und wiesenreichen Gegend rund um Klenow konnten die Schweriner Herzöge ihrer Jagdleidenschaft wunderbar frönen. Deshalb ließ Christian Ludwig II. hier von 1731 bis 1734 ein Jagdschloss bauen, 1754 erhielt das Örtchen den klangvollen Namen „Ludwigslust“.

Das barocke Residenzschloss wurde zwischen 1772 und 1776 errichtet, und bei der Bauplanung nichts dem Zufall überlassen. Die Straßen sollten etwa strahlenförmig auf das Schloss zulaufen. Der geometrisch angelegte Schlosspark wurde noch mit Wasserspielen und Brücken aufgelockert. Schweizerhaus, Mausoleum, Kirche und Denkmäler machen die Anlage, die 2016 Platz 2 des Europäischen Garten erhielt, so abwechslungsreich. Der historische Stadtkern von Ludwigslust steht unter Denkmalschutz, wurde in großen Teilen restauriert – und macht „Lulu“ rundum schön.

Schloss Bothmer und die Downing Street WIE SICH DER BRITISCHE PREMIERMINISTER AN DER OSTSEEKÜSTE B E I B O LT E N H A G E N E I N S T E I N D E N K M A L S E T Z T E .

34

Caspar von Bothmer. Auf dem Gipfel seiner Karriere angelangt, lebte der Mecklenburger in London – in der legendären Adresse „10 Downing Street.“ Von dort aus ließ er sich ab 1726 die prächtige Anlage im Klützer Winkel errichten und brachte damit ein Stück England nach Mecklenburg. Beim Besuch der Ausstellung können die Gäste die historischen Räume entdecken. Es ist auch zu erfahren, wie faszinierend und

Foto: Ines Patro

Wer vom Ostseestrand in Boltenhagen mal eben eine Reise in die Londoner Downing Street unternehmen möchte, muss dafür nur wenige Kilometer landeinwärts ins Städtchen Klütz fahren. Dort steht in einer idyllischen Parkanlage Schloss Bothmer. Zu dem beliebten Ausflugsziel führt eine Pracht-Allee: Die Festonallee zählt ebenfalls zu den Sehenswürdigkeiten des Landes. Diesen 270 Meter langen Hohlweg lohnt es zu beschreiten. Geht man auf die Schlossanlage zu, geben die Linden zunächst nur den Blick auf die Mittelachse des Haupthauses frei. Mit jedem Schritt erweitert sich das Sichtfeld. Schließlich im Ehrenhof angelangt, kann die komplette Gebäudepracht bewundert werden. „Es ist ein Paradebeispiel barocker Inszenierung, das seine Wirkung nach 300 Jahren immer noch voll entfaltet“, wird dem Schlossbesucher von der Kurverwaltung ausdrücklich empfohlen. Das Schloss verdankt seine Existenz dem abenteuerlichen Lebensweg eines Mannes: Graf Hans

klug Graf Bothmer war. Er war der erste Premierminister, der in der „10 Downing Street“ lebte, die damals übrigens „Bothmar House“ genannt wurde. Das alles bewirkte, dass sein Schloss in Mecklenburg ein echtes englisches Country House wurde. Bis 1945 lebten hier die Grafen von Bothmer. Erst 2015 wurde es mit aufwendigen Wiederherstellungsmaßnahmen zum Museum gewandelt.


Westmecklenburg

Foto: holger.l.berlin / stock.adobe.com

Der letzte Zeuge der Eldenburg

Foto: Stadtinformation

E I N E W E N D E LT R E P P E F Ü H R T H I N A U F A U F D E N A M T S T U R M L Ü B Z , I N D E M H I S T O R I S C H E S C H ÄT Z E G E H Ü T E T W E R D E N .

Romantische Stadtansicht – in Lübz scheint die Zeit stehengeblieben zu sein.

Romantisch ist das sicher wichtigste Attribut, mit dem man das malerisch an der Elde gelegene Lübz beschreiben kann. Die Kleinstadt mit der regional bekannten Bierbrauerei liegt an der Müritz-Elde-Wasserstraße. Lübz kann auf eine mehr als 700-jährige Geschichte zurückblicken. Der Name ist slawischen Ursprungs und änderte sich im Laufe der Zeit von „Lubyze“ über „Lubisse“ bis zum heutigen Lübz.

Die erste urkundliche Erwähnung findet sich im Jahr 1308 mit dem Bau der Eldenburg. Die Stadtrechte erhielt Lübz wohl um 1456. Die Geschlossenheit und ihr gut erhaltener historischer Grundriss machen den Charme und die Besonderheit der Lübzer Altstadt aus. Im Amtsturm befindet sich das Museum, die Stadt nennt weitere technische Denkmäler und ein Planetarium ihr eigen. Das Stadtmuseum besteht aus den vier Ebenen des Amtsturmes sowie aus vier weiteren Räumen im historischen Amtshaus. Nachdem die Besucher die engen Gänge des Amtsturms erklommen haben, können sie das Uhrwerk von 1856 bewundern. Auf dem Weg dorthin gibt es viele interessante Einzelstücke zu bestaunen, auch zur Geschichte der 1877 gegründeten Lübzer Brauerei, die in der oberen Etage dokumentiert ist. Der im Zentrum des Ortes stehende Amtsturm ist einer der am besten erhaltenen Wehrtürme in Deutschland. Der Turm, einziger „Rest“ der Lübzer Eldenburg, ist spätromanisch und gleichzeitig mit der Burg durch die Markgrafen Otto und Hermann von Brandenburg erbaut worden. Die zum Schloss umgebaute Burg war von 1547

Der Amtsturm ist das Wahrzeichen von Lübz.

bis 1634 herzoglicher Witwensitz. Die letzte Regentin im Schloss war Herzogin Sophie (1569 -1634). Nach ihrem Tode zerfiel das Schloss und wurde von 1691 bis 1706 zum größten Teil abgerissen. Seit 1976 ist der letzte Turm dieser Burg Stadtmuseum. Die schmale Wendeltreppe und das Originaluhrwerk von 1856 machen den Museumsbesuch zu einem besonderen Erlebnis.

Herzlich Willkommen auf der Segelyacht Skythia

Die Skythia ist ein Nachbau der legendären Segelyacht „AMERICA“ die bei einer Wettfahrt 1851 um die Insel Isle of Wight als Sieger hervorging.

Laden Sie Ihre Geschäftspartner – Familie – Freunde zu einem entspannten Segeltörn auf einer privaten exklusiven Segelyacht ein und gleiten Sie über die Ostsee. Genießen Sie mit ihren Gästen einen unvergesslichen maritimen Tag auf der „Skythia“ – EIN SEGELERLEBNIS DER BESONDEREN ART.

Segelyacht Skythia Länge über alles 36 m Breite 5,70 m Tiefe 2,70 m Segelfläche 380 qm

Der Charterpreis beträgt 2600,00 EUR pro Törn für bis zu max. 12 Gäste und beinhaltet folgende Leistungen: Empfang an Bord mit Erfrischungsgetränken, Sicherheitseinweisung; nach Ablegen der Yacht reichen wir Fingerfood und ein Glas Prosecco; während des Törns stehen alkoholfreie Getränke (Kaffee, Tee, Fanta, Cola, Mineralwasser, Apfelschorle, akoholfreies Bier) kostenfrei zur Verfügung. Alkoholische Getränke gegen einen Aufpreis erhältlich. Während des Törns servieren wir Ihnen einen regionalen, schmackhaften „Mecklenburger Eintopf“ sowie eine köstliche – Dessert – Variation.

4 Einzelkojen in einer Kabine mit Dusche/WC 2 Doppelkojen in einer Kabine mit Dusche/WC

Bei Fragen oder Buchungen wenden Sie sich bitte telefonisch an das Management „Segelyacht Skythia“ 00491722900672. Skythia-noi2.indd 1

03.05.2024 09:44:57

35


s at

ka

nz

M lei

V

Fo

to :S

ta

Westmecklenburg

von Peter Kranz, Leiter des Landesmarketings MV Mecklenburg-Vorpommern ist „das Land zum Leben“ – warum ist es auch das Land zum Urlauben? Spannende Frage, denn wir im Landesmarketing MV arbeiten mit unseren Partnern ja daran, dass die Qualität unseres Landes für Arbeit, Studium und Forschung, für das Gründen, das Investieren und natürlich das Genießen noch viel mehr wahrgenommen wird. Wir wissen, dass, wer einmal hier war – zum Urlauben oder als Geschäftsreisende – immer wieder zu uns kommen oder auch bleiben möchte. Der Reiz ist die Offenheit des Landes selbst, sein Charakter zwischen Meer und Seen, seine Möglichkeiten, sich hier einzubringen und zu verwirklichen. Das macht es zum Land zum Leben. Was hat die Ostsee, was die Nordsee nicht bieten kann? Die Ostsee ist wie ein guter Freund (oder eine gute Freundin): Sie ist immer da. Mit welcher kulinarischen Spezialität verbinden Sie die Region? Ich liebe den Frühlingsspargel aus MV ebenso, wie die fruchtigen Sommer-Erdbeeren. Und im Winter muss es Mecklenburger Ente sein… Wer ist die berühmteste Persönlichkeit, die wir hier haben? Marteria ist schon sehr berühmt, ebenso Felix Jaehn natürlich – da ihre Musik viele Menschen erreicht, berührt und Ansätze zur Auseinandersetzung bietet. Welche Sehenswürdigkeiten sollten sich „Erstbesucher” anschauen? Unser Land hat so viele Sehenswürdigkeiten, darum nur als Beispiele – aber sehr verbindlich: Das Schweriner Schloss und die Kreideküste mit dem „Königsstuhl“ auf der Insel Rügen. An welchen Flecken zieht es Sie, wenn Sie mal eine Auszeit benötigen? Ans Wasser. Meist ans Meer. Wohl auch, weil ich ein Strandkind bin – aufgewachsen im Ostseebad Boltenhagen.

36

Der schwebende Engel von Güstrow Die einstige Residenzstadt der Mecklenburgischen Herzöge explodiert geradezu vor Sehenswürdigkeiten. Weltberühmt ist „Der Schwebende“ im Dom. Italienisch-französisches Flair mit einer markanten nordischen Note versprüht Schloss Güstrow, jener Renaissance-Palast, der von Herzog Ulrich zu Mecklenburg Mitte des 16. Jahrhunderts errichtet wurde. Noch original erhalten sind wilde Jagdszenen im Rotwildfries, die im Festsaal des Schlosses zu bewundern sind. Die herrliche Gartenanlage wurde in den 2000erJahren von den Staatlichen Schlössern und Gärten Mecklenburgs in schönster Opulenz wieder hergestellt. Die Güstrower Altstadt beeindruckt mit Fachwerk und Backsteingotik, mit imposanten Bürgerhäusern und dem klassizistischen Rathaus. Auch das Stadtmuseum, die Krippenausstellung in der Heilig-Geist-Kirche, Galerien, versteckte Cafés und malerische Hinterhöfe machen den Besuch zu einem besonderen Kulturgenuss. Im Wildpark kann man dem Wolf ins Auge blicken oder im spektakulären AquaTunnel wandeln ... Güstrow ist auch die bekannte Barlachstadt. Darum gehören das Ernst-Barlach-Museum und die Gertrudenkapelle zu den Perlen der Stadt.

Weltweit berühmt ist „Der Schwebende“ im Dom. Die gotische Gertrudenkapelle wurde 1953 als erstes Barlach-Museum in Güstrow eröffnet. Die Kapelle beherbergt etwa 30 Plastiken und Reliefs von Ernst Barlach, die allesamt in seiner Güstrower Zeit entstanden sind. Die Kapelle ist ein spätgotischer Backsteinbau aus dem 15. Jahrhundert. Den „Schwebenden“ schuf Barlach als Ehrenmal für die Opfer des Ersten Weltkrieges 1927 für den Güstrower Dom. Die Augen des „Schwebenden“ sind geschlossen, das Gesicht trägt die Züge der Käthe Kollwitz, mit der Barlach befreundet war. Am 23. August 1937 wurde „Der Schwebende“ als „entartete Kunst“ aus dem Dom entfernt und später eingeschmolzen. Freunde Barlachs haben 1939 mit großem Einsatz einen Zweitguss herstellen lassen, der in der Lüneburger Heide versteckt werden konnte. Dieser „Schwebenden“ fand seinen Platz in der Antoniterkirche in Köln, von ihm konnte eine neue Gussform hergestellt werden, die den Güstrower „Schwebenden“ möglich machte. Seit dem 8. März 1953 schwebt der Engel wieder im Dom.

Foto: pixs:sell / stock.adobe.com

Tipps

Foto: Hartmut Nieswandt

Meckpomm

Mecklenburg-Vorpommern hat an die 1000 Schlösser und Herrenhäuser, ein Schatz nach dem anderen. Manche kommen gezielt nach Güstrow zu diesem Traumschloss.


Ein Tag auf der Schatzinsel Dem Inselflair auf der Spur, rücken allsommerlich in touristischem Gewand gekleidete Schatzsucher an, um die „Naturperle im Norden Deutschlands“ zu erkunden. Auf dem Weg zu neuen Abenteuern hält die Insel abseits der Pfade Überraschendes bereit. Vor allem aber: Eine großartige Legende, tollkühne Piraten und eine einzigartige Liebe.

Fotos: Störtebeker Festspiele

Rügen: sagenumwoben, sturmerprobt, geheimnisvoll. Hier wurde mancher Schatz gehoben. Jüngst erst ging die Kunde vom spektakulären Silber-Fund bei LanckenGranitz um. Rund 6000 Münzen aus dem 11. Jahrhundert, im Acker verborgen. Für mindestens ebenso große Aufregung sorgte Jahre zuvor die Nachricht, dass ein 13-Jähriger nahe Schaprode Münzen, Halsreife, Perlen aus der Zeit des Dänenkönigs Harald Blauzahn aufgespürt hatte. Will man alten Legenden Glauben schenken, sind beileibe nicht alle Schätze geborgen. Namentlich Ralswiek, einer der ältesten Orte auf der Insel, ist reich an archäologischen Funden. Schon bei der Anreise über den Rügendamm schwappt mit einer kräftigen Bodden-Brise die leise Ahnung davon herüber, was die-

Klaus Störtebeker alias Moritz Anton Stephan: Schon als Kind leistete der gebürtige Sachse im geschichtsträchtigen Theatersand am Großen Jasmunder Bodden einen Schwur, der sich viele Jahre später erfüllen sollte.

ses Eiland zu bieten hat. So rücken alljährlich mehr denn je Sommerfrischler aus nah und ferner an, um dem Inselgeheimnis auf die Spur zu kommen. Längst hat sich unter diese Schar ein prominenter Schatzsucher gemischt. Man sagt über ihn, er habe „Hände wie Eisen und die Kraft von sieben Männern. Aus seinen Augen sprüht Feuer und wenn er zupackt, hast du dein Leben verwirkt. Selbst wenn sich kein Wölkchen am Himmel bewegt, bläst er einfach in die Segel und fliegt dahin“. Sein Name: Klaus Störtebeker. Zur Freude seiner riesigen Anhängerschar reitet der Piratenhauptmann wieder über Deutschlands größte Insel, um im Namen der Gerechtigkeit fette Beute zu machen.


Foto: Bauszus

Ostseeinsel

Ein verstecktes Fleckchen, verträumt wie ein Märchengarten: das Blumencafé „Sök di wat ut“ in Wiek. Sommerbunt und verwunschen, wild und romantisch.

Foto: privat

In der Putbuser Schauwerkstatt „Ein Tag am Meer“ finden sich viele kleine Kunstwerke, gefertigt aus StrandgutSchätzen, die das Meer manchmal nach Stürmen freigibt.

Doch bevor es soweit ist, und Störtebeker mit seinen kampferprobten Mannen zu neuen Abenteuern aufbricht, warten auf dem Weg zum allabendlichen Festspiel-Spektakel nicht minder erlebnisreiche Inselgeschichten. Denn dies ist der eigentliche Schatz der Piraten-Insel: die unzähligen Begebenheiten links und rechts des Weges. Wer sich darauf einlässt, wird reich belohnt.

Foto: Christina Czybik

Ein schöner Tag am Meer So lautet denn das Credo für Neuankömmlinge wie Insel-Getreue gleichermaßen: Tief durchatmen, der Insel mit allen Sinnen nachspüren und hier oder da einfach mal „rinkieken“. Wo ginge das besser, als in einer der zahlreich verstreuten Café-Oasen. Manche zeigen sich unübersehbar, andere wollen erst entdeckt werden. Wie etwa das „Moccavino“ auf der Halbinsel Mönchgut, der „Zuckerkuss“ auf Rügens Schwesterinsel Ummanz oder das Blumencafé „Sök di wat ut“ in Wiek. Hier hat das Mutter-Tochter-Paar Doris Faralisch und Christin Kieck einer ehemaligen Gärtnerei liebevoll Kaffee- und Blumendüfte eingehaucht. Ein Kleinod inmitten von Flora und Fauna. Die Pflanzen vermischen sich, säen sich selber aus im üppig blühenden Naturgarten. Manchmal hoppeln Häschen zwischen den Gästen auf der Wiese umher und zaubern den Weitergereisten ein Lächeln ins Gesicht. Ein wenig wie Alice im Wunderland fühlt sich, wer hier Blüten auf den Kuchen gestreut bekommt. Weil alles, was im verwunschenen Garten reift, in kulinarische Genüsse verwandelt wird. Derart gestärkt, können allerorten auf der Insel Erinnerungsschätze aus Souvenir- und Kunsthandwerker-Lädchen gehoben werden. So verspricht etwa eine Schauwerkstatt inmitten der Putbuser Rosenstadt „Einen Tag am Meer“. Das Kreativteam um Inhaber Benjamin Treu fertigt kleine Kunstwerke aus Treibhölzern, Feuersteinen, Mu-

Skurrile Entdeckungen warten am Wegesrand.

Die Buchhändlerin Petra Dittrich in ihrem Gingster Buchlädchen zwischen Bodden und Brandung.

scheln und Strandgut, wie alten Fischernetzen oder geschliffenem Glas. Fundstücke, die sie bei Spaziergängen am Strand gesammelt haben. „Allesamt mit Liebe zum Meer geschaffene Unikate und ein echtes Stück Rügen zum Mit-nach-Hause-nehmen“, so der Inselbewohner. Einiges an Überraschungen hält auch das hübsche Gingst bereit. Allen voran „Der Buchladen“ von Petra Dittrich. Ebenda sollte einkehren, wer Lektüre für den nächsten Strandtag sucht. Hier finden sich literarische Schätze hochkarätiger Autoren, die ab und an aus ihren Werken lesen. Lutz Seiler kommt regelmäßig. Auch Christine Westermann oder Frido Mann, ein Enkel von Thomas Mann, waren bereits da. Manches ist hier anders als anderswo. Sogar eine ungestörte Schmöker-Nacht im Buchladen ist möglich. Drei Türme für die Seefahrt Freunden des guten alten Drahtesels sei eine Tour vom „Bakenberg“ entlang der Küstenkante

empfohlen, vorbei an Wiesen und Sanddornbüschen bis zum Kap Arkona. Dort angekommen können gleich drei Türme auf einen Streich entdeckt werden; die Seezeichen ermöglichen einen einzigartigen Rundumblick über Rügen, das Meer, bis nach Hiddensee. Wer stilecht über den Seeweg zu den Störtebeker Festspielen anreisen möchte, entert das Schiff am Hafen Breege, um nach Ralswiek zu kommen. Das zauberhafte Fischerdörfchen hält so ziemlich alles für jene bereit, die vor dem großen Piraten-Abenteuer noch etwas Ablenkung suchen. Hier lässt es sich entspannt am Bodden sitzen, zum Schloss schlendern oder frischen Räucherfisch auf einem ehemaligen DDR-Kutter futtern. Ungeduldige sollten die allabendliche Flugvorführung mit den „Königen der Lüfte“ nicht verpassen. Eine Show, die auch Bürgermeister Herbert Knüppel immer wieder begeistert. Als Störtebeker-Fan der ersten Stunde hat er seit 1993 noch keine einzige Premiere des Seeräuber39


en st

jh o Ni

f

Fo

to :K ir

Ostseeinsel

Meckpomm Tipps

von Wolfgang Lippert Sänger, Moderator und Entertainer Mecklenburg-Vorpommern ist „das Land zum Leben“ – warum ist es auch das Land zum Urlauben? Da wäre zuerst die gute Luft, das Meer, die schöne Landschaft mit ihren großen Feldern, und natürlich die Menschen mit dem typischen norddeutschen Charme (den man sich erobern muss).

Fotos: Störtebeker Festspiele

Was hat die Ostsee, was die Nordsee nicht bieten kann? Bei der Ostsee ist das Meer immer da. Mit welcher kulinarischen Spezialität verbinden Sie die Region? Fisch oder Räucherfisch in allen Varianten. Wer ist die berühmteste Persönlichkeit, die wir hier haben? Caspar David Friedrich, weil er die Schönheit unserer Regionen in alle Welt getragen hat. Und ein Mann, geboren in Anklam, der einen der wichtigsten Sätze für ein ganzes Land zitiert hat: „Sofort und unverzüglich“, Günter Schabowski. Und natürlich die Legende Klaus Störtebeker, ist doch klar. Welche Sehenswürdigkeiten sollten sich „Erstbesucher” anschauen? Sie sollten sich eine Rundreise gönnen und danach die Störtebeker Festspiele besuchen. Welchen Geheimtipp haben Sie für „Wiederholungstäter“? Die „Gorch Fock“, die jetzt in neuem Glanz erscheint. An welchen Flecken zieht es Sie, wenn Sie mal eine Auszeit benötigen? An eher einsamere nach unserem Rügener Zuhause. Und dann die schönen ruhigen Ecken, zum Beispiel Groß Zicker auf Rügen oder der Nordstrand auf dem Darß.

40

Spektakels verpasst. „Vor allem im ersten Jahr sind wir fast jeden Abend in die Vorstellung gegangen, immer wieder, das ganze Dorf. Störtebeker hat sich sofort in die Herzen der Menschen gespielt.“ Dennoch sei damals eine derartige Erfolgsgeschichte keinesfalls absehbar gewesen, betont er. Ein neues Abenteuer ruft Was die Insulaner nicht zu hoffen wagten, ist längst Realität. Seit Ruth und Peter Hick vor über drei Jahrzehnten die Störtebeker Festspiele der Neuzeit einläuteten und zu Deutschlands erfolgreichstem Freilicht-Theater machten, strömten 8,5 Millionen Zuschauer nach Ralswiek, um den legendären Piratenhauptmann unter freiem Himmel kämpfen, reiten, lieben zu sehen. Anna-Theresa Hick war noch ein Kind, als ihr Vater die Festspiele auf Rügen neu belebte. „Ungeheuer aufregend“ habe sie diese Zeit des Auf-

bruchs erlebt, blickt die 41-Jährige zurück. Gern erinnert sie sich an ihren Auftritt im ersten Teil der Saga „Wie einer Pirat wird“. Da war sie gerade mal neun. Das Theater wurde ihre große Liebe. Heute ist sie als Geschäftsführerin des Störtebeker-Familienunternehmens mittendrin. Einzigartige Momente werde es natürlich auch in der 30. Spielsaison geben: Spannung, Humor, Action und „Fred Feuersteins“ Spezialeffekte. In Störtebekers Gefolge finden sich neue wie altbekannte Gesichter. Allen voran Piratenhauptmann Moritz Stephan, der im geschichtsträchtigen Theatersand am Großen Jasmunder Bodden heranwuchs. Auf ihn wartet eine Herausforderung, denn „eine Prophezeiung umweht die Bühnenluft ...“, macht Theater-Chefin Anna-Theresa Hick neugierig. Moritz Stephan bleibt gelassen: Er sei voller Vorfreude auf dieses Wagnis, das er spielerisch reizvoll finde. „Abenteuer pur“ für den Likedeeler, zumal Haudegen


Ostseeinsel

gende, ein dramatisches Finale warten auf die Vitalienbrüder. Ungebrochen scheint die Lust auf einen Hauch Seefahrer-Romantik: Wenn der legendäre Piratenhauptmann „aus dem Nebel der Geschichte auftaucht“ und „Albatros“ über die Meere fliegt, schwelgt die Schatzinsel wieder im Festspielfieber. „Aber nur für einen Wimpernschlag der Geschichte …“ Gerlinde Bauszus

8,5 Millionen Zuschauer strömten seit 1993 nach Ralswiek, um den legendären Piratenhauptmann unter freiem Himmel kämpfen, reiten, lieben zu sehen.

Goedeke Michels alias Alexander Hanfland wieder getreu an seiner Seite kämpft. „Urgestein“ Norbert Braun, „Seewolf der Meere“ von 1993 bis 2001, wird in seinem 25. Festspielsommer gleich in zweierlei Gestalt zu sehen sein. Zur Freude seiner Fangemeinde, die ihm ungebrochen durch alle Rollen dieser großartigen Saga folgt. „Hauptsache, er spielt wieder mit“, so der Tenor seiner Anhängerschaft.

Nicht fehlen darf auch Entertainer Wolfgang Lippert, der einmal mehr als Balladensänger Abelin die Herzen des Publikums erobert. Die musikalische Vorlage dafür liefert in altbewährter Weise Komponist Rainer Oleak, der seit über zwei Jahrzehnten die Songs für das MittelalterSpektakel arrangiert. Die Segel sind gesetzt. Störtebekers Koggen nehmen Kurs auf Rügen. Eine großartige Le-

Gespielt wird „Hamburg 1401“ bis zum 31. August 2024, immer Montag bis Samstag, jeweils ab 20 Uhr auf der Naturbühne Ralswiek. Tickethotline 03838 31100. Blumencafé Rügen „Sök di wat ut“ Gerhart-Hauptmann Straße 6 in Wiek www.blumencafe-ruegen.de Der Buchladen Rügen Markt 6 in Gingst www.der-buchladen-ruegen.de Leuchtturm & Museum Kap Arkona Am Parkplatz 1 in Putgarten www.kap-arkona.de

www.prora-binz.de info@prora-binz.de +49 (0)170 / 6833395

Der schönste Strand auf Rügen - die PRORER WIEK - endlose 6 km Sandstrand unweit vom Seebad Binz lädt ein, unvergessliche Ferien in einem der luxeriösen Appartements zu verbringen oder auch dauerhaft dort Ihr Domizil zu wählen. Sie können in Ruhe Ihr Appartement aussuchen und buchen. Gern sind wir Ihnen bei Ihrer Auswahl behilflich und stehen Ihnen bei Fragen zur Verfügung.

41


Foto: AnnaReinert / stock.adobe.com

Ostseeinsel

Rügens kleine Schwester:

Foto: refresh(PIX) / stock.adobe.com

Die Insel Hiddensee „Hoch stand der Sanddorn am Strand von Hiddensee“ – schmetterte Nina Hagen vor 50 Jahren einen sommerlichen Schlager, damals wohl noch nicht ahnend, dass ihr Lied über das „söte Länneken“ (das süße Ländchen) zu einer Hymne wird. „Du hast den Farbfilm vergessen“ zählt bis heute zu den schönsten deutschen Songs. Vielleicht, weil es Nina Hagen in ihrem ersten großen Hit gelingt, uns für drei Minuten auf die Insel Hiddensee zu trällern und dabei dieses stimmungsvolle, leicht melancholische Glücksgefühl auszulösen, das viele so sehr mit der Ostsee verbinden.

ENTDECKUNGSREISE AN DER OSTSEE Begeben Sie sich mit dem Angebot Strandidyll Spezial auf eine kulinarische Tour der Sinne und genießen Sie Dank des inbegriffenen Guthabens i.H.v. 200,00 € pro Zimmer vielfältige Kreationen des Küchenteams.

JETZT BUCHEN Travel Charme Strandidyll Heringsdorf Delbrückstraßen10 | 17424 Seebad Heringsdorf +49 38378 / 476-0 strandidyll@travelcharme.com

42

Nina Hagen verließ 1977 die DDR, ihr „Farbfilm“ blieb. Damals wie heute war und ist Hiddensee die Trauminsel vieler Menschen. Zu DDR-Zeiten waren freie Urlaubsplätze auf der wunderschönen aber winzigen Insel im Westen von Rügen wie ein kleiner Lottogewinn. Heute ist es einfacher, dort ein Doppelzimmer zu buchen, auch wenn seither keine einzige Bettenburg auf dem knapp 20 Quadratkilometer großen Eiland hochgezogen wurde ... Wer von Schaprode auf der Insel Rügen zur autofreien Insel Hiddensee übersetzt, dem bietet sich ein traumhafter Blick auf ein Eiland, das vom Dornbusch im Norden, über Kloster und Vitte bis zum Gellen im Süden reicht. Naturliebhaber finden hier eine sehr vielfältige Tier- und Pflanzenwelt, reiz-


Die „Blaue Schenue“ ist ein Treffpunkt für Kunstinteressierte.

einen tollen Blick über die Insel und die Ostsee drumherum. Nach einer umfassenden Sanierung im Vorjahr ist die Sehenswürdigkeit seit dieser Saison wieder für Besucher geöffnet. Auf der autofreien Insel fühlt man sich wie in einer anderen Zeit. Grieben als ältester Ort hat seinen dörflichen Charakter bewahrt. An einer zwei Kilometer langen Bucht im Nordosten gelegen, geht der Blick vom Bodden hinüber auf die andere Seite zum Leuchtturm Grieben. Der Ort Kloster vereint in sich Seebad, Künstlerkolonie, Bauerndorf und Feriendomizil. Auf dem Inselfriedhof befindet sich das Grab des 1946 verstorbenen Literatur-Nobelpreisträgers Gerhart Hauptmann. In und um Kloster gibt es neben den Kulturschätzen auch schöne Naturpfade zu entdecken. Kleine Galerien und Ausstellungen runden das Profil ab.

2

Vitte ist der größte Ort auf Hiddensee und damit die „heimliche Hauptstadt“ der gut 1000 „Insulaner“. Hier befinden sich Schule, Arztpraxis, Polizeistation, Insel-Information, Nationalparkhaus und das Asta-Nielsen-Haus. Weitere Sehenswürdigkeiten sind die Homunkulus-Figurensammlung und das maritime Kammertheater „Seebühne Hiddensee“, welches in der laufenden Spielzeit das Stück „Caspar David Friedrich – Stimmen aus dem Nebelmeer” aufführt. Der um 1700 entstandene Ort Neuendorf steckt noch voller Fischereigeschichte. Am Ortseingang befindet sich der Reusenschuppen „Groot Partie“, der von Neuendorfer Fischern zum Fischereimusem umgestaltet wurde. Die einzige befestigte Straße führt zum Hafen, wo man Fischern bei der Arbeit zusehen kann. Hartmut Nieswandt

JAHR

E

Der Hafen von Neuendorf

Foto: drsg98 / stock.adobe.com

Foto: Rico Ködder / stock.adobe.com

volle Küsten, Wälder, Heide- und Wiesenlandschaften, Moore und einen der bedeutendsten Kranichrastplätze Deutschlands. Rügens kleine Schwester bietet nicht nur einzigartige Natur. Hier erwartet die Gäste eine ansteckende entschleunigende Ruhe. Man kann die Insel zu Fuß, mit dem Rad oder in einer Pferdekutsche entdecken: malerische Häuser, den imposanten Leuchtturm am Dornbusch, das Leuchtfeuer Gellen in Neuendorf, den langen, feinsandigen Strand und eine Vielzahl kultureller Magnete wie das Nationalparkhaus oder die „Blaue Scheune“. Hiddensee ist auch die Insel der Künstler. Seit jeher scheint das „söte Länneken“ eine magische Anziehungskraft auf Kreative auszuüben. Zu den bekanntesten Dichtern gehörte Gerhart Hauptmann, dessen einstiges Wohnhaus als Museum einen Einblick in sein Leben bietet. Auch Maler fühlten sich auf Hiddensee willkommen; die „Blaue Scheune“ wurde vor mehr als einem halben Jahrhundert zu deren Treffpunkt. Ebenfalls besuchenswert ist das Haus des weltberühmten dänischen Stummfilmstars Asta Nielsen, das sie „Karusel“ taufte. Das von Bruno Taut erbaute Haus steht unter Denkmalschutz und zeigt eine Ausstellung über die Schauspielerin. Wahrzeichen der Insel Hiddensee ist der Leuchtturm auf dem Dornbusch, der auf einem 72 Meter hohen Moränenzug thront. 1888 wurde der berühmte Leuchtturm in Dienst gestellt. Er ist ein fast 28 Meter hoher runder Ziegelbau und bietet

43


Ostseeinsel

Usedomer Seebrücken

Flaniermeilen ins Meer Die Usedomer Seebrücken haben in 100 Jahren nichts an ihrer Attraktivität verloren. Sie sind die Botschafterinnen der Ostsee und schenken schöne Urlaubserinnerungen.

Foto: Usedom Tourismus GmbH / Dirk Bleyer

Ein Kinofilm machte die Ahlbecker Seebrücke „über Nacht“ zum Star

Einen halben Kilometer lang führt die Heringsdorfer Seebrücke ins Meer. Damit ist sie die längste ihrer Art in Kontinentaleuropa. Neu erbaut in den 1990ern befindet sich am Ende dieser überdachten Flaniermeile ein Restaurant, während am Fuße des Bauwerks eine bunte Ladenpassage auf Kundschaft wartet. Bereits ihre Vorgängerin, die Kaiser-Wilhelm-Brücke, deren Bauzeit ins letzte Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts fällt, beherbergte Restaurants und Geschäfte. Benannt wurde sie nach dem letzten deutschen Kaiser Wilhelm II., der Anfang des 20. Jahrhunderts auch des Öfteren Station in Heringsdorf machte. Ab 1903 konnten Passagierschiffe die Originalbrücke über einen Seitenanleger ansteuern. In den 1950er-Jahren brannte sie ab – und wurde erst nach der Wende erneuert. 44

Foto: Usedom Tourismus GmbH / Dennis Schmelz

Des Kaisers einstige Landungsbrücke

Im östlichsten Kaiserbad Usedoms, Ahlbeck, ragt die älteste und bekannteste Usedomer Seebrücke stoisch in die Ostsee. Ihr markantes Restaurant mit den vier Türmchen, auf einer Plattform über dem Strand gelegen, gehört zu den meistfotografierten Inselmotiven. Hier drehte Vicco von Bülow alias Loriot Anfang der 1990erJahre die schreiend komischen Schlussszenen seiner Kinokomödie „Pappa ante Poras“. Zudem spendete der Großmeister der deutschen Humoristen seinerzeit einen stattlichen Betrag in die Instandhaltung dieses bautechnischen Meisterwerkes. Seither zählt die 1898 errichtete Seebrücke, deren Steg stolze 280 Meter in die Ostsee führt, zu den Wahrzeichen des Landes MecklenburgVorpommern. Auf dem neuen Kaiserbäder Erlebnispfad erinnert eine Stele an die bewegende Brückengeschichte – und lädt zu einem lustigen Fotoshooting mit Loriot ein.


Foto: KaiserbäderTourismusService GmbH / Michael Gielnik

Ostseeinsel

Bansin besticht mit schlichter Schönheit Die Usedomer Seebrücken könnten unterschiedlicher nicht sein. Während ihre Schwestern in den Kaiserbädern zu den stolzen Sehenswürdigkeiten Usedoms gehören, kommt die Flaniermeile im Seebad Bansin ohne Schnickschnack aus. Doch gerade ihre puristische Erscheinung macht diesen Steg für viele UsedomTouristen so reizvoll. Beim Betreten der schmalen Brücke kommt man der Illusion nahe, geradewegs ins offene Meer zu spazieren. Später als in Ahlbeck und Heringsdorf, doch immer noch zu Kaisers Zeiten, wurde ein erster Ostsee-Steg errichtet, der allerdings nach einigen Jahrzehnten Wind und Witterung zum Opfer gefallen war. Erst nach der Wende wurde die Seebrücke 1990 in einer Länge von 300 Metern neu gebaut.

Die neue Koserower Seebrücke schlängelt sich wie eine Welle ins Meer; erst im Sommer 2021 wurde sie eingeweiht. Dem Bernsteinbad ist mit diesem Bauwerk ein Clou gelungen. Denn die Brücke ist anders als ihre vier Schwestern: Frischer, frecher, freizügiger. Verspielt und mit mehreren Ebenen ausgestattet, regt diese Flaniermeile ins Meer die Fantasie der Menschen an. Sieht aus wie ein Meeresungeheuer, meinen die einen. Andere erkennen die Form einer Schlange. Hervorzuheben ist ihre Funktionalität: So gibt es auf den Plattformen der Brücke immer eine Ecke mit Windschutz. Bautechnisch ist sie besser als alle ihre vier Vorgänger, da sie höher und stabiler über den Meereswellen thront. Das i-Tüpfelchen ist der acht Meter hohe Turm mit den Vinetaglocken, deren Klang weit über die Ostsee getragen wird.

Foto: stylefoto24 / stock.adobe.com

Koserow hat die coolste aller Seebrücken

Trockenen Fußes auf den Meeresgrund Foto: Kurverwaltung Ostseebad Zinnowitz

Die Vinetabrücke in Zinnowitz ist benannt nach der sagenumwobenen, an der Ostsee versunkenen Stadt Vineta. Mit einer Länge von 315 Metern lädt das 1993 errichtete Bauwerk alle Flanierlustigen zum Spaziergang über die Meeresfluten ein. An ihrem Brückenkopf legen in der Saison Fahrgastschiffe an und stechen zur lustigen Bootstour in die Ostsee. Ein Highlight am Ende der Zinnowitzer Flaniermeile ist zudem der „Fahrstuhl auf den Meeresgrund“. Dahinter verbirgt sich eine Tauchgondel, in der bis zu 24 Personen Platz finden. Seit 2006 hat sie Hunderte von Abenteuerlustigen zu Reisen auf den Ostseeboden geführt; bis heute hat sich kein einziger Fahrgast dabei nasse Füße geholt!

Im Bademantel an die Ostsee! Unsere Strandwohnungen mit eigener Terrasse und Garten in Blickrichtung zur Ostsee befinden sich in 1. Reihe direkt am Meer. Sie sind in weniger als 1 Minute am beliebten Strand von Zingst.

Moderne Ausstattung trifft Gemütlichkeit. Ihre schönste Zeit im Jahr beginnt hier. Unser Haus liegt in Zentrumsnähe aber dennoch in absolut ruhiger Lage von Zingst, nur ca. 10 Minuten zum Strand oder Bodden, nur 3 Minuten zur beliebten Flaniermeile von Zingst.

45


Foto: Kaiserbäder Tourismus Service GmbH

Seit vorigem Jahr hat Heringsdorf eine neue Attraktion: Das „Circle of Life“ erinnert nicht nur an seinen großen Bruder in London. Es macht auch genauso viel Spaß.

Die Aussicht ist phänomenal! Neben dem Mega-Riesenrad am Heringsdorfer Strand lädt nun auch Peenmünde zu Fahrten durch den Himmel ein. Noch bis zum 20. Oktober gibt es Hochgefühle auf dem Riesenrad „Circle of Live“ im Kaiserbad Heringsdorf zu genießen. Dieser, dem Londoner „Golden Eye“ nachempfundene Gigant, wiegt 200 Tonnen, hat eine Höhe von 50 Metern. In 36 vollklimatisierten, geschlossenen Gondeln haben jeweils sechs Personen Platz.

Von Inhaber Jens Schmidt aus Velten bei Berlin ist zu erfahren, dass das Riesenrad in Tschechien innerhalb von zwei Jahren gebaut wurde. 2021 wurde es ausgeliefert und stand 2022 in Kühlungsborn, bevor es auf die Insel Usedom kam. „Selbstverständlich steht für uns die Sicherheit der Gäste an oberster Stelle. Es ent-

spricht den aktuellen TÜV-Auflagen und ist speziell für Einsätze am Meer gebaut worden“, so Schmidt weiter. Natürlich ist das „Circle of Life“ barrierefrei gebaut worden, Rampen für Rollstuhlfahrer sind vorhanden, sodass die Gondeln problemfrei genutzt werden können. Der Unternehmer setzt auch auf Umweltschutz. So werden ausschließlich Bio-Öle und LED-Beleuchtung verwendet. Der Energieverbrauch wird mithilfe einer Photovoltaikanlage auf dem Betriebsgelände so umweltfreundlich wie möglich ausgestaltet. Und wenn vorhanden, kommt Ökostrom zum Einsatz. Neben dem Kaiserbad Heringsdorf wird in dieser Saison auch Peenemünde im Inselwesten aus der Luft zu bewundern sein. Denn Schmidt erweitert sein Angebot um ein zweites Riesenrad: das „Circle of Time“, das bis Mitte September seine Runden drehen wird. Es ist 35 Meter hoch, verfügt über 24 offene Gondeln (eine ist barrierefrei und kann von Rollstuhlfahrern genutzt werden) und bietet insgesamt 144 Passagieren Platz und Vergnügen. 10.000 farbige LED-Lämpchen sorgen für die Beleuchtung, die bei Dunkelheit weithin signalisiert: Hier steht das „Circle of Time“. www.riesenrad-erlebnis.de PR-Anzeige

Das Ostseebad Prerow – zwischen Darßwald und Meer Umrahmt vom urwüchsigen Darßwald erstreckt sich Prerow entlang der Ostsee und inmitten des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft. Viele Kilometer schneeweißer Sand und flaches Wasser am Nordstrand laden zu einer Auszeit ein. Genießen Sie im Strandkorb den Blick aufs offene Meer und romantische Sonnenuntergänge. Die über 100 Jahre alte Strandpromenade lädt mit kleinen rohrgedeckten Lädchen und Cafés zum Bummeln ein. Die reine Meeresluft und das gesunde Reizklima Prerows wirken wie eine kleine Kur. Sonne, Salz und Seewind schmeicheln der Seele und wecken die Lebensgeister.

Prerow war bis Ende des 19. Jahrhunderts ein Fischer- und Seefahrerdorf. Traditionen wie Tonnenabschlagen und Zeesbootsegeln sind hier zu Hause. Die maritime Baukultur der Kapitäns- und Rohrdachhäuser mit den traditionellen Darßer Haustüren bestimmen noch heute das Ortsbild. Erleben Sie in Prerow ganzjährig Kultur. Lesungen im Strandkorb, Comedy und einmalige Konzerte in der Seemannskirche. Wir laden Sie zu unseren vielseitigen Jahreshöhepunkten wie dem Ostseeschwimmen, dem Hafenfest, dem Karikaturen-Freiluftfestival Cartoonair am Meer und dem Darßer NaturfilmFestival ein. Nähere Informationen in unserer TouristInformation unter Telefon 038233 - 610 0

www.ostseebad-prerow.de

46


Besonders nach stürmischen, kalten Nächten lohnt sich an der Ostseeküste die Suche nach einem begehrten Schatz. der sogenannten „Blauen Erde“. Das ist eine etwa zehn Meter dicke Sandschicht. Wie prunkvoll Gegenstände aus Bernstein aussehen können, lässt sich am Bernsteinzimmer im Katharinenpalast in Russland beobachten. Dort handelt es sich um eine Rekonstruktion. Das Original geht auf den preußischen König Friedrich I. zurück, er ließ einst Vertäfelungen für einen zehn mal zehn Meter großen Raum anfertigen und im Schloss Charlottenburg in Berlin aufbauen. Kurz darauf wurden die Vertäfelungen dem russischen Zaren Peter I. übergeben und 1755 im Katharinenpalast eingebaut. Dort blieb das Bernsteinzimmer bis zum Zweiten Weltkrieg, bevor sich seine Spur verlor. Die Suche nach Bernstein lohnt sich nach stürmischen Nächten mit auflandigem Wind. Zudem sollte die Wassertemperatur niedrig sein, weil Bernsteine dann nach oben treiben. Zu erkennen ist Bernstein daran, dass er elektrostatisch ist – nach dem Reiben an Wolle zieht er Fusseln an. Er schwimmt in einer Salzlösung oben, während Steine oder Glasscherben auf den Boden sinken. Doch Vorsicht! Auch das chemische Element Phosphor, das von versenkter Munition stammt, kann am Ostseestrand vorkommen. Bei Kontakt mit der Haut kann es zu schweren Verbrennungen kommen. Wer unsicher ist, sollte einen erfahrenen Sammler fragen. Marcus Taschke

Foto: karlshagen.de

Die Suche nach Muscheln, Hühnergöttern, Donnerkeilen und nach Bernstein, dem „Gold der Ostsee“, gehört für viele zu einem Strandbesuch dazu. Jenes gelb-bräunlich in der Sonne glitzernde, weiche Harz birgt viele Geheimnisse und hat eine lange Geschichte. Ketten, Amulette, Schatullen, Pfeifenköpfe, Dekofiguren: Es gibt kaum etwas, was sich nicht aus Bernstein herstellen lässt. Ostsee-Bernstein ist nicht irgendein Baumharz, sondern eines, das über eine Million Jahre alt ist. Viele Nadelbäume und auch einige Laubbäume produzieren Harz, um beispielsweise Verletzungen zu schließen. Darüber informiert unter anderem das Deutsche Bernsteinmuseum in Ribnitz-Damgarten. Das Material ist brennbar und setzt sich aus Kohlenstoff (80 Prozent), Sauer- und Wasserstoff zusammen. Bernstein ist leicht und lässt sich bohren, sägen und drechseln. Forscher gehen davon aus, dass es einst einen Bernsteinwald mit einer besonderen Kiefernart gegeben hat. Dieser Wald war ungefähr dort, wo heute die Ostsee ist. Das Harz dieser Kiefer oxidierte entweder im Laufe der Jahre irgendwann an der Luft und zersprang oder wurde im Wasser konserviert. Meeresströmungen trieben die Harze nach Süden und lagerten sie an der Küste ab oder in Sedimentschichten. Bereits seit dem Mittelalter wird Bernstein gefördert, beispielsweise in der Nähe von Königsberg. Gewonnen wird es aus

to :U

G

Fo

Das Gold der Ostsee

T

Ostseeinsel

Meckpomm Tipps

Michael Steuer, Geschäftsführer der Usedom Tourismus GmbH Mecklenburg-Vorpommern ist „das Land zum Leben“ – warum ist es auch das Land zum Urlauben? Urlauben in MV hat lange Tradition und wir haben wahnsinnig viel Erfahrung dabei, Gastgeber zu sein. Urlaub ist Teil unserer Landes-DNA. Mit den Hansestädten, der großartigen Natur und den Inseln bietet MV eine immense Bandbreite an Angeboten. Was hat die Ostsee, was die Nordsee nicht bieten kann? Die Ostseeküste hat für mich die schöneren Strände. Die sanfte Ostsee ist ideal für Familienurlaub mit Kindern. Und so schöne Küstenwälder gibt es an der Nordsee nicht. Mit welcher kulinarischen Spezialität verbinden Sie die Region? Ich bin großer Fan der „Pommern Tapas“, die es im Restaurant Remise in Stolpe auf der Insel Usedom gibt. In den kleinen Gerichten werden regionale Rezepte aus Großmutters Zeiten kreativ interpretiert. Wer ist die berühmteste Persönlichkeit, die wir hier haben? Natürlich unser „Weltstar“ Caspar David Friedrich. Dieses Jahr richten viele Veranstaltungen das Augenmerk auf seine schöne vorpommersche Heimat. Als großer Fußballfan beeindruckt mich natürlich Toni Kroos. Er gehört zu den erfolgreichsten Fußballern, die Deutschland je hervorgebracht hat. Welche Sehenswürdigkeiten sollten sich „Erstbesucher” anschauen? Die UNESCO-Welterbe-Städte Wismar und Stralsund sowie die Buchenwälder im Nationalpark Jasmund und im Müritz Nationalpark als Weltnaturerbe muss man gesehen haben. Auch die Kreidefelsen Rügen sind ein MustSee und Deutschlands älteste Seebrücke in Ahlbeck auf Usedom. Wohin zieht es Sie, wenn Sie mal eine Auszeit benötigen? Erholen kann ich mich sehr gut in der Mecklenburgischen Seenplatte – sei es auf dem Wasser oder mit dem Rad in der Natur.

Neben den drei Kaiserbädern gibt es auf der Insel Usedom auch Bernsteinbäder. In den Orten Koserow, Ückeritz, Zempin und Loddin stehen die Chancen nicht schlecht, das funkelnde Ostseegold zu finden.

47


Foto: Peter Engelke / stock.adobe.com

Barocker Stern

der Mecklenburgischen Seenplatte Gut 300 Jahre lang war Neustrelitz das herrschaftliche Zuhause der Foto: Ines Patro

Großherzöge von Mecklenburg-Strelitz. In der Zeit blühte die Stadt auf, betrieb Handel und bot viel Kultur. Noch heute ist dieses Juwel der barocken Architekturbaukunst sehens- und liebenswert.

Die Neustrelitzer Schlosskirche im neugotischen Stil zeigt jeden Sommer figürliche Bildhauerei.

48

Neustrelitz war vom ersten Tag an etwas Besonderes, Einmaliges: Der Bau dieser neuen Residenzstadt wurde notwendig, weil die ursprüngliche Residenz Strelitz 1712 nach dem großen Stadtbrand in Schutt und Asche lag. Europaweit einzigartig ist die barocke Stadtanlage – der vom quadratischen Markt ausgehende achtstrahlige Straßenstern. Der Grundriss ist einer italienischen Idealstadt nachempfunden, die Stadt entstand im Auftrag von Großherzog Adolf Friedrich III. von Mecklenburg Strelitz ab 1733 als so genannte spätbarocke Planstadt. Im 19. Jahrhundert wurde das Stadtbild von Neustrelitz durch den Schinkelschüler Friedrich Wilhelm Buttel geprägt, der im Auftrag des Großherzogs Kirchen, Repräsentanzbauten und Wirtschaftsgebäude errichtete. Nach Plänen Buttels wurde von 1840 bis 1842 auch der Kammerkanal erbaut, der die schiffbare

Verbindung bis nach Berlin und Hamburg ermöglicht. Ein Hafen am Zierker See entstand, der heute ein beliebter Wasserwanderastplatz ist. Mit der Eröffnung des Eisenbahnverkehrs von Berlin nach Stralsund über Neustrelitz (1877/78) und nach Rostock (1886) erhielt der Fremdenverkehr in Neustrelitz einen ersten Aufschwung. Die Seen in der Umgebung der Stadt waren schon in den 1920er-Jahren „Badewannen“ der Berliner. Das Residenzschloss wurde am Ende des Zweiten Weltkrieges weitgehend eingeäschert, die Ruine trug man später ab. Erhalten blieb das malerische Schlossgartenensemble mit vielen Skulpturen, Brunnen und alten Bäumen. Sehenswert sind die Bauwerke des früheren Schlossareals, darunter die neugotische Schlosskirche, die klassizistische Orangerie, der Marstall, der Hebetempel und die Gedächtnishalle für Königin Luise von Preußen.


Foto: SSGK MV

Mecklenburgische Seenplatte

Auf Schloss Hohenzieritz verstarb die Preußenkönigin unerwartet im Alter von 34 Jahren.

Wilhelm Ternite, Königin Luise von Preußen, 1827, Öl/Lwd., SSGK, G 681

Luise – Königin der Herzen

Die Gemahlin von Friedrich Wilhelm III. war eine geborene Prinzessin zu Mecklenburg-Strelitz. Einer ihrer Söhne wurde als Wilhelm I. deutscher Kaiser, eine Tochter Zarin von Russland. Königin Luise starb am 19. Juli 1810 nahe Neustrelitz auf Schloss Hohenzieritz. So war Neustrelitz unmittelbarer Bestandteil der „großen Politik“. Das herzogliche Haus Mecklenburg-Strelitz unterhielt durch Heirat Beziehungen in alle Welt. Mecklenburg-Strelitz war und ist erfüllt von einem regen geistigen und kulturellen Leben, das sich in Architektur, Kunst und Zeugnissen der Wissenschaft vielfältig widerspiegelt. Insbesondere in der Residenzzeit wirkten hier Persönlichkeiten, deren Leistungen weit über die Grenzen hinweg Anerkennung fanden. So schuf der jüdische Sprachforscher Prof. Daniel Sanders (1819-1897) in Strelitz das bis heute

Königin Luise, die gerne als „volksnah“ verklärte preußische Königin, war ein „Fashion Victim“, und wenn es sein musste, ließ sie sich auch mal die neuesten Gewänder aus Paris mit einem Boten zu Pferde einreiten. Schon ihre Ankunft in Berlin im Dezember des Jahres 1793 hätte auch eine schöne Szene in einem der „Sisi“-Filme mit Romy Schneider sein können: Ein kleines, weiß gekleidetes Mädchen begrüßte die Prinzessin mit einem Gedicht – und Luise war davon so berührt, dass sie es einfach, entgegen des Protokolls, hochhob und küsste. Luise, so wurde später kolportiert, sei ein in „einfachen“ Verhältnissen groß gewordenes Mädchen gewesen, das dann von einem Tag auf den anderen mit den Förmlichkeiten bei Hofe habe zurechtkommen müssen. Ihre Ehe mit Friedrich Wilhelm war zwar, wie damals üblich, arrangiert worden, doch die beiden hatten einander gefunden. Zehn Schwangerschaften begleiteten Luise in ihrem kurzen Leben, sieben Kinder brachte sie durch.

Foto: Ines Patro

Sie war die „Königin der Herzen“, eine hübsche Frau, der alle zujubelten. Ihr Modebewusstsein war legendär, auch war sie eine liebevolle Mutter. Nein, es ist nicht die Rede von Diana, Princess of Wales, und auch nicht von „Sisi“, der Kaiserin Elisabeth von Österreich. Die Rede ist von einer anderen Märchenkönigin: Luise von Preußen, geboren 1776 in Hannover als Prinzessin von Mecklenburg-Strelitz, gestorben 1810 im mecklenburgischen Hohenzieritz auf dem Herrensitz ihrer Eltern als Königin von Preußen. Zu ihrer Zeit war sie ein Star: Sie wurde so oft abgebildet und als Skulptur geformt, dass man heute kaum noch sagen kann, welche Farbe ihr Haar nun wirklich hatte. Und als sie mit nur 34 Jahren starb, säumten unzählige Trauernde den Weg ihres Leichnams,

der von ihrem Sterbeort in Mecklenburg über das brandenburgische Gransee nach Berlin gebracht wurde. Mit ihren 1.74 Meter Körpergröße war sie – für ihre Zeit – eine große Frau und machte mit Konfektionsgröße 34-36 eine gute Figur, die sie gerne nach Herzenslust ausstaffierte.

Im Luisentempel auf dem Schlossberg wird der berühmten Preußenkönigin Luise gedacht.

49


Fotos: Ines Patro

d ob e . c o

ck.a

s to r/

te en

Gu

außerdem durch die Deutsche Tanzkompanie Neustrelitz geprägt. Neustrelitz ist mit vielen Veranstaltungen ein kulturelles Zentrum der Seenplatte. Der Schlossgarten ist im Sommer Aufführungsort für die Festspiele, die großartige Operetten- und Musicalaufführungen bieten. Für Liebhaber der Bildenden Kunst öffnet von Mai bis September die Plastikgalerie in der Schlosskirche und präsentiert dort die Traditionen bedeutender figürlicher Plastik nicht nur Deutschlands. Zum vielfältigen Kulturangebot der Stadt gehören das Kulturquartier

o:

international anerkannte „Wörterbuch der deutschen Sprache“. Er und sein Freund, der Literat und Demokrat Adolf Glaßbrenner, waren führende Köpfe des Strelitzer Reformvereins von 1848. Der in Neustrelitz geborene Künstler Wilhelm Riefstahl (1827-1888), späterer Direktor der Karlsruher Kunstakademie, war ein über Deutschlands Grenzen anerkannter Landschaftsmaler. Der Archäologe Heinrich Schliemann ging hier zur Schule. Das kulturelle Profil der ganzen Region wird seit rund 250 Jahren durch das Neustrelitzer Landestheater bestimmt, das 1769 als Hoftheater eröffnet wurde und heute Hauptspielstätte der Theater- und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz ist. Der Theaterstandort wird

m

Mecklenburgische Seenplatte

Fo

t

Auf der Götterallee im Schlossgarten stehen Kunstwerke wie die Skulpuren antiker Götter und andere Figuren sowie der Hebetempel.

Mecklenburg-Strelitz mit der ersten umfassenden Landesausstellung von Mecklenburg-Strelitz, die Basiskulturfabrik mit Kinos, Galerie und Appartements oder auch die Hofkonzerte mit Weltmusik in Klein Trebbow. Von den Ortsteilen Prälank und Fürstensee aus ist Neustrelitz ein ideales Tor in den westlichen und östlichen Teil des Müritz-Nationalparks und in den Naturpark Feldberger Seenlandschaft. Hier liegt das Weltnaturerbegebiet Serrahner Buchenwälder. Die idyllische Naturkulisse der Mecklenburgischen Seenplatte lädt zum Wandern, Radeln und Bootfahren ein. Neustrelitz ist über ausgewiesene Radfernwege und Wasserwanderrouten gut zu erreichen. Auf dem Wasserweg ist die Hafenstadt über den Kammerkanal mit dem Bundeswasserstraßennetz verbunden. Hartmut Nieswandt

Der Stadthafen Neustrelitz am Zierker See ist eine der jüngeren Sehenswürdigkeiten. Von hier aus starten Wasserwanderer ihre Touren durch die Seenplatte.

Der Zierker See hat eine Fläche von nur 3,5 qm, bequem bei einem Spaziergang zu umrunden. Der Weg über die Weiße Brücke vorbei am Slawendorf Neustrelitz, dem Familien-Erlebnispark.

50


Mecklenburgische Seenplatte

TV-Star forscht

Foto: S. Jeske / J. Molitor

zu Königin Luise

Die Ägyptenfaszination der Preußen, das Ägyptische Museum, Nofretete – ich hab das bisher in die Mitte des 19. bis ins 20. Jahrhundert verortet: Persönlichkeiten wie Pückler-Muskau, Lepsius und spätere. Ihr Buch beleuchtet die Zeit 1795 / 1850. Wie ordnen Sie das ein: War der Hype der Berliner da schon am Abklingen und die für Sie spannendere Zeit davor? Der Hype ließ nie nach. „Ägyptomanie“ nahm immer neue Formen an, je nach den Kenntnissen und Entdeckungen der Zeit. Spannend ist die frühere Zeit, weil man sich eher poetisch und diskret mit Ägypten befasste; das Ägyptische Museum Berlin 1850 ist dann trotz seiner Opulenz wie eine berückende Hommage Friedrich Wilhelms IV. an den Großvater in Hohenzieritz und somit an seine Mutter Luise. Damit hat sich ein großer Kreis geschlossen. Welche Rolle spielt Königin Luise im Ägyptenthema und damit in Ihrem Buch? Luise war in diese gedankliche „preußischägyptische“ Linie eingebunden, sichtbar auch in ihrem Bildnis 1796: Als Anwärterin auf den Thron ist Luise mit einem königlichen ägyptischen Sphinx porträtiert! Und zeitgleich zur Geburt des Thronfolgers 1795 wird der „Ägyptische Saal“ auf Schloss Hohenzieritz eingerichtet.

Buch lüftet sie ein „ägyptisches“ Geheimnis und trifft dabei

Sie schauen öfters mal in MV vorbei – wie gefällt es Ihnen bei uns im Norden? Was steht noch auf Ihrer Wunschliste für die nächsten Besuche? Schloss Mirow, Prillwitz, Neustrelitz genauer betrachten ... und viel schwimmen in den herrlichen Seen!

in Hohenzieritz auf Königin Luise.

Das Interview führte Sirko Salka.

Friederike Werner ist Kunsthistorikerin, Ägyptologin – und Expertin in der TV-Sendung „Bares für Rares“. In ihrem neuen

Hohenzieritz verbinden die Leute mit Königin Luise, die dort jung verstarb. Mich hätte es weniger überrascht, wenn Sie in Ihrem Buch eher ein preußisches Geheimnis aufgedeckt hätten anstatt ein „ägyptisches“? Wichtige Frage! So sieht’s aus: Mecklenburg und Preußen hatten ein „ägyptisches“ Geheimnis; will heißen: ägyptisch inspiriert, auf Ägypten bezogen. Es betraf Herzog Carl II., seine Tochter Königin Luise und die Könige Friedrich Wilhelm II.–IV. von Preußen. Prunkstück auf Schloss Hohenzieritz ist der „Ägyptische Saal“, etwas versteckt im Obergeschoss. Sie haben dort 2019 schon einen Vortrag gehalten. Welche Rolle spielt der Saal in Ihrer Geschichte, wie kam er zu dem Namen? Bis heute ist unklar, wie der Saal damals hieß. Der im Laufe der Zeit aufgekommene Name „Ägyptischer Saal“ benennt erst mal das beabsichtigte Grundthema des Raumes. – Der Saal ist Herzstück

des Schlosses und meines Buches. Er verbindet älteste kulturelle Ursprünge und den Kosmos miteinander. In dem fantasievollen Bildprogramm zeigt sich die geistige Weite Herzog Carls II. Das kleine Hohenzieritz im fernen Mecklenburg hat Sie in früheren Jahren bereits beruflich beschäftigt; war es eines Ihrer Projekte in Heidelberg? Zu welchen neuen Erkenntnissen sind Sie in der Zwischenzeit gekommen? Was war der Auslöser, Ihre Motivation, nun dieses Buch zu schreiben? Bei der Erforschung jenes vergessenen ägyptisierenden Berliner Tafelaufsatzes von 1804 (Buch: Ägyptomanie in Preußen, 2016) fand ich heraus, dass Königin Luise als Auftraggeberin ihre Hand im Spiel hatte und für ihren Gemahl auch noch Obelisken und Sphingen orderte. Dauernd musste ich deshalb an ihre Herkunft und an den „Ägyptischen Saal“ ihres Vaters in Hohenzieritz 1795 denken: Gab es eine geheime Verbindung? – Na klar! Zum Glück hab’ ich nie lockergelassen!

Friederike Werner: Das „ägyptische“ Geheimnis oder: Die verhüllten Tempel von Hohenzieritz und Berlin 1795/1850 VDG arts + science weimar GmbH 200 Seiten, 100 Abbildungen, 28 Euro ISBN: 978-3-89739-981-5

51


Mecklenburgische Seenplatte

Leinen los für die

Foto: Daniel Dörfler / stock.adobe.com

schwimmmenden Hotelzimmer

Im Land der 1000 Seen findet jeder seinen Lieblingsplatz zum Angeln oder Baden. Immer mehr Leute verbringen den Urlaub komplett auf dem Wasser – in der Idylle dieses Landes. Individuelle Bootsfahrten durch die Mecklenburgische Seenplatte sind seit einigen Jahren der letzte Ferien-Schrei bei Abenteuerlustigen und Naturfans gleichermaßen. Auf den herrlichen Wasserstraßen von Europas größtem Binnenrevier eröffnen sich den Kurzreisenden wunderschöne und ungeahnte Perspektiven. Das Land Mecklenburg-Vorpommern bietet dafür ideale Bedingungen, da viele Gewässer miteinander verbunden sind: So sind Ausflüge von der Müritz bis nach Mirow gängig oder gen Westlich bis Schwerin möglich. Als schwimmender Untersatz sind Hausboote beliebt. Deren HöchstgeschwinFo to :S irk o a lk Sa

digkeit liegt bei stressfreien 12 bis 15 Stundenkilometern, was viele Urlauber als erholsam beschreiben. Auch sind Hausboote heutzutage keine wackligen Kähne mehr, wie sie mitunter noch in den Häfen von Amsterdam oder Berlin liegen, sondern moderne Schiffe, die allen Komfort einer gepflegten Ferienwohnung bieten. Teilweise steuern da Prachtexemplare über die Seen, die fast schon chicke Yachten sind. Steffen Schulz hat für seine Kundschaft in der Marina Eldenburg, herrlich an der Müritz gelegen, beides im Angebot. Insgesamt kann Yachtcharter Schulz gut 160 Boote vermieten. Sein Bruder hat die Firma vor fast 30 Jahren mit einem einzigen Boot gegründet. Nach einem kleinen Fehlstart sei es dann kontinuierlich bergauf gegangen, erzählt Schulz, bevor sich das Gespräch wieder um Hausboote dreht. Ohne große Fahrkünste lassen sich die Boote steuern – und bis zu einer Länge von 15 Metern

Foto: www.charter-schulz.de

Yachtcharter Schulz verleiht zahlreiche Hausboote und Yachten in der Marina Eldenburg bei Waren.

52

benötigen die Hobbykapitäne auf den meisten Gewässern zwischen Dömitz an der Elde und Liebenwalde an der Oberhavel noch nicht mal einen Führerschein. Allerdings kann das Andocken im Hafen mitunter knifflig werden, weil die größeren Modelle über einen gewissen Wendekreis verfügen und weniger manövrierfähig sind als der heimische Pkw. Bei stärkeren Winden wird von Fahrten in den schwimmenden Hotelzimmern abgeraten. Vor Tourstart geben Bootsverleiher wie Yachtcharter Schulz eine Einweisung und dann den Charterschein. Damit können Reisende ihr Seenabenteuer starten. Einige Gewässer, etwa die Müritz-Elde-Wasserstraße, haben schmale Stellen, die nur im Schritttempo befahren werden dürfen. Auch gilt es da Schleusen zu passieren. Ganz anders fährt es sich über die Großen Seen (Plauer See, Fleesensee, Kölpinsee und Müritz), die sich hervorragend zum Ankern und Baden eignen. Die Kleinseenplatte südlich von Neustrelitz weist überwiegend Mini-Gewässer auf. Die haben mitunter Untiefen – eine Herausforderung bei Hausbootfahrten. Deshalb sind dort einige Stellen nur Paddlern vorbehalten. Pro Reisetag sind fünf Stunden Fahrzeit ideal, dann bleib noch Zeit für anderen schöne Dinge im Urlaub. Beispielsweise können in Mecklenburg-Vorpommern auch „Nichtangler“ mit dem Touristenfischereischein auf die Pirsch gehen. Ein Highlight ist der Sternenhimmel. Die geringe Lichtverschmutzung in der Mecklenburgischen Seenplatte lässt den Himmel funkeln. Die Mecklenburgische Seenplatte mit dem Müritz Nationalpark und sechs weiteren Naturparken ist reich an Wäldern, Mooren, Feuchtwiesen und dichten Schilfgürteln an den Seeufern – idealer Lebensraum für See- und Fischadler, Kraniche, Rohrdommeln, Eisvögel, Rot- und Damwild. Vom Boot aus stehen die Chancen gut, die Tiere zu sehen und zu hören.


Tourist Info Plau am See - Tel. 038735 4 56 78 www.plau-am-see.de

instagram.com/plau.am.see


Mecklenburgische Seenplatte

An der Müritz

sind die Bären los

Der Bärenwald Müritz schenkt

Fotos: BÄRENWALD Müritz Marie und Riccardo Maywald

geretteten Braunbären ein neues Zuhause.

Walnüsse im Wasser? Bär Rocco stürzt sich in seinen Teich, damit keine der Bären-Leckerei verloren geht. Kaum hat Rocco die verspeist, taucht er kurz unter, um dann an Land seinen Weg durch sein Waldgehege fortzusetzen. Vorbei sind die Zeiten, als Rocco sein Leben Jahr für Jahr in einem kleinen Käfig in einem albanischen Hinterhof verbringen musste. Der große Rocco ist einer von den Bären, die europaweit aus schlechten Haltungen gerettet wurden und

die im Bärenwald Müritz in der Mecklenburgischen Seenplatte eine neue Heimat auf Lebenszeit gefunden haben. 2006 eröffnete die internationale Tierschutzorganisation VIER PFOTEN den Bärenwald Müritz. Heute umfasst der Park rund 16 Hektar, in denen derzeit 13 gerettete Bären aus Albanien, Polen, Serbien, der Ukraine und Deutschland leben. Seit Eröffnung des Parks starteten hier insgesamt 29 Bären in ein Leben, das ihnen in ihren vorherigen Haltungen verwehrt wurde. Statt auf Beton und im Käfig zu leben, haben die Braunbären Waldboden und grüne Wiesen unter ihren Tatzen. Sie können sich im Herbst eigene Höhlen graben, sie können baden, spielen oder einfach nur entspannen, wann immer ihnen der Sinn danach steht. In den Haltungen zuvor war das nicht der Fall: Die dreibeinige Bärin Dushi zum Beispiel wurde jahrelang in einem Restaurant-Zoo in Albanien in einem kleinen Käfig gehalten. Sie litt Hunger. Im Jahr 2019 konnte sie gerettet werden,

war aber so abgemagert, dass sie den 1800 Kilometer langen Transport in den Bärenwald Müritz nicht überlebt hätte. Sie musste aufgepäppelt werden, bevor sie ihr neues Leben in Norddeutschland antreten konnte. Wie Dushi ihre Vorderpfote verloren hat, ist leider unklar. Klar ist aber, dass auf Dushi geschossen wurde: Bei Röntgen-Untersuchungen im Bärenwald Müritz wurden in ihrem ganzen Körper verkapselte Geschoss-Partikel entdeckt. Heute ist Dushi neugierig, gut ernährt, selbstbewusst, badet gerne und ist angekommen in ihrem neuen Zuhause, dem Bärenwald Müritz. Der hat täglich geöffnet, auch an Sonn- und Feiertagen. Rund 100.000 Besucher kommen jedes Jahr, um Dushi und die anderen Braunbären zu beobachten. Der Bärenwald Müritz bietet interessante Lern- und vor allem Spielstationen im Park, ein „Bäristro“ mit täglich frisch gekochten Gerichten sowie einen Shop mit vielen regionalen Produkten. www.baerenwald-mueritz.de

Restaurant | Angel- & Badeboote | Yachten | Stand-Up-Paddle Vermietung

SPORTBOOTE & HAUSBOOTE

www.marina-eldenburg.de

An der Reeck 1a - 17192 Waren (Müritz) - Tel.: 03991-123 4000 54


Ferienparadies an der kristallklaren Müritz

len am Ufer auftürmt. Es gibt gemütliche Ferienhäuser für zwei bis acht Personen, aber natürlich auch kleinere Ferienwohnungen für zwei Urlauber. Alle Einheiten verfügen über Terrasse oder Balkon und voll ausgestattete Küchen, die großen Ferienhäuser haben sogar einen Kamin. Für Menschen mit Einschränkungen sind barrierefreie Ferienwohnungen vorhanden. Zum „Müritzparadies“ gehören ein großer Naturcampingplatz direkt am Ufer der Müritz und der Naturhafen Bolter Kanal. Das Restaurant „Piz-

zeria Toscana“ ist von April bis Oktober geöffnet. In beiden Feriendörfern gibt es eine Sauna, die von Gästen und Einheimischen genutzt werden kann. In unmittelbarer Nähe zum Wasser laden große Spielplätze die Mädchen und Jungen ein. Die kristallklare Müritz ist am Badestrand sehr flach - das garantiert sicheren Badespaß für die Kinder. Ganz in der Nähe befindet sich der Müritz-Nationalpark, in den man interessante Ausflüge zu Fuß oder mit dem Fahrrad unternehmen kann. Das „Müritzparadies“ besitzt

einen eigenen Fahrradverleih und setzt sich auch als Nationalpark-Partner für die Umwelt ein. So kann man das Müritzparadies erreichen: Müritzparadies GmbH, Am Müritzufer 6, 17248 Boeker Mühle, Telefon: 039823 2530, info@mueritz.com Weitere Informationen: www.mueritz.com

– Anzeige –

Boeker Mühle. Fast wie Sommer in Südschweden! Es ist so schön im Ferienpark Müritzparadies am Ostufer der Müritz, dass sich der Besucher hier mitten in Mecklenburg in die wunderbare Welt Skandinaviens versetzt fühlt. Der Ferienpark an der Müritz, dem größten deutschen Binnensee, war der erste seiner Art in der Region. Direkt am Ufer stehen seit 1998 schwedische Holzhäuser in bunten Farben. Sie bieten also seit 25 Jahren beste Voraussetzungen für einen gelungenen Familienurlaub. Zuerst waren es 34 Häuschen, 2006 kam das Feriendorf „Alte Fahrt“ in unmittelbarer Nähe hinzu. Beide Feriendörfer, die den Namen Müritzparadies tragen, sind ganzjährig geöffnet, auch im Winter ist es hier sehr reizvoll, wenn zum Beispiel die Müritz vereist ist und der Westwind riesige Schol-


Fotos: Schloss Rattey

Mecklenburgische Seenplatte

Zwei Weinkenner und -genießer: Weingutleiter Stefan Schmidt (links) und Kellermeister Franz Lucius sind die Garanten für guten Geschmack auf Schloss Rattey.

Die Meister der edlen Tropfen Ein Kellermeister steht auf Schloss Rattey fortan für die exzellente Qualität der Weine. Zum Start in die Saison hat Schloss Rattey den Hotelneubau „Weinwerk“ eröffnet und damit die Kapazität deutlich erhöht.

56

Mecklenburg-Vorpommern wird zum Weinland – und die Qualität aus hiesigem Anbau immer besser, wie ein Besuch auf Schloss Rattey in den Brohmer Bergen zeigt. Norddeutschlands ältestes und größtes Weingut hat zuletzt allerhand positive Schlagzeilen gemacht. So konnte die Rebfläche in den letzten Jahren auf nunmehr 35 ha deutlich erhöht und eine moderne Kellerei gebaut werden. Neu im Team von Winzerchef Stefan Schmidt ist Kellermeister Franz Lucius, der eine abgeschlossene Winzerlehre mitbringt und in Süddeutschland seine Meisterausbildung abgeschlossen hat. Mit anderen Worten: Der gebürtige Neubrandenburger, den es zum Studieren nach Jena verschlagen hatte, bevor er in der Weinregion Saale-Unstrut seine wahre Leidenschaft für Weine finden konnte, ist offizieller Weinmacher. Er bringt jede Menge Erfahrung mit, etwa von seiner Tätigkeit auf einem italienischen Spitzenweingut der südlichen Toskana. Bevor er im Herbst mit der diesjährigen Lese so richtig durchstarten wird, steht Elternzeit an; denn Franz Lucius ist zum ersten Mal Vater geworden. Schon jetzt sind die Mecklenburger Landweine von Schloss Rattey über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Im östlichsten Zipfel Mecklenburgs sind die hügligen Weinberge mit 16 verschiedenen Rebsorten, unter anderem den weißen Solaris, Muscaris, Souvignier gris und Johanniter sowie den roten Regent, Cabernet und Monarch bestockt. Das fleißige Treiben der Winzer bestaunen immer wieder Spaziergänger, die den pittoresken Schlosspark mit seinen weitläufigen Weingärten, uralten Eichen und historischen Teichanlagen erkunden. Es ist eine berauschend schöne Kulisse für das klassizistische Herrenhaus – elegant ausgestattet mit Antiquitäten aus Preußen, Mecklenburg-Vorpommern und der ganzen Welt – aus dem Jahre 1806. Seit 1998 begrüßt Schloss Rattey als Hotel mit 15 Zimmern Urlaubsgäste. Alle Zeichen auf der zur Inselmühle Usedom gehörenden Anlage deuten auf Aufbruch hin. So verfügt das Hotel ab 2024 über eine deutlich erhöhte Kapazität – fortan können Gäste auch in einem modernen Neubau weitere 36 Zimmer und Ferienwohnungen buchen. Der ehemalige Marstall, seitlich des Schlosses, eignet sich perfekt für größere Gesellschaften wie Hochzeiten. In dem heute „Alter Weinkeller“ genannten Gebäude verwöhnt ein gemütliches Café fortan mit leckeren Köstlichkeiten und eine Vinothek bietet nicht nur Weine, Liköre und Brände, sondern auch Produkte der Usedomer Inselmühle aus eigenem Anbau, wie Säfte, Senf, Öl, Essig und das in Rattey gebraute Brohmer Landbräu. Schon jetzt zählt das Weingut zu den Traumlokalitäten in Mecklenburg-Vorpommern.


© Patrizia Tilly @stock.adobe.com

WEIL LESEN SPASS MACHT

Wir bieten Ihnen die volle regionale Bandbreite von Belletristik, Unterhaltung, Information, Humor, Genuss bis hin zu Politik und Zeitgeschehen. Für mecklenbook, den Buchverlag vom Nordkurier, bringen die besten Autoren aus dem Nordosten die spannendsten Geschichten zu Papier.

Mehr Auswahl finden Sie auf: www.mecklenbook.de


Vorpommern

Das Tor zur Ostsee

Am Peenestrom sind die Leute ein Jahr lang im Feiermodus – so, wie sich das zum 900. Geburtstag einer Residenzstadt auch gehört. Auf den Spuren der alten Pommernherzöge gibt es in Wolgast viel zu entdecken.

Foto: silbertaler / stock.adobe.com

Seit jeher gilt Wolgast als das „Tor zur Ostsee“. Am mächtigen Peenestrom vor der Insel Usedom gelegen, hatte die Kleinstadt ideale Voraussetzungen für Schifffahrt und Handel – und damit für einen gewissen Wohlstand. Auch strategisch war die exponierte Lage immer von

Bedeutung. So ist in der ersten urkundlichen Erwähnung Wolgasts von einer Burg die Rede. Sie stand auf der heutigen Schlossinsel, und wurde offenbar vor 900 Jahren zur Kontrolle des Wasserweges genutzt. Wolgast spielte also sowohl wirtschaftlich als auch politisch von Anfang an eine Rolle im Ostseeraum. In den Geburtsjahren des Landes Pommern, die ebenfalls vor 900 Jahren zunächst im polnischen Teil des ehemaligen Staates begannen, kam es in Wolgast schließlich zu einem historischen Ereignis, wie Martin Schröter zu berichten weiß. Seit zwei Jahren ist er der Wolgaster Bürgermeister; kurz vor Beginn der Jubiläumsfeiern nahm er sich Zeit für ein Interview. „Eine wichtige Figur bei der Entstehung von Pommern war Bischof Otto von Bamberg“, sagt der Rathauschef. „In den Jahren 1124 und 1128 unternahm dieser ‚Pommern-Apostel‘ zwei Missionsreisen durch Pommern, dabei ging es um

Foto: Mattoff / stock.adobe.com

Die St. Petri-Kirche ist das Wahrzeichen der Stadt Wolgast. In der Gruft liegen die Pommernherzöge in verzierten Särgen, und die Aussicht vorn ist beeindruckend.

die Christianisierung der heidnischen Stämme.“ Im Auftrag des polnischen Königs ging es zunächst in das Gebiet um Kolberg und Köslin. Vier Jahre später beorderte der deutsche Kaiser den Bischof dann ins heutige Vorpommern, ebenfalls mit der Bitte, die dort lebenden Slawen zum Glauben zu bekehren. Dabei „machte Otto von Bamberg auch Station in Wolgast. Er taufte die Bevölkerung, ließ einen heidnischen Tempel zerstören und an der Stelle eine Kirche errichten“, erzählt Martin Schröter. Ein Vorgängerbau der St. Petri-Kirche sei das gewesen, dem Wahrzeichen Wolgasts. Errichtet wurde das imposante Gotteshaus erstmals im Jahre 1350, es weist gotische und barocke Stilelemente auf. Stolze 50 Meter ragt die St.-Petri stoisch in die Höhe – schon weit vor den Toren der Stadt ist sie nicht zu übersehen. Und nicht von ungefähr nennt der Bürgermeister seine Kirche die Hauptsehenswürdigkeit der Stadt. Erster


Vorpommern

A. Ła zow ski

Martin Schröter (parteilos) ist seit 2022 Bürgermeister von Wolgast.

to :

faszinierende Universität aus dem Jahre 1456. Nicht etwa Wolgast, das Zentrum der Macht. Dafür hat Martin Schröter folgende Erklärung: „Das ist ein Stück unser Schicksal, Wolgast hat man immer als Herrschaftssitz betrachtet, als das vorgelagerte Dienstleistungszentrum des Schlosses.“ Deshalb sei Wolgast hinter seinem Potenzial klein geblieben und keine Handelsmetropole geworden. „Dabei wären wir prädestiniert für die Hanse gewesen. Doch in Wolgast fragte man seinerzeit simpel: Brauchen wir das fürs Schloss? Nein! Ein Schuster ist wichtiger. Andere Städte mussten sich da mehr nach der Decke strecken.“ Nach den Pommern regierten die Schweden und bald die Preußen die Region um Wolgast. Deren Herrschaft hat Wolgast im 19. Jahrhundert wieder zur Blüte gebracht. „Explosionsartig gewann die Stadt an Bedeutung. Überregionale Familien, Großindustrielle, ließen sich am Peenestrom nieder. Ein Beispiel aus dieser Zeit sind die Wolgaster Holzhäuser, die wurden hier konzipiert und gebaut“, erklärt Bürgermeister Schröter. Es waren die ersten Fertighäuser der Welt, und ihre Innovation mit prägend für die Bäderarchitektur an der Ostsee. Mit gut 12.000 Einwohnern ist das „Tor zur Ostsee“ heute eine charmante, aber kleine Stadt. Durch die wechselhafte Geschichte ist in Pommern laut Martin Schröter viel Substanz kaputt gegangen. Allerdings: „Sie finden im Norden kaum noch so eine gut erhaltene historische Hafenstadt wie in Wolgast. Sicherlich, eine pulsierende Einkaufsmetropole dürfen Sie bei uns nicht erwarten, das können wir als Kleinstadt nicht abbilden. Aber Sie können in Wolgast einen schönen Tag verbringen, auch gemeinsam mit Kindern.“ Sirko Salka

Foto: ksch966 / stock.adobe.com

Fo

Die Peenebrücke verbindet Wolgast mit der Insel Usedom.

Die Hafenfestspiele sind ein kulturelles Highlight im Sommer. Diesmal steht das Lustspiel „Zur weißen Muschel am Wolgastsee“ auf dem Programm.

Foto: modernmovie / stock.adobe.com

Wolgast hat eine gut erhaltene historische Hafenstadt und einen Familientierpark. Ein Tagesausflug von der Insel Usedom aufs Festland bietet sich geradezu an.

herzöge in meisterhaft restaurierten Särgen. Dafür gab es 2010 den Europäischen Denkmalschutzpreis“, sagt Martin Schröter. Was ein wenig in Vergessenheit geraten ist: Lange Jahre bevor Neustrelitz und Schwerin überhaupt Residenzstädte in Mecklenburg wurden, war Wolgast für ein paar Hundert Jahre der Sitz der Herzöge. Deren herrschaftliches Schloss war in seiner Opulenz, Größe und Märchenhaftigkeit durchaus vergleichbar mit dem berühmten Schweriner Schloss. Im Dreißigjährigen Krieg wurde es im Kanonen-Feuer der brandenburgischen Einheiten zerstört. Allerdings ist es im Stadtmuseum Wolgast wieder auferstanden und in voller Schönheit zu bewundern. „Mit unserer Visualisierung in unserem Museum sind wir moderner als andere, die noch ein herkömmliches Schloss unterhalten müssen. Wir sind digital aufgestellt, und brauchen dann auch nicht so viel reparieren“, meint der Bürgermeister mit einem Schmunzeln. Die glorreiche Epoche des Herzogtums Pommern-Wolgast begann im Jahre 1295, sie endete im späten 16. Jahrhundert. Greifswald verdankt Pommernherzog Wartislaw IX. aus der bekannten Greifen-Dynastie beispielsweise die

Naturparadies Peenetal

Das Amazonas des Nordens Wir laden Sie recht herzlich in die zweitälteste vorpommersche Kleinstadt Loitz an der Peene ein. Touristische Informationsstelle Telefon 03 99 98 / 153-10 E-Mail: stadtLoitz@loitz.de Internet: www.loitz.de

Foto: K. Heymann

Tipp ist die Top-Aussicht von der Besucher-Plattform, zu der es 200 Stufen zu überwinden gilt. „Vom Kirchturm aus kann man die Ostsee sehen, aber auch unseren Passionsweg“. Mit dem „Wolgaster Totentanz“ gibt es in der Kirche zudem eine echte Rarität zu bewundern. Immerhin handelt es sich bei dem Kunstwerk aus dem 17. Jahrhundert um eine in Norddeutschland einzigartige Bilderreihe, die mit lustigen Versen versehen ist. Die nächste Attraktion führt zu einer Audienz in die Gruft der Kirche. „Dort liegen die alten Pommern-

59


Vorpommern

Idyllische Lagunenstadt Ein Tag in Ueckermünde fühlt sich wie Urlaub an, beim Bummel durch die schöne Altstadt oder dem Spanziergang am Haff ist Erholung angesagt.

Das Stettiner Haff wird von Freizeitsportlern gern genutzt. Es ist etwas größer als die Stadt Berlin.

Ueckermünde hat sich rausgemacht nach der Wende, heute ist der Ort an der Mündung des Flusses Uecker eine kleine feine Stadt. Sie liegt direkt am Stettiner Haff ganz im Osten von Mecklenburg-Vorpommern. Das auffallendste Merkmal der Stadt: sie befindet sich mitten in der Natur. 2001 erhielt sie den Titel „Staatlich anerkannter Erholungsort“, seit 2013 darf sich Ueckermünde sogar Seebad nennen. Außerdem ist die Stadt für ihren Tierpark, ihre gut erhaltene Altstadt mit vielen Baudenkmalen, den Stadthafen und das pommersche Residenzschloss sowie für ihr Strandbad bekannt. 60

Der Name des Ortes leitet sich aus dem wendischen „Ukrer“ her, einer slawischen Völkerschaft, die das Einzugsgebiet der Uecker vor 1200 bewohnte. Der Name des Stammes, der Landschaft und des Flusses wandelte sich dann über Ukeremund, Ukeremunde zum Ukermunde (1284). Das Stettiner Haff (polnisch: Zalew Szczecinski), auch Oderhaff oder Pommersches Haff genannt, ist das größte zur Ostsee gehörende Haff. Mit allen Nebengewässern hat es eine Ausdehnung von 903 Quadratkilometern – und ist etwas größer als Berlin. Seine durchschnittliche Tiefe beträgt vier Meter, das Haff ist also flach, trotzdem aber ein beliebtes Segelsportrevier mit Anbindung an die Ostsee. Mehrere Hundert Liegeplätze bietet die Lagunenstadt Wassersportlern an, die vorwiegend auf Vereinsbasis organisiert sind. Wer gern das Altstadtflair genießen möchte, der sollte mit seinem Boot zwei Kilometer weiter fahren, um im Stadthafen anzulegen. Dort sind auch Serviceeinrichtungen wie Toiletten, Duschen und Möglichkeiten zum Wäschewaschen vorhanden. Ueckermünde ist der östlichste Hafen Deutschlands und Ausgangspunkt vieler Überfahrten für Personen und Fahrräder, sei es zur Insel Usedom, nach Stettin oder zum Seehafen nach Swinemünde.

Fotos: Ines Patro

Empfehlenswert ist eine historische Stadtführung durch die über 750-jährige Geschichte.

Nicht vergessen darf man den Tierpark, der auch Stettiner Tierpark heißen könnte. Denn die polnische Großstadt auf der anderen Seite der Grenze hat keinen Zoo – so kommen die Stettiner gern nach Ueckermünde. Hier im Tierpark tummeln sich mehr als 400 Tiere aus 100 Arten. Dazu gehören neben heimischen Haus- und Wildtieren auch verschiedene Affenarten, Löwen, Papageien, Lamas und Kängurus. Das Haffmuseum im Schloss beherbergt eine Ausstellung zur Stadt- und Regionalgeschichte mit Funden und Gegenständen aus der Ur- und Frühgeschichte der Stadt und früheren und heutigen Haupterwerbszweigen des Gebietes (Gießereiwesen, Ziegelei, Fischerei und Schifffahrt). Interessant und unterhaltsam sind die historische Stadtführungen durch Ueckermünde, ein gewisser „Herold der pommerschen Herzöge“ führt dann durch die mehr als 750-jährige Geschichte von Ueckermünde. Beginnend auf dem historischen Markt, vorbei an der Apotheke, die auf das Jahr 1667 zurückgeht, zum ehemaligen Standort des Anklamer Stadttores. Bevor der Rundgang am Stettiner Stadttor und damit im Stadthafen an der Uecker endet, wird dem Schloss der Pommerschen Herzöge mit Festsaal und Haffmuseum ein Besuch abgestattet. Hartmut Nieswandt

Dieser rot-weiße Riese hat in Ueckernmünde den besten Blick auf das Stettiner Haff.


PR-Anzeige

Vorpommern

Tourismusbetrieb Mönkebude BgA Am Kamp 13, 17375 Mönkebude Telefon: 039774-20323 E-Mail: info@moenkebude.de www.moenkebude.de /Tourismusbetrieb Mönkebude /moenkebude_am_stettiner_haff

Mit seiner idyllischen Lage direkt am Stettiner Haff und umgeben von einer atemberaubenden Natur bietet Mönkebude eine Vielzahl von Aktivitäten. Der unberührte Strand lädt zum Sonnenbaden, Schwimmen und Spazierengehen ein. Hier können Urlaubsgäste die frische Meeresluft genießen und den Alltagsstress hinter sich lassen. Für Wassersportbegeisterte gibt es etliche Möglichkeiten zum Segeln, Surfen oder Angeln. Das reizvolle Hinterland von Mönkebude kann auf ausgedehnten Wander- und Radwegen erkundet werden. Im Dorf selbst gibt es gemütliche Unterkünfte, die einen angenehmen Aufenthalt garantieren.

Die örtlichen Restaurants verwöhnen mit regionalen Spezialitäten, darunter frischer Fisch aus dem hiesigen Haff. Auch kulturell hat Mönkebude einiges zu bieten, wie zum Beispiel das Heimatmuseum, das über die Geschichte des Ortes informiert, oder die Sommerklänge, die im Juli und August jeden Mittwoch im Innenhof des Haus des Gastes stattfinden. Alles in allem ist Mönkebude ein Geheimtipp für alle,

Veranstaltungshighlights 2024 19.06.24 Mittsommernachtswanderung 22.06.24 7. „Rad am Haff“ 23.06.24 Kabarett „Da lacht der Fußball“ mit Live – Übertragung des EM-Spiels 05.07. – Strand- und Hafenfest 07.07.24 06.07.24 Deichlauf Juli/August Sommerklänge – jeden Musikgarten von Shanty bis Pop Mittwoch 19.00 Uhr 31.08.24 Country Line Dance Event

die Ruhe und Erholung suchen. Die malerische Landschaft, die unberührten Strände und die herzliche Gastfreundschaft der Einheimischen machen das kleine Fischerdorf zu einem idealen Reiseziel. Also packen Sie Ihre Koffer und lassen Sie sich von Mönkebude verzaubern! www.mönkebude.de

Fotos: TVV

Auch Anklam

ist alt, aber sexy UNSERE ÖSTLICHSTE H A N S E S TA D T I S T D A S T O R ZUR SONNENINSEL USEDOM UND D I E W I E G E D E R L U F T FA H R T

Anklam und Wolgast haben mehr gemeinsam, als man vielleicht vermuten würde. Beide liegen in exponierter Lage in der idyllisch-wilden Küstenlandschaft Vorpommerns, und sind die zwei Tore (die einzigen Verkehrsbrücken) zur Insel Usedom. Die Ostsee ist schnell erreichbar, sofern es im Sommer keinen Rückstau an den Brücken gibt. Im Spätmittelalter (13. Jahrhundert) wurden die Kleinstädte in recht kurze Folge geründet. Somit blicken sie auf eine gemeinsame Geschichte des Landes Pommern zurück und haben auch turbulente Zeiten überstanden. Die

Einheimischen sind vom gleichen Schlag, aufgeschlossen und kulturbegeistert. Weshalb das Vorpommersche Landestheater hier wie da regelmäßig Bühnenstücke aufführt. Hauptsitz des Theaters ist indes die Hansestadt. Im Grunde ist Anklam mit drei Begriffen gut beschrieben: mit Luftfahrt, Theaterluft und „Rü-

Der Marktplatz im Herzen der Hansestadt Anklam

Unbedingt ansehen: das Otto-Lilienthal-Museum

Das Anklamer Stadtbruch ist ein Naturschutzgebiet.

Foto: fotograupner / stock.adobe.com

Fotos: Tourismusbetrieb Mönkebude BgA

Malerisches Küstendorf am Haff

benduft“. Wobei Letzteres auf die in der Region bedeutende und einzige Zuckerfabrik abzielt, die während der Rübenverarbeitung im Herbst einen gewissen Geruch über die Stadt legt. In der Hansestadt, dem Tor zur Insel Usedom, brummt die Kultur. Bei Einheimischen und Gästen beliebt sind die Theateraufführungen der hier ansässigen Vorpommerschen Landesbühne, die im Sommer Gastspiele u. a. in den Ostseebädern Zinnowitz und Heringsdorf gibt. Besuchenswert ist das Museum am Steintor. Es ist das älteste Museum zwischen Greifswald und Stettin, zeigt Stadtgeschichtliches und befindet sich in einem 32 Meter hohen Backsteintor. Hoch hinaus wollte einst auch Otto Lilienthal. Der berühmte Sohn der Peenestadt war Wegbereiter für die moderne Luftfahrt. 1848 in Anklam geboren hat er nach vielen Studien und Gleitflügen die Grundlagen für das Fliegen, wie es die Menschheit heute nutzt, gelegt. Seine Heimatstadt widmet ihm ein Museum mit Flugapparaten und großem Archiv. 61


Kultur

Foto: TOG

Die Festspiele im Neustrelitzer Schlossgarten zählen seit fast 25 Jahren zu den kulturellen Höhepunkten des Landes. In der Parkanlage gibt es unter anderem den Luisentempel zu besichtigen.

Neustrelitz tanzt

den Wiener Walzer Die Festspiele im Schlossgarten lassen die Herzen von Operetten- und Theaterfans diesmal im Dreivierteltakt schlagen, gezeigt wird „Ein Walzertraum“.

62

Street“. Im „Walzertraum“ erobert sie nun im Sturm das Herz des frisch vermählten Niki, dem aber auch seine Prinzessin Helene keineswegs gleichgültig sein kann. Auf jeden Fall bringen Wiener Walzer und Wiener Schmäh das Lebensgefühl der „großen weiten

Fotos: Ines Patro

Das Freilicht-Herz schlägt im Dreivierteltakt: „Ein Walzertraum“ soll im Sommer auf dem Neustrelitzer Schlossberg das Publikum zum Schwelgen bringen. Der Intendant der Theater und Orchester GmbH (tog), Sven Müller, nennt es „ein Geschenk“, nun auch „die letzte große Operette, die noch nicht hier gespielt wurde“ aufzubieten. Seit fast 25 Jahren sorgen jene launig-leichten Musikstücke in der Residenzstadt für Begeisterung – es sind Deutschlands größte Operettenfestspiele. In bester Manier des Genres stellt der „Walzertraum“ biederen, gar zu ordentlichen Verhältnissen eine Welt von Lust und Leidenschaft gegen. Mittendrin der fesche Wiener Leutnant Niki, der in ein provinzielles deutsches Fürstentum einheiraten soll, um einen Thronfolger zu zeugen. Doch in der Hochzeitsnacht locken ihn heimatliche Walzerklänge zu einer Damenkapelle und deren quirliger Dirigentin – wie wird dieses Spiel zwischen zwei Frauen wohl ausgehen? Auf jeden Fall wird‘s ein Heimspiel für Laura Scherwitzl, selbst ein sprühendes Wiener Madel, das in fast acht Jahren an der tog schon in vielen Rollen begeisterte, zuletzt etwa als kecke Adele in der „Fledermaus“ oder als DJane Anna im Musical „The Famous Door On Swing

Welt“ auf die Freilichtbühne, verspricht Regisseur Roman Hovenbitzer, der zu Beginn der 2000er Jahre schon mehrfach am Neustrelitzer Theater inszeniert hatte. Importiert wird besagter Schmäh gewissermaßen mit der Bahn – so das tragende Motiv im Bühnenbild von Hermann Feuchter. Ein durchaus doppelbödiges Motiv, denn wenn der Prinzgemahl die Erbfolge-Erwartungen nicht einlösen kann, droht ihm das Abstellgleis. Auch international war die Operette einst ein Renner Damit neben den großen Ensemblebildern auch kleine, charmante „Hinterzimmerszenen“ bestehen können, bringt das Team weitere Waggons ins Spiel, darunter einen „Wiener PartyWagen“, dessen Inneres einer Kuchenvitrine nachempfunden ist. Vor allem aber können die Wagen auf der Bühne frei bewegt werden und sind nicht auf eingefahrene Gleise angewiesen – wenn das nicht sinnbildhaft ist! Musikalisch werde das Stück „alle Erwartungen erfüllen“, verweist Kapellmeister Daniel Klein auf üppige Orchesterklänge und eingängige Melodien zwischen preußischem Marsch- und schwelgerischem Walzertakt. In seiner Entstehungszeit Anfang des 20. Jahrhunderts, in der „silbernen“ Operetten-Ära, habe das international erfolgreichste Stück von Oscar Straus sogar „Die Lustige Witwe“ des Zeitgenossen Franz Léhar überflügelt, weiß Regisseur Hovenbitzer. Selbst in London, Paris, New York sei es aufgeführt worden; in der Hollywood-Verfilmung „Der lächelnde Leutnant“ von Ernst Lubitsch spielte der elegante Maurice Chevalier die männliche Hauptrolle. Für die Opulenz der Neustrelitzer Inszenierung sorgen das Musiktheater-Ensemble mit Solisten, zwei Chöre, die Neubrandenburger Philharmonie und die Deutsche Tanzkompanie. 13 Mal wird die Operette auf dem Schlossberg zu erleben sein. Premiere ist am 12. Juli. www.tog.de Susanne Schulz


Kultur

Die Festspiele

ls.d ar

e

Foto: Felix Broede

Fo

to :w

w

sind im Sommer im ganzen Land zu erleben

w

.k

Meckpomm Tipps

von Robert Dahl, Inhaber von Karls und Erfinder der Karls Erlebnis-Dörfer

Die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern präsentieren 2024 wieder ein ebenso anspruchsvolles wie unterhaltsames Programm. Im Mittelpunkt steht diesmal ein Saxophon-Quartett. selböck. Das hat vor allem damit zu tun, dass Stars wie Iveta Apkalna, Julia Fischer oder Daniel Hope langfristig ausgebucht sind. Der Geiger Daniel Hope ist von Beginn an Stammgast der Festspiele MV. Man darf gespannt sein, wenn er im Sommer ein paar Konzerte mit dem Signum Saxophone Quartet bestreitet, das zum Preisträger in Residence der Festspiele 2024 ausgewählt wurde. Schon 2016 begeisterten die vier Jungs das Festspiel-Publikum und gewannen den Nordmetall-Ensemblepreis. Diesmal ist das Signum Saxophone Quartet bei 23 Konzerten zu erleben. Höhepunkt ist die Aufführung des Caspar-David-Friedrich-Stücks „Eismeer“, das Christoph Jost komponiert hat. Ein Saxophon-Quartett als bestimmende Künstler eines Klassik-Festivals. Ist das nicht ein Widerspruch? Ursula Haselböck schüttelt mit dem Kopf. „Zwischen ACDC und Bach können die Männer alles spielen. Die sind so etwas von festspielig“, schwärmt die Intendantin schon jetzt vom kommenden Sommer. www.festspiele-mv.de

Foto: Nikolaj Lund

Von Anklam bis Wismar, vom Nachwuchs bis zum großen Star – gewohnt klassisch und lässig wird es im Sommer bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern (MV) zugehen. Von Mitte Juni bis Mitte September finden landesweit 130 Veranstaltungen statt. An über 90 Locations werden Konzerte aufgeführt, oftmals an den Sehenswürdigkeiten des Landes. Das macht den Reiz der Musikreihe aus. Insbesondere die Open-Airs sorgen für unvergessliche Momente. Neben der Hauptspielzeit gibt es seit einigen Jahren auch den Festspiel-Frühling und -Winter. Die Crew von Festival-Intendantin Ursula Haselböck hat also viel zu organisieren – angefangen vom Catering für die Künstler bis hin zum „Einsammeln“ der Festival-Stühle nach den Konzerten. Insbesondere in den Sommertagen ist die Mannschaft fast täglich auf Achse. Was das Publikum nicht mitbekommt, ist die Organisation des Programms für die kommenden Saisons. „Wir planen generell lange voraus, mindestens zwei Jahre“, sagt Ursula Ha-

Diese vier Herren sind das Signum Saxophon-Quartett und 2024 die Stars der Festspiele MV.

Mecklenburg-Vorpommern ist „das Land zum Leben“ – warum ist es auch das Land zum Urlauben? Wenn ich von Reisen zurück nach MV komme, dann spüre ich Freiheit und Weite. Und das liebe ich. Das scheint Urlaubern auch zu gefallen. In den 32 Jahren, in denen ich jetzt hier wohne, ist die Liebe jedes Jahr stärker geworden. Was hat die Ostsee, was die Nordsee nicht bieten kann? Eine besonders sanfte Brandung. Nachts, wenn man an einem offenen Fenster eines Campers oder eines Hotels in Strandnähe wohnt, ist das sehr beruhigend. Wer ist die berühmteste Persönlichkeit, die wir hier haben? Auch wenn Otto von Bismarck kein Mecklenburger war, er hat einen tollen Spruch geprägt, der mir oft einfällt und MV sehr liebenswert macht. „Wenn die Welt untergeht, ziehe ich nach Mecklenburg, denn dort geschieht alles 100 Jahre später.“ Mit welcher kulinarischen Spezialität verbinden Sie die Region? Eigentlich am liebsten Räucherfisch oder Bismarck Heringe. Da ist er ja schon wieder der Bismarck. Welche Sehenswürdigkeiten sollten sich „Erstbesucher” anschauen? Karls Erdbeerhof. Spass beiseite … Fahrradtour durch die Mecklenburger Schweiz, Strandspaziergang auf dem Darß, Winterzeit auf Usedom, unbedingt Heiligendamm und Molli, und last but not least eine Rügen Safari per Hanomag. Wohin zieht es Sie, wenn Sie mal eine Auszeit benötigen? Ich wohne in einem kleinen Dorf im Landkreis Rostock. Ein ehemaliges Bauerngehöft. Wenn wir mal Zeit haben, genießen wir es am liebsten mal zu Hause mit einem seeeehr weiten Blick über Wiesen und Felder.

63


Kultur

Stavenhagen feiert den

Foto: Thoralf Plath

plattdeutschen Bestsellerautoren

Fritz Reuter thront seit 1911 auf dem Sockel vor seinem Geburtshaus in Stavenhagen.

Fritz Reuter hat es schon immer gewusst – und in seinem Buch über seine Vaterstadt sogar schriftlich festgehalten: Stavenhagen ist der Mittelpunkt der Welt. „Es fehlt ihr nur, daß sie an der Ostsee gelegen wäre, dann wäre sie eine Seestadt“. Nun denn, Reuter (1810-1874) war eben ein begnadeter Heimatdichter – und zu seiner Zeit einer der bestbezahlten Autoren. Geschrieben hat er auf Plattdeutsch, seine Bücher wurden weltweit über vier Millionen Mal verkauft. In Stavenhagen widmet sich das Reuter-Museum dem Meister. Seit einem guten Jahr wird es von Torsten Jahn geführt. Einige seiner Anfangsversprechen hat er zusammen mit seinen Mitarbeitern bereits erfüllt. Er wolle „dem Ganzen einen modernen Rahmen geben“, das Museum müsse „digitaler“ und „wissenschaftlicher“ werden. Es gibt mittlerweile eine neue Internetseite – übersetzt ins Englische und Niederdeutsche (!) – mit vielen Verweisen auf aktuelle Veranstaltungen und Partner wie den Förderverein der ReuterMuseen. Hervorhebenswert ist insbesondere der moderne virtuelle Rundgang durch das Museum

samt Audio-Erklärungen. Darauf aufbauend soll es in Zukunft auch einen Stadtrundgang samt Audioguide auf den Spuren Reuters in Stavenhagen geben. Die Anstrengungen wurden bereits honoriert: mit deutlich gestiegenen Besucherzahlen 2023 und Anfang 2024 sowie mit dem verliehenen Tourismuspreis 2023 des Tourismusverbandes Mecklenburgische Seenplatte. Natürlich werden im Jahr des Dreifachjubiläums – 150. Todestag Reuters am 12. Juli, 75 Jahre Reuter-Museum, 75 Jahre der Zusatz „Reuterstadt“ für Stavenhagen – zahlreiche Veranstaltungen geboten. Der Höhepunkt der Stavenhagener Festivitäten wird die Festwoche im Juli sein. Dann heißt es unter anderem „Eine Stadt spielt Fritz Reuter“. Am 12. und 13. Juli führen Laien auf dem Marktplatz „Kein Hüsung“ in einer hochdeutschen Fassung auf. Dass die Stavenhagener mitziehen, zeigt sich in der Resonanz. Längst sind alle Rollen besetzt, sagt Torsten Jahn. Der Hüter des Reuter-Erbes „muss“ natürlich auch mitspielen und schlüpft in die Rolle des Pastors. www.frlm-mv.de

Die glücklichen Jahre des Hans Fallada

64

von Carwitz, so schön wie in einer seiner Erzählungen. Willkommen in Falladas Welt Beim Umbau zum Museum wurde das Wohnhaus der Familie mit Liebe zum Detail nachgebildet und herrliche der Garten wieder in Schuss gebracht. In der Scheune finden regelmäßig Lesungen Veranstaltungen statt. Falladas Bücher werden heute noch gern verschlungen. „In seinen Romanen und Geschich-

ten behandelte er gesellschaftspolitische Themen, ohne die große Politik zum Gegenstand der Handlung zu machen“, sagt Museumsleiter Stefan Knüppel. Das Geheimnis seines Erfolges könne man in der Gegenwart suchen: „Die Probleme sind zum Teil dieselben – und Falladas Sprache ist noch immer faszinierend.“ Hans Fallada starb 1947 in Berlin. www.fallada.de

Foto: Ines Patro

Von Seen und Wäldern umarmt, liegt Carwitz im Herzen der Feldberger Seenlandschaft. Mit dem kleinen Ort ist ein großer Name verbunden. Der Schriftsteller Hans Fallada („Kleiner Mann, was nun?“) lebte von 1933 bis 1944 mit Frau und Kindern auf einem Bauernhof. Hier im stillen Mecklenburg, fernab vom Großstadtgetümmel, schrieb er ein Buch nach dem anderen. „Der eiserne Gustav“ oder „Wolf unter Wölfen“ – mit Werken wie diesen ging Fallada in die deutsche Literaturgeschichte ein. In Carwitz hatte Hans Fallada nicht nur seine produktivsten Jahre, nein, auch die glücklichsten. So übernahm er die Leitung des stattlichen Guts, das zum Grundstück gehörte. Für den gelernten Landwirt war das eine willkommene Abwechslung. Die drei Kinder werden auch ihre „qualitytime“ mit Papa eingefordert haben. Im Imkern fand er bald noch eine Leidenschaft: Für seine geliebten Bienen ließ der Bestsellerautor eine Obstbaumplantage angelegen – und ein mit bunten Bienenstöcken verziertes „Honig-Schloss“ errichten. Das Häuschen im Garten zählt heute zu den Attraktionen: Auf dem alten Anwesen betreibt die Hans-Fallada-Gesellschaft ein Museum, das den Meister vortrefflich würdigt, und auch den immer wieder strauchelnden Privatmann wertschätzt. Zu finden am Dorfende

Das ehemalige Wohnhaus von Hans Fallada in Carwitz bei Feldberg ist heute ein Museum.


Foto: ddp ix.d e (D ML -B Y)

www.urlaubszeit-sachsen.de

Foto: Stef an Kre tzs ch ma r

–a do be m .co ck to .s

er äfn lH ae ch i :M to Fo

www.meckpomm.de

Foto: LIGHTFIELD STUDIOS – stock.adobe.com

www.bodensee.de

URLAUB IN DEUTSCHLAND! Die schönsten Seiten von Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und dem Bodensee.


Kultur

Impressum ISBN 978-3-910631-45-8 EAN 4193743405501

„Unsere“ Königin ist jetzt Netflix-Star Foto: SSGK MV

Die Labhard Medien GmbH ist auf Lifestyle, Tourismus, Wirtschaft, Kultur, Gastronomie und Standortmarketing spezialisiert. Adresse: Labhard Medien GmbH Friedrich-Engels-Ring 29 17033 Neubrandenburg Tel. +49 7531 90710 verlag@labhard.de www.labhard.de Geschäftsführung Steven Rückert, srueckert@labhard.de Kontakt zum geschäftlichen Anzeigen- und Beilagenverkauf Tel. +49 395 4575-222 mediaberatung@sv-gruppe.de Herausgeber Labhard Medien GmbH Friedrich-Engels-Ring 29 17033 Neubrandenburg Produktmanagement Sandra Gryzbeck, s.gryzbeck@sv-gruppe.de Redaktion Sirko Salka (Leitung), sirko.salka@labhard.de Korrektorat Gerlinde Bauszus Vertrieb D-FORCE-ONE GmbH Neuer Höltigbaum 2, 22143 Hamburg Gestaltung Ines Riebau, Heiko Weidauer SV Medienproduktion GmbH & Co. KG, Ravensburg Druck Typos, tiskařské závody, s.r.o. Podnikatelská 116 0/14 30100 Pilsen Fotos Wenn nicht anders vermerkt, wurden uns die Fotos von den betreffenden Kommunen, Organisationen und Unternehmen zur Verfügung gestellt. Titelbild © SEB - www.sebfoto.de / stock.adobe.com Alle Rechte vorbehalten: Labhard Medien GmbH. Namentlich gekennzeichnete Beiträge können, müssen aber nicht die Meinung der Herausgeber wiedergeben. Erscheinungsweise: Jährlich Redaktionsschluss: 01.06.2024

www.meckpomm.de Ihr Urlaubsportal für Mecklenburg-Vorpommern

66

Auf Schloss Mirow wuchs Köngin Charlotte auf.

Einst war sie die mächtigste Frau Europas, fast 60 Jahre trug Königin Charlotte die britische Krone. Dank einer TV-Serie ist die Prinzessin aus Mecklenburg plötzlich wieder in aller Munde. „Mein Schatz aus Strelitz“ wurde die Prinzessin aus Mirow von ihrem späteren Gemahl, dem britischen König George III. charmant genannt. In den USA trägt eine Millionenstadt ihren großen Namen – Charlotte liegt mittendrin im Mecklenburg Country.Auch die Paradiesvogelblume hat mit Sophie Charlotte zu Mecklenburg-Strelitz zu tun: Ihr zu Ehren erhielt sie die den Namen „Strelitzie“. Und auf Netflix ging zuletzt eine Serie viral, in der eine junge Prinzessin ihr geliebtes Mecklenburg verlassen muss, um Königin von England zu werden. Keine 25 Kilometer westlich von Neustrelitz steht ein hübsches, kleines Barockschloss in bester Lage auf einer Insel: Sehr nett anzuschauen, das Schloss von Mirow mitten in der Mecklenburgischen Kleinseenplatte. Dem restaurierten Herrenhaus sieht man nicht unbedingt an, wie weit seine Bedeutung einst in die weite Welt hinausreichte. Sophie Charlotte wurde am 19. Mai 1744 in Mirow geboren und wuchs auf diesem Schloss auf. Sie war nicht die einzige Mirower Prinzessin, aus der einst eine Königin wurde, wohl aber die berühmteste. Im Spätsommer 1761 heiratete König George III. die 17-jährige Braut im Londoner St James‘s Palace. Die beiden hatten sich am Hochzeitstag

Königin Charlotte wurde auf diesem Gemälde vom Schweriner Hofmaler Georg David Matthieu, porträtiert. Foto: SSGK MV

erst kennengelernt. Auch Vernunftehen können offenbar ins Glück führen ... 15 Thronfolger (!) brachte Charlotte insgesamt auf die Welt. Bis zu ihrem Tod am 17. November 1818 war sie 57 Jahre mit dem britischen König verheiratet und lenkte als eine der mächtigsten Frauen Europas die Geschicke jener Epoche. In der jüngsten Generation der britischen Königsfamilie tragen die Erstgeborenen von Prinzessin Kate und Prinz William die Namen ihrer Urahnen – George und Charlotte. Und dann ist da noch diese Netflix-Serie „Queen Charlotte: Eine Bridgeton-Geschichte“, die weltweit für Begeisterung und Diskussionsstoff sorgt. Gespielt wird Charlotte von der nicht-weißen Schauspielerin India Amarteifio. Schon geht das Rätselraten los, ob die echte Charlotte nicht auch schwarz war, vielleicht ja so ein bisschen ... Fans der Serie interessieren sich längst auch für Charlottes Heimat, für dieses Mirow im Nirgendwo und das dort versteckte Schmuckschloss. Die ersten internationalen „Schatzsucher“ waren bereits da.


#vereintfeiern in Schwerin

Mecklenburg-Vorpommern lädt ein zum Bürgerfest zum Tag der Deutschen Einheit 2024 in Schwerin

. 0 1 . 4 . 2 2024

tag-der-deutschen-einheit.de


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
Mecklenburg-Vorpommern-Magazin 2024 by Labhard Medien - Issuu