

50 JAHRE HEXENSEEHÜTTE
1974 - 2024
INHALTSVERZEICHNIS









Wiederaufbau 1995
Impressum
Festschrift aus Anlass des Jubiläums 50 Jahre
Hexenseehütte, Sektion Rheinland-Köln e.V. im DAV, herausgegeben vom Referat für Öffentlichkeitsarbeit
Auflage (Print): 5.500
Titelbild: Hexenseehütte, Foto: Seilbahngesellschaft
Redaktion: Caro Niemann, Kalle Kubatschka
Layout: Vanessa Przibilla
Fotos: Gemeindeamt Serfaus, Seilbahngesellschaft
Serfaus, gletscherspalten Archiv, Franz Ahrtaler, Bärbel Eisert, Hanno Jacobs, Caro Niemann, Michael Stein, iStock-524161428, shutterstock_1153346569, shutterstock_291909806
Druck: Warlich Druck, Meckenheim Rast vor der Hütte

Paul
Greiter
Bürgermeister der Gemeinde Serfaus
Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum!
Mit 50 Jahren ist die Hexenseehütte ja noch sehr jung und trotzdem kann sie auf eine sehr wechselhafte Geschichte zurückblicken. Die im Jahre 1974 von der Sektion Rheinland-Köln des Deutschen Alpenvereins errichtete Hütte liegt in einem landschaftlich besonders reizvollen Bergkessel eingebettet. Sie dient damals wie heute als Stützpunkt für Bergwanderer Richtung Paznaun, zum Aufstieg auf den Hexenkopf und natürlich als attraktives Tageswanderziel für Einheimische und Gäste. Seit einigen Jahren ist sie nun auch beliebtes Ziel für viele Mountainbikefreunde.
Durch die schitechnische Erschließung des Masnergebietes und vor allem seit dem Neubau der Masnerkopfbahn ist die erweiterte Hexenseehütte nun ja auch ein beliebter Treffpunkt der Schifahrer, welche vor allem die traumhafte Aussicht und die tolle Bergkulisse schätzen. Mein Dank gilt allen Pächtern, aktiven Freiwilligen und Mitarbeitern der Sektion, die in den letzten fünf Jahrzehnten die Hütte betrieben haben und die Gäste vorbildlich versorgt haben.
Als Serfauser Bürgermeister und Beiratsvorsitzender der Seilbahn Komperdell darf ich zum Jubiläum im Namen der Serfauser Bevölkerung sehr herzlich gratulieren und die besten Glückwünsche aussprechen. Es ist mir ein großes Anliegen, mich besonders bei den Verantwortlichen der Sektion Rheinland-Köln für die partnerschaftliche, wertschätzende, ja freundschaftliche Zusammenarbeit durch nun fast 100 Jahre bedanken. Das gegenseitige Verständnis hat eine beispielgebende Entwicklung in diesem schönen Teil des „Oberen Gerichts“ ermöglicht und bietet unzähligen Gästen aus Nah und Fern die Gelegenheit, wunderbare Stunden in unserer malerischen Tiroler Bergwelt zu verbringen.
Paul Greiter
GRUSSWORT DES KÖLNER ALPENVEREINS

Karl-Heinz Kubatschka
1. Vorsitzender
Sektion Rheinland-Köln e.V.
Liebe Mitglieder, Freundinnen und Freunde der Kölner Sektion!
Der Bau der Hexenseehütte am Hexensee in der wunderbaren Berglandschaft der Samnaungruppe vor 50 Jahren markiert einen bemerkenswerten Meilenstein in der Geschichte unseres Vereins. Mit ihrer Einweihung am 1. September 1974 hat die Sektion neben der Eifelhütte in Blens und dem Kölner Haus auf Komperdell eine dritte Bergsteigerunterkunft geschaffen.
Im Jahre 1974 errichtet, brannte sie 1994 komplett nieder. Zwei Jahre später stand die neue Hexenseehütte. Bau und Planung wurden seinerzeit an den damaligen Hauptverein übertragen, der die Hütte 1996 schlüsselfertig an unsere Sektion übergab. 2012 wurde die Hexenseehütte nochmals umgebaut und erweitert und erhielt ihren heutigen Charakter einer modernen Alpenvereinshütte.
Die Geschichte unserer Hütte ist geprägt von gemeinsamen Erinnerungen, von Abenteuern und Herausforderungen, von Freundschaften, die in der rauen Schönheit der Berge geschmiedet wurden. S ie ist ein Ort der Begegnung und des Austauschs.
Anlässlich dieses Jubiläums möchte ich allen danken, die zum Erfolg unserer Hütte beigetragen haben: den Mitgliedern, die mit ihrem Engagement und ihrer Unterstützung unsere Hütte am Leben erhalten haben, den Hüttenwarten und freiwilligen Helfer*innen, die mit ihrer Leidenschaft und ihrem Einsatz unsere Gäste empfangen und betreuen, und natürlich allen Gästen, die unsere Hütte zu dem machen, was sie ist: ein Zuhause in den Bergen. Besonders erwähnen möchte ich auch die überaus erfolgreiche Kooperation mit der Gemeinde Serfaus und der Seilbahngesellschaft, die die Hütte im Winter betreibt.
Möge unsere Alpenvereinshütte auch in den kommenden Jahren ein Ort der Freude, der Gemeinschaft und des Abenteuers sein. Auf die nächsten 50 Jahre und viele weitere unvergessliche Momente in den Bergen!
Karl-Heinz Kubatschka

Traumhafte Berglandschaft
GESCHICHTE DER HEXENSEEHÜTTE
Von der Planung bis zur Umsetzung

Der Vorstand beschloss zu Beginn der Siebzigerjahre, eine kleine Selbstversorgerhütte auf dem Weg zur Heidelberger Hütte zu bauen. Bald wurde ein geeigneter Standort in der Nähe des Hexensees gefunden und man begann mit der Planung und Umsetzung des Projektes. 1974 konnte die Hexenseehütte eingeweiht werden.
GESCHICHTE DER HEXENSEEHÜTTE
Die erste größere Sommerdurchquerung der Samnaungruppe vom Kölner Haus zur Heidelberger Hütte startete im Sommer 1962 mit 35 Jugendlichen vom Kölner Alpenverein. Die Tour an einem Tag zu bewältigen, war kaum möglich, daher biwakierte die Gruppe am Martinskopf. Ziel war es, vom Kölner Haus Anschluss an die Hoch-Silvretta zu finden. Nicht nur diese Gruppe verfolgte die Idee. Josef Schloesser, der in den 30er Jahren mit seinen Freunden Pionierarbeit bei der Anlegung von Steigen und Wegen in der Samnaungruppe leistete, hatte bereits 40 Jahre zuvor die Wintermarkierung vom Kölner Haus zur Alp Trida erstellt.

Einweihung 1974
Seit der Bergwanderung der Jugendgruppe mit dem damaligen Hüttenwart des Kölner Alpenvereins für das Kölner Haus, Herbert Clemens, wurde immer wieder nach einem Übergang zur Heidelberger Hütte gesucht. Mehr als zehn Jahre lang wurden Pläne und Bauplätze für eine Hütte teilweise konträr diskutiert. Viele Mitglieder verfochten den Plan einer Bergsteigerunterkunft im Gebiet der
Fließer Stieralpe. Es gab weitere Stimmen, die den Standort der Zollhütte hinter dem Hexensattel vorschlugen. Auch der Hauptverein musste in mehreren Gesprächen überzeugt werden. Nach langen Abstimmungen und Planungen kam der Vorstand Anfang der Siebzigerjahre zu dem konkreten Beschluss: Bau eines Bergsteigerstützpunktes im Bereich des Hexensees. Der Zweck der Hütte sollte in erster Linie sein, das Kölner Haus und die Ascher Hütte für Hüttenwanderer über die Idalpe und Heidelberger Hütte an das Netz der Silvrettahütten anzuschließen.
Der Bau des neuen Bergsteigerstützpunktes wurde unter folgenden Prämissen genehmigt:
• Die Hexenseehütte ist ein Angebot der Ruhe an die Mitglieder des DAV
• Es wird keinen Konsumzwang geben
• Sie kann als Ausgangspunkt herrlicher Bergwanderungen genutzt werden
• Sie liegt einsam und bedarf der schützenden und helfenden Hand aller Bergfreunde
• Sie ist umgeben von blumenreichen Wiesenpolstern, die nicht zerstört werden dürfen
• Sie liegt in der sauberen unberührten Bergwelt; alle müssen helfen, Unrat und Abfälle nur in der vorgesehenen Weise zu beseitigen
• Sie ermöglicht eine neue Form der Gastlichkeit und Hilfsbereitschaft untereinander
• Sie ist eine Hütte für „mündige“ Bergsteiger.
Das damalige Vorstandsmitglied Armin Hermann aus Pulheim entwarf die Pläne für eine Hütte in konservativer Bauweise aus Holz und der Zimmermann Engelbert Auer aus Serfaus war bereit, das Projekt zu verwirklichen. Der Gemeinderat Serfaus, Bauaufsicht und Lawinenkommission der Bezirkshauptmann-
schaft Landeck stimmten den Plänen zu. Ein Hubschrauber- und Lagerplatz unterhalb des Kölner Hauses wurde eingerichtet, zu dem mit dem Wagen alles gebracht und vom Hubschrauber problemlos übernommen werden konnte; zwei bis drei Minuten Flug und schon wurde am Hexensee abgeladen. Die Hüttenwirtsleute Michels vom Kölner Haus übernahmen die gesamte Logistik und beschafften neben der Inneneinrichtung auch Toilettenpapier, Geschirr, Wäsche, Decken etc. Insgesamt wurde für den Bau, Transport und Inneneinrichtung der Hütte 170.000 DM aufgebracht, die aus Rücklagen der Sektion und einem Zuschuss des Hauptvereins München in Höhe von 20.000 DM finanziert wurden.
Am 1. September 1974 war es soweit und der Kölner Alpenverein lud zur Eröffnung der Hexenseehütte ein. Die Einweihungsfeier war schlicht – ein Gottesdienst mit Pfarrer Josef Juen und Ansprachen des damaligen Vorsitzenden der Kölner Sektion Dr. Karl Heinz Dries, des Bürgermeisters von Serfaus Hugo Westreicher und des ersten Vorsitzenden des DAV Reinhard Sander.

Mit der Einweihung der Hexenseehütte am Hexensee auf einer Höhe von 2.588 Meter am 31. August 1974 hatte die Sektion neben dem Haus in Blens und dem Kölner Haus auf Komperdell eine dritte Bergsteigerunterkunft geschaffen. Als Hütte mit Selbstversorgung eingerichtet, war sie vom Kölner Haus aus in etwa drei Stunden Fußmarsch zu erreichen. Ein Stützpunkt auf dem Weg in die Silvretta war nun hinzugekommen. Ab jetzt waren es „nur“ noch 12 bis 15 Stunden bis zur Heidelberger Hütte.
Als später die Lifte und der Wintersport bis zum Masner vordrangen, waren bauliche Veränderungen – insbesondere für den Winteraufenthalt – erforderlich. Die Auflagen der Verwaltungsbehörden sahen eine Toilettenanlage vor. So erhielt die Hütte 1990 an der Ostseite einen Anbau, der neben der Toilettenanlage Waschräume und einen Vorratsraum enthielt. Die im alten Toilettenhäuschen nistenden Bachstelzen setzten die Bauauflage, die einen Abriss vorsah, mit Hilfe der Naturschutzbehörde außer Kraft.

Rast vor der Hütte
GESCHICHTE DER HEXENSEEHÜTTE
gletscherspalten aus dem Jahr 1974





Die Hütte brennt–
WIEDERAUFBAU NACH DEM BRAND
Die Wintersaison 1993/1994 begann wie oftmals in den Jahren zuvor vielversprechend für das Kölner Haus und die Hexenseehütte. Unter der Leitung von Hüttenwirt Franz Althaler waren ausreichend Vorräte für Gruppen und Tagesbesucher gelagert worden, und das Gebiet lag unter einer dicken Schneedecke, die die Szenerie in eine malerische Winterlandschaft verwandelte.
Am Morgen des 1. Februar 1994 sollte Hüttenmitarbeiter Paul seinen Dienst antreten. Als er sich der Hütte näherte, bemerkte er Rauch aus dem Kamin aufsteigen. Zunächst dachte er, dass sich Gäste in der Hütte aufhielten. Doch beim Öffnen der Tür wurde er von Flammen überrascht. Sofort alarmierte er Hilfe von der nahegelegenen Skihütte Masner, und die Feuerwehr eilte mit einem Hubschrauber herbei. Trotz aller Bemühungen konnte das Feuer nicht unter Kontrolle gebracht werden, und innerhalb von drei Stunden war die Hütte bis auf das Fundament niedergebrannt. Zum Glück kam niemand zu Schaden.
Die Untersuchungen zur Brandursache blieben ergebnislos, aber vermutlich war eine schadhafte Wandisolierung zwischen Ofen und Wand oder eine Störung an der Gasleitung oder Solaranlage verantwortlich.

blieb die kleine, etwa 30 Meter entfernte Hütte unbeschädigt. Dieser wurde kurzfristig zu einer provisorischen Unterkunft für Tourengeher umfunktioniert, damit sie den Weitwanderweg Ascher Hütte – Alp Trida –Heidelberger Hütte im Sommer wieder begehen konnten.
… wie ist es schön, wenn man an eine Schutzhütte kommt und erfährt, was Gemeinschaft, was Schutz und was irgendwie Heimat bedeuten kann.
Zitat aus den gletscherspalten 1993-3 S.7
Die gesamte Hütte war aus Holz gefertigt, was die Ausbreitung des Feuers begünstigte. Während die Hexenseehütte dem Feuer zum Opfer fiel,
Bereits am Tag nach dem Brand begannen erste Gespräche über den Wiederaufbau. Der Kölner Alpenverein, der Hauptverein des DAV und die Gemeinde Serfaus waren sich einig, dass die Hütte wiedererrichtet werden sollte. Der Gesamtschaden würde von der Versicherung nur bei einem Wiederaufbau erstattet, was die Entscheidung für einen Neubau erleichterte.
Abgebrannte Hütte
DIE HÜTTE BRENNT
Hindernisse wie Probleme mit Baugenehmigungen und Finanzierung konnten den Wiederaufbau nicht aufhalten. Mit Unterstützung der Gemeinde und des DAV wurden die Planungen für die neue Hexenseehütte in Angriff genommen. Der Baubeginn wurde im Jahr 1995 ermöglicht, nachdem man sich darauf geeinigt hatte, den Betrieb der Hütte vorerst nur auf Selbstversorger-Basis zu führen. Nach intensiven Verhandlungen konnten die erforderlichen Genehmigungen erwirkt werden, und die Bauarbeiten begannen.
Trotz widriger Witterungsbedingungen und zwischenzeitlicher Unterbrechungen durch Frost und Schneefall konnte der Rohbau der neuen Hexenseehütte bereits im Oktober fertiggestellt werden. Am 1. September 1996 wurde die neu errichtete Hütte schließlich feierlich eingeweiht, mit verbesserten Einrichtungen wie einer Solaranlage und einem Komposttoilettensystem.

Kalle Kubatschka erinnert sich:
1996 war ich gerade frisch in den Vorstand gewählt worden und war bei der Vorbereitung der Feierlichkeiten vor Ort. Mit Franz habe ich „hunderte“ Hauswürste in mehreren Aufstiegen hochgeschleppt. Zur Einweihung gab es Erbsensuppe mit den Hauswürsten. Die Suppe wurde mit den Holzresten der alten Hütte erwärmt. Ich stand in der Küche und bei den vielen Besuchern – trotz schlechtem Wetter –kamen wir mit dem Holzherd und dem provisorischem Gasherd von Franz schnell an unsere Grenzen. Irgendwann musste dann eine Entscheidung her: Entweder gibt es weiter Jagertee oder wir kochen jetzt die Suppe für alle – wir hatten nur Kapazitäten für eines von beiden. Zwei oder drei Tage vor der Einweihung gab es einen Wintereinbruch mit 40 Zentimeter Neuschnee. Heinz Kluck (frischgebackener Gruppenleiter der Tourengruppe) und seine Frau wären im Aufstieg zur Hexenseehütte beinahe im großen Blockfeld im White-Out verloren gegangen ...

Wiederaufbau 1995




Hexenseehütte heute
Bergsteigergruppe
NEUE WENDUNGEN
In den nächsten Jahren lief der Sommer- und Winterbetrieb unter der Verantwortung des Hüttenwirts des Kölner Hauses, Franz Althalter, ohne große Vorkommnisse. Nächtigungen und Tagesbetrieb waren sowohl im Winter wie im Sommer stark vom Wetter abhängig.
Im Jahre 2006 erfuhr der Kölner Alpenverein erstmals, dass eine neue Masnerkopfbahn bis auf den Gipfel und eine Skiabfahrt direkt an der Hexenseehütte vorbei gebaut werden sollten. Gleichzeitig waren direkt unterhalb der Hexenseehütte ein großer Speichersee zur Beschneiung und eine Fahrstraße geplant. Beides wurde im Jahre 2009 fertiggestellt. Michael Stein, verantwortlich für die Wege, legte mit Freiwilligen der damaligen Jugend einen neuen Weg vom Speichersee zur Hütte an. Gleichzeitig wurde der Weitwanderweg 712 nach der neuen Tiroler Norm neu ausgeschildert.
2011 informierte die Seilbahngesellschaft den Vorstand darüber, dass die Planungen für
die Seilbahn voranschritten. Der Pistenverlauf sollte in der Nähe der Hexenseehütte vorbeiführen. Die Seilbahngesellschaft war sehr daran interessiert, den Winterbetrieb der Hexenseehütte aufrecht zu erhalten, da mit höherer Frequentierung der Hütte zu rechnen sei und bot ihre Unterstützung an. Da Franz Althaler Probleme hatte, geeignetes Personal für die Hexenseehütte zu finden, und gleichzeitig erhebliche finanzielle Aufwendungen für die geregelte Wasserver- und Abwasserentsorgung sowie Stromversorgung bevorstanden, überlegte man im Kölner Alpenverein bereits, den Winterbetrieb einzustellen. Das Angebot der Seilbahngesellschaft zur Unterstützung kam daher zur rechten Zeit.
Nach mehreren Verhandlungen mit der Seilbahngesellschaft stimmte der Vorstand am 6. Juni 2011 der Unterverpachtung der Hexenseehütte für den Winterbetrieb an die Seilbahngesellschaft zu. Zusammen mit dem Pachtvertrag wurde ein umfangreicher Ausbau

der Hexenseehütte geplant. Dabei wurde auch festgelegt, dass die Hexenseehütte künftig eine AV-Hütte bleiben und für Mitglieder die Möglichkeit zur Selbstversorgung bestehen bleiben würde. Die Seilbahngesellschaft nahm den Betrieb zur Wintersaison 2011/2012 auf.
Unterdessen wurden die Pläne zum Umbau der Hexenseehütte weiterentwickelt. Mit der neuen Hexsenseeabfahrt, die direkt an der Hütte vorbeiführte, wurde ein wesentlich höheres Gästeaufkommen erwartet. Auch im Sommer rechnete man mit mehr Gästen.
Doch es sollten erneut Probleme auftreten.
Für den Bauantrag war eine geklärte Grundrechtssituation Voraussetzung. Zum damaligen Zeitpunkt wurde die Hexenseehütte auf dem Gemeindegebiet nur geduldet. Zwar existierte ein Gemeinderatsbeschluss aus dem Jahre 1972, wonach 1.000 Quadratmeter Grund an der Hexenseehütte auf 99 Jahre an

die Sektion Rheinland-Köln verpachtet wurden, allerdings fehlte eine entsprechende Grundbucheintragung. Damit war der Beschluss nichtig und die Hütte fiel an die Gemeinde.
Der Kölner Alpenverein, die Gemeinde Serfaus und die Seilbahngesellschaft waren sich einig, das Umbauprojekt voranzutreiben und suchten nach einer gemeinsamen Lösung. Nach mehreren Verhandlungen erhielt die Sektion ein Nutzungsrecht der Hütte von der Gemeinde Serfaus auf 75 Jahre. Gleichzeitig bleiben die wesentlichen Rechte und Pflichten aus dem Pachtvertrag zwischen der Gemeinde und der Seilbahngesellschaft bestehen. Der Sektion werden im Winter eine Selbstversorgereinheit für Mitglieder mit Sanitärräumen und Winterraum zur Verfügung stehen. Der Sommerbetrieb umfasst alle notwendigen Räume einschließlich eines Verpachtungsrechts. Zur Wintersaison 2012/2013 waren die Baumaßnahmen zur Erweiterung der Hexenseehütte abgeschlossen.

DIE HÜTTENWIRTSLEUTE
Otto Heiseler – 1975 bis 1989
Der Hirte und Bergsteiger Otto Heiseler aus Ladis war nach dem Bau der Hexenseehütte von 1975 an der erste Hüttenwirt. Bekannt für seine Späße führte er die Hütte bis 1989. Als Hirte der Masneralm und Mitglied der Bergrettung war ihm das Gebiet sehr vertraut. Er experimentierte mit Kräutern und pflanzte Schnittlauch, Bachkresse und sogar Radieschen auf einer Höhe von 2.600 Meter an. Allerdings verbuddelte er auch hunderte Bier- und Weinflaschen hinter der Hütte, die kurz vor der Einweihung der neuen Hütte entdeckt und vom Hüttendienst entsorgt werden mussten.
Otto hat auch die schon erwähnte kleine Hütte für sich gebaut. Bei Ende der Pacht hatte er bei der Sektion noch größere Schulden, die er schweren Herzens mit der kleinen Hütte ausgleichen musste. Diese kleine Hütte war die Unterkunft der Bauarbeiter beim Wiederaufbau, danach Winterraum der Hexenseehütte und musste später der neuen Hexenseeabfahrt weichen.
Irmgard und Manfred Schweighofer – 1989 bis 1991
Als zum Jahreswechsel 1988/1989 Irmgard Schweighofer (aus Serfaus) und Manfred Schweighofer aus Kappl (Paznaun) die Bewirtschaftung der Hütte übernahmen, mussten sie mit vielen Widrigkeiten kämpfen, wie beispielsweise Wegsperrungen aufgrund von Lawinengefahr. Der Bergsteigerstützpunkt – für den Sommer gebaut – entwickelt sich nach dem Bau der Skiliftanlagen immer mehr zum beliebten Treff von Skitourenläufern.
Hannelore und Franz Althaler – 1991 bis 2013
Franz Althaler war ab 1991 der erste Hüttenwirt, der neben dem Kölner Haus auch den Betrieb der Hexenseehütte übernahm. Er erlebte den Brand der Hütte 1994 und unterstützte die Sektion beim Wiederaufbau. Noch heute liegt ihm die Hexenseehütte sehr am Herzen und er besucht sie, wann immer es ihm möglich ist.
Anja
Hangl
und Walter Kerscher – 2013 bis 2023
Mit Anja blieben das Kölner Haus und die Hexenseehütte in der Familie. Als Tochter von Franz Althaler führte sie gemeinsam mit ihrem Mann Walter die Hexenseehütte zehn Jahre lang in Familientradition fort.
Tanja Zangerl und Björn Wolf – seit 2024
Die neuen Wirtsleute des Kölner Hauses (seit Sommer 2023) haben mit Beginn des Jahres 2024 auch den Betrieb der Hexenseehütte übernommen. Sie sind gespannt auf ihre erste Sommersaison und haben bereits viele Ideen, wie für die Gäste der Aufenthalt auf der Hütte attraktiver gestaltet werden kann.



Aus gletscherspalten 1/1990
Als zum Jahreswechsel 1988/1989 das junge Pächterehepaar Irmgard und Manfred Schweighofer aus Kappl (Paznaun) die Bewirtschaftung der Hütte übernehmen, mußten sie mit vielen Schwierigkeiten kämpfen. Der Zustand der Hütte, die Versorgung mit Holz, Kohle und Gas, der Transport von frischen Lebensmitteln, der Neubeginn und die Unsicherheit, wie die Hütte angenommen werden würde, belasteten sie sehr. Der aus Sicherheitsgründen (Lawinengefahr) gesperrte östliche Zugang an der Lawinenverbauung vorbei verlangt nun einen kurzen Aufstieg und eine Abfahrt – keine Piste – westlich vom Masnersattel. Aber unser Bergsteigerstützpunkt – für den Sommer gebaut – entwickelt sich nach dem Bau der Schiliftanlagen immer mehr zum beliebten Treff von Tourenläufern. Das Wagnis der jungen Pächter gelang, wenn auch nur mit großem persönlichen Einsatz. Da die Mutter von Irmgard in Serfaus-Madatschen wohnt, konnte dort der Basisstützpunkt errichtet werden.


Ein herrlicher Bergwinter mit vielen Sonnentagen machte den Neubeginn auf 2.580 Meter zum Erfolg. Wenn auch der Sommer 1989 nicht geeignet war, viele Bergtouren zu machen und die Gäste daher ausblieben, so sind Irmgard und Manfred Schweighofer, die im November eine Tochter bekamen, doch nach dem Probejahr bereit, die Bewirtschaftung weiterhin zu übernehmen. Leider muss die Hütte für den öffentlichen Verkehr bis zur Fertigstellung der Toilettenanlage und des Waschraums geschlossen bleiben. Eine Neueröffnung ist für den Sommer 1990 geplant.
EIN TRAUM GEHT IN ERFÜLLUNG
INTERVIEW MIT FRANZ ALTHALER

Mehr als zwei Jahrzehnte lang, von 1991 bis 2023, leiteten Hannelore und Franz Althaler das Kölner Haus. Franz, in Serfaus geboren und aufgewachsen, trug schon in jungen Jahren als Kleinhirte zum Lebensunterhalt seiner Familie bei. Mit dem Aufschwung Serfaus als Wintersportort wurde er Skilehrer. Im Sommer verdiente er sein Geld als Taxi- und Busfahrer. Erste Erfahrungen als Gastwirt sammelte er in von ihm gepachteten Restaurants.
Was bewog dich dazu, das Kölner Haus und die Hexenseehütte zu pachten?
Die Hexenseehütte und ihre Umgebung waren mir schon seit meiner Kindheit vertraut. Die Gelegenheit, das Kölner Haus und die Hexenseehütte zu pachten, ließ meinen lang gehegten Wunsch, eine Hütte zu bewirtschaften, Realität werden. Nach intensiven Gesprächen mit dem Kölner Alpenverein konnte ich meinen Traum schließlich verwirklichen.
Wie hast du den Betrieb der Hexenseehütte neben dem Kölner Haus organisiert?
Das Kölner Haus hat mich voll gefordert. Ich habe mich gefragt, wie kann ich beide Hütten gleichzeitig betreuen. Da brauche ich Hilfe.
Reinhardt Althaler, Stefan Hangl und Paul Ivic arbeiteten nacheinander für mich als Hüttenwirte auf der Hexenseehütte im Sommer und teilweise auch im Winter. Sie versorgten die Tagesgäste, während der ehrenamtliche Hüttendienst, der sich selbst verpflegen und seine Sachen transportieren musste, für die Nächtigungsgäste zuständig war. Der Hüttendienst hat uns angefunkt, wenn etwas gebraucht wurde, und wir haben Gäste per Funk angekündigt.
Was waren für dich die größten Herausforderungen auf der Hütte?
Die Bewirtschaftung der Hütte erforderte bei jedem Wetter und jeder Jahreszeit den Transport von Proviant. Strom und Telefon gab es nicht. Die Bewältigung dieser logistischen Herausforderungen gehörte zu unseren täglichen Aufgaben. Zum Beispiel musste ich am Anfang das Holz unter dem Vordach aufstapeln und im Winter alles vom Schnee freischaufeln. Und dann das ganze Geld: Deutsche Mark, österreichische Schillinge, Schweizer Franken und italienische Lire mussten wir vorrätig halten. Das ist natürlich heute alles nicht mehr nötig.
Was macht die Hexenseehütte so besonders?
Die Ruhe auf der Terrasse – das kannst du dir nicht vorstellen. Die Hexenseehütte lag mir ganz besonders am Herzen. Ich bin früher im Winter mit dem Skidoo hinaufgefahren und es konnte passieren, dass ich steckengeblieben bin. Einmal bin ich nachts nicht weitergekommen und ich musste um drei/vier Uhr im Dunkeln zur Hexenseehütte gehen und eine Schaufel zum Freischaufeln holen. Von da an habe ich immer eine Schaufel mitgenommen. Wenn Nächtigungen waren, bin ich oft nachts reingefahren mit Getränken und Proviant für die nächsten Tage.
Wie funktionierte die Zusammenarbeit mit dem Hüttendienst?
Die Hexenseehütte war ja eine Selbstversorgerhütte. Natürlich wollte der Hüttendienst selbst auch auf den Hexenkopf gehen oder eine Tour machen und er hat die Hütte dann abgeschlossen, so dass es vorkam, dass Leute vor verschlossener Türe standen. Der Hüttendienst musste immer mithelfen beim Transport des Proviants. Die Schlepperei war wirklich anstrengend. Aber ich habe sehr gute Hüttendienste gehabt.
Wie hast du den Brand der Hexenseehütte 1994 erlebt?
Paul hat schon vom Lift den Rauch aufsteigen sehen. Er dachte, dass Nächtigungsgäste da waren. Als er ankam und die Tür öffnete, gab es einen Riesenknall und eine Explosion. Sofort wurde die Feuerwehr gerufen. Als wir ankamen, brannte die Hütte lichterloh – alles brannte ab. Nur der Kamin hat noch gestanden. Wir haben in den Tagen danach einen Hubschrauber und Container organisiert. Die Teile lagen bis unten, wo jetzt der Speichersee ist. Wir mussten alles mit der Flex zerkleinern. Die Nothütte, der ehemalige Ziegenstall, den Otto für seine Ziegen gebaut hatte, war nicht beschädigt. Aber wir hatten kein Wasser, die Quelle ist im Winter eingefroren. Etwa 300 Meter von der abgebrannten Hütte entfernt haben wir eine zweite Wasserleitung gelegt.
Wie erlebtest du den Wiederaufbau nach dem Brand der Hexenseehütte?
Wir haben alles geschafft. Ich weiß selbst heute nicht mehr wie. Wenn ich zurückdenke an das, was wir alles geleistet haben. Zwei Jahre später war die Hütte aufgebaut: 1994 abgebrannt und 1996 wieder aufgebaut. Für einen Winter wurden Container für die Toiletten und Waschanlage aufgestellt.
Wie war die Zeit nach dem Wiederaufbau?
2011 hat die Gemeinde die Hütte übernommen und komplett umgebaut. 2013 habe ich an meine Tochter Anja und ihren Ehemann Walter übergeben. Ich war immer noch regelmäßig oben, aber nicht mehr als Chef. Jeden Sommer bin ich den Hexenkopf von der Hütte 15 bis 25 Mal hoch- und wieder runtergegangen.
Was ist das Besondere an der Hütte?
Die Ruhe in der Früh, wenn die Sonne herauskommt. Das ist etwas ganz Besonderes. Und die Murmeltiere und Schafe. Dort herrscht reine Erholung im Gegensatz zum Kölner Haus, wo es besonders in der Mittagszeit oft Stress gibt. Es kann sein, dass auch auf der Hexenseehütte viel los ist, aber nur von halb zwölf bis zwei, dann müssen die Leute runter, um den Lift zu bekommen und die Ruhe kehrt wieder ein. Es ist ganz anders auf der Höhe oben, die Berge so nah. Den Hexenkopf musst du machen, zum Arrezjoch und zum Masnerkopf hoch. Das ist mein Leben. Das Kölner Haus ist immer noch mein zweites Zuhause.
Du hast ja auch im letzten Winter immer noch geholfen.
Ja, ich bin dem Kölner Haus immer noch sehr verbunden. Jeden Mittag geh ich hoch, wenn ich helfen kann. Da oben mache ich mich gerne nützlich. Aber die Hexenseehütte lag mir ganz besonders am Herzen. Es war eine schöne Zeit, die wir dort verbracht haben.
Herzlichen Dank, Franz, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast.
DER HÜTTENDIENST
Der ehrenamtliche Hüttendienst auf der Hexenseehütte hat eine lange Tradition. Von Beginn an unterstützen regelmäßig Mitglieder der Kölner Sektion die Hüttenwirtsleute beim Hüttenbetrieb für ein bis zwei Wochen. Seit 1991, als mit dem damals neuen Pächterpaar Hannelore und Franz Althaler eine gemeinsame Pacht des Kölner Hauses und der Hexenseehütte beschlossen wurde, wird der ehrenamtliche Hüttendienst durch die Hüttenwirtsleute geregelt. Dabei lernt man das Hüttenleben von einer anderen Seite kennen: Es gilt Speisen und Getränke zu reichen, Nächtigungsgäste zu betreuen und für Sauberkeit zu sorgen. Wenn nachmittags die Ruhe einkehrt, kann man die Stille und die wunderbare Berglandschaft von der Terrasse aus genießen und dabei Steinböcke beobachten. Mit etwas Glück sieht man auch einen Steinadler seine Runden ziehen. Spaziergänge sind möglich oder kleinere Bergtouren auf den Masner, Pezid oder auf den anspruchsvolleren Hexenkopf.
Für den Sommer 1996 wurde in den gletscherspalten, Ausgabe 3/1995, für den Hüttendienst nach dem Brand in der neu errichteten Hexenseehütte wie folgt geworben:
Auch in der neuen Hütte wird im Sommer ein Hüttendienst durch Mitglieder erforderlich. Der Umfang der Arbeiten wird allerdings im Juli überwiegend darin bestehen, die neue Hütte zu säubern, einzurichten und evtl. für die Bauarbeiter zu kochen. Es wird auch nicht möglich sein, vor Anfang August in der neuen Hütte zu schlafen, sondern das müsste in der Biwakhütte (20 Meter entfernt) im Lager erfolgen. Es werden also wieder Idealisten gesucht, am besten jeweils zwei bis drei Personen für eine, maximal zwei Wochen. Interessenten melden sich bitte schriftlich bei der Geschäftsstelle. Es wird ein Dienstplan erstellt und allen Beteiligten zugesandt. Anreise freitags oder samstags, Abreise samstags oder sonntags.
REFERENT*INNEN HÜTTEN UND WEGE
Herbert Clemens (1973-1996), Albert Blom (1996-1997), Heinz Kluck (1997-2001), Christiane Lube-Dax (2001-2006), Bernhard Weyer (2006-2009), Christiane Lube-Dax (2009-2012), Fritz Rodenhäuser (2012-2023), Dirk Hürtgen (seit 2023)
BEISITZER HÜTTEN UND WEGE
Heinz-Armin Hermann (1973-1992), Sebastian Huber (1992-1993), Michael Strunk (1994), Albert Blom (1995-1997), Hans-Dieter Eisert (1997-2015), Michael Stein (seit 2015)
BEISITZER*INNEN DER HEXENSEEHÜTTE
Hans-Dieter Eisert (2001-2015), Wolfgang Halter (2015-2019), Carola Niemann (seit 2020)





DIE HEXENKOPFÜBERSCHREITUNG
Die Entwicklung der Hexenkopfüberschreitung war das Ergebnis langjähriger Bemühungen, eine deutlich markierte Route zu etablieren, die vom Hexensee aus erreichbar ist. Im Sommer 1975 wurde in Zusammenarbeit mit Otto Heiseler, dem Hüttenwirt der Hexenseehütte, erfolgreich der Hexenkopfsüdgrat ab dem Hexensattel markiert. Dadurch entstand eine lohnende Aufstiegsroute von der Hexenseehütte aus.
Empfehlenswert ist es, für die Überschreitung den Aufstieg zum Gipfel über den Ostgrat zu wählen. Diese Hochgebirgstour führt von der Hexenseehütte zum Hexensee und am der Hütte gegenüberliegenden Hang zum Masnerjoch (2.685 m) hinauf. Am Masnerjoch wendet man sich nach links (Westen) auf den zunächst breiten Ostgrat des Hexenkopfes. Man folgt diesem bis zum Vorgipfel, wo der Grat sehr schmal wird. Mit leichter aber ausgesetzter Kletterei (II-III) geht es weiter über Blockgrat über diesen hinweg, teilweise ihn umgehend hinauf zum Gipfel. Der Abstieg (Gipfelaufbau I-II, keine Seilversicherung, Steinschlaggefahr!) erfolgt über den Normalweg über den Hexensattel zurück zur Hexenseehütte.
Der Gipfel des Hexenkopfes bietet einen grandiosen 360°-Rundumblick sowie traumhafte Tiefblicke auf den Hexensee und den weiter unten liegenden Beschneiungsteich Masner bis hin zum Ortler (3.905 m) und dem Reschensee in Italien, den Fluchthörnern (3.397 m) in der Schweiz hinter der Heidelberger Hütte, dem Hohen Riffler (3.168 m), den Lechtalern mit der Parseierspitze (3.036 m) und zur Zugspitze (2.962 m).
4 Stunden Gehzeit, 750 Höhenmeter

Franz Althaler auf dem Hexenkopf
712
Der Bau der Hexenseehütte markierte einen wichtigen Meilenstein für den geplanten Kölner Höhenweg zur Heidelberger Hütte. Bereits 1973 begann die Planung und Trassierung der Steiganlage im Bereich Scheid – Hexenseehütte, die schließlich mit der Fertigstellung der Hütte vorangetrieben wurde. Die Arbeit wurde von Bergfreunden anderer Sektionen sowie einheimischen Hirten unterstützt.
Der Bau der Hexenseehütte brachte dem damaligen Wegewart, Manfred Stein, erhebliche Mehrarbeit, da neue Wege von und zur Hütte trassiert und markiert werden mussten. Der Weitwanderweg zur Heidelberger Hütte sollte bald vollendet werden. In den frühen 70er Jahren begannen die Alpenvereine allerdings, ihre Zielsetzung von der reinen Erschließung der Alpen abzurücken. Sie sahen im Naturschutz eine neue Herausforderung. So richtete der Kölner Alpenverein 1975 ein Referat für Naturschutz ein.
Manfred Stein eröffnete am 23. August 1976 den Weitwanderweg 712 vom Kölner Haus zur Heidelberger Hütte. Zur ersten Begehung des Gemeinschaftsprojektes der Sektionen Heidelberg und Rheinland-Köln fanden sich Vertreter beider Sektionen in der Hexenseehütte ein. Nach einer langen, rund 13-stündigen Wanderung erreichten sie abends um 19 Uhr ihr Ziel, die Heidelberger Hütte.
Die Sektionen Heidelberg und Rheinland-Köln strebten damals an, im Bereich der Alp Trida einen weiteren Stützpunkt für Weitwanderer zwischen Heidelberger Hütte und Kölner Haus zu suchen. Dieser sollte die lange Tour Hexenseehütte - Heidelberger Hütte halbieren und in zwei Tagen ermöglichen. Es kam jedoch nicht zu einer Umsetzung. Die Hexenseehütte blieb die letzte vom Deutschen Alpenverein im Alpenraum gebaute Hütte. Die Hauptversammlung hatte zuvor den Beschluss gefasst, fortan keine neue Alpenvereinshütten mehr zu errichten, denn der Alpenverein betrachtete die Erschließung der Alpen als abgeschlossen.

DIE LAGE UND TECHNISCHE DATEN
Die Hütte
Die Hexenseehütte liegt auf einer Höhe von 2.588 Meter im Masnergebiet am Weitwanderweg Nr. 712, der vom Kölner Haus zur Heidelberger Hütte in der Silvretta führt. Ihr Hausberg ist der 3.035 Meter hohe Hexenkopf. Von der Hütte sind Übergänge nach Samnaun und in das Paznauntal möglich. Im Winter liegt die Hütte direkt im Skigebiet Serfaus-Fiss-Ladis und ist gut erreichbar über die Masnerkopfbahn und die Hexenseeabfahrt.
In der Wintersaison wird die Hütte von der Seilbahngesellschaft Serfaus als Restaurant betrieben und ist in dieser Zeit keine DAV-Hütte. Im Sommer wird die Hexenseehütte seit diesem Sommer unter der Leitung von Tanja Zangerl und Björn Wolf, den Hüttenwirtsleuten des Kölner Hauses, und freiwilligem Einsatz von Mitgliedern unserer Sektion bewirtschaftet. Die Hütte ist geeignet für Weitwanderungen, Mountainbiking sowie Besteigungen des Hexen-, Masner- und Martinskopfes.
Hüttenzustieg vom Kölner Haus
Vom Kölner Haus zur Laustalbachbrücke und über sie hinauf zur Scheid (2.429 m). Dort links dem Fahrweg zum Lader Moos folgen, später rechts auf dem Wanderweg 712/Schmugglerpfad weiter bis zum See. Gute Pausenmöglichkeit dort. Weiter Richtung Arrezjoch: Erst durch grobes Geröll, später an einem weiteren See vorbei zur Fahrstrasse und diese hoch zum Arrezjoch (2.587 m). Am Wegkreuz rechts, später am Hang halb links absteigend, dann durch ein großes Geröllfeld auf gut ausgebautem Weg zum Ausfluss des Hexensees und von da hinauf zur Hexenseehütte (2.588 m).
3 Stunden Gehzeit, 750 Höhenmeter
Ausstattung
Die Hexenseehütte ist zeitgemäß ausgestattet, verfügt über Wasseranschluss, Strom, Duschen und WC, Internet/WLAN sowie im Sommer über 22 Schlafplätze im Lager.
Im Winter steht sie nur den Sektionsmitgliedern auf Selbstversorgerbasis zur Verfügung, dann mit 12 Lagerplätzen.
Hütten in der Umgebung
• Kölner Haus (1.965 m), drei Stunden
• Ascher Hütte (2.256 m), über Masnerjoch vier Stunden
• Heidelberger Hütte (2.264 m), etwa 13 bis 15 Stunden
Gipfel und Touren
• Hexenkopf (3.035 m, Normalweg 2 h 45 min)
• Hexenkopfüberschreitung (4 h)
• Masnerkopf (2.828 m, 1 h 15 min)
• Martinskopf (2.736 m, über Hexensattel und Gmairersee 6 h 15 min)
• Furglerrunde: Dreitägige Tour vom Kölner Haus über Hexenseehütte zur Ascherhütte und zurück zum Kölner Haus
• Weitwanderweg Nr. 712 HexenseehütteHeidelberger Hütte (13 - 15 h)
• Samnaun Compatsch Schmugglertour (7 h)
• Spiss (5 - 6 h)
• Pezid 2.748 m über Arrezjoch (1 h 30 min)
• Pfunds über Gmairersee/Ochsenbergalm Weg 713 (5 - 7 h)
GPS
N47°1.128‘ E10°28.876‘ (N47°1‘7.7“ E10°28‘52.6“)
ZEITTAFEL/ZEITSTRAHL
1962
Sommerdurchquerung Samnaun vom Kölner Haus zur Heidelberger Hütte mit Biwakierung am Hexensee
17.03.1971
Mitteilung des Hauptausschusses München über die Genehmigung der Erweiterung des Arbeitsgebietes bis zur Schweizer Grenze
26.04.1973
Außerordentliche Mitgliederversammlung beschließt den Bau der Hexenseehütte
01.09.1974
Einweihung der Hexenseehüttte
1990
Neuer Anbau an der Ostseite
01.02.1994
Die Hexenseehütte brennt ab
27.09.1995
Richtfest der neuen Hexenseehütte
01.09.1996
Einweihung der neuen Hexenseehütte
2012
Vertrag mit der Seilbahngesellschaft und der Gemeinde Serfaus Umbau und Erweiterung der Hexenseehütte
Sommer 2021
Erste Bergwoche auf der Hexenseehütte
01.09.2024
50-jähriges Jubiläum
