April 2022 Liebe Leserin, lieber Leser, Das Jahr 2022 hat eine Zeitwende in Europa eingeläutet. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine und die hierdurch verursachten humanitären Schicksale erschüttern uns alle sehr. Wir haben Kolleginnen und Kollegen dort, viele haben auch Familien und Freunde, die direkt betroffen sind. Unsere Gedanken sind bei den Menschen in der Region. Seit Kriegsbeginn hat der Westen erhebliche Sanktionen gegenüber Russland verhängt. Der Angriffskrieg Russlands stellt für Peking ein Dilemma dar. In offiziellen Verlautbarungen und Staatsmedien wurde der Begriff Krieg ebenso vermieden wie Kritik an Russlands Präsident Wladimir Putin. Video-Aufnahmen und Bilder, die in den chinesischen Staatsmedien gezeigt werden, sind streng kuratiert. Beim jüngsten Volkskongress wurde der Ukraine „Konflikt” gar nicht thematisiert. China lehnt die westlichen Sanktionen gegen Russland ab, da es sekundäre Effekte auf den eigenen Handel fürchtet. Große Sorge besteht in China als größter Erdöl- und ErdgasImporteur unter anderem vor einer importierten Inflation aufgrund der rasant wachsenden Rohstoffpreise. Des Weiteren dürfte China den Krieg mit Sorge verfolgen, da die Belt and Road Initiative (BRI), die China und Europa mit Schienenverkehr verbindet, unter anderem durch die Ukraine führt. Doch ein grausamer Krieg in Europa, der von der chinesischen Staatsführung nicht ausdrücklich verurteilt wird, dürfte die Position in vielen europäischen Regierungen, die derzeit geschlossener denn je agieren, gegenüber der Volksrepublik weiter verhärten. Diese Position würde weiter verschärft, sollte China Russland dabei unterstützen, die Folgen westlicher Sanktionen abzufedern. Es würde sich dann die Frage stellen, ob sich Unternehmen aufgrund eines politischen oder öffentlichen Drucks aus China zurückziehen müssten. Während ein Rückzug aus Russland für viele Konzerne wirtschaftlich aufzufangen ist, würde ein moralischer Rückzug aus China immense wirtschaftliche Auswirkungen