Skip to main content

#185: Vom Sein zur Trauer

Page 1

Herausgegeben von der Distel Vereinigung Nr. 185 - 2025 www.kulturelemente.org info@kulturelemente.org redaktion@kulturelemente.org

Euro 3,50 Poste Italiane s.p.a. Spedizione Abbonamento Postale – 70 % NE Bolzano

FRANZISKA EGGER Übersinnlich

Der Tod als Inspiration

Inhalt Der Tod ist groß, aber wie selbstbestimmt darf er sein?, fragt Roger Pycha.

3

Sabine Foraboschi spricht mit Sonja Steger über die Begleitung auf der letzten Reise.

4

Was Rechbretter sind, erklärt uns Ingrid Kofler. Haimo Perkmann

Das älteste überlieferte Epos der Menschheitsgeschichte rückt bereits die Frage nach der Unsterblichkeit ins Zentrum seiner Erzählung. Höchst erstaunlich – und zugleich bezeichnend für die menschliche Kulturgeschichte – ist die Schlussfolgerung, zu der das Gilgamesch Epos vor über 4000 Jahren gelangt. Doch dazu später. „Der Tod ist die eigentliche Inspiration der Philosophie“, schreibt Arthur Schopenhauer (†1860) in seinem Hauptwerk Die Welt als Wille und Vorstellung. Und Martin Heidegger (†1976) kommt in Sein und Zeit zum Schluss: „Das Sein zum Tode ist die höchste Möglichkeit des Daseins.“ Beide Erkenntnisse knüpfen übrigens an eine Überlegung an, welche die meisten von uns auf naive Weise bereits im Kindesalter anstellen. Nämlich, wenn wir uns der eigenen Sterblichkeit bewusst werden und uns die Frage befällt, ob ein unsterbliches Leben überhaupt Sinn mache; ob es sodann überhaupt eine Antriebsfeder gäbe, einen Grund irgendetwas jetzt zu tun, was man auch in 1000 Jahren tun könne. In den Worten von Gilles Deleuze (†1995): „Der Tod ist der Bruch, der die Zeit überhaupt erst eröffnet; ohne ihn hat der Zeitbegriff keinen Sinn.“

Nach Sterben, Tod und Trauer im Zeitalter der Digitalisierung fragt Laura Breitenberger.

Sterben lernen Eine viel häufiger diskutierte philosophische Frage als jene nach dem Sinn der Unsterblichkeit ist hingegen, ob umgekehrt ein sterbliches Leben Sinn macht. Die religiöse Antwort wäre: Ja, es macht Sinn in der Vorstellung des Todes als Ziel des Lebens und Eintritt in das ewige Leben. Deleuze würde an dieser Stelle einwenden, dass das Leben nicht auf den Tod hin orientiert sei, sondern auf Wiederholung und Werden. Der Tod selbst gehört der Ebene des Ereignisses an, denn er betrifft alle gleichermaßen und ist sozusagen – außerhalb des konkreten Ereignisses – unpersönlich. Kurz gesagt, das Sein bleibt bestehen, das Seiende vergeht. Dieser ontologische Vorrang bedeutet, dass der Kreislauf des Lebens das Sein und das Werden betrifft, jedoch nicht das Seiende wie das Individuum. Was aber kann der Einzelne, das Subjekt, mit dieser Erkenntnis anfangen? Hierzu formuliert Michel de Montaigne (†1592) Jahrhunderte vor Schopenhauer und Heidegger einen ganz anderen Gedanken. Nicht der Tod ist bei ihm die Inspiration zum Denken, ergo zum Sein, vielmehr müsse

6

Dem umfriedeten Raum nähert sich Waltraud Holzner kulturhistorisch und literarisch.

11

SAVANNEN: Martha Fuchs Haller bringt persönliche Trauer zum Ausdruck.

12

Clemens Tschurtschenthaler bekommt Atelier-Besuch von Christian Lübbert.

14

GALERIE Laurin Böhm und Sabrina Mandelli befassen sich in ihren Uni-Abschlussarbeiten mit Trauer-Szenarien. FOTOSTRECKE In bunten Bildern konfrontiert uns Franziska Egger mit Tod, Trauer und Martyrium.


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
#185: Vom Sein zur Trauer by Kulturelemente - Issuu