Die WESER REPORT-Ausgabe für Lilienthal, Worpswede und Grasberg
SAMSTAG, 9. AUGUST 2025
NR. 3768/21. JAHRGANG
Was bleibt vom Krieg?
Klingbeil in Hambergen
20.000 Euro Spende für Hospiz
Film behandelt Trauma über Generationen hinweg Seite 7
Der Bundesfinanzminister bei der Samtgemeinde Seite 6
In 20 Jahren kamen über 100.000 Euro für das Kinderhospiz zusammen Seite 4
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Spiel mit dem Licht OSTERHOLZ-SCHARMBECK – Die Gruppe Augenblick stellt ihre Fotografien ab dem 19. August im Foyer des Kreishauses aus. Die Eröffnung erfolgt um 16 Uhr. Anschließend ist die Ausstellung während der Öffnungszeiten des Kreishauses frei zugänglich. aeu
Torfteufel im Diedrichshof WORPSW EDE – Am morgigen Sonntag spielt ab 15 Uhr das Orchester Torfteufel Pop, Evergreens und Stimmungsmusik im Diedrichshof. In der Pause bietet das Team des Diedrichshofs eine Führung durch den Hoetger-Park sowie Anekdoten aus den vergangenen Jahren. aeu
Mit Levde un mit Aaskraam LILIENTHAL – Die Plattsnackers laden zu ihrem nächsten Treffen am Mittwoch, 20. August, ein. Thema des Treffens ist „Wöör mit Leevde un mit Aaskraam“ und verspricht Wörter zu Themen wie Liebe und Zorn. Beginn ist um 17 Uhr im Emmi-Brauer-Haus, Feldhäuser Straße 16. aeu
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Nicole Klein (links) kümmert sich maßgeblich um die Tiere sowie die tiergestützte Arbeit in der künftigen Demenz-WG. Erwin Bienewald (rechts) initiierte als Leiter der Stiftung Maribondo das Projekt. Foto: Utke
Eine ungewöhnliche Wohngemeinschaft In Worpswede gründet die Stiftung Maribondo eine WG für Demenzkranke – und zahlreiche Tiere ANNEMARIE UTKE
WORPSW EDE – Fast 1,9 Millionen Menschen litten im Herbst 2024 in Deutschland an einer Demenzerkrankung, berichtete das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE). Das sind mehr als 2 Prozent der Bevölkerung. Die bekannteste Form von Demenz ist Alzheimer, sie macht etwa zwei Drittel der Fälle aus. Zeit, über Wohnkonzepte für von Demenz betroffene Menschen nachzudenken, findet Erwin Bienewald. „Man kann ja in einer Pflegeeinrichtung die Leute nur abgeben“, sagt Bienewald. Er leitet die Stiftung Maribondo de Floresta, welche eine Villa des 2023 verstorbenen Worpsweder Architekten Berthold Koch erwarb. Dort sollen demente Familienmitglieder nicht „abgegeben“, sondern ihren Bedürfnissen entsprechend gepflegt und in Gemeinschaft alt werden können. Noch wird die Immobilie umgebaut, ab Oktober soll sie einen Raum des Zusammenlebens für an Demenz Erkrankte bieten: Eine Wohngemeinschaft, nur, dass die Mitbewohner Demenz haben. Insgesamt bietet die Villa Platz für 12 Bewohner, 6 Mietverträge sind be-
reits abgeschlossen. Für Interes- Mietern zur Verfügung stehen, senten bietet die Stiftung Maribon- prägen den Wohngemeinschaftsdo de Floresta jeden Sonntag In- Charakter des Hauses. Doch die Wohngemeinschaft formationsveranstaltungen zum Projekt an. Sie finden jeweils von bietet den Bewohnern mehr als nur 14 bis 16 Uhr in der Galerie „Das menschliche Gesellschaft: Das AuBlaue Haus“ statt, Findorffstraße ßengelände beherbergt Schafe, 9. Hühner, Esel und Pferde. Nicole In der Demenz-WG sollen pfle- Klein hat die Aufgabe, Tiere und gende Angehörige – im Gegensatz Menschen in der WG zusammenzum Heim – die Möglichkeit ha- zuführen. Erst im Oktober schloss ben, weiterhin mit ihren Lieben sie ihre Ausbildung zur Pflegefachzusammenzuwohnen. Dafür gibt kraft ab. Im dritten Lehrjahr sollte es einige Wohneinsie sich im Rahheiten, die ausreimen der AusbilKonzept zur chend Platz für dung überlegen, tiergestützten Arbeit mehr als eine Perwas sie in der son bieten. „Das Pflege ändern mit Dementen würden, wenn sie war eigentlich die Ursprungsidee mit „Macht und Geld meiner Partnerin“, berichtet Bie- und so“ hätte. Klein erarbeitete newald – seine Partnerin ist selbst gemeinsam mit ihrer Ausbildungsdement und wird in die WG einzie- klasse ein Konzept für tiergestützhen. Lange suchte das Paar, doch te Arbeit mit Dementen auf einem sie fanden kein passendes Ange- Bauernhof – ein Konzept, das Klein bot. Jetzt schafft die Stiftung Ma- auf dem Villagelände nun selbst realisieren darf. Der Vorstand der ribondo selbst Fakten. Günstiger als ein Pflegeheim sei Bremer Heimstiftung, André Vater, der gewählte gemeinschaftliche stellte den Kontakt zwischen Klein Ansatz ebenfalls, berichtet Biene- und Bienewald her. „Ein bisschen wald. Die Bewohnenden sollen die wie im Film“, fühle sich diese MögMöglichkeit haben, von Angehöri- lichkeit für sie an, berichtet Klein. gen oder von zwei angestellten Nicht nur die Menschen zu pfleFachkräften versorgt zu werden. gen, sondern, wie sie es sagt, ihre Gemeinschaftsbereiche, die allen „Ressourcen zu erhalten“, das ist
Kleins Ziel. Viel zu häufig gebe es in Pflegeeinrichtungen „kein Leben mehr, nur ein Aufbewahren“. Dem möchte Klein durch ihren tiergestützten Förderansatz gezielt entgegenwirken. Davon sollen nicht nur die künftigen Bewohner der Worpsweder Demenz-WG profitieren, sondern auch demente Heimbewohnerinnen und -bewohner aus dem Umland. Im Rahmen von Tagesausflügen möchten Klein und Bienewald ermöglichen, Besuch aus Pflegeeinrichtungen aus der Region in Worpswede zu empfangen und bei Bedarf auch abzuholen. Finanziell unterstützt die Fernsehlotterie die Projektumsetzung. Hierzu gehört nicht nur die Durchführung des tiergestützten Wohnkonzeptes, sondern auch dessen Auswertung. Innerhalb von drei Jahren sollen die Worpsweder Projektinitiatoren herausfinden, ob durch den Kontakt zu den Tieren Lebensfreude und -dauer von demenzkranken Menschen steigt. „Wenn das so ist, dann ist das ein Modell, das in anderen Bereichen, in Bayern oder Baden-Württemberg, funktionieren kann“, erklärt Bienewald. Je nach Erfolg des Programms könnte die WG somit auch überregional Maßstäbe setzen.
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