and era in which these transgressions were actively sought out for their perceived enunciation of their potential for aesthetic, and with it social, change.“ (S. 27) Dies ist durchaus ein interessanter Blick auf Jesenskás Übersetzungen, denen, wie Woods zurecht anmerkt, die Kritik kaum Aufmerksamkeit schenkte. Die Autorin berücksichtigte allerdings nicht den Artikel von Josef Čermák, der die Wortwörtlichkeit in Jesenskás Übersetzungen, diese sklavenhafte Beibehaltung deutscher Wortstellung, auf historische Gründe zurückführt. Ist Wortwörtlichkeit Ausdruck unbewusster sprachlicher Interferenz oder Ergebnis einer durchdachten Entscheidung? Woods lässt die lange Tradition der Übersetzung aus dem Deutschen ins Tschechische außer Acht, mitsamt ihrer spezifischen stilistischen und syntaktischen Problemen, und mit klarer Sympathie für Jesenská bewertet sie ihre Übersetzung mit heutigen Maßstäben, die Genauigkeit fordern. Übersetzer wie Harman versuchten Kafkas Sätze möglichst wortgetreu wiederzugeben und die Sparsamkeit oder gar Kargheit des Originals zu erhalten. Erste Kafka-Übersetzungen ins Englische stammen von Willa und Edwin Muir, die von 1921 bis 1924 in Prag gelebt hatten (1930–1948 übersetzten sie Das Schloß, Der Proceß und Amerika). Auch wenn die Übersetzungen meist Edwin Muir zugeschrieben wurden, erkennt Woods anhand von Archivmaterialien eine wesentliche Beteiligung Willa Muirs an der Autorschaft. Die Übersetzungen der Muirs wurden für ihre mangelnde Genauigkeit kritisiert, dafür, dass sie dem modernistischen Stil Kafkas nicht entsprochen und die Sprache „normalisiert“ hätten. Woods versucht die Autoren zu rehabilitieren und argumentiert, dass die Muirs Kafkas Stil sehr wohl verstanden und geschätzt hätten – letztendlich war es ihr Verdienst, dass Kafka auf Englisch erscheinen konnte –, doch sie seien sich auch dessen bewusst, dass sie die Sprache eines unbekannten Autors „domestizieren“, sie in ein „natürliches Englisch“ übertragen müssten, das dabei für die beiden Schotten alles andere als natürlich war. Nur so hätten sie Kafka den Weg zu einer englischsprachigen Leserschaft ebnen können. Wie Woods in ihrem fesselnden Portrait Willa Muirs erwähnt, war diese selbst Autorin moderner experimenteller Prosa. Mit Harman und Hofmann gelangen wir in die „große Ära neuer Übersetzungen“ (Harmans Aussage, S. 91) nach 1987, in der Verleger aus den USA und Großbritannien begannen, neue Kafka-Übersetzungen in Auftrag zu geben. Sehr aufmerksam liest Woods, was Harman und Hofmann über ihre Herangehensweisen und konkreten übersetzerischen Entscheidungen in unterschiedlichen Vorworten, Essays oder Interviews schreiben. Interessant ist ihre Abhandlung über das Englische der beiden Übersetzer (Harmans irische Herkunft, Hofmanns deutscher Vater) und ihre literarische Sprache (zum Beispiel, was Harman von Beckett, über den er schrieb, gelernt hat und was er davon in seine Übersetzung einfließen lässt). Woods’ Analysen verdeutlichen, wie sich im Laufe der Zeit die Anforderungen an literarisches Übersetzen gewandelt haben. Ihre Herangehensweise negiert implizit die gängige Behauptung, dass neue Übersetzungen die älteren zwangsläufig ersetzten. Sie vertritt die interessante Meinung, dass es Autoren neuerer Übersetzungen „leichter haben“, weil sie einen etablierten Klassiker und keinen neuen Autor übersetzten und es sich deswegen leisten könnten, eine anspruchsvollere, experimentelle Sprache zu verwenden (S. 89). Neue Übersetzungen, wie die von Harman, bieten uns mit David Damrosch „einen modisch postmodernen Kafka“. Heute könnten wir seinen Stil wertschätzen, denn wir sind durch „postmodernism's love of fragments, internal contradiction and incompletion“ geschult (S. 88). Erst in neueren Übersetzungen, so Woods, kann Kafkas Humor richtig in Erscheinung treten. Der zweite Teil des Buches beschäftigt sich einerseits mit „Übersetzung“ als Thema in Kafkas Prosa und andererseits mit der „Übersetzung“ von Kafkas Texten in unterschiedliche filmische Gestaltungen, unter anderem auch Vladimír Micháleks Amerika-Verfilmung von 1993. Woods lässt sich von zeitgenössischen Studien über „literarische ÜbersetzerInnen“ in
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der englischsprachigen Literatur inspirieren. Besonders umfassend ist ihre Analyse des zentralen Kapitels in Der Proceß, in der Übersetzung konkret thematisiert wird. Die Betrachtung von Josef K. als Dolmetscher oder Übersetzer (in der Begegnung mit dem italienischen Gast, den er durch Prag führen sollte) bietet die Möglichkeit einer ausdifferenzierten Interpretation der Kernparabel im Prosatext Vor dem Gesetz. In Woods’ Analyse überzeugen am meisten die Stellen, wo sie sich mit spezifischen Aspekten des Übersetzens und Dolmetschens befasst: in der nonverbalen Kommunikation des Josef K. (seiner Körpersprache mit Händen und Lippen) oder in der Konstruktion des Erzählers als Übersetzer im übertragenen Sinne. Weniger konstruktiv und methodologisch fragwürdig erscheint mir hingegen die Verwendung des Begriffs „Übersetzung“ für „fehlende oder mangelnde Kommunikation“, eine durchaus häufige Interpretationsfigur in Fachtexten über Kafka. Doch an Woods’ Analyse ist vor allem fraglich, inwiefern es überhaupt sinnvoll ist, ein und denselben Begriff der „Übersetzung“ (translation) sowohl für eine interlinguale Übertragung (Roman Jakobson) wie auch filmische Adaption des Textes und sogar auch im Sinne von Interpretation zu verwenden. In anderen Sprachen ist im Übrigen eine solche begriffliche Flexibilität nicht möglich oder zumindest nicht ganz so einfach. Somit zeigt Woods’ Studie nebenbei, dass auch Übersetzungsdiskurse nicht immer übersetzbar sind. Konstruktiv ist hingegen der von der Autorin vorgeschlagene Begriff „transreading“ für solche Übersetzungsanalysen, die eine neue Lesart des Ausgangstextes ermöglichen. Das Buch bietet einen Einblick in den „englischen Kafka“, in die spezifische Rezeption seines Werkes in englischer Übersetzung, und ist eine Inspirationsquelle für alle, die sich für Kafka im Speziellen oder für Übersetzung im Allgemeinen interessieren. Die Stärke der Studie liegt in der sorgfältigen Präsentation von bisher auf Englisch nicht zugänglichen Materialien, sowie im Umfang und der fundierten Analyse der Quellen. Das tschechische Publikum kann die mit Eleganz und Humor verfasste Publikation dazu anregen, über die Unterschiede zwischen verschiedenen Kafka-Übersetzungen ins Tschechische nachzudenken. Übersetzung: Martina Lisa
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Es schreibt: Julia Hadwiger (13. 4. 2015) Fortsetzung des Echos vom 2. 2. 2015 Es ist absolut legitim, dass sich Steffi Böttger beim Schreiben ihrer Biographie über Hans Natonek einschränken musste, denn „eine literaturwissenschaftliche Analyse der Romane konnte so wenig Gegenstand dieses Buches sein wie eine kulturgeschichtliche Auswertung von Natoneks kaum zu überschauendem publizistischen Werk“ (S. 231). Doch stellt sich die Frage, inwieweit es dann nicht besser gewesen wäre, von Beurteilungen seiner Romane ganz abzusehen, laut ihrer – meines Erachtens ungerechtfertigten – Einschätzung seien die beiden ersten Romane, Der Mann der nie genug hat (1929) und Geld regiert die Welt oder Die Abenteuer des Gewissens (1930), als „unvollkommene Versuche eines Anfängers“ (S. 56) zu betrachten. Sie kommt zu folgendem kontroversen Schluss: „Die wirkliche Tragik, der große Lebensirrtum Hans Natoneks bestand wohl darin zu glauben, er sei ein Romancier. [...] Die kleine Form, die Kurzgeschichte, die Glosse, die Schnurre, die Anekdote – all dies waren Formate, in denen es ihm gelang, Atmosphäre einzufangen und Charaktere zu schaffen [...]. Auch als Beobachter von Alltagssituationen brillierte Natonek [...], aber wenn er sie zu einem größeren Erzählzusammenhang zusammenzufügen suchte, scheiterte er mit grausamer Regelmäßigkeit“ (S. 180f.). Für Böttger war Natonek ein „Vollblut-Journalist“ (S. 82) und „unter den 2500 Zeitungstexten, die er zwischen 1913–1941 geschrieben hat, gibt es kaum einen, der nicht einen eigenen, besonderen Reiz hat“ (S. 81). Darin mag der Grund liegen, dass in der 2013 publizierten Werkauswahl, die den Titel Letzter Tag in Europa – nach einem der bekanntesten Essays Natoneks aus dem Jahr 1941 – trägt, weniger dem Literaten als dem Journalisten Natonek Stimme verliehen wird: Im Anhang befinden sich Anmerkungen Zu dieser Ausgabe, in denen Böttger die erschwerten Publikationsbedingungen der emigrierten deutschsprachigen Autoren beschreibt und ihre Editionskriterien darlegt. Sie berücksichtigte vor allem „politische [sic] aktuelle Texte“ (S. 307) in dieser Ausgabe, bei den literarischen herrschte im Gegensatz dazu eine „strenge Auswahl“, die sie folgendermaßen – in wissenschaftlicher Hinsicht ziemlich fragwürdig – begründet: „Viele dieser kleinen Geschichten folgen dem literarischen Geschmack und Humor der dreißiger Jahre, der uns heute etwas abgestanden und schal erscheint. Deshalb wurden nur die aus Sicht der Herausgeberin wertvollsten Texte ausgewählt“ (S. 308). Diese sind chronologisch nach Entstehungs- bzw. Publikationsdaten gereiht und unterteilt in die Lebensstationen Prag, Paris und New York / Tucson, Arizona. Es handelt sich dabei einerseits um Typoskripte aus dem Nachlass im Bundesarchiv Berlin, andererseits um zahlreiche Nachdrucke aus diversen Tageszeitungen und Periodika (wie z. B. Prager Tagblatt, Pariser Tageszeitung, Das neue Tage-Buch, Die neue Weltbühne und Aufbau sowie „unbekannte Zeitungsausschnitte“ aus dem Nachlass-Bestand, bei denen anscheinend die Publikationsdaten nicht zu ermitteln waren). Vielfach kommt in den Texten Natoneks böhmische Heimat bzw. Prag zur Sprache, wie z. B. in den Essays, die während seines Aufenthaltes 1933–1938 dort entstanden sind, u. a. Ein Mensch fällt um – Typologie der Straße, Nobles Volk, Die Wirtshausrauferei, Prager Straßen, Böhmisches Tagebuch und Schicksal der Wanderung. Natonek setzt sich darin außer mit der politischen Lage und den Eigenheiten der Stadt auch mit der Auswanderungsproblematik auseinander: „Viel hat die Republik verloren, aber im Kern ist sie intakt geblieben. Die Deutschen, die zu ihrer unteilbaren böhmischen Heimat standen, haben dagegen alles verloren; das letzte, was ein Mensch verlieren kann: die Heimat. Sie können jetzt das Lied singen, das erschütterndste, das je aus dem Herzen eines vielgeprüften Volkes kam: Kde domov můj? Wo ist meine Heimat?“ (S. 105). Der erneute Abschied von Prag fiel ihm schwer, in späteren Texten, die er in Paris verfasste, spielt das Heimatland
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