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Weitere Informationen: www.club-buehnenbern.ch
von Aischylos
in der Prosaübersetzung von Peter Stein mit einem Prolog von Heiner Müller und der Erklärung der Menschenrechte
Unter dem Patronat des
Premiere Sa
21.02.2026
Stadttheater
Dauer der Vorstellung ca. 1 h 45 min, keine Pause
Aufführungsrechte der Übersetzung
Verlag der Autoren, Frankfurt am Main
Aufführungsrechte Prolog
Suhrkamp Verlag AG, Berlin
Klytaimnestra
Isabelle Menke
Agamemnon
Jan Maak
Elektra
Lucia Kotikova
Kassandra
Jeanne Devos
Orestes
Patrick Baurichter
Soldat
Linus Schütz
Kinder-Statisterie
Alithea Augustiny, Lilly Freienstein, Laïa Furrer, Elena Garza, Gabriel Garza, Lars Haller, Moritz Holzner, Hanna Hüsler, Mateo Kuonen, Liv
Mathys, Sofia Polo, Selina Tschan, Eligi Venzin, Tymur Yepur
Regie
Anja Behrens
Ausstattung
Laura Rasmussen
Live-Musik und Komposition
Line Felding Licht
Bernhard Bieri
Dramaturgie
Julia Fahle
Regieassistenz
Ilinca Purică
Bühnenbildassistenz
Katia Rudnicki
Kostümassistenz
Giulia Marcotullio
Soufflage
Zoe Neff
Inspizienz
Denis Puzanov
Statisterie
Peter Bruggmann, Irène Bürgi, Léa Grütter, Robert Koller, Taissia Mühlethalter
Technischer Direktor a. i. Claude Ruch Leiter Bühnenbetrieb a. i. Andy Hohl
Leiterin Kostüm & Maske Franziska Ambühl Leiter Werkstätten Andreas Wieczorek
Produktionsleiterin Bühnenbild Konstantina Dacheva Produktionsleiterin Kostüm Maya Däster
Bühnenmeister Vinzenz Kocher, Paolo Rütti Tontechnik Janis Bundi, Urs Haller, Joel Mathys, Beryll Ryder Requisite Karin Heinrich, Cora Liechti Maske Kyrina Brunner, Martina Jans
Die Ausstattung wurde in den Werkstätten und Ateliers von Bühnen Bern hergestellt.
Co-Leitung Malsaal Jann Messerli, Lisa Minder Leiter Schreinerei Markus Blaser
Leiter Schlosserei Marc Bergundthal Leiter Dekoration Philippe Eggler
Leiterin Maske Martina Jans Gewandmeisterinnen Mariette Moser, Irene Odermatt, Sina Rieder
Leitung Requisite im Team Leiter Beleuchtung Bernhard Bieri
Leiter Audio & Video Bruno Benedetti

Tantalos raubt die Speise der Götter, schlachtet Pelops, seinen Sohn, setzt ihn den Göttern vor. Die Götter erkennen die Mahlzeit, nur Demeter isst von einer Schulter. So bestrafen sie den Raub: Tantalos hängt an einem Obstbaum, der unter einem schwebenden Felsen in der dreifach ummauerten Mitte des Hades aus einem Teich wächst, in ewigem Hunger zwischen den Früchten, Durst über dem Wasser, Angst unter dem Stein. Die Götter verfluchen sein Geschlecht. Niobe, Tochter des Tantalos, hat zwölf Kinder. Sie prahlt vor den Göttern mit ihrer Fruchtbarkeit, Apollon und Artemis töten die zwölf Kinder mit zwölf Pfeilen. Zeus verwandelt die schreiende Mutter in ihr eigenes Standbild. Im Frühsommer weint der Stein. Thyestes, Sohn des Pelops, bricht die Ehe seines Bruders Atreus. Atreus erschlägt die Söhne seines Bruders und bewirtet ihn mit ihrem Blut und Fleisch. Thyestes tut seiner eigenen Tochter Gewalt an. Ihr Sohn Aigisthos tötet Atreus. Agamemnon, Sohn des Atreus, entführt Klytaimnestra, tötet ihren Mann und nimmt sie zur Frau, sein Bruder Menelaos, ihre Schwester Helena. Helena wird von Paris verführt, folgt ihm nach Troja, der trojanische Krieg beginnt. Zum ersten Kriegsopfer bestimmt ein Seherspruch Iphigenie, Tochter von Klyaimnestra und Agamemnon. Klytaimnestra widersetzt sich, Agamemnon gehorcht, er legt Iphigenies Hals unter das Beil.
Heiner Müller

Die griechischen Tragödien waren keine Einzelstücke, sondern sie standen im Zusammenhang eines Zyklus. Sie wurden in Athen klassischerweise als Trilogien aufgeführt, ergänzt durch ein Satyrspiel. Die einzige Trilogie, die uns vollständig überliefert wurde, ist die Orestie des Aischylos (458 v. Chr.). Sie behandelt die Sage der Atriden, ein vererbtes Verhängnis, das mit dem Urahn Tantalos seinen Anfang nahm und seither jede Generation von neuem belastet: Pelops, Atreus, Agamemnon, Orestes. Sie zeigt, wie eine Geschichte von Gewalt und Vergeltung zu einem versöhnlichen Abschluss gebracht wird: Klytaim(n)estra erschlägt ihren Mann Agamemnon, als dieser siegreich aus Troja heimkehrt (Teil I: Agamemnon); sein Sohn Orestes rächt die Ermordung des Vaters, indem er die eigene Mutter tötet (Teil II: Choephoren); die Dämonen der Toten verfolgen ihn, richten ihn aber nicht, denn er wird einem Verfahren unterworfen, das mit seinem Freispruch endet und die Rachegeister in das Gemeinwesen aufnimmt (Teil III: Eumeniden). Als Zyklus betrachtet, beschreibt die Trilogie einen atemberaubenden Fortschrittsprozess: den Übergang von der Blutrache zum Gerichtsverfahren, von der Adelsherrschaft zur Abstimmung und vom Opferkult zum Schauspiel. Die Orestie von Aischylos ist rituell und theologisch, juristisch und politisch.
Aischylos spiegelt mit einem alten Stoff seine Gegenwart. Im Athen seiner Zeit wurde die frühere Selbstjustiz in Gerichtsverfahren überführt, für die sich jährlich zahlreiche Bürger als Geschworene zur Verfügung stellten. Das Theater – als Ort, wo ein Publikum über den Sieger eines künstlerischen
Wettstreits abstimmte – trägt diesem juristischen Hintergrund Rechnung, indem es vor der ‹öffentlichen Meinung› des Chores Ankläger und Angeklagte in Disputen auftreten lässt. Die Tetralogien entsprachen dem Gericht, wie Jennifer Wise gezeigt hat, wo zu einem Fall vier Plädoyers gehalten wurden. Das Verb agonízomai bedeutet sowohl ‹vor Gericht ziehen› wie ‹am Wettbewerb um den Preis für das beste Stück teilnehmen›.
Kátharsis oder katharós bezeichnet auch die Reinigung, die man erwirkt, indem man vor Gericht einen Eid schwört. Und Hybris ist nicht allein eine Schwäche des Charakters, die einen tragischen Fall zur Folge hat, sondern auch ein Ausdruck für den schlechten Ausgang eines korrupten Verfahrens. Ihr Gegenteil ist nicht Bescheidenheit oder Güte, sondern Gerechtigkeit. Die zu erfahren Aischylos selbst Glück hatte, denn er war der erste Bürger, der angeklagt wurde, ein religiöses Vergehen begangen zu haben, weil er geheime Mysterien auf der Bühne enthüllt habe.
Die Tragödie der Atriden wurde auch nach der Antike vielfach variiert –nicht zuletzt im bekanntesten Theaterstück überhaupt. Bei Shakespeare können wir nachvollziehen, wie sich im Rahmen des gleichen Handlungsmusters das Interesse historisch verlagert. Aus Orest wird bei ihm Hamlet, aus Klytaim(n)estra Gertrude, aus Aigisthos Claudius, aus Pylades Horatio. Und aus vier Versen des Zögerns werden vier Akte. Der antike Held zweifelt einen Augenblick, ob er dem Befehl des Gottes, Apollon, wirklich Folge leisten und die Mutter umbringen soll. Der moderne Held zweifelt fast das gesamte Drama hindurch: ob die Instanz, die ihm den Befehl erteilt, der Geist seines Vaters, vielleicht trügerisch ist; ob der Schuldige überhaupt eindeutig feststeht; welchen Anteil die Mutter und welchen ihr Liebhaber hat; und ob die Tat, die von ihm verlangt wird, gewaltsam Gerechtigkeit bringen kann.
Die Geschichte der Nach und Neudichtungen des Orestie Stoffes führt über Shakespeare hinaus zu zahlreichen weiteren Ausgestaltungen: zu Jean Giradoux’ Électre (1937), Gerhart Hauptmanns Atriden-Tetralogie (1941–48), Heiner Müllers Elektratext (1969) oder auch Colm Tóibíns
House of Names (2017). Eugene O’Neill gab dem Thema in Morning Becomes Electra (1931) eine psychoanalytische Deutung, JeanPaul Sartre in Les mouches (1943) eine existenzialistische, in deren Zentrum der Akt der Entscheidung des Helden steht. Für das Kino schufen Michael Roes mit Timimoun (2010) eine algerische Orestie und Giorgos Lanthimos mit The Killing of a Sacred Deer (2017) ein modernes Drama um Opfer und Rache, das auf den AgamemnonIphigenieMythos zurückgeht. Jede Zeit hat ihre eigene Orestie.
