

WER SCHREIBT DIE ZUKUNFT?





IN DIESER AUSGABE
Vorwort
Zur Zukunftsfrage: Wer schreibt sie?
Die vergangenen Jahrhunderte, die uns Kolonialismus, Korruption und Klimawandel beschert haben, können uns dennoch als Lehre für eine bessere Zukunft dienen
RIEMWIMMER
Denken gegen den Strom: Margarethe von Trottas Hannah Arendt (2012)
Diese Verfilmung des Eichmann-Prozesses aus der Perspektive von Hannah Arendt bietet ein zum Nachdenken anregendes, wenn auch actionloses Erlebnis.
NARCISSEBONZEMBA
Historische Verantwortung und politische Gegenwart Deutschlands Umgang mit dem Gaza-Krieg
Das Land, das seine Identität auf Erinnerung aufgebaut hat, sieht sich nun mit einem neuen moralischen Paradox konfrontiert
LAETITIAGRÄBER
Soziale Medien ohne das Soziale
Von KI-Bots bis zum Kapitalismus, wie beeinflusst unser Verhältnis zur Technologie unsere sozialen Räume?
STEFEANNAWATHE
Die Rückkehr des bewussten Hörens in Zeiten von Streaming
Vinyl erlebt ein Comeback – nicht nur als Trend, sondern als bewusste Gegenbewegung zur endlosen Verfügbarkeit von Streaming Zwischen Ritual, Begrenzung und Knistern entsteht eine Form des Hörens, die Musik wieder greifbar macht und ihr neue Bedeutung verleiht
JACOBHESSION
Stunde der Abrechnung der Hard-Techno-Szene
Wie eine Kontroverse in der Hard-Techno Szene Machtmissbrauch und die Notwendigkeit von Rechenschaftspflicht in der Branche offenbart
FRIDAFOEHR
Was füttert die Zukunft?
Zwischen Effizienz und Tradition wirft die Ernährung der Zukunft Fragen auf, die weit über die Ernährung hinausgehen
JOSEPHINEKALWIJ
Zwischen Grenzen und Perspektiven: Die Cambridge Undergraduate Conference in German Studies
Ein Überblick über eine aufschlussreiche Veranstaltung, bei der drei Vertreter des KCL ihre Ideen vorstellten.
IZYANBASHIRUDDIN
Kreativer Beitrag einer A-Level Studentin
Die riskante erste Fahrt eines werdenden Vaters mit der Schwebebahn
SOPHIENYE
Angesichts der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft 2026 stehen die deutschen Fußballverbände unter Druck, sich den politischen Realitäten zu stellen, die sie nicht länger ignorieren können. Mehr als nur ein Spiel
LILYDAVIES
Königspost Kreuzworträtsel
VORWORT
Da dies unser letztes Semester ist und wir gleichzeitig in Deadlines versinken, sind unsere Gedanken immer wieder zur Zukunft zurückgekehrt In einer kulturellen Phase, in der es längst nicht mehr die Norm ist, ein Leben lang in einem einzigen Beruf zu bleiben, sondern vielmehr erwartet wird, verschiedene Wege einzuschlagen, wirkt die Zukunft zugleich offen und unübersichtlich. Einerseits liegt darin ein enormes Potenzial, nämlich die Freiheit sich neu zu erfinden, Möglichkeiten auszuprobieren und sich nicht festlegen zu müssen. Andererseits geht damit eine gewisse Entscheidungsparalyse einher, begleitet von der Angst vor Unsicherheit, die durch aktuelle geopolitische Entwicklungen zusätzlich verstärkt wird.
Können wir überhaupt noch Berufe ergreifen, die nicht längst von KI mitgedacht oder ersetzt werden? Wird es möglich sein, sich angesichts steigender Lebenshaltungskosten langfristig ein gutes Leben aufzubauen? Und wie gehen wir mit den ökologischen, politischen und sozialen Herausforderungen unserer Zeit um? Schaffenwirdasüberhaupt?
Diese Fragen ziehen sich auch durch die Beiträge dieser Ausgabe Sie zeigen, dass Zukunft nicht abstrakt ist, sondern in ganz konkreten Bereichen verhandelt wird: In digitalen Räumen, in denen Technologien unser soziales Miteinander neu strukturieren; in kulturellen Praktiken wie dem bewussten Hören von Musik, das sich dem schnellen Konsum entgegenstellt; oder in der Clubkultur, in der Fragen nach Verantwortung, Macht und Gemeinschaft sichtbar werden Auch Themen wie Ernährung, Umwelt und globale Perspektiven machen deutlich, dass Zukunft nicht nur gedacht, sondern gelebt und gestaltet wird
Die Beiträge nähern sich der Frage: Wer schreibt die Zukunft? aus unterschiedlichen Perspektiven – mal vorsichtig, mal kritisch, oft persönlich, aber immer mit klaren Haltungen Uns ging es darum, einen Raum zu schaffen, der zum Nachdenken einlädt, ohne einfache Antworten vorzugeben. Vielleicht zeigt sich gerade in dieser Vielfalt, dass es nicht die eine Instanz ist, die die Zukunft schreibt – sondern viele Stimmen, die sie gleichzeitig entwerfen.
Visuell wird die Ausgabe durch Fotografien der Modefotografin Maidie McCloud ergänzt, ebenso wie durch Bildbeiträge unserer Autor:innen Lily Davies, Jacob Hession und Frida Foehr, die in einen Dialog mit den Texten treten.
Dieses Projekt bedeutet uns sehr viel, und wir möchten uns bei allen bedanken, die in diesem und im vergangenen Semester dazu beigetragen haben Wir hoffen, dass diejenigen, die diese Verantwortung in Zukunft übernehmen, ebenso viel Freude daran haben werden wie wir
Stefan und Jacob xx



ZUR ZUKUNFTSFRAGE: WER SCHREIBT SIE?
Wasfür eine große Frage, doch das Zögern kommt nicht, weil die Frage zu beantworten, zu lange dauern würde, sondern weil sich angesichts der aktuellen Weltereignisse das Gefühl von Angst einschleicht
Sollte man erst klären, wie man die Frage anfangen möchte? Mit einem wer oder vielleicht doch eher mit einem was? Ehrlich gesagt, weiß ich es nicht
Also, was schreibt die Zukunft was hat bisher die Zukunft geschrieben?

Leider fällt mir an dieser Stelle auf Anhieb nur folgendes ein: Kolonialismus, Kapitalismus, Korruption, Klimawandel ziemlich viele Wörter, die mit einem K anfangen und keine guten Assoziationen tragen Doch leider haben diese Systeme und Strukturen wie eine eiserne Hand die letzten Jahrhunderte die Geschichte der Welt geschrieben und diese geformt, damit einige wenige an der Oberschicht unendliches Vermögen aufbauen können und Macht und Einfluss haben, es entwickelte sich im 19 und
20 Jahrhundert die Idee von Klassen und Rassen in Gesellschaften, davor gab es natürlich auch Hierarchien oder Rassismus, doch die Erfindung des modernen Staates, Bürokratie und Register ermöglichten, wie Eric D Weitz in seinem Buch „A Century of Genocide: Utopias of Nation and Race“ erklärt, eine gezielte organisierte Vernichtung von bestimmten Menschengruppen
Nach dem Verlust vieler Menschenleben und Verbreitung von unbeschreiblichem Leid, wurden um

1948 nach dem zweiten Weltkrieg Humanitäre Gesetze und Regeln als Säulen in die Welt gestemmt, um darauf eine friedlichere Welt aufzubauen
In den letzten Jahrzehnten hat die Weltbevölkerung artig mitgespielt, es wurde an die Vereinten Nationen geglaubt, in dem Maße, dass man erwartete alle Länder halten sich daran. Doch dann wendete sich das Blatt, etwa vielleicht seit 2020 mit der Globalen Pandemie? Oder erst später um den Oktober 2023?
Jedenfalls kam eine spürbare unangenehme Veränderung, die in der jüngsten Weltgeschichte zu vernehmen war, erst diskutierten Politiker:innen erst recht in Deutschland, Genozid…mmm…ja… kann man das so nennen? Ja ok wir nennen es so, aber nein wie wir sollen, etwas dagegen tun als Staatsmächte?
Das hatten wir jetzt aber nicht vorgesehen
Gut ein Genozid wurde festgestellt, neben natürlich vielen weiteren Tragödien auf der Welt, die ich hier nicht klein reden möchte Wieviel Leid kann man denn noch verbreiten oder aufnehmen als Mitbewohner:innen dieser Erde Nein, nicht genug, klauen wir dem Land mit den höchsten Öl Reserven so viel Öl wie möglich, ich meine Venezuela an dieser Stelle, ich weiß, in vielen Ländern ist es in den letzten Jahrzenten passiert - eine Spezifizierung ist notwendig
Und anscheinend nicht genug, denn kaum vergehen einige Wochen, wird das nächste Land angegriffen, der Iran
Riem studiert Geopolitik an der KCL Davor hat sie sich einige Jahre in Deutschland mit dem Nahen Osten wissenschaftlich beschäftigt Ursprünglich kommt sie aus Ägypten, wo sie den Arabischen Frühling miterlebt habe. Dadurch entstand ihr Interesse für die Politik und die Geschichte der Region. Sie hofft, mehr Frieden in die Welt bringen zu können.
wird bombardiert An dieser Stelle ist es natürlich nur Zufall, dass das venezolanische Öl schwer und sehr dickflüssig ist und auch Verdünnungsmittel wie Naphta benötigt zum Beispiel um überhaupt verwendbar zu werden, ein Zufall dass Iran das Land mit den dritt größten Ölreserven der Welt ist, und Naphta, wie auch in anderen Ölproduzierenden Ländern ein Zwischengut ist Vermutlich reime ich mir das aber selber nur zusammen, es gibt ja keine eindeutigen Beweise dafür
Also wer oder was schreibt die Zukunft? Gier und Machtsucht? Wofür mit welchem Ziel? Wohin will der Staat mit der größten politischen Macht der Welt noch hin? Und sein enger Freund Israel?
Warum halten die sorgfältig errichteten Säulen der Humanitären Fundamente nicht stand? Warum werden diese von dem politisch einflussreichsten Land der Welt einfach missachtet? Warum schreiten starke Länder nicht ein und halten es auf? Zieht die Welt in den dritten Weltkrieg? Hatten wir nicht genug Kriege und Leid? Gibt es niemanden, der diese unbedachten Hampelmänner, mit politischer Macht stoppen kann? Sind das diejenige mit ihrem Motiven die die Zukunft schreiben? Leider stehe ich mit diesen Fragen eher ratlos da, und
kann keine Antworten darauf geben, verspüre nur Trauer und Unglaubwürdigkeit Ich hoffe es werden mehr Meschen aus der Vergangenheit lernen, nicht die Schuld oder Scham ihrer Vorfahren tragen, sondern, achtsam sein, um Fehler nicht erneut zu begehen Nicht schweigen, wenn Ungerechtigkeit vorfällt Nicht die Augen schließen, wenn jemand verzweifelt nach Hilfe sucht Nicht die Hände teilnahmslos in die Luft heben, als hätte man damit nichts zu tun Ich hoffe auf das Beste, ich hoffe auf Frieden und Liebe
Dabei meine ich nicht irgendeine Form von Liebe, nicht Eros oder Philia, sondern vielmehr, Agape, die allumfassende Liebe. Ein friedliches Miteinander, ein liebendes, rücksichtvolles Miteinander Nun denn lasst uns zu tiefgründigen verständnisvollen Menschen werden Lasst uns studieren, unsere Geschichte nicht vergessen, unsere Fehler nicht wiederholen, nicht wegschauen, wenn ein Unrecht geschieht, für das Richtige laut einstehen, für ein Gemeinsam kämpfen, wenigstens ein Lächeln schenken, wenn alles andere nicht mehr möglich ist.
Das Leben, die Welt könnte doch so viel schöner sein Lasst es uns gemeinsam schreiben, anstatt es uns von oben diktieren zu lassen Wir schreiben unsere Zukunft RiemWimmer
DENKEN GEGEN DEN STROM:
MARGARETHE VON TROTTAS HANNAH ARENDT (2012)
Der Film Hannah Arendt von Regisseurin Margarethe von Trotta widmet sich einem entscheidenden Moment im Leben der deutsch-amerikanisch-jüdischen Philosophin Hannah Arendt: ihrer Berichterstattung über den Eichmann-Prozess in Jerusalem im Jahr 1961. Für das Magazin The New Yorker beobachtete Arendt den Prozess gegen den NS-Funktionär Adolf Eichmann und entwickelte dabei ihre später berühmte These von der „Banalität des Bösen“
Von Trottas Film konzentriert sich auf Arendts Denken, auf Diskussionen, Zweifel und öffentliche Kontroversen, und verzichtet bewusst auf dramatische Effekte Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie gewöhnliche Menschen zu Tätern werden können Besonders beeindruckend ist die Darstellung von Barbara Sukowa, die Arendt mit großer Präsenz und intellektueller Schärfe verkörpert und so die intimen wie öffentlichen Konflikte der Denkerin spürbar macht.
Was den Film zusätzlich spannend macht, ist die Darstellung Arendts als jüdische Intellektuelle, die sich innerhalb ihrer eigenen Gemeinschaft nicht scheut, kontroverse Positionen zu vertreten Ihre Texte über den Eichmann-Prozess lösten damals heftige Kritik aus, selbst unter jüdischen Intellektuellen Gerade diese Spannungen und Konflikte stehen im Zentrum des Films Von Trotta zeigt Arendt als mutige Philosophin, die bereit ist, für ihre Überzeugungen öffentliche Angriffe zu riskieren
Gerade diese Darstellung ist heute von großer Bedeutung: Was den Film zusätzlich spannend macht, ist die Darstellung Arendts als jüdische Intellektuelle, die sich innerhalb ihrer
eigenen Gemeinschaft nicht scheut, kontroverse Positionen zu vertreten
Ihre Texte über den Eichmann-Prozess lösten damals heftige Kritik aus, selbst unter jüdischen Intellektuellen. Gerade diese Spannungen und Konflikte stehen im Zentrum des Films Von Trotta zeigt Arendt als mutige Philosophin, die bereit ist, für ihre Überzeugungen öffentliche Angriffe zu riskieren Gerade diese Darstellung ist heute von großer Bedeutung: Sie macht deutlich, wie wichtig kritisches Denken und Zivilcourage selbst innerhalb der eigenen Gemeinschaft sein können
In einer Zeit, in der Judentum und Zionismus in politischen Debatten häufig vereinfacht gleichgesetzt werden, gewinnt diese Perspektive zusätzlich an Aktualität Der Film erinnert daran, dass jüdische Stimmen keineswegs einheitlich sind und dass kritisches Denken auch innerhalb der eigenen Gemeinschaft möglich sein muss.
Hannah Arendt ist kein Film für Zuschauer:innen, die Action erwarten Wer sich jedoch für Geschichte, Philosophie und politische Verantwortung interessiert, findet hier ein kluges und tiefgründiges Porträt einer Frau, die den Mut hatte, gegen den Strom zu denken, und dessen Reflexionen bis heute nachhallen Der Film lohnt sich für alle, die die intellektuelle Spannung einer persönlichen wie historischen Auseinandersetzung schätzen Ein Film, der zum Nachdenken anregt, Debatten entfacht und lange im Kopf bleibt
NarcisseBonzemba
Narcisse studiert Deutsche und Englische Literatur und begeistert sich für Kunst - ob in Texten oder Mode. Als sie nach London zog, machten ihr die langen, dunklen Winter zunächst stark zu schaffen. Mit der Zeit fand sie Wege, besser damit umzugehen - Erfahrungen, die sie nun weitergebenmöchte,umanderendurchdieselbeHerausforderungzuhelfen.







HISTORISCHE VERANTWORTUNG UND POLITISCHE GEGENWART:
mehr als ein Jahrzehnt hinweg galt Deutschland – und insbesondere Berlin – international als ein Ort der Toleranz, Offenheit und politischen Pluralität. Dieses Bild wurde durch globale politische Umbrüche wie den Brexit oder die Wahl Donald Trumps weiter verstärkt. In diesem Kontext erschien Berlin vielen internationalen Künstler:innen, Intellektuellen und Kreativen als progressive Zuflucht
KÖ/FS26/9

Auch Angela Merkels Entscheidung im Jahr 2015, mehr als eine Million Geflüchtete aufzunehmen, trug dazu bei, das Selbstverständnis Deutschlands als Verfechter demokratischer und humanitärer Werte zu festigen.
Mit der Eskalation des Gaza-Krieges und der anhaltend klaren Parteinahme Deutschlands für Israel geraten jedoch grundlegende Fragen in den Fokus:
Wie konsistent ist die deutsche Außenpolitik im Hinblick auf demokratische Prinzipien? Welche Rolle spielt die historische Verantwortung in aktuellen politischen Entscheidungen? Und wie steht es um die Freiheit der Meinungsäußerung im Inneren?
Die Bundesregierung sowie viele große deutsche Medienhäuser haben
Laetitia Gräber wurde in Berlin geboren und studierte in Rotterdam, Bangkok und London. Für ihre Bachelorarbeit führte sie Interviews mit jungen AfD-Wähler:innen und untersuchte dessen Aufstieg und die zunehmende Popularität der Partei In ihrem Geopolitik-Master am KCL spezialisierte sie sich auf Konfliktforschung und Ressourcenmanagement, sowie postkoloniale und dekoloniale Ansätzen Als Projektmanagerin bei einer renommierten NGO organisierte sie eine jährliche Veranstaltung, bei der Filmschaffende, Aktivist:innen und Entscheidungsträger:innen zusammenkommen, um auf aktuelle Konflikte und humanitäre Themen aufmerksam zu machen. Dort verantwortete sie unter anderem die Panels „Female Leadership: Less Conflict and More Prosperity“ sowie „How to Stop theRiseoftheFarRight“.

„Mit Blick auf die Geschehnisse im Gazastreifen zeigt sich ein tieferliegendes Paradox deutscher Erinnerungspolitik.“
Antisemitismusvorwürfe, besonders von den etablierten Medien. Der Architekt und Theoretiker Eyal Weizman kommentierte diese Entwicklung mit bitterer Ironie: Man werde nun „von den Kindern und Enkeln der Täter, die unsere Familien ermordet haben, belehrt und soll sich auch noch sagen lassen, wir seien antisemitisch“
Jedoch droht der Begriff des Antisemitismus an Bedeutung zu verlieren, wenn bereits die Kritik am militärischen Vorgehen der israelischen Regierung pauschal als antisemitisch eingeordnet wird. Mit Blick auf die Geschehnisse im Gazastreifen zeigt sich ein tieferliegendes Paradox deutscher Erinnerungspolitik Deutschland ersteht sich als eine Gesellschaft, die sich der Erinnerung an die Schoah in besonderer Konsequenz verpflichtet hat Zugleich bleibt der Eindruck, dass eine breitere Auseinandersetzung mit den historischen Verbrechen, aus denen diese Erinnerungskultur hervorgegangen ist, oft unvollständig geblieben ist.
Beim diesjährigen Filmfestival Berlinale verließ Bundesumweltminister Carsten Schneider demonstrativ die Veranstaltung Auslöser war die Dankesrede des palästinensischsyrischen Regisseurs Abdallah Alkhati, der der Bundesregierung vorwarf, ein „Partner im Genozid in Gaza“ zu sein Kulturstaatsminister Wolfram Weimer stellte daraufhin die Leitung des Festivals grundsätzlich infrage. Auch Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner erklärte in der Zeitung Bild, selbsternannten propalästinensischen Aktivist:innen gehe es nicht um Menschenrechte, sondern um „Hass auf Israel“
Eine klare Linie politischer Unterstützung für Israel spiegelt sich
auch in der traditionellen deutschen Medienlandschaft wider. Einige der einflussreichsten Medienhäuser stützen sich in ihrer Berichterstattung stark auf offizielle israelische Darstellungen. So veröffentlichte etwa die Tageszeitung einen Beitrag mit dem Titel „Können Journalisten Terroristen sein?“, in dem die israelische Armee mehrfach zitiert wurde, ohne palästinensische Perspektiven angemessen einzubeziehen Nachdem fünf Journalist:innen des Senders Al Jazeera im Gazastreifen getötet worden waren, titelte die Bild-Zeitung zunächst: „Als Journalist verkleideter Terrorist in Gaza getötet“. Später wurde die Überschrift in „Getöteter Journalist soll Terrorist gewesen sein“ geändert Zudem wurde wiederholt suggeriert, journalistische Darstellungen von Hunger im Gazastreifen seien übertrieben oder Teil propagandistischer Inszenierungen
Auch große deutsche Nachrichtenformate wie Tagesschau, heute journal oder Tagesthemen berichten über das palästinensische Leid nur am Rande oder ohne historischen Kontext aufzugreifen, und beziehen sich haüfig auf israelische militärische Quellen Falschmeldungen, etwa die zunächst verbreitete Behauptung, HamasKämpfer hätten vierzig Babys enthauptet, wurden zudem nicht ausführlich korrigiert
Solche Darstellungsweisen marginalisieren palästinensische Perspektiven und fördern Prozesse der Entmenschlichung. Zugleich führt die wiederholt betonte bedingungslose Solidarität der deutschen Bundesregierung und zentraler deutscher Nachrichtenhäuser zur Legitimation von Gewalt bei
LaetitiaGräber



SOZIALE MEDIEN OHNE DAS SOZIALE
Diese Vielzahl der Nutzenden verdeutlicht den Grund dafür, warum soziale Medien heutzutage mehr als nur ein sozialer Raum sind Die Fähigkeit, Milliarden von Personen zu erreichen, war nie in der Geschichte so möglich wie heutzutage, was als hilfreiche Geräte in der Hand der einen und eine zerstörende Waffe in der Hand der anderen sein könnte. Außerdem ist unsere menschliche Liebe für Gemeinschaft und Verbindung auch ein Grund dafür, warum dieses künstlich gesponnene Netz manchmal Realität verschleiert, wenn wir uns davon in Abhängigkeit finden

Auswirkungen der riesigen Entwicklung der sozialen Medien am Anfang des 21 Jahrhunderts sind am leichtesten durch den Vergleich von Myspace im Jahr 2006 und Instagram im Jahr 2026 zu sehen Beide Plattformen waren in ihrer Blütezeit,
Obwohl die Wissenschaftler:innen behaupten, dass dies ein zukünftiges Problem sein wird, haben wir schon Beispiele dafür, die demonstrieren, wie schon in der heutigen Zeit Bots ZWISCHEN KI-BOTS
mit nur zwanzig Jahren Abstand, aber während Myspace dabei war, Rekorde in den sozialen Medien mit rund 22 Millionen Nutzer:innen zu brechen, ist Instagram heute, mit mickrigen 3 Milliarden, nicht einmal die meistgenutzte Plattform der Welt
Politolog:innen vieler Spitzenuniversitäten zufolge könnten diese sogenannten „KI-Schwärme“, die von einer zentralen Anordnung angewiesen sind, die nächste große Gefahr für unsere Demokratie sein. Diese individuellen KI-Agenten simulieren als normale Bürger:nnen im Internet, sprechen mit realen Personen und prägen die Trends im Netz Man kann sich schnell einbilden, wie sich die Funktion dieser Bots rasant verändern könnte, je nachdem, ob sie sich in den Händen eines FitnessInfluencers oder einer Diktatur befinden

verwendet werden, um Wahlkämpfe und öffentliche Meinung zu beeinflussen In Taiwan sind chinesische Bots dabei, die Meinung der jüngeren taiwanesischen Generation zu manipulieren, damit sie neutral in der Taiwan-China Debatte bleiben und vor allem nicht gegen China kämpfen Sie bieten eine Vielzahl an KI-hergestellten Artikeln an, die die Online-Räume mit antiamerikanischen Narrativen fluten, was zu einer Überschwemmung an nicht überprüfbaren Informationen führt
Sowohl die Leichtigkeit, mit der die KI-Bots Realität konstruieren, als auch die gezielte Natur der Angriffe demonstrieren, wie gefährlich die „KI-Schwärme“ schon im Moment sind Eine Warnung dafür, dass wir nicht mehr die einzigen Schriftsteller:innen unserer Geschichte sind.
Es sind leider nicht nur KI-Agenten, die unsere Online-Erfahrungen prägen Ohne zu großspurig klingen zu wollen, hatte der Spätkapitalismus eine Rolle in der Korruption des sozialen Online-Raums zu spielen Die Invasion der Werbung in den sozialen Medien ist eine anhaltende Kampagne gewesen, deren erstes Opfer der oben genannte MySpace

war. Nach der Übernahme des Unternehmens von News Corp im Jahr 2005 fing die Website größere Werbekampagnen an und schon im Jahr 2008 hat sie ihre erste Position in der Nutzertabelle an Facebook verloren, eine ästhetischere Plattform mit weniger Pop-ups Das Hauptproblem war das Unvermögen, rein sozial in MySpace zu sein, ohne jede Sekunde Werbung von zehn verschiedenen Unternehmen zu sehen
Fast das gleiche, aufdringliche Werbungsproblem passiert im Moment, aber wegen einer Normalisierung der Konsumkultur und der relativ langsamen und vorsichtigen Einführung der Werbung sind Menschen daran gewöhnt, oder ehrlich gesagt, haben sie keine andere Option Ein Beispiel hierfür ist Snapchat Am Anfang war die App ein rein sozialer Raum, in dem Leute leicht miteinander sprechen und
Stefan ist Student im letzten Studienjahr, der Deutsch und Spanisch mit einem Auslandsjahr studiert. Trotz seines Rückzugs aus den meisten sozialen Medien bleibt die Online-Welt für ihn von Interesse, geprägt durch seine Dissertation und Naomi Aldermans Buch über die Informationskrise. Diese Einflüsse führten ihn dazu, die Beziehung zwischen Mensch und Technologie zu untersuchen. Sein Artikel greift diese Spannungen auf und entwirftzugleicheinehoffnungsvolleZukunftsperspektive. .
einander Videos und Fotos schicken konnten Dann wurde Snapchat-Spotlight eingeführt, eine Imitation der Instagram Reels, in der Snapchat Nutzer:innen, erst ernst, der Welt der Werbungen Zeugnis ablegten Video nach Video gab es mehrere Möglichkeiten, Produkte zu verkaufen. Dann kommen wir in die heutige Zeit, in der Unternehmen nicht mehr zu einem spezifischen Teil der App eingeschränkt werden, weil Cola oder Dominos heutzutage die Option haben, eine persönliche rote Snap direkt an Ihr Handy zu schicken Werbung ist nicht mehr ein separater Teil unseres Lebens, es hat den sozialen Raum überfallen
Ich möchte nicht die Rolle eines Unheilspropheten spielen, besonders in einer Zeit größerer Gefahren im Nahen Osten und jenseits des Atlantiks Ich fand es jedoch dennoch wertvoll, über dieses Thema zu schreiben, wegen der möglichen und bereits erlebten Begegnungen, die wir mit diesen Technologien haben.
Trotz der Invasion von Werbung in den sozialen Medien und trotz der „zukünftigen“ manipulierenden KI-Bots erinnere ich mich immer wieder daran, dass wir bereits mit diesen Technologien leben, und deshalb ist es wichtig, die Schwierigkeiten aufzuzeigen
Das im Moment unausgewogen wahrgenommene Verhältnis zwischen uns und den von uns hergestellten Geräten kann nur durch die Erkenntnis davon gelöst werden Wir verwenden täglich unsere Handys, aber manchmal ist eine Erinnerung an ihre weltzerstörenden Fähigkeiten hilfreich, damit wir, nicht sie, unsere Zukunft schreiben.
StefanNawathe

DIE RÜCKKEHR DES BEWUSSTEN HÖRENS IN ZEITEN VON STREAMING

Mein
candy erster Versuch am Plattenspieler? Komplett daneben Ich beobachtete meinen Kumpel, wie er durch eine Kiste sorgfältig kuratierter Musik blätterte, auflegte und beatmatchte, und wie dann dieser warmen, knackigen Sound reinzog. Klar, dass ich sofort selbst mitmachen wollte – irgendwas daran hat mich einfach angezogen Ein paar „ganz einfache“ Anweisungen später stand ich selbst am Deck Zwei Platten später war die Nadel kaputt Für den Laden, in dem er arbeitete – mit fast so viel Ersatznadel wie Platten – kein Problem Für mich dagegen war ’ s ziemlich peinlich Auch wenn ich dieses erste Erlebnis kaum als Erfolgsgeschichte bezeichnen würde,
war diese Erfahrung einfach faszinierend: die Platte in der Hand, die Nadel, die aufsetzt, und dann Musik Kein Bildschirm, keine endlose Auswahl zum Wegklicken –nur eine physische Platte, deren feine Rillen irgendwie perfekt in Klang übersetzt werden
Ich bin damit längst nicht allein Vinyl wirkt oft wie ein verstaubtes Relikt –ein Medium aus einer anderen Zeit Doch gerade erlebt physische Musik eine bemerkenswerte Rückkehr Vor allem Gen-Z entdeckt das Format neu – die Generation, die mit BluetoothKopfhörern – oder Kabeln, wenn man sich noch daran erinnert. Laut einer aktuellen Studie trägt Gen-Z
maßgeblich zum Wachstum bei Gleichzeitig erreichte der globale Vinyl-Markt 2023 einen Umsatz von rund 7,6 Milliarden US-Dollar, und wächst seit 17 Jahren ununterbrochen, nachdem das Format lange als veraltet galt. Social-Media-Trends wie „slow consumption“ oder ästhetisch kuratierte Plattensammlungen treiben diese Entwicklung weiter an
Wachstum zeigt sich hier nicht nur in Zahlen, sondern auch in der Rückkehr einer ganzen Szene: Plattenläden, Resale-Plattformen und Presswerke gewinnen wieder an Bedeutung – und stehen für eine greifbarere, bewusstere Art, Musik zu konsumieren. Gleichzeitig entwickelt
sich damit wieder eine Alternative zu den allgegenwärtigen StreamingDiensten wie Spotify, die wahrscheinlich sowieso schon längst auf deinem Handy installiert sind.
Denn Musik wird heute grundlegend anders konsumiert als früher Plattformen wie Spotify machen den Großteil des Musikkonsums aus und verzeichnen täglich über 100 000 neue Veröffentlichungen Die meisten davon bleiben auch fast ungehört –und trotzdem ist unsere Auswahl als Hörer:innen nahezu unendlich
Natürlich lässt sich argumentieren, dass genau diese Zugänglichkeit die kreative Vielfalt gefördert und unzählige Subgenres hervorgebracht hat Gleichzeitig hat sie die Grenzen des Musikgeschmacks verschoben: Weg von Radio und physischen Veröffentlichungen hin zu digitalen Communities, die sich um gemeinsame Interessen formieren
Doch an einem gewissen Punkt verliert sich etwas Musik über Streaming-Plattformen zu hören, kann sich schnell entkoppelt anfühlen. Vielleicht ist das auch nur ein weiteres Symptom der zunehmenden Aufmerksamkeitsökonomie: Zugang zu Musik ist nicht mehr das heutige Problem, sondern die Fähigkeit, sich wirklich auf etwas einzulassen Was als Freiheit der Wahl verkauft wird, könnte genau das Gegenteil bewirken – eine Verwässerung von Bedeutung: Zwischen endlosem Scrollen und Skippen auf der Suche nach der perfekten Mischung aus Vertrautheit und Neuheit zugleich bleibt wenig Raum für Tiefe. Und während wir noch suchen, ist KI längst in die Plattformen vorgedrungen – leise, aber konsequent – und radiert dabei jene menschlichen emotionalen Spuren aus, die Musik einst getragen haben
Musik ist ja viel mehr als ein Produkt
der Moderne – sie ist tief im Menschlichen verwurzelt Sie war schon immer da – in Ritualen, Religion, Arbeit, Geschichten und bedeutenden sozialen Beziehungen. Archäolog:innen haben sogar Flöten aus Vogelknochen und Mammutelfenbein gefunden, rund 40 000 Jahre alt – ein Hinweis darauf, dass Musik älter ist als die Landwirtschaft selbst
Vielleicht erklärt gerade dieses uralte Bedürfnis nach Verbindung, warum Streaming-Plattformen oft eine gewisse Leere hinterlassen – fast etwas Vereinzelndes. Als Reaktion darauf wächst bei vielen der Wunsch, sich dem digitalen Dauerstrom zu entziehen und Musik wieder bewusst und aktiv zu erfahren
1 Zuerst: eine Platte auswählen
2 Vielleicht einen Moment beim Artwork verweilen.
3.Das Vinyl aus der Hülle lösen, behutsam auflegen.
4 Staub abwischen
5 Die Nadel langsam absenken
6 Start
7 Das Knistern hören – bis die Rillen greifen und sich der Klang entfaltet
Nach diesen Schritten merkt man vielleicht: man wird langsamer Aufmerksamer Hören wird hier zum Handeln, zu einem physischen Vorgang, der sich nicht beschleunigen, optimieren oder vereinfachen lässt. Und die Platte, die sich etwas eigenwillig auf deinem Plattenspieler dreht, ist deine –

Und genau da kommt Vinyl ins Spiel Ein Plattenspieler lässt sich nicht in die Hosentasche stecken, nicht im Vorbeigehen konsumieren Er verlangt Zeit – und Aufmerksamkeit
Jetzt lohnt es sich, genauer hinzuhören
vielleicht für immer Genau das schafft eine andere Verbindung: Du hast sie gesucht, ausgewählt, ausprobiert, und mitgenommen Das Physische daran wird zum Erinnerungsträger, und vielleicht auch zu einer Form von Selbstfürsorge. Vinyl zum ersten Mal KÖ/FS26/18
auf einer eindrucksvollen Anlage in Berlin zu hören, fühlte sich ebenfalls wie Selbstfürsorge an Ein pinkorange beleuchteter, vernebelter Raum, der Sound alles durchdringend Die DJ bewegte sich scheinbar mühelos durch ihre Plattenkiste, als wäre es nichts Besonderes Kein Bildschirm, kein Scrollen durch ein digitales System, nur ein Plattenkoffer voller Erinnerungen und Gefühlen.
Mit dem Comeback von Vinyl wächst auch die Beliebtheit der Vinyl-DJs Was manchmal als nostalgisches Gimmick abgetan wird, ist in Wahrheit eine Praxis, die viel Präzision und Erfahrung verlangt
Die Auswahl beim Vinyl-Spielen ist auch begrenzt – und genau daraus entsteht eine neue Form von Intentionalität Durch die analoge Arbeitsweise entfallen zudem viele digitale Möglichkeiten. Das Ergebnis ist oft mehr Raum im Set – Tracks dürfen sich entfalten, statt einfach durchgemischt zu werden Und man muss auch zugeben: Vinyl klingt ja einfach besser, oder?
Diese Behauptung hört man ständig: Analog klingt „wärmer“, „organischer“ Und ja – sie wirkt oft wie ein Klischee aus der Welt der Musiknerds Dennoch steckt eine tatsächliche Ursache dahinter. Der Grund liegt im analogen Wiedergabeprozess selbst, in dem die Nadel harmonische Verzerrungen relativ zur Grundfrequenz erzeugt
Diese betreffen vor allem die mittleren Frequenzbereiche – jene, die vom menschlichen Gehör besonders sensibel wahrgenommen werden
Vinyl ist digitalen Formaten technisch zwar unterlegen, doch genau diese Imperfektionen verleihen dem Klang seine besondere Qualität
Doch diese klangliche Qualität oder sogar „Überlegenheit“ hat ihren Preis. Vinyl braucht Platz, Zeit und ein gewisses Maß an Know-How und vor allem Geld. Platten, Plattenspieler, Lautsprecher bilden die Einstiegshürden, die nicht für alle überwindbar sind und auch eine gewisse Exklusivität schaffen Insofern stellt sich die Frage, ob Vinyl tatsächlich zugängliches Format ist, oder ob es vielmehr durchökonomische Voraussetzungen geprägt bleibt Aber falls das eigene Budget derzeit fehlt, bleibt noch eine Alternative: Einer der neuen, stylischen, japanisch inspirierten Listening Bars, die gerade in vielen Großstädten entstehen – inklusive 17Pfund-Cocktail mit extra viel Eis in einem winzigen Glas Vinyl ist also doch für alle da!
Die Kosten von Vinyl betreffen jedoch nicht nur die Konsument:innen und ihre finanziellen Mittel, sondern auch die Umwelt Schallplatten bestehen aus PVC und werden in einem fossilen Produktionsprozess hergestellt. Und als wäre die CO₂-Bilanz nicht schon etwas hoch, kommt noch der Transport: Vom Presswerk in den Handel oder direkt zu den Konsument
Jacob schließt in diesem Jahr seinen Bachelor in German & Management am KCL ab und konnte bereits erste journalistische Erfahrungen sammeln Nach seiner Tätigkeit bei Holtzbrinck Berlin, wo er Panelgespräche und Konferenzen für Journalist:innen mitorganisierte, schrieb er für das Berliner GROOVE Magazin Feature-Artikel und Interviews Weitere Texte von ihm erschienen im Strand Magazine sowie in der Königspost Langfristig strebt er eine journalistische Laufbahn an, in der er genau diesen Verbindungen zwischenKultur,PolitikundGesellschaftnachgeht
-:innen Zwar lässt sich anführen, dass Schallplatten auf Langlebigkeit ausgelegt sind und oft über Jahre hinweg genutzt werden, doch das ändert nichts an der problematischen Grundlage seiner Herstellung Initiativen wie Green Vinyl Records zeigen, dass es nachhaltigere Alternativen geben könnte – aber noch sind sie nicht der Standard
Man könnte also meinen, die ethisch richtige Entscheidung wäre, einfach bei Spotify zu bleiben – doch so einfach ist es nicht Beim Streaming entstehen keine physischen Produkte, doch dafür zeigen sich die Probleme an anderer Stelle: extrem niedrige Vergütungen für Künstler:innen, eine wachsende Flut an KI-generierter Musik, ein enormer Energieverbrauch von Datenzentren, und nicht zuletzt die Investitionen des Spotify-CEOs in Militär-KI
Am Ende gibt es keinen klaren moralischen Sieger: Weder Vinyl noch Streaming bieten eine eindeutige Lösung, sondern stehen für unterschiedliche Formen von Kosten Aber wie wir Musik hören, bleibt eine persönliche Entscheidung – vielleicht mal eine Mischung aus beiden Sicher scheint jedoch: Vinyl wird nicht einfach wieder verschwinden, zumindest vorerst Vielleicht geht es dabei gar nicht darum, das Digitale abzulehnen, sondern darum, dem Hören selbst wieder Gewicht zu verleihen – sich mit einem Prozess zu verbinden, der so alt ist wie die Menschheit In einer Zeit unendlicher Verfügbarkeit erinnert Vinyl daran, langsamer zu hören – und eine Verbindung zu dem aufzubauen, was man tatsächlich in den Händen hält Für mich ist das Stöbern durch Platten zu einem Moment der Ruhe geworden Und die Nadel? Kein Problem mehr (zum Glück)

JacobHession

18. Februar löste der InstagramAccount „bradnolimit“ einen veritablen Schneeballeffekt an schwerwiegenden Vorwürfen gegen prominente Figuren der HardTechno-Szene aus Der Betreiber, ein ehemaliger Angestellter der Buchungsagentur Steer Management, teilte unzählige Screenshots und Storys auf sozialen Medien, und schockierte damit nicht nur die TechnoCommunity
Tatsächlich sollte dieser Vorfall einen Denkanstoß bieten: Anstelle von einem ach so heiligen „Safe Space“ zu predigen, sollten wir Worte in Taten umsetzen – und das vor allem in einem Umfeld, wo prekäre und veränderte Bewusstseinszustände eher die Regel als die Ausnahme sind
DieGegensätzlichkeitder Hauptakteurehinterden
Enthüllungen:Findet Sensationalismusmehr Anklang?
Hinter der aktuellen Bewegung stecken zwei Hauptakteure, die unterschiedlicher nicht sein könnten Einerseits setzt sich das ursprünglich französische, mittlerweile auf die internationale Ebene übergeschwappte Kollektiv „metoodjs“ dafür ein, Opfern Schutz zu bieten Die von Frauen geführte Initiative vertritt Prinzipien wie Vertraulichkeit und befolgt einen rechtlichen Rahmen Der Mangel an öffentlichen Anprangerungen seitens „metoodjs“ steht in einem starken Kontrast zur Heransgehensweise des zweiten Hauptakteurs, „bradnolimit“
Von manchen der Heuchelei und des Opportunismus bezichtigt, ist „bradnolimit“ der unbestreitbare



Auslöser einer Aufsplittung der Szene. Tatsächlich kommt „bradnolimit“’s Herangehensweise einem egozentrischen Rachefeldzug nahe: Erst nachdem er von Steer Management entlassen und angeblich als „creepy “ beschrieben worden war, ging „bradnolimit“ mit seinen Anschuldigungen an die
Öffentlichkeit. Seine parasoziale Beziehung zu Shlømo (der sexueller Gewalt und Machtmissbrauchs an Minderjährigen zu sexuellen Zwecken beschuldigt) erscheint als kleinliches Geplänkel, da beide Männer u a die private Wohnadresse des anderen an ihre Tausende von Follower:innen preisgaben
Trotz langjährigem Aktivismus des Frauenkollektivs „metoodjs“, ist es „bradnolimit“s sozialanklägerisches Pathos, das schlussendlich weit verbreiteten Anklang fand: Man könnte fast zur deprimierenden Schlussfolgerung kommen, dass toxische Maskulinität nur mit toxischer Maskulinität bekämpft werden kann.
WelcheRollespielensystemischeEinflussfaktoren?
Wobei sich der konkrete Auslöser leicht bis zu seiner Quelle zurückverfolgen lässt, sollte eine ganzeinheitlichere Perspektive nicht außen vor gelassen werden Warum kommt es erst jetzt zum voll ausgeprägten Gegenstück der Me-Too-Bewegung innerhalb der elektronischen Musikbranche?
Die Frage kann nicht beantwortet werden, ohne den geographischen Kontext des Skandals kurz zu erwähnen: Da Steer Management’s Hauptsitz in Frankreich ist, sind bisher hauptsächlich französische Künstler in die Schusslinie geraten. In Frankreich herrscht eine allgemeine Zurückhaltung, entschlossener gegen sexuelle Belästigung vorzugehen: 40% der Personen, die in Frankreich am
Advanced Study in Princeton, die sich mit französischen sozialen und sexuellen Sitten befasst, handelt es sich hierbei um tief verwurzelte Vorstellungen über sexuelle Beziehungen und um ein Machtgefälle zwischen Männern und Frauen Vielleicht ist es ja diese Untätigkeit, die die momentan explosive Aufarbeitung im Zeitalter der Epstein Files bewirkt
DieunterdenTeppichgekehrtenPräzedenzfälle
Das sogenannte „Steergate“ ist von einem traurigen Mangel an Neuheit gezeichnet Man kann den Ursprung des „MeToo-Movements“ innerhalb der Techno- und PartyGemeinschaft nämlich zurück bis ins Jahr 2020 verfolgen, das Jahr in dem DJ Kristen Knight ein Gerichtsverfahren wegen Körperverletzung und sexueller Nötigung gegen Erick Morillo in die Wege leitete In einem MixmagArtikel griff die Künstlerin damals schon auf ernüchternde Weise ein weiterhin relevantes Problem auf: „Ich habe es satt, dass Frauen und ihre Geschichten einfach beiseitegeschoben werden, während sie mit einem toxischen Umfeld und sexueller Belästigung zu kämpfen haben und dieses Verhalten normalisiert wird (...) Also wirklich, wir
„Warum kommt es erst jetzt zum voll ausgeprägten Gegenstück der Me-too-Bewegung innerhalb der elektronischen Musikbranche?“
Arbeitsplatz eine Beschwerde einreichen, werden entlassen, während gegen die Beschuldigten in der Regel nicht einmal ermittelt wird Laut Joan Scott, Professorin am Institut for

haben doch 2020 “ Knight selbst wurde die Möglichkeit genommen durch das Justizsystem Gerechtigkeit zu erfahren: Ihr Missbraucher starb drei Tage vor Beginn des Verfahrens
Knapp zwei Jahre später ist die Mixmag-Journalistin Annabel Ross mit schwerwiegenden Vorwürfen gegen Derrick May, Produzent des euphorischen House-Klassikers „Strings of Life“, in die Öffentlichkeit getreten. Ihr daraufhin folgendes Teilnahmeverbot an Carl Craig’s Movement Festival (der Vorfall wurde nicht in der Mixmag FestivalRezension erwähnt) und eine Schmierkampagne seitens Omar S und Carl Craig sind Zeugnisse einer unappetitlichen Komplizenschaft
Die Karrieren von Craig Carl, Omar S und Derrick May haben keinen langfristigen Schaden davongetragen Techno wurde als Gegenkultur konzipiert, als Ausdruck der Widerstandsfähigkeit und des unerschütterlichen Stolzes einer Gemeinschaft welche im bedrückenden Detroit der 80-er Jahre dahinterstand – vielleicht ist es gerade diese
Marginalisierung, abseits des Mainstreams, die dazu führte, dass man so lange ein Auge gegenüber der Misshandlung von Frauen, Trans- und nicht-binären Personen zugedrückt hat Es ist in dem Sinne kaum zu übersehen, dass das Epizentrum des aktuellen Skandals sich in der wohl kommerziellsten Subkultur innerhalb Skandals sich in der wohl kommerziellsten Subkultur innerhalb der TechnoSzene befindet Aber nur weil die Hard-Techno Szene ein größeres Publikum erreicht, heißt das nicht, dass man von einer Introspektion in anderen Nischen des Nachtlebens „verschont“ bleiben sollte.
IstesineinerkrisenhaftenSituationmöglich, optimistischzusein?
Das „Steergate“ sollte uns eine Lehre sein Anstelle einer kopflosen Hexenjagd ist eine tiefgreifende Umstrukturierung des Nachtlebens und der Musikindustrie fällig Man braucht strikte Verhaltensprotokolle, verbindliche Leitlinien und eine allgemeine Auseinandersetzung mit den Machtverhältnissen, die das Milieu rundum Clubs und Festivals prägen Obwohl soziale Netzwerke eine wichtige Rolle in diesem Ökosystem spielen, sind konkrete Maßnahmen über die digitale Welt hinaus nötig. Viele schlagen zum Beispiel vor, eine Klausel in Verträgen aufzunehmen, wonach sich Veranstalter das Recht vorbehalten, bei schwerwiegenden Vorwürfen einen Auftritt ohne Strafzahlung abzusagen Der Zugang zu Anwält:innen, Psycholog:innen und Beratungsstellen soll erleichtert und ermöglicht werden, während die Gewerkschaften in einer solch gefährdeten Branche gestärkt und unterstützt werden müssen
FridaFoehr
Frida arbeitet momentan auf ein Zwei-Fach-Bachelor in "English Law and French Law" hin (King's College London und Panthéon-Assas Paris II) Obwohl sie derzeitig in Paris lebt, freut sie sich nächstes nach Berlin zu ziehen, um dort ein LL M im Rahmen der European Law School zu absolvieren. Seit Frida von Zuhause ausgezogen ist, ist sie ins Nachtleben eingetaucht - eine Szene dieFridadazuinspiriertüberdiesesaktuelleThemazuschreiben.



WAS FÜTTERT DIE ZUKUNFT?

Futuristische
Visionen und Hypothesen vergessen oft, was jeder Autor braucht: Snacks Was gehört zum Speiseplan von Entscheidungsträger:innen, Programmierer:innen oder Technikbegeisterten? Dieser spekulative und experimentelle Artikel geht dieser Frage nach
Essen ist ein Paradebeispiel dafür, wie Kultur aus unserer Umwelt entsteht. Daher ist der Klimawandel einer der wichtigsten Faktoren, die bei der Planung zukünftiger Mahlzeiten berücksichtigt werden müssen. Extreme und unvorhersehbare Wetterlagen gefährden die landwirtschaftliche Produktion und beeinträchtigen somit deren Effizienz Der Klimawandel steht daher in einem direkten Zusammenhang mit steigenden Lebensmittelpreisen In Großbritannien beispielsweise stiegen die Kartoffelpreise im Winter 2023/24 nach starken Regenfällen um 22 %, während eine Dürre in
Brasilien im Sommer 2024 einen Anstieg der globalen Kaffeepreise um 55 % verursachte Die Preise bestimmen die Reaktion, daher erscheint eine Verlagerung der Produktion weg von der Landwirtschaft hin zu Laboren möglich Im Labor gezüchtetes Fleisch soll ein weit verbreitetes Produkt werden Das Pionierunternehmen JustEat hofft, es „auf den Tischen von Familien in den Vororten von Birmingham, Alabama, bis hin zu den Wolkenkratzern von Shanghai“ anbieten zu können. Ein Pilotangebot mit im Labor gezüchteten Hühnchen-Bao-Buns wurde in einem Restaurant in Singapur für etwa 23 USDollar verkauft – hier besteht also durchaus noch Verbesserungspotenzial
Es ist offensichtlich, dass das Nährstoffprofil das wichtigste Merkmal von Lebensmitteln sein kann Ein zentrales Thema der globalen öffentlichen Gesundheit ist der Nährstoffmangel, unter dem zwei Milliarden Menschen leiden, vorwiegend an Vitamin A, Eisen und Zink Gehirnentwicklung, körperliche Leistungsfähigkeit und Knochengesundheit werden durch Nährstoffmängel beeinträchtigt. Dies hat zur weitverbreiteten Anreicherung von Lebensmitteln geführt, einer Praxis, die mittlerweile normal ist – von Frühstückscerealien bis hin zu Mehl Die Anreicherung mit NichtHämeisen deckt etwa die Hälfte des Eisenbedarfs in den USA und verdeutlicht damit dessen Bedeutung für unsere Ernährung
Da die Lebensmittelbeschaffung immer schwieriger wird, könnte sich ein bereits etablierter Trend verstärken: Lebensmittel werden auf ihre essentiellen Bestandteile reduziert. Das Unternehmen Huel, das Riegel und Shakes vertreibt, vermarktet diese als „vollwertige Mahlzeiten“, die 27 der essentiellen Vitamine und Mineralstoffe enthalten Ist dies ein Vorbote der Zukunft, in der Mahlzeitenersatz die kulinarische Entscheidung auf die Wahl
zwischen fester und flüssiger Konsistenz reduziert? Der Markt für Snacks, die schnell konsumiert und tragbar sind, wächst stetig und spiegelt einen Wandel von der traditionellen, mahlzeitenbasierten Ernährung wider Mahlzeitenersatz ist seit dem frühen 20 Jahrhundert ein wiederkehrendes Thema in Science-Fiction-Romanen, sei es für die Raumfahrt oder – wie in der Realität häufiger der Fall – für mehr Effizienz Würde irgendjemand von uns die Zeit investieren, Zutaten zu besorgen und zu kochen, wenn das gleiche Nährstoffprofil in einer konzentrierten Pille oder einem Smoothie für unterwegs enthalten ist?
Diese vermeintliche Superlösung hat jedoch einen Haken Zutatenlisten, die lediglich aus Zusatzstoffen und nicht identifizierbaren Chemikalien bestehen, verhindern eine aktive Berücksichtigung von Saisonalität, Ökosystem und den Rechten der Landwirte Programme, die sich als effizient vermarkten, haben immer ihren Preis Gentechnisch veränderte Organismen (GVO) schaffen Abhängigkeit von Monokulturen und schränken die Handlungsfähigkeit der Landwirte durch strenge Patente und intransparente Gesetze ein Synthetische Hormone und Pestizide – die angeblich den Stress der Erntezeit für Landwirte verringern und finanzielle Verluste durch Ernteausfälle mindern – vergiften den Boden, gelangen in die lokalen Lebensräume und sind oft krebserregend für diejenigen, die sie anwenden, und diejenigen, die die daraus gewonnenen Produkte verzehren Vielleicht ist Effizienz auf Kosten der ökologischen Verträglichkeit nicht d i h i W di E äh i h h i
„Astronautenpille“ zu kurz Die kulturelle Bedeutung von Essen darf nicht unterschätzt werden Lebensmittel, die für den schnell Verzehr unterwegs konzipiert sind, untergraben das Bewusstsein, das mit ihrem Konsum hereingehen soll Die Anthropologie des Essens ist ein eigenständiger Forschungszweig, der Lebensmittelproduktion undkonsum mit kulturellen, ethnografischen und politischen Studien verknüpft Die Küche ist ein Aushängeschild der Kultur und spiegelt die sozialen Normen, landwirtschaftlichen Praktiken sowie die politische und kulturelle Geschichte eines Ortes wider In der Toskana beispielsweise wird Brot ungesalzen serviert – ein Erbe der historisch hohen Salzpreise und der Kriegsverwicklung des Landes. Der Wert von Salz spiegelt sich sogar in der Etymologie des Wortes „Salary“ wider, da Salz aufgrund seiner Notwendigkeit als Lohn gezahlt wurde.

Das Zusammenspiel von Etymologie, Geschichte und Essen verdeutlicht, welchen Einfluss unsere Ernährung auf die Kultur hat Der Geburtstagskuchen, dessen Ursprung in einem altgriechischen Brauch zur Feier der Geburt der Artemis liegt – mit Kerzen, die ihn wie den Mond erstrahlen ließen –, und der möglicherweise rund 2500 Jahre später vom deutschen Kinderfest beeinflusst wurde, zeugt von der anhaltenden Verbindung zwischen Essen und prägenden Lebensereignissen
Gerüche wecken Erinnerungen, bestimmte Anlässe verlangen nach bestimmten Speisen, und oft finden gesellige Treffen bei Picknicks, Dinnerpartys, Cocktailabenden und Imbisstubfrüstücken statt Tatsächlich stammt das Englische Wort „company “ vom lateinischen Wort für Brot, „panis“, und bedeutet wörtlich „jemand, mit dem man Brot teilt“ Vielleicht sehnen wir uns, je mehr die Welt anglisiert und globalisiert wird, nach den kleinen, alltäglichen Beispielen lokaler K l E i d W d hi d i i h l di

Josie studiert Philosophie und Deutsch am KCL, mit besonderem Interesse an politischer Philosophie und sprachlicher Identität Zuvor studierte Josie am Black Mountains College in Wales, wo Nahrungsmittelsouveränität und Klimastandsfähigkeit einen großen Teil des Curriculums bildeten und sie über die Frage der zukünftigen Ernährung nachdenken ließen Für diesen Artikel wurde sie außerdem durch einenBesuchimScienceMuseuminspiriert,densiejedemempfiehlt

ZWISCHEN
GRENZEN UND PERSPEKTIVEN:
DIE CAMBRIDGE UNDERGRADUATE CONFERENCE IN GERMAN STUDIES
Inckdsdiesem Jahr haben drei Studierende unserer eigenen Sprachabteilung ihre Forschungsarbeit auf der Cambridge Undergraduate Conference in German Studies präsentiert Diese Konferenz hat Studierende aus dem gesamten Vereinigten Königreich zusammengebracht, um sich mit dem Thema dieses Jahres: „Borders and Boundaries” zu befassen Die Möglichkeit, KCL in einem so renommierten akademischen Umfeld zu repräsentieren, stellte eine besondere Ehre und wertvolle Erfahrung dar.
Zwei Studierende (Izyan Bashiruddin, erstes Jahr, und Georgina Adams, drittes Jahr) stellten ihre Forschung in Form einer Präsentation vor, eine Studierende (Grace Hodson, viertes Jahr) in Form eines Posters
Izyan musste als Erster seine Präsentation halten Dies war eine besondere Herausforderung, die er jedoch erfolgreich meisterte Die erste Präsentation fokussierte sich auf moralische
Verantwortungsvermeidung in der deutschen Nachkriegszeit Dabei wurden Bernhard Schlinks „Der Vorleser” mit der Geschichte des Unternehmens Hugo Boss verglichen und untersucht, wie Schweigen als Strategie für moralische und institutionelle Kontinuität fungieren kann Schweigen ist nicht zwangsläufig passiv, sondern kann auch als bewusste Strategie eingesetzt werden. Manchmal dient es dazu, Verantwortung zu vermeiden. Diese Strategie wird sowohl von Individuen als auch von Unternehmen benutzt Dadurch werden Fragen nach dem Unterschied zwischen Schuld und Verantwortung aufgeworfen Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Vergangenheitsbewältigung weiterhin ein fortlaufender Prozess bleibt
KÖ/FS26/27

Georgina Adams war Teil des zweiten Panels und in ihrer Präsentation ging es soziale Grenzen, Gegenkultur und ästhetische Grenzziehungen im wiedervereinigten Berlin In dieser Präsentation zeigte sie, wie Kultur, Grenzen überschreiten und offizielle Darstellungen hinterfragen kann. Sie hat auch demonstriert, wie Kunst die Erinnerung an die Vergangenheit beeinflussen und Ideen für die Zukunft prägen kann.
Grace Hodsons Poster über Fritz Bauer zählte zu den besten der Konferenz und löste viele interessante Diskussionen aus Das erfolgreiche Poster beleuchtete die Bemühungen von Fritz Bauer im Kampf gegen die Verbrecher der NS-Regierung Das Poster fokussierte sich auf den Verrat der Entnazifizierung und untersuchte, wie die ursprünglichen Ziele der Entnazifizierung nicht immer erreicht wurden
Auf der Konferenz wurde zahlreiche interessante Poster präsentiert Die Studierenden haben über Migration, Sprachgrenzen, Identität und Erinnerungskultur diskutiert. Die Diskussionen waren lehrreich und wir haben viel über deutsche Kultur und Geschichte gelernt und darüber, wie sie die Zukunft beeinflussen können. Vor den

Izyan Bashiruddin ist Student im ersten Jahr der Fächer Geschichte und Deutsch am King’s College London und interessiert sich insbesondere für die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts und die Erinnerungskultur Er verfasste diesen Artikel, um über seine Teilnahme an der Cambridge Undergraduate Conference in German Studies zu reflektieren und zu untersuchen, wie studentische Perspektiven zu den aktuellen akademischen Debatten überdieZukunftbeitragen.
Akademiker:innen von Cambridge Präsentationen zu halten, war nicht nur eine Ehre, sondern auch eine großartige Lernerfahrung. Das starke akademische Umfeld förderte intensive und anspruchsvolle Diskussionen. Diese Konferenz hat auch die Wichtigkeit der Perspektiven und Stimmen von Studierenden aus aller Welt demonstriert Die Erfahrung verdeutlichte zudem, dass Studierende und junge Menschen einen wichtigen Beitrag zu den zentralen gesellschaftlichen Debatten leisten können “
Die Frage „Wer schreibt die Zukunft?” hat keine einfache Antwort Die Konferenz hat vorgeschlagen, dass die Zukunft von denen geprägt wird, die feststehende Ideen hinterfragen wollen. Indem wir Grenzen infrage stellen, helfen wir, sie neu zu definieren. In diesem Sinne interessieren sich akademische Kreise nicht nur für die Vergangenheit, sondern auch für die Zukunft
Für uns als Studierende hier am KCL hat diese Erfahrung die Stärke unseres eigenen Sprachdepartments unter Beweis gestellt Sie hat uns auch gezeigt, dass unsere Stimmen in Kreisen außerhalb unserer eigenen Institution wertvoll sind Sich mit Geschichte und Kultur zu beschäftigen, ist nur ein Weg von vielen, die Zukunft zu beeinflussen.
IzyanBashiruddin
Ich rasierte Herrn Schmidt, als das Telefon geklingelt hat
“Es war für Sie, mein Herr,” sagte Erik, der Assistant “Das Baby kommt schnell, und Ihre Frau ist in Gefahr.”
Es war, als ob eine eisige Hand mein Herz gegriffen hatte.
“Sie sollten besser zu ihr fahren. Wir können ohne Sie hier auskommen.”
“Danke!” Ich packte meine Jacke und lief zur Tür.
“Warten Sie!” Es war Herr Schmidt; ich hatte alles über ihn vergessen, immer noch in seinem Stuhl und Latz “Sie fahren nach Kluse?”
Er zeigte auf die Zeitung: Eröffnung der Schwebebahn Kluse-Zoo: der schnellste Weg nach Kluse
“Die erste Bahn fährt um 11 Uhr ab Sie haben sieben Minuten!”
Ich lief aus dem Friseur, bog rechts in die Sonnbornerstraße ein und sah die Menge Mein Herz sank: Ich würde es nie schaffen Glücklicherweise habe ich scharfe Ellbogen! Endlich stand ein Wagen vor mir, aber trotz meiner Dringlichkeit musste ich anhalten, um den glänzenden Anstrich, die formschönen Konturen, und das reine Messing zu bestaunen Eine Pfeife weckte mich auf, und ich schob mich an dem Bürgermeister vorbei, als er bei den Türen stand Ich war in der Schwebebahn
Eine Rückbewegung, und wir fuhren los Um mich herum jubelten und winkten jeder, aber ich konnte meine Frau nicht vergessen Was wenn sie tot war? Es war zu furchtbar
Die Schwebebahn schien mir sehr langsam zu sein und der Sonnenschein und das Lächeln der anderen Reisenden veralberten meine Hoffnungslosigkeit
Jedoch als wir die Stadt zurückließen, fühlte ich plötzlich besser Die Erfahrung, mit der Schwebebahn zu fahren, war spannend und aufregend Es war, als ob wir durch die Luft schwebten Ich konnte das ganze Tal sehen, bis hin zu entfernten schneebedeckten Bergen im Süden. Unter mir glitzerte der Fluss Wupper in der Sonne, und ich bemerkte mit Freude eine Familie von Schwänen. Die kleinen Schwäne schwammen unsicher hinter der Mama, die stolz auf ihre Mutterschaft aussah. Ich konnte fast jede flauschige Feder sehen, bis wir sie überholten und weit zurückließen.
Sehr bald kamen wir in Kluse an, obwohl es sich jedes Mal, wenn wir an einer Station anhielten, wie eine Ewigkeit anfühlte. Es war wirklich unglaublich, wie schnell die Schwebebahn fuhr.
Aber ich hatte keine Zeit für Bewunderung
Ich sprang aus der Bahn, sobald die Türen aufgingen Ich lief schon wieder durch eine Schar und durch die Straßen, bis ich mein Haus erreichte Ich nahm meinen Hut ab und ging in den Flur hinein
Alles war still
Dann hörte ich plötzlich das Geschrei eines Babys Mein Herz hüpfte vor Freude und ich rannte nach oben ins Schlafzimmer Da war meine Frau mit einem wunderschönen Baby im Arm
Ich hätte diesen Moment um nichts auf der Welt verpasst Vielen Dank, Schwebebahn
SophieNye
GewinnerindesKönigspost-A-Level-Schreibwettbewerbs KÖ/FS26/29




MEHR ALS NUR EIN SPIEL

Fußball war noch nie nur Fußball Fußball war noch nie ein unpolitischer Sport Angesichts der Weltmeisterschaft 2026 und der aktuellen politischen Lage in den USA gilt dies mehr denn je. Umso überraschender ist es daher, dass sich der Deutsche Fußball-Bund weigert, eine offene, öffentliche Debatte über einen möglichen WM-Boykott zu führen
Die Entscheidung des DFB, einen WM-Boykott auszuschließen, ohne eine sinnvolle öffentliche Debatte zuzulassen, erscheint kurzsichtig Die unverblümte Äußerung von Nationalmannschaftskapitän Joshua Kimmich „Ich nehme nicht mehr an der politischen Diskussion teil“ unterstreicht den allgemeinen Konsens innerhalb des DFB und scheint einen Kurswechsel gegenüber der deutschen Haltung zu signalisieren, die wir bei der WM in Katar 2022 gesehen haben.
Deutschland ist kein Unbekannter, wenn es darum geht, in der Welt des Sports ein politisches Statement zu setzen. Zuletzt war dies die Geste der Spieler, sich bei der Weltmeisterschaft 2022 in Katar den Mund zu bedecken –ein Akt des Widerstands gegen den Versuch der FIFA, Mannschaften wegen des Tragens des OneLove-Armbands zum Schweigen zu bringen, das aus Protest gegen die Menschenrechtsbilanz Katars getragen werden sollte Ein weiteres bemerkenswertes Beispiel für Deutschlands politisches Handeln in der Welt des Sports war der staatliche Boykott der Olympischen Spiele 1980 in Moskau durch die Bundesrepublik Deutschland als Protest gegen die sowjetische Invasion in Afghanistan. Warum schweigt der DFB jetzt?
DFB-Vorstandsmitglied Rudi Völler ging sogar so weit, zu sagen: „Es ist sinnlos, das zu diskutieren“, womit er die weit verbreitete Ansicht widerspiegelte, dass die Mannschaft in erster Linie bei der Weltmeisterschaft sei, um „Fußball zu spielen“ Diese Haltung geht davon aus, dass Sport losgelöst von der Politik existieren könne, und übersieht dabei den Einfluss, den Fußball auf der Weltbühne haben kann
Eine der wenigen Stimmen innerhalb des DFB, die sich
gegen die jüngste Entscheidung gegen einen Boykott ausgesprochen hat, ist Vizepräsident Oke Göttlich Er hat seine Meinung sehr deutlich gemacht und erklärt, dass er vielleicht anderer Meinung sei als viele seiner Kollegen: „Ich bin vielleicht anderer Meinung als viele meiner Kollegen “ Die Führungsspitze des DFB hat jedoch klargestellt, dass eine demokratische Diskussion über einen Boykott nicht auf der Tagesordnung steht
Göttlich zeichnete ein klares Bild davon, wie dramatisch die aktuelle Lage in den USA ist und, dass die Bedrohung heute wohl größer ist und die Notwendigkeit eines Boykotts dringlicher ist als damals, als der staatliche Boykott der Olympischen Spiele 1980 gerechtfertigt war
Der allgemeine politische Kontext darf nicht außer Acht gelassen werden Die derzeitige US-Regierung verschärft die Einwanderungskontrollen, einschließlich groß angelegter Abschiebungen, bei denen es in einigen Fällen Todesopfer gab Zudem stellen Trumps potenzieller Verstoß gegen das Völkerrecht in Venezuela und seine Ankündigung, Grönland annektieren zu wollen, ernsthafte Bedrohungen für die Demokratie dar. Angesichts der endlosen Sanktionen, die Trump nach links, rechts und in die Mitte verteilt, und seiner Aussetzung der Visabearbeitung: Ist es überhaupt sicher, dass allen an der Weltmeisterschaft beteiligten Spielern und Mitarbeitern bei ihrer Ankunft in den USA die Einreise gewährt wird?
Mehr denn je ist eine geeinte Front gegen die
menschenrechtswidrigen Maßnahmen in den USA und gegen die extreme Polarisierung der Politik von entscheidender Bedeutung Ob Trump durch einen Boykott geschädigt würde oder nicht, ist irrelevant Völlers abweisende Bemerkung, ein Boykott „bringe nichts“, ignoriert völlig die enorme Macht und den Einfluss, den der globale Fußball hat Durch die Teilnahme an der Weltmeisterschaft unterstützt Deutschland implizit diese Politik, und das Mindeste, was der DFB tun könnte, ist, eine ernsthafte Debatte zu führen, wie im Fall der Niederlande, wo eine Petition für einen niederländischen Boykott aufgrund von Trumps vielfach kritisierter Strategie gegen Einwanderer bereits über 150 000 Unterschriften gesammelt hat
Die korrupte Organisation FIFA existiert offenkundig nicht aus Prinzip, sondern aus Profitgier, wie die jüngsten Gastgeberländer Katar und die USA deutlich zeigen Das Muster ist klar erkennbar Es ist an der Zeit, dass die teilnehmenden WM-Nationen zusammenstehen und die wahre Kraft des Fußballs demonstrieren, die untrennbar mit der Politik verbunden ist Wie Göttlich bekräftigte: „Man kann ja ein Thema nicht totschweigen.“ Fußball funktioniert nicht „im Reagenzglas“. Er spiegelt die Welt um uns herum wider.
Letztendlich bedeutet der Verzicht auf eine offene Debatte, in Zeiten der Ungerechtigkeit zu schweigen
LilyDavies
Lily studiert Deutsch und Spanisch am KCL, und als Fußballfan begeistert sie sich für die Welt des Fußballs aus einer kulturellen und politischen Perspektive. Das aktuelle Umfeld, in dem die nächste Weltmeisterschaft stattfinden wird, bietet einen interessanten Ansatzpunkt, um die Rolle des Sports innerhalbderPolitiksowiediePerspektiveneinzelnerLänderdaraufzuanalysieren.

FRIDA FOEHR
IZYAN BASHIRUDDIN
JACOB HESSION
JOSEPHINE KAWIJ
LAETITIA GRÄBER
LILY DAVIES
MAIDIE MCCLOUD
NARCISSE BONZEMBA
SOPHIE NYE
STEFAN NAWATHE

HORIZONTAL VERTIKAL

[2] Weltweites Netzwerk
[4] System, in dem Inhalte nach Relevanz
[6] Programm zur Datenverarbeitung
[8] Politisches System in Deutschland
[9] Wirtschaftssystem
[12] Ort für Kunstausstellungen
[14] Gebäude für politische Entscheidungen
[15] Gegenteil von Vergangenheit: Zukunft
[1] Währung im Internet
[3] Kollektives Gedächtnis einer
[5] Veranstaltung mit Musik und Kunst
[7] Ort für Studium und Forschung
[9] Firma mit globalem Einfluss
[10] Österreichische Hauptstadt
[11] Digitale Technologie mit Lernfähigkeit
[13] Ort für Diskussionen
