Monthly Market Monitor
September 2020
Inhalt
Bergsicht Die geopolitische HeatMap
Auf einen Blick Unsere Sicht auf die Märkte
07 KonjunkturRadar
04
Am Puls der Wirtschaft
Thema im Fokus
Anlagestrategie Notizen vom Investment-Komitee
08
Die letzte Seite
Trump vs. Biden – Auf die Wirtschaft kommt es an
06
10
ESG: Rund ums Thema Nachhaltigkeit Leerverkaufen mit gutem Gewissen
Anlageklassen und Agenda
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Kaiser Partner Privatbank AG | Monthly Market Monitor - September 2020
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Auf einen Blick
Unsere Sicht auf die Märkte
Zweite Welle bremst Konjunkturerholung In den letzten Wochen hat sich die wirtschaftliche Erholung vom Absturz infolge der Pandemie fortgesetzt. Der zunächst V-förmige Rebound dürfte sich nun aber deutlich abflachen. Insbesondere mit Blick auf die erneut stark steigenden Fallzahlen in vielen Ländern Europas und einer entsprechenden Verschärfung der Gegenmassnahmen überwiegen in der zweiten Jahreshälfte die konjunkturellen Risiken. Nach wie vor bleiben allerdings jegliche (Wachstums-)Prognosen mit grosser Unsicherheit behaftet. Inflation muss man mit der Lupe suchen Das Thema Inflation ist bei den Notenbanken derzeit in aller Munde. Die US-Notenbank hat ihr Inflationsziel adjustiert und visiert zukünftig nur noch „im Durchschnitt“ ein Ziel von 2% an. Nachdem die Teuerung in den USA in den vergangenen Jahren regelmässig unter der magischen 2%-Marke lag, beabsichtigt die Fed die Wirtschaft in Zukunft absichtlich heisslaufen zu lassen. Auch die Europäische Zentralbank sieht sich mit zu tiefer Inflation konfrontiert. Im Euroraum ist die Teuerung im August aufgrund von Sonderfaktoren gar in den negativen Bereich gefallen. „Grüne“ Anleihen heben ab Nicht zuletzt aufgrund der (zu) tiefen Inflation dürften die Leitzinsen in den kommenden Jahren auf Tiefstniveau verharren. Die dürfte auch die Renditen von (Staats-)Anleihen am Boden halten. Trotz der unattraktiven Risiko-Rendi-
Grafik des Monats Die zweite Welle | Ansteckungszahlen nehmen wieder zu Anzahl neuer COVID-19-Fälle in den letzten 14 Tagen, pro 100´000 Einwohner 250
200
150
100
50
Frankreich
Spanien
Deutschland
Italien
08.2020
07.2020
06.2020
05.2020
04.2020
03.2020
02.2020
0
Grossbritannien
Quellen: European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC), Kaiser Partner Privatbank 4
Monthly Market Monitor - September 2020 | Kaiser Partner Privatbank AG
te-Eigenschaften müssen viele (institutionelle) Anleger in diesem Anlagesegment investieren. Zumindest aus Perspektive der Nachhaltigkeit sind dabei „grüne“ Anleihen attraktiv. Seit Anfang September gehört nun auch der deutsche Staat zu den Emittenten dieser Anleihekategorie. Dies dürfte dem Marktsegment weiteren Schub verleihen. Der Aktienmarkt ist heissgelaufen Insbesondere in den USA kannten Aktien im August allein die Richtung nach oben. Die ehemaligen Allzeithochs aus dem Februar haben S&P 500 und Nasdaq mittlerweile deutlich übertrumpft. Unter der Oberfläche zeigt sich aber, dass der Aufschwung von immer weniger Titeln getragen wird. An den Terminmärkten ist eine einseitige Spekulation auf weiter steigende Kurse zu beobachten. Währenddessen ist die Volatilität gleichzeitig mit den Aktienmärkten angestiegen. In der Vergangenheit war solch eine Entwicklung regelmässig Vorbote einer Korrektur. Mehr Volatilität im Herbst Vor diesem Hintergrund rechnen wir in den kommenden Wochen nicht mit einer anhaltenden Einbahnstrasse bei Aktien. Vielmehr erwarten wir nach der starken Rally der vergangenen Monate eine Phase der Konsolidierung. Mit den bevorstehenden US-Wahlen der auf hoher Flamme kochenden Auseinandersetzung zwischen den USA und China und den „Brexit“-Verhandlungen in der Endphase gibt es derzeit genügend potentielle Auslöser.
Die befürchtete (und von Experten für den Herbst erwartete) zweite Corona-Welle rollt in Europa bereits im Spätsommer an. In den letzten Wochen hat die Anzahl der täglichen Neuinfektionen vor allem in Spanien und Frankreich rasant zugenommen. Auch in Deutschland und Italien steigen die Fallzahlen wieder. Die Regierungen haben daher mancherorts wieder verschärfte Restriktionsmassnahmen ergriffen und beim Wiederhochfahren der Wirtschaft auf die Pause-Taste gedrückt. Der Appetit für einen Lockdown 2.0 ist jedoch gering. Da die Todesfälle tief bleiben und nun vor allem jüngere Bevölkerungsschichten betroffen sind, dürfte es eher bei „Social Distancing“, Maskenpflicht und lokalen Eingrenzungsmassnahmen bleiben. Die wirtschaftliche Erholung wird sich in Europa daher fortsetzen, wenn auch in langsamerem Tempo und mit Abwärtsrisiken. Das Vorkrisenniveau dürfte allerdings frühestens Ende 2021 wieder erreicht werden.
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Konjunktur-Radar Am Puls der Wirtschaft
„Inflation“ ist das Thema der Stunde. Die US-Notenbank hat ihr Inflationsziel adjustiert, während sich die Europäische Zentralbank (EZB) zunehmend mit negativer Teuerung konfrontiert sieht. Die langsame Erholung der Konjunktur vom Corona-Schock setzt sich derweil fort.
Tiefrotes Wachstum auch in der Schweiz Ende August wurden die neuesten Wachstumsdaten für die Schweiz publiziert. Mit einem Minus von 9.3% war der Corona-bedingte Wachstumseinbruch im zweiten Quartal auch bei den Eidgenossen erheblich, wenn auch etwas weniger stark als im Euroraum (-12.1%). Die Hoffnungen liegen nun auf der zweiten Jahreshälfte, für welche sowohl das Konjunkturbarometer der Kof/ ETH als auch der Industrie-Einkaufsmanagerindex auf eine Erholung hindeuten. Auch die im Vergleich zu den Nachbarländern bisher weniger intensive zweite Corona-Welle stimmt diesbezüglich zuversichtlich. Langsame Erholung setzt sich fort Auch im restlichen Europa und in den USA setzt sich die wirtschaftliche Erholung fort. Nachdem viele Konjunkturindikatoren von Mai bis Juli einen scharfen Re-
Schön günstig? | (Zu) tiefe Inflation ist für die Notenbanken ein Problem Inflationsraten 3%
bound vom zuvor abrupten Absturz zeigten, dürfte sich die weitere Genesung jedoch langsamer gestalten. Die Risiken liegen dabei auf der Unterseite. Nachdem die aufgestaute Nachfrage inzwischen befriedigt sein dürfte und die Corona-Hilfen für die Haushalte in den Vereinigten Staaten auslaufen beziehungsweise schrumpfen, droht die Konsumentennachfrage als Konjunkturtreiber an Kraft zu verlieren. Teuerung rutscht ins Minus Nicht nur in einzelnen Euroländern befindet sich die Inflation mittlerweile unter der Nulllinie, auch in der Eurozone insgesamt war die Teuerung im August mit -0.2% negativ. Dabei ist es nicht nur der volatile Ölpreis, der auf die Preise drückt. Auch die Kerninflation (ohne Energie und Lebensmittel) ist im letzten Monat eingebrochen. Eine Erklärung liefert (wie so oft derzeit) die Pandemie: In Deutschland drückt die Mehrwertsteuersenkung, in anderen Ländern gibt es saisonale Verschiebungen der Schlussverkäufe. Auch wenn es sich wahrscheinlich nur um einen kurzen Ausflug in die Deflation handelt, dürfte die EZB diese Zahlen bei ihrer September-Sitzung nicht ignorieren.
2%
Fed mit neuem Inflationsziel Stabile Preise sind auch für die US-Notenbank seit Langem ein Mandat ihrer Geldpolitik. Bisher war ein Wert von 2% Teuerung Massstab und Ziel. Erreicht hat die Fed dieses Niveau in den letzten Jahren aber nur selten. FedChef Powell hat im Rahmen des Jackson-Hole-Symposiums ein neues Inflationsziel angekündigt. 2% bleibt die Zielmarke, doch jetzt als Durchschnittswert über einen längeren Zeitraum. Mehr Gewicht bekommt in Zukunft das zweite Mandat der Fed: „maximale Beschäftigung“.
1%
0
-1%
Eurozone
Schweiz
2020
2018
2016
2014
2012
-2%
USA
Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank
Konsensschätzungen Wachstum & Inflation 2019
Zinserwartungen Kaiser Partner Privatbank
2020
2021
BIP-Wachstum (in %)
3M
12M
Schweiz
0.8
-5.8
4.2
Schweiz
-0.75
→
→
Eurozone
1.2
-8.1
5.7
Eurozone
-0.50
→
→
Grossbritannien
1.3
-9.9
6.4
Grossbritannien
0.10
→
→
USA
2.3
-5.0
3.7
USA
0.25
↗
↗
China
6.1
2.0
8.0
China
2.95
→
→
Inflation (in %)
10-jährige Renditen (in %)
Schweiz
0.4
-0.7
0.1
Schweiz
-0.46
→
→
Eurozone
1.2
0.4
1.0
Eurozone
-0.47
→
→
Grossbritannien
1.8
0.8
1.4
Grossbritannien
0.25
→
→
USA
1.8
1.0
1.7
USA
0.66
→
→
China
2.9
2.7
2.2
China
3.11
→
→
Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank 6
Letzter Leitzinsen (in %)
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Quellen: Kaiser Partner Privatbank
Bergsicht
Die geopolitische HeatMap
US-Präsidentschaftswahlkampf den USA gekauften Waren nicht einhalten können wird. Im Rennen ums Präsidentenamt in der grössten Volks- Das Thema dürfte also schon bald wieder auf die Agenwirtschaft der Welt kommt die Ziellinie langsam in da kommen. Der Druck der Amerikaner auf chinesische Sicht. Der demokratische Herausforderer Joe Biden hat Unternehmen wird derweil stetig verschärft. Und auch zuletzt an Vorsprung eingebüsst. Je enger der Wahlaus- im Südchinesischen Meer setzt sich das Säbelrasseln fort. gang wird, desto grösser ist das Risiko eines politischen Chaos. Szenarien, in denen Donald Trump eine knappe „Brexit“-Countdown Niederlage nicht akzeptiert oder die Stimmen (mehr- Nach der Sommerpause gehen die „Brexit“-Verhandfach) nachgezählt werden müssen, sind leicht auszuma- lungen zwischen der Europäischen Union und Grosslen. Eine längere Hängepartie mit andauernder Unsi- britannien nun endgültig in die heisse Phase. Die inofcherheit wäre für die Finanzmärkte negativ und könnte fizielle Deadline lautet 31. Oktober – dies würde den zu Kursabgaben führen. nationalen Parlamenten genügend Zeit für die Ratifizierung eines Austrittsvertrags bis zum offiziellen Austritt USA vs. China zum Jahreswechsel geben. Streitpunkte gibt es aber Die Auseinandersetzung zwischen den Vereinigten Staa- noch viele – darunter die Fischerei, die Frage nach eiten und China brodelt auf verschiedenen Ebenen. Um nem Schlichtungsverfahren bei Streitigkeiten oder das den Handelskonflikt ist es zuletzt zwar etwas ruhiger Thema der Staatshilfen. Das Risiko eines „No Deals“ ergeworden. Absehbar ist aber bereits jetzt, dass China achten wir als hoch. Ein möglicher harter „Brexit“ dürfseine Versprechungen in Bezug auf die Menge der von te aber mittels politischer Kniffe „gemanagt“ werden.
Geopolitische Entwicklungen machen vor den Finanzmärkten nicht Halt. Vielmehr sind sie in den letzten Jahren zu einer immer wichtigeren Einflussgrösse geworden. In der „Bergsicht“ werfen wir einen Blick auf die aktuell wichtigsten Brennpunkte
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Anlagestrategie
Notizen vom Investment-Komitee
Auch im August konnten die US-Aktienmärkte, angetrieben von den Technologieaktien, weiter zulegen. Einige Signale lassen nun aber einen turbulenten Herbst erwarten, so dass eine etwas vorsichtigere Positionierung angemessen erscheint. Während bei Aktien teils Euphorie herrscht, ist die Stimmung beim US-Dollar im Keller – eine Erholung wird immer wahrscheinlicher.
Asset Allocation monitor -
+
-
Liquidität
Aktien
Festverzinsliche Anlagen
Global
Staatsanleihen
Schweiz
Unternehmensanleihen
Europa
Mikrofinanz
Grossbritannien
Inflationsbasierte A.
USA
Hochzinsanleihen
Schwellenländer
Schwellenländeranleihen
Alternative Anlagen
Versicherungsbasierte A.
Rohstoffe
Wandelanleihen
Gold
Laufzeiten
Immobilien
Währungen
Hedgefonds
US-Dollar
Strukturierte Produkte
Schweizer Franken
Private Equity
+
Euro Britisches Pfund
Aktien: Ungebremste Tech-Rally Scorecard • Die Technologieaktien im Nasdaq 100-Index konnten + im August mit einem Plus von gut 11% einmal mehr Konjunktur deutlich zulegen. Gewisse Anzeichen einer (kurzfris- Geld-, Fiskalpolitik tigen) Übertreibung sind aber nicht zu leugnen. Mit Unternehmensgewinne einer Marktkapitalisierung von mehr als zwei Billionen Bewertung USD hat Apple einen neuen Meilenstein erreicht. Die Trend Aktie wird mittlerweile mit einem Kurs-Umsatz-Ver- Anlegerstimmung hältnis von 8x und einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 40x gehandelt. Ebenso wie bei Apple sorgte auch beim Elektroautohersteller Tesla ein Aktiensplit für derzeit jedoch das Einzige, was für eine Fortsetzung den jüngsten Kurssprung. Nach einer Rally von 600% der Rally spricht. Markttechnik und Sentiment lassen seit März beträgt der Marktwert von Tesla mehr als aber erwarten, dass weitere Kursgewinne früher oder 400 Milliarden USD – dies ist mehr als die zwei weltspäter wieder abgegeben werden. Mit den zahlreigrössten Autoproduzenten Toyota und Volkswagen chen (geo-)politischen Risiken und insbesondere den zusammen auf die Waage bringen. US-Wahlen gibt es genügend Auslöser für eine Korrek• Selbst innerhalb des Tech-Sektors hat die Marktbreite tur und höhere Volatilität. zuletzt stetig weiter abgenommen. Der Aufschwung wird nur noch von wenigen Aktien getragen. Der Ab- Anleihen: Deutsche Staatsanleihen werden „grün“ stand des Technologieindex von seiner 200-Tage-Durch- • Das Thema Inflation steht bei den Notenbanken mehr schnittslinie ist mit mehr als 30% indes sehr hoch und denn je weit oben auf der Agenda. Die Europäische zeigt an, dass die Rally mittlerweile sehr überdehnt ist. Zentralbank betonte zuletzt, dass ihr PandemieanleiNeben den nach wie vor tiefen Put-Call-Ratios am Terhekaufprogramm (PEPP) eher an den Inflationsausminmarkt gibt auch der als „Angstbarometer“ bekannte blick, denn an die weitere Entwicklung der Pandemie Volatilitätsindex (VIX) ein Warnsignal. Normalerweise gebunden ist. Die US-Notenbank Fed gestaltet ihr Infällt der VIX, wenn der Aktienmarkt steigt (und vice verflationsziel in Zukunft flexibler und strebt in den nächssa). Zuletzt hat die Korrelation jedoch zugenommen. In ten Jahren eine höhere Teuerung als 2% an um die zu der Vergangenheit war dieses Phänomen jeweils vor eitiefe Inflation der vergangenen Jahre auszugleichen ner Korrektur am Aktienmarkt zu beobachten. („inflation averaging“). Die Kombination aus fallenden • „The trend is your friend“ – starkes Momentum ist (marktbasierten) Inflationserwartungen und relativ 8
Monthly Market Monitor - September 2020 | Kaiser Partner Privatbank AG
Öl pumpt. Trotz dieses Gegenwinds dürfte sich der Ölstarren Nominalzinsen sorgt derzeit für sehr tiefe Repreis einem Gleichgewichtspreis oberhalb von 50 USD alzinsen. (Nominale) Anleihen sind vor diesem Hintermittelfristig weiter annähern. grund weiterhin unattraktive Investments. • Trotz der mageren und teils garantiert negativen Verzinsung – viele (institutionelle) Investoren müssen Währungen: US-Dollar auf Tauchstation in (Staats-)Anleihen investieren, ob sie wollen oder • EUR/USD: Die Aufwärtsdynamik beim EUR/USD-Kurs hat sich im letzten Monat verlangsamt. Das Level von nicht. Und hier lautet das Motto zunehmend: wenn 1.20 USD bleibt eine harte Knacknuss, an der sich der schon, dann „grün“. Anfang September hat nun auch Währungskurs im ersten Anlauf die Zähne ausbiss. (VerDeutschland eine erste grüne Anleihe am Markt platbalen) Gegenwind bekam der Euro zuletzt von einigen ziert, welche reissenden Absatz fand. In nächster Zeit Mitgliedern des EZB-Rates, welche die Währung zwar sollen weitere Anleihen im Laufzeitenspektrum zwinicht als geldpolitische Zielgrösse, aber als wichtigen schen zwei und 30 Jahren emittiert werden und so Inputfaktor betrachten. Angesichts der jüngst enttäueine „grüne Zinskurve“ entstehen. Als wichtigster Anschend schwachen Inflation kommt der Europäischen leiheemittent Europas, welcher für viele Anleger die Zentralbank der starke Euro mehr als ungelegen. Auf risikolose Referenzgrösse darstellt, gibt das Engagedem aktuellen Niveau sehen wir die Risiken bei der Einment Deutschlands ein wichtiges Signal. Es dürfte die heitswährung eher auf der Unterseite. Akzeptanz der ohnehin stark wachsenden Anlageklas• GBP/USD: Auch das britische Pfund hat mit einem se nachhaltiger Anleihen weiter erhöhen. charttechnischen Hindernis zu kämpfen. Gegenüber dem US-Dollar liegt die wichtige Marke bei 1.35 USD Alternative Anlagen: Gold in neuen Fahrwassern – ein Niveau, das bereits im vergangenen Jahr die Kursa• Nach einem ersten Ausflug über die Marke von vancen abrupt stoppte. Bei den Verhandlungen der bri2´000 USD hat der Goldpreis im August eine nötige tischen Regierung mit der EU steigt indes der Zeitdruck. Verschnaufpause eingelegt. Der Re-Test des alten Bis Ende Oktober sollte eine Einigung stehen, damit die Allzeithochs aus dem Jahr 2011 ist aber als gesunde nationalen Parlamente einen „Deal“ bis zum JahresenKorrektur im intakten Aufwärtstrend zu betrachten de über die Ziellinie bringen können. Das Risiko von Verund dürfte die Basis für weitere Kursavancen sein. Am zögerungen oder eines grösseren (politischen) Unfalls positiven fundamentalen Umfeld für das gelbe Metall wird im Währungskurs derzeit unzureichend widergedürfte sich so bald nämlich wenig ändern: tiefe Realspiegelt, was die Korrekturanfälligkeit erhöht. zinsen, viel Liquidität von den Notenbanken und ungebrochene Anlegernachfrage. Der Silberpreis dürfte im • EUR/CHF: Der EUR/CHF-Kurs hat sich im August kaum bewegt. Mit etwas Abstand (und Optimismus) betrachFahrwasser von Gold ebenfalls obenauf schwimmen. tet befindet sich der Euro gegenüber dem Schweizer • Wenig Bewegung gab es in den vergangenen Wochen Franken seit Mai aber in einem Aufwärtstrend. Für eibeim Ölpreis. Über den Sommer stieg der Preis für ein nen weiteren Kursschub bedarf es neben den positiven Fass der Ölsorte Brent langsam, aber stetig auf zuletzt politischen Signalen der letzten Wochen auch eine Ver46 USD. Die Erholung der Ölnachfrage hat nach einem besserung der Konjunkturperspektiven. Die Schweizestarken Rebound im Mai und Juni zuletzt spürbar nachrischen Nationalbank dürfte die Stabilisierung bei EUR/ gelassen. Verzögert wird das Rebalancing des Ölmarkts CHF jedenfalls erfreuen – Deviseninterventionen sind auch von der Angebotsseite, nachdem die OPEC+ ihre derzeit nicht notwendig. Förderkürzungen etwas reduziert hat und wieder mehr
Chart unter der Lupe Boden gefunden? | Langfristige Zinsen im Seitwärtstrend Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen 4%
3%
2%
1%
Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank
2020
2019
2018
0
Die Rendite für 10-jährige US-Staatspapiere ist im Sommer zeitweise unter 0.5% gesunken. Die Wertpapierkäufe der Fed haben ihre Wirkung also nicht verfehlt, denn auch die Zinsvolatilität befindet sich gemessen am MOVE-Index im Keller. Zuletzt ist nun wieder etwas Bewegung in den Zinsmarkt gekommen. Auf der virtuellen Jackson-Hole-Konferenz hat Jerome Powell den Erwartungen an eine Zinskurvensteuerung eine Abfuhr erteilt. Die vorgestellte Neuerung, das Inflationsziel von 2% zukünftig nur noch „im Durchschnitt“ zu erreichen, weckt hingegen Teuerungsfantasien und lässt den Zinsen am langen Ende mehr Spielraum. Auch die hohe Long-Position der Spekulanten am Terminmarkt ist aus konträrer Sicht ein Argument für leicht steigende Zinsen, insbesondere wenn die US-Wirtschaft wieder Tritt fasst. Auf einem Niveau von knapp 1% sehen wir die derzeitige Erholungsbewegung aber auslaufen. Kaiser Partner Privatbank AG | Monthly Market Monitor - September 2020
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Thema im Fokus
Trump vs. Biden – Auf die Wirtschaft kommt es an
Der US-Präsidentschaftswahlkampf geht in die letzte(n) Runde(n). Das wichtigste Thema im Wahlprogramm der beiden Herausforderer ist für Wähler sowie Anleger deren wirtschaftspolitische Agenda. Bis auf die Frage der Steuern halten sich die Unterschiede im Wirtschaftsduell Trump gegen Biden jedoch in Grenzen. Grenzenlos ist hingegen die Perspektive für die Staatsverschuldung.
It’s the economy, stupid! Partei, in der internationaler Freihandel lange Zeit ein Der US-Wahlkampf geht in diesen Wochen endgültig wichtiges Anliegen war. Eine Gemeinsamkeit finden der in die heisse Phase. Gemäss diversen Meinungsumfra- Präsident und seine Partei dann aber doch: Die Steuern gen sowie Online-Wettmärkten liegt der Demokrat Joe sollten weiter gekürzt werden. Biden derzeit weiter vor dem derzeitigen Präsidenten Donald Trump. In den letzten Wochen konnte dieser …oder mehr Steuern mit Joe Biden? allerdings wieder etwas Boden gutmachen. Gemäss Joe Biden zieht hingegen mit Steuererhöhungsplänen der gewichtigen Umfrage des Nation Public Radio ist in den Wahlkampf. Der Spitzensteuersatz von 37% soll die Wirtschaft für die Wähler – noch vor der Pandemie auf knapp 40% erhöht werden und die Unternehmens– dabei das wichtigste Thema. Und trotz einer zweistel- gewinnbesteuerung von 21% auf 28% steigen. Innerligen Arbeitslosenquote und eines Rekorddefizits im halb von zehn Jahren könnten so rund drei Billionen Bundeshaushalt wird Trump im Vergleich mit Biden in US-Dollar eingespielt werden. Abstand nimmt Biden der Frage nach ökonomischer Kompetenz nach wie vor hingegen von einer expliziten Reichensteuer. Damit das bessere Zeugnis ausgestellt. distanziert er sich von seinen politisch radikaleren Gegenspielern aus dem Vorwahlkampf. Moderater ist Amerika bald noch grossartiger mit Trump… seine Agenda auch im Punkt der Gesundheitsvorsorge Auf der Wahlkampfagenda des derzeitigen Präsidenten (Ausweitung ja, aber kein „Medicare für alle“) sowie in finden sich vor allem die Trump’schen Klassiker und sonst Bezug auf die Technologieriesen aus dem Silicon Valley. wenig Neues: Die Entkoppelung von China, die Förde- Zwar betrachtet Biden deren Marktmacht ebenfalls krirung von „Made in America“ und eine restriktive Einwan- tisch, er fordert aber nicht sie zu zerlegen. Für Anleger derungspolitik. Eine Million Industriearbeitsplätze will und Aktionäre ist gerade dieser letzte Punkt nicht ganz Trump aus China in die USA zurückholen und es winken unwichtig. Denn die Aktienhausse der vergangenen elf Steuervergünstigungen für Betriebe, die „zu Hause“ pro- Jahre wurde von ebendiesen Tech-Giganten angeführt. duzieren. Wer hingegen nach China outsourct, bekommt In Sachen Handelspolitik unterscheidet sich der Demokeine Staatsaufträge mehr. Zudem sollen sämtliche kriti- krat in den Grundlinien nicht nennenswert von Trump. sche Ausrüstungsgegenstände im Inland produziert wer- Auch er befürwortet eine „Buy American“-Politik. Geden. Trumps protektionistische Agenda der letzten vier genüber China würde Biden vermutlich zwar konzilianJahre setzt sich nahtlos fort, genauso wie der Bruch mit ter auftreten, doch der „Kalte Krieg“ mit der asiatischen der lange vorherrschenden Linie der republikanischen Grossmacht dürfte sich fortsetzen.
Grenzenlos | Der US-Schuldenberg wird weiterwachsen Projektion für die US-Staatsverschuldung 110%
105%
100%
95%
90%
85%
80%
75% 2019
2020
2021
2022
2023
2024
Schätzung März 2020
2025
2026
2027
Update April 2020
Quellen: CBO, Kaiser Partner Privatbank
10
Monthly Market Monitor - September 2020 | Kaiser Partner Privatbank AG
2028
2029
2030
Eines auf jeden Fall: höhere Schulden Ob Biden oder Trump – wer auch immer von Ende Januar 2021 in Washington D.C. regiert, sieht sich mit einem gewaltigen Budgetdefizit, riesigen Staatsschulden und einer Wirtschaft in Reha konfrontiert. Das Congressional Budget Office (CBO) erwartet für dieses Jahr ein Defizit im Bundeshaushalt von 3.7 Billionen US-Dollar. Darin noch nicht eingerechnet ist das nächste Rettungspaket, auf das sich der Kongress bisher nicht verständigen konnte. Die Staatsschulden dürften Corona-bedingt nun bereits Ende des laufenden Jahres auf mehr als 100% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) steigen. Noch im März wurde ein solch grosser Schuldenberg erst nach dem Jahr 2030 erwartet. Gesund ist diese Entwicklung ganz offensichtlich nicht. Zwar ist der US-Dollar nach wie vor die unbestrittene (und derzeit alternativlose) Reservewährung der Welt. Dieser Status könnte aber ins Wackeln geraten, wenn die US-Finanzlage weiter aus dem Ruder läuft.
ESG: Rund ums Thema Nachhaltigkeit Leerverkaufen mit gutem Gewissen
ESG bei klassischen Investoren… Beispiel: CO2-Fussabdruck Das Berücksichtigen von ökologischen und sozialen Ge- Die PRI-Initiative hat den Nutzen von Leerkverkäufen für sichtspunkten sowie Aspekten der Unternehmensführung nachhaltige Anlagestrategien erst kürzlich anerkannt. Ein (ESG) ist für institutionelle Investoren bei der Verwaltung praxistaugliches Beispiel für Short Selling (mit gutem Geihrer Kundenvermögen mittlerweile mehr Pflicht als allein wissen) betrifft den CO2-Fussabdruck. CO2-Emissionen eine Kür. Dies gilt vor allem für die Mehrheit derjenigen lassen sich gut messen und vergleichen. Der jeweilige Anleger, die auf traditionelle Art und Weise Portfolios „Fussabdruck“ eines Unternehmens ist inzwischen ein von Aktien oder Obligationen verwalten und dabei aus- wichtiges ESG-Kriterium. Unternehmen (und Aktien) mit schliesslich auf eine (langfristige) Wertsteigerung der hoher CO2-Intensität stellen sowohl für die Umwelt als Investitionen abzielen („long only“). Diesen klassischen auch für das Anlageportfolio, z.B. im Falle der Einführung Investoren stehen dabei verschiedene Möglichkeiten zur einer CO2-Steuer, ein Risiko dar. Ein alternativer InvesVerfügung wie ESG-Aspekte bei der Geldanlage berück- tmentmanager kann dieses Risiko zum einen „hedgen“, sichtigt werden können. Die älteste Variante ist das (ein- indem er neben bestehenden Long-Positionen mittels fache) Ausschliessen der Wertpapiere von Unternehmen Leerverkäufen eine Short-Position aufbaut und dadurch oder Ländern, die gegen traditionelle moralische Werte den Netto-Fussabdruck des Portfolios verkleinert. Zum verstossen (z.B. Produkte/Dienstleistungen mit Bezug zu anderen kann er vom CO2-Risiko auch direkt profitieren, Alkohol, Glücksspiel, Waffen) oder Standards und Normen wenn er in Erwartung einer Wertminderung des Invest(z.B. Menschenrechte und Umweltschutz). Andere Spiel- ments ausschliesslich eine Leerverkaufsposition aufbaut. arten sind der Best-in-class-Ansatz, bei dem die „nachhal- Während das Short Selling auf der Mikroebene für Hedtigsten“ Unternehmen favorisiert werden, das themati- ging oder Profite genutzt werden kann, ist dessen Bedeusche Investieren, die oftmals komplexere ESG-Integration tung auf der Makroebene aus Sicht der Nachhaltigkeit bei der Analyse und Selektion sowie das sogenannte „Im- noch grösser: Wenn nämlich genügend viele Marktteilpact Investing“. nehmer diesen Ansatz verfolgen, könnte dies dazu führen, dass die Eigenkapitalkosten für die anvisierten Unterneh…und bei Hedgefonds men merklich steigen. Dies könnte die Manager dieser Bei institutionellen Anlegern, die alternative Anlagestrate- Unternehmen dazu veranlassen, ihr Geschäftsmodell zu gien verfolgen (Hedgefonds), ist das Thema Nachhaltigkeit überdenken und es weniger CO2-intensiv zu gestalten. So hingegen noch ein Wachstumsfeld. In einer Umfrage bei würde beispielsweise ein Versorgungsunternehmen mit Unterzeichnern der Nachhaltigkeitsinitiative „Principles vielen Kohlekraftwerken den Übergang zu alternativen for Responsible Investments“ bejahte 2016 noch weni- Energiequellen forcieren. ger als die Hälfte die Integration von ESG-Aspekten bei alternativen Anlagestrategien. Dies dürfte unter anderem daran liegen, dass die Anlagekategorie „Hedgefonds“ ein Sammelsurium von Sub-Strategien darstellt, was die Einführung von ESG-Normen schwieriger macht. Einige Unterkategorien wie zum Beispiel trendfolgende Strategien lassen sich zudem auch technisch oder konzeptionell nicht nachhaltig umsetzen. Dennoch ist das Anlegen nach ESG-Kriterien gerade im Bereich der Hedgefonds interessant. Denn im Vergleich zu klassischen Investoren sind sie weniger stark reguliert und in der Wahl und Umsetzung ihrer Anlagestrategie freier. So können Hedgefonds beispielsweise mit Hilfe von Fremdkapital eine Hebelwirkung erzielen, Derivate einsetzen oder Wertpapiere „leerverkaufen“. Bei letzterer Variante – auch unter dem englischen Begriff „Short Selling“ bekannt – werden Aktien geliehen und anschliessend am Markt verkauft. Dies mit der Absicht sie später zu einem günstigeren Preis zurückzukaufen und somit einen Gewinn zu erzielen.
Nachhaltiges Anlegen ist bei „klassischen“ institutionellen Investoren inzwischen weit verbreitet. Hedgefonds haben bei diesem zukunftsorientierten Anlageansatz hingegen noch Nachholbedarf. Dabei stehen ihnen im Vergleich zu long-only-Investoren mehr Möglichkeiten zur Verfügung, um Einfluss auszuüben. So zum Beispiel das Leerverkaufen („Short selling“).
Kaiser Partner Privatbank AG | Monthly Market Monitor - September 2020
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Die letzte Seite
Anlageklassen und Agenda
Performance per 31. August 2020 Anlageklassen
seit Jahresbeginn
Liquidität
1 Monat
1 Jahr
3 Jahre
0
CHF
-0.4%
-0.1%
-0.7%
-2.1%
EUR
-0.3%
0.0%
-0.4%
-1.1%
0.0%
1.2%
5.9% 10.0%
USD
0.6%
Festverzinsliche Anlagen
0
Staatsanleihen
4.1%
Unternehmensanleihen
6.7%
Mikrofinanz
0.9%
Inflationsbasierte Anleihen
7.5%
Hochzinsanleihen
0.1%
Schwellenländeranleihen
1.7%
Versicherungsbasierte Anl.
4.1%
Wandelanleihen Aktien
19.4%
4.0%
Schweiz
-2.6%
Europa
-10.6% -20.3%
USA
11.0% -1.2%
Schwellenländer -9.4%
29.7%
Gold Immobilien Schweiz
-1.2% 1.8%
Hedgefonds
6.4%
EUR/USD -0.6% 0.9%
GBP/USD
16.1%
0.2%
2.2%
10.3%
-0.9%
3.9%
17.7%
0.7%
3.2%
14.1%
0.4%
3.2%
13.2%
1.1%
7.0%
8.8%
6.6%
26.6%
38.4%
6.3%
14.4%
32.2%
1.5%
3.2%
22.5%
3.5%
-2.5%
1.7%
1.5%
-16.1%
-12.0%
7.5%
23.1%
49.7%
2.1%
11.9%
1.3%
6.8%
-4.8%
-13.4%
-0.4%
29.4%
48.9%
-1.3%
4.7%
13.5%
1.5%
4.9%
5.3%
0
Währungen EUR/CHF
7.7%
0
Alternative Anlagen Rohstoffe
1.8%
0
Global
Grossbritannien
-1.0% -0.3%
1.3%
8.7%
0.2%
0.3%
-0.9%
-5.5%
2.2%
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Auf unserer Agenda 15.-17. September: World Sustainability Forum Die 8. Ausgabe des Nachhaltigkeitsforums findet in Basel beziehungsweise virtuell statt. Auf dem Programm stehen eine Bestandsaufnahme zum 5. Geburtstag der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung sowie der UN-Nachhaltigkeitsziele. 27. September: World Tourism Day Die Zahl der grenzüberschreitenden Reiseankünfte ist seit 1950 von 25 Millionen auf 1.5 Milliarden gewachsen. Der globale Tourismus steht heute für 10% der Weltwirtschaftsleistung und jeden 10. Job. Der World Tourism Day erinnert an diese Bedeutung – gerade in Zeiten von „Corona“. 2. Oktober: US-Arbeitsmarktdaten Der Arbeitsmarktbericht sorgt an der Börse regelmässig für grössere Kursbewegungen. Nachdem die Arbeitslosenquote im August bei 10.2% stagnierte, stellt sich die Frage, ob sich der US-Arbeitsmarkt weiter erholen konnte, auch für die anstehenden Wahlen hat dies Relevanz.
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Monthly Market Monitor - September 2020 | Kaiser Partner Privatbank AG
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