Zwei Frauen über Schmerz, Rückschläge und Heilung.
Gesund – und trotzdem krank?
Wie psychosomatische Symptome entstehen.
Auffälligkeiten
auf der Spur
Wenn Abrechnungen aus dem Rahmen fallen.
Ein Plus an Zufriedenheit
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Wir freuen uns, Sie zu unseren Versicherten zählen zu dürfen, und danken Ihnen herzlich für Ihre Treue.
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Ausgabe
Nr. 1 /2026
Fokusthema «Spuren»
Herausgeberin KPT
Postfach
CH-3001 Bern
Redaktion magazin@kpt.ch
Auflage 80’000
Druck
Stämpfli
Kommunikation, 3001 Bern
Titelbild
Family AG, iStock
Liebe Leserin, lieber Leser
Kleine Fältchen auf der Stirn, blitzähnliche Schwangerschaftsstreifen rund um den Bauchnabel, eine Narbe an der Fingerkuppe oder strahlende Augen –das Leben zeichnet uns und hinterlässt Spuren. Manche sind auf den ersten Blick sichtbar, andere bleiben verborgen.
Diese Spuren erzählen Geschichten. Sie zeigen, wer wir sind und wie es uns geht. Doch das Leben hinterlässt nicht nur Spuren an uns – wir setzen sie auch selbst, Tag für Tag, bewusst oder unbewusst. Ob wir mit einem Lächeln und einem «Dankeschön» bezahlen oder mit gerunzelter Stirn. Ob wir uns am Morgen Zeit für ein ausgewogenes Frühstück nehmen oder gestresst in den Tag starten. Gesundheit ist oft mehr als Glückssache: Unser Lebensstil, unsere Gewohnheiten und unsere Entscheidungen prägen Körper und Geist nachhaltig.
Auch wir als Krankenkasse hinterlassen Spuren. Gerade in der Beratung unserer Versicherten in verschiedenen Lebenssituationen ist es uns wichtig, eine verlässliche Partnerin zu sein – menschlich, empathisch und nah. So, dass Sie sich bei uns gut aufgehoben fühlen. Mit unseren Services und digitalen Angeboten erleichtern wir Ihnen den Alltag und schenken Ihnen Zeit für die schönen Themen des Lebens.
In dieser Ausgabe begeben wir uns gemeinsam auf Spurensuche: Zwei Frauen erzählen von ihren Narben, den Schicksalsschlägen dahinter und ihrem Weg zurück ins Leben. Das Porträt von Mafalda entstand bereits vor den tragischen Ereignissen in Crans-Montana. Gerade jetzt zeigt ihre Geschichte, wie Mut und Zuversicht selbst nach schwersten Verletzungen möglich sind. Zudem erklärt ein Epigenetiker, wie Lebensweise, Ernährung und Stress unsere Gene beeinflussen. Und wir geben Ihnen einen Einblick in die Detektivarbeit unserer internen Betrugsbekämpfung.
Ich wünsche Ihnen eine anregende und inspirierende Lektüre.
Thomas Harnischberg CEO
Spuren.
Spuren sind überall zu finden – auf unserer Haut, in unserem Körper, in unserem Gedächtnis. Sie zeichnen unser Leben und erzählen Geschichten. In dieser Ausgabe zeigen wir, wie die Spuren unsere Gesundheit prägen und welche Botschaften sie über unser Wohlbefinden senden.
Menschen
Narben machen verletzlich – und stark
Zwei junge Frauen erzählen von ihren Narben, den schmerzhaften Erlebnissen dahinter und wie sie den Mut fanden, mit ihrer Geschichte anderen Kraft zu geben.
Seite 5
Psychologie
Alles in Ordnung –und trotzdem krank?
Was hinter psychosomatischen Symptomen steckt und wie Betroffene wieder ins Gleichgewicht finden, erklärt die Spitalfachärztin Nina Bischoff.
Seite
10
Wenn Daten sprechen: Auffälligkeiten auf der Spur Medizin
Wie unser Team der Wirtschaftlichkeitsprüfung ungewöhnliche Abrechnungen aufspürt und damit wichtige Einsparungen erzielt.
Seite 14
Epigenetik: wie unsere Lebensweise unsere Gene beeinflusst
Neuroepigenetiker Prof. Johannes Gräff zeigt auf, welche Spuren unsere Lebensweise, unsere Ernährung und unser Umgang mit Stress auf unseren Genen hinterlassen.
Seite 16
Unter kpt.ch/magazin liefern wir Ihnen laufend weitere spannende Beiträge und überbrücken so die Wartezeit bis zur nächsten Ausgabe.
«Ich möchte Menschen helfen –so wie mir damals geholfen wurde.»
Wir haben Mafalda noch vor dem Unglück in Crans-Montana gesprochen, um zu zeigen, wie schwere Verletzungen ein Leben prägen, aber auch neue Perspektiven eröffnen können. Allen Betroffenen und ihren Angehörigen möchten wir unser Mitgefühl aussprechen und wir hoffen, mit diesem Porträt etwas Zuversicht und Kraft vermitteln zu können.
Narben machen verletzlich –und stark
Mafalda da Silva überlebte als Kind eine Gasexplosion, Celine van Till einen dramatischen Sturz vom Pferd. Ihre Narben – sichtbar wie unsichtbar – erzählen von Schmerz, Rückschlägen und Heilung. Aus all dem haben sie ihre Stimme gefunden, die sie nutzen, um anderen Mut zu geben. Was hat ihnen selbst die Stärke geschenkt weiterzugehen?
Hat sie 30 oder 40 Operationen hinter sich? Mehr als 100 Narkosen, auch für die schmerzhafte Physiotherapie? Mafalda da Silva weiss es nicht mehr genau – und heute spielt es auch keine Rolle mehr. Die 25-Jährige fühlt sich gesund, schön und im Leben angekommen. Seit acht Jahren arbeitet sie in der Pflege und bildet sich nun zur diplomierten Pflegefachfrau HF weiter. «Mein Beruf ist meine Berufung», sagt sie. «Ich möchte Menschen helfen – so wie mir damals geholfen wurde.»
Dass ihr Weg dorthin alles andere als selbstverständlich war, zeigt ein Blick zurück: Als Mafalda sieben Jahre alt ist, verändert ein tragisches Ereignis ihr Leben für immer. Während der Familienferien in Portugal erwacht sie am Morgen des 28. April 2008 inmitten von Flammen. Eine Gasexplosion hatte das Ferienhaus in ein Inferno verwandelt. Ihr Bruder zieht sie aus dem Feuer, doch beide Kinder, der Vater, die Tante und der kleine Cousin erleiden schwerste Verbrennungen.
Text: Mareike Fischer / Bilder: Pascal Triponez
Kampf ums Überleben
Im Krankenhaus wird Mafalda für zwei Wochen ins künstliche Koma versetzt. Sie schwebt zwischen Leben und Tod. Danach beginnt der schmerzhafte Weg zurück ins Leben. Aufgrund ihrer Verbrennungen kann sie weder gehen noch die Hände bewegen. Fast ein Jahr verbringt sie in Spitälern und Rehazentren, erst in Portugal, später in Zürich.
Ihre Mutter war nicht im Haus, als das Feuer ausbrach – doch sie wurde zur wichtigsten Stütze für die Familie. «Sie war unsere Konstante, während wir alle mit den schweren Folgen der Verbrennungen kämpften. Sie hat immer gesagt: Aufgeben gibt es nicht. Es wird gut – und es wird besser als zuvor.»
«Aufgeben gibt es nicht. Es wird gut – und es wird besser als zuvor.»
Ausserhalb des schützenden Spitals empfindet Mafalda alles als bedrohlich: Autofahren, Zugfahren und Hitze lösen Panik aus. Am Tag trägt sie eine Kompressionsmaske mit Aussparungen für Mund, Nase, Augen und Ohren, «wie Spider-Man», nachts über Jahre eine Silikonmaske, damit das Narbengewebe nicht wuchert – «ein schweisstreibender Horror, als bekäme man Frischhaltefolie mit Druck übers Gesicht gezogen».
In der Dorfschule wird sie zunächst freundlich aufgenommen, nach einem späteren Wechsel in die Stadt jedoch boshaft gemobbt. «Man nannte mich ein verbranntes Huhn. Ich habe jeden Tag geweint und ans Aufgeben gedacht.» Der Wendepunkt kommt, als sie sich Hilfe holt. Gespräche und psychologische Unterstützung eröffnen ihr einen neuen Blick auf sich selbst. «Meine Psychologin sagte mir: ’Du musst dir jeden Tag Komplimente machen.’ So bin ich langsam selbstbewusster geworden.»
Ferien im Spital
Bis zu ihrem 18. Geburtstag folgen unzählige Hauttransplantationen. Während andere Kinder in den Sommerferien baden gehen oder verreisen, verbringt Mafalda die Wochen im Spital, mit Verbänden am ganzen Körper. Haut von Armen, Beinen und Bauch wird entnommen, um ihr Gesicht zu rekonstruieren. Jeder Eingriff hinterlässt zusätzliche Narben, für die sie sich zunächst schämt.
Die Arbeit an ihrem Buch «Auch mit Narben kann ich lachen», das sie als Schulprojekt beginnt und 2025 veröffentlicht, hilft ihr dabei, sich selbst zu akzeptieren. Ihre Geschichte erzählt von Schmerz, Trauma, Mobbing, Angst und vom Weg zu Hoffnung und Selbstbestimmung. «Jede Zeile hat mich ein bisschen geheilt», sagt Mafalda. Indem sie ihre Geschichte öffentlich macht, möchte sie anderen Mut machen. Über die Selbsthilfeorganisation «Hautstigma» begleitet sie zudem Betroffene und gibt praktische Tipps.
«Meine Narben gehören zu mir. Sie erinnern mich daran, dass ich stärker bin, als ich je geglaubt habe, und sie haben mich zu der Frau geformt, die ich heute bin.» Sie trägt mittlerweile selbstbewusst Shorts und Sandalen, begegnet neugierigen Blicken mit Offenheit und Humor. «Die Leute schauen immer irgendwohin. Wenn ihr Blick an meinem Gesicht hängen bleibt, ist das okay. Und wenn mich jemand wirklich lange anstarrt, lächle ich und frage: ’Möchtest du wissen, woher meine Narben sind?’»
«Jede Zeile hat mich ein bisschen geheilt.»
Mafalda spürt, dass sich in der Gesellschaft vieles verändert hat. Diversity-Kampagnen, neue Schönheitsideale, Models mit Pigmentflecken – all das schafft Räume für Menschen, die nicht der Norm entsprechen. So hat sie sogar schon an einem Model-Casting teilgenommen und ist in einer Talkshow im Fernsehen aufgetreten. «Nie hätte ich früher geglaubt, dass ich mich das mal trauen würde.»
Was Mafalda wirklich am Herzen liegt, geht jedoch weit über Medienaufmerksamkeit hinaus: «Ich habe das Privileg, dass man meine Narben sieht und ich darüber sprechen kann. Viele Menschen tragen jedoch Wunden in sich – Narben, die niemand erkennt und mit denen sie allein umgehen müssen. Ihre Geschichten kennen wir nicht. Genau deshalb sollten wir einander mit Achtsamkeit, Respekt und Mitgefühl begegnen.»
Fortsetzung Folgeseite
Mit ihrem Buch möchte Mafalda da Silva Mut machen.
Schritt für Schritt ins Leben zurück
Die in Genf geborene Celine van Till ist eine Ausnahmeathletin im Parasport. Sie gewann mehrfach Welt- und Europameistertitel im Paracycling auf drei Rädern, glänzte im Sprint, im Dressurreiten – und holte 2025 eine Silbermedaille im Skifahren bei den Winter-Militärweltspielen in der Schweiz. Sie ist Sportsoldatin und Grossrätin im Genfer Parlament. Ihr Alltag ist dicht getaktet: Beruf, Training, Wettkämpfe, politische Sitzungen und ehrenamtliche Aufgaben bestimmen ihre Agenda.
Die Narben, die Celine trägt, sind unsichtbar – und dennoch prägen sie jeden ihrer Schritte. «Ich bin halb blind», erklärt die 34-Jährige. «Ich sehe nur auf der rechten Seite, die linke Seite ist wie ausgeblendet. Alles erscheint doppelt und ohne räumliche Tiefe.» Hinzu kommen Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen. «Und wenn ich müde werde, fallen mir selbst alltägliche Aufgaben schwer. Das Gehen und sogar das Sprechen werden anstrengend.» Deshalb teilt sie ihre Energie bewusst ein: Pausen, ausreichend Schlaf und klare Prioritäten sind für sie unverzichtbar.
«Wenn ich müde werde, fallen mir selbst alltägliche Aufgaben schwer.»
Im Sport und in der Politik ist Celine als Powerfrau bekannt, die ihre Einschränkungen meisterhaft bewältigt. Im Alltag ist das oft schwieriger: Fremde reagieren irritiert oder ungeduldig, wenn sie beispielsweise an der Supermarktkasse länger braucht, um ihre Einkäufe einzupacken – ihre Beeinträchtigung ist schliesslich nicht sichtbar. «Im Dunkeln oder am Abend laufe ich manchmal ein wenig schief und wankend. Dann denken die Leute, ich sei betrunken», erzählt sie offen.
Der Unfall, der alles veränderte
Im Jahr 2008 veränderte ein schwerer Reitunfall das Leben der damals 17-jährigen talentierten Reiterin mit grossen Ambitionen grundlegend. Während des Trainings bäumte sich ihr Pferd plötzlich auf, stürzte und
Celine van Tills Handicap ist auf den ersten Blick unsichtbar.
begrub Celine unter sich. Sie erlitt ein schweres SchädelHirn-Trauma und lag einen Monat lang im Koma. «Danach war nichts mehr wie zuvor», erinnert sich Celine. «Meine rechte Körperhälfte war gelähmt. Aufgrund der neurologischen Verletzungen konnte ich weder sprechen, essen noch gehen. Alles musste ich neu lernen – sogar das Denken.»
Die ersten Wochen im Spital waren von tiefer Verzweiflung geprägt. Doch Familie, Freunde und das medizinische Team standen ihr unermüdlich bei. «Sie freuten sich über jeden kleinen Fortschritt. Das hat mir geholfen, nicht aufzugeben», erinnert sie sich. Durch psychologische Begleitung konnte sie zudem das Trauma allmählich verarbeiten.
Überraschenderweise war es gerade das Pferd, das sie fast getötet hatte, das ihr half, den Weg zurück ins Leben zu finden. Vier Monate nach dem Unfall führte ihre Mutter sie zurück in den Stall. Zögerlich stieg Celine in den Sattel, unsicher, wie ihr Körper reagieren würde. Doch schon die ersten Bewegungen erfüllten sie mit tiefer Freude. «In diesem Moment schien alles wieder in Ordnung», sagt sie. Der erste Ritt war wacklig, doch er schenkte ihr wieder Selbstvertrauen.
«Alles ist möglich.»
Bewegung wurde zu ihrer wichtigsten Therapie: Reiten, Radsport, Leichtathletik – jede neue Sportart half ihr, körperliche Fähigkeiten zurückzugewinnen und mentale Stärke aufzubauen. Mit 32 absolvierte sie die Rekrutenschule und bewältigt heute als Sportsoldatin sogar Märsche über 40 bis 100 Kilometer. «Was mich zurückgebracht hat, waren eiserne Disziplin und der feste Wille, mein Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen und volle Autonomie zu erreichen. Dafür bin ich jeden Tag aufgestanden und habe hart gearbeitet», sagt sie.
«Ich möchte zeigen, dass man Träume haben darf, dass sich Hindernisse überwinden und Türen öffnen lassen.»
Celine sucht immer wieder neue Herausforderungen –nicht nur, um eigene Erfolge zu erzielen, sondern auch, um andere zu inspirieren. Sie weiss, dass eine Behinderung jede und jeden plötzlich treffen kann. Über den von ihr gegründeten Verein «Tout est possible» (Alles ist möglich), ihr Engagement in Organisationen sowie ihre Bücher und Vorträge unterstützt sie Menschen mit Beeinträchtigungen dabei, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten.
«Ich möchte zeigen, dass man Träume haben darf, dass sich Hindernisse überwinden und Türen öffnen lassen», sagt Celine. «Dazu gehört, Neues auszuprobieren, Ungewissheiten zu akzeptieren und geduldig Schritt für Schritt voranzugehen. Wenn ich zurückblicke, schaue ich nicht auf das, was ich verloren habe – ich sehe, was ich gewonnen habe: eine grosse innere Stärke und die Chance, anderen Mut zu machen.»
Psychologie
Alles in Ordnung –und trotzdem krank?
Spitalfachärztin Dr. med. Nina Bischoff leitet die Psychosomatische Medizin am Inselspital Bern.
Schmerzen, Schwindel oder ständige Erschöpfung – und alle Tests zeigen: Die Organe sind gesund. Dr. med. Nina Bischoff zeigt auf, wie psychosomatische Beschwerden entstehen und wie Betroffene wieder ins Gleichgewicht finden können.
Viele Menschen kennen das: Nach Untersuchungen, Labor- oder Bildgebungsverfahren lautet die Diagnose: «Alles in Ordnung.» Doch das eigene Befinden stimmt nicht mit dem Befund überein. «Das ist typisch für psychosomatische Beschwerden», sagt Dr. Nina Bischoff. «Es handelt sich dabei um funktionelle Veränderungen im Körper und Nervensystem – ohne nachweisbaren organischen Schaden. Bildlich gesprochen: Die Hardware ist in Ordnung, aber die Software ist gestört.»
Pulse – ein Plus fürs Wohlbefinden
Pulse, die ambulante Zusatzversicherung der KPT, unterstützt Sie gezielt bei der Prävention und Früherkennung – auch von psychischen Belastungen. Profitieren Sie von Leistungen, die über die Grundversicherung hinausgehen, wie Check-ups, psychologischen Online-Tests und Therapien.
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Alles also Einbildung? «Ganz und gar nicht», stellt die Expertin klar. «Wir sind psychosomatische Wesen – und kennen doch alle Reaktionen wie das Zittern oder Schwitzen in Stresssituationen oder das Rennen zur Toilette vor einer Prüfung.»
Der Begriff Psychosomatik stammt aus dem Griechischen (psyche = Seele, soma = Körper) und beschreibt das enge Zusammenspiel beider. «Nervensystem und Psyche lassen sich medizinisch nicht trennen», erklärt Nina Bischoff. «Das Gehirn verarbeitet laufend innere und äussere Reize und versucht, das innere Gleichgewicht – die Homöostase – aufrechtzuerhalten.» Stress oder traumatische Erfahrungen können diese Balance stören. Studien zeigen, dass bei emotionalen Belastungen dieselben Hirnregionen aktiv werden wie bei körperlich zugefügtem Schmerz.
Grundsätzlich kann jedes Organ psychosomatisch reagieren. Aus zunächst zeitlich begrenzten Beschwerden können sich eigenständige Krankheitsbilder entwickeln. Typisch sind Stressfolgeerkrankungen: Magen-DarmBeschwerden wie Reizmagen oder Reizdarm, chronische primäre Schmerzen wie Fibromyalgie oder funktionelle neurologische Störungen. All diese Krankheitsbilder sind neurobiologisch und neurophysiologisch erklärbar. Die Psychosomatik behandelt zudem komplexe Erkrankungen wie Traumafolgestörungen, Essstörungen, Hypersensitivitäts- und Erschöpfungssyndrome.
Stressfalle Perfektionismus
«Viele psychosomatische Beschwerden sind Stressfolgen», sagt Nina Bischoff. «Wer zu hohe Ansprüche an sich stellt, alles perfekt machen will, sich permanent verausgabt und sich wenig Pausen erlaubt, riskiert, dass der Körper Alarm schlägt.» Verstärkt wird dieser Druck durch die Geschwindigkeit und Reizüberflutung unserer digitalen Zeit sowie das Sichvergleichen in den sozialen Medien.
Text: Mareike Fischer / Bilder: zVg, Getty Images
«Psychosomatische Beschwerden sind normal und gehören zum Menschsein dazu.»
Umso wichtiger sei es, regelmässig in sich hineinzuhorchen: «Ich vergleiche das gerne mit dem Zähneputzen. Zahnhygiene lernen wir im Kindesalter. Aber Nervenhygiene? Wir sollten lernen, was wir brauchen, damit es unserer Psyche und unserem Körper gut geht – idealerweise schon in der Schule.»
Beschwerden lieber frühzeitig angehen
«Psychosomatik ist eine moderne, lösungsorientierte Herangehensweise, die den Menschen ganzheitlich betrachtet», betont Bischoff. «Sie ist kein letzter Ausweg, wenn gar nichts mehr hilft. Wer früh kommt, kann Symptome gezielt angehen.»
In der psychosomatischen Sprechstunde beginnt alles mit einer ausführlichen Anamnese und einer interdisziplinären Diagnostik. «Am wichtigsten ist die Aufklärung: Zu wissen, warum Symptome auftreten, und auch selbst aktiv etwas tun zu können, entlastet Betroffene enorm», sagt Nina Bischoff.
Die Behandlung kann Psychotherapie, Achtsamkeits- und Entspannungsübungen, Meditation, Physio- oder Ergotherapie, Biofeedback oder medizinische Hypnose umfas-
sen. Bei Bedarf kommen Medikamente zum Einsatz. Ein zentrales Konzept ist das sogenannte Pacing – die bewusste Einteilung zwischen Aktivität und Erholung.
Pacing – Energie clever einteilen
Pacing hilft dabei, Überlastung zu vermeiden und das Energielevel stabil zu halten.
Tipps im Alltag
• Warnsignale beachten: Müdigkeit, Schmerzen oder Erschöpfung ernst nehmen.
• Pausen einplanen: Kurze Ruhephasen bewusst über den Tag verteilen.
• Aufgaben aufteilen: Grosse Vorhaben in kleine Schritte unterteilen, Prioritäten setzen, Aufgaben delegieren.
• Reize reduzieren: Eine ruhige Umgebung suchen, Lärm und Medienkonsum begrenzen.
• Eigener Rhythmus: Aufgaben im persönlichen Tempo erledigen und Erholung aktiv einplanen.
• Bewegung und Atem: Spaziergänge, Dehn- oder Atemübungen in den Alltag einbauen.
Genossenschaft
Ein Plus an Gemeinschaft: das Auffangnetz Gesundheit
Gesundheit ist ein Gemeinschaftswerk. Mit dem «Auffangnetz Gesundheit» fördert die Genossenschaft KPT Projekte und Initiativen, die Menschen, Institutionen und Forschung im Gesundheitsbereich nachhaltig unterstützen – im Sinne der Solidarität.
Die KPT-Gruppe ist als Genossenschaft organisiert – sie gehört ihren Versicherten und lebt gemeinschaftliche Werte. An diesem Prinzip orientiert sich die KPT nicht nur in der täglichen Arbeit mit den Versicherten, sondern auch mit dem Auffangnetz Gesundheit: Vor einigen Monaten ins Leben gerufen, unterstützt es gezielt Projekte, Institutionen und Forschungsvorhaben im Gesundheitsbereich, die sonst zu wenig Beachtung oder finanzielle Mittel finden.
Mit der finanziellen Förderung leistet die KPT einen Beitrag zu einem solidarischen Gesundheitswesen und zeigt damit, wie genossenschaftliche Verantwortung konkret wirkt.
Schnell zur richtigen Hilfe – mit NotfallFinder.ch Oft ist unklar, ob ein Besuch im Spital notwendig ist oder ob eine andere Anlaufstelle genügt. NotfallFinder.ch bietet einen schnellen Überblick über die Notfallstationen in der Nähe und zeigt deren aktuelle Auslastung an. Die Web-App steht in der Region Bern zur Verfügung. Sie unterstützt dabei, die Dringlichkeit der eigenen Beschwerden besser einzuschätzen und – falls erforderlich – direkt den Notruf zu kontaktieren. Das Projekt ist in vorbildlicher Zusammenarbeit zwischen Spitälern und Krankenkassen entstanden und hilft Nutzerinnen und Nutzern, im Ernstfall passende medizinische Hilfe zu finden.
Verein Long Covid Schweiz
Viele Menschen – besonders jüngere Frauen – leiden weiterhin unter den Folgen von Covid-19. Der Verein Long Covid Schweiz setzt sich dafür ein, Betroffene zu unterstützen, ihre Anliegen in der Politik sichtbar zu machen und die Forschung voranzutreiben. Die Genossenschaft KPT unterstützt dieses wichtige Engagement und trägt so dazu bei, dass Betroffene mehr Gehör finden und langfristig bessere Versorgungsstrukturen entstehen können.
reha@home – Rehaklinik Tschugg
Dank der Unterstützung der KPT konnte die Rehaklinik Tschugg die digitale Therapieplattform myReha einführen. Diese unterstützt Patientinnen und Patienten sowohl während ihres Klinikaufenthalts als auch zu Hause: Mithilfe Künstlicher Intelligenz erkennt die Plattform Fortschritte automatisch und passt das Übungsprogramm individuell an.
Jetzt Mitglied werden
Wenn Sie bei der KPT versichert sind, können Sie kostenlos Mitglied der Genossenschaft KPT werden und gemeinsam mit uns Gutes tun.
Jetzt Mitglied werden: kpt.ch/genossenschaft
Text: Natalie Portmann / Bilder: iStock
Neues aus der KPT: digital einfacher –im Alltag praktischer
Ob beim Lesen unseres Magazins oder beim Einreichen von Rechnungen: Wir machen es Ihnen einfacher. Das kpt:magazin erscheint für viele Versicherte neu digital –und Arztrechnungen lassen sich dank QR-Code-Blatt künftig schneller und fehlerfrei verarbeiten. So profitieren Sie von noch mehr Service und Effizienz.
Rechnungen mit QR-Code-Blatt mitsenden
Ab sofort erhalten Sie gewisse Rechnungen mit einem zusätzlichen QR-Code-Blatt. Dank dieser QR-Codes können wir als Krankenkasse Ihre Rechnung schnell und fehlerfrei erfassen und verarbeiten. Bitte senden Sie uns dieses QR-Code-Blatt deshalb immer zusammen mit dem Rückforderungsbeleg ein.
Text: Natalie Portmann
Versand des kpt:magazins
Die Kundenbedürfnisse ändern sich, die Nachfrage nach unserem digitalen Magazin wächst stetig. Ein sparsamer und nachhaltiger Umgang mit unseren finanziellen Mitteln und dem Papierverbrauch ist uns wichtig. Deshalb setzen wir verstärkt auf die elektronische Version. Alle Versicherten mit Zugang zum Kundenportal KPTnet erhalten das kpt:magazin ab sofort ausschliesslich digital per E-Mail.
Grundsätzlich gilt: Versicherte mit KPTnet erhalten die OnlineVersion, alle anderen die Printausgabe per Post. Selbstverständlich sind individuelle Lösungen möglich: Wer bereits auf die Online-Variante umgestellt hat, erhält das Magazin weiterhin digital. Wer auch künftig eine Printausgabe wünscht, kann dies im KPTnet entsprechend anpassen.
Für eine Änderung der Zustelloption gehen Sie folgendermassen vor: Loggen Sie sich ins Kundenportal KPTnet ein.
Klicken Sie auf Ihr Profil.
Unter der Rubrik «Sprache & Korrespondenz» klicken Sie anschliessend auf «Kundenmagazin». Wählen Sie die gewünschte Option (per Post oder elektronisch). Alternativ dürfen Sie gerne Ihr Kundencenter kontaktieren.
Wenn Daten sprechen: Auffälligkeiten auf der Spur
Monika Meister ist Leiterin der Abteilung Rechnungs- und Wirtschaftlichkeitsprüfung und analysiert mit ihrem Team jährlich mehrere Millionen Rechnungen, hauptsächlich durch systematische, datenbasierte Prüfungen.
Im Gesundheitssystem hinterlässt jede Behandlung Spuren. Manche davon passen nicht ins Bild. Unser Team der Wirtschaftlichkeitsprüfung spürt auf, wo Abrechnungen zu hoch ausfallen – und sorgt dafür, dass Fehler im Interesse der Prämienzahlenden korrigiert werden.
Wie viel Detektivarbeit steckt tatsächlich in deinem Job?
Wenn man das Arbeiten mit Daten als Detektivarbeit bezeichnet, dann sehr viel. Unser Ziel ist es, Kosten einzusparen, um die Prämien stabil zu halten. Dafür analysieren wir unter anderem ungewöhnliche Abrechnungsmuster oder führen Kundenbefragungen durch. Wir fragen Versicherte beispielsweise, ob eine Behandlung wirklich stattgefunden hat und wie lange sie gedauert hat. Wertvolle Hinweise erhalten wir zudem von anderen Krankenkassen, die Fehler oder Unstimmigkeiten bei Abrechnungen melden.
Welche Arten von Auffälligkeiten kommen im Gesundheitswesen besonders häufig vor?
Es gibt Personen, die Geld für Behandlungen einfordern, die gar nie stattgefunden haben. Oder Versicherte, die Rezepte fälschen oder deutlich mehr Medikamente beziehen, als sie medizinisch benötigen – etwa Schlafmittel. Dahinter steckt oft der Weiterverkauf auf dem Schwarzmarkt. Unser Hauptfokus liegt jedoch auf den Leistungserbringern wie Ärzten, Spitälern oder Apotheken. Wenn dort etwas schiefläuft, geht es schnell um hohe Summen.
Kannst du ein Beispiel aus der Praxis nennen, bei dem ihr erfolgreich eine Spur aufgenommen habt?
Ja, zum Beispiel mehrere Spitäler und Radiologieinstitute, die ihre Rechnungen aus wirtschaftlichen Gründen optimiert hatten. 2017 hat der Bundesrat Tarifkürzungen beschlossen, um die Gesundheitskosten zu senken. Einige Ärztinnen und Ärzte fanden jedoch Wege, diese Kürzungen zu umgehen. So wurde etwa bei einer Computertomografie (CT) des Bauchraums zusätzlich eine CT der Wirbelsäule abgerechnet – obwohl die Wirbelsäule bei einer Bauchraum-CT ohnehin sichtbar ist. Medizinisch ist in den meisten Fällen eine zweite CT nur dann nötig, wenn tatsächlich zwei getrennte Untersuchungen gebraucht werden. Im Branchenvergleich sind diese Institute auffällig.
Was unternehmt ihr anschliessend in einem solchen Fall?
Wir suchen immer zuerst das Gespräch. Das partnerschaftliche Miteinander ist uns wichtig, denn es kann sich auch um einen unbeabsichtigten Fehler handeln. Wir konfrontieren die Institutionen mit unseren Feststellungen und klären gemeinsam die Situation. Im besten Fall zeigen sie Einsicht und erstatten uns die zu viel verrechneten Beträge zurück. Im schlimmsten Fall kommt es zu einer Anzeige.
Text: Natalie Portmann / Bilder: Getty Images
Wie aufwendig ist es, einen Betrugsfall tatsächlich nachzuweisen?
Sehr aufwendig. Bei Betrug muss man nachweisen können, dass arglistig gehandelt wurde. Bis ein Fall vollständig geklärt ist, können mehrere Jahre vergehen.
Wie trägt deine Arbeit dazu bei, das Vertrauen ins Gesundheitssystem zu stärken – auch aus Sicht unserer Versicherten?
Unsere Arbeit spielt eine grosse Rolle. Wir haben den gesetzlichen Auftrag, nur Leistungen zu vergüten, die wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich erbracht wurden. Unsere Arbeit verhindert, dass fragwürdige Praktiken weitergeführt werden – und schützt damit die Prämien unserer Versicherten.
Von welchen Beträgen sprechen wir da?
Durch die Wirtschaftlichkeitsprüfung holen wir jedes Jahr über 4,7 Millionen Franken zurück. Das sind Gelder, die den Versicherten zugutekommen.
So können Sie uns helfen, Kosten einzusparen
Überprüfen Sie Ihre Rechnung immer auf folgende Informationen:
• Hat die Behandlung wirklich an diesem Tag stattgefunden?
• Hat die Behandlung so lange gedauert wie auf der Rechnung vermerkt?
• Machen die aufgeführten Leistungen Sinn?
Falls Sie Unregelmässigkeiten finden, kontaktieren Sie bitte Ihr Kundencenter.
Epigenetik: wie unsere Lebensweise unsere Gene beeinflusst
Prof. Dr. Johannes Gräff ist Associate Professor für Neuroepigenetik an der École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL) und erforscht unter anderem, wie Lebensstil, Stress und Erfahrungen epigenetische Veränderungen im Gehirn hervorrufen.
Welche Spuren hinterlassen unsere Lebensweise, die Ernährung und der Umgang mit Stress auf unseren Genen? Können sie vielleicht sogar über Generationen weitergegeben werden? Prof. Dr. Johannes Gräff erklärt, was die Epigenetik darüber weiss, was noch unklar ist – und was wir selbst für ein gesundes Epigenom tun können.
Was versteht man unter Epigenetik?
Unsere DNA enthält all unsere Gene – das sogenannte Genom, das unsere angeborenen Eigenschaften wie Grösse oder Gesichtsform festlegt. Die Epigenetik untersucht, wie Lebensstil und Umweltfaktoren beeinflussen, welche dieser Gene in unseren Zellen aktiv sind – ohne dass sich die DNA selbst verändert.
Können wir selbst beeinflussen, welche Gene aktiv sind?
Ja, das Epigenom ist flexibel. Es reagiert auf verschiedenste Faktoren. Ernährung, Bewegung, Schlaf oder Stress hinterlassen Spuren, die Körper und Gehirn beeinflussen – etwa die Gedächtnisleistung oder die Stressresistenz.
Ein Beispiel: Eineiige Zwillinge haben dieselbe DNA, entwickeln aber durch unterschiedliche Erfahrungen und Lebensweisen verschiedene epigenetische Profile. So kann der eine Zwilling etwa zu Übergewicht neigen, während der andere schlank bleibt – oder nur einer von beiden erkrankt an Krebs.
Hinterlassen Stress oder traumatische Erlebnisse epigenetische Spuren?
Frühkindliche Traumata, Missbrauch, schwere Verlusterfahrungen oder chronischer Stress können epigenetische Veränderungen auslösen, beispielsweise an Genen, die das Stresshormon Cortisol regulieren. Dies kann langfristig beeinflussen, wie Körper und Gehirn auf Stress reagieren.
Text: Mareike Fischer /Bild: zVg, Getty Images
Wie misst oder analysiert man das Epigenom beim Menschen?
Wir können Blut-, Speichel- oder Hautzellen untersuchen und darin Effekte von Ernährung, Stress oder Umweltfaktoren erkennen. Das Epigenom des menschlichen Gehirns lässt sich allerdings zu Lebzeiten nicht direkt messen, da hierfür Gewebeproben notwendig wären. Erkenntnisse über epigenetische Veränderungen im Gehirn stammen deshalb fast ausschliesslich aus Tierversuchen oder von Autopsien verstorbener Menschen, die ihr Gehirn der Forschung zur Verfügung gestellt haben.
Als Laie denkt man bei Genetik sofort an Vererbung. Können beispielsweise traumatische Erfahrungen epigenetisch an die nächste Generation weitergegeben werden?
Tierversuche legen das nahe. So zeigen Studien mit Mäusen, dass starker Stress oder Umweltgifte epigenetische Veränderungen auslösen können, die noch bei Kindern, Enkeln und sogar Urenkeln sichtbar sind und ihr Stressverhalten beeinflussen.
Gesundheitscheck:
Was ist sinnvoll?
Vorsorgeuntersuchungen helfen, Risikofaktoren und Krankheiten früh zu erkennen. Was ist empfehlenswert, welche Kosten werden übernommen und was bringen Zusatzversicherungen?
Mehr erfahren: kpt.ch/vorsorge
Beim Menschen ist die Lage jedoch noch unklar, weil stichhaltige Beweise fehlen. Zwar gibt es Untersuchungen zu Nachkommen von Holocaustüberlebenden oder von Schwangeren während des niederländischen Hungerwinters 1944/1945, die zeigen, dass spätere Generationen häufiger gesundheitliche Probleme hatten. Ob diese Effekte jedoch wirklich auf epigenetische Vererbung zurückgehen, ist wissenschaftlich nicht belegt. Die Datenlage ist komplex und viele andere Faktoren – etwa soziale oder psychologische Einflüsse – könnten ebenfalls eine Rolle spielen.
Geht es bei der Epigenetik letztlich weniger um Vererbung –sondern vielmehr darum, wie wir unser eigenes Epigenom beeinflussen können?
Ja, entscheidend ist: Es kommt nicht nur darauf an, was wir weitergeben, sondern vorallem, was wir für uns selbst tun. Unsere Gene sind in vielen Fällen nicht mit unserem Schicksal gleichzusetzen, denn die Epigenetik bestimmt, welche Gene aktiv werden. So wirken sich eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und ein gutes Stressmanagement positiv auf unsere Körper- und Hirnzellen aus. Ganz wichtig ist auch zu wissen: Epigenetische Zustände sind dynamisch veränderbar. Es lohnt sich also immer, mit dem Rauchen aufzuhören, sich mehr zu bewegen oder gesünder zu leben – und das in jedem Alter.
So können wir das Epigenom positiv beeinflussen
Gesunde Ernährung: Gemüse, Obst, Vollkorn und hochwertige Proteine liefern wichtige Nährstoffe und Vitamine, die stabile epigenetische Muster unterstützen.
Bewegung: Regelmässige Aktivität verändert epigenetische Markierungen in Muskel-, Stoffwechsel- und Immunzellen.
Schlaf: Ausreichender, erholsamer Schlaf stabilisiert epigenetische Prozesse, die Entzündungen und Stress regulieren.
Stressreduktion und soziale Kontakte: Entspannung und stabile Beziehungen senken Stresshormone wie Cortisol und damit belastende epigenetische Muster.
Nichtrauchen: Tabakverzicht verringert schädliche Stoffe im Körper und fördert die Wiederherstellung gesunder epigenetischer Markierungen.
Auf der Spur verborgener Krankheiten
Manche Krankheiten verstecken ihre Ursache: Die Symptome sind diffus, betreffen mehrere Organsysteme und ihr Verlauf stellt die Medizin oft vor Rätsel. Im Interview erklärt Prof. Johannes Roth, Kinderrheumatologe und Experte für seltene Erkrankungen, wie er Hinweise sammelt, Befunde kombiniert und Betroffene in die Spurensuche einbezieht.
Prof. Roth, zu Ihnen kommen häufig Patientinnen und Patienten in die Sprechstunde, die Beschwerden haben, aber noch keine Diagnose. Was macht diese Fälle besonders?
Ich arbeite in zwei Bereichen: in der klassischen Kinderrheumatologie, wo wir oft klare Krankheitsbilder sehen, aber auch vielen unklaren Diagnosen begegnen – weshalb wir manchmal als «Detektive der Medizin» bezeichnet werden. Und ich betreue Kinder und Erwachsene mit seltenen Krankheiten.
Viele dieser Menschen warten schon lange auf Antworten. Sie bringen komplexe Krankheitsgeschichten und dicke Akten voller Berichte und Untersuchungsergebnisse verschiedenster Fachrichtungen mit. Die Unsicherheit über Ursachen und Therapien nach jahrelangen Diagnostikwegen ist für sie häufig frustrierend und emotional sehr belastend.
Text: Mareike Fischer / Bild: zVg, Getty Images
Wie beginnen Sie bei so viel Komplexität mit der Suche?
Am wichtigsten ist es zunächst einmal, aufmerksam zuzuhören. In einer detaillierten Anamnese erfassen wir die gesamte Krankengeschichte – und wir nehmen ernst, was die Betroffenen selbst für wichtig halten. Sie sind die Expertinnen und Experten ihrer eigenen Erkrankung. Auch psychische, soziale und familiäre Aspekte beziehen wir mit ein.
Die Begegnung auf Augenhöhe ist entscheidend – nicht nur, um die Krankheit zu verstehen, sondern auch für den Therapieerfolg. Eine Behandlung kann nur gelingen, wenn die Betroffenen sie mittragen.
Was kommt nach der Anamnese?
Dann folgen die klinische Untersuchung und die technische Diagnostik wie Ultraschall, Laboranalysen oder genetische Tests. Gerade bei seltenen Erkrankungen braucht es ein offenes Denken und interdisziplinäre Teamarbeit, denn die Symptome sind oft unspezifisch, betreffen mehrere Organsysteme und lassen sich nicht nach Standardschemata einordnen.
Prof. Dr. med. Johannes Roth ist Kinderrheumatologe und Experte für seltene Erkrankungen bei Erwachsenen und Kindern am Luzerner Kantonsspital (LUKS).
KI unterstützt die Medizin bei der Auswertung grosser Datenmengen und in der Bilddiagnostik, etwa beim Erkennen von Brustkrebs. Machine Learning hilft dabei, Muster zu erkennen und ähnliche Patientenfälle zu vergleichen. Moderne Klinikinformationssysteme erleichtern den Austausch zwischen den Ärzteteams und die gemeinsame Fallanalyse, auch international.
Können Sie uns ein Beispiel dafür geben?
Ich erinnere mich an ein fünfjähriges Mädchen mit verdickten Fingern, das zudem die Fingerendglieder nicht strecken konnte. Zunächst dachten wir an eine rheumatische oder den Stoffwechsel betreffende Ursache, doch die üblichen Tests brachten keine Klarheit. Im Anamnesegespräch kam dann eher nebenbei heraus, dass das Kind im ersten Lebensjahr Augenprobleme hatte. Und die Mutter erwähnte, dass es beim Pinzettengriff Schwierigkeiten mit der Feinmotorik hatte.
«Eine Behandlung kann nur gelingen, wenn die Betroffenen sie mittragen.»
Erst nachdem wir alle Hinweise und Laborbefunde zusammengeführt, eine Bildgebung in der Sprechstunde durchgeführt und andere Fachdisziplinen hinzugezogen hatten, zeigte sich, dass eine seltene genetische Erkrankung dahintersteckte. Das ist exemplarisch: Auf den ersten Blick wirkt alles wie ein bekanntes Muster, doch bei genauerer Betrachtung ergeben sich Hinweise auf eine völlig andere Ursache.
Welche Rolle spielen moderne Methoden wie genetische Analysen oder KI bei Diagnosen?
Moderne Genanalysen ermöglichen heute eine schnelle Untersuchung des Erbguts. Früher dauerten solche Tests Monate bis Jahre; heute erkennen wir komplexe Veränderungen an Genen oder Signalwegen in kurzer Zeit. Mithilfe von Simulationen können wir zudem mögliche Therapieansätze prüfen.
Trotz aller technischen Fortschritte bleibt der persönliche Kontakt zentral: Die Anamnese, das Verständnis der Lebensrealität der Betroffenen und die körperliche Untersuchung lassen sich nicht ersetzen.
Was aber, wenn trotz aller Bemühungen keine Diagnose gestellt werden kann? Manchmal ist es besser, keine Diagnose zu stellen als eine falsche. Für die Betroffenen ist es entscheidend, zu merken, dass sich jemand wirklich um sie kümmert. Unklarheit lässt sich leichter akzeptieren, wenn die Situation ernst genommen wird. Jeder Mensch hat das Recht darauf, gehört zu werden und dass zumindest eine koordinierte Klärung versucht wird – auch wenn die Medizin noch nicht alle Antworten hat.
Flexibel versichert: Was
bringt’s?
Mit der KPT-Spitalzusatzversicherung Flex entscheiden Sie vor jedem Aufenthalt selbst, ob Sie in der allgemeinen, halbprivaten oder privaten Abteilung behandelt werden –inklusive einfacheren Zugangs zu Spezialistinnen und Spezialisten und Zweitmeinungen.
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Spuren lesen, Leben verstehen
Der menschliche Körper ist unbestechlicher Chronist und launischer Künstler zugleich. Er speichert, was wir leben: ein Spurenelement von Viren aus Urzeiten, die Duftspur unserer geheimsten Gedanken oder die Narbe einer enttäuschten Liebe im Herzen. So wird der Körper zum Archiv unseres Daseins, offen für jene, die lesen können – und wollen.
And the Oscar goes to … Muskel-Malerei
Nachts schreibt das Gehirn die besten Drehbücher – allerdings auf flüchtigem Film.
Beim Aufwachen bleibt nur ein Trailer übrig, meist der absurdeste Teil. Traumspuren sind wie Snapchat-Nachrichten des Unterbewusstseins: kurz da, dann futsch.
Wenn Zellen weinen
Trauer geht unter die Haut. Wer einen geliebten Menschen verliert, zeigt oft veränderte Immunwerte: Zellen reagieren langsamer, Entzündungen nehmen zu. Sogar die Immunabwehr braucht manchmal eine Umarmung – und Zeit, wieder in die Spur zu kommen.
Text: Marco Garbely / Illustration: Marc Ambühl
Muskelkater ist kein Milchsäureproblem, sondern echte Handwerkskunst: Der Körper repariert winzige Muskelrisse und legt dabei gleich eine Schicht Stärke drauf. Das ist Training mit integrierter Spurensicherung –sichtbar, spürbar, oft schmerzhaft ehrlich.
Die grösste WG der Welt
Sie sind nie ganz Sie selbst: Auf und in uns leben Billionen Mikroorganismen – Spuren von Bakterien, Pilzen und Viren. Zehn davon kommen auf jede Zelle und bilden das überlebenswichtige Mikrobiom. Wir sind also nie allein, aber meist in guter Gesellschaft.
Die neue Website ist online
Nach der Erneuerung unseres Kundenportals KPTnet und der KPT App folgt der nächste Schritt: Auch unsere Website zeigt sich in neuem Glanz – mit klarer Struktur, einfacher Navigation und verbesserter Benutzerfreundlichkeit.
Übersicht und Einfachheit
Bei der neuen Website haben wir besonderen Wert auf eine einfache und übersichtliche Navigation gelegt. Zudem haben wir die Sprache vereinfacht, damit unsere Produkte und Services klar und verständlich sind.
Beratungstermin
Sie möchten sich zu Ihren Versicherungen beraten lassen? Über unser Termintool können Sie jederzeit bequem einen Beratungstermin vereinbaren.
Kundenservices
Unsere administrativen Services sowie der Zugang zum Kundenportal sind neu an einem Ort gebündelt. Viele Anliegen lassen sich über kpt.ch oder direkt im Kundenportal erledigen – darunter Adressänderungen, Wechsel von Hausarzt, Gesundheitszentrum und Franchise oder das Ein- und Ausschliessen der Unfallversicherung.
Gesundheitsservices
Wissen Sie, welche Gesundheitsservices Sie als Kundin oder Kunde kostenlos nutzen können? Auf unserer neuen Website erhalten Sie einen übersichtlichen Einblick in unser Angebot.
Text: Natalie Portmann
Mitarbeitende
Kreativer Wirbelwind auf klarer Mission
Denise Tiryaki
Sie steht nie still, liebt Pilates, entspannt beim Kochen oder bei einem guten Psychothriller und führt ihr Team mit Struktur und Herz.
«Ich bin eine Macherin – ruhig sitzen liegt mir nicht.» Struktur, Farbe und Kreativität im Alltag – das braucht Denise Tiryaki aus Ostermundigen. Die aufgestellte Südländerin mit portugiesischen und italienischen Wurzeln startet ihren Tag gerne mit einem schwarzen Kaffee. Genauso kraftvoll geht sie auch ihre Aufgaben an. Sie bringt nicht nur Fachwissen, sondern auch Herz, Struktur und Kreativität in ihren Job als Gruppenleiterin im Bereich Zahnleistungen bei der KPT. Seit 13 Jahren dabei, liebt sie besonders komplexe Fälle und feiert Erfolge mit ihrem Team: «Mir ist wichtig, dass wir uns als Team fachlich weiterentwickeln, unsere Stärken kennen und auf Erfolge anstossen.»
Privat ist Denise ein kreativer Wirbelwind: Sie malt Aquarelle, fährt bei jedem Wetter Vespa und empfängt gerne Gäste. Auch Sport gehört für sie dazu: Pilates am Reformer, einem Trainingsgerät zur Kräftigung, ist ihre grosse Leidenschaft. «Das ist für mich eine Wohltat für Körper und Seele.» Abends steht die 36-Jährige gerne in der Küche: «Kochen ist für mich Therapie und ein schönes Abendritual aus meiner Kindheit.» Kein Wunder – denn sie ist in einer Familie von Köchinnen und Köchen aufgewachsen. An freien Tagen ist Denise am liebsten mit ihrem Mann und ihrem Trüffelhund Nino unterwegs. Diese gemeinsamen Stunden sind für sie der wahre Ausgleich zum intensiven Alltag.
Reisen und neue Kulturen faszinieren die junge Frau. Indien hat ihren Horizont erweitert – Mallorca hingegen ist ihr Rückzugsort. Dort geniesst sie die Ruhe am Meer, oft mit einem Psychothriller von Fitzek in der Hand. Und auch ihr Job bei der KPT lässt Raum zum Träumen: «Einmal mit einem alten Defender durch England reisen –und irgendwann mein eigenes Kinderbuch gestalten.»
Text: Natalie Portmann / Bild: Pascal Triponez
CHF 20.–Rabatt
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Text: Natalie Portmann / Illustration: Marc Ambühl