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Danke für: So klingt nur Dortmund.
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Danke für: So klingt nur Dortmund.

Manchmal frage ich mich, wie viele hunderte Male in meinem Leben ich bestimmte Musikstücke wohl schon gehört habe – Bachs Johannes-Passion zum Beispiel oder Mahlers 5. Sinfonie. Einige Werke, die zum Kanon zählen, findet man immer wieder in den Spielplänen, und das natürlich zu Recht: Diese Musik ist so herausragend, so schön und tief, dass man ihrer niemals müde wird und sie immer wieder neu entdeckt. Sie ist Teil unseres kulturellen Erbes, verhandelt existenzielle menschliche Fragen und offenbart – im Zusammenspiel unterschiedlichster Musikerinnen und Musiker – immer wieder ganz neue Facetten.
Und dann gibt es Werke, auf die das ebenfalls zutrifft, die aus einer Vielzahl von Gründen aber eben nicht den Weg in den Kanon gefunden haben. Wenn wir ausschließlich dem Mainstream vertrauen, bleiben uns solche Schätze gänzlich unbekannt. Die Dringlichkeit, solchen Werken Gehör zu verschaffen, wurde uns zuletzt wieder vor Augen geführt beim Konzert des Chineke! Orchestra Anfang Oktober. Sowohl die Ballade des englischen Komponisten Samuel ColeridgeTaylor als auch die herausragende »Negro Folk Symphony« des US-Amerikaners William Levi Dawson waren eine Offenbarung. Als Konzerthaus liegt es natürlich auch in unserer Hand, solche außergewöhnlichen und doch vernachlässigten Werke aufzuspüren und zur Aufführung
zu bringen. Der damit einhergehenden Verantwortung stelle ich mich mit größter Begeisterung, denn auch ich bin natürlich neugierig darauf, immer weiter großartige Musik kennenzulernen. Deshalb finden Sie in unserem Programm neben dem sogenannten Kanon nicht nur Neue Musik, sondern auch unbekannte alte Schätze und experimentelle Konzertformate – so auch in den kommenden Wochen und Monaten.
Ganz besonders freue ich mich da auf die wunderbare Sol Gabetta, die als Curating Artist Ende März eine ganze Festivalwoche gestalten wird. Als ich Sol zur Vorbereitung traf, zuerst in Paris, dann noch einmal in Stockholm, habe ich sie daher sehr ermutigt, auch unbekanntere Herzensprojekte mitzubringen. Und so werden wir im März unter anderem Lise Cristiani posthum kennenlernen. Die Pionierin des Cellos, die 1853 im Alter von nur 27 Jahren verstarb, hat anderen Frauen den Weg an diesem Instrument geebnet. Eine gute Möglichkeit, sich musikalisch auf weniger stark bewanderten Pfaden zu bewegen, bieten darüber hinaus unsere Reihen Perlentaucher und Neuland. Ich hoffe, wir sehen uns dort. Bleiben Sie neugierig!
Ihr
Dr. Raphael von Hoensbroech Intendant und Geschäftsführer des Konzerthaus Dortmund

06 Interview
Leidenschaft Liedkunst
Tenor Christoph Prégardien feiert seinen 70. Geburtstag im Konzerthaus Dortmund.
10 Titel
Offener Geist – offener Sound
Mit musikalischen Freundinnen und Freunden gestaltet Sol Gabetta eine ganze Festival-Woche.
14 Chanson & Unterhaltung
Ein Film wie Treibsand
»Kraftwerk«-Legende Karl Bartos verleiht dem Stummfilm »Das Cabinet des Dr. Caligari« Klang.
17 Meisterpianisten
Tick und Tack
Zwei Schwestern zwischen Perfektion und Kreativität: Katia und Marielle Labèque
20 Internationale Orchester
Von Unruhe zu Hingabe
Pianistin Hélène Grimaud findet Ruhe in der Natur und der Musik.
22 Internationale Orchester
Ein Paar, zwei Perspektiven
Ein musikalischer Dialog des Ehepaars Clara und Robert Schumann
24 Internationale Orchester
Ein Leben für die Musik
Yunchan Lims kometenhafter Aufstieg in den Klavierhimmel
25 Cabaret + Chanson
Echo der Goldenen Zwanziger
Das Original Prague Syncopated Orchestra lässt die frühe Jazz-Ära wieder aufleben.

03 Editorial
04 Einblick
05 Inhalt
26 Augenblick
28 Gästebuch
29 Ausblick / Rätsel / Impressum
30 Haus und Verkauf


Christoph Prégardien zählt zu den großen Liedinterpreten unserer Zeit. Seit Jahrzehnten begeistert der Tenor auf internationalen Bühnen mit seiner klaren Stimmführung und tiefen Textdeutung – ob mit Liedgesang, in Oratorien oder auf der Opernbühne. Im Januar feiert Prégardien seinen 70. Geburtstag im Konzerthaus Dortmund, mit Werken von Franz Schubert. Im Interview spricht er darüber, warum ihn Schubert bis heute fasziniert, was den Kern des Liedgesangs ausmacht und wie er die Zukunft dieser Kunstform sieht.

Die Liedkunst hat im Laufe Ihrer Karriere immer einen besonderen Stellenwert gehabt. Wie kam es dazu?
Das hat viele Ursachen. Liedgesang war mir als junger Mensch gar nicht so in die Wiege gelegt. Ausschlaggebend war mein Gesangslehrer Martin Gründler an der Hochschule für Musik Frankfurt. Er war auch der Erste, der mich richtig mit Schubert »zusammengebracht« hat. Ich habe dann schnell gemerkt, was das Besondere am Liedgesang ist, im Gegensatz zu – sagen wir mal – einer Partie in einer Oper oder einem Oratorium: Man ist gezwungen, innerhalb kürzester Zeit eine bestimmte psychische, seelische, emotionale Situation darzustellen. In Hinblick auf einen Liederabend bedeutet das, alle drei, vier Minuten einen Wechsel der inneren Einstellung zu vollführen. Das ist eine großartige Aufgabe – und als junger Sänger sicherlich erstmal schwierig.

Worin liegt Ihrer Einschätzung nach diese Schwierigkeit – gerade für junge Künstler?
Als junger Sänger ist man sehr darauf konzentriert, schön und gut zu singen. Doch darum geht es letzten Endes beim Liedgesang nicht. Natürlich läuft die Technik sozusagen mit. Wichtig ist aber, die Emotionen zu transportieren, die dieses Lied in dem Moment erfordert, zu erspüren, welche Facette dieses Textes den Komponisten besonders interessiert hat. Man muss weg von dem Denken, dass technisch alles perfekt sein muss. Es geht um die Essenz, um den Ausdruck und die Emotion. Nur wenn das authentisch ist, erreicht man auch das Publikum.
Sie haben Schuberts Lieder für zahlreiche Tonträger eingesungen, stehen mit Schuberts Repertoire auf den Bühnen großer Konzertsäle. Woher rührt Ihre Faszination für diesen Komponisten?
Das ist natürlich eine Sache, die wächst. Aber ich glaube, ich verstehe Schubert recht gut. Wenn ich mir ein Schubert-Lied anschaue und neu lerne, verstehe ich schnell, welchen Weg Schubert nimmt, um dieses Gedicht zu vertonen. Es gibt andere Komponisten, da muss ich erst einmal überlegen: Was meint er eigentlich? Bei Schubert ist mir das immer völlig logisch erschienen. Das hat mich sehr nah zu ihm hingeführt, und das ist die ganze Karriere geblieben.
Was muss eine Sängerin oder ein Sänger mitbringen, um Schuberts Repertoire einzustudieren?
Schubert ist ein Komponist des 19. Jahrhunderts. Er ist Romantiker, natürlich. Aber von der Tonsprache her, von der Kompositionsweise kommt er aus dem 18. Jahrhundert – und das macht seine Werke anspruchsvoll. Man muss flexibel durch alle Lagen und dynamischen Abstufungen führen können und koloraturgewandt sein. Eigentlich ist es eine Fortsetzung dessen, was man bei Bach und Mozart als Sänger erfüllen muss.
Die Gattung Lied spielt heutzutage sowohl in den Programmen vieler Konzerthäuser als auch beim Publikum eine eher untergeordnete Rolle. Was denken Sie: Woran liegt das?
Das hat vielfältige Gründe. Da müssten wir jetzt sehr weit ausholen und über Bildungsbürgertum reden. Wir müssten über Schulen und über Kindergärten reden, in denen nicht mehr gesungen wird. Und wir müssten über die Kulturpolitik reden. Ein Punkt ist auch die Schwellenangst von Zuhörerinnen und Zuhörern. Viele denken bei »Liederabend« an eine Bühne, einen Flügel und zwei Menschen im Frack und lassen sich von dieser Vorstellung womöglich abschrecken. Zudem erfordert ein Liederabend auch die innere Bereitschaft, sich einzulassen. Es geht tief in die eigene Emotionalität. Sich in einer Oper mit Bühnenbild, Orchester, Solistinnen und Solisten unterhalten zu lassen, ist leichter. Man muss die Menschen wieder an das Repertoire heranführen – auf welche Weise auch immer. Doch wenn ich sehe, was es für Aktivitäten junger Pianistinnen und Pianisten, Sängerinnen und Sänger gibt und was mein Sohn Julian mit dem Festival »Liedstadt« auf die Beine gestellt hat, dann bin ich eigentlich ganz positiv gestimmt.
Sie arbeiten seit einiger Zeit auch als Dirigent. Was hat Sie zu diesem Schritt bewegt?
Ach, das war so eine gute Entscheidung (lächelt). Angefangen hat es damit, dass ich vermehrt unzufrieden wurde. Wenn ich unterwegs war, um die Johannes-Passion, die Matthäus-Passion oder auch ein Weihnachtsora -


Steckbrief
Geboren 1956
Gesangsstudium an der Musikhochschule Frankfurt, Unterricht Liedgesang bei Hartmut Höll
1983 Debüt in »Der Freischütz« an der Oper Frankfurt
Als Solist konzertiert er mit großen internationalen Orchestern wie den Berliner und Wiener Philharmonikern, dem Royal Concertgebouw Orchestra und dem Philharmonia Orchestra.
Ein Großteil des Repertoires ist auf mehr als 150 Tonträgern dokumentiert, u. a. ausgezeichnet mit dem »Orphée d’Or« der Académie du Disque Lyrique, dem »Edison Award« und dem »Cannes Classical Award«.
2012 Debüt als Dirigent mit dem Orchester Le Concert de Lorrain
Bis 2023 Professor an der Musikhochschule Köln, im Rahmen weltweiter Meisterkurse weiterhin pädagogisch tätig
Live im Konzerthaus: So 18.01.2026 17.00 Uhr Liederabend Christoph & Julian Prégardien Christoph Prégardien zum 70.
torium zu singen, merkte ich: Die jeweiligen Dirigenten hatten häufig kein richtiges Konzept für die Dramaturgie und Einheitlichkeit der Aufführung. Also habe ich angefangen, mich fortzubilden, habe Stunden genommen und mir die handwerklichen Voraussetzungen angeeignet. 2012 hatte ich mein Dirigierdebüt. Wenn man auf das Dirigentenpodium wechselt, dann ist man für das Ganze verantwortlich und kann es so formen, wie man es mit seinem Wissen und seiner Fantasie haben möchte. Das ist etwas Besonderes und hat mich fasziniert.
Besonders ist auch der Anlass, der Sie ins Konzerthaus Dortmund führt. Im Januar feiern Sie Ihren 70. Geburtstag auf der Bühne im Konzertsaal – mit Ihrem Sohn Julian und dem langjährigen Künstlerfreund Michael Gees an Ihrer Seite.
Julian und Raphael von Hoensbroech kamen mit der Idee eines Liederabends im Konzerthaus auf mich zu. Zur Rhein-Ruhr-Region hatte ich schon immer eine enge Verbindung. Hier hatte ich im Laufe der Jahre sicherlich die meisten meiner Auftritte. Ich habe am Musiktheater im Revier gesungen, in Bochum gewohnt, bin seit Kindestagen BVB-Fan. Zu meinem 60. Geburtstag gab es eine Konzertreihe der Duisburger Philharmoniker. Und meinen 70. feiere ich jetzt in Dortmund. Ich freue mich sehr auf das Konzert. Es ist für mich immer wieder ein Erlebnis, gemeinsam mit Julian auf der Bühne zu stehen – das sind sehr besondere Abende.
Das Interview führte Corinna Ludwig.

Sol Gabetta prägt mit ihrer künstlerischen Handschrift ein Festival, das Virtuosität, Neugier und musikalische Entdeckungsfreude vereint.
»Die Schwierigkeit ist, die Stimmung in so kurzer Zeit zu wechseln.« Sol Gabetta spielt dem Cellisten auf der Bühne vor, wie der konzentrierte Beginn der Sonate von Debussy noch klangvoller wird. »Hör zu und analysiere dich«, antwortet sie, wenn sie gefragt wird, was die Essenz eines Meisterkurses ist. Mit dem Cello-Nachwuchs zu arbeiten, fasziniert sie. »Meiner Meinung nach haben junge Musiker etwas Unbedarftes an sich. Sie kennen ihre Probleme und Hindernisse noch nicht.« Sol Gabetta beim Unterrichten zu beobachten, ist ebenso lehrreich wie spannend. Im Rahmen der öffentlichen Masterclass, die sie im Dortmunder Konzerthaus gibt, können Musikfans das jetzt tun – und vielleicht dabei auch ein wenig dem Geheimnis ihrer fulminanten Persönlichkeit auf die Spur kommen. Als Curating Artist des Konzerthauses hat sie ihr eigenes Festival entworfen, sechs Konzerte innerhalb einer Woche und ein siebtes im April.
Gleich zu Beginn von »Sol Gabetta & Friends« diskutiert Konzerthaus-Intendant Raphael von Hoensbroech mit ihr, nicht nur über ihr ruheloses Leben, sondern natürlich auch über das Festival selbst. Sol Gabetta hat dazu nur Freundinnen und Freunde eingeladen, denn in letzter Zeit achtet sie noch mehr darauf, mit wem sie musiziert. »Ich glaube, die musikalischen Affinitäten zu anderen Musikerinnen und Musikern, mit denen ich spiele, sind mir heute wichtiger als noch ein Konzert zu geben und noch eins«, sagt sie. Die Geigerin Patricia Kopatchinskaja zum Beispiel ist wie eine Zwillingsschwester für sie. »Wir sind uns das erste Mal während einer Art Hauskonzert begegnet. Und sofort hatten wir einen ganz besonderen Draht zueinander.« Bei ihrem Duoabend am 27. Februar steht viel Zeitgenössisches auf dem Programm. Auch von einer gewissen »PatKop«. Hinter dem Kürzel verbirgt sich natürlich niemand anderes als Patricia Kopatchinskaja selbst.
Aufeinander hören: Das klappt immer besser, wenn es ein Freund ist, mit dem man musiziert. So jemand ist auch der Dirigent Jaap van Zweden. »Gut, dass er selbst Geiger ist«, meint Sol Gabetta, »er hat mehr Verständnis für Atmung und Bogenstrich. Er ist ja auch selbst ein phänomenaler Geiger gewesen.« Mit ihm musiziert sie am 28. Februar ein Werk, das van Zweden als »wirklich tricky« bezeichnet. Das Cellokonzert von Édouard Lalo gehört zu den eher ungeliebten Kindern innerhalb
27.02. – 06.03. + 23.04.2026

Der Fixstern am Cellohimmel gestaltet eine ganze Woche im Konzerthaus. Alle Termine unter konzerthaus-dortmund.de/gabetta
des Cellokonzert-Repertoires. »Das Cello ist hier der große Belcanto-Sänger, der auch seine kapriziösen Momente hat. Das fordert vom Orchester extreme Flexibilität.« Das Konzert von Edward Elgar dagegen, das am 23. April auf dem Programm steht, ist von ganz anderer Natur. »Es ist ein Werk, das Solistinnen und Solisten sehr viel interpretatorischen Spielraum gibt – um singen zu können, um weinen zu können.«
Sol Gabetta hat von jeher den unbedingten Willen zu musizieren. Ihren sonnigen Namen »Sol« erhält sie von ihrer Mutter, weil sie ihrer von persönlichem Leid heimgesuchten Familie wieder die Sonne zurückgebracht hat. Sie wächst im Herzen Argentiniens auf, die Familie zieht aber später nach Madrid, wo auch ihre Ausbildung und ihre Karriere beginnen. Man kennt Sol Gabetta, die an der Musikakademie Basel unterrichtet, auch als Moderatorin des BR-Medienmagazins »KlickKlack«, das sie zwischen 2010 und 2023 immer wieder moderiert hat. Daneben ist sie auch Leiterin ihres »Solsberg Festivals« in der Schweiz. Dort in die Stiftskirche lädt sie immer wieder junge Klassikstars ein, denen sie jetzt auch im Dortmunder Konzerthaus einen roten Teppich ausrollen möchte. Im Kammermusikabend am 1. März 2026 wirkt sie selbst mit, etwa in Sergej Rachmaninows »Trio Élégiaque«.
Im Recital mit ihrem guten Freund Bertrand Chamayou (3. März) verbindet sie dann Zeitgenössisches mit Romantischem. Chamayou und Gabetta sind ein charmantes Duo, das wunderbar harmoniert, aber stilistisch zugleich sehr unterschiedlich ist. So mangelt es hier nie an fruchtbaren Kompromissen. »Vor allem sind wir erst einmal Freunde«, meint Sol Gabetta, die sich im Verlauf des Abends zurückziehen wird, um Chamayou die Bühne für einen Soloabend zu überlassen.
Sol Gabetta ist in jedem Stil zu Hause, natürlich auch in der Frühklassik und im Barock. Mit ihrem Bruder Andrés hat sie das Barockorchester Cappella Gabetta gegründet. »Ich wollte davon profitieren, mit Mu-
sikerinnen und Musikern zu spielen, die mehr Erfahrung mit historischem Klang haben als ich. Das öffnet deinen Geist und deinen Sound.« Am 5. März 2026 wird dann das Gabetta Consort – eine Variante der Cappella Gabetta – das Wagnis ein gehen, venezianische Barockmusik und Tango Argentino miteinander zu verschmelzen. Vivaldis »Vier Jahreszeiten« treffen auf Piazzollas »Vier Jahreszeiten in Buenos Aires«, die Violine vereint sich mit dem Bandoneon. Dabei erlebt man erstaunt, wie aufregend so unterschiedliche Instrumente und Musikstile miteinander reagieren.
In ihrem jüngsten musikalischen Projekt hat Sol Gabetta die musikalische Welt einer bewundernswerten Künstlerin der Romantik erkundet. Lise Cristiani hat in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelebt und ist nur 27 Jahre alt geworden. »Sie ist eine faszinierende Gestalt, geheimnisvoll und von Rätseln umhüllt. Informationen über sie zu finden, war wie das Aufspüren eines verborgenen Juwels.« Lise Cristiani ist die erste Frau, die mit dem damals für Damen als unschicklich geltenden Cello öffentlich auftritt. »Sie reiste damit bei minus 40 Grad in Kutschen quer durch Europa, bis ans andere Ende der Welt. Sie war eine der ersten wirklich emanzipierten Musikerinnen.« Möglich, dass sich Sol Gabetta in dieser Frau auch ein wenig selbst wiedererkennt. »Was das Schwierigste ist in unserem Leben: nie zu Hause sein zu können. Je älter ich werde, desto mehr schätze ich es, Zeit zu haben – auch für mich selbst.« Dennoch ist sie rundum zufrieden. »Es ist ein großes Glück für mich, so leben zu können. Und ein Publikum zu haben, das an mich glaubt.«


»Kraftwerk«-Legende Karl Bartos hat den Stummfilmklassiker »Das Cabinet des Dr. Caligari« neu vertont und macht daraus ein innovatives Live-Erlebnis.
Irgendwann beginnt Karl Bartos damit, durch sein Haus zu laufen. Er klopft auf Türen, betätigt Klinken, geht auf den Dachboden und hinunter in den Keller, lauscht den eigenen Schritten hinterher. Bartos nimmt Geräusche auf für einen Soundtrack. Er ist für einen der berühmtesten Stummfilme gedacht, die je entstanden sind: »Das Cabinet des Dr. Caligari«. In nur wenigen Monaten Ende des Jahres 1919 in Berlin gedreht, gilt dieser Horrorstreifen heute als das Meisterwerk des expressionistischen Films. Was klingt nach knarrendem Sargdeckel, was nach dem Schmatzen von Brei? Karl Bartos sucht – und findet. Er hat diesem Stummfilm seine Geräusche wiedergegeben und damit im Grunde ein Tabu gebrochen, denn bislang hat noch niemand so etwas gemacht. Die dämonische Geschichte um den Chef eines Irrenhauses, der auf Jahrmärkten als wahnsinniger Dr. Caligari auftritt, rückt uns damit noch näher. Caligari führt dort den Schlafwandler Cesare vor, der den Zuschauern die Zukunft vorhersagen kann. Nachts schleicht er jedoch durch die Stadt und mordet. »Das Cabinet des Dr. Caligari« hat eine bizarre Optik. Die Kulissen sind gemalt, Fenster, Türen und Häuser stehen schief und verzerrt. Regisseur Robert Wiene hat Schatten und Licht virtuos in Szene gesetzt, und die Darsteller Werner Krauß, Conrad Veidt und Lil Dagover haben sich hier mit ihrer Leistung ein eigenes Denkmal gesetzt.
Kein Wunder, dass sich die »Kraftwerk«-Legende Karl Bartos das »Cabinet des Dr. Caligari« vorgenommen hat. Der expressionistische Film an sich interessiert ihn bereits, als er noch an der Robert Schumann Hochschule in Düsseldorf ausgebildet wird, als Pianist, Schlagzeuger und


Vibrafonist. »Damals hatte ich meine ersten LSD-Trips hinter mir. Und ich hatte die Bücher von Kafka schon gelesen.« Von seinem Dozenten wird er an die »Kraftwerk«-Gründer Ralf Hütter und Florian Schneider weiterempfohlen, sie suchen einen Schlagzeuger zur Unterstützung für ihre »Autobahn«-Tournee. So profan beginnt Bartos’ Weltkarriere. Von 1975 bis 1991 bleibt er Schlagzeuger und Keyboarder bei »Kraftwerk« und prägt vor allem durch seine Rhythmen viele Hits der Band.
Bartos hat für den Film einen kaleidoskopartigen Klangkosmos erschaffen, in den mehrere Dinge eingeflossen sind. Zunächst sind da die Sounds, die er auf der Pirsch durch sein Haus gesammelt hat. Das stumme Sprechen der Filmfiguren unterlegt er mit unverständlichem Gebrabbel, das an den Nonsens-Dichter Ernst Jandl erinnert: »Bei mir ist die Sprache so abstrakt wie die Musik. Sie ergibt keinen Sinn.« Dazu kommen noch die Klänge, die Bartos auf dem Podium steuert, an den Computern und Keyboards, sekundiert von seinem Toningenieur Mathias Black. Vielleicht müsste er das nicht tun, denn die Tonspur ist durchkomponiert und läuft allein schon wegen der zahlreichen Geräusche bombenfest synchron zum Filmgeschehen. Vertrauen ist zwar gut, Kontrolle aber besser. Und die »Kraftwerk«-Fans können damit eines ihrer Idole live erleben. Die Musik schließlich klingt wie Carl Orff, gekreuzt mit Bernard Hermanns »Psycho«-Partitur und dem berühmten »Kraftwerk«-Klang, minimalistisch und mit rhythmischem Drive. Seine Komposition hat Bartos erst für Sinfonieorchester geschrieben und dann elektroakustisch verfremdet. »Wir haben die Instrumente nachempfunden – zunächst kopiert, aber dann interpretiert. Wir haben das ›gebastelt‹, sagen wir immer.«
»Das Cabinet des Dr. Caligari« ist 2012 bis 2014 im Auftrag der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung mit Akribie und Liebe restau-
Sa 14.03.2026 20.00 Uhr

riert worden, in hervorragender 4K-Qualität, also in Ultra-HD. Diese Version ist auch im Konzerthaus Dortmund zu sehen. Zuvor hat es schon mehrere Vertonungen und Schnittversionen des Horror-Klassikers gegeben. Eine erste Wiederherstellung stammt aus dem Jahr 1980 (ZDF), damals mit der Musik von Peter Michael Hamel.
Und 2021 begleitete das Bundesjugendjazzorchester »Caligari« zur Partitur des Amerikaners Jeff Beal. Der »Caligari« von Karl Bartos hat am 17. Februar 2024 in der Alten Oper in Frankfurt Premiere gefeiert. Seitdem gibt es nur begeisterte Rezensionen, hier sei ein »akustischer Maßanzug für ein Filmjuwel« entstanden, heißt es. Die »Frankfurter Allgemeine« titelt: »Ein Film wie für die Gegenwart«. Doch wie kommt es, dass er auf uns heute so bedrohlich aktuell wirkt? Es hat nicht nur mit der Musik zu tun, die Zeit, Raum und Musikstile verbindet, die Brücken schlägt zwischen Gestern und Heute. In dem alptraumhaften Geschehen ist eine Gesellschaft aus den Fugen geraten. Die Realität verschwindet, ebenso der gesunde Menschenverstand. Die Parallelen sind leicht zu ziehen zu unseren digitalen Universen und zu einer Welt, in der niemand weiß, was Wahrheit oder Fake ist. Es gibt also unendlich viel zu diskutieren, was »Das Cabinet des Dr. Caligari« betrifft. Oder wie Karl Bartos es ausdrückt: »Dieser Film ist wie Treibsand. Wenn man einmal drinsteckt, kommt man nicht wieder raus.«

Durch fruchtbare Gegensätze lassen die zwei Pianistinnen
Katia und Marielle Labèque auch nach
56 Jahren Musik nicht zur Routine werden.
Manchmal macht es tick, wenn Katia und Marielle Labèque spielen. Aber es ist nicht nur ein Tick, es ist auch ein Tack, mal langsam, dann schneller. Die Ticks und Tacks zwingen und treiben die Finger über die Klaviatur. »Ich muss sagen, es ist nicht schlecht, mit Metronom zu arbeiten, denn die Kontrolle ist immer wichtig«, sagt Marielle Labèque. Das Klavierduo sei bekannt für seine Synchronität, so ist es immer wieder zu lesen. Schon. Aber zugleich sind die beiden Schwestern aus Bayonne im Baskenland sich darüber im Klaren, dass solche Tick-Tack-Routinen den Tod einer jeden lebendigen Interpretation bedeuten. Die haben sie nach rund 56 Jahren Duo-Tätigkeit wahrlich schon reichlich vorgelegt. Die eingeübte Virtuosität mit der musikalischen Freiheit in Einklang zu bringen, ist ihr täglich Brot. Beim Proben, sagen die Labèques, schleicht sich dazu gerne auch eine schädliche Routine ein. »Wenn man sich ans Klavier setzt und nicht darüber nachdenkt, was man da gerade spielt, dann kommt sie leider automatisch. Aber es ist auch manchmal gut, so zu proben, als sei es eine Aufführung. Und man muss jedes Mal mit frischem Geist rangehen und seine Energien zusammenhalten.«

Oft ist es eine musikalische Familie, die einer großen Karriere den Boden bereitet. So ist es auch bei Katia und Marielle Labèque. Beide sind im Abstand von fast genau zwei Jahren geboren, Katia 1950, Marielle 1952. Ihr Vater ist ein Doktor, Rugby-Spieler, Musikenthusiast und Chorsänger, die italienische Mutter eine Pianistin. Von ihr erhalten sie auch ihren ersten Unterricht. Vom Pariser Conservatoire gehen Katia und Marielle 1968 ab, und zwar als ausgebildete Solistinnen. Hätten sie nicht den Komponisten Olivier Messiaen kennengelernt, wären sie wohl auch heute noch solo unterwegs. Messiaens Werk »Visions de l’Amen« ist 1969 ihr erstes gemeinsames DuoProjekt. Das öffnet Türen, auch zu der Arbeit mit anderen Komponisten. Ihre Liebe zur zeitgenössischen Musik ist bis heute geblieben. Besonders mit der Minimal-Music-Legende Philip Glass verbindet Katia und Marielle Labèque eine langjährige Freundschaft. Auch deshalb haben sie ein Werk von ihm aufs Programm ihres Recitals im Konzerthaus gesetzt. Exklusiv für die Labèques hat Glass’ Vertrauter Michael Riesman 2020 aus dessen Oper »Les entfants terribles« eine Suite für zwei Klaviere eingerichtet.
Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass ein Klavierduo über so viele Jahre zusammenbleibt. Zum Glück aber herrscht bei ihnen viel Abwechslung, sagen die Schwestern. »Bei uns ist kein einziger Tag, keine Woche wie die andere. Die Konzerte sind immer an unterschiedlichen Orten, und auch das Repertoire ist nie dasselbe.« Und dann ist da noch die Tatsache, dass die beiden künstlerisch und menschlich so verschieden sind. Katia tritt zum Beispiel mit Jazzern und Stars wie Sting auf, Marielle eher »klassischer« mit ihrem Ehemann, dem Dirigenten Semyon Bychkov.
Mi 21.01.2026 19.30 Uhr
Klavierduos von Debussy, Schubert und Glass
Die künstlerische Leistung, die sich aus diesen fruchtbaren Gegensätzen ergibt, ist schon erstaunlich. »Da lassen die beiden die Flügel donnern, brüllen, tanzen, singen, klagen, lieben. All das immer unter dem großen Bogen des gemeinsamen Atems und Atmens.« So beschreibt der Musiker und Journalist Roland Kunz die Faszination, die von den Labèques ausgeht. Die feineren Töne beherrschen sie natürlich auch. Zum Beispiel in Debussys »Six épigraphes antiques«. In der f-moll-Fantasie von Schubert dagegen – ein Kernstück im Repertoire aller Klavierduos – ziehen sie wieder alle Register. Katia, in den hohen Lagen tätig, wirkt stets ein bisschen wilder und dramatischer, Marielle ist eher in sich gekehrt, ganz ruhiges Fundament. Am Ende ergibt sich daraus ein musikalisches Gesamtkunstwerk.
Katia und Marielle Labèque haben in ihrer langen gemeinsamen Zeit auf der Bühne viele Facetten des Musikmachens für sich entdeckt – und sich davon prägen lassen. Die Protagonisten der Alten Musik haben sie begeistert, Barockorchester und Hammerklaviere. Sie musizieren in eher stillen Kämmerlein, aber auch vor 100.000 Besuchern im Wiener Schlosspark Schönbrunn. Besonders populär gemacht haben sie nicht nur Auftritte wie diese, sondern sicher auch 1981 ihre Einspielung der »Rhapsody in Blue«, in Gershwins Originalfassung für zwei Klaviere. Im März 2025 hat Katia ihren 75. Geburtstag gefeiert – natürlich auf der Bühne, mit ihrer Schwester. Und mit jedem neuen Projekt wachsen beide noch ein bisschen mehr zusammen. Ihre Erfolgsgeschichte habe auch etwas Geheimnisvolles an sich, meint Marielle. »Ich denke nicht, dass es für all das ein bestimmtes Rezept gibt. Wir wissen selber nicht genau, wie es funktioniert.«

Do 12.02.2026 19.30 Uhr
Orchestre Philharmonique du Luxembourg , Elim Chan Dirigentin, Hélène Grimaud Klavier
Werke von Aaron Copland, George Gershwin und Sergej Prokofiew
Was als Versuch begann, überschäumende Energie zu bändigen, wurde für Hélène Grimaud schnell zum Lebenselixier. Das Klavier brachte ihr nicht nur Ruhe und Zuflucht, es machte sie auch zu einer weltweit gefeierten Pianistin. Doch Einklang findet sie nicht nur in der Musik, sondern auch in der Natur.
Es ist kein Mythos, dass bei so manchem hyperaktiven Kind das Spielen eines Instruments genau das Richtige ist, damit es mal zur Ruhe findet. Hélène Grimaud ist der beste Beweis, dass das sogar zu einer Weltkarriere führen kann. Als Kind wurde bei ihr ADHS diagnostiziert, und ihren Eltern gingen allmählich die Ideen aus, wie sie der überschüssigen Energie ihrer Tochter das richtige Ventil bieten können. Alle möglichen Sportarten wurden ausprobiert, doch letztlich war Musik die Lösung. Im Alter von sieben Jahren erhielt sie ein Klavier und bekam Unterricht. »Danach war mein Leben nicht mehr dasselbe. Es hat meine Fantasie und meine Aufmerksamkeit gefesselt«, erinnert sich Grimaud. »Ich glaube, ich habe instinktiv gespürt, dass mein Leben nicht ausreichen würde, um dieses Instrument vollständig zu ergründen. Wenn ich mich einmal für etwas interessierte, konnte ich es
nicht mehr loslassen.« Und sie hat nicht losgelassen. Im Gegenteil: Sie versank vollkommen in die Klavierliteratur und bewies früh großes Talent. Bereits mit 13 Jahren studierte sie als jüngste Studentin aller Zeiten am renommierten Pariser Konservatorium. Mit 18 debütierte sie mit dem Orchestre de Paris unter Daniel Barenboim – der Beginn einer mittlerweile seit fast 40 Jahren anhaltenden erfolgreichen Bühnenkarriere.
Abseits der Bühne ist die gebürtige Französin gerne für sich, liest oder schreibt selbst Bücher und findet Kraft in der Natur. Vor allem die Arbeit mit Wölfen ist für sie eine Lebensaufgabe. 1999 gründete sie das Wolf Conservation Center in New York, das sich für den Schutz der Wölfe einsetzt. Was sie an den Tieren besonders fasziniert: »Die Wölfe leben jeden Moment in seiner ganzen Fülle.« Etwas, dass Menschen im Alltag so schwerfällt, was aber mithilfe von Musik ein wenig leichter wird. Und so schließt sich für Grimaud der Kreis, in dem Wölfe und Musik ihr Leben perfekt ergänzen. Denn im Konzert strebt sie vor allem nach einem: »Es geht um diesen Moment, in dem die Zeit stillsteht.« Im Konzerthaus Dortmund wird sie das mit Gershwins einzigartigem Klavierkonzert versuchen.
So 01.02.2026 16.00 Uhr
Kammerorchester Basel, Delyana Lazarova Dirigentin, Alexandra Dovgan Klavier
Klavierkonzerte von Clara und Robert Schumann, Emilie Mayer Sinfonie Nr. 4
Clara und Robert Schumanns Klavierkonzerte erzählen von Nähe, Eigenständigkeit und künstlerischer Entfaltung.
Es ist kompliziert: Viel wurde geschrieben über die Beziehung zwischen Robert und Clara Schumann, die Claras Vater Friedrich Wieck um jeden Preis verhindern wollte. Doch das Paar setzte sich durch und heiratete 1840. Während Clara Schumann vor allem als Virtuosin bekannt ist, kennt man sie weit weniger als Komponistin. Umso spannender ist die Gegenüberstellung, die das Kammerorchester Basel mit Pianistin Alexandra Dovgan im Konzerthaus präsentiert: Im direkten Vergleich erklingen die im Abstand von zehn Jahren entstandenen Klavierkonzerte beider Schumanns. Dabei treten sowohl Berührungspunkte als auch Unterschiede deutlich hervor.
Clara schrieb ihr zunächst als einsätziges Klavierstück konzipiertes Konzert als Teenager – ein virtuoses Statement des Wunderkindes. Als sie es 1835 unter der Leitung von Felix Mendelssohn Bartholdy uraufführte, ging die Beziehung zum neun Jahre älteren Robert bereits über eine Bekanntschaft hinaus. Ob er bei der Premiere im Saal war, ist nicht überliefert. Sicher ist: Er ermutigte sie zur Erweiterung der frühen Fassung und lobte die pianistische Brillanz und den poetischen Mittelsatz.
Als Robert Schumann 1841 sein ebenfalls in a-moll geschriebenes Klavierkonzert konzipierte, war es zunächst eine Fantasie für Klavier und Orchester, die er bis 1845 zum dreisätzigen Konzert ausarbeitete. Claras Präsenz bei dessen Uraufführung ist hingegen bestens dokumentiert, saß sie doch wieder als Solistin am Flügel.
Im Zusammenspiel dieser beiden Werke entsteht ein besonderer musikalischer Dialog. Claras Konzert erscheint als selbstbewusstes, brillantes Statement einer jungen Künstlerin, die sich mit Virtuosität und klanglicher Eigenwilligkeit positioniert. Roberts Konzert führt diesen Impuls weiter zu einer sinfonischen Erzählung, in der Klavier und Orchester gleichberechtigt agieren. So spiegeln und bereichern sich zwei künstlerische Perspektiven – verbunden durch eine gemeinsame Tonart und eine außergewöhnliche Lebensgeschichte.

Fr 16.01.2026 19.00 Uhr
Royal Concertgebouw Orchestra , Jakub Hrůša Dirigent, Yunchan Lim Klavier
Werke von Schumann, Dvořák und Suk

2022 wurde er im Alter von 18 Jahren zur Sensation: Als jüngster Teilnehmer aller Zeiten gewann Yunchan Lim Gold bei der großen »Van Cliburn International Piano Competition«.
Seit seinem überraschenden Wettbewerbsgewinn ist Yunchan Lims Aufstieg zum internationalen Star kometenhaft verlaufen. Sein Auftritt mit Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 3 war der entscheidende Moment des Wettbewerbs, wie ein Kritiker feststellte: »Der Applaus war endlos: Vor unseren Augen war ein Star geboren worden.« Die Decca sicherte sich den jungen Pianisten für CD-Aufnahmen, das Video seiner Rachmaninow-Interpretation war in den Tagen danach weltweit ein Trend auf YouTube und ist mittlerweile mit weit über 18 Millionen Aufrufen die meistgesehene Version dieses Stücks auf der Plattform. Die Orchestermitglieder, die sonst höflich mit ihren Bögen auf die Notenständer klopfen oder mit den Füßen stampfen, stimmen in den Applaus mit ein. Wenn man genau hinschaut, sieht man eine Cellistin sogar ihren Bogen beiseitelegen, um mit den Händen über dem Kopf zu klatschen. Und auch Marin Alsop, die das Finale des Wettbewerbs dirigierte, berichtet, der koreanische Pianist verbinde »tiefgründige Musikalität und erstaunliche Technik auf organische Weise miteinander«. Als Antwort darauf schreibt Yunchan Lim: »Marin Alsop ist eine Person, die mein Herz und meine Seele zum Zittern bringt und der Menschheit auf der Welt etwas wirklich Warmes schenkt.« Der Apple Music Classical Global Ambassador hat also keine Angst vor ein bisschen Pathos in seinen Worten, auch wenn er verheißungsvoll ankündigt: »Ich habe beschlossen, mein Leben nur für die Musik zu leben und alles für die Musik aufzugeben. Ich möchte, dass meine Musik tiefer wird, und wenn dieses Verlangen das Publikum erreicht, bin ich zufrieden.« Die Musikwelt freut es und kann sich im Konzerthaus bei Schumanns Klavierkonzert von seinen Fähigkeiten überzeugen.
Do 05.02.2026 20.00 Uhr
Hot Jazz der 1920er-Jahre
Syncopated Orchestra
Zur Einstimmung auf das Konzert wird es ab 18.30 Uhr im Foyer stimmungsvolle Musik, Bergmann Bier und passende Snacks geben. Starten Sie bei uns in den Feierabend!

Zeitreise im Konzerthaus mit dem Jazz der Zwanziger und dem Original Prague Syncopated Orchestra. Seit über vier Jahrzehnten bringt das Ensemble virtuos, charmant und voller Lebensfreude den authentischen Klang der frühen Jazz-Ära auf die Bühne.
Das stilsichere Original Prague Syncopated Orchestra wurde 1974 von Musiker und Bandleader Pavel Klikar gegründet, der sich dem authentischen Sound der 1910er- bis 1930er-Jahre verschrieb. Mit Akribie und Leidenschaft rekonstruierte er historische Arrangements, suchte nach alten Instrumenten und ließ so jene goldene Zeit wieder auferstehen, in der Ragtime, Charleston und Foxtrott die Tanzflächen füllten.
Das Ensemble, bestehend aus exzellenten tschechischen Jazzmusikern, begeistert mit einer Mischung aus musikalischer Präzision und augenzwinkerndem Humor. Die Arrangements sind originalgetreu, doch der Vortrag hat Esprit und
Witz – ein Markenzeichen, das dem Orchester internationale Anerkennung eingebracht hat. Neben Konzerten in Europa trat die Formation unter anderem auch in den USA und Japan auf. Ihr Repertoire reicht von Klassikern wie Duke Ellingtons frühen Kompositionen über Hits von Paul Whiteman bis hin zu den charmanten, oft vergessenen Nummern kleiner Jazz-Combos aus den 1920er-Jahren. Dabei erklingen historische Instrumente: Kornette, Banjo, Tuba, Waschbrett und Streicher verleihen dem Sound jene unverwechselbare, warme Textur, die das Publikum direkt in die Zeit der Grammophone und Flapperkleider versetzt.
Wer das Original Prague Syncopated Orchestra erlebt, spürt sofort, dass hier nicht nur Nostalgie, sondern lebendige Leidenschaft am Werk ist. Jeder Ton atmet Geschichte – und zugleich den ungebremsten Spaß am Spiel. So verwandelt sich jedes Konzert in eine hinreißende musikalische Revue, die Herz und Beine gleichermaßen bewegt.

Das ideale Weihnachtsgeschenk
Drei Konzerte buchen und 15 % sparen. Paketpreis: ab 56 €
Fr 16.01.2026
Yunchan Lim & Royal Concertgebouw Orchestra – Schumann Klavierkonzert
Jakub Hrůša dirigiert Sinfonische Dichtungen von Dvořák und Suk.
Sa 07.02.2026
Mahler Chamber Orchestra – Mahler 3. Sinfonie
Riccardo Minasi und Marianne Crebassa in Mahlers groß besetzter Sinfonie
Infos & Tickets unter konzerthaus-dortmund.de/weihnachtspaket
Persönliche Beratung: T 0231 – 22 696 200
Do 05.03.2026
Tango Seasons – Gabetta Consort
Vier Jahreszeiten: Vivaldi trifft Piazzolla

1 Notenblatt, 840 Wiederholungen: Dieser Herausforderung der Satie-Komposition »Vexations« hat sich Pianist Roman Borisov im Rahmen der DEW21-Museumsnacht am 20. September zum 100. Todestag des Komponisten gestellt. Tausende Menschen verfolgten den Livestream aus dem Konzerthaus Dortmund, 1700 nahmen den ganzen Tag über im Konzertsaal Platz – einige für wenige Minuten, andere länger. Unter ihnen: Andreas Bölker. Der Dortmunder blieb vom Anfang bis zum Ende, fast 15 Stunden lang, von 8.30 bis 23.17 Uhr. Langeweile kam bei ihm nicht auf und er ließ es sich nicht nehmen, dem Pianisten persönlich zu gratulieren und zu danken. »Dieser Abend im Konzerthaus bleibt«, ist er überzeugt.

Fünf Porträts von Künsterinnen und Künstlern in fünf Jahren: Das steckt hinter dem Projekt »5 mal 5«, das von der Kulturstiftung Dortmund zum 25. Geburtstag des Konzerthaus Dortmund initiiert wurde. Zwei Werke des fünfteiligen Porträtzyklus hat der Kölner Maler Oliver Jordan bereits geschaffen, am 2. Oktober wurde nun das dritte feierlich enthüllt: ein Porträt von Sheku Kanneh-Mason. Der Cellist war bis 2024 Teil der Reihe »Junge Wilde« und lüftete persönlich den Vorhang. »Das ist eine Ehre«, sagte er während des festlichen Empfangs. Er liebe den Konzertsaal, mit dem er viele schöne Erinnerungen an Auftritte verbinde. »Durch meine Darstellung in dem Gemälde bleibt meine Verbindung zu ihm auch dann bestehen, wenn ich an anderen Orten bin.«
BZum Auftakt der neuen Saison haben wieder die Botschafterinnen und Botschafter auf der Konzerthaus-Bühne Platz genommen – ein Netzwerk von Persönlichkeiten, die mit Leidenschaft und großem Engagement die Arbeit unseres Hauses möglich machen. Ihr Einsatz ist weit mehr als Unterstützung: Er ist ein starkes Signal für die kulturelle Kraft unserer Stadt und Region. Als Dankeschön für dieses besondere Engagement gab es einen Abend voller Musik, kulinarischer Genüsse und Begegnungen: Pianist Giorgi Gigashvili begeisterte mit einem exklusiven Beitrag, und Elena Fink überraschte die Gäste mit einem Auftritt, der ihre neue Rolle als Leiterin Development mit ihrer künstlerischen Karriere verband.
Ein voll gefüllter Saal für eine Blockflöte – dieses Kunststück schaffte die niederländische Musikerin bei ihrem »fulminanten Debüt« (so die »Ruhr Nachrichten«). Bei so viel Publikum hat Lucie Horsch für ihr Konzert am 22. Januar 2026 mit dem B’Rock Orchestra gleich Verstärkung mitgebracht. Im Gästebuch hat sie gezeigt, dass sie die Flöte nicht nur spielen, sondern auch zeichnen kann:



Eintrag vom 29. Oktober 2024 nach Lucie Horschs erstem Konzert in der Reihe »Junge Wilde«

Herausgeber
Konzerthaus Dortmund GmbH
Intendant und Geschäftsführer
Dr. Raphael von Hoensbroech, V.i.S.d.P.
Redaktion
Marion Daldrup, Katharina Dröge, Nicole Richter
Texte
Markus Bruderreck, Marion Daldrup, Katharina Dröge, Corinna Ludwig, Nicole Richter, Teresa Saxe, Verena Wengorz
Gestaltung
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Anzeigenmarketing
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Ausgabe 04 /2025 /26
Jonathan Tetelman Vom DJ zum Tenor
Yannick Nézet-Séguin Bis die Götter dämmern
Meret Becker Chanson für eine Abwesende
Jörg Widmann Begegnung mit Beethoven

Als Geiger, Pianist und Schlagzeuger ließ sich unser gesuchter Künstler zunächst ausbilden, bis er im Alter von 14 Jahren während der Proben zu Sibelius’ Erster Sinfonie seine wahre musikalische Berufung fand. Der gebürtige Londoner mit italienischen Wurzeln, der auch Berlin seine Heimat nennt, gilt als Brückenbauer zwischen Oper und Konzert. Darüber hinaus setzt er sich für eine stärkere Präsenz von Komponistinnen in der deutschen und internationalen Musiklandschaft ein. Ruhe und Erholung findet der 42-Jährige, der den Briten Sir Simon Rattle zu seinen Mentoren zählt, vor allem in der Natur.
Wenn Sie die Lösung wissen, schicken Sie sie uns per E-Mail an verena.wengorz@konzerthaus-dortmund.de. oder auf einer Postkarte mit dem Stichwort »Nashorn-Rätsel« an: Konzerthaus Dortmund, Verena Wengorz, Brückstraße 21, 44135 Dortmund Einsendeschluss ist der 03.02.2025 . Unter den richtigen Einsendungen verlosen wir fünfmal zwei Freikarten für das Konzert von Sol Gabetta, Semyon Bychkov & Czech Philharmonic am 23.04.2026. Viel Glück! Die Lösung des letzten Nashorn-Rätsels: Lang Lang
Persönlich
Ticketing und Abonnementberatung
Ludwigstraße/ Ecke
Reinoldistraße, 44135 Dortmund
Öffnungszeiten
Montag bis Freitag von 10.00 bis 18.30 Uhr, Samstag von 11.00 bis 15.00 Uhr
Per Telefon
T 0231–22 696 200
Per Fax
F 0231–22 696 222
Per Post
Konzerthaus Dortmund, Vertrieb, Brückstraße 21, 44135 Dortmund
Zahlungsarten
Barzahlung und per Kreditkarte (MasterCard, American Express und VISA). Bei Bestellungen bis spätestens zehn Werktage vor der jeweiligen Veranstaltung ist auch eine Zahlung per Lastschrift möglich. Bitte Postlaufzeiten berücksichtigen.
Internet
Ticketshop auf www.konzerthaus-dortmund.de
Abendkasse
Die Abendkasse im Foyer öffnet bei Eigenveranstaltungen 90 Minuten vor der jeweiligen Veranstaltung.
Hörplätze
Hörplätze werden an der Abendkasse ausschließlich nach Verfügbarkeit ausgegeben. Ein Anspruch auf Bereitstellung der Hörplätze besteht nicht, eine Reservierung dieser Plätze ist nicht möglich. Je Interessent wird nur eine Karte ausgegeben.
Service für Rollstuhlfahrer*innen
Bitte buchen Sie frühzeitig, damit wir Ihre gewünschten Plätze und unseren Extra-Service garantieren können. Falls Sie keine Begleitperson mitbringen, hilft Ihnen unser kostenloser Begleitservice gerne: T 0231–22 696 200.

Preiskategorie
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Keine volle Podiumssicht
Hörplätze sind 90 Minuten vor Beginn der Veranstaltung erhältlich (Sonderregelungen vorbehalten)
Informationen zu Hörhilfen
Für Nutzer*innen von Hörhilfen gibt es auf den meisten Plätzen eine Induktionsschleife. Bei der Platzwahl wird Sie unser Ticketing gerne beraten.
AGB
Die allgemeinen Geschäftsbedingungen des Konzerthaus Dortmund können im Ticketing des Konzerthauses sowie im Internet eingesehen werden.
Preiskategorien
Alle Saalpläne finden Sie unter www.konzerthaus-dortmund.de/ de/technik
Ob forte oder piano – ab sofort kontrollieren Sie selbst Anschlag und Tonvolumen Ihres Steinway Klaviers. Mit dem Dolce Pedal für feinen, leisen Klang erleben Sie noch mehr Klangfülle und V
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Maiwald – Klaviere & Flügel im Konzerthaus Brückstraße 21 · 44135 Dortmund · Tel.: 0231 2 26 96-145 www.steinway-dortmund.de
Die Botschafterinnen und Botschafter des Konzerthaus Dortmund
Liselotte und Dr. Helmut von Achten · Prof. Dr. Lutz Aderhold · Dr. Andreas Bellmunt · Anja Berninghaus · Heinrich Böckelühr, Regierungspräsident der Bezirksregierung Arnsberg · Britta und Roland Bracht · Gabi und Dr. Michael Brenscheidt · Christine Bülow, Gynäkologikum Ruhr · Lilo und Frank Bünte · Susanne und Dr. Wolfgang Cordier · Peter Cremer · Heidrun und Dr. Hans von Dewall · Dr. Stephen Dunker, DHPD Wirtschaftsprüfer u. Steuerberater · Susanne und Udo Dolezych · Dr. Ansgar Fendel, REMONDIS · Jörg Flocken, Mercedes Benz NL Dortmund · Christa Frommknecht Ingrid Gantenbrink · Beatrice und Thomas Goeke · Iris und Volker Goeke · Johannes Großpietsch, Busche Verlagsgruppe · Benjamin Heinig · Christoph Helbich, SHA Scheffler Helbich Architekten · Gesa und Torsten Heldt · Inka und Dr. Mazen Hilal · Uta Höfling · Detlev Höhner, MURTFELDT · Martina und Hans Jörg Hübner · Ann-Grit und Peter N. Jülich Sebastian Graf von Kanitz · Hans-Jörg Karthaus · Prof. Dr. Stefan Kirmße · Annette und Dr. Uwe Kiszka · Dr. Wolfram Kiwit, Verlag Lensing-Wolff · Dr. Martin Kleine · Sarah und Herbert Kleinewiese · Michael Kohler, audalis Kohler Punge & Partner · Swantje und Lutz Kramer · Felix Krämer, Aug. Krämer Kornbrennerei · Traudel Kroh · Dr. Alice L. und Dr. Jochen Kühner · Dr. Gunther Lehleiter · Margrit und Ulrich Leitermann · Dr. Thomas Lichtenberg · Dr. Eva und Dr. Rainer Löb · Johanna Lonnemann, LUC · André Maiwald, Maiwald Klavier & Flügel Galerie · Michael Martens, Dortmunder Volksbank · Dr. Fatma Michels, Frauenärztin FrauSEIN und Menovital · Jutta und Hans-Hugo Miebach Lukas Minssen · Axel und Dietrich Nill, LEUE & NILL · Susanne Nolden · Christian Oecking, Haus & Grund Dortmund Marc T. Oehler · Renate und Dr. Jochen Opländer · Prof. Dr. Tido Park, PARK Wirtschaftsstrafrecht. · Dr. Bukurije Plasger, Gynäkologie Gartenstadt · Ines Pohlmann-Feuerhake-Fund und Peter Pohlmann · Beatrix Polchau · MarieLuise Kauermann und Prof. Helmut Riester · Michael Sander · Wolfgang Scharf, Creditreform Dortmund Scharf Dirk Schaufelberger · Cornelia und Thomas Schieferstein · Dr. Christoph Schmidt · Marie-Theres SchnarrenbergerWeitkamp · Dr. Arne Schneider, Elmos Stiftung · Familie Schneider · Dr. Wolfgang Schröder · Christoph Schubert, Husemann Partnerschaftsgesellschaft mbH · Angelika Ullm und Architekt Ralf Schulte-Ladbeck, A-SL-Baumanagement Reinhold und Katharina Semer · Mechtild Steinau · Marie Elise und Dr. Hans Stetter · Sebastian Stoll und Dr. Christian Sieling, HNO-Praxis Stoll & Sieling · Winfried Tillmann, FT Stiftung Schwerte · Dr. Ina Tilse · Prof. Dr. Detlev Uhlenbrock, MVZ Prof. Dr. Uhlenbrock & Partner · Emil und Christiane Underberg · Prof. Dr. Angela und Wilfried Utermann · Iris Woerner und Axel Vosschulte · Martina und Thomas Wrede, und weitere Botschafter und Botschafterinnen, die nicht genannt werden möchten
Die Botschafterinnen und Botschafter werden im Botschafterboard ehrenamtlich vertreten von: Detlev Höhner (Sprecher), Iris Woerner (2. Sprecherin), Michael Sander, Dirk Schaufelberger, Martina Wrede
Danke für: So klingt nur Dortmund.
