www.kircheinnot.at Nr. 3 · April 2025
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KIRCHE IN NOT
Liebe Freunde, mit dem ernsten Ritus des Aschekreuzes beginnt in jedem Jahr die liturgische Fastenzeit, die, ebenso wie der Advent, zutreffend als „starke Zeit“ bezeichnet wird. So sind wir aufgerufen, diese Zeit auf „starke“ Weise zu begehen: zutiefst motiviert, authentisch und wahrhaftig. Was ist der Sinn des Ritus der Segnung und Auflegung der Asche? Die Antwort darauf liegt in den bei der Auflegung gesprochenen Worten. Es ist notwendig, des Todes eingedenk zu sein. Dabei muss zwischen der rein natürlichen und der übernatürlichen Ebene unterschieden werden. Auf ersterer ist der Tod ein Hindernis, man könnte sagen, ein schlechter Scherz des Lebens, der selbst die besten Tage überschatten kann. Doch vom übernatürlichen Standpunkt aus betrachtet endet mit dem Tod die Zeit der Prüfung, das heißt, der Tod bringt das im Leben Erreichte endgültig und unabänderlich zur Reife. Er ist der letzte Moment, in dem wir unsere Freiheit über Gut und Böse ausüben, in dem wir sündigen oder aber auch Verdienste erwerben können.
das Glück, die Herrlichkeit, den Frieden in die Ewigkeit selbst. Derjenige, der resigniert oder sich auf die natürliche Ebene hinabbegibt, leidet und fürchtet sich angesichts des Sterbens. Wer sich auf die übernatürliche Ebene hinaufbegibt, wird auch leiden, doch auf verdienstvolle Weise. Er wird mit
Denken wir besonders auf unserem ganzen Weg durch die Fastenzeit in diesem Heiligen Jahr daran! Wir müssen jene Heilige Pforte in rechter Absicht durchschreiten und, indem wir weise an den Tod denken, lieben wir das Leben mehr. Die Zeit ist in der Tat das Mittel, um zu wachsen, das Mittel, unser Ver„Mit dem Tod endet die Zeit der dienst zu vergrößern, das Mittel, Prüfung; der Tod bringt das im um sicherzustellen, was wir für einen ewigen Lohn tun können. Leben Erreichte endgültig und Das Wissen, dass wir jeden Augenunabänderlich zur Reife.“ blick nutzen können, belebt unsere Hoffnung, spornt uns zu Recht eine Gnade erwarten, um ohne Angst guten Werken an und nährt unsere und in heiligem Frieden zu sterben. Freude.
Der Tod begleitet unser Leben. Tatsächlich vollzieht er sich jeden Tag. Jeden Tag wird ein Teil unserer biologischen Kapazität ausgelöscht. Jeden Tag fällt ein Blatt vom Baum, jeden Tag geht etwas dahin und kehrt in diesem Leben nie mehr zurück. Der Tod begleitet das Leben, doch aus übernatürlicher Sicht betrachtet, kann das Leben voll Freude sein. In dem Moment, in dem man „jetzt“ sagt, ist der gegenwärtige Augenblick bereits Vergangenheit. Aus dieser Sichtweise gewinnt das ganze Leben seinen Ernst; nur so denkt man vorausIm Leben zählt letztlich nur Eines: unser schauend und weise, und alles wird von persönliches Verdienst. Und dies projiziert der christlichen Hoffnung beseelt.
Jede Sekunde kann eine unwiederbringliche Gelegenheit zur Liebe sein. Die Zeit ist Barmherzigkeit Gottes, die uns bis zuletzt geschenkt wird: Nutzen wir sie gemäß unserer Taufe und unseres Glaubens. Der Ritus des Aschekreuzes und die ganze fastenzeitliche Liturgie ermutigen uns dazu.
Mauro Kardinal Piacenza, Präsident von KIRCHE IN NOT 1