Monthly Market Monitor
November 2020
Inhalt
Bergsicht Die geopolitische HeatMap
Auf einen Blick
Unsere Sicht auf die Märkte
04
07
Thema im Fokus
KonjunkturRadar
Wann kommt die grosse Rotation?
Am Puls der Wirtschaft
Anlagestrategie Notizen vom Investment-Komitee
08
Die letzte Seite
10
06 ESG: Rund ums Thema Nachhaltigkeit Die EZB-Geldpolitik soll „grüner“ werden
Anlageklassen und Agenda
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Kaiser Partner Privatbank AG | Monthly Market Monitor - November 2020
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Auf einen Blick
Unsere Sicht auf die Märkte
Die Vereinigten Staaten haben gewählt… diese Zahlen aber nicht aus, um den Wachstumseinbruch ...und das Ergebnis war wider Erwarten denkbar knapp. wieder wettzumachen. Ganz im Gegenteil: Schon heuWer in den kommenden vier Jahren im Weissen Haus te ist absehbar, dass das Corona-Jahr einen negativen sitzen wird, steht beim Schreiben dieser Zeilen noch Wachstumsrekord aufstellen wird. Dies auch, weil der nicht endgültig fest. Ein Resultat ist aber bereits klar: Konjunkturverlauf aufgrund der Pandemie nun höchstEine „blaue Welle“ hat es nicht gegeben – die Demo- wahrscheinlich die Form eines „W“ annehmen wird. kraten konnten keinen Erdrutschsieg verbuchen und im US-Senat behalten die Republikaner die Oberhand. Notenbanken einmal mehr gefragt Sollte der neue Präsident am Ende Joe Biden heissen, Weniger fiskalischer Stimulus in den USA und schwamüsste dieser bei seiner ambitionierten Reformagenda ches Wachstum sowie zu tiefe Inflation in der Eurozone wohl grössere Abstriche machen. – auf beiden Seiten des Atlantiks ist es einmal mehr an den Notenbanken in die Bresche zu springen. Während Nur ein Konjunkturpäckchen? die Fed mit weiteren Massnahmen aber abwarten dürfZwei weitere Jahre politischer Stillstand sind in Washing- te, bis die Politik wieder in einen einigermassen „norton D.C. nun das wahrscheinlichste Szenario. Für das malen“ Modus gefunden hat, könnte die Europäische lang ersehnte neue Fiskalprogramm zur Abmilderung Zentralbank (EZB) im Dezember bereits ein weiteres der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie bedeutet Mal in die geldpolitische Werkzeugkiste greifen. dies, dass es wahrscheinlich deutlich kleiner ausfallen wird als von den Demokraten erhofft. Aber selbst das Schaukelbörse fiskalkonservative Lager der Republikaner dürfte einse- Wie von vielen Marktteilnehmer erwartet (oder befürchhen, dass die zweite Corona-Welle weitere Massnah- tet) waren an den Finanzmärkten in der Wahlwoche men erfordert, um den US-Bürgern beziehungsweise hohe Kursschwankungen zu beobachten. Dies sowohl den leidgeplagten Branchen unter die Arme zu greifen. beim Gesamtmarkt als auch bei einzelnen Branchen. Insbesondere die Technologieaktien konnten zunächst Double Dip deutlich zulegen – sie wären Profiteure vom zu erwarEin Wachstum von 33.1% (annualisiert) in den USA und tenden politischen Stillstand (und einem daraus resul12.4% im Euroraum – das 3. Quartal brachte neue Rekor- tierenden Status quo bei den Steuern). Die recht solide de für die Geschichtsbücher. In beiden Regionen reichen Gewinnsaison geriet überdies etwas aus dem Fokus.
Grafik des Monats Die zweite Welle… | …rollt durch Europa Anzahl neuer Fälle pro eine Million Einwohner 900 800 700 600 500 400 300 200 100
Deutschland
Schweiz
Frankreich
Spanien
Italien
Grossbritannien
Quellen: ourworldindata.org., Kaiser Partner Privatbank 4
Monthly Market Monitor - November 2020 | Kaiser Partner Privatbank AG
01.11.20
01.09.20
01.07.20
01.05.20
01.03.20
0
USA
Einmal mehr handelt es sich bei unserer Grafik des Monats um einen „Corona“-Chart. Die Pandemie bleibt allerdings auch das Thema der Stunde. In den vergangenen Wochen ist die zweite Welle mit fast schon atemberaubender Geschwindigkeit durch Europa gerollt und hat die Fallzahlen auf neue Höhen schnellen lassen. Wie schon im Frühling reagieren die Regierungen mit verschärften Eindämmungsmassnahmen, teilweise auch mit erneuten Lockdowns. Für die Konjunkturperspektiven im 4. Quartal bedeutet dies nichts Gutes. Die Konsumentenstimmung verschlechtert sich rapide und ein „Double Dip“ beim Wachstum lässt sich fast nicht vermeiden. Die Staaten dürften bemüht sein, die Wirtschaftsflaute mit fiskalischen Massnahmen abzufedern. Sparen dürfte für viele Regierungen derzeit ganz hinten auf der Prioritätenliste stehen.
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Konjunktur-Radar Am Puls der Wirtschaft
Chinas Wirtschaft wieder auf Vorkrisenniveau Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt legte im dritten Quartal im Vorjahresvergleich offiziellen Zahlen zufolge um 4,9% zu. Das ist zwar weniger als Analysten erhofft hatten (5,5%), jedoch reichte es um den vorangegangenen Einbruch im Frühjahr mehr als auszugleichen. So legte Chinas Wirtschaft laut offiziellen Angaben in den ersten neun Monaten des Jahres um 0,7% zu. Das Reich der Mitte könnte 2020 die einzige grosse Volkswirtschaft sein, die das Jahr mit positiven Wachstumsraten abschliessen wird. Für die exportorientierten Länder Europas ist dies momentan einer der wenigen Lichtblicke.
Die globalen Wachstumsaussichten gestalten sich momentan uneinheitlich. Je nachdem wo COVID-19 am stärksten grassiert, sind die Perspektiven heller oder dunkler. China hat wachstumstechnisch aktuell die Nase vorn, während Europa hinterherhinkt.
US-Fiskalpaket lässt auf sich warten In den Vereinigten Staaten lassen neue „Corona“-Hilfen weiter auf sich warten. Den ganzen Oktober hindurch haben Demokraten und Republikaner über ein neues (Bisher) „Corona“-resistent | Industriesektor weiterhin stabil IFO-Index 110
100
80
2020
2018
2016
2014
2012
2010
70
Erwartungen
Lage
Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank
Konsensschätzungen Wachstum & Inflation 2019
Zinserwartungen Kaiser Partner Privatbank
2020
2021
BIP-Wachstum (in %)
Letzter
3M
12M
Leitzinsen (in %)
Schweiz
0.8
-5.0
3.9
Schweiz
-0.75
→
→
Eurozone
1.2
-7.8
5.4
Eurozone
-0.50
→
→
Grossbritannien
1.3
-10.0
5.8
Grossbritannien
0.10
→
→
USA
2.3
-4.0
3.8
USA
0.25
→
→
China
6.1
2.0
8.0
China
2.95
→
→
Inflation (in %)
10-jährige Renditen (in %)
Schweiz
0.4
-0.7
0.1
Schweiz
-0.52
→
→
Eurozone
1.2
0.3
1.0
Eurozone
-0.64
→
→ →
Grossbritannien
1.8
0.9
1.5
Grossbritannien
0.24
→
USA
1.8
1.2
1.9
USA
0.77
→
→
China
2.9
2.8
2.2
China
3.20
→
→
Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank 6
Industrie zeigt sich (noch) robust Europa ist derzeit der Hot Spot der zweiten „Corona“-Welle. Kontaktintensive Branchen sind davon besonders betroffen. Nach einem bereits katastrophalen Jahr droht für viele Dienstleistungsbranchen nun auch noch das Weihnachtsgeschäft zum Desaster zu werden. Der Konsument dürfte im letzten Quartal als Konjunkturstütze ausfallen. Vergleichsweise robust zeigt sich weiterhin die Industrie. Der deutsche IFO-Index ist im Oktober zwar erstmals seit sechs Monaten leicht gefallen, bleibt aber auf relativ hohem Niveau. Ein Ende dieser „Split Economy“ ist erst dann zu erwarten, wenn ein Impfstoff gegen COVID-19 in ausreichender Menge vorhanden sein wird. EZB mit Weihnachtsgeschenk Die Oktober-Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) hatte vergleichsweise wenig Nachrichtengehalt. Einig war man sich innerhalb des EZB-Rats darüber, dass es um die Konjunktur im Euroraum schlecht bestellt ist und dass die Inflation (deutlich) zu tief ist. Für ein Handeln war es aber scheinbar noch zu früh. In den kommenden Wochen dürfte EZB-Präsidentin Christine Lagarde hinter den Kulissen einen Kompromiss ausloten. Wir rechnen damit, dass die EZB im Dezember ihr Weihnachtsgeschenk präsentiert.
90
Ifo-Index
Fiskalpaket verhandelt – bisher ohne Ergebnis. Ob es nach den Wahlen nun noch zu einer Einigung kommt, ist durchaus fraglich. Möglicherweise haben die beiden Streitparteien nun erst recht den Anreiz verloren, noch einen „Deal“ zu schliessen. Allzu lang wird ein neues Hilfspaket aber nicht auf sich warten lassen. Spätestens zu Beginn des nächsten Jahres rechnen wir mit einer weiteren billionenschweren Konjunkturspritze.
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Quelle: Kaiser Partner Privatbank
Bergsicht
Die geopolitische HeatMap
Polarisierung in den USA seine Versprechungen in Bezug auf die Menge der von Wer der neue (oder neue alte) Präsident der Verei- den USA gekauften Waren nicht einhalten können wird. nigten Staaten wird, steht zu Redaktionsschluss noch Das Thema dürfte also schon bald wieder auf die Agennicht fest. Klar ist aber, dass die US-Wahlen 2020 ein- da kommen. Der Druck der Amerikaner auf chinesische mal mehr einen sehr knappen Ausgang fanden – am Unternehmen wird derweil stetig verschärft. Und auch Ende machten nur wenige Stimmen den Unterschied. im Südchinesischen Meer setzt sich das Säbelrasseln fort. Die USA sind politisch und gesellschaftlich gespalten wie nie zuvor. Und die Folgen der Pandemie dürfte „Brexit“-Countdown den Graben zwischen den verschiedenen Schichten Die Zeit läuft langsam, aber sicher ab – inzwischen sind eher noch grösser werden lassen. Dass sich die grösste es nur noch 8 Wochen bis zum Ende der Übergangszeit. Volkswirtschaft der Welt in einem dauerhaften Unru- Um noch vor Ende des Jahres ein Abkommen zu ratifihestand befindet, ist auch für die restliche Welt nicht zieren, müssten die nötigen Kompromisse nun innerunbedingt ein gutes Zeichen. halb kürzester Zeit gefunden werden. Die Geschichte lehrt aber, dass sich in der Politik (fast) immer Lösungen USA vs. China finden, wenn beide Seiten dies wollen. Und so erscheint Die Auseinandersetzung zwischen den Vereinigten Staa- es auch möglich, dass nochmals eine Übergangsregeten und China brodelt auf verschiedenen Ebenen. Um lung gefunden und Zeit geschunden wird. Verlassen den Handelskonflikt ist es zuletzt zwar etwas ruhiger kann man sich darauf aber nicht. Deshalb bleibt ein geworden. Absehbar ist aber bereits jetzt, dass China harter „Brexit“ bis zuletzt mehr als nur ein Restrisiko.
Geopolitische Entwicklungen machen vor den Finanzmärkten nicht Halt. Vielmehr sind sie in den letzten Jahren zu einer immer wichtigeren Einflussgrösse geworden. In der „Bergsicht“ werfen wir einen Blick auf die aktuell wichtigsten Brennpunkte.
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Anlagestrategie
Notizen vom Investment-Komitee
Die Aktienbörsen wurden im Oktober noch einmal kräftig durchgeschüttelt. Die kurzfristigen technischen Indikatoren sind in der Folge in den überverkauften Bereich gefallen. Wenn sich der Nebel um die US-Wahlen verzogen hat, verspricht dies für die kommenden Wochen ein gewisses Erholungspotential.
Asset Allocation monitor -
+
-
Liquidität
Aktien
Festverzinsliche Anlagen
Global
Staatsanleihen
Schweiz
Unternehmensanleihen
Europa
Mikrofinanz
Grossbritannien
Inflationsbasierte A.
USA
Hochzinsanleihen
Schwellenländer
Schwellenländeranleihen
Alternative Anlagen
Versicherungsbasierte A.
Rohstoffe
Wandelanleihen
Gold
Laufzeiten
Immobilien
Währungen
Hedgefonds
US-Dollar
Strukturierte Produkte
Schweizer Franken
Private Equity
+
Euro Britisches Pfund
Aktien: Positive und negative Überraschungen Scorecard • Die Unternehmensberichtssaison für das 3. Quartal + verlief bisher nach dem bekannten Muster: Eine Konjunktur Mehrzahl der Firmen kann die Prognosen der Ana- Geld-, Fiskalpolitik lysten übertreffen – diese wurden zuvor allerdings Unternehmensgewinne auch deutlich nach unten korrigiert, so dass die Bewertung Hürden nicht mehr sehr hoch lagen. Im S&P500-In- Trend dex liegt die Zahl der positiven Überraschungen mit Anlegerstimmung rund 68% am oberen Ende der historischen Bandbreite. Wie so oft ist aber der Ausblick für die Zukunft wichtiger als das Zahlenmaterial von gestern. terhin positiv, allen voran die nach wie vor extrem Diesbezüglich gab es zuletzt auch die eine oder anexpansive Geldpolitik der Notenbanken. Angesichts dere negative Überraschung. So kürzte beispielsweider fehlenden Anlagealternativen dürften für viele Inse der deutsche Softwareanbieter SAP seine Kurzvestoren nicht einmal die relativ hohen Bewertungen und Mittelfristprognose und wurde an der Börse gegen ein Engagement sprechen. Damit sich das vordaraufhin mit einem Abschlag von -20% abgestraft. handene Potential entfalten kann, muss aber zunächst • Die charttechnische Situation an den Aktienmärkten die Unsicherheit beseitigt werden. Es bleibt zu hoffen, hat sich im Oktober etwas eingetrübt. Während die dass sich der Nebel um die US-Wahlen bald verzieht. europäischen Märkte ihre sommerlichen Handelsspannen nach unten verlassen haben, setzte an den Anleihen: Zweite Welle drückt auf die Renditen US-Börsen eine zweite Korrekturwelle ein. Das Bild • Lockdowns in Deutschland, Frankreich und vielen relativiert sich, wenn man den Betrachtungsabstand anderen europäischen Ländern – die zweite Welle vergrössert. Die Aufwärtstrends seit Ende März sind der Pandemie hat Europa in den letzten Wochen mit nämlich immer noch intakt. Positiv zu werten ist voller Wucht erfasst. Nicht ohne Folgen für den Anleiauch, dass sich die Momentum-Indikatoren infolge hemarkt. Dort ist die Rendite für 10-jährige deutsche der jüngsten Konsolidierung abgekühlt haben und Staatsanleihen auf -0.6% gefallen. Dies widerspiegelt nun teils bereits im überverkauften Bereich notieeinerseits die eingetrübten Wachstumsperspektiven ren. Die Perspektive für einen erfreulichen Jahresfür die kommenden Monate. Zum anderen preisen ausklang ist zumindest aus dieser Sicht vorhanden. die Marktteilnehmer damit auch bereits weitere • Auch die längerfristigen Treiber sind für Aktien weiStimulimassnahmen der Europäischen Zentralbank 8
Monthly Market Monitor - November 2020 | Kaiser Partner Privatbank AG
talle wie Kupfer seit Jahresbeginn im Plus notieren. So (EZB) ein, welche auf der Dezember-Sitzung verkünliegt der Bloomberg Rohstoffindex im gleichen Zeitdet werden dürften. Ein klarer Profiteur der tiefen raum rund 10% im roten Bereich. Ursache sind vor Zinsen sind die Staaten Südeuropas. Dank rekordtieallem die Kursschwäche bei Rohöl sowie negative Rollfer Finanzierungskosten hat sich beispielsweise die kosten, die bei vielen Rohstoffterminkontrakten auf Haushaltslage Italiens trotz zunehmender Staatsverdie Performance drücken. Vor diesem Hintergrund schuldung nicht verschlechtert. Für die Ratingagentur bleiben wir bei Rohstoffen untergewichtet. S&P war dies Anlass genug, um den Ratingausblick auf „stabil“ anzuheben. • Grossangelegte Anleihekäufe sind nicht mehr allein Währungen: Viel seitwärts ein geldpolitisches Instrument für die grossen No- • EUR/USD: Für und Wider halten sich bei Euro und US-Dollar derzeit in etwa die Waage. Auf beiden tenbanken. Auch die kleinen engagieren sich mittSeiten des Atlantiks ist das Wachstum schwach und lerweile am Anleihemarkt. Allerdings sind diese dort die Geldpolitik sehr locker. Das Währungspaar EUR/ vergleichsweise grosse Spieler. So dürften die Bank USD pendelt seit August zwischen 1.16 und 1.20 of Canada sowie die neuseeländische Notenbank in USD seitwärts. Ein Ausbruch aus der Handelsspanne 1 bis 2 Jahren rund 50% der ausstehenden Anleihen dürfte das nächste Trendsignal liefern. Bisher fehlen ihres Heimatmarkts auf der Bilanz und damit eine dafür aber die Impulse. marktbeherrschende Stellung innehaben. Grund genug ihre Versionen des „Quantitative Easing“ dann • GBP/USD: Während das Thema „Brexit“ an den Aktienmärkten seit Langem schon keine grosse Rolle mehr einzustellen. Für EZB und Fed sind die Limits noch in spielt, bleibt es für das britische Pfund der wesentliweiterer Ferne. Anleihenkäufe (und entsprechender che Risikotreiber. Auf einem Niveau von derzeit rund Abwärtsdruck auf die Renditen) dürfte bei ihnen noch 1.30 USD notiert die britische Währung in der Mitte für längere Zeit Teil des Programms sein. der Handelsspanne der vergangenen drei Monate. Damit dürfte der Währungsmarkt aktuell ein mittelAlternative Anlagen: Lethargie am Goldmarkt prächtiges „Brexit“-Szenario einpreisen. Im Falle eines • Der Goldpreis pendelte im Oktober in einer verumfassenden Deals in letzter Minute bestünde somit gleichsweise engen Handelsspanne seitwärts. Von Aufwärtspotential. Bei einem harten (Br)exit ist die den Turbulenzen am Aktienmarkt konnte er nicht Fallhöhe aber beträchtlich. profitieren. Die stagnierenden Realzinsen geben dem gelben Edelmetall in letzter Zeit keinen Rückenwind • EUR/CHF: Der Schweizer Franken konnte gegenüber dem Euro im letzten Monat etwa 1% zulegen. Im grömehr. Die Anleger kümmert diese technische Betrachsseren Bild handelt aber auch die Relation EUR/CHF tungsweise weniger. Sie stehen weiterhin auf der Käuin einem Seitwärtskanal. Aufgrund der immer lockeferseite, was sich an nach wie vor hohen Zuflüssen in rer werden Geldpolitik der Europäischen Zentralbank Gold-ETFs ablesen lässt. Auch für uns bleibt Gold ein (EZB) befindet sich die 10-jährige Rendite von Schweiwichtiger Diversifikationsbaustein in den Portfolios. zer Eidgenossen inzwischen oberhalb derer von deut• Zwar hat sich der Goldpreis in der vorläufigen Jahresschen Staatsanleihen. Damit ist der Franken neben bilanz 2020 sehr erfreulich entwickelt. Breit diversifider besseren fundamentalen Rahmendaten nun auch zierte Rohstoffanlagen waren dennoch – und einmal aus Sicht der Zinsdifferenzen attraktiver. Angesichts mehr – kein gutes Investment. Dies obwohl neben dessen dürfte die Schweizer Währung stark bleiben. den Edelmetallen Gold und Silber auch Industrieme-
Chart unter der Lupe
40
80
20
40
0
0
VIX Index
Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank
MOVE Index
MOVE Index
120
2020
60
2019
160
2018
80
2017
VIX Index
Ende der Lethargie? | Wieder etwas mehr Bewegung bei den Zinsen MOVE Index
Der VIX-Index – auch bekannt als „Angstbarometer“ – ist inzwischen vielen Anlegern ein Begriff. Er misst die Nervosität der Investoren am amerikanischen Aktienmarkt und steigt in der Regel, wenn die Aktienkurse fallen (und vice versa). Weniger bekannt ist hingegen das Angstbarometer für den (US-)Anleihemarkt – der MOVE-Index. Dieser Index steigt typischerweise dann, wenn die Bedenken der Marktteilnehmer bezüglich steigender Zinsen zunehmen. Dank der US-Notenbank und ihrer Ankündigung die Leitzinsen für Jahre nahe Null zu halten, bewegte sich bei amerikanischen Anleihen über den Sommer hinweg kaum mehr etwas. In den letzten Wochen ist nun jedoch wieder etwas Bewegung in den Zinsmarkt gekommen. Die Hoffnung auf ein weiteres Konjunkturpaket trieb die Rendite für 10-jährige US-Staatspapiere auf über 0.8%. Wir sehen noch etwas Luft nach oben, erwarten aber keinen nachhaltigen (Zins-)Aufwärtstrend. Kaiser Partner Privatbank AG | Monthly Market Monitor - November 2020
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Thema im Fokus
Wann kommt die grosse Rotation?
Die Performanceunterschiede zwischen den Aktienregionen und -branchen sind in diesem Jahr besonders gross. Und auch die Schere zwischen Wachstums- und „Value“-Titeln ist weiter auseinandergegangen. Ist es nun (endlich) Zeit für eine grössere Trendwende?
Riesige Diskrepanzen Dass sich an den Aktienmärkten verschiedene Branchen, Länder und Regionen unterschiedlich entwickeln ist, an sich nicht ungewöhnlich. Doch in diesem Jahr sind die Performancediskrepanzen besonders gross. Amerikanische Aktien sind seit Jahresbeginn (knapp) im Plus, während europäische mehr als 10% im Minus liegen. China ist mit einem Plus von über 15% einer der Spitzenperformer unter den Schwellenländern, welche insgesamt tief im roten Bereich notieren. Noch krasser sind die Unterschiede bei den Sektoren. So liegt beispielsweise der US-Tech-Sektor mehr als 20% vorn, während sich die Kurse der Energiebranche nahezu halbiert haben. Am eindrücklichsten ist wohl aber die Differenz zwischen Wachstumsaktien und den günstig bewerteten „Value“-Aktien. So entwickelte sich der MSCI Growth Index seit Jahresanfang mehr als 30% besser als der MSCI Value Index. Dies ist nochmals deutlich mehr als im Jahr 1999 – kurz vor dem Platzen der Tech-Blase – als diese Differenz nur etwa die Hälfte betrug. Zeit für ein Comeback? Diese Zahlen zeigen eindrücklich, dass der „Growth-Trade“ inzwischen sehr weit gelaufen ist. Viele Investoren sind inzwischen auch entsprechend positioniert und haben die Gewichtung des Technologiesektors in ihren Portfolios ausgebaut – bisher war dies die richtige Strategie. Nachdem der „Value-Trade“ nun schon seit Jahren nur unterdurchschnittlich rentierte, hat hier der eine oder die andere zuletzt hingegen das Handtuch geworfen beziehungsweise die Geduld verloren. Seitens der Markttechnik und Positionierung wäre die Zeit mehr denn je reif für eine Rotation zu den günstig
Performance-Polarisierung | IT top, Energie flop Kursentwicklung der Branchen im S&P500-Index Technologie Konsumgüter Telekom Grundstoffe Gesundheit Verbrauchsgüter Versorger Industrie Immobilien Finanzen Energie -50%
-40%
-30%
-20%
-10%
0
10%
Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank 10
Monthly Market Monitor - November 2020 | Kaiser Partner Privatbank AG
20%
30%
bewerteten Titeln. Eine solche hätte dann auch Auswirkungen auf die Regionen und Branchen. Um einen Favoritenwechsel auszulösen, benötigt es jedoch gewisse Katalysatoren. Und an dieser Front könnte sich in den nächsten Monaten durchaus etwas tun… Nötige Katalysatoren Einer der potentiellen (und wohl wichtigster) Auslöser für eine nachhaltige, „grosse Rotation“ sind steigende Anleiherenditen. Denn viele zyklische (und günstig bewertete) Sektoren wie beispielsweise Banken und Automobile zeigen eine positive Korrelation zur Renditelandschaft. Schwaches Wachstum und die extremen Lockerungsmassnahmen der Notenbanken haben einen Anstieg der Langfristzinsen bisher verhindert. Nachdem die Notenbanker langsam, aber sicher an die Grenzen ihrer Möglichkeiten stossen, ist zum einen das weitere Abwärtspotential bei den Renditen limitiert. Und zum anderen haben sich die Chancen für eine graduelle Aufwärtstendenz bei den Zinsen verbessert. Denn die Geldpolitik wird momentan immer mehr durch eine expansive Fiskalpolitik der Regierungen unterstützt, welche tendenziell reflationär wirkt und (in der Theorie) für steigende Renditen sorgen sollte. Eine weitere Bedingung für einen Führungswechsel ist ein Ende der Pandemie – oder zumindest die Aussicht darauf. Ein solches dürfte mit einem erheblichen Wachstumsschub einhergehen, welcher Value-Aktien begünstigen würde. Und nicht zuletzt braucht es ein Ende der (politischen) Unsicherheit, die in den letzten Wochen vor allem von den US-Wahlen ausging. Ein klarer Wahlsieg der Demokraten wäre schliesslich auch ein Szenario von dem Value-Aktien profitieren dürften. Denn es würde wohl mit weniger Unsicherheit in Handelsfragen, mehr fiskalischem Stimulus, einem schwächeren US-Dollar und einem insgesamt reflationären Umfeld einhergehen. Eine Blaupause für den beschriebenen Favoritenwechseln und das dafür passende Umfeld liefert die Episode 2016/2017. Damals folgte auf einen scharfen Einbruch der wirtschaftlichen Aktivität (und Underperformance von Value) ein Turnaround, der sowohl die Konjunkturindikatoren und Renditen als auch die günstig bewerteten Aktien nach oben beförderte. Eine ähnliche Entwicklung ist in der ersten Jahreshälfte 2021 denkbar. Einen Wermutstropfen gibt es für Value-Fans dennoch: Wir gehen davon aus, dass es im beschriebenen Szenario bei einer Episode bleiben würde. Längerfristig sehen wir nach wie vor das grössere Potential bei den Wachstumsaktien.
ESG: Rund ums Thema Nachhaltigkeit Die EZB-Geldpolitik soll „grüner“ werden
Vorteil für schmutzige Konzerne ein Unternehmen zu viele Schadstoffe ausstösst, weil Selten kommt es vor, dass Greenpeace mit Informati- es die Kosten seines Handelns nicht tragen muss. onen zur Geldpolitik an die breite Öffentlichkeit tritt. Kein Wunder, dass die jüngste Studie der Umwelt- Änderungsvorschläge für eine „grünere“ Geldpolitik organisation in Kooperation mit der New Economics Die etwas abstrakten Formulierungen zeigen bereits, Foundation und drei britischen Hochschulen für einige dass durchaus noch Handlungsbedarf besteht um die Aufmerksamkeit sorgte. Ihre These: Die Europäische Geldpolitik nicht nur durch die Hintertür, sondern ganz Zentralbank (EZB) unterstütze mit ihren Anleihekäu- offiziell etwas grüner zu machen. Die von Greenpeace fen überproportional grosse Unternehmen mit einer vorgelegte Studie schlägt zwei Wege vor, wie die Nooftmals klimaschädlichen Ausrichtung. Gemäss Studie tenbank ihre Regeln für die Anleihekäufe ergänzen oder stammen mehr als 60% der Unternehmensanleihen, abändern könnte. In der ersten Variante bleibt die EZB die bislang von der Notenbank gekauft worden seien, grundsätzlich bei ihren Auswahlkriterien für die Anaus kohlenstoffintensiven Sektoren. Dies sei deutlich leihen, schliesst aber Anleihen, die einen schlechten mehr als deren Anteil am Gesamtmarkt für europäi- Klimafussabdruck aufweisen, zugunsten von klimafsche Anleihen. Noch stärker falle das Missverhältnis aus, reundlicheren Unternehmen aus. In der zweiten Variwenn man sie mit dem Anteil dieser Unternehmen an ante ändert die Notenbank ihre Kriterien grundsätzlich. der Beschäftigung (17,8 %) und der Wertschöpfung in Zusätzlich zur Bonitätsbewertung der Ratingagenturen Europa (29,1%) vergleiche. Ähnlich sei es bei Unterneh- wird auch eine Bewertung der Klimarisiken vorgenommen aus den Branchen rund um die Förderung fossiler men, und das strikte Investment-Grade-Kriterium – es Brennstoffe, bei energieintensiven Unternehmen und darf sich nicht um sogenannte Ramschanleihen handeln bei Transportunternehmen mit starker Umweltbelas- – wird abgeschwächt. Die Folge wäre, dass klimafreundtung. Als Grund meinen die Wissenschaftler Fehlanrei- liche Unternehmen auch mit einem niedrigen Rating ze in den Kriterien (Rating, Fälligkeit, Emissionsvolumen für das EZB-Programm in Frage kämen, während und Laufzeit) der EZB für Anleihekäufe ausgemacht zu Anleihen klimaschädlicher Unternehhaben. Insbesondere grosse Unternehmen würden da- men trotz Investment Grade durch bevorzugt, dabei seien klimafreundliche Unter- nicht mehr gekauft werden nehmen oftmals eher klein und noch nicht so etabliert. dürften. Den Autoren der Studie zufolge stünde Christine Lagarde dürfte die Kritik von Greenpeace an der Notenbank immer der bisherigen Praxis der Anleihekäufe eher als Un- noch ein Pool von über terstützung empfinden. Die EZB-Präsidentin hat es zu 1’800 Unternehmenseinem wichtigen Thema ihrer Amtszeit erklärt, den anleihen im Wert von Klimaschutz auch durch die Notenbank stärker unter- mehr als einer Billionen stützen zu wollen. Bisher hat sie dabei aber durchaus Euro für ihre Käufe zur Verfümit Gegenwind zu kämpfen. Zwar halten alle Mitglie- gung, sollte sie Unternehmen aus der des EZB-Rates den Klimaschutz für ein wichtiges der Fossilbrennstoff-Industrie und AnThema. Umstritten ist aber, ob die Geldpolitik und vor leihen hochgradig kohlenstoffintensiver allem die Anleihekäufe grüne Ziele verfolgen oder nur Unternehmen ausschliessen – grosse Zahdas Ziel der Preisstabilität im Blick haben soll. Bisher len, die Christine Lagarde bei der Debatte behilft sich die EZB noch mit Hilfsargumenten, wie sich um die Neuausrichtung der EZB grüne Anleihekäufe mit dem Mandat der Preisstabilität Unterstützung geben sollten. vereinbaren lassen: (1) Der Klimawandel könnte irgendwann so starke Auswirkungen auf die Wirtschaft haben, dass dies die Preisstabilität gefährde. Klimapolitik wäre damit ein natürlicher Teil der Geldpolitik. (2) Beim Thema Umwelt gebe es ein starkes Marktversagen und sogenannte externe Effekte, so dass man eingreifen muss, um keine exzessiven Risiken einzugehen. Als „externen Effekt“ bezeichnen Ökonomen es beispielsweise, wenn
Wenn es nach Christine Lagarde geht, soll die europäische Geldpolitik in Zukunft „grüner“ werden. Eine entsprechend Neuausrichtung der Notenbank wird derzeit hinter den Kulissen diskutiert. Rückendeckung (und reichlich Zahlenmaterial) bekam die EZB-Präsidentin zuletzt von Greenpeace.
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Die letzte Seite
Anlageklassen und Agenda
Performance per 31. Oktober 2020 Anlageklassen
seit Jahresbeginn
Liquidität
1 Monat
1 Jahr
3 Jahre
0
CHF
-0.5%
-0.1%
-0.6%
-2.1%
EUR
-0.3%
0.0%
-0.4%
-1.1%
0.0%
0.9%
5.7% 11.0%
USD
0.6%
Festverzinsliche Anlagen
0
Staatsanleihen
4.7%
Unternehmensanleihen
5.8%
Mikrofinanz
1.2%
Inflationsbasierte Anleihen
7.9%
Hochzinsanleihen
-0.8%
Schwellenländeranleihen
-0.3%
Versicherungsbasierte Anl.
4.9%
Wandelanleihen Aktien
17.0%
Global
-2.1% -7.8%
Europa
-17.1% -25.5%
USA
-4.0%
Schwellenländer
-1.0%
Alternative Anlagen Rohstoffe
-11.2% 23.8%
Immobilien Schweiz
0.5%
Hedgefonds
1.4%
Währungen
15.4%
0.2%
1.8%
10.2%
0.1%
7.0%
19.1%
0.3%
1.6%
11.8%
0.0%
1.4%
10.7%
-0.3%
5.5%
15.0%
0.0%
22.2%
32.3% 18.6%
-3.1%
3.3%
-5.8%
-4.4%
11.5%
-5.6%
-13.9%
-11.8%
-5.1%
-22.2%
-18.5%
-2.6%
11.0%
34.5%
2.0%
5.9%
-1.4% -16.6%
1.4%
-9.3%
-0.4%
24.2%
47.8%
-1.8%
2.8%
18.5%
-0.2%
3.7%
3.6%
0
EUR/USD
3.9% -1.6%
GBP/USD
6.4%
0
Gold
EUR/CHF
3.6%
0
Schweiz Grossbritannien
-0.1% -0.1%
-2.3%
-0.6%
4.4%
0.0%
-1.1%
-2.9%
-8.1%
0.2%
0.0%
-2.5%
Auf unserer Agenda 10./11. November: Plastic Free World Virtual Summit Allein in den USA werden täglich rund 500 Mio. Plastik-Strohhalme verbraucht – damit könnte man zwei Ringe um den Erdball legen. Plastik hat sich zu einem der grössten Umweltprobleme unserer Zeit entwickelt. Auf der Konferenz diskutieren Experten wie die Welt vom Plastikmüll befreit werden kann. 25. November: US-Bruttoinlandsprodukt 3. Quartal Zahlen zum Wirtschaftswachstum werden in der Regel mehrfach revidiert. Die zweite Schätzung für das Bruttoinlandsprodukt in den USA dürfte Ende November aber schon relativ aussagekräftig kundtun, wie gut oder schlecht es um die Konjunktur steht. 25. November: Investor Summit Liechtenstein Falls „Corona“ die Planungen nicht auf den Kopf stellt, wird der Finanzplatz gegen Ende des Jahres nochmals Treffpunkt für Wirtschaftsinteressierte. Zum 10. Mal vernetzt der Investor Summit Liechtenstein Investoren und Entscheidungsträger mit innovativen Startups und Wachstumsunternehmen.
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Kaiser Partner Privatbank AG | Monthly Market Monitor - November 2020
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Monthly Market Monitor - November 2020 | Kaiser Partner Privatbank AG
Herausgeberin: Kaiser Partner Privatbank AG Herrengasse 23, Postfach 725 FL-9490 Vaduz, Liechtenstein HR-Nr. FL-0001.018.213-7 T: +423 237 80 00, F: +423 237 80 01 E: bank@kaiserpartner.com Redaktion: Oliver Hackel, Senior Investment Strategist Roman Pfranger, Head Private Banking & Investment Solutions Cornelia Kopf, Marketing Specialist, 21iLAB Design & Druck:
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