
Zuhause ist mehr als vier Wände. Zuhause ist da, wo gekocht wird, geteilt, gelacht – wo Töpfe klappern und jemand fragt: „Magst du noch einen Teller?“ Zuhause ist der Duft, der einen begrüßt, wenn man heimkommt. Es ist das Rezept, das nur in dieser Küche so schmeckt. Es ist der große Topf Suppe, der nie leer wird, egal, wer alles mitisst.
Zuhause ist kein Ort, sondern ein Gefühl: Es entsteht, wenn wir ein Stück Brot teilen, ein Geheimrezept verraten, ein Rest vom Kuchen für später aufgehoben wird. In jedem Löffel, jeder Gabel steckt dieses Versprechen: Du bist willkommen. Du bist daheim.
So war es auch in meiner Kindheit. Mit zwölf Jahren stand ich plötzlich in Indien – mitten zwischen Gewürzmärkten, Currydüften und einer Welt, die mir damals riesig vorkam. Zurück zu Hause schwärmte ich so sehr von den bunten Gewürzen, den Currys, den Gerüchen in den Gassen, dass mein Vater kurzerhand Kochkurse belegte, nur um für mich indisch kochen zu lernen. Er stand stundenlang in der Küche, röstete Gewürze, probierte Rezepte aus, damit ich ein Stück Indien auf dem Teller wiederfinden konnte. Damals habe ich gar nicht verstanden, wie viel Liebe in diesem Topf steckte. Heute weiß ich es.
Und mein Bruder und ich – wir waren die heimlichen Weihnachtswichtel. Jedes Jahr zur Adventszeit haben wir Bleche voller Plätzchen gebacken: Vanillekipferl, Zimtsterne, Buttergebäck in allen Formen. In unserer kleinen Küche stapelten sich die Dosen. Für jeden Kunden gab es einen kleinen Teller mit Gebäck und dazu eine Tasse Kaffee – so sitzt man doch gerne beim Friseur. Und vielleicht schmeckt der Haarschnitt dann gleich noch ein bisschen besser.
Zuhause – das sind genau diese Geschichten. Sie bleiben im Herzen. Und manchmal schmecken sie noch heute in meinen Rezepten mit.
In meiner Studentenzeit hat sich das Gefühl von Zuhause noch einmal gewandelt – und erweitert. Mein heutiger Mann und ich haben uns oft gegenseitig besucht, und bei jedem Besuch gab es eines, was nie fehlen durfte: ein gemeinsames Essen.
Typische Studentenessen, einfach, schnell und dennoch voller Erinnerungen. Toast mit Champignons, Lachstoast oder Rösti – oft genau das, was der Kühlschrank hergab und trotzdem irgendwie immer ein kleines Fest war. Manchmal wurde improvisiert, manchmal bewusst Lieblingsgerichte gekocht.
Diese einfachen Mahlzeiten waren für uns nicht nur sättigend, sondern auch kleine Oasen im Alltag zwischen Vorlesungen und Prüfungen. Beim gemeinsamen Kochen und Essen fanden wir Ruhe und Nähe, die in stressigen Zeiten viel bedeuteten. Noch heute zaubern diese Gerichte ein Gefühl von Vertrautheit und Geborgenheit in meine Küche.
Und mehr als alles andere wünsche ich mir, dass ich meinen beiden Töchtern all diese Gerichte und die damit verbundenen Gefühle weitergeben kann – die Wärme, das Lachen, die kleinen Rituale und Momente, die eine Küche erst zu einem Zuhause machen. Dass sie, wenn sie eines Tages erwachsen sind, beim Geschmack dieser Speisen nicht nur Erinnerungen an Essen haben, sondern an Geborgenheit, Liebe und die kostbaren Augenblicke, die unser Leben miteinander verweben.
Und dass sie eines Tages ihrerseits solche Gerichte und Erinnerungen für ihre eigenen Kinder, meine Enkel, schaffen – damit die Geschichten, der Geschmack und das Gefühl von Zuhause von Generation zu Generation lebendig bleiben.


Indische Garnelen mit Garam Masala
Wenn ich dieses Gericht koche, denke ich immer an meinen Vater, der damals extra Kochkurse belegt hat, nur um mir meine Indien-Sehnsucht auf den Teller zu zaubern. Der Duft von Garam Masala, Knoblauch und Ingwer bringt mich sofort zurück an unseren Küchentisch — und schenkt mir ein Stück Zuhause.
Zutaten (für 2 Personen)
250 g Garnelen, küchenfertig, ohne Schale
1 EL Garam Masala
1 TL Kurkuma
1 TL Paprikapulver, mild
1 daumengroßes Stück Ingwer, fein gerieben
2 Knoblauchzehen, gehackt
1 kleine Zwiebel, fein gewürfelt
2 EL Naturjoghurt
Saft von ½ Zitrone
2 EL Öl (z. B. Raps- oder Sonnenblumenöl)
Salz, Pfeffer
Frischer Koriander zum Garnieren (optional)
Zubereitung
1. Die Garnelen mit Zitronensaft, Garam Masala, Kurkuma und Paprikapulver in einer Schüssel vermengen. Mit Salz und Pfeffer würzen, den Joghurt unterrühren und alles ca. 20 Minuten marinieren lassen.
2. In einer Pfanne das Öl erhitzen, Zwiebeln glasig dünsten, Knoblauch und Ingwer dazugeben und kurz anbraten, bis es duftet.
3. Die marinierten Garnelen samt Marinade hinzufügen und bei mittlerer Hitze braten, bis sie gar sind — das dauert nur wenige Minuten.
4. Mit frischem Koriander bestreuen und mit Reis oder Naan servieren.
Tipp:
Ein Klecks Joghurt oder ein Spritzer Limettensaft dazu macht das Gericht noch frischer.

Zimtsterne
Für mich duften Zimtsterne nach Zuhause. Nach Nachmittagen mit meinem Bruder, an denen wir Berge von Plätzchen gebacken haben, um sie im Salon meiner Mutter zu verschenken. Ein Teller mit Zimtsternen, eine Tasse Kaffee – so wurde jeder Friseurbesuch ein kleines Fest.
Zutaten (für ca. 40 Sterne)
3 Eiweiß (Größe M)
250 g Puderzucker
1 Päckchen Vanillezucker
1 TL Zimt (oder mehr, je nach Geschmack)
300 g gemahlene Mandeln
etwas Puderzucker zum Ausrollen
Zubereitung
1. Die Eiweiße steif schlagen, dabei den Puderzucker nach und nach einrieseln lassen. Ein paar Esslöffel Eischnee für die Glasur abnehmen und kalt stellen.
2. Vanillezucker und Zimt unter den restlichen Eischnee rühren, dann die Mandeln vorsichtig unterheben.
3. Den Teig auf einer mit Puderzucker bestäubten Arbeitsfläche ca. 1 cm dick ausrollen. Sterne ausstechen.
4. Die Sterne auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen. Mit dem zurückbehaltenen Eischnee bestreichen.
5. Im vorgeheizten Ofen bei 125 °C (Ober-/Unterhitze) ca. 15–20 Minuten backen. Die Glasur sollte weiß bleiben, die Sterne innen weich.
6. Abkühlen lassen, in Keksdosen aufbewahren – oder gleich vernaschen!
Tipp:
Zimtsterne schmecken noch besser, wenn man sie mit Menschen teilt, die man mag. Genau wie früher bei uns im Salon.

Toast au Champignon mit Boursin
Die winzige Studentenbude meines damaligen Freundes (heute mein Mann) hatte eine MiniKüche, ein IKEA-Ivar-Regal mit ausklappbarem Tisch – und genau da saßen wir, kochten, lachten, schmiedeten Pläne. Unser kulinarischer Klassiker damals: Toast au Champignon, natürlich mit Boursin. Mehr Luxus brauchten wir nicht.
Zutaten (für 2 Nostalgiker)
200 g frische Champignons, in Scheiben geschnitten
1 kleine Zwiebel, fein gewürfelt
1 Knoblauchzehe, gehackt (wer mag)
1 EL Butter
2–3 EL Boursin (z. B. Knoblauch & Kräuter)
Salz, Pfeffer
4 Scheiben Toastbrot
optional etwas Petersilie zum Bestreuen
Zubereitung
1. Die Champignons putzen und in Scheiben schneiden, Zwiebel und Knoblauch vorbereiten.
2. Butter in einer Pfanne zerlassen, Zwiebel glasig dünsten, Knoblauch (wenn gewünscht) dazugeben. Champignons hinzufügen und goldbraun anbraten.
3. Vom Herd nehmen, Boursin unterrühren, bis er schön schmilzt und alles cremig ist. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
4. Toastscheiben rösten, mit der warmen Pilz-Boursin-Mischung belegen. Wer mag, noch etwas Petersilie drüberstreuen.
5. Sofort genießen – am besten zu zweit an einem viel zu kleinen Küchentisch.
Tipp:
Mit einem grünen Salat wird daraus fast ein ganzes Menü – Studentengourmet-Edition.
Zuhause – das ist nicht das, was bleibt, wenn man geht. Es ist das, was einen begleitet: in einem Duft, einem Rezept, einem Moment, der sich wie Vertrautheit anfühlt – ganz gleich, wo man ist.