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Krebsliga Zentralschweiz | Herbstbrief 2026

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«Ich gehe bewusster mit der Zeit um.» Beat Gloor, Rain


PORTRÄT

«Ich schaue das Leben heute mit anderen Augen an» Beat Gloor schmunzelt breit, wenn er davon spricht, dass er den Krebs überlebt hat, geheilt ist. Auch ein wenig Staunen und Stolz schwingen mit. Seine Geschichte gibt ihm allen Grund dazu. Krebs muss heute nicht mehr den Tod bedeuten. Auch deshalb erzählt Beat Gloor, IT-Leiter eines Architekturbüros, seine Geschichte gerne. Es gelte, Ängste abzubauen. Gerade Hodenkrebs ist in den allermeisten Fällen heilbar. Tatsächlich kam Beat Gloor dem Tod aber sehr nahe, damals, als er 2017 gleich zu Beginn seiner ersten Chemo wegen einer Nierenkomplikation eine Blutvergiftung erlitt. «So knapp war das», erzählt der heute 51-Jährige und zeigt mit den Fingern einen Millimeter an. Eine Erfahrung, die ihn jedoch nachhaltig stärkte: «Ich sah die andere Seite und es fühlte sich gut an, sehr harmonisch.» Seither habe er keine Angst mehr vor dem Tod. Zugleich war ihm sonnenklar, dass er weiterleben möchte! Was sein Leben rettet Beat Gloor ist offen für alle Fragen, seine Unerschrockenheit eindrücklich. Vermutlich auch dank ihr schafft er die unerwartet harte Tortur der Chemo, die wegen des Ablegers im Bauch notwendig war. Vier Zyklen in drei Monaten inklusive der fast tödlichen Blutvergiftung, die ihm buchstäblich die Sprache verschlug und nach der er sogar wieder laufen lernen musste. Diese Chemo, die nur die erste war. Wenige Monate später, Beat Gloor war bereits wieder fast vollzeitig am Arbeiten, ein Rückfall. Obschon die Heilungschance in seinem Fall bei gut 80 Prozent lag – er

gehörte zu den anderen 20 Prozent. «Da ist die Welt zusammengebrochen.»

«Als ich vom Rückfall erfuhr, ist die Welt zusammengebrochen.» «Nein, nochmals Chemo will ich nicht», sagt er dem Arzt. Unvorstellbare Übelkeit, totale Erschöpfung, die Hilfe der Familie benötigen; daneben erschien ihm der Haarverlust nicht der Rede wert. Und diese Chemo im Rahmen einer RückfallStudie sollte viermal so stark werden wie die erste. Der Arzt überzeugt ihn. «Zum Glück! Er hat mein Leben gerettet.» Apropos Lebensretter – das seien auch all jene, die Blut spenden gehen, sagt Beat Gloor mit Nachdruck. Die HochdosisTherapie beeinträchtigte die Blutbildung so stark, dass er gut 40 Konserven benötigte. Manchmal musste er bis zu sechs Stunden auf eine passende warten. Wie die Krebsliga Zentralschweiz entlastet Seit Herbst 2017 besuchte Beat Gloor regelmässig eine Austauschgruppe für alle Krebsarten sowie eine für Prostataund Hodenkrebs der Krebsliga Zentralschweiz – und war gerade vor dieser zweiten Chemo enorm froh darüber: «Hier konnte ich sehr viel lösen, was mich belastet hat.» Gleichzeitig ging er drängende Fragen rund um Finanzen, Sozialversicherungen und Arbeitgeber in Einzelberatungen der Krebsliga Zentralschweiz an. «Sie spielt eine sehr wichtige beratende und entlastende Rolle.»


PORTRÄT

Das weiss Beat Gloor nicht bloss als Betroffener: Seit 2019 leitet er die MännerAustauschgruppe selbst und lernt viele Schicksale kennen. Auch deshalb ist er im Betroffenenrat der Krebsliga tätig, um ihnen eine Stimme zu geben. Die Dinge sanfter angehen Und wie ist das Leben nach Krebs? «Es ist ein neues Leben, ein anderes», erzählt Beat Gloor. Eins mit Langzeitfolgen: Tinnitus auf beiden Ohren, Taubheit und Kribbeln in Händen und Füssen, und eine Fatigue, die bewirkt, dass er mit seiner Energie täglich gut haushalten muss. Sowieso zwang ihn die Erkrankung, die Dinge sanfter anzugehen. Seit 2019 ar-

beitet er zwar wieder 100 Prozent, seine Zeit nutzt er aber viel bewusster. Er hat zudem einen lang gehegten Traum verwirklicht und ist Lokführer der Liliputbahn in der Chärnsmatt geworden, bildet auch den Nachwuchs aus. Wenn er mit den Jugendlichen spricht, merkt er, wie wichtig die Aufklärung rund um Krebs ist: «Damit sie keine Angst haben, dass ich morgen sterben könnte.»

Informieren Sie sich auf unserer Website über unsere Unterstützungsangebote für Betroffene.

Beat Gloor hat sich einen Traum erfüllt: Lokführer der Liliputbahn in der Chärnsmatt in Rothenburg. «Auch die Arbeit mit den Jugendlichen motiviert mich, offen über Krebs zu reden. Man weiss viel zu wenig darüber.»


PRÄVENTION & FRÜHERKENNUNG – FORSCHUNG

«Wichtig ist, dass alle Männer ausgewogen informiert werden» Die Möglichkeiten der Früherkennung und Behandlung von Prostata- und Hodenkrebs werden dank Forschung immer besser. Den Uro-Onkologen Christian Fankhauser interessiert insbesondere, wie Belastungen durch die Therapie und Langzeitfolgen reduziert werden können. Christian Fankhauser, was gibt es aus der Uro-Onkologie-Forschung zu berichten? Beginnen wir mit dem Hodenkrebs. Das ist eine Erfolgsgeschichte. In über 95 Prozent der Fälle kann er geheilt werden, sogar im Spätstadium. Deshalb fokussieren wir uns auf die Langzeitschäden, die eine Chemotherapie verursachen kann. Denn die Betroffenen haben sehr oft noch ein langes Leben vor sich. Sie sind zwar geheilt, können aber unter zahlreichen Spätfolgen leiden oder auch sterben, etwa an Hirnschlägen und Herzinfarkten – oder sie haben schwere psychische Probleme. Wie lassen sich Spätfolgen verhindern? Im besten Fall – wenn der Hodenkrebs keine oder erst wenige Ableger im Bauch hat – können wir minimalinvasiv operieren und ganz auf Chemo verzichten. Ansonsten versuchen wir, die Therapie so weit wie möglich zu reduzieren. Vielversprechend ist hier die Erforschung der MicroRNA, in der ich auch aktiv bin. Das sind kleine Moleküle im Blut, von denen wir hoffen, sie als neue, leistungsfähigere Tumormarker nutzen zu können. Zum Beispiel während einer Chemo: Wenn der Marker rasch abfällt, kann man sie gezielt reduzieren. Und in der Nachsorge sollte der Marker einen Rückfall besser erkennen können.

Kann daraus ein Früherkennungsprogramm für Hodenkrebs entstehen? Flächendeckende Screenings sind bei Hodenkrebs nicht sinnvoll, weil er eben selten und sehr gut heilbar ist. Und die meisten Männer merken es, wenn etwas mit dem Hoden nicht stimmt. Wie sieht es bei Prostatakrebs aus? Da rund zehn Prozent der Männer im Laufe des Lebens daran erkranken, läuft entsprechend viel in der Forschung. Es ist hier entscheidend, dass man den Tumor erkennt und behandelt, bevor er streut. Von daher wird auch in der Schweiz ein organisiertes Früherkennungsprogramm diskutiert, allerdings kontrovers. Welches sind denn die Vorteile und die Nachteile eines Screenings? Der Vorteil ist klar belegt: Der PSA-Test, also die Messung des Prostata-spezifischen Antigens, kann die Sterblichkeit um bis zu dreissig Prozent senken. Absolut gesehen bewahren wir bei etwa zweihundert über die Jahre getesteten Männern einen vor dem Tod durch Prostatakrebs. Ein Nachteil sind die Überdiagnosen. Ich erkläre das gerne mit einem Bild. Es gibt aggressive Tumoren, die Löwen, die wir früh erkennen und behandeln müssen, bevor sie ausbrechen. Bei gut der Hälfte

«Es gilt gut abzuwägen, ob eine Behandlung am Ende mehr schadet als nützt.»


PRÄVENTION & FRÜHERKENNUNG – FORSCHUNG

nnung

und Früherke t Tipps zur Prävention

im Überblick mi Die Männertumoren

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aller entdeckten Tumoren handelt es sich jedoch um Hauskätzchen – also harmlose Tumoren, die ein Leben lang nie gefährlich werden. Früher hat man fast alle Tumoren sofort behandelt, mit Nebenwirkungen und entsprechenden Einbussen der Lebensqualität. Das Gute heute ist: Wir wissen, dass wir die meisten Kätzchen nicht behandeln, sondern nur beobachten müssen. Zum Glück wachsen sie meistens nicht. Mit modernen Methoden wie dem MRI erkennen wir zudem viel schneller, ob wir es mit einem Kätzchen oder einem Löwen zu tun haben. Was empfehlen Sie? Es ist eine individuelle Entscheidung. Wichtig ist, dass alle Männer ausgewogen informiert und aufgeklärt werden, gerade im Alter um die 50. Die Frage ist: Könnten Sie damit leben, ein harmloses

Kätzchen zu beobachten, statt es sofort behandeln zu lassen? Das gilt es im ärztlichen Gespräch herauszufinden. Prof. Dr. med. Christian Fankhauser ist Titularprofessor für klinisch-medizinische Wissenschaften an der Universität Luzern, Leiter der Klinik für Urologie am Kantonsspital Winterthur und Médecin Adjoint am Luzerner Kantonsspital.

Informieren Sie sich auf unserer Website über Möglichkeiten zur Prävention und Früherkennung.


UNSERE ANGEBOTE

So sind wir für Sie und Ihre Angehörigen da

Melden Sie sich bei uns, wenn Sie Fragen rund um Krebs haben. Ob einmaliges Beratungsgespräch oder Langzeitbegleitung – wir wissen um die Belastungen bei Krebserkrankungen und lassen Sie damit nicht alleine. Zudem setzen wir uns für die Krebsprävention und Früherkennung, die Wissensvermittlung sowie die Forschungsförderung ein.

Alltagsbewältigung Wir beraten Sie sowie Ihr persönliches und berufliches Umfeld in Alltagsfragen, im Umgang mit Krebs in der Familie und am Arbeitsplatz sowie in Bezug auf Unterstützungsangebote, die Sie in Ihrem Alltag entlasten können.

Psychische Belastung Die Diagnose Krebs kann im Leben der betroffenen Menschen und des sozialen Umfelds einschneidend sein. Gefühle wie Angst, Trauer und Unsicherheit sowie Fragen oder Zweifel gehören dazu. Wir helfen Ihnen, damit umzugehen.

Finanzielle Fragen Die Krebsliga Zentralschweiz unterstützt Sie bei finanziellen Engpässen unter bestimmten Voraussetzungen subsidiär. Das heisst dann, wenn andere Hilfsquellen ausgeschöpft sind.

Rechtliche Fragen Lassen Sie sich bei allgemeinen Rechtsund Sozialversicherungsfragen sowie beim Ausfüllen von Anmelde- und Antragsformularen von uns unterstützen.

Persönliche Vorsorge Unsere Beraterinnen helfen Ihnen bei der Auseinandersetzung mit den Themen Leben, Sterben und Trauer und informieren Sie über Vorsorgeinstrumente wie den Vorsorgeauftrag oder die Patientenverfügung.

Unsere Beratungsstellen Wir sind für Sie da in Luzern (Stadt und Land), in Schwyz (Inner- und Ausserschwyz), in Stans (Nidwalden/Obwalden/Uri) und in Zug (Stadt und Land).

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Wir behandeln Ihre Daten vertraulich. Erfahren Sie mehr in unserer Datenschutzerklärung: www.krebsliga.ch/datenschutz.


HELFEN, SPENDEN, UNTERSTÜTZEN

Mit Ihrer Hilfe schenken Sie wertvolle Zeit

Mitgliedschaft Mitglieder bilden das Fundament eines Vereins. Rund 2600 Menschen sind Mitglied der Krebsliga Zentralschweiz und zeigen so ihre Solidarität. Mit jährlich 40 Franken als Einzelperson oder 60 Franken als Kollektivmitglied (Familien, Paare) sind Sie dabei. Nebst Mitgestaltung durch Stimmrecht, regelmässigen Informationen sowie Einladungen zu Veranstaltungen profitieren Sie von folgenden Vorteilen: • 20 Prozent Rabatt auf Kurse/Seminare • Sonnenkappen mit oder ohne Nackenschutz (solange Vorrat)

Gönnerschaft Sie können uns mit Ihrer Firma als Gönnerin mit einer jährlichen Spende ab 100 Franken unterstützen. Ab 1000 Franken verdanken wir Sie namentlich in unserem Jahresbericht. Ihre Vorteile: • Unterstützung, wenn Mitarbeitende an Krebs erkranken • Rabatte auf Kurse/Seminare für krebsbetroffene Mitarbeitende • Zeigen von sozialem Engagement und Verantwortung

Spende oder Spendenaktion Es gibt viele Gründe für eine Spende an die Krebsliga Zentralschweiz: aus Solidarität oder Betroffenheit, anlässlich eines runden Geburtstags oder als Kollekte bei einer Beerdigung. Vielleicht starten Sie gar eine eigene Spendenaktion? Zum Beispiel indem Sie ein Event mit Spenden verbinden oder auf Weihnachtsgeschenke im Unternehmen verzichten – die Kreativität kennt keine Grenzen.

Legat oder Erbeinsetzung Über den Tod hinaus Gutes bewirken. Das ermöglicht ein Vermächtnis oder eine Erbeinsetzung zur freien Verwendung oder für von Ihnen bestimmte Projekte wie die Familientrauerbegleitung oder den Pflegebettendienst. Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung!

Weitere Infos:


«Die Krebsliga Zentralschweiz hat mich sehr entlastet. In den Gesprächsgruppen konnte ich viele Sorgen lösen und ich erhielt zudem wertvolle Beratung bei versicherungstechnischen Fragen. Es ist eigentlich unmöglich: Gerade wenn man schwer krank ist, muss man sich um so vieles kümmern – die Krebsliga Zentralschweiz füllt hier eine grosse Lücke.»

Krebsliga Zentralschweiz Geschäftsstelle Löwenstrasse 3 6004 Luzern Tel. 041 210 25 50 info@krebsliga.info www.krebsliga.info Spendenkonto IBAN CH61 0900 0000 6001 3232 5 Die Krebsliga Zentralschweiz trägt das ­Zewo-Gütesiegel. Es bescheinigt, dass Ihre Spende am richtigen Ort ankommt und effizient Gutes bewirkt.

09.2026

Beat Gloor, 51 Jahre

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