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Kuenker_Exklusiv_2026_039

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KÜNKER EXKLUSIV

NEUES AUS DEM AUKTIONS- UND GOLDMARKT

HerbstAuktionen 445-446 22.-25. September 2026 in Osnabrück

The Imperial Collection, Part II eLive Premium Auction 450

Seite 20

#39 2026

1


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KÜNKER EXKLUSIV

NEUES AUS DEM AUKTIONS- UND GOLDMARKT

In dieser Ausgabe

Termine 2026/27

Vorwort

3

Sberatel Coinshow in Prag

Herbst-Auktionen 445-446

4

Herbst-Auktionen 445-446 22.-25. September 2026

Vorschau auf unsere eLive Auction 94

18

COINEX in London

Besichtigungen

19

eLive Auction 94

eLive Premium Auction 450 The Imperial Collection, Part II

20

Munich Show in München

23.-25. Oktober 2026

Winter-Auktion 447

2.-4. November 2026

eLive Premium Auction 448-449

9.-11. November 2026

NUMISMATA Berlin

14.-15. November 2026

eLive Premium Auction 450-451

24.-25. November 2026

Münzen aus dem „Goldenen Zeitalter“ Polens 26 Das steht nicht im Jaeger Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt

38

The Imperial Collection, Part I Ein Auktionsabend für die Geschichtsbücher Empfang am Vorabend der Auktion 442 Vortrag von Fritz Rudolf Künker: Die Hohenzollern im 19. Jahrhundert – Eine deutsche Geschichte

63 64 68 70

Künker auf der Premiere der NUMISMATIK@Munich Show

84

Die kursächsischen Vikariatsprägungen

86

Neue Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle

106

Münzen als Kleinstskulpturen: Das Sammlungskonzept der Hamburger Kunsthalle

108

eLive Auction 95

4.-5. September 2026

25.-26. September 2026 5.-9. Oktober 2026

1.-4. Dezember 2026

Impressum Herausgeber

Fotos Saal Auktionen

Fritz Rudolf Künker GmbH & Co. KG

Lübke + Wiedemann KG, Leonberg

Nobbenburger Straße 4a

B.Seifert

49076 Osnabrück

Vier Jahrzehnte Künker

116

www.kuenker.de

Buchvorstellung: „Geprägter Ruhm“

118

Lektorat

Fotos eLive Auction 94 Fritz Rudolf Künker GmbH & Co. KG

Georg Müller

V.i.S.d.P. Dr. Andreas Kaiser

Titelbild Fanny Elßler tanzt die Cachucha. Kolorierter Kupferstich aus dem Jahr 1842.

Mitarbeitende dieser Ausgabe Prof. Dr. Paul Arnold

Druck

Prof. Dr. Torsten Fried

Druck- und Verlagshaus

Dr. Ursula Kampmann

Fromm+Rasch GmbH & Co.KG

Julia Kröner

www.frommrasch.de

Inja MacClure Dr. Margret Nollé Dr. Hertha Schwarz Dr. Martin Ziegert Gestaltung Helge Lewandowsky

ISSN 3052-0630


VORWORT

KÜNKER EXKLUSIV

3

Liebe Kundinnen und Kunden, liebe Münzfreunde,

herzlich Willkommen zur Herbstausgabe 2026 unseres Magazins Künker Exklusiv. Der Herbst zählt für viele Sammler zu den Höhepunkten des numismatischen Jahres. Mit unseren Herbst-Auktionen 445 und 446 erwartet Sie erneut ein abwechslungsreiches Angebot herausragender Münzen und Medaillen, das Geschichte in all ihren Facetten lebendig werden lässt. Einen ersten Überblick über die Höhepunkte dieser Auktionen finden Sie gleich zu Beginn dieser Ausgabe. Zudem zeugen die Münzen des „Goldenen Zeitalters“ Polens aus der Auktion 445 von einer Epoche kultureller Blüte und politischer Stärke und eröffnen faszinierende Einblicke in die Geschichte Europas. Ein besonderes Augenmerk richten wir auf unsere eLive Auction 94 sowie die beiden eLive Premium Auctions 450 und 451 im November dieses Jahres. Mit dem Katalog 450 präsentieren wir Ihnen den zweiten Teil der Imperial Collection - Numismatische Kostbarkeiten aus dem Besitz der preußischen Könige und deutschen Kaiser aus dem Hause Hohenzollern. Doch auch jenseits unserer Auktionen hält diese Ausgabe zahlreiche spannende Entdeckungen bereit. Wir stellen Ihnen Münzen des Landgrafen Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt vor und werfen einen Blick auf numismatische Besonderheiten, die selbst in den Standardwerken bislang unerwähnt geblieben sind. Ein weiterer Beitrag führt Sie in die Geschichte der kursächsischen Vikariatsprägungen, deren bildgewaltige Gestaltung und politische Aussagekraft bis heute faszinieren.

Wie eng Kunst und Numismatik miteinander verbunden sind, zeigen unsere Berichte über die neue Ausstellung der Hamburger Kunsthalle und ihr außergewöhnliches Sammlungskonzept. Hier werden Münzen als Kleinstskulpturen betrachtet und aus einer kunsthistorischen Perspektive präsentiert, die neue Zugänge zu vertrauten Objekten eröffnet. Darüber hinaus blicken wir auf besondere Ereignisse aus dem Hause Künker zurück: auf eine besondere Auktion 442, die Geschichte lebendig werden ließ sowie auf den Empfang am Vorabend mit einem Vortrag von Fritz Rudolf Künker über die Hohenzollern im 19. Jahrhundert. Nicht zuletzt berichten wir von der Premiere der NUMISMATIK@Munich Show, die im Oktober einmal mehr unterstreichen wird, wie lebendig und international unsere gemeinsame Leidenschaft ist. Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen, spannende Entdeckungen und natürlich viel Erfolg bei unseren kommenden Auktionen. Vielleicht dürfen wir Sie schon bald persönlich in Osnabrück oder auf einer der zahlreichen numismatischen Veranstaltungen treffen. Darüber freuen wir uns immer sehr!

Ulrich Künker

Dr. Andreas Kaiser


4

KÜNKER EXKLUSIV

HERBST-AUKTIONEN 445-446

Das schönste Exemplar der seltensten Goldmünze des deutschen Kaiserreichs … ... ist nur eines von vielen Highlights unserer kommenden Herbst-Auktionen. Sie finden vom 22. bis zum 25. September 2026 statt und enthalten Münzen und Medaillen aus Mittelalter und Neuzeit mit vielen Spezialsammlungen wie „Argentum Poloniae“ und der Sammlung eines Physikers mit Münzen des deutschen Kaiserreichs in fabelhaften Erhaltungen. Wieder einmal dürfen sich Sammler auf eine interessante und vielseitige Auktionswoche in Osnabrück freuen. Vom 22. bis zum 25. September 2026 versteigern wir in unseren Auktionen 445 und 446 ein buntes Angebot an Münzen und Medaillen aus Mittelalter und Neuzeit, in dem viele Spezialsammlungen aufgelöst werden. Sie finden insgesamt knapp 2.600 Lose mit einer Gesamtschätzung von rund 5 Millionen Euro in den beiden Katalogen 445 und 446. Besonders hervorgehoben seien: „Argentum Poloniae“ – Die Sammlung polnischer Taler Ein weiterer Teil der beeindruckenden Sammlung Kommerzialrat Dr. Herbert Wenzel von Habsburger Münzen und Medaillen Die Sammlung Erich Götz mit einem Schwerpunkt auf seiner Heimat, der Oberpfalz Die Sammlung eines rheinländischen Sammlers und Kunstliebhabers von Goldmünzen aus aller Welt Und last but not least die Sammlung eines Physikers von Münzen des deutschen Kaiserreichs in fabelhaften Erhaltungen mit zum Teil spektakulärer Patina

Für die Auktionskataloge 445-446 und eine detaillierte Auktionsübersicht scannen Sie einfach nebenstehenden QR-Code.


HERBST-AUKTIONEN 445-446

KÜNKER EXKLUSIV

5

Argentum Poloniae

Los 2 Sigismund III., 1587-1632. Reichstaler 1623, II-VE, Bromberg. Von größter Seltenheit. Sehr schön. Schätzung: 3.500 Euro

Los 12

Unter dem Titel „Argentum Poloniae“ werden 113 Taler angeboten, die das Schicksal Polens spiegeln: Von Stephan Bathory bis zum Ende des 18. Jahrhunderts zeigen uns diese Münzen in zum Teil herausragenden Erhaltungen die Könige, die einst an der Spitze der polnischen Adelsrepublik standen. Da es sich der Sejm vorbehielt, den polnischen König zu wählen, finden wir Porträts von Herrschern aus verschiedenen Dynastien. Die Epoche, als die Wettiner die polnische Königskrone trugen, ist besonders gut vertreten. Der Sammler trug mit Akribie und wissenschaftlichem Anspruch das Ensemble zusammen, das durch seine bemerkenswerte Vollständigkeit beeindruckt. Lernen Sie anhand der polnischen Taler mehr über die wechselvolle Geschichte dieses Landes im Herzen Europas!

Wladislaw IV., 1632-1648. Reichstaler 1641, G-G, Bromberg. Selten. Attraktives Exemplar mit feiner Patina, sehr schön +. Schätzung: 1.250 Euro

Los 54 Stadt Thorn. Reichstaler 1637. Selten. Los 32

Hübsche Patina, kl. Sammlerpunze im Rand, vorzüglich.

Stanislaus August, 1764-1795. Talar 1793.

Schätzung: 1.250 Euro

Sehr selten. Hübsche Patina, fast vorzüglich. Schätzung: 1.500 Euro

Los 79 Los 42

Kurfürstentum Sachsen. Friedrich August I., 1694-1733

Stadt Danzig. Reichstaler 1645.

(August der Starke). Reichstaler 1721, Dresden.

Von großer Seltenheit. Sehr schön +.

Attraktives Exemplar mit hübscher Patina, vorzüglich.

Schätzung: 2.00 Euro

Schätzung: 1.500 Euro


6

KÜNKER EXKLUSIV

HERBST-AUKTIONEN 445-446

Los 92

Los 113

Kurfürstentum Sachsen. Friedrich August II., 1733-1763.

Kurfürstentum Sachsen. Friedrich August I., 1806-1827.

Reichstaler 1740, Dresden, auf das Reichsvikariat.

Talar 1811, IB, für das Herzogtum Warschau. Selten.

Selten, besonders in dieser Erhaltung. Sehr attraktives

Sehr schön-vorzüglich.

Exemplar mit feiner Patina, vorzüglich.

Schätzung: 400 Euro

Schätzung: 2.000 Euro

Habsburger Raritäten aus der Sammlung Dr. Herbert Wenzel

Über Kommerzialrat Dr. Herbert Wenzel muss man inzwischen fast nichts mehr sagen. Sein Name steht in der numismatischen Welt für Habsburger Raritäten in der feinsten Erhaltung. Münzen aus seiner Sammlung sind auch dieses Mal auf die beiden Kataloge 445 und 446 verteilt. Neben den großen Raritäten verdienen diesmal auch die Habsburger Kleinmünzen besondere Aufmerksamkeit. Mit großer Sorgfalt und fachlicher Expertise ausgewählt, werden sie in sinnvoll zusammengestellten Lots angeboten, deren Schätzungen überwiegend im zwei- und dreistelligen Bereich liegen. Wer Habsburg sammelt, wird sich auf die gründliche Lektüre des Katalogs freuen!

1,5:1

Los 2292 Römisch-Deutsches Reich. Ferdinand II., 1592-1618-1637. 20 Dukaten 1622, Klagenfurt. Von allergrößter Seltenheit und großer numismatischer Bedeutung. Neben dem Exemplar in Slg. Horsky wohl das 2. bekannte Exemplar. Feine Goldtönung, sehr schön-vorzüglich. Schätzung: 100.000 Euro

Unbestrittener Höhepunkt dieser Partie ist ein 20 Dukatenstück Ferdinands II. aus der Münzstätte Klagenfurt, das Dr. Herbert Wenzel 1949 von den Erben des Oberlandesgerichtsrats Dollinger erwarb (Losnummer 2292). Seitdem war diese Münze nicht mehr auf dem Markt. Sie ist so bemerkenswert, weil Goldmultiplen aus Klagenfurt extrem selten sind. Denn Kärntens Münzstätte lag eigentlich in St. Veit. Doch weil das Münzprivileg umstritten war - die auf ihre Unabhängigkeit bedachten Kärtner Stände behaupteten, ein eigenes Münzrecht zu besitzen -, richtete Erzherzog Ferdinand 1522 eine landesfürstliche Münzstätte in Klagenfurt ein, deren Tätigkeit bereits 1622 wieder endete.


HERBST-AUKTIONEN 445-446

KÜNKER EXKLUSIV

1,5:1

Los 2309 Römisch-Deutsches Reich. Leopold I., 1657-1705. 2 Dukaten 1682, Wien. Sehr selten, besonders in dieser Erhaltung.

1,5:1

Prachtexemplar. Vorzüglich-Stempelglanz. Schätzung: 7.500 Euro

Los 2357 Römisch-Deutsches Reich. Joseph II., 1765-1790. 4 Dukaten 1786 A, Wien. Von großer Seltenheit. Feine Goldtönung, vorzüglich. Schätzung: 10.000 Euro

Los 293 Römisch-Deutsches Reich. Maximilian I., 1490-1519. Doppelter Schauguldiner 1509, Hall, auf die Annahme des Kaisertitels. Sehr selten, besonders in dieser Erhaltung. Ungewöhnlich sauber ausgeprägtes Exemplar. Hübsche Patina, winz. Sammlerpunze im Rand, vorzüglich. Schätzung: 10.000 Euro

Los 314 Römisch-Deutsches Reich. Ferdinand I., 1522-1558-1564. Silbermedaille 1547, unsigniert, Werkstatt Wolf Milicz, auf den Tod seiner Gemahlin Anna Jagiello am 27. Januar. Von größter Seltenheit. Attraktives Exemplar mit feiner Patina, sehr schön +. Schätzung: 4.000 Euro

7


8

KÜNKER EXKLUSIV

HERBST-AUKTIONEN 445-446

Los 322 Römisch-Deutsches Reich. Maximilian II., 1564-1576. Silbermedaille 1566, unsigniert, Werkstatt Nickel Milicz.. Herrliches Renaissanceporträt. Prachtexemplar von schönster Erhaltung. Feine Patina, fast Stempelglanz. Schätzung: 7.500 Euro

Los 328

Los 352

Römisch-Deutsches Reich. Erzherzog Ferdinand, 1564-1595.

Römisch-Deutsches Reich. Matthias, 1608-1612-1619.

Guldentaler (60 Kreuzer) 1567, Mühlau. Von großer Seltenheit.

Dicker doppelter Reichstaler o. J., Prag. Sehr selten,

Prachtexemplar. Herrliche Patina, kl. Schrötlingsfehler,

besonders in dieser Erhaltung. Sehr attraktives Exemplar

vorzüglich-Stempelglanz.

mit hübscher Patina, fast vorzüglich.

Schätzung: 4.000 Euro

Schätzung: 12.500 Euro

Los 354 Römisch-Deutsches Reich. Matthias, 1608-1612-1619. Vierfacher Reichstaler 1614, Wien. Von größter Seltenheit. Attraktives Exemplar mit feiner Patina, sehr schön-vorzüglich. Schätzung: 25.000 Euro

Los 406

Los 426

Römisch-Deutsches Reich. Friedrich von der Pfalz

Römisch-Deutsches Reich. Ferdinand III., 1625-1637-1657.

(der Winterkönig), 1619-1621. Reichstaler 1621, Heidelberg.

Dicker vierfacher Reichstaler 1642, Wien. Von allergrößter

Von größter Seltenheit. Attraktives Exemplar mit feiner Patina,

Seltenheit. Attraktives, scharf ausgeprägtes Exemplar

vorzüglich.

mit herrlicher Patina, fast vorzüglich.

Schätzung: 10.000 Euro

Schätzung: 20.000 Euro


HERBST-AUKTIONEN 445-446

KÜNKER EXKLUSIV

Los 546

Los 565

Kaiserreich Österreich. Franz Joseph I., 1848-1916.

Bistum Gurk. Johann VI. von Schönburg, 1552-1554.

Taler 1877, Wien. Auf die Eröffnung des Carl-Ludwig-Hauses

Taler 1553, mit Titel Ferdinands I.

auf der Raxalpe. Nur 100 Exemplare geprägt. Prachtexemplar

Von größter Seltenheit. Sehr attraktives Exemplar

mit prachtvoller Patina. Winz. Kratzer, polierte Platte.

mit feiner Patina, vorzüglich.

Schätzung: 10.000 Euro

Schätzung: 10.000 Euro

Sammlung Erich Götz

Los 633 Kurfürstentum Bayern. Maximilian I., 1598-1651. Reichstaler o. J. (1623), Amberg, mit Titel Ferdinands II.,

Münzen eröffnen faszinierende Einblicke in vergangene Epochen und ferne Kulturen und bieten so eine wunderbare Möglichkeit, dem Alltag für einen Augenblick zu entfliehen. So sah dies auch der Sammler Erich Götz, der in seinem geschäftigen Alltag mit Mineralstoffen aus über 60 Ländern handelte. Geboren in der Oberpfalz, kannte Erich Götz die ganze Welt. Dennoch beschäftigte er sich am liebsten mit der Geschichte und der Numismatik seiner Heimat. Münzen, die in Regensburg, Amberg, Neumarkt, Cham oder Nabburg geprägt wurden, bilden den Kern seiner Sammlung, auch wenn er sich durchaus für andere Themen begeistern konnte. Von seiner Liebe zur heimatlichen Numismatik zeugt sein 1992 erschienenes Buch über „Die Münzprägung der Oberpfalz - Geschichte und Katalog“. Es beweist außerdem, mit wie viel Kenntnis und Geduld Erich Götz die Münzen seiner oberpfälzischen Heimat zusammentrug.

für die Oberpfalz. Von großer Seltenheit. Schöne Patina, kl. durchgehender Schrötlingsfehler, fast vorzüglich. Schätzung: 1.000 Euro

Los 640 Kurfürstentum Bayern. Ferdinand Maria, 1651-1679. Reichstaler 1657, München, auf das Vikariat. Sehr selten. Hübsche Patina, fast vorzüglich. Schätzung: 2.500 Euro

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10

KÜNKER EXKLUSIV

HERBST-AUKTIONEN 445-446

Los 807

Los 887

Deutscher Orden in Mergentheim.

Landgrafschaft Leuchtenberg. Georg III., 1531-1555.

Johann Eustach von Westernach, 1625-1627.

½ Taler 1547, Pfreimd, mit Titel Karls V.

Reichstaler 1625, Nürnberg. Hübsche Patina,

Von großer Seltenheit.

winz. Schrötlingsfehler am Rand, fast vorzüglich.

Attraktives, sehr schönes Exemplar.

Schätzung: 1.000 Euro

Schätzung: 1.500 Euro

1,5:1

Los 931 Münzstätte der Herzöge von Bayern. Nabburg. Markgraf Heinrich (genannt Hezilo) von Schweinfurt, 1003.

Los 963

Denar. Von großer Seltenheit. Hübsche Patina, min. gewellt,

Herzogtum Pfalz-Neuburg. Otto Heinrich und Philipp, 1504-1544.

kl. Randfehler, vorzüglich.

Silbergußmedaille 1531, unsigniert, von M. Gebel, Nürnberg,

Schätzung: 1.000 Euro

auf Otto Heinrich. Zeitgenössischer Guss. Hübsche Patina, Felder der Vorderseite min. geglättet, winz. Randfehler, vorzüglich. Schätzung: 750 Euro

1,5:1

1,5:1

Los 968

Los 977

Oberpfalz. Friedrich II., 1508-1556.

Münzstätte der Herzöge von Bayern. Regensburg.

Zehner (12 Kreuzer) 1527, Amberg.

Eberhard, 937-938. Denar, Regensburg.

Von großer Seltenheit. Hübsche Patina, vorzüglich.

Von allergrößter Seltenheit. Min. korrodiert, sehr schön.

Schätzung: 1.250 Euro

Schätzung: 1.500 Euro

Los 1189 Grafschaft Wolfstein. Christian Albrecht, 1693-1740. Silberklippe im Gewicht eines 1/2 Reichstalers 1719, auf die Grundsteinlegung der Schlosskirche in Obersulzbürg. Sehr selten. Sehr attraktives Exemplar mit hübscher Patina, kl. Kratzer, vorzüglich/fast vorzüglich. Schätzung: 2.500 Euro


HERBST-AUKTIONEN 445-446

1,5:1

KÜNKER EXKLUSIV

1,5:1

Los 2444

Los 2653

Kurfürstentum Bayern. Maximilian I., 1598-1651.

Kurfürstentum Pfalz. Ruprecht II., 1390-1398.

2 Dukaten 1618, München. Attraktives Exemplar

Goldgulden o. J. (1395-1397), Amberg.

mit feiner Goldtönung, vorzüglich.

Von allergrößter Seltenheit. 2. bekanntes Exemplar.

Schätzung: 2.500 Euro

Leicht gewellt, winz. Randfehler, sehr schön-vorzüglich/sehr schön. Schätzung: 5.000 Euro

Goldmünzen eines rheinländischen Sammlers und Kunstfreundes

Der rheinländische Sammler und Kunstliebhaber, dessen exquisite Goldmünzensammlung in Auktion 446 aufgelöst wird, folgte nicht dem Ideal der Vollständigkeit. Entscheidend war für ihn allein die Qualität und die ästhetische Ausstrahlung eines Stückes, ganz gleich, aus welcher Epoche es stammte. Auf diese Weise entstand eine bemerkenswert vielseitige Sammlung, deren roter Faden exzellente Erhaltungen und ausgesuchter Geschmack sind. Sie vereint klassische numismatische Kostbarkeiten mit seltenen exotischen Goldmünzen des 20. Jahrhunderts und bietet damit Entdeckungen für unterschiedlichste Sammelinteressen.

Los 2116 Großherzogtum Luxemburg. Charlotte, 1919-1964. 20 Francs 1946, Brüssel, von A. Bonnetain, auf den 600. Jahrestag der Schlacht von Crécy und

Los 2267

zur Erinnerung an den Heldentod von Johannes des Blinden.

Vereinigte Staaten von Amerika.

Probe in Gold. Von größter Seltenheit. Nur 25 Exemplare geprägt.

10 Dollars 1801, Philadelphia. Sehr selten.

NGC PF 63 Ultra Cameo (Top Pop). Polierte Platte.

Attraktives Exemplar, winz. Randfehler,

Schätzung: 5.000 Euro

winz. Bearbeitungsstelle im Feld der Vorderseite, fast vorzüglich. Schätzung: 10.000 Euro Los 2478 Kurfürstentum Brandenburg. Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst, 1640-1688. 2 Dukaten 1677, IH, Berlin, auf die Eroberung von Stettin. Sehr selten. Prachtexemplar. NGC MS 62 (Top Pop). Sehr attraktives, scharf ausgeprägtes Exemplar, vorzüglich-Stempelglanz. Schätzung: 7.500 Euro

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KÜNKER EXKLUSIV

HERBST-AUKTIONEN 445-446

Los 2565 Stadt Hamburg. Privatportugalöser zu 10 Dukaten o. J. (1679), unsigniert, von J. Rethe oder seinem Sohn Johann Reteke, auf den Pinneberger Interims-Rezess. Sehr selten. Prachtexemplar von polierten Stempeln. NGC MS 61 PL. Vorzüglich-Stempelglanz. Schätzung: 20.000 Euro

1,5:1

Los 2589 Herzogtum Jülich-Berg. Johann Wilhelm II., 1679-1716. 2 Dukaten 1711, Düsseldorf, auf das Vikariat. Sehr selten. Sehr attraktives Exemplar, fast vorzüglich. Schätzung: 5.000 Euro

1,5:1

1,5:1

Los 2657

Los 2666

Kurfürstentum Pfalz. Karl Philipp, 1716-1742.

Herzogtum Pommern, unter Schweden.

Rheingold-Dukat o. J. (um 1740), Mannheim.

Karl X. Gustav, 1654-1660. 2 Dukaten 1658, Stettin.

Sehr selten. Vorzüglich.

Von großer Seltenheit. Sehr attraktives Exemplar

Schätzung: 4.000 Euro

mit feiner Goldpatina, fast vorzüglich. Schätzung: 10.000 Euro

1,5:1

1,5:1

Los 2667

Los 2733

Stadt Regensburg. Dukat o. J. (1742).

Wallenstein. Albrecht, 1623-1634, Herzog von Friedland.

Sehr selten. NGC MS 62.

Dukat 1630, Jitschin. Von großer Seltenheit. Fast vorzüglich.

Winz. Kratzer, vorzüglich-Stempelglanz.

Schätzung: 20.000 Euro

Schätzung: 6.000 Euro


HERBST-AUKTIONEN 445-446

Münzen des deutschen Kaiserreichs aus der Sammlung eines Physikers

KÜNKER EXKLUSIV

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Eine weitere Sammlung, die wir Ihnen vorstellen dürfen, umfasst eine außergewöhnliche Serie von Münzen des Deutschen Kaiserreichs, die von einem passionierten Physiker zusammengetragen wurde. Liebhaber perfekter Erhaltungen und faszinierender Patinas werden von diesem Angebot begeistert sein. Unabhängig davon, in welcher Preisklasse Sie sammeln, finden Sie hier mit Sicherheit das eine oder andere Stück, das Ihrer Sammlung noch fehlt und dessen Schätzung zu Ihrem Budget passt. Seien Sie jedoch darauf vorbereitet, dass Münzen dieser Qualität derzeit weltweit auf großes Interesse stoßen. Entsprechend ist damit zu rechnen, dass die Zuschlagspreise deutlich über den Schätzungen liegen können. Viele Experten sind zudem überzeugt, dass das Marktpotenzial der Münzen des Deutschen Kaiserreichs noch längst nicht ausgeschöpft ist.

2:1

Los 2789 1 Pfennig 1905 E. Von allergrößter Seltenheit. NGC MS 64 BN (Top Pop). Prachtexemplar. Hübsche Kupferpatina, vorzüglich-Stempelglanz. Schätzung: 10.000 Euro

Zwei weitere Sammlungen komplettieren ein Angebot, wie es nur sehr selten so zusammenkommt. Wie gut dieses Angebot ist, kann die Tatsache illustrieren, dass von den 503 Losen 62 Lose den Titel „Top Pop“ tragen.

Los 2813

Los 2859

Baden. Friedrich I., 1852-1907.

Hessen. Ludwig III., 1848-1877. 2 Mark 1876.

5 Mark 1875, ohne Querstrich im A.

Äußerst selten in dieser Erhaltung. NGC PF 63.

In dieser Erhaltung von größter Seltenheit.

Herrliche Patina, winz. Kratzer, polierte Platte.

PCGS PR 62 CAM (Top Pop). Kabinettstück.

Schätzung: 12.500 Euro

Feine Patina, polierte Platte. Schätzung: 12.500 Euro

Los 2842 Bayern. Ludwig III., 1913-1918. 3 Mark 1918. Auf die Goldene Hochzeit des bayerischen Königspaares. Sehr selten. Prachtexemplar. Stempelglanz. Schätzung: 30.000 Euro

1,5:1


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KÜNKER EXKLUSIV

HERBST-AUKTIONEN 445-446

1,5:1

Los 3175 Reuss Älterer Linie. Heinrich XXII., 1859-1902. 20 Mark 1875. Von großer Seltenheit. Prachtexemplar. Fast Stempelglanz. Schätzung: 35.000 Euro

2,5:1

1,5:1

Los 3212 Sachsen-Meiningen. Georg II., 1866-1914. 20 Mark 1872. Sehr selten, besonders in dieser Erhaltung. NGC MS 65 (Top Pop). Kabinettstück von feinster Qualität. Fast Stempelglanz. Schätzung: 25.000 Euro

Los 3203 Sachsen-Coburg und Gotha. Ernst II., 1844-1893. 20 Mark 1872.

1,5:1

Von großer Seltenheit, besonders in

Los 3273

dieser herausragenden Erhaltung.

Deutsch-Neu-Guinea. 10 Neu-Guinea Mark 1895 A. Nur 2.000

NGC MS 67 (Top Pop). Das wohl

Exemplare geprägt. NGC MS 67 (Top Pop).

am besten erhaltene Exemplar.

Prachtexemplar von feinster Qualität. Stempelglanz.

Erstabschlag, Stempelglanz.

Schätzung: 40.000 Euro

Schätzung: 100.000 Euro

Raritäten aus aller Welt

Los 129 Königreich Frankreich. Louis XIV, 1643-1715.

Natürlich finden Sie auch wie gewohnt ein umfangreiches Angebot von Münzen und Medaillen aus aller Welt mit zahlreichen Raritäten, aber auch mit Münzen, die in ein normales Budget passen. Wir stellen Ihnen die besonderen Stücke vor – versäumen Sie nicht, unter all den Lots auch Ihr Lieblingsstück zu ermitteln.

1/2 Ecu au buste drapé à l‘antique 1687 (Jahreszahl im Stempel aus 1686 geändert) A, Paris. Äußerst selten, besonders in dieser Erhaltung. Attraktives Exemplar mit hübscher Patina, fast vorzüglich. Schätzung: 10.000 Euro


HERBST-AUKTIONEN 445-446

KÜNKER EXKLUSIV

Los 238 Königreich Schweden. Gustav II. Adolf, 1611-1632. Silbermedaillon (zu 5 Talern) 1634, von S. Dadler, auf seinen Tod bei Lützen am 6. November 1632 und sein Begräbnis in der Riddarholmskyrkan in Stockholm am 22. Juni 1634. Prachtexemplar. Herrliche Patina, winz. Randfehler, fast Stempelglanz. Schätzung: 20.000 Euro

Los 569 Erzbistum Salzburg. Johann Jakob Khuen von Belasi, 1560-1586. Dreifacher Schautaler 1572, unsigniert, auf die Überwindung der Pest. Von großer Seltenheit. Attraktives Exemplar mit feiner Patina, sehr schön-vorzüglich. Schätzung: 25.000 Euro

Los 2018 Königreich Belgien. Leopold I., 1830-1865. 100 Francs 1853, Brüssel, auf die Vermählung des Thronfolgers Leopold (später Leopold II.) mit Prinzessin Marie Henriette von Österreich. Nur 482 Exemplare geprägt. PCGS MS 63. Attraktives Exemplar von polierten Stempeln, winz. Kratzer, fast Stempelglanz. Schätzung: 40.000 Euro

1,5:1

Los 2046 Königreich Frankreich. Louis XVIII, 1814, 1815-1824. 40 Francs 1815 A. Probe (Essai)

Los 2074

in Gold, von P. J. oder N. P. Tiolier.

Großbritannien. George V, 1910-1936. 5 Pounds 1911 London.

Von großer Seltenheit. NGC PF 62 Cameo.

Nur 2.812 Exemplare geprägt. Selten in dieser Erhaltung.

Prachtexemplar. Stempelglanz.

PCGS PR 66. Prachtexemplar. Polierte Platte.

Schätzung: 60.000 Euro

Schätzung: 25.000 Euro

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KÜNKER EXKLUSIV

HERBST-AUKTIONEN 445-446

Los 2091 Neapel und Sizilien. Ferdinand IV. (I.) von Bourbon, 2. Periode, 1799-1805 (-1825). Tragbare Goldmedaille 1799, von D. Perger, auf die Unterstützung der britischen Marine bei der Wiedereinsetzung Ferdinands als König von Neapel. Von größter Seltenheit. Winz. Kratzer und Randfehler, sehr schön/vorzüglich. Schätzung: 20.000 Euro

Los 2135 Königreich Portugal Maria II., 1834-1853. Peça (7.500 Reis) 1833, Lissabon. NGC MS62+. Sehr seltener Jahrgang. Nur 265 Exemplare geprägt. Prachtexemplar. Fast Stempelglanz. Schätzung: 5.000 Euro

Dass Altdeutschland unsere besondere Spezialität ist, wissen Sie natürlich. Auch diesmal gibt es ein umfangreiches Angebot aus all den vielen Reichsstädten, Abteien, Fürstentümern, die das Münzprivileg erworben hatten. Freuen Sie sich auf viele Münzen und Medaillen, zum Teil selten, zum Teil in bester Erhaltung, zum Teil von großer historischer Bedeutung – und hin und wieder treffen auf ein Stück all diese drei Charakteristika zu.

Raritäten aus Altdeutschland

Los 879 Herzogtum Berg. Joachim Murat, 1806-1808. Taler 1807. Cassataler. Äußerst selten in dieser Erhaltung. Hübsche Patina, vorzüglich-Stempelglanz. Schätzung: 10.000 Euro

Los 1071 Kurfürstentum Sachsen. Johann Georg II., 1656-1680. Breiter dreifacher Reichstaler 1663, Dresden. Beichttaler. Von großer Seltenheit. Sehr attraktives Exemplar mit herrlicher Patina, winz. Prägeschwäche, vorzüglich +. Schätzung: 15.000 Euro


HERBST-AUKTIONEN 445-446

KÜNKER EXKLUSIV

Los 1134

Los 1179

Grafschaft Schaumburg-Lippe. Philipp I., 1647-1681.

Wallenstein. Albrecht, 1623-1634, Herzog von Friedland.

Reichstaler 1660, Bückeburg. Nur 200 Exemplare geprägt.

Reichstaler 1627, Jitschin. Sehr selten. NGC XF 45.

Sehr attraktives Exemplar mit herrlicher Patina,

Schöne Patina, sehr schön-vorzüglich.

winz. Prägeschwäche, vorzüglich.

Schätzung: 17.500 Euro

Schätzung: 10.000 Euro

1,5:1

Los 2464

Los 2479

Königreich Bayern. Maximilian II., 1848-1864.

Kurfürstentum Brandenburg. Friedrich III., 1688-1701.

Vereinskrone 1857. Nur 771 Exemplare geprägt.

Goldmedaille zu 20 Dukaten 1692, von R. Faltz,

NGC MS 64 (Top Pop). Fast Stempelglanz.

auf den Bau der „Langen Brücke“ in Berlin.

Schätzung: 10.000 Euro

Von allergrößter Seltenheit. Sehr schön-vorzüglich. Schätzung: 35.000 Euro

Los 2545

Los 2621

Stadt Bremen. Goldmedaille o. J. (1631-1660)

Stadt Nürnberg. 4 Dukaten 1629, mit Titel Ferdinands II.

von J. Blum, auf die Hochzeit. Von allergrößter Seltenheit,

Von allergrößter Seltenheit. Leicht gewellt,

wohl einziges im Handel befindliches Exemplar.

winz. Kratzer auf der Rückseite, vorzüglich-Stempelglanz.

PCGS MS 62. Attraktives Exemplar mit feiner Goldtönung,

Schätzung: 25.000 Euro

vorzüglich-Stempelglanz. Schätzung: 30.000 Euro Los 2691 Kurfürstentum Sachsen. Friedrich August I., 1694-1733 (August der Starke). 5 Dukaten 1733, Dresden. Goldabschlag von den Stempeln des 1/2 Reichstalers. Attraktives Exemplar, vorzüglich/vorzüglich-Stempelglanz. Schätzung: 50.000 Euro

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eLIVE AUCTION 94

Vorschau auf unsere eLive Auction 94 vom 5.-9. Oktober 2026 auf www.kuenker.auex.de

Cilicia Soloi. Stater, um 420 v. Chr.

Germania Anonym. Stater (Regenbogenschüsselchen), 50/25 v. Chr.

Großherzogtum Hessen Ludwig II., 1830-1848. Gulden 1843.

Römische Kaiserzeit

Konzertgulden, geprägt anlässlich eines

Augustus, 30 v.-14 n. Chr.

Konzertes zu Ehren des russischen Thronfolgers,

Denar, 15/13 v. Chr., Lugdunum.

des späteren Zaren Alexander II.

Königreich Preußen Kurfürstentum Sachsen

Wilhelm II., 1888-1918. Goldmedaille zu 6 Dukaten

Johann Georg II., 1656-1680.

o. J. (1893), von E. Weigand. Prämienmedaille für

Reichstaler 1660, Dresden.

Verdienste um das Militär-Brieftaubenwesen.

Erbländischer Taler. Erzbistum Salzburg Paris von Lodron, 1619-1653. Kipper-24 Kreuzer 1621. Verprägung mit Wertzahl „74“ auf der Rückseite.

Fürstentum Waldeck Georg Heinrich, 1813-1845. Kronentaler 1824.

Königreich Bayern Fürstentum Reuß-Schleiz

Ludwig I., 1825-1848.

Heinrich LXII., 1818-1854.

Vereinsdoppeltaler 1844.

Vereinsdoppeltaler 1846.

Feldherrnhalle.


BESICHTIGUNGEN

KÜNKER EXKLUSIV

Acht Auktionen stehen in der Woche unserer Herbst-Auktionen zur Besichtigung bereit.

Herbst-Auktionen Besichtigung ab Montag, den 17. August 2026

eLive Auction 94 Besichtigung ab Montag, den 14. September 2026

Auktion 445 Die Sammlung Argentum Poloniae | Münzen und Medaillen aus Mittelalter und Neuzeit, u. a. aus der Sammlung des Kommerzialrates Dr. Herbert Wenzel (Habsburg) sowie der Sammlung Erich Götz (Bayern, Oberpfalz u. A.)

Münzen und Medaillen aus Antike, Mittelalter und Neuzeit

Auktion 446 Goldprägungen aus aller Welt, u. a. aus der Sammlung des Kommerzialrates Dr. Herbert Wenzel (Habsburg) sowie der Sammlung eines rheinländischen Sammlers und Kunstliebhabers | Deutsche Münzen ab 1871 in feinsten Erhaltungen, u. a. aus der Sammlung eines Physikers

Winter-Auktionen Besichtigung ab Samstag, den 19. September 2026 Auktion 447 Münzen aus der antiken Welt eLive Premium Auction 448 Münzen aus der antiken Welt – Die Sammlung Rolf W. Schumm, Kornwestheim eLive Premium Auction 449 Münzen aus der antiken Welt, mit den Sammlungen Dr. Hartmut Kreutzer und Dr. W. R., Teil 11

Fritz Rudolf Künker GmbH & Co. KG Nobbenburger Straße 4a 49076 Osnabrück Wir bitten um frühzeitige Anmeldung für einen Besichtigungstermin.

eLive Premium Auction 450 The Imperial Collection, Part 2 eLive Premium Auction 451 Sammlung Brandenburg-Preußen (Mittelalter und 19. Jahrhundert)

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THE IMPERIAL COLLECTION, PART II

The Imperial Collection, Part II Wir freuen uns, Ihnen bereits einen ersten Ausblick auf den zweiten Teil der Imperial Collection geben zu können. Dieser kommt als eLive Premium Auction 450 online zur Versteigerung am 24. November 2026 auf kuenker.auex.de. Auch die rund 400 Objekte dieses Teils stammen aus dem persönlichen Besitz der Hohenzollern und dokumentieren die Begeisterung von König Friedrich Wilhelm IV. und seinem Bruder Kaiser Wilhelm I. für die preußische Vergangenheit und die Numismatik. Münzen und Medaillen des von beiden hoch verehrten Friedrich II. kommen genauso unter den Hammer wie die Medaillen, die während der Herrschaft von Friedrich Wilhelm III., Friedrich Wilhelm IV., Kaiser Wilhelm I. und Kaiser Wilhelm II. entstanden. Sie alle sind zum Teil genauso gut erhalten, genauso selten, historisch und numismatisch genauso bedeutend wie die Objekte, die im 1. Teil der Sammlung versteigert wurden. Nur sind diese Objekte eben nicht aus Gold, sondern aus Silber und Bronze. Für die Silbermedaille auf die Uraufführung der Antigone lautete das Höchstgebot eines begeisterten Kunstliebhabers im Rahmen von Auktion 442 17.000 Euro. Nun wird die Bronzeausgabe in exakt der gleichen Erhaltung wesentlich günstiger angeboten. Man darf annehmen, dass es nicht bei diesem Preis bleibt.

Neben Münzen und Medaillen aus Altdeutschland und dem deutschen Kaiserreich findet der Kenner wieder eine reiche Auswahl an europäischen Medaillen, darunter eine umfangreiche Partie der großartigen Architekturdarstellungen der Stempelschneiderfamilie Wiener. Dass auch zahlreiche Bronzemedaillen ihren Weg von der russischen Verwandtschaft ins preußische Herrscherhaus gefunden haben, ist selbstverständlich. Freuen Sie sich auf eine Fülle von ganz besonderen Objekten mit einer ganz besonderen Provenienz!

Viele Ereignismedaillen haben einen Bezug auf die Herrscherfamilie, aber auch zahlreiche Personenmedaillen gehören zu diesem Ensemble wie z. B. eine Bronzemedaille auf den Tod des preußischen Münzmechanicus Gottlieb Ernst Kleinstüber oder eine Silbermedaille auf den Tod des preußischen Generalleutnants Job Wilhelm von Witzleben, eines engen Vertrauten von König Friedrich Wilhelm III. 1,5:1

Erwähnenswert ist auch eine umfangreiche Serie von Bronzegussmedaillen auf Persönlichkeiten und Ereignisse des 1. Weltkriegs, die Arthur Immanuel Loewenthal schuf, einer der vielen deutschen Patrioten jüdischen Glaubens, die sich bei Ausbruch des 1. Weltkriegs in den Dienst des Deutschen Reichs stellten. Los 5058 Ein Zeugnis für die Gebietsgewinne, die Preußen durch den Frieden von Paris verzeichnen konnte, ist eine äußerst seltene Silbermedaille des Jahres 1815 von A. F. König. Sie zeigt die Büsten des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm, des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. und des Siegers über Napoleon, Friedrich Wilhelm III. So interpretiert diese Medaille den Frieden von Paris als einen weiteren historischen Schritt Preußens auf dem Weg zur europäischen Großmacht. Prachtexemplar. Herrliche Patina, vorzüglich bis Stempelglanz.


THE IMPERIAL COLLECTION, PART II

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Los 5077 Silbermedaille o. J. (1838) von H. F. Brandt auf den Tod des preußischen Generalleutnants Job Wilhelm von Witzleben. In Silber sehr selten. Vorzüglich bis Stempelglanz.

0,4:1

Aus Sammlung Imperial Collection, Teil 1, Auktion 442 (23. Juni 2026), Los 152: Silbermedaille o. J. (1846) von Chr. Pfeuffer auf die Uraufführung der Schauspielmusik zur „Antigone“. Herrliche Patina. Fast Stempelglanz. Schätzung: 4.000 Euro. Zuschlag: 17.000 Euro.

Los 5104 Bronzemedaille des gleichen Typs. Diese Medaille wurde geschaffen, um an die Uraufführung der Schauspielmusik zur griechischen Tragödie „Antigone“ zu erinnern. Friedrich Wilhelm IV. hatte die Idee, diesen antiken Stoff zu vertonen. Der Dichter Ludwig Tieck brachte Mendelssohn Bartholdy als Komponisten ins Spiel, der bereits 1835 seine Schauspielmusik zum Sommernachtstraum mit dem berühmten Hochzeitsmarsch Friedrich Wilhelm IV. gewidmet hatte. Mendelssohn war mit der Antigone so zufrieden, dass er festlegte, dass bei seiner Beerdigung im Jahr 1847 eine Zusammenstellung daraus gespielt werden sollte.

0,4:1

Aus Sammlung Imperial Collection, Teil 1, Auktion 442 (23. Juni 2026), Los 154: Goldmedaille zu 80 Dukaten 1847 von K. Fischer auf das Erscheinen des 2. Bandes seines Werkes „Kosmos“. NGC MS65 PL. In Gold äußerst selten. Feiner Prägeglanz, fast Stempelglanz. Schätzung: 40.000 Euro. Zuschlag: 70.000 Euro.

Los 5070 Bronzemedaille 1828 von F. Brandt auf die Kosmos-Vorlesungen, die zur Grundlage für Humboldts Werk „Kosmos“ wurden. Winziger Randfehler. Fast Stempelglanz.


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THE IMPERIAL COLLECTION, PART II

Los 5158 Nur die wenigsten wissen, dass eines der deutschen Wahrzeichen, der Kölner Dom, seine Fertigstellung der Initiative einiger Kölner Bürger und der Förderung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. verdankt. Mit dieser Geste versuchte Friedrich Wilhelm die ihm feindlich gesinnten katholischen Rheinländer, die seit 1815 zu Preußen gehörten, für sich zu gewinnen. Leopold Wiener schuf diese Medaille 1867 anlässlich der 25-Jahrfeier des Kölner Dombauvereins. Sie demonstriert die souveräne Meisterschaft, die die Familie Wiener bei der Darstellung von Architektur entwickelt hatte. Fast Stempelglanz.

Los 5184 Für die Ära des letzten Kaisers steht eine rechteckige Bronzegussplakette von 1898, die O. Rohloff auf die Einweihung der Erlöserkirche in Jerusalem während der Palästinareise des Kaiserpaares fertigte. Wilhelm II. und Auguste Viktoria bereisten vom 11. Oktober bis 26. November 1898 den Nahen Osten; die Kircheneinweihung war das wichtigste Vorhaben der Reise. Nur wenige dieser Plaketten wurden hergestellt und ausschließlich an hochrangige türkische und deutsche Würdenträger verliehen – entsprechend selten ist das Stück. Vorzüglich.


THE IMPERIAL COLLECTION, PART II

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Los 5192 Bronzegussmedaille o. J. (1914) von A. Loewenthal auf den Untergang der „Nürnberg“ unter Vizeadmiral Graf von Spee. Vorzüglich.

Los 5107 Eine Hommage an Giacomo Meyerbeer. Den Bogen zu den Personenmedaillen schlägt schließlich eine Silbermedaille von 1847 von J. B. Resek auf den Pianisten, Komponisten und Dirigenten Giacomo Meyerbeer. Der 1791 im brandenburgischen Tasdorf geborene und 1864 in Paris verstorbene Meyerbeer war einer der erfolgreichsten Opernkomponisten seiner Zeit und als Meister der französischen Grand opéra. Die Medaille zeigt seine Büste und ist in Silber sehr selten. Herrliche Patina, fast Stempelglanz.

Los 5313 Suitenmedaille von Jacques Wiener mit zwei Ansichten der Hagia Sophia in Konstantinopel, entstanden zwischen 1850 und 1862. Selten. Winzige Kratzer. Fast Stempelglanz.


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THE IMPERIAL COLLECTION, PART II

Aus Sammlung Imperial Collection, Teil 1, Auktion 442 (23. Juni 2026), Nr. 288. Goldmedaille zu 25 Dukaten 1818 von H. F. Brandt auf die Grundsteinlegung des Siegesdenkmals auf dem Berliner Kreuzberg. NGC MS64 DPL. Prachtexemplar von polierten Stempeln. Fast Stempelglanz. Schätzung: 20.000 Euro. Zuschlag: 55.000 Euro. 1,5:1

Los 5330 Bronzemedaille vom gleichen Typ. Kleine Randfehler und Druckstellen, Inventarnummer auf dem Rand in Tusche. Vorzüglich.

„Fanni Elßler tanzt die „Cachucha“ mit den Füßen, mit den Augen, mit dem Munde, mit tausend Lächeln, mit Millionen anmuthigen Commentaren, mit Millionen süßen Randglossen; das ist die Cachucha und man könnte sagen, die Cachucha tanzt durch die Elßler“ Moritz Gottlieb Saphir Österreichischer Schriftsteller, Journalist und Satiriker.

1,5:1

Los 5355 Aus dem habsburgischen Umfeld stammt eine Silbermedaille von 1842 aus der Regierungszeit Ferdinands I., geschaffen von F. Gaul auf die österreichische Tänzerin Fanny Elßler. Elßler (1810–1884) zählte neben Marie Taglioni und Carlotta Grisi zu den bekanntesten Ballerinen der Romantik; berühmt wurde sie vor allem durch ihren leidenschaftlichen Tanzstil und Tänze wie die „Cachucha“. Die Medaille zeigt die Büste der Tänzerin und ist in Silber von großer Seltenheit. Sie entstand 1842 zum Abschluss der – für damalige Zeiten höchst gewagten – Tournee der Künstlerin durch Nordamerika und Kuba, während der sie 200 Auftritte und 21 Benefizgalas absolvierte und mit 742.000 Francs ein Vermögen verdiente. Herrliche Patina, leichte Lackreste, fast Stempelglanz.


THE IMPERIAL COLLECTION, PART II

Fanny Elßler tanzt die Cachucha. Kolorierter Kupferstich aus dem Jahr 1842.

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MÜNZEN AUS DEM „GOLDENEN ZEITALTER“ POLENS

Münzen aus dem „Goldenen Zeitalter“ Polens In unserer kommenden Auktion 445 bieten wir mit der Sammlung „Argentum Poloniae“ eine größere Anzahl von Münzen aus den glanzvollsten Zeiten des Königreiches Polen an. Von Margret Nollé

Bedauerlicherweise lässt die Beschäftigung mit der Geschichte Polens immer wieder erkennen, wie wenig historische Kenntnisse in Deutschland über unser Nachbarland vorhanden sind. Dabei reicht die gemeinsame Geschichte beider Nationen mehr als tausend Jahre zurück, wobei sie teils identische Territorien und Zentren für sich beanspruchten: Gnesen und Posen waren die Geburtsstätten des polnischen Staates, Breslau war ein piastischer Herrschaftssitz, und Danzig – im 16. und 17. Jh. wies es die viertgrößte deutsche Stadtbevölkerung auf – stand unter der polnischen Krone. Erheblich überschattet wurde die deutsch-polnische Geschichte im späten 18. Jh., als Preußen und Österreich zusammen mit Russland Polen unter sich aufteilten. Im Zweiten Weltkrieg verübten deutsche Truppen unsägliche Gräuel. Nach 1945 wurden Polen die deutschen Ostgebiete zugesprochen. Trotz dieser dramatischen Ereignisse kam es einige Jahrzehnte später wieder zu einer vorsichtigen und zunehmend entspannten Annäherung zwischen Polen und Deutschland. Beide Länder sind heute Mitglieder der Europäischen Union, so dass europäisches Denken dem Streit um Gebiete endlich ein Ende setzen kann. Mieszko I. formt das christliche Polen (um 945 – 992) Die Frühgeschichte Polens ist aufgrund ungenügender Quellen für den Historiker nur schwer fassbar. Als sicher kann gelten, dass sich im Laufe des 9. und 10. Jhs. verschiedene westslawische Stämme – darunter vor allem die Polanen – auf dem Gebiet der heutigen Städte Posen und Gnesen zwischen Oder und Weichsel zu einer Herrschaft zusammenschlossen. Endgültig in das Licht der Geschichte tritt Polen als Staatsgebilde mit dem sächsischen Geschichtsschreiber Widukind aus dem Kloster Corvey, der um das Jahr 960 einen König Mieszko („rex Misaca“) erwähnt. Durch eine kluge und vorausschauende Politik gelang es diesem polnischen Herrscher aus dem Geschlecht der Piasten, die Grundlagen für das spätere Königreich Polen zu schaffen. Zunächst setzte er in seinem Land seit 966 – dem Jahr seiner eigenen Taufe – das Christentum

erfolgreich durch und reihte sich dadurch in den Kreis der christlichen europäischen Herrscher ein. Im Jahr 968 wurde in Posen ein Missionsbistum eingerichtet; die Christianisierung führten Missionare aus Lothringen durch. Die Verbindung mit den führenden Adelshäusern Europas wurde noch enger, als Mieszko I. Dobrawa, eine Tochter des böhmischen PřzemyslidenHerzogs Boleslav I. heiratete. Als sie starb, nahm Mieszko I. 978 die Tochter des Markgrafen Dietrich von Haldensleben zur Frau. Zwischen 967 und 979 konnte Mieszko ganz Pommern und Pommerellen unterwerfen, wobei ihm der Zugang zur Ostsee durch die Heirat seiner Tochter mit dem dänischen König garantiert war. Der polnische Fürst, der seit 974 an den kaiserlichen Hoftagen teilnahm, galt ab 986 als Lehnsmann des noch minderjährigen Kaisers Otto III., dem er als „Markgraf des Reiches“ ein tributpflichtiger Bundesgenosse wurde. Eine rührende Legende besagt, dass Mieszko I. eine Locke seines Sohnes, der als Geisel am kaiserlichen Hof gehalten wurde, an Papst Johannes XV. geschickt habe, um diesen dadurch zu dessen Beschützer zu machen. Tatsächlich festigte Mieszko I. um 990 seine Verbindung mit dem Papsttum dadurch, dass er einer Urkunde zufolge (das sog. Dagome iudex-Regest) sein Land dem „Heiligen Petrus“ schenkte, wodurch er sein Territorium dem Papst zum Lehen gab. Wichtig ist festzuhalten, dass Mieszko I. seinen gesamten Herrschaftsbereich als „Patrimonium“, d. h. als erblichen Besitz seines Hauses ansah, dessen Mitglieder nach seinem Tod 992 seine Erben wurden. Das Patrimonium der Piasten wird ein Königreich Mieszkos ältester Sohn, Bolesław I., riss das gesamte piastische Patrimonium an sich und setzte die Politik seines Vaters fort, indem er gemeinsam mit Kaiser Otto III. gegen die Heiden zwischen Oder und Elbe kämpfte. Er unterstützte auch Bischof Adalbert von Prag bei der Bekehrung der heidnischen Prußen. Als Adalbert 999 von den Prußen erschlagen wurde, kaufte Bolesław ihnen dessen Leichnam ab und ließ ihn in Gnesen beisetzen. Schnell verbreitete sich die Kunde von an


MÜNZEN AUS DEM „GOLDENEN ZEITALTER“ POLENS

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Karte Polens vor 1660.

Adalberts Grab geschehenen Wundern, die schließlich auch Kaiser Otto III. als Pilger nach Gnesen führten. Der Kaiser überreichte dem polnischen Herzog eine Nachbildung der Heiligen Lanze, die noch heute auf dem Wawel in Krakau aufbewahrt wird. Dafür erhielt Otto einen kleinen Teil der Reliquien Adalberts. Im Jahr 1000 wurde Gnesen zum Erzbistum mit den Suffraganbistümern Posen, Breslau, Krakau und Kolberg erhoben. Das gute Einvernehmen Bolesławs I. mit dem Reich setzte sich unter Heinrich II. nicht fort. Obwohl dieser den Herzog beim Hoftag in Merseburg 1002 mit der Lausitz belehnt und als Vasallen („miles“) aufgenommen hatte, bezichtigte Boleslaw ihn, ein Mordkomplott gegen ihn geplant zu haben, und führte von da an Krieg gegen das Reich und Böhmen. Nach

dem Tod Heinrichs konnte Boleslaw sich endlich 1025 die Königskrone aufs Haupt setzen – vermutlich mit päpstlicher Zustimmung – und war damit ranggleich mit den Herrschern des Westens. Kurz nach der Krönung starb Bolesław I.; unter seinen Söhnen zerfiel das Polenreich mit dem Erzbistum Gnesen. Sogar die Königswürde wurde ihnen genommen. Dennoch erwies sich das, was Mieszko I. geschaffen hatte, als dauerhaft. Kasimir I. und seinem Nachfolger Bolesław II. gelang es, das Patrimonium der Piasten wiederherzustellen und erneut die Königswürde zu erlangen. Polens Könige wählten nun die Burg von Krakau zu ihrer Residenz, wodurch sich das politische Schwergewicht des Landes für mehr als 500 Jahre an die obere Weichsel verlagerte. Krakau war zu dieser Zeit auch der einzige Bischofssitz. Der Investiturstreit, der im Reich unter Heinrich IV. eskalierte, griff auch nach


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MÜNZEN AUS DEM „GOLDENEN ZEITALTER“ POLENS

Der Wawel von Krakau mit der Kathedrale. Foto: JN.

Polen über. Bolesław II. ließ Bischof Stanislaus von Krakau in Stücke hacken; in der Folge kam es zu einem Aufstand, der König verlor seine Krone und musste das Land verlassen. Stanislaus aber wurde der neue Nationalheilige Polens. Die Nachfolger Bolesławs II. setzten das Werk der Christianisierung fort, strebten aber nicht mehr nach der Königskrone. Im 11. und 12. Jh. war das Verhältnis der Piasten zum Reich dadurch geprägt, dass der Kaiser sich als deren Lehnsherr ansah und von ihnen Huldigung, Erscheinen auf Hoftagen, Heeresfolge und gelegentlich auch Tributzahlungen verlangte. Durch die von Bolesław II. eingerichtete sog. „Senioratsverfassung“, die eine Regelung der bis dahin ungeordneten Erbfolge beinhaltete, kam es innerhalb der polnischen Herrscherfamilie immer wieder zu Auseinandersetzungen, in die auch der Kaiser eingreifen musste. Um Ordnung zu garantieren, schloss man einen Vertrag, der besagte, dass jeweils der Älteste des Hauses, der „Senior“, Inhaber aller Herrschaftsrechte wie Verwaltung, Gericht, Münze und Heerführung sein sollte. Sein Herrschaftsgebiet sollte Krakowien, das südliche Großpolen und Pommern sein, während die übrigen Landesteile unter die anderen Piasten zu deren Versorgung, aber nicht als Landesherrschaften, aufgeteilt werden sollten.

Das Konstrukt funktionierte nicht: Mitte des 13. Jhs. zerfiel Polen in eine Reihe von selbständigen Teilherzogtümern wie Kleinpolen, Großpolen, Kujawien, Masowien, Glogau, Breslau, Liegnitz und Ratibor. Herzog Konrad von Masowien, der sich heftiger Einfälle der heidnischen Prußen auf seinem Gebiet nur schwer erwehren konnte, rief im Jahr 1224 den Großmeister des Deutschen Ordens, Hermann von Salza, zu Hilfe. Der Orden hatte nach seinem Rückzug aus Palästina zunächst die Aufgabe übernommen, die Ostgrenze Ungarns zu verteidigen und sich in Siebenbürgen niedergelassen. Da er aber dort erkennbar danach strebte, für seinen Orden ein neues Territorium zu schaffen, wurde er von König und Adel aus Ungarn vertrieben. Deshalb wollte Herrmann von Salza, dem diese neue Aufgabe sehr willkommen war, in Polen klare Rechtsverhältnisse schaffen und veranlasste Kaiser Friedrich II., durch die „Goldbulle von Rimini“ 1226 dem Orden das eroberte Land der Prußen zu übereignen. Konrad von Masowien übertrug 1230 mit dem Vertrag von Kruschwitz dem Deutschen Orden das Culmer Land und das Land der Prußen. Der Deutsche Orden sicherte das erworbene Gebiet sogleich durch Burgen und gründete Städte und Dörfer. 1309 wurde der Sitz des Hochmeisters von Venedig in die neu erbaute Marienburg verlegt.


MÜNZEN AUS DEM „GOLDENEN ZEITALTER“ POLENS

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Die Marienburg von der Nogat aus gesehen. Foto: Zespół Zamku Krzyżackiego MALBORK 01. Marienburg (Malbork) Wikipedia: CC BY-SA 3.0 PL.

Im „Mongolensturm“, der in der ersten Hälfte des 13. Jhs. Europa heimsuchte, erlitt Polen schwere Schäden. Im Frühjahr 1241 griffen die tatarischen Krieger aus dem Osten Ungarn an und durchzogen auch Polen. Zwar stellte sich die polnische Ritterschaft, darunter auch Heinrich II. von Breslau, ein Sohn der Heiligen Hedwig, den Eindringlingen tapfer entgegen, erlitt aber eine vernichtende Niederlage. Sandomir, Krakau und Breslau gingen in Flammen auf. Die polnische Monarchie im Spätmittelalter Die wirtschaftliche und politische Bedeutung Böhmens führte dazu, dass in der zweiten Hälfte des 13. Jhs. Kleinpolen und Schlesien immer mehr unter dessen Einfluss gerieten. Nachdem aber König Ottokar II. von Böhmen in der Schlacht auf dem Marchfeld dem römisch-deutschen König Rudolf I. von Habsburg unterlegen war, huldigte der polnische Herzog Heinrich IV. von Breslau sogleich dem Kaiser, erhielt die böhmische Grafschaft Glatz und brachte Krakau und den Wawel in seinen Besitz. Als mächtigster Piastenfürst konnte er sogar an die Gewinnung der Königswürde denken. Sein früher Tod im Jahr 1290 machte diese Hoffnungen zunichte. Auch König Wenzel II. von Böhmen erhob Anspruch auf das Erbe Heinrichs und wurde nach einigen Wirren 1300 in Gnesen zum

König gekrönt. Im selben Jahr wurde ihm Großpolen von König Albrecht I. von Habsburg zum Lehen gegeben. Der größte Teil Polens geriet so unter die böhmische Krone. Die Herrschaft Böhmens über Polen war jedoch nur von kurzer Dauer: Mit dem Tod Wenzels II. und der Ermordung seines Sohnes und Nachfolgers 1306 erlosch die Dynastie der Přzemysliden. In Polen erhob sich der Piast Władisław Łokietek und brachte es in einem langen und zähen Kampf gegen die Böhmen die deutsche Bürgerschaft von Krakau und einen Teil des Adels Groß- und Kleinpolens in seine Hand. 1320 wurde er mit päpstlicher Erlaubnis zum König gekrönt. Die neue Monarchie, die Władysław begründet hatte, blieb bis 1795 bestehen. Allerdings beherrschte sie bei weitem nicht mehr das alte Erbe der Piasten, sondern nur noch die Kernlandschaften Groß- und Kleinpolen; die vier oberschlesischen Herzogtümer und Masowien blieben böhmisch-luxemburgische Lehen. Nach dem Tod Władysław Łokieteks 1333 folgte ihm sein Sohn Kasimir III. auf den Thron. Ihm gelang es, zu einem Ausgleich mit Böhmen und dem Deutschen Orden zu kommen. Kasimir verzichtete auf große Teile Schlesiens, während König Johann von Böhmen gegen Zahlung von 20.000 Schock böhmischer Groschen (ein


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MÜNZEN AUS DEM „GOLDENEN ZEITALTER“ POLENS

Der Staat des Deutschen Ordens, 1260 bis 1410. Wikipedia: S. Bollmann; CC BY-SA 3.0.

Schock entsprach 60 Münzen) nicht mehr nach der polnischen Krone greifen würde. Mit dem Deutschen Orden, dem anderen gefährlichen Nachbarn, schloss Kasimir 1343 den Frieden von Kalisch und verzichtete auf das Culmer Land, während der Orden Kujawien und Dobrin wieder herausgeben musste. Im Inneren bahnte sich die für das europäische späte Mittelalter typische Entwicklung des „Ständestaates“ auch in Polen an. Der führende Stand war der Adel, vor allem der Kleinadel, der sich aus bäuerlichen Großgrundbesitzern rekrutierte und in Polen viel zahlreicher war als beispielsweise in Deutschland; er gewann immer mehr Mitspracherechte. Die Städte nahmen, von Kasimir gefördert, an wirtschaftlicher Bedeutung zu; vor allem Krakau und Lemberg blühten auf. Deren Bürger, die aus den ratsfähigen Geschlechtern stammten, waren vorwiegend Deutsche, die aus Schlesien zugewandert waren. In den Städten bildete sich allmählich auch eine Gelehrtenschicht heraus. Mit Zustimmung des Papstes

gründete Kasimir III. 1364 die Universität von Krakau. Kasimir III. ist der einzige König, dem die Polen den Beinamen „der Große“ gegeben haben – nicht, weil er Kriege geführt, sondern Frieden geschlossen hatte. Unionen mit Ungarn und Litauen – Beginn der Jagiellonischen Dynastie König Kasimir III. war kinderlos und bestimmte zu seinem Nachfolger den Sohn seiner Schwester Elisabeth, König Ludwig von Ungarn aus dem Hause Anjou-Neapel, zu seinem Nachfolger. Da der Adel beanspruchte, in Angelegenheiten der Krone mitzusprechen, musste sich Ludwig vor seiner Krönung in Krakau dessen Zustimmung mit einem Privileg erkaufen, das eine weitgehende Befreiung von Steuern und Verpflichtungen gegenüber dem Herrscher festlegte. Auch Ludwig starb ohne männliche Nachkommen; er bestimmte seine Tochter Maria zur Königin


MÜNZEN AUS DEM „GOLDENEN ZEITALTER“ POLENS

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Die Schlacht bei Tannenberg; Historiengemälde von Jan Matejko, Öl auf Leinwand, 1872–1878, Nationalmuseum Warschau.

von Polen, was aber vom polnischen Adel, der keine Personalunion mit Ungarn mehr wünschte, abgelehnt wurde. Es entstand ein Interregnum, in welchem der Adel die Rechte der Krone in die Hand nahm. Er forderte stattdessen Hedwig von Anjou, die zweite Tochter Ludwigs, zur Königin von Polen zu erheben. Hedwig, kaum dreizehn Jahre alt, wurde 1386 gekrönt und mit dem heidnischen Großfürsten Jagiello von Litauen verheiratet, der sich zuvor noch taufen lassen musste. Durch die Union mit Litauen konnte Polen sein Gebiet mit Masowien und Rotruthenien, deren Herzöge Jagiello den Lehnseid leisteten, vergrößern. Polen erhielt mit den Jagiellonen für über 200 Jahre eine neue Dynastie, deren Stellung aber viel schwächer war als die der Piasten, da sie sich nicht wie diese auf uralte Besitzrechte berufen konnte, sondern nur die Rechte besaß, die der Adel ihr zugestanden hatte. Krieg mit dem Deutschen Orden Seit dem Frieden von Kalisch herrschte zwischen dem Deutschen Orden und der polnischen Krone Frieden. Ein Vetter König Jagiellos, der Magnat Witold, geriet aber mit dem Orden in Streit, weil er einen Aufstand der Zemaiten im westlichen Litauen unterstützte, obwohl er deren Land 1398 an den Orden abgetreten hatte. Die Spannungen verschärften sich, und 1410 kam es zum Krieg. Jagiello und Witold verbündeten sich. Mit einer Streitmacht von circa 20.000 Mann trafen sie am 15. Juni 1410 unweit des Dorfes Tannenberg auf das Ordensheer unter dem Hochmeister Ulrich von Jungingen, der ein Heer von 15.000 Mann anführte. In einer der größten Schlachten des späten Mittelalters schlug das polnische Heer die Streitmacht des Ordens vernichtend. Neben

dem Hochmeister fielen 200 Ordensritter und 5.000 Söldner. Ganz Preußen fiel in die Hände der Sieger, die auch die Marienburg, allerdings vergeblich, belagerten. Der Erste Thorner Frieden von 1411 gab dem Orden zwar fast sein gesamtes Gebiet zurück; allerdings wurden ihm Reparationszahlungen in Höhe von 100.000 Schock böhmischer Groschen auferlegt. Durch das Eingreifen Kaiser Sigismunds kam es zu einem Zwischenspiel im Verhältnis zwischen Polen und Litauen: Im Jahr 1429 reiste Sigismund zu König Władysław Jagiello nach Łuck in Wolhynien, einer Landschaft in der Westukraine (von den Habsburgern „Lodomerien“ genannt). Noch nie war ein deutscher Kaiser so weit in den Osten Europas gekommen. Der Kaiser bot dem Großfürsten von Litauen die Königskrone an, gegen den heftigen Widerstand des polnischen Adels, an dessen Spitze Zbigniew Olésnicki stand, der Bischof von Krakau. Die Krone wurde in Deutschland angefertigt, aber der Bischof von Magdeburg, der sie überbringen sollte, konnte nicht nach Litauen einreisen, weil die Polen alle Wege sperrten. So starb Władysław Jagiello im Oktober 1430 ungekrönt. Das „Königliche Preußen“ Der Deutsche Orden versuchte die enormen Zahlungen, die er nach dem Thorner Frieden an Polen zu leisten hatte, durch eine hohe Besteuerung in Preußen einzutreiben. 1440 kam es zu einem Aufstand, in dem sich 19 Städte zum „Preußischen Bund“ zusammenschlossen und sich gegen den Orden erhoben. Weil Kaiser Friedrich III. befahl, den Bund aufzulösen, suchten die Preußen Hilfe beim polnischen König Kasimir IV. Dieser zeigte sich


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Der Wawel in Krakau – Königsschloss. Foto: JN.

dazu bereit, verlangte aber ein Korporationsprivileg: Preußen sollte unter Wahrung seiner Autonomie und der Privilegien des Adels zusammen mit seinen Städten der Krone Polens „inkorporiert“ werden. Ein polnisches Heer trat 1454 bei Konitz dem Orden entgegen und wurde von dessen meist aus Söldnern bestehenden Streitkräften vernichtend geschlagen. Danach stellten sich Königsberg und andere Städte wieder auf die Seite des Ordens. Das hatte zur Folge, dass das östliche Preußen auch nach Beendigung des Krieges unter der Herrschaft des Ordens blieb und die Geschichte Ostpreußens bis 1945 anders verlief als die Westpreußens. Doch Polen führte den Krieg noch dreizehn lange Jahre weiter; 1466 kapitulierte der Orden und wurde gezwungen, den Zweiten Thorner Frieden zu unterzeichnen: er verlor Danzig und das Ermland; König Kasimir IV. Jagiello zog im Triumph in die Marienburg ein. Von nun an musste der jeweilige Hochmeister dem König von Polen einen Treueid leisten, was er meist nur sehr zögerlich tat. Der Orden war jedoch gänzlich machtlos geworden. Westpreußen, jetzt das „Königliche Preußen“ genannt, wurde endgültig der Krone Polens einverleibt. Der Hochmeister des Deutschen Ordens, Albrecht von Brandenburg-Ansbach, hob angesichts mangelnden Nachwuchses den preußischen Zweig des Ordens auf und beschloss, dessen Gebiet in ein weltliches evangelisches Herzogtum zu verwandeln,

das er vom polnischen König im April 1525 zum Lehen nahm, da er nicht mit der Unterstützung des deutschen Kaisers rechnen konnte. Damit war Ostpreußen Teil der polnischen Monarchie geworden. Auch der livländische Orden löste sich 1561 unter Großmeister Walter von Plettenberg auf und kam in den Besitz des polnischen Königs, der die Erhaltung der lutherischen Lehre garantierte. Zu einem Ausgleich zwischen dem jagiellonischen König Sigismund I. von Polen und Habsburg kam es 1515 durch die geschickte Diplomatie Kaiser Maximilians I. Dieser sah die Kronen Ungarns und Böhmens als dem Haus Habsburg zustehendes Erbteil an. Um Sigismund unter Druck zu setzen, verbündete er sich mit dem Großfürsten von Moskau und ging dabei das erste deutsch-russische Bündnis der Geschichte ein. Außerdem wiegelte er den Hochmeister des Deutschen Ordens auf, den Zweiten Vertrag von Thorn nicht mehr anzuerkennen. Schließlich erreichte man bei einem Treffen in Wien einen Ausgleich: Sigismund verzichtete auf die böhmische und ungarische Krone; Maximilian versprach, Polen gegen Russland zu unterstützen, der Deutsche Orden unterwarf sich erneut dem Thorner Frieden. Damit waren die Interessensphären abgesteckt: Böhmen und Ungarn fielen in die habsburgische, Ostpreußen in die polnische Sphäre.


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Die Adelsrepublik Polen und das Wahlkönigtum Kasimir IV. Jagiello berief 1493 erstmals alle königlichen Räte und Senatoren sowie den gesamten Adel nach Petrikau an der Grenze von Klein- und Großpolen. Daraus entstand der polnische Reichstag – der Sejm –, der aus dem König, dem Senat und der Landbotenkammer, die die Machtansprüche des Kleinadels vertrat, bestand. Die Geistlichkeit und die Städte waren im Sejm nicht vertreten. Die Beschlüsse des Reichstages wurden vom König rechtsgültig zusammengefasst und anschließend verkündet. Bald wurde es zur Regel, dass der Reichstag etwa alle zwei Jahre zusammentrat. Um die Kompetenzen klar festzulegen, beschloss der Reichstag 1505, dass alle Angelegenheiten, die den Adel betrafen – und das waren die meisten – vom Reichstag zu behandeln seien. Damit wurde Polen zu einer Adelsrepublik (Rzeczpospolita Polska), deren König nur ein auf Lebenszeit gewähltes Oberhaupt war. Bei der Königswahl besaßen alle Adligen das gleiche Stimmrecht. Im Falle eines Interregnums hatte der jeweilige Erzbischof von Gnesen die Regentschaft zu übernehmen und die Neuwahl eines Königs durchführen zu lassen. Da es aber an einer klaren Wahlordnung fehlte, kam es bis ins 18. Jh. immer wieder zu Doppelwahlen. Wer dabei siegte, hing weitgehend von den finanziellen, diplomatischen oder militärischen Unterstützungen ab, die der jeweilige Kandidat aus Österreich, Frankreich, Schweden und später auch aus Russland erhielt. Mit dem Wahlkönigtum unterschied sich Polen endgültig von einem Staat im westlichen Sinne. Hier wurde die Auffassung vertreten, dass die Obrigkeit lediglich Friede und Recht zu garantieren habe. Die westliche Idee, dass der Staat seine Macht nach innen und außen vermehren müsse, setzte sich in Polen nicht durch. Dadurch mangelte es der polnischen Politik, im Gegensatz zu den Nachbarländern, an Dynamik und Effizienz, was sich im weiteren Verlauf der Geschichte als katastrophal herausstellen sollte. Das „Goldene Zeitalter“ Polens Unter den letzten beiden Jagiellonenkönigen Kasimir IV. und Sigismund III. begann das Ideengut der Renaissance und des Humanismus in Polen Fuß zu fassen. Im 16. Jh. erlebte diese Entwicklung eine solche Blüte, dass schon die Zeitgenossen begeistert von einem „Goldenen Zeitalter“ schwärmten, wenn sie an die Errungenschaften im literarisch-künstlerischen Bereich dachten. In keiner anderen Epoche der polnischen Geschichte lässt sich ein vergleichbarer Aufschwung aller kulturellen Kräfte des Landes nachweisen, sowohl auf dem Gebiet der Kunst und Kultur wie auch des geistigen Lebens, zu dessen Zentrum sich die Hauptstadt Krakau entwickelte. An der Universität

Krakau, Marktplatz mit Campanile. Foto: JN.

von Krakau waren neben polnischen Gelehrten vor allem Deutsche, Italiener und Franzosen tätig. Der aus Thorn stammende Nicolaus Copernicus hatte in Krakau studiert. 1518 heiratete König Sigismund I. die Mailänder Prinzessin Bona Sforza, Tochter des Gian Galeazzo Sforza und Enkelin des Königs von Aragon. Durch diese Ehe kam es zum Höhepunkt des schon seit einiger Zeit nachweisbaren italienischen Einflusses in Polen: Mit den italienischen Höflingen, Künstlern und Architekten im Gefolge der Prinzessin zog der Renaissance-Stil am Hof in Krakau ein. Für lange Jahre sollte das italienische Vorbild eine der Hauptkomponenten der polnischen Kultur werden. Architektur, Kunst, Literatur, höfische Etikette, ja sogar die Küche wurden weitgehend nach den südlich der Alpen praktizierten Mustern ausgerichtet. Noch heute ist jeder Besucher Krakaus von dem unerwarteten „italienischen Flair“ dieser Stadt überwältigt und begeistert. Die deutsche Bürgerschaft von Krakau betrieb in dieser Zeit einen lebhaften und weitreichenden Handel und seit 1473 auch Druckereien. Polnischsprachige Bücher wurden seit etwa 1530 gedruckt, nachdem sich das Polnische im 15. Jh. zur Schriftsprache entwickelt hatte. Für den polnischen Adel war das 16. Jh. wirklich „golden“, weil er dazu überging, in großem Maße Getreide für den Export über Danzig zu produzieren, was seinen Wohlstand beträchtlich hob. Um genügend


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Arbeitskräfte zu haben, banden die Grundherren die Bauern immer mehr an die Scholle. Eine zunehmende Entrechtung von Bürgern und Bauern während des 16. Jhs. führte seit dem 17. Jh. allerdings zu einem schleichenden Niedergang der Wirtschaft des Landes. Drei große Könige – Stephan Báthory, Sigismund III. Wasa und Johann Sobieski Mit dem Tod Sigismunds II. 1572 erlosch die Dynastie der Jagiellonen und der Adel Polens stand vor der Frage, wen man zum künftigen König wählen sollte. Im April 1573 kamen auf dem Wahlfeld in Kamion in der Nähe von Warschau 40.000 Edelleute zur Königswahl zusammen. Sie hatten die Auswahl zwischen fünf Bewerbern: zwei schwedischen Wasa, Iwan IV. dem Schrecklichen aus Russland, Heinrich von Valois aus Frankreich und einem Habsburger. Das Los fiel auf Heinrich von Valois, der aber nach dem Tod seines älteren Bruders 1574 aus Polen floh, um sich in Paris als Heinrich III. von Frankreich krönen zu lassen. Polen hatte wieder ein Interregnum, worauf sich weitere Thronbewerber meldeten, unter ihnen sogar der habsburgische Kaiser Maximilian II. Die Senatoren erklärten den Kaiser für gewählt, aber der Adel wollte Fürst Stephan Báthory Somlyó von Siebenbürgen zum König machen. Dieser eilte sofort nach Polen und vermählte sich mit der fast fünfzigjährigen Anna Jagiellonica, der Schwester Sigismunds II. Da Kaiser Maximilian II. im Dezember 1576 starb, löste sich das Problem der Doppelwahl in diesem Fall von selbst.

Künker-Auktion 445, Los 1. Stephan Báthory, 1576-1586. Reichstaler 1586 NB, Nagybánya. Schätzung: 2.000 Euro.

Stephan Báthory sollte sich als einer der fähigsten Herrscher Polens erweisen. Außenpolitisch konnte er 1579 in einem Krieg mit Zar Iwan IV. um Livland die Russen zurückdrängen und sogar in Russland einmarschieren. Der bedrängte Zar, der auch von den Schweden geschlagen worden war, bat Papst Gregor XIII. um Vermittlung, die dieser gerne übernahm, weil er auf eine Union der russischen und der römischen Kirche hoffte. Der von ihm entsandte Legat brachte 1582 einen Waffenstillstand zustande, in dem Russland auf Livland verzichtete. Innenpolitisch etablierte der König, der im Gegensatz zu seinem Vorgänger dem Protestantismus kritisch gegenüberstand, die Jesuiten in Polen, die von ihrer Akademie in Wilna aus eine eifrige Tätigkeit entwickelten. Die Gegenreformation gewann rasch an Boden, weil ein Adelsgeschlecht nach dem anderen in die alte Kirche zurückkehrte. Rein evangelisch blieben nur Livland, Kurland und Preußen sowie die Städte Riga, Danzig und Thorn. Danzig, die größte und reichste unter den preußischen Städten, weigerte sich hartnäckig, den von den anderen Städten geleisteten Eid von Thorn anzuerkennen. In dem 1576/77 geführten „Danziger Krieg“ belagerte Stephan Báthory von Juni bis September 1577 die stark befestigte Stadt, die von Dänemark auf dem Seeweg unterstützt wurde. Er konnte Danzig jedoch nicht einnehmen und schloss am 16. Dezember 1577 einen Friedensvertrag, der für die alte Handelsstadt glimpflich ausfiel: Der Rat von Danzig hatte dem König Abbitte zu leisten und 200.000 Złoty zu bezahlen, erhielt dafür aber eine Bestätigung aller seiner Privilegien. In unserer Auktion können wir eine der sehr seltenen Belagerungsmünzen von Danzig anbieten. Statt des königlichen Brustbildes trägt sie das Brustbild Christi, das Wappen der Stadt und die Devise „Defende nos, Christe Salvator“/Verteidige uns, Christus, unser Heiland! Nach dem Friedensschluss mit dem polnischen König musste der gedemütigte Senat von Danzig diese Prägungen verrufen lassen. Stephan Báthory starb 1586 erst 53jährig an einem Schlaganfall. Er erhielt in der Wawel-Kathedrale in Krakau ein prächtiges Grabmal. Die in unserer Auktion angebotene Münze des Königs, ein Reichstaler, gehört zu den seltenen Stücken, die in der ungarischen Münzstätte Nagybánya geprägt wurden und daher als Münzzeichen die Buchstaben NB tragen. Felix von Herberstein, der zur damaligen Zeit die Münzstätte leitete, prägte sonst nur kaiserlich-ungarisches Geld. Zwischen 1585 und 1586 erhielt er den Auftrag, für den

Künker-Auktion 445, Los 34. Stadt Danzig. Reichstaler 1577, geprägt während der Belagerung der Stadt zur Zeit des Bürgeraufstands 1577. Schätzung: 1.000 Euro.


MÜNZEN AUS DEM „GOLDENEN ZEITALTER“ POLENS

Künker-Auktion 445, Los 2. Sigismund III., 1587-1632. Reichstaler 1623 II-VE, Bromberg. Schätzung: 3.500 Euro.

König von Polen eine bestimmte Summe an Gold und Silber auszumünzen. Dieses Geld wurde offenbar für die Verwendung in Siebenbürgen, der Heimat Stephan Báthorys, geprägt. Die hier abgebildete Münze zeigt auf der Vorderseite ein gekröntes Hüftbild des Königs mit geschultertem Zepter, seine linke Hand liegt auf dem Schwertgriff. Die Rückseite ziert das Wappen des Königreiches Polen/Litauen mit den beiden Adlern und den zwei Litauischen Reitern im Feld; der Herzschild in der Mitte zeigt das Familienwappen der Báthorys. Zu den herausragenden Gestalten des Goldenen Zeitalters Polens gehört auch König Sigismund III. Wasa. Schon seine Zugehörigkeit zur polnischen wie zur schwedischen Königsfamilie bildete einen Ausnahmefall: Er wurde als Sohn von König Johann III. von Schweden und Katharina Jagiellonica, der Schwester des polnischen Königs Sigismund II., geboren. Damit gehörte er sowohl zum Geschlecht der Wasa als auch zu dem der Jagiellonen. Nach dem Tod Stephan Báthorys wurde der junge Prinz mit Hilfe des einflussreichen polnischen Kanzlers Jan Zamoyski und viel Geld seiner Tante Anna vom polnischen Adel am 19. August 1587 zum neuen König Sigismund III. gewählt. Der Vertrag von Kalmar, den er zwei Wochen später unterzeichnete, regelte die Verhältnisse der zukünftigen Doppelmonarchie Polen–Schweden: beide Königreiche sollten auf unbegrenzte Zeit vereinigt werden, aber ihre Autonomie behalten. Schweden sollte während Sigismunds Abwesenheit von seinem Onkel Herzog Karl und einem Kronrat verwaltet werden. Die politischen Ziele Sigismunds waren vorausschauend und gut durchdacht. Er wünschte eine enge Verbindung Polens mit dem Habsburgerreich, um so gemeinsam die heraufziehende Türkengefahr zu bannen. Deshalb heiratete er 1592 Anna von Österreich; nach deren Tod 1605 ihre Schwester Constanze. Mit seinen Vorstellungen konnte er sich aber beim polnischen Adel und Kanzler Zamoyski nicht durchsetzen. Die polnischen Magnaten

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verstanden ihn, einen kunstliebenden und eher freigeistigen Menschen, nicht und hielten ihn sogar für „vom Teufel besessen“. Ähnlich unglücklich verlief auch seine Herrschaft in Schweden nach dem Tod Johanns III. Zwar wurde er 1594 in Uppsala gekrönt, verlor aber die schwedische Krone in einem Krieg gegen seinen Onkel Karl, der sich für den rechtmäßigen Erben hielt. Der schwedische Reichstag setzte Sigismund 1599 ab, und sein Onkel bestieg als König Karl IX. den schwedischen Thron. Sigismund Wasa gab jedoch seine Ansprüche auf Schweden niemals auf und verwickelte dadurch Polen in mehrere Kriege mit Schweden. Er starb 1632 mit 66 Jahren und wurde in der „Wasa–Kapelle“ unter der Wawel-Kathedrale in Krakau beigesetzt. Den Gesamteindruck, den Polens Geschichte im 17. Jh. hinterlässt, kann man nur mit den Worten Chaos und Tragödie beschreiben. Als Glücksfall erwies sich daher die Wahl des Krongroßhetmans Johann Sobieski, eines Kosakenobersten, zum König von Polen im Jahr 1674. Sobieski, der schon zahlreiche Kämpfe gegen die Türken ausgefochten hatte, schloss im März 1683 eine Allianz mit Kaiser Leopold. Wenn die Türken Krakau oder Wien bedrohten, sollte jeder dem anderen mit seiner gesamten Macht zu Hilfe kommen. Wenig später trat der Bündnisfall ein, als im Juli 1683 der türkische Großwesir Kara Mustafa vor Wien zog und die Stadt belagerte. König Johann Sobieski rückte mit einem polnischen, Herzog Karl von Lothringen mit einem deutschen Entsatzheer heran. Unter dem Oberbefehl des polnischen Königs schlugen die Alliierten am 12. September 1683 die Türken und befreiten Wien. Besonders tapfer hatten die polnischen „Flügelreiter“ gekämpft. Der Ruhm des „Helden Sobieski“ hallte durch das ganze Reich. Mit Kaiser Leopold, dem Papst und der Republik Venedig schloss Sobieski 1684 die „Heilige Liga“ zum Kampf gegen die Türken, deren kaiserliches Heer Ungarn zurückeroberte.

Flügelreiter im Museum Czartoryski in Krakau. Foto: JN.


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Künker-Auktion 445, Los 79. Friedrich August I. (August der Starke) als König August II. von Polen, 1697-1733.

verlangten dem Land große Opfer ab. Damit einher ging eine fortschreitende Lahmlegung des Staatswesens, durch die sich die Nachbarmächte eine wachsende Mitsprache und bald ein unverhülltes Protektorat über Polen sicherten. Die traditionsbewussten und äußerst konservativen polnischen Magnaten beruhigten sich während der Herrschaft der Wettiner mit der Vorstellung, dass Polen vor allem durch seine Unregierbarkeit bestehen bleibe und seine Wehr- und Waffenlosigkeit schon keinen Nachbarn zum Angriff reizen werde. Finis regni Poloniae

Reichstaler 1721, Dresden. Schätzung: 1.500 Euro.

Künker-Auktion 445, Los 32. Talar 1793. Konföderationstaler, auf die Targowitzer Konföderation des polnischen Adels. Schätzung: 1.500 Euro.

Die „Sächsische Zeit“ Nach dem Tod Johann Sobieskis 1696 schloss man seine Söhne unter Berufung auf ein altes Dekret, nach dem die Söhne und Enkel eines Monarchen nicht sofort, sondern frühestens nach zwei weiteren Regierungen im Amt nachfolgen könnten, von der Wahl aus. Zehn Kandidaten, darunter vier deutsche Reichsfürsten, meldeten nun ihr Interesse für die Nachfolge an. Auf dem mit 100.000 Wählern beschickten Elektionsreichstag konnte der Kandidat Frankreichs, Prinz Louis Conti, vier Fünftel der Stimmen auf sich vereinen. Am Tag darauf gelang es jedoch dem gerade zum Katholizismus konvertierten Wettiner Kurfürsten Friedrich August I. von Sachsen – genannt „August der Starke“ – durch reichliche Geldgeschenke an den Adel seine Wahl durchzusetzen. Sein sofortiges Erscheinen in Krakau und die am 15. November vollzogene Krönung schafften schnell Fakten, so dass Conti sich zurückzog. Die bis 1763 dauernde „Sachsenzeit“ gilt als eines der dunkelsten Kapitel der polnischen Geschichte, weil die polnische Adelsrepublik in politische Konflikte hineingezogen wurde, die außerhalb ihres nationalen Interesses lagen. Der Große Nordische Krieg von 1700–1721 und der Siebenjährige Krieg von 1757–1763

Als der letzte sächsisch-polnische König August III. 1763 gestorben war, einigten sich Russland und Preußen darauf, keinen Österreicher oder einen von Frankreich unterstützten Prätendenten mehr zuzulassen. Unter militärischem Druck der Russen erhob die Wahlversammlung 1764 Stanislaus II. August Poniatowski zum neuen König von Polen. Er stammte aus einer alten polnischen Adelsfamilie und war als Gesandter an den Hof der Zarin Katharina II. gekommen, wo er bald deren Liebhaber wurde. Poniatowski war ein Mann von angenehmem Äußeren, ganz im Sinne des Rokokos dem Wohlleben ergeben, aber auch der Aufklärung und ihren neuen Ideen gegenüber aufgeschlossen. Zusammen mit den führenden geistigen Köpfen Polens war er einig, dass das Land reformiert werden müsse, allerdings ganz im Interesse Russlands. 1768 wurde vom Reichstag das „Toleranztraktat“ angenommen, ein Vertrag zwischen Russland und der polnischen Nation, das eine weitgehende politische Einmischung des mächtigen Nachbarn garantierte. Dagegen erhob sich eine Opposition, die Konföderation von Bar, deren Mitglieder die Vorrangstellung der Katholischen Kirche verteidigten und sich gegen jede russische Einmischung wehrten. Gleichzeitig brachen Bauernund Kosakenaufstände aus, die ein militärisches Eingreifen Russlands herausforderten, um den König zu schützen. Im August 1772 fanden russischpreußisch-österreichische Verhandlungen statt. Alle drei Großmächte hatten eigene Interessen, wobei es vor allem darum ging, die zwischen ihnen herrschenden Spannungen abzubauen. Als Vorwand diente das Argument, die als unhaltbar angesehenen Verhältnisse in Polen ordnen zu müssen. In dem Vertrag erhielt Preußen das Ermland und Westpreußen (ohne Danzig und Thorn), Österreich das südliche Kleinpolen und Rotruthenien, Russland Gebiete an der Düna und am Dnjepr. Die Teilung versetzte Polen einen Schock und verstärkte den Wunsch nach Reformen. Das Land erhielt 1791 mit Zustimmung des Königs eine Verfassung und wurde die erste konstitutionelle Monarchie Europas. Zarin Katharina II. wollte aber die „französische


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Karte mit der Darstellung der drei Teilungen Polens 1772, 1793 und 1795. Wikipedia: CC BY-SA 3.0.

Pest“ (gemeint waren die Ideen der französischen Revolution) an der Weichsel nicht hinnehmen und ermutigte 1793 die aus reaktionären Magnaten bestehende Konföderation von Targowitz, gegen die Verfassung vorzugehen. Es kam zu einem blutigen Bürgerkrieg, in dem die Zarin die Aufständischen mit 100.000 russischen Soldaten unterstützte. Zwar versuchte König Stanislaus, durch seinen Beitritt zur Konföderation weiteres Blutvergießen zu vermeiden, konnte aber nichts mehr ausrichten. Im Januar 1793 kam es zur zweiten Teilung Polens. In dem kaum mehr lebensfähigen Reststaat wüteten weitere Aufstände von polnischen Nationalisten, die niedergeschlagen wurden und schließlich 1795 in der dritten Teilung Polens endeten. Die polnisch-litauische Adelsrepublik verschwand von der politischen Landkarte Europas. Stanislaus II. August Poniatowski wurde 1796 zur Abdankung gezwungen und von der Zarin nach St. Petersburg zurückgerufen. Er starb dort am 12. Februar 1798. Sein Leichnam wurde 1938 überführt und 1995 in der Kapelle des Königlichen Schlosses in Warschau feierlich erneut beigesetzt. Katharina II. (ganz links) teilt mit Joseph II. und Friedrich II. (ganz rechts, mit dem Degen in der Hand) sich Polen wie einen Kuchen auf, während der polnische König Stanislaus II. August versucht, seine Krone festzuhalten (Karikatur „Le gâteau des rois“ von Jean-Michel Moreau, 1773).


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ERNST LUDWIG VON HESSEN-DARMSTADT

Das steht nicht im Jaeger Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt Die Münzen des deutschen Kaiserreichs zeigen auf der einen Seite den Reichsadler, auf der anderen das Porträt des Herrschers eines Teilstaates. Aber wer waren diese Männer? Und wie viel Macht hatten sie überhaupt unter Bismarck und dem Kaiser? Wir sehen uns das am Beispiel von Großherzog Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt an. Von Ursula Kampmann

bis heute über ihn keine wissenschaftlich-kritische Biographie. Was wir sagen können, ist, dass Ernst Ludwig seine Memoiren im Winter vor seinem Tod 1937 verfasste. Er tat dies auf Wunsch seines Sohnes. Für die Öffentlichkeit waren die Memoiren nie gedacht! Deshalb nahm der Fürst kein Blatt vor den Mund und schilderte sein Leben mit einer lebendigen Offenheit, die uns diese scheinbar so weit zurückliegende Zeit ganz nahebringt. Das reiche Hessen-Darmstadt

2,5:1

Hessen-Darmstadt. Ernst Ludwig. 5 Mark 1895. J. 73.

Ernst Ludwig gehörte dem Haus Hessen an und war damit ein Abkömmling eines der ältesten Adelsgeschlechter Deutschlands, das eine Heilige und einen römisch-deutschen (Gegen-)König hervorgebracht hatte. Damit waren die Mitglieder dieses Adelshauses gleichrangig mit den führenden Dynastien Europas, und weil das Haus Hessen zahlreiche Töchter und Söhne hatte, war Ernst Ludwig mit vielen großen Dynastien verwandt. Er war ein Enkel von Queen Victoria, der Schwager des russischen Zaren und der Schwager von Prinz Heinrich, dem Bruder von Kaiser Wilhelm II. Er hat uns eine Art inoffizieller Memoiren hinterlassen, die uns einen intimen Blick verschaffen auf die Großen seiner Zeit. Welchen Wahrheitsgehalt seine Erinnerungen haben? Wir wissen es nicht. Es gibt

Aber beginnen wir unseren Artikel mit ein paar grundlegenden Informationen zum Großherzogtum Hessen-Darmstadt, das am 1. Januar 1871 dem neu gegründeten Deutschen Reich beitrat. Mit einer Fläche von 7.688 km2 war es der flächenmäßig größte der mittleren und kleineren Gliedstaaten. Trotzdem war es Großherzog Ludwig III. nicht gelungen, Reservatrechte für Hessen-Darmstadt auszuhandeln, wie es Bayern, Württemberg oder Sachsen getan hatten. Vielleicht hatte er es nicht einmal versucht. Immerhin war sein Bruder mit einer preußischen Prinzessin verheiratet; und dass Hessen-Darmstadt überhaupt noch existierte und nicht wie die anderen hessischen Gebiete von Preußen annektiert worden war, verdankte der Großherzog der Intervention des russischen Zaren, seines Schwagers. Dieser drohte Bismarck, bei einer Annexion HessenDarmstadts in Ostpreußen einzumarschieren. Dazu hielt Preußen das Land im Würgegriff: HessenDarmstadts Gebiete wurden durch einen gerade mal 500 Meter breiten Korridor von Preußens Gnaden zusammengehalten. Dieses Nadelöhr verhinderte die Entwicklung des vorwiegend landwirtschaftlichen Nordens. Der Süden dagegen boomte. Hier befanden sich die industriellen Zentren des Landes. Offenbach zum Beispiel verdreifachte während der Kaiserzeit seine Bevölkerung. Es verfügte über eine profitable Maschinen- und Lederindustrie. Rüsselsheim wurde als


ERNST LUDWIG VON HESSEN-DARMSTADT

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Der Erbe des Großherzogtums Hessen-Darmstadt Am 25. November 1868 wurde Ernst Ludwig Karl Albrecht Wilhelm von Hessen und bei Rhein als ältester Sohn und Erbe Ludwigs IV. geboren, der zukünftige Großherzog von HessenDarmstadt. Auch wenn zu diesem Zeitpunkt offiziell und im Münzbild noch Großonkel Ludwig III. herrschte, hatte hinter den Kulissen bereits Ludwig IV. die Fäden in der Hand. Wegen seiner (morganatischen) Ehe mit einer Balletttänzerin hatte sich Onkel Louis, wie er im Familienkreis hieß, bereits nach Schloss Seeheim zurückgezogen, wo er sonntags die Familie zum Mittagessen um sich versammelte.

Die großherzogliche Familie im Mai 1875 – im Uhrzeigersinn von links: Elisabeth, Großherzog Ludwig IV. mit Marie, Alice, Victoria, Irene, in der Mitte Ernst Ludwig und über ihm Alix. Fotographie aus dem Jahr 1875. Royal Collection RCIN 2902858.

die Heimat von Opel zu einem Zentrum der deutschen Automobilindustrie. Und vergessen wir nicht das Darmstädter Unternehmen Merck. Es entwickelte sich zum ersten global operierenden pharmazeutischchemischen Unternehmen. Um 1900 vertrieb Merck über Niederlassungen in London, New York, Moskau, Paris, Budapest und Stockholm rund 10.000 verschiedene Artikel. Die reichen Einnahmen solcher erfolgreichen Unternehmen kamen der hessischen Staatskasse zugute; denn der größte Teil der direkten Steuern wie Einkommens-, Vermögens- und Erbschaftssteuern gingen an die Einzelstaaten. Auch wenn HessenDarmstadt regelmäßig eine Art Kopfgeld als Matrikular-Abgabe an das Kaiserreich zahlen musste, hatte der Großherzog von Hessen-Darmstadt einen beeindruckenden finanziellen Spielraum.


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ERNST LUDWIG VON HESSEN-DARMSTADT

1,5:1

Hessen-Darmstadt. Ludwig III. 2 Mark 1876. J. 66. Aus der Sammlung eines Physikers. NGC PF63. Äußerst selten in dieser Erhaltung. Herrliche Patina, winzige Kratzer, polierte Platte. Schätzung: 12.500 Euro. Aus Künker-Auktion 446 (23.September 2026), Los 2859.

1,5:1

Hessen-Darmstadt. Ludwig IV. 2 Mark 1888. J. 68. Aus der Sammlung eines Physikers. NGC MS65. Sehr selten in dieser Erhaltung. Kabinettstück. Feine Patina, fast Stempelglanz. Schätzung: 5.000 Euro.

Die Besuche bei der Großmutter mütterlicherseits – Queen Victoria von Großbritannien – will Ernst Ludwig dagegen immer genossen haben. Er erzählte unter anderem von ihr, dass sie ihm das Nägelkauen abgewöhnte: „Als Bub biss ich meine Nägel ab, da versprach sie mir eine kleine goldene Medaille, wenn ich es ließe. Die ganze Zeit, wo ich bei ihr war, besah sie sich meine Hände beinahe jeden Tag. Zuletzt bekam ich die Medaille.“ Leider ist das der einzige Hinweis darauf, dass Ernst Ludwig die Numismatik schätzte. Wir wissen, dass er als Jugendlicher Briefmarken sammelte, aber eine Münzsammlung wird in seinen Memoiren nicht erwähnt. Das englische Erbe: Hämophilie Ernst Ludwig war über seine Mutter Alice mit Queen Victoria verwandt. Welches Glück er schon bei seiner Geburt gehabt hatte, sollte er nie erfahren. Auch wenn man über den Fluch der Enkel Victorias raunte, wusste damals niemand, dass die Queen Trägerin einer Hämophilie-B-Mutation war. Söhne einer Mutter mit diesem Gen haben eine Chance von 1:1, an Hämophilie zu erkranken. Töchter sind mit 50%iger Wahrscheinlichkeit Trägerin des Gens. Alice war Trägerin des Gens, so dass es ein pures Glück war, dass Ernst Ludwig nicht wie sein Bruder Fritz zum Bluter wurde. Seine Schwestern Irene, die Prinz Heinrich von Preußen heiraten sollte, und Alix, Gemahlin von Zar Nikolaus II., waren Trägerin des Gens und übertrugen es auf ihre Söhne.

Aus Künker-Auktion 446 (23.September 2026), Los 2861.

Ernst Ludwig sollte sich an diese Besuche so erinnern: „Ludwig III., Onkel Louis, war der älteste Bruder meines Großvaters. Ein Riese von 2 m 7, breit und dick und mit runden Backen, und wenn man Sonntags zum Familiendinner als Kinder nachkam, waren wir schön angezogen, immer ängstlich, da Kinder ihm eigentlich unangenehm waren, denn er wusste nicht, was er mit ihnen anfangen sollte. Ich erinnere mich sehr gut, wenn er seine Backen aufblies und eine Grimasse schnitt, dabei auf uns herabsehend sagte: „Kleine Lämmerche, kleine Lämmerche!“ Ganz geheuer waren wir ihm nicht und das nicht mit Unrecht, denn einst hörte man nebenan in seinem Schreibzimmer ein Klirren. Als man hineinlief, soll ich mit Geschwindigkeit seinen ganzen Schreibtisch auf den Boden befördert haben. Ich war ungefähr vier Jahre alt.“

Männer, die an Hämophilie leiden, haben ein Problem mit der Blutgerinnung. Selbst kleinste Verletzungen können zum Tode führen, weil sie sich nicht stillen lassen und der Verletzte ausblutet. Da erst zu Beginn des Ersten Weltkriegs die Blutkonserve erfunden wurde, war das einzige Mittel, um das Ausbluten zu verhindern, der Schutz des Kindes vor jeder Verletzung. Was das für das Leben eines Jungen bedeutete, müssen wir wohl nicht näher ausführen. Kindheit im 19. Jahrhundert Ludwig IV. und Alice hatten sieben Kinder, von denen zwei bereits früh verstarben. Zwei von sieben? Das war im 19. Jahrhundert ein guter Schnitt. Um 1870 vollendete rund ein Viertel aller Neugeborenen das erste Lebensjahr nicht, und jedes zweite Kind starb, bevor es das Erwachsenenalter erreicht hatte. Bei einem höheren sozialen Status stieg die Quote der Überlebenden. Verhindern ließen sich Unglücksfälle dennoch nicht. Und so sah der 5-jährige Ernst Ludwig zu, wie sein kleiner Bruder in den Tod stürzte:


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Der Vater Ludwig IV.

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Hessen-Darmstadt. Ludwig IV. 10 Mark 1880. J. 219. Selten in dieser Erhaltung. Gutes vorzüglich. Schätzung: 1.000 Euro. Aus Künker-Auktion 446 (23.September 2026), Los 3108.

„Meine Mutter lag noch am Morgen zu Bett, ich und mein Bruder spielten neben ihr. … Ich lief in das Wohnzimmer, um von dessen Fenster aus meinen Bruder zu sehen. Meine Mutter sprang aus dem Bett, um mich vom Fenster zurückzuziehen. Während der Zeit stieg mein kleiner Bruder auf einen Stuhl, um hinüber zu sehen und ehe meine Mutter zurück konnte, kippte der Stuhl nach vorne und er stürzte herunter an den steinernen Treppenabsatz. Er lebte noch bis zum Abend.“ Seine kleine Lieblingsschwester verlor Ernst Ludwig, als er 10 Jahre alt war. Sie starb an Diphtherie. Diese bakterielle Infektion befällt die oberen Atemwege. Vor der Erfindung der Antibiotika erzeugte die körpereigene Abwehr im Hals einen weiß-gelblichen Belag, der sich so stark verdichtete, dass er den Erkrankten buchstäblich erstickte. Die Krankheit hatte daher ihren Spitznamen: „Würgeengel der Kinder“. Dieses Ersticken konnte man nur verhindern, indem man rund um die Uhr den Belag immer wieder entfernte. Die Gefahr der Ansteckung für die Pflegenden war dabei enorm hoch, wie Ernst Ludwig berichtet: „Da kam die Diphteritis. Außer Ella waren wir alle krank. Victoria begann, dann Irene, kaum schienen sie etwas besser, da kam ich daran und war lange am Tode, dann mein Vater, der auch sehr schwer krank war, und dazwischen starb meine jüngste Lieblingsschwester May und durfte es Mama mir nicht sagen. Immer in klaren Augenblicken fragte ich nach ihr, und immer wieder sagt sie mir: „Sie ist jetzt ganz wohl und glücklich.“. Sobald wir alle bewegungsfähig waren, kamen wir ins Schloss, damit das Neue Palais desinfiziert werden konnte. Noch bei unserem Übersiedeln fiel die Krankheit meine Mutter an. Sie hatte ihre Pflicht vollbracht und keine Kraft mehr zum Kämpfen.“ So starb am 14. Dezember des Jahres 1878 die Mutter von Ernst Ludwig, die immer ernste Alice, die so wagemutig geritten war und so einfühlsam Klavier spielen konnte.

Damit lag die Erziehung der Kinder ganz in den Händen der Gouvernanten, der Lehrer und des Vaters, Großherzog Ludwig IV., für den Ernst Ludwig tiefste Verehrung empfand: „Mein Vater war die Güte selbst. Ich habe noch nie einen Menschen gesehen, von dem die Güte so ausstrahlte wie bei ihm. Seine Soldaten vergötterten ihn, und sein Volk liebte ihn, und alle Männer, die mit ihm zu tun hatten, waren ihm mit Leib und Seele ergeben.“ Zumindest eine problematische Eigenschaft scheint der perfekte Ludwig IV. doch gehabt zu haben: „Manchmal, um niemanden weh zu tun, konnte er sich zu keinem Entschluss aufraffen, was leider auch ein Fehler in unserer hessischen Familie ist, dass wir gerne einer unangenehmen Besprechung aus dem Wege gehen, hauptsächlich um des lieben Friedens willen.“ Ernst Ludwig behauptete, dass es das Verhalten seines Vaters gewesen sei, das ihn vor dem gefürchteten „Prinzendünkel“ bewahrte: „Er war von einer großen Bescheidenheit, sodass es durch ihn kam, dass wir alle den sogenannten Prinzendünkel nicht hatten, weil jeder Mensch uns gleich war. Dadurch kam es auch, dass man der Menschheit gegenüber bescheiden war und oft nicht so fest auftrat, wie es nötig war. Auf diese Weise kam es auch, dass man mich später oft den „roten Großherzog“ nannte, weil ich jedem gegenüber versuchte, gerecht zu werden, einerlei was er war, oder was er für eine politische Anschauung hatte.“ Man sollte diese Aussage relativieren. Dass Ernst Ludwig und sein Vater sich bürgernah gaben, war ein Zeichen der Zeit. Allen steckte noch die Revolution von 1848 in den Knochen. Sie hatte den Herrscherhäusern gezeigt, wie wichtig es war, ein Band mit dem Bürgertum zu knüpfen. Das Resultat waren sorgsam orchestrierte Aktionen der Mildtätigkeit, an denen sich die ganze Herrscherfamilie beteiligte. (Wenn auch Sie jedes Weihnachten den Film „Der kleine Lord“ sehen, kennen Sie die praktischen Aspekte: Man bringt den Kranken und Alten Essen und Blumen, pflegt sie, bringt Invalide und Schwache auf dem eigenen Reittier nach Hause und lädt zum gemeinsamen Festessen ein.) Um das zu verinnerlichen, wurden schon die Kleinsten in die Krankenhäuser abkommandiert: „Jeden Samstagmorgen mussten wir mit viel Blumen zu ihrem Hospital in der Mauerstraße ziehen und die Blumen, erst in Vasen gesteckt, zu den verschiedenen Kranken bringen. So verlernten wir die Scheu, welche Kinder so leicht vor Kranken haben … Alter gab es nicht, schon die Kleinsten von uns mussten mit.“ Diese stark ritualisierte Form des Bürgerkontakts absolvierte Ernst Ludwig Zeit seines Lebens, auch an der Front


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wo derselbe hinwollte, setzte ihn ab und fuhr weiter nach Hause.“ Der Bürgernähe des Herrscherhauses stand die öffentliche Aufmerksamkeit gegenüber. So erzählt Ernst Ludwig, dass sein verwitweter Vater von den Frauen geradezu gestalkt wurde: „Die Frauen liefen ihm nur so nach. In Darmstadt belagerten sie oft das Haus. Wie oft haben wir schon als Kinder aus dem Fenster beobachten müssen, ob der Weg frei war, damit mein Vater unbelästigt in die Stadt gehen konnte.“ Eine Affäre mit numismatischem Side-Kick

Großherzog Ludwig IV. von Hessen und Ernst Ludwig im schottischen Balmoral, wo Queen Victoria gerne ihre Sommerfrische verbrachte. Fotographie aus dem Jahr 1879.

während des Ersten Weltkriegs: „Ich ging auch in alle Lazarette, um, wenn möglich, moralisch mitzuhelfen. Die Freude der Leute, wenn sie mich erkannten, war oft rührend, dass man doch fühlte, dass man etwas von Nutzen hat sein können.“ Ein für die Öffentlichkeitsarbeit begabter Fürst dürfte die im 19. Jahrhundert so beliebten Anekdoten durchaus willentlich produziert haben. Wichtig war, dass immer ein Zeuge vorhanden war, so in diesem Fall der Leibjäger von Ludwig IV., der Ernst Ludwig diese Geschichte (und sicher nicht nur ihm) erzählte: „Ein anderes Mal, auch von einer Jagd zurückkommend, fuhr er in einem schweren Schneegestöber. Da traf er einen alten Postboten, der gegen den Sturm ankämpfte. Schnell hielt er, der Postbote musste einsteigen, er dreht um und fuhr ihn zum Ort zurück,

Dass eine von ihnen den Großfürsten zur Ehe überredete, das übergeht Ernst Ludwig in seinen Memoiren. Wir könnten es auch weglassen, hätte die Geschichte nicht einen numismatischen Side-Kick: Denn die schöne Gattin des russischen Botschafters, Aleksandra Adamovna Kolemina, die da 1882 mit ihrem Mann nach Darmstadt kam, war eine geborene Gräfin Hutten-Czapska, und damit die Nichte von Emmerich Hutten-Czapski, nach dem heute das numismatische Museum von Krakau benannt ist. HuttenCzapski gehört zu den bedeutendsten Münzsammlern des 19. Jahrhunderts. Er trug erst eine herausragende Sammlung russischer Münzen zusammen, ehe er sich auf die polnische Numismatik konzentrierte. Seine Sammlung gilt heute als die bedeutendste Sammlung polnischer Münzen aller Zeiten.

Seine Nichte interessierte sich anscheinend mehr für die Männer und das Vergnügen. Bald tuschelte ganz Darmstadt, dass der seit vier Jahren verwitwete Großherzog die hübsche Botschaftergattin viel zu gerne sah. Der Diplomat bekam Wind davon und verprügelte seine Frau, was Ludwig IV. seinerseits veranlasste, die russische Verwandtschaft zu bitten, den Botschafter abzuziehen. Dies geschah; die schöne Aleksandra blieb in Darmstadt, reichte die Scheidung ein, und nachdem diese im März 1884 ausgesprochen wurde, heiratete sie Ludwig IV. – natürlich in morganatischer Ehe. Eine morganatische Ehe war gemäß Kirchenrecht eine richtige Ehe, auch wenn die Nachkommen einer solchen Verbindung von der Thronfolge ausgeschlossen waren. Nun reiste Queen Victoria im April des gleichen


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Jahres wegen der Hochzeit ihrer Enkelin Victoria mit Prinz Ludwig von Battenberg nach Darmstadt. Sie war empört, als sie von der Heirat des Papas der Braut mit einer skandalumwitterten polnischen Gräfin hörte. Kürzen wir es ab: Der verliebte Großherzog ließ im Juli 1884 die Ehe annullieren – und die europäischen Journale hatten einen wunderbaren Skandal, der sich nicht totschweigen ließ. Denn die ehemalige Diplomatengattin produzierte ganz undiplomatisch einen äußerst erfolgreichen Schlüsselroman mit dem Titel Le Roi de Thessalie. Ganz Europa lachte über die fette Kaiserin von Hindustan (= Königin Victoria), die da mit Hilfe ihres Schwiegersohns (= des späteren Kaisers Friedrich) den König von Thessalien (= Ludwig IV.) dazu zwang, die schöne Prinzessin von Mineleko (= die Gräfin Hutten-Czapska) aufzugeben. Der kleine Prinz Ob all dies einen tiefen Eindruck auf den kleinen Ernst Ludwig gemacht hat? Dessen Erziehung lag nach dem Tod der Mutter in den wenig einfühlsamen Händen des Darmstädter Gymnasiallehrers Moritz Muther. Der

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hatte selbstverständlich die Erlaubnis, den kleinen Fürstensohn zu züchtigen, wie Ernst Ludwig in seinen Memoiren erzählt: „ … da nahm er einen von mir sehr geliebten Spazierstock, den meine Großmutter [Victoria] mir geschenkt hatte, und in seiner Wut zerbrach er ihn beim Hauen auf meine Schienbeine.“ Dass dieser Lehrer sehr freizügig mit dem Stock umging, war in der ganzen Familie bekannt. So verzierte Ernst Ludwigs älteste Schwester das Kuvert eines Briefes, den sie 1885 an ihren Bruder schrieb, mit einem Aquarell, das eine der Strafaktionen zeigt: Der Erzieher hat den Knaben bäuchlings über einen niedrigen Hocker geworfen, um ihm Schläge auf das Hinterteil zu erteilen. Obwohl sich der Kleine nach Leibeskräften wehrt, hält ihn der Lehrer gnadenlos fest. Seine Hilflosigkeit als Kind war also etwas, über das der 16-jährige Ernst Ludwig zu lachen gelernt hatte. Der Rekrut

Am 9. Juni 1884 erhielt Ernst Ludwig seinen ersten militärischen Rang als Sekondeleutnant à la suite, also ohne konkrete Funktion. Verbunden war damit das Recht, seine erste Uniform zu tragen, und zwar die des 1. Großherzoglich Hessischen Infanterie Regiments Nr. 115. Ernst Ludwig brauchte Rang und Uniform, weil seine Schwester Elisabeth mit Großfürst Sergej Alexandrowitsch Romanow einen Bruder des Zaren Alexander III. heiratete. Und weil man in Darmstadt wusste, dass alle russischen Prinzen in Uniform erscheinen würden, ließ man auch für den 15-jährigen Ernst Ludwig eine Uniform schneidern. Von den Feierlichkeiten schwärmte der noch Jahre später: „Zu der Zeit als sie heiratete, 15. Juni 1884, da war der russische Hof in seiner vollen Pracht. Die Hochzeit wurde mit großem Prunk gefeiert. Wir wohnten alle in Peterhof. Am Tage vorher fuhren alle im Extrazug, die Damen in voller Toilette, die Herren im Paradeanzug nach Petersburg. Am Bahnhof waren alle Anderen der Familie versammelt. Nun stiegen die Damen in goldene Karossen, und die Herren stiegen zu Pferde. Sie ritten alle vor dem Wagen der Braut, die mit Kaiserin Marie – Dagmar von Dänemark, Kaiserinmutter – fuhr. Im Winterpalais war dann ein großer Gottesdienst. Ich erinnere mich nicht, was man am Elisabeth von Hessen-Darmstadt zieht in St. Petersburg anlässlich ihrer Hochzeit ein. Abend machte. Der Hochzeitstag fing Fotographie aus dem Jahr 1884 von S. L. Levitsky. Hermitage.


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früh an. Zuerst war die protestantische Trauung und dann die orthodoxe, welche endlos dauerte, darauf noch ein Tedeum. Nun ging es zum riesigen Diner im größten Saal. Wenn es auch lange dauerte, war es ein sehr schöner Anblick. Nun fuhr das vermählte Paar wieder im Prunk in sein Palais. Niemand hat sich umgezogen, denn gegen Abend fuhr alles in das Palais im vollen Staat. Dort gab das junge Paar ein großes Abendessen. Es war sehr merkwürdig anzusehen, alle in vollem Staat, nur Er in einfacher Uniform und Sie in einem rosa Schlafrock mit Spitzen mit einem Spitzenhäubchen auf. Endlich wurde Abschied genommen und alle waren glücklich, weil man todmüde war.“ Am 21. April 1885 erhielt Ernst Ludwig den Rang eines preußischen Sekondeleutnants à la suite und einen Begleiter, der ihn ins militärische Denken einführte. An seinem 18. Geburtstag wurde er aktiver Offizier, offiziell einer unter vielen, inoffiziell natürlich etwas ganz Besonderes. So lud Vater Ludwig das gesamte Offizierskorps ins Darmstädter Schloss, um seinen Sohn als Kameraden willkommen zu heißen: „Mein Vater hatte das ganze Offizierskorps an dem Tag ins Neue Palais bestellt. Es stand im Kreis um den Saal unten herum. Er hielt eine kleine Ansprache und nun ging ich von einem Offizier zum andern und musste ihnen die Hand geben. Was alles sehr erleichterte, war der Umstand, dass ich schon viele von den Bällen her kannte. Am 11. Dezember begann ich meinen Dienst.“ Großherzog Ludwig IV. hatte als Kommandant der hessischen Truppen selbst zwei Kriege mitgemacht, im Deutschen Krieg von 1866 stand er auf der Seite der Verlierer; im Deutsch-Französischen Krieg auf der Seite der Sieger. Und dennoch war er auf den Schlachtfeldern von Gravelotte, Metz und Orléans zum Kriegsgegner geworden. So hält es Ernst Ludwig in seinen Memoiren fest, dass sein Vater folgendes sagte: „Wer als tüchtiger Soldat einen Krieg mitgemacht hat und später für einen Krieg spricht, sollte gehängt werden.“ Nichtsdestotrotz stand es für ihn als Landesvater nie zur Debatte, dass sein Sohn etwa keine militärische Ausbildung benötigen würde. Ernst Ludwig war das recht. Er dürfte es genossen haben, sein Quartier vom Schloss in die wesentlich freiere Kaserne zu verlegen. Als sportlicher junger Mann, der beim Tennisspiel mit den Champions seiner Zeit mithalten konnte, fand er Gefallen am Reiten und Exerzieren: „Ich war nicht tot zu kriegen. Alles musste ich mitmachen. 7 Uhr Instruktion, dann Rekruten auf dem Exerzierplatz oder auf dem Kasernenhof, darauf schnell etwas in der Kantine essen und hinaus ging es zum Eislauf. Dann wieder Rekruten, darauf bei Beleuchtung zum zweiten Male Schlittschuhlaufen,

Ernst Ludwig in seiner Uniform. Fotografie aus dem Jahr 1885.

schnell nach hause, sich umziehen und darauf zum Essen ins Casino, dann auf einen Ball oder ins Theater. So machte ich es den ganzen Winter hindurch.“ Das Jahr 1888 Im Dreikaiserjahr, genau am 16. August 1888, legte Ernst Ludwig sein Offiziersexamen ab. Er bestand es ganz gut, wie er überliefert: „Es ging aber doch gut und in der Befestigungslehre bekam ich zu meinem Erstaunen sehr gut.“ Dabei konnte sich der junge Mann gar nicht ordentlich vorbereiten, weil er wegen der zahlreichen offiziellen Anlässe immer wieder abwesend war: „Ich bestand das Examen in Berlin April 1888 ganz gut, trotz vieler Hindernisse, denn gerade in den Tagen war ein neuer schwerer Zusammenbruch des armen Kaisers Friedrich, sodass ich im Schloss Charlottenburg auch oft sein musste und dann kam Königin Viktoria, wodurch ich wieder nach Charlottenburg eingeladen war.“ Die englische Königin war anlässlich der Hochzeit ihrer beiden Enkel, Prinz Heinrich von Preußen, des jüngeren Bruders von Wilhelm II., mit Irene von Hessen-Darmstadt, der älteren Schwester von Ernst


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Die Hochzeit zwischen Prinz Heinrich von Preußen und Irene von Hessen-Darmstadt. Das letzte Foto des bereits schwer erkrankten Kaisers Friedrich III. Die Pfeile zeigen von links nach rechts auf Irene von Hessen-Darmstadt, Prinz Heinrich von Preußen, Prinzessin Victoria, Kaiser Friedrich III., Elisabeth von Hessen, Kaiser Wilhelm II.

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Preußen. Wilhelm I. 10 Mark 1888. J. 245A. Vorzüglich bis Stempelglanz. Schätzung: 400 Euro. Aus Künker-Auktion 446 (23.September 2026), Los 3160.

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Preußen. Friedrich III. 5 Mark 1888. J. 99. Aus der Sammlung eines Physikers. Hübsche Patina, von polierten Stempeln, vorzüglich aus polierter Platte. Schätzung: 400 Euro. Aus Künker-Auktion 446 (23.September 2026), Los 2912.

Ludwig, nach Berlin gereist. Die Feierlichkeiten waren für den 24. Mai 1888 geplant. Obwohl Wilhelm I. am 9. März 1888 gestorben war, verschob man die Feier nicht, sondern führte sie auf den ausdrücklichen Wunsch Kaiser Friedrichs III. durch. Ernst Ludwig beschreibt die merkwürdige Stimmung, die bei der Hochzeit herrschte: „Ihre Hochzeit in Charlottenburg war eine kleine und sehr traurige. … Am 9. März war der alte Kaiser Wilhelm I. gestorben. Die alte Kaiserin Augusta saß wie ein schwarzes Gespenst im Rollstuhl dabei. Kaiser Friedrich war eigentlich sterbend. Er starb am 19. Juli, sodass die Jungvermählten gleich dabei waren. Die Hochzeit war so früh nach dem Tode Kaiser Wilhelms anberaumt worden, weil er [Kaiser Friedrich] absolut bei der Trauung seines Sohnes dabei sein wollte und nicht wusste, wie lange er noch leben würde.“ Wer sich die Fotografie der Feierlichkeiten genau ansieht, mag bemerken, wie eng und vertraut Elisabeth („Ella“) und Wilhelm II. nebeneinanderstehen. Ernst Ludwig hat dafür seine eigene Erklärung: „Mein Vetter Wilhelm von Preußen war in meine Schwester Ella verliebt. Er war noch ziemlich jung, aber er liebte sie wirklich. Seine Mutter sowohl wie meine Mutter wollten nichts davon wissen wegen der zu nahen Verwandtschaft. Nun hatte Serge Ella geheiratet. Von dem Tag an hat Wilhelm ihn gehasst und auf jede mögliche Art verfolgt. Da er ihm selbst in seiner Karriere nichts anhaben konnte, hat er schlecht über ihn gesprochen.“


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Wir sollten vorsichtig sein mit dieser Bemerkung. Ernst Ludwig und Wilhelm II. konnten sich gegenseitig nicht ausstehen! Überhaupt waren die Preußen beim europäischen Adel unbeliebt, jedenfalls wenn wir Ernst Ludwig glauben: „Übrigens waren wir bei den englischen und russischen Verwandten so beliebt, weil wir die Kinder unseres Vaters waren und weil wir keine Preußen waren, welches Letztere sie mir oft sagten.“

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Preußen. Wilhelm II. 2 Mark 1888. J. 100. Aus der Sammlung eines Physikers.

Ein „ganz normales“ Studium

NGC PF66. Hübsche Patina. Polierte Platte. Schätzung: 600 Euro. Aus Künker-Auktion 446 (23.September 2026), Los 2913.

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Hessen-Darmstadt. Ludwig IV. 5 Mark 1888. J. 69. Aus der Sammlung eines Physikers. Selten, besonders in dieser Erhaltung. Hübsche Patina, min. Randfehler. Fast Stempelglanz. Schätzung: 4.000 Euro. Aus Künker-Auktion 446 (23.September 2026), Los 2862.

Im März 1889 begann Ernst Ludwig zu studieren. Er hatte sich – auf Wunsch seines Vaters – als Student der Rechtswissenschaften eingeschrieben. Hinsichtlich des Studienorts setzte sich Ernst Ludwig durch. Er wollte nicht, wie vom Vater gewünscht, im preußischen Göttingen studieren, sondern ging lieber ins sächsische Leipzig. Er hoffte, dass er in der bedeutenden Handelsstadt ein bisschen mehr Privatsphäre haben würde. Tatsächlich gelang es ihm während der Studentenzeit, viele Bekanntschaften in Leipzig zu machen – und zwar in den verschiedensten Bevölkerungsschichten: „Es gab nämlich den Professorenkreis, den Kreis der Patrizier, der Kaufleute, des Reichsgerichts, der Armee und der Theaterkünstler. Bei allen verkehrte ich mit Genuss, denn ich war sehr lebensfroh und nichts konnte mich ermüden. … Dadurch, dass die Kreise so verschieden waren, wurde ich unmerklich zur Vielseitigkeit erzogen, denn in jedem Kreis war das Interesse ein total anderes und immer sah der jeweilige Kreis auf den anderen herab.“

Sachsen. Albert. 20 Mark 1877. J. 262. NGC MS63 (Top Pop). Sehr seltener Jahrgang. Winzige Kratzer, vorzüglich bis Stempelglanz. Schätzung: 25.000 Euro. Aus Künker-Auktion 446 (23.September 2026), Los 3186.

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Sachsen. Albert. 5 Mark 1889. J. 122. NGC MS64 (Top Pop.) Seltener Jahrgang. Vorzüglich bis Stempelglanz. Schätzung: 2.000 Euro. Aus Künker-Auktion 446 (23.September 2026), Los 2948.

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Natürlich war Ernst Ludwig ein klein bisschen gleicher als seine Kommilitonen, so wurde er regelmäßig vom sächsischen Königshaus eingeladen. Auf die Art und Weise lernte Ernst Ludwig König Albert von Sachsen und seine Söhne bereits während des Studiums näher kennen, „wenn er mich nach Pillnitz oder Dresden einlud. Von allen regierenden deutschen Fürsten war er uns jungen Prinzen gegenüber von einer wirklich väterlichen Liebe. Erst später begriff ich, wie er als Erzieher auf uns einwirkte und ich bin sicher, dass es seine Absicht war.“

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Sachsen. Silberne Gedenkmünze in 5 Mark-Größe 1889. 800-Jahrfeier des Hauses Wettin. J. 123. Selten.

Im Wintersemester 1890/91 erhielt Ernst Ludwig eine väterliche Order, an die Universität von Gießen umzuziehen. Gießen stand unter der Herrschaft des Großherzogs von Hessen-Darmstadt. Das bedeutete für den Studenten, dass er nun zum studierenden Kronprinz avancierte. Vorbei war es mit dem formlosen Umgang mit Studenten und Professoren. Nun stand Ernst Ludwig an der Spitze eines eigenen Haushalts, in dem er als Gastgeber fungierte: „ … ich lernte zu repräsentieren, was ja auch in späteren Zeiten sehr nötig war“, sagt er darüber. Der ungeliebte Militärdienst in Preußen Nach zwei Jahren war die Studienzeit vorbei und Ernst Ludwig musste wieder zum Militär. Diesmal ging es nach Preußen, was ihm gar nicht gefiel. Er schreibt: „Am 1. April 1891 trat ich als PremierLeutnant ins Erste Garde-Regiment, in dem mein Vater auch gedient hatte. … Mein Dienst in Potsdam gefiel mir nicht so wie mein früherer … Die meisten der Kameraden waren sehr einseitig. Natürlich gab es auch unter ihnen sehr nette, aber wirklich so von Herzen warm wurde man doch nicht. … Für den inneren Menschen gab es überhaupt nichts und das Verhältnis unter den Vorgesetzten untereinander war geradezu unmöglich. Mein Hauptmann von Buttlar war ein ganz verbitterter Mensch, der Major von der Laken stur, jähzornig mit unglaublichen Ausdrücken um sich werfend, der Oberst von Natzmer beschränkt und ganz zweiter Klasse. … Vor Oberst von Natzmer, der parteiisch, ungerecht und launenhaft war, musste ich mich bei den Liebesmahlen im Kasino meistens verstecken, denn wenn er betrunken war, wollte er mich immer küssen. Sonst behandelte er mich meistens herablassend aggressiv.“ Nur um keine falschen Ideen entstehen zu lassen: Unter einem Liebesmahl verstand ein Offizier des 19. Jahrhunderts das gesellige Beisammensein bei gutem Essen und viel Wein, das privat bezahlt wurde.

NGC PF61. Feine Patina, kleine Kratzer, polierte Platte. Schätzung: 2.500 Euro. Aus Auktion Künker 446 (23.September 2026), Los 2949.

Neben diesen Schikanen der Vorgesetzten bekämpfte Ernst Ludwig auch die fortwährenden Versuche, seine protokollarische Stellung zu schmälern: „Vorher als ich nach Potsdam ging, hatte mein Vater mir gesagt: „Vergiss nicht, dass du der Erbgroßherzog von Hessen bist.“ Da mein Vater die Bescheidenheit selbst war, konnte ich nicht begreifen, was er mit diesem Ausspruch meinte. Jetzt aber kam es heraus. Zuvor muss ich noch sagen, dass die Stellung der Erben so gestellt war: Der Kronprinz kam nach den Königen. Die Erben der jeweiligen größeren Länder folgten den anderen regierenden Fürsten, dann kamen die preußischen Prinzen und darauf die anderen Prinzen. Es kam nun ein Kammerherr mit der Zugliste zu mir und zeigte mir meinen Platz im Zuge an. Ich sagte ihm, der wäre nicht richtig. Gleich darauf kam der Obersthofmarschall Graf von Eulenburg auf mich los und sagte mir, mein Platz wäre ganz richtig, ich hätte hinter den preußischen Prinzen zu gehen. Ich war wütend und sagte ihm, ich würde warten, bis der Kaiser käme, der würde mir schon meine richtige Stellung geben. Eulenburg zog pikiert ab. Gleich darauf kam ein anderer Kammerherr, der mir sagte, es wäre ein Missverständnis gewesen, und ich bekam meine richtige Stellung. Jetzt begriff ich meinen Vater.“ Eine andere Böswilligkeit eines Kameraden hätte beinahe ein schlimmes Ende genommen. Die Gemeinheit der gleich folgenden Handlung besteht darin, dass im Kreis der Offiziere das Duell (noch) eine wichtige Rolle spielte. Wer sich ihm entzog, verlor


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Die trauernde Familie nach dem Tod von Ludwig IV. (von links oben nach rechts unten): Ernst Ludwig, Victoria Battenberg, Irene von Preußen, Alix, die spätere Zarin, und Elisabeth. Fotografie aus dem Jahr 1892.


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Hessen-Darmstadt. Ernst Ludwig. 2 Mark 1899. J. 72. Aus der Sammlung eines Physikers. NGC PF65. Feine Patina. Polierte Platte. Schätzung: 2.000 Euro. Aus Künker-Auktion 446 (23.September 2026), Los 2867.

Hessen-Darmstadt. Ernst Ludwig. 5 Mark 1895. J. 73.

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Aus der Sammlung eines Physikers. NGC PF64 (Top Pop).

Hessen-Darmstadt. Ernst Ludwig. 10 Mark 1893. J. 222.

Sehr selten in dieser Erhaltung. Kabinettstück.

Fast vorzüglich. Schätzung: 1.000 Euro.

Prachtvolle Patina, winzige Kontaktstelle, polierte Platte.

Aus Künker-Auktion 446 (23.September 2026), Los 3113.

Schätzung: 2.000 Euro. Aus Künker-Auktion 446 (23.September 2026), Los 2869.

die Achtung seiner Standesgenossen. Gleichzeitig konnte ein zukünftiger Fürst es sich nicht leisten, an einem gesetzlich verbotenen Duell teilzunehmen. Es war also eine Zwickmühle, in der Ernst Ludwig sich befand. „Einst im Kasino diskutierten wir Kameraden über deutsche Fragen. Da sagte der Leutnant von Griesheim: „Das können Sie als Auswärtiger nicht begreifen.“ Ich antwortete: „Dann können Sie als Nichtdeutscher es auch nicht begreifen.“ Er wollte mich fordern, aber seinen Kartellträgern [Sekundant, der die Forderung zum Duell überbringt] sagte ich nur: „Wenn ich als deutscher Prinz für einen Auswärtigen gehalten werde, so muss er logischer Weise ein NichtDeutscher sein.“ Damit fiel die Sache unter den Tisch und ich hatte die Lacher auf meiner Seite. So musste man sich in Potsdam seiner Haut wehren.“

unbedeutende Oswald Freiherr Treusch von ButtlarBrandenfels, direkter Vorgesetzter von Ernst Ludwig, bei dessen Ankunft gesagt haben: „Der soll noch seinem Schöpfer fluchen, dass er zum Prinzen geboren ist.“

Nach heutigen Begriffen litt Ernst August in Potsdam unter dem, was wir als Mobbing bezeichnen. Er war sich dessen bewusst: „Kameraden sagten mir später, sie hätten mich bewundert, wie ich diese Schikanen aushielt.“ Denn anscheinend hatten es sich einige hohe Militärs vorgenommen, auszuloten, wie weit sie gehen konnten. So soll der historisch und militärisch eher

Se non è vero, è ben trovato. Jedenfalls wird Ernst Ludwig in seinen Memoiren genüsslich erzählen, welch schlechte Figur Wilhelm II. hoch zu Ross machte, und das obwohl er so gerne Uniform trug und martialische Reden schwang. Es geschah nämlich anlässlich eines überraschenden Besuchs von Kaiser Wilhelm im Jahr 1894, dass der auf einem der „wilden“ hessischen Pferde

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Hessen-Darmstadt. Ernst Ludwig. 20 Mark 1893. J. 223. Gutes sehr schön. Schätzung: 1.000 Euro. Aus Künker-Auktion (23.September 2026), Los 3114.


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Anlässlich der Hochzeit von Ernst August mit Victoria Melita erschien der gesamte europäische Hochadel. Die Pfeile weisen auf einige bekannte Persönlichkeiten hin (von links nach rechts): Kaiser Wilhelm II., Zar Nikolaus II., Edward VII., Alix von Hessen-Darmstadt, die spätere Zarin, Queen Victoria, Ferdinand I. von Rumänien, Victoria, Kaiserinwitwe.

Regierungsantritt Aber damit haben wir der Zeit leicht vorausgegriffen. Zurück in den Winter des Jahres 1891/2. Ernst Ludwig litt an einer schweren Bronchitis. Er nutzte sie, um Urlaub zu erhalten, reiste ins warme Nizza und kurierte dort seine Erkältung, als er vom Schlaganfall seines Vaters erfuhr. Sofort begab er sich nach Darmstadt, wo Ludwig IV. zwei Tage später verstarb. Damit war Ernst Ludwig im Alter von 24 Jahren regierender Großherzog von Hessen-Darmstadt. Keine Frage der Liebe, sondern der Staatsraison

zu reiten wünschte: „Die ganze Nacht hindurch ritt Riedesel das Pferd in der Reitbahn zu, denn meine Pferde waren nicht wie Hämmel zugeritten. Morgens um 5 Uhr ging Wilhelm zur Hauptwache im Schloss, wo er wohnte, und ließ Alarm blasen. Es ging alles gut ab. Ich sagte noch dem Adjutanten Scholl, er solle sich nur an die linke Seite des Kaisers kleben, ich würde es auf der rechten tun. Trotzdem hatten wir furchtbare Angst, denn Wilhelm hatte eine harte Hand und dabei hatte er überhaupt in den Oberschenkeln gar keinen Schuss. Nur einmal beim Senken einer Fahne, die beinahe den Kopf des Pferdes traf, machte es einen kleinen Seitensprung. Er wäre beinahe heruntergefallen, wenn wir beide ihn nicht mit den Beinen hochgedrückt hätten. Man kann sich unseren Zustand denken. Als alles vorüber war, fiel uns ein Stein von Herzen.“

Damit lag das Geschick von HessenDarmstadt in den Händen eines jungen Mannes, der unverheiratet und ohne Erben war. Eine Heirat war keine Option, sondern ein Muss. Die Familie schlug „Ducky“ vor. „Ducky“ hieß eigentlich Victoria Melita von Sachsen-Coburg und Gotha, war wie Ernst Ludwig eine Enkelin von Queen Victoria, hatte den 10. Platz in der britischen Thronfolge und war über ihre Mutter eine Enkelin von Zar Alexander II. Ernst Ludwig soll trotzdem von der Verbindung nicht besonders begeistert gewesen sein, genauso wie seine Victoria Melita. Aber man fügte sich dem hartnäckigen Druck der Familie. Am 19. April 1894 fand die Hochzeit in Coburg statt. Ernst Ludwig schweigt sich über diese Ehe vollständig aus. Der Name der Frau, mit der er mehr als sechs Jahre verheiratet war und zwei Kinder gezeugt hatte, erscheint kein einziges Mal in seinen Memoiren. Genauso wenig thematisiert er den Schicksalsschlag, der offiziell die Ehe endgültig scheitern ließ: Nach der Geburt einer Tochter brachte Melita im Mai 1900 einen tot geborenen Jungen zur Welt. Doch erst der Tod Königin Victorias im Jahr 1901 machte den Weg frei für die Scheidung.


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Silbermedaille 1894 von Deitenbeck, Werkstatt Oertel, auf die Vermählung mit Victoria Melita. Aus eLive Premium Auction 426 (2025), Los 3661. Schätzung: 75 Euro. Zuschlag: 310 Euro.

Machte man früher Melitas fehlendes Interesse an Staatsangelegenheiten und ihren Hang zu Partys für die tiefe Kluft zwischen den Ehepartnern verantwortlich, geht man heute davon aus, dass Ernst Ludwig homosexuell war, seine persönlichen Vorlieben aber natürlich nur heimlich ausleben konnte. Das Gesetz stellte Homosexualität zu seiner Zeit unter strenge Strafe. Einem wie Ernst Ludwig blieb nur die Ehe als Ausweg. Seine Gattin Melita aber war nicht bereit, ihn mit dem Küchenburschen zu teilen, mit dem sie ihn im Bett erwischt haben will. Sie ließ sogar die von Ernst Ludwig heiß geliebte Tochter bei ihm zurück, die im Alter von acht Jahren am Typhus versterben sollte. Seine Scheidung erwähnt Ernst Ludwig nur ein einziges Mal, wenn er über die Hochzeit seiner Nichte Alice Battenberg mit Andreas von Griechenland schreibt: „Noch eines der letzten Male wo viele Verwandte zusammen waren, war die Hochzeit von Alice Battenberg mit Andreas von Griechenland am 5. Oktober 1903. Da sind sie von allen Seiten zusammengekommen und ich glaube, es war auch, um mir zu zeigen, dass sie zu mir hielten nach meiner Scheidung.“ Ein modernes Land mit einer boomenden Wirtschaft Ganz gleich, was man hinter vorgehaltener Hand über den Großherzog erzählte, als Landesvater förderte er den Wohlstand des Landes. Dabei kam ihm seine Begeisterung für die moderne Technik gerade recht. Sophie Opel, Witwe des 1895 verstorbenen Unternehmers Adam Opel, soll er – wenn wir ihm glauben wollen – zum Bau von Automobilen inspiriert

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haben. Später will er auf seinen Reisen für sie zum Vertreter geworden sein: „Mit Opels trat ich sehr früh in Verbindung durch meinen ersten Besuch ihrer Fabrik, in der Nähmaschinen und Fahrräder gemacht wurden. Im Gespräch machte ich sie darauf aufmerksam, dass die Automobile eine große Zukunft hätten, und ob es nicht redlich wäre, sobald wie möglich die Fabrikation derselben aufzunehmen. Zuerst waren sie etwas ängstlich, aber dann griffen sie mit Begeisterung zu. Die Mutter Opel, welche eine in ihrer Art wirklich bedeutende Frau war und der die Fabrik persönlich gehörte, musste überstimmt werden, aber dann war sie auch ganz für den Gedanken eingenommen. Ich fühlte mich richtig verantwortlich, denn ich hatte doch sehr stark für den Gedanken gewirkt. Wie oft haben wir neue Pläne zusammen ausgearbeitet und um klar zu sehen, habe ich eine Zeit lang in jeder Abteilung mich ganz orientiert, in der die jeweiligen Vorarbeiter mir über den Aufbau des Autos ganz genau alles erklärten. Jahrelang war ich wie ein Reisender für die Firma und machte wilde Propaganda für dieselbe. Groß und gut ist die Fabrik geworden.“ Wie energisch sich Ernst Ludwig engagierte, um hessische Unternehmer zu unterstützen, wird deutlich bei der Verstaatlichung der vorher privaten Ludwigsbahn. Diese litt schwer unter der Konkurrenz der neu als Königlich Preußische Staatseisenbahnen zusammengefassten Eisenbahngesellschaften im benachbarten Preußen. Ernst Ludwig fand eine Lösung „Ganz vorsichtig streute ich den Gedanken der Verstaatlichung aus, sodass die meisten glaubten, sie hätten ihn zuerst gehabt.“ Dann überzeugt er den preußischen Eisenbahnminister, beide Linien in einem für ihn vorteilhaften Staatsvertrag zusammenzulegen: „Als im Frühling 1896 die Verhandlungen mit Preußen immer schwieriger wurden, sagte ich dem Kaiser in Coburg am 21. April 1896, dass ich meinen Herren in Berlin den Befehl gegeben hätte, dass wenn man uns in wenigen Tagen nicht zuvorkommender behandle, sie sofort zurückzukommen hätten. Ich als Bundesfürst, der als erster so deutsch denke, … bäte ihn, mir zu helfen. Der Kaiser war ganz meiner Ansicht und sagte mir den nächsten Tag, er hätte den Herren „den Kopf gewaschen“. Es muss so gewesen sein, denn von nun an ging alles freundschaftlichen Weg.“ Tatsächlich schaffte es Ernst Ludwig, dass die Aktionäre der in Schieflage geratenen Bahn pro Aktie im Nennwert von 600 Mark preußische und hessische Staatsschuldverschreibungen im Wert von 700 Mark erhielten, dazu 41 Mark in bar. Im März 1897 wurde eine Eisenbahndirektion eingerichtet, in der preußische und hessische Beamte gemeinsam die Verwaltung der Bahn übernahmen.


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UNESCO-Weltkulturerbe Mathildenhöhe Gehen wir zuletzt noch auf das wohl bekannteste Wirtschaftsprojekt von Ernst Ludwig ein. Er plante, sein Land zu einem Zentrum des modernen Kunstgewerbes zu machen, das seine Kacheln, Geschirre, Bücher und Möbel nach ganz Europa exportierte. Dabei führte er eine Idee aus, ohne zu wissen, dass bereits seine Mutter von einer Künstlerkolonie geträumt hatte: „Mama hatte ein tiefes Kunstempfinden. Sie konnte wirklich gut malen. Nun wusste sie, wie oft die jungen Künstler unter materiellen Sorgen zu leiden hatten. Um ihnen zu helfen, kaufte sie das Grundstück am Prinz Emilsgarten, welches längs der Hermannstraße lag, um für Künstler Ateliers dort bauen zu lassen. Diesen Gedanken habe ich auf der Künstler-Kolonie ausgeführt, ohne von ihrem Wunsch eine Ahnung zu haben.“ Doch Ernst Ludwig war kein Mäzen im klassischen Sinn des Wortes. Ihm ging es um Hilfe zur Selbsthilfe: Er unterstützte Künstler dabei, in Darmstadt eine Fabrik einzurichten und deren Produkte auf dem internationalen Markt zu etablieren. Einer dieser Künstler-Unternehmer war der auf Keramik spezialisierte Jakob Julius Scharvogel: „Dann hatte ich Scharvogel, mit dem ich die keramische Manufaktur gründete. Besonders schön waren seine Hartglasuren. Beinahe die ganze Ausschmückung von Bad Nauheim ist von der keramischen Fabrik gemacht worden. Geschäftlich war er nicht zu gebrauchen, so dass er nach ein paar Jahren ging, und ich die Manufaktur als solche vermietete.“

Jugendstilkachel von Jakob Julius Scharvogel.

Eines der Plakate zur ersten Ausstellung des Jahres 1901.

Foto: KW.

Foto: KW.


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Die berühmten Darmstädter Ausstellungen von 1901, 1904, 1908 und 1914, die heute von Kunsthistorikern so gefeiert werden, waren also zu ihrer Zeit nichts anderes als wirtschaftlich orientierte Verkaufsausstellungen. Die Künstlerhäuser dienten als eine Art Musterhaus, dessen Einrichtung man komplett oder in Einzelteilen erwerben konnte. Und Künstler, die zwar schöne Kunst machten, deren Produkte aber unverkäuflich waren, konnte Ernst Ludwig nicht brauchen: „Ich erwähne noch Schneckendorf … Er machte Kunstgläser mit Einschmelzung von Metallen, jedes einzelne Stück war ein Kunstgegenstand. Aber die Arbeit war so teuer, dass ich später den Kontrakt auflöste.“ Warum auf der Mathildenhöhe eine orthodoxe Kirche steht

Preis für außerordentliche Leistungen; die Plakette wurde im Rahmen der Ausstellung von 1901 verliehen. Foto: KW.

Bronzemedaille 1901 von Rudolf Bosselt auf die erste Ausstellung in Darmstadt. Schätzung: 100 Euro. Zuschlag: 270 Euro. Aus eLive Auction 92 (2026), Los 6933.

Nikolaus II. hatte anlässlich der Hochzeit von Elisabeth von Hessen-Darmstadt mit Großfürst Sergej seine Cousine Alix kennen und lieben gelernt. Er setzte eine Heirat durch – gegen den Widerstand seiner Mutter und die Bedenken von Königin Victoria. Am 1. November 1894 heiratete er seine Alix, die dafür zur russisch-orthodoxen Konfession konvertierte. Trotz aller Liebe kann das Leben der Zarin nicht immer ganz einfach gewesen sein. Ernst Ludwig erinnert sich an ein Vorkommnis an ihrem Hochzeitstag: „Da sie einen Kaiser heiratete, bekam sie nicht den Purpurhermelin, sondern einen riesigen Goldhermelinmantel. Nach der Trauung bei der Gratulation der Verwandten und näheren Freunde, die ganz inoffiziell war, sah ich, dass sie allein in der Mitte des Zimmers stehengelassen war. Ich schlüpfte zu ihr, um ihr behilflich zu sein, da sagte sie mir, dass das Silberkleid und der Goldmantel so schwer wären, dass sie nicht von der Stelle könne. Ich lief schnell zu Nicky, der an der anderen Seite im Gespräch war und sagte es ihm. Schnell wurden zwei Kammerherren befohlen und so konnte sie sich wieder bewegen.“ Und dann gab es auch noch eine böse Schwiegermutter: „Die Kaiserin Marie war die typische Schwiegermutter und Kaiserin. Ich muss sagen, dass Alix in ihrer ernsten und festen Art auch sicherlich nicht leicht als Schwiegertochter einer solchen ehrgeizigen Schwiegermutter war. Die Kaiserin, welche zuerst gekrönt war, hat nach dem Familiengesetz Kaiser Pauls den Vorrang vor der Jüngeren. … Nun kam Kaiserin Marie immer zu gleicher Zeit an … Nikolaus II. musste nun immer mit den beiden Kaiserinnen gehen, seine Mutter rechts und Alix links und an den Türen musste Alix nun wegen Platzmangel immer zurückstehen. Nicky


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Orthodoxe Kirche auf der Mathildenhöhe. Foto: KW.

mit feinem Taktgefühl versuchte immer von Neuem einen modus vivendi zu finden, aber er brach immer von Neuem an dem eisernen Willen seiner Mutter zusammen.“ Kein Wunder, dass Nikolaus und Alix gerne in das entspannte Darmstadt reisten. Davon zeugt zum Beispiel der Bericht über einen Familienausflug, den Ernst Ludwig per Straßenbahn organisierte: „Einen Nachmittag bestellte ich drei Tramwagen der Elektrischen unten am Garten und wir alle füllten sie. Nun zogen wir zum Ergötzen der Darmstädter durch die ganze Stadt. Tante Alix war so begeistert, dass sie fortwährend mit Lachen dem Publikum zuwinkte.“ Die Kirche auf der Mathildenhöhe ist ein Zeichen für die enge Verbundenheit des letzten russischen Kaiserpaares mit Hessen-Darmstadt und seinem Herrscher. Sie wurde auf persönlichen Befehl und auf Kosten von Zar Nikolaus erbaut, damit er und seine Gemahlin den orthodoxen Gottesdienst besuchen konnten, während

sie auf Besuch bei Ernst August weilten. Noch heute ist dieser kleine Bau das Zentrum einer lebendigen orthodoxen Gemeinde in Darmstadt. Am 1. November 1894 starb Alexander III. überraschend, und Nikolaus II. folgte ihm auf den Thron. Die eigentliche Krönung wurde erst 18 Monate später gefeiert, und zwar am 26. Mai 1896. Natürlich kamen bei dieser Gelegenheit Verwandte und Fürsten aus ganz Europa nach Moskau. Auch Ernst Ludwig war unter ihnen. Er beschreibt die Krönung folgendermaßen: „Die Krönung in Moskau von einer überschäumenden Schönheit, an das Orientalische grenzend. … In Moskau die Kathedrale voller Heiligenmalereien auf Goldgrund und alle Priester in Gold mit Stickereien und Edelsteinen. Ein großer mystischer Zug zog sich durch alle Zeremonien und man fühlte die Tradition von Byzanz. Durch die Salbung sind der Kaiser und die Kaiserin geheiligt. Der Kaiser nimmt das Abendmahl als Priester im Allerheiligsten. Nun nimmt der Kaiser vor dem Thron seine Krone ab, kniet


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Salbung im Rahmen der Krönungszeremonien von Nikolaus II. Gemälde von Valentin Alexandrowitsch Serow. Staatliches Russisches Museum. St. Petersburg.

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nieder und betet laut das wunderbare Gebet für sein Volk. Und darauf beim Gebet für den Kaiser ist er der einzige stehende Mensch im ganzen russischen Reiche. Der Zug, bestehend aus Uniformen, Gold, Silber, Kaiser und Kaiserin unter einem riesenhaften goldenen Baldachin in ihren Goldhermelinen und alle Fürstinnen mit Juwelen übersät. Zum Ansehen muss er wie ein fantastischer Traum gewesen sein, denn die Sonne strahlte auf alles hernieder. … Der Kaiser und die Kaiserin von Russland sahen beide wie zwei mit Juwelen bedeckte Götter oder Heiligenbilder aus. …“ Dass es bei all der Pracht auch allzu menschliche Probleme gab, berichtet Ernst Ludwig in seinen Memoiren: „… Ludwig [III. von Bayern] kannte ich sehr gut, besonders dadurch, dass ich ihn zweimal aus einer heiklen Situation retten konnte. Er hatte nämlich bei der Krönung in Moskau … einen Durchfall. … Es fing schon in der Kirche an, und ich konnte ihn noch in ein Zimmer retten, wo er warten musste, bis ich etwas finden konnte.“

Goldmedaille 1896 von A. Vasyutinsky auf die Krönung. Schätzung: 10.000 Euro. Zuschlag: 28.000 Euro. Aus Künker-Auktion 146 (2008), Los 8895.


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Bayern. Ludwig III. 5 Mark 1914. J. 53. Aus der Sammlung eines Physikers. NGC PF66 CAMEO (Top Pop). Selten in dieser Erhaltung. Polierte Platte. Schätzung: 400 Euro. Aus Künker-Auktion 446 (23.September 2026), Los 2841.

Worten. Es war vielleicht ein Taktfehler in einem solchen Augenblick so deutlich zu sein, da der arme Vorredner überhaupt nichts Böses gemeint hatte. Gleich darauf sagte mir Ludwig, er hätte doch den Deutschen in Moskau den geschichtlichen Standpunkt klarstellen müssen. Heinrich – von Preußen – , der deutsche Botschafter und die preußischen Delegationen waren wütend. In einem solchen Moment solle man der Welt gegenüber nicht die Zwietracht Deutschlands darstellen. Nun war es ein ganz intimes Fest und keine Fremden dabei, auch hätte man die Reden zum Druck ändern können. Aber es wurde alles nach Berlin berichtet. Dem Prinzen Ludwig ward der Aufenthalt in Berlin und Preußen verboten. Er war richtig verbannt. Lange Hin- und Herschreibereien zwischen München und Berlin. Endlich nach einem Jahr wurde er nach Kiel befohlen, um sich dort zu entschuldigen. … der spätere König Ludwig III. hat diese Sache nie überwinden können, wie er mir selber sagte.“ 400 Jahre Philipp der Großmütige

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Bayern. Ludwig III. 3 Mark 1918 auf die Goldene Hochzeit des bayerischen Königspaares. J. 54. Aus der Sammlung eines Physikers. Sehr selten. Prachtexemplar. Stempelglanz. Schätzung: 30.000 Euro. Aus Künker-Auktion 446 (23.September 2026), Los 2842.

Überhaupt hält Ernst Ludwig seinen bayerischen Kollegen Ludwig III. nicht für besonders weltläufig: „Er konnte keine Sprachen sprechen“ und war darüber hinaus nicht immer diplomatisch, wie sich bei einem Empfang der deutschen Fürsten durch die in Moskau lebenden deutschen Kaufleute herausstellte: „Bei der Begrüßungsrede, die ein ganz einfacher Herr hielt, fiel das Wort Vasallen. Ludwig als Ältester und Vertreter Bayerns musste antworten. Dabei stellte er fest, wir wären keine Vasallen, wir hätten aus freiem Willen uns unter den Kaiser gestellt, dieses alles leider in ziemlich deutlichen und klaren

Auch Hessen-Darmstadt hat während der Epoche des Deutschen Kaiserreichs von seinem Privileg Gebrauch gemacht, Gedenkmünzen zu prägen. Die erste erschien im Jahr 1904 und erinnert an Landgraf Philipp den Großmütigen von Hessen (*1504, +1567). Der war zu seinen Lebzeiten durchaus eine schillernde Gestalt, ein gnadenloser Machtpolitiker, der mit allen Konfessionen paktierte, wenn es ihm nutzte. Im 19. Jahrhundert stilisierte man ihn gerade deswegen zu einem toleranten Landesherrn, der die Kluft zwischen Lutheranern und Reformierten zu überbrücken versuchte. Dies war nämlich ganz im Sinne der Hohenzollern. Sie hatten 1866 umfangreiche Gebiete der alten Landgrafschaft Hessen annektiert und nutzten nun Philipp den Großmütigen als Aushängeschild ihrer Kirchenpolitik, die seit 1817 die Union zwischen Lutheranern und Reformierten anstrebte. Dieser preußischen Vereinnahmung eines hessischen Herrschers trat Ernst Ludwig mit seiner Gedenkmünze entgegen. Er zeigt sich auf ihr gemeinsam mit seinem Vorfahren, stellt damit klar, dass er als Angehöriger des Hauses Hessen der wahre Erbe von Philipp dem Großmütigen ist. Während konkurrierende Jubiläumsveranstaltungen im preußischen Marburg und Kassel stattfanden, betonte man in Darmstadt mit Gedenkgottesdiensten, Publikationen und einer in hoher Auflage geprägten Gedenkmünze – 100.000 vom 2 Mark- und 40.000 vom 5 Mark-Stück – die Deutungshoheit und das Anrecht des Hauses Hessen auf seinen Vorfahren Philipp den Großmütigen.


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Hessen-Darmstadt. Ernst Ludwig. 2 Mark 1904. „Philipp der Großmütige“. J. 74. Aus der Sammlung eines Physikers. NGC PF65. Vorderseite mattiert. Polierte Platte. Schätzung: 150 Euro. Aus Künker-Auktion 446 (23.September 2026), Los 2870.

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Hessen-Darmstadt. Ernst Ludwig. 5 Mark 1904. „Philipp der Großmütige“. J. 75. Aus der Sammlung eines Physikers.

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in Russland hatten sie mich gerne, und so stand ich wirklich in sehr nahem Familien-Verhältnis. Eduard VII. und Georg V. wie Nikolaus II. sprachen ganz offen zu mir über alles, was Deutschland anging und haben mir in vielen Fragen ihr Herz über Deutschland wegen Unannehmlichkeiten etc. ausgeschüttet. Wie oft sagten sie ungefähr: „Kannst du diesen Gedanken und diese Anschauung von mir nicht auf irgendeine Art nach Berlin übermitteln?“ Und immer konnte ich nur sagen, dass ich mein Möglichstes tun würde, mit dem inneren Gefühl, es wird ja doch nichts. … Wie oft hätte ich vor Schritten warnen können, die man nahm und die dann einen schlechten Eindruck machten. Aber man musste mit allem einverstanden sein, was geschah, sonst war man in den Augen der Regierung höchst suspekt. Ich habe mich sogar einstens dem Auswärtigen Amt (eigentlich gegen meine innere Anschauung eines Fürsten) zur Verfügung gestellt, um für unser Deutschland zu arbeiten, habe aber nie eine Antwort auf dieses Anerbieten erhalten.“ Das war Politik. Die preußische Verwaltung, allen voran Bismarck, war bemüht, den gut vernetzten Herrscher von HessenDarmstadt von allen wichtigen Entscheidungen fernzuhalten: „Außer Höflichkeitsaustausch gab es keine Unterhaltung. So war es mit allen Ministern. Unsereiner war für sie zu klein. Überhaupt war man immer nur eine Nummer der Staffage, denn in kleinerem Kreis, auch beim Kaiser, traf ich die Minister nie.“

NGC PF66 CAMEO (Top Pop). Vorderseite mattiert. Polierte Platte, minimal berührt. Schätzung: 500 Euro. Aus Künker-Auktion 446 (23.September 2026), Los 2871.

Unerwünscht! Diese Gedenkmünze ist nur ein Beispiel, wie sehr sich Ernst Ludwig bewusst war, dass die preußisch dominierte Zentralregierung ihn genau wie seine Standesgenossen immer mehr ins Abseits drängte, und das noch mehr, wenn es um die Außenpolitik ging. Traurig konstatiert er: „In der auswärtigen Politik habe ich nie eine große Rolle gespielt, denn sehr bald merkte ich, dass dieses von Berlin aus nicht gewünscht war (Ob Eifersucht?). Und doch hätte ich so viel helfen können, denn mit England und Russland war ich ja schon so lange nahe verwandt. Sowohl in England wie

Sogar bei den verfassungsmäßigen Rechten nutzte die preußische Verwaltung üble Tricks, um die Abstimmungsergebnisse zu erhalten, die sie haben wollte: „Die Reichsregierung machte uns von Berlin aus oft Schwierigkeiten durch die Art, wie sie sich uns Ländern gegenüber benahm. Wenn sie bestimmte Fragen mit dem Ausschuss des Bundesrats zu besprechen hatte, so musste sie uns einen Tag vorher benachrichtigen, damit wir den jeweiligen Abgesandten hinschicken konnten. Nun aber, wenn sie etwas durchdrücken wollte, von dem sie nicht sicher war, dass der jeweilige Staat, den die Frage besonders anging, ganz einverstanden sein würde, hatte sie sich angewöhnt, die Nachricht der Sitzung, die immer sehr früh anberaumt war, so spät den Abend vorher zukommen zu lassen, dass es passierte, dass unser Abgesandter zu spät kam und die in Frage kommende Sache schon besprochen und sehr oft gegen unsere Anschauung bestimmt worden war. Wir reklamierten und beklagten uns, aber immer wieder wurde dieser nicht feine Kniff gebraucht. Zuletzt bat ich meine Minister, einen kleinen Koffer bereit zu stellen,


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Mosaik im Hochzeitsturm. Foto: KW.

in dem sie die nötigen Sachen schon gepackt hatten und sobald die Nachricht ankam, fuhr der jeweilige Minister, dessen Ressort die Besprechung anging, sofort zur Bahn. So waren wir immer zur rechten Zeit zum Erstaunen der Berliner da. Wir ließen uns wenig gefallen und so kam es, dass man in Berlin sagte, die Hessen sind ja sehr grob, aber auch sehr gescheit. Es war nötig so zu handeln, denn die Reichsregierung versuchte auf jede mögliche Art den Bundesrat, wo immer es ging, beiseite zu schieben. Überhaupt wäre es ihr am liebsten gewesen, wenn der ganze Bundesrat abgeschafft worden wäre.“ Die marginale Rolle der Fürsten im Rahmen der Reichspolitik fasst Ernst Ludwig ernüchtert zusammen: „Wir durften den Mund nicht aufmachen. Brachten wir etwas, das nach seiner Anschauung nicht in die Allgemeinheit hineinpasste, so wurde man schlecht behandelt und bei einigen weiß ich, kehrte der Kaiser den Obersten Kriegsherrn heraus, und sie wurden fast wie renitente Offiziere behandelt. Auf diese Art wurden die meisten Stimmen der Fürsten nicht gehört oder nicht berücksichtigt und mit der Zeit lernten sie schweigen, wenn sie für ihr eigenes Land sorgen wollten.“ Auch Ernst Ludwig konzentrierte sich voll auf das wirtschaftliche und soziale Wohlergehen seines eigenen Landes: „Mein Hauptaugenmerk richtete ich ganz auf unser Hessenland und versuchte unser Land so

viel wie möglich auf die Höhe zu bringen, damit es eine angesehene Stellung unter den anderen Staaten Deutschlands hätte. Es ist auch ziemlich gelungen.“ Heirat mit Eleonore zu Solms-Hohensolms-Lich Nach der Scheidung von Victoria Melita von SachsenCoburg und Gotha und dem Tod seiner einzigen Tochter Elisabeth Marie im November 1903 war Ernst Ludwig ohne rechtmäßigen Erben. Das wohlhabende HessenDarmstadt wäre bei seinem plötzlichen Tod zum Zankapfel der vielen Neffen geworden – es hätte zu einem preußischen Eingreifen kommen können, und das war für Ernst Ludwig keine Option. So heiratete er – sexuelle Orientierung hin oder her – am 2. Februar 1905 die zu diesem Zeitpunkt bereits 36-jährige Eleonore zu Solms-Hohensolms-Lich, eine ernsthafte, erfahrene Frau, die sich für Medizin und Sozialarbeit interessierte. Sie brachte bereits am 8. November 1906 den ersehnten Kronprinzen zur Welt. Man taufte ihn Georg Donatus, Georg, den [von Gott] Geschenkten. Zwei Jahre später wurde Ludwig Hermann geboren. The heir and the spare, wie man heute sagen würde. Die Ehe mit Eleonore hat übrigens im Stadtbild von Darmstadt Spuren hinterlassen. Die Bürger schenkten dem frisch gebackenen Ehepaar den Hochzeitsturm, der heute zum Wahrzeichen der Stadt geworden ist, und wo sich Darmstädter Brautleute immer noch trauen lassen können.


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Am Vorabend der russischen Revolution Die Hochzeitsfeierlichkeiten mögen die letzten unbeschwerten Stunden von Ernst Ludwig gewesen sein, denn bald musste er um seine Schwestern in Russland bangen. Es begann mit der Ermordung seines Schwagers Sergej am 17. Februar 1905: „Dann kam der furchtbare Tag, als Serge ermordet wurde. Er war zu einer Sitzung gefahren. Die letzte Zeit fuhr er immer allein, er nahm sogar keinen Adjutanten mit, weil er wusste, dass er von den Revolutionären ein gezeichneter Mann war, und nicht wollte, dass sogar seinetwegen einem seiner Adjutanten etwas passieren könne. Nicht weit weg von dem Palais erfolgte die Explosion. Die meisten Leute im Haus kümmerten sich kaum darum, weil sie nicht laut hörbar war. Ella wusste es gleich und so wie sie war, lief sie aus dem Haus in die Kälte durch die Straßen, bis sie als eine der Ersten am Tatort war. Leute sagten mir, der Anblick wäre fürchterlich gewesen. Noch einige Tage nachher schickten Menschen Knochenteile etc., die bis zum Dach ihrer Häuser geschleudert waren. Gefasst half sie mit, die verstümmelte Leiche zurückzubringen. Als wir, Eure Mama und ich, kurz nach unserer Hochzeit nach Moskau zur Beisetzung kamen, war sie still und dünn mit großen starren Augen, von einer unheimlichen Ruhe, die alles tat, was nötig war, und dazwischen betete sie noch ganze Nächte hindurch.“

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Ihr tiefer Glaube half Elisabeth, einen neuen Sinn im Leben zu finden. Sie gründete in Moskau ein Kloster, das nach dem Vorbild der deutschen Diakonissen organisiert war. Im Mittelpunkt stand dort nicht nur das Gebet, sondern der Dienst am Mitmenschen, so dass dem Kloster ein Krankenhaus, eine Apotheke und ein Waisenhaus angeschlossen waren. So versuchte Elisabeth das Schicksal der Ärmsten der Armen zu lindern. Was die Bolschewiki nicht von ihrer Ermordung abhielt. Ella weigerte sich bis zuletzt, Russland zu verlassen. So warfen sie die Revolutionäre einen Tag nach der Ermordung der Zarenfamilie in einen tiefen Schacht. Ernst Ludwig konstatiert: „Zu unserer Beruhigung hörten wir, dass der Schacht so tief wäre, dass sie sicherlich schon tot gewesen war, ehe sie den Boden erreichte.“ Auch um Alix machte sich Ernst Ludwig ständig Sorgen. Die Zarin litt schwer darunter, dass sie zunächst „nur“ vier Töchter bekam. Und als im August 1904 ihr Sohn geboren wurde, stellte sich heraus, dass auch er ein Bluter war. Immer wieder musste Alix um sein Leben fürchten. Auf Vermittlung der Prinzessinnen Militza und Anastasia von Montenegro wandte sie sich deshalb an den berüchtigten Rasputin: „Jetzt fing sie in ihrer Verzweiflung an, sich dem Mystizismus zuzuwenden, … Endlich kam der Thronfolger. Mit der Zeit stellte sich heraus, dass der arme schöne Knabe krank war.

Der geschlossene Sarg von Sergej Alexandrowitsch Romanow. Durch die Explosion der Bombe wurde sein Körper völlig zerstört. Zeitgenössische Darstellungvon Stepan Mukharsky.

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Preußen. Wilhelm II. in Uniform. 3 Mark 1914. J. 113. Aus der Sammlung eines Physikers. NGC PF65 (Top Pop). Hübsche Patina. Polierte Platte.

Die Mutter war ganz in Verzweiflung. Da brachten die Montenegrinerinnen den Rasputin als Hilfe heran. Was ist da natürlicher, dass sich Alix in ihrem Schmerz an ihn wandte. … Dass diesem gewöhnlichen Menschen allmählich durch ihn vergötternde hysterische Frauen und vorteilssuchende Männer der Kopf verdreht wurde, ist ganz natürlich. Er prahlte viel über den Einfluss, den er bei den Majestäten hätte, aber ich bezweifle, dass er in politischen Fragen groß war.“ Der große Krieg

Schätzung: 500 Euro. Aus Künker-Auktion 446 (23.September 2026), Los 2934.

Preußen. Wilhelm II. in Uniform. 20 Mark 1915. J. 253. Seltener Jahrgang und die letzte Goldmünze, die im Deutschen Kaiserreich geprägt wurde. Kriegsbedingt kam sie nicht mehr zur Ausgabe. Vorzüglich bis Stempelglanz. Schätzung: 3.000 Euro. Aus Künker-Auktion 446 (23.September 2026), Los 3173.

Am 1. August 1914 verkündete das Deutsche Kaiserreich die Generalmobilmachung und erklärte Russland den Krieg. Für Ernst Ludwig war das eine persönliche Katastrophe: „Für mich war es ja besonders hart von nun an ganz von meinen Geschwistern und nächsten Verwandten auf unbestimmte Zeit abgeschnitten zu sein.“ Das hinderte ihn natürlich nicht, seine verfassungsmäßigen Pflichten zu erfüllen. Auch hessische Soldaten wurden für den Krieg aufgeboten: „Außer all den Bekannten in den Regimentern sah man viele neu eingereihte Gesichter von nahen guten Bekannten, auch Söhne von Freunden, frühere Diener etc. Und alle wollten einen noch sprechen, wenn es möglich war. Zuerst marschierten unsere beiden Dragoner-Regimenter aus. Da hörten wir zum ersten Mal das alte „Muss i denn“, und es schnürte uns den Hals und das Herz zusammen als die Regimenter bei diesem Lied, als sie ihre Standarten im Schloss abgeholt hatten, aus dem Schloss die Rheinstraße hinunter nach dem Bahnhof marschierten. … Ich rückte erst später ins Feld, nachdem schon alle Truppen fort waren.“ Eine wichtige Rolle spielt Ernst Ludwig im Kriegsgeschehen allerdings nicht. „Die Zeit an der Front war oft nicht leicht, da ich dem Korpskommando zugeteilt war und eigentlich nur als Zuschauer geduldet wurde.“ Auch sein Versuch, brieflich einen Frieden zwischen Russland und dem Deutschen Reich zu vermitteln, schlug fehl.

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Hessen-Darmstadt. Ernst Ludwig. 3 Mark 1917. Regierungsjubiläum. J. 77. Selten. Aus der Sammlung eines Physikers. NGC PF66 (Top Pop). Prachtexemplar. Polierte Platte. Schätzung: 3.500 Euro. Aus Auktion Künker 446 (23.September 2026), Los 2873.


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Regierungsjubiläum Am 13. März 1917 beging Ernst Ludwig sein silbernes Regierungsjubiläum. Eine äußerst seltene Gedenkmünze erinnert daran. Ursprünglich hatte man 100.000 Exemplare von diesem Münztyp beantragt und genehmigt erhalten, doch wegen des Silbermangels konnten nur 1.333 Stücke ausgeprägt werden. Nach Feiern dürfte es Ernst Ludwig nicht zumute gewesen sein. Im Westen starben die Soldaten in den Schützengräben; und aus Russland hörte man erst Beängstigendes, dann nichts mehr. Am 4. März 1917 hatte mit der Demonstration der Arbeiter der PutilowWerke die russische Revolution begonnen und die Lage wurde schnell so unübersichtlich, dass Ernst Ludwig nichts vom Schicksal seiner Schwester, seines Schwagers, seiner Nichten und Neffen erfuhr. Und da erhielt er einen Anruf des Kaisers, den er ihm nie verzeihen sollte: „Am Schwersten zu ertragen war, als er zu meinem Regierungsjubiläum am 12. März 1917 um 9 Uhr früh mich vom Hauptquartier anrief. Er sagte: „Ich habe die Nachricht erhalten, dass Revolution in Russland ausgebrochen ist und dass der Kaiser und die Kaiserin und die Familie gefangen genommen worden sind. Ob sie am Leben sind, weiß man nicht. Übrigens gratuliere ich.“ Ich konnte kaum gehen und musste zum ersten Frühstück mit den Verwandten, die gekommen waren. Ich musste meine Gefühle auch während der Feierlichkeit verbergen, denn sonst wäre die Traurigkeit vorherrschend gewesen, wo doch alle mir zu Liebe freudig sein wollten. … Im Mai bekam ich ein Telegramm vom Hauptquartier, in dem stand: „Seine Majestät lässt sagen, Kaiser Nikolaus und Familie wären ermordet.“ Damals war noch alles unsicher, denn der Mord war erst im Juli.“ Ende und Anfang Am 3. November 1918 begann mit dem Kieler Matrosenaufstand die Novemberrevolution, die bereits am 8. November auf Hessen-Darmstadt übersprang. Ernst Ludwig war sich bis zum Schluss der Treue der meisten seiner Untertanen gewiss. Ein Beispiel von Loyalität schildert er in seinen Memoiren: „Um die Treue Habichs (Ludwig Habich, Bildhauer) zu zeigen, erzähle ich nur, dass gleich bei der Revolution er mit Mühe nach Darmstadt kam um mir und den Meinen sein Haus in Stuttgart zur Verfügung zu stellen. Dort kenne mich niemand und ich könne dort schalten und walten, wie ich nur wolle.“

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Doch an eben diesem 8. November begannen etwa 7.000 Darmstädter das Neue Palais zu belagern, um Ernst Ludwig zum Rücktritt zu zwingen. Als der sich weigerte, setzte ihn ein Arbeiter- und Soldatenrat am 9. November 1918 ab. Am 10. November wurde das Großherzogtum zur Republik. Am 11. November kapitulierte das Deutsche Reich und zwei Tage später stand ein Bote des englischen Königs vor der Palasttür: „… zwei Tage nach dem Waffenstillstand [kam] ein Diener zu mir herauf … und … sagte, unten stehe ein englischer Offizier, der mich sprechen wolle. Um ihn nicht ins Haus zu bitten, ging ich hinunter. Er stand in der Hügelstraße. Als ich ihn frug, was er wolle, sagte er mir, er käme im Auftrag des Königs und der Königin von England, die mir sagen ließen, wie froh sie wären, dass wir wieder in Verbindung wären und dass Blut stärker wie Wasser wäre und ihre alte Liebe nicht durch den Krieg gelitten hätte.“ Glücklicherweise musste Ernst Ludwig auf dieses implizite Angebot eines Exils nicht zurückgreifen. Im Gegensatz zu anderen Fürsten arrangierte er sich mit der neuen Regierung und behielt seinen Hauptwohnsitz im Neuen Palais, mitten in Darmstadt. Es gäbe noch viel über Ernst Ludwig zu erzählen, etwa von den Prozessen und Verhandlungen, mit denen man das fürstliche Privatvermögen vom hessischen Staatsvermögen trennte. Wir könnten über Ernst Ludwigs Anteil an der Entlarvung der falschen Zarentochter sprechen. Und wir müssten vielleicht auch analysieren, ob sich Ernst Ludwig wirklich zum Nationalsozialismus bekannte, wäre der Großfürst nicht bereits am 9. Oktober 1937 an einer chronischen Lungenentzündung gestorben. Der Blick von außen Bisher haben wir ausschließlich Ernst Ludwig zu Wort kommen lassen. Lassen wir den Schriftsteller Carl Zuckmayer seine Persönlichkeit einordnen. Er schrieb in seinen Lebenserinnerungen Folgendes: „Unser Großherzog konnte der Sympathie seiner Landsleute, bis in die Kreise der radikalen Intellektuellen und der revolutionären Arbeiterschaft sicher sein. Er war ein urbaner, gebildeter Herr, der … sich in der Kriegszeit niemals zu militanten oder hurrapatriotischen Kundgebungen missbrauchen ließ. … Ich habe ihn oft während meiner Gymnasialzeit in seiner Theaterloge gesehen, eine schlanke Gestalt im dunklen Anzug, mit schmalem, feinem Gesicht, wenn er zu einem besonderen Konzert in Mainz erschien und die stehende, ehrfurchtsvolle Begrüßung durch das Publikum, sichtlich etwas verlegen, mit einer liebenswürdig-bescheidenen Geste erwiderte.“


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Grab von Ernst Ludwig und seiner Familie. Foto: KW.

Das Grab auf der Rosenhöhe Ernst Ludwigs Grab ist heute in einem idyllischen Park zu finden. Man gelangt auf die Rosenhöhe, indem man zwischen hohen Stelen hinduchgeht, von denen im Jugendstil gestaltete Löwen auf die Besucher herabblicken. Einst wachten sie über den Eingang einer Darmstädter Ausstellung, nun stehen sie am Beginn des Wegs zum Grab von Ernst Ludwig. Neben ihm ruhen seine Gattin Eleonore, sein Sohn Georg Donatus, dessen Ehefrau Cäcilie, ihre Söhne Ludwig und Alexander, alle verstorben am 16. November 1937, als das Flugzeug abstürzte, das sie eigentlich zur Hochzeit des jüngeren Sohnes von Ernst Ludwig hätte bringen sollen. Ludwig Hermann stand mit seiner Verlobten auf dem Flugplatz von Croydon, um seine Familie für die Feierlichkeiten abzuholen, als man ihm die Nachricht von dem Unglück überbrachte. Er heiratete im privaten Rahmen, ehe er sich nach Belgien begab, um die Überführung der Verstorbenen nach Darmstadt zu veranlassen.

Quellen: · Barbara Hauck, Capriolen – Die Männerfreundschaften des letzten hessischen Großherzogs Ernst Ludwig. Bad Nauheim (2017). · Frank-Lothar Kroll, Geschichte Hessens. München (2006) · Kurt Jaeger, Die deutschen Münzen seit 1871. 29. Auflage, Regenstauf (2025)

Die Ehe von Hermann Ludwig blieb kinderlos. So adoptierte er 1960 Moritz von Hessen-Kassel, dessen ältester Sohn Heinrich Donatus seit 2013 Chef des immer noch existierenden Hauses Hessen ist.

· Ernst Ludwig, Geschehnisse und Menschen – Erinnerungen. 2. Auflage, Darmstadt und Marburg (2024) · Marina Soroka, Diplomats‘ Wives and the Foreign Ministry in Late Imperial Russia, in Four Portraits.


The Imperial Collection Part I

Numismatische Kostbarkeiten aus dem Besitz der preußischen Könige und deutschen Kaiser aus dem Hause Hohenzollern


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THE IMPERIAL COLLECTION

„ The Imperial Collection“ – ein Auktionsabend für die Geschichtsbücher

Der Auktionssaal in Osnabrück war bis auf den letzten Platz gefüllt.

Es sind Sammlungen wie diese, die in Erinnerung bleiben. Mit „The Imperial Collection“ eröffneten wir unsere Sommer-Auktionen 2026 – ein numismatisches Highlight, das preußisch-deutsche Geschichte aus dem Haus Hohenzollern widerspiegelt. Diese einzigartige Sammlung lockte zahlreiche Bieter nach Osnabrück in den Auktionssaal, weltweit fieberten Hunderte weitere per Livebidding im Netz oder am Telefon mit. Von 14.00 bis 21.00 Uhr dauerte die Versteigerung der 337 Stücke – im Schnitt rund 75 Sekunden pro Los, ein für Auktionen ungewöhnlich zähes Tempo, das die Hartnäckigkeit der Bietgefechte eindrucksvoll widerspiegelt. So groß war der Wunsch vieler Sammler, sich ein Objekt aus kaiserlichem Besitz zu sichern. Es fühlte sich an wie zu alten Zeiten: Der Auktionssaal in Osnabrück war bis auf den letzten Platz gefüllt, sodass zusätzliche

Stühle herangeschafft werden mussten. Enthusiasmus, Ehrgeiz und Euphorie – eine Atmosphäre, wie man sie selten erlebt. Ein Ergebnis, das die Erwartungen weit übertraf Das Interesse aus aller Welt hat unsere Erwartungen deutlich übertroffen: Die Gesamtschätzung der Sammlung lag bei rund 1 Million Euro – am Ende stand ein Gesamtzuschlag von rund 4 Millionen Euro (ohne Aufgeld). Ein Ergebnis, das die herausragende Bedeutung dieser Sammlung eindrucksvoll bestätigt. Besonders die Silbermedaillen legten erheblich zu – ein deutliches Zeichen dafür, wie viele Privatsammler mitboten, um eine Münze aus Hohenzollern-Besitz in die eigene Sammlung legen zu können.


THE IMPERIAL COLLECTION

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Los 297 - Kaiserreich Russland Nikolaus I., 1825-1855. 1 1/2 Rubel (10 Zlotych) 1835, St. Petersburg. Familienrubel. Von größter Seltenheit. Nur 36 Exemplare geprägt. Kabinettstück von polierten Stempeln. Fast Stempelglanz. Aus dem Nachlass König Friedrich Wilhelms IV. Schätzung: 250.000 Euro, Zuschlag: 700.000 Euro

2:1

Rekordzuschläge und heimliche Stars Wie erwartet erzielte der russische Familienrubel, den Kaiser Nikolaus I. vermutlich persönlich seinem preußischen Schwager Friedrich Wilhelm IV. nach Berlin zukommen ließ, das höchste Ergebnis: Geschätzt auf 250.000 Euro, wurde er bei sagenhaften 700.000 Euro zugeschlagen (Los 297).

Los 191 - Königreich Preußen Wilhelm I., 1861-1888.

Auch das Titelstück des Katalogs 442 sorgte für Aufsehen: Die Goldmedaille zu 120 Dukaten von 1871 auf den Sieg über Frankreich aus dem Besitz Wilhelms I. – eines von nur 25 in Gold geprägten Exemplaren – kletterte von 75.000 Euro Schätzung auf beachtliche 160.000 Euro (Los 191).

Generalsmedaille zu 120 Dukaten 1871, auf den Sieg über Frankreich. In Gold nur 25 Exemplare geprägt. Von größter Seltenheit. Fast Stempelglanz. Aus dem Nachlass Kaiser Wilhelms I. Schätzung: 75.000 Euro, Zuschlag: 160.000 Euro

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Jeweils 70.000 Euro erzielten die Goldmedaille zu Ehren Alexander von Humboldts (Los 154) und jene anlässlich der Enthüllung des Denkmals für Friedrich II. (Los 166). Heimlicher Star des Abends war die perfekt erhaltene Silbermedaille des Soldatenkönigs auf die Truppenschau in Berlin von 1733: Von 7.500 Euro Schätzung stieg sie auf beeindruckende 50.000 Euro (Los 32). Mit welchem Enthusiasmus geboten wurde, zeigen aber gerade auch die vermeintlich „unauffälligen“ Stücke: Eine Silbermedaille von 1851 (Los 172) auf die Huldigung Friedrich Wilhelms IV. aus seinem eigenen Besitz – geschätzt mit 100 Euro – erzielte dank perfekter Erhaltung und feinster Regenbogenpatina 3.200 Euro. Solche Preissteigerungen waren nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel.

Los 154 - Königreich Preußen Friedrich Wilhelm IV., 1840-1861. Goldmedaille zu 80 Dukaten 1847, auf den Naturwissenschaftler Alexander von Humboldt und das Erscheinen des zweiten Bandes seines Werkes „Kosmos“. NGC MS 65 PL. Fast Stempelglanz. Aus dem Nachlass Kaiser Wilhelms I. Schätzung: 40.000 Euro, Zuschlag: 70.000 Euro

Los 166 - Königreich Preußen Friedrich Wilhelm IV., 1840-1861. Goldmedaille zu 50 Dukaten 1851, auf die Enthüllung des Reiterdenkmals Friedrichs des Großen auf dem Boulevard „Unter den Linden“ in Berlin. NGC MS 63 PL. In Gold von größter Seltenheit. Fast Stempelglanz. Aus dem Nachlass Kaiser Wilhelms I. Schätzung: 25.000 Euro, Zuschlag: 70.000 Euro


THE IMPERIAL COLLECTION

Dank – und ein Ausblick Unser Dank gilt dem Haus Hohenzollern für das uns entgegengebrachte Vertrauen, unserem Kooperationspartner, der Philipp Württemberg Art Advisory GmbH, für die hervorragende Zusammenarbeit sowie den vielen Bietern und Sammlern aus aller Welt, die diese Auktion zu etwas Besonderem gemacht haben. Eine Auktion, die eindrucksvoll zeigt, wie lebendig und stark der numismatische Markt ist. Und wer diesmal nicht zum Zuge kam, darf sich freuen: Ein zweiter Teil der Imperial Collection, den wir eingangs kurz vorgestellt haben, wird im Rahmen einer eLive Premium Auction im November 2026 versteigert.

Los 32 - Königreich Preußen Friedrich Wilhelm I., der Soldatenkönig, 1713-1740. Silbermedaille 1733, von P. P. Werner, auf die Truppenschau in Berlin. Von großer Seltenheit. Attraktives Exemplar mit feiner Patina, prachtvolles Medaillon, vorzüglich. Schätzung: 7.500 Euro, Zuschlag: 50.000 Euro

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Los 172 - Königreich Preußen Friedrich Wilhelm IV., 1840-1861. Silbermedaille 1851, von Chr. Pfeuffer, auf seine Huldigung in Hohenzollern. Prachtexemplar. Herrliche Patina, fast Stempelglanz Schätzung: 100 Euro, Zuschlag: 3.500 Euro

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Ein Abend für die Imperial Collection – Empfang am Vorabend der Auktion 442 Es gibt Abende, an denen Geschichte lebendig wird. Der Vorabend unserer Auktion 442 „The Imperial Collection, Part I“ war ein solcher Anlass. Rund 50 geladene Gäste kamen in Osnabrück zusammen, um eine Sammlung zu würdigen, die über Jahrzehnte der Öffentlichkeit verborgen geblieben war und deren außergewöhnliche Geschichte im Mittelpunkt des Abends stand.

Ulrich Künker begrüßte die Gäste, unter ihnen Dr. Philipp Herzog von Württemberg sowie Osnabrücks Oberbürgermeisterin Katharina Pötter. Nach einer Einführung in das Programm des Abends und einem Ausblick auf die am folgenden Tag stattfindende Auktion übergab er das Wort an den Herzog. Mit seiner Philipp Württemberg Art Advisory GmbH war dieser als Kooperationspartner und Vermittler zwischen dem Haus Hohenzollern und unserem Auktionshaus maßgeblich daran beteiligt, dass die Imperial Collection ihren Weg nach Osnabrück fand.

der aufwendig gestaltete Auktionskatalog mit seinen reich bebilderten Hintergrundbeiträgen. Sein Anspruch reicht weit über eine reine Dokumentation hinaus: Er erzählt preußisch-deutsche Geschichte anhand der Sammlerpersönlichkeiten Friedrich Wilhelm III., Friedrich Wilhelm IV. und Wilhelm I. und macht die historischen Zusammenhänge ebenso anschaulich wie die Provenienz der Sammlung. So entstand ein Werk, das über die Auktion hinaus Bestand haben wird – als Referenz und Nachschlagewerk für Wissenschaft, Sammler und numismatisch Interessierte.

In seinem Grußwort würdigte Dr. Philipp Herzog von Württemberg die vertrauensvolle und partnerschaftliche Zusammenarbeit, die dieses außergewöhnliche Projekt erst möglich gemacht hat. Besondere Anerkennung fand

Einen eindrucksvollen Bezug zur Geschichte Osnabrücks stellte Oberbürgermeisterin Katharina Pötter her. Sie erinnerte daran, dass die Stadt nach der Auflösung des Königreichs Hannover im Jahr


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Ulrich Künker

Katharina Pötter

Fritz Rudolf Künker

V.l.n.r.: Philipp Herzog von Württemberg, Ulrich Künker, Hans-Jürgen Fip,

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Philipp Herzog von Württemberg

Katharina Pötter, Fritz Rudolf Künker

1866 preußisch wurde und die folgende Epoche einen tiefgreifenden Modernisierungsschub mit sich brachte – vom Ausbau der Eisenbahn über die Industrialisierung bis hin zur Öffnung der ehemaligen Festungsstadt. Rund 160 Jahre später kommen nun die Münzen und Medaillen jener Herrscher nach Osnabrück, die einst von Berlin aus die Geschicke Preußens lenkten. „Für die kommenden Tage schaut die numismatische Welt nicht nach Potsdam oder Berlin, sondern nach Osnabrück“, betonte Pötter. Zugleich würdigte sie das Haus Künker als Botschafter, der „die Welt zu uns in die Friedensstadt“ bringt. Den inhaltlichen Höhepunkt des Abends bildete der Vortrag von Fritz Rudolf Künker unter dem Titel „Die Hohenzollern im 19. Jahrhundert – Eine deutsche

Geschichte“. Er spannte den Bogen von den Reformen unter Friedrich Wilhelm III. über die Reichsgründung bis zum Ende der Monarchie im Jahr 1918 – und zeichnete damit jene Epoche nach, in der die Imperial Collection entstand. Beim anschließenden Empfang mit Champagner und Canapés bot sich den Gästen die Gelegenheit, ausgewählte Spitzenstücke der Sammlung zu betrachten, die Eindrücke des Vortrags zu vertiefen und sich über die bewegte Geschichte dieser außergewöhnlichen Sammlung auszutauschen. Wer an diesem Abend nicht teilnehmen konnte, muss auf den Vortrag nicht verzichten: Auf den kommenden Seiten finden Sie ihn in voller Länge.


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Die Hohenzollern im 19. Jahrhundert – Eine deutsche Geschichte Von Fritz Rudolf Künker

Die Markgrafen von Brandenburg und späteren Könige von Preußen waren Calvinisten, sie gehörten der evangelischreformierten Kirche an. Vor allem im 19. Jahrhundert spielte die Konfession eine große Rolle, was zu Konflikten führte, besonders mit den Katholiken, die sich im Kulturkampf ab 1874 zuspitzten. Friedrich Wilhelm III. hatte 1817 die preußisch-unierte Kirche gegründet, wodurch die Glaubensunterschiede zwischen den Mitgliedern der evangelisch-reformierten und der evangelisch-lutherischen Kirche aufgehoben werden sollten. Das Christentum als gemeinsames Bindeglied zwischen der Dynastie der Hohenzollern und allen Schichten der Bevölkerung war tief im Bewusstsein der Menschen in Preußen verankert.

Friedrich Wilhelm III., 1797-1840.

Am 23. Juni 2026 hielt der Verfasser einen Vortrag zu diesem Thema im Rahmen der 442. Auktion, die unter dem Titel „The Imperial Collection, Part I“ figurierte. Die Auktion enthielt 337 Objekte aus der privaten Sammlung des Hauses Hohenzollern, die die preußischen Könige vor allem im 19. Jahrhundert zusammengetragen hatten. Ein Staatsvertrag regelte im Jahre 2025 die Restituierung der Sammlung, die 1958 von der Sowjetunion an die DDR übergeben und anschließend im Bode-Museum in Berlin aufbewahrt wurde. Diese Sammlung ist im Wesentlichen entstanden unter dem preußischen König Friedrich Wilhelm III. (1797-1840) und seinen Söhnen König Friedrich Wilhelm IV. (1840-1861) und dessen jüngerem Bruder König Wilhelm I. (1861-1888), der ab 1871 auch Deutscher Kaiser war.

Dazu gehörte auch das Verständnis der Monarchen, dass sie von Gott als Regenten über ihre Untertanten eingesetzt waren, was man bis heute als Gottesgnadentum bezeichnet. Preußen war kein Nationalstaat, die deutsche Bevölkerung stellte zwar die Mehrheit, aber im Osten des Königreiches gab es eine starke polnische Minderheit, vor allem in den Provinzen Westpreußen und Posen, aber auch in Oberschlesien als Teil der Provinz Schlesien. Schließlich gab es im Nordosten der Provinz Ostpreußen eine litauische Minderheit. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Preußen ein Agrarstaat, die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung war in der Landwirtschaft beschäftigt. Die industrielle Revolution veränderte diese Situation grundlegend. Die Hauptstadt Berlin wuchs enorm schnell, von 172.000 Einwohnern im Jahr 1800 auf 914.000 im Jahr der Reichsgründung 1871 und auf 2.712.000 im Jahr 1900. Sehr bedeutend war die Entwicklung des Eisenbahnwesens in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts.


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Friedrich Wilhelm IV., 1840-1861.

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Wilhelm I., 1861-1888.

Die Bevölkerung in Preußen betrug im Jahr 1800 im Jahr 1867 um 1900

6,2 Millionen 23,9 Millionen 34,5 Millionen

Zum Vergleich: Das Deutsche Reich hatte um 1900 56 Millionen Einwohner

Die Größe betrug in Quadratkilometern Preußen 1914 Deutsches Reich 1914

349.000 km2 540.000 km2

Zum Vergleich: Die Bundesrepublik Deutschland hat seit der Wiedervereinigung 1990 357.600 km2.

Friedrich III., 1888.

Die politischen Veränderungen waren besonders zu Beginn des 19. Jahrhunderts katastrophal. Nach der verheerenden Niederlage gegen Kaiser Napoleon I. in den Schlachten von Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 musste sich Preußen dem französischen Diktat unterwerfen und erhebliche territoriale Verluste hinnehmen.

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Das Königreich Preußen

Der Deutsche Bund

Die Niederlage Napoleons wenige Jahre später (Völkerschlacht bei Leipzig 1813 und Schlacht bei Waterloo 1815) führte im Wiener Kongress zur territorialen Neuordnung Preußens und ganz Mitteleuropas. Es gab fünf Großmächte: neben

Großbritannien, Frankreich, Österreich-Ungarn und Russland eben auch das Königreich Preußen. Diese Ordnung blieb ein Jahrhundert bestehen, nach dem Ende des 1. Weltkrieges entstand ein völlig neues Staatengebilde in Europa.


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Friedrich Wilhelm III. mit Königin Luise, 1797-1810.

Der Gegenspieler: Kaiser Napoleon I., Porträt von 1809.

Mit der Restaurierung im Wiener Kongress gingen auch die Ideen der französischen Revolution von 1789 in Europa für lange Zeit unter: Liberté, Egalité, Fraternité (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit). Das Verständnis von Gottesgnadentum und Untertänigkeit war die Grundlage staatlichen Handelns in den meisten Staaten Europas.

Die Universität zu Berlin

König Friedrich Wilhelm III., 1797-1840 König Friedrich Wilhelm III. trat nach dem Tod seines prunksüchtigen Vaters Friedrich Wilhelm II. (1786 bis 1797) ein schweres Erbe an. Und die Niederlage von 1806 gegen Napoleon I. dürfte ihn und seine Familie geradezu traumatisiert haben. Auch der Charme seiner Gemahlin Königin Luise konnte Napoleon nicht dazu bewegen, die harten Friedensbedingungen für Preußen abzumildern. Der frühe Tod der Königin im Jahr 1810 war ein weiterer Schicksalsschlag für den zurückhaltenden und bescheidenen König, der als entscheidungsschwach galt und sich von Beratern abhängig machte. Gleichwohl fällt in diese für Preußen sehr bedrückende Zeit die Gründung der Berliner Universität im Jahre 1810, vorangetrieben vor allem durch Wilhelm von Humboldt (1767 bis 1835).

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Die Universität zu Berlin entwickelte sich schnell sehr positiv und wurde zum Modell für andere Universitäten. 1914 war sie bereits die größte deutsche Universität. Der Weltruf der Berliner Universität wurde gekrönt durch zahlreiche Nobelpreisträger, darunter Max Planck (1918), Albert Einstein (1921), Robert Koch (1905) und Otto Hahn (1944). Als einziger deutscher Historiker erhielt Theodor Mommsen 1902 den Nobelpreis für Literatur (für sein Werk „Römische Geschichte“). Der Althistoriker Theodor Mommsen hatte bereits 1885 den Ort der Varusschlacht richtig beschrieben, nämlich Kalkriese nördlich von Osnabrück. (Mommsen, Theodor: Die Örtlichkeit der Varusschlacht). 1828 wurde die Universität zu Berlin in königliche Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin umbenannt. Seit 1949 heißt sie Humboldt-Universität Berlin. Zu den ersten Professoren gehörten Schleiermacher, Savigny, Fichte und Niebuhr. Wilhelm von Humboldt schrieb an seine Frau Carolin über die Fachgelehrten: „Die unbändigste und am schwersten zu befriedigende Menschenklasse mit ihren sich ewig durchkreuzenden Interessen, ihrer Eifersucht, ihrem Neid, ihrer Lust zu regieren, ihren einseitigen Ansichten, wo jeder meint,


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Die Berliner Universität, gegründet 1810.

Wilhelm von Humboldt, 1767-1835.


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dass nur sein Fach Unterstützung und Beförderung verdiene.“ Dennoch, das Ziel Wilhelm von Humboldts, die Unabhängigkeit von Forschung und Lehre, wurde erreicht. Bereits 1810 wurde das Lehramtsexamen für Gymnasiallehrer eingeführt und die Vereinheitlichung des Abiturs 1812. Im Jahre 1811 wurde mit der Gründung der Universität zu Breslau auch in Schlesien das Berliner Erfolgsmodell eingeführt. Das dynastische Denken der Hohenzollern Wie in anderen Monarchien ebenfalls, so versuchten auch die preußischen Könige die guten Verbindungen zu anderen Staaten durch dynastische Verbindungen zu stärken. Zwei Beispiele sollen hier genannt werden. Am 13. Juli 1817 heiratete die preußische Prinzessin Charlotte, eine Tochter König Friedrich Wilhelms III. und Schwester der späteren Könige Friedrich Wilhelm IV. und Wilhelm I. (ab 1871 deutscher Kaiser), den späteren russischen Kaiser Nikolaus I. (1825- 1855). Als russische Kaisern nahm sie den Namen Alexandra Fjodorowna an. Zahlreiche russische Münzen und Medaillen in der Hohenzollernsammlung belegen die guten Beziehungen zwischen den Herrscherhäusern. Luise, die Tochter des späteren Königs und Kaisers Wilhelm I. und seiner Gattin Augusta von SachsenWeimar, heiratete am 20. September 1856 den badischen Prinzregenten und späteren Großherzog Friedrich I. (1856-1907). Am 18. Januar 1871 brachte Friedrich das Hoch auf seinen zum deutschen Kaiser proklamierten Schwiegervater Wilhelm I. aus.

Kaiser Nikolaus I., 1825-1855, Gemahl von Charlotte von Preußen.

Großherzogin Luise von Baden, 1838-1923,

Großherzog Friedrich I. von Baden, 1826-1907,

Tochter von Kaiser Wilhelm I.

Schwiegersohn von Kaiser Wilhelm I.

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Prinzessin Charlotte von Preußen (1798-1860), als Kaiserin von Russland Alexandra Fjodorowna (1825-1855)


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Friedrich Wilhelm IV., 1840-1861.

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Königin Elisabeth von Preußen, geb. Prinzessin von Bayern, Schwester König Ludwigs I. von Bayern, 1801-1873.

König und Kaiser Wilhelm I., 1861-1888.

Kaiserin Augusta von Sachsen-Weimar, 1811-1890.

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Die Kaiserproklamation am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal des Schlosses Versailles.

König Friedrich Wilhelm IV., 1840-1861

König und Kaiser Wilhelm I., 1861-1888

Friedrich Wilhelm IV. war seit 1823 mit der bayerischen Prinzessin Elisabeth Ludovica verheiratet, einer Tochter des bayerischen Königs Maximilian I. Josef und einer Halbschwester König Ludwigs I. von Bayern. Die Ehe blieb kinderlos. Die Amnestie zahlreicher politischer Gefangener zu Beginn seiner Regierungszeit weckte bei der liberalen Bewegung falsche Hoffnungen. Wie sein Vater Friedrich Wilhelm III. und sein Bruder und Nachfolger Wilhelm I. hielt Friedrich Wilhelm IV. am Gottesgnadentum fest. Erst unter dem Druck der Märzrevolution von 1848 stimmte er zu, dass Preußen eine Verfassung erhielt, die er aber später in Teilen zurücknahm. Und als die Frankfurter Nationalversammlung ihn im März 1849 zum deutschen Kaiser wählte, lehnte er die Annahme des Titels wenig später ab. Als von Gott eingesetzter Monarch wollte er kein vom Volk gewählter Kaiser sein. Damit war das Scheitern der Märzrevolution besiegelt. Friedrich Wilhelm IV. war ein großer Förderer von Kunst und Kultur. Das neue Museum in Berlin wurde in seiner Regierungszeit erbaut. Zahlreiche Münzen und Medaillen aus der Hohenzollernsammlung stammen aus seinem Nachlass.

Wilhelm I. hatte dieselben konservativen Grundeinstellungen wie sein Vater und sein Bruder. Auch er war ein Verfechter des Gottesgnadentums. Als Prinz Wilhelm heiratete er am 11. Juni 1829 Prinzessin Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach. Die Ehe des konservativen Wilhelm mit der liberalen Augusta galt als nicht sehr glücklich. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Friedrich Wilhelm (1831 bis 1888), der ewige Kronprinz und spätere Kaiser Friedrich III., der nur 99 Tage regierte, sowie Luise (1838 bis 1923), die spätere Großherzogin von Baden. In der Regierungszeit Wilhelms I. erfuhr der Staat Preußen eine große Ausdehnung. Als Folge des deutsch-deutschen Krieges von 1866 annektierte Preußen das Herzogtum Schleswig-Holstein, das Königreich Hannover, das Kurfürstentum Hessen, das Herzogtum Nassau und die freie Stadt Frankfurt. Fast der gesamte norddeutsche Raum wurde preußisches Staatsgebiet.


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Kaiser Wilhelm I. und Reichskanzler Bismarck.

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Auktion 442, Los 203 aus der Imperial Collection: Goldmedaille zu 15 Dukaten 1885, auf den 70. Geburtstag Bismarcks 1,5:1

und sein 50jähriges Dienstjubiläum.

Wilhelm I. und Bismarck

Kaiser Friedrich III., 1888

Wilhelm I. war ein persönlich sehr bescheidener und zurückhaltender Monarch. Seine Regierungszeit ist ohne den späteren Reichskanzler Otto von Bismarck (1815-1898) unvorstellbar. 1862 hatte Wilhelm I. den Diplomaten Bismarck zum preußischen Ministerpräsidenten berufen. Konsequent verfolgte Bismarck die sogenannte kleindeutsche Lösung unter Ausschluss Österreich-Ungarns als Führungsmacht in Deutschland. Die als Einigungskriege bezeichneten militärischen Auseinandersetzungen gegen Dänemark (1864), Österreich (1866) und Frankreich (1870/71) führten zur Auflösung des Deutschen Bundes 1866 und zur Gründung des Deutschen Reiches 1871. Wilhelm I. war mit dieser Entwicklung unzufrieden und soll noch am Tag der Kaiserproklamation gesagt haben, dies sei der traurigste Tag in seinem Leben. Außerdem wollte er, wenn schon, Kaiser von Deutschland werden und nicht Deutscher Kaiser. Das Deutsche Reich war als Bundesstaat organisiert. Bismarck war von 1871 bis 1890 der erste Reichskanzler.

Kaiser Friedrich III. war seit 1858 mit Victoria Princess Royal verheiratet, einer Tochter von Queen Victoria. Die Ehe galt als sehr glücklich, und die Liberalen in Deutschland hofften auf eine günstige Entwicklung in Preußen und dem Deutschen Reich, vor allem durch den positiven Einfluss von Victoria auf ihren Gemahl Friedrich. Als er im März 1888 den Thron bestieg, war er aber unheilbar krank und starb am 15. Juni nach einer Regierungszeit von nur 99 Tagen an Kehlkopfkrebs.

Der britische Historiker Christopher Clark urteilt über Bismarck so: „Die staatliche Manipulation der Presse war ein Instrument, das er zu einer hohen Kunst entwickeln sollte.“ (Clark S. 596) Im Konzert der europäischen Großmächte suchte Bismarck den Ausgleich. Österreich-Ungarn blieb Verbündeter bis 1918. Es gab 1881 das Dreikaiserbündnis mit Russland, das aber durch die Annäherung zwischen Frankreich und Russland unter Kaiser Alexander III. de facto beendet wurde. Kaiser Wilhelm I. ist Bismarck fast immer gefolgt, wenn auch zum Teil widerstrebend. Noch kurz vor seinem Tod am 9. März 1888 soll er zu Bismarck gesagt haben: „Es war nicht immer leicht, unter Ihnen Kaiser zu sein.“

Kaiser Friedrich III., 1888.


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Kaiser Wilhelm II., 1888-1918 Der britische Historiker Christopher Clark ist einer der besten Kenner der preußischen Geschichte und beschreibt den Regierungsbeginn Wilhelms II. in seinem großartigen Werk Preußen Aufstieg und Niedergang, 1600-1947 (S. 672): „Bei der Thronbesteigung Wilhelms II. im Jahr 1888 glich das Amt des Kaisers einem Haus, in dem in den meisten Zimmern noch nie jemand gewohnt hat. Sein Auftritt leitete eine Revolution im Führungsstil der deutschen Kaisermonarchie ein. Wilhelm II. betrachtete sich von Anfang an als Persönlichkeit des öffentlichen Lebens.“

Kaiserin Friedrich, Geb. Princess Royal, Tochter der Queen Victoria,1840-1901.

Die Kaiserin Friedrich, wie Victoria genannt wurde, starb wie ihre Mutter, die Queen Victoria im Jahr 1901 auf ihrem Witwensitz Schloss Friedrichshof in Kronberg im Taunus. Das Verhältnis von Victoria und ihrem Sohn Wilhelm, dem späteren Kaiser, galt als angespannt und von Misstrauen geprägt.

Auktion 442, Los 182 aus der Imperial Collection Goldmedaille auf die Vermählung 1858 des Prinzen Friedrich Wilhelm (des späteren Kaisers Friedrich III.) mit Victoria, Royal Princess of Great Britain.

Die persönlich sehr bescheidene Lebensführung, wie sie Kaiser Wilhelm I. vorgelebt hatte, fand mit seinem Tod ein Ende. Der junge Kaiser, er war 29 Jahre alt, als er den Thron bestieg, liebte den Prunk. Er war extrem reisefreudig und nutzte seine Dampfyacht Hohenzollern, um das deutsche Reich als Weltmacht zu repräsentieren. In Berlin erschien ihm das Stadtschloss zu unmodern und veraltet. Daher förderte Wilhelm den Bau des Luxushotels Adlon unter den Linden, das er am 23. Oktober 1907 persönlich einweihte und seinen Staatsgästen für ihren Aufenthalt in Berlin empfahl. Wilhelm II. war seit 1881 mit Auguste Viktoria verheiratet, einer Prinzessin aus dem Hause Schleswig-Holstein-Augustenburg (1858 bis 1921). Das Paar hatte sechs Söhne, darunter Kronprinz Wilhelm (1882-1951) und eine Tochter, Viktoria Luise, die spätere Herzogin von Braunschweig (1892-1980). Ihre Vermählung mit Herzog Ernst August im Jahr 1913 sollte zur Aussöhnung mit den Welfen beitragen. Die Beziehungen zwischen den Hohenzollern und den Welfen waren seit der Annexion des Königreiches Hannover 1866 angespannt. Wilhelm II. ist eine umstrittene Persönlichkeit. Sein forsches Auftreten hat dazu beigetragen, dass das Deutsche Reich von den anderen europäischen Großmächten als unkalkulierbarer Machtfaktor wahrgenommen wurde. Der Aufbau der Kriegsmarine war auch ein Grund, dass England zu einem Gegner Deutschlands wurde, und die „Entente cordiale“, 1904 zwischen Frankreich und England abgeschlossen, führte schließlich zu der Konstellation, dass das Deutsche Reich im Ersten Weltkrieg die Großmächte Frankreich, England und Russland als


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Kaiser Wilhelm II., 1888-1918.

Kaiserin Auguste Viktoria, 1888-1918.

Gegner hatte und in einen Zweifrontenkrieg geriet. Am Ende des Ersten Weltkrieges gewährten die neutralen Niederlande dem entmachteten und abgedankten Kaiser Exil. Er erwarb Haus Doorn bei Utrecht, wo er sich als Holzfäller betätigte. Große Teile seiner privaten Gegenstände durfte er mitnehmen. Haus Doorn, wo er 1941 verstarb, ist heute ein niederländisches Museum, das an die besondere Geschichte Wilhelms II. erinnert. Christopher Clark kommt zu folgender Schlussfolgerung: „Die Wahrheit ist, dass Preußen ein europäischer Staat war, lange bevor es ein deutscher wurde. Deutschland war nicht die Erfüllung Preußens, sondern sein Verderben.“

Kronprinz Wilhelm, 1882-1951.


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Auktion 442, Los 200 aus der Imperial Collection: Goldmedaille 1881 auf die Vermählung des Prinzen Wilhelm (später Kaiser Wilhelm II.) mit Auguste Viktoria von Schleswig-Holstein-Augustenburg

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Bibliographie Christopher Clark: Preußen – Aufstieg und Niedergang 1600-1947. München 2007/2023 ISBN 978-3-421-07021-0 Mommsen, Theodor:

Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, Berlin-Brandenburg -

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KÜNKER AUF DER NUMISMATIK@MUNICH SHOW

Wenn Geschichte auf Natur trifft: Künker auf der Premiere der NUMISMATIK@Munich Show Vom 23. bis 25. Oktober 2026 öffnet die Munich Show erstmals ihre Türen für die Numismatik. Mit NUMISMATIK@Munich Show entsteht in Halle A1 der Messe München auf rund 6.000 Quadratmetern ein eigenständiger Themenbereich für Münzen, Medaillen und Banknoten. Eine Messe, zwei Welten – und ein gemeinsamer Kern Seit ihrer Gründung im Jahr 1964 hat sich die Munich Show zur weltgrößten Messe für Mineralien, Fossilien, Edelsteine und Schmuck entwickelt. Über 60 Jahre später kommt ein neues Kapitel hinzu: Erstmals wird die Numismatik zum festen Themenbereich dieser traditionsreichen Herbstmesse. Künker ist von der ersten Stunde an dabei. Sonderschauen, Vorträge und Aktionen für die ganze Familie Berühmt ist die Munich Show für ihre aufwendig inszenierten Sonderschauen, ihr umfangreiches Vortragsprogramm und zahlreiche Mitmachaktionen für Kinder – Formate, die Wissen vermitteln und schon die Jüngsten für das Sammeln begeistern. Für den neuen Numismatik-Bereich ist 2026 eine kulturhistorische Sonderschau geplant, die dem Leben des bayerischen „Märchenkönigs“ Ludwig II. gewidmet ist. Besuchen Sie uns in Halle A1 Nutzen Sie die Gelegenheit, Künker auf der Munich Show persönlich zu treffen: An unserem Stand in Halle A1, Stand 453 nimmt sich unser Team gern Zeit für Sie – für das persönliche Gespräch, für Ihre Fragen rund um unsere Auktionen und zu Einlieferungen sowie für den fachlichen Austausch, den kein Katalog ersetzen kann. Kolleginnen und Kollegen aus dem Edelmetallhandel freuen sich, Ihnen ein attraktives Angebot an historischen Goldmünzen, Anlagemünzen und Barren in unterschiedlichen Gewichten zu präsentieren. Für ein umfassendes numismatisches Erlebnis sorgen die Touchscreens an unserem Messestand: Dort können Sie ganz entspannt durch unseren Onlineshop surfen. Freuen Sie sich auf ein breites Angebot von der Antike

über die Neuzeit bis zu modernen Prägungen – und das Beste: Auf jeden Einkauf, den Sie über den Touchscreen tätigen, erhalten Sie einen exklusiven Messerabatt (ausgenommen ist Literatur). Falls Sie überlegen, sich von einzelnen Stücken oder Ihrer Sammlung zu trennen, haben Sie auf der Munich Show Gelegenheit dazu: Stellen Sie unseren Experten Ihre Objekte direkt am Messestand vor – wir nehmen vor Ort Einlieferungen für unsere kommenden Auktionen entgegen. Möchten Sie Anlagemünzen oder Barren unmittelbar verkaufen, unterbreiten wir Ihnen sofort ein Angebot zu attraktiven Kursen. Bringen Sie Ihre Stücke also gern mit.


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Besonders reizvoll: Vor Ort, in einem der Auction Rooms, können Sie über 5.000 Losnummern und somit nahezu das gesamte Angebot unserer Winter-Auktionen besichtigen! Ausgenommen sind sogenannte Großlose, Lots oder Konvolute. Das bedeutet, dass sich unter einer Losnummer eine größere Anzahl an Einzelstücken befindet. Nutzen Sie die Gelegenheit und besichtigen Sie Ihre Lieblingsstücke persönlich. Zur Besichtigung stehen die Winter-Auktionen 447-451 für Sie bereit: • Auktion 447 – Münzen aus der antiken Welt • eLive Premium Auction 448 – Münzen aus der antiken Welt: Die Sammlung Rolf W. Schumm, Kornwestheim • eLive Premium Auction 449 – Münzen aus der antiken Welt, mit den Sammlungen Dr. Hartmut Kreutzer und Dr. W. R., Teil 11 • eLive Premium Auction 450 – The Imperial Collection, Part II • eLive Premium Auction 451 – Sammlung Brandenburg-Preußen (Mittelalter und 19. Jahrhundert) Holen Sie Ihre ersteigerte Ware auf der Munich Show ab Sollten Sie in unseren Herbst-Auktionen 445 und 446 oder in der eLive Auction 94 Stücke ersteigern, können Sie diese ganz bequem im Auction Room (Besichtigung), Halle A1, Stand 473 auf der Munich Show abholen. Bitte informieren Sie unsere Kundenbetreuung frühzeitig über die persönliche Abholung auf der Munich Show entweder per E-Mail service@kuenker.de oder telefonisch unter +49 541 96 202 0.

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Der Freitag, 23. Oktober, ist als Fachbesuchertag ausschließlich registrierten Fachbesucherinnen und Fachbesuchern vorbehalten. Falls Sie Ihre Ware am Freitag abholen möchten, können wir dieses für Sie arrangieren. An den Publikumstagen Samstag, 24., und Sonntag, 25. Oktober, steht die Messe allen Interessierten offen. Erleben Sie diese Premiere gemeinsam mit uns – einen neuen, hochwertigen Treffpunkt für die numismatische Gemeinschaft. Wir freuen uns darauf, Sie in München persönlich zu begrüßen.

NUMISMATIK@MUNICH SHOW 23. Oktober 2026 • nur für registrierte Fachbesucher 24.-25. Oktober 2026 • Fachbesucher & allgemeines Publikum 9:00 Uhr – 18:00 Uhr Messegelände München NUMISMATIK@MUNICH SHOW Eingang WEST Am Messesee 2 81829 München munichshow.com/numismatik

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DIE KURSÄCHSISCHEN VIKARIATSPRÄGUNGEN

Die kursächsischen Vikariatsprägungen vor dem Hintergrund der deutschen Reichsgeschichte Prof. Dr. Wilhelm Hollstein in kollegialer Verbundenheit gewidmet. Von Paul Arnold

Abb. 1: Die Kirche zu den neun Chören der Engel (Kirche am Hof) in Wien. Von dem Altan dieser Kirche soll Kaiser Franz II. (1768–1835) am 6. August 1806 die Niederlegung der Reichskrone bekannt gegeben haben. Von Thomas Ledl - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 at, https:// commons.wikimedia.org/w/ index.php?curid=38409975.

Das Ende des Alten Reiches Das Alte Reich erlosch am 6. August 1806, als Kaiser Franz II. in der damaligen Wiener ‚Jesuitenkirche zu den neun Chören der Engel‘ (Abb. 1) die deutsche Kaiserkrone – die Krone des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation – niederlegte (Abb. 2). Er sah das Band, das ihn bisher mit dem Deutschen Reich verbunden hatte, als gelöst an und entband alle Reichsstände von ihren Pflichten gegenüber ihm als dem Reichsoberhaupt. Damit war die tausendjährige

Reichsgeschichte zu einem Ende gekommen, denn nach der damaligen Staatsauffassung reichte das Reich bis auf die Kaiserkrönung Karls des Großen im Jahre 800 in Rom zurück. Kaiser Franz II. hatte keine andere Wahl. Er zog nur den Schlussstrich unter ein Jahrzehnt politischer und militärischer Niederlagen gegen Frankreich. Das Reich war ein Opfer der Neuordnung Europas durch Napoleon I. geworden. Seine endgültige Auflösung hatte schon 1803 mit der Okkupation seiner linksrheinischen


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Abb. 2: Die Reichskrone des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation. Nach der Niederlegung der Reichskrone durch Kaiser Franz II. (1768–1835) verblieb diese in der Kaiserlichen Schatzkammer in der Wiener Hofburg. Wikimedia Commons, gemeinfrei

Abb. 3: Das kleine königlich-sächsische Wappen, umgeben vom 1807 gestifteten Hausorden der Rautenkrone. Von Glasshouse using elements by Sodacan and Trondivers - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/ index.php?curid=65213861

Gebiete durch Frankreich und der Entschädigung der Enteigneten mit rechtsrheinischen Gebieten – nämlich den Territorien der geistlichen Reichsfürsten, der Freien Reichsstädte und der Reichsritterschaft – begonnen. Dafür wurden im Reichsdeputationshauptschluss 1803 Grundsätze der Reichsverfassung aufgegeben. Nach der Niederlage, die Kaiser Franz II. gemeinsam mit dem russischen Kaiser Alexander I. 1805 bei Austerlitz, dem heutigen Slavkov in Mähren, erlitt, hatte Napoleon 1806 durch die Gründung des Rheinbundes dem Reich die süd- und westdeutschen Länder entzogen. Schließlich ließ er am 1. August 1806 auf dem Reichstag zu Regensburg verkünden, dass er das Reich als Ganzes nicht mehr, wohl aber die einzelnen deutschen Staaten als souveräne Partner anerkennen werde. Der Kurfürst von Bayern, bereits im Preßburger Frieden vom 26. Dezember 1805 in den Rang eines Königs erhoben, musste sich nicht mehr wie der sächsische Kurfürst Friedrich August III. damit quälen, ob das Amt des Reichsvikars nach der Niederlegung der Krone durch Kaiser Franz II. jetzt in Kraft treten müsse. Dies waren Gedankengänge, die den sächsischen Kurfürsten, der immer eine reichstreue Politik betrieben hatte, sicherlich beschäftigten. Doch hätte Napoleon derartige politische Reaktionen aller Wahrscheinlichkeit nach nicht geduldet.

Ein halbes Jahr später war auch für den sächsischen Kurfürsten dieses Problem durch seine Rangerhöhung gelöst. Dank der vom altrömischen Grundsatz divide et impera (teile und herrsche!) bestimmten Politik des französischen Kaisers stieg Sachsen nach der verheerenden Niederlage, die es im Bündnis mit Preußen im Oktober 1806 bei Jena und Auerstedt gegen Napoleon erlitten hatte, noch vor Jahresende in den Rang eines Königreiches auf und trat dem von Napoleon protegierten Rheinbund bei. Zum Wappen seines neuen Königreiches bestimmte der König das alte herzoglich sächsische, das noch heute das Wappen des Freistaates Sachsen ist, ließ es aber nunmehr mit der Königskrone verzieren. Die roten, vor schwarz-weißem Grund gekreuzten Schwerter aber, jahrhundertelang Symbol des hohen Reichsamtes, das als Sacri Romani Imperii Archimarescallus et Elector (Des Heiligen Römischen Reiches Erzmarschall und Kurfürst) auch er 38 Jahre lang bekleidet hatte, ließ er aus dem Wappen entfernen (Abb. 3). Dabei hing an der sächsischen Kurwürde wie auch an der pfälzischbayerischen nach der Reichsverfassung, der 1356 von Kaiser Karl IV. erlassenen Goldenen Bulle, weit mehr als nur die Kurstimme, die zur Wahl des Kaisers berechtigte. Sie schloss auch das Reichsvikariat, die Reichsverweserschaft in kaiserloser Zeit, ein.


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Abb. 4: Die sächsischen Vikariatsbezirke: Nr. 8 = Niederrheinisch-westfälischer Kreis, Nr. 9 = Obersächsischer Kreis, Nr. 10 = Niedersächsischer Kreis (aus: F. W. Putzger, Historischer Atlas, 45. Aufl. 1924).

Das Reichsvikariat Das Alte Reich kannte zwei Formen des Reichsvikariates: 1. Das Reichsvikariat vacante imperio, das eintrat, wenn kein römischer König vorhanden und ein interregnum entstanden war, d.h. eine Übergangszeit, in der im Deutschen Reich als einer Wahlmonarchie der von der Verfassung bestimmte Träger der obersten Herrschaftsgewalt fehlte. In diesem Fall übernahmen die beiden in der Goldenen Bulle vorgesehenen Reichsvikare die Verwaltung des Reiches bis zur Neuwahl des Kaisers beziehungsweise bis zum Regierungsantritt des römischen Königs.

2. D as Reichsvikariat absente rege oder vivente imperatore, das im Mittelalter entstand, wenn die deutschen Könige nach Rom zur Kaiserkrönung ziehen mussten. Dieses zu Lebzeiten des Reichsoberhauptes ausgeübte Vikariat verlor schon im 16. Jahrhundert seine Bedeutung, als die Kaiser auf den Krönungsakt durch den Papst in Rom verzichteten und sich Electus Romanorum Imperator (Erwählter Kaiser der Römer) nannten. In der Goldenen Bulle gab es zwei Vikariatsbezirke, die aber nicht genau festgelegt waren. Zum sächsischen Vikariatsbezirk gehörten unbestritten die Stände des Obersächsischen und des Niedersächsischen Reichskreises sowie eine Reihe von westfälischen


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Das sächsische Vikariat von 1519

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Abb. 5: Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen, Schautaler 1519. Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. BGB2489.

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Abb. 6: Pfalzgraf Johann II. von Zweibrücken als Vormund des Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz, Vikariatstaler 1612. Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. AOB1847.

Ständen des Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreises (Abb. 4). Außerdem übten die sächsischen Kurfürsten in den nicht zu den zehn Reichskreisen aber zum Reich gehörenden Ländern der Wenzelskrone das Reichsvikariat aus, also im Königreich Böhmen, im Herzogtum Schlesien und in den Markgrafschaften Mähren, Ober- und Niederlausitz. Die Befugnisse der Reichsvikare umfassten das Recht, Vikariatshofgerichte einzurichten und Gericht zu halten, Einkünfte und Gefälle einzuziehen, Standeserhebungen in den Adel wie auch in den Reichsfreiherren- und Reichsgrafenstand vorzunehmen, Lehen einzusetzen und Treueide an Stelle des Kaisers im Namen des Reiches entgegenzunehmen. Davon ausgenommen waren die nur dem Kaiser und Römischen König zustehenden Fürsten- und Fahnenlehen. Verboten war den Reichsvikaren jede Art der Veräußerung oder Verpfändung von Reichsgut.

Während des Vikariates von 1519 – nach dem Tod von Kaiser Maximilian I. bis zur Neuwahl seines Enkels Karl V. – hatte Kurfürst Friedrich der Weise von Hans Kraft in Nürnberg einige seiner schönen Generalstatthaltermedaillen mit der Jahreszahl 1519 versehen lassen, um sie bei dem Wahlakt zu verschenken (Abb. 5). Vikariatsmünzen ließ er nicht prägen. Das sächsische Vikariat von 1612 Die umfangreiche Ausgabe von Vikariatsmünzen und -medaillen begann erst im Interregnum nach dem Tod des schon zu Lebzeiten von seinem Bruder Matthias entmachteten Kaisers Rudolph II. im Jahre 1612. Sie fiel in die politisch sehr aufgewühlte Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg. Die Parteien hatten sich schon etabliert: Unter Führung des calvinistisch eingestellten pfälzischen Kurfürsten war 1608 die protestantische Union entstanden. Dagegen hatte der bayerische Herzog Maximilian 1609 die katholische Liga ins Leben gerufen. Von vornherein wurden beide Bündnisse durch ausländische Mächte unterstützt: die Union vom katholischen Frankreich und die Liga von Spanien. Nachdem auch der Kurfürst von Brandenburg, Kursachsens enger Verbündeter, zum Calvinismus übergeschwenkt und der Union beigetreten war, stand Kursachsen allein. Es trat nicht der protestantischen Union bei, sondern erhoffte sich weiterhin Vorteile vom Zusammengehen mit dem Kaiser, der seinerseits der katholischen Liga nicht beigetreten war. Dies spiegeln auch die Vikariatsmünzen wider. Während Pfalzgraf Johann II. von Zweibrücken, der für die Kurpfalz von 1610 bis 1614 die Vormundschaftsregierung führte, seine Vikariatsmünzen mit der protestantischen Devise VERBUM DOMINI MANET IN ÆTERNVM Das Wort des Herren währet ewiglich versehen ließ (Abb. 6), finden wir auf den Vikariatsmünzen des sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. lediglich die Erweiterung der Titulatur um das Wort Vicarius. In den Abrechnungen der Dresdener Münzstätte wurden die Vikariatsmünzen als Prägungen für das Reich bezeichnet. Ausgeprägt wurden Dukaten, ganze, halbe, viertel und achtel Reichstaler sowie Groschen zu 1/24 Reichstalern. Bis auf die Groschen wurde für die Vorderseite aller Nominale die gleiche Vorlage benutzt (Abb. 7–10): Das Brustbild Johann Georgs I. im Kurornat mit


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Abb. 7: Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen, Vikariatstaler 1612. Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. AGB6461.

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Abb. 8: Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen, ½ Vikariatstaler 1612. Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. AGB6618.

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Abb. 9: Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen, ¼ Vikariatstaler 1612. Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. AGB6619.

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Abb. 10: Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen, 1/8 Vikariatstaler 1612. Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. AGB6742.

Kurmantel, Kurhut und Kurschwert. Die Legenden beider Seiten titulieren ihn (jeweils unterschiedliche Abkürzungen benutzend): Reichsapfel IOHAN(nes) : GEORG(ius) : D(ei) : G(ratia) : SA(xoniae) : IVLIÆ : CLIVIÆ : ET MO(ntium) : DV(x) || Schwan SA(cri) : RO(mani) : IMP(erii) : ARCHIMARSCALL(us) : EL(ector) : ET VICARIVS Von Gottes Gnaden Herzog zu Sachsen, Jülich, Cleve und Berg, des Heiligen Römischen Reiches Kurfürst und Vikar (so auf Abb. 7). Der kleine Schwan am Beginn der Rückseitenlegende ist das Münzmeisterzeichen des in Dresden von 1605–1624 tätigen Münzmeisters Heinrich von Rehnen. Der Reichsapfel in der Legende der Vorderseite vor dem Namen IOHAN(n) : GEORG zeigt an, dass der Taler im Reichsmünzfuß geprägt worden ist. Die einzelnen Nominale tragen auf der Rückseite auch unterschiedliche Wappendarstellungen: die Reichstaler (Abb. 7) den großen achtzehnfeldigen Wappenschild mit folgenden Wappen: (obere Reihe) Landgrafschaft Thüringen, Herzogtum Sachsen und Markgrafschaft Meißen, (zweite Reihe) Herzogtümer Jülich, Cleve und Berg, (dritte Reihe) Pfalzgrafschaft Sachsen, Herzschild mit den Kurschwertern des Erzmarschallamtes und Pfalzgrafschaft Thüringen, (vierte Reihe) Grafschaft Orlamünde, Markgrafschaft Landsberg und Herrschaft Pleißen, (fünfte Reihe) Burggrafschaft Altenburg, Burggrafschaft Magdeburg, Grafschaft Brehna, (sechste Reihe) Herrschaft Eisenberg, gefürstete Grafschaft Henneberg und Grafschaft Mark. Es existieren zwei Varianten, die eine mit der geteilten Jahreszahl über dem Wappen, die andere mit der geteilten Jahreszahl seitlich des Wappens. Die halben, viertel und achtel Reichstaler führen nur das kleinere fünffeldige Wappen (Abb. 8–10): oben Herzogtümer Sachsen und Cleve, unten die Herzogtümer Jülich und Berg sowie in der Mitte die Kurschwerter. Die Groschen oder 1/24 Reichstaler tragen auf der Vorderseite einen Schild mit den kur- und herzoglich sächsischen Wappen sowie auf der Rückseite einen vierfeldigen Schild mit den Wappen für Jülich, Cleve, Berg und Thüringen. Auch Medaillen wurden anlässlich des Reichsvikariates von 1612 geprägt. Von dem Medailleur und kurfürstlichen Goldschmied Daniel Kellerthaler stammt das fein gearbeitete ovale Kleinod in grün emaillierter Fassung (Abb. 11). Es zeigt den Kurfürsten im Brustbild mit hoher Halskrause und auf der Rückseite das fünffeldige Wappen: Sachsen, Cleve, Jülich, Berg und im Herzschild die Kurschwerter. Die Kleinode, auch Gnadenpfennige genannt, wurden an goldenen Ketten auf der Brust getragen und waren Geschenke der Kurfürsten für besondere treue Dienste.


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Der Medailleur Herbart von Lünen fertigte einen solchen Gnadenpfennig mit dem Brustbild Johann Georgs I. auf der Vorderseite und dem fünffeldigen Wappen auf der Rückseite. Die Titulatur entspricht der Münztitulatur (Abb. 12). Das sächsische Vikariat von 1619 Kaiser Matthias starb nach siebenjähriger Regierung zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges. Johann Georg I. konnte deshalb 1619 sein zweites Reichsvikariat antreten, nachdem er die ihm 1618 angebotene böhmische Königskrone abgelehnt und Kaiser Ferdinand II. volle Unterstützung gegen die böhmischen Aufständischen und deren zzzKönig Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz zugesagt hatte. Die Einmischung fremder Mächte in Reichsangelegenheiten verurteilte Johann Georg I. weiterhin mit Nachdruck. Seine Pläne zur Vergrößerung und Abrundung des sächsischen Territoriums, das hatte der Streit um das clevische Erbe gezeigt, konnte er nur mit Unterstützung des Kaisers verfolgen, der ihm auch für seine Mithilfe bei der Niederwerfung des böhmischen Aufstandes 1623 beide Lausitzen als unterpfändlichen Besitz und sie im Frieden zu Prag 1635 als erbliches Mannlehen der böhmischen Krone übertragen hatte.

Abb. 11: Daniel Kellerthaler, Kleinod mit einer Medaille auf Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen, o.J. (1612). Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. BGA4153.

Johann Georg I. übte das Reichsvikariat vom Tode des Kaisers Matthias im März bis zu Ferdinands Wahl im August 1619 aus. Auf dieses Vikariat wurden neben Münzen auch zahlreiche Medaillen ausgegeben. 1,3:1

Bereits im Jahre 1614 schuf der Nürnberger Medailleur Christian Maler eine Medaille auf Johann Georg, die er in einem goldenen und zwei silbernen Exemplaren dem sächsischen Kurfürsten zusandte (Abb. 13). Sie zeigt Johann Georgs Brustbild in einem ovalen Rahmen, der mit Engelsköpfen und den Wappen der Kur und des Herzogtums Sachsen geschmückt ist. Der Kurfürst trägt einen Harnisch und eine dichte breite Halskrause. Innerhalb des ovalen Rahmens ist über dem Kopf die lateinische Legende in Abkürzungen halbkreisförmig angeordnet: D(ei) : G(ratia) : IOAN(nes) : GEOR(gius) : SAX(oniae) : IVL(iaci) : CLIV(iae) : Von Gottes Gnaden Johann Georg zu Sachsen, Jülich, Cleve. Der Rahmen wird von den oben aufgezählten 18 Schilden des sächsischen Gesamtwappens umgeben. Auf der Rückseite ist Johann Georg, auf geschmücktem Pferd reitend, dargestellt. Er ist mit Harnisch, Halskrause und einer flatternden Feldbinde bekleidet.

Abb. 12: Herbart von Lünen, Vikariatsmedaille auf Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen, 1612. Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. BGA3816.

1,3:1

Abb. 13: Christian Maler, Medaille auf Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen, o.J. (1614). Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. BGA3713.

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Mit der Rechten schultert er das Kurschwert. Die das Medaillenbild umgebende abgekürzte lateinische Legende enthält noch einmal Namen und Titulatur: D(ei) : G(ratia) : IOAN(nes) : GEORG(ius) : SAX(oniae) : IVL(iaci) : CLIV(iae) : ET MON(tium) : DVX : S(acri) : R(omani) : I(mperii) Von Gottes Gnaden Johann Georg Herzog des Heiligen Römischen Reiches von Sachsen, Jülich, Cleve und Berg. Im Abschnitt steht des Künstlers Signatur in Abkürzung C(um) PRIVI (legio). CÆ(saris). C(hristian) M(aler), auf Deutsch: Mit Privileg des Kaisers, Christian Maler.

1,3:1

Abb. 14: Christian Maler, Vikariatsmedaille auf Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen, o.J. (1619). Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. BGB2714.

Anlässlich des zweiten Reichsvikariates 1619 prägte Maler diese Medaille erneut und ergänzte die Rückseitenlegende um das Wort vicarivs und die abgekürzten Titulaturen (Abb. 14): ARCHIMARS(callus) : ELECTOR : ET VICARIVS Erzmarschall, Kurfürst und Vikar. Außerdem gestaltete er unter Verwendung dieser Rückseite eine zweite Vikariatsmedaille, die vorderseitig den Kurfürsten im Hüftbild nahezu en face zeigt (Abb. 15). Er ist mit einem reich verzierten Harnisch, einem kostbaren Spitzenkragen und der Feldbinde bekleidet. Auch die in der Dresdner Münzstätte tätigen kursächsischen Münzeisenschneider Herbart von Lünen und Ruprecht Niclas Kitzkatz fertigten Schaustücke (Abb. 16–18). Lünen schnitt die Stempel zu zwei großen, geringfügig unterschiedlichen Medaillen, die Johann Georg im Kurornat auf festlich geschmücktem Pferd zeigen, umgeben von seinem Wahlspruch PRO LEGE ET GREGE • 1619 • Für Gesetz und Volk • 1619 • (Abb. 16–17). Die Medaillen Lünens zeigen die gleiche Vorderseite, aber einmal mit (Abb. 17) dem kur- und herzoglich sächsischen Wappen in einer Rollwerkkartusche vor der herabhängenden Satteldecke und einmal ohne dieses Wappen (Abb. 16). Anstelle des Wappens trägt die Rückseite folgende zwölfteilige Inschrift: D(ei). G(ratia). | IOHANN(es). GEORG(ius). | DVX SAX(oniae). IVL(iaci). CLIV(iae). ET | MONT(ium). S(acri). R(omani). I(mperii). ARCHIMAR(escallus). | ELECT(or). ATQ(ue). POST. EXCESS(um). | D(ivi). IMP(eratoris). MATTHIÆ. AVG(usti) SE|CVNDVM. VICAR(ius). LANTGR(avius). | THVR(ingiae). MARCH(io). MISNIÆ. | BVRGGR(avius). MAGD(eburgensis). COM(es). DE / MARCA. ET RAVENSP(ergensis). | D(omi) NVS. IN RAVEN.|STEIN. Von Gottes Gnaden Johann Georg, Herzog von Sachsen, Jülich, Cleve und Berg, des Heiligen Römischen Reiches Erzmarschall, Kurfürst und

1,3:1

Abb. 15: Christian Maler, Vikariatsmedaille auf Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen, o.J. (1619). Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. BGB2737.

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Abb. 16: Herbart von Lünen, Vikariatsmedaille auf Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen, 1619. Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. BGB525.


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Abb. 17: Herbart von Lünen, Vikariatsmedaille auf Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen, 1619. Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. BGB7763. 1,3:1

Abb. 18: Ruprecht Niclas Kitzkatz, Vikariatsmedaille auf Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen, 1619. Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. BG7764.

1,3:1

Abb. 19: Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen, Goldabschlag zu 10 Dukaten vom Vikariatstaler 1619. Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. AGA1278.

1,3:1

nach dem Ableben des verewigten, erhabenen Kaisers Matthias zum zweiten Mal Vikar, Landgraf von Thüringen, Markgraf von Meißen, Burggraf von Magdeburg, Graf von der Mark und Ravensberg, Herr in Ravenstein. Gleichsam als Vorlage für die Vikariatsmünzen ist die kleine mit K(itzkatz) F(ecit) signierte Medaille von Ruprecht Niclas Kitzkatz anzusehen, die den Kurfürsten, ebenfalls reitend, mit dem ovalen kur- und herzoglich sächsischen Wappen in einer Rollwerkkartusche vor der Satteldecke zeigt (Abb. 18). Die Rückseite der Medaille trägt wie auch die Vikariatsmünzen die gleiche zwölfzeilige Inschrift wie auf den Medaillen Lünens, wodurch anzunehmen ist, dass der künstlerische Entwurf für die Vikariatsmünzen auf beide Medailleure zurückgeht. Nach diesem Entwurf schnitt Kitzkatz die Prägestempel, mit denen der Dresdner Münzmeister Heinrich von Rehnen Dukaten (Abb. 19), ganze, halbe, viertel und achtel Reichstaler prägen ließ.


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Das sächsische Vikariat von 1657 Im April 1657 starb Kaiser Ferdinand III. Sein ältester, schon zu seinen Lebzeiten von den Kurfürsten zum römischen König und damit zum Nachfolger gewählter Sohn Ferdinand IV. war bereits drei Jahre vorher verstorben. In den Landen mit sächsischem Recht übernahm daraufhin Kurfürst Johann Georg II. das Reichsvikariat und ließ in der Dresdner Münzstätte von seinem Münzmeister Constantin Rothe 1657 doppelte und einfache Dukaten, breite Schautaler, ganze, halbe, viertel und achtel Reichstaler, sowie 1658 ganze und halbe Reichstaler nach dem prachtvollen Entwurf des kursächsischen Münzeisenschneiders Johann Caspar Höckner prägen. Höckners einseitiger Entwurf für die Vorderseite zeigt Johann Georg II. im Harnisch und Überwurf auf geschmücktem Pferd nach rechts reitend (Abb. 20). Mit dem angewinkelten rechten Arm schultert er das Kurschwert. Unter dem Pferd steht in einer Kartusche das kursächsische Wappen. Über dem Kopf des Kurfürsten beginnt die das Münzbild umgebende Legende: • D(ei) • G(ratia) • IOH(hannes) • GEORG(ius) • II • D(ux) • S(axoniae) • I(uliaci) • C(liviae) • & • M(ontium) • S(acri) • R(omani) • IMP(erii) • ARCHIM(arescallus) • EL(ector) • & • VICARIVS 1 / 1657 Von Gottes Gnaden Johann Georg II., Herzog von Sachsen, Jülich, Cleve und Berg, des Heiligen Römischen Reiches Erzmarschall, Kurfürst und Vikar 1657. Im Abschnitt unter der Standlinie steht das Künstlermonogramm zusammengesetzt aus ICH.

2:1

Abb. 20: Kurfürst Johann Georg II. von Sachsen, Einseitiger Entwurf von Caspar Höckner für einen Vikariatsaler 1657. Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. AGB2969a.

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Abb. 21: Kurfürst Johann Georg II. von Sachsen, Dickabschlag zu 2/1 vom Breiten Vikariatstaler 1657. Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. AGB8554.

Die Endung VS ist in der Legende als tiefgestellte „9“ gegeben.

1

Dies war die in der Kurrentschrift gebräuchliche Abkürzung für die Silbe „us“. Wie Anm. 1.

2


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Abb. 22: Kurfürst Johann Georg II. von Sachsen, Goldabschlag zu 10 Dukaten vom Vikariatstaler 1658. Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. AGA1515.

1,3:1

Auf dem breiten Schautaler ist Johann Georg II. im Kurornat reitend dargestellt (Abb. 21). Das Pferd ist mit einer reich bestickten Satteldecke geschmückt. Unter dem Pferd befindet sich der zweifeldige Schild mit dem Wappen für die Kur und das Herzogtum Sachsen. Über dem Kurfürsten stehen die Worte DEO ET PATRIÆ | 1657 Für Gott und Vaterland | 1657. Die Rückseite beinhaltet in zwölf Zeilen auf lateinisch den Anlass der Prägung: D(ei) • G(ratia) • | IOHAN(nes) • GEORG(ius) • II • | DUX • SAX(oniae) • I(uliaci) • C(liviae) & MONT(ium) • | S(acri) • R(omani) • IMP(erii) • ARCHIM(arescallus) • ELECT(or) • | ATQ(ue) • POST • EXCESS(um) • DIV(i) • IMP(eratoris) • | FERDIN(andi) • III •AUG(usti) • VICARIVS 2 | LANDG(ravius) • THUR(ingiae) • MAR(chio) • MIS=|NIÆ • SUP(erioris) • & • INF(erioris) • LUSATIÆ • | BURGG(ravius) • MAGD(eburgensis) • COM(es) • DE • | MARC(a) • & • RAVENSB(ergensis) | DOM(inus) • IN RAVEN=|STEIN • EICHEL • Von Gottes Gnaden Johann Georg II., Herzog von Sachsen, Jülich, Cleve und Berg, des Heiligen Römischen Reiches Erzmarschall, Kurfürst und nach dem Tode des verewigten, erhabenen Kaisers Ferdinands III. Reichsverweser, Landgraf von Thüringen, Markgraf von Meißen, der Ober- und Niederlausitz, Burggraf von Magdeburg, Graf von der Mark und Ravensberg, Herr in Ravenstein. Die Achteltaler tragen nur eine zehnzeilige Rückseitenlegende. Für die Dukaten (Abb. 22) wurden Rückseitenstempel sowohl mit zwölf als auch mit zehn Zeilen verwendet. Die Nominale tragen das Münzmeisterzeichen des von 1640 bis 1678 in der Dresdner Münzstätte tätigen Münzmeisters Constantin Rothe: C R und eine Eichel. Außer Münzen entstanden auch zwei seltene Vikariatsmedaillen nach Entwürfen von Magister Johann Frenzel in Leipzig und geschnitten von dem Breslauer Medailleur Johann Buchheim. Die große Medaille trägt, umgeben von Namen und Titulatur, Johann Georgs II. Brustbild en face im Harnisch mit Umhang und großem Kragen (Abb. 23). Vor ihm liegt der Kurhut und unter dem rechten Abschnitt steht das aus MIF gebildete Monogramm für Magister Iohann Frenzel

1,3:1

Abb. 23: Johann Buchheim, Vikariatsmedaille auf Kurfürst Johann Georg II. von Sachsen, 1658, Silber, vergoldet. Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. 2012/3123.

und daneben I.B. für Iohann Buchheim. Das Bildnis wird von zwei unten zusammengebundenen Palmund Rautenzweigen sowie der abgekürzten Legende umgeben: IOH(annes) • GEORG(ius) • II • D(ei) • G(ratia) • DUX • SAX(oniae) • I(uliaci) • C(liviae) & MONT(ium) • S(acri) • R(omani) • I(mperii) • ARCHIMAR(escallus) • ELECT(or) • & VICARIUS LANDG(ravius) • THUR(ingiae) • MARCH(io) • MISN(iae) • SUP(erioris) • & INFER(ioris) • LUS(atiae) •


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KÜNKER EXKLUSIV

DIE KURSÄCHSISCHEN VIKARIATSPRÄGUNGEN

1,3:1

Abb. 24: Johann Buchheim, Vikariatsmedaille auf Kurfürst Johann Georg II. von Sachsen, 1658, Silber, vergoldet. Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. BGB162.

Abb. 25: Kurfürst August I. von Sachsen, Goldabschlag zu 10 Dukaten vom Vikariatstaler 1711. Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. AGA1809.

1,3:1

Abb. 26: Albrecht Krieger, Vikariatsmedaille auf Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen, 1711. 1,3:1

Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. BGA1834.

BURGG(ravius) • MAGD(eburgensis) • COM(es) • DE MARC(a) • & RAV(ensbergensis) D(omi)N(us) • I(n) R(avenstein) • Johann Georg II., von Gottes Gnaden Herzog von Sachsen, Jülich, Cleve und Berg, des Heiligen Römischen Reiches Erzmarschall, Kurfürst und Reichsverweser, Landgraf von Thüringen, Markgraf von Meißen, der Ober- und Niederlausitz, Burggraf von Magdeburg, Graf von der Mark und Ravensberg, Herr in Ravenstein. Darunter steht die Jahreszahl 1658. Magister Frenzel war an der Leipziger Universität Professor für Poesie. Auf der Rückseite ist die Ansicht der kursächsischen Residenzstadt Dresden und im Hintergrund sind die Berge der sächsischen Schweiz wiedergegeben: links der Lilienstein und rechts der Königstein mit der Festung. Darüber steht der verkürzte Wahlspruch Johann Georgs II: SURSUM DEORSUM und zwischen zwei Augen schweben gekreuzt Zepter und Kurschwert. Das obere Auge blickt zu dem hebräischen Namen Gottes (Jahwe) auf, während das untere auf das

Land herabschaut. Die das Medaillenbild umgebende Legende beinhaltet den vollständigen Wahlspruch Johann Georgs II.: SURSUM OCULUS COELUM SPECTAT TERRAMQ(ue) DEORSUM NEMPE DEO & PATRIAE CURA SUPREMA MANET. In Wilhelm Ernst Tentzels barocker deutscher Übersetzung lautet dies: „Ein Aug’ sieht gen Himmel auf, eins auf die Erd’ herunter, also für Gott und Vaterland verbleib ich allzeit munter.“ Die kleinere Medaille, umgeben von der gleichen zweizeiligen Legende, zeigt auf der Vorderseite Johann Georg II. am Elbufer reitend (Abb. 24). Über ihm halten zwei geflügelte Putti auf Wolken stehend das von Palmzweigen umgebene kursächsische Wappen. Die Legende entspricht ebenso wie die Rückseitendarstellung der großen Medaille (Abb. 23). Links unter dem Pferd am jenseitigen Elbufer steht das aus MIF für Magister Iohann Frenzel zusammengesetzte Monogramm. I.B. für Iohann Buchheim hingegen steht im Abschnitt zwischen der geteilten Jahreszahl 16 58.


DIE KURSÄCHSISCHEN VIKARIATSPRÄGUNGEN

KÜNKER EXKLUSIV

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Repräsentation und Theatralik bot. Allerdings scheiterte sein Versuch, sich seines Königsranges wegen vor dem pfälzischen Kurfürsten Johann Wilhelm nennen zu lassen, weil Kaiser Karl IV. in der Goldenen Bulle, in der Reichsverfassung, die Kurpfalz vor Kursachsen an die erste Stelle gesetzt hatte.

1,3:1

Abb. 27: Albrecht Krieger, Vikariatsmedaille auf Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen, 1711. Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. BGB8848.

Das sächsische Vikariat von 1711 Nach dem Tod Kaiser Josephs I. am 17. April 1711 übernahm Kurfürst Friedrich August I., bekannt auch als August der Starke, das Reichsvikariat, das bis zum 19. Dezember 1711 andauerte, als Kaiser Karl VI. die Wahlkapitulation beschworen hatte. August der Starke, seit 1697 als August II. auch König von Polen, war ein sehr prachtliebender Monarch, dem diese Erhöhung seines Ranges Anlass zu einer reichen Münz- und Medaillenprägung im Sinne barocker

Unter der Leitung des von 1698 bis 1716 tätigen Münzmeisters Johann Lorenz Holland prägte die Dresdner Münzstätte auf das Vikariat Dukaten sowie ganze, halbe, viertel und achtel Species Reichstaler. Die Prägestempel schnitt der Medailleur Heinrich Paul Groskurt. Der König reitet nach rechts (Abb. 25). Er ist bekleidet mit Harnisch und Mantel und trägt die polnische Königskrone. In seiner Rechten hält er den Feldherrnstab. Die Linke fasst die Zügel des Pferdes. Am breiten Schulterband trägt er das Kleinod des dänischen Elefantenordens. Unter dem galoppierenden Pferd befindet sich das vierfeldige polnisch-litauische Wappen mit dem kursächsischen Herzschild. August der Starke ist der erste sächsische Kurfürst, der anlässlich seines Reichsvikariates nicht mehr im altertümlichen Kurornat, sondern als König dargestellt ist. Die Rückseite zeigt drei Tische, von denen die beiden oberen mit der Tracht und den Insignien der polnischen Königswürde und der sächsischen Kurwürde bedeckt sind. Darüber steht die lateinische Legende FRID(ericus) : AUG(ustus) : | REX ELECTOR Friedrich August, König Kurfürst. Auf dem unteren Tisch liegt eine Decke mit eingesticktem Rautenkranz. In diesem Kranz steht folgende fünfzeilige Legende ET | VICARIUS | POST MORT(em) : | JOSEPHI | IMPERAT(oris) : und Vikar nach dem Tod des Kaisers Joseph. Rechts und links neben dem unteren Tisch stehen die geteilte Jahreszahl und das Münzmeisterzeichen: MDC CXI. I • L • H / Zainhaken für den Dresdner Münzmeister Johann Lorenz Holland. Außer dieser Serie ließ der König Medaillen von Albrecht Krieger, dem Medailleur und Münzeisenschneider der Münzstätte Leipzig prägen: Erstens der reitende König, darüber FRID(ericus) AVGVST(us) und auf der Rückseite Zepter und Kurschwert gekreuzt und in den Winkeln die Symbole seiner Würden: oben die Königskrone, rechts und links Reichsapfel und Kurhut (Abb. 26). Diese Medaille prägte Krieger im Durchmesser von 22,0 und 22,5 mm, so dass die Rückseitenlegende unterschiedlich abgekürzt ist. Die Legende gibt seine Titulatur wieder: D(ei) • G(ratia) • REX POL(oniarum) • ET EL(ector) • SAX(oniae) • VICARIVS IMP(erii) • Von Gottes Gnaden König von Polen und Kurfürst von Sachsen, Reichsvikar. Eine weitere Medaille (Abb. 27) zeigt auf der Vorderseite das gekrönte Brustbild des Königs im Harnisch und Mantel, umgeben von Namen und Titulatur FRID(ericus) : AVG(ustus) : D(ei) • G(ratia) • REX POL(oniarum) • & EL(ector) • SAX(oniae) • |


98

KÜNKER EXKLUSIV

DIE KURSÄCHSISCHEN VIKARIATSPRÄGUNGEN

1,3:1

Abb. 28: Albrecht Krieger, Vikariatsmedaille auf Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen, 1711. Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. BGB3922.

1,3:1

Abb. 29: Albrecht Krieger, Vikariatsmedaille auf Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen, 1711. Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. BGA1830.

1,3:1

Abb. 30: Albrecht Krieger, Vikariatsmedaille auf Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen, 1711. Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. BGA1827.

VICARIVS IMP(erii) 1711 • Friedrich August von Gottes Gnaden König von Polen und Kurfürst von Sachsen, Reichsvikar 1711. Das Bildnis wird umgeben von den acht Kurfürsten der albertinischen Linie des Hauses Wettin mit ihren Lebensdaten. Oben auf der Medaille über den Büsten steht die genealogische Angabe: LINEA ALBERTINA. Die Rückseite zeigt das kursächsische Wappen vor dem drapierten Kurmantel, bekrönt mit dem Kurhut und umgeben von den Büsten der ersten sechs ernestinischen Kurfürsten sowie ihren Lebensdaten, beginnend mit Friedrich dem Streitbaren. Oben über den Büsten steht die genealogische Angabe LINEA ERNESTINA.3 Der Repräsentation von Augusts Reichvikars- und Königswürde dient eine dritte Medaille mit des Königs lorbeerbekränztem Brustbild in Harnisch und Mantel, umgeben von der üblichen Titulatur (Abb. 28). Auf der Rückseite ist ein barocker Ehrentempel dargestellt, an dessen vier Säulen und auf dessen Gesims Fortuna, Merkur, Justitia und Herkules sowie die Personifikationen der Klugheit und Religion stehen. Unter den Bögen befinden sich drei Altäre. Auf dem großen Altar in der Mitte liegt die polnische Königskrone, während auf den kleineren seitlichen Altären links der Kurhut liegt und rechts der doppelköpfige nimbierte Reichsadler für das Reichsvikariat steht. Über dem Tempel schwebt eine Fama. Ihr zu Seiten stehen die Worte OMNIBUS PAR EST Er ist in allen [Würden] gleich. Unter den geschweiften Tempelstufen stehen die Jahreszahlen 1694 (Rosette), in römischen Zahlen MDCICVII 4 (Rosette) und 1711. Diese drei Jahreszahlen bedeuten den Regierungsantritt als Kurfürst von Sachsen 1694, die Wahl und Krönung zum polnischen König 1697 und die Ausübung des Reichsvikariates 1711. Sie beziehen sich damit auf die Worte OMNIBUS PAR EST. Eine vierte kleine Medaille im zweifachen Dukatengewicht stellt auf der Vorderseite den reitenden Kurfürsten dar,

Die Ernestinische ist genealogisch die ältere Linie. Sie beginnt

3

mit Kurfürst Ernst, der mit seinem jüngeren Bruder Albrecht 1485 Sachsen teilte. Das Herzogtum Sachsen, auf dem die Kurwürde lag, konnte nicht geteilt werden, weil diese mit der Primogenitur verbunden war, also dem Erstgeborenen zustand. Erst nach dem für die Ernestiner verlorenen Schmalkaldischen Krieg 1547

1,3:1

belehnte Kaiser Karl V. die jüngere Albertinische Linie Abb. 31: Albrecht Krieger, Vikariatsmedaille auf Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen, 1711. Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. BGA1828.

mit dem Herzogtum Sachsen und der Kur. Krieger hat die römische Jahreszahl 1697 allerdings

4

auf der Medaille falsch geschrieben.


DIE KURSÄCHSISCHEN VIKARIATSPRÄGUNGEN

KÜNKER EXKLUSIV

99

Abb. 32: Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen, Goldabschlag zu 12 Dukaten vom Vikariatstaler 1740. Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. AGA1917.

1,3:1

während auf der Rückseite unter der üblichen Legende ein großer Altartisch mit gekreuztem Zepter und Kurschwert sowie dem Reichsapfel, dem Kurhut und der Königskrone wiedergegeben ist (Abb. 29). Für zwei weitere Medaillen verwendete Krieger den gleichen Rückseitenstempel. Die eine zeigt August den Starken, mit Harnisch, Krone und Hermelinmantel bekleidet, vor einem Altar stehend, auf dem die Insignien des Vikariats liegen: Kurhut, Kurschwert und Reichsapfel (Abb. 30). Auf der anderen Medaille ist der König in antiker Rüstung mit flatterndem Umhang und federgeschmücktem Helm auf kurbettierendem Pferd dargestellt (Abb. 31). Beide Medaillenrückseiten zeigen unter der lateinischen Legende AVG(ustus) • II. D(ei) • G(ratia) • REX POL(oniarum) • ET • EL(ector) • SAX(oniae) | VICARIVS | IMP(erii), August II. von Gottes Gnaden König von Polen und Kurfürst von Sachsen. Vikar des Reiches, zwei geschweifte Schilde mit dem polnischlitauischen Wappen unter der Königskrone und dem kur- und herzoglich sächsischen Wappen unter dem Kurhut, verbunden durch Palmwedel und Rautenzweige. Zu Seiten der Schildfüße ist die geteilte Jahreszahl 1711 platziert. Das sächsische Vikariat von 1740 Am 20. Oktober 1740 verstarb Kaiser Karl VI. Seine Bemühungen um die Anerkennung der Erbfolge seiner ältesten Tochter Maria Theresia und die Kaiserwahl ihres Mannes Franz Stephan von Lothringen-Toskana, unter der diplomatischen Bezeichnung Pragmatische Sanktion bekannt, waren gescheitert. Am 24. Januar 1742 wurde der bayerische Kurfürst Karl Albrecht als Karl VII. zum Kaiser gewählt. Er war mit der jüngeren Tochter Kaiser Josephs I. verheiratet. Kurfürst Friedrich August II., als August III. König von Polen, konnte das Reichsvikariat nahezu 15 Monate ausüben. Für die Vikariatsprägungen des Jahres 1740 verwendete der Dresdner Münzmeister Friedrich Wilhelm ô Feral folgende Vorlage (Abb. 32): Auf einem Goldabschlag vom Species-Reichstaler im zwölffachen Dukatengewicht

1,3:1

Abb. 33: Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen, Goldabschlag zu 5 Dukaten vom 2/3 Taler 1741. Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. AGA1921.

ist auf der Vorderseite das geharnischte Brustbild des Königs mit dem Kleinod vom Goldenen Vlies am Band und dem Hermelinmantel über der linken Schulter. Auf dem Mantel befindet sich das Brustkreuz des polnischen Weißen Adlerordens. Auf der Rückseite ist der zweiköpfige deutsche Reichsadler mit gespreizten Flügeln, auf der Brust das gekrönte, mit Rollwerk verzierte vierfeldige königlich polnisch-litauische Wappen mit dem kursächsischen Herzschild unter dem Kurhut abgebildet. Unter dem Wappen hängt das Kleinod vom polnischen Weißen Adlerorden. Die über beide Seiten verteilte Titulatur lautet: (Vorderseite) D(ei) • G(ratia) • FRID(ericus) : AUG(ustus) : REX POL(oniarum) : DUX SAX(oniae) : ARCHIMARESCHALL(us) : ET ELECTOR • | (Rückseite) IN PROVINCIIS IUR(e) SAXON(ico) : PROVISOR ET VICARIUS 1740 Münzmeisterzeichen Zainhaken, Von Gottes Gnaden Friedrich August, König von Polen, Herzog zu Sachsen, Erzmarschall und Kurfürst, in den Provinzen mit sächsischem Recht Reichsverweser und Vikar. Ausgeprägt wurden 1740 Dukaten, SpeciesReichstaler zu 32 Groschen und 1/24 Kuranttaler (Groschen). Für die Jahre 1741 und 1742 wurden neue Stempel nach einem anderen Entwurf geschnitten (Abb. 33): Auf der Vorderseite reitet der König nach rechts. Er ist vollständig gepanzert und trägt einen umgelegten Hermelinmantel. An einer Kette hängt


100

KÜNKER EXKLUSIV

DIE KURSÄCHSISCHEN VIKARIATSPRÄGUNGEN

1,3:1

Abb. 34: Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen, Vikariatstaler 1745. Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. AGB11395.

auf seiner Brust das Kleinod vom Goldenen Vlies und seitlich an einem Band das Kleinod vom Weißen Adlerorden. In der Rechten hält er das Kurschwert. Auf der Rückseite ist der leere Kaiserthron dargestellt. Er steht auf einem Podest von drei Stufen unter einem Baldachin, dessen Rücklehne mit dem großen zweiköpfigen Reichsadler verziert ist, der das polnischlitauische und das kursächsische Wappen trägt. Auf dem Thronsessel liegen die Reichskleinodien: Kaiserkrone, Krönungsmantel, Reichszepter und Reichsapfel. Die bereits beschriebene übliche Legende ist auf die beiden Seiten der Münzen verteilt. Nach dieser Vorlage wurden 1741 Dukaten, doppelte 2/3 und einfache 2/3 Taler (Gulden), 1/12 Taler (Doppelgroschen), 1/24 Taler (Groschen) und 1742 Dukaten, 2/3 Taler und 1/12 Taler (Doppelgroschen) geprägt. Das sächsische Vikariat von 1745

1,3:1

Abb. 35: Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen, Vikariatstaler 1745. Künker Auktion 368, 10.06.2022, Los 340.

1,3:1

Abb. 36: Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen, 1/12 Vikariatstaler 1745. Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. AGB10720.

Nach schweren militärischen Niederlagen starb Kaiser Karl VII. am 20. Januar 1745. Seine vom Krieg erfüllte Regierungszeit dauerte kaum drei Jahre. Jetzt erhoben Erzherzogin Maria Theresia, die Tochter Kaiser Karls VI. und Königin von Böhmen und Ungarn, sowie ihr Gemahl Franz Stephan von Lothringen-Toskana erneut Anspruch auf die Kaiserkrone. Am 25. Dezember 1745 schlossen die kriegführenden Parteien durch englische Vermittlung den Frieden zu Dresden. Bereits zwei Monate vorher, am 4. Oktober 1745, war Franz I. Stephan zum römischen Kaiser gewählt worden. Das zweite Reichsvikariat Friedrich Augusts II. dauerte also knapp 10 Monate: Diesmal wurden in Dresden verschiedene Typen von Vikariatsmünzen geprägt: Species Reichstaler zu 32 Groschen nach den Stempeln von 1740 mit des Königs Brustbild auf der Vorderseite und dem zweiköpfigen Reichsadler auf der Rückseite (Abb. 34); zweitens Species Reichstaler zu 32 Groschen mit des Kurfürsten geharnischtem Brustbild im Mantel nach rechts sowie zwei geschwungenen Wappenschilden auf der Rückseite, links für PolenLitauen und rechts das aus 26 Feldern bestehende für Kursachsen (Abb. 35). Die auf beide Seiten verteilte Legende nennt die erweiterte Titulatur Friederich Augusts: D(ei) : G(ratia) : FRID(ericus) : AUGUST(us) : REX POL(oniarum) : DUX SAX(oniae) : I(uliaci) C(liviae) : M(ontium) : A(ngariae) : & W(estphaliae) : || SAC(ri) : ROM(ani) : IMP(erii) : ARCHIM(arescallus) : ELECTOR ET VICARIUS • 1745 • Von Gottes Gnaden Friedrich August


DIE KURSÄCHSISCHEN VIKARIATSPRÄGUNGEN

KÜNKER EXKLUSIV

101

Abb. 38: Heinrich Friedrich Wermuth, Vikariatsmedaille auf Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen, 1745. Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. 2012/4547.

1,3:1

1,3:1

1,3:1

Abb. 37a: Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen,

Abb. 37b: Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen,

Vikariatstaler 1745.

Vikariatsdukat 1745.

Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. AGB3960.

Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. AGA1931.

König von Polen, Herzog von Sachsen, Jülich, Cleve, Berg, Engern und Westphalen, || des Heiligen Römischen Reiches Erzmarschall, Kurfürst und Vikar 1745. Zwischen den Wappen unten Reichsapfel | Münzmeisterzeichen F.W. ô F. | Zainhaken.

1745 fertigte der Medailleur und Münzeisenschneider Heinrich Friedrich Wermuth eine Medaille, die auch als Vorlage für die Prägung von Dukaten und Kuranttalern diente (Abb. 37a–b). Friedrich August ist als polnischer König, mit Krone, Hermelinmantel und Harnisch angetan, nach rechts reitend dargestellt, umgeben von der üblichen Legende (Abb. 38). Unter der Standfläche steht des Künstlers Signatur: WERMUTH F(ecit) Wermuth hat sie gemacht. Die Rückseite zeigt einen nach links fliegenden einköpfigen gekrönten Adler mit dem polnisch-litauischen und kursächsischen Wappen im gekrönten Herzschild, der wahrscheinlich der polnische und nicht der zweiköpfige mit Heiligenscheinen versehene Adler des Heiligen Römischen Reiches ist. Er soll vermutlich die Würde des Reichsvikars als polnischer König ausdrücken. Er fliegt nach links, den Kopf nach rechts gewandt, und hält im rechten Fang ein Schwert. Die Legende DECUS ET PRÆSIDIUM Würde und Schutz charakterisiert des polnischen Königs und sächsischen Kurfürsten Stellung als Reichsvikar und wird durch die Legende im Abschnitt ergänzt: PROVISOR IMPERII | ITERUM | MDCCXLV Wiederum Verweser des Reiches 1745.

Nach dieser Vorlage ließ Münzmeister Friedrich Wilhelm ô Feral 1745 auch Dukaten, 2/3 Taler (Gulden), 1/3 Taler (½ Gulden) und 1/6 Taler prägen, die aber, wie wir am Dukat sehen, statt des 26feldigen Wappens nur ein fünffeldiges Wappen für Kursachsen zeigen. Für die 1/12 Taler (Doppelgroschen, Abb. 36) und die 1/24 Taler (Groschen) verwendete ô Feral andere Stempel: Auf der Vorderseite unter der polnischen Königskrone das vierfeldige Wappen für Polen-Litauen mit dem kursächsischen Herzschild und auf der Rückseite die Wertangabe. Die verkürzte Legende beider Seiten nennt (in deutscher Übersetzung) Friedrich August von Gottes Gnaden König von Polen, Herzog von Sachsen, des Heiligen Römischen Reiches Erzmarschall und Vikar D(ei) G(ratia) FRID(ericus) AUGUST(us) REX POL(oniarum) D(ux) SAX(oniae) S(acri) R(omani) I(mperii) ARCHIM(arescallus) ET VICARIUS.


102

KÜNKER EXKLUSIV

DIE KURSÄCHSISCHEN VIKARIATSPRÄGUNGEN

Die beiden letzten sächsischen Vikariate 1790 und 1792

1,3:1

Abb. 39: Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen, Vikariatstaler 1790. Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. AGB11707.

Unter Kurfürst Friedrich August III., der von 1763 bis 1806 als Kurfürst und von 1806 bis 1827 als König von Sachsen regierte, fiel das Reichsvikariat noch zweimal an: 1790 nach dem Tode Kaiser Josephs II. und 1792 nach dem Tode Kaiser Leopolds II. Der Dresdner Münzmeister Johann Ernst Croll prägte 1790 folgende Vikariatsmünzen: Die Vorderseite zeigt den Kopf des Kurfürsten, umgeben von der Legende mit Namen und Titulatur FRID(ericus) • AVG(ustus) • D(ei) • G(ratia) • DVX SAX(oniae) • ELECTOR & VICARIVS IMPERII, Friedrich August, von Gottes Gnaden Herzog von Sachsen, Kurfürst und Reichsvikar (Abb. 39). Auf der Rückseite ist der doppelköpfige nimbierte Reichsadler mit dem kur- und herzoglich sächsischen Wappen

1,3:1

Abb. 40: Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen, 2/3 Vikariatstaler 1790. Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. AGB11711.

1,3:1

Abb. 41: Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen, 1/3 Vikariatstaler 1790. Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. AGB11714.

1,3:1

Abb. 43: Karl Wilhelm Höckner,

Abb. 42: Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen,

Vikariatsmedaille auf Kurfürst

Goldabschlag im Dukatengewicht vom 1/12 Vikariatstaler 1790.

Friedrich August III. von Sachsen, 1790.

Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. AGA2043.

Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. BGB5293.


DIE KURSÄCHSISCHEN VIKARIATSPRÄGUNGEN

KÜNKER EXKLUSIV

103

Die im Konventionsmünzfuß geprägten Konventionsmünzen und ihre Umrechnung in sächsische Konventionskurantmünzen. Konventionstaler

Gulden

Groschen

Kuranttaler

1 ½ ¼ 1/16

2 1 ½ ⅛

32 16 8 2

1⅓ ⅔ ⅓ 1/12

nicht ausgeprägt

Alle Rechnungen erfolgten im sächsischen Konventionskurant.

1,3:1 1,3:1

Abb. 44: Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen,

Abb. 45: Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen,

Vikariatsdukat 1792.

Vikariatstaler 1792.

Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. AGA2047.

Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. AGB11727.

unter dem Kurhut dargestellt. Zu beiden Seiten des Adlerschwanzes ist das Münzmeisterzeichen I•E• C• für Johann Ernst Croll angegeben. Um den Adler herum steht die Wertangabe, wie viel Stück auf eine Mark Feinsilber zu 233,855 g gehen, und im Abschnitt unter der Standlinie steht die Jahreszahl 1790. Nach dieser Vorlage sind auch die 2/3 Taler (Abb. 40) oder Gulden, die 1/3 Taler (Abb. 41) oder halbe Gulden und die 1/12 Taler oder Doppelgroschen gestaltet. Dukaten wurden nicht gemünzt, aber Croll ließ vom Doppelgroschenstempel Goldabschläge im Dukatengewicht herstellen, die von äußerster Seltenheit sind (Abb. 42). Die Münzen tragen außerdem die Wertangabe im sächsischen Konventionskurant, nach dem mit einem Kuranttaler zu 24 Groschen gerechnet wurde. Der Kuranttaler ist eine reine Rechnungsmünze, in der sämtliche Rechnungen kalkuliert wurden. Der Konventionstaler zu 32 Groschen wurde somit immer als ein 4/3 Kuranttaler berechnet. (Tabelle 1)

darüber drapiertem Gewand. Die Legende nennt die übliche Titulatur. Die Rückseite zeigt einen Rundaltar auf getäfeltem Boden. Auf dem Rundaltar liegen Kurschwert und Reichszepter. Der Altar ist vorn mit dem zweiköpfigen Reichsadler und dem kursächsischen Wappen geschmückt. Die Legende CONSERVATIONI LEGVM IMPERII Auf die Erhaltung der Gesetze des Reiches preist den Schutz der Reichsgesetze durch den Reichsvikar.

Der bekannte Dresdner Medailleur Karl Wilhelm Höckner fertigte auch eine Medaille auf des Kurfürsten erstes Reichsvikariat (Abb. 43). Friedrich August III. ist im Brustbild wiedergegeben mit antikem Panzer und

Im Jahre 1792 verwendete Münzmeister Croll für die Rückseiten der Vikariatsmünzen ein ähnliches, aber anders gestaltetes Wappenbild (Abb. 44). Wie wir auf dem Konventionstaler sehen (Abb. 45), ist der Kurfürst im Brustbild nach rechts blickend dargestellt, bekleidet mit Panzer und darüber drapiertem Mantel, umgeben von Namen und Titulatur: FRID(ericus) • AVGVST(us) • D(ei) • G(ratia) • DVX SAX(oniae) • ELECTOR. Friedrich August von Gottes Gnaden Herzog von Sachsen und Kurfürst. Die Rückseiten der einzelnen Nominale tragen außer der Wertangabe X EINE MARK F(ein) auch noch die Fortsetzung der Vorderseitentitulatur SAC(ri) • ROM(ani) • IMP(erii) • PROVISOR ITERVM des Heiligen Römischen Reiches Reichsverweser zum zweiten Mal.


104

KÜNKER EXKLUSIV

DIE KURSÄCHSISCHEN VIKARIATSPRÄGUNGEN

Croll prägte nach dieser Vorlage auch Dukaten, 2/3-Taler oder Gulden, 1/3-Taler oder halbe Gulden und 1/12-Taler oder Doppelgroschen (Abb. 46–48). 1792 fiel das Reichsvikariat zum letzten Mal an, denn bereits 14 Jahre später wurde das Alte Reich, wie eingangs schon erwähnt, ein Opfer der napoleonischen Außenpolitik.

1,3:1

Abb. 46: Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen,

DANK Dem Münzkabinett Dresden bin ich für die Bereitstellung der Abbildungen und Herrn Roger Paul (Münzkabinett Dresden) für seine unschätzbare Hilfe sehr verbunden. Frau Dr. Hertha Schwarz und Kai-Uwe Arnold danke ich für Ihre Unterstützung.

2/3 Vikariatstaler 1792. Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. AGB11732.

1,3:1

Abb. 47: Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen, 1/3 Vikariatstaler 1792. Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. AGB11736.

1,3:1

Abb. 48: Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen, 1/12 Vikariatstaler 1792. Münzkabinett Dresden, Inv. Nr. AGB11739.

Literatur · P . Arnold, Die Münzen und Medaillen auf das sächsische Reichsvikariat, MÖNG 26, 1986, S. 39–44. · P . Arnold/U. Arnold, ELECTOR-REX-VICARIUS, die sächsischen Reichsvikariatsprägungen von 1711. Ein numismatischer Beitrag zur Verfassungsgeschichte des Alten Reiches, in: Fundamenta HISTORIAE. Festschrift für Niklot Klüßendorf (Hannover 2004), 267–282. · R . Grund, Die Entwicklung der Medaillenkunst an der Münzstätte Dresden im 17. Jahrhundert (Gütersloh 1996). · M . Schöder, Der Medailleur und Stempelschneider Albrecht Krieger. Medaillenkunst des Barock in Leipzig, hrsg. von der Gesellschaft für Thüringer Münz- und Medaillenkunde e.V. (Neustadt/Orla 2019). · W. Hermkes, Das Reichsvikariat in Deutschland: Reichsvikare nach dem Tode des Kaisers von der Goldenen Bulle bis zum Ende des Reiches (Karlsruhe 1968).


DIE KURSÄCHSISCHEN VIKARIATSPRÄGUNGEN

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Neue Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle: „ Skulptural – Die neuen Galerien“ zeigt Münzen und Medaillen Am Abend des 23. April 2026 fand in der Hamburger Kunsthalle in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof der Hansestadt die Eröffnung der neuen Ausstellung „Skulptural – Die neuen Galerien“ statt. Die Veranstaltung begann mit vier Reden, es sprachen der Direktor der Kunsthalle, der Kultursenator der Stadt Hamburg, der Mäzen des Projektes sowie die Kustodin für die Plastik. Drei von ihnen dankten dem Auktionshaus Fritz Rudolf Künker aus Osnabrück. Was war passiert? Von Martin Ziegert

Der Gründungsbau der Hamburger Kunsthalle von 1869.

Dazu müssen wir fünf Jahre zurückgehen in das Jahr 2021. In der Kunsthalle war der Kustodin Dr. Annabelle Görgen-Lammers aufgefallen, dass sich in ihrem Tätigkeitsbereich auch ein größerer Bestand an Münzen und Medaillen befindet. Diese waren bereits seit der Gründung der Kunsthalle 1890 gesammelt worden, viele Münzen erhielt das Haus aus der Sammlung der Hamburger Bank. Für die Medaillen fuhr Gründungsdirektor Alfred Lichtwark in den 1890er Jahren, also gerade 20 Jahre nach dem DeutschFranzösischen Krieg, nach Paris und besuchte die zeitgenössischen Medailleure in ihren Werkstätten, um ihnen ihre Medaillen abzukaufen. Er befand diese als Skulpturen „en miniature“ und damit für ein Haus der Skulptur gerade richtig. Sein Nachfolger Gustav Pauli

setzte diesen Weg fort, war aber auch am Erwerb vor allem antiker Münzen interessiert. Zu dieser Zeit gab es mit Hans Börger einen Numismatiker in der Kunsthalle, der einige antike Spitzenstücke an Münzen sowie Medaillen seit der Renaissance auch publizierte. In den sechziger und frühen siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wirkte Rainer Postel in der Kunsthalle und publizierte den Bestand der antiken Münzen schließlich 1974. Sunhild Salaschek veröffentlichte 1980 die Medaillen und Plaketten des 19. und 20. Jahrhunderts in der Kunsthalle. Danach befanden sich die Münzschränke in der Obhut des Direktors der Kunsthalle, die Stelle des Numismatikers wurde durch eine Stelle im Bereich public relations


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Jahre. Die Datenbank der Kunsthalle war nicht für Münzen angelegt, daher schloss sich das Haus dem Verband von IKMK aus Berlin an. Karsten Dahmen kam dann auch zu Besuch, um eine Einführung zu geben. Für die zeitgemäße Fotografie stellte die Firma Künker eine Fotoanlage zur Verfügung. Mit Anne Batzilla-Kempf und Corinna Kröner wurden auch zwei externe Metallrestauratorinnen angestellt, sodass zum Projektbeginn die Grundlagenarbeit von drei externen Mitarbeitern erledigt wurde. Die antiken Münzen wurden nun zuerst fachmännisch gereinigt, dann von Martin Ziegert bestimmt, gewogen, gemessen, fotografiert und in die Datenbank IKMK eingegeben. Juni 2022 wurde mit Dr. Sylvia Karges 24. AprIm2026 eine Numismatikerin bis 11. Apr 2027in der Kunsthalle angestellt. Sie kümmerte sich um die Medaillen von der Renaissance bis in das 19. Jahrhundert. In den folgenden zwei Jahren wurden viele Münzen und Medaillen bestimmt sowie Themen für die Ausstellung identifiziert. Mit Dana Zacharias, Tessa Scheunert und über den Sommer 2023 Niklas Groschinsky kamen studentische Hilfskräfte hinzu, welche die Arbeit unterstützten. Nach den zwei Jahren hatte Martin Ziegert alle antiken Münzen bestimmt, sein Einsatz wurde Ende 2023 aber noch für ein Jahr verlängert, und er konnte sich nun auch mit den Medaillen beschäftigen. Im Oktober 2023 war Sylvia Karges ausgeschieden, um an das Münzkabinett Dresden zu wechseln. Ihr Nachfolger wurde Patrik Pohl, dem Martin Ziegert im Herbst 2024 seine Arbeiten übergab. Ebenfalls 2024 arbeitete mit Marlene Knut eine Provenienzforscherin für ein Jahr am Datenbestand. Ende 2024 zog sich Martin Ziegert aus dem Projekt zurück, da auf ihn große Projekte beim Auktionshaus Künker warteten. Daher war es eine große Freude für alle Beteiligten, zur Ausstellungseröffnung wieder zusammen zu treffen.

SKULPTURAL SKULPTURAL SKULPTURAL 24. Apr 2026 bis 24. 11. Apr Apr2027 2026 bis 11. Apr 2027

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Das Plakat zur Ausstellung.

ersetzt. Die Sammlung geriet in einen zwanzigjährigen Dornröschenschlaf, bis Annabelle Görgen-Lammers die Münzen und Medaillen wieder auffielen. Die Schränke waren in der gesamten Kunsthalle verteilt – ein unhaltbarer Zustand. So brauchte es zunächst Räumlichkeiten und noch wichtiger: Geld, um das Projekt groß aufzuziehen. Die Objekte sollten gereinigt werden, eine Grunderfassung durchlaufen, digitalisiert werden und schließlich in einem Ausstellungsprojekt glänzen. Für die Räumlichkeiten wandte sich Annabelle Görgen-Lammers an den neuen Museumsdirektor Prof. Dr. Alexander Klar, der sich auch um die Finanzierung des Projektes kümmerte. Was aber zunächst in der Kunsthalle fehlte, waren ausgebildetete numismatische Fachkräfte. Hierzu wandte sich die Kunsthalle an das bekannte Münzauktionshaus in Osnabrück. Andreas Kaiser fragte Martin Ziegert, ob er sich die Arbeit in Hamburg vorstellen könne und erhielt eine positive Antwort. Im November 2021 fuhren beide zu einem Kennenlernen in die Hansestadt. Dort trafen sie dann auf Alexander Klar, Annabelle Görgen-Lammers sowie ihre Projektassistentin Ann-Kathrin Hubrich. Verabredet wurde der Start für Januar 2022 mit der Arbeitszeit zwei Wochen pro Monat für zunächst zwei

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In der Ausstellung werden auf 1500 m² im Säulensaal, im Hamburger Gang und in der Rotunde 650 Spitzenwerke an Münzen und Medaillen auf eigens entwickelten Schautischen gezeigt und mit Werken der Großplastik und weiteren Medien auch räumlich in Beziehung gesetzt. So wird schnell deutlich, dass das Frontalporträt der Medusa nicht allein Münzen vorbehalten war. Größere Themenfelder im Bereich der Münzen sind eine Kaiserreihe anhand antiker Münzbilder sowie die Prägung der Stadt Syrakus auf Sizilien mit ihren Meisterwerken aus der griechischen Klassik. Für die Medaillen konnten viele Werke aus dem Musée d’Orsay in Paris ausgeliehen werden, das mit der Medaillenkunst im 19. Jahrhundert einen ganz ähnlichen Sammlungsschwerpunkt wie die Kunsthalle besitzt. Es ist eine gelungene Ausstellung, die einen Besuch in Hamburg noch lohnenswerter macht.


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Münzen als Kleinstskulpturen: Das Sammlungskonzept der Hamburger Kunsthalle Seit dem 24. April 2026 präsentiert die Hamburger Kunsthalle ihre große Ausstellung „SKULPTURAL. Die neuen Galerien“. Dafür geht sie an den Anfang ihrer Geschichte zurück, denn die Münzen und Medaillen spielten im Sammlungskonzept des ersten Museumsdirektors Alfred Lichtwark eine zentrale Rolle. Von Ursula Kampmann

Die Hamburger Kunsthalle hat am 23. April 2026 eine Neupräsentation ihrer Sammlung eröffnet. Sie trägt den Titel „SKULPTURAL. Die neuen Galerien“ und zeigt nicht nur das, was man gemeinhin so unter Skulpturen versteht, sondern auch die bedeutendsten Funde eines gerade erst gehobenen Schatzes an Münzen, Medaillen und Plaketten. Diese spielten nämlich schon von Beginn an eine zentrale Rolle, als Alfred Lichtwark mit seinem Sammlungskonzept die Bedeutung der heutigen Hamburger Kunsthalle begründete. Das veranlasste die Pressestelle des Museums, einmal den Schwerpunkt ihrer Pressemeldung zur neuen Ausstellung auf die Münzen und Medaillen zu legen und den Text mit einem Statement Lichtwarks einzuleiten: „Den Ausgangspunkt für die Skulpturensammlung bildete eine Kunstgattung, die dazu dienen sollte, dem einzigen Gebiet der Plastik,

das in Hamburg seit der Renaissance gepflegt war, neue befruchtende Ideen zuzuführen, die moderne Medaille und Plakette.“ Ein bürgerliches Museum Aber zurück an den Anfang. Die Hamburger Kunsthalle ist nicht das einzige Museum, das seine Entstehung dem 19. Jahrhundert verdankt. Dieses Jahrhundert sah eine Welle von Museumsgründungen. Schließlich verlangten die Ideen der Aufklärung von den Regierenden, die Bürger durch den Anblick des Schönen, das man gleichzeitig für das Gute hielt, zu bilden. Und so schlossen sich auch in Hamburg einige engagierte Bürger im Jahr 1846 zu einem Kunstverein zusammen und forderten ein Kunstmuseum für ihre


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Das war reichlich ambitioniert für den Sohn eines gescheiterten Müllers und talentlosen Gastwirts, der vom innovativen Schulwesen der Hansestadt Hamburg profitiert hatte. Ohne ein hohes Schulgeld zu bezahlen, erhielt der kleine Alfred ausgezeichneten Unterricht nicht nur in den Grundfächern wie Lesen, Schreiben und Rechnen. In den höheren Klassen kamen Fächer wie Geometrie und Algebra, Kunst und Fremdsprachen hinzu. Sein Talent ermöglichte dem Ausnahmeschüler zunächst den Besuch einer Lehrerbildungsanstalt und danach im Alter von 21 Jahren das Abitur. Nun konnte er mittels eines Stipendiums Kunst und Pädagogik studieren, eine damals gewagte Wahl für einen mittellosen Mann. Er hätte schnell als schlecht bezahlter Zeichenlehrer von gelangweilten jungen Damen enden können. Doch die Kunstwelt erkannte Lichtwarks sicheres Auge. Er wurde bereits 1881 ans junge Kunstgewerbemuseum in Berlin berufen. Er studierte weiter, erwarb 1885 den Doktorgrad, ehe ihn die Stadt Hamburg am 3. Dezember 1886 mit dem Amt des Direktors der Kunsthalle betraute. Alfred Lichtwark. Gemälde von Leopold von Kalckreuth aus dem Jahr 1912. Hamburger Kunsthalle Inv. Nr. 1813.

Stadt. Ihre Initiative fand ein breites Echo. Der Rat steuerte ein Grundstück bei und übernahm die Hälfte der Baukosten, während zahlungskräftige Bürger die andere Hälfte finanzierten und gleichzeitig dafür sorgten, dass in der Kunsthalle bei ihrer Eröffnung im Jahr 1869 etwas zu sehen war. Alfred Lichtwark Wir haben kein Inventar des Altbestands, den Alfred Lichtwark übernahm, als er im Jahr 1886 zum ersten Direktor der Kunsthalle ernannt wurde. Wir dürfen uns ein ziemlich buntes Allerlei vorstellen. Natürlich gab es auch Münzen. Die gab es in jedem Museum, das im 19. Jahrhundert neu gegründet wurde. Schließlich waren Münzen das allerliebste Sammelobjekt der bürgerlichen Oberschicht, leicht erhältlich und gleichzeitig der einfachste und billigste Zugang zur Antike, die von der bürgerlichen Bildungselite als der große Anfang der abendländischen Kultur gefeiert wurde. Alfred Lichtwark trat an, um aus diesem Allerlei ein Museum zu formen, in dem der Kenner das Auge an den bedeutenden Kunstwerken aus Vergangenheit und Gegenwart schulen konnte.

Was für ein Vertrauensbeweis für den 34-jährigen! Er sollte sich dessen würdig erweisen, indem er dank seiner kühnen Ankaufspolitik die Hamburger Kunsthalle zu einem musealen Hotspot der zeitgenössischen Kunst machte. Lichtwark als Förderer der Medaillenkunst Wir könnten jetzt endlos über Lichtwarks Ankaufspolitik referieren, der die Hamburger Kunsthalle schließlich einige ihrer bedeutendsten Werke verdankt. Uns interessiert aber die Rolle, die die Medaille in Lichtwarks Tätigkeit spielte. Schließlich hatte er gerade wegen seiner Ankaufspolitik den Finger am Puls des internationalen Kunstmarkts. Er reiste nach Kopenhagen, London und Paris, immer auf der Suche nach vielversprechenden jungen Talenten. Er besuchte sie in ihren Ateliers und kaufte, was gut war und was er sich trotzdem leisten konnte. Für ehrgeizige Museumsdirektoren ist noch das größte Ankaufsbudget zu klein. Das mag Lichtwarks Blick auf die Medaillen gelenkt haben, die in den Ateliers der französischen Impressionisten entstanden. Sie waren reproduzierbar, deshalb nicht so teuer wie Bilder und Statuen und transportierten dennoch die frische Widerborstigkeit, mit der die Künstler die Kunstszene revolutionierten. Für seine Käufe beriet sich Lichtwark mit einem der besten Kenner des französischen Impressionismus, mit Léonce Bénédite, Direktor des Pariser Musée du


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Fotografie des französischen Bildhauers Jean-François Soitoux, zwischen 1860 und 1870. Bibliothèque nationale de France 4_NA-112.

Entwurf zur Medaille von Maximilien Bourgeois auf Jean-François Soitoux. Rötliches Plastilin. Foto: Hamburger Kunsthalle M-477.

Luxembourg – heute Musée d‘Orsay. Der Briefwechsel dieser beiden Kapazitäten hat sich in großen Teilen erhalten. Inspiriert von den wunderbaren Medaillen, die Lichtwark in Paris zu sehen bekam, blickte er auf das zeitgenössische Medaillenschaffen der vielen privaten Münzstätten in Deutschland. Es erfüllte ihn mit Grauen. Wie verstaubt wirkten auf ihn all die detailreichen Allegorien, die naturgetreuen Gebäudeansichten, die historisierenden Szenen, die uns heute mit Entzücken erfüllen! Was er bei seinem Blick auf das zeitgenössische Medaillenschaffen empfand, formulierte er in seiner programmatischen Schrift „Die Wiedererweckung der Medaille“ im Jahr 1895: „Ein Gähnen pflegt den deutschen Kunstfreund anzuwandeln, wenn er an die moderne Medaille erinnert wird. Die Münzkabinette der Museen sammeln sie nicht mehr, es sei denn aus lokalhistorischen Rücksichten. Ein Privatmann, der eine Sammlung moderner Medaillen pflegt, erwirbt sich durch diese Tätigkeit kein höheres Ansehen, als wenn

er seine Neigung der Briefmarke zugewendet hätte. Wer auf einer Ausstellung oder bei einem sonstigen Anlass mit einer Medaille belohnt wird, legt sie in die Schublade und vergisst sie, er könnte sie denn als Geschäftsreklame verwenden. Aus alter Gewohnheit wird bei Krieger- und Schützenfesten das zinnerne Erinnerungszeichen gekauft, einen Tag getragen und dann den Kindern zum Spielzeug geschenkt. Bei der Herstellung der Medaille waltet kaum noch die Absicht, ein Kunstwerk zu schaffen.“ Lichtwark sprach damit einer neuen, jungen Generation von Künstlern aus der Seele. Wenn wissenschaftliche Numismatiker heute noch die „Kunstmedaille“ von der ökonomisch motivierten Zweckmedaille abgrenzen, dann geht das auf diese Zeit zurück. Natürlich darf man diese Vorstellung durchaus kritisch sehen. (Und die Autorin dieses Artikels tut es) Denn selbstverständlich verdienten auch die Impressionisten mit ihren Medaillen Geld, genauso wie es die Künstler heute tun oder zumindest beabsichtigen. Aber davon später mehr.


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Das Porträt von Jean-François Soitoux

Die Medaille von Maximilien Bourgeois auf Jean-François Soitoux. Durchmesser 192 mm. Foto: Hamburger Kunsthalle M-476.

Die Sammlung der Hamburger Kunsthalle als Spiegel des Aufbruchs Aber gehen wir zurück in die Zeit, als Lichtwark sein Amt übernahm. Angeregt von seinen Ausstellungen und Schriften begannen damals viele Museen zeitgenössische „Kunstmedaillen“ zu sammeln. Was aber die Sammlung der Hamburger Kunsthalle so einzigartig macht, ist die Tatsache, dass Lichtwark nicht nur die Endprodukte kaufte, sondern versuchte, Objekte zu ergattern, die ihren Entstehungsprozess dokumentierten. Er trug über 1.000 Medaillen zusammen und erwarb dank seiner guten Kontakte systematisch Vorstudien und Modelle. Dazu war Lichtwark ein eifriger Briefschreiber, dessen Korrespondenz in großen Zügen erhalten blieb, so dass wir in seinen Briefen zahlreiche Schilderungen von Atelierbesuchen und Ankäufen finden. Und damit gibt uns diese einmalige Sammlung einen intimen Einblick in eine Epoche, in der sich Medailleure und Kunstbegeisterte daran machten, die Kunst der Medaille neu zu erfinden.

Sehen wir uns einige Beispiele an. Frau Annabelle Görgen-Lammers, die die Leitung der Abteilung Skulptur & Plastik (bis 1960) innehat, der deshalb auch die Münzsammlung untersteht und die diese Ausstellung kuratierte, hat uns Fotos von einigen beeindruckenden Objekten zur Verfügung gestellt. Wir beginnen mit einem besonders gelungenen Porträt des Bildhauers Jean-François Soitoux (1816-1891), das Maximilien Bourgeois (1839-1901) im Jahr 1883 schuf und das die impressionistische Porträtkunst ins Münzbild umsetzt. Die Rückenansicht des Dargestellten in einer angedeuteten Oberbekleidung, das lange und wilde Haupthaar, das die Persönlichkeit des Künstlers zu spiegeln scheint, die Struktur des Feldes der Vorderseite mit dem kammstrichartigen Muster, das an Fingerabdrücke erinnert und so weit entfernt ist von jeder hochglänzenden Polierter-Platte-Prägung, wie sie uns heute so gut gefällt: all das macht die Medaille von Bourgeois zu etwas ganz Besonderem. Da es Alfred Lichtwark gelang, sich einen ersten Entwurf aus rotbraunem Plastilin zu sichern, können wir einen Blick in die Entstehungsgeschichte des Stücks werfen. Wir dürfen beobachten, welche Details der Künstler für das finale Kunstwerk deutlicher herausarbeitete, welche er so flüchtig lassen wollte wie in seinem Entwurf. Solche Einblicke in die Entstehungsgeschichte einer Medaille sind kostbar und selten. Übrigens scheint der Dargestellte mit seinem Porträt sehr zufrieden gewesen zu sein. Dafür spricht jedenfalls die Tatsache, dass eben diese Porträtmedaille in den Grabstein eingearbeitet wurde, der auf dem Friedhof von Montparnasse an Jean-François Soitoux erinnert.


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Die Medaille von Jules-Clément Chaplain auf Jeanne Mathilde Claude. 1887, versilbertes Kupfer. Durchmesser 124 mm. Foto: Hamburger Kunsthalle M-537.

Zeichnung einer Frau im Profil nach links von Jules-Clément Chaplain. Zeichnung in Bleistift, 298 x 237 mm. Foto: Hamburger Kunsthalle 30095.

Porträt einer Unbekannten namens Jeanne Mathilde Claude In vielen Münzkabinetten findet man heute eine wunderbare Medaille, die Jules-Clément Chaplain (1839-1909) im Jahr 1887 schuf. Sie zeigt eine Dame, deren Name Jeanne Mathilde Claude groß als Umschrift zu lesen ist. Leider ist das so ziemlich alles, was wir über die eindrucksvolle Dame wissen. Sie interessierte die zeitgenössischen Kunsthistoriker nicht; ihr Porträt wurde gefeiert; wer sie war und warum sie dargestellt wurde, tritt dahinter zurück. Diese Medaille wurde gerne als besonders wichtiges Werk im Kunstschaffen von Chaplain abgebildet, und deshalb von etlichen Museumsdirektoren und Sammlern gekauft. So schrieb zum Beispiel Prof. Dr. Paul Herrmann in Die Kunst: Monatsheft für freie und angewandte Kunst, 17. Band (München 1908), S. 196 Folgendes über das Porträt: „ Seine [Chaplains] starke, zuweilen fast herbe Kunst entwickelt er namentlich in der glänzenden Reihe von Bildnismedaillen, die in seinem

Schaffen einen breiten Raum einnehmen. Mit wuchtigen Strichen modelliert er seine Köpfe in breiten Flächen und erreicht dadurch auf dem kleinen Medaillenfelde eine wahrhaft monumentale Wirkung, die mit großer ernster Ruhe der Erscheinung gesteigerte Lebensenergie verbindet.“ An keiner anderen Medaille kann man besser zeigen, welcher Paradigmenwandel um 1880 einsetzt: Die Medaille, die ursprünglich geschaffen wurde, um an Ereignisse und Personen zu erinnern, wird völlig vom Künstler okkupiert, dessen Kunstfertigkeit derart in den Vordergrund tritt, dass das Dargestellte keine Rolle mehr spielt. Verstehen kann man diese Entwicklung nur, wenn man daran denkt, dass die Porträtfotografie den bildenden Künstler immer mehr aus seinen traditionellen Arbeitsgebieten verdrängte. Madame Claude musste nicht mehr zu einem Künstler gehen, um ihr Aussehen für die Ewigkeit festzuhalten. Eine Stunde in einem guten Fotoatelier reichte dafür völlig. Ihr Porträt auf


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Nicht nur die Entwurfszeichnung von Chaplain blieb erhalten. Der Besucher der Ausstellung kann für mehrere Beispiele Entwurf und Ausführung bewundern. Foto: Fred Dott / Hamburger Kunsthalle.

einer Medaille hörte so auf, dokumentarisches Zeugnis zu sein, und wurde zum reinen Kunstobjekt. Der Künstler verkaufte nicht mehr ein Porträt, sondern Kunst. Rotys Darstellung des Büros eines Polizisten von 1892 Unser drittes und letztes Beispiel stammt von Oscar Roty (1846-1911), zu seiner Zeit einer der bekanntesten Medailleure Frankreichs. Er gehört zusammen mit JulesClément Chaplain zu den Begründern der Art Nouveau. Wir sehen ein Plastilin-Modell für eine Plakette, die im Grunde eine damals hochmoderne französische Polizeistation darstellt. Sie zeigt eine Dame im antikisierenden Gewand, die vor einem Schreibtisch sitzt, wie er in vielen Büros der Pariser Sûreté stand. Charakteristisch ist die moderne Gaslampe; rechts davon steht das Tintenfass mit der langen Feder. Schreibmaschinen gab es zwar schon, aber sie erlebten ihren großen Durchbruch erst nach 1900. Auf dem Tisch liegt ein Ehrensäbel mit zwei auffälligen Quasten. Unter dem Tisch steht ein riesiger Papierkorb. Über dem Schreibtisch sehen wir ein Wappen, das später als das Wappen von Paris ausgearbeitet werden sollte. Frédéric de Haenen, Eine Befragung im Büro von Marie-François Goron, Stellvertreter von Henri Lozé. Buchillustration von 1892.

Es handelt sich um den Entwurf zur Rückseite einer Porträtplakette, die Roty für Henry Lozé schuf, den Präfekten der Pariser Polizei. Der Grund, warum


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Oscar Roty, Modell für die Rückseite einer Plakette auf Henri Lozé, Polizeipräfekt von Paris. Plastilin auf Schiefer. 330 x 250 mm. Foto: Hamburger Kunsthalle M-1205b.

8. November 1892, als im Gebäude einer Pariser Minengesellschaft eine Bombe entdeckt wurde. Die Polizei wurde geholt, die Bombe entfernt und in das nächste Revier gebracht, wo sie explodierte und fünf Männer in den Tod riss. Lozé musste die Trauerfeier leiten, während die Pariser Zeitschriften seinen Kopf forderten. Lozé trat zurück und machte in der Politik Karriere. Er schaffte es in den französischen Senat, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1915 die Geschicke Frankreichs mitbestimmte. Viel bedeutsamer als dieser historische Hintergrund ist in unserem Zusammenhang die Inschrift, die wir auf dem Modell sehen, das mit Plastilin auf einer Schieferplatte gestaltet wurde. Im Feld oben finden wir die Inschrift A M[onsieur] Lichtwark, Souvenir bien affectueux de son ami Roty aout 1892 (= Für Herrn Lichtwark, in liebevoller Erinnerung an seinen Freund Roty, August 1892). Roty schenkte also Alfred Lichtwark den Entwurf zu der Plakette und versah ihn noch dazu mit einer Widmung. Kunsthistorische Zeugnisse wie dieses machen die Sammlung der Hamburger Kunsthalle so interessant und bedeutend. ausgerechnet in diesem Jahr die Plakette entstand, ist unklar. Kein Geburtstag, kein Dienstjubiläum, kein Jubiläum der französischen Polizei, das sich als Anlass eignen würde. Allerdings feierte ganz Frankreich am 21. September 1892 das Jubiläum von 100 Jahren französischer Republik. Wollte Lozé für seine hochrangigen Besucher, die aus diesem Anlass nach Paris kamen und die damals modernste Polizei Europas zu besichtigen wünschten, ein Souvenir bereit haben? Dumm nur, dass ausgerechnet 1892 eine Terrorwelle Paris überrollte. Ihr tragischer Höhepunkt war der

Eine Sammlung wie diese braucht ein innovatives Ausstellungskonzept Alfred Lichtwark hatte nicht umsonst Kunst und Pädagogik studiert. Er gilt heute als Pionier der Kunstpädagogik, den sein enger Freund Max Liebermann gerne auch als „Lehrer Deutschlands“ titulierte. Er hätte seine Freude an der aktuellen Präsentation, die allein schon durch ihre überraschende Zusammenstellung Zusammenhänge aufzeigt. So greift die neue Ausstellung eine Idee Lichtwarks auf, die jeden Münzfreund begeistern wird, der


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Historische Ansicht der Hamburger Kunsthalle mit den von Alfred Lichtwark entworfenen Münzvitrinen.

sich normalerweise nach einer Stunde eifrigen Vitrinenguckens den Rücken zu reiben beginnt. Lichtwark hatte für seine numismatischen Objekte einen besonderen Vitrinentypus entworfen, vor dem der Interessierte bequem sitzen konnte. Frau GörgenLammers hat sich davon inspirieren lassen und so sind Vitrinen entstanden, an denen der Besucher sitzen kann, während er die Objekte bewundert. Einige davon stehen in der historischen Säulenhalle, in der sich das Café „DAS LIEBERMANN“ befindet, so dass es theoretisch möglich ist, seinen Kaffee an einer Münzvitrine zu schlürfen. SKULPTURAL. Die neuen Galerien ist bis zum 11. April 2027 zu besichtigen. Versäumen Sie nicht, diese innovative Ausstellung zu besuchen, in der die Münzen und Medaillen eine derart zentrale Rolle spielen.

An dieser Münzvitrine können Sie sogar Kaffee trinken, wenn Sie wollen. Foto: Fred Dott / Hamburger Kunsthalle.

Für weitere Informationen führt Sie nebenstehender QR-Code direkt zur Internetseite der Hamburger Kunsthalle.

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VIER JAHRZEHNTE KÜNKER

Vier Jahrzehnte Künker: Jutta Osing und Manuela Weiß feiern ihr 40-jähriges Dienstjubiläum Am 1. August 1986 begannen zwei junge Frauen ihre Ausbildung in einer Osnabrücker Münzenhandlung – eigentlich wollte Fritz Rudolf Künker damals nur einen einzigen Lehrling einstellen. Zum Glück kam es anders. Heute, 40 Jahre später, sind Jutta Osing und Manuela Weiß aus dem Hause Künker nicht wegzudenken. Jutta Osing erging es kaum anders. Auch sie hatte die Adresse vom Arbeitsamt bekommen, auch sie war von der alten Villa zunächst wenig angetan: „Als ich in diese alte Villa kam, habe ich nur gedacht: ‚Wie spießig ist das denn!‘ Überall waren die Türen zu.“ Und doch trat auch sie im Sommer ihre Lehrstelle an – und blieb. Zwei Azubis, wo nur einer geplant war Eigentlich hatte Fritz Rudolf Künker 1986 nur einen einzigen Lehrling gesucht. Nun arbeiteten plötzlich zwei junge, intelligente und engagierte Frauen im Haus, denen die einfachen Aufgaben schnell zu langweilig wurden. Jutta Osing erinnert sich: „Am Anfang machte ich hauptsächlich Post, jedenfalls fühlte es sich so an. Ich packte Kataloge und Münzen aus. Ich packte Münzen und Kataloge wieder ein. Es nervte. Ich wollte mehr Verantwortung.“ Jutta Osing

Wer die beiden Jubilarinnen nach ihrem allerersten Eindruck von der Firma Künker fragt, erhält eher unerwartete Antworten. Begeisterung klingt anders. Manuela Weiß, damals 17 Jahre alt und frisch von der Handelsschule, erinnert sich an ihren Besuch in der Villa in der Gutenbergstraße: „Der erste Gedanke, als ich die Villa betrat? ‚Nein, wirklich nicht.‘ Diese Schleuse, durch die man in diese Bibliothek kam, überall alte, verstaubte Bücher.“ Als Fritz Rudolf Künker sie am Ende des Vorstellungsgesprächs fragte, ob sie gerne anfangen würde, sagte sie tatsächlich „nein“ – sie träumte von einer Ausbildung in einem schicken Reisebüro. Doch aus dieser Absage entwickelte sich ein offenes Gespräch, und wenige Tage später kam der Anruf: Sie könne anfangen. „Dass mir die Münzen irgendwann so viel Spaß machen würden, hätte ich mir nicht träumen lassen.“

Manuela Weiß wurde derweil in die Numismatik eingearbeitet – auf die damals übliche, pragmatische Künker-Art: Man legte ihr Reichsmünzen und den „Jaeger“ auf den Tisch. „Für mich war das ein bisschen wie Memory: Welches Bild passt zu was.“ Stück für Stück arbeitete sie sich durch die Jahrhunderte zurück, schrieb Bestimmungen mit besonders spitzen Kugelschreibern auf Münztütchen und Münzzettelchen, damit alle Angaben darauf passten. Erinnerungen an eine andere Zeit Wer heute mit den beiden über die Anfangsjahre spricht, taucht ein in eine Arbeitswelt, die kaum noch vorstellbar ist. Jutta Osing schrieb ihre ersten Rechnungen an einer Fakturiermaschine – einer Kombination aus Schreibmaschine und Rechenmaschine, verbunden mit einem Nadeldrucker, „der ein ganz besonderes Geräusch machte“. Jede einzelne Rechnung entstand von Hand.


VIER JAHRZEHNTE KÜNKER

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40 Jahre – und kein bisschen leise Vier Jahrzehnte, drei Firmengebäude, unzählige Auktionen: Jutta Osing und Manuela Weiß haben die Entwicklung vom kleinen Familienbetrieb zum international führenden Auktionshaus nicht nur miterlebt, sondern entscheidend mitgestaltet – die eine in den Finanzen, die andere in der Numismatik. Dass beide einst mit einem skeptischen Blick auf eine „spießige“ alte Villa begannen, macht ihre Geschichte umso schöner.

Manuela Weiß

Und dann waren da die Auktionskataloge, deren Fotos zu Hause ausgeschnitten und mit dem legendären Kleber Fixogum aufgeklebt wurden. Manuela Weiß saß dafür stundenlang daheim auf der Couch und schnitt Münzbilder aus – die Überstunden gab es extra bezahlt. Beim Kleben wechselten sich die beiden ab, wie Jutta Osing berichtet: „Den Gestank dieses Klebers werde ich nie vergessen, aber die Kataloge mussten ja fertig werden. Manchmal sind wir bis in die Puppen dagesessen.“

Die Geschäftsführer Dr. Andreas Kaiser, Ulrich Künker und Timo Niermann gratulieren Jutta Osing und Manuela Weiß gemeinsam mit Fritz Rudolf Künker und Horst-Rüdiger Künker von Herzen zum 40-jährigen Dienstjubiläum – verbunden mit einem großen Dankeschön für vier Jahrzehnte Engagement, Loyalität und gute Laune. Auf die nächsten Kapitel!

Buchtipp: Die Künker-Chronik

Zwei Wege, ein Haus So parallel die beiden anfingen, so unterschiedlich ging es weiter. Jutta Osing rechnete sich nach der Ausbildung erst einmal kaum Chance für eine Übernahme aus – „weil Manuela sich für die Numismatik interessierte“, aber sie konnte „erst mal ein paar Monate bleiben“. Aus den paar Monaten wurden Jahrzehnte. Nach und nach vertraute man ihr immer mehr Aufgaben aus dem Bereich Finanzen an, später übernahm sie die Leitung der Finanzbuchhaltung. „Das hätte ich mir am Anfang nicht träumen lassen.“ Manuela Weiß wurde zu einer profilierten Numismatikerin des Hauses. Aus der jungen Frau, die einst mit den Münzen des deutschen Kaiserreichs und dem „Jaeger“ Memory spielte, ist eine der erfahrensten Münzkennerinnen weltweit geworden – zahlreiche Auktionskataloge der vergangenen Jahrzehnte tragen ihre Handschrift. Heute konzentriert sie sich auf Sonderprojekte und numismatisch anspruchsvolle Sammlungen.

Sie möchten mehr über die Anfänge von Jutta Osing und Manuela Weiß erfahren – und über 50 Jahre Firmengeschichte von der kleinen Münzenhandlung in der Heger Straße bis zum international führenden Auktionshaus? Alle Zitate und Anekdoten dieses Artikels stammen aus der Künker-Chronik von Ursula Kampmann, erschienen anlässlich des 50-jährigen Firmenjubiläums. Möchten Sie die Chronik erhalten? Dann melden Sie sich gerne bei uns: Tel. +49 541 96202 0 oder service@kuenker.de


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BUCHVORSTELLUNG: „GEPRÄGTER RUHM“

Neues Standardwerk über die Medaillen Ludwigs XIV. Von Torsten Fried

unerschöpflich“ sei. Und jetzt schließt sich der Kreis: Nach 300 Jahren sind diese ungefähr 300 Medaillen Ludwigs XIV. in einem Katalogwerk vereinigt, das ganz neue Maßstäbe bei der Bearbeitung von Medaillen setzt.

Prof. Hengerer am Rednerpult bei der Buchpräsentation.

Am 9. Juli 2026 wurde im Max-Joseph-Saal der Münchner Residenz ein Buch vorgestellt, das den französischen Sonnenkönig in ganz neuem Glanz erscheinen lässt. Denn Ludwig XIV. ließ zu seiner Glorifizierung die umfangreichste auf einen einzelnen Menschen bezogene Serie von Medaillen herstellen. Dieses einzigartige Denkmal erstrahlte in Gold und Silber, zeichnete sich in Bronze und Kupfer durch Langlebigkeit aus und war in Zinn oder Blei für ein breiteres Publikum erschwinglich. Mit seiner Histoire métallique ließ Ludwig XIV. die wichtigsten Ereignisse seiner 72-jährigen Regentschaft dauerhaft in Metall festhalten, so etwa Staatsakte, dynastische Ereignisse, Kriege, Friedensschlüsse und vieles andere mehr: eine geprägte Biografie. Sir Mark Jones, langjähriger Experte des British Museum, bezeichnet sie als „grundlegende Quelle für das Verständnis der europäischen Kulturund Ideengeschichte“, die zugleich „unterschätzt und

Der vorliegende, zweibändige Katalog versammelt sämtliche Medaillen der séries uniformes (Durchmesser 41 mm), die in den offiziellen, aufwendig gestalteten Publikationen von 1702 bzw. 1723 reproduziert wurden („Médailles sur les principaux événements du règne de Louis le Grand, avec des explications historiques“). Dabei umfasst die erste Auflage (1702) 286 Medaillen, die zweite Auflage (1723) 318. Neben den geprägten Stücken mit zahlreichen Varianten und Nachprägungen dokumentiert der Katalog auch die Prägewerkzeuge (Stempel und Punzen) sowie die Kupferstiche der Buchausgaben. Transkriptionen und Übersetzungen der Inschriften, Beschreibungen der bildlichen Darstellungen sowie Erläuterungen der erinnerten Ereignisse bieten vielfältige Zugänge zur Erschließung dieses außergewöhnlichen Gesamtkunstwerks. Der Rang als Kunstwerk erfährt sogar noch eine Steigerung, da die Fotos der Medaillen, Stempel und Punzen selbst eine künstlerische Anmutung besitzen. Sie stammen von Nicolai Kästner aus München, einem der profilierten Fotografen von numismatischen Objekten in Deutschland und weit darüber hinaus. Um die Medaillen in ihrer Vielfalt zu erfassen, wurden europaweit Sammlungen besucht, sei es in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien oder Österreich. Heute lassen sich derartige Vorhaben nicht so einfach in der Forschungslandschaft platzieren. In diesem Fall kam es zur idealen Symbiose zwischen Universität und Museum: Prof. Dr. Mark Hengerer, Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München und


BUCHVORSTELLUNG: „GEPRÄGTER RUHM“

Gefüllt bis auf den letzten Platz: der Max-Joseph-Saal in der Münchener Residenz.

Spezialist für Ludwig XIV., und Prof. Dr. Torsten Fried, langjähriger Leiter des Schweriner Münzkabinetts mit seinem Forschungsschwerpunkt „Die Medaille als Mittel fürstlicher Repräsentation“. Zudem war das Projekt eingebettet in eine Kooperationsvereinbarung zwischen der LMU München, den Staatlichen Schlössern, Gärten und Kunstsammlungen mit dem Münzkabinett des Staatlichen Museums Schwerin und der Münzsammlung München. Zeitgleich mit der Buchpräsentation wurde die Ausstellung „Der Sonnenkönig in Medaillen“ eröffnet, die bis 2027 in der Münchener Münzsammlung zu sehen ist und danach in Schwerin präsentiert wird. Dass man bei einem solchen Vorhaben viele Partner benötigt, dürfte jedem klar sein. Gerade die Zusammenarbeit mit der Münzprägeanstalt in Paris (Monnaie de Paris) und dem Pariser Münzkabinett (Département des Monnaies, médailles et antiques) gestaltete sich überaus erfolgreich. Deshalb war es für alle Beteiligten eine große Freude, dass der französische Generalkonsul in München, Monsieur Alexandre Vulic, an der Buchvorstellung teilgenommen hat. Auch die finanzielle Unterstützung ist enorm wichtig. Hierbei spielte die Münzenhandlung Fritz Rudolf Künker eine herausragende Rolle. Zur Veranstaltung im Max-JosephSaal kamen Herr Dr. Andreas Kaiser als Geschäftsführer und der Leiter der Künker Numismatik AG, Herr Dr. Hubert Ruß, mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Wieder zeigte sich das große Engagement des Osnabrücker Münzauktionshauses als steter Förderer der Numismatik in Deutschland.

KÜNKER EXKLUSIV

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Dr. Ruß im angeregten Gespräch.

Die beiden neuen Bände „Geprägter Ruhm“

Torsten Fried und Mark Hengerer, Geprägter Ruhm. Die Medaillen Ludwigs XIV. der séries uniformes Hirmer Verlag München, 2 Bände, 944 Seiten, ca. 2400 farbige Abbildungen, ISBN 978-3-7774-4539-7, 158 Euro


ISSN 3052-0142

www.kuenker.de


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