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KÜNKER EXKLUSIV
NEUES AUS DEM AUKTIONS- UND GOLDMARKT
#40 2026
WinterAuktion 447
eLive Premium Auctions 448-451
2.-3. November 2026 in Osnabrück
9.-11. & 24.-25. November 2026
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KÜNKER EXKLUSIV
NEUES AUS DEM AUKTIONS- UND GOLDMARKT
In dieser Ausgabe
Termine 2026/27
Vorwort
3
Munich Show in München
23.-25. Oktober 2026
Winter-Auktionen 447-451
4
Winter-Auktion 447
2.-3. November 2026
Ein kulturgeschichtliches Phänomen: Die Sammlung Rolf W. Schumm
22
eLive Premium Auctions 448-449
9.-11. November 2026
Syrakus’ Münzen aus Klassischer Zeit: Landeigner, Tyrannen, und die Pferde
30
NUMISMATA Berlin
14.-15. November 2026
Zum Oktopus auf den Münzen von Syrakus
36
eLive Premium Auctions 450-451
24.-25. November 2026
„Der Krieg ist der Vater aller Dinge“
40
Vorschau auf unsere eLive Auction 95 NUMISMATA Berlin 2026
eLive Auction 95
1.-4. Dezember 2026
44
NY INC New York International Coin Convention
14.-17. Januar 2027
47
Berlin-Auktion 2027
27. Januar 2027
Mohács 1526 – Eine europäische Zeitenwende 48
World Money Fair 2027
28.-30. Januar 2027
25 Jahre Engagement für Künker
Numismata München
06.-07. März 2027
Frühjahrs-Auktionen 2027
15.-19. März 2027
60
Titelbild Peter Paul Rubens, Sine Cerere et Baccho friget Venus, 1612/1613.
Impressum Herausgeber
Fotos Saal Auktionen
Fritz Rudolf Künker GmbH & Co. KG
Lübke + Wiedemann KG, Leonberg
Nobbenburger Straße 4a
B.Seifert
49076 Osnabrück www.kuenker.de
Fotos eLive Auction 95 Fritz Rudolf Künker GmbH & Co. KG
Lektorat Georg Müller
V.i.S.d.P. Dr. Andreas Kaiser
Mitarbeitende dieser Ausgabe Dr. Ursula Kampmann
Druck
Julia Kröner
Druck- und Verlagshaus
Inja MacClure
Fromm+Rasch GmbH & Co.KG
Dr. Margret Nollé
www.frommrasch.de
Dr. Hertha Schwarz Felix Wunder Gestaltung Helge Lewandowsky
ISSN 3052-0142
VORWORT
KÜNKER EXKLUSIV
Liebe Kundinnen und Kunden, liebe Münzfreunde,
mit dieser Ausgabe der Künker Exklusiv begrüßen wir Sie zu unseren Winter-Auktionen 447 bis 451. Im Mittelpunkt dieser Ausgabe stehen die zahlreichen Highlights unserer kommenden Auktionen: Besonders Freunde antiker Numismatik dürfen sich auf die Auktion 447 freuen. Sie ist die einzige Saal-Auktion des Jahres, die ausschließlich Münzen der antiken Welt gewidmet ist. Gleichzeitig möchten wir darauf hinweisen, dass antike Münzen nicht nur in dieser Auktion eine Rolle spielen. Auch unsere eLive Auctions enthalten regelmäßig attraktive Stücke aus der Welt der Antike und bieten das ganze Jahr über spannende Erwerbsmöglichkeiten. Darüber hinaus erwarten Sie mit den eLive Premium Auctions 448 und 449 bedeutende Sammlungen antiker Münzen, darunter die Sammlungen Rolf W. Schumm, Dr. Hartmut Kreutzer sowie die Sammlung Dr. W. R. Mit den eLive Premium Auctions 450 und 451 setzen wir zudem die Versteigerung weiterer herausragender numismatischer Zeugnisse fort: Neben dem zweiten Teil der Imperial Collection – Numismatische Kostbarkeiten aus dem Besitz der preußischen Könige und deutschen Kaiser aus dem Hause Hohenzollern kommt mit der Sammlung Buginithi eine außergewöhnliche Auswahl brandenburg-preußischer Prägungen auf den Markt.
Doch nicht nur die Auktionen stehen im Mittelpunkt dieser Ausgabe. Freuen Sie sich auf spannende Einblicke in die Welt der Numismatik, auf interessante Geschichten rund um bedeutende Sammlungen, auf eine Reise nach Syrakus sowie auf Beiträge zu historischen Ereignissen, deren Auswirkungen bis heute spürbar sind. Außerdem stellen wir zwei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor, die seit 25 Jahren zum Erfolg unseres Hauses beitragen. Wir wünschen Ihnen viel Freude bei der Lektüre, spannende Entdeckungen und natürlich viel Erfolg bei unseren Winter-Auktionen. Vielleicht dürfen wir Sie schon bald persönlich in Osnabrück oder auf einer der zahlreichen Münzbörsen begrüßen.
Ulrich Künker
Dr. Andreas Kaiser
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KÜNKER EXKLUSIV
WINTER-AUKTIONEN 447-451
Auktionen 447-449: Eine reiche Auswahl an Münzen der antiken Welt Drei Auktionen mit Münzen der antiken Welt versteigern wir Anfang November 2026. Am 2. und 3. November 2026 findet die Saalauktion mit mehr als 1.300 Losen aus verschiedenem Besitz statt. Es folgt als eLive Premium Auction am 9. und 10. November 2026 die Sammlung Rolf W. Schumm mit mehr als 1.100 Losen. Den Abschluss machen – ebenfalls als eLive Premium Auction – zwei Spezialsammlungen, nämlich Münzen von Syrakus aus der Sammlung Dr. Hartmut Kreutzer sowie der 11. Teil der Sammlung Dr. W. R. mit Prägungen von der ersten Tetrarchie bis zum Untergang des weströmischen Reichs. Für die Auktionskataloge 447-449 und eine detaillierte Auktionsübersicht scannen Sie einfach nebenstehenden QR-Code.
Auktion 447: Münzen der antiken Welt 2.-3. November 2026 (Saal-Auktion)
1.300 Lose mit Münzen der antiken Welt werden im Verlauf unserer Saal-Auktion vom 2. bis zum 3. November 2026 angeboten. Abgedeckt wird das gesamte Spektrum der antiken Numismatik. Von den keltischen über die griechischen und römischen Prägungen bis hin zur byzantinischen Zeit. Einige Stücke der Völkerwanderung und der islamischen Numismatik runden das Angebot ab.
1,5:1
1,5:1
Los 5
Los 74
Gallia. Parisii. Stater, um 60 v. Chr.
Lucania. Metapont. Didrachme, 400/340 v. Chr.
Sehr selten, besonders in dieser Erhaltung.
Prachtexemplar. Von großer Seltenheit, besonders
Fast vorzüglich.
in dieser Erhaltung. Dionysoskopf von feinstem Stil,
Schätzung: 20.000 Euro
feine Tönung, breiter Schrötling, vorzüglich. Exemplar der Auktion Jacob Hirsch VIII, München 1903, Nr. 792 Schätzung: 20.000 Euro
WINTER-AUKTIONEN 447-451
KÜNKER EXKLUSIV
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Gleich fünf bedeutende Spezialsammlungen werden im Rahmen der Auktion aufgelöst, nämlich 2:1
Los 218 Sicilia. Syrakus. 100 Litren 405/400 v. Chr. Eines der schönsten bekannten Stücke dieses interessanten Münztyps. Sehr selten.
die Sammlung Walter Louwet die Antissa Collection eine süddeutsche Privatsammlung eine Sammlung antiker Münzen aus zwei Generationen die Sammlung eines hanseatischen Römerfreundes
Prachtexemplar. Vorzüglich.
Diese Sammlungen ergänzen sich ideal. Ganz gleich, ob Sie sich für feinen griechischen Stil, römische Geschichte, weit zurückreichende Provenienzen oder Raritäten interessieren: Für jeden Freund antiker Münzen ist in dieser Auktion etwas enthalten.
Schätzung: 25.000 Euro
1,5:1
Los 223 Sicilia. Syrakus.
Nach einigen ausgesuchten Münzen der keltischen Stämme folgt ein umfangreiches Angebot an griechischen Münzen, bei dem eine reiche Auswahl von Prägungen aus Syrakus heraussticht. Ferner können Sie sich auf etliche archaische Münzen sowie eine Serie von Elektron aus Mytilene freuen. Besonders ungewöhnlich ist das umfangreiche Angebot an Münzen Nordafrikas.
Dekadrachme um 400/390 v. Chr., unsigniert.
Liebhaber von Münzen der römischen Republik haben die Qual der Wahl: Sie finden nicht nur große Raritäten, sondern auch Münzen in bester Erhaltung, vor allem aus der Periode der Bürgerkriege. Jetzt haben Sie die Gelegenheit, die Porträts aller großen Akteure dieser spannenden Epoche im Münzbild zu erwerben! Oder suchen Sie eine bestimmte Legion in der Serie der Legionsdenare des Marcus Antonius? Die Auswahl ist groß. Und wenn Sie in Auktion 447 nicht zum Zug kommen: eine fast komplette Serie der Legionsdenare wird auch in der Sammlung Schumm angeboten!
Herrliche Patina, vorzüglich. Schätzung: 25.000 Euro
1,5:1
Los 391 Attica. Athen. Tetradrachme 500/480 v. Chr. Mit so perfekt zentriertem Avers von größter Seltenheit. Perfekt auf breitem Schrötling zentrierter Avers, gutes sehr schön.
Unter den Münzen der römischen Kaiserzeit entdecken Sie eine spannende Mischung an Gold, Silber und Bronze. Ganz gleich, was Sie sammeln: Wenn Sie sich für die Antike interessieren, ist für Sie etwas dabei!
Schätzung: 10.000 Euro
Los 440 Creta. Lyttos. Stater, 330/300 v. Chr. Selten. Feine Tönung, min. Prägeschwächen, knapp vorzüglich. Schätzung: 1.000 Euro 1,5:1
6
KÜNKER EXKLUSIV
WINTER-AUKTIONEN 447-451
1,5:1
1,5:1
Los 475
Los 711
Mysia. Kyzikos. Pharnabazos, Satrap,
Aegyptus. Ptolemaios II., 285-246 v. Chr.
413-373 v. Chr. Tetradrachme 394/393 v. Chr.
für Arsinoë II. Oktodrachme 253/246 v. Chr., Paphos.
Sehr selten. Min. korrodiert und gereinigt, sehr schön.
Von allergrößter Seltenheit. Sehr schön-vorzüglich.
Schätzung: 4.000 Euro
Exemplar der Sammlung Alexandre Silberstein. Schätzung: 30.000 Euro
1,5:1
1,5:1
Los 728
Los 740
Cyrenaica. Kyrene. Stater 331/322 v. Chr.
Zeugitania. Karthago. Trihemistater um 260 v. Chr.
Sehr selten. Sehr schön.
Selten. Attraktives Exemplar, vorzüglich.
Schätzung: 30.000 Euro
Schätzung: 30.000 Euro
1,5:1
1,5:1
Los 769
Los 813
Römische Republik. Denar 108/107 v. Chr., Rom.
Römische Republik. Denar 43 v. Chr., Rom. L. Servius Rufus.
M. Herennius. Vorzüglich-Stempelglanz.
Mit dem Porträt des Brutus. Sehr selten. Feine Tönung,
Schätzung: 1.000 Euro
kl. Kratzer, sehr schön. Exemplar der Sammlung Ernst Justus Haeberlin (1847-1925), Auktion Cahn-Hess, Frankfurt am Main 17. Juli 1933, Nr. 2980. Schätzung: 1.500 Euro
1,5:1
1,5:1
Los 817
Los 880
Römische Republik. Denar 42 v. Chr., Rom.
Imperatoren. Marcus Antonius, † 30 v. Chr.
C. Vibius Varus. Ausdrucksstarker Herculeskopf.
Denar 37/35 v. Chr., peloponnesische Münzstätte.
Herrliche Tönung, vorzüglich.
Selten. Herrliche Tönung, vorzüglich.
Schätzung: 1.000 Euro
Schätzung: 1.000 Euro
WINTER-AUKTIONEN 447-451
1,5:1
KÜNKER EXKLUSIV
1,5:1
Los 958
Los 1024
Römische Kaiserzeit. Augustus, 30 v.-14 n. Chr.
Römische Kaiserzeit. Otho, 69.
Denar 17 v. Chr., Rom. Feine Tönung, kl. Schrötlingsriss,
Aureus, Rom. Selten. Gutes sehr schön.
Sammlerpunze (?) auf dem Avers, gutes sehr schön.
Schätzung: 50.000 Euro
Schätzung: 1.500 Euro
Los 1031 Römische Kaiserzeit. Vespasianus, 69-79. Sesterz 71, Rom. Prachtexemplar. Vorzüglich. Schätzwert: 6.000 Euro 1,5:1
1,5:1
1,5:1
Los 1111
Los 1118
Römische Kaiserzeit. Lucius Verus, 161-169 für Lucilla.
Römische Kaiserzeit. Pertinax, 193. Aureus, Rom. Sehr selten.
Aureus, Rom. Selten. Vorzüglich-fast Stempelglanz.
Prachtexemplar. Vorzüglich. Exemplar der Sammlung
Exemplar der Auktion Kunst und Münzen AG 2,
Archer Milton Huntington (* 10. März 1870, New York;
Lugano 1969, Nr. 202.
† 11. Dezember 1955, Bethel; Inventar-Nr. ANS 1001.1.30032).
Schätzung: 12.500 Euro
Schätzung: 30.000 Euro
1,5:1
1,5:1
Los 1124
Los 1156
Römische Kaiserzeit. Septimius Severus, 193-211
Römische Kaiserzeit. Regalianus, 260, für Dryantilla.
mit Julia Domna, Caracalla und Geta. Aureus, 202, Rom.
Antoninian, Carnuntum. Von großer Seltenheit. Gutes sehr schön.
Sehr selten. Winz. Kratzer auf dem Avers, knapp vorzüglich.
Das Stück ist überprägt auf einen Denar des Severus Alexander.
Schätzung: 30.000 Euro
Schätzung: 4.000 Euro
7
8
KÜNKER EXKLUSIV
WINTER-AUKTIONEN 447-451
1,5:1
1,5:1
Los 1167
Los 1238
Römische Kaiserzeit. Maximianus I., 285-305.
Römische Kaiserzeit. Constantius III., 421.
Quinar 294/297, Treveri. Von allergrößter Seltenheit.
Solidus, Ravenna. Von großer Seltenheit.
Dunkle Patina, sehr schön.
Sehr schön/gutes sehr schön.
Schätzung: 3.000 Euro
Schätzung: 6.000 Euro
Los 1269 Römische Kaiserzeit. Maiorianus, 457-461. Solidus, Arelate. Sehr selten. Fast vorzüglich. Schätzung: 10.000 Euro 1,5:1
eLive Premium Auction 448: Antike Münzen der Sammlung Schumm
Viele Münzsammler aus dem deutschen Südwesten werden Rolf W. Schumm persönlich kennen. Das engagierte Mitglied des Württembergischen Vereins für Münzkunde war ein regelmäßiger Gast auf Stuttgarter Münzbörsen und Auktionen. Er hatte schon sehr früh seine Begeisterung für die klassischen Antike entdeckt und teilte seine Leidenschaft mit Gattin Ursula Schumm.
9.-10. November 2026
Nun kommt in der eLive Premium Auction 448 seine Sammlung auf den Markt, der man den Enthusiasmus des sammelnden Ehepaares für die Geschichte ansieht. Kenner bemerken es sofort: Die Münzen wurden nicht nach Anlagekriterien ausgewählt, sondern nach der Aussagekraft ihrer Bilder. Wenn Sie sich für Geschichte interessieren, dann werden Sie in dieser Sammlung Motive entdecken, die Sie sich für die eigene Sammlung schon immer gewünscht haben. Natürlich enthält die Sammlung Schumm auch Münzen in bester Erhaltung und von großartiger Provenienz. Sie wurde über sechs Jahrzehnte zusammengetragen und das bot viele Gelegenheiten für so manchen spannenden Kauf!
1,5:1
Los 2531 Sicilia. Punier. Tetradrachme 410/390 v. Chr., Lagermünzstätte oder Karthago. Gutes sehr schön. Exemplar der Auktion Bank Leu 2, Zürich 1972, Nr. 124. Schätzung: 3.500 Euro
Freuen Sie sich also auf ein Ensemble mit vielen Facetten aus der keltischen, griechischen und römischen Numismatik, ausgewählt von einem, der die Geschichte liebt!
WINTER-AUKTIONEN 447-451
1,5:1
KÜNKER EXKLUSIV
1,5:1
Los 2662
Los 2704
Aegyptus. Ptolemaios I., 323-305-283 v. Chr. Tetradrachme
Römische Republik.
306/303 v. Chr., Alexandria.
60 Asse nach 211 v. Chr., Rom.
Herrliche Patina, vorzüglich.
Fast vorzüglich.
Schätzung: 1.500 Euro
Schätzung: 5.000 Euro
1,5:1
1,5:1
Los 2745
Los 2834
Römische Republik. Bürgerkrieg. Denar um 89 v. Chr., Bovianum.
Römische Republik. Denar 48 v. Chr., Rom.
Sehr selten. Herrliche Patina, vorzüglich.
L. Hostilius Saserna. Sehr selten. Attraktive Tönung, vorzüglich.
Exemplar der Auktion Hess-Leu 41, Luzern 1969, Nr. 29.
Exemplar der Auktion Sternberg VI, Zürich 1976, Nr. 758.
Schätzung: 1.250 Euro
Schätzung: 2.000 Euro
1,5:1
1,5:1
Los 2958
Los 2960
Imperatoren. Marcus Antonius, † 30 v. Chr. und Kleopatra.
Imperatoren. Octavianus. Aureus 43 v. Chr., Rom.
Denar 34 v. Chr., Alexandria. Sehr selten.
Sehr selten. Winz. Schrötlingsfehler,
Feine Tönung, min. Prägeschwäche, gutes sehr schön.
Reste von Prägeglanz, vorzüglich.
Exemplar der Liste Rodolfo Ratto IX, Milano 1933, Nr. 1144.
Schätzung: 7.500 Euro
Schätzung: 2.000 Euro
1,5:1
1,5:1
Los 3023
Los 3025
Römische Kaiserzeit. Augustus, 30 v.-14 n. Chr.
Römische Kaiserzeit. Augustus, 30 v.-14 n. Chr.
Aureus 19/18 v. Chr., Ephesos (Ionia).
Denar 19/18 v. Chr., Pergamon.
Von großer Seltenheit. Min. Sehr schön.
Sehr selten. Vorzüglich.
Schätzung: 10.000 Euro
Schätzung: 1.500 Euro
9
10
KÜNKER EXKLUSIV
WINTER-AUKTIONEN 447-451
1,5:1
1,5:1
Los 3200
Los 3227
Römische Kaiserzeit. Nero, 54-68. Aureus 64/65, Rom.
Römische Kaiserzeit. Bürgerkrieg, 68-69.
Unregelmäßiger Schrötling, vorzüglich. Exemplar der Sammlung
Denar 69, gallische Münzstätte.
Walter Niggeler, Auktion Bank Leu/Münzen und Medaillen AG,
Sehr selten. Sehr schön.
Basel 2.-4. November 1967, Nr. 1120.
Schätzung: 1.500 Euro
Schätzung: 5.000 Euro
1,5:1
1,5:1
Los 3289 Römische Kaiserzeit. Domitianus, 81-96. Sesterz 87, Rom. Grüne Patina, min. Doppelschlag, Felder leicht geglättet, vorzüglich/sehr schön-vorzüglich. Exemplar der Sammlung M. Paul Vautier und Prof. Maxime Collignon, Auktion Ars Classica II, Luzern 1922, Nr. 561. Schätzung: 1.500 Euro Los 3401 Römische Kaiserzeit. Los 3557
Hadrianus, 117-138. Sesterz 130/133, Rom. Selten.
Römische Kaiserzeit. Gordianus III., 238-244.
Überdurchschnittlich erhalten.
Medaillon, Rom. Von großer Seltenheit.
Hübsche Patina, leichte Prägeschwächen,
Leicht korrodiert, sehr schön.
gutes sehr schön. Exemplar
Exemplar der Sammlung Fürst Waldeck,
Schätzung: 5.000 Euro
Auktion Münzhandlung Basel 3, Basel 1935, Nr. 832. Schätzung: 2.000 Euro
1,5:1
1,5:1
Los 3642 Römische Kaiserzeit. Constantinus III., 407-411. Solidus 408/411, Treveri. Sehr selten. Geprägt mit rostigen Stempeln, winz. Prüfstelle am Rand, knapp vorzüglich. Schätzung: 4.000 Euro
WINTER-AUKTIONEN 447-451
eLive Premium Auction 449: Die Sammlung Dr. Hartmut Kreutzer, Teil 1 11. November 2026
KÜNKER EXKLUSIV
1,5:1
Los 4026 Sicilia. Syrakus. Tetradrachme 415/405 v. Chr., beidseitig signiert von Euainetos. Selten. Herrliche Patina, min. Prägeschwäche, sehr schön +. Schätzung: 2.000 Euro
Wer den Namen Dr. Hartmut Kreutzer hört, denkt sofort an sein wichtiges Buch zu den syrakusanischen Drachmen und Kleinsilbermünzen aus der Periode der signierenden Künstler. Nun kommt der erste Teil seiner Sammlung auf den Markt. Er umfasst rund 100 Lose von - nicht wirklich überraschend - Münzen aus Syrakus, darunter äußerst seltene Kleinmünzen sowie Vergleichsstücke der syrakusanischen und sizilischen Münzprägung. Die Stücke wurden mit viel Wissen um die künstlerische Qualität und die Seltenheit mancher Stempel ausgewählt. So findet nicht nur derjenige etwas, der gerne eine Münze der Stadt Syrakus haben möchte, sondern auch der erfahrene Spezialsammler. Denn die Sammlung bietet Typen, wie sie nur selten zu sehen sind.
1,5:1
Los 4036 Sicilia. Syrakus. Hemidrachme 410/405 v. Chr. Feine Tönung, min. korrodiert, sehr schön-vorzüglich. Schätzung: 250 Euro
1,5:1
Los 4045 Sicilia. Syrakus. Litra 415/405 v. Chr. Feine Patina, sehr schön-vorzüglich. Schätzung: 250 Euro
1,5:1
1,5:1
Los 4059
Los 4065
Sicilia. Syrakus. Drachme 410/405 v. Chr.
Sicilia. Syrakus. 50 Litren 405/400 v. Chr.
Hübsche Tönung, min. korrodiert, gutes sehr schön.
Geprägt mit leicht rostigem Aversstempel,
Schätzung: 1.000 Euro
sehr schön-vorzüglich/vorzüglich. Schätzung: 4.000 Euro
Los 4076 Sicilia. Syrakus. Hieron II., 274-216 v. Chr. Drachme 269/263 v. Chr. Winz. Prüfstelle am Rand, sonst vorzüglich. Exemplar der Sammlung Gustave Burel, 1,5:1
Auktion Rollin & Feuardent, Paris 11.-14. Juni 1913, Nr. 111. Schätzung: 2.500 Euro
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KÜNKER EXKLUSIV
WINTER-AUKTIONEN 447-451
eLive Premium Auction 449: Die Sammlung Dr. W. R., Teil 11 11. November 2026
1,5:1
Los 4503 Römische Kaiserzeit. Carausius, 287-291. Antoninian, unbestimmte Münzstätte. Von großer Seltenheit. Min. Prägeschwäche am Rand, vorzüglich. Schätzung: 300 Euro
1,5:1
Los 4506
Im Rahmen der eLive Premium Auction 449 wird der mittlerweile 11. Teil der Sammlung Dr. W. R. aufgelöst. Kenner wissen also inzwischen, was sie erwartet: Ausgesuchte Seltenheiten in herausragender Qualität in allen drei Metallen: Gold, Silber und Bronze. Teil 11 enthält die Münzen der numismatisch so wichtigen Epoche zwischen dem Beginn der ersten Tetrarchie und dem Ende Westroms. Spezialsammler dürfen sich freuen, denn sie werden viele seltene Kaiser entdecken, von denen wir hier nur Alexander von Karthago und Martinianus nennen. Aber auch von den bekannteren Herrschern sind historisch interessante Raritäten enthalten.
Römische Kaiserzeit. Diocletianus, 284-305. Aureus 294, Rom. Selten. Sehr attraktives Exemplar, vorzüglich-Stempelglanz. Schätzung: 6.000 Euro
1,5:1
Los 4513 Römische Kaiserzeit. Maximianus I., 285-305. Aureus 286, Antiochia. Sehr selten.
Die Auswahl ist also groß. Wir empfehlen trotzdem, zusätzlich noch einen genauen Blick auf die sinnvoll zusammengestellten Lots zu werfen, die Münzen in zum Teil perfekter Qualität enthalten.
Winz. Schrötlingsfehler am Rand, vorzüglich. Schätzung: 7.500 Euro
1,5:1 1,5:1
Los 4524 Römische Kaiserzeit. Constantius I., 293-306.
Los 4537
Argenteus 300/301, Rom, 6. Emission. Selten.
Römische Kaiserzeit. Maximinus II. Daia, 305-313.
Exemplar mit feiner Patina, fast vorzüglich.
Aureus 306/307, Nicomedia. Selten. Fast vorzüglich.
Schätzung: 500 Euro
Schätzung: 6.000 Euro
WINTER-AUKTIONEN 447-451
KÜNKER EXKLUSIV
Los 4549 Römische Kaiserzeit. Alexander von Karthago, 308-309. Follis, Karthago. Sehr selten. 1,5:1
Breiter Schrötling, kl. Doppelschlag, gutes sehr schön. Schätzung: 4.000 Euro
1,5:1
1,5:1
Los 4553
Los 4558
Römische Kaiserzeit. Aureus, 315/316, Siscia.
Römische Kaiserzeit. Martinianus, 324. Follis, Nicomedia,
Von allergrößter Seltenheit. Wohl Unikum.
2. Offizin. Von großer Seltenheit. Dunkle Patina, min. korrodiert,
Kl. Kratzer auf dem Avers, sonst vorzüglich.
fast sehr schön.
Schätzung: 7.500 Euro
Schätzung: 1.000 Euro
1,5:1
1,5:1
Los 4584
Los 4606
Römische Kaiserzeit. Constantinus I., 306-337. Follis 327,
Römische Kaiserzeit. Constantinus II., 337-340.
Constantinopolis. Von großer Seltenheit. Feine Tönung mit
Solidus 337/340, Siscia. Von großer Seltenheit.
etwas Silbersud, min. korrodiert, sehr schön-vorzüglich.
Leichter Doppelschlag, vorzüglich.
Schätzung: 1.000 Euro
Schätzung: 7.500 Euro
1,5:1
1,5:1
Los 4698
Los 4717
Römische Kaiserzeit. Johannes, 423-425.
Römische Kaiserzeit. Valentinianus III., 425-455,
Solidus, Ravenna. Von großer Seltenheit.
für Justa Grata Honoria. Solidus 430/445, Ravenna.
Winz. Druckstelle im Feld des Avers, sehr schön.
Von großer Seltenheit. Winz. Kratzer, fast vorzüglich.
Schätzung: 5.000 Euro
Schätzung: 7.500 Euro
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KÜNKER EXKLUSIV
WINTER-AUKTIONEN 447-451
eLive Premium Auctions 450 und 451: Numismatische Schätze aus preußischer Tradition Mit den eLive Premium Auctions 450 und 451 erwartet Sammler und Numismatiker vom 24.-25. November 2026 ein außergewöhnliches Doppelereignis. Während die Versteigerung der Imperial Collection, Teil 2 erneut einzigartige Zeugnisse aus dem persönlichen Besitz der Hohenzollern präsentiert, eröffnet der erste Teil der Sammlung Buginithi faszinierende Einblicke in die Münzgeschichte Brandenburg-Preußens vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert. Beide Auktionen vereinen große Seltenheiten, herausragende Erhaltungen und bedeutende historische Bezüge und versprechen damit Höhepunkte für spezialisierte Sammler ebenso wie für Liebhaber deutscher Geschichte.
Die Imperial Collection, Teil 2: Numismatische Kostbarkeiten aus dem Besitz der Hohenzollern 24. November 2026
Für die Auktionskataloge 450-451 und eine detaillierte Auktionsübersicht scannen Sie einfach nebenstehenden QR-Code.
Wir freuen uns, mit der eLive Premium Auction 450 am 24. November 2026 die Versteigerung der außergewöhnlichen Imperial Collection fortsetzen zu dürfen. Rund 400 Münzen, Medaillen und Plaketten aus dem persönlichen Besitz der Hohenzollern geben erneut Einblick in die Sammelleidenschaft von König Friedrich Wilhelm IV. und Kaiser Wilhelm I. und dokumentieren zugleich bedeutende Kapitel preußischer, deutscher und europäischer Geschichte. Während im ersten Teil zahlreiche Goldraritäten für Aufsehen sorgten, stehen nun vor allem Medaillen aus Silber und Bronze im Mittelpunkt, die deren historischer und numismatischer Bedeutung in nichts nachstehen. Die Bandbreite des Angebots reicht von preußischen Herrscher- und Ereignismedaillen über Künstler- und
Los 5058 Königreich Preußen. Friedrich Wilhelm III., 1797-1840. Silbermedaille 1815, von A. F. König, auf die vollständige Vereinigung Pommerns und Rügens mit Preußen. Sehr selten, besonders in dieser Erhaltung. Prachtexemplar. Herrliche Patina, vorzüglich-Stempelglanz. Schätzung: 750 Euro
WINTER-AUKTIONEN 447-451
KÜNKER EXKLUSIV
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Personenmedaillen bis hin zu seltenen Stücken aus Österreich, Russland und anderen europäischen Staaten. Viele der Objekte spiegeln die enge Verbindung zwischen Politik, Kultur und Dynastie wider, die das Sammelinteresse der preußischen Königsfamilie prägte.
Los 5104 Königreich Preußen. Friedrich Wilhelm IV., 1840-1861. Bronzemedaille o. J. (1846), von Chr. Pfeuffer, auf die Uraufführung der „Antigone“ des Sophokles durch Felix Mendelssohn-Bartholdy in Berlin. Hübsche Kupferpatina, fast Stempelglanz. Schätzung: 150 Euro
Los 5096 Königreich Preußen. Friedrich Wilhelm IV., 1840-1861. Silbermedaille 1841, von H. Lorenz, auf das 50jährige Freimaurerjubiläum des Grafen Henckel von Donnersmarck. In Silber von größter Seltenheit. Prachtexemplar. Hübsche Patina, fast Stempelglanz. Schätzung: 300 Euro
Los: 5122 Königreich Preußen. Friedrich Wilhelm IV., 1840-1861.
Zu den herausragenden Losen zählt die äußerst seltene Silbermedaille von 1815 auf den Frieden von Paris (Los 5058). Der Medailleur A. F. König vereinte darauf die Bildnisse des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm, Friedrich Wilhelms I. und Friedrich Wilhelms III. Die Darstellung versteht die territorialen Gewinne Preußens nach den Napoleonischen Kriegen als weiteren Schritt auf dem Weg zur europäischen Großmacht. Das prachtvolle Exemplar besticht durch seine herrliche Patina und eine Erhaltung von vorzüglich bis Stempelglanz. Einen besonders engen Bezug zum kulturellen Leben des 19. Jahrhunderts besitzt die Bronzemedaille auf die Uraufführung von Felix Mendelssohn Bartholdys Schauspielmusik zur „Antigone“ (Los 5104). Friedrich Wilhelm IV. selbst förderte das Projekt, indem er die Vertonung des antiken Stoffes anregte. Die Medaille erinnert damit nicht nur an ein bedeutendes musikalisches Ereignis, sondern auch an die Rolle des preußischen Hofes als Förderer von Kunst und Kultur. Dass die entsprechende Silberausgabe im ersten Teil der Imperial Collection mit 17.000 Euro weit über die Schätzung hinaus zugeschlagen wurde, unterstreicht die Attraktivität dieses Motivs. Ein weiteres Glanzstück ist die Silbermedaille auf das 50-jährige Freimaurerjubiläum des Grafen Henckel von Donnersmarck (Los 5096). Die 1841 von H. Lorenz geschaffene Medaille gehört mit ihrer allegorisch gestalteten Rückseite zu den künstlerisch anspruchsvollsten Arbeiten der gesamten Sammlung. Kubus, Säulen und die aufgehende Sonne bilden ein komplexes freimaurerisches Bildprogramm. Das in Silber von größter Seltenheit bekannte Stück präsentiert sich als Prachtexemplar mit attraktiver Patina.
Silbermedaille 1851, von C. Rauch und H. Bubert, Werkstatt G. Loos, auf die Enthüllung des Reiterdenkmals Friedrichs des Großen auf dem Boulevard „Unter den Linden“ in Berlin. In Silber selten. In Originaletui. Herrliche Patina, fast Stempelglanz. Schätzung: 1.250 Euro
Von besonderer historischer Bedeutung ist außerdem die Silbermedaille auf die Enthüllung des Reiterdenkmals Friedrichs des Großen Unter den Linden in Berlin (Los 5122). Das 1851 von Christian Rauch und Heinrich Bubert geschaffene Stück erinnert an
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WINTER-AUKTIONEN 447-451
Los 5164 Königreich Preußen. Wilhelm I., 1861-1888. Vergoldete Bronzemedaille 1879, von R. Siemering, auf die Goldene Hochzeit des Kaiserpaares am 11. Juni, gewidmet von der Königlichen Akademie der Künste. In Ziereinfassung. Vorzüglich-Stempelglanz. Schätzung: 500 Euro
eines der bedeutendsten Berliner Denkmäler des 19. Jahrhunderts. Die seltene Silberausgabe wird sogar im Originaletui angeboten und besitzt eine hervorragende Erhaltung mit nahezu vollem Stempelglanz. Ein künstlerischer Höhepunkt des Angebots ist die vergoldete Bronzemedaille von Rudolf Siemering auf die Goldene Hochzeit Kaiser Wilhelms I. und seiner Gemahlin Augusta im Jahr 1879 (Los 5164). Mit einem Durchmesser von rund 122 Millimetern und ihrer dekorativen Ziereinfassung verkörpert sie die repräsentative Medaillenkunst des späten 19. Jahrhunderts. Das Stück wurde im Auftrag der Königlichen Akademie der Künste geschaffen und zählt zu den eindrucksvollsten Großmedaillen der Auktion. Auch die Architekturmedaillen der berühmten Familie Wiener sind prominent vertreten. Besonders hervorzuheben ist die Medaille von Leopold Wiener auf das 25-jährige Jubiläum des Kölner Dombauvereins (Los 5158). Sie erinnert an die Vollendung des Kölner Doms, die wesentlich durch die Unterstützung Friedrich Wilhelms IV. gefördert wurde. Zugleich demonstriert sie die außergewöhnliche Fähigkeit der WienerMedailleure, monumentale Bauwerke detailreich und lebendig auf kleinstem Raum darzustellen. Für die Regierungszeit Wilhelms II. steht eine
Los 5158 Königreich Preußen. Wilhelm I., 1861-1888. Bronzemedaille 1867, von F. W. Kullrich, auf die 25-Jahrfeier des Kölner Dombauvereins. Fast Stempelglanz. Schätzung: 150 Euro
WINTER-AUKTIONEN 447-451
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Los 5184 Königreich Preußen. Wilhelm II., 1888-1918. Rechteckige Bronzegußplakette 1898, von O. Rohloff, Berlin, auf die Einweihung der Erlöserkirche in Jerusalem während der Palästinareise des Kaiserpaares. Sehr selten. Etwas Belag, vorzüglich. Schätzung: 500 Euro
seltene Bronzegussplakette auf die Einweihung der Erlöserkirche in Jerusalem während der Palästinareise des Kaiserpaares 1898 (Los 5184). Nur wenige Exemplare wurden hergestellt und an hochrangige deutsche sowie osmanische Würdenträger verliehen. Ihre Seltenheit und die unmittelbare Verbindung zu einem der wichtigsten außenpolitischen Auftritte Wilhelms II. machen sie zu einem begehrten Sammlerstück. Los 5107 Königreich Preußen. Friedrich Wilhelm IV., 1840-1861. Silbermedaille 1847, von J. B. Resek, auf den Musiker Giacomo Meyerbeer. In Silber sehr selten. Herrliche Patina, winz. Kratzer, fast Stempelglanz. Schätzung: 150 Euro
Los 5355 Kaiserreich Österreich. Ferdinand I., 1835-1848. Silbermedaille 1842, von F. Gaul, auf die österreichische Tänzerin Fanny Elßler und den Abschluss ihrer Tournee durch Nordamerika und Kuba. In Silber von großer Seltenheit. Herrliche Patina, leichte Lackreste, fast Stempelglanz. Schätzung: 200 Euro
Zu den faszinierenden Personenmedaillen gehört die Silbermedaille auf den Komponisten Giacomo Meyerbeer (Los 5107). Der in Brandenburg geborene Meister der französischen Grand opéra war einer der erfolgreichsten Opernkomponisten seiner Epoche. Die seltene Silbermedaille von J. B. Resek verbindet hohe numismatische Qualität mit der Würdigung einer der prägenden Musikerpersönlichkeiten des 19. Jahrhunderts. Einen besonderen Platz nimmt zudem die Silbermedaille auf die berühmte Tänzerin Fanny Elßler ein (Los 5355). Die von F. Gaul geschaffene Medaille entstand 1842 zum Abschluss ihrer spektakulären Tournee durch Nordamerika und Kuba. Elßler gehörte zu den gefeierten Stars des romantischen Balletts und begeisterte ihr Publikum insbesondere mit ihrer legendären „Cachucha“. Die in Silber sehr seltene Medaille verbindet kulturelle Geschichte mit höchster Sammelwürdigkeit.
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WINTER-AUKTIONEN 447-451
Los 5070 Königreich Preußen. Friedrich Wilhelm III., 1797-1840. Bronzemedaille 1828, von F. Brandt, auf den Naturwissenschaftler Alexander von Humboldt. Hübsche Kupferpatina, winz. Randfehler, fast Stempelglanz . Schätzung: 100 Euro
Los 5157 Königreich Preußen. Wilhelm I., 1861-1888. Bronzemedaillon 1866 (gefertigt 1869), von F. W. Kullrich, auf den siegreichen Krieg gegen Österreich. Nur 150 Exemplare in Bronze geprägt. Fast Stempelglanz. Schätzung: 500 Euro
Los 5077 Königreich Preußen. Friedrich Wilhelm III., 1797-1840. Silbermedaille o. J. (1838), von H. F. Brandt, auf den Tod des preußischern Generalleutnants Job Wilhelm von Witzleben. In Silber sehr selten. Vorzüglich-Stempelglanz. Schätzung: 100 Euro
Los 5215 Anhalt-Dessau. Leopold Friedrich Franz, 1751-1817. Silbermedaille 1801, von F. W. Loos und J. V. Döll, auf sein 50jähriges Regierungsjubiläum. Prachtexemplar. Herrlicher Prägeglanz und hübsche Patina, fast Stempelglanz. Schätzung: 400 Euro
WINTER-AUKTIONEN 447-451
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Los 5339 Kaiserreich Russland. Nikolaus I., 1825-1855. Bronzemedaille 1839, von G. Brandt, auf die Hochzeit der Großfürstin Maria Nikolajewna mit dem Herzog Maximilian von Leuchtenberg. Sehr selten. Hübsche Kupferpatina, fast Stempelglanz. Schätzung: 200 Euro
Darüber hinaus finden sich zahlreiche weitere bemerkenswerte Stücke, etwa die Silbermedaille auf den Generalleutnant Job Wilhelm von Witzleben (Los 5077), die seltene Bronzemedaille auf Alexander von Humboldts berühmte Kosmos-Vorlesungen (Los 5070), eine Bronzemedaille auf den Sieg Preußens über Österreich im Jahr 1866 (Los 5157), eine Medaille auf das 50-jährige Regierungsjubiläum von Leopold Friedrich Franz von Anhalt-Dessau (Los 5215) sowie eine seltene russische Bronzemedaille auf die Hochzeit der Großfürstin Maria Nikolajewna mit Herzog Maximilian von Leuchtenberg (Los 5339). Sie verdeutlichen die internationale und thematische Vielfalt dieser außergewöhnlichen Sammlung.
Die Imperial Collection beweist damit erneut, dass historische Bedeutung, künstlerische Qualität und herausragende Provenienz nicht allein den großen Goldraritäten vorbehalten sind. Der zweite Teil eröffnet Sammlern die seltene Gelegenheit, Stücke aus einer der bedeutendsten europäischen Privatsammlungen mit unmittelbarer Verbindung zum preußischen Herrscherhaus zu erwerben.
eLive Premium Auction 451: Brandenburg-Preußische Münzen des Mittelalters und des Zeitraums 1787-1873
Am 25. November 2026 versteigern wir als eLive Premium Auction 451 den 1. Teil der Sammlung Buginithi. Angeboten werden rund 300 mittelalterliche Prägungen, hauptsächlich der Markgrafschaft Brandenburg sowie etwa 200 Münzen des Königreichs Preußen von Friedrich Wilhelm II. bis Wilhelm I.
25. November 2026
eLive Premium Auction 450 The Imperial Collection, Teil 2 - Numismatische Kostbarkeiten aus dem Besitz der preußischen Könige und deutschen Kaiser aus dem Hause Hohenzollern am Dienstag, 24. November 2026 ab 14:00 Uhr auf www.kuenker.auex.de
Wer sich auf brandenburg-preußische Münzen spezialisiert hat, wird beeindruckt sein von der Vielfalt der Typen, Jahrgänge und Münzstätten, die sich in dieser Sammlung finden. Fast noch beeindruckender ist es, diese großen Seltenheiten in außergewöhnlich guter Erhaltung zu sehen. Wobei – wie bei jeder guten Spezialsammlung – der Schwerpunkt auf der Seltenheit liegt. Mittelalterliche Münzen der Markgrafschaft Brandenburg
Los 5504 Brandenburg. Jakza von Köpenick, um 1157. Brakteat, Brandenburg. Von großer Seltenheit. Feiner Prägeglanz, vorzüglich. Schätzung: 3.000 Euro 1,5:1
Vor allem Kenner der mittelalterlichen Münzprägung dürfen sich freuen: Immer wieder werden sie das Wort „Prachtexemplar“ und den Begriff „von großer Seltenheit“ lesen. Nur selten sieht man die vielfältige und interessante Münzprägung der Markgrafschaft Brandenburg in dieser Mannigfaltigkeit: Da bewacht der stehende Markgraf seine Grenze; da reitet er hoch zu Ross, um sein Land zu beschützen; da beschützt er seine Stadt oder zieht auf die Jagd, den Falken auf seinem ausgestreckten Arm.
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WINTER-AUKTIONEN 447-451
Einige Münzen der Oberlausitz und des Kurfürstentums Brandenburg runden das Angebot ab. Von Friedrich Wilhelm II. bis Wilhelm I.
1,5:1
Los 5509 Brandenburg. Albrecht der Bär, 1134-1157. Brakteat, Köthen oder Bernburg. Von größter Seltenheit. Attraktives Exemplar mit hübscher Patina, fast vorzüglich. Schätzung: 4.000 Euro
Der zweite Teil der Auktion ergänzt den zweiten Teil der Imperial Collection Tag zuvor optimal, denn die eine Sammlung offeriert Medaillen und die Sammlung Buginithi konzentriert sich wiederum auf Münzen des gleichen Zeitraums. Vom Taler bis zum Pfennig ist alles dabei. Ob Ansbach-Bayreuth, Danzig, Neuenburg, Ostfriesland, Schlesien, oder das preußische Kernland: Sie finden Prachtexemplare auch aus den seltenen Münzstätten, dazu Proben und Messingpassiergewichte. Mit anderen Worten: Wenn Sie sich für das Sammelgebiet Preußen sowie seltene Münzen in bester Erhaltung interessieren, wünschen wir Ihnen viel Freude mit dem Katalog 451!
1,5:1
Los 5523
Los 5802
Brandenburg.
Preußen. Friedrich Wilhelm II., 1786-1797.
Otto I., 1157-1184. Brakteat, Brandenburg.
Reichstaler preuß. 1788 B, Breslau. Seltener Jahrgang
Äußerst selten, besonders in dieser Erhaltung.
in außergewöhnlicher Erhaltung. Prachtexemplar.
Prachtexemplar. Herrliche Patina, vorzüglich-Stempelglanz.
Feine Patina, Stempelglanz.
Schätzung: 4.000 Euro
Schätzung: 1.000 Euro
1,5:1 1,5:1
Los 5525 Brandenburg.
Los 5841
Otto I., 1157-1184. Brakteat, Brandenburg.
Preußen. Friedrich Wilhelm II., 1786-1797.
Von großer Seltenheit. Attraktives Exemplar
Batzen (4 Kreuzer) 1790, Neuenburg (Neuchâtel).
mit hübscher Patina, kl. Randabbruch, fast vorzüglich.
Prachtexemplar. Fast Stempelglanz.
Schätzung: 3.000 Euro
Schätzung: 200 Euro
WINTER-AUKTIONEN 447-451
KÜNKER EXKLUSIV
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1,5:1
Los 5867 Preußen. Friedrich Wilhelm III., 1797-1840. 4 Groschen (1/6 Taler) 1816 A. Äußerst selten. Prachtexemplar. Fast Stempelglanz. Schätzung: 1.000 Euro
Los 6058 Preußen. Friedrich Wilhelm IV., 1840-1861. 2 Francs 1848. Prägung für Moresnet. Äußerst selten. Prachtexemplar. Hübsche Patina, fast Stempelglanz. Schätzung: 1.000 Euro
Los 5913 Preußen. Friedrich Wilhelm III., 1797-1840. 21 Batzen (Gulden) 1799, Neuenburg (Neuchâtel). Sehr selten in dieser Erhaltung. Prachtexemplar. Hübsche Patina, fast Stempelglanz. Schätzung: 1.000 Euro Los 6062 Preußen. Wilhelm I., 1861-1888. Doppelter Vereinstaler 1862 A. Sehr selten in dieser Erhaltung. Winz. Haarlinien, polierte Platte. Schätzung: 3.000 Euro
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Los 5983 Preußen. Friedrich Wilhelm III., 1797-1840. Ku.-Pfennig 1812 A. Probe. Von größter Seltenheit. Sehr schön-vorzüglich. Schätzung: 3.000 Euro
Los 6074 Preußen. Wilhelm I., 1861-1888. Los 6003
Vereinstaler 1866 A. Probe.
Preußen. Friedrich Wilhelm IV., 1840-1861.
Von allergrößter Seltenheit.
Vereinsdoppeltaler 1856 A. Äußerst selten in dieser Erhaltung.
Hübsche Patina, vorzüglich.
Prachtexemplar. Polierte Platte, min. berührt. Schätzung: 1.000 Euro
Schätzung: 4.000 Euro
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DIE SAMMLUNG ROLF W. SCHUMM
Ein kulturgeschichtliches Phänomen: Die Sammlung Rolf W. Schumm Von Johannes Nollé
Abb. 1: Theodor van Thulden, Odysseus und Argos (Sammlung JN).
Die Kollektion und ihr Sammler Sie werden immer seltener und schon bald nicht mehr bei Auktionen zu finden sein: die gesamte Antike umfassende Sammlungen von gut erhaltenen und oftmals auch seltenen antiken Münzen, die nicht nur die meisten Teilgebiete griechischer und römischer Prägungen abdecken, sondern auch noch die Randgebiete wie etwa Kelten, Phönizien, Karthago und Baktrien einbeziehen. Insofern ist die Sammlung, die Rolf W. Schumm aufgebaut hat, bereits eine beachtliche Ausnahme, die für viele Münzliebhaber eine wahre Fundgrube sein dürfte.
Die Basis für die Anlage umfassender Münzsammlungen dieser Art ist immer mehr verloren gegangen. Es ist vor allem das Fehlen sprachlicher und historischer Bildung, die nicht mehr im früheren Umfang von unseren Schulen geleistet wird, so dass kaum ein Zugang zu antiken Münzen – anfassbaren Zeitzeugen antiker Geschichte – eröffnet wird. Wenn die neueste PISAStudie sich darauf konzentriert, aufzuzeigen, dass die Leistungen unserer Schüler in Lesen, Rechnen und naturwissenschaftlichem Wissen noch weiter abgenommen haben, so wird dabei außer Acht gelassen, dass auch die Teilhabe an unserer
DIE SAMMLUNG ROLF W. SCHUMM
jahrtausendealten Kultur und damit unsere identitäre Selbstvergewisserung (Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin wollen wir?) immer weiter verloren gegangen ist. Man muss sich nicht wundern, wenn es dann nur allzu leicht zu politischen Verwerfungen kommt. Humanistische Gymnasien, an denen nicht nur Latein und Altgriechisch gelehrt wird, sondern mit diesen Sprachen auch Humanismus anerzogen wird, sind in ganz Deutschland Raritäten geworden. Die beiden alten Sprachen gelten als schwierig, und ein Nutzen ist für viele nur noch vordergründig denkende Zeitgenossen nicht erkennbar. „Per aspera ad astra“ (Durch Mühen zu den Sternen) ist eine Maxime, die über den Eingängen vieler Gymnasien stand, die eine oberflächliche fun society aber nicht akzeptieren will und als antiquiert abtun möchte. Und dennoch bleibt diese Devise die Grundlage für den wirtschaftlichen und kulturellen Erfolg eines Landes. Neben sprachlichen Fähigkeiten vermitteln diese Gymnasien auch Tugenden wie Fleiß, Genauigkeit und systematisches Denken. Bei der Ablehnung mühevollen Lernens wird übersehen, welche Freude es machen kann, auch schwierige, aber inhaltsschwere Texte zu verstehen, die Ästhetik antiker Dichtungen zu genießen, mit Platon oder Seneca über Grundfragen des menschlichen Lebens nachzudenken und die lateinischen Inschriften auf alten Bauten in unseren Städten lesen und verstehen zu können, so dass Häuser, Kirche, Dome und Schlösser vergangener Jahrhunderte keine Fremdkörper für uns sind. Rolf W. Schumm besaß eine große Freude an der antiken Welt, als er seine die gesamte Antike umfassende Sammlung in vielen Jahrzehnten anlegte, dabei immer neues Wissen über sie gewann und aus ihr viele faszinierende Einsichten zog. Sie drängten diesen ,collector doctus‘ dazu, viele der Orte, in denen seine Münzen vor langer Zeit geprägt worden waren, aufzusuchen, ihre Atmosphäre – den genius loci – zu genießen und dabei die schönen Stücke seiner Sammlung vor Augen zu haben. In diesem Beitrag sei auf einige wenige Münzen seiner Kollektion aufmerksam gemacht, die uns beispielhaft zeigen, wieviel an Kultur- und Weltverständnis wir ihnen entnehmen können, sofern wir fähig sind, ihre Bilder und Aufschriften zu lesen und zu verstehen. Seine Sammlung ist somit auch eine Anregung und ein Aufruf, sich antiker Münzprägung zu widmen. Odysseus, Argos und eine römische Adelsfamilie Eine der anrührendsten Geschichten der Odyssee ist die von Odysseus’ treuem Hund Argos: Nach mehr als 20 Jahren kehrt dessen Herr vom Trojanischen Krieg
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auf seine Heimatinsel Ithaka zurück. Zehn Jahre hatte er bei der Belagerung von Troja zugebracht, weitere zehn hatte er – immerzu in der Gefahr, sein Leben zu verlieren – für die gefahrvolle Heimreise von den Dardanellen ins Ionische Meer aufwenden müssen. Beim Betreten seines Palastes auf Ithaka ist er in Gefahr, denn Adlige der Insel hatten ihn okkupiert. Sie wollten die Gattin des Odysseus, Penelope, zur Frau nehmen und mit ihr die Reichtümer des Odysseus an sich bringen. Um Odysseus nicht unvorbereitet in die Hände der Freier seiner Gattin fallen zu lassen, hatte Athena ihn in einen Bettler verwandelt. Am Eingang des Palastes trifft Odysseus auf seinen Jagdhund Argos; sein Name bedeutet der ,Schnelle‘. Nach dem Weggang seines Herren hatte sich niemand mehr um ihn gekümmert, und nun lag er herrenlos und vernachlässigt auf einem Misthaufen vor dem Palast: alt, räudig und dem Tode nahe, aber noch immer in unverbrüchlicher Treue auf die Rückkehr seines Herren wartend. Trotz der Maskerade des Odysseus war es sein Hund Argos, der ihn als erster erkannte: Hier [auf dem Misthaufen] lag Argos der Hund, von Ungeziefer zerfressen. | Dieser, da er nun endlich den nahen Odysseus erkannte, | wedelte zwar mit dem Schwanz, und senkte die Ohren herunter; | aber er war zu schwach, sich seinem Herren zu nähern. | Und Odysseus sah es, und trocknete heimlich die Träne. (Odyssee XVII 300-304 in der Übertragung von Johann Heinrich Voß). Nicht genau an die Worte Homers hat sich der italienische Maler Franceso Primaticcio (1504-1570) gehalten. Er gestaltete für König Heinrich II. von Frankreich (1547-1559) die Galerie d’Ulysse im Schloss Fontainebleau. Da die Galerie 1738 zerstört wurde, sind wir für Primaticcios Odysseus-Zyklus auf die Kupferstiche des flämischen Malers und Kupferstechers Theodor van Thulden (1606-1669) angewiesen, der sie kopierte und in Kupfer stach. Darunter findet sich auch die Argos-Szene: In der Version Primaticcios sitzt Argos vor Odysseus, den er wiedererkannt hat. Der Heimkehrer streichelt den Kopf des geliebten Hundes (vgl. Y. Wagner, Die Wandmalereien der Galerie d’Ulysse in Fontainebleau. Politische und moralische Handlungsanleitungen für den französischen König, kunsttexte.de, Nr. 4, 2014, 1-41; Abb. 1). Die Erzählung von dem heimgekehrten Odysseus und seinem Hund Argos war in der Antike wohlbekannt, nicht zuletzt deshalb, weil die Lektüre und Kenntnis der Odyssee für alle gebildeten Menschen des Altertums verpflichtend war. Weshalb jedoch die Wiedererkennung des Odysseus durch seinen Hund Argos auf einer römisch-republikanischen Münze erscheint, ist eine weitere hochinteressante Geschichte. Odysseus soll auf seinen Irrfahrten längere Zeit bei der Zauberin Kirke zugebracht und mit ihr drei
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DIE SAMMLUNG ROLF W. SCHUMM
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Abb. 2: Künker eLive Premium Auction 448, Los 2751: Denar des Münzmeisters C. Mamilius Limetanus: Kopf des Merkur // Odysseus und Argos.
Abb. 3: As des Lucius Mamilius: Januskopf // Odysseus auf der Prora seines Schiffes (CNG Electronic Auction 539, 31.5.2023, Lot 575).
Söhne gezeugt haben: Latinos, Agrios und Telegonos. Während Latinos den Latinern ihren Namen gab, wurde mit Telegonos die Gründung der latinischen Städte Praeneste (heute Palestrina) und Tusculum in Verbindung gebracht. Die führende Adelsfamilie von Tusculum, die Mamilier, leitete ihre Herkunft von Telegonos ab, der mit einer einheimischen Latinerin eine Tochter namens Mamilia gehabt habe. Die Mamilier untermauerten mit der mythischen Herleitung ihres Geschlechtes von Odysseus ihren Führungsanspruch in Tusculum sowie ihre Stellung in Rom. Durch diese Abstammung gewann die Familie eine solch hohe Wertschätzung, dass Tarquinius Superbus, der letzte etruskische König Roms, sogar eine Tochter des Octavius Mamilius aus Tusculum geehelicht haben soll. Es sind nicht nur griechische und lateinische Autoren wie Livius (I 49, 8f.), Festus (130 in der Edition von Lindsay) und Dionysios von Halikarnass (Römische Altertümer IV 45), die uns die edle Abstammung der Mamilier von Odysseus überliefern, sondern auch Statuenbasen, die bei der Ausgrabung des Theaters von Tusculum gefunden wurden. Auf ihnen stehen die Namen der Odysseus-Söhne Telemach – seine Mutter war Penelope – und Telegonos, dessen Mutter, wie bereits gesagt, Kirke war.
Einer der Münzmeister des Jahres 82 v. Chr., Gaius Mamilius Limetanus, emittierte jenen Denar, der auf der Rückseite Odysseus mit Kappe (Pileus) und Wanderstab – ein Hinweis auf seine lange Heimreise – zeigt. (Abb. 2). Vor ihm ist Argos zu sehen, der zu ihm aufblickt und wie in der Odyssee beschrieben mit dem Schwanz wedelt. Wie später Theodor van Thulden hält sich auch die Darstellung der Münze nicht genau an die Worte Homers. Die Mamilier begnügten sich, wie dieser Denar zeigt, nicht damit, ihren Stammbaum mit dem Sohn des Odysseus, Telegonos, beginnen zu lassen, sondern führten ihn mit diesem Münzbild auf den viel bekannteren Odysseus zurück. Und sie gingen noch einen Schritt weiter. Auf der Vorderseite der Münze ist der Kopf des Merkur bzw. seiner griechischen Entsprechung Hermes abgebildet: Der Großvater des Odysseus hieß Autolykos und war antiker Tradition zufolge ein Sohn des Hermes sowie eines äußerst schönen Mädchens namens Chionis (,Schneewittchen‘) oder Philonis. Diese Überlieferung über den göttlichen Großvater des Odysseus ist sehr alt, denn sie geht auf Pherekydes von Athen (6. Jhdt. v. Chr.) zurück und ist in einem antiken Kommentarwerk zur Odyssee erhalten (N. Ernst, Die D-Scholien zur Odyssee. Kritische Ausgabe, Phil. Diss. Univ. Köln, Köln 2006, 358). Mit diesem römischen Denar beanspruchten die Mamilier also auch göttliche Abkunft. Das geschah zu Beginn des 1. Jhdts. v. Chr., als dieses Geschlecht, das um die Zeit des 1. Punischen Krieges drei Consuln (265, 262 und 239 v. Chr.) gestellt hatte, seine Bedeutung auf der politischen Bühne Roms verloren hatte. Für den jungen Spross der altehrwürdigen Familie wurde es wichtig, Hermes und Odysseus als Vorfahren aufweisen zu können, denn das Münzmeisteramt war nur ein Einstiegsamt auf der Karriereleiter eines Römers aus senatorischer Familie. Der Münzmeister C. Mamilius Limetanus konnte bei seiner Berufung auf Odysseus und Hermes auf ein Vorbild zurückgreifen, denn um die 100 Jahre zuvor hatte ein anderer Mamilier bereits an den Ahn Odysseus erinnert, als er Münzen prägen ließ, die den Odysseus auf dem Bug eines Schiffes zeigen. Offensichtlich ist er auf dem Heimweg nach Ithaka – zu Argos (M.H. Crawford, Roman Republican Coinage I, Cambridge etc. 1987, 219 f. Nr. 149; Abb. 3). Hingewiesen sei noch auf ein schönes Buch des Zabern-Verlags, das von Jost Perfahl herausgegeben wurde und den Titel ,Wiedersehen mit Argos und andere Nachrichten über Hunde in der Antike‘ trägt (Abb. 4).
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Abb. 4: ,Wiedersehen mit Argos‘ –
Abb. 5: Künker eLive Premium Auction 448, Los 2711:
ein Buch über Hundeleben
Denar des C. Terentius Lucanus:
in der Antike (Foto JN).
Kopf der Roma // Dioskuren.
Ein Denar und seine Verbindung zum römischen Komödiendichter Terenz Ein weiterer Denar der Schummschen Sammlung wurde um das Jahr 146 v. Chr. unter einem Münzmeister namens Gaius Terentius Lucanus geprägt. Er zeigt auf der Vorderseite den Kopf der Roma, die von Victoria bekränzt wird und damit auf einen Sieg hinweist, den Rom, das weit in den Mittelmeerraum ausgriff, damals errungen hatte. Auf der Rückseite sind die nach rechts reitenden Dioskuren dargestellt; darunter steht C. TER. LVC. (Abb. 5). Dieser Münzmeister ist wahrscheinlich der Sohn eines gleichnamigen Vaters, der als reicher Senator einen afrikanischen, vielleicht libyschen Sklaven kaufte,
der in Karthago geboren wurde. Ziemlich einfallslos nannte der Senator ihn Afer, d.h. Afrikaner. Er konnte nicht ahnen, dass er mit diesem Kauf großen Einfluss auf die europäische Kulturgeschichte ausüben sollte. Der Sklave Afer erlernte sehr schnell die lateinische Sprache und erwies sich bald als ein kluger Kopf mit dichterischen Fähigkeiten. Er verdiente sich damit eine gute Ausbildung. Sein Herr ließ ihn schließlich frei. P. Terentius Afer, wie der Sklave nunmehr nach seinem Freilasser hieß, verfasste eine Komödie – ,Das Mädchen von Andros‘ –, die 166 v. Chr. bei den ludi Romani zu Ehren Jupiters gespielt wurde. Terenz war so einfallsreich und produktiv, dass noch weitere fünf Stücke von ihm in Rom zur Aufführung kamen, bis er um 150 v. Chr. auf einer Reise in den griechischen Osten verstarb.
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Abb. 7: Peter Paul Rubens, Sine Cerere et Baccho friget Venus, 1612/1613.
Seine sechs Komödien wurden zu Klassikern und durch immer neue Abschriften ins Mittelalter überliefert. Gerade im Frühmittelalter – aus dieser Zeit stammt auch jener Terenzkodex, der sich in der Bibliotheca Vaticana befindet und ein möglicherweise sehr altes Bild des Dichters wiedergibt (Abb. 6) – fanden sie begeisterte Leser. Das missfiel der gestrengen Klosterfrau Roswitha von Gandersheim (10. Jhdt.) – der ersten deutschen Dichterin – so dass sie selbst sechs Komödien schrieb, um durch sie die Menschen von den heidnischen und ihr zu freizügigen Lustspielen des Terenz fernzuhalten. Erfolg hatte sie damit nicht. Terenz war weiterhin ein Vorbild für Komödiendichter wie etwa Molière und blieb beliebt und inspirierend.
Abb. 6: Bild des Terenz im frühmittelalterlichen Codex Vat. lat. 3868.
Manche Sätze seiner Komödien prägten sich so in die Köpfe der Menschen ein, dass sie zu geflügelten Worten wurden, so etwa quot homines, tot sententiae. Wie viele Menschen da sind, so viele Meinungen gibt es (,Phormio‘ 454); homo sum, humani nil a me alienum puto. Ich bin ein Mensch, und nichts Menschliches ist mir fremd, glaub ich (,Heauton Timorumenos‘/Der Mann, der sich selbst bestraft, 77); fortīs fortuna adiuvat Die Tapferen unterstützt das Schicksal (,Phormio‘ 203). In die bildende Kunst wirkte eine andere Sentenz aus dem ,Eunuchus‘ des Terenz: Sine Cerere et Baccho friget Venus/Ohne Ceres und Bacchus friert Venus oder etwas freier übersetzt: Ohne Wein und Brot ist Venus tot. Es gibt eine ganze Reihe von Gemälden, die diese Sentenz bildlich umsetzen. Eine der schönsten Versionen hat Peter Paul Rubens gemalt. Sie zeigt, wie Dionysos/Bacchus der Aphrodite/Venus eine Schale Wein reicht, dem Eros/ Amor aber lediglich eine Traube; dem flegelhaften kindlichen Liebesgott darf kein Wein eingeschenkt werden, sonst wird er noch unberechenbarer. Demeter/Ceres mit einem Ährenkranz im Haar hat aus einem Körbchen ein Stück Brot herausgezogen, das sie der Liebesgöttin reichen will. Das Bild hängt in der exzellenten Sammlung des Museums Wilhelmshöhe in Kassel (Abb. 7).
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DIE SAMMLUNG ROLF W. SCHUMM
Abb. 8: Karte des Bundesgenossenkriegs. Wikipedia, Ifly6. Braun: Römisches Territorium Dunkelgrün: Gebiete der anfänglichen Aufständischen Hellgrün: Gebiete der späteren Aufständischen
Der Mut zu Reformen: Eine der größten Krisen des republikanischen Roms Die Eroberung Roms durch die Gallier in der Zeit um 390 v. Chr., Hannibals Alpenüberquerung und Kriegführung in Italien während des 2. Punischen Krieges (218-201) sowie der Vorstoß der Kimbern und Teutonen im letzten Jahrzehnt des 2. Jhdts. v. Chr. stellten Rom vor große Herausforderungen. Eine fast noch schlimmere Prüfung war der Bundesgenossenkrieg von 91-87 v. Chr. Dabei ging es darum, dass Rom bei seiner imperialistischen Expansion seinen italischen Bundesgenossen (socii) in Mittel- und Süditalien immer größere Leistungen abverlangte, sie aber politisch dafür nicht belohnen wollte, indem es sie mit den Römern gleichstellte: Die Bundesgenossen wurden beherrscht, hatten aber keinen Anteil an der Herrschaft. Das führte zu immer größerem Unwillen bei diesen, zumal sich die römischen Amtsträger im Bundesgenossengebiet äußerst herrisch verhielten. Gegen Ende des Jahres
91 v. Chr. wurde sogar ein römischer Prätor bei einer Visitation im picenischen Asculum mit seinen Soldaten erschlagen (Abb. 8). Danach ermordeten die Italiker von Asculum die in der Stadt lebenden Römer. Die Folge war der Abfall vieler Italiker Mittelitaliens von Rom. Da Rom sich weigerte, mit den Aufständischen zu verhandeln und ihnen, wie gefordert, das römische Bürgerrecht zu verleihen, kam es zum Krieg (H. Mouritsen, Italian Unification, A Study in Ancient and Modern Historiography, London 1998; Ch. J. Dart, The Social War, 91 to 88 BCE. A History of the Italian Insurgency against the Roman Republic, Aldershot/Burlington, 2014). Die Bundesgenossen errichteten in Corfinium ein Verwaltungszentrum, von dem aus sie ihre Feldzüge steuern wollten und das sie programmatisch ,Italia‘ nannten. Sie wählten Anführer und Amtsträger; ob sie dabei sich an Rom orientierten, lässt sich nicht mehr mit Sicherheit feststellen. Wahrscheinlich ging es
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ihnen vor allem darum, Rom unter Druck zu setzen, um die Gleichstellung mit den Römern durch die Verleihung des römischen Bürgerrechtes zu erlangen, und nicht darum, einen Gegenstaat zu errichten. Um ihre Truppen entlohnen zu können, produzierten die Bundesgenossen eigene Münzen nach dem Vorbild des römischen Denars (Alberto Campana, La monetazione degli insorti italici durante la guerra sociale, Soliera 1987; ders., Le monete della guerra sociale (91-87 a.C.), in: F. Pettazoni [Hrsg.], Guerre e Monete. Evo antico e Alto Medioevo, Bari 2023, 119-170). In der Schummschen Sammlung befinden sich zwei solcher Aufstandsdenare, von denen der frühere, der wahrscheinlich in Corfinium geprägt wurde, auf der Rückseite eine Eidszene mit Schweineopfer wiedergibt (vgl. L. Cappelletti, Il giuramento degli italici sulle monete del 90 a.C., ZPE 127, 1999, 85-92. Abb. 9), auf der Vorderseite aber den Kopf der Italia. Der spätere Aufstandsdenar, der wahrscheinlich nicht mehr in Corfinium produziert wurde, zeigt wiederum den mit einem Lorbeerkranz geschmückten Kopf der Italia auf der Vorderseite. Ihr Name ist aber auf Oskisch, einer italischen Sprache, hinzugefügt und unterstreicht den Widerwillen der Italiker gegen die Dominanz Roms (Abb. 10). Um die Mitte des Jahres 90 v. Chr. konnten die aufständischen Bundesgenossen den Römern empfindliche Niederlagen beibringen, doch wendete sich im Kriegsjahr 89 v. Chr. das Blatt. Die Römer konnten Asculum einschließen und schließlich auch einnehmen. Bis zum Ende des Jahres 89 v. Chr. konnte Rom den Aufstand in Mittelitalien beenden, doch ließ das Ende des Krieges noch längere Zeit auf sich warten. Dazu beigetragen hatten die Lex Julia und die Lex Plautia Papiria, die den Italikern, sofern sie zu Rom standen, das römische Bürgerrecht verliehen. Damit wurde die Herrschaft Roms über Italien zumindest abgemildert und die Möglichkeit einer Einigung Italiens unter Führung Roms, aber unter Einbezug der Italiker auf Augenhöhe eröffnet. Es waren Reformen und nicht der militärische Zwang, der die Krise Roms und Italiens beendete. Dem Aufstieg Italiens zur Weltmacht des Mittelmeerraumes stand nichts mehr im Weg. Die ausgewählten Beispiele zeigen, welch hohes Bildungsgut Münzen darstellen können, wenn wir bei uns die Voraussetzungen schaffen, sie zu verstehen. Ein ,Haus für geprägte Geschichte‘, wie unser Firmengründer, Fritz Rudolf Künker, unser Auktionshaus sehr zutreffend bezeichnet hat, freut sich immer wieder darauf, im Verein mit Sammlern, interessierten Laien und Wissenschaftlern anhand von solchen Sammlungen das Wissen über Münzen und die Geschichte dieser Welt zu verbreiten und zu intensivieren.
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Abb. 9: Künker eLive Premium Auction 448, Lot 2742: Denar der Bundesgenossen 90 v. Chr.: Italia // Eidszene.
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Abb. 10: Künker eLive Premium Auction 448, Lot 2745: Denar der Bundesgenossen 89 v. Chr.: Italia auf oskisch // Soldaten, daneben gelagertes Rind. Das Rind ist eine Anspielung auf Italien, da der Name Italien als ,Rinderland‘ gedeutet wurde.
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DIE SAMMLUNG DR. HARTMUT KREUTZER
Münzen von Syrakus aus Klassischer Zeit: Landeigner, Tyrannen und die Pferde Einige Gedanken zu den Münzen der Sammlung Dr. Hartmut Kreutzer Von Johannes Nollé
Abb. 2a: Säulen des Athena-Tempels von Syrakus in der linken Seitenwand der Kathedrale Santa Maria delle Colonne (Foto JN).
Die Münzen von Syrakus der Sammlung Dr. Hartmut Kreutzer Die Münzen von Syrakus, die in der Klassischen Zeit von der bedeutendsten Stadt Siziliens geprägt wurden, erzählen uns viel von dem Verständnis, das die damals dort lebenden Menschen von sich und ihrer Stadt hatten. Die Bilder ihres städtischen Geldes präsentieren uns die religiöse und politische Identität der Stadt; die vielen Beizeichen stellen vor allem die wirtschaftlichen Grundlagen von Syrakus heraus. Die großen Nominale, die Syrakus prägte, und die grandiose künstlerische Ausführung der Münzen dieser griechischen Polis weisen sowohl auf den enormen Reichtum, den die Stadt in ihrer Blütezeit besaß, als auch auf das Streben, möglichst schönes Geld zu emittieren. Insofern sind die teilweise seltenen Münzen, die der Jurist Dr. Hartmut
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Abb. 1: Künker eLive Premium Auction 449, Los 4059. AR-Drachme: Kopf der Athena, leicht schräg en face // Leukaspis
DIE SAMMLUNG DR. HARTMUT KREUTZER
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Peloponnes verbindet und den Saronischen vom Korinthischen Golf trennt. Diese Lage forderte eine Seefahrerstadt, wie es Korinth war, zum Ausgreifen nach Süditalien und Sizilien geradezu heraus. In Syrakus verschmolz in der Zeit des Tyrannen Gelon der Kult der korinthischen Athena mit dem der rhodischen Athena Lindia. Die Athena von Lindos war die Schutzgöttin von Gela, das einst von rhodischen Siedlern gegründet worden und die Heimatstadt des syrakusischen Tyrannen Gelon war. Auch in Kamarina, einer Tochterstadt von Syrakus, war Athena die göttliche Herrin der Stadt. Der Athenatempel von Syrakus ist bis heute noch im Stadtbild sichtbar. In der Spätantike, als die Stadt christlich wurde, verwandelten die Syrakuser ihn in eine Kirche und weihten diese der Gottesmutter, die trotz ihrer Mutterschaft gleich wie Athena als Jungfrau verehrt wurde. Die Marienkathedrale von Syrakus liegt auf der höchsten Stelle der Halbinsel Ortygia (,Wachtelinsel‘): Athena-Tempel waren sehr oft Akropolis-Heiligtümer. Die Marienkirche von Syrakus besitzt eine barocke Fassade, hat aber in ihren Bau Säulen des einstigen Athenatempels einbezogen, die heute an der linken Außenseite der Kathedrale gut sichtbar sind. Nach ihnen führt die syrakusische Maria den Beinamen ,delle Colonne‘, d.h. von den Säulen‘. (Abb. 2a und b) Abb. 2b: Die barocke Fassade der Marien-Kathedrale von Syrakus (Foto JN).
Kreutzer in seiner Sammlung zusammengetragen hat, ein Geschichtsbuch, das durchzublättern, zu lesen und zu überdenken sich lohnt, weil es uns viele Einsichten in das Wesen dieser antiken Stadt ermöglicht. Identitäre Schutzgötter der Stadt: Athena von Korinth und Lindos In den Vorstellungen der Griechen konnte eine Stadt, der es an göttlichen Schützern fehlte, nicht erfolgreich gedeihen. Das war auch im Fall von Syrakus nicht anders. Dessen göttliche Schutzherrin war Athena, die auf den Vorderseiten von syrakusischen Münzen erscheint. Auch sie sind in dieser Sammlung erhalten (Abb. 1). Athenas Kult brachten einst die griechischen Gründer von Syrakus, die Korinthier, aus ihrer Heimatstadt nach Sizilien. Korinth liegt an jener Landenge (Isthmos), die Mittelgriechenland mit der
Identitäre Schutzgötter der Stadt: Arethusa Eine wichtige Gottheit des antiken Syrakus war die Herrin der auf der Halbinsel Ortygia gelegenen Arethusa-Quelle (Abb. 3). Da diese Süßwasserquelle ganz unmittelbar am salzigen Meer schüttete, galt sie als ein Wunder. Deshalb ist es nicht überraschend, dass Mythen über sie aufkamen. So soll Arethusa einst in Elis – also in der Nordwestecke der Peloponnes – als schöne
Abb. 3: Das Becken der Arethusa-Quelle von Syrakus mit Papyrusstauden (Foto JN).
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DIE SAMMLUNG DR. HARTMUT KREUTZER
Abb. 5-7: Arethusa mit kunstvoller Frisur
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Künker eLive Premium Auction 449, Los 4011. Abb. 4: Die Verfolgung der Arethusa durch den Flussgott Alpheios; moderne Statuengruppe bei der Arethusa-Quelle (Photo JN).
Jägerin dem Wild nachgestellt haben. Dort sei sie vom Flussgott Alpheios, der an Olympia vorbeifließt, verfolgt worden (Abb. 4). Im letzten Moment habe die Göttin Artemis die bedrohte Arethusa vor der Vergewaltigung gerettet, indem sie das Mädchen in eine Wassernymphe verwandelte. Zur Wassergottheit geworden sei Arethusa von der Peloponnes unter dem Ionischen Meer nach Sizilien geflossen und auf der syrakusischen Halbinsel aus dem Boden aufgesprudelt. Die Syrakuser setzten der Quellnymphe, die ihre Stadt mit dem mutterländischen Griechenland verband, auf ihren Münzen ein attraktives Denkmal: Sie schufen einen der schönsten Frauenköpfe auf griechischen Münzen. Besonderen Wert legten sie dabei auf die Frisur der Nymphe, die immer wieder verändert wurde. Die Gestaltung ihrer Haare orientierte sich nämlich an den rasch wechselnden Frisuren der schönen Syrakuserinnen und sollte immer auf dem neuesten Stand der Mode sein. (Abb. 5, 6, 7)
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Künker eLive Premium Auction 449, Los 4021.
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Künker eLive Premium Auction 449, Los 4027.
Auf den Münzen ist Arethusa von vier Delphinen umgeben, die andeuten sollen, dass die Quelle nahezu vom Meer umschlossen ist. Die Griechen verbanden mit dem Delphin aber auch die ruhige See (galéne), da nur bei sanftem Wogengang Delphine die Seeleute mit ihren Sprüngen erfreuen. Außerdem wurden Delphine mit Wiedergeburt und Unsterblichkeit in Verbindung gebracht. Im Falle der Arethusa ist das nicht von der Hand zu weisen, denn so bedeutende Dichter wie Percy Bysshe Shelley und Marie Luise Kaschnitz haben noch mehr als zweitausend Jahre später mit ihren Gedichten der schönen Wassergöttin gedacht und sie zum Leben erweckt.
Identitäre Schutzgötter der Stadt: Persephone Persephone (Abb. 20) wurde in Syrakus nicht nur wie ihre Mutter Demeter als Getreidegottheit verehrt, die der Stadt den erwünschten Erntesegen sichern sollte. Dem Mythos nach hatte der Unterweltsgott Hades sie in Sizilien geraubt und zu sich in die Unterwelt entführt. Einer lokalen Mythenversion zufolge war die unweit von Syrakus gelegene Quelle Kyane (,Blautopf‘) der Ort, wo die Entführung stattgefunden hatte.
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Identitäre Schutzgötter der Stadt: Leukaspis Schließlich sind in der Sammlung Dr. Kreutzer auch Leukaspis-Drachmen zu finden, die einen vorgriechischen, d.h. sikanischen Heros und mit ihm auch die uralte autochthone Bevölkerung Siziliens in die Identität von Syrakus einbeziehen (Abb. 8). Der Held mit dem hellen (silbernen?) Schild – das bedeutet sein Name – stellte sich bei der griechischen Landnahme, die mythisch von Herakles vollzogen wurde, dem griechischen Landräuber entgegen und fiel im Kampf. Alles Wesentliche über ihn und seine Bedeutung hat der kundige Sammler in einem lesenswerten Aufsatz zusammengetragen (H. Kreutzer, Der Heros Leukaspis auf den Drachmen von Syrakus, in: G. Schmied-Kowarzik et al. (Hrsg.), Panegyrikoi Logoi. Festschrift für Johannes Nollé zum 65. Geburtstag, Bonn 2019, 307-330). Sizilien: Eine Insel der Großgrundbesitzer und der Pferde
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Abb. 8:Künker eLive Premium Auction 449, Los 4057. AR-Drachme: Arethusa en face // Der Heros Leukaspis
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Abb. 9: Künker eLive Premium Auction 449, Los 4005.
Die politische Identität von Syrakus kommt – oft nicht erkannt – vor allem in den vielen Pferdedarstellungen auf Münzen der Stadt zum Ausdruck: Quadrigen, Bigen und Reiter sind auf ihnen immer wieder dargestellt (Abb. 9, 10, 11). Sie weisen nicht nur darauf hin, dass Sizilien von seinen Naturräumen her eine Insel der Pferde war. Ein geflügeltes griechisches Wort hält fest: παρὰ μὲν πεδίον, παρὰ δ᾿ ἵππος. Gibt es eine Ebene, so gibt es Pferde. Auf Sizilien gab und gibt es zahlreiche Schwemmlandebenen, auf denen Pferde erfolgreich gehalten werden konnten. In der Antike waren allerdings nur reiche Leute mit großem Landbesitz in der Lage, den teuren Unterhalt für Pferde zu bestreiten und sie zu züchten. Die Griechen, die seit dem 8. Jhdt. v. Chr. als Kolonisten aus dem Mutterland nach Sizilien gekommen waren und dort wie auf dem Reißbrett neue griechische Städte – Poleis nannten sie diese – bauten, hatten bei der Gründung in der Regel allen Kolonisten gleich große Landstücke (kleroi) zugewiesen. Allerdings bildete sich aufgrund der Verschiedenheit der Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und divergenten Lebenszielen schon bald Großgrundbesitz heraus, dessen Eigner in den Städten nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch das Sagen hatten. Diese adlige Führungsschicht wurde als Gamoren, d.h. ,ErdAnteilhaber‘, bezeichnet. Das Pferd wurde zu ihrem Standessymbol. Auf einer Münze dieser Sammlung ist ein Reiter dargestellt, der als Gamore gedeutet werden kann. (Abb. 12)
AR-Tetradrachme: Nike bekränzt die Pferde einer Biga // Arethusa.
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Abb. 10: Künker eLive Premium Auction 449, Los 4017. AR-Tetradrachme: Nike bekränzt den Lenker einer Quadriga // Arethusa.
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Abb. 11: Künker eLive Premium Auction 449, Los 4025. AR-Tetradrachme: Nike bekränzt den Lenker einer Quadriga, im Abschnitt liegendes Rad // Arethusa.
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Abb. 12: Künker eLive Premium Auction 449, Los 4002. AR-Drachme von Syrakus: Nackter Reiter zu Pferde, wahrscheinlich ein Gamore // Kopf der Arethusa.
Die Tyrannen von Sizilien und ihre Siege Aus dieser Schicht der ,Herrenreiter‘ gelang es einigen, die Standesgenossen zu überflügeln und eine nahezu monarchische Kontrolle über die gesamte Stadt zu gewinnen. Sie wurden als Tyrannen bezeichnet. Tyrannen gelangten vor allem dann an die Macht, wenn die sizilischen Griechenstädte sich durch Aufstände der unterdrückten einheimischen Bevölkerung oder durch Angriffe der Karthager, die die Westspitze der Insel kontrollierten, bedroht fühlten. In solchen Zeiten benötigten die griechischen Städte zur Abwehr ihrer
Feinde die Adelskavallerie der Gamoren und einen Führer (den Tyrannen), der die Bedrohung mit taktischem und strategischem Geschick bannen konnte. Allerdings scheuten die Tyrannen sich, ihre Herrschaft auf den Münzen sichtbar werden zu lassen. Zu sehr mussten sie den Freiheitssinn der griechischen Stadtbürger fürchten. Deshalb gaben die Tyrannen sich damit zufrieden, entscheidenden Einfluss auf die Politik der Städte ausüben zu können, tasteten aber deren Verfassung nicht augenfällig an und sahen deshalb von einer direkten, d.h. persönlichen Präsenz auf den Münzen ab. Die Tyrannen nutzten aber ihre Statussymbole, die Pferde, dazu, in den bedeutendsten hippischen Wettkämpfen Siege zu erringen, um mit ihnen sich als reich, erfolgreich und mächtig darzustellen. Sie wussten, dass Sieger leicht Bewunderer und Anhänger finden und Gegner abschrecken. Im griechischen Mutterland errangen die sizilischen Tyrannen bei den Panhellenischen Spielen, besonders in Olympia und Delphi, mit ihren Gespannen immer wieder Siege, die in aller Munde waren. Nicht ohne Grund bekränzt auf den Münzen von Syrakus die Siegesgöttin Nike immer wieder die Pferde oder jenen Lenker, der für die Tyrannen den Sieg eingefahren hatte. Die siegreichen Gespanne auf den Münzen von Syrakus firmieren aber unter ΣΥΡΑΚΟΣΙΟΝ, d.h. als ,(Münze) der Bürger von Syrakus‘. Das trifft sogar einen Teil der Realität: Der Eigner der Gespanne wurde bei der Siegerehrung ausgerufen, dabei wurde aber auch die Polis genannt, aus der er stammte. Dadurch wurde die Heimatstadt zusammen mit dem Sieger bekränzt und geehrt. Insofern erreichten die Tyrannen mit ihren Gespannmünzen, die unter dem Namen der Stadt und nicht unter dem ihren ausgegeben wurden, eine Vergemeinschaftung ihrer Siege und vermochten politische Realitäten zu verschleiern. Die Tyrannen von Syrakus präsentierten auf den Münzen von Syrakus sich als identitären Ruhm und Glanz ihrer Stadt und nahmen sich gleichzeitig zurück. Ihren persönlichen Anteil an den hippischen Siegen ließen die siegreichen Tyrannen von Syrakus von den bedeutendsten griechischen Dichtern der Zeit – von den Chorlyrikern Simonides, Bacchylides und Pindar (Abb. 13) – in Siegesliedern (Epinikien) feiern, die von Chören
Abb. 13: Pindar, Büste im Kapitolinischen Museum (Foto JN).
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vorgetragen wurden. Gar nicht so wenige von diesen Siegesliedern sind uns erhalten geblieben, viele aber auch nicht auf uns gekommen. Diese Dichtungen waren weniger beständig als die silbernen Münzen und erreichten auch weniger Menschen als diese. Die Epinikien, deren Text wir kennen, aber nicht deren musikalische Untermalung, vermitteln uns dennoch einen bleibenden Eindruck von dem Stolz und Selbstwertgefühl der pferdeverliebten Tyrannen Siziliens.
Syrakus: Kopf der Arethusa // Vierspeichiges Rad.
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Abb. 15: Los 4052: Æ-Hemilitra: Arethusakopf, dahinter Ähre // Rad.
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Abb. 16: Los 4041: AR-Litra: Arethusakopf, dahinter Gerstenkorn // Oktopus.
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Abb. 17: Los 4071:
Siziliens ökonomische Grundlagen in den Beizeichen der Münzen
Æ-Hemilitra: Arethusakopf // Delphin und Kammmuschel. 2:1
Abb. 18: Los 4040: AR-Litra: Kopf der Arethusa // Oktopus.
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Für die Griechen unverzichtbar waren Ölgärten, die das begehrte und vielfach durch nichts ersetzbare Olivenöl lieferten: Auf den syrakusischen Münzen weisen auf sie zwei Ölbaumblätter (Abb. 17). Syrakus lag wie die meisten griechischen Kolonien am Meer, so dass Oktopus, Fisch, Kammmuschel (Abb. 17) und Seestern (Abb. 19) Beizeichen sind, die auf die Wichtigkeit der Fischerei für die Stadt hinweisen. Der Oktopus war offensichtlich in Syrakus besonders beliebt. Er erscheint nicht als Beizeichen, sondern sogar als ganzes Bild kleinerer Nominale (Abb. 18). Ähnliches gilt für den Seestern (Abb. 19). Auf den Oktopus geht Margret Nollé in dieser Exklusiv ausführlicher ein. Ein Meerungeheuer (kétos; Katalog Nr. 4005) und Skylla (Abb. 20) verweisen darauf, dass das Meer – insbesondere die von einer starken wie gefährlichen Strömung durchzogene Straße von Messina – nicht nur eine Nahrungs-, sondern auch eine Gefahrenquelle für alle war, die mit ihm zu tun hatten.
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Abb. 14: Los 4003: AR-Obol von
Abschließend sei noch erwähnt, dass das Rad, das auf kleineren Nominalen erscheint, auf Sizilien möglicherweise als eine verkürzte Gespannmünze interpretiert werden kann (Abb. 14). Dieser Zusammenhang liegt besonders nahe, wenn im Abschnitt größerer Münzen ein liegendes Rad unter einer Quadriga abgebildet ist (Abb. 11). Im Altertum galten Wagen, die auf Sizilien gezimmert worden waren, als besonders gut (Athenaios 28b).
Der Naturraum Siziliens und seine wirtschaftliche Nutzung scheint nur nebenher in den Beizeichen syrakusischer Münzen auf. Die Ökonomie ist auf antiken Münzen oft nur ein untergeordneter Aspekt städtischer Identität. Sizilien war im Altertum eine getreidereiche Insel, auf der in guten Jahren Überschüsse erwirtschaftet werden konnten, die zum Reichtum der Landbesitzer erheblich beitrugen. Darauf weisen die Beizeichen Ähre und Gerstenkorn hin (Abb. 15, 16).
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Abb. 19: Los 4066: Æ-Drachme: Kopf der Athena // Seestern zwischen zwei Delphinen.
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Abb. 20: Los 4024: AR-Tetradrachme: Quadriga, Nike bekränzt den Lenker; im Abschnitt Skylla // Kopf der Persephone.
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ZUM OKTOPUS AUF DEN MÜNZEN VON SYRAKUS
Zum Oktopus auf den Münzen von Syrakus „Wohlan, kauf‘ günstig ein! Denn alles ist genug.“ „Erklär‘ mir das, mein Herr!“ „Nicht aufwendig, nein, was es gerade gibt, wie’s frommt: Kalmare, Tintenfische reichen aus.“ (Athenaios VIII 359b)
Von Margret Nollé In der Sammlung Dr. Kreutzer gibt es eine Anzahl von silbernen Kleinmünzen (Litren), die im letzten Viertel des 5. Jhs. v. Chr. geprägt wurden und deren Rückseiten einen achtarmigen Tintenfisch (Oktopus) darstellen. Das wirft die bisher kaum erörterte Frage auf, was die für
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eLive Premium Auction 449, Los 4006 Sicilia. Syrakus. Litra 460/450 v. Chr. Min. korrodiert, kl. Kratzer, gutes sehr schön. Exemplar der Electronic Auction CNG 143, Lancaster 2006, Nr. 23. Schätzung: 100 Euro
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die Münzprägung der Stadt Verantwortlichen bewogen haben könnte, diese seltsamen Meeresbewohner als Rückseitenbilder für ihr Kleingeld auszuwählen. Unter dem Oberbegriff ,Tintenfisch‘ werden zwei Arten unterschieden: Die achtarmigen Kraken oder auch Oktopusse genannten Tintenfische, und die zehnarmigen Kalmare und Sepien. Auf den syrakusischen Münzen erscheinen Oktopusse (das griechische Wort bedeutet ,Achtfüßer‘), die einen rundlichen Körper mit großen Augen und acht Fangarmen besitzen, die mit kleinen Saugnäpfen bestückt sind. Ihre Körperlänge beträgt ca. 1 Meter. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass die Kraken drei Herzen besitzen, von denen zwei die Fangarme (Tentakeln) versorgen und das dritte den Körper. Die Bezeichnung ,Tintenfisch‘ ist auf die dunkle, tintenähnliche Flüssigkeit zurückzuführen, die die Kraken aus beutelartigen Organen versprühen, um Angreifer zu verwirren. Oktopusse leben vorwiegend am Meeresboden und ernähren sich von Muscheln, deren Schalen sie zerdrücken, Krebsen und kleinen Fischen. Sie können sich durch Farb- und Hautstrukturwechsel hervorragend tarnen und gelten als extrem anpassungsfähig und intelligent. Schon der berühmte Zoologe und Schriftsteller Alfred Brehm (1829-1884) bescheinigte den Tintenfischen eine weit über den Instinkt hinausreichende Tätigkeit des Gehirns. In neueren Experimenten öffneten die klugen Meeresbewohner sogar Schraubverschlüsse von Behältern und behielten diese Fähigkeit lange bei, was für ihr gut ausgebildetes Gedächtnis spricht. Verhaltensforscher wollen sogar herausgefunden haben, dass die Kraken individuelle Charakterzüge besitzen.
eLive Premium Auction 449, Los 4022 Sicilia. Syrakus. Litra 460/450 v. Chr. Sehr selten. Feine Tönung, sehr schön. Schätzung: 125 Euro
Erstaunlicherweise erfreut sich der Tintenfisch in unseren Tagen wachsender Aufmerksamkeit. Der achtarmige Oktopus erobert seit mehreren Jahren die
ZUM OKTOPUS AUF DEN MÜNZEN VON SYRAKUS
internationale Filmindustrie, Bestseller-Listen und sogar Spielzeugläden. „Octopussy“ – so der etwas alberne Name eines kleinen giftigen Tintenfisches in dem gleichnamigen James-Bond-Thriller – schwimmt als intelligenter und menschlich agierender Krake mit großem Erfolg durch unsere heutige Kulturwelt. Als aktuelles Beispiel sei die Verfilmung des BestsellerRomans ,Remarkably Bright Creatures‘ (,Das Glück hat acht Arme‘) der amerikanischen Schriftstellerin Shelby Van Pelt genannt, die gerade auf Netflix läuft. Die Geschichte handelt von der unglaublichen Freundschaft zwischen Marcellus, einem riesigen pazifischen Oktopus, und einer Frau, die sein Aquarium putzt. Einfühlsam erkennt das Tier die seelischen Probleme seiner Pflegerin und hilft ihr allein durch sein Verhalten, eine schwierige familiäre Situation zu bewältigen. Als ,Coach‘ fungierte schon zuvor im Jahr 2020 ein weiblicher Oktopus, der dem südafrikanischen Tierfilmer Craig Foster aus einer tiefen Lebenskrise geholfen haben soll. Der daraus entstandene Dokumentarfilm ,My Octopus Teacher‘ (,Mein Lehrer, der Krake‘) gewann 2021 einen Oscar in der Kategorie bester Dokumentarfilm. Man mag solche Phantasien als überbordende Gefühlsduselei abtun, aber sie scheinen doch Ausdruck der Sehnsucht vieler Menschen zu sein, die sich den Beistand eines spirituell kraftvollen Tiers erhoffen, das sie als Mentor durch diese immer komplexere und gefahrvollere Welt bringt. Dabei mag auch die Erscheinung des Oktopusses mit seinen langen Fangarmen eine Rolle spielen, in die man sich mit geradezu kindlichem Vertrauen ,hineinkuscheln‘ könnte, um vor allem geschützt zu sein. Nicht umsonst sind die putzigen gelben Tintenfischchen aus weichem Polyester eines bekannten schwedischen Möbelhauses ein Favorit bei kleinen Kindern. Offenbar war der Tintenfisch auch im Altertum in mehrfacher Hinsicht für die Menschen so interessant und vielleicht auch so beliebt, dass er als Rückseitenbild in den Typenkatalog der Münzprägung einer so bedeutenden Stadt wie Syrakus aufgenommen wurde. In der antiken Literatur hat der Krake so viel Berücksichtigung gefunden, dass es für das Rätsel, warum er auf den syrakusischen Münzen abgebildet ist, zumindest ansatzweise Lösungen gibt. Fast das gesamte Wissen des Altertums über die Anatomie dieser „Kephalopoden“ („Kopffüßler“) genannten Meeresbewohner findet man bei Aristoteles. Die Kraken mit ihrem ganz eigenartigen Körperbau, der es dem Laien schwer macht, vorne und hinten oder oben und unten bei diesen Tieren festzustellen, müssen das besondere Interesse des großen Naturforschers erweckt haben. Aristoteles‘ großes Verdienst war es, die Tintenfische aufgrund ihres Körperbaus in seinem zoologischen System als fest
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eLive Premium Auction 449, Los 4039 Sicilia. Syrakus. Litra 405/395 v. Chr. Min. korrodiert, kl. Druckstelle auf dem Avers, gutes sehr schön. Exemplar der Auktion Pecunem 23, München 2014, Nr. 82. Schätzung: 125 Euro
umrissene Gruppe einzuordnen, die er malákia (Weichtiere) nannte, eine Unterabteilung der anaima (Blutlosen), worunter er die wirbellosen Tiere verstand. Seine eingehenden, anatomisch genauen Untersuchungen zu dieser Tiergruppe wurden erst um die Mitte des 19. Jhs. bestätigt und gewürdigt (Aristot. hist. an. IV 1 p. 523 b 1-525 a 29). Des Weiteren überliefert auch der römische Naturkundler Plinius der Ältere, (23/24-79 n. Chr.) im neunten Buch seiner ,Naturgeschichte‘ viel antikes Wissen über Kalmare und Polypen (Plin. NH IX 83; XI 275). Die Intelligenz und Anpassungsfähigkeit der Kraken wurden auch in der Antike beobachtet und erregten großes Interesse. Da der ,Polyp‘ (der ,Vielfüßige‘) seine Farbe wechseln konnte, charakterisierte man einen Menschen, der über eine große Anpassungsfähigkeit und Gewandtheit verfügte, mit polypodos homoiotes, d.h. ,einer der sich dem Vielfuß angeglichen hat‘. Ein solches Naturell schätzten und bewunderten die antiken Griechen. So bezeichnet Homer seinen Titelhelden Odysseus als „polýtropos anér“, d.h. als „vielgewandten Mann“, der mit Intelligenz und der Fähigkeit zur Täuschung Probleme lösen konnte. Der griechische Schriftsteller Plutarch, der im 1. und 2. Jhdt. n. Chr. lebte, empfiehlt in seinem naturwissenschaftlichen Werk Aetia physica bzw. Quaestiones naturales (Naturwissenschaftliche Fragen 916 E ff.) die Anpassung nach Art eines Polypen sogar als Lebensregel. Zwar machte man die zoologisch richtige Beobachtung, dass von Raubfischen abgebissene Tentakeln dem Tintenfisch wieder nachwuchsen (Aristot. hist. an. VIII 2 p. 590 b
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ZUM OKTOPUS AUF DEN MÜNZEN VON SYRAKUS
handelt es sich um zehnarmige Kalmare, die mit ihren torpedoförmigen Körpern tatsächlich aus dem Wasser schnellen und mehrere Meter weit fliegen können, um ihren Fressfeinden zu entgehen. Gefangen wurde der Krake mit der Angel, wobei das Tier häufig den Köder geschickt vom Angelhaken löste und den Haken ausspuckte. Die beste Methode war es daher, ihn mit einem Dreizack zu erlegen. Das Erscheinungsbild der bewundernswerten Kephalopoden mit ihren langen, geschmeidigen Fangarmen fand früh seinen Widerhall in der bildenden Kunst des Altertums. Die ältesten und zugleich eindrucksvollsten Kopffüßler-Darstellungen der europäischen Kunstgeschichte stammen aus dem minoischen Kreta des 2. Jahrtausends vor Christus. Im sogenannten ,Marine-Stil‘ (ca. 1500–1450 v. Chr.) bemalten minoische Töpfer Keramikgefäße mit großformatigen Oktopussen. Deren Tentakeln breiten sich organisch über die gesamte Gefäßform aus und imitieren die Bewegung des Wassers. Die Bildsprache ist direkt und naturalistisch: Der Tintenfisch ist kein Ornament, das auf die Fläche projiziert wurde, sondern eine Körperform, mit der die Gefäßwölbung aufgenommen wird. Minoische Bügelkanne mit der Darstellung eines Oktopusses (um 1500 v. Chr.); Heraklion/Kreta, Archäologisches Museum. Foto: Wolfgang Sauber, Wikipedia, gemeinfrei.
15f.), vermutete aber zu Unrecht, dass sich der Krake aus gieriger Gefräßigkeit die Fangarme selbst abbeiße, um sie zu verspeisen. Daraus folgte die Redewendung vom polypodos tropos (vom „Tintenfischcharakter“), womit man einen habgierigen Menschen bezeichnete (Macar. VII 27). Man bewunderte die Taktik des schlauen Oktopusses, sich aus Steinen am Meeresgrund eine Art Höhle aus Muschelschalen zur Tarnung zu bauen, von der aus er Jagd auf seine Beute machte. In seinem Schlupfwinkel sammelte er auch allerlei Beutetiere. Die Fähigkeit, sich für kurze Zeit außerhalb des Wassers aufzuhalten, wurde bereits von Aristoteles festgestellt. Berichte über regelrechte Landausflüge des Tieres, das nachts sogar Zäune und Bäume überklettern konnte, um Obstbäume und Pökelanstalten zu plündern, dürften aber ins Reich der Phantasie verwiesen werden (Plin. NH IX 92f.). Nicht aus Seemannsgarn gesponnen sind dagegen die ‚fliegenden Tintenfische‘, von denen Seeleute berichteten. Bei diesem Phänomen
Kommen wir jetzt zu einem ganz unsentimentalen Aspekt unserer kleinen Abhandlung: dem menschlichen Appetit. Der an allen Küsten des Mittelmeeres vorkommende Polypus vulgaris (der gemeine Krake) fehlte in der Antike auf keinem Fischmarkt und war als beliebte, sehr sättigende und zudem preiswerte Speise bekannt. Der griechische Schriftsteller Athenaios, der zwischen 190 und 230 lebte, beschreibt in seinem Hauptwerk, den Deipnosophistai (,Das Gastmahl der Gelehrten‘) die Teilnahme an einem opulenten, mehrtägigen Gastmahl in Rom. Die Gäste dieses Banketts behandelten in Form von Tischgesprächen verschiedene Themen des Alltagslebens, der Politik und der Kunst. Vor allem aber unterhielten sie sich ausgiebig über Kochrezepte, wobei dem Polypen große Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Gekocht und richtig zubereitet sei sein Fleisch zart und rege die Verdauung an. Außerdem wurde ihm eine blutverdünnende und aphrodisierende Wirkung zugeschrieben. Demnach ist der Genuss von Tintenfischen damals wie heute der Gesundheit sehr zuträglich. Wurde aber das zähe Fleisch des Kraken vor der Zubereitung nicht genügend geklopft, blieb es schwer verdaulich und verursachte schlechten Schlaf und Albträume. Nach einer der vielen Anekdoten, die über den Tod des Philosophen Diogenes erzählt wurden, soll dieser gestorben sein, weil er einen Oktopus roh verzehrt habe (Ath. VIII p. 341 E). Die besten Kraken, so erzählen es die Feinschmecker bei
ZUM OKTOPUS AUF DEN MÜNZEN VON SYRAKUS
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Fischmosaik aus Pompeji, circa 100 v. Chr., Archäologisches Nationalmuseum, Neapel. Foto: Carole Raddato, cc-by-sa-2.0, Wikipedia.
Athenaios, seien die bei Kerkyra (Korfu), Thasos und an der karischen Küste gefangenen Exemplare. An dieses literarische Gastmahl erinnern auch die zahlreichen Bodenmosaike aus den Bankettsälen römischer Villen mit Darstellungen von allen Arten von Fischen, Krebsen und Muscheln. Wie eine reich gedeckte Tafel erscheint dem Betrachter die Vielfalt der abgebildeten Fische. Frischer Fisch war teuer und konnte nur von Wohlhabenden auf dem Markt gekauft werden, während sich die ärmere Bevölkerung mit eingepökelten Fischen (hauptsächlich Thunfisch, Makrelen, Sardellen und Sardinen) begnügen musste. Kraken und Kalmare zählten nur selten zu dem Angebot an Fischdelikatessen auf den Mosaiken, weil sie offenbar nur als ein preiswertes Nahrungsmittel für die einfachen Leute angesehen wurden. Dazu passt auch die Nachricht, dass man das Fleisch der Tintenfische häufig als Köder in Fischreusen legte. Beantwortet diese kurze Betrachtung der Bedeutung des Oktopusses in der Antike die eingangs gestellte Frage, warum diese seltsamen Meereslebewesen zum Gegenstand auf syrakusischen Münzen wurden? Wenn wir unseren Blick auf die Prägungen der anderen sizilischen Seestädte richten, liegt die Antwort nahe. Nicht nur Syrakus, sondern viele sizilische und unteritalische Städte am Meer setzten den Oktopus als Vollbild auf ihre Silber- und Bronzemünzen. Eine kleine Auswahl der entsprechenden Exemplare mag genügen: Adranon (Hoover Greek Coins 2, 40);
Akragas (Hoover Greek Coins 2, 133); Alontion (Hoover Greek Coins 2, 1375); Messana (Hoover Greek Coins 2, 832) und Motya (Hoover Greek Coins 2, 949). Aus dieser Beobachtung lässt sich schließen, dass der Oktopus an der Küste Siziliens zahlreich und in guter Qualität vorkam. Für die Seestädte wurde er dadurch zu einem identitätsstiftenden Element. Dieses Phänomen steht in der Münzprägung antiker Städte an den Küsten des Mittelmeeres nicht vereinzelt da. Nicht nur Kroton und Tarent in Kalabrien oder Populonia in Etrurien, sondern auch Eretria auf der Insel Euboia und Kyrene in Nordafrika bildeten den Oktopus auf ihren Geldstücken ab. Diese Übersicht zeigt auch, dass es in der Regel kleine Nominale waren, die das Tintenfischbild trugen. Dabei verrät uns der von Athenaios überlieferte kurze Dialog zwischen dem Herrn und seinem Diener, der zum günstigen Einkauf auf den Fischmarkt geschickt wurde, dass ein Oktopus eine wohlfeile Mahlzeit darstellte, die höchstwahrscheinlich für eine Litra zu bekommen war. Angesichts der Häufigkeit, in der der Oktopus auf den kleinen Geldstücken von Syrakus geprägt wurde, ist es nicht verwunderlich, dass er schließlich unter König Agathokles (305/304-289 v. Chr.) auf 5-Litren Stücken aus Elektron zu einem identitären Münzbild wurde.
Literatur • Au. Steier, RE VI A,2, s. v. Tintenfische, 1393-1406. • D. Bérend, Histoire de poulpes, in : G. Le Rider et al. (Hrsg.), Kraay-Morkholm Essays, Louvain-la-Neuve 1989, 23-28 (Versuch einer Typologie und Datierung der Münzen). • O.D. Hoover, The Handbook of Greek Coinage Series, Volume 2, Coins of Sicily (inluding Lipara), Classical Numismatic Group, Inc., Lancaster/London 2012.
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KÜNKER EXKLUSIV
„DER KRIEG IST DER VATER ALLER DINGE“
„Der Krieg ist der Vater aller Dinge“ Künstlerische Erneuerung und Wohltätigkeit zur Zeit des Ersten Weltkriegs. Eine Serie exklusiver Gussmedaillen aus der Imperial Collection, Part II. Von Felix Wunder
großplastische Vorläufer; diese seien – so J. Menadier – „dauernd vorbildlich über allen Zeitenwechsel hinaus und jeden Unterschied des Volkstums, über jeden Gegensatz hinaus von rein menschlicher Geltung.“ Die Edition war auf 180 Medaillen angelegt, einige Stücke wurden jedoch nicht umgesetzt oder gelangten nicht über die Planungsphase hinaus. In unserer kommenden eLive Premium Auction 450 wird eine beachtliche Anzahl von 18 Medaillen aus dieser interessanten Serie angeboten (Los 5190-5207). Patriotismus für den guten Zweck
Julius Menadier, Münzkabinett Berlin: Objektnummer 18205501 Bilddateien sind lizenziert als Public Domain Mark 1.0. Berlin, Münzkabinett der Staatlichen Museen, 18205501. Aufnahme durch Lutz-Jürgen Lübke (Lübke und Wiedemann).
Das berühmte titelgebende Zitat des Heraklit nutzte Julius Menadier, von 1898 bis 1921 Direktor des Berliner Münzkabinetts, als er Ende 1915 in der Frankfurter Münzzeitung die Agenda der von ihm ins Leben gerufenen „Freunde der deutschen Schaumünze“ vorstellte. Erklärtes Ziel der Medaillengesellschaft, der zahlreiche bekannte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens beitraten, war die Herausgabe eines Editionsprogramms zum Ersten Weltkrieg. Die Medaillen sollten zur medialen Verbreitung patriotischer Botschaften genutzt werden. In den Bildprogrammen und ihrer ikonografischen Gestaltung manifestiert sich der Wunsch, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken, während die künstlerische Ausführung den Beweis liefern sollte, dass die deutsche Bildkunst auch – oder gerade – in Zeiten des Krieges zu Höchstleistungen fähig war. Als Vorbild wählten sich die Initiatoren der Gesellschaft die italienischen Gussmedaillen der Renaissance und deren
Die zu Beginn des Ersten Weltkriegs vorherrschende patriotische Stimmung in Deutschland hat umfangreichen Niederschlag in der Medaillenproduktion gefunden. Hierfür lassen sich mehrere Gründe anführen. Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert hatten führende Medaillenkünstler und Numismatiker, zu denen neben dem oben erwähnten J. Menadier etwa auch Rudolf Bosselt gehörte, versucht, die Medaille als Kunstobjekt zu reformieren. Das Bestreben zielte darauf ab, durch eine Verfeinerung der Guss- und Prägetechnik die rundplastische und ästhetische Qualität der Medaillen zu steigern, um so ein möglichst breites Publikum für die Kunstfertigkeit zu begeistern. Anders als in Frankreich, wo die Prägetätigkeit überwiegend in Paris verortet war, existierten in Deutschland vielerorts Prägestätten und Gießereien. Das inhaltliche und gestalterische Spektrum war enorm; die Qualität wechselhaft. Dies war die Ausgangslage, als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach. Der Konflikt mit seinem massenhaften Sterben in den Schützengräben markierte eine tiefe Zäsur für die europäische Zivilisation und die beteiligten Staaten beschritten vielfach neue Wege. Dies betrifft nicht zuletzt die mediale Kommunikation der Kriegsereignisse. Die konsequente Nutzung politischer Propaganda nahm eine völlig neue Dimension an und die Medaillenhersteller versuchten mehrheitlich auf diesen Zug aufzuspringen. Viele von ihnen wurden hierbei primär von finanziellen Interessen geleitet. Nicht so J. Menadier und seine Mitstreiter, dessen patriotische Motivation in seinen Ausführungen klar
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zu Tage tritt: „Die Freunde der Deutschen Schaumünze haben sich zusammengeschlossen, um dem deutschen Volke eine historische Medaille zu schaffen. (…) Denn es gilt eine Huldigung der gesamten deutschen Bildkunst zunächst für das Heer ins Werk zu setzen.“
eLive Premium Auction 450, Los 5195 (Avers). Bronzegußmedaille o. J. (1915), von H. Bendorff, auf den Tod des Kapitänleutnant sowie U-Boot-Kommandants Otto Eduard Weddigen
Neben den künstlerischen Ambitionen und dem Ausdruck patriotischer Gesinnung verfolgte die Gesellschaft auch ein soziales Anliegen. Eine Hälfte des Verkaufserlöses der Medaillen war als Honorar für die Künstler vorgesehen, während die andere Hälfte Kriegsopfern und Hinterbliebenen zugutekommen sollte. Die Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts erhielt so eine praktische Komponente und blieb nicht auf die ausgewählten Bildinhalte beschränkt. Die finanzielle Unterstützung war J. Menadier sicherlich ein Herzensanliegen und entsprach seiner tiefsten Überzeugung. So betont er: „Doch den Krieg besteht nicht allein das deutsche Heer, das ganze deutsche Volk ist in ihn verschlungen.“ Personenkult und Heroismus
(*1882, Herford; †1915, auf See vor Schottland) im Ersten Weltkrieg.
eLive Premium Auction 450, Los 5196 (Avers). Bronzegußmedaille 1915, von R. Küchler, auf den Kronzprinzen und seinen Einsatz im Ersten Weltkrieg. Erstguss aus dem Besitz von Kaiser Wilhelm II.
Bis auf eine Medaille zeigen alle Stücke der Serie, die in unserer Auktion angeboten werden, ein Portrait auf der Vorderseite. Ein Stück zeigt einen anonymen Soldaten, ansonsten handelt es sich fast ausnahmslos um militärische Befehlshaber. Dies kann als repräsentativ für die gesamte Edition der Weltkriegsmedaillen angesehen werden, bedarf aber einer kurzen Erklärung. Seit dem frühen 19. Jahrhundert hatte der politische Personenkult zunehmend an Bedeutung gewonnen. Vor allem Napoleon Bonaparte hatte es als erster Herrscher der Moderne verstanden, sowohl Kunst als auch Massenmedien gezielt zu instrumentalisieren, um der Öffentlichkeit ein überhöhtes und zugleich vielschichtiges Selbstbild zu präsentieren. Er nutzte hierbei auch traditionelle Elemente der Herrscherikonographie, die auf antike Vorbilder zurückgehen, und wurde somit zum Prototyp für die Herrscherpersönlichkeiten des 19. und 20. Jahrhunderts. Die Portraits der Medaillen aus der Weltkriegsedition, meist als uniformierte Brustbilder gestaltet, zeigen entschlossene Charaktere mit markanten Gesichtszügen. In einigen Fällen, namentlich beim U-Boot-Kommandanten Otto Weddigen (Los 5195 und 5203) und Vizeadmiral Maximilian von Spee (Los 5192), handelt es sich bei den Dargestellten um Personen, die in den ersten Kriegsmonaten gefallen waren. Die Objekte würdigen folglich ihren entschlossenen Einsatz und
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glorifizieren eine patriotische Opferbereitschaft. Gesondert hervorzuheben sind zudem die Medaillen mit den Los 5190 und 5196. Beide Gussmedaillen zeigen Mitglieder des Herrscherhauses. Prinz Eitel Friedrich von Preußen erscheint als Kommandeur eines Garderegiments, während die Medaille des Künstlers R. Küchler den Kronprinzen Wilhelm in prächtiger Husarenuniform zeigt. Beide Stücke illustrieren den unmittelbaren Einsatz der kaiserlichen Familie im Kriegsgeschehen.
eLive Premium Auction 450, Los 5199 (Revers). Bronzegußmedaille 1915, von R. Küchler, auf den preußischen General der Infantrie, Ewald Constantin Ferdinand Friedrich von Lochow (*1855, Petkus; †1942, Berlin-Charlottenburg) und seine Verdienste bei der Schlacht von Soissons. Erstguss aus dem Besitz von Kaiser Wilhelm II.
Die Rückseitenmotive der Medaillen sind zwar vielfältig, dennoch finden sich wiederkehrende Themenfelder und Bildelemente. Zahlreiche Stücke greifen historische Ereignisse des Kriegsverlaufes auf, wie z. B. die Einnahme von Namur, die Schlacht von Soissons oder die Schlacht bei Dixmuiden. Zwei Medaillen zeigen vorrückende bzw. aufmarschierende Soldaten und setzen deren heldenhaften Einsatz ins Bild (Los 5191 und 5199). Die heroische Überhöhung kommt zudem überdeutlich in der Darstellung des nackten (oder halbnackten) Kriegers zum Ausdruck. Dieser tritt etwa als Befreier der Bevölkerung auf (Los 5200), als Stierringer (Los 5204) oder fungiert, ausgestattet mit den Attributen Schwert und Lorbeerkranz, als universelles Symbol für Sieghaftigkeit (Los 5195). Wiederholt griffen die Medailleure zudem antike Bildschemata oder Motive der nordischen oder christlichen Mythologie auf. Neben Simson im Kampf mit Feinden (Los 5206) und Siegfried als Bärenbezwinger (Los 5202) erscheint auch Achill auf einer Medaille, der von seinem Lehrer Chiron im Bogenschießen unterwiesen wird (Los 5205). Ein weiteres Stück adaptiert eine antike Opferszene (Los 5201). Sie zeigt antik gewandete Männer und Frauen, die Beutel mit Geld zu einer Opferschale tragen. Die Abbildung ist umschrieben von der Parole „Alle Kraft dem Vaterland“. Eine Widmung für seine Majestät
eLive Premium Auction 450, Los 5204 (Revers). Bronzegußmedaille 1915, von A. Löwental, auf Generalfeldmarschall August von Mackensen und seine Siege in Galizien. Erstguss aus dem Besitz von Kaiser Wilhelm II.
Die Auflagenhöhe der einzelnen Medaillen aus der Edition der „Freunde der deutschen Schaumünze“ lässt sich nicht sicher ermitteln. Die Produktionsaufwand und somit auch die Kosten für die qualitätvollen Güsse waren ungleich höher als bei geprägten Medaillen. Es ist daher anzunehmen, dass die Auflage der meisten Stücke nicht über ein Volumen von 50-100 Stück hinausgekommen ist. Lediglich besonders populäre Motive fanden eine größere Verbreitung. Ein wichtiges Merkmal der Serie liegt in der Punzierung mit Serienund Gussnummern. Im Rand weist zunächst das Kürzel „DS“ auf die „Freunde der deutschen Schaumünze“ als Herausgeber hin. Die nachfolgende Nummer steht für die Position der Medaille innerhalb der auf 180 Medaillen angelegten Edition. Abschließend folgt
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eLive Premium Auction 450, Los 5201 (Revers). Bronzegußmedaille 1915, von P. Leibküchler, auf Karl Helfferich
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ist für Kriegszwecke beschlagnahmt und wir haben uns dem zu fügen.“ Die Prägestatistik der Münze Berlin in den ersten Kriegsjahren verdeutlicht die Problematik anschaulich. Während im Jahr 1915 noch 2.500 Bronzemedaillen hergestellt wurden, kam die Produktion ab 1917 völlig zum Erliegen. Der Berliner Gießerei H. Gladenbeck & Sohn, die zumeist die Serienproduktion für die Medaillengesellschaft übernahm, wird es kaum anders ergangen sein. Auch das Ausweichen auf Eisen als alternatives Material (vgl. Los 5194) vermochte die ursprünglichen Pläne J. Menadiers und seiner Sinnesgenossen nicht zu retten. So verliert sich die Spur der „Freunde der deutschen Schaumünze“ in den späteren Kriegsjahren; die endgültige Auflösung der Gesellschaft folgte mit dem Ende des Ersten Weltkriegs. Parallel dazu war die anfängliche patriotische Kriegsbegeisterung in Deutschland auch längst in Ernüchterung umgeschlagen. Der zermürbende Grabenkrieg hatte Spuren hinterlassen und der Großteil der Bevölkerung wünschte sich Frieden.
und seine Ernennung zum Reichsschatzsekretär. Erstguss aus dem Besitz von Kaiser Wilhelm II.
die Gussnummer, die angibt, als wievieltes Stück das entsprechende Exemplar angefertigt wurde. Diese verdient bei den Exemplaren in unserer Auktion besondere Aufmerksamkeit. Es finden sich insgesamt 14 Medaillen, welche die Gussnummer 1 tragen. Die Bedeutung erschließt sich durch einen Blick in den bereits eingangs zitierten Artikel von J. Menadier, der schreibt: „Jeder erste Guß ist als Widmung für S. Majestät den Kaiser und König bestimmt, die beiden folgenden Güsse und einige Prägungen werden der durch eine jede geehrten Persönlichkeit überwiesen.“ Somit ist klar belegt, dass es sich bei den Exemplaren mit der Gussnummer 1 um Erstgüsse aus dem persönlichen Besitz Kaiser Wilhelms II. handelt! Dass Medaillen einen so unmittelbaren Hinweis ihrer Provenienz tragen, ist äußerst selten und macht die Stücke zu einzigartigen Sammelobjekten! Ressourcenknappheit und unverhofftes Ende
eLive Premium Auction 450, Los 5202: Randpunze DS 1 1
Literatur • Elke Bannicke, Weltkriegsmedaillen – Kunst und Kommerz. In: Gold gab ich für Eisen. Der Erste Weltkrieg im Medium der Medaille. Berlin 2014, 23-31. • Julius Menadier, Die Freunde der deutschen Schaumünze. Der Krieg ist der Vater aller Dinge. In: Frankfurter Münzzeitung 15-178/9 (Okt. / Nov. 1915), S. 495-510. • Markus Meinold, Geprägte Erinnerung – Medaillen als Propagandamedium des Ersten Weltkriegs. In: kunsttexte.de (2009) Nr. 1, S. 1-11. • Wolfgang Steguweit, Die deutsche „Weltkriegsmedaille“ im Mainstream des Zeitgeistes. In: Gold gab ich für Eisen. Der Erste Weltkrieg im Medium der Medaille. Berlin 2014, S. 15-22. • Wolfgang Steguweit, Das Münzkabinett der Königlichen Museen
Von Beginn an waren die Voraussetzungen alles andere als günstig für das ambitionierte Vorhaben der „Freunde der deutschen Schaumünze“. Die hohen Produktionskosten erforderten hohe Preise für die Medaillen; die Zahl der Abnehmer blieb überschaubar. Durch die mangelnde Nachfrage konnte den jeweiligen Künstlern oftmals ihr Honorar nicht ausgezahlt werden. Hinzu kam die kriegsbedingte Ressourcenknappheit. J. Menadier war sich der schwierigen Situation bewusst: „Aber die schwere Not der Zeit setzt diesem Streben eine gebieterische Schranke entgegen: die Bronze
zu Berlin und die Förderung der Medaillenkunst. Künstlerbriefe 1914-1918. Medaillenedition. Das Kabinett 5. Berlin, Münzkabinett der Staatlichen Museen 1998. • Wolfgang Steguweit u. a. Die Kunstmedaille in Deutschland, 7: Kunst und Technik der Medaille und Münze. Das Beispiel Berlin. Deutsche Gesellschaft für Medaillenkunst in Verbindung mit dem Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin, 1997. • Wolfgang Steguweit, Das Editionsprogramm der „Freunde der Deutschen Schaumünze“ im Ersten Weltkrieg. Grenzen der politischen Medaille im 20. Jahrhundert. In: Geldgeschichtliche Nachrichten 29, 1994, Heft 159, S. 17-27.
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KÜNKER EXKLUSIV
eLIVE AUCTION 95
Vorschau auf unsere eLive Auction 95 vom 1.-4. Dezember 2026 auf www.kuenker.auex.de
Anhalt-Bernburg.
Baden-Durlach.
Alexander Carl, 1834-1863.
Karl Leopold Friedrich, 1830-1852.
Vereinstaler 1859.
Kronentaler 1835.
Vorzüglich.
Vorzüglich-Stempelglanz.
Bayern. Ludwig I., 1825-1848.
Bayern. Ludwig II., 1864-1886.
Kronentaler 1831.
Vereinstaler 1871.
Feine Patina, winz. Kratzer,
Feine Patina, winz. Kratzer,
vorzüglich-Stempelglanz.
vorzüglich-Stempelglanz.
Braunschweig-Wolfenbüttel.
Braunschweig-Calenberg-Hannover.
Wilhelm, 1831-1884.
Georg IV., 1820-1830.
Vereinstaler 1867 B.
Konventionstaler 1830.
Hübsche Patina, fast Stempelglanz.
Selten. Vorzüglich.
eLIVE AUCTION 95
KÜNKER EXKLUSIV
Braunschweig-Calenberg-Hannover.
Hessen-Kassel. Friedrich Wilhelm, 1847-1866.
Georg V., 1851-1866.
Vereinstaler 1863. Feine Patina, winz. Kratzer,
Vereinstaler 1865 B. Nur 2.000 Exemplare geprägt.
vorzüglich-Stempelglanz.
Hübsche Patina, kl. Kratzer, vorzüglich-Stempelglanz.
Hessen-Darmstadt.
Mecklenburg-Schwerin.
Ludewig (X.) I., (1790-) 1806-1830.
Friedrich Franz II., 1842-1883.
Konventionstaler 1809. Feine Patina, vorzüglich +.
Vereinstaler 1867. Feine Patina, vorzüglich-Stempelglanz.
Nassau. Wilhelm, 1816-1839.
Preußen.
Kronentaler 1832.
Friedrich Wilhelm IV., 1840-1861.
Hübsche Patina, vorzüglich.
Vereinstaler 1861 A, auf seinen Tod. Winz. Kratzer, polierte Platte.
Reuss-Obergreiz.
Sachsen. Friedrich August II., 1836-1854.
Heinrich XX., 1836-1859.
Taler 1854 F, auf seinen Tod.
Vereinstaler 1858. Von polierten Stempeln,
Ausbeute. Hübsche Patina,
fast Stempelglanz.
Erstabschlag, vorzüglich-Stempelglanz.
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KÜNKER EXKLUSIV
eLIVE AUCTION 95
Sachsen. Johann, 1854-1873.
Sachsen-Saalfeld. Ernst I., 1806-1826.
Taler 1855 F. Münzbesuch. Erstabschlag, winz.
Konventionstaler 1817.
Kratzer, vorzüglich-Stempelglanz.
Vorzüglich-Stempelglanz.
„ LiveBidding“ auf kuenker.auex.de Nutzen Sie die komfortable Möglichkeit der Teilnahme an unseren Auktionen via Internet. Waldeck. Georg Heinrich, 1813-1845. Kronentaler 1824. Hübsche Patina, winz. Kratzer, winz. Schrötlingsfehler am Rand, sehr schön-vorzüglich.
Alles, was sie hierfür benötigen, ist ein aktueller Webbrowser, wie zum Beispiel Mozilla Firefox®, Google Chrome® oder Microsoft Edge®. Sie können über ein Smartphone, Tablet, Notebook oder PC jederzeit mitbieten. Im bedienerfreundlichen Portal finden Sie auf einen Blick alle wichtigen Informationen zu unseren Losen und Ihren Geboten.
Westphalen. Hieronymus Napoleon, 1807-1813. Gulden 1811 C.
Seien Sie „live“ dabei, wenn der Hammer fällt. Hören Sie den Auktionator und sehen Sie das aktuelle Los inklusive aktuellem Gebotsstand sowie Beschreibung. Nutzen Sie die Gelegenheit, Ihre Lieblingsstücke von zu Hause aus oder unterwegs, einfach und bequem per Mausklick zu ersteigern.
Feine Patina, vorzüglich-Stempelglanz.
Seien Sie am Bildschirm unser Gast im Saal! Wir laden Sie herzlich ein. In nur drei Schritten zu Ihrem erfolgreichen Zuschlag: 1. Registrieren Sie sich bitte unter kuenker.auex.de. 2. Aktivieren Sie anschließend die Registrierung über den Link in Ihrer Bestätigungs-E-Mail. 3. Am Auktionstag reicht eine kurze Anmeldung auf kuenker.auex.de und Sie können jederzeit „live“ in die Auktion einsteigen. Württemberg. Wilhelm I., 1816-1864. Kronentaler 1837. Feine Patina, vorzüglich.
NUMISMATA BERLIN 2026
KÜNKER EXKLUSIV
Wir freuen uns auf die NUMISMATA Berlin 2026
Künker auf der NUMISMATA in München, 2026.
Am 14. und 15. November 2026 findet die 22. NUMISMATA Berlin auf dem Gelände der Messe Berlin, Halle 11.2, statt. Mit mehr als 200 Ausstellern aus dem In- und Ausland zählt die Veranstaltung zu den bedeutendsten numismatischen Messen Europas und bietet ein breites Spektrum an Münzen, Medaillen, Banknoten, Fachliteratur und Zubehör. Wir freuen uns, in diesem Jahr wieder mit einem Stand in der Hauptstadt vertreten zu sein und viele Kunden, Sammlerfreunde und Geschäftspartner persönlich begrüßen zu dürfen. Gerade in einer Zeit, in der viele Kontakte digital stattfinden, sind die persönlichen Begegnungen auf einer Münzenmesse etwas ganz Besonderes. Sie bieten die Gelegenheit, Sammlungen zu besprechen, Erfahrungen auszutauschen, neue Stücke zu entdecken und die gemeinsame Leidenschaft für Numismatik zu teilen. Ganz gleich, ob Sie sich für unsere kommenden Auktionen interessieren, Fragen zu einer Sammlung haben oder einfach bei uns vorbeischauen möchten: Unser Team steht Ihnen gerne für persönliche Gespräche zur Verfügung.
NUMISMATA Berlin 2026 14. bis 15. November 2026 Über 200 nationale und internationale Aussteller Samstag, 14. November 2026 09:30 bis 18:00 Uhr Sonntag, 15. November 2026 09:30 bis 15:00 Uhr Messe Berlin Halle 11.2 Messedamm 22 14055 Berlin numismata.de
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KÜNKER EXKLUSIV
MOHÁCS 1526 – EINE EUROPÄISCHE ZEITENWENDE
Mohács 1526 – Eine europäische Zeitenwende Von Hertha Schwarz
Abb. 1: Osmanische Miniatur, 1550. Szenerie aus der Schlacht bei Mohács: Links die ungarischen Panzerreiter, in ihrer Mitte in vergoldeter Rüstung König Ludwig II. Rechts das osmanische Heer mit Janitscharen, erkennbar an den hohen weißen Hauben, und berittenen Sipahi. Zwischen ihnen Süleyman der Prächtige mit weißem Turban. Im Zentrum des Bildes steht die osmanische Artillerie. Wikimedia Commons.
Am 29. August 2026 hat sich die Schlacht bei Mohács zum 500ten Male gejährt (Abb. 1). Wer sich der heute üblichen Informationskanäle bedient, um in Erfahrung zu bringen, um was es sich bei diesem Ort und Datum überhaupt handelt, dem teilt die KI in dürren Sätzen mit, dass die Truppen des Königreichs Ungarn unter König Ludwig II. in der Schlacht bei Mohács am 29. August 1526 eine verheerende Niederlage gegen das osmanische Heer unter Sultan Süleyman dem Prächtigen erlitten. Der König kam auf der Flucht ums Leben, was das Ende der ungarischen Unabhängigkeit und die Teilung des Landes bedeutete. Diese grobe Zusammenfassung ist zwar richtig, sie erfasst aber das Ausmaß der Tragödie und ihre tiefgreifenden Folgen in keiner Weise, denn bei Mohács ging mit dem Königreich Ungarn die bedeutendste Macht in Mittel- und Südosteuropa unter. Das Reichsterritorium der Länder der Heiligen Stephanskrone (Abb. 10) – nicht zu verwechseln mit dem heute recht kleinen Staat „Ungarn“ – umfasste eine Fläche von ca. 325.000 Quadratkilometern und hatte Zugriff auf erhebliche Ressourcen. 1 Die ungarischen Könige zählten zu den mächtigsten Herrschern Europas. Dieses alte Königreich, um dessen Krone sich die vornehmsten Häuser des Kontinentes bemüht hatten, verlor in den Jahren nach 1526 für immer
seine herausragende Stellung. Sein Kerngebiet, das in etwa dem heutigen Ungarn entspricht, wurde osmanische Provinz, Siebenbürgen sank auf den Stand eines osmanischen Vasallenstaates herab, während Oberungarn als „königliches Ungarn“ mit seinen erzreichen Bergwerken in habsburgischen Besitz kam (Abb. 11). Der Machtzuwachs, den das Haus Habsburg dadurch erfuhr, bestimmte fortan die Geschicke Europas. Es war aber nicht der Sieg der Osmanen auf dem Schlachtfeld, der Ungarn im 16. Jahrhundert zerstörte, es war der dem Ereignis von 1526 vorausgehende wie auch unmittelbar nachfolgende selbstzerstörerische Partikularismus der zu Konsens und Ausgleich unfähigen bzw. unwilligen ungarischen Eliten. Gedenkmedaille auf ein Königspaar Am 29. Januar 2025 kam in der Künker Auktion 418 unter der Losnummer 691 eine vorzüglich erhaltene Silbermedaille auf das Königspaar Ludwig II. und Maria von Ungarn und Böhmen zur Versteigerung (Abb. 2). In der Fachliteratur wird sie als Prägung auf den Tod Ludwigs II. in der Schlacht bei Mohács im Jahre 1526 beschrieben und dem Medailleur Christoph Füssl zugewiesen. Auf dieser Zuschreibung – Füssl war von 1543 bis zu seinem Tod 1561 in der Prägestätte Kremnitz in Oberungarn (heute Slowakei) tätig – beruht auch Pálffy 2017, S. 3.
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MOHÁCS 1526 – EINE EUROPÄISCHE ZEITENWENDE
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[Zum Andenken an] Ludwig, den König von Ungarn und Böhmen, und Königin Maria, [seine] süßeste Gattin und Statthalterin in Flandern. Zwar steht in der lateinischen Aufschrift nicht explizit in memoriam (zum Andenken/ Gedenken an), doch die Angabe der Namen im Genitiv schließt eine andere Interpretation aus, da nach in memoriam immer der Genitiv folgen muss.
Das Medaillenbild der Vorderseite wird durch ein großes Banner, das vor den Büsten des ungarisch-böhmischen Königspaares aufgehängt ist, in zwei nicht ganz gleiche Abschnitte geteilt. Auf dem Banner ist zu lesen: LVDO(vici) : VNGAR(iae) : BOHE(miae):QVE | REGIS • ET • MARIAE • RE|GINAE • DVLCISS(imae) • CO(n)IVGIS • AC • PRO CES(are) | IN • FLAN(dria)
Auf dem Banner, das durch seine Aufhängung die Illusion einer Balustrade erzeugt, stehen sich vor floral ornamentiertem Hintergrund die Brustbilder des Königspaares im Profil gegenüber. Die Porträtbüste Ludwigs II., links im Bild (Abb. 3), ist offensichtlich einem 1526 von Hans Krell gemalten Porträt nachempfunden, das den König im Alter von 20 Jahren zeigt (Abb. 4). Dies erlaubt es, die Büste auf der Medaille als ‚farbig‘ zu beschreiben: Der zwanzigjährige, kaum dem Jünglingsalter entwachsene König trägt einen gestutzten, braunen Vollbart, was ihn – durchaus gewollt – viel älter erscheinen lässt, als er tatsächlich war. Das dunkle Haupthaar fällt in geradlinigem Pagenhaarschnitt bis auf die Höhe des Kinnansatzes. Das Haupt des Königs bedeckt ein schwarzes, mit einem Medaillon und Edelsteinen verziertes Samtbarett. Über dem fein gefältelten, weißen Hemd mit einem goldfarbenen und reichverzierten, enganliegenden Kragen trägt er einen roten, pelzverbrämten Mantel. Über diesem liegt die breite Kollane des Ordens vom Goldenen Vlies.
Abb. 3: König Ludwig II.,
Abb. 4: Hans Krell, Porträt König Ludwigs II.
vergrößerter Ausschnitt aus Abb. 2.
im Alter von 20 Jahren, 1526. Wikimedia Commons.
Abb. 2: Silbermedaille auf Ludwig II. und Maria von Böhmen und Ungarn, frühestens 1531. Künker-Auktion 418, 29. Januar 2025, Los 691, Schätzung 15.000 Euro, Zuschlag: 26.000 Euro
die Annahme, die Medaille sei in Kremnitz geprägt worden. Auch wenn einiges für die Richtigkeit dieser Zuweisungen spricht, sind sie alles andere als gesichert, denn die im Durchmesser 45,26 mm große und 28,34 g schwere Silbermedaille ist weder signiert noch mit einer Jahreszahl oder anderen Hinweisen versehen.
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KÜNKER EXKLUSIV
MOHÁCS 1526 – EINE EUROPÄISCHE ZEITENWENDE
Abb. 5: Königin Maria,
Abb. 6: Hans Krell, Maria, Königin von Ungarn (1505–1558), 1524.
vergrößerter Ausschnitt aus Abb. 2.
Bayerische Staatsgemäldesammlungen – Staatsgalerie in der Neuen Residenz Bamberg, URL: https://www.sammlung. pinakothek.de/en/artwork/0vxo9EpG2V
Die Darstellung seiner ihm rechts im Medaillenbild gegenüberstehenden Gemahlin Maria (1505–1558), einer geborenen Erzherzogin von Österreich sowie Prinzessin von Kastilien und Burgund, scheint ebenfalls einem 1524 entstandenen Porträt Hans Krells nachempfunden zu sein (Abb. 5–6). Das kastanienbraune Haar der Königin wird von einem goldfarbenen Haarnetz am Hinterkopf in einem Knoten zusammengehalten. Haarnetz und Haupthaar bedeckt eine mit Applikationen reich verzierte schwarze Haube. Über dem fein gefältelten, weißen Hemd mit engem, goldfarbenem Kragen trägt die Königin ein schwarzes Gewand mit weitem, rechteckigem Halsausschnitt, der mit einer goldenen Bordüre gefasst ist. Die Ärmel des Gewandes sind geschlitzt und lassen den goldfarbenen Stoff des Futters durchscheinen. Um den Hals trägt sie eine breite Goldkette mit einem großen, runden Anhänger. Da die Medaille dem Andenken sowohl des Königs wie auch der Königin gewidmet ist, kann es sich nicht um eine reine Gedenkprägung auf den Tod Ludwigs II. in der Schlacht bei Mohács handeln. Die Aufschrift auf dem entrollten Banner der Rückseite ist denn auch weniger ein Gedenken an diese Schlacht, sondern
eher eine ergänzende Fortsetzung der Aufschrift der Vorderseite. Während dort vermerkt ist, dass Königin Maria Statthalterin in Flandern sei, schildert die Rückseite – analog zum Werdegang Marias – das Schicksal des Königs: LVDO(vicus) : HVNG(ariae) : BO(h)EM(iae) : ZC • REX | AN(n)V(m) : AGENS • XX • IN • TVRCAS | APVD • MOHAZ • CVM • PAR|VA • SVORVM • MANV • PV|GNA(n)S • HONESTE | OBYT (=obiit) • M•D•XXVI Ludwig, König von Ungarn und Böhmen etc., starb 1526 ehrenvoll, als er im Alter von 20 Jahren gegen die Türken bei Mohács mit einer kleinen Schar der Seinen kämpfte. Mit dem Tode des Monarchen auf dem Schlachtfeld endete aber nicht nur dessen junges Leben und seine Regierungszeit; auch Marias Zeit als regierende Königin von Ungarn und Böhmen war damit beendet. Sie wurde zwar weiterhin als Maria von Ungarn bezeichnet, Könige von Ungarn waren allerdings ab Dezember 1526 ihr Bruder Ferdinand I. (1503–1564) sowie Johann Zapolya (ungarisch: János Zapolyai, 1487–1540). Man darf daher in der Medaille eine Gedenkprägung auf die gemeinsame Lebens- und Regierungszeit Ludwigs II. und seiner Gemahlin Maria sehen. Unbeantwortet bleibt jedoch die Frage, wer diese Medaille in Auftrag gegeben und in Umlauf gebracht hat. Die Erwähnung Marias von Ungarn als Statthalterin
MOHÁCS 1526 – EINE EUROPÄISCHE ZEITENWENDE
KÜNKER EXKLUSIV
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Abb. 7: Silbermedaille auf Ludwig II. und Maria von Böhmen und Ungarn, Vergrößerung der Rückseite aus Abb. 2.
Mohács 1526 Die durch das Banner ebenfalls zweitgeteilte Rückseite der Medaille zeigt im etwas größeren oberen Feld eine Szenerie des verhängnisvollen Treffens bei Mohács. Links steht die schwere Reiterei des ungarischen Königs mit ihren Panzerreitern (Abb. 7), von denen einige mit ihren Pferden bereits zu Boden gegangen sind. Von rechts sprengen die osmanischen Sipahi in vollem Galopp und mit angelegten Lanzen heran; Halbmond und Stern zieren ihre Schilde. Die lange Front der Sipahi wird im oberen Medaillenrund von einer Batterie aus drei Kanonen unterbrochen, die auf die ungarischen Panzerreiter zielen. Diese, sofern noch nicht gefallen, stehen fest wie ein Block in Erwartung des Ansturms der feindlichen Reiter. Abb. 8: (a) Schabracke und Bruststück des Pferdes aus Abb. 2. (b) Wappen König Ludwigs II. von Ungarn und Böhmen. Viergeteilter Wappenschild. Feld 1 und 4: Wappen Altungarns mit vier roten und vier silbernen Querbalken. Feld 2 und 3: Wappen Böhmens mit dem gekrönten, doppelschwänzigen Löwen. Im Herzschild der gekrönte polnische weiße Adler. By Own work, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/ w/index.php?curid=12025471
der spanischen Niederlande ist hingegen ein wichtiger Hinweis auf die Entstehungszeit der Medaille. Im Januar 1531 hatte Kaiser Karl V. (1500–1558), Marias Bruder, sie in dieses Amt eingesetzt. Sie bekleidete es bis zu Karls Abdankung im Oktober 1555, als sie ebenfalls ihr Amt niederlegte und mit ihrem Bruder nach Spanien übersiedelte. Die Medaille kann somit nur zwischen Januar 1531 und Oktober 1555 entstanden sein, allerdings dürfte eine frühe Datierung eher wahrscheinlich sein.
Diese Reiter im vollen Harnisch auf ihren Schlachtrössern verkörpern wie kaum etwas anderes das Ideal des hohen Mittelalters: den edlen Ritter. Elegant, mutig und ruhig, wie es Herren geziemt, erwarten sie den Feind. Im Zentrum steht, hoch zu Ross, König Ludwig II. persönlich, erkennbar an der auffallenden Helmzier und seinem Wappen auf der reich verzierten Schabracke seines sich im Boden feststemmenden Rosses. Der viergeteilte Schild auf der Schabracke zeigt im ersten und vierten Feld das ungarische Wappen mit den insgesamt acht, abwechselnd roten und silbernen Balken, während das zweite und dritte Feld von dem steigenden, doppelschwänzigen böhmischen Löwen eingenommen wird (Abb. 8). Der polnische (weiße) Adler auf dem Bruststück des Pferdes verweist auf die dynastische Zugehörigkeit Ludwigs zum polnischen Adelsgeschlecht der Jagiellonen.
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MOHÁCS 1526 – EINE EUROPÄISCHE ZEITENWENDE
Der Untergang
Abb. 9: Ferdinand I. Schaumünze zu 15 Goldgulden von Wolf Milicz, 1537, Joachimsthal, auf sein zehnjähriges Jubiläum als König von Ungarn. Vs.: FERDINANDVS ROMANORVM HVNGARIAE BOHEMIAE REX MDXXXVII Ferinand, König der Römer, Ungarns [und] Böhmens 1537. Rs.: ANNA REGINA HVNGARIAE CONIVNX FERDINANDI MDXXXVII Anna Königin von Ungarn, Gemahlin Ferdinands, 1537. SINCONA AG 100, 20.10.2025, Lot 1084: Zuschlag: 152.000 Euro.
Auf diese statische Gruppe edler Ritter stürmt von rechts im Galopp mit wendigen, nur leicht bewaffneten Reitern der Feind ein. Seine vorwärts springenden Pferde und die eingelegten Lanzen der Reiter verleihen dem Geschehen eine große Dynamik, zugleich erwecken sie aber auch den Eindruck von Unruhe und Durcheinander. Ein Hauch von Zügel- und Regellosigkeit liegt über der Frontlinie des Feindes. Der Inbegriff dieser Regellosigkeit prangt in Gestalt der Geschütze am höchsten Punkt des Medaillenrunds. In krassem Gegensatz zu den ritterlichen Regeln der Kriegskunst, wonach Mann gegen Mann kämpft, entschieden diese osmanischen Geschütze am 29. August 1526 bei Mohács die Schlacht, indem sie die Reiter einfach zusammenschossen. Es war der Sieg des alle gleichmachenden Feuers über das Individuum, das einem Ehrenkodex folgt; es war der Sieg der anbrechenden Neuzeit mit ihrer überlegenen Feuerkraft über den gepanzerten Ritter des Mittelalters mit seinen Idealen. Erst vor diesem Hintergrund kann man das honeste obiit (er starb ehrenvoll) auf der Rückseite der Medaille richtig einordnen: König Ludwig II. starb bei Mohács ehrenvoll, weil er sich dem Feind gestellt hat, ohne gegen die Regeln seines Standes zu verstoßen. Es tut dabei nichts zur Sache, dass das ungarische Heer den Osmanen nicht nur zahlenmäßig unterlegen war, sondern strategisch und taktisch mehr als dilettantisch agierte. Es ist auch unerheblich, dass der König nicht im offenen Kampf fiel, sondern auf der Flucht in der Donau ertrank. Für die Zeitgenossen waren die Osmanen diejenigen, die die Regeln brachen und damit unehrenhaft waren.
In den Wochen und Monaten nach dem 29. August 1526 konnte niemand die Folgen überblicken, welche die verlorene Schlacht bei Mohács zeitigen würde. Anders als es heute wahrgenommen wird, besetzten die Osmanen Ungarn auch nicht unmittelbar nach Mohács. Sultan Süleyman hatte wohl auch gar nicht die Absicht, dies zu tun; seine ursprüngliche Motivation war es, von Ungarn Tributzahlungen zu erpressen. Nachdem die Osmanen die Gegend geplündert, ihre Gefangenen enthauptet und den Ort Mohács niedergebrannt hatten, zogen sie sich wieder zurück, nicht ohne zahlreiche Ungarn in die Sklaverei zu verschleppen. Ungarn war zwar nicht besetzt, sein Thron wie auch der Böhmens waren durch den Tod des Königs jedoch vakant geworden. Da Ludwig II. keine Nachkommen hinterließ, ging der Anspruch auf die Krone Ungarns und Böhmens auf Erzherzog Ferdinand I. von Österreich über, der mit Ludwigs Schwester Anna Jagiello (1503–1547) verheiratet war. Da sowohl Ungarn wie auch Böhmen Wahlmonarchien waren, führte aber kein Weg an den Ständen vorbei, die als Gegenleistung für ihre Stimmen danach trachteten, ihre Rechte weiter auszubauen. Die böhmischen Stände wählten am 25. Oktober 1526 Ferdinand I. zum König von Böhmen. In Ungarn hingegen wählten die Stände am 10. November 1526 in Stuhlweißenburg den Fürsten von Siebenbürgen, Johann Zapolya, zum König von Ungarn. Die Gegner Zapolyas riefen am 16. Dezember 1526 jedoch eine Versammlung in Preßburg ein, auf der die Königswahl und alle Beschlüsse des Landtages von Stuhlweißenburg für nichtig erklärt wurden. Am 17. Dezember 1526 wählten sie Ferdinand I. von Österreich zum König von Ungarn (Abb. 9). Ein Jahr später, nachdem es Ferdinand gelungen war, Zapolya außer Landes zu treiben, ließ er sich am 3. November 1527 zum König von Ungarn krönen. Im Verlauf des folgenden Bürgerkrieges stellte sich Zapolya unter türkischen Schutz; er begründete damit eine Tradition, die sich lange wie ein roter Faden durch die Geschichte Ungarns ziehen sollte. Vielleicht muss man in der Angabe, dass der König „mit einer kleinen Schar der Seinen“ – wörtlich heißt es sogar: mit einer Handvoll der Seinen – bei Mohács gegen die Türken kämpfte, einen Vorwurf an die ungarischen Magnaten sehen, allen voran an Johann Zapolya, die den König und damit das Reich für den eigenen Vorteil verraten haben. Die Gedenkprägung wäre dann in die frühen 1530er Jahre, die Zeit des Bürgerkrieges einzuordnen. Sie wäre in diesem Falle
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Das dreigeteilte Ungarn um 1550
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NISCHES REICH
Abb. 10: Karte des Königreichs Ungarn um 1500.
Abb. 11: Das dreigeteilte Ungarn um 1550.
Grafik: Hertha Schwarz.
Grafik: Hertha Schwarz.
eindeutig pro Habsburg, da Ferdinands Ansprüche auf den ungarischen Thron tatsächlich dynastisch begründet waren.
mittelalterliche, einst so mächtige Königreich Ungarn verschwand vierzehn Jahre nach Mohács endgültig von der Karte Europas.
Der Krieg zwischen den beiden ungarischen Königen veranlasste Süleyman den Prächtigen 1529 erneut mit großer Heeresmacht in Ungarn einzufallen. Die Osmanen nahmen Ofen (Buda) ein und rückten schließlich bis Wien vor. Die Belagerung der Stadt endete nach mehreren vergeblichen Sturmangriffen am 14. Oktober 1529 wohl wegen des einbrechenden Winters.
Több is veszett Mohácsnál Mehr ging bei Mohács verloren
Da Ferdinand nicht ganz Ungarn halten konnte, kam es 1533 zu einem Waffenstillstand. Im Vertrag von Großwardein (Oradea) erkannte Ferdinand 1538 Zapolya schließlich für dessen Lebenszeit und in den von ihm beherrschten Gebieten als König an. Als Ferdinand I. nach Zapolyas Tod 1540 dessen Erbe antreten wollte, erhob Zapolyas Witwe, unterstützt von Sultan Süleyman, für ihren Sohn Anspruch auf das Gesamterbe seines Vaters. Erst als Ferdinand sich ganz Ungarns bemächtigen wollte, kam es zur dauerhaften türkischen Besetzung des ungarischen Kernlandes. Daraus erwuchs eine Dreiteilung Ungarns (Abb. 10–11): Mittelungarn mit Ofen als Hauptstadt wurde osmanisches Vilâyet (Provinz), Siebenbürgen wurde osmanischer Vasallenstaat, während Oberungarn mit der Hauptstadt Preßburg als „königliches Ungarn“ an Habsburg kam. Das
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Länder der Heiligen Stephanskrone (Ungarn)
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Das Königreich Ungarn um 1500 KÖ
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Angesicht der tiefgreifenden Folgen mutierte Mohács in der ungarischen Sprache der Nachwelt zu einem Sprachbild. Wenn man jemanden trösten möchte, pflegt man noch heute zu sagen: Több is veszett Mohácsnál – Mehr ging bei Mohács verloren. Mohács wurde der Inbegriff der Katastrophe schlechthin und zu einem nationalen Mythos, der je nach politischer Tageskonjunktur sehr unterschiedlich aufgeladen werden konnte. Mohács 1526 diente im Laufe der Zeit abwechselnd als Mahnung zur nationalen Einheit, als Klage über den Tod der ungarischen Nation, als Vorbote dräuender Fremdherrschaft, aber auch als Aufruf zur Vaterlandsliebe. Allen Interpretationen wohnt aber die Klage inne, dass das damalige Europa die Ungarn allein gelassen habe. Es ist eine spätere, leicht durchschaubare Propagandalüge, denn die deutschen, kroatischen und vor allem die böhmischen Gefolgsleute hatten dem Aufgebot ihres Königs sehr wohl Folge geleistet. Nicht zuletzt beweisen dies die zahlreichen Münzen aus verschiedenen deutschen Fürstentümern, die man in den bislang entdeckten Massengräbern auf dem Schlachtfeld gefunden hat.
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KÜNKER EXKLUSIV
MOHÁCS 1526 – EINE EUROPÄISCHE ZEITENWENDE
Abb. 12: Hans Jakob Wolrab, Silbermedaille auf den Sieg Kaiser Leopolds I. in der Schlacht bei Mohács 1687. Künker eLive Premium Auction 401, 5. Februar 2024, Los 1402, Schätzpreis: 750 Euro, 1,5:1
Des zweiten Mohács, des Mohács von 1687, das den Weg zur Wiederherstellung des Königreiches Ungarn ebnete, wird hingegen weniger nachdrücklich gedacht. Im Verlauf des großen Türkenkrieges, der infolge der Belagerung Wiens 1683 begann und 1699 mit dem Frieden von Karlowitz endete, schlugen kaiserliche und bayerische Truppen am 12. August 1687 unter dem Kommando Karls V. von Lothringen bei dem ca. 31 km südwestlich von Mohács gelegenen Villány die Osmanen vernichtend. 2 Eine Medaille Hans Jakob Wolrabs lässt keinen Zweifel daran, wie man damals auf kaiserlicher Seite diesen Sieg interpretiert hat (Abb. 12): WO LUDOVICI NIDERLAG • 29 AUG 1526 • KOMMT LEOPOLDI SIEG AM TAG 12 AUG 1687 • verkündet die Aufschrift auf der Rückseite der Medaille, die Kaiser Leopold I. in einem von drei Löwen gezogenen Triumphwagen zeigt. Es war auch kein Zufall, dass der christliche Kaiser aus dem Hause Habsburg dort siegte, wo 161 Jahre zuvor Ludwig II. unterlag, es war das Versprechen Gottes. Wie einst Konstantin dem Großen an der Milvischen Brücke (312 n. Chr.) war es Leopold I. beschieden – so insinuiert es eine Aufschrift der Vorderseite –, IN HOC SIGNO, d.h. im Zeichen des Kreuzes, bei Mohács über die Osmanen zu triumphieren. Die verhaltene Würdigung des Mohács von 1687, zumal in der Vergangenheit, mag daran liegen, dass die Befreiung Ungarns das Werk der ungeliebten Habsburger und anderer Fremden war, während nicht wenige ungarische Magnaten, allen voran Imre Thököly und später Ferenc II. Rákóczi, sich durch Waffenbrüderschaft mit den Osmanen hervortaten. Ganz sicher aber liegt es daran, dass die ungarischen Stände nach dem Sieg von 1687 in Preßburg dafür
Diese Schlacht ist auch als Schlacht am Berg Harsány
2
(auch Szársomlyó) bekannt, wo man früher das Schlachtfeld des Jahres 1687 vermutete. Der Berg liegt nördlich des heutigen Ortes Nagyharsány zwischen Villány und Siklós.
Zuschlag: 1.900 Euro
stimmen mussten, dass die ungarische Krone im Hause Habsburg fortan erblich sein solle. Die Tragweite dieses Beschlusses für die ungarische Geschichte steht den Folgen der Katastrophe von 1526 in nichts nach. Es war die Geburtsstunde der späteren Doppelmonarchie. Die Auswirkungen dynastischer Beziehungsgeflechte Die ganz Europa betreffenden Entwicklungen, die mit dem Tode Ludwigs II. von Ungarn und Böhmen ihren Ausgang nahmen, gehen ausschließlich auf die dynastischen Ansprüche und die hochkomplexen Beziehungsgeflechte des damaligen europäischen Hochadels zurück. Es sind die daraus erwachsenden politischen Verschiebungen, die bis heute nachwirken und so der Niederlage von Mohács ihre paneuropäische Dimension verleihen. Ludwig II. erblickte am 1. Juli 1506 in Ofen das Licht der Welt. Er war der Sohn der Anne de Foix-Candale und Władysławs II. (1456–1516), der von 1471 bis zu seinem Tode König von Böhmen, und ab 1490 auch König von Ungarn war. Władysław entstammte dem polnischen Adelsgeschlecht der Jagiellonen; auf diese dynastische Abstammung ist die Bezeichnung seines Sohnes als Ludwig II. Jagiello zurückzuführen. Sein Vater Kasimir IV. Andreas Jagiello war Großfürst von Litauen und König von Polen; sein Bruder Sigismund wurde 1507 König von Polen. Władysławs Ansprüche, auf den ungarischen und böhmischen Thron gewählt werden zu können, rührten von seiner Mutter Elisabeth von Habsburg her, einer Tochter Albrechts II. (1397–1439), der sowohl römisch-deutscher König als auch König von Ungarn und Böhmen war. Der mit allen großen Adelshäusern verwandte Ludwig II. Jagiello wurde nach dem Tod seines Vaters im Jahre 1516 mit 10 Jahren König von Böhmen und Ungarn; um seine Wahl sicherzustellen, hatte sein Vater den jeweiligen Ständen sehr große Zugeständnisse machen müssen, welche die eh schon geringe Autorität des
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Abb. 13: Bernhard Strigel, Kaiser Maximilian I. und seine dynastisch wichtigsten Familienmitglieder, Öl auf Leinwand, nach 1515. Hinter Kaiser Maximilian I. (li.) und seiner Gemahlin (re.) Maria von Burgund (1457–1482) steht ihr gemeinsamer Sohn Philipp (I.) der Schöne, König von Kastilien und León (1478–1506). Im Vordergrund, von links nach rechts, die Söhne Philipps I. und Johannas von Kastilien, die Enkel Maximilians: Ferdinand I. (1503–1564) und Karl V. (1500–1558) sowie Maximilians Adoptivsohn und Schwiegerenkel Ludwig II. von Böhmen und Ungarn (1506–1526). Nicht auf dem Bild sind Maximilians Enkelinnen Eleonore, Isabella, Maria (1505–1526, Ehefrau Ludwigs II.) und Katharina.
Königs noch weiter schmälerten. Ein Regentschaftsrat unter der Leitung Johann Zapolyas, der zeitlebens eigene Ambitionen auf den ungarischen Thron hatte, führte die Regierungsgeschäfte für den unmündigen König. Ein Jahr zuvor, am 22. Juli 1515, war Ludwig im Stephansdom zu Wien mit der am 17. September 1505 in Brüssel geborenen Erzherzogin Maria von Österreich, einer Tochter König Philipps (I.) des Schönen von Spanien und Johannas von Kastilien vermählt worden. Zum gleichen Zeitpunkt wurde Ludwigs Schwester Anna Jagiello mit Kaiser Maximilian I. als Stellvertreter für einen seiner beiden Enkel verheiratet; ob es Karl V. oder Ferdinand I. sein würde, war zu dem Zeitpunkt noch offen. Maximilian versprach, Anna selbst zur
Gemahlin zu nehmen, sollte binnen Jahresfrist nicht ein Heiratsvertrag mit einem seiner Enkel zustande gekommen sein. Maximilian I. (1459–1519), Erzherzog von Österreich, durch Heirat mit Maria von Burgund (1457–1482), der Alleinerbin Karls des Kühnen, Herzog von Burgund – aus den Territorien Burgunds gingen die spanischen Niederlande hervor –, ab 1486 römisch-deutscher König und ab 1505 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, war der Vater Philipps des Schönen (Abb. 13). Dieser, ebenfalls Erzherzog von Österreich und seit dem Tod seiner Mutter Herzog von Burgund, wurde durch Heirat mit Johanna von Kastilien, die als Johanna
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die Wahnsinnige in die Geschichte eingegangen ist, König von Kastilien und León. 1516 wurde Johanna auf dem Erbweg auch noch Königin von Aragón. Ihre beiden Söhne Karl, Erzherzog von Österreich, König von Spanien (Karl I.) und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches (Karl V.), sowie Ferdinand (I.), Erzherzog von Österreich, Herrscher in den habsburgischen Erblanden, 1558 bis 1564 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches sowie König von Böhmen und Ungarn, wurden die Begründer der Linien der spanischen und österreichischen Habsburger. Ihre Schwester Maria wurde durch die Heirat mit Ludwig II. Jagiello Königin von Ungarn und Böhmen. Mit dieser vorausschauenden und geschickten Heirats- und Familienpolitik zielte Maximilian I. darauf ab, Anspruch auf die Kronen Ungarns und Böhmens zu erlangen. Eingefädelt worden war die oben beschriebene Wiener Doppelhochzeit von 1515 bereits am 20. März 1503, noch bevor der spätere König von Ungarn, Ludwig II., überhaupt das Licht der Welt erblickt hatte. Am 20. Juli 1515 adoptierte Maximilian I. Ludwig II. von Ungarn und Böhmen, den künftigen Ehemann seiner Enkelin Maria, an Sohnes statt. Damit stellte er sicher, dass er stets eine Möglichkeit haben würde, in ungarische und böhmische Angelegenheiten einzugreifen.
Abb. 14: Geografische Übersichtskarte der Gegend um Mohács. Von Ikonact, translation: Wiki0856 - File: Hungary-geographic_ map-en.svg, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/ index.php?curid=116108373 (Ausschnitt).
König Ludwig II. von Ungarn Im Januar 1522 wurde Ludwig II. mit 16 Jahren für volljährig erklärt und in Stuhlweißenburg (Székesfehérvár) zum König von Ungarn gekrönt. Ludwig Jagiello wird in den Quellen übereinstimmend als schön, sanftmütig und sehr freigiebig beschrieben. Ihm fehlten jedoch Entschlusskraft und eigene politische Vorstellungen. Seine politisch sehr begabte Gemahlin Maria, die 1521 zu ihm nach Preßburg übergesiedelt war, spielte am königlichen Hof eine wichtigere Rolle als der König selbst. Eine andere Konstellation hätte allerdings den Gang der Dinge wohl auch nicht geändert, denn die eigentliche Macht in Ungarn lag bei den von Partikularinteressen geleiteten und in Intrigen gefangenen Ständen, vor allem aber beim ungarischen Hochadel, den sog. Magnaten. Als Ludwig II. König von Ungarn wurde, war das Reich im Inneren tief zerrüttet. Wenige Jahre zuvor, 1514, hatte ein Bauernaufstand Ungarn auf das heftigste erschüttert. Entzündet hatte er sich am Konflikt der Bauern mit ihren Grundherren und an der Problematik der Leibeigenschaft. Nach blutigen Kämpfen, in denen beide Seiten nicht an Grausamkeiten sparten, gelang es den Feudalherrn, den Aufstand niederzuschlagen. Die Folge war eine völlige Entrechtung der Bauern und die Festschreibung der Leibeigenschaft für alle Zeiten. Hinzu kam noch, dass Ungarn seit den Tagen des Kaisers Matthias Corvinus (1443–1490) kein stehendes Heer mehr besaß, obwohl die Bedrohung der Südgrenze durch die Osmanen offenkundig war und die Lage von Tag zu Tag bedrohlicher wurde. 1521 war es Sultan Süleyman gelungen, Szabács (Sabac) und
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Abb. 15: Donauarme bei Mohács und die Mohács-Insel Ende des 17. Jahrhunderts, aus: A. Ferdinando Marsili, Danubius Pannonico-Mysicus, Observationibus geographicis, astronomicis, hydrographicis, historicis, physicis, Bd. 1 (Den Haag/Amsterdam 1726), montierte Kupferdrucke der Blätter VIII und XIV.
Belgrad einzunehmen. Dies war u.a. deshalb möglich geworden, weil der ungarische Adel 1521 dem Aufgebot des Königs nicht Folge geleistet hatte. Man zog aus dem Fall Belgrads offenbar auch keine Lehre oder gar Konsequenzen, denn weder wurde Vorsorge zur Abwehr der Osmanen getroffen, noch wurde zum Krieg gerüstet. Als die Osmanen 1526 dann im Anmarsch waren, folgten die Adeligen ihrem König nur zögerlich ins Feld. Trotz mehrfacher Aufforderung stieß auch Johann Zapolya, der eigentlich der Oberkommandierende war, mit dem Heer aus Siebenbürgen nicht zum Aufgebot des Königs, sondern stand noch bei Szeged, als die Osmanen am 29. August vor Mohács anlangten. Angesichts von Zapolyas Verhalten und seinen eigenen Ambitionen auf den Thron drängt sich allerdings auch die Frage auf, ob er überhaupt rechtzeitig mit seinem Heer eintreffen wollte. Nach der Schlacht liefen wohl auch gegen Zapolya gerichtete Gerüchte um; man munkelte, der König sei gar nicht ertrunken, sondern ermordet worden. Rückblickend kann man nur spekulieren, wie die ungarischen Heerführer – das Kommando hatte der Bischof von Kalocsa, Pál Tomori, inne – die Lage so falsch einschätzen konnten, dass sie ohne Aufklärung
über die Stärke des Feindes und seine taktische Aufstellung die Osmanen angriffen, deren Streitkräfte aus 60 bis 70.000 Mann bestanden. Sie taten dies auch noch, bevor die vor Mohács versammelte Armee – es sollen zwischen 28 und 30.000 Mann gewesen sein – kampfbereit aufgestellt war. Bei der Verfolgung der taktisch zurückweichenden Sipahi galoppierten die Ungarn direkt vor die Kanonenmündungen der osmanischen Artillerie. Das daraufhin in Panik fliehende ungarische Heer wurde von den nachsetzenden Osmanen in die Sümpfe getrieben. Die Ungarn sollen bei Mohács 28 Magnaten, 7 Kirchenfürsten, 500 Adlige, 4.000 Panzerreiter und 10.000 Fußsoldaten verloren haben. Das Schlachtfeld Mohács liegt am rechten Ufer der Donau im heutigen Südungarn (Komitat Baranya) nahe der kroatischen und serbischen Grenze, 45 Kilometer östlich von Fünfkirchen (Pécs) (Abb. 14). Die Landschaft bei Mohács sah im Jahre 1526 anders aus als im 19. Jahrhundert oder in unseren Tagen. Besonders die Donau hat ihren Lauf sehr stark verändert. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts teilte sich der Strom oberhalb des Ortes Mohács in zwei Arme, die ein weiträumiges sumpfiges Gebiet umschlossen, die sog. Mohács-Insel, bis sie sich auf der Höhe des Ortes Bezdan (heute in Serbien) wieder vereinten (Abb. 15). Der östliche Donauarm, der sog. Baracskai-Arm, bildete bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts den schiffbaren Hauptarm, da er tiefer und breiter war.
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MOHÁCS 1526 – EINE EUROPÄISCHE ZEITENWENDE
Abb. 16: Lage des Schlachtfeldes vor Mohács 1526: I. Feldlager der ungarischen Armee; II. Schlachtfeld; III. Ruinen des mittelalterlichen Dorfes Földvár, bei dem sich das Hauptgeschen des Treffens abspielte. Die Orte Sátorhely und Udvar gab es 1526 noch nicht. „Great Ditch“ bezeichnet den „Großen Graben“, der nach Augenzeugenberichten am Rande des Schlachtfeldes lag. IV. Feldlager der Osmanen. Aus: Pap et al. 2024, S. 289, Fig. 8.3.
nächst gelegenen Ort Majs, der aufgrund von Munitionsfunden lange als Ort der Schlacht favorisiert wurde, fand hingegen 1687 eine Reiterschlacht statt. Tod in der Donau
Als sich die Wassermassen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts jedoch auf den schmäleren westlichen, den Mohácser Arm verlagerten, versandete der östliche Arm zunehmend, bis er ganz verschwand. Die Donau bei Mohács spielte sowohl für die Lokalisierung des Schlachtfeldes wie auch für die Bestimmung des Ortes, an dem König Ludwig II. zu Tode kam, eine zentrale Rolle. Eine Gruppe von Forschern um den Historiker und Geographen Norbert Pap von der Universität Fünfkirchen (Pécs) hat in den vergangenen Jahren in akribischer Arbeit das Aussehen der Landschaft im 16. Jahrhundert rekonstruieren und so den bislang umstrittenen Ort der Schlacht bestimmen können (Abb. 16). 3 Er lag, wie es zeitgenössische Beschreibungen immer schon nahelegten, bei dem heutigen Dorf Sátorhely, ca. 7,5 Kilometer südwestlich von Mohács. Entlang eines trockengefallenen alten Flussbettes, das in zeitgenössischen Berichten als „großer Graben“ beschrieben wurde, waren dort bereits in den 1960er Jahren fünf kleinere Massengräber gefunden worden. In dem südwestlich von Sátorhely
Als Ludwig II. Jagiello sich am späten Nachmittag des 29. August 1526 zur Flucht wandte, begleiteten ihn nur ein paar Getreue. Starker Regen hatte eingesetzt, und die Gruppe eilte, von osmanischen Reitern verfolgt, Richtung Donau. Ihr Ziel war offenbar die MohácsInsel, jenes verwilderte, große Gebiet zwischen den beiden Donauarmen, das wegen seiner Unwegsamkeit bei der einheimischen Bevölkerung als Zufluchtsort galt. Lange hielt man es für gesichert, dass König Ludwig II. bei dieser Flucht in einem Bach, dem Csele (ungarisch: Csele patak), ertrunken sei. Dieser mündet ungefähr 3 Kilometer nördlich von Mohács in die Donau. Dort, etwas landeinwärts, wurde im 19. Jahrhundert ein Denkmal für Ludwig II. errichtet. Der einzige, allerdings nur aus zweiter Hand überlieferte Augenzeugenbericht vom Tode des Königs verortet die Stelle, an der der König starb, jedoch in der Donau knapp oberhalb von Mohács, wo sich das hohe Westufer des Mohácser Donauarmes absenkt und den Zugang zum Wasser freigibt. 4 Diese Stelle steuerten der König und seine Begleiter an, darunter sein aus Schlesien stammender Kammerherr Ulrich Zetritz. Die Donau führte Ende August aufgrund starker
Pap et. al. 2024, bes. Teil 2 (The Overall Landscape)
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und 3 (The Battle Arena), S. 271–413. Pap et al. 2024, S. 357–413.
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Abb. 17: Bertalan Székely, Die Auffindung der Leiche König Ludwigs II., Öl auf Leinwand, 1860. Wikimedia Commons.
Regenfälle Hochwasser; das östliche Ufer des Mohácser Donauarmes war zwar flach, durch das Hochwasser aber war es weithin überflutet und verschlammt. Der König und seine Begleiter durchquerten die Donau auf ihren Pferden schwimmend. Ulrich Zetritz scheint der Gruppe vorangerritten zu sein, denn er erreichte sicher das östliche Ufer. Das Pferd des Königes trat jedoch, nachdem es das überschwemmte Ufer bereits erreicht hatte, in eine überflutete, mit Schlamm gefüllte Senke oder eine Vertiefung, bäumte sich auf und warf seinen Reiter ab. Der schwer gepanzerte König stürzte ins Wasser und ertrank. István Aczél und András Trepka, die ihm zu Hilfe eilen wollten, ertranken ebenfalls.
an der Ludwig II. im Hochwasser der Donau versunken war, fand der Suchtrupp das Pferd des Königs und seine Waffen. Etwas abseits fanden sie auch die Leichen derjenigen, die dem König hatten zu Hilfe eilen wollen.
Weiterführende Literatur: Norbert Pap (Hrsg.), The Battle of Mohács, 1526 (Leiden/Boston 2024). Istvan György Toth (Hrsg.), Geschichte Ungarns (Budapest 2005). Klaus-Peter Matschke, Das Kreuz und der Halbmond. Die Geschichte der Türkenkriege. (Düsseldorf/Zürich 2004). Géza Pálffy, Strukturgeschichtliche Merkmale des Königreichs Ungarn. Ein starker Ständestaat in der Habsburgermonarchie, Teil 1: Die
Als das Hochwasser zurückging, haben Unbekannte den Leichnam des Königs gefunden und ihn in unmittelbarer Nähe in einem flachen Grab beigesetzt. Am 11. Oktober stieß ein Suchtrupp, dem auch Ulrich Zetritz angehörte, auf dieses Grab (Abb. 17). Der Leichnam des Königs wurde nach Stuhlweißenburg überführt und dort in der Krönungsbasilika Unserer Lieben Frau bestattet. Dem unglücklichen König war jedoch kein Frieden beschieden, denn 1543 plünderten die Türken die königlichen Gräber. 1601 schließlich zerstörte eine Explosion die Basilika, die als Pulvermagazin genutzt worden war. An der Stelle,
Integration Ungarns in die Haburgsburgermonarchie. Version 1.0, in: Online-Handbuch zur Geschichte Südosteuropas. Band 1: Herrschaft und Politik in Südosteuropa bis 1800, hrsg. vom Institut für Ost- und Südosteuropaforschung, 9.1.2017, https://www.hgsoe.ios-regensburg. de/fileadmin/doc/texte/Band1/Geza_Palffy_Ein%20starker%20 Staendestaat-Teil%201.pdf (zuletzt aufgerufen am 10.6.2026). Gernot Heiß, Ludwig II., in: Neue Deutsche Biographie. (NDB) Bd.15 (Berlin 1987), S. 381–382. Martina Fuchs/Orsolya Réthelyi (Hrsg.), Maria von Ungarn (1505–1558). Eine Renaissancefürstin (Münster 2007). Manfred Hollegger, Maximilian I., 1459–1519, Herrscher und Mensch einer Zeitenwende. (Stuttgart 2005).
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25 JAHRE ENGAGEMENT FÜR KÜNKER
25 Jahre Engagement für Künker: Alexandra Elflein-Schwier und Eike Geriet Müller Ein Vierteljahrhundert Künker, das bedeutet für Alexandra Elflein-Schwier und Eike Geriet Müller 25 Jahre voller Veränderungen, neuer Herausforderungen und gemeinsamer Erfolge. Beide begannen ihre Laufbahn eher zufällig bei Künker. Was für Eike Geriet Müller als Studentenjob und für Alexandra Elflein-Schwier als Einstieg in eine neue berufliche Aufgabe begann, entwickelte sich zu einer langjährigen Verbundenheit mit dem Unternehmen und seinen Menschen.
Eike Geriet Müller
Alexandra Elflein-Schwier
Eike Geriet Müller: Vom Studentenjob zur Bereichsleitung
Alexandra Elflein-Schwier: Wegbereiterin für Internationalisierung und Digitalisierung
Eike Geriet Müller kam während seines BWLStudiums mit Schwerpunkt Marketing zu Künker. Nach seinem Abschluss wurde er zunächst mit dem Aufbau des Marketings betraut und half dabei, das Erscheinungsbild des Unternehmens zu modernisieren und zu vereinheitlichen. Später wechselte er in die Goldabteilung, wurde dort von Horst-Rüdiger Künker systematisch in den Handel eingeführt und übernahm schließlich 2014 die Leitung des Bereichs. Auf seinem Weg begleitete er zahlreiche Entwicklungen des Hauses, von der Professionalisierung des Marketings über die Digitalisierung bis hin zum Wachstum des Goldhandels.
Auch Alexandra Elflein-Schwier war seit ihrer Einstellung an wichtigen Zukunftsprojekten beteiligt. Mit ihrer Erfahrung im E-Commerce im Museum of Modern Art, New York unterstützte sie die Einführung der neuen Künker-Website mit Online-Shop und begleitete die ersten Schritte des Unternehmens im digitalen Vertrieb und der Internationalisierung. Darüber hinaus engagierte sie sich beim Aufbau eines einheitlichen Corporate Designs und trug dazu bei, die Kommunikation des Hauses nach außen professionell weiterzuentwickeln. Mit ihrem Studium der Sprachen
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Arne Kirsch, Alexandra Elflein-Schwier, Eike-Geriet Müller, Fritz Rudolf Künker, Marion Künker und Dr. Andreas Kaiser (v. l. n. r.) auf der AINP-Tagung in Deauville, 2007.
und ihrer Auslandserfahrung baute sie den bis dahin weitestgehend auf deutschsprachige Kunden fokussierten Service international aus. Gemeinsam den Wandel gestalten Verbunden sind beide auch durch ihre Mitwirkung an zahlreichen Veränderungen, die Künker unter anderem in das digitale Zeitalter führten. Gemeinsam arbeiteten sie an neuen Marketing- und Internetprojekten und halfen dabei, moderne Kommunikations- und Vertriebswege für das Unternehmen zu etablieren. Botschafter von Künker in aller Welt
Ulrich Künker, Eike Müller und Alexandra Elflein-Schwier auf der NYINC, ca. 2008.
Neben ihrer Arbeit im Unternehmen waren und sind beide wichtige Botschafter des Hauses auf nationalen und internationalen Münzbörsen. Während Eike Geriet Müller den professionellen Messeauftritt von Künker entscheidend mitgestaltete, knüpfte Alexandra ElfleinSchwier auf unzähligen Messen und Veranstaltungen Kontakte zu Sammlern und Händlern in aller Welt. Besonders auf der New York International Numismatic Convention, die sie seit 2003 regelmäßig begleitete, wurde sie für viele internationale Kunden zum vertrauten Gesicht von Künker. Dass sie diese Rolle bis heute aktiv ausfüllt, zeigt sich auch aktuell: Derzeit vertritt sie Künker auf der internationalen Münzmesse in Tokyo und pflegt dort bestehende Kontakte ebenso wie neue Beziehungen zu Sammlern und Fachhändlern aus aller Welt. 25 Jahre Einsatz für die Zukunft des Hauses Beide haben das Wachstum und die Internationalisierung des Hauses über viele Jahre hinweg miterlebt und begleitet. Dabei standen stets die Menschen im Mittelpunkt: Kunden, Geschäftspartner und Kolleginnen und Kollegen. Ihr Engagement, ihre Offenheit für neue Entwicklungen und ihre
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Alexandra Elflein-Schwier und Fabian Halbich auf der NYINC, 2018.
Verbundenheit mit dem Unternehmen haben sie zu festen und von allen sehr geschätzten Mitarbeitern gemacht. Die Geschäftsführer Dr. Andreas Kaiser, Ulrich Künker und Timo Niermann gratulieren Alexandra ElfleinSchwier und Eike Geriet Müller gemeinsam mit Fritz Rudolf Künker und Horst-Rüdiger Künker herzlich zu ihrem 25-jährigen Firmenjubiläum und danken ihnen für ihren langjährigen Einsatz, ihre Loyalität und ihren wichtigen Beitrag zur erfolgreichen Entwicklung des Hauses Künker. Verbunden mit den besten Wünschen für Gesundheit, Erfolg und Freude blicken sie gemeinsam mit beiden auf viele weitere erfolgreiche Jahre der Zusammenarbeit.
Buchtipp: Die Künker-Chronik
Sie möchten mehr über die Anfänge von Alexandra Elflein-Schwier und Eike Geriet Müller erfahren – und über 50 Jahre Firmengeschichte von der kleinen Münzenhandlung in der Heger Straße bis zum international führenden Auktionshaus? Alle Zitate und Anekdoten dieses Artikels stammen aus der Künker-Chronik von Ursula Kampmann, erschienen anlässlich des 50-jährigen Firmenjubiläums. Möchten Sie die Chronik erhalten? Dann melden Sie sich gerne bei uns: Tel. +49 541 96202 0 oder service@kuenker.de
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ISSN 3052-0142
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