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Vorprodukt1 vom 06.06.2026

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Quartier

Die Vision von der neuen Innenstadt

Schwachhausen • Oberneuland • Borgfeld • Horn
Carl Zillich

OSLEBSHAUSER DORFFEST 2026

EIN STADTTEIL – VIELE STÄRKEN

Oslebshausen – Am Sonntag, 7. Juni, 11 bis 17 Uhr, findet rund um das Sander Center das Oslebshauser Dorffest statt. Unter dem Motto „Ein Stadtteil, viele Stärken“ zeigen Vereine, Einrichtungen, Initiativen, Kulturschaffende und engagierte Menschen,

was Oslebshausen und Gröpelingen besonders macht. Offiziell eröffnet wird das Fest um 11 Uhr von Özlem Ünsal, Senatorin für Bau, Mobilität und Stadtentwicklung. Durch das Programm führt Tom Bola. Mit dabei sind unter anderem der Sportverein Grambke Oslebshausen, die Kratzbürsten, Tanzania Zumba und Dance4Kids, Hood Training, Young Diamondz, Tusuy Bolivia, Tiahui Mexiko sowie Suzan Zahide. Emre Altinöz, Stadtteilmanager von Gröpelingen Marketing e. V. meint: „Besonders spannend ist in diesem Jahr, dass wir mit dem Sander Center einen neuen Standort bespielen.“ Parallel zum Fest findet der verkaufsoffene Sonntag statt. Das Sander Center sowie die Waterfront Bremen öffnen von 13 bis 18 Uhr. Der

Stadtteilmana span bespie so

Stadtteil rückt seine Handelsstandorte und seine Rolle als lebendiger Ort im Bremer Westen gemeinsam in den Mittelpunkt. Auf dem TÜV Gelände wird die digitale Spielewelt mit „Games go wild: Angry Birds“ wieder analog. Geplant sind zudem unter anderem ein Kinderkarussell, Gesichtsbemalung mit der Evangelischen Gemeinde Oslebshausen, Glücksrad und Bastelangebo te, Sparschweine bemalen, Angebote der LIGA, Eis sowie kreative Aktionen des Bürgerhauses Oslebshausen.

red

UND ES WAR SOMMER

Robert Lürssen

Liebe Leserinnen und Leser,

Prognosen sind schwierig, insbesondere, wenn sie die Zukunft betreffen. Deshalb hüte ich mich an dieser Stelle davor, eine Vorhersage bezüglich des Sommers zu treffen. Weder habe ich einen Wetterfrosch, noch besitze ich meteorologische Kenntnisse oder hellseherische Fähigkeiten. Da bleiben nur das gute alte Bauchgefühl oder die Bauernregeln. Letztere sagen für den Juni unter anderem das: „Im Juni viel Donner bringt einen trüben Sommer.“ Hm. „Stellt milde sich der Juni ein, wird mild auch der Dezember sein.“ Eventuell wichtig für den Brennstoffvorrat. „Wie‘s Wetter auf Medardi (8. Juni) fällt, es bis Monatsende hält.“ Aha! Laut wetter.com soll diese Regel übrigens eine Trefferquote von 60 bis 70 Prozent haben. Dann ist da ja noch die historisch betrachtet recht zuverlässige: „Wie das Wetter sich am Siebenschläfer (27. Juni) verhält, ist es sieben Wochen lang bestellt.“

Ganz sicher kann ich Ihnen hingegen vorhersagen, was Sie unter anderem auf den folgenden Seiten für Beiträge entdecken können. Gabi Piontkowski war wieder für uns in Borgfeld unterwegs und berichtet unter anderem vom Weinfest. Laura Stache hat in Schwachhausen die Künstlerin Merlarium getroffen, die ganz besondere Stofftiere herstellt und sogar mit ihnen auf der Bühne steht. Für unsere Titelgeschichte hat Insa Lohmann Projektbüro-Leiter Carl Zillich zu den Aussichten für die Bremer Innenstadt befragt. Womit sich der Kreis schließt und wir wieder bei Thema Prognose wären...

Viel Spaß beim Lesen! Ihr Robert Lürssen

QUARTIER 6. JUNI 2026

VERLAG:

Weser Wochenblatt

Verlagsgesellschaft mbH

Am Brill 19, 28195 Bremen, Tel. 0421 / 690 55-01

TITELFOTO: Klaus-Werner Schlie

REDAKTION:

Gabi Piontkowski, Bettina Meister, Laura Stache, Florian Schleicher

CHEFREDAKTION: Robert Lürssen, robert.luerssen@weserreport.de

ANZEIGENBERATUNG: Marina Lehmann, Tel. 690 55-104 Wolfgang Pabst, Tel. 690 55-105

ANZEIGENLEITUNG: Johannes Knees, Tel. 690 55-108

LAYOUT: Michelle Borchardt, Manuela Garbade

VERTRIEBSLEITUNG: Sascha Carstens

ZEITUNGS-ZUSTELLUNG: Tel. 0421 / 690 55-350

E-MAIL: vertrieb@weserreport.de

DRUCK: Druckerei Bonifatius GmbH

Zurzeit gilt die Anzeigenpreisliste Nr. 53 vom 1. Januar 2026

MERLARIUM

Freischaffende Künstlerin steht auch als Darstellerin auf der Bühne

LEBEN & ARBEITEN

6 VIER AUS DEM QUARTIER

...machen sich Gedanken über die Benzinpreise

8 TITELSTORY

Was sich Carl Zillich für die Bremer City wünscht

12 MERLARIUM

Künstlerin gibt Stofftieren eine Seele

20 KURZ NOTIERT

Meldungen

34 KINDERBEWEGUNGSZENTRUM ...von Bremen 1860 feiert 30-jähriges Bestehen

UNTERWEGS

18 WEINFEST

... lockte wieder viele Besucher nach Borgfeld

22 RHODODENDRONPARK ...verfügt jetzt über ein japanisches Beet

24 VERANSTALTUNGEN

22

RHODODENDRONPARK

Japanisches Beet feierlich eingeweiht

20 WEINFEST war ein voller Erfolg

28 SENDESAAL freut sich über wachsende Besucherzahlen

Was läuft an Konzerten und Shows?

27 RETTUNGSPUNKTE ...sollen Wanderern und Radlern Sicherheit bieten

30 WISSEN SIE WO SIE WOHNEN

Woher der Wellhausenweg seinen Namen hat

FREIZEIT

16 BORGFELD-FILM 2.0 Fortsetzung nimmt Vereine in den Mittelpunkt

28 SENDESAAL

Konzertprogramm wird weiter ausgebaut

33 BUCHTIPP

Aufgewachsen im Klinikum des Dr. Karl-Dieter Heines

SERVICE

7 VACANCES

Foto: Timo Knorr

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VIER AUS DEM QUARTIER

Carolin Balzer

Carolin Balzer aus Borgfeld ist persönlich von den gestiegenen Spritpreisen kaum betroffen, da sie kein eigenes Auto besitzt. „In Borgfeld habe ich das Glück, auf einen sehr gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr zurückgreifen zu können“, sagt die Referentin. Auch Carsharing-Angebote seien eine praktische Alternative. So ließen sich eigentlich alle Wege und Aktivitäten ihrer Familie problemlos organisieren. „Die aktuelle Situation macht aber deutlich, wie abhängig wir noch immer von fossilen Rohstoffen sind und wie verletzlich uns das macht“, fügt die 53-Jährige hinzu. Aus ihrer Sicht sei die momentane Situation ein Ansporn, den Ausbau nachhaltiger Mobilitätsangebote weiter voranzutreiben. Es sei wichtig, dass klimafreundliche Alternativen für alle zugänglich und attraktiv würden.

Bastian Korn

Bastian Korn

aus Gröpelingen bezahlt im Schnitt 40 Euro mehr als vor einem Jahr für eine Tankfüllung. „Das macht sich schon im Geldbeutel bemerkbar“, sagt der Bankkaufmann. Auch wenn er in den letzten Monaten versucht hat, bei gutem Wetter vermehrt auf sein Fahrrad umzusteigen, möchte er auf sein Auto dennoch nicht verzichten. „Ich brauche es für Beruf und Ehrenamt.“ Den Tankrabatt findet der 25-Jährige gut: „Das ist spürbar“. Letztlich dürfe der Tankrabatt aber auch nicht dazu führen, dass das Marktgeschehen zu sehr beeinflusst werde. Entscheidend sei, dass der Tankrabatt von den Mineralölkonzernen eins zu eins an die Verbraucher weitergegeben werde. Es müssten Kontrollen eingebaut werden, die das sicherstellten. Von der weltpolitischen Lage solle abhängig gemacht werden, ob der Tankrabatt verlängert werde.

Enno Schumacher

Die gestiegenen Kosten für Diesel stellen den Landwirt Enno Schumacher aus Borgfeld vor große Herausforderungen. „Wir verbrauchen 22. – 25.000 Liter im Jahr“, sagt der 29-Jährige. 170 Hektar Fläche, Grünland und Acker, müssten bewirtschaftet werden. Außerdem müssten 200 Rindviecher und 35 Pensionspferde versorgt werden. „Dafür sind wir auf Maschinen angewiesen“, sagt Schumacher. Im Januar habe er noch überlegt, eine Kontraktmenge Diesel zu einem Fixpreis abzusichern, es aber in der Hoffnung auf sinkende Preise nicht getan. Ein Fehler, wie sich im Nachhinein herausstelle. Auf einem Großteil der Kosten bleibe sein Betrieb nun sitzen. Hinzu kämen noch gestiegene Preise der Zulieferer, die die höheren Transportkosten umlegen würden. „Wir versuchen schon Arbeitsgänge zu optimieren und einzusparen, aber auf die Verkaufspreise für unsere Produkte haben wir Landwirte leider nur sehr begrenzten Einfluss“, so der Borgfelder.

Henry Ponty aus Findorff ist im Alltag auf sein Auto angewiesen. Der Leiter der Kommission Wirtschaft bei der Jungen Union Bremen nutzt es insbesondere für seine vielfältige ehrenamtliche Arbeit, aber auch für seine Berufstätigkeit. Das temporäre Aussetzen der Energiesteuer sieht der 28-Jährige positiv. „Ich habe seitdem schon gesehen, dass man an der Tankstelle für unter zwei Euro tanken kann“, sagt der Jungpolitiker. Das Auto ist aus seiner Sicht für den Wirtschaftsstandort Deutschland ein entscheidender Faktor. Die verschiedenen Verkehrsarten sollten, so Ponty, nicht gegeneinander ausgespielt werden. „Die Bremerinnen und Bremer sollten sich aussuchen können, wie sie mobil sein wollen“, meint Ponty. „Fahrrad, öffentlicher Personennahverkehr, aber eben auch Auto – der Verkehrsmix macht es“, ist der Findorffer überzeugt.

Henry Ponty

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Die Vision von der neuen Innenstadt

Die Bremer Innenstadt wird sich in den kommenden Jahren stark verändern.

Was

sich

Carl Zillich, Leiter des Projektbüros Innenstadt,

Text: Insa Lohmann / Fotos: KW Schlie

Carl Zillich steht vor dem Forum am Domshof. „Up in die Mitte“ heißt es am Eingang des zentralen Uni-Standorts. 2024 zog mit dem Fachbereich Rechtswissenschaften und weiteren Instituten ein Teil der Universität in das ehemalige Gebäude der NordLB. Schon die Architektur des 2016 erbauten Neubaus beeindruckt: Die mehrfach ausgezeichnete Klinkerfassade ist eine Hommage an die norddeutsche Bauweise, die hier auf das historische und denkmalgeschützte Umfeld am Domshof trifft. Was einst als Bankgebäude genutzt wurde, ist jetzt ein Ort für Wissen und Begegnung, denn der moderne Campus soll den Dialog mit der Stadt fördern.

Es gibt öffentliche Diskussionen, interaktive Ausstellungen und innovative Lehrformate. Für Zillich symbolisiert das Forum etwas ganz Entscheidendes: den Wandel der Bremer Innenstadt.

Seit vier Jahren leitet der Architekt und Wahl-Bremer das Projektbüro Innenstadt, angesiedelt in der Carl-Ronning-Straße. Von hier aus koordiniert und steuert Carl Zillich die Transformation der Bremer City. Er selbst bezeichnet sich als Schnittstellenakteur und Fachmann, der zwischen den Ressorts und Akteuren der Stadtgesellschaft agiert. „Das Projektbüro Innenstadt ist ein Sonderformat der Stadtentwicklung und bundesweit einmalig“, sagt er. Und dringend nötig, denn die Innenstadt Bremens steht vor großen Her-

für Bremen wünscht

ausforderungen, in den kommenden Jahren sind so viele Innenstadtprojekte geplant wie vermutlich nie zuvor. Auf eines der größten und meistdiskutiertesten von ihnen blickt Zillich quasi täglich, wenn er

Größte Herausforderung vor der Tür

aus seinem Bürofenster schaut: das Parkhaus Mitte sowie das ehemalige Horten-Kaufhaus, wo die Brestadt mittlerweile das Steuer übernommen hat. Beide Gebäude sollen in den kommenden Jahren durch Neubauten ersetzt werden, die Einzelhandel, Gastronomie, Kultur, Krea-

Freiräume zu entwickeln, bietet nach Ansicht von Carl Zillich die Chance für mehr Aufenthaltsqualität.

tivwirtschaft und Wohnen und einem Dach vereinen. Die Bremer Innenstadt ist mittendrin im Wandel, zwischen Wall und Weser soll in den nächsten zehn Jahren einiges passieren. Die ersten Bauprojekte sind bereits sichtbar, vielerorts nehmen die Umbauten bis 2030 nochmal richtig Fahrt auf. Das Ziel: eine zukunftsfähige Innenstadt mit Nutzungsmischung und Klimaresilienz.

Die Anforderungen an Innenstädte seien heute ganz andere als noch vor 20 Jahren, sagt Zillich. Früher wollten die Menschen vor allem in den Geschäften bummeln, heute soll ein Zentrum Angebote für verschiedenste Zielgruppen bieten: Grün, Cafés, Events, Sport. Jugendliche hätten andere Wünsche als Senioren, das sei die Herausforderung: „Wir müssen die Innenstadt für alle Altersgruppen denken. Heute braucht es eben nicht mehr nur Ein-

zelhandel.“ Zillichs Vision von einer zeitgemäßen Innenstadt: Wo bisher entweder nur Einkaufen, Büroarbeit oder Parken möglich war, soll ein lebendiger Mix aus Einzelhandel, Gastronomie, Kultur, Bildung, Freizeit und Wohnen entstehen. So soll das Konzerthaus Glocke nach der geplanten Sanierung neue Formate anbieten, auch das ehemalige Postamt

nennen darf. „Die Freiräume, die jetzt entwickelt werden, sind große Chancen für mehr Aufenthaltsqualität in der Stadt“, sagt Zillich. Und es gebe zahlreiche weitere Flächen, die darauf warteten, umgebaut zu werden: der Ansgari-Kirchhof oder auch der Jacobi-Kirchhof, um nur einige zu nennen.

All diese großen und kleinen Pro-

Bremen 2036: altehrwürdig und gleichzeitig aufregend in den Quartieren

bekommt eine Mischnutzung. Der öffentliche Raum soll künftig mehr sein als eine gepflasterte Fläche vor den Geschäften. Den Anfang des klimaangepassten Umbaus hat die bis dato stark versiegelte Dechanatstraße gemacht, die sich nun dank Grünflächen Bremens erste Klimastraße

jekte sind in den kommenden zehn Jahren geplant. Und dann? „Bremen wird 2036 eine Stadt sein, die altehrwürdig ist, aber gleichzeitig aufregend in den verschiedenen Quartieren.“ Der Architekt ist sich dieser Mammut-Aufgabe bewusst, sieht Bremen aber mit dem bestehenden

Aktionsplan, zahlreichen Mitstreitern, insbesondere Investoren wie Zech, Jacobs oder Bremermann gut aufgestellt. „Mit dem Aktionsplan geben wir Planungssicherheit, so dass sich alle Beteiligten aufeinander verlassen können und wir eine gemeinsame Zukunft bauen“, sagt Zillich. „Die Talsohle haben wir schon durchschritten, jetzt kommt der Aufstieg. In den 2030er Jahren wird Bremen sich neu erfunden haben.“

Doch natürlich gehen die vielen Veränderungen in der Innenstadt nicht spurlos an den Bremern vorbei, die Umbauten verursachen Lärm und Dreck, viele sind genervt von den Baustellen, die gerade das Stadtbild prägen. Das ist auch Carl Zillich bewusst: „Transformation hat immer mit Veränderung zu tun. Und die nächsten vier bis fünf Jahre werden hart mit den Großbaustellen“, sagt er. „Das ist eine anspruchsvolle

Aufgabe, bei der wir die Menschen mitnehmen müssen. Wir müssen Lust auf Veränderung machen, da reicht ein Architekturentwurf nicht aus.“ Es gehe vielmehr um die Frage, wie man Baustellen zur Attraktion machen kann. Baustellenführungen und kreative Marketingkampagnen sollen helfen, damit die Bremer neugierig, aber nicht frustriert werden. Was hat Carl Zillich gereizt, sich der großen Aufgabe einer Innenstadt-Transformation zu stellen? Da ist zum einen das innovative Konstrukt an sich: „Das Projektbüro Innenstadt ist ein Experiment, um agil mit der Komplexität von Stadtentwicklung umzugehen. Das finde ich toll“, sagt er. Und zum anderen die Stadt selbst: „Um Veränderungen voranzutreiben, muss man mutig sein. Und in Bremen gibt es die Ambitionen Dinge anders zu machen.“ Zillich hat in Kassel und New York Architektur und Stadtplanung stu-

diert. Zuletzt war er kuratorischer Leiter der Internationalen Bauausstellung in Heidelberg. 2022 baute der gebürtige Oldenburger das Projektbüro Innenstadt auf. Das Steintor-Viertel kennt er schon aus Teenagerzeiten, aus der Neugier von damals ist heute die Liebe zu Bremen entstanden. „Die Stadt ist für mich das ideale Maß an kleiner Großstadt“, sagt er. Seit vier Jahren ist die Neustadt sein Zuhause. Zillich mag seinen Job, trotz oder gerade wegen all der Herausforderungen. Vermitteln, Vorausdenken und Moderieren liegen ihm, er möchte Menschen an einen Tisch bringen. „Nach vier Jahren kann ich zufrieden zurückblicken“, sagt er. Und er hat noch viel vor: „Ich wünsche Bremen, dass in zehn Jahren Altes und Neues in der Innenstadt Hand in Hand gehen und das Sprichwort ‚Wagen und Winnen‘ aufgegangen ist“, sagt Carl Zillich.

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Gefühlen eine Haut geben

Merlarium webt naturalistischen Stofftieren und Figuren

Zwischen Scheren und Stoffen, Köpfen und Körpern sitzt Merle Smalla (Merlarium) im Halbdunkel. Die geringelten Beine überschlagen, stützt sich die Künstlerin auf den Schreibtisch ihres Ateliers und arbeitet an einer Figur für das „Figurakel“ im Sommer.

Sie formt einen insektenähnlichen Fühler aus weißen Pfeifenputzern, den Kopf schief gelegt. Ab und zu fährt sie sich durch die kurzen gebleichten Haare, mit Spitzen so blassblau wie ihre Augen. Ihr äußeres Erscheinungsbild fügt sich perfekt in die Atmosphäre ein. Das ganze Zimmer wirkt monochrom, als hätte jemand die Sättigung heruntergeregelt. Wäre Merle nur so groß wie eine Weinflasche und hätte sehr lange dünne Gliedmaßen, könnte sie einfach zwischen den Puppen an der Wand hängen. „Meine Kunst und meine Persönlichkeit gehen Hand in Hand“, sagt sie und lehnt sich ein wenig zurück. Auf ihrem Schoß ein Opossum.

Raum für künstlerisches Chaos, voll pelziger Tiere und dunkler Dämonen in den Zimmerecken. Auch eine Materialsammlung breitet sich darin aus, darunter Schätze von der Straße: Schaumstoffreste, kaputte Regenschirme, diverse Holz- und Metallteile. „Es beruhigt mich immer, ins Nest zurückzukehren, in meine Welt, in mein Atelier“, sagt Merle. Anfängliche Schwierigkeiten mit der Umstellung auf einen festen Wohnsitz verflogen schnell: Der Einzug tat ihrer Psyche und Arbeit gut.

Ihre Kunst beschreibt Merle selbst als düster, aber aufgebrochen mit Schönheit, Poesie und Humor. Auch als verspielt. Merle möchte mit ihrer

eine Seele ein

Kunst ein Erlebnis schaffen, eine Geschichte erzählen. Zwar findet sie, dass ein Teil von ihr in jeder Figur wiederkehrt, trotzdem hat jede einzelne ihre eigene Vergangenheit und ihren eigenen Charakter. „In meinen Figuren sind Schmerz und Schwere. Sie haben auch Dinge erlebt, die ich selbst nicht erlebt habe. Ich kann von ihnen lernen.“ Außerdem ist sich die Künstlerin sicher, dass eine Seele in ihnen steckt.

Die schwarzen Augen des selbstgenähten Opossums glänzen, so als könnte es jeden Moment lebendig werden und von Merles Schoß springen. Sie wiegt es liebevoll in ihrem Fortsetzung nächste Seite

Im Jahr 2021 schloss Merle ihr Studium in experimenteller Gestaltung in ihrem Geburtsort Hannover ab. Seitdem ist sie als freischaffende Künstlerin tätig. Ohne festen Wohnsitz kam sie zunächst abwechselnd bei Familie, Freundinnen und Freunden unter. Vor drei Jahren bezog sie dann eine DreiZimmer-Wohnung in Bremen, die ein Freund ihr vermittelte, und richtete darin ihr eigenes Atelier ein – ein

Merle Smallas Wohnung ist zugleich ihr Atelier. Sie lässt die düsteren Kreaturen aus ihrem Kopf die Erde betreten und lebt mit ihnen in einer Wohngemeinschaft. Foto: Timo Knorr

Beim Quartierfest des Theaterquartiers in Oldenburg wandeln die Zirkusfiguren am 13. Juni über eine Bühne, ähnlich einem Leierkastenwagen. Gefördert wird „Das Figurakel“ von Machwerk der Stadt Oldenburg. Foto: Ben Drücker

Arm wie ein Baby, streichelt sein Fell, das an einen verfilzten, aber weichen Teppich erinnert und setzt es dann zurück ins Regal. Die Liebe zu naturalistischen Stofftieren bewahrt sie seit ihrer Kindheit. „Ich möchte Kunst schaffen, die auch berührt werden darf“, sagt Merle. Insbesondere Erwachsenen möchte sie das Gefühl schenken, Dinge wie durch Kinderaugen zum ersten Mal zu sehen. Die Wesen sollen Blicke einfangen und festhalten und gleichzeitig Freude verursachen: „Wie, wenn man plötzlich ein Eichhörnchen sieht“, beschreibt die Künstlerin den gewünschten Effekt.

Sie zieht einen Behälter mit weißer Modelliermasse unter ihrem Schreibtisch hervor. Das zähe Material darin wiegt kaum etwas. Trotzdem scheint in allen daraus geformten Kreaturen eine Schwere zu wohnen, die sich beim Betrachten überträgt und sich langsam im ganzen Körper ausbreitet wie eine dunkle Vorahnung. Die Künstlerin beginnt, die Masse um das Gelenk eines Regenschirms zu kneten. Vor dem Studium kämpfte Merle

mit einem Außenseiter-Gefühl, geringem Selbstbewusstsein und Unsicherheit. Heute steht sie hinter sich selbst und fühlt sich wie die große Schwester ihrer früheren Version. Sie ist stolz auf die Entwicklung, die sie durchgemacht hat. „Du wirst deinen Platz finden. Du bist richtig, wie du bist“, würde sie der Merle von früher sagen.

Merle steht auch als Darstellerin auf der Bühne

Obwohl die Künstlerin inmitten ihrer kreativen Werke steht, haftet eine Angst an ihr: „Ich kann ja eigentlich gar nichts. Ich könnte woanders gar nicht reinpassen.“ Andererseits kann sie sich eine Festanstellung mit einem geregelten Tagesablauf sowieso kaum vorstellen – zu einschränkend für den Geist. So startete sie während des dritten Lockdowns in die Selbstständigkeit. Manchmal steht Merle

auch selbst als Darstellerin auf der Bühne oder auf Stelzen bei Art Tremondo, einem Walk Act-Theater aus Hannover. Bisher gab es genügend Projekte, unterstützende Fördergelder sowie Einnahmen durch den Verkauf ihrer Kunst, dennoch gibt es kein Entkommen vor dem finanziellen Druck: „Es ist permanentes arbeiten für meist wenig Geld. Ich fahre auch nicht in den Urlaub, um zu sparen.“ Merle arbeitet in ihrem Atelier am liebsten nachmittags oder nachts, während ein Hörspiel im Hintergrund läuft und der Zeitdruck auf ihrer Schulter hockt wie ein Papagei. Jedes Mal lässt sie ihn dort sitzen, auch wenn er mit jeder Minute schwerer wird – er ist häufig ihr Begleiter und daher schon vertraut. Außerdem kann sie mit ihm besser arbeiten. Nach etwa 17 Stunden ist von dem kaputten Regenschirm auf dem Schreibtisch nichts mehr zu erkennen. Eine androgyne Figur ist entstanden, mit zwei Fühlern auf dem Kopf, inspiriert von einer Motte. Sie ist in weißen Tüll gekleidet, mit Ballettschuhen, deren

Bänder sich um die langen filigranen Beine winden wie Pflanzenranken, und Fingern, die an kahle Äste im Winter erinnern. Neben dem Gesichtsausdruck sind die Hände der schwierigste Teil. „Fummelarbeit. Aber macht trotzdem Spaß“, sagt Merle.

Der schneeweiße Tänzer ist Teil ihres Projekts „Das Figurakel“ und läuft am 13. Juni beim Quartierfest in Oldenburg über eine ebenso selbstgebaute und mobile Bühne, ähnlich einem Leierkastenwagen. Die Zuschauenden können eine Karte ziehen und die darauf abgebildete Zirkusfigur wird auftreten. Bis es so weit ist, gesellt sich die fertige Puppe zum Süßigkeitenmann, dem Magier, der Dompteurin und dem Zirkusdirektor, die bereits an zwei Wäscheleinen von der Decke des Ateliers baumeln. Als Nächstes folgt die Pyromanin, eine Feuerakrobatin.

Der dunkle Dämon in der Ecke des Raumes? Der gehört nicht dazu. Ein

Nachtalb, ein Aufhocker, der mit seinen langen Gliedmaßen den Körper umschlingt und belastet, wie ein überdimensionierter Schulranzen ein Grundschulkind. Merle sieht eine Chance darin, auch psychischen Erkrankungen eine Gestalt zu verleihen und so zu deren Entstigmatisierung beizutragen. Es ist einfacher, über etwas zu sprechen, das eine konkrete

Form hat – eventuell sogar Frieden damit zu schließen. Der Alb in der Ecke verkörpert eine depressive Episode, er macht sie greifbar. Ein Gefühl mit einer Haut. Nur, dass Merle ihn heute im Arm trägt. Sie heißt ihn willkommen wie einen alten Freund.

Mehr Projekte der Künstlerin unter merlarium.de oder @_merlarium_ auf Instagram.

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Karte bestimmt, welche Figur auftreten wird. Foto: Ben Drücker

Borgfeld-Film 2.0

Fortsetzung des Erfolgsprojektes stellt Vereinsleben in den Mittelpunkt

Der Borgfeld-Film, der die Geschichte des Ortes vom Ende des 2. Weltkriegs bis zur Entstehung der Neubaugebiete in Borgfeld-Ost und -West durch Zeitzeugeninterviews nachzeichnet, ist auf so große Resonanz in Borgfeld gestoßen, dass der Bürgerverein nun eine Fortsetzung plant. „Wir haben den Film insgesamt fünfmal im Gemeindesaal und im Stiftungsdorf vorgeführt“, berichtet die Bürgervereinsvorsitzende Sandra Kwijas. Jedesmal sei der Saal voll gewesen. So voll, dass der Bürgerverein Besucher auf das nächste Mal vertrösten musste, da die Räumlichkeiten sonst „aus allen Nähten geplatzt“ wären. Um die

Tausend Borgfelderinnen und Borgfelder haben das Dokument der Zeitgeschichte inzwischen gesehen oder eine Kopie des Films für zu Hause erworben. „Offenbar haben wir mit dem Film einen Nerv getroffen“, meint Hans Huesmann, der zusammen mit Klaus-Peter Fiege und weiteren Mitgliedern des Bürgervereins das Projekt federführend betreut hat. Bei vielen Älteren seien Erinnerungen hochgekommen. Doch auch Jüngere hätten sich für den Film interessiert“, sagt der 92-Jährige, der auch im Borgfeld-Archiv, der im alten Spritzenhaus am Ortsamt untergebrachten Sammlung historischer Werke Borgfelds, mitarbeitet.

Nun soll es in eine zweite Runde gehen. Schwerpunkt diesmal: die Ge-

schichte der Borgfelder Vereine und Institutionen. „Das rege Vereinsleben macht den Charme Borgfelds aus“, sagt Sandra Kwijas. Das erste Interview haben Hans Huesmann und sein Team bereits „im Kasten“. Tischlermeister Manfred Wellhausen, der Vorsitzende des Geflügelzüchtervereins und ehemalige Vorsitzende des Reitclubs Wümme hat über die Entstehung und die Entwicklung dieser beiden Vereine in den Jahren 1947 und 1975 berichtet (siehe dazu auch den Artikel über den Wellhausenweg in dieser Ausgabe). „Dabei kam auch manches Unbekannte zutage“, sagte Huesmann, der durch seine jahrzehntelange Arbeit im Borgfeld-Archiv mit der Geschichte des Ortes bestens vertraut ist. Mehr dazu will er an die-

Text: / Fotos: Gabi Piontkowski

Hans Huesmann (r.)

interviewt Birgit Wellhausen und ihren Vater Manfred

ser Stelle aber noch nicht verraten. Weitere Vereine und Institutionen, deren Verantwortliche das FilmTeam des Bürgervereins interviewen will, sind die Sportvereine, die evangelische und katholische Kirchengemeinden, die Musikvereine, landwirtschaftliche Vereine, die Dorfgemeinschaft Timmersloh und natürlich der

Bürgerverein selbst. „Die Interviews werden sich noch über das gesamte Jahr 2026 hinziehen“, kündigte Huesmann an. 2027 sollen die einzelnen Sequenzen dann von Hobbyfilmer Klaus-Peter Fiege zusammengeschnitten werden, so dass voraussichtlich gegen Ende des kommenden Jahres eine Vorführung erfolgen könne.

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Familiäre Atmosphäre

Borgfelder Weinfest zieht Tausende Besucher an

Text: / Fotos: Gabi Piontkowski

DIm Borgfelder Ortskern war am Himmelfahrtswochenende kein Durchkommen mehr: Tausende Besucher aus Borgfeld und Umgebung strömten trotz durchwachsenen Wetters zum 5. Borgfelder Weinfest. Rund 50 Standbetreiber boten Wein, Cocktails, Bier und Kulinarisches an. Die Kinder hatten viel Spaß beim BungeeJumping, Entenangeln und Dosenwerfen. In diesem Jahr hatte das Fest erstmals der eigens zu diesem Zweck gegründete Förderverein Borgfelder Vereine mit Timon Hilken, Ernst Köhnken und Thomas Kaessler an der Spitze das Fest organisiert. Timon Hilken bedankte sich bei allen Ehrenamtlichen, dem Borgfelder Beirat und den Sponsoren, an der Spitze die Firma Adler Solar, für die Unterstützung.

Unter den 15 Weinständen waren Altbekannte wie das Weingut Decker aus Dorsheim an der Nahe, Terra Regis (Wein vom Königsboden in Rumänien) oder der Pfälzer Weintreff von Anne Tolisch, aber auch neue Anbieter wie das Weingut Höfling aus Eussenheim bei Würzburg. Die CDU wartete mit Staatsweinen auf. „Diesen Wein hat schon Queen Elisabeth II bei einem Staatsbankett getrunken“, pries die frischgewählte Kreisvorsitzende Theresa Gröninger etwa einen Riesling an.

„Nobel, elegant und von unglaublicher Strahlkraft“, beschrieb sie die Eigenschaften des edlen Tropfens. Zeugnis dafür legte das Werk „Mit Wein Staat machen“ von Knut Bergmann, das Gröninger eigens aus ihrem Fundus mitgebracht hatte. Wer es eher hartgesotten brauchte, konnte sich aber auch an einem Birnenschnaps erlaben natürlich verziert mit „Birne“, dem Konterfei des verstorbenen Altkanzlers Helmut Kohl. Die Biertrinker kamen an einem Bierstand vor dem „Confettis“ auf ihre Kosten. Boga’s Manufakture aus Grasberg bot an einer futuristisch wirkenden Cocktailbar aus frischen Früchten selbst hergestellte Liköre auf Wodkabasis an. Für den Glitzereffekt in den bunten Drinks sorgte Eisenoxid, wie Cornelia Schaffelt erklärte. „Mit Tonicwater schmeckt es besonders gut“, empfahl Schaffelt. Etwas weiter die Straße herunter konnten die Besucher ebenfalls eine große Auswahl an Cocktails beim „Blauwal“, einem mit einem übergroßen Wal kunstvoll verzierten Stand, genießen. Gleich daneben sorgte der Geschenkartikelladen „Glücksmomente“ für ebensolche mit Popcorn, deren Verkaufserlös einem guten Zweck gespendet werden sollte. Das Damenbekleidungsgeschäft „A’riva“ lockte mit satten Rabatten zum Kauf, das Reisebüro und der Kinderbekleidungsladen

„Lütje Lü“ hatten ebenfalls geöffnet. Erstmals dabei Illy von Welawitsch vom neu eröffneten Möbelgeschäft „Illy’s Livingroom“, die vor ihrem Geschäft in gediegener Atmosphäre Strandwein ausschenkte.

Ob die Zuckerwatte, die die SPD vor den Augen der Kinder produzierte, eine Anspielung auf die in der politischen Diskussion befindliche Zuckersteuer sein sollte, blieb letztlich offen. Den kleinen und großen Besuchern versüßte sie jedenfalls das Fest. Großer Andrang herrschte bis tief in die Nacht auch an den Essenständen. Fast durchweg lange Schlangen konnten an den Bratwurst-, Flammkuchenund Crepes-Ständen beobachtet werden. Andreas Päch und Lebensgefährtin Britta Momsen von der Wurstbude „Moorkitchen“ ging am Samstagabend sogar die Bauernbratwurst aus. „Wir mussten nachordern“, berichteten die Gastronomen. Bis auf wenige Ausnahmen zufriedene Gesichter auch bei den anderen Standbetreibern. „Das Borgfelder Fest ist eines von den Guten“, war immer wieder aus Schaustellerkreisen zu hören. Gelobt wurde die familiäre Atmosphäre, die das Fest trotz der inzwischen erlangten Größe erhal-

ten konnte. „Jeder fasst mal mit an, auch wenn’s nicht der eigene Stand ist oder bringt auch die Gläser des Mitbewerbers an den Stand zurück“, bemerkte eine Weinverkäuferin.

Das Musikprogramm, das auch in diesem Jahr wieder Frank Hareß zusammengestellt hatte, trug ein Übriges zum Gelingen des Festes bei. Mit von der Partie: Die Gruppen Crossfire, Double o’Soul, Los Juanitos Tres und der Neustädter Shantychor. Tanzeinlagen lieferten die Borgfelder Tanzschule Picasso und das Ballettstudio Mine Dans.

Erfreut zeigten sich die Veranstalter, dass das Fest überwiegend friedlich blieb. „Unser Sicherheitskonzept hat sich bewährt“, stellte Timon Hilken für das Orga-Team fest. Neben einer verstärkten Präsenz von SecurityKräften und der Polizei sei das auch dem Einsatz des Awareness-Teams zu verdanken, das erstmals mit einem eigenen Zelt und einigen durch Westen gekennzeichneten Mitarbeitern auf dem Weinfest vertreten war. „Wer Hilfe brauchte, fand hier eine Anlaufstelle“, sagte Rabia Güner, die neu im Orga-Team ist und für das AwarenessKonzept verantwortlich zeichnete.

150 Jahre SoldatenkameradschaftUni Nacht am 27. Juni

DieKameradschaft ehemaliger Soldaten Oberneuland, gegründet am 13. Juni 1876, feiert in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen. Damit ist sie nach eigenen Angaben der älteste noch aktive Verein Oberneulands. Gefeiert wird am 13. Juli im Vereinslokal Eichengrund mit Mitgliedern, Angehörigen und geladenen Gästen.

„Die Gründung, damals noch unter dem Namen Kriegerverein Oberneuland, entsprach dem Wunsch, das Erleben als Soldat im deutsch-französischen Krieg von 1870/71 und die damit verbundenen Ereignisse zu verarbeiten“, teilt Manfred Nagel mit. Dabei stand die Unterstützung von in Not geratener Kameraden und deren Angehörigen im Vordergrund des Handelns. Schon zu Beginn sei von jeglicher politischer Agitation Abstand genommen worden. Daran halte sich die Kameradschaft bis heute, so Nagel.

Waren anfangs nur Soldaten als Mitglieder vorgesehen, können heute alle Mitglied werden, die sich in den Gedanken und Statuten des Vereins wiederfinden. Wer Interesse hat kann gerne zu den Treffen kommen, die jeden ersten Donnerstag im Monat um 19.30 Uhr im Lokal Eichengrund, Vinnenweg 91, stattfinden. Weitere Informationen unter 0176 - 41 41 14 44.

DerBremer Unisee verwandelt sich am Samstag, 27. Juni, erneut in die wohl angesagteste Party-Location des Sommers. Die Uni Nacht lädt Studierende und Partybegeisterte zu einer Open-Air-Nacht unter freiem Himmel ein – mit Musik, Strandfeeling und ausgelassener Stimmung bis zum Sonnenaufgang.

Ab 20 Uhr sorgen mehrere Areas mit hochkarätigen DJs für ein vielseitiges musikalisches Erlebnis. Von House und Electro über Rock bis hin zu aktuellen Charts ist für jeden Geschmack etwas dabei. Auf der „Tortuga Stage“ stehen in diesem Jahr die BremenNext Residents Moritz Boe & Calle an den Decks, während DJ Luke Madness auf der Mainstage mit Charts und Partyclassics für Stimmung sorgt.

Ein besonderes Highlight ist die Bierpong Area, die in Kooperation mit Pongnation präsentiert wird. Zahlreiche Bars und Food-Trucks versorgen die Gäste mit erfrischenden Drinks und vielfältigem Street-Food.

Neu in diesem Jahr ist das Kombiticket inklusive Camping. So können Feiernde die Nacht in vollen Zügen genießen und anschließend nur wenige Meter entfernt auf dem Zeltplatz übernachten.

Tickets sind ab sofort unter nordwest-ticket.de erhältlich. Weitere Infos auf Instagram @UNI_NACHT

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Klimaschutzkonzept für die Gemeinde Lilienthal beschlossen

Der

Lilienthaler Gemeinderat hat mit großer Mehrheit das Integrierte Klimaschutzkonzept offiziell beschlossen. Damit gibt es erstmals einen klaren Fahrplan für den Klimaschutz in Lilienthal, der die Arbeit der Gemeinde in den kommenden Jahren leiten wird.

Die Erarbeitung des Konzepts erstreckte sich über rund eineinhalb Jahre und wurde federführend durch Klimaschutzmanagerin Neele Meyer begleitet. Von Beginn an war der Prozess breit angelegt und Politik, Verwaltung sowie Bürgerinnen und Bürger wurden aktiv eingebunden. In mehreren Workshops hat die Politik intensiv an der Erarbeitung von Maßnahmen mitgewirkt. Zudem konnten alle Interessierten ihre Ideen bei einem offenen Beteiligungsabend sowie über ein Online-Formular einbringen.

Etwa eineinhalb Jahre Arbeit steckten Politik und Verwaltung in die Erarbeitung des Klimaschutzkonzeptes. Foto: Gemeinde Lilienthal

Bürgermeister Kim Fürwentsches betont: „Mit dem Beschluss des Klimaschutzkonzepts setzen wir ein klares Signal: Lilienthal nimmt seine Verantwortung ernst und gestaltet

den Weg in eine klimafreundliche Zukunft aktiv mit. Besonders wichtig ist mir, dass Klimaschutz und Gemeindeentwicklung künftig eng zusammengedacht werden.“ W R

Freuten sich gemeinsam über den neuen Parkbereich mit 175 gepflanzten Gewächsen: (v. l.) Dr. André-Michael Schultz, Shinsuke Toda und Dr. Hartwig Schepker. Foto: Stiftung Bremer Rhododendronpark

Von Hokkaido an die Marcusallee

Japanische Honorarkonsul Shinsuke Todaweiht neues Japanbeet ein

Der Rhododendron-Park Bremen hat ein neues Beet mit japanischen Rhododendronund Azaleen-Arten eingeweiht. Unter den Gästen: der Japanische Honorarkonsul Shinsuke Toda aus Hamburg. Mit der neuen Anlage erweitert der Park seine bereits umfangreiche Sammlung an Rhododendron und Azaleen aus dem Land der aufgehenden Sonne. Von den 58 in Japan vorkommenden Rhododendron-Arten werden in Bremen derzeit 32 kultiviert. Hinzu kommen zahlreiche japanische Azaleen-Züchtungen sowie die bekannte Sammlung von Yakushimanum-Hybriden im sogenannten Yakushimanum-Tal.

Das etwa 750 Quadratmeter große neue „Japan-Beet“ linker Hand neben dem Haupteingang Marcusallee orientiert sich an der Geografie des dortigen Inselreiches. Die Pflanzen wurden entsprechend ihrer natürlichen Verbreitungsgebiete angeordnet: Im nördlichen Bereich wachsen Arten aus Hokkaido, in der Mitte Vertreter der zentralen Insel Honshu, während im Süden Pflanzen aus Kyushu, Shikoku und Yakushima zu finden sind. Auch die östlich von Honshu gelegenen Oki-Inseln werden botanisch berücksichtigt.

„Die Anlage ermöglicht es uns, die räumliche Verteilung von Rhododendron-Arten in Japan anschaulich zu

präsentieren und zugleich Bezüge zu Traditionen sowie der Garten- und Tempelkultur des Landes herzustellen“, erklärt der Leiter des Rhododendron-Parks Bremen, Hartwig Schepker. Viele der gezeigten Arten gelten als vergleichsweise klimaresilient und robust gegenüber Wetterextremen. „Sie stellen damit wichtige Zukunftspflanzen für heimische Gärten dar“, betont er weiter.

Seit Herbst 2025 wurde die Fläche unter alten Buchen und Eichen umfassend vorbereitet. Nach Rodungsarbeiten am Altbestand entstanden neue Drainage- und Bewässerungssysteme sowie spezielle Substratschichten. Insgesamt wur-

den 175 Gewächse gepflanzt, darunter 40 verschiedene Rhododendron- und Azaleen-Arten sowie zahlreiche weitere Gehölze japanischer Herkunft. „Ein großes Plus dieser ist neben ihren Blüten die großartige Herbstfärbung. Sie werden in den kommenden Jahren in die Höhe wachsen und dann jeweils ab Oktober mit gelb, rot und orange verfärbten Blättern über den immergrünen Rhododendron thronen“, gibt Schepker einen Ausblick. Ergänzt wurde die Pflanzung durch verschiedene Stauden und Gräser.

Eine besondere Rolle im Japan-Beet spielen mehrere Rhododendron-Pflanzen, die auf ein Geschenk der Japanischen Rhododendron-Gesellschaft an den Präsidenten der Deutschen Rhododendron-Gesellschaft, André-Michael Schultz, zurückgehen. Die Pflanzen mit klangvollen Namen wie ‚Yamada Nishiki‘, ‚Takagi Aka‘ und Fuju-kakuno-matsu‘ wurden seit 2017 im Rhododendron-Park Bremen aufgezogen, „Mit diesen und weiteren Arten ist eine Sammlung entstanden, die es in diesem Umfang weltweit kein zweites Mal gibt“, sagt Schepker, und: „Ohne die Begegnung von Rhododendron-Freunden aus Japan und Deutschland wäre das neu gestaltete und bepflanzte Beet nicht zustande gekommen. Es ist ein Symbol internationaler Freundschaft und zugleich ein wichtiger Beitrag zur botanischen Vielfalt hierzulande.“ Finanziert wurde das Projekt durch eine Spende von André-Michael Schultz. „Dafür gilt ihm großer Dank der Stiftung Bremer Rhododendronpark“, betont der Parkleiter. WR

Alle Pflanzen im neuen Beet sind beschildert und informieren neben botanischen und deutschen Namen auch über ihre Herkunftsregion innerhalb Japans.

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Marc Müller

Kreativität in Gold, Silber & Zeit

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Jetzt schon an die kalte Jahreszeit denken: Doro Pesch geht auch in diesem Jahr wieder auf Winter-Tour. „Die WinterWeihnachtsshows sind zum Abschluss des Jahres immer etwas ganz Besonderes für mich“, sagt die Metal Queen. „Die Atmosphäre bei den Gigs ist einzigartig und speziell. Und so wird auch unsere Setlist und unsere Bühne sein. Mit ganz viel Magic, Power und Gefühl!“. Es gibt Klassiker, Raritäten und Überraschungen – am 15. Dezember im Aladin. 15.12.

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14.11. 08.01.

Nachdem sich der Graf vor neun Jahren von der Mu-sikbühne und der Öffentlichkeit verabschiedet hatte, über-raschte er nun mit der Ankündigung einer „Wieder zurück“Tour und dem Ausblick auf neue Musik. Mit der Comeback-Single „Wunderschön“ und dem neuen Album „Liebe Glaube Monster“ ist Unheilig jetzt wieder unterwegs. In Bremen macht er dabei in der ÖVB-Arena am 14. November 2026 und am 8. Januar 2027 Halt.

Atze Schröder kommt mit neuem Programm auf Tour: In Love Machine nimmt der Comedian das auseinander, was wir heute Liebe nennen. Die Show ist eine Absage an den digitalen Beziehungsschwindel und eine warmherzige Liebeserklärung ans Analoge. An das langsame Verlieben, an peinliches Schweigen, an Zettelchen mit „Ich liebe Dich!“. Zu erleben am 15. und 16. Oktober im Metropol Theater. ab 15.10.

Die Seebühne Bremen startet in ihre sechste Saison. Vom 17. Juli bis 23.

August gibt es insgesamt fünfeinhalb Wochen voller Musik und Entertainment: Zum ersten Mal dabei sind Madsen, The Jacksons, The BossHoss, OMD und Nena. Darüber hinaus verstärken Beth Hart und Emilíana Torrini die weibliche Bühnenpräsenz und Star-Violinist David Garrett, Schiller, Alphaville, Gregory Porter und Highland Saga komplettieren den Reigen. ab 17.07.

Open Airs und ein Abschied

Verwurzelt im Delta-Blues und geprägt von einem Leben voller Songwriting hat sich Keb’ Mo’ zu einer der prägenden Stimmen des zeitgenössischen Blues entwickelt. Diese Solo-Performance stellt das Handwerk kompromisslos in den Mittelpunkt: Eine Gitarre, eine Stimme und eine unverkennbare Mischung aus Blues, Folk, Americana und Soul. Zu erleben am 19. Juni im Schlachthof. 19.06.

Nach zahlreichen ausverkauften Tourneen und Charterfolgen kommt Mark Forster wieder auf die großen Open Air Bühnen – und tritt am 9. Juli auf der Bremer Galopprennbahn auf. Mit dabei hat er die beiden aktuellen Singles „Zeitmaschine“ und „Rettest du mich“ und natürlich auch all die bekannten Hits: von „Übermorgen“ über „Chöre“ und „194 Länder“ bis „Au Revoir“. 09.07.

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Beirat Borgfeld beschließt Rettungspunkte

Wer in den Wümmewiesen unterwegs ist, sucht Erholung, frische Luft und Bewegung. Doch gerade in dem weitläufigen Gelände kann es im Notfall schwierig werden, den eigenen Standort zu beschreiben. Genau hier kommen Rettungspunkte ins Spiel.

Was sind Rettungspunkte?

Rettungspunkte sind fest definierte Orte, die mit gut sichtbaren Schildern markiert sind. Jedes dieser Schilder trägt eine individuelle Kennnummer. Im Ernstfall – etwa bei einem Unfall, einer plötzlichen Erkrankung oder wenn sich jemand verirrt hat –kann diese Nummer beim Notruf 112 angegeben werden. Die Einsatzleitstelle weiß dann sofort, wo sich der Anrufer befindet, und kann gezielt Hilfe schicken.

Beirat Borgfeld beschließt drei

Rettungspunkte

Auf Antrag der CDU-Fraktion hat der Beirat Borgfeld beschlossen, in

Borgfeld drei Rettungspunkte einzurichten: zwei in den „Wischen“ sowie einen weiteren am Kreuzdeich nahe der Wümme. Die genaue Abstimmung soll gemeinsam mit der Feuerwehr erfolgen. „Diese drei Standorte eignen sich gut, da dort ein hohes Aufkommen an Wander- und Radverkehr ist, der insbesondere in den Sommermonaten durch viele Radrennfahrer verstärkt wird“, sagte die Initiatorin der Initiative, die Borgfelder Kommunalpolitikerin Birgit Wellhausen. Derzeit würden in weiteren 17 Parks in Bremen Rettungspunkte installiert, das Thema Sicherheit im öffentlichen Raum gewinne also an Gewicht. „Auf diesen Zug möchten wir gerne aufspringen“, so Wellhausen.

tungspunkt. So kann die Leitstelle sofort den aktuellen Standort erkennen und den Rettungsdienst gezielt zum Unfallort schicken. Gerade in Gebieten ohne klare Adressen oder Straßennamen ist diese Form der Orientierung besonders wertvoll. „Für Rettungskräfte bedeutet das kürzere Anfahrtszeiten und weniger Suchaufwand – ein entscheidender Faktor, wenn jede Minute zählt“, ist Birgit Wellhausen überzeugt. „Zugleich geben sie Menschen ein Stück Sicherheit. Wer weiß, dass im Notfall ein klar definierter Treffpunkt in der Nähe ist, fühlt sich auch in weniger erschlossenen Gebieten wohler“, sagt die Politikerin.

Wie funktionieren Rettungspunkte?

Im Notfall rufen die Betroffenen die Notrufnummer „112“ an und geben die Kennung des nächst-gelegenen Rettungspunktes an. Die Codierung ist einfach, wie am Beispiel des Rettungspunktes HB-S106 deutlich wird. HB steht für Bremen, S für den Stadtbereich Süd, die erste Ziffer für die Parkanlage und die zweistellige Zahl für den konkreten Ret-

Birgit Wellhausen hat die Einrichtung der Rettungspunkte initiiert.

ESC-Teilnehmer im Sendesaal

Neue Konzertsaison hält Highlights bereit

Text: Florian Schleicher

Insgesamt 57 Konzertabende werden in der mittlerweile vierten Saison unter Intendant Marc Nie-

noch aktuellen Saison, und das hat Gründe: „Wir können, Stand heute, ein Besucherwachstum von knapp 60 Prozent zur Vorsaison verzeichnen“, teilt Niemann mit, dabei ste-

mann im Sendesaal angeboten. Fünf Abende mehr als in der

hen noch mehrere Konzerte an, bevor die finalen Zahlen feststehen. Eröffnet wird das Programm im September von Martin Stadtfeld, einem der

bekanntesten Pianisten Deutschlands und Professor an der Hochschule für Künste. Er wird die Goldberg-Variationen von Bach interpretieren.

Ein weiteres Highlight tritt zur Weihnachtszeit auf, Leléka wird ukrainische Weihnachtsmusik im jazzigen Stil

Bossanova Trio
Foto: Rob Stimer
Foto: Schlie

aufführen. Bekannt ist das Berliner Quartett um Sängerin Viktoria beispielsweise aus dem Eurovision-Song-Contest, wo man als Repräsentant der Ukraine Platz neun belegte.

Die Fokusse der neuen Spielzeit liegen zudem auf Vocal-Artists wie Thabilé und der Süd- und Mittelamerikanischen Region, unter anderem vertreten durch das Bossarenova Trio

„Oceano Atlântico“. Aber auch ein neues Format wird eingeführt: Als erster „Artist in focus“ wird Fabian Müller im Januar das Festival „Auf schwarzen und weißen Tasten“ eröffnen und somit das Beethoven-Jahr 2027 einläuten.

Mehr Infos zu den Veranstaltungen und Tickets online verfügbar unter: www.sendesaalbremen.de.

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Herrcules Gomes Foto: Herrcules Gomes
Martin Stadtfeld Foto: Uwe Ahrens/Sony Classical
Fabian Müller Foto: Christian Palm
Stehgreif Orchester Foto: Bernd Schoelzchen
Norma Winstone Foto: Michael Putland Lily Dahab Foto: Lily Dahab
Leleka Foto:K. Kozinska
Thabilé Foto: D. Meise

Viele Familien haben in den modernen Stadtvillen am Wellhausenweg ihr Zuhause gefunden

Wellhausenweg

Straße erinnert

/ Fotos: Gabi Piontkowski

Am östlichen Rand Borgfelds liegt der knapp 200 Meter lange Wellhausenweg. Eine ruhige Sackgasse mit altem Baumbestand und modernen Stadtvillen. Viele Familien haben hier ein neues Zuhause gefunden. Gleich gegenüber ist die Hans-Wendt-Stiftung mit ihrem großzügigen Außengelände, auf dem viele heimische Tiere ein Zuhause gefunden haben.

Der Weg ist benannt nach dem Borgfelder Tischlermeister Karl Wellhausen (10.2.1913 – 2.11.1992), der die gleichnamige Tischlerei am benachbarten Rethfeldsfleet 1947 gegründet hat. Noch heute wird sie von seinem Sohn, dem Tischlermeister Manfred Wellhausen und weiteren vier Mitarbeitern betrieben. Karl Wellhausen hatte bereits vor dem 2. Weltkrieg die Tischlerarbeit in Hannover gelernt, kam dann als Soldat nach Russland und schließlich in amerikanische Gefangenschaft. Einige Zeit galt er als vermisst. Als er

an engagierten Borgfelder Tischlermeister

1947 zurück nach Bremen kam, machte er seinen Meister. Auf Anraten seines Nachbarn, Bürgermeister Wilhelm Kaisen, ging er anschließend in die Selbständigkeit. „Du musst Bremen wieder aufbauen, du musst dich selbständig machen, hatte Kaisen damals zu meinem Vater gesagt“, erinnert sich heute sein Sohn Manfred, der eigentlich Karl Egon heißt.

Ein Missverständnis der Hebamme und seiner Großmutter, sagt der Betroffene. „Mein Vater wollte immer, dass ich Manfred heiße und hat mich auch so genannt, als er aus dem Krieg zurückkam“. Umso erstaunter sei seine Ehefrau gewesen, als sie auf dem Standesamt erfuhr, dass ihr geliebter Manfred eigentlich Karl Egon heißt. Aber das nur am Rande.

Manfred Wellhausen betreibt bis heute die Tischlerei, die sein Vater nach dem Zweiten Weltkrieg gründete.

Text:

1947 gründete Karl Wellhausen, der über große landwirtschaftliche Ländereien am Rethfeldsfleet verfügte, den Borgfelder Geflügelzüchterverein. Wie kam ein Tischlermeister auf Hühner? „Ganz einfach, es gab damals Zuschüsse für Hühnerund Kleintierzüchter“, sagt sein Sohn augenzwinkernd. Der Verein wuchs rasant. Schon bald organisierte Karl Wellhausen im Ratsspiekerpark in Borgfeld und in Bremens Stadthalle Rassegeflügelschauen, bei denen zum Teil 1.000 Hühner und Tauben ausgestellt wurden.

Wissen Sie wo Sie wohnen?

Doch „Opa“, wie er von Manfred und Birgit Wellhausen liebevoll genannt wird, war nicht nur ein Geflügelnarr, er liebte auch Pferde. Kurzerhand mussten die Kühe und Schweine, die bis dahin auf den Wellhausenschen Wiesen grasten, „Hans“ und „Lotte“ weichen, mit denen 1970 der Grundstein für die noch heute bestehende großzügige Reitanlage am Rethfeldsfleet gelegt wurde. „Opa“ baute Ställe und kaufte auf einer Versteigerung weitere zwölf Ponies, unter ihnen Hengst

„Honeyway“, der das Seinige dazu beitrug, die Stallungen mit Leben zu füllen. In der mittlerweile gebauten Reithalle gab Karl Wellhausen, der seine Tischlerei inzwischen an Sohn Manfred übergeben hatte, den Nachbarskindern Reitunterricht. Auch seine tierliebe Enkelin Birgit setzte der alte Herr aufs Pferd. Mit Erfolg. Mit „Macbeth“ wurde Birgit Wellhausen 1980 deutsche Meisterin in Bad Segeberg. Fortan war sie weltweit im Reitsport unterwegs, gewann zwei Europameisterschaften auf dem Pony und wurde auch Mannschafts-Europameisterin auf dem Großpferd. Da die Turnierteilnahme eine Vereinsmitgliedschaft voraussetzt, gründete „Opa Wellhausen“ 1975 den „Reitclub Wümme“, dessen erster Vorsitzender er wurde. Nach Manfred Wellhausen ist nun Birgit Wellhausen die Vorsitzende des Vereins, der zu Zeiten des Schulbetriebs auf dem Hof Wellhausen bis zu 280 Mitglieder hatte. „Ein Verein, drei Generationen“, schmunzelt Birgit Wellhausen.

Doch auch damit war „Opas“ umfangreiches ehrenamtliches Engagement, das letztlich zu der Straßenbenennung nach ihm geführt hat, nicht zu Ende. Nach dem 2. Weltkrieg hat er auch die Wegegenossenschaft Upper Borg gegründet. „Damals haben die Anwohner den Upper Borg, der sehr viele Schlaglöcher hatte, Sonntagsmorgens in Selbsthilfe repariert“, erinnert sich der heute 83-jährige Manfred Wellhausen. „Opa meinte, das geht so nicht.“ Deshalb habe er bei der Stadt Bremen durchgesetzt, dass alle neu Zugezogenen 5.000 DM zahlen mussten. Nach und nach sei so über eine Million DM zusammengekommen, mit denen der Upper Borg und die anliegenden Straßen saniert werden konnten.

Karl Wellhausen (†) und seine Enkelin Birgit.

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Buchtipp: Aufgewachsen im Klinikum des Dr. Karl-Dieter Heines

Mit„Wolfgang Heines - Erinnerung an eine Kindheit in BremenOberneuland“ ist im Kellner Verlag eine Biografie erschienen, die sich mit dem Leben auf dem Gelände der Klinik Dr. Heines beschäftigt. Die Einrichtung entwickelte sich von einer psychatrischen Klinik zu einer Hautarztpraxis und ist heute der Sitz der Ameos Kliniken für Psychatrie.

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Die Gründung der psychatrischen Klinik in Oberneuland geht zwar bereits auf das Jahr 1764 zurück, die Erinnerungen an die Kindheit des Wolfgang Heines setzen aber erst in dessen Grundschul- (in den 1950-er Jahren) sowie der Abiturzeit in den 1968er Jahren ein. In diesen Jahren wuchs der Junge Wolfgang Heines auf dem Gelände des Klinikums auf, bevor er sich während einer mehrwöchigen USA-Reise zum Medizin-Studium entschied. Die spätere Entwicklung der Klinik erlebte Wolfgang zwar in

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Deutschland mit, kehrte aber erst nach Jahrzehnten zurück an den Ort seiner Kindheit, wo er in der Vahr dann mehrere Jahrzehnte eine Hautarztpraxis leitete und auch für die Stiftung Dr. Heines tätig war. In seinem Buch erinnert Wolfgang Heines sich an den Umzug von Köln nach Bremen und die Übernahme der Klinik – zunächst als Pächter – durch seinen Vater Karl-Dieter im Jahre 1954. In den Folgejahren stand zunächst der Kauf aber vor allen Dingen auch der Wiederaufbau im Mittelpunkt des Geschehens. Für die Eltern stand daher auch von Anfang an fest, dass auch die Familie direkt in der Klinik leben wird. Und so wurde das

ausgedehnte Klinikgelände zum Garten und Spielplatz der HeinesKinder sowie des gleichaltrigen Nachwuchses der Klinik-Angestellten. Über den Kinder-Alltag in der Klinik und den häufig wechselnden Patienten berichtet Wolfgang Heines detailliert, bevor er in weiteren Kapiteln auch seine Ausbildung im Ausland, die spätere Entwicklung der Klinik und seinen eigenen beruflichen Werdegang als Internist und Hautarzt schildert.

Eine interessante Bremensie über eine Bremer Einrichtung mit einer wechselvollen Geschichte. mb

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30 Jahre Kinderbewegungszentrum

Bremen 1860 feiert runden Geburtstag seiner wegweisenden Einrichtung

Das Kinderbewegungszentrum (KBZ) von Bremen 1860 ist seit 30 Jahren ein fester Bestandteil des Vereinslebens sowie ein wichtiger Bewegungs- und Begegnungsort für Kinder und Familien in Bremen. Dieses Jubiläum feiert das KBZ am Freitag, 12. Juni, mit einem vielfältigen Programm für Mitglieder, Familien, Freundinnen und Freunde des Vereins und Besucherinnen und Besucher aus ganz Bremen. Ab 15 Uhr lädt das KBZ zu einem offenen Jubiläumsnachmittag auf dem Vereinsgelände am Baumschulenweg ein. Die Besucherinnen und Besucher erwartet ein umfangreiches Angebot aus Spiel, Sport, Musik und Mitmachaktionen.

Zu den Höhepunkten gehören eine große Bewegungslandschaft in den Hallen, zahlreiche Outdoor-Angebote wie eine Hüpfburg, Beachvolleyball, Minigolf und Cornhole sowie musikalische Mitmachangebote zum Singen und Tanzen. Den Abschluss des Tages bildet das traditionelle Fußballspiel „Kids vs. Erwachsene”.

Das 1996 gegründete Kinderbewegungszentrum Bremen 1860 bietet seitdem niedrigschwellige Bewegungsangebote für Kinder unterschiedlicher Altersgruppen. Für viele

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Familien in Bremen ist das KBZ ein zentraler Ort für frühe Bewegungserfahrungen, soziale Begegnung und gemeinsames Erleben – unabhängig von Herkunft oder individuellen Voraussetzungen.

„Das Kinderbewegungszentrum ist seit 30 Jahren ein Ort, an dem Kin-

der mit Freude in Bewegung kommen, Selbstvertrauen entwickeln und Gemeinschaft erleben. Für Bremen ist das KBZ ein wichtiger Begegnungsraum, der Kinder und Familien verbindet und Bewegung für alle zugänglich macht”, sagt Arne Tschorn, der Leiter des KBZ.

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