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Vorprodukt3 vom 03.12.2023

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Quartier Schwachhausen • Oberneuland • Borgfeld • Horn

Vorbereitungen auf’s Fest

Wie Schausteller den Advent erleben

12/2023


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EDITORIAL

ES GEHT RICHTIG RUND

QUARTIER 3. DEZEMBER 2023 VERLAG: Weser Wochenblatt Verlagsgesellschaft mbH Am Brill 19 (Hankenstraße 3), 28195 Bremen

Bettina Gößler Redakteurin

Liebe Leserinnen und Leser, in der angeblich so besinnlichen Adventszeit geht es in vielen Familien richtig rund – vor allem die Schausteller rotieren. Wie die vom Weihnachtsmarkt diese Wochen erleben und was es alles an Vorbereitungen bedarf, haben uns Mitglieder der Robrahn-Dynastie erzählt. Da kommt man auch ohne Glühwein und Co. ganz schön ins Schwitzen. Beschaulicher hat es da ein Bremer Sportlehrer, der sich eine Jurte, ein kreisrundes Nomadenzelt am Stadtrand aufgebaut hat. Ein Rückzugsort mit rundum Wohlgefühl. Wie er dazu kam, wo er doch seinen Lebensmittelpunkt eigentlich in der City hat und in Schwachhause arbeitet, hat er berichtet.

Tel. 0421 / 690 55-102

TITELFOTO: Klaus Werner Schlie

REDAKTION: Bettina Gößler, Rike Füller, Klaus-Werner Schlie (Fotos), Kira Kaschek, Gabi Piontkowski

CHEFREDAKTION: Robert Lürssen, robert.luerssen@weserreport.de

ANZEIGENBERATUNG: Marina Lehmann, Tel. 690 55-104 Wolfgang Papst, Tel. 690 55-105

Und dann ist ja auch noch Roncalli in der Stadt, mit zwei verschiedenen Programmen, die im Kreise der Lieben viel Spaß bringen können. Wir hoffen, den haben Sie auch beim Lesen und wünschen fröhliche Festtage.

ANZEIGENLEITUNG:

Ihre Bettina Gößler

LAYOUT:

Johannes Knees

Michelle Borchardt, Manuela Garbade

VERTRIEBSLEITUNG: Sascha Carstens

ZEITUNGS-ZUSTELLUNG: Tel. 0421 / 690 55-350

E-MAIL: vertrieb@weserreport.de

DRUCK: Druckerei Bonifatius GmbH Zurzeit gilt die Anzeigenpreisliste Nr. 50 vom 1. Juli 2023

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INHALT

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LEBEN & ARBEITEN

HANNOVER IN BREMEN?

Wie Bremer mit Pferden mit dem Namen der niedersächsischen Hauptstadt Erfolge feiern

6 VIER AUS DEM QUARTIER

Rituale zum Fest, oder nicht? Bremer erzählen

8 TITELSTORY

Wie Schausteller sich auf den Weihnachtsmarkt vorbereiten

12 IMKE HELLMANNS

Ehemalige Vorsitzende des Wirtschaftsrates berichtet

14 IMMER MIT RESPEKT

Vom Leben mit einem schwerbehinderten Sohn

16 INTERVIEW

Jannis Fricke war schon als Schüler politisch interessiert

18 HANNOVERANER AUS BREMEN Zuchtbetrieb am Stadtrand

20 KLEIN ABER FEIN

Originelle Geschenketipps

24 IM GESPRÄCH

Neue Pastorin in Borgfeld

26 SICHER SEIN UND BLEIBEN Tipps von der Polizei

28 RUNDE SACHE

Eine Jurte als Rückzugsort

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ORT DER BEGEGNUNG

Die Friedensgemeinde hat in der Vorweihnachtszeit viele Angebote für Familien

FREIZEIT 29 SPASS UND SHOW

Roncalli wieder in Bremen

30 KLEINER STREICHELZOO

Auch Tiere im Sportgarten

32 GESCHICHTE ERLEBEN

Film über Borgfeld in Arbeit

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34 DER ELLERNHOF

Ein Paradies für Pferdefreunde

IHR GLÜCK GEFUNDEN

Was die einstige Vorsitzende des Bremer Wirtschaftsrates heute so macht

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FILMREIF

Engagierte Bürger drehen Dokumentation über Borgfeld

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UNTERWEGS 36 WO WOHNEN SIE

Ungewöhnliche Straßennamen

38 DIE FRIEDENSGEMEINDE Mehr als nur Kirche

GASTRO 40 VERWÖHNEN LASSEN

Tipps für eine Auszeit

42 REZEPT

Maishähnchen aus dem Salva


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VIER AUS DEM QUARTIER

Míne Müller

Míne Müller aus Sebaldsbrück feiert Heiligabend bei ihrem Ex-Mann mit den gemeinsamen 17-jährigen Töchtern. „Als wir uns getrennt haben, haben wir verabredet, dieses Fest weiter gemeinsam mit den Kindern zu feiern“, sagt die 51-Jährige Betriebsrätin. Wenn sie um 17 Uhr kommt, hat ihr Ex-Mann schon gekocht und den Baum geschmückt. Meist gäbe es Ente mit Rotkohl, danach Creme Brulée und einen leckeren Wein. „Am späten Abend gehe ich dann wie ein Gast“. Das sei „ganz schön emotional“, denn das Haus hatten die beiden Ex-Partner früher gemeinsam bewohnt.

Johannes Klinckradt Johannes Klinckradt aus Borgfeld feiert Weihnachten ganz klassisch: mit seinen Eltern und seiner Freundin unter dem Weihnachtsbaum. „Heiligabend essen wir immer Raclette“, sagt der 29-jährige Speditionskaufmann. Im Anschluss werden stimmungsvolle Weihnachtslieder gesungen und es gibt Bescherung. Klinckradt nutzt die Zeit auch, um etwas Abstand von seinem anstrengenden Beruf zu gewinnen. Er liebt das Zusammensein mit der Familie. „Weihnachten ist die Zeit zum Innehalten“, meint der Borgfelder. In dieser Zeit gelinge es ihm, den Alltag hinter sich zu lassen.

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Martin Michalik Martin Michalik aus der Vahr spielt am Heiligabend den Weihnachtsmann in der Nachbarschaft. „Das ist seit einigen Jahren eine Tradition“, sagt der Digitalmarketingmanager, der auch stellvertretender Vorsitzender der CDU-Bürgerschaftsfraktion ist. Dabei geht der 40-Jährige ganz konspirativ vor, um von den Kindern der Nachbarschaft nicht erkannt zu werden. „Ich parke mein Auto etwas weiter weg, ziehe mir dann im Auto mein Weihnachtsmannkostüm an und binde mir einen weißen Bart um.“ So ausgerüstet klingelt er mit Geschenken, die ihm die Eltern zuvor übergeben haben, an den Türen seiner Nachbarn und schaut in so manche begeisterten Kinderaugen.

Steffen Röhrs Steffen Röhrs aus Habenhausen feiert Weihnachten im Kreise seiner Familie. Gemeinsam mit seiner Frau wird der Vater zweier Kinder eine Bio-Ente „ganz klassisch“ mit Rotkohl zubereiten. „Nach Weinachten habe ich dann endlich Urlaub“, sagt der Heizungsbauer. Den hat der studierte Dipl.-Ingenieur und Energieberater auch dringend nötig, hat er doch mit seiner Firma „Uwe Röhrs“ im vergangenen Jahr 120 bis 150 Wärmepumpen in Bestandsgebäude eingebaut. „Die Nachfrage ist riesig“, so der 42-Jährige. Im nächsten Jahr geht’s dann mit der Beratung zu den neuen Förderrichtlinien so richtig in die Vollen.


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Anstoßen in der „Guten Stube“

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TITELSTORY

Rudi Robrahn, der Cousin von Sabine Robrahn, ist Vorsitzender des Schaustellerverbandes.

Der Weihnachtsmarkt beginnt für die Schausteller gedanklich im Frühjahr Text: Bettina Gößler / Fotos: pv/av

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n der Innenstadt laden auf dem Weihnachtsmarkt jährlich zahlreiche Gewerbetreibenden zum Verweilen, Klönen und Glühwein trinken ein. Zwischen Rathaus und Stadtmusikanten, Roland und Schütting entstand zum 27. November also wieder ein winterliches Dorf aus Buden und Karussells. Dort sorgt der Duft von Gebäck, Bienenwachs und Glühwein für wohlige Besinnlichkeit. An den vielen Ständen werden kulinarische Köstlichkeiten, originelle Geschenkideen und wärmende Accessoires präsentiert. Dort kann man wunderbar Weihnachtsgeschenke besorgen und Leckereien probieren. Die Weihnachtsbeleuchtung und die heimelig dekorierten Häuschen sorgen dabei für eine stimmungsvolle Atmosphäre. Viele Bremer läuten dort in der Adventszeit bei jeder Gelegenheit ihren Feierabend ein, während der Bremer Weihnachtsmarkt gemeinsam mit dem nur wenige Gehminuten entfernten Schlachte-Zauber auch

ein beliebtes Ziel von zahlreichen Touristen ist. Während diese sich vergnügen, ist das für die Schausteller harte Arbeit. Und diese beginnt bereits im März. „Wenn wir die Daten der nächsten Veranstaltung kennen, beginnen wir mit der Planung und der zeitnahen Bestellung der Ware“, erklärt Sabine Robrahn, die alljährlich den Glühweinausschank der Familie, den „Bremer Treffpunkt“ wie er seit vergangenem Jahr heißt, betreibt. „Das ist mit viel Aufwand verbunden und hält uns das ganze Jahr auf Trab. Viele Sachen müssen Instand gesetzt oder erneuert beziehungsweise gereinigt und Schilder gedruckt werden, was vergangenes Jahr der Fall war, als der Betrieb von Robrahns Treff in den Bremer Treff umbenannt wurde. Nicht außer acht zu lassen sind die Überlegungen zum Angebot. „Zumal wir versuchen, neben bekannten Getränken wie Glühwein, Grog und Eierpunsch auch immer neue Spezialitäten anzubieten, deren Rezept zuvor aufwändig zusammengestellt und getestet wird. 2022 war das heißer Aperol,

Immer neue Spezialitäten im Angebot dieses Jahr ist es erstmalig ein Rosé Glühwein, der auch so deklariert werden darf und bei uns Heiße Rosalie heißt.“ Alles soll höchsten Qualitätsansprüchen genügen und vegan oder mindestens vegetarisch sein. Dabei spielen genaue Kalkulationen eine wesentliche Rolle, zumal nicht nur die Lebensmittel sondern auch das Drumherum wie die Stromversorgung preislich gestiegen ist. „Und wir haben in diesem Jahr, wo der Weihnachtsmarkt am 23. Dezember endet, nur drei volle Wochenenden, an denen wir logischerweise mehr Umsatz machen als an den Werktagen. 2022 Jahr waren es fünf Wochenenden, das waren natürlich bessere Voraussetzungen für ein gutes Geschäft.“ Bei der Personalsuche hat sie weniger Probleme. „Viele Mitarbeiter halten

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Heimelige Atmosphäre auf dem Weihnachtsmarkt in der Guten Stube. uns seit Jahren die Treue.“ Genauso wie sie sich über viele Stammkunden freut. „Mit denen hält man gerne mal einen Schnack über den Tresen hinweg und die meisten sind uns im Laufe der Jahre so ans Herz gewachsen, dass wir uns wirklich wundern, wenn sie mal nicht erscheinen“, berichtet die Alleinerziehende Mutter eines 18-Jährigen Sohnes und einer zehnjährigen Tochter, die nicht nur bei der Erziehung, sondern auch am Stand Wert auf Etikette legt. „Ich mag das nicht, wenn man plump geduzt wird und auch wir sind herzlich und höflich aber nicht aufdringlich.“ Doch wie funktioniert das Familienleben während der Adventszeit? Die Kinder leben dann bei ihrem Vater, denn der Tagesablauf von Sabine Robrahn ist eng getaktet. Um 7 Uhr aufstehen, Wäsche Waschen, dann macht sich die 49-Jährige von Borgfeld aus gegen 8.30 Uhr auf den Weg in die Stadt, besorgt Wechselgeld und beginnt mit den Nacharbeiten des Vortages. Später werden Musikboxen und Tische aufgestellt. Wenn das erste Personal eintrudelt, wird sich um die „Software“, heißt um die Getränke gekümmert. „Dann dürfen wir bis 20.30 Uhr verkaufen. Um 21 Uhr gehen die Klappen zu und ich fahre nach Hause,

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um die Wäsche zu bügeln.“ Bei härteren Arbeiten, vor allem denen im Vorfeld, legt auch mal Ralf Böker, der Mann ihrer Schwester Bettina Hand an. Beide Damen stammen aus einer Schaustellerfamilie, schon die Großeltern und Eltern hatten Fahrgeschäfte. Bettina hat zunächst eine Banklehre gemacht ist dann aber voll ins Familienunternehmen eingestiegen. Mit dem Autoscooter „Top In“ betreibt die 51-Jährige in dritter Genera-

Für Schausteller die stressigste Zeit des Jahres tion ein Fahrgeschäft, das regelmäßig auf regionalen Volksfesten steht. Sabine wiederum hat eigentlich einen anderen Hauptberuf. Sie ist selbstständige Spezialistin für Permanent-Make-Up, Kosmetikerin und Visagistin. „Seit mehr als 25 Jahren bin ich in dieser Branche tätig.“ Aber eben nicht nur, wie andere aus der Familie. Der Cousin von Sabine Robrahn und Bettina Robrahn-Böker, Rudolf „Rudi“ Robrahn, ist sogar Vorsitzender des Schausteller des Schaustellerverbandes im Land Bremen. Die Familie des 55-Jäh-

rigen hat ihr letztes Reisefahrgeschäft allerdings vor Jahren nach Dubai verkauft. „Weil es nicht mehr einer neuen Norm für „fliegende Bauten“ entsprach. Seitdem ist er mit kleineren Betrieben wie der Elchbar und dem Pommes Fritz“ auf den Märkten unterwegs. An letztgenanntem Stand gibt es übrigens die einzigen Pommes aus frischen Kartoffeln. Klingt simpel, ist es aber nicht. Man bedenke, dass sich auch um die Vor-OrtVersogung gekümmert werden muss. „Bei Strom zahlen wir übrigens bundesweit den Höchstpreis. Bei Wasser hat inzwischen jeder Betreiber seine eignene Wasser-Uhr, sodass wir zum Saisonende gerecht abrechnen können und nicht wie früher alle den gleichen Anteil zahlen mussten.“ Rudi Robrahn erlebt zwischen Freimarkt und Weihnachtsmarkt stets die heißeste Phase, zumal er nebenbei noch an diversen Terminen von Arbeitsgemeinschaften der Schausteller teilnimmt – ehrenamtlich. „Ich tute das, für unseren Berufsstand.“ Naja, wenn der Trubel vorbei ist, wird sich die ganze Familie gemeinsam ein bisschen zurücklehnen können. Den Heiligabend verbringen „Rudi“, seine Familie und die der beiden Schwestern alle zusammen bei Regine und Werner Robrahn in Oberneuland. Das sind die Eltern der beiden Schwestern. „Wir versprechen uns zwar immer, uns gegenseitig nichts zu schenken, aber wenn wir dann in den Fahrstuhl zur Wohnung hinauf steigen, ist der immer voll mit Paketen“, so Sabine Robrahn schmunzelnd. Ansonsten gibt es zum Christfest zwei Rituale: Den Besuch in der Oberneulander Kirche und danach am Abend Sauerbraten. Am ersten Weihnachtstag bringt die Betreiberin des Bremer Treffs dann zuhause klassisch eine Weihnachtsgans auf den Tisch. Aber die hat sie schon lange im Voraus im Oberneulander‘s bestellt. Es muss ja auch mal Zeit zum Durchatmen sein. Der Bremer Weihnachtsmarkt hat bis einschließlich 23. Dezember wie folgt geöffnet: Montags bis donnerstags 10 20.30 Uhr, freitags und samstags von 10 bis 21 Uhr sowie sonntags von 11 bis 20.30 Uhr.


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Viel Großes auf die Beine gestellt

Was Imke Hellmann, Ex-Landesvorsitzende des Wirtschaftsrats, jetzt macht Text + Fotos: Gabi Piontkowski

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ls Landesvorsitzende des Wirtschaftsrats der CDU in Bremen hat Imke Hellmanns in den Jahren 2012 bis 2017 so manche Großveranstaltung mit Hunderten von Gästen auf die Beine gestellt: Einen Neujahrsempfang mit Friedrich Merz etwa, den viele zu der Zeit noch nicht als Bundesvorsitzenden der CDU auf dem Zettel hatten. Oder das 50. Jubiläum des Wirtschaftsrats mit der damaligen Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth. Die temperamentvolle Juristin und Gründe-

rin der Personalberatungsagentur „human lead executive search“ (www.humanlead.de) war eine der Playerinnen auf dem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Parkett in Bremen, galt als bestens vernetzt. Sie war Plenumsmitglied der Handelskammer, Kuratorin der Wilhelm-Kaisen-Stiftung, Vorstandsmitglied der Havanna Lounge, Aufsichtsrätin der Gesundheit Nord gGmbH und der Bremer Volksbank. Mit ihren in Hochphasen bis zu vier Mitarbeiterinnen residierte sie zuletzt in einem Büro in der Baumwollbörse mit traumhaftem Blick auf das Bremer Rathaus. Auch politische

Die strahlenden Augen lassen keinen Zweifel zu. Imke Hellmann hat ihr Glcük gefunden.

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Ambitionen wurden ihr nachgesagt, hatte sie sich doch als Vorsitzende des Wirtschaftsrats maßgeblich für Bremen und Niedersachsen als Standorte der erneuerbaren Energien eingesetzt.

Es wurde ruhig um sie, Amor war Schuld Doch dann wurde es ruhig um die gelernte Rechtsanwältin. „Amor“ hatte „zugeschlagen“. „Amor“ war in diesem Fall Henrik, ihr inzwischen zweiter Ehemann. „Wir haben uns am Frankfurter Flughafen kennengelernt, in der Warteschlange vor der Security“, berichtet die heute 56-Jährige. Das war am 20. März 2016. Henrik, der für das börsennotierte Energieunternehmen „Evonik“ in Frankfurt als Manager arbeitete, war auf dem Weg nach Singapur. Imke, die damals noch Goller-Wilberg hieß, war nach Bewerbergesprächen in Frankfurt auf dem Rückweg nach Bremen. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagt die damals noch alleinerziehende Mutter zweier Töchter mit strahlenden Augen. Kurzentschlossen wurde schon im nächsten Jahr, am 2. Oktober 2017, geheiratet. Eine Traumhochzeit in der Villa Rothschild in Königstein im Taunus, die auch als „Wiege des deutschen Grundgesetzes“ gilt, fanden hier doch nach dem 2. Weltkrieg die Vorberatungen zum Grundgesetz statt. Mit Ehemann Henrik und ihren beiden Töchtern baute sich Imke Hellmanns eine neue Existenz in Kronberg im Taunus auf. „Bremen kam als Standort für Henrik dauerhaft nicht in Betracht, da die Geschäftskontakte in der Energiebranche im Frankfurter Raum sind.“ Sie muss es wissen, hatte sie sich doch schon vor ihrer Ehe als Personalberaterin in der Ver- und Entsorgungswirtschaft


LEBEN UND ARBEITEN einen Namen gemacht, seitdem sie von 2000 bis 2006 als Projektleiterin beim Startup Con Engergy AG in Dortmund arbeitete. „Frankfurt ist ideal als Homebase für Personalberater“, weiß Hellmanns, die inzwischen mit ihrer Firma „human lead“ eine der bekannten Personalberatungsagenturen bei der Besetzung von Vorstands- und Führungspositionen in ganz Deutschland ist. Ist es nicht ein Wagnis, mit Anfang 50 noch einmal von vorne anzufangen? „Als Unternehmer braucht man Mut“, antwortet Imke Hellmanns darauf entschlossen. Mut und Unternehmensgeist hat die Juristin zweifelsohne, hat sie doch schon einmal, aus der gesicherten Position als Geschäftsführerin der „Peter Braun Personalberatung GmbH“ in Bremen 2011 den Sprung in die Selbständigkeit gewagt. „Im selben Jahr trennte ich mich von meinem ersten Mann, war fortan alleinerziehende Mutter zweier acht und zehn Jahre alten Töchter“. Keine einfache Situation. Hellmanns stellte

Netzwerktreffen waren ihr lange verschlossen eine Kinderfrau an, die ihr den Rücken freihielt, und legte los. Sich als Beraterin in der Bremer Kaufmannschaft durchzusetzen, war jedoch auch für eine Vollblutgeschäftsfrau wie Hellmanns eine „Challenge“, waren doch maßgebliche Netzwerktreffen wie die Eiswette oder die Schaffermahlzeit damals noch für Frauen verschlossen gewesen (Augenzwinkernd: „Mit meinem Wegzug haben sich erst die Eiswette und danach die Schaffermahlzeit für Frauen geöffnet“). Hellmanns baute ihr eigenes Netzwerk auf, in Bremen wie auch in Kronberg, und schaffte es. Türöffner waren dabei unter anderem die Rotarier, denen die Ex-Bremerin seit 2008 angehört. Dem nicht genug stieg sie inzwischen selbst als Unternehmerin ein. Gemeinsam mit

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Ehemann Henrik gründete sie 2020 eine Chemiehandelsfirma, deren geschäftsführende Gesellschafterin sie ist. Weltweit handeln die beiden inzwischen mit Chemikalien, verkaufen z.B. Produkte indischer Produzenten auf dem europäischen Markt. Nach Bremen kommt die 56-Jährige auch heute noch regelmäßig, um Freunde zu besuchen, aber auch um bremische Behörden und Unternehmen bei der Personalauswahl zu beraten. Keine Zeit für Entspannung? „Doch natürlich“, sagt die umtriebige Juristin, die seit drei Jahren einen Segelschein hat. „Mein Mann und ich haben uns ein Segelboot gekauft, eine Hallberg-Rassy 43, einen Einmaster, 43 Fuß“. Damit sind die beiden bislang auf dem Ijsselmeer, auf der Nord- und Ostsee bis hin zum südlichen Dänemark gesegelt. „Nächstes Jahr wollen wir mit dem Boot nach Frankreich und Südengland und im übernächsten Jahr dann ins Mittelmehr.“ Kurz zusammengefasst, wie es ihr heute geht, sagt Imke Hellmanns: „Ich bin glücklich!“

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Ein Lebe n Rollstuh im l – nicht leicht fü r tapfere die Mutter

Respekt! Vom Leben mit einem schwerkranken Sohn

P

Text + Fotos: Gabi Piontkowski

ascal ist mein ganzer Stolz“, sagt Ute Claassen und zieht ihrem 21-jährigen Sohn liebevoll die Schuhe an. „Die für draußen“, wie sie betont, denn darin habe er mehr Halt. Pascal ist schwerstbehindert und auf den Rollstuhl angewiesen. Er kam mit einem Hydrocephalus internus, einem „Wasserkopf“, auf die Welt. Durch einen Flüssigkeitsstau des Hirnwassers kann dieses nicht abfließen, es kommt zu starken Hirndruck, der nach außen durch ein übermäßiges Kopfwachstum zum Ausdruck kommt. „Wäre Pascal damals innerhalb von 14 Tagen operiert und die Hirnflüssigkeit rechtzeitig abgeleitet worden, hätte mein Sohn ein normales Leben führen können“, ist Claassen überzeugt. Doch die Ärzte hätten damals versagt, ihn erst nach fünf Wochen operiert. Die Folge: Pascal kann bis heute weder laufen, noch sprechen und auch mit dem Sehen hat er Schwierigkeiten. „Aber er versteht alles“, betont seine 59-jährige Mutter. Und mit dem Sprechen sei das auch so eine Sache. Als Pascal im Alter von fünf Jahren aus einer Narkose nach einer Hüftoperation im Gipsbett aufgewacht sei, habe er plötzlich (zweimal, wie Ute Claassen betont), die Worte „Mama, ich will hier nicht so liegen“ gesprochen. Ute Claassen war erstaunt und fasziniert zugleich. In Hypnose versetzt gelingt es dem jungen Mann immer mal wieder, einige Worte zu sprechen, ansonsten macht er sich durch Laute und Geesten verständlich. Ute Claassen ist selbst psychotherapeutische Heil-

„

in s Pascal d hen mus ir Ein bissc bleiben. Hier w g n u g e Bew t“. „trainier

Pascal ist s Hilfe ang tets auf ewiesen.

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praktikerin, beherrscht die Hypnose. Aber bei ihrem Sohn würde sie sie nie anwenden. „Da bin ich zu nah dran“, grenzt sie sich fachgerecht ab. War es für sie ein Schock, einen schwerbehinderten Sohn zu haben? „Nein“, sagt sie bestimmt. Als realistischer Mensch habe sie überlegt, wie sie ihm am besten helfen kann. Verzweifelt sei sie nie. Dabei hätte es für die kämpferische Bremerin das eine oder andere Mal durchaus Grund gegeben, den „Kopf in den Sand“ zu stecken. Angefangen mit ihrem damaligen Lebensgefährten, dem Kindesvater, der mit einem behinderten Sohn nicht klarkam. Sie verließ ihn daraufhin. Auch ihre Umgebung reagierte ablehnend auf Pascal, nicht nur die Landbevölkerung in dem kleinen Ort in der Nähe von Sottrum, wo Ute Claassen damals wohnte. Auch ihre engsten Freunde wandten sich von ihr ab. Ute Claassen zog 2006 zurück nach Bremen-Osterholz, wo sie aufgewachsen war, und baute sich einen neuen Bekanntenkreis auf. „Hier war auch der Zugang zu Therapieangeboten besser als auf dem Land“, begründet sie den Ortswechsel. Sie mietete für sich und ihren Sohn eine 2-Zimmer-Wohnung in der Osterholzer Dorfstraße. Nicht barrierefrei, denn damals hatte sie noch die Hoffnung, ihren Sohn durch Krankengymnastik zum Laufen zu bringen. Doch trotz viermal Therapie in der Woche, Reitstunden und Delphintherapie wurde daraus nichts. Und so muss Ute Claassen ihren Pascal jeden Tag in seinem Rollstuhl über fünf Stufen im engen Hauseingang hieven, ganz abgesehen von den drei weiteren Stufen auf der Zuwegung. Die Alternative wäre der Gang durch den Garten. „Doch da bleiben wir bei schmuddeligem Herbstwetter mit dem Rollstuhl oft stecken“, ist die Osterholzerin realistisch. Auf der Straße erwarten Mutter und Sohn dann das nächste Unheil: Kopfsteinpfla-


LEBEN & ARBEITEN ster. Ute Claassen kippt den Rollstuhl leicht, damit Pascal nicht so durchgeschüttelt wird. Sie hätte auch gerne einen Behindertenparkplatz vor dem Haus, doch die Behörde hat abgelehnt. „Angeblich ist die Straße zu schmal“, schimpft Ute Claassen. Sie geht dagegen mit einer Petition vor, die sie beim Petitionsausschuss der Bremischen Bürgerschaft eingereicht hat. Eine Entscheidung sei, so Claassen, aber noch nicht gefallen. „Ein Mensch mit einer Behinderung ist in der heutigen Zeit nicht wirklich etwas wert“, bedauert sie. Auch während der Schulzeit ihres Sohnes hat die Heilpraktikerin so einiges erlebt. „Die ersten vier Jahre waren noch gut“. Auf der weiterführenden Schule, einem Gymnasium, seien die Probleme dann losgegangen. Eine Lehrerin hätte ihrem Sohn, ohne sie vorher zu fragen, einfach ein Notfalltherapeutikum zur Vorbeugung eines epileptischen Anfalls verabreicht, so dass ihr Sohn völlig sediert gewesen sei, als sie ihn abholte. Claassen wechselte die Schule. Doch auch auf einer Behindertenschule in Bremen-Nord sei es nicht besser gewesen. „Ich habe Pascal dreimal ganz alleine ohne Betreuung auf dem Schulflur in seinem Rollstuhl vorgefunden, unverantwortlich“, schimpft die resolute Bremerin. Nach ihrem Protest wurde er einer Berufsschule für Tischler zugewiesen. Ute Claassen schaut noch heute ungläubig, wäre das Tischlerhandwerk doch so ziemlich das letzte, was der junge Mann mit seiner Behinderung ausführen könnte. Durch Corona und das fortschreitende Alter ihres

Sohnes habe sich nun die Frage der Schulpflicht erledigt. Doch das bedeutet nicht, dass für Ute Claassen der Kampf zuende ist. „Seit drei Jahren klage ich gegen die Sozialbehörde, um ein LPF-Training (Lebenspraktische Fähigkeiten für Blinde) finanziert zu bekommen.“ Erst habe das Gericht immer weitere Unterlagen angefordert, um dann festzustellen, dass Pascal kein Schüler mehr sei und das Training nicht benötige. Claassen will in Berufung gehen, schließlich habe sich an Pascals mangelnder Sehfähigkeit ja nichts geändert. Der aufopfernde Einsatz für ihren Sohn hat auch bei Ute Claassen Spuren hinterlassen. 2016 erkrankte sie an Rheuma, 2018 kam noch ein Herzinfarkt hing ist Jeder We dernisse. zu. „Es war wohl alles ein bisschen viel“, voller Hin gesteht sich die 59-Jährige ein. Doch die Heilpraktikerin hat verstanden, dass sie sich auch ab und an etwas Ruhe gönnen muss. Sie erfreut sich nun an den kleinen Dingen, die sie schon erreicht hat: An dem Innowalk, einem Laufsimulator, auf dem ihr Sohn mit Unterstützung zum Laufen (auf dem Gerät) gebracht wird und mit dem seine Muskeln aufgebaut werden. An dem Keybord, mit dem Pascal („er ist sehr musikalisch“) mit Unterstützung spielen kann. Ihre Erlebnisse will Ute Claassen nun in einem Buch niederschreiben: „Das brauche ich zum Aufarbeiten“. Und zur Erholung Ein Kraft geht’s für Mutter und Sohn im nächa die sich kt für die Mutt sten Jahr dann vier Wochen nach liebevo ll kümm er, ert. Mallorca.

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Jannis Fricke aus Borgfeld berichtet

Interview mit dem jüngsten Deputierten der CDU-Fraktion der Bürgerschaft Text/Foto: Gabi Piontkowski

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er Projektmanager bei der Deutschen Bahn und Wirtschaftsingenieur-Student Jannis Fricke (23 Jahre) aus Borgfeld kandidierte im Mai 2023 erstmals für die Bremische Bürgerschaft. Mit 803 Personenstimmen erreichte er aus dem Stand ein respektables Ergebnis. Für den Einzug in die Bürgerschaft reichte es zwar nicht, da Fricke nur Listenplatz 37 hatte. Seine Partei honorierte den Wahlerfolg aber mit einem Platz in der staatlichen Deputation für Klima, Umwelt und Landwirtschaft. Das „Quartier“ sprach mit dem Jungpolitiker über seine Erfahrungen in der Politik.

Herr Fricke, bis vor kurzem waren Sie in der Politik ein unbeschriebenes Blatt. Bei der Bürgerschaftswahl haben Sie aus dem Stand über 800 Personenstimmen aus ganz Bremen auf sich vereinen können und haben so manchen etablierten Abgeordneten aus den TOP 20 der Liste überholt. Wie erklären Sie sich diesen Erfolg? Fricke: Ich war präsent, habe viel Zeit investiert. Beim Tür-zu-Tür-Wahlkampf habe ich mit vielen Bürgern gesprochen. Auf meinem IPad hatte ich die BorgfeldKarte heruntergeladen und alle Straßen grün markiert, in denen ich schon war, das hat angespornt. Am Ende des Wahlkampfs gab es nicht mehr viele Straßen ohne eine grüne Markierung. Sicher hat aber auch mein Alter eine Rolle gespielt. Mit 23 Jahren war ich der jüngste Bürgerschaftskandidat der CDU. Ich konnte mit Erstwählern auf Augenhöhe kommunizieren, sie haben mir vertraut. Haben Sie sich in Ihrem Alter überhaupt eine Bürgerschaftskandidatur zugetraut? Anfangs klang alles sehr groß, kaum vorstellbar. Freunde haben mich aber bestärkt, sie fanden es toll, dass jemand

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Junges kandidiert. Da habe ich mir gesagt, ok, dafür musst du jetzt kämpfen. Die Gespräche mit den Bürgern haben mir dann richtig Spaß gemacht. Mit jedem Klingeln an der Haustür wurde ich

Die Leute waren froh, dass jemand zuhört. sicherer im Auftreten, habe Wertschätzung gespürt. Ich hatte viele gute Gespräche zu verschiedensten Themen. Die Leute waren froh, dass ihnen jemand zuhört.

Was ist Ihre Motivation, als junger Mann in die Politik zu gehen? Ich möchte Politik für junge Menschen machen. Das Durchschnittsalter in

der Bremischen Bürgerschaft liegt bei rund 50 Jahren. Jugendliche und junge Erwachsene fühlen sich da oft nicht repräsentiert. Darüber hinaus möchte ich Borgfeld repräsentieren. Die Politik im Ortsteil hat mich motiviert, dass man etwas bewirken kann, wenn man sich einbringt.

Sie waren vor Ihrer Zeit als Deputierter schon im Jugendbeirat und in einem Beiratsausschuss tätig… Richtig. Schon als Schüler habe ich regelmäßig Beiratssitzungen besucht. Als dann ein Jugendbeirat in Borgfeld gegründet wurde, war ich dabei. Wir haben Veranstaltungen gemacht, bei den Vereinen und der Kirche Werbung für den Jugendbeirat gemacht. Es war aber schwer, junge Leute zu motivieren. Es ist ein Grundproblem meiner Generation: man will sich nicht verpflichten, in einer

Jannis Fricke ist politisch sehr engagiert. Schon als Schüler hat er viele Beiratssitzungen besucht.


LEBEN & ARBEITEN Partei schon gar nicht. Ein Problem war auch, dass Borgfeld keine weiterführenden Schulen hat, so dass der Zugang zu Jugendlichen schwer war. Letztlich haben wir in Gesprächen mit dem Ortsamt Horn aber erreicht, dass Borgfelder Jugendliche, die in Horn zur Schule gehen, im Horner Jugendbeirat mitmachen können.

War es für Sie denn eine Überwindung, in eine Partei einzutreten? Ich wollte mir das zunächst einmal anschauen. Die CDU hatte bei den Wahlen 2019, bei denen ich erstmals auf den Beirat kandidierte, auch keine Probleme damit, mich als damals noch Parteilosen auf die Liste zu setzen. Das fand ich gut. Als es um die Bürgerschaftskandidatur ging, war für mich aber klar, dass ich eintrete. Wie kann man sich die Tätigkeit eines Deputierten nun vorstellen? Die Deputation tagt einmal im Monat im Börsenhof, Parlamentsferien mal abge-

sehen. Zur Vorbereitung der Deputationssitzungen besprechen wir Anträge und Initiativen im Fraktionsausschuss Umwelt und Bau der CDU-Fraktion. Da geht es nicht nur um die Deputation „Klima, Umwelt, Landwirtschaft“, in der ich Mitglied bin, sondern auch um Themen wie Verkehr, Beiräte und Stadtentwicklung. Das kommt meinen politischen Interessen sehr zugute. Als Deputierter bin ich auch zweimal im Monat bei den Fraktionssitzungen dabei, die gleich nach dem Fraktionsausschuss stattfinden. Da bin ich ganz nah dran an der großen Politik. Dazu gibt es noch Vor-Ort-Termine, beispielsweise mit dem Chef der BSAG.

Welches Gewicht hat ihre Stimme in den Gremien? Ich muss mich natürlich noch einarbeiten, insbesondere in das Umweltthema. Ich habe aber sehr kompetente CDU-Kollegen in der Deputation. Insbesondere von dem stv. Fraktionsvorsitzenden Mar-

tin Michalik habe ich schon viel gelernt. Im Fraktionsarbeitskreis habe ich mich bereits zu Verkehrsthemen eingebracht, meine Anregungen wurden in die Vorlagen übernommen. Ich habe aber auch schon eigene Anträge in Vorbereitung, Sie werden also noch von mir hören.

INFO Deputationen sind Verwaltungsausschüsse der Bremischen Bürgerschaft, die über Angelegenheiten ihres Verwaltungszweigs beraten und beschließen. Neben Bürgerschaftsabgeordneten gehören auch Senatsvertreter und Bürger, die vom Parlament gewählt werden, Deputationen an. Viele Bürgerschaftsabgeordnete haben als Deputierte erste Erfahrungen in der Landespolitik gesammelt.

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Heinrich Gerhard Tietjen und sein Sohn Wöltje Junge

„Pferde hat es immer gegeben!“ Hannoveraner aus Bremen-Oberneuland

Text / Fotos: Kira Kaschek

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m Rande des Bremer Stadtteils Oberneuland liegt der Pferdebetrieb von Heinrich Gerhard Tietjen und seinem Sohn Wöltje Junge idyllisch eingebettet in weitläufige Koppeln mit sattem Gras, durchzogen von den Spinnweben des Altweibersommers. Mehr als 60 Tiere sind auf dem rund 40 Hektar großen Gelände Zuhause. Vom Fohlen, über den Jährling oder das angehende Sportpferd wohnen hier Generationen von Pferdefamilien. Im Frühherbst genießen die Youngster noch ihre Zeit im Herdenverbund, bevor der Ernst des Lebens beginnt. Die Kleinsten wachsen behütet an der Seite ihrer Mütter auf. Das Wohl der Tiere wird bei Heinrich Gerhard Tietjen und Wöltje Junge großgeschrieben. Schon in der neunten Generation bewirtschaftet die Familie die Hofstelle, die seit mehr als 250 Jahren in Familienbesitz ist und die einst einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Ackerbau, Viehhaltung und sogar eine Käserei beherbergte. Die ersten Pferde wurden natür-

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lich wie damals üblich als Arbeitstiere eingesetzt, bevor schweres Gerät seinen Siegeszug feierte. Das Pferd als Partner war aber auf dem Hof nie wegzudenken und so stellte man auf Pferdezucht und Pensionshaltung um. Das Stallgebäude wurde 1968 erbaut. Seit 1977 besteht der reine Pferdebetrieb, auf dem vorrangig Hannoveraner gezüchtet werden. „Den Reitsport hat mein Bruder in die Familie gebracht, auch wenn es hier immer Pferde gab. Ich bin im Alter von 12 Jahren sogar noch hinter der Egge gegangen. Der Pferdevirus steckt in uns allen“, erinnert sich Heinrich Gerhard Tietjen. „Unsere Pferde leben im Winter gemeinsam in einem großen Offenstall. Nur die tragenden Stuten kommen in der kalten Jahreszeit nachts in die Box, dazu haben wir für die Erstgeborenen bis ca. 20 Quadratmeter große Abfohlboxen, inklusive Videoüberwachung. Bis zu neun Absetzer haben ihr eigenes Winter-Paddock, das sie bald beziehen werden. Wir setzen schon seit langem auf dieses Konzept“, erklärt Wöltje Junge. Einige Futtermittel werden in Oberneuland selbst erzeugt. „Wir haben kein Ackerland,

machen aber Heu und Heulage. Das gesamte Grünland, rund 2,5 Kilometer bis zur Wümme, steht den Pferden als Weidefläche zur Verfügung. Für die optimale Nutzung betreiben wir Wechselbeweidung“, erklärt Heinrich Gerhard Tietjen. So aufgestellt blickt die Züchterfamilie auf viele Jahre erfolgreiche Pferdezucht zurück, die sie mit dem eigenen Stutenstamm aufgebaut hat. Gezüchtet wird mit einer überlegten Auswahl an Hannoveraner Prämien-, Staatsprämien- und Hauptstutbuchstuten. In diesem Jahr feierten Heinrich Gerhard Tietjen und Wöltje Junge ein ganz besonderes Jubiläum, denn es kam das 150. Fohlen aus der eigenen Zucht zur Welt. Aus ihrer Zucht sind in den vergangenen Jahren einige im Sport erfolgreiche Pferde hervorgegangen, die in Oberneuland unter den besten Bedingungen aufgewachsen sind. Käufer aus der ganzen Welt sind glücklich mit den Pferden aus Bremen. Die Pferde aus der eigenen Zucht werden meist von Stephan Morisse ausgebildet, der erfahrener Turnierreiter ist. Seine Lebensgefährtin Lisa Marie Warnecke holte mit dem 10-jäh-


LEBEN & ARBEITEN Die Hannoveraner von dem Gestüt haben schon in vielen Disziplinen Erfolge erzielt.

sterschaften im Springreiten. Bei der Anpaarung der Stuten wird nicht nur auf sportliche Qualität, sondern auch auf einen einwandfreien Charakter geachtet. Ein wichtiger Fokus liegt auf Rittigkeit und Gesundheit“, so Wöltje Junge. Neben der eigenen Zucht werden in Oberneuland aber auch Pensionsstuten aufgenommen, die dort das Betreuungskomplettpaket erhalten. „Von der Besamung bis zur Versorgung der tragenden Stuten, der Geburtshilfe, dem Absetzen

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und der Aufzucht der Jährlinge bieten wir alles an. Das Ziel ist es immer, die eigene Zucht zu verbessern, einige Pferde behalten wir daher auch, andere Jungtiere werden schon im Fohlenalter oder später als Reitpferd zum Verkauf angeboten. Die Lage zu Verden, dem Sitz des Hannoveraner Verbandes, die gute Autobahnanbindung und Nähe zu vielen Turnierplätzen und Pferdeliebhabern im Land ist dazu ideal“, erklärt Heinrich Gerhard Tietjen. Weitere Infos auf hannoveranerzucht-bremen.de

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rigen Hannoveraner Wallach Grandioso TI (Graf Rhapsody x MV Contendro I) aus der Oberneulander Zucht 2022 den Bremer Landesmeistertitel und konnte diesen in 2023 sogar verteidigen. Schon sein Vater stammt aus dem Stall von Heinrich Gerhard Tietjen und Wöltje Junge. Einige Pferde werden aber auch ins Ausland verkauft und sorgen dort für Erfolge über die Landesgrenzen hinaus. „In Europa haben wir viele Pferde in sämtliche Länder verkauft. Für einige ging es aber auch nach Übersee, zum Beispiel nach Amerika, Südafrika und Australien“, erklärt Heinrich Gerhard Tietjen. Erst vor Kurzem wurde ein Pferd aus Oberneulander Zucht, „Herr Karlson“ (Hochadel x MV Di Caprio), nordamerikanischer Dressur-Meister in der Altersklasse der Children. Schon als Fohlen wurde er über die Verdener Auktion verkauft und wechselte später als Reitpferd in die USA. Einen weiteren internationalen Erfolg gab es in der Slowakei, denn dort siegte im August Catch Me (Contendro I x MV Espri) bei den Amateur-Landesmei-

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Griechischer Wein darf in einem Präsentkorb von Atlas nicht fehlen. Foto: pv

Spezialitäten aus Griechenland Im Ladengeschäft von Atlas Food an der Simon-Bolivar- Straße 53 in Bremen können die Kunden auf eine kulinarische Entdeckungsreise gehen und sich dort mit vielen Spezialitäten aus der griechischen Küche ein Stück Urlaub nach Hause holen. In einem Teil der Lagerhalle des Großhändlers mit Kunden aus Gastronomie und Handel gibt es jetzt einen kleinen griechischen Supermarkt, der montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr und samstags von 9 bis 14 Uhr geöffnet ist. Das vielseitige Angebot umfasst nicht nur eine riesige Auswahl von Weinen und Spirituosen in unterschiedlichen Flaschengrößen, sondern auch Konserven mit typischen Produkten aus Hellas. Für Feinschmecker ist aber vor allem der Kühl- und Tiefkühlbereich eine wahre Schatzkiste. Dort findet man Fleisch- und Fischprodukte, aber auch verschiedene Teiggerichte. Durch die ständige Suche nach neuen Produkten wird das Sortiment ständig erweitert. Neben den international bekannten griechischen Marken hat Atlas Food auch Erzeugnisse lokaler, kleinerer Landwirte im Programm. Das schmeckt nach Urlaub und vieles aus dem Angebot lässt sich wunderbar als Präsentkorb verschenken. Mehr Infos unter atlasfood-bremen.de

Zum 43. Mal präsentiert sich der „WINTERMAAK“ – in der Unteren Rathaushalle in Bremen Unter dem Slogan „Sozial – Engagiert – Bremisch“ werden die Besucher*innen eine bunte Produktvielfalt an den liebevoll dekorierten Ständen in der Unteren Rathaushalle vorfinden. Hier warten besondere Geschenke und schöne Dinge für das eigene Zuhause auf Sie – darunter Weihnachtsdekoration und -floristik, Spielsachen aus Holz, handgewebte Handtücher, Decken sowie Taschen. Auch Kerzen aus der Flutlicht-Manufaktur, Kulinarisches aus der Werftküche und die Bremer Senatsprodukte sind an den Ständen wieder erhältlich. Erstmals dabei: Farbschöne Keramik der neuen Martinshof Marke TonInTon aus der Keramik Manufaktur. Beratung und Verkauf übernehmen Beschäftigte vom Martinshof Bremen, die die Produkte selbst hergestellt haben. Vorbeischauen lohnt sich!

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Auf ein Getränk mit Elisabeth Saenger, neue Pastorin aus Borgfeld Text/Foto: Gabi Piontkowski

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lisabeth Saenger, die neue Borgfelder Pastorin, ist ein fröhliches Gemüt: „Ich freue mich darauf, vor Ort zu sein, die Menschen in Borgfeld zu treffen, für ihre Sorgen, aber auch die fröhlichen Momente da zu sein“, sagt sie und lacht dabei gewinnend. Am 24. September wurde die gebürtige Hamburgerin zur neuen Borgfelder Pastorin gewählt, nachdem ihr Vorgänger, Clemens Hütte, verstorben war. Am ersten Dezember hat sie ihren Dienst in der 3.500 Seelen großen Gemeinde angetreten. Bei einer Tasse Kaffee („den brauche ich am Morgen“) erzählt sie ihren Werdegang.

Aufgewachsen in Hamburg-Schnelsen ist sie „ganz klassisch kirchlich sozialisiert“. Soll heißen: evangelischer Kindergarten, Kinderbibelwoche, Kindergottesdienst, dann Konfirmation. Viele Jahre hat

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sie christliche Jugendgruppen geleitet. 2003 dann das Theologiestudium. „Ich wollte Pastorin werden, um Menschen in allen Bereichen ihres Lebens zu begleiten. Ich will ihnen zeigen: Gott ist bei ihnen, sie dürfen sich an ihn wenden.“ Der Glaube gäbe ihr Halt, trage sie durch das Leben. „Es ist gut zu wissen, dass jemand da ist, der es gut mit mir meint“, sagt die 40-Jährige. Das Studium dauerte dann etwas länger, wohl auch weil Elisabeth Saenger ein Jahr in Rom studierte, an der evangelischen Waldenser Fakultät und an päpstlichen Hochschulen, u.a. der Gregoriana. Sie befasste sich mit berühmten Schriften aus der Antike, aus der Zeit zwischen Christi Geburt und 500 n.Chr., lernte sogar koptisch. „Einige Texte aus dem alten Ägypten waren auf koptisch verfasst“, erklärt Saenger den ungewöhnlichen Spracherwerb. In den Vatikanischen Museen war sie fasziniert von den Sarkophagen (lachend: „Ja, ich bin ein Nerd!“). Wenn es nach ihr gegangen wäre, hätte sie „ewig studieren“ können. „Texte auslegen, den Sinn verstehen und auf die Gegenwart anwenden, das ist spannend.“ Letztlich sei die Tätigkeit eines Pastors ähnlich der eines Juristen – mit dem entscheidenden Unterschied, dass Pastoren ihr Gegenüber nicht ins Gefängnis bringen würden, sagt die Pastorin augenzwinkernd. 2011 legte sie dann das erste theologische Examen ab. Dann ging’s nach München, Saenger forschte dort am alten Testament. Doch statt des erstrebten Doktortitels lernte sie ihren Ehemann kennen, nahm ihn mit in den Norden und

machte in Norderstedt ihr 2 ½-jähriges Vikariat, das auf die praktische Tätigkeit einer Pastorin vorbereitet. In dieser Zeit arbeitete sie viel mit Senioren, hielt z.B. Gottesdienste in einer Demenz-WG. Nach der Geburt ihrer ersten Tochter und erfolgreichem Abschluss des Vikariats zog die junge Familie 2020 nach Bremen. Hier ging’s für Elisabeth Saenger zunächst einmal in den Entsendungsdienst, bei dem Jungpastoren verschiedene Stationen durchlaufen, bevor sie eine feste Stelle antreten. Elisabeth Saenger verschlug es zunächst in die Alt-Hastedter Kirchengemeinde und dann nach Aumund, in eine reformierte Kirche. Sie initiierte in der Corona-Zeit in Hastedt Hoffnungsbriefe, „um die Menschen in der isolierten Zeit zu erreichen“ und wurde erneut Mutter. In Aumund etablierte sie ein Familien-

Hoffnungsbriefe für Menschen in der Isolation frühstück, bei dem samstags gemeinsam zu verschiedenen Themen gebastelt und gepflanzt wird, beispielsweise zum Thema Schöpfung, Rituale, Taufe oder St. Martin. Als sie dann die Ausschreibung für die freie Pastorenstelle in Borgfeld sah, war die Pastorin sofort angetan. „Borgfeld hat eine wunderschöne Kirche, eine engagierte Gemeinde und auch die Lage zwischen Land und Stadt gefällt uns sehr gut“, schwärmt Saenger. Nach einem Probegottesdienst hatte sie die Gemeindevertretung überzeugt. Im Frühjahr will Saenger auch nach Borgfeld ziehen, in das Pastorenhaus. „Ich möchte nah an den Menschen sein, mitbekommen, was sie im Alltag beschäftigt.“ Daran wolle sie die Gottesdienste anpassen. „Die Predigt soll die Menschen im Herzen erreichen!“


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Seien Sie sicher!

Polizei informiert: Die „Maschen der Betrüger“ Text / Fotos: Gabi Piontkowski

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er „Enkeltrick“ und der „Stadtwerketrick“ sind die wohl bekanntesten von vielen perfiden Methoden, mit denen Kriminelle versuchen, an die Ersparnisse der meist lebensälteren Opfer zu gelangen. Die Täter sind kreativ und ändern ständig ihre Strategie. Auf Einladung des Bürgervereins Borgfeld informierte Polizeihauptkommissarin Maren Pfitzner über die Tricks der Betrüger und wie man sich dagegen schützt. Petra Markfeldt vom WEISSEN RING stellte die Hilfsangebote der deutschlandweit größten Opferhilfeorganisation vor. „Vertrauen Sie auf Ihr Bauchgefühl“, war eine der wichtigsten Botschaften, die Maren Pfitzner den rund 60 älteren Menschen, die zu der Veranstaltung des Bürgervereins Borgfeld gekommen waren, mit auf den Weg gab. Täter würden versuchen, ihr Gegenüber unter Stress zu setzen, so dass sie keinen klaren Gedanken fassen könnten, beispielsweise die sog. Schockanrufer. Maren Pfitzner spielte einen solchen (anonymisierten) Schockanruf vor, den ein Rentner aufgezeichnet hatte, der sich nicht über’s Ohr hauen ließ. Mit weinender Stimme rief darin eine junge Frau ihren vermeintlichen Großvater an. Schluchzend erzählte sie, einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht zu haben und nun von der Polizei festgehalten zu werden. Kurz darauf meldete sich ein fingierter Polizeibeamter und forderte eine Kaution von 25.000 Euro, andernfalls die Enkelin verhaftet werde. „Leider fallen immer wieder Menschen auf diese Masche herein“, warnte die Polizeibeamtin. Ihr Tipp: „Legen Sie bei derartigen Anrufen einfach auf. Im Zweifel rufen Sie selbst bei der Polizei an und erzählen von dem Anruf. Wichtig: Die echte

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Polizei oder Staatsanwaltschaft fragen nie nach Geld oder Wertsachen und würden auch nie deren Herausgabe, z.B. zum Zwecke einer Kautionszahlung, verlangen.“

Die Polizei ruft niemals unter der 110 an Man könne auch nicht darauf vertrauen, dass die Polizei anrufe, wenn die Nummer „110“ im Display stehe. „Erstens: die Polizei ruft nicht unter dieser Nummer an“, warnt die Kriminalhauptkommissarin. „Zweitens: Die im Display angezeigten Telefonnummern können heute technisch manipuliert werden.“ Klug sei es, wenn man sich vorher einen „Wenn-Dann-Plan“ mache, um unter Stress besser reagieren zu können. Beliebt sei auch ein anderer Trick: Wiederum rufe ein fingierter Polizeibe-

amter an, der behaupte, ein Einbrecher habe auf der Flucht vor der Polizei einen Zettel verloren, auf dem auch der Name des Angerufenen als potenzielles nächstes Opfer stehe. Da die Polizei, so der Anrufer, keinen Streifenwagen vor die Tür stellen könne, schicke man einen „Kollegen“ vorbei, der Wertsachen und Bargeld abhole, damit sie nicht gestohlen würden. Die Wertsachen könnten auch in einer Plastiktüte vor dem Haus deponiert werden. Pfitzners Empfehlung: „Seien Sie misstrauisch und lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Legen Sie sofort auf und Übergeben Sie kein Geld oder Wertsachen an Fremde! Auf der Straße würden Sie Ihr Portemonnaie doch auch keiner fremden Person einfach so in die Hand drücken.“ Bevorzugt würden Menschen mit altertümlich klingenden Vornamen angerufen. Deshalb sei anzuraten, entweder den Telefonbucheintrag ganz streichen zu lassen („Ihre Liebsten werden Ihre Telefonnummer sicher haben“) oder zumindest abzukürzen, um es Betrügern zu erschweren. Zur Erleichterung könne dazu ein Formular des Präventionszentrums der Polizei Bremen genutzt werden. Auch wenn man vom Einkaufen nach Hause komme, sollte man vorsichtig sein, empfiehlt die Polizeibeamtin. Es sei vorgekommen, dass fingierte Kriminalbeamte auf die älteren Menschen zugekommen seien und behauptet hätten, bei den Nachbarn sei eingebrochen worden, man müsse nun prüfen, ob bei ihnen alle Wertsachen noch an ihrem Platz seien. „Nach einer solchen Wohnungsbesichtigung sind Schmuck und Geld dann weg“, warnte Pfitzner. „In einer solchen Situation rufen Sie bitte 110 an“, riet die Beamtin. Ein echter Polizist habe Geduld, Betrüger würden aber nicht warten, bis die Betroffenen mit 110 telefoniert hätten. Ein uralter Trick sei der „Stadtwer-


LEBEN & ARBEITEN

Das Interesse an der Veanstaltung war groß. Viele Bürger hatten das Bedürfnis meh über die Tricks der Betrüger zu erfahren. ketrick“. Ein vermeintlicher Stadtwerkemitarbeiter behaupte, er müsse die Wasseruhr ablesen oder die Wasserleitung prüfen und verschaffe sich so Zugang zum Haus. Kriminelle nutzten auch Baustellen aus, behaupteten, es sei im Zuge dessen zu einem Wasserrohrbruch gekommen. „Das ist totaler Quatsch, bei einem Wasserrohrbruch in der Straße muss niemand plötzlich in Ihre Wohnung“, so Pfitzner. Deshalb ihr dringender Rat: „Rufen Sie in solch einer Situation die Polizei, wenden Sie sich an Vertrauenspersonen, z.B. Nachbarn oder Angehörige, aber lassen Sie niemanden einfach ins Haus.“ Schließlich sei es keine Verpflichtung, überhaupt die Tür zu öffnen. Selbst wenn die angeblichen Mitarbeiter oder Polizeibeamten einen Ausweis zeigen würden, sei dies keine Garantie, dass dieser echt sei. Hilfreich sei eine Türspaltsperre oder

eine Kette an der Haustür. „So vermeiden Sie, dass sich plötzlich jemand in den Hausflur drängt.“ Geschehe dieses doch: „Werden Sie laut, drohen Sie damit, die Polizei zu rufen.“ Auch Türspione oder Gegensprechanlagen mit Kamerafunktion seien sinnvoll, um bereits vorher zu gucken, ob die Tür überhaupt geöffnet werden muss. Vorsicht sei auch bei Internet-Bekanntschaften geboten. Durch künstliche Intelligenz könnten heute Lichtbilder so zusammengestellt werden, dass sie täuschend echt aussehen würden. Die Fotos seien mittlerweile kein Beweis mehr für die echte Existenz der Menschen. „Solange die Internetbekanntschaft nicht persönlich vor Ihnen steht, können Sie nicht sicher sein, dass diese tatsächlich existiert“, so Pfitzner. Es habe schon Fälle gegeben, bei denen sich Opfer über ein Jahr mit Heiratsschwindlern im Netz geschrieben und

ein gewisses Vertrauen aufgebaut hätten. Dann wäre der Betrüger mit Geldforderungen aufgetreten. Da die Täter so geschickt vorgingen, könne jeder darauf reinfallen. „Deshalb schämen Sie sich nicht, melden Sie die Vorfälle der Polizei“, ermunterte Maren Pfitzner die Senioren. Und wenn dann doch mal jemand auf einen Betrüger reingefallen sei? „Dann hilft der WEISSE RING“, sagte Petra Markfeldt. Die Opferhilfeorganisation, die bundesweit 400 Außenstellen habe, stelle Hilfechecks aus, wenn Opfer nach der Tat kein Geld hätten. Der WEISSE RING helfe aber auch dabei, einen Rechtsanwalt oder psychologische Betreuung zu finden. Eine Erstberatung bei einem Anwalt werde auch bezahlt. Und ganz wichtig: „Wir hören zu, nehmen die Betroffenen ernst und geben psychologische Unterstützung“, so Petra Markfeldt.

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LEBEN & ARBEITEN

Rundrum Wohlgefühl

Stadtbremer wohnt zeitweise in seiner Jurte am Borgfelder Stadtrand Text: Bettina Gößler/ Fotos: pv

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s sieht ein bisschen aus wie ein Zirkuszelt, was da am Rand von Borgfeld aufgebaut wurde. Es handelt sich aber um eine Jurte. Das ist das traditionelle „Heim“ der Nomaden in Zentralasien, besonders verbreitet in der Mongolei, Kirgisistan und in Kasachstan. Von der Jurte und dem daraus gebildeten Heerlager leitet sich die deutsche Bezeichnung Horde (vom turksprachigen ordu oder orda – seltener ordï – für umherziehende, kriegerische Völkerschaften) ab, wie beispielsweise die Goldene Horde. Patrick Oeltjendiers hat eine solche jedoch bei einer Motorradtour durch Skandinavien entdeckt. Daher stammen seine Wurzeln (deswegen auch der für einen Bremer recht außergewöhnlicher Name) und jetzt hat er sich als Souvenir der Reise ein solches Zelt angeschafft. Kein günstiges Vergnügen. Zwar gibt es eine Jurte schon ab mehreren Hundert Euro, aber für den 34-Jährigen sollte es dann doch ein qualitativ gutes Modell sein. Er hat sein Glück in der Nähe von Hannover gefunden, es besichtigt und „zugeschlagen“. Das Objekt der Begierde wurde zunächst auf dem Grundstück seines Vaters in Westerstede bei Oldenburg aufgebaut aber nun umgesiedelt. „Kein einfaches Unterfangen, ich dachte zunächst, das baue ich mal eben selbst

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wieder auf, aber letztlich waren drei starke Leute und ich damit wochenlang beschäftigt.“ Das fing bei der Basis an. „Die Jurte steht auf LKW-Reifen – zur Entlüftung der Bodenplattform.“ Diese besteht aus acht „kuchenstückartigen“ Holzparkett-Elementen. Um diese wunschgerecht zu gestalten, hat Oeltjendiers eigens einen Tischlermaschinenschein gemacht. „Außerdem hatte ich das Glück einen Architekten kennen zu lernen, der mir beratend zur Seite stand, auch gerade wenn es um die Isolierung ging.“ Und eine Fußbodenheizung muss ja auch noch her. Man fragt sich, wie der Mann, der als Sportlehrer an der Waldorfschule arbeitet und dorthin auch gerne mal morgens aus der Innenstadt auf InlineSkates oder mit dem Longboard zur Arbeit fährt, das so alles meistert. Zumal er auch noch – zumindest zwischenzeitlich – alleinerziehender Vater zweier Kleinkinder ist. Ganz fertig ist das Projekt mit „rundum Wohlgefühl“ noch nicht. Die 30 Quadratmeter auf denen bereits eine Kupferbadewanne und ein Ofen stehen, brauchen noch Wasserund Stromleitungen, jeweils rund 100 Meter lang müssen sie sein. Auch da legt der Jurte-Besitzer natürlich selbst mit Hand an. Dauerhaft wohnen will er da zwar nicht. „Aber ich brauche es als Rückzugsort.“


KURZ NOTIERT

Roncalli ist wieder zurück: Zirkuskunst bis ins neue Jahr

„A

ll for Art for All“ – nach dem Erfolg des Programmes im vergangenen Jahr ist der Zirkus Roncalli nun mit der Show wieder zurück in Bremen: Noch bis zum 10. Dezember tummeln sich Clowns und Artisten auf der Bürgerweide, riecht es nach Popcorn und werden Kindheitserinnerungen geweckt. In der Manege des Zirkus' dreht sich alles um Kunst in ihren zahlreichen Facetten, sie verbindet alle Programmpunkte. Liebhaber der bildenden Künste werden Werke der Künstler Piet Mondrian, Leonardo da Vinci oder Frida Kahlo entdecken. Weltklasse-Artisten, liebenswerte Clowns und Roncallis weltweit einzigartige 300-Grad-Holografie in der Manege runden das Spektakel zwischen Nostalgie und Moderne ab.

Schleuderbrett, Sprungstelzen, Jonglage, ein Live-Orchester – insgesamt 120 Artisten, Musiker, Künstler und Mitarbeiter sorgen für beste Unterhaltung unter dem Zeltdach. Doch es geht noch weiter: Vom 16. Dezember bis zum 7. Januar wird Roncalli‘s „1. Bremer Weihnachtscircus“ auf der Bürgerweide präsentiert. Poetisch und romantisch zeigt sich dann ein neues und faszinierendes Programm, das bestens in die festliche Jahreszeit passt – mit einer komplett neuen Show. Als Special Guest Star ist Let’s Dance Gewinnerin Lili Paul-Roncalli mit dabei. Man darf gespannt sein auf magische Momente und eine festliche Stimmung – auch über den Jahreswechsel hinaus. Mehr Infos zum Programm und Tickets gibt es unter roncalli.de/ar (bm)

„All for Art for All“: Auch in diesem Jahr dreht sich im Zirkus Roncalli alles um die Kunst. Foto: Roncalli

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Paradies für Mensch und Tier Sportgarten in der Pauliner Marsch mit „Streichelzoo“

Text/Fotos: Kira Kaschek

I

m Sportgarten in der Pauliner Marsch sind neben den beiden InstagramStars, den Eseln Moritz und Markus, zwei Ziegen, drei Klein- und vier Großpferde beheimatet, die viele kleine und große Tierliebhaber tagtäglich glücklich machen. Inmitten der Stadt, nahe dem Weserstadion, ist durch das Tier- und Landschaftsprojekt und jede Menge Engagement ein kleines Paradies entstanden, in dem Mensch und Natur im Einklang sind. Schon seit 2003 ist das Tier- und Landschaftsprojekt des Sportgartens in der Pauliner Marsch zu Hause. Das Team rund um Anna Dauen und Uli Barde feierte in diesem Jahr damit das 20-jährige Bestehen des vormals unter dem Namen „Pferdeprojekt“ laufenden Angebots. „Artgerechte Haltung und tiergerechtes Reiten stehen bei uns im Vordergrund. Das Ziel ist, das die Kinder den richtigen Umgang mit den Tieren lernen. Dazu gehört auch die Pflege und die Instandhaltung des Geländes“, erklärt Uli Barde. Begonnen hat alles mit einer Reitgruppe, bestehend aus 15 Kindern und Jugendlichen, die sich um das Wohl der Tiere kümmerten. Über die Mitgliedsbeiträge werden die Pferdeliebhaber so auch zu den Besitzern der Vierbeiner.

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„Wir wollen daher keine große Fluktuation, sondern dass die Kinder und Jugendlichen Verantwortung übernehmen. Das heißt, auch im Winter, wenn die Witterungsbedingungen ungemütlich werden, sich um die Tiere zu kümmern“, erklärt Uli Barde. Für Interessenten gibt es aber Angebote wie einen Tag der offenen Tür, an dem Tierliebhaber einmal in das Projekt hineinschnuppern können. Die Mitgliedsbeiträge pro Monat sind gering. „Mit den Mitgliedsbeiträgen lässt sich das Projekt im Grunde nicht stemmen.

Es gibt viele Kinder- und Ferienangebote Wir wollen aber nicht, dass die Finanzen entscheiden, ob ein Kind mitmachen kann oder nicht. Daher sind wir auf Spenden und die Übernahme von Patenschaften angewiesen“, erklärt Uli Barde. Um die 50 feste Mitglieder hat der Verein mittlerweile, die sich nicht nur das Reiten, sondern auch die Pflege der Tiere und die Verantwortung für diese teilen. So gibt es Pflegegruppen, Reitgruppen und Eltern-Kind-Gruppen sowie Schulprojekte, Kindergeburtstage

und Ferienangebote. „Durch die Anzahl der Mitglieder lernen die Kinder und Jugendlichen auch Rücksichtnahme auf Mensch und Tier“, findet Uli Barde. Ein gutes Beispiel ist Wallach Prinz, der zwar nicht mehr geritten werden kann, den die Kinder aber trotzdem zu langen Spaziergängen mitnehmen. „Alle, die Prinz geritten haben, vermissen das. Es ist aber wichtig zu verstehen, dass ein Tier, das nicht mehr im Sport einsetzbar ist, nicht wertlos ist“, findet Uli Barde. Nicht nur die Mitglieder, auch die Tiere haben die verschiedensten Geschichten zu erzählen. So gibt es beispielsweise Rocco, einen Wallach aus Spanien, der sich erst an das Bremer Wetter gewöhnen musste oder den großen schwarzen Diego, der dem Verein geschenkt wurde. Während die Esel ihre eigene Fangemeinde haben, die mit ihnen Spazierengeht, sie putzt und umsorgt, genießen die Ziegen auf dem drei Hektar großen Gelände alle Freiheiten, auf dem früher sogar eigenes Heu gemacht wurde. Heute ist vor allem die Weidepflege ein großes Thema, denn durch die klimatischen Veränderungen ist der Ertrag nicht mehr so groß. Im Sportgarten ist man daher händeringend auf der Suche nach Ideen, wie die Bodenqualität verbessert werden kann. Durch eine Spende kann nun eine professionelle Stelle


FREIZEIT

Uli Barde uns sein engagiertes Team kümmern sich um die Pflege der Tiere. gefunden werden, die sich mit systematischen Maßnahmen für größere Artenvielfalt und Zustandsoptimierung auseinandersetzen wird. Dieses Thema beschäftigt auch Anna Dauen, die mittlerweile die Leitung des Tier- und Landschaftsprojekts übernommen hat und die von Beginn an dabei ist. Sie koordiniert den täglichen Unterricht wie Schulklasse und Kindergartengrup-

Auslauf haben die Pferde in der grünen Pauliner Marsch genug. Dort geht es ihnen gut.

pen, die den ersten Kontakt mit den Tieren auf diese Art erleben können. Nachmittags gibt die zweifache Mutter Reitunterricht und kümmert sich um alle anfallenden Arbeiten. So sorgt sie beispielweise durch den Verkauf von eigens produzierten Apfelsaft der auf dem Gelände liegenden Streuobstwiese für Einnahmen. Anna Dauen ist zudem auf der Suche nach weiteren helfenden Händen.

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Im Sportgarten wird dringend ein FSJler oder jemand aus dem Freiwilligendienst gesucht, der Lust hat, das Tier- und Landschaftsprojekt zu unterstützen. „Weitere Paten für unsere Tiere sind ebenfalls willkommen. Bewerber für ein Freiwilliges Soziales Jahr sind ebenfalls willkommen“, erklärt sie. Informationen rund um den Sportgarten und seine Tiere gibt es auf sportgarten.de.

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Johannes Huesmann (89) ist selbst ein Stück Borgfelder Geschichte

Geschichte erleben

Bürgerverein Borgfeld dreht Film über Borgfeld Text / Fotos: Gabi Piontkowski

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ie Geschichte von heute für die Generation von morgen erlebbar machen: Das will der Bürgerverein Borgfeld mit seinem neuesten Projekt, dem Borgfeld-Film. Mit dabei ist Johannes Huesmann aus dem Arbeitskreis BorgfeldArchiv. Der 89-Jährige gebürtige Münsterländer ist selbst ein Stück lebendiger Geschichte. 1983 nach Borgfeld gezogen, stieg er bereits 1985 in die Kommunalpolitik ein, war erst im Bauausschuss, dann Beiratssprecher und schließlich von 1995 bis 2007 Ortsamtsleiter von Borgfeld.

Als Interviewpartner dienten Huesmann und seinen Mitstreitern vor allem ältere Menschen.

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Noch heute ist der Senior Seniorenbeauftragter des Borgfelder Beirats. „Im Borgfeld-Archiv haben wir alles zur Geschichte Borgfelds in Büchern, Dokumenten und auf Fotos gesammelt“, sagt der Heimatforscher und geht durch die Regale des rund 35 Quadratmeter großen Archivs gleich hinter dem Ortsamt Borgfeld, das seit Jahren aus allen Nähten platzt. Mitglieder des „Kränzchens“, wie der Archiv-Arbeitskreis unter Insidern genannt wird, haben neben dem BorgfeldLexikon weitere Bücher über Borgfeld u.a „Borgfeld in den Jahren 1930 – 50“ und „die Siedlung für vertriebene Landwirte“ geschrieben. Bewegte Bilder mit Ton seien aber etwas ganz anderes. „Wir wollen auch die jüngere Generation ansprechen“, so Huesmann. Und die sei nun mal auf Youtube, Tiktok, Instagram und Co unterwegs. Ein Film stelle das Geschehen und die handelnden Akte ure viel plastischer dar als ein Blatt Papier. Und so zogen Mitglieder des Bürgervereins mit Handy-Kameras und Stativ los, um Zeitzeugen nach einem zuvor entwickelten Leitfaden zu interviewen. Allen voran Huesmann selbst, der von einer Vorstandskollegin zum Thema Neubaugebiete in Borgfeld-Ost und West interviewt wurde. Er war Ortsamtsleiter, als die Planung Anfang der 90er Jah-

re begann. Das habe die Altborgfelder damals ziemlich aufgewühlt, erinnert er sich. „Borgfeld-Ost wurde zwar akzeptiert, aber in West sollte zunächst eine Trabantenstadt mit Großwohnanlagen entstehen.“ Das hätte, so Huesmann, den ganzen Charakter Borgfelds zerstört. Gott sei Dank sei es nicht dazu gekommen, auch weil sich eine Bürgerinitiative aus Borgfelder Bürgern erfolgreich dagegen gewehrt habe. Die bronzene Kuh vor dem Bioladen „Alecco“ erinnere noch heute daran. Diese sei aus den nicht für ein Klageverfahren ausgegebenen Geldern der Bürgerinitiative und Mitteln der damals noch existierenden Stiftung Wohnliche Stadt finanziert worden. Ist Hans Huesmann ein Zeitzeuge der neueren Geschichte, haben Jutta Malla, Margarete Reiter, Rudi Seifert, Christel Baginski, Marita Ewald und Margaret Klüver auch die Nachkriegszeit miterlebt. Sie waren die ersten Interviewpartner.

Mehr als 340 Minuten Filmmaterial Jutta Malla, eine Nachfahrin aus dem Geschlecht der Noltenius, kam mitten im 2. Weltkrieg, im Januar 1945, nach der Flucht aus Westpreußen nach Borgfeld, wo sie auf dem Brandenhof, dem Hof ihrer Großmutter, Unterschlupf fand. Sie berichtete vom Aufbau der „Siedlung für vertriebene Landwirte“ zwischen Kiebitzbrink und Borgfeld-Mitte, für den ihr Vater, Erhard Rudolph, als Siedlungsbeauftragter ab 1948 verantwortlich war. Die heute 91-jährige Jutta Malla war in der Folge selbst jahrzehntelang Landesvorsitzende des Bundes der Vertriebenen in Bremen. Über die Geschichte der Vertriebenen in Borgfeld interviewte Huesmann Margarete Reiter. Selbst als Vertriebene 1957 in die Borgfelder „Flüchtlingssiedlung“ gezogen, arbeitete die heute 94-Jäh-


FREIZEIT rige seit 2002 Im Borfeld-Archiv. Hans Huesmann zeigt auf eine ganze Reihe roter Ordner, die Margarete Reiter dem Bürgerverein überlassen hat. Rudi Seifert, ebenfall ein Heimatvertriebener aus Ostpreußen, stand Hans Huesmann zum Thema Handwerk vor der Kamera Rede und Antwort. Seifert hatte Ende der 50er eine Backstube im Moorkuhlenweg in Borgfeld eröffnet. Aus wiederum anderem Blickwinkel hat Marita Ewald die jüngere Geschichte ihres Ortsteils erlebt. Die heute 84-Jährige erzählte aus der Zeit der „Borgfelder Landwirtschaft“, der wohl letzten (Raucher-)Kneipe Borgfelds. Von 1984 bis 2015 betrieb sie gemeinsam mit ihrem Mann Horst. „Manche bezeichneten die Borgfelder Landwirtschaft auch als das heimliche Zentrum Borgfelds“, verrät Huesmann, der selbst als Gast dort war. Dort traf sich halb Borgfeld, Oberneuland und Umzu. Insbesondere für die Rehessen war die Gaststätte bekannt. Horst Ewald, ein Hobbyjäger, hatte die Rehe in den Wiesen ge-

Wolfgang Klüver und seine Mutter Margaret betrieben lange die Borgfelder Landwirtschaft, den Treffpunkt des Stadtteils. Folglich hatten sie viel zu erzählen. schossen, während Marita, seine Frau, sie zubereitete. 340 Minuten Filmmaterial hat das Team mittlerweile zusammengesammelt. Damit soll aber lange noch nicht Schluss sein. Auf Huesmanns Liste stehen noch etliche Namen von Altborgfeldern, die etwas über die Zeit zwischen 1945 und heute erzählen können. „Wir müssen uns beeilen“, sagt der 89-Jährige, schließlich seien viele Gesprächspartner schon „etwas in die Jahre gekommen“. Zusammenschneiden wird

den Borgfeld-Film Klaus-Peter Fiege. Der ehemalige Berufsschullehrer hat bereits lange Erfahrung mit der Filmproduktion, hat sogar mal einen Preis für einen seiner Filme gewonnen. Für die weiteren „Drehs“ würde sich Hans Huesmann über Unterstützung freuen. „Vielleicht können ja auch Enkel ihre Großeltern interviewen“, regt der Senior an. Wer beim Filmprojekt mitmachen möchte, kann sich unter 27 13 77 oder unter j.huesmann@nord-com.net melden.

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Eine neue Zeitrechnung

Der Reit- und Fahrverein Ellernhof hat große Pläne Text/Fotos: Kira Kaschek

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uf dem Ellernhof in Oberneuland hat eine neue Zeitrechnung begonnen, denn künftig gehört mit dem Reit- und Fahrverein Ellernhof auch ein eigener Reitverein zu dem Pensionsbetrieb am Bremer Stadtrand. Der neu entstandene Vorstand hat große Pläne und schon bald soll es Reiterflohmärkte, Lehrgänge, Turniere, eine Hof Rallye, Reiterspiele und viele andere Veranstaltungen geben, die das Herz vieler Pferdefreunde im Umkreis höherschlagen lassen werden. Der Zulauf ist groß, denn ursprünglich ist der Ellernhof aus einem landwirtschaftlichen Betrieb entstanden, der 1984 auf dem jetzigen Gelände eröffnet wurde und der mit seiner Eröffnung eine neue Ära der Pferdehaltung in Bremen einläutete. Lag der Fokus des damaligen Konzepts noch auf Rinderhaltung, bestimmen jetzt Pferde und Ponys allen Alters und aller Rassen das Bild. Anfänglich gab es sogar nur zwei Pferdeboxen, die auch heute noch im Herzen des Stalls zu finden sind. Schnell ist der Hof gewachsen und immer mehr Tierhalter wollten mit ihren Vierbeinern raus aus der Stadt und das einmalige Gelände am Rande des Naturschutzgebietes Fischerhuder Wümmewiesen am Hodenberger Deich für lange Ausritte ohne Straßenverkehr nutzen. „Als ich 1998 den Betrieb übernommen habe, hatten wir schon rund zehn Einsteller. 2003 haben wir den Milchbetrieb ganz abgeschafft und uns auf Pensionspferdehaltung spezialisiert“, erinnert sich Hofeigentümer Friedhelm Behrens, der bis 2005 in der Vermarktung von Rindersamen tätig war. Zu dieser Zeit trat Nicola Behrens in das Leben des Landwirtschaftsmei-

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Friedhelm Behrens betreibt den Hof mit seiner Frau Nicola. sters, die damals eine Ausbildung zur Tierarzthelferin absolvierte und als Einstellerin auf den Ellernhof kam. Die 38-jährige ist außerdem Pferdewirtschaftsmeisterin mit Schwerpunkt Zucht und Haltung und selbst leiden-

Anfänglich gab es nur zwei Pferdeboxen schaftliche Reiterin und Fahrerin. Heute bildet sie mit ihrem Mann den Vorsitz des Reit- und Fahrverein Ellernhof, der mit neuen Ideen in eine positive Zukunft starten will. Innovation gehörte schon immer zur Identität des Betriebs denn schon damals war klar, dass auf dem Ellernhof ein neues Konzept der Pferdehaltung Einzug halten sollte. „Offenställe waren damals noch gar nicht

so verbreitet. 2005 entstand der erste Offenstall, 2007 haben wir unsere erste eigene Reithalle gebaut“, so Friedhelm Behrens. Der Ellernhof wuchs stetig und 2018 ging die zweite große Reithalle in Betrieb. Mittlerweile lebt das Paar mit den zwei Töchtern Hanna (7) und Luise (5) und den neun eigenen Pferden auf dem Ellernhof, der nun 100 Pensionspferde beherbergt. „Viele Tiere leben in den Offenställen in ganz unterschiedlichen Gruppenkonstellationen. Wir haben Jungpferde, Reitpferde, Gnadenbrotpferde und auch Allergiker. Wir wollen eine möglichst natürliche Pferdehaltung und alle Tiere sollen so viel draußen auf den Weiden sein wie es nur geht“, so Nicola Behrens. Dazu stehen neben den Offenställen klassische Boxen mit oder ohne Paddock zur Verfügung. Es gibt eine Longierhalle, ein Roundpen, einen Geländeplatz und sogar eine 500 Meter lange Rennstrecke sowie einen Warmwasserwaschplatz und vieles mehr. Nicht nur die vierbeinigen Bewohner auf dem Ellernhof sind eine buntgemischte Truppe, denn dasselbe gilt auch für die Einsteller. „Bei uns finden sowohl Turnier- als auch Freizeitreiter gute Bedingungen für die Arbeit mit ihren Pferden, so haben wir Spring-, Dressur- und Distanzpferde auf dem Hof. Auch viele Kinder und Jugendliche kommen täglich her. Es herrscht ein tolles Klima mit viel Toleranz den anderen Pferdeliebhabern und Reitweisen gegenüber, das schätzen wir sehr“, erklärt sie weiter. Nicola Behrens hat dabei laut ihrem Mann nicht nur ein gutes Händchen bei der Zusammenstellung der Pferdegruppen, sondern auch bei ihren Besitzern. Das Konzept kommt bei vielen Pferdefreunden gut an und hat den Ellernhof auch überregional


FREIZEIT

Glückliche Pferde auf der Weide am Hodenberger Deich bekannt gemacht hat, denn die Einsteller können die Leistungen für ihre geliebten Vierbeiner flexibel buchen. So entstehen verschiedene Preiskategorien, die die Kosten der Pensionspferdehaltung für viele Menschen erschwinglich machen. Möglich macht dies die eigene Herstellung von Heu und Heulage und eine Wechselbeweidung mit einigen Rindern, deren Zucht und Haltung Friedhelm Behrens sehr am Herzen liegt. 25 bis 30 Kälber kommen so auf dem El-

Behrens haben früher auch selbst gezüchtet lernhof pro Jahr noch zur Welt. Bis vor einigen Jahren haben Friedhelm und Nicola Behrens auch selbst Pferde gezüchtet, einen Betriebszweig, den das Paar in Zukunft gerne wiederbeleben würde. „Die gestiegenen Kos-

ten für Tierärzte und alles, was zum Thema Pferdezucht gehört, haben die Umstände erschwert, selber ein Fohlen zu ziehen. Wir würden es aber trotzdem gerne noch einmal versuchen“, erklärt sie. Feuer und Flamme für dieses Projekt sind auch die Töchter Hanna und Luise, die selbst jeden Tag reiten und deren zwei Shetlandponys Freya und Flicka auch bei Kindergartengruppen und Reitertagen die heimlichen Stars sind.

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UNTERWEGS

Nix Schlaues im Karton

In Schwachhausen gibt es einige buchstäblich „muntere“ Straßennamen

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er Bremer Jacobsweg ist keine Pilgerstraße. Er wird weder mit „k“ geschrieben noch führt er nach Santiago de Compostela in Galicien (Spanien). Benannt wurde er nach der bekannten Kaffee-Familie. Die Klugkiststraße hat auch nichts damit zu tun, dass dort mal jemand irgendwas Schlaues aus einem Karton zauberte. Hyronimos Klugkist, einst Senator für kirchliche und Unterrichtsangelegenheiten und Gründer des Kunstvereins, ist sozusagen der Taufpate. Ähnlich verhält es sich bei „Zur Munte“ – ebenfalls nach einem Bremer benannt. Ratsherr Arnold Munte kaufte 1334 ein Viertel eines Hofes bei der Bürgerweide, das wiederum 1357 von seinem Sohn übernommen wurde. 1410 wurde das Stück erstmals als „munteres Kamp“ erwähnt. Von munter zu „groß“ und der Großbeerenstraße. Dort wuchsen nicht etwa besonders große Früchte, es ist vielmehr eine Reminiszenz an den Schlachtenort Großbeeren. Das brandenburgische Dorf im Bezirk Postdam hat 7.300 Einwohner und beherbergt das Institut für Gemüse-Anbau der Humboldt-Universität. Ganz in der Nähe befindet sich die Katz-

Ein Kirchensenator war Namensgeber dieser Straße.

Wissen Sie wo Sie wohnen? bachstraße, wer denkt, sie habe etwas mit Stubentigern zu tun, liegt wiederum ganz weit daneben. Der Katzbach, Nebenfluss der Oder in Niderschlesien, entspringt im Katzbach-Gebirge und ist 98 Kilometer lang. Am Katzbach wurden im August 1813 die Franzosen von den Preußen geschlagen.

Foto: Schlie

Die Schwachhauser Heerstraße beziehungsweise der Stadtteil, früher Dorf, wurde 1159 als Suechusen erstmals dokumentiert. Bürgermeister Georg Gröning setzte sich Anfang des 19. Jahhunderts dafür ein, dass Schwachhausen und andere umliegende Dörfer an Bremen kamen. Zu dieser Zeit soll auch die erste festere und baumbestandene Anlage der Schwachhauser Heerstraße entstanden sein. „An der Gete“ wurde gleichnamige Straße 1890 per Senatsbeschluss benannt. Die Gete war ein alter, in die Befestigung einbezogener Wasserarm am Riensberg. Dieser kam von der Pauliner Marsch, floss etwa bis zur Horner Kirche und bildete dadurch 1167 die natürliche Befestigung, die später versumpfte. In Horn hatte sich die Gete mit dem Vahrer Fleet zur kleinen Wümme vereinigt. In Urkunden von 1257 wird auch ein Getezoll erwähnt. Der Weg nach Hastedt überquerte die Gete mit einer Zugbrücke, die erst 1812 beim Bau der Heerstraße beseitigt wurde. Quelle: Bremer Straßenlexikon, Monika Porsch,

Zur Munte hieß früher munteres Kamp.

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KURZ NOTIERT

Ausflugstipp für triste Wintertage: Europas beste Naturfotografen stellen aus – Zwischen Schönheit, Einzigartigkeit und Fragilität

I

n den Wintermonaten bietet sich vielleicht hierzulande nicht unbedingt ein Ausflug in die Natur an, aber einer nach Verden (Aller). Denn dort hält das Pferdemuseum ein besonderes Ausstellungshighlight für Besucher bereit. Zum zehnten Mal in Folge präsentiert das Museum als bundesweit erster Ausstellungsort die besten Fotografien des renommierten Wettbewerbs „Europäischer Naturfotograf des Jahres 2023“, der alljährlich von der Gesellschaft für Naturfotografie (GDT) ausgelobt wird. Aus rund 18.000 Fotografien, aufgenommen von Profi- und Amateurfotografen aus 42 Ländern, ermittelte die international besetzte Fachjury 107 Siegerbilder in neun Kategorien und zwei Sonderkategorien. Gesamtsieger und damit Europäischer Naturfotograf des Jahres 2023 ist der spanische Fotograf Javier Aznar González

de Rueda. Er beobachtete im größten Nationalpark Ecuadors, dem Yasuní Nationalpark, über zwei Wochen lang das Brutpflegeverhalten einer Wanze. JuryMitglied Mark Littlejohn gibt Einblick in den Entscheidungsprozess für dieses Bild: „Können wir uns vorstellen, dass Insekten Mutterliebe zeigen können, dass sie dazu überhaupt in der Lage sind? Und genau darum geht es bei diesem schönen Bild von Javier: Um die Liebe – in all ihren Formen und Ausprägungen.“ Nach der Preisverleihung auf dem Naturfotofestival in Lünen sind die prämierten Fotografien ab dem 7. Dezember im Deutschen Pferdemuseum erstmals für die Öffentlichkeit zu sehen. Die Fotoausstellung ist bis 3. März dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Begleitend zur Ausstellung ist im Tecklenborg-Verlag ein Bildband erschienen.

Das Siegerfoto: Man muss zwei Mal hinschauen, um zu erkennen, dass auch Insekten Mutterliebe entwickeln. Mehr Infos zur Ausstellung und zum Begleitprogramm unter dpm-verden.de

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UNTERWEGS

Kirche als Familientreff

Friedensgemeinde als Mitte des Viertels und Ort der Begegnung Text: Bettina Gößler / Foto: Schlie

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ie Humboldtstraße, benannt nach dem Naturforscher Alexander Freiherr von Humboldt (1769 bis 1859) wurde 1860 angelegt. Die bekannteste Anlaufstelle an dem Verkehrsweg dürfte die Gemeinde sein. Die urspüngliche Friedenskirche ist älter als das „Viertel“. Als Bremen noch extrem viel kleiner war, wurde sie 1869/70 auf freiem Feld erbaut. Das geschah während des deutsch-französichen Krieges, daher ihr Name. Im Zuge der Industrialisierung zogen viele junge Menschen vom Land in die wachsende Großstadt, um Arbeit zu finden. Sie hatten die alten Bindungen der bäuerlichen Großfamilie verlassen. Nun bestand die Gefahr, dass sie im proletarischen Vorstadtmilieu „verloren gehen“ könnten. Um der Vereinsamung und Verelen-

dung im „Viertel“ entgegen zu wirken, baute die „Innere Mission“ die neue Friedenskirche: von Anfang an gedacht als Mitte des Stadtteils und Ort der Begegnung. Auch heute fühlen sich die Vertreter der Gemeinde diesem Auftrag verbunden. Auf zeitgemäße Weise. Gerade an den Wochenenden im Winter ist auf den Spielplätzen wenig los, Parks und Treffs draußen sind bei schlechtem Wetter entweder geschlossen oder nur wenig besucht. Viele Eltern sind in der gleichen Situation: Sie wünschen sich einen Raum für sich und ihre Kinder, einen Raum zum Klönen, Spielen, Bewegen und für Gespräche und vor allem einen Raum, der auch bei kaltem und schlechtem Wetter für sie offen ist. Deshalb wird ein Familientreff angeboten und zwar bis 10. Dezember 2023 und vom 14. Januar bis 10. März 2024. Die Friedensgemeinde, das Haus der Familie-Mitte und der Kinderschutzbund-Landesverband Bremen

Die Friedensgemeinde an der Humboldstraße hat mehr zu bieten als Gottesdienste.

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laden Familien mit kleinen Kindern am Sonntagnachmittag zum Spielen, Toben und Basteln ins Gemeindehaus der Friedensgemeinde ein. Immer am Sonntag sind ab 15 Uhr die Türen geöffnet und sowohl das CaféPax als auch die Spiel- und Toberäume stehen für die Familien bereit. Wie auf dem Spielplatz sind dabei die Eltern selbst für ihre Kinder verantwortlich. Das Café wird ehrenamtlich organisiert und braucht die Mithilfe von allen, beispielsweise beim Abräumen der Tische. Und wer kann, beteiligt sich mit einer Spende von 1 Euro (ins Sparschwein auf der Theke) an den Kosten des Familientreffs. Gegen 17.30 Uhr gehören der Abschlusskreis und das Singen zum Ritual und natürlich das gemeinsame Aufräumen. Dabei werden die Eltern gebraucht – denn jede Hand, die mithilft, ist kostbar. Es gehört ferner zum christlichen Leben einer Kirchengemeinde, mit Menschen den Dialog zu suchen. Der Besuchsdienst der Friedensgemeine geht besonders auf ältere Gemeindeglieder zu – an Geburtstagen oder wenn sie krank sind. Sie bekommen Besuch und erleben Wertschätzung. Auch soll die Mitwirkung und Teilhabe älterer Menschen gefördert werden, die Stärkung von Selbstständigkeit und die Vermeidung von Isolation ein positiver Effekt sein. Die Besuche werden von Ehrenamtlichen gestaltet. Der Besuchsdienst trifft sich vierteljährlich im Gemeindehaus und geht die Geburtstagslisten durch, spricht ab, wer welche Besuche übernehmen möchte und kommt ins Gespräch auch über zurückliegende Begegnungen. Wenn Sie Interesse haben, bei diesen Begegnungen mitzuwirken, melden Sie sich gerne bei Jasper von Legat, Telefon 5208 7016 oder jasper.vonlegat@kirchebremen.de oder im Gemeindebüro, Telefon 7 42 42, info@friedenskirche-bremen.de Weitere Informationen unter friedenskirche-bremen.de


UNTERWEGS

Anschnallen und Abfahrt: Max Kleine-Boymann und Merle von Amende sind bereits durch acht südamerikanische Länder gereist.

Von Patagonien nach Alaska Text: Kea Neeland / Foto: Max Kleine-Boymann

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aue Landschaften, extreme Temperaturen und unendliche Weiten: Das ist Patagonien an der südlichen Spitze Südamerikas. Für das Ehepaar Max Kleine-Boymann und Merle von Amende einer der schönsten Orte auf ihrer Reise. Die beiden Bremer sind mit ihrem VW Crafter ,Käpt‘n Knut’ in Südamerika unterwegs. Ihr Ziel: Bis nach Alaska hochfahren. Also ging es im September 2022 nach Montevideo, die Hauptstadt Uruguays. „Unser Auto wurde verschifft. Als wir es abholen wollten, haben wir festgestellt, dass es wahrscheinlich in Rotterdam ausgeraubt wurde. Elektronik und Wintermäntel waren weg“, berichten die beiden. Aber das blieb nicht die einzige Herausforderung: Viele Reparaturen am Auto werfen die beiden Abenteurer weiter zeitlich zurück. „Ursprünglich haben wir geplant, zwei Jahre unterwegs zu sein. Vielleicht werden es jetzt aber zweieinhalb“, sagt von Amende. „Es sind aber auch nicht immer die großen Sehenswürdigkeiten, sondern auch die kleinen Momente, wie wenn beispielsweise ein Kondor mit seinen 300 Zentimeter Flügelspannweite vorbeifliegt oder die Menschen, die wir auf unserer Reise kennenlernen durften“, findet Kleine-Boymann. Die Motivation ihrer Reise war auch, sich selbst zu finden und Inspiration für andere zu sein. Die beiden betonen: „Wir wollen anderen Leuten zeigen, dass man keine Angst vor der Umsetzung haben muss und dass solche Reisen nicht nur für reiche Menschen möglich sind.“ Die Reise der beiden kann online (anschnallenabfahrt.de) oder auf Instagram, Facebook und Youtube verfolgt werden. Alle Kanäle sind unter dem Namen Anschnallen Abfahrt zu finden.

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R E M E R B E I M O N O GASTR Text: Betti Bettina na Gößler / Fotos: pv

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o beschaulich wie die Weihnachtszeit immer beschrieben wird, ist sie für viele Menschen nicht. Zwischen Job, Geschenkekauf und dem Anspruch, die eigenen vier Wände festlich zu dekorieren, kommt man oftmals nicht so richtig zur Ruhe. Aber es geht auch anders: Einfach mal den „Advents-Alltag“ hinter sich lassen und andernorts einkehren als zuhause. Möglichst in vermeintlich fremdem Gefilde, wo man richtig abschalten kann. Dem Schmuddelwetter, was ja in hiesigen Gefilden oft herrscht, kann man beispielsweise im Aioli (Schnoor 3-4) entfliehen. Dort sieht man zwar nicht das Meer, aber es gibt Tapas und mehr. „Kommen Sie mit auf eine Reise in den Süden, ganz ohne Kof-

Eine Auszeit vom Festtagstrubel fer“, sagt der Inhaber, der von allen nur „Suthi“ genannt wird und stets den Charme der Südländer versprüht. Auf andere Weise originell ist ein Besuch auf dem Pannekoekschip Admiral Nelson an der Schlachte. Der originalgetreue Nachbau einer Fregatte, wie sie auch der berühmte englische Admiral Nelson 1805 zur Schlacht von Trafalgar befehligte, dient der Stadt Bremen seit dem Jahre 2001 nicht nur als touristisches Highlight, sondern ist in erster Linie ein Restaurantschiff mit “piratischer“ Atmosphäre. Das Konzept ist außergewöhnlich. Es gibt natürlich süße und herzhafte Pfannkuchen (laut Karte „für die Entdeckungsreisenden“) , eine Kinderkarte für die Leichtmatrosen. Und verschiedene Konzepte für Gruppen, wie das Piratenund das Admiralsbankett. Beide präsentiert von „original“ Seeräubern. Etwas bodenständiger geht es im Teestübchen im Schnoor zu. Eine beLeckere Speisen und Getränke sowie charmante Bewirtung. Dafür steht das Teestübchen im Schnoor.

Das Panekoekeschip ist nicht nur ein Restaurant es diente auch schon als Filmkulisse.

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liebte Anlaufstelle für Touristen, aber bei weitem kein Grund für Einheimische, darum einen Bogen zu machen. Es ist urgemütlich in dem kleinen Lokal und das charmante Personal umsorgt Gäste sehr familiär. In dem denkmalgeschützten Haus mit vier Etagen befinden sich viele gemütliche Ecken für eine kleine Auszeit. In diesem geschichtsträchtigem Lokal steht seit über 20 Jahren der Tee im Mittelpunkt. Aber auch Kaffee, bremische Speisen mit einem wöchentlich wechselnden Mittagstisch, ausgiebiges Frühstück, hausgemachte Kuchen und eine „Afternoon Tea Time“ mit frisch gebackenen Scones fehlen auf der Karte nicht.


GASTRO

AHOI!!!

Genießen Sie die leckersten Pfannkuchen an Bord des Admiral Nelson, das ‘coolste’ Schiff in Bremen!

Ob Frühstück, Mittagessen oder klassische Afternoon Tea Time – das Teestübchen im Schnoor ist zu jeder Tageszeit die richtige Wahl. Mitten im schönsten Altstadt-Quartier, im verwinkeltem Schnoor lädt der wunderschöne Hofgarten zum Verweilen ein.

Wir freuen uns auf Sie!

Öffnungszeiten: Dienstag Ruhetag Mi.-Mo. 10-18 Uhr Reservierungen unter office@teestuebchen-schnoor.de oder 0421/323867

Schlachte Anleger 1 0421 364 99 84 www.admiral-nelson.de

TEESTÜBCHEN im SCHNOOR Wüstestätte 1, 28195 Bremen

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WIR BIETEN in vier historischen Wechselnder Räumen Platz für Ihre MITTAGSWeihnachtsfeier mit TISCH bis zu 150 Gästen.

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COCKTAILS, WEINE und SPIRITUOSEN

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GASTRO

Erste Adresse für mediterrane und internationale Küche:

Das „Salvia“ in Borgfeld Text / Fotos: Gabi Piontkowski

Drei Monate war das renommierte Restaurant „Salvia“ in Borgfeld nach einem Einbruch geschlossen, nun erstrahlt es in neuem Glanz: mit neuer Einrichtung, neuer Karte und teilweise auch neuem Personal. Inhaber Peyman Sadeghian erinnert sich nur ungern an den Schock im Sommer dieses Jahres: „Die Einbrecher hatten nicht nur die Tageseinnahmen gestohlen, sondern auch einen Teil der Einrichtung zerstört“, sagt der 53-Jährige, der seit April 2018 das mediterrane Restaurant in Borgfeld führt. Es dauerte eine Zeit, bis alles renoviert und die Abrechnung mit der Versicherung durch war. Doch nun soll es wieder losgehen. Der gebürtige Perser, der seit 30 Jahren in der Gastronomie tätig ist, blickt voller Optimismus in die Zukunft. Neben einer festen Basic-Karte, auf der sich traditionelle südländische Leckereien wie Kalbsleber in Salbeibutter oder ganze Dorade

vom Grill wiederfinden, bietet das „Salvia“ auch wechselnde Tagesempfehlungen. In der Weihnachtszeit stehen zudem Entenbrust und Gänsekeulen auf der Speisekarte. Für Peyman Sadeghian sind dabei Qualität und Frische seiner Gerichte besonders wichtig. „Ich habe viele Stammgäste aus Borgfeld und Umgebung, die Wert auch hochwertiges Essen legen“, sagt Sadeghian, der seit zwei Jahren selbst zum Borgfelder geworden ist. Ganz im Sinne seiner Gäste will er künftig auch das Angebot an vegetarischen und veganen Gerichten ausweiten. „Wir stellen uns da ganz auf die Nachfrage ein“. Selbstverständlich werde es das Angebot an Fleisch- und Fischgerichten, für die das „Salvia“ bekannt sei, weiter in gewohntem Umfang geben. Auch einen Mittagstisch würde der Borgfelder gerne seinen Gästen anbieten, wenn er denn das dafür erforderliche Personal bekommen würde. Sadeghian: „Die Gastronomie insgesamt leidet an

Inhaber Peyman Sadeghian

einem Fachkräftemangel“. Nach dem Einbruch sei es doppelt schwierig gewesen, den Personalstamm wieder aufzubauen, da sich ein Teil der Belegschaft aufgrund der Schließung anders orientiert habe. Doch auch hier richtet der Gastronom den Blick nach vorne, bietet erfahrenen Servicekräften gute Konditionen, wenn sie im „Salvia“ arbeiten möchten. Auch mit Feiern und Veranstaltungen soll es jetzt wieder in großem Umfang losgehen. Neben den 45 Plätzen im Restaurant hat das „Salvia“ auch einen 30 Plätze umfassenden Clubraum, der für Weihnachtsfeiern, Hochzeiten und Geburtstage genutzt werden kann. „Noch sind in diesem Jahr einige Termine frei“, sagt Sadeghian.

Maishähnchen alla cacciatora Zutaten 4 Personen: 1 Maishähnchen: 1kg Kräuterseitlinge oder jede andere Pilzsorte 500g Schalotten 400g Cherrytomaten 200g Oliven ohne Stein 50g Kapern in Essig 3 Stangen Rosmarin 3 Stangen Thymian 1l trockener Weißwein Salz und Pfeffer Als Beilage eignet sich cremige Polenta: 500ml Brühe 250ml Sahne 200g Butter

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Zubereitung:

Das Hähnchen mit klarem, kaltem Wasser waschen und in kleine Teile schneiden. Wichtig: Nicht vom Knochen lösen. Die Hähnchenteile scharf anbraten und dabei leicht salzen. Die Teile aus der Pfanne nehmen und in eine Auflaufform legen. In derselben Pfanne, ohne auszuwaschen, die Schalotten, die zuvor grob zerteilt werden, anbraten. Die Schalotten zu den Hähnchenteilen in die Auflaufform geben. Danach die Pilze mit Tomaten, Oliven und Kapern scharf anbraten und mit dem Weißwein ablöschen. Alles in die Auflaufform geben, Rosmarin und Thymian im Ganzen dazugeben und mit dem übrigen Wein übergießen. Im vorgeheizten Ofen bei 180 Grad etwa 3045 min schmoren lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Für die cremige Polenta Brühe in einem Topf erhitzen, Butter und Sahne hinzugeben. Bei niedriger Temperatur unter ständigem Rühren die Polenta einkochen.


An mehr als 30 Standorten in ganz Bremen.


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