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KPPB Monthly Market Monitor - 02 DE

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Monthly Market Monitor

Februar 2026

KonjunkturRadar

Am Puls der Wirtschaft

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Auf einen Blick

4

Anlagestrategie

Notizen vom InvestmentKomitee

Thema im Fokus

7

Diversifikation mit liquiden Alternativstrategien –mehr als ein „Free Lunch“

Die letzte Seite

Anlageklassen

IWF-Analysen zufolge werden in den nächsten Jahren bis zu 60 % der Arbeitsplätze in den Industrieländern durch KI verbessert, umgestaltet oder abgeschafft.

Grafik des Monats

Auf einen Blick

Unsere Sicht auf die Märkte

Fluch und Segen der Künstlichen Intelligenz

Beim Weltwirtschaftsforum in Davos überwog in puncto Künstlicher Intelligenz (KI) naturgemäss der Optimismus von Vertretern der Technologiebranche. Pessimistische Töne kamen jedoch vom Internationalen Währungsfonds (IWF). IWF-Analysen zufolge werden in den nächsten Jahren bis zu 60 % der Arbeitsplätze in den Industrieländern durch KI verbessert, umgestaltet oder abgeschafft. Die Menge an Einstiegsjobs könnte dramatisch schrumpfen – mit erheblichen Konsequenzen für die Einkommensperspektiven einer ganzen Generation. Die anektotische und statistische Evidenz eines raueren Arbeitsmarkts für Nachwuchskräfte nahm in den letzten Monaten bereits zu.

Schwellenländer auf der Überholspur Die globalen Aktienmärkte haben das positive Momentum aus 2025 mitgenommen und sind mit positiven Vorzeichen ins neue Jahr gestartet. Der inzwischen zweieinhalb Jahre währende Bullenmarkt hat zuletzt allerdings Spuren von Euphorie in der Psyche der Anleger hinterlassen und macht weitere Kursgewinne schwieriger. Grösseres Potential bleibt aber bei den Schwellenländern. Nicht nur sind die Anleger in diesem Segment noch immer unterinvestiert, auch haben sich

Geschichtsstunde | Eine unabhängige Notenbank hält die Inflation tief Inflationsrate vs. Index der Unabhängigkeit

die Gewinnperspektiven dort verbessert. Die Schwellenländer-Wette setzt nicht mehr allein auf das Schnäppchen-Argument.

Diversifikation mit liquiden Alternativstrategien –mehr als ein „Free Lunch“

Diversifikation ist das einzige „Free Lunch“ an den Finanzmärkten. Deshalb gehören alternative Anlagen unbedingt in ein ausgewogenes Portfolio. So weit, so gut. Doch hinter der Börsenfloskel und dem Ratschlag aus dem Anleger-Einmaleins steckt mehr als man denkt. Denn die Kombination einer Vielzahl dekorrelierter Hedgefonds-Strategien ist – ähnlich wie der Zinseszinseffekt – ein kleines Anlagewunder, das gerade in Zeiten hoch bewerteter Aktienmärkte und geopolitischer Unsicherheit einen Mehrwert fürs Anlegerportfolio bringt.

Jerome Powell ist dem US-Präsidenten in dessen zweiter Amtszeit bereits einige Zins-Schritte entgegengekommen. Für Donald Trump ist dies aber nicht genug, er möchte noch deutlich tiefere Zinsen, obwohl die Konjunktur bis zuletzt sehr solide läuft. Die strafrechtlichen Ermittlungen gegen den Fed-Chef sind nicht zuletzt politisch motiviert – und eine indirekte Drohung an jeden Notenbanker, der in Powells Fussstapfen tritt. Die Unabhängigkeit der US-Notenbank wird offen angegriffen und steht zunehmend in Frage. Dabei lehrt die Geschichte: Unabhängige Notenbanken kontrollieren die Inflation deutlich besser als solche, die unter dem Einfluss der Regierung stehen. Ihr Job besteht darin die Spassbremse zu sein, wenn die Konjunktur zu heissläuft. Der präsidiale Blick ist zudem auch in puncto Staatsverschuldung kurzsichtig: Tiefere Leitzinsen würden die explodierenden Zinskosten des US-Schuldenbergs kaum mindern, 80 % davon besteht aus Papieren mit Laufzeiten von mehr als zwei Jahren und eine Umschichtung in ausschliesslich kurzlaufende Schulden würden internationale Investoren wohl kaum mittragen.

Quellen: Berenberg, Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank

Konjunktur-Radar

Am Puls der Wirtschaft

Davos: Fluch und Segen der Künstlichen Intelligenz Beim Weltwirtschaftsforum in Davos überwogen in puncto Künstlicher Intelligenz (KI) naturgemäss die positiven Töne von Vertretern der Technologiebranche. Doch es gab auch kritische Stimmen, unter anderem vom Internationalen Währungsfonds (IWF). So sprach IWF-Direktorin Kristalina Georgiewa von einem KI-Tsunami, der auf die Arbeitsmärkte zurollt und insbesondere jene treffen wird, die erst am Anfang ihrer Berufslaufbahn stehen. IWF-Analysen zufolge werden in den nächsten Jahren bis zu 60 % der Arbeitsplätze in den Industrieländern durch KI verbessert, umgestaltet oder abgeschafft. Die Menge an Einstiegsjobs könnte dramatisch schrumpfen – mit erheblichen Konsequenzen für die Einkommensperspektiven einer ganzen Generation. Die anektotische und statistische Evidenz eines raueren Arbeitsmarkts für Nachwuchskräfte nahm in den letzten Monaten bereits zu. Der Weckruf von Davos unterstreicht dringende Fragen zur Zukunft von Arbeitsmärkten, Bildung und sozialer Sicherheit, auf die es eher früher als später gute Antworten braucht.

Deutschland: (Noch) am unteren Ende der Wachstumsleiter

Eine Beschleunigung der ehemaligen Wachstumslokomotive Deutschland wurde bereits in den letzten zwei Jahren stets erwartet – und musste von Konjunkturforschern dann auf die lange Bank geschoben werden. Umso mehr sind die Prognosen für 2026 mit Vorsicht zu geniessen. Ein wenig mehr Optimismus scheint diesmal jedoch tatsächlich angebracht. Zwar dürfte die Geschwindigkeit, mit der sich fiskalische Stimulusmassnahmen in den Wachstumszahlen widerspiegeln werden, noch immer überschätzt werden. Die Vorzeichen sind – beispielsweise mit Blick auf die sich füllenden Auftragsbücher in der Rüstungsindustrie – aber durchaus vielversprechend. Auch der Arbeitsmarkt könnte sich einem Boden nähern. Im vierten Quartal ist die Anzahl der Arbeitslosen nur noch minim gestiegen, während die Anzahl der ausgeschriebenen Stellen erstmals seit Jahren wieder merklich anstieg. Mit einer Kehrtwende am Arbeitsmarkt und besserer Konsumstimmung könnte Deutschland die Wachstumsleiter 2027 weiter hinaufklettern – eine eins vor dem Komma wäre dann realistisch.

Schweiz: Solide Tiefzins-Insel Moderates Wachstum, tiefe Inflation, stabile Zinsen –die Schweiz bildet im bewegten globalen Makrobild einmal mehr die Ausnahme von der Regel. Nachdem im November ein medienwirksam eingefädelter Deal mit den USA erzielt wurde und die Schweizer Exporte nun ähnlich wie jene der europäischen Konkurrenz mit 15 % belastet werden, haben sich die Konjunkturperspektiven stabilisiert. Das Wachstum dürfte 2026 wieder leicht anziehen und nahezu das langfristige Wachstumspotential von rund 1.5 % erreichen. Die Teuerungsrate dürfte derweil zwar weiterhin niedrig, aber positiv bleiben und der Schweizerischen Nationalbank (SNB) keinen Anlass geben vom Nullzinsniveau abzuweichen. Die Hürde für Zinssenkungen unter die Nulllinie bleibt hoch und die Wahrscheinlichkeit für diesen Griff in den geldpolitischen Giftschrank tief. Relativ viel spricht hingegen dafür, dass die Schweizer Leitzinsen über das Jahr 2027 hinaus bei null verharren und die Eidgenossenschaft eine Tiefzins-Insel bleibt.

Unspektakulär | Schweizer Inflation im Wohlfühlbereich Inflation Schweiz und bedingte Inflationsprognose der SNB

Die Hürde für Zinssenkungen unter die Nulllinie bleibt hoch und die Wahrscheinlichkeit für diesen Griff in den geldpolitischen Giftschrank tief.

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Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank

Asset Allocation Monitor

Liquidität

Anlagestrategie

Notizen vom Investment-Komitee

Aktien

Fixed Income Global

Staatsanleihen

Unternehmensanleihen

Mikrofinanz

Schweiz

Europa

Grossbritannien

Inflationsbasierte A. USA

Hochzinsanleihen

Schwellenländeranleihen

Japan

Schwellenländer

Versicherungsbasierte A. Alternative Anlagen

Wandelanleihen Gold

Laufzeiten

Währungen

US-Dollar

Schweizer Franken

Hedgefonds

Strukturierte Produkte

Private Equity

Private Credit

Euro Infrastruktur

Britisches Pfund

Aktien: Schwellenländer auf der Überholspur

• Die globalen Aktienmärkte haben das positive Momentum aus 2025 mitgenommen und sind mit positiven Vorzeichen ins neue Jahr gestartet. Der inzwischen zweieinhalb Jahre währende Bullenmarkt, welcher letzten April nur kurz durch das Trumpsche Zoll-Gewitter unterbrochen wurde, hat zuletzt allerdings deutliche (und warnende) Spuren in der Psyche der Anleger hinterlassen. So sind die von der Bank of America (BofA) regelmässig befragten Fondsmanager so optimistisch wie seit dem Sommer 2021 nicht mehr. Eine grosse Mehrheit hat ihre Absicherungspositionen (Hedges) gegen fallende Aktienkurse in jüngster Zeit reduziert. Zugleich wurden die Cash-Quoten auf nur noch 3.2 % zurückgefahren – den tiefsten Stand in der mehr als 25-jährigen Historie der Umfrage. Der BofA Bullen / Bären-Indikator befindet sich zuletzt im tiefroten, heissgelaufenen Bereich und lässt für die nächsten drei Monate rückgängige oder stagnierende Kurse sowie tendenziell höhere Volatilität erwarten. Dies gilt zumindest für die (US-)Large-Caps im S&P 500 Index. Denn wie bereits die ersten Wochen des Jahres zeigen, könnte 2026 auch ein Jahr der Rotationen sein, in dem bisherige Aussenseiter zu Spitzenreitern werden.

• Während es mit Blick auf die Nachhaltigkeit der jüngsten Outperformance von (US-)Small-Caps auf-

Immobilien

Scorecard

Konjunktur

Geld- und Fiskalpolitik

Unternehmensgewinne Bewertung

Trend

Anlegerstimmung

grund ihrer überwiegend schwachen Fundamentaldaten durchaus Vorbehalte gibt, könnte sich die relative Stärke der Schwellenländermärkte im weiteren Jahresverlauf fortsetzen. Nach wenigen Wochen liegen sie bereits mehr als 5 % vor den Industrieländern. Rückenwind gibt es nicht allein vom schwachen US-Dollar. Zwar befindet sich der Zinszyklus auch in den Schwellenländern überwiegend im letzten Drittel, viele Notenbanken dürften in den kommenden Quartalen aber mit weiteren Zinssenkungen aufwarten. Die Skepsis der Investoren gegenüber den Wachstumsaussichten der Schwellenländer im allgemeinen und Chinas im speziellen ist noch immer hoch und widerspiegelt sich weiterhin in einer Unterpositionierung – diese könnte sich als Treibstoff für weitere Outperformance entpuppen. Aus Bewertungssicht bleiben die Schwellenländer attraktiv, auch der „KI-Trade“ ist dort günstiger als bei US-Big-Tech. Nicht zuletzt haben sich inzwi-

Zwar befindet sich der Zinszyklus auch in den Schwellenländern überwiegend im letzten Drittel, viele Notenbanken dürften in den kommenden Quartalen aber mit weiteren Zinssenkungen aufwarten.

Der Goldpreis hat seine exponentiell verlaufende Rally auch im neuen Jahr zunächst fortgesetzt. Die innen- und aussenpolitischen Geschehnisse der letzten Wochen haben jedenfalls nicht zu einem drastischen Ausverkauf bei USStaatsanleihen geführt.

schen auch die Gewinnperspektiven verbessert. Die Schwellenländer-Wette setzt damit nun nicht mehr allein auf das Schnäppchen-Argument.

• Auch bei der Frage „Europa oder USA?“ werden die Unternehmensgewinne 2026 eine wichtige Rolle spielen. Mit Blick auf die aktuell laufende Berichtssaison für das 4. Quartal sind die USA (+9 % erwartetes Gewinnwachstum) gegenüber dem alten Kontinent (-2 %) noch im Vorteil. Dieser schrumpft jedoch (+5 % vs. +2 %), wenn man die Zahlen nicht an der Marktkapitalisierung misst, sondern den Median der Unternehmen betrachtet. Die Lücke dürfte sich in den kommenden Quartalen schliessen. Eine bessere Performance von zyklischen Branchen, gepaart mit steigenden Umsätzen und Margen, könnten dafür sorgen, dass Europa die Erwartungen der Analysten dieses Jahr übertrifft.

Anleihen: Vorerst weiter seitwärts

• Der (US-)Anleihemarkt scheint sich an die erratische Politik im Weissen Haus nach einem Jahr Trump 2.0 mehr oder weniger gewöhnt zu haben. Die innen- und aussenpolitischen Geschehnisse der letzten Wochen haben jedenfalls nicht zu einem drastischen Ausverkauf bei US-Staatsanleihen geführt. Zwar sind die Langfristzinsen seit letztem Herbst etwas angestiegen, bei zuletzt 4.3 % notiert die Rendite 10-jähriger Treasuries aktuell aber im mitten in einem grossen Seitwärtskanal. Dieser wird langsam aber sicher enger und gleicht der charttechnischen Formation einer Flagge. Für die zweite Jahreshälfte verspricht dies durchaus Spannung. Denn irgendwann müssen die Kurse nach oben oder unten ausbrechen – in der Regel geschieht dies mit verstärkter Preisdynamik. Vorerst spricht aber vieles für eine Fortsetzung der Seitwärtsbewegung. Auch die US-Notenbank bzw. deren Vorsitzender Jerome Powell liess sich von den Drohungen aus Washington, D.C. im Januar nämlich nicht beeindrucken. Die Fed hielt die Leitzinsen unverändert. Sie sieht eine leichte Stabilisierung am Arbeitsmarkt und eine weiterhin sehr robuste Konjunktur. Über den Prognosehorizont sieht eine Mehrheit der Ratsmitglieder weiteren Zinsnormalisierungsbedarf. Eile besteht offensichtlich aber nicht. Und so dürften auch die Kurzfristzinsen in den kommenden Monaten auf der Stelle treten.

Alternative Anlagen: Edelmetall-Rally

• Der Goldpreis hat seine exponentiell verlaufende Rally auch im neuen Jahr zunächst fortgesetzt. Zwischenzeitlich stieg das gelbe Edelmetall um weitere 30 % auf in der Spitze 5’600 US-Dollar pro Unze. Als Erklärung für den rasanten Anstieg gelten zunehmende politische Risiken in den USA, Sorgen um die Wertbeständigkeit der Papierwährungen und strukturell höhere globale Nachfrage seitens Notenbanken sowie zuletzt auch wieder seitens der Anle-

ger. Deren spekulatives Interesse hat im Januar zur nochmaligen Aufwärtsbeschleunigung der Kurse geführt – nicht nur bei Gold, sondern auch bei Silber, Platin und Palladium. Insbesondere der Silberpreis ist zuletzt zum Spielball der Spekulanten geworden. Mit Fundamentaldaten war der Preiszuwachs von bis zu 70 % in den ersten vier Wochen des Jahres nicht mehr zu erklären. Am 27. Januar stieg der Umsatz im grössten Silber-ETF (Ticker: SLV) auf 38 Milliarden US-Dollar und war damit zwanzig Mal höher als an einem durchschnittlichen Tag – ein Exzess, der möglicherweise nicht nur eine Verschnaufpause, sondern gar eine grössere Korrektur bei den Edelmetallen einleitet.

• Zu den Profiteuren der extrem starken Trends an den Rohstoffmärkten gehören auch trendfolgende Strategien (CTAs). So hat der SG Trend Index in den letzten sechs Monaten um mehr als 20 % zugelegt. Eine dauerhafte Fortsetzung dieser hohen Dynamik ist zwar unwahrscheinlich. Investierte Anleger sollten aber weiter auf der Trendwelle reiten, schliesslich mussten die jüngsten Gewinne mit grosser Geduld in den Vorquartalen erarbeitet werden. Ihren Mehrwert in einem diversifizierten Portfolio haben CTAs zuletzt einmal mehr bewiesen.

Währungen: US-Dollar unter Druck

• Die Sorgenliste der Anleger angesichts der auf allen Ebenen erratischen Politik des US-Präsidenten ist in den letzten Wochen immer länger geworden. Egal ob der Umgang mit (ehemaligen) Verbündeten wie Dänemark in der Grönland-Diskussion, immer neuen Zolldrohungen gegenüber Handelspartnern wie Südkorea oder der nie enden wollende Bewerbungsmarathon um den neuen Fed-Vorsitz und entsprechende Fragen um die Unabhängigkeit der US-Notenbank – das Vertrauen in die USA nimmt stetig ab. Es ist ein Reputationsverlust, der sich in den letzten Wochen in einem massiven Abverkauf des US-Dollars widerspiegelte. So fiel der US-Dollar-Index ist nach dem Jahreswechsel auf den tiefsten Stand seit vier Jahren. Präsident Trump goss Ende Januar weiteres Öl ins Feuer – die Dollarschwäche besorge ihn nicht und sei „grossartig“.

• Auch aus charttechnischer Sicht ist der US-Dollar nun angeschlagen. Der langfristige Aufwärtstrend im US-Dollar-Index wurde zuletzt klar gebrochen und lässt weitere Kursverluste erwarten. Kurzfristige Gegenbewegungen sind demnächst aufgrund der überverkauften Lage jederzeit zu erwarten. Wird der Aufwärtstrend demnächst nicht zurückerobert, muss aber endgültig von einem Regimewechsel hin zu einer längeren Abwertungsphase angenommen werden. Nach Jahren teils massiver Überbewertung könnte dies den Greenback zurück in Richtung seines „fairen“ Wertes führen, welcher je nach Modell auch nach den jüngsten Kursverlusten noch immer 10  - 20 % unter dem derzeitigen Niveau liegt.

Japans Leitzinsen befinden sich bei aktuell 0.75 % im internationalen Vergleich noch immer auf eher tiefem Level. Ganz anders gestaltet sich derweil die Situation bei den Renditen langlaufender japanischer Staatsanleihen: Ein regelrechter Ausverkauf hat die Langfristzinsen in den letzten Wochen auf Rekordniveaus befördert – die 40-jährige Anleihe stieg im Januar erstmals über die Marke von 4 %. Ursache sind die Pläne der neuen Premierministerin Sanae Takaichi. Sie verspricht eine „verantwortliche Fiskalpolitik“, stellt gleichzeitig aber sinkende Steuern und Stimulierungsmassnahmen für die Wirtschaft in Aussicht. Anleger befürchten daher (zu Recht) nicht nur, dass die Staatsfinanzen Japans nach den Neuwahlen am 8. Februar aus dem Ruder laufen, sondern auch dass nach dem Deflationsproblem der letzten Jahrzehnte nun bald ein Inflationsproblem droht. Entsprechend treten sie die Flucht an. Nach den Zinsbewegungen der letzten Wochen sind japanische Staatsanleihen (währungsgesichert) inzwischen attraktiver als US-amerikanische oder deutsche Zinspapiere. Dies könnte in den kommenden Monaten zu grösseren Umschichtungen und Verwerfungen auch an anderen Anleihemärkten führen.

Chart unter der Lupe

Ein Crash in Zeitlupe | Japanische Langfristzinsen auf Rekordniveau Rendite japanischer Staatsanleihen

Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank

Durch Diversifikation

kann man – bei gleichem erwarteten Ertrag – das Risiko eines Portfolios senken.

Thema im Fokus

Diversifikation mit liquiden Alternativstrategien –mehr als ein „Free Lunch“

Diversifikation ist das einzige „Free Lunch“ an den Finanzmärkten. Deshalb gehören alternative Anlagen unbedingt in ein ausgewogenes Portfolio. So weit, so gut. Doch hinter der Börsenfloskel und dem Ratschlag aus dem Anleger-Einmaleins steckt mehr als man denkt. Denn die Kombination einer Vielzahl dekorrelierter Hedgefonds-Strategien ist – ähnlich wie der Zinseszinseffekt – ein kleines Anlagewunder, das gerade in Zeiten hoch bewerteter Aktienmärkte und geopolitischer Unsicherheit einen Mehrwert fürs Anlegerportfolio bringt.

Die Theorie zum kostenlosen Mittagessen „There is no such thing as a free lunch” – so lautete die eigentliche Aussage von Harry M. Markowitz, dem Nobelpreisträger und Vater der Modernen Portfoliotheorie (MPT). Die Abwandlung „Diversification is the only free lunch (in investing)” ist hingegen kein Zitat, sondern ein geflügeltes Wort aus der MPT-Schule, das von Anwendern der Theorie (u.a. Merton, Sharpe, Statman, Bernstein, Swensen) und Finanzökonomen allgemein gern popularisiert wurde. Im Kern geht es um folgende Erkenntnis: Durch Diversifikation kann man – bei gleichem erwarteten Ertrag – das Risiko eines Portfolios senken. Man muss also keinen „Preis“ in Form von Renditeeinbussen zahlen. Im Falle eines reinen Aktienportfolios lässt sich das (idiosynkratische) Einzeltitel-Risiko beispielsweise „gratis“ reduzieren, indem man nicht in 5, sondern in 50 oder gar 500 Titel investiert. Dabei verzichtet man nicht auf erwartete

Mehr Rendite und / oder weniger Risiko | Diversifikation machts möglich Verschiebung der Effizienzgrenze durch Beimischung von Hedgefonds („Liquid Alternatives“)

Rendite, sondern eliminiert nur „unnötiges“ Risiko. Das (systematische) Markt-Risiko der Aktienanlage, also Kursschwankungen aufgrund von Zinsänderungen, Rezessionen oder geopolitischen Schocks, lässt sich durch die Streuung über viele Einzeltitel allerdings nicht komplett reduzieren – es ist der Preis fürs Investieren (bzw. für die daraus resultierende Rendite).

Der Mehrwert der Diversifikation wird in der Markowitz-Welt in der Regel anhand der Effizienzgrenze (Efficient Frontier) aufgezeigt: Für eine gegebene Rendite gibt es stets ein Portfolio mit minimalem Risiko bzw. minimaler Volatilität. Ein schlecht diversifiziertes Portfolio liegt unterhalb dieser Grenze und beinhaltet mehr Risiko als eigentlich nötig. Durch Diversifikation nähert man sich der Effizienzgrenze an und verbessert ohne zusätzliche Kosten die Rendite / Risiko-Relation eines Portfolios. Ergänzt man ein klassisches Portfolio, bestehend aus Aktien und Anleihen, um alternative Anlagen (Gold, Immobilien, Hedgefonds), lässt sich die Effizienzgrenze sogar nach oben verschieben, so dass ein weiterer Effizienzgewinn – sprich gleiche Rendite bei weniger Risiko – erzielt werden kann. Da liquide Alternativen von Anlegern meist nur in geringer Dosis beigemischt werden (selten mehr als 10 %), hält sich dieser positive Effekt in der Regel jedoch in Grenzen. Oft werden die Vorteile der Diversifikation nicht vollends ausgeschöpft.

Quelle: Kaiser Partner Privatbank

Korrelationen sind entscheidend

Um die Rendite / Risiko-Eigenschaften eines Portfolios mittels Diversifikation zu verbessern bedarf es nur einer Bedingung: Die kombinierten Anlagen dürfen nicht perfekt korreliert sein – also nicht jeweils zur gleichen Zeit in die gleiche Richtung laufen (Korrelation = 1). Je tiefer die Korrelation zwischen Anlage A und Anlage B, desto grösser ist der Diversifikationseffekt (in Form sinkender Portfolioschwankungen und geringerer Verluste in Korrekturphasen). Den grössten Effekt gibt es bei einer Korrelation von -1 – dann bewegen sich A und B jeweils in die entgegengesetzte Richtung (wenn A „zick“ macht, macht B „zack“). Im Falle eines reinen Aktienportfolios ist es daher besser Titel aus verschiedenen zyklischen und defensiven Branchen (z.B. Banken, Technologie, Gesundheit, Versorgung) zu kombinieren anstatt alles auf die „Magnificient 7“ zu setzen – letztere bewegen sich häufig synchron, was den Diversifikationseffekt verringert.

Allerdings hat auch die Diversifikationswirkung eines breit gestreuten Aktienkorbs Grenzen: In Stressphasen schiessen die Korrelationen zwischen normalerweise unabhängigen Aktiensektoren häufig in die Höhe. Gerade zum Zeitpunkt, in dem Diversifikation benötigt wird, versagt sie in diesen Fällen regelmässig ihren Dienst. Die Antwort auf dieses Problem war – zumindest für lange Zeit – das klassische gemischte Portfolio aus Aktien und Anleihen. Die Idee dahinter: Die beiden Anlageklassen sind negativ korreliert – wenn die Aktien an Wert verlieren, wirken die Anleihen als Fallschirm für das Portfolio, weil deren Preise zur gleichen Zeit steigen. Gerade in den USA gilt das 60 / 40-Portfolio (60 % Aktien und 40 % Anleihen) daher als solider, diversifizierter Anlage-Standard. Umso überraschender war für viele Anleger darum das Jahr 2022, als die Korrelation zwischen Aktien und Anleihen positiv wurde und beide Anlageklassen plötzlich gleichzeitig nach unten tendierten. Wer der Sache auf den Grund ging stellte fest, dass die Phase zwischen 2000 und 2020 womöglich ein Sonderfall war. Denn auch in den Jahrzehnten davor waren Aktien und Anleihen positiv korreliert und das simple gemischte Portfolio wenig resistent gegen Kursabschwünge am Aktienmarkt.

Genau an dieser Stelle kommen liquide Alternativanlagen („Liquid Alternatives“) bzw. Hedgefonds ins Spiel. Hinter diesem – zu Unrecht häufig etwas negativ konnotierten Oberbegriff – stecken eine Vielzahl von Anlagestrategien, die eines gemeinsam haben: Sie versuchen eine von der Entwicklung am (Aktien) Markt möglichst unabhängige Rendite zu erzielen. Je nach Spielart liegt ihr Gleichlauf mit dem Akti-

Eine böse Überraschung | Im letzten Bärenmarkt hat der Anleihen-Fallschirm versagt

Aktien, Anleihen und das 60/40-Portfolio

Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank

Alpha statt Beta… | …und Mehrwert statt Risiko Mögliche Hedgefonds-Strategien innerhalb eines Multi-Strategie-Portfolios

Trend & Contrarian: Nutzt Preismuster, um Phasen der Unter- bzw. Überbewertung zu erkennen, und kombiniert Momentum- mit Mean-Reversion-Strategien über verschiedene Zeithorizonte

Netzwerke: Nutzt marktübergreifende Dynamiken und Beziehungen zwischen Instrumenten und extrahiert Signale daraus, wie sich Assets gegenseitig beeinflussen

Sentiment: Entschlüsselt Wahrnehmungen und Überzeugungen von Marktteilnehmern aus vielfältigen Datenquellen und übersetzt Stimmung in umsetzbare Prognosen

Defensiv: Strategien zur Minderung des AktienDrawdown-Risikos und zur Erhöhung der Portfoliokonvexität – mit dem Ziel, Stabilität und Schutz in Abschwüngen zu bieten

Aktienselektion: Identifiziert Unter- bzw. Überbewertungen auf Einzeltitelebene

Quelle: Kaiser Partner Privatbank

Arbitrage: Nutzt Ineffizienzen, u. a. über Preismuster; kombiniert Momentum- und MeanReversion-Ansätze über unterschiedliche Zeiträume

Muster: Zielt auf saisonale und zyklische Effekte ab, um wiederkehrende Muster im Anlageuniversum auszuschöpfen

Fundamentales Makro: Verwendet Fundamentaldaten und makroökonomische Inputs, um Finanzinstrumente zu prognostizieren, Ineffizienzen zu nutzen und Risikoprämien zu erschliessen

Yield Capture: Nutzt Renditeunterschiede zwischen verschiedenen Assets und passt isch Marktbedingungen sowie Makrofaktoren an, um Erträge zu optimieren

enmarkt im moderat positiven Bereich (z.B. Macro ~0.3 bis 0.5), nahe null (z.B. Aktien Long / Short marktneutral) oder gar im leicht negativen Bereich (z.B. Arbitrage und Quant ~-0.3 bis -0.1). Bleiben diese Korrelationen auch in Stressphasen am Finanzmarkt stabil, dann werden Hedgefonds ihrem Namen gerecht und „hedgen“ ein Anlageportfolio gegen Kursverluste.

Bleiben diese Korrelationen auch in Stressphasen am Finanzmarkt stabil, dann werden Hedgefonds ihrem Namen gerecht und „hedgen“ ein Anlageportfolio gegen Kursverluste.

Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank

Da viele HedgefondsStrategien auch untereinander nur mässige bis tiefe Korrelationen aufweisen, bewirkt deren Kombination in einem Multi-Strategie-Portfolio ein kleines Anlage-Wunder.

Das 9. Weltwunder Doch es geht noch besser. Da viele Hedgefonds-Strategien auch untereinander nur mässige bis tiefe Korrelationen aufweisen, bewirkt deren Kombination in einem Multi-Strategie-Portfolio ein kleines Anlage-Wunder. Die Gesamtrendite des Portfolios entspricht – wie zu erwarten – dem Durchschnitt der zusammengemixten Strategierenditen. Womöglich überraschend ist hingegen der Diversifikationseffekt: Die Volatilität des MultiStrategie-Portfolios und sein maximaler Wertverlust reduzieren sich im Vergleich zum Durchschnitt der Einzelstrategien mitunter erheblich. Die risikoadjustierte Rendite des Gesamtportfolios wird erheblich verbessert – und häufig deutlich besser als es die Kennzahlen

Alpha-Frühling | Aktienähnliche Renditen sind wieder möglich

Netto-Performance von Hedgefonds, nach Kategorie (2023 – 2025 annualisiert)

der einzelnen Strategien vermuten lassen würden. Im Performance-Chart eines solchen Multi-Strategie-Portfolios resultiert eine Linie, die ohne grössere Rückschläge nach oben tendiert – und einen Anleger bei jeder Wetterlage am Finanzmarkt ruhig schlafen lässt.

Eine gute Zeit für liquide Alternativen Ein solches Portfolio aus liquiden Alternativstrategien kann, darf (und sollte) daher auch mehr sein als eine homöopathische Beimischung zu einem Standardportfolio. Vielmehr ist es für sich selbst betrachtet eine vollwertige („Allwetter“-)Anlagestrategie. Apropos Wetter – die Wetterlage für Hedgefonds und damit auch die Argumente für eine grössere Allokation zu „Liquid Alternatives“ hat sich gleich in doppelter Hinsicht verbessert. Zum einen ist der „Alpha-Winter“ der 2010er Jahre vorbei. Diese Zeit, gekennzeichnet durch Globalisierung, Dauer-Interventionen der Notenbanken (Tiefstzinsen und Quantitative Easing) und tiefe Volatilität an den Finanzmärkten, war für Hedgefonds eine Dürreperiode mit enttäuschender Performance. Im neuen Marktregime der 2020er, welches durch Regionalisierung und erhöhte geopolitische Unsicherheit sowie höhere Zinsen und gestiegene Volatilität geprägt ist, haben sich die Opportunitäten für Hedgefondsmanager hingegen massiv erhöht – in den guten Performancezahlen der letzten fünf Jahre, in denen das Top-Quartil der (Multi-Strategie-)Hedgefonds zweistellige Renditen erzielen konnte, spiegelt sich das verbesserte Umfeld bereits wider.

Zum anderen haben sich gleichzeitig die längerfristigen Perspektiven für den Aktienmarkt eingetrübt – zumindest dann, wenn die „Regeln“ der Vergangenheit auch zukünftig gelten. Zwar ist die Bewertung des Aktienmarkts auf kurze Sicht kein gutes Timing-Tool. Auf lange Sicht war sie jedoch stets ein verlässlicher Indikator für die Performance der nächsten zehn Jahre. Zu Beginn des Jahres 2026 heisst dies konkret: Angesichts des derzeitigen Kurs / Gewinn-Verhältnisses von 22 × für den (US-)Aktienmarkt sind im kommenden Jahrzehnt bestenfalls marginal positive Aktienrenditen zu erwarten – insbesondere die Realrenditen (nach Abzug der Inflation) dürften enttäuschen. Die Diversifikation in tiefer bewertete Aktienmärkte ex USA kann helfen, dieses „Anlage-Problem“ zu entschärfen. Ein Multi-Strategie-Portfolio aus „Liquid Alternatives“ ist möglicherweise aber die noch bessere Variante um auch in den nächsten Jahren – unabhängig von der Entwicklung an den Finanzmärkten und bei geringen, nervenschonenden Schwankungen – aktienähnliche Renditen zu erwirtschaften.

Kurzfristig ist alles möglich… | …aber langfristig dürften die Aktienmärkte enttäuschen

Zusammenhang von Aktienbewertung und zukünftigen Renditen

Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank

Performance per 31. Januar 2026

Die letzte Seite Anlageklassen

Assetklasse YTD 1 Monat 1 Jahr 3 Jahre* Index Cash

0.00%

Verzinsliche Anlagen

Staatsanleihen USA - 0.41% - 0.41% 7.24% 2.48% Bloomberg US Govt 7-10 Yr Bond Index (USD) USA inflationsgeschützt 0.31% 0.31% 5.97% 3.70% Bloomberg US Treasury Inflation-Linked Bond Index (USD) Deutschland 0.63% 0.63% 0.42% 1.49% Bloomberg Germany Govt 7-10 Yr Bond Index (EUR)

Vereinigtes Königreich 0.05% 0.05% 5.29% 1.87% Bloomberg UK Govt 7-10 Yr Bond Index (GBP) Schweiz - 0.94% - 0.94% 1.54% 6.32% Bloomberg Switzerland Govt 7-10 Yr Bond Index (CHF) Unternehmensanleihen

US Investment Grade 0.32% 0.32% 7.49% 5.82% Bloomberg US Corporate 3-5 Yr Index (USD) EU Investment Grade 0.69% 0.69% 4.04% 4.99% Bloomberg European Corporate 3-5 Yr Index (EUR) US High Yield 0.51% 0.51% 7.70% 8.88% Bloomberg US Corporate High Yield Index (USD) EU High Yield 0.80% 0.80% 5.21% 8.03% Bloomberg Pan-European High Yield Index (EUR)

Andere Anleihen

Schwellenländer 0.26% 0.26% 12.70% 9.18% JPMorgan EMBI Global Core

(GBP)

(CHF)

*annualisiert

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Herausgeberin: Kaiser Partner Privatbank AG Herrengasse 23, Postfach 725 FL-9490 Vaduz, Liechtenstein HR-Nr. FL-0001.018.213-7

T: +423 237 80 00, F: +423 237 80 01

E: bank@kaiserpartner.com

Redaktion: Oliver Hackel, Head of Private Markets & Liquid Alternatives

Design & Druck: 21iLAB AG, Vaduz, Liechtenstein

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