Unter der Oberfläche gab es dabei allerdings heftige Rotationen –und in Sektoren wie Energie, Grundstoffe, Industrie und Versorgung seit Jahresbeginn gar zweistellige Kursgewinne.
Grafik des Monats
Rotationen unter der Oberfläche
Auf einen Blick
Unsere Sicht auf die Märkte
Wer im Bullenmarkt der letzten drei Jahre auf der Technologie-Welle ritt, musste sich in den letzten Monaten umgewöhnen – und mitunter die Augen reiben. Die grossen US-Technologiewerte sind vom Antreiber des US-Aktienmarkts zur Performancebremse mutiert. Der S&P 500 Index tritt deshalb bereits seit letztem Herbst mehr oder weniger auf der Stelle. Unter der Oberfläche gab es dabei allerdings heftige Rotationen – und in Sektoren wie Energie, Grundstoffe, Industrie und Versorgung seit Jahresbeginn gar zweistellige Kursgewinne. Deutlich zweistellig abwärts ging es zugleich für vermeintliche Verlierer der KI-Revolution – allen voran der Softwarebranche, deren Aktien seit November um circa ein Drittel eingebrochen sind.
KI sorgt für Schlagzeilen
Künstliche Intelligenz macht rasante, immer schnellere Fortschritte – und lässt die Fragezeichen und Sorgen ob ihrer Auswirkungen auf die Arbeitsmärkte grösser werden. In den letzten Wochen gingen einige Blog-Posts viral, die für die USA eine düstere Zukunft mit rasant steigender Arbeitslosigkeit und zunehmendem Wohlstandsgefälle zeichnen. Zwar lässt so manche Analyse Bruchstellen im roten Pfaden erkennen. Dennoch kön-
Und (fast) täglich grüsst das Murmeltier | Zoll-Tweets ohne Ende
Anzahl an Tagen zwischen Änderungen im US-Zollregime
nen sie nicht völlig negiert werden. Denn Anzeichen von disinflationärem Wachstum ohne Entstehung neuer Arbeitsplätze sind durchaus erkennbar. Für das Weisse Haus sind die KI-Ängste der Bevölkerung wiederum ein guter Grund um im Zwischenwahljahr das Wachstum anzukurbeln und die schlechten Zustimmungswerte des Präsidenten zu verbessern.
Goldene Zeiten
Gold hat die Menschheit seit jeher fasziniert. Laut der griechischen Mythologie verwandelte König Midas schon in der Antike alles, was er berührte, in das gelbe Edelmetall. Und später bewog die legendäre goldene Stadt El Dorado die Spanier dazu, den Ozean zu überqueren – getrieben vom Traum nach unermesslichem Reichtum. Auch heute findet wieder ein Goldrausch statt. Dieser hat jedoch andere Ursachen als in früheren Jahrhunderten – und ist zuletzt etwas heissgelaufen.
Donald Trumps „Liberation Day“-Zölle sind verfassungswidrig – so urteilte Mitte Februar der US Supreme Court. Ein verärgerter Tweet des Präsidenten liess nicht lange auf sich warten. Nur wenige Stunden später wurde dann auch schon ein neuer pauschaler Strafzoll von zunächst 10 %, kurz danach 15 % auf alle Importe angedroht – zwar auf anderer Rechtsgrundlage, aber ebenso angreifbar und definitiv nur von begrenzter Dauer (150 Tage). Der durchschnittliche Zollsatz sinkt dadurch nach Berechnungen der Yale Universität von 16 % auf 13.7 %. Zu den Gewinnern zählen unter anderem Indien und China, welche nun tiefere Zölle zahlen. Die Verlierer sind aber in der Überzahl. Es sind dies nicht nur die Unternehmen, welche sich mit Dauer-Unsicherheit konfrontiert sehen, sondern auch die Verbraucher. Nach Berechnungen der New York Fed und des Kiel Instituts werden mehr als 90 % der zusätzlichen Zollkosten auf sie abgewälzt. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt: Auch im Weissen Haus weiss man inzwischen, dass die Zölle in der Bevölkerung höchst unbeliebt und die hohen Preise das Thema der Stunde sind. Grund genug für Trump, es mit der Durchsetzung neuer Zolldrohungen in den kommenden Monaten nicht so genau zu nehmen.
Konjunktur-Radar
Am Puls der Wirtschaft
KI sorgt für Schlagzeilen Künstliche Intelligenz macht rasante, immer schnellere Fortschritte – und lässt die Fragezeichen und Sorgen ob ihrer Auswirkungen auf die Arbeitsmärkte grösser werden. In den letzten Wochen gingen einige Blog-Posts viral, die eine düstere Zukunft zeichnen. Im Szenario von Citrini Research steigt die Arbeitslosigkeit in den USA bis 2028 beispielsweise auf mehr als 10 %, während die Produktivität boomt und die Ungleichgewichte bei Einkommen und Wohlstand drastisch zunehmen. Eine objektive Analyse lässt Bruchstellen im roten Pfaden des Researchberichts erkennen. Dennoch kann er nicht völlig negiert werden. Denn Anzeichen von disinflationärem Wachstum ohne Entstehung neuer Arbeitsplätze waren bereits in den letzten Quartalen erkennbar. Ein weiterer Anstieg der US-Arbeitslosenquote auf 5 % ist durchaus realistisch. Gepaart mit weiter sinkender Inflation dürfte dies die Fed zu weiteren Zinssenkungen veranlassen. Für das Weisse Haus sind die zunehmenden KI-Ängste der Bevölkerung wiederum ein guter Grund im Zwischenwahljahr alle Hebel in Bewegung zu setzen, um das Wachstum anzukurbeln und die schlechten Zustimmungswerte des Präsidenten zu verbessern.
Frühlingserwachen in Europa
Der Wachstumsausblick für Europa hellt sich auf. Nachdem bereits das Wachstum im 4. Quartal mit +0.3 % positiv überraschte, deuten auch die Industrieumfragen der letzten Wochen auf eine Konjunkturbeschleunigung hin. Eine treibende Kraft sind dabei nicht zuletzt die inzwischen deutlich anziehenden Staatsausgaben Deutschlands, insbesondere im Bereich Rüstung. Die politische Unsicherheit hat derweil nachgelassen –exemplarisch dafür steht der merklich gesunkene Kreditaufschlag für französische Staatsanleihen. Strahlend blau und sonnig ist es mit Blick auf Europas Perspektiven trotz dieses Frühlingserwachens aber nicht, denn ökonomische und geopolitische Herausforderungen bleiben bestehen. Dazu gehören neben dem Exportwettbewerb mit China auch die Tatsache, dass man in Sachen Künstlicher Intelligenz die Früchte wohl später ernten wird als in den USA – und das Potentialwachstum weiterhin deutlich tiefer bleiben wird als jenseits des Atlantiks. Das Hausaufgabenheft der europäischen Politik indiziert weiteren Reformbedarf – bisher wurden erst rund 15 % der Reformempfehlungen aus dem Draghi-Bericht vom Herbst 2024 umgesetzt.
Zweifel an Sanaenomics
Nachdem Japan seine Ministerpräsidentin Sanae Takaichi mit einer komfortablen Zweidrittelmehrheit ausgestattet hat, stellen sich Marktbeobachter die Frage wie die Sanaenomics als „proaktive, aber verantwortungsvolle Finanzpolitik“ konkret ausgestaltet werden sollen. Gewisse Sorgen sind angesichts einer Staatsverschuldung von 230 % des Bruttoinlandsprodukts nicht unberechtigt – und widerspiegeln sich sowohl in den stark gestiegenen Renditen am Anleihemarkt sowie Warnungen vom Internationalen Währungsfonds (IWF). Nach Berechnungen des japanischen Finanzministeriums könnte der Schuldendienst in drei Jahren bereits 30 % des jährlichen Haushalts ausmachen. Inwieweit die Bank of Japan vor diesem Hintergrund unabhängig bleiben darf oder Sanae gegen eine weitere Straffung der Leitzinsen vorgehen wird, muss deshalb scharf beobachtet werden. Schadlos würde eine Intervention in jedem Fall nicht sein. Denn ein noch schwächerer Yen, höhere Inflation und langfristig noch deutlich höhere Schulden wären vorprogrammiert – ebenso wie der Ärger der Bevölkerung.
Nach Berechnungen des japanischen Finanzministeriums könnte der Schuldendienst in drei Jahren bereits 30 % des jährlichen Haushalts ausmachen.
Angst am (US-)Arbeitsmarkt | Erinnerungen an eine frühere Blase Erwartete Wahrscheinlichkeit in den nächsten 5 Jahren den Job zu verlieren (Arbeitnehmer mit College-Abschluss)
Quellen: University of Michigan, Kaiser Partner Privatbank
Asset Allocation Monitor
Liquidität
Anlagestrategie
Notizen vom Investment-Komitee
Aktien
Fixed Income Global
Staatsanleihen
Unternehmensanleihen
Mikrofinanz
Inflationsbasierte A.
Hochzinsanleihen
Schwellenländeranleihen
Schweiz
Europa
Grossbritannien
USA
Japan
Schwellenländer
Versicherungsbasierte A. Alternative Anlagen
Wandelanleihen
Laufzeiten
Währungen
US-Dollar
Schweizer Franken
Gold
Hedgefonds
Strukturierte Produkte
Private Equity
Private Credit
Euro Infrastruktur
Britisches Pfund
Aktien: Rotationen unter der Oberfläche
• Wer im Bullenmarkt der letzten drei Jahre auf der Technologie-Welle ritt, musste sich in den letzten Monaten umgewöhnen – und mitunter die Augen reiben. Die grossen US-Technologiewerte sind vom Antreiber des US-Aktienmarkts zur Performancebremse mutiert. Der S&P 500 Index tritt deshalb bereits seit letztem Herbst mehr oder weniger auf der Stelle. Unter der Oberfläche gab es dabei allerdings heftige Rotationen – und in Sektoren wie Energie, Grundstoffe, Industrie und Versorgung seit Jahresbeginn gar zweistellige Kursgewinne. Deutlich zweistellig abwärts ging es zugleich für vermeintliche Verlierer der KI-Revolution – allen voran der Softwarebranche, deren Aktien seit November um circa ein Drittel eingebrochen sind. Wie nervös die Märkte sind, zeigt sich auch am US-Volatilitätsbarometer. Der VIX-Index steigt seit Jahresanfang stetig an, obwohl der Gesamtmarkt nur 2 – 3 % unter seinem Allzeithoch notiert. Eine ähnliche Entwicklung – wenn auch über einen deutlich längeren Zeitraum – gab es Ende der 1990er Jahre. Damals war sie ein Vorbote für das Bevorstehen einer grossen (Internet-)Anlageblase. Ob wir es auch aktuell mit einer Blase zu tun haben, muss die Zukunft zeigen. Allein die Tatsache, dass derzeit viel über sie geredet wird, ist kein Grund sie auszuschliessen. Beruhigend mag in diesem Zusammenhang zumin-
Immobilien
Scorecard
Konjunktur
Geld- und Fiskalpolitik
Unternehmensgewinne
Bewertung
Trend
Anlegerstimmung
dest sein, dass sich die Bewertungsprämie der „Magnificient 7“ gegenüber dem S&P 493 von mehr als 100 % im Jahr 2022 aufgrund der jüngsten Korrektur bereits auf circa 30 % abgebaut hat.
• Zu viel Pessimismus ist aus mindestens zwei Gründen aber auch sonst nicht angebracht. Einerseits ist mit Blick auf die USA ein Goldlöckchen-Szenario denkbar, in dem nicht nur Unternehmensgewinne (auch dank KI) und Konjunkturdynamik positiv überraschen, sondern zugleich Anleiherenditen und Inflation tendenziell sinken. Dies würde der Fed Raum für weitere Lockerungsübungen geben. Die Kombination aus starken Unternehmensgewinnen und eher schwachem Arbeitsmarkt, der wenig Raum für Lohnsteigerungen lässt, ist für den Aktienmarkt eine der besten aller Welten…
• Andererseits sind Anleger nicht an den US-Aktienmarkt gebunden – wer dort noch immer überinvestiert ist, sollte über Umschichtungen nachdenken.
Einerseits ist mit Blick auf die USA ein Goldlöckchen-Szenario denkbar, in dem nicht nur Unternehmensgewinne (auch dank KI) und Konjunkturdynamik positiv überraschen, sondern zugleich
Anleiherenditen und Inflation tendenziell sinken.
Aus der Vogelperspektive könnte dieser noch recht junge Trend hingegen gerade erst begonnen haben. Noch immer machen US-Aktien rund zwei Drittel der Marktkapitalisierung des MSCI-Weltindex aus.
Sowohl die Industrieländer ex USA als auch die Schwellenländermärkte liegen im Performanceranking seit Jahresbeginn deutlich vorn. Auf kurze Sicht mag diese Outperformance bereits etwas weit gelaufen zu sein. Aus der Vogelperspektive könnte dieser noch recht junge Trend hingegen gerade erst begonnen haben. Noch immer machen US-Aktien rund zwei Drittel der Marktkapitalisierung des MSCI-Weltindex aus. Es bleibt genug Raum für eine fortgesetzte Korrektur dieses Ungleichgewichts –insbesondere dann, wenn sich die Geschäftsmodelle der „Magnificient 7“ nachhaltig ändern und sie ihren Status als Gewinnmaschinen verlieren sollten.
Anleihen: Schwächere Inflation sorgt für tiefere Renditen
• Knapp ein Jahr nach Donald Trumps Zollgewitter im letzten Frühling lässt sich in puncto Inflation langsam ein Zwischenfazit ziehen: Die US-Konsumenten müssen einen grossen Teil der Mehrbelastung schultern, und dennoch bleibt ein massiver Inflationsanstieg aus. Ganz im Gegenteil fielen die Teuerungszahlen in den USA in den letzten Monaten überraschend schwach aus. Im Januar sank die Inflation stärker als erwartet auf 2.4 % (Erwartung: 2.5 %), im Dezember lag der Wert noch bei 2.7 %. Die Konsequenz am Anleihemarkt war bilderbuchartig – die Renditen sanken und haben im Beispiel 10-jähriger US-Treasuries zuletzt wieder die 4 %-Marke im Visier. Genau auf diesem Level liegt ein wichtiges charttechnisches Level. Ein deutlicher Fall darunter würde eine Dreiecksformation nach unten auflösen – und viele Marktbeobachter sicher auf dem falschen Fuss überraschen. Denn viele Analysten hatten aufgrund von Zollängsten und der begründeten Sorge vor weiter steigenden Schuldenbergen eher das Risiko höherer Langfristzinsen im Blick. Anstatt dessen könnte das Motto demnächst fortgesetzte Disinflation und ab der zweiten Jahreshälfte auch weiter fallende Leitzinsen lauten. Für Anleiheanleger wären dies positive Nachrichten, denn Kursgewinne wären die Folge.
Alternative Anlagen: Semi-liquide ist nicht flüssig
im Falle von semi-liquiden Private Credit Evergreen Fonds per Konstruktion nicht möglich – in der Regel sind Rücknahmen pro Quartal auf 5 % des Fondsvolumens limitiert. Was eigentlich dem Schutz der Anleger dient, macht aktuell viele negative Schlagzeilen. Wer von seinem Anlageberater richtig beraten wurde, sollte von der Illiquidität dieser Anlagevehikel jedoch nicht überrascht sein. Eine Überprüfung des Exposure kann trotzdem Sinn machen. Eine renditetechnisch mindestens ebenso attraktive Alternative zu Privatmarktanlagen sind „Liquid Alternatives“ (Hedgefonds) – mit dem Unterschied, dass diese vorrangig in liquide Anlagen investieren und entsprechend schnell flüssig gemacht werden können.
• Die Edelmetalle haben sich in den letzten Wochen nach dem Abverkauf Ende Januar stabilisiert. Ob der Goldpreis seinen Aufwärtstrend schon bald wieder aufnehmen kann, ist aber fraglich. Wahrscheinlicher und gesünder wäre eine grössere Konsolidierung, um Anlauf zu neuen Höhen zu nehmen. Im Falle von Silber wäre es zudem nicht verwunderlich, wenn das bisherige Jahreshoch für deutlich längere Zeit ein Rekord bleibt – die Rally des letzten Jahres hatte alle Merkmale eines spekulativen Exzesses. Ebenfalls viel Geduld müssen – einmal mehr – die Anleger in Kryptowährungen mitbringen. Seit dem Allzeithoch im Oktober hat der Bitcoin rund die Hälfte an Wert verloren. Für einen neuen Aufschwung fehlt es derzeit am Narrativ.
Währungen: US-Dollar vor Comeback?
Auch die Aktien von Private Markets Asset Managern wie Blackstone, Hamilton Lane oder Blue Owl standen in den vergangenen Wochen unter Abgabedruck.
• Auch die Aktien von Private Markets Asset Managern wie Blackstone, Hamilton Lane oder Blue Owl standen in den vergangenen Wochen unter Abgabedruck. Und auch hier sind es die schnellen Fortschritte von Open AI, Anthropic und Google in Sachen Künstlicher Intelligenz, die (indirekt) zu Verwerfungen führen. Denn viele Manager haben in ihren Private Credit Fonds ein nicht unerhebliches Exposure zu Softwarefirmen, deren Geschäftsmodelle durch die Chatbots und deren ständig neuen Features gerade disruptiert zu werden drohen. Anleger stellen nun die Werthaltigkeit der Kreditportfolien in Frage. Und viele wollen gleichzeitig durch die Tür bzw. ihre Anteile verkaufen. Doch dies ist
• Nach äusserst schwacher Entwicklung 2025 ist der US-Dollar auch in diesem Jahr bisher im Hintertreffen. Doch nicht nur der Kurs des Greenback ist im Keller, gleiches gilt für die Stimmung der Investoren. Diverse Indikatoren weisen darauf hin, dass quantitative Anlagestrategien aktuell massiv Shortpositionen im Dollar haben und auf weiter fallende Preise wetten. Und auch ein verlässlicher Sentiment-Indikator hat im Februar angeschlagen: Das US-Wirtschaftsmagazin Barron’s publizierte einen Abgesang auf die US-Währung mit klassisch-prominentem Cover auf der Titelseite. Einbahnstrassen werden an den Finanzmärkten häufig zu Sackgassen. Entsprechend sollten Dollar-Bären langsam vorsichtig werden. Eine Kehrtwende wäre in den kommenden Monaten nicht verwunderlich. Es gäbe auch gute Argumente für eine Stabilisierung des US-Dollars: Die US-Wirtschaft dürfte 2026 erneut stärker wachsen als der Rest der G7. Auch wenn die Fed die Zinsen Richtung 3 % senkt, wären sie noch immer höher als in anderen Industrieländern. Und weitere fiskalische Stimulusmassnahmen, welche mit Blick auf die anstehenden Zwischenwahlen und die schwachen Zustimmungswerte der aktuellen US-Regierung sehr wahrscheinlich zu erwarten sind, sprechen typischerweise für eine stärkere Währung.
Der US-Aktienmarkt hinkt dem Rest der Welt seit Jahresbeginn deutlich hinterher. Auf dem Bremspedal stehen bei genauerem Hinsehen vor allem die „Magnificient 7“ – die grossen US Tech-Aktien notieren teils 20 – 30 % unter ihren Höchstständen vom letzten Herbst. Der gleichgewichtete S&P 500 Index hatte hingegen einen selten guten (relativen) Start und liegt nach nur zwei Monaten bereits mehr als 4 % vor seinem bekannteren Pendant. Ursache: Die KI-Fantasie scheint fürs Erste verpufft. Fragen werfen nicht nur die absolute Höhe der Investitionen in Künstliche Intelligenz und deren teils speziellen Finanzierungskonstruktionen auf. Auch fragen sich die Aktionäre zunehmend, welches Unternehmen mit wem verbandelt und wie gefährlich so manche Abhängigkeit tatsächlich ist. Und nicht erst am Ende steht auch die Frage, ob für die eigene Kasse noch genug übrigbleibt. Denn klar ist bereits jetzt: Für aktionärsfreundliche Aktienrückkäufe wird künftig immer weniger Geld zur Verfügung stehen. Während die Unternehmen im S&P 500 Index 2022 noch 46 % des operativen Cash Flows für „Buybacks“ ausgaben, dürften es dieses Jahr nur noch rund 15 % sein.
Chart unter der Lupe
Die Luft ist raus | Big Tech steht auf der Bremse S&P 500 Equal Weight Index vs. S&P 500 Index
Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank
Fakt ist: Gold erfüllt verschiedene Funktionen, ohne eine davon vollständig zu übernehmen. Es ist zu rohstoffnah, um als Währung zu gelten, zu währungsähnlich für einen klassischen Rohstoff und zugleich zu unproduktiv für ein traditionelles Asset.
Thema im Fokus
Goldene Zeiten
Gold hat die Menschheit seit jeher fasziniert. Laut der griechischen Mythologie verwandelte König Midas schon in der Antike alles, was er berührte, in das gelbe Edelmetall. Und später bewog die legendäre goldene Stadt El Dorado die Spanier dazu, den Ozean zu überqueren – getrieben vom Traum nach unermesslichem Reichtum. Auch heute findet wieder ein Goldrausch statt. Dieser hat jedoch andere Ursachen als in früheren Jahrhunderten – und ist zuletzt etwas heissgelaufen.
Was ist Gold eigentlich für eine Anlage… Im Anlageuniversum nimmt Gold eine Sonderrolle ein und entzieht sich einer eindeutigen Klassifikation. Ist es ein Rohstoff, eine Währung oder doch eher ein Sammlerobjekt? Fakt ist: Gold erfüllt verschiedene Funktionen, ohne eine davon vollständig zu übernehmen. Es ist zu rohstoffnah, um als Währung zu gelten, zu währungsähnlich für einen klassischen Rohstoff und zugleich zu unproduktiv für ein traditionelles Asset. Anders als Aktien oder Immobilien generiert Gold nämlich keine laufenden Cashflows – weder Dividenden noch Mieteinnahmen. Ohne diese Erträge fehlt eine klassische Bewertungsgrundlage, folglich lässt sich Gold nicht intrinsisch bewerten. Sein Preis spiegelt insbesondere die Stimmung und Leidenschaft der Anleger sowie die begrenzte Verfügbarkeit wider. Da Gold eine unproduktive Anlage ist, verzichten gewisse Anleger – darunter Warren Buffett – sogar gänzlich auf das Metall und setzen lieber auf Cashflow-generierende Vermögenswerte. Doch selbst das „Orakel von Omaha“ musste 2025 zusehen, wie Gold ganz ohne Dividenden einen Rekord nach dem anderen brach.
Historischer Höhenflug | Die Gold-Rally in Zahlen Goldpreisentwicklung in USD / Unze seit 2016
…und welche Faktoren beeinflussen den Goldpreis? Wenn Gold selbst keinen laufenden Ertrag abwirft, was treibt dann dessen Nachfrage? Obschon viele Faktoren die Goldnachfrage beeinflussen, haben sich historisch drei wichtige Treiber herauskristallisiert:
• Inflation: Gold dient als Wertspeicher und Schutzschild vor Geldentwertung, besonders bei unerwartet hoher und extremer Inflation. Anleger flüchten dann ins Gold, wenn das Vertrauen in Papierwährungen schwindet.
• Krisenängste: Seit jeher gilt Gold als sicherer Hafen in stürmischen Zeiten. Bei Kriegen und politischen Krisen – an denen es in vergangenen Jahren nicht mangelte – steigt die Nachfrage häufig an.
• Realzinsen: Klassischerweise korreliert die Attraktivität von Gold negativ mit den Realrenditen. Steigen diese deutlich, erhöhen sich die Opportunitätskosten des zinslosen Metalls und der Goldpreis gerät unter Druck. Umgekehrt befeuern niedrige oder gar negative Realzinsen die Goldnachfrage. So zumindest die Lehrbuchlogik. In den vergangenen Jahren jedoch hat dieser Zusammenhang an Erklärungskraft verloren. Steigende Realzinsen gingen zeitweise mit steigenden Goldpreisen einher.
Strukturelle Änderungen als wichtige Treiber Neben klassischen Preis- und Zinsfaktoren gewinnen zunehmend strukturelle und geopolitische Faktoren an Bedeutung und könnten das neue „Normal“ beim Goldpreis nach oben verschoben haben. Einer der zentralen Treiber sind die Notenbanken. Seit der Finanzkrise, und verstärkt seit 2018, häufen vor allem die Notenbanken aus den Schwellenländern mehr und mehr Gold an, häufig zulasten des US-Dollars. In einer Welt wachsender geopolitischer Spannungen und zunehmender Zweifel an der Dominanz des Dollars sowie an der Unabhängigkeit der Fed setzen
viele Staaten auf politisch neutrales Gold – frei von Sanktionen und Abhängigkeiten. Besonders relevant sind die immensen Käufe der chinesischen Notenbank zum Aufbau einer strategischen, nationalen Sicherheitsreserve. Sie könnten sogar noch höher sein als es die offiziellen Zahlen der der People’s Bank of China (PBoC) vermuten lassen.
Ähnliches zeigt sich bei der strukturellen, privaten Nachfrage aus Asien: So halten indische Haushalte rund 25’000 Tonnen Gold, was etwa 16 % des gesamten Privatvermögens entspricht. Der Absicherungseffekt von Gold gegen globale Unsicherheit reduziert die Preissensitivität und stabilisiert die Nachfrage. Gepaart mit dem starken nominalen Wachstum und der kulturellen Bedeutung von Goldschmuck – der auch in China zunehmend als liquide Investment-Alternative zu kriselnden Immobilien genutzt wird – ist die asiatische Nachfrage ein nicht zu unterschätzender Treiber des Goldpreises.
Hinzu kommt die Demokratisierung des Zugangs. Wo früher physische Barren, Lagergebühren und Schliessfächer den Goldkauf erschwerten, reichen heute wenige Klicks. Gold-ETFs bieten seit Anfang der 2000er-Jahre der breiten Öffentlichkeit die Möglichkeit, ihr Erspartes günstig und liquide in das Edelmetall zu investieren. Die Folge: Erhebliche Kapitalzuflüsse, insbesondere in Zeiten erhöhter Unsicherheit.
Ist Gold aktuell überbewertet?
Angesichts des Höhenflugs stellt sich mittlerweile auch bei gestandenen Wallstreet-Namen die Frage: Ist das gelbe Metall schon zu heissgelaufen? Ein häufig verwendeter langfristiger Bewertungsanker setzt den Goldpreis ins Verhältnis zur globalen Geldmenge, da Gold historisch als monetärer Wertspeicher gilt und nicht beliebig vermehrbar ist. Während beide Grössen über lange Zeiträume in die gleiche Richtung tendieren, ist der Goldpreis in vergangenen Jahren deutlich stärker gestiegen als die Geldmenge. Auch der Vergleich mit Öl deutet auf eine Überbewertung hin: Mit einer Unze Gold lassen sich derzeit rund 70 Barrel Rohöl kaufen, wobei der Durchschnitt der letzten 50 Jahre gerade einmal 17 beträgt. Zudem ist Gold 3- bis 3.5mal teurer als dessen Förderkosten. Diese sind in den letzten Jahren zwar gestiegen, jedoch deutlich langsamer als der Goldpreis. All diese Anzeichen deuten auf den ersten Blick auf eine ambitionierte Goldbewertung hin. Es gilt jedoch anzumerken, dass obige Kennzahlen weniger konkrete Modelle zur Überprüfung des korrekten Preises darstellen, sondern eher Signale für eine aussergewöhnlich hohe Prämie sind.
Still aber stetig | Notenbanken als heimliche Bullen Durchschnittliche Goldanteile an den gesamten offiziellen Währungsreserven der Notenbanken
Von Barren zu Bytes | Goldanlage im Zeitalter von ETFs Kumulierte Gold-ETF-Bestände in Tonnen
Quellen: World Gold Council, Kaiser Partner Privatbank
Natürliche Preisuntergrenze | Die Kosten des Goldschürfens Goldpreis und Gesamtförderkosten in USD / Unze
Goldpreis (USD/Unze) Gesam�örderkosten (USD/Unze)
Quellen: Bloomberg, World Gold Council, Kaiser Partner Privatbank
Quellen: World Gold Council, Kaiser Partner Privatbank
Jedoch zeigt sich, dass ein goldener Tropfen auf den heissen Stein nicht ausreicht. Erst zweistellige
Portfolio-Gewichtungen wären für einen spürbaren Versicherungseffekt nötig –wenn auch keine Garantie.
Gold im Portfolio: Versicherung, Illusion oder beides? Gold wird aus unterschiedlichen Motiven gehalten. Während kurzfristig orientierte Trader auf Preisbewegungen setzen und andere Gold als Kerninvestment zur Absicherung gegen extreme Ereignisse wie Währungsreformen, Hyperinflation oder Finanzkollaps betrachten, steht für die meisten Investoren der Diversifikationseffekt im Vordergrund. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass gleichzeitige Kursverluste bei Aktien und Anleihen durchaus möglich sind. Gold – aufgrund der Resilienz gegenüber Marktschwankungen, dem Fehlen von Kredit- und Ausfallrisiken sowie der Unabhängigkeit von den meisten anderen Anlagetypen – kann in solchen Situationen als wertvoller Diversifizierungsbaustein fungieren. Jedoch zeigt sich, dass ein goldener Tropfen auf den heissen Stein nicht ausreicht. Erst zweistellige Portfolio-Gewichtungen wären für einen spürbaren Versicherungseffekt nötig – wenn auch keine Garantie. Auch auf Portfolioebene relativiert sich der Nutzen: Analysen defensiver Strategien zeigen, dass der Unterschied zwischen Portfolios mit und ohne Gold in Krisen gerade einmal 20 Basispunkte beträgt.
Konsequenzen für Anleger
Gold ist keine Wunderwaffe. Auch wenn die glänzende Performance im letzten Jahr die Versuchung wecken mag, voll auf den Trend aufzuspringen, ist ein nüchtern-realistischer Blick wichtig. Die Angst etwas zu verpassen (FOMO) ist nie ein guter Ratgeber. Wer erst Ende Januar bei Gold eingestiegen ist, musste dies bitter zur Kenntnis nehmen. Aus strategischer Sicht ist eine massvolle Gold-Beimischung durchaus sinnvoll. Es kommt aber auf die richtige Dosierung an: Wer schon Gold hält, sollte prüfen, welche Funktion es im Portfolio einnimmt und ob die Gewichtung den eigenen Rendite- und Risikozielen gerecht wird. Gerade nach den starken Kursgewinnen 2025 kann ein Rebalancing sinnvoll sein – insbesondere, wenn die Gewichtung von Gold im Portfolio deutlich über die strategische Zielallokation hinausgewachsen ist.Renditen zu erwirtschaften.
Performance per 28. Februar 2026
Die letzte Seite Anlageklassen
Assetklasse YTD 1 Monat 1 Jahr 3 Jahre* Index Cash
Verzinsliche Anlagen Staatsanleihen
2.08% 2.50% 6.91% 4.46% Bloomberg US Govt 7-10 Yr Bond Index (USD) USA inflationsgeschützt 1.62% 1.31% 5.06% 4.63% Bloomberg US Treasury Inflation-Linked Bond Index (USD)
2.21% 1.57% 1.28% 2.95% Bloomberg Germany Govt 7-10 Yr Bond Index (EUR) Vereinigtes Königreich 2.48% 2.43% 7.00% 3.62% Bloomberg UK Govt 7-10 Yr Bond Index (GBP) Schweiz 1.23% 2.19% 4.99% 6.53% Bloomberg Switzerland Govt 7-10 Yr Bond Index (CHF)
Unternehmensanleihen US Investment Grade 1.21% 0.89% 7.10% 6.77% Bloomberg US Corporate 3-5 Yr Index (USD) EU Investment Grade 1.14% 0.45% 3.88% 5.58% Bloomberg European Corporate 3-5 Yr Index (EUR)
High Yield 0.69% 0.19% 7.18% 9.42% Bloomberg US Corporate High Yield Index (USD) EU High Yield 0.93% 0.12% 4.06% 8.03% Bloomberg Pan-European High Yield Index (EUR) Andere Anleihen Schwellenländer 1.66% 1.40% 12.55% 10.59% JPMorgan EMBI Global Core Index (USD)
*annualisiert
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Redaktion: Oliver Hackel, Head of Private Markets & Liquid Alternatives Corsin Raguth-Tscharner, Trainee Asset Management