Skip to main content

JMB Journal Nr 28 Stay Curious

Page 1


J O U RN A L

NEUGIERIG BLEIBEN STAYING CURIOUS

Ausstellung

Exhibition

Daniel Libeskind –Between the Lines

Hetty Berg

DE „Warst Du schon im Libeskind-Bau?“ Im Berlin der 1990er-Jahre war diese Frage oft zu hören. Das ungewöhnliche Gebäude des Architekten Daniel Libeskind, das nun am Rande Kreuzbergs zwischen hohen Wohnblocks stand, weckte Neugier. 350.000 Besucher*innen staunten sich noch vor der Eröffnung des Jüdischen Museums Berlin durch die leeren Räume und diskutierten: über die Voids , die die durch die Schoa entstandene Leere in das Gebäude einschreiben, über Erinnerungskultur und immer wieder darüber, wie die imposanten Ausstellungsräume wohl bestückt wirken würden. Im September 2001 öffnete das Jüdische Museum Berlin unter seinem ersten Direktor W. Michael Blumenthal die Türen dem Publikum – das weiter staunte, fragte, diskutierte.

Von Beginn an prägten Neugier und Diskussion also unser Haus, und ich bin davon überzeugt, dass das eine nicht ohne das andere funktioniert: Nur durch Fragen, nur durch Neugier auf andere können wir in einen fruchtbaren Austausch treten, der – je angespannter die politische und gesellschaftliche Lage, desto mehr – zu jeder funktionierenden Gesellschaft gehört.

Neugier treibt uns Museumsmenschen jeden Tag an. Neugier ist auch, wie der Astrophysiker Mario Livio schreibt, ein Mittel des Widerstands. Daniel Libeskind nennt die Neugier im Interview eine milde Form des Staunens; Letzteres bewirke eine Rebellion. Welche Fragen bewegen junge Erwachsene? Im Porträt geben unsere jüngsten Kolleg*innen Antwort. Darüber, wie uns Neugier bei der Erschließung unserer Familiensammlungen zu Momenten der Geschichte führt, schreibt die Kuratorin Theresia Ziehe. Die wichtigsten Fragen stellen Kinder: für sie und alle, die Lust haben, gibt es zum 5-jährigen ANOHA-Jubiläum in diesem JMB Journal ein Angebot zum Lesen, Basteln und Ausprobieren. Gemeinsam mit dem JMB begehen auch die FREUNDE DES JMB ihren 25. Geburtstag: Highlights aus 25 Jahren Unterstützung haben wir hier in Text und Bild zusammengestellt. Ich lade Sie herzlich ein, mit uns zu feiern! Besuchen Sie unsere kostenlosen Jubiläumsveranstaltungen, Konzerte und Familiensonntage – und auch online gibt es viel zu entdecken. In jedem Fall: Bleiben Sie neugierig!

EN “Have you been in the Libeskind building yet?” That was a common question in Berlin in the 1990s. Curiosity was sparked by the unusual building by the architect Daniel Libeskind, which now stood between high-rise apartment buildings at the edge of Kreuzberg. Even before the opening of the Jewish Museum Berlin, 350,000 visitors were amazed as they walked through the empty rooms discussing: the Voids, through which the emptiness left behind by the Shoah is inscribed into the building; the culture of remembrance; and again and again, the impact that the impressive exhibition space would have when it was filled. In September 2001, the Jewish Museum Berlin opened its doors to the public under its first director W. Michael Blumenthal. And the amazement, questions, and discussions have continued ever since. From the outset, curiosity and discussion have shaped our institution, and I am certain that the one cannot function without the other. Only by asking questions and by being curious about new things can we enter into a productive exchange that is part and parcel of every functioning society— all the more in tense political and social situations.

Curiosity drives us as museum people every day. The astrophysicist Mario Livio describes it as a means of resistance. In his interview, which you can read here, Daniel Libeskind refers to curiosity as a mild form of wonder, which he feels leads to rebellion. What moves young adults? Our youngest colleagues give us their answers in the photo series “Questions for Today.” The curator Theresia Ziehe writes about how curiosity helps us discover historical details while working with our family collections. The most important questions, however, are raised by children. In this JMB Journal, on the occasion of ANOHA’s fifth birthday, we offer children, and anyone interested, something to read, craft, and experiment with. Together with the JMB, the FRIENDS OF THE JMB are celebrating their twenty-fifth birthday. We have compiled highlights from these twenty-five years of support. I would like to warmly invite you to celebrate with us! Visit our anniversary events, concerts, and Family Sundays, all free of charge! Online there is also a lot to discover. But most important: stay curious!

Ihre / Yours,

Interview Interview

Hetty Berg Neugierig machen mich Menschen It’s People Who Make Me Curious 26

Mario Livio Neugier ist das beste Mittel gegen Angst Curiosity Is the Best Remedy for Fear

Ausstellung Exhibition

Miriam Goldmann Between the Lines.

Daniel Libeskind und das Jüdische Museum Berlin Between the Lines: Daniel Libeskind and the Jewish Museum Berlin

Interview Interview

Daniel Libeskind Pass Dich nicht an! Don’t Conform! 58

Walter Benjamin Reiseandenken Travel

60

FREUNDE DES JMB FRIENDS OF THE JMB Highlights aus 25 Jahren Freundschaft Highlights from 25 Years of Friendship

66

Theresia Ziehe Wer erzählt uns Geschichte? Who Tells Us History?

74

Jubiläumsausstellung Anniversary Exhibition

Das Gegenteil von Jetzt The Opposite of Now

76

Ha Van Dinh

TikTok: Ein Lern- und Begegnungsort

TikTok: A Place to Meet and Learn

81

JMB App Junge Perspektiven Young Perspectives

82

Ane Kleine-Engel 5 Jahre ANOHA 5 Years of ANOHA

94 Impressum Credits

Scannen Sie unsere QR-Codes, um mehr zu entdecken!

Scan our QR codes to discover more!

Herzlichen Glückwunsch!

Seit einem Vierteljahrhundert steht das Jüdische Museum Berlin für Erinnerung, Dialog und kulturelle Vielfalt.

Wir sagen Danke und sind stolz, diesen Weg als Partner begleiten zu dürfen.

Wolfram Weimer

Staatsminister für Kultur und Medien

Federal Government Commissioner for Culture and the Media

DE Wir leben in Zeiten großer Veränderungen – auch in einer Zeitenwende der Wahrnehmung: Deepfakes, KI-generierte Halluzinationen und algorithmische Erregungskurven konkurrieren miteinander um Aufmerksamkeit. Das Digitale ist flüchtig, manipulierbar, körperlos. In diesen Zeiten wird das Museum zu einem Ort, der Gewissheit schenkt. Wer ins Museum geht, sucht eine Begegnung mit der Realität. Es steht deshalb völlig außer Frage: Wir brauchen gerade jetzt couragierte Museen, die als Orte des Vertrauens gesellschaftliche Prozesse verantwortungsvoll abbilden und mitgestalten. Das Jüdische Museum Berlin (JMB) ist ein solcher Ort. Ein Ort, der zum Betrachten und Begreifen, zum Nachfragen und zum Diskutieren einlädt – und dies für Menschen jeden Alters und jeder Herkunft. Mit der Kinderwelt ANOHA wird bereits den Jüngsten in unserer Gesellschaft die Möglichkeit geboten, sich spielerisch der Vielfalt und Vielschichtigkeit jüdischer Kultur zu nähern. Der Anspruch, ein Museum zum Mitmachen zu sein, setzt sich auch an anderer Stelle fort: Innovativ und fundiert zugleich vermittelt das JMB seit seiner Eröffnung den Reichtum der jüdischen Kultur und bietet dabei stets eine Gegenwelt zur flüchtigen Gegenwart.

In diesem Jahr nun feiert dieses eindrucksvolle Haus sein 25-jähriges Bestehen. In schwierigen Zeiten sind Orte, die Verstehen und Verständigung ermöglichen, wichtiger denn je. Ich danke der Stiftung unter ihrer Direktorin Hetty Berg ausdrücklich für ihren engagierten Einsatz und für seine öffentlichkeitswirksame Bildungsarbeit. Dem JMB wünsche ich, dass es auch zukünftig ein Ort ist, an dem Besucherinnen und Besucher Kontext, Klarheit und Inspiration finden.

EN We are living in times of great change, and in a perceptual turning point: deepfakes, AI-generated hallucinations, and algorithmic excitation curves are all competing with each other for attention. Everything digital is fleeting, manipulable, immaterial. In these times, the museum becomes a site that offers certainty. Whoever goes to a museum seeks an encounter with reality. Therefore, there is absolutely no question that we now need courageous museums that, as places of trust, responsibly represent and help shape social processes. The Jewish Museum Berlin (JMB) is such a place, inviting all to come and look and understand, to ask questions and to discuss. And it speaks to people of all ages and backgrounds. With the ANOHA Children’s World, it offers the youngest in our society a playful opportunity to approach the diversity and complexity of Jewish culture. Its aspiration to be an interactive museum continues throughout: Both innovative and well-founded, the JMB has been sharing knowledge on the richness of Jewish culture since it opened, thereby always offering a counterworld to the fleeting present day.

This impressive institution is celebrating its twenty-fifth anniversary this year. In difficult times, places that further understanding and communication are more important than ever. I would like to thank the foundation under the direction of Hetty Berg expressly for its dedicated commitment and its public awareness education work. My wish for the JMB is that it continues in the future to be a place where visitors can find context, clarity, and inspiration.

Fragen

Am JMB haben junge Menschen verschiedene Möglichkeiten, Einblicke in die Museumsarbeit zu bekommen: im Rahmen eines Praktikums oder während eines Freiwilligen Sozialen Jahres. Sie alle bringen eigene Perspektiven, Vorstellungen und Wünsche mit. Acht von ihnen –gerade mit dem Schulabschluss in der Tasche oder bereits im Studium – haben wir porträtiert.

Welche Fragen beschäftigen sie? Was macht sie neugierig?

Questions for Today

The JMB offers young people a range of opportunities to gain insight into museum work, with an internship or as part of a government­funded Voluntary Social Year (FSJ). They all bring along their own viewpoints, plans, and ideals. We introduce eight of our young colleagues—some who have just finished high school, others who are already at university. What are the issues that concern them? What makes them curious?

Seite 9 / Page 9 :

Lara, FSJ Kultur im Bereich Ausstellungen

Was werde ich in der Zukunft ausprobieren, wovor ich jetzt Angst habe?

Ich habe viele Fragen an mein Zukunfts­Ich: Ich möchte so vieles einmal ausprobieren, auch Dinge, vor denen ich jetzt zurückschrecke, Fallschirmspringen, zum Beispiel. Neugierig macht mich die ganze Welt, die Kulturen, die Länder, die es gibt; mein

Ziel ist es, so viel zu wissen, wie man lernen kann. Vor der KI habe ich viel Respekt: Es wurde erst so wenig dazu geforscht und schon so viel erreicht, und ich frage mich, ob wir irgendwann gar nicht mehr arbeiten müssen.

Lara, FSJ cultural volunteer, Exhibitions

What will I try out in the future that scares me now?

I have a lot of questions for my future self. There’s so much that I’d like to try out

one day, including things I’m afraid of doing now—like a parachute jump. What makes me curious is the whole world, all the cultures, the countries. My goal is to know as much as it’s possible to learn. I take AI very seriously: there is so little research about it so far, and so much has already been achieved. I ask myself whether one day we may no longer need to work at all.

Arthur, FSJ Kultur im Bereich Bildung Will ich wissen, wie die Zukunft aussieht?

Alles, was gerade passiert, deutet nicht unbedingt auf eine gute Zukunft hin. Ich denke viel darüber nach, ob ich nur meine Wahrnehmung oder die wirklichen Umstände verändern kann. Neugierig werde ich, wenn etwas nicht vorgesehen oder sogar verboten ist; wenn meine Neugier in einem Konflikt zu anderen Werten steht, wie Sicherheit oder Höflichkeit.

Arthur, FSJ cultural volunteer, Education

Do I want to know what the future will be like? What’s happening at the moment doesn’t really seem to point to a good future. I think a lot about whether I can change the actual situation or only my perceptions of it. I get curious when something is discouraged or even forbidden—or when my curiosity comes into conflict with other values, like safety or courtesy.

Toni, FSJ Kultur in ANOHA, der Kinderwelt des JMB

Was können wir machen, um friedlicher zusammenzuleben und die Klimakrise zu bewältigen?

Wir sind alle unterschiedlich, und ich finde, das soll auch so sein. Aber gemeinsam müssen wir es schaffen, nachhaltiger und umweltfreundlicher zu leben. Im Moment bereite ich für die Familiensonntage am JMB eine neue Architekturführung vor, das passt gut, denn ich würde gern Architektur studieren. Neugierig bin ich im Moment vor allem darauf, wie mein Leben in ein paar Monaten aussehen wird!

Toni, FSJ cultural volunteer at ANOHA, the Children’s World of the JMB

What can we do to live together more peacefully and tackle the climate crisis? We are all different, and so we should be. But we have to act together to live in a more sustainable and environmentally friendly way. I’m currently preparing a new architecture ­themed tour for the JMB’s Family Sundays. That suits me well, because I would like to study architecture. What I’m mainly curious about at the moment is what my life will be like in a few months’ time!

Riu, FSJ Kultur im Bereich

Visitor Experience & Research

Warum gibt es internationales Recht, wenn Rechtsbrüche ohne Konsequenz bleiben?

Die Ungerechtigkeiten, die ganzen Kriege und die Verletzungen von Menschenrechten, die im Moment passieren, beschäftigen mich sehr. Ich wüsste gern, wie das Museum sich verändert und wie es in 50 Jahren aussieht. Neugierig macht mich das Universum, und ich finde es ein bisschen traurig, dass ich nie erfahren werde, was die Leute darüber in hundert Jahren wissen.

Riu, FSJ cultural volunteer, Visitor Experience & Research

Why does international law exist if breaching it has no consequences?

The injustices, all these wars, and the violations of human rights that are happening at the moment are very much on my mind. I would love to know how the museum will change and what it will look like in fifty years’ time. What I’m curious about is the universe, and I’m sad that I’ll never know what people will have found out about it a hundred years from now.

Anne ­ Eline, Studium der Kommunikationswissenschaft, Praktikum bei Jewish Places im Bereich

Digital & Publishing

Wie kann vermittelt werden, wie wertvoll Frieden ist?

Nach dem Abi habe ich einen Freiwilligendienst in Israel gemacht. Nachdem ich wieder in Deutschland war, wurde mir klar, welch andere Realität ich in Israel im Hinblick auf Frieden und Sicherheit kennengelernt habe. Dieses

Bewusstsein ist sehr wichtig für mich. Mich macht neugierig, was Menschen bewegt und was sie erlebt haben. Das motiviert mich, immer neue Fragen zu stellen.

Anne ­ Eline, communication science student, intern with Jewish Places , Digital & Publishing

How can we convey how valuable peace really is?

After graduating from high school, I did voluntary service in Israel. When I came

back to Germany, I realized what a different reality I had encountered in Israel with regard to peace and security. That awareness is very important to me. I’m curious to know what motivates people and what they have experienced. It drives me to keep asking new questions.

Philippe, Praktikant im Bereich Ausstellungen Was kostet das alles? Mich beschäftigen zurzeit viele Fragen rund um die Verbindung von Wirtschaft und Kultur: Kann und muss sich Kultur wirklich – auch wirtschaftlich – rentieren? Und wie sieht es dann mit Künstlicher Intelligenz aus? Neugierig macht mich, was im Leben, also dem, was

alles so um einen herum passiert, gebraucht wird. Und ich bringe gern Sachen und Perspektiven zusammen, bei denen man nicht immer sofort eine Verbindung sieht. Philippe, intern, Exhibitions What is it all going to cost? At the moment, I’m thinking a lot about questions around the links between culture and the economy. Can, or should, culture really “pay off” in an

economic sense as well? And if so, what about artificial intelligence? I’m curious about what we need in our lives—that is, in everything that goes on around us. I like to bring together things and perspectives that may not immediately seem to be connected.

Emily, FSJ Kultur in der JMB ­ Bibliothek

Wo befinde ich mich in einem Jahr?

Ich weiß momentan nicht, wie es weitergeht, nicht nur beruflich, sondern auch wohnungstechnisch. Neugierig machen mich Tiere, Pflanzen, alle Arten von Kunst. Vor allem aber Bücher, die sind meine Leidenschaft. Irgendwann will ich unbedingt ein eigenes Buch schreiben.

Emily, FSJ cultural volunteer, JMB Library

Where will I be a year from now?

At the moment, I don’t know what my future will bring, either in terms of work or regarding an apartment. What makes me curious are animals, plants, art of every kind—but especially books: they’re my passion. I’m determined to write a book of my own one day.

Jan, Gedenkdiener, JMB ­Archiv Zu welchen Orten werden Museen und Archive?

Im Archiv halte ich jeden Tag historische Dokumente in den Händen; die sind teilweise so schön! Ich finde es unglaublich spannend, damit zu arbeiten, Geschichte macht mich sehr neugierig. Durch die Digitalisierung ändern sich die Erfahrungen in den Museen und ich bin sehr gespannt darauf, diese Veränderungen mitzuerleben. Jan, Austrian Holocaust Memorial Service volunteer, JMB Archive

What kind of places will museums and archives become?

Every day at the archive, I hold historical documents in my hands. Some of them are so great! I find it incredibly exciting to work with them— I’m very curious about history. Digitalization is changing people’s experience of museums. I’m greatly looking forward to participating in those changes.

25 THANK

YOU

Das Jüdische Museum Berlin dankt allen Förderinnen und Förderern, Stiftungen, Partnern sowie den FREUNDEN DES JMB und den FRIENDS OF THE JEWISH MUSEUM BERLIN IN THE U.S. von Herzen für ihre fortwährende Unterstützung.

Mit Ihrer Hilfe ist und bleibt das Museum ein lebendiger Ort der Erinnerung, der Begegnung und des Lernens.

THANK YOU for 25 years of solidarity and friendship!

The Jewish Museum Berlin extends its heartfelt thanks to all patrons, foundations, partners, as well as to the FREUNDE DES JMB and to the FRIENDS OF THE JEWISH MUSEUM BERLIN IN THE U.S. for their ongoing support.

With your help, the museum is and will remain a vibrant place of remembrance, encounter, and learning.

25DANKE für 25 Jahre Verbundenheit, Freundschaft und Förderung!

Neugierig machen mich vor allem Menschen It is especially people who make me curious

Ein Interview mit Hetty Berg

An Interview with Hetty Berg

25 Jahre Jüdisches Museum Berlin – Direktorin Hetty Berg spricht über die Entwicklung des Museums von den Anfängen bis heute, über Herausragendes und Herausforderndes und darüber, was es braucht, um die Zukunft positiv zu gestalten: Vielfalt, Unvoreingenommenheit und Neugier. Twenty­five years of the Jewish Museum Berlin—Director Hetty Berg talks about the development of the museum from the beginnings to today, about what has been outstanding and challenging, and about what is necessary in shaping a positive future: multiplicity, an open mind, and curiosity.

Liebe Hetty, was macht dich neugierig?

Menschen! Andere Menschen machen mich neugierig: Ich finde interessant und vor allem schön, was auf das erste Wahrnehmen einer Person folgt, was sich nach einem ersten Eindruck alles eröffnen kann! Man kann so viel mehr erfahren und entdecken. Ich nehme oft ein Taxi und komme meistens mit der Fahrerin oder dem Fahrer ins Gespräch. Neulich fuhr ich mit einem Mann, der aus Togo kam. Es stellte sich heraus, dass er Hebräisch lernt, weil er sich zu einem der verlorenen Stämme Israels zählt. Wir sprachen ein bisschen Hebräisch und er zeigte mir Fotos.

Das JMB feiert in diesem Jahr sein 25. Jubiläum. Worauf freust du dich?

Dieses Jubiläum ist ein Anlass, um die Aufmerksamkeit in besonderer Weise auf unser Museum zu lenken und so auch jene Menschen anzusprechen, die wir bisher nicht erreicht haben. Ich freue mich auf die vielen Aktivitäten, Programme und auf unsere Ausstellungen, aber auch auf die Kampagnen, die das alles begleiten. Im Rahmen unseres digitalen Projekts Jewish Places planen wir zum Beispiel eine interessante Initiative im öffentlichen Raum: In ausgewählten Städten möchten wir dazu anregen, online Informationen zu jüdischen Orten zu sammeln. Zwei Ausstellungen setzen in diesem Jahr starke Akzente: „Between the Lines. Daniel Libeskind und das Jüdische Museum Berlin“ reflektiert ab Mai

Architektur, Gründung und frühe Selbstverortung des Hauses. „Das Gegenteil von Jetzt. Künstlerische Wege in eine andere Gegenwart“ richtet den Blick ab September nach vorn – auf Ambivalenzen, Kontroversen und verschiedene Möglichkeiten, die Gegenwart zu verändern. Und die Kinderwelt ANOHA wird 5 Jahre alt – dieser Geburtstag mit großer Party wird ein echtes Highlight! Und dann freue ich mich schon jetzt darauf, wenn wir zu Chanukka auf ein reiches und gelungenes Jubiläumsjahr zurückblicken können.

Das JMB gilt als Vorreiter hinsichtlich seiner Bildungs- und OutreachProgramme. Welche Formate begeistern dich?

Die Bildungsarbeit hatte im JMB von Anfang an eine große Bedeutung und ist gerade in dieser Zeit besonders wichtig. Wir setzen auf ganz unterschiedliche Angebote und Zugänge: In der Dauerausstellung haben wir einen Debattenraum, in dem wir Filme zeigen, die zu Reflexion und Diskussion über Diskriminierung und gesellschaftliche Vielfalt anregen, das funktioniert sehr gut. In dem Projekt JMB on.tour besuchen Vermittlerinnen und Vermittler mit einer mobilen Ausstellung Schulklassen in ganz Deutschland und machen mit den Jugendlichen Workshops dazu. Seit Projektbeginn 2007 haben sich in diesem Rahmen schon mehr als 85.000 Schülerinnen und Schüler aktiv mit der Vielfalt jüdischer Kultur, Religion, Geschichte und Gegenwart auseinandergesetzt. Da findet ein echter

Dear Hetty, what makes you curious?

People! Other people make me curious. I find interesting and particularly delightful what follows the initial perception, how someone can open up after the first impression! There is so much more to learn and discover. I often take a taxi and usually get into a conversation with the driver. I recently drove with a man from Togo. It turned out that he is learning Hebrew since he regards himself to belong to a lost tribe of Israel. We spoke a little Hebrew and he showed me some photos.

The JMB is celebrating its twenty-fifth anniversary this year. What are you looking forward to?

This anniversary is an occasion to direct attention to our museum in a special way and reach many people we have not reached so far. I’m looking forward to the many activities, programs, and exhibitions, but also to the campaigns that are accompanying everything. Within the scope of our digital project Jewish Places , for

tecture, founding, and early positioning of the museum. And in September, The Opposite of Now: Artistic Paths to a Different Present will be focused forward, to ambivalences, controversies, and different options for changing the present. Also, the ANOHA Children’s World will be turning 5. We’ll be celebrating that birthday with a big party, which will be a real highlight! And then I am already looking forward to celebrating Hanukkah and looking back on an eventful and successful anniversary year.

The JMB is considered a forerunner with respect to its educational and outreach programs. What formats are you enthusiastic about?

The educational work played a significant role in the JMB from the very beginning, and precisely in these times it is particularly important. We focus on a wide range of offers and approaches: We have a debate room in the core exhibition, where we show films that encourage visitors to reflect on and discuss discrimination and

A true exchange takes place.

example, we are planning an interesting project in the public space: In selected cities we want to encourage people to collect information on Jewish places online. Two exhibitions will be making strong statements this year: Between the Lines: Daniel Libeskind and the Jewish Museum Berlin, starting in May, reflects on the archi-

social diversity, that works very well. In the JMB on.tour project, our facilitators visit school classes throughout Germany with a mobile exhibition, offering workshops for young people. Since the project began in 2007, more than 85,000 secondary school students have actively engaged with the diversity of Jewish culture,

Austausch statt, und es werden verschiedene Perspektiven diskutiert. Dasselbe gilt auch für die verschiedenen thematischen Workshops und Führungen, die im Zusammenhang mit unseren Ausstellungen und aktuellen gesellschaftlichen Diskursen stehen, und die das JMB für unterschied-

und hybriden Vortragsformaten und auf der Lern- und Lehrplattform JMB di.kla. Wir machen zudem unsere Sammlung auf attraktive Weise digital zugänglich, denn im Museum zeigen können wir immer nur einen Bruchteil, und nicht alle können sich aufmachen und uns vor Ort besuchen.

Da findet ein echter

Austausch statt!

liche Zielgruppen anbietet: Immer geht es um ein Gespräch miteinander, und das ist mir sehr wichtig.

Auch digitale Angebote spielen seit der Gründung des JMB eine wichtige Rolle. Warum sollen sich Museen im digitalen Raum engagieren?

Mehr und mehr Menschen sind in den digitalen Medien aktiv, da müssen und wollen wir präsent sein. Wenn unsere Inhalte Teil der selbstverständlichen Erfahrungen jetziger und kommender Generationen sind, wenn das JMB die wichtigste Plattform im digitalen Raum für Fragen jüdischen Lebens in Deutschland wird, haben wir es richtig gemacht. Wir machen verschiedenen Zielgruppen Angebote – auf TikTok und Instagram, auf unserer Website, durch Jewish Places , mit digitalen

Das JMB wurde im September 2001 eröffnet. Am 11. September änderte sich mit dem Anschlag auf die USA unsere Wahrnehmung der Welt. In deiner Amtszeit als Direktorin des JMB hast du weitere historische, gesellschaftspolitische Umbrüche erlebt: Als du 2020 die Museumsleitung übernahmst, war das JMB – wie alle Kultureinrichtungen –wegen der Pandemie geschlossen. Seit dem 7. Oktober 2023 und seinen einschneidenden Folgen wird anders auf die jüdischen Gemeinschaften geschaut als vorher. Wie beeinflussen solche Zäsuren die Arbeit des Museums?

Es gehört zu unseren Aufgaben, gesellschaftliche Entwicklungen aufzugreifen. Wir ergänzen Debatten

religion, history, and present. Within this framework, a true exchange takes place and various perspectives are discussed. The same is true for the different thematic workshops and guided tours that are conducted in connection with our exhibitions and current social discourses, which the JMB offers for different target groups. It is always about participants engaging in a conversation with each other, and that is very important to me.

Digital options have also played a significant role since the founding of the JMB. Why do you think museums need to become involved in the digital world?

People engage more and more digitally so we have to be out there. If our content is part of the routine experiences of present and

way, since it is possible to display only a fraction of the collection in the museum itself and not everyone can come and visit the museum.

The JMB opened in September 2001. On September 11, our view of the world changed with the terrorist attack in the United States. In the time that you have served as the director of the JMB, you have experienced other instances of historical and sociopolitical upheaval. When you took over the museum leadership in 2020, the JMB— like all cultural institutions—was closed due to the pandemic. And since October 7, 2023, and its far-reaching consequences, Jewish communities are viewed differently than they were previously. How do such turning points impact the work of the museum?

One of our responsibilities is to engage with social developments.

future generations, and if the JMB becomes the most important digital platform regarding questions of Jewish life in Germany, then we’re doing things right. We have offers for different target groups: on TikTok and Instagram, on our website, through Jewish Places , in the digital classroom JMB di.kla, and with digital and hybrid lecture formats. We make our collection digitally accessible in an attractive

One of our responsibilities is to engage with social developments. We enhance debates by adding their historical dimension and introduce many, often contradictory, Jewish perspectives. We do not define for our audience what to think, but instead impart knowledge, experiences, and arguments to allow visitors to form their own opinions. I see the JMB as an intermediary space between the Jewish and

um ihre historische Dimension und bringen möglichst viele, oft auch widersprüchliche jüdische Perspektiven ein. Wir geben unserem Publikum keine Einsichten vor, sondern vermitteln ihm Wissen, Erfahrungen, Argumente, mit denen es sich eigene Einsichten formen kann. Ich erlebe das JMB als einen Zwischenraum zwischen der jüdischen und der nichtjüdischen Welt, einen Ort, an dem sich diese Welten begegnen, als einen Vermittler. Dieser Vermittlungsprozess ist durch die Zäsuren nicht unterbrochen worden, er dauert an. Der 7. Oktober 2023 und der darauffolgende Krieg war eine solche Zäsur, und wir müssen uns seit fast drei Jahren dazu verhalten, jeden Tag. Was mich beeindruckt, ist, dass wir im Museum auch im Kollegium keine Schwierigkeiten haben, miteinander zu sprechen. Es gibt Diskussionen, aber keinen Streit oder Verwerfungen, sondern Raum für Perspektiven.

Was siehst du heute als wichtigste Aufgaben, als größte Herausforderungen für das Museum an? Sind das andere als vor 25 Jahren?

Vor 25 Jahren stand das JMB im Zentrum der deut-

schen Museumslandschaft, es war Ausdruck der Haltung des wiedervereinigten Deutschlands und einer als positiv bewerteten deutschen Erinnerungspolitik. Bei meinem Amtsantritt wurde mir gesagt, dass unsere Themen inzwischen nicht mehr die zentralen Fragen der Gesellschaft berühren. Die Erinnerungspolitik ist nicht mehr so unumstritten wie vor 25 Jahren, im Gegenteil: Die Auseinandersetzung mit dem Holocaust wird in Frage gestellt, die Auseinandersetzung mit Kolonialismus ist in den Vordergrund gerückt. Seit dem 7. Oktober 2023 aber sehen wir, dass unsere Themen wieder im Mittelpunkt der gesellschaftlichen Diskussionen stehen, aber jetzt negativ konnotiert. Das wiederum zeigt, wie wichtig die Arbeit des JMB ist. Deshalb muss das JMB mehr Menschen in Deutschland erreichen, deshalb starten wir eine Bildungsoffensive. Um Menschen mit unseren Angeboten – die vor Ort und die digitalen Formate –noch wirksamer anzusprechen, wollen wir Methodik und Programme weiterentwickeln. Mit Führungen und Workshops vermitteln wir nicht nur Fakten. Wir stellen uns den Fragen von Schulklassen, Besucherinnen und Besuchern und stärken zen-

We strengthen key democratic skills, such as critical thinking, media literacy, the ability to see things from different perspectives, and the ability to engage in dialogue.

the non-Jewish worlds, as a space where these worlds can encounter each other, and as a mediator between them. This mediation process is not interrupted by the upheaval, it continues. October 7, 2023, and the ensuing war was an example of such upheaval, and we have had to deal with it every day for almost three years. I am impressed that we have no difficulty speaking with each other in the museum, among colleagues. There are discussions, but no conflicts or condemnation; instead, there is space for different perspectives.

What in your view are the most important tasks today—the greatest challenges for the museum? Are they different than twenty-five years ago?

Twenty-five years ago, the JMB was at the center of Germany’s museum landscape. It was an expression of the spirit of unified Germany and of German remembrance policies that were viewed positively. When I assumed the position, I was told that our

topics no longer touch the central questions of society. The politics of remembrance are no longer as uncontroversial as they were twentyfive years ago. On the contrary, the ways in which the Holocaust is addressed is being called into question, and the issue of colonialism has come to the forefront. Since October 7, 2023, however, we are seeing that our themes are once again the focus of social discourse, but they now have a negative connotation. This in turn shows how important the JMB’s work is. That is why we must reach more people in Germany, and that is why we are starting a new education campaign. In order to address people more effectively with what we have to offer—both onsite and digital formats—we want to develop our methods and programs further. Our tours and workshops do not only serve to convey facts but we address the questions school classes and visitors have, and strengthen key democratic skills, such as critical thinking, media literacy, the ability to see things from dif-

trale demokratische Kompetenzen: kritisches Denken, Medienreflexion, Perspektivwechsel, Dialogfähigkeit.

Du betonst, dass „wo auch immer uns Judenfeindlichkeit begegnet, wir sie mit allen Mitteln bekämpfen sollten.“

Kannst du ein Beispiel nennen, wie das – am JMB oder auch anderswo –gelingt?

Jede und jeder, der oder die bei antisemitischen Äußerungen und anderen Diskriminierungen nicht weghört, sondern widerspricht, nimmt diesen Kampf auf. Es ist schon viel gewonnen, wenn das Gegenüber ins Nachdenken kommt, bestenfalls gelingt es, die Vorurteile auszuräumen, darauf ist unsere Arbeit ausgerichtet. Ein jüdisches Museum ergänzt den Blick der Mehrheitsgesellschaft auf Vergangenheit und Gegenwart um jene jüdische Dimension, die die Nationalsozialisten auslöschen wollten – und in Teilen ausgelöscht haben. Letztendlich geht es nicht nur um Feindlichkeit gegenüber Jüdinnen und Juden, es geht grundsätzlich um Feindlichkeit gegenüber Gruppen oder Menschen. Wir beschäftigen uns zwar mit der jüdischen Perspektive, aber damit setzen wir an bei der demokratischen Bildung: Ich hoffe, dass man bei uns am Museum ein Bewusstsein für die Mechanismen entwickelt, die jeder Art von Feindlichkeit zugrunde liegen, und diesen so entgegenwirken kann. Das viele Geld, das über viele Jahre in Projekte gegen Antisemitismus geflossen ist, hat offenbar nicht genug bewirkt. Sich mit Judentum

und jüdischer Geschichte nicht nur über negative Begriffe wie Schoa und Antisemitismus, sondern auch über positive Begriffe auseinanderzusetzen und die Vielfältigkeit jüdischen Lebens hervorzuheben, bringt meines Erachtens viel mehr. Das JMB schafft Gesprächsräume für Teilhabe, kritische Reflexion und diskriminierungskritisches Lernen. Vielfalt als Wert zu betrachten hilft, den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Demokratie zu stärken.

Neugier treibt uns alle an. Museumsarbeit ist Forschen, Zeigen, Erklären, Geschichtenerzählen. Mit jeder neuen Ausstellung wird beim Publikum Neugier sowohl geweckt als auch befriedigt. Im September wird das Museum die Jubiläumsausstellung „Das Gegenteil von Jetzt. Künstlerische Wege in eine andere Gegenwart“ eröffnen; worauf bist du bei dieser Ausstellung neugierig?

Auf die unterschiedlichen Werke der einzelnen Künstlerinnen und Künstlern, wie sie in der Ausstellung zusammenspielen – und wie das Publikum darauf und auf das Begleitprogramm reagiert. Und ob unser Plan Erfolg hat: Dass unser Publikum die Auseinandersetzung mit der oft bedrückenden Gegenwart aufnimmt und ihr eigene Vorstellungen entgegensetzt, nach Ansätzen zur Veränderung sucht.

Wie stellst du dir eine andere Gegenwart vor? Eine bessere Gegenwart wäre für mich auf jeden Fall

ferent perspectives, and the ability to engage in dialogue.

You emphasize that “wherever we encounter antisemitism, we need to fight it with all means.”

Can you give us an example of how that works—at the JMB or elsewhere?

Anyone who does not ignore an antisemitic remark and other discrimination, but counters it and says something, has taken up the fight. Much has been won if people become aware and start thinking about it, and at

opposing antisemitism have evidently not had enough impact. I think a lot more is accomplished if Judaism and Jewish history are addressed not only through negative concepts such as the Shoah and antisemitism, but rather also via positive concepts and by emphasizing the multiplicity of Jewish life. The JMB creates space for dialogue, for participation, critical reflection, and discrimination-critical learning. Viewing diversity as a value helps to strengthen social cohesion and democracy.

Viewing diversity as a value helps to strengthen social cohesion and democracy.

best it serves to break down the prejudices. That is the goal of our work. A Jewish museum expands the majority society’s view of the past and present to include the Jewish dimension that the Nazis wanted to eliminate and did in fact eliminate in part. Ultimately it is not just about hostility toward Jews, but fundamentally about hostility toward any groups or people. We present Jewish perspectives, but through that we are taking up democratic education. I hope that visitors to our museum develop an awareness for the mechanisms at the root of all types of hostility in order to counteract them. The large amounts of money that have been invested over many years in projects

Curiosity drives us all. Museum work involves researching, presenting, explaining, telling stories. With every new exhibition, the visitors’ curiosity is both aroused and satisfied. In September, the museum will open its anniversary exhibition The Opposite of Now: Artistic Paths to a Different Present . What are you curious about as regards this exhibition?

About the different works by the individual artists and how they interact—and how the visitors react to the exhibition and the accompanying program! And whether our plan proves successful: that our audience engages with the often gloomy pres-

Eine bessere Gegenwart wäre für mich auf jeden Fall eine, in der sich die Menschen nicht gleich im ersten Augenblick beurteilen oder gar ablehnen.

eine, in der sich die Menschen nicht gleich im ersten Augenblick beurteilen oder gar ablehnen. Das wäre eine Vision, die vielleicht gar nicht so schwer umzusetzen ist und die die Zukunft stark beeinflussen würde. Wenn man sich die Zeit nimmt und ein bisschen genauer hinguckt, entdeckt man zwischen sich selbst und dem Gegenüber Übereinstimmungen, Ähnlichkeiten und Differenzen. Und genau die sind interessant! Das hat viel mit Neugierde auf die anderen zu tun.

Was wünscht du dir, das Besucherinnen und Besucher von einem Besuch im Museum mitnehmen?

Ich würde mich freuen, wenn der Besuch als positives und bewegendes Erlebnis nachhallt, das zum Nachdenken anregt, als Begegnung mit anderen Erfahrungen und anderen Menschen. Unserem Leitbild entsprechend: Jüdische Perspektiven zeigen, Menschen begegnen und bewegen. Wichtig ist mir hier wieder, dass unsere Gäste unser Museum eben nicht nur unter dem Eindruck des Holocaust verlassen: In der Daueraus-

stellung gibt es 1.700 Jahre deutsch-jüdische Geschichte und Gegenwart zu entdecken, dort findet man auch viel Leichtes, Fröhliches, Überraschendes.

Du bist nun seit sechs Jahren Direktorin des JMB – worauf blickst du zurück?

Zuallererst möchte ich meinem Team danke sagen, das hier im JMB eine so großartige Arbeit leistet! In meiner Zeit in Berlin ist es mir gelungen, die Aufmerksamkeit auf die Inhalte der Museumsarbeit zu lenken und einen Reflexionsraum zu bieten, der zur eigenständigen Beurteilung relevanter Fragen anregt. Dass es ANOHA gibt, hat das Angebot für Kinder in der Stadt in den letzten 5 Jahren sehr bereichert – es wird so gut angenommen, von Schulklassen, Kitas, Familien aus Berlin und von anderswo. Stolz bin ich darauf, dass das JMB zu den Top Ten der meistbesuchten Museen in Berlin zählt.

Liebe Hetty, wir danken dir für dieses Gespräch!

ent, counters it with their own ideas, and seeks ways to bring about change.

How do you imagine “a different present”?

For me a better present would definitely be one in which people do not make judgments or even reject something immediately, at first sight. That is a vision that might not be all that difficult to implement and which would strongly influence the future. If you take time and look a bit closer, you can identify common ground, similarities, and differences between yourself and others. And that is precisely what is interesting! This has a lot to do with curiosity toward others.

What do you hope visitors take with them after having visited the museum?

I would be happy if their visit echoes and leaves them with a positive experience that moved them and that served—and serves—to encourage reflection, and as an encounter with other experiences and other people. In keeping with our overall concept to show Jewish perspectives, to encounter and move people. Here again, it is important to me that our visitors do not leave our museum only with the Shoah on their minds. In the core exhibition there are 1,700 years of German-Jewish history and contemporary life to explore, with many lighthearted, joyful, and surprising elements.

You have now been director of the JMB for six years. How do you look back on that?

First and foremost, I would like to thank my team, which accomplishes such incredible work here in the JMB! In the time I have been in Berlin, I have been able to direct attention to the content of the museum work and to offer a space for reflection, which encourages visitors to make their own judgment on relevant issues. Over the past five years, ANOHA has greatly enriched the activities for children in the city. It had been so well-received by school classes, daycare groups, families from Berlin and elsewhere. And I am proud that the JMB is in the Top Ten of most-visited museums in Berlin.

Dear Hetty, thank you for this interview!

Das Interview führten / The interview was conducted by Marie Naumann und Katharina Wulffius

DICHTUNG WAHRHEIT PERSPEKTIVEN

LITERATUR AUF RADIO3

Rezensionen: Mo — Fr, 8:40

Lesungen: Mo — Fr, 13:30 & 23:00

Die Literaturagenten: So, 18:00

RADIODREI.DE

DAS KULTURPROGRAMM MIT LITERATURINPUT

NEUGIER IST DAS BESTE MITTEL GEGEN ANGST

Eine Reise durch die alten Mythen, Bücher, durch die Geschichte und die Wissenschaften zeigt: Neugier ist eine Form von Freiheit. Wo Neugier unterdrückt wird, herrscht Stillstand und Angst.

CURIOSITY IS THE BEST REMEDY FOR FEAR

A journey through ancient myths, books, history, and science reveals: Curiosity is a form of freedom. Where curiosity is suppressed, stagnation and fear prevail.

DE In der Geschichte der Menschheit gab es Epochen, in denen Neugier als etwas Gefährliches dargestellt wurde: Mythen, Traditionen und manchmal auch ganz bewusste Irreführung dienten als starke Abschreckungsmittel. Autoritäre Herrscher*innen, Verfechter*innen religiöser Orthodoxie, Wissensverwalter*innen und ganz allgemein strenge Wächter*innen über den Status quo vertraten oft genug die Meinung, dass ihre Untertanen ihnen auch in ihrem Wissen unterlegen sein und deshalb nicht zur Neugier ermuntert werden sollten. Die Massen von der Devise „was du nicht weißt, macht dich nicht heiß“ zu überzeugen und davon, dass sich alles, so wie es ist, in bester Ordnung befindet, schien einigen dieser Mächtigen einfacher als sich selbst – lernend –um höheres Wissen zu bemühen.

Eine Kulturgeschichte der Neugier

Vermutlich gab es noch nie eine Zivilisation, die nicht um bestimmte Wissensgebiete Mauern errichtet hat. Die Vorstellung, Neugier sei gefährlich und ihre Ausbreitung müsse verhindert werden, hat Tradition und ist so alt wie die menschliche Kultur selbst. In der Bibel werden Eva und Adam aus dem Garten Eden verbannt, weil sie (von der gerissenen Schlange verführt) ihrer Neugier nachgeben, mehr wissen wollten, als sie durften, und von der verbotenen Frucht kosteten. Der schottische Dramatiker, der unter dem Pseudonym James Bridie schrieb, bezeichnete Evas Tat spaßeshalber (oder sogar im Ernst?) als „den ersten großen Schritt der experimentellen Forschung“.

Im Buch Genesis steht außerdem, Gott habe sich zwar zur Vernichtung der sündhaften Städte Sodom und Gomorra entschlossen, aber doch das Leben des tugendhaften Lot, seiner Frau und ihrer beiden Töchter verschonen wollen. Zwei Engel werden gesandt, um Lot zu drängen, die Stadt Sodom unverzüglich zu verlassen und unter keinen Umständen auf sie zurückzublicken. Lots Frau erliegt ihrer Neugier und erlaubt sich einen flüchtigen Blick zurück, nur um auf der Stelle in eine Salzsäule verwandelt zu werden. (Nebenbei bemerkt, muss sie recht groß gewesen sein, um den Maßen der Felsformation zu entsprechen, die in Israel von alters her „Lots Frau“ genannt wird.)

Die Vorstellung, manches Wissen sei unzulässig und müsse allen Menschen unzugänglich sein, findet sich breit verstreut in einigen anderen Passagen der heiligen Schriften sowie in einer Vielzahl theologischer Traktate. In dem kano-

EN There were entire periods in human history during which the myths, traditions and sometimes deliberate misinformation labeling curiosity as perilous, served as strong deterrents. Oppressive rulers, harsh imposers of strict religious orthodoxy, controllers of information, and in general, staunch guardians of the status quo sometimes felt that their subjects should be inferior to them in knowledge, and therefore that curiosity should not be encouraged. Convincing the masses that what you don’t know won’t kill you, and that things are the way they are because that’s how they should be, apparently was easier for some of these individuals in power than to actually acquire superior knowledge through learning.

The Cultural History of Curiosity

There has probably never been a civilization that did not build walls around some types of knowledge. The tradition that curiosity can be dangerous and therefore it shouldn’t be allowed free rein is as old as human culture itself. In the Bible, Eve and Adam are banished from the Garden of Eden for yielding to their curiosity (incited by the crafty serpent), wanting to know more than they should, and eating the forbidden fruit. The Scottish playwright known by the pseudonym James Bridie humorously (or seriously?) described Eve’s actions as “the first great step in experimental science.” Also in the book of Genesis, when God decided to destroy the sinful cities of Sodom and Gomorrah, he nevertheless resolved to spare the lives of the virtuous Lot, his wife, and their two daughters. Two angels were therefore dispatched to urge Lot to immediately leave the city of Sodom and to not look back under any circumstances. Lot’s wife succumbed to her curiosity and glanced back, only to be instantly turned into a pillar of salt. (Just as an aside, she had to be a very large person to correspond to the dimensions of the rock formation in Israel traditionally known as “Lot’s Wife.”) The notion that some knowledge is still illegitimate and forbidden to all humans, continued to pepper other texts in the Scriptures and in a variety of theological manuscripts. In the canonical Wisdom Book of Ecclesiastes, for instance, we find the discouraging warning “In much wisdom there is much grief, and increasing knowledge results in increasing pain,” as well as the admonition “Be not curious in unnecessary matters: for more things are shewed unto thee than men understand.” You can hear a later echo of this deterrent in Saint Augustine’s fifth-century proclamation “God fashioned

Hermann Fechenbach, „Sein Weib schaute hinter sich und wurde zu einer Salzsäule“ aus der Mappe „Die Bibel, das Erste Buch Moses“, Holzschnitt auf Seidenpapier, 1926 Hermann Fechenbach, “His wife looked back and was turned into a pillar of salt” from the portfolio The Bible, the First Book of Moses, woodcut on tissue paper, 1926

nischen Buch Kohelet findet sich die entmutigende Warnung: „Denn wo viel Weisheit ist, da ist viel Grämen, und wer viel lernt, der muss viel leiden.“ Und das deuterokanonische Buch Sirach mahnt: „Mit dem, was dir nicht aufgetragen ist, gib dich nicht ab; denn dir ist schon mehr gezeigt, als Menschenverstand fassen kann.“ Ein spätes Echo dieser Warnung findet sich im fünften Jahrhundert bei Augustinus, der den Satz „Gott schuf die Hölle für die Vorwitzigen“ geprägt haben soll. Er nannte die Neugier auch „Augenlust“ (lateinisch concupiscentia oculorum) und warnte vor dem Ansinnen, Sterne oder Sandkörner zu zählen, denn das sei bloß eitler Wissensdrang und eine Hürde auf dem Weg zu demütiger Frömmigkeit. Damit stimmte Bernhard von Clairvaux, ein Mönch aus dem 12. Jahrhundert, von ganzem Herzen überein. Er erhob sie sogar in den Rang einer Todsünde, irgendwo zwischen Faulheit und Stolz: „Nur um des Wissens willen zu forschen, ist von schändlicher Neugier“, betonte er.

Selbst die alten Griechen schätzten Neugier nicht immer. Die griechische Mythologie enthält eine ganze Reihe von Erzählungen darüber, wie die Götter diejenigen bestrafen, die zu viel wissen wollten. In einer Legende, die derjenigen der biblischen Eva verblüffend ähnlich ist, kann sich Pandora ihrer Neugier nicht erwehren, öffnet einen Krug (meistens falsch übersetzt als „Büchse“) und setzt so sämtliche Übel der Menschheit frei. Hart bestraft werden auch zwei Prinzessinnen, die Schwestern Herse und Aglauros, die der Versuchung nicht widerstehen konnten, entgegen Athenes ausdrückliche Anordnung in ein Körbchen zu schauen, in dem der junge Erichthonios lag. Der Anblick dieses mythischen künftigen Herrschers von Athen (der einigen Versionen zufolge halb Mensch, halb Schlange war) treibt die Schwestern in den Wahnsinn und sie stürzen sich beide von der Akropolis. Der Mythos der Semele, die so neugierig war, Zeus in all seiner göttlichen Glorie ansichtig zu werden, obwohl er dies streng untersagt hatte, endet ebenfalls in einer Katastrophe: Sie verbrennt in einem vom Blitz entfachten Feuer.

Zeichen von Tyrannei

Leider wurden der Neugier nicht nur in biblischen und mittelalterlichen Zeiten oder im antiken Griechenland Steine in den Weg gelegt. Tyrannische, von harter Hand geführte Regime und Ideologien wie auch engstirnige Gesellschaften versuchen auch heute noch jegliche Neugier im Keim zu ersticken.

hell for the inquisitive.” Saint Augustine also referred to curiosity as “lust of the eyes” (concupiscentia oculorum in Latin), and he warned against attempts to count the stars or grains of sand, since such vain curiosity, he asserted, created an obstacle on the path to humble devotion. These sentiments strongly resonated with the 12th century French abbot Saint Bernard of Clairvaux, who elevated curiosity to the status of a deadly sin, situated somewhere between sloth and pride. “To learn in order to know is scandalous curiosity,” he pronounced.

Curiosity didn’t always meet with the approval of the ancient Greeks, either. Greek mythology contains a number of stories of divine punishments inflicted upon those who were too curious. In a legend strikingly similar to the account concerning the biblical Eve, Pandora was not able to resist her curiosity and opened a jar (commonly mistranslated as a box), thereby releasing all the evils of humanity. Severe punishment fell on the princess sisters Herse and Aglauros, who, overcome with curiosity, disobeyed Athena’s specific orders and peeked inside the intriguing basket that contained the infant Erichthonius. The sight of this mythical future ruler of Athens (who, according to some versions, was half-human and halfsnake), drove the sisters insane, and they threw themselves off the Acropolis. The myth of Semele, who was curious enough to insist on seeing Zeus in all of his divine glory, in spite of his imploring her not to make this request, ended also in a disaster: she was consumed by lightning-ignited fire.

Signs of Tyranny

Unfortunately, the impediments to curiosity are not exclusive to biblical or medieval times or to ancient Greece. Tyrannical, iron-fisted regimes and ideologies and narrowminded societies still attempt forcibly to put an end to curiosity even today.

Acts aimed at smothering inquisitiveness, novel ideas, and exploration are not limited to discouraging the sciences. The arts, and knowledge in general, have not been spared. In 1937, for instance, the Nazi regime organized in Munich the “Degenerate Art Exhibition,” whose sole purpose was to convince viewers that modern art represented no less than a malicious plot by Jewish Communists against the German people. The exhibition included works by some of the greatest artists of the 20th century: surrealist such as Max Ernst and Paul Klee; expressionists such as Ernst Ludwig

Erstausgaben aus der Sammlung George Warburg

Der Amerikaner George Warburg, der seine Kindheit in Deutschland verbrachte und mit seinen Eltern das Land verlassen hatte, begann in den 1980er­Jahren Ausgaben jener literarischen und wissenschaftlichen Werke zusammenzutragen, die am 10. Mai 1933 von den Nazis in die Flammen geworfen wurden. Seine auf über 400 Bücher angewachsene Sammlung übereignete er 2012 großzügig dem Jüdischen Museum Berlin. First editions from the George Warburg Collection

In the 1980s, the American George Warburg, who grew up in Germany before leaving Berlin with his parents when it was still possible, began to collect books by authors who’s works were burnt by the Nazis in 1933. He has generously donated his collection of over 400 books, mostly first editions, to the Jewish Museum Berlin.

Maßnahmen gegen Wissensdurst, gegen neue Ideen und Forschung sind selten auf Wissenschaft begrenzt. Die Künste – und Wissen ganz allgemein – bleiben nicht verschont. Die Ausstellung „Entartete Kunst“, 1937 von den Nazis in München inszeniert, diente zum Beispiel dem alleinigen Zweck, das Publikum davon zu überzeugen, moderne Kunst sei nichts als eine bösartige Verschwörung jüdischer Bolschewisten gegen das deutsche Volk. Die Ausstellung zeigte Werke einiger der größten Künstler*innen des 20. Jahrhunderts: Surrealisten wie Max Ernst und Paul Klee, Expressionisten wie Ernst Ludwig Kirchner, Emil Nolde, Oskar Kokoschka und Max Beckmann, kubistische Symbolisten wie Marc Chagall, Abstrakte wie Wassily Kandinsky und Ernst Wilhelm Nay sowie viele andere. Gemälde wurden ohne erkennbare Ordnung an die Wände geklatscht, um ihre Wertlosigkeit zu unterstreichen. Im Katalog zur Ausstellung finden sich höhnische Beschreibungen, etwa, es sei „meistens überhaupt nicht mehr zu erkennen, was den kranken Geistern vorschwebte, als sie zu Pinsel oder Stift griffen“. Um die negativen Reaktionen der Besucher*innen anzufeuern, stellten die Veranstalter Agitatoren ein, die sich unters Publikum mischten und die Kunst laut veralberten. Einige der Werke wurden später sogar verbrannt.

Auch die Verbrennung von Büchern ist eine klassische Form extremer Zensur und Unterdrückung von Neugier. Berichte über verschiedene Biblioklasmen reichen zurück bis ins siebte Jahrhundert v. u. Z., aber Bücher wurden auch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein vernichtet: Die Nazis verbrannten öffentlich Bücher jüdischer Autor*innen. Der faschistische Diktator Chiles, Augusto Pinochet, ordnete 1973 die Verbrennung Hunderter Publikationen an. Die singhalesische Polizei und vom Staat bezahlte Paramilitärs brannten 1981 während eines dreitägigen Angriffs gegen die tamilische Minderheit die Öffentliche Bibliothek der Stadt Jaffna (Sri Lanka) nieder; sie hatte Zehntausende tamilische Bücher und Skripte verwahrt.

Kirchner, Emil Nolde, Oskar Kokoschka, and Max Beckmann; cubist-symbolists such as Marc Chagall; abstract painters such as Wassily Kandinsky and Ernst Wilhelm Nay; and many others. Paintings were deliberately slapped on the walls in no logical order to convey the impression of worthlessness. In the exhibition catalog, abstract paintings were introduced by derogatory descriptions such as “There is no telling what was in the sick brains of those who wielded the brush or the pencil.” To intensify the negative public reactions, the organizers hired agitators who mingled with the visitors and loudly mocked the art. Some of the works were even burnt later. A classic form of extreme censorship and curiosity suppression is book burning. Accounts of various biblioclasms date back to the 7th century BCE, but book burning events continued well into the 20th century. The Nazis, for instance, regularly engaged in the incineration of books by Jewish authors. The Chilean fascist dictator Augusto Pinochet ordered the burning of hundreds of books in 1973. In 1981, as part of a three-day program against the minority Tamil population, Sinhalese police and government-sponsored paramilitaries burned down the Jaffna Public Library in Sri Lanka, which contained tens of thousands of Tamil books and manuscripts.

Curiosity Is the Best Remedy for Fear

Is there a lesson in these stories of oppression, intimidation and assaults on personal freedom? I strongly believe there is, and it is a fairly palpable one: Curiosity is the best remedy for fear. One of the clearest manifestations of freedom is precisely the ability to become interested in anything you like. Freeman Dyson noted this fact in the narrower sense of

Neugier ist das beste Mittel gegen Angst Lässt sich aus diesen Zeugnissen von Unterdrückung, Einschüchterung und Anschlägen auf persönliche Freiheit irgendeine Lehre ziehen? Davon bin ich fest überzeugt, und die Lehre ist leicht zu begreifen: Neugier ist das beste Mittel gegen Angst . Freiheit äußert sich selten so deutlich wie darin, dass man sich für alles interessieren kann, was einem gefällt. Mit Blick auf die Forschung bemerkte Freeman Dyson: „Wissenschaftler zu sein, stellt dir die ‚Lizenz‘ aus, dich mit jedwedem wissenschaftlichen Problem zu befassen.“ Tatsächlich bedeutet Freiheit, dass man seiner Neugier überall hin folgen kann, solange anderer Menschen Freiheit nicht beschnitten wird und man sich von einem bestimmten Ethos leiten lässt. Oder, wie es der in Oxford lehrende Historiker Theodore Zeldin scharfsinnig formuliert: „Wer sich nur für seine Arbeit, ein paar Hobbys, ein paar Leute interessiert, lässt zu viele schwarze Löcher im All zurück.“

Auf die Formel „Neugier ist das beste Mittel gegen Angst“ kam ich 2012 während der Vorbereitung auf einen Vortrag. Doch kurz darauf stellte ich fest, dass ich keineswegs der erste bin, dem diese „therapeutische“ Eigenschaft der Neugier aufgefallen ist. Der Slogan für die Ausstellung „U-Turn Quadrennial of Contemporary Art“ (Kehrtwende, Vierjahresschau der zeitgenössischen Kunst), 2008 in Kopenhagen, lautete ganz ähnlich: „Replace Fear of the Unknown with Curiosity“ (Ersetze Furcht vor dem Unbekannten durch Neugier). Unterm Strich bedeutet das: Gerade so, wie Wissenschaftler*innen seit der wissenschaftlichen Revolution herausfanden, dass jeder ihrer Durchbrüche eine Vielzahl neuer Fragen und Ungewissheiten hervorbringt, sollten wir uns darüber klar werden, dass die Welt um uns her unzählige Gelegenheiten und Themen bietet, die unsere Neugier verdienen. Wir sollten nicht zulassen, dass dieser Drang nach Wissen erstickt wird. Mit Vladimir Nabokov gesagt: „Über diese Dinge zu sprechen, verlangt Neugier und Neugier wiederum ist Ungehorsam ist seiner reinsten Form.“

Dieser Text ist ein Auszug aus: Mario Livio, „Why? What Makes Us Curious,” New York, 2017.

its application to science, when he said, “Being a scientist gives you the ‘license’ to work on any scientific problem.” However, freedom really means that you can follow your curiosity to wherever it takes you, as long as you don’t infringe on other people’s freedom and you are guided by a certain ethics. Or, as Oxford scholar Theodore Zeldin astutely puts it, “Being interested in one’s work, in a few hobbies, in a few people, leaves too many black holes in the universe.”

I coined the phrase “Curiosity is the best remedy for fear” when preparing a public talk in 2012. Shortly thereafter, however, I discovered that I was not the first person to have thought of that “therapeutic” property of curiosity. The tagline for the 2008 exhibition U-Turn Quadrennial of Contemporary Art in Copenhagen was the very similar phrase: “Replace Fear of the Unknown with Curiosity.” This expression ultimately means that in the same way scientists have continued to discover ever since the scientific revolution that every breakthrough introduces a new series of questions and uncertainties, we should realize that the world around us offers an infinite number of opportunities to be curious and an abundance of topics to be curious about. We shouldn’t allow our curiosity to be muzzled. In the words of Vladimir Nabokov, “Discussing these matters implies curiosity, and curiosity, in its turn, is insubordination in its pure form.”

This text is an excerpt from Mario Livio’s book Why? What Makes Us Curious , New York: Simon & Schuster, 2017.

Mario Livio, geboren in Rumänien und aufgewachsen in Israel, ist Astrophysiker und war bis 2015 am Hubble Space Telescope Science Institute in Baltimore. Er ist Autor zahlreicher erfolgreicher populärwissenschaftlicher Bücher, darunter „Ist Gott ein Mathematiker?“, „Die unlösbare Gleichung“ und „Das beschleunigte Universum“.

Mario Livio, born in Romania and raised in Israel, is an astrophysicist and worked at the Hubble Space Telescope Science Institute in Baltimore until 2015. He is the author of numerous best-selling popular science books, including Is God a Mathematician?, The Equation That Couldn’t be Solved, and The Accelerating Universe

„U-Turn Quadrennial for Contemporary Art“ in Kopenhagen, 2008

U-Turn Quadrennial for Contemporary Art in Copenhagen, 2008

AUSSTELLUNG EXHIBITION

BETWEE N

Daniel Libeskind und das Jüdische Museum Berlin

Daniel Libeskind and the Jewish Museum Berlin

Text Miriam Goldmann

T HE LINES

Der heute weltberühmte Daniel Libeskind war lange vor allem in Fachkreisen und als Architekturtheoretiker bekannt. Das änderte sich, als er im Sommer 1989, unmittelbar vor dem Fall der Mauer, mit seinem Entwurf den Wettbewerb um einen „Erweiterungsbau des Berlin Museums mit Abteilung Jüdisches Museum“ gewann. Daniel Libeskind, now world-famous, was long known within professional circles as an architectural theorist. That changed in the summer of 1989, shortly before the fall of the Berlin Wall, when his design won the competition for the “Extension of the Berlin Museum with the Jewish Museum Department.”

DE Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums seiner Eröffnung – und des 80. Geburtstages von Daniel Libeskind am 12. Mai 2026 – zeigt das Jüdische Museum Berlin die Ausstellung „Between the Lines. Daniel Libeskind und das Jüdische Museum Berlin“. Hinter der Titanzink-Fassade des Zick-ZackGebäudes, in dem Besucher*innen leicht die Orientierung verlieren können, verbirgt sich eine tiefgehende Auseinandersetzung des New Yorker Architekten mit der Geschichte Berlins und Deutschlands.

Welche Wirkungskraft Libeskinds Konzept besitzt, wird in Anbetracht der deutsch-jüdischen Kontroversen um das Gedenken an den Holocaust deutlich, die die Bundesrepublik Deutschland seit Kriegsende prägten. Denn weder war der Hass auf Jüdinnen und Juden verschwunden, noch tauschten sich die Deutschen in der Öffentlichkeit über ihre Erinnerungen an die nationalsozialistische Vergangenheit aus. Erst in den 1970er-Jahren entwickelte sich in der BRD ein breiteres Interesse an der deutsch-jüdischen Geschichte und dem Holocaust. Bürgerinitiativen, Denkmalschutz und Einzelpersonen begannen sich für die lokale jüdische Geschichte wie für die Mahn- und Gedenkorte des Nationalsozialismus in ihrer Region zu engagieren.

EN To mark the 25th anniversary of the museum’s opening and to celebrate Daniel Libeskind’s 80th birthday on May 12, 2026, the JMB presents the exhibition Between the Lines: Daniel Libeskind and the Jewish Museum Berlin. Behind the titanium-zinc facade of the zigzag building—a space that can easily confuse and disorient visitors—lies the New York architect’s in-depth exploration of the history of Berlin and of Germany as a whole.

In den Jahren vor der Wiedervereinigung hatten die Weizsäcker-Rede, der Historikerstreit, die Jenninger-Rede, die US-amerikanische Serie Holocaust , Claude Lanzmanns Film Shoah und vieles andere die öffentlichen Auseinandersetzungen befeuert. Seit den 1990er-Jahren rückten vermehrt Orte und Darstellungen der Erinnerung – Gedenkstätten, Mahnmale, Museen – in den Blick und in die Schlagzeilen. Von einem Konsens über die Art des Erinnerns konnte keine Rede sein, das zeigten Debatten wie jene um die Wehrmachtsausstellung ab 1995 deutlich.

Daniel Libeskind zählte zu den zwölf gezielt eingeladenen internationalen Architekt*innen des bundesoffenen Realisierungswettbewerbs zur Erweiterung des Berlin Museums.

The significance of Daniel Libeskind’s concept becomes apparent when viewed against the backdrop of the German-Jewish debates over Holocaust commemoration that shaped West Germany in the decades after the war. Anti-Jewish hatred did not disappear in the country, nor did Germans publicly discuss their memories of the Nazi past. Only in the 1970s did broader public interest in German-Jewish history and the Holocaust begin to emerge. Civic initiatives, the Berlin Heritage Authority, and individual citizens campaigned to preserve and commemorate local Jewish history and the memorial sites associated with National Socialism in their regions. Before reunification, public debates were fueled by the speech delivered by Richard von Weizsäcker, the 1986–87 controversy over the singularity of the Holocaust in German historical memory (the so-called Historikerstreit), the speech by Philipp Jenninger, the American TV series Holocaust , and Claude Lanzmann’s documentary Shoah. Since the 1990s, sites and forms of remembrance—memorials, monuments, and museums—have increasingly attracted public attention and made headlines. Initially, there was no consensus on the nature of remembrance, as demonstrated by the debate surrounding the 1995 Wehrmacht exhibition.

Daniel Libeskind was one of twelve international architects invited to participate in the federal competition for the extension of the Berlin Museum. He summarized his design in a single sentence, explaining, “We should try to weave the

Seite / Page 34–35:

Silke Helmerdig, Fotografische Baudokumentation des Jüdischen Museums Berlin, 1994–1999

Silke Helmerdig, Photographic documentation of the construction of the Jewish Museum Berlin, 1994–1999

Daniel Libeskind, „Names Model“, Modell für den Neubau des Jüdischen Museums Berlin, 1989–1991

Daniel Libeskind, Names Model , Model for the new building of the Jewish Museum Berlin, 1989–1991

„Man sollte versuchen, die verschiedenen Erinnerungsstränge in die Gesamtheit der Stadt einzupassen“, fasste Daniel Libeskind seinen Entwurf in einem Satz zusammen. Sein Entwurf basiert auf drei Grundgedanken: „Erstens der Unmöglichkeit, die Berliner Geschichte zu verstehen, ohne den enormen intellektuellen, wirtschaftlichen und kulturellen Anteil der jüdischen Bürger Berlins zu verstehen; zweitens der Notwendigkeit, die Bedeutung des Holocaust physisch und geistig in das Bewusstsein und das Gedächtnis der Stadt zu integrieren; drittens der Erkenntnis, dass nur durch die Anerkennung und Verarbeitung dieser Auslöschung jüdischen Lebens in Berlin und der so entstandenen Leere Berlin und Europa eine menschliche Zukunft haben können.“

Libeskinds Entwurfstitel „Between the Lines“ zitiert die „Grammatologie“ des französischen Philosophen Jacques Derrida: Derrida konstatierte, dass Texte etwas Unbewusstes, Ungesagtes in sich trügen, dass sie zahlreiche Bedeutungsebenen besäßen, die sich als Spuren „zwischen den Zeilen“ fänden. Libeskind beruft sich sowohl auf einflussreiche Akteur*innen des intellektuellen Berlins – so notierte er handschriftlich beispielsweise Namen wie Rahel Varnhagen oder Mies van der Rohe mit ihren Berliner Adressen, zahlreiche Zitate von Walter Benjamin oder einen hebräischen Vers des Propheten Jeremias auf seiner Planzeichnung – als auch auf den Nationalsozialismus und die von Berlin ausgehende Vernichtung des europäischen Judentums. In den ungewöhnlichen Raumfolgen des Libeskind-Baus spiegelt sich die Abwesenheit der ermordeten Jüdinnen und Juden wider. Die sogenannten Voids , Leerstellen, die das Gebäude vom Untergeschoss bis zum Dach durchschneiden, geben diesen Abwesenden einen Ort im Museum und verbinden so die Vergangenheit mit der Gegenwart.

different strands of memory into the fabric of the city.” Three basic ideas formed the foundation of his design: “first, the impossibility of understanding the history of Berlin without understanding the enormous intellectual, economic, and cultural contribution made by its Jewish citizens; second, the necessity to integrate the meaning of the Holocaust, both physically and spiritually, into the consciousness and memory of the city of Berlin; third, that only through acknowledging and incorporating this erasure and void of Berlin’s Jewish life can the history of Berlin and Europe have a human future.”

The title of the design, Between the Lines , refers to the Grammatology of Jacques Derrida. According to the French philosopher, texts carry something unconscious and unspoken within them and contain multiple layers of meaning that reveal themselves as traces “between the lines”. In his design, Daniel Libeskind invokes influential figures from Berlin’s intellectual circles. His architectural drawings for the competition are inscribed with names such as Rahel Varnhagen and Ludwig Mies van der Rohe, their Berlin addresses, several quotations from Walter Benjamin, and a Hebrew verse from the Book of Jeremiah. The drawings also allude to Nazi Germany and the plans for the extermination of European Jewry that originated in Berlin. The unusual sequence of rooms in the museum building reflects the absence of murdered Jews. The so-called Voids—empty spaces that cut through the structure from the basement to the roof—give these absent individuals a place within the museum and connect the past with the present.

So wie Derrida in seinen Texten zu Kunst und Literatur die scheinbare Eindeutigkeit von Prämissen einer Trennung von Kunst und Literatur auf der einen Seite und philosophi-

In his writings on art and literature, Derrida questions the seemingly self-evident premises underlying the separation of art and literature, on the one hand, from philosophical discourse, on the other. Similarly, in his design, Daniel Libeskind transcends the division between architecture and philosophical-historical discourse. He succeeded in creating a conceptual design that went far beyond the original com-

AUF DIE NÄCHSTEN

25

JAHRE:

MASEL TOV, JÜDISCHES MUSEUM BERLIN!

Aus feierlichem Anlass gratuliert die Evonik Stiftung einer der wichtigsten Kultur einrichtungen Deutschlands, dem Jüdischen Museum Berlin, herzlich zum Jubiläum.

schem Diskurs auf der anderen Seite in Frage stellt, setzt sich auch Libeskind in seinem Entwurf über die Trennung von Architektur und philosophisch-historischem Diskurs hinweg. Ihm gelang ein konzeptioneller Entwurf, der weit über die ursprüngliche Wettbewerbsaufgabe hinausging: Erstmals wurde der Zivilisationsbruch des Holocaust in die Formensprache eines Gebäudes übersetzt.

Die Wettbewerbs-Jury konnte sich nach intensiven Diskussionen schließlich für „Between the Lines“ von Daniel Libeskind aussprechen. Nach öffentlichen Kontroversen, einer veränderten politischen Landschaft im wiedervereinigten Deutschland und trotz seiner schwierigen Haushaltslage beschloss der Berliner Senat im Oktober 1991, den Erweiterungsbau „unverzüglich“ zu realisieren.

petition brief. He was the first to translate the civilizational rupture caused by the Holocaust into the formal language of architecture.

After intensive deliberations, the competition jury came out in favor of Libeskind’s Between the Lines . Following a series of public debates and a shift in the political landscape in reunified Germany—and despite the city’s difficult budgetary situation—the Berlin Senate decided in October 1991 to proceed with the extension “without delay.”

The Jewish Museum Berlin was the first building designed by Daniel Libeskind to be constructed. Two years after the decision, Libeskind was invited by the city of Oranienburg north of Berlin to participate in a competition for the redevelopment of the former SS troop camp in Sachsenhausen.

Daniel Libeskind, Wettbewerbsmodell „Mou X rning“ zur Bebauung des ehemaligen SS­Truppenlagers Sachsenhausen, Berlin, ca. 1993–2001

Daniel Libeskind, Competition entry Mou Xrning for the development of the former SS troop camp in Sachsenhausen, Berlin, ca. 1993–2001

Das Jüdische Museum Berlin ist das erste von Libeskind entworfene Gebäude, das gebaut wurde. Zwei Jahre nach dem Baubeschluss wurde Libeskind von der Stadt Oranienburg eingeladen, sich an einem Wettbewerb zur Urbanisierung des ehemaligen SS-Truppenlagers in Sachsenhausen zu beteiligen. Direkt an das frühere Konzentrationslager angrenzend, wurden von hier aus alle KZs in Europa geplant und verwaltet. Daniel Libeskind kämpfte mit der Wettbewerbsaufgabe und fand die Vorstellung einer Wohn- und Geschäftsbebauung auf diesem Terrain „ungeheuerlich“. Stattdessen schlug er vor, das Gelände teils zu renaturieren, teils für kommunale Aufgaben nutzbar zu machen. Sein Entwurf „MouXrning” – ein Wortspiel zwischen Morning (Morgen) und Mourning (Trauern) – sollte Raum für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Nutzungen bieten. Beeindruckt vergab die Stadt einen Sonderpreis an Libeskind. Die Jury hingegen lehnte den Entwurf ab, „dessen Realisierung eine erneute Traumatisierung der Stadt Oranienburg bedeuten würde.“

Die Ausstellung stellt mit Modellen und Zeichnungen die Architektur Libeskinds in den Vordergrund. Es lassen sich die komplexe Entwurfsplanung und Libeskinds charakteristischer Zugang zur Architektur in situ nachvollziehen. Damit führt die Ausstellung zurück in die Berliner Wende- und Nachwendezeit, ruft die damaligen Kontroversen in Erinnerung und würdigt Libeskinds Beitrag zur deutschen Gedächtniskultur. Nicht zuletzt werfen die Kontroversen aus der Entstehungszeit des Jüdischen Museum Berlin auch Licht auf die heutigen Diskussionen rund um Erinnerung, Gedächtnis und Gedenken.

Between the Lines. Daniel Libeskind und das Jüdische Museum Berlin

7. Mai bis 1. November 2026 10–18 Uhr (montags geschlossen), Eric F. Ross Galerie Eintritt frei

Das JMB dankt den FREUNDEN DES JMB für die großzügige Förderung der Ausstellung.

Between the Lines: Daniel Libeskind and the Jewish Museum Berlin

7 May to 1 November, 2026 10 am—6 pm (closed on Mondays), Eric F. Ross Gallery free admission

The JMB would like to thank the FRIENDS OF THE JMB for their generous support of the exhibition.

Located directly adjacent to the former Sachsenhausen concentration camp, this site was where the Nazi regime planned and administered the concentration camp system in Europe. Libeskind struggled with the competition brief, regarding the prospect of residential and commercial development on this terrain as “monstrous.” Instead, he proposed partially returning the site to its natural state and using the remaining areas for municipal purposes. His design, titled MouXrning, envisioned space for economic, social, and cultural uses. Impressed, the city awarded Libeskind a special prize. The jury, however, rejected the design, stating that “its realization would mean a renewed traumatization of the city of Oranienburg.”

The exhibition foregrounds Libeskind’s architecture through models and drawings. It enables visitors to retrace both the complex design process and Libeskind’s distinctive architectural approach within the very building this approach produced. In doing so, it takes visitors back to the period of reunification and its aftermath in Berlin, recalling the controversies of the time and acknowledging Libeskind’s contribution to German memorial culture. Not least, the debates surrounding the creation of the Jewish Museum Berlin shed light on current discussions about memory, remembrance, and commemoration.

Miriam Goldmann ist seit 1999 Ausstellungskuratorin am Jüdischen Museum Berlin.

Miriam Goldmann has been an exhibition curator at the Jewish Museum Berlin since 1999.

Ein architektonisches Symbol

Aus Daniel Libeskinds Konzept für den Wettbewerbsentwurf

An Architectural Symbol

From Daniel Libeskind’s concept for the competition design

Between the Lines Für seine Arbeit nutzt Daniel Libeskind historische und literarische Quellen und schreibt sie als Spuren in seine Bauten ein. So basiert der Grundriss auf einer „irrationalen Matrix“ der Adressen bekannter Berliner Personen, aus der die charakteristische Zick­Zack­ Form des Jüdischen Museums Berlin entsteht. Auf der Planzeichnung notiert Libeskind Zitat­ Fragmente, die er mit der Umgebungsgeschichte des Gebäudes verbindet. Neben vielen Anspielungen aus Walter Benjamins Text „Einbahnstraße“, finden sich biblische Verse von Verheißung und Verzweiflung. Dazwischen sind die Deportationsdaten von Berliner Jüdinnen und Juden verzeichnet. Diese verschwundene Berliner Bevölkerung ist als umbaute Leere, englisch Void, vom Untergeschoss bis zum Dach in das Gebäude eingeschrieben. Mit den Voids fügt der Architekt dem Gebäude eine zeitliche Dimension hinzu, in der sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verbinden.

Between the Lines

Daniel Libeskind draws on historical and literary sources for his work, incorporating them into his buildings as traces. The floor plan, for example, is based on an “irrational matrix” of the addresses of well­known Berliners, giving rise to the museum’s characteristic zigzag shape.

The architectural drawing is annotated with literary quotations and fragments, which Libeskind links to the history of the building’s surroundings. In addition to many architectural allusions from Walter Benjamin’s text One-Way Street , there are biblical verses dealing with promise and despair. In between them are dates on which Jewish residents of Berlin were deported.

This vanished segment of the population is inscribed in the building as Voids, reaching from the basement to the roof. They occur at the intersections between a straight line and a zigzag line. The architect uses these Voids to add a temporal dimension to the building, connecting the past, present, and future.

NACH WALTER BENJAMINS „EINBAHNSTRASSE“ REFERENCES TO WALTER BENJAMIN’S ONE-WAY STREET

1

2

3–5

6+7

ENTÄUSSERTE LEERE / DISPLACED VOID verschollen – für tot erklärt / displaced—presumed dead GEDENKBUCH – OPFER DER VERFOLGUNG DER JUDEN UNTER DER NATIONALSOZIALISTISCHEN GEWALTHERRSCHAFT 1933–1945 / BOOK OF REMEMBRANCE—VICTIMS OF THE PERSECUTION OF THE JEWS UNDER THE NATIONAL SOCIALIST REIGN OF TERROR 1933–1945

COME BACK ALL IS FORGIVEN!

KOMM ZURÜCK ALLES IST VERGEBEN!

Atrani—baroque staircase gently rising

Atrani – sacht ansteigende Barocktreppe

Navy tall sailingships / Marine – große Segelschiffe

8 Versailles Façade / Versailles Fassade

9+10

Heidelberg castle—ruins jutting into the sky

Heidelberger Schloss – Ruinen, deren Trümmer in den Himmel ragen 11+12

13+14

Sevilla Alcazar—wooden dance platform

Sevilla Alcazar – hölzerne Tanzfläche

Marseilles cathedral—sleeping car to eternity

Marseille Kathedrale – Schlafwagenzüge in die Ewigkeit 15 Freiburg Münster / Freiburger Münster

16+17 Moscow St. Basil‘s cathedral—life ­size wooden dolls

Moskau Basilius­ Kathedrale – hölzerne Puppen in Lebensgröße 18+19 Boscotrecase—stone ­pine forest / Boscotrecase – Pinienwälder

20+21 Museuo Nazionale a child holds freshly picked flowers, Naples Museo Nazionale – Ein Kind hält frisch gepflückte Blumen, Neapel 22–24 Florence baptistery—helplessly stretched arm reaching for a fruit that remains beyond her reach Florenz Baptisterium – hilflos erhebt sie die Arme nach einer Frucht, die ihr unerreichbar bleibt

25 A lion, a maiden, a scale Ein Löwe, eine Jungfrau, eine Waage

26 The Wreck of Hope / Die gescheiterte Hoffnung Titel eines Caspar David Friedrich zugeschriebenen Gemäldes Title of a painting attributed to Caspar David Friedrich

27 Polar sea / Polarmeer

28 STÄNDIGER EISBERG

29 תמֱֶאֱ (Wahrheit / Truth)

30 PAUL CELAN WEG

Paul Celan, Lyriker und Übersetzer, geboren in Czernowitz 1920, gestorben 1970 in Paris Poet and translator, born in Cernăuţi, today Chernivtsi, Ukraine, in 1920, died in Paris in 1970

31+32 MECHANISCHER GARTEN DER OLYMPIA –HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN / GRÜN OLYMPIA MECHANICAL GARDEN— THE TALES OF HOFFMANN / GREEN

33 AUSSTELLUNGSGEBÄUDE INNERE LEERE GRUNDRISSE

EXHIBITION BUILDINGS INNER VOID

FLOOR PLANS

34

ETA HOFFMANN = CHARLOTTENSTR. 56

Schriftsteller, Jurist und Komponist, geboren in Königsberg, heute Kaliningrad, Russland, 1776, gestorben 1822 in Berlin

Writer, lawyer, and composer, born in Königsberg, today Kaliningrad, Russia, in 1776, died in Berlin in 1822

35

RAHEL VARNHAGEN = FRANZÖSISCHE STR. 20

Schriftstellerin und Salonniere, geboren in Berlin 1771, gestorben 1833 in Berlin

Writer and salon hostess, born in Berlin in 1771, died in Berlin in 1833

36 Land, wo Milch und Honig fließen / A land that flows with milk and honey

37 HEINRICH V. KLEIST (1810–1811)

Dramatiker, Lyriker und Publizist, geboren in Frankfurt (Oder) 1777, gestorben 1811 in Berlin

Playwright, poet, and journalist, born in Frankfurt (Oder) in 1777, died in Berlin in 1811

38+39 MIES VAN DER ROHE – MEMORIAL 24 AM KARLSBAD

Architekt des Modernismus, geboren 1886 in Aachen – gestorben 1969 in Chicago

Pioneer of modern architecture, born in Aachen in 1886–died in Chicago in 1969

40 RAHEL VARNHAGEN (1771–1833)

41 SCHLEIERMACHER (1768–1834)

Evangelischer Theologe und Kirchenpolitiker, geboren in Breslau, heute Wrocław, Polen, 1768, gestorben in Berlin 1834

Protestant theologian and church politician, born in Breslau, today Wrocław, Poland, in 1768, died in Berlin in 1834

42 HEINRICH HEINE = MOHRENSTR. 32

Dichter, Schriftsteller und Journalist, geboren in Düsseldorf 1797, gestorben 1856 in Paris

Poet, writer, and journalist, born in Dusseldorf in 1797, died in Paris in 1856

43

JEREMIAH 12:7–13:

7 I have forsaken my house, I have left my heritage; I have given the dearly beloved of my soul into the hand of her enemies.

8 My heritage has become to me as a lion in the forest; it cries out against me: therefore I hated it.

9 My inheritance is a long clawed eagle to me. But the eagle is round about her! Come, assemble together all the wild beasts of the field, bring them to devour.

10 Many shepherds have destroyed my vineyard, they have trodden my portion under foot, they have made my pleasant portion a desolate wilderness.

11 They have made it desolate, and being desolate it mourns to me; the whole land is made desolate, because no man lays it to heart.

12 The spoilers are come upon all high hills through the wilderness: for the sword of the LORD devours from the one end of the land to the other end of the land: no flesh has peace.

13 They have sown wheat, but have reaped thorns: they have put themselves to pain, but shall not profit: be then ashamed of your harvest because of the fierce anger of the LORD.

JEREMIA 12:7–13:

7 Ich verlasse mein Haus, / ich verstoße mein Erbteil. Meinen Herzensliebling gebe ich preis / in die Hand seiner Feinde.

8 Mein Erbteil wandte sich gegen mich / wie ein Löwe im Wald. Es erhob gegen mich seine Stimme; / deshalb bin ich ihm feind.

9 Ist mir mein Erbteil zur Höhle einer Hyäne geworden, / dass Raubvögel es umlagern? Auf, sammelt euch, alle Tiere des Feldes, / kommt zum Fraß!

10 Viele Hirten / haben meinen Weinberg verwüstet, mein Feld zertreten, mein prächtiges Feld zur öden Wüste gemacht.

11 Man hat es in dürres Ödland verwandelt, / verwüstet trauert es vor mir. Das ganze Land ist verödet, / doch keiner nimmt sich das zu Herzen.

12 Über alle Hügel der Steppe / drangen Verderber ein; denn ein Schwert frisst für den HERRN von einem Ende des Landes zum andern Ende des Landes. / Es gibt keinen Frieden für alles Fleisch.

13 Sie haben Weizen gesät und Dornen geerntet, sie haben sich abgemüht, es hat ihnen nichts genützt. Werdet beschämt von euren Erträgen wegen des glühenden Zornes des HERRN!

Pass dich nicht an, mach etwas anderes, rebelliere! Don’t conform, don’t obey, do something else, rebel!

Ein Interview mit Daniel Libeskind

An Interview with Daniel Libeskind

Daniel Libeskind ist als Kind von Holocaust­ Überlebenden 1946 in Polen geboren. Die Familie wandert aus, zunächst nach Israel, dann in die USA. Trotz seiner großen Musikalität entscheidet sich Libeskind für ein Architekturstudium an der Cooper Union in Manhattan und an der University of Essex in England. Als Architekturtheoretiker verfolgt Libeskind bis heute einen multidisziplinären Ansatz. Lange ist er vor allem für seine künstlerischen Architekturzeichnungen und Modelle bekannt, bei denen er nicht zwischen Theorie und gebautem Projekt unterscheidet.

Daniel Libeskind was born in Poland in 1946 to Holocaust survivors. The family emigrated, first to Israel, then to the USA. Despite his musical talent, Libeskind decided to study architecture at the Cooper Union in Manhattan and the University of Essex in England. As an architect, Libeskind continues to pursue a multidisciplinary approach. He has long been known for his artistic architectural drawings and models, in which he makes no distinction between theory and built projects.

Lieber Daniel Libeskind, Ihr Entwurf des Jüdischen Museums Berlin enthält zahlreiche Inschriften und Bezüge, unter anderem ein Zitat aus Jeremia 12:7. Warum haben Sie gerade diese Stelle ausgewählt?

In der Passage geht es um Trostlosigkeit und Verwüstung: „Ich verlasse mein Haus, ich verstoße mein Erbteil. Meinen Herzensliebling gebe ich preis, in die Hand seiner Feinde.“ Als ich Ende der 1980er-Jahre am Entwurf für das Museum arbeitete, brachten diese Verse für mich zum Ausdruck, wie Berlin auf mich wirkte. Und in gewisser Weise beschreiben sie auch einen Void, einen Hohlraum. Allerdings sind solche Bibel-

Nun, ich habe damals in meinen Plänen eine imaginäre Ausstellung entworfen: Ich habe keine leeren Grundrisse gezeichnet, sondern die Räume enthielten sogenannte Exponate. Ich wollte die „Einbahnstraße“ einbeziehen und die Richtung anhand der Topografie des Museums umkehren, also die spezifischen Orte bei Benjamin in einen Zusammenhang mit einer Umkehr der Einbahnstraße bringen. So als würde man sie durch das Museum von der anderen Seite aus sehen.

Das war im Wesentlichen, was mich inspiriert hat! Benjamins Beschreibung Berlins hat mir damals sehr viel bedeutet und tut es auch weiterhin.

Benjamins Beschreibung Berlins hat mir damals sehr viel

bedeutet.

zitate dermaßen facettenreich, dass sie sich immerzu auf fast alles beziehen! Jede Stelle bei Jeremia könnte als Prisma dienen, durch das sich viele andere Dinge betrachten ließen, die mir beim Entwerfen des Gebäudes durch den Kopf gingen.

Neben diesem Bibelzitat haben Sie auch sehr poetische Passagen aus Walter Benjamins „Einbahnstraße“ ausgewählt: Sie nennen sämtliche Gebäude und Orte, die er in dem Abschnitt „Reiseandenken“ erwähnt. Warum?

Dear Daniel Libeskind, your main sketch of the Jewish Museum Berlin includes many writings and references, among them a quote from Jeremiah 12:7. Why did you choose this specific passage?

That passage deals with desolation: “I have forsaken my house, I have left my heritage; I have given the dearly beloved of my soul into the hand of her enemies.” When I designed the sketch in the late 1980s, it struck me as being descriptive of what I felt Berlin looked like. And in a way, these words are a description of a Void. But these biblical passages are so multifaceted that they refer to almost everything at any time! Any passage in Jeremiah could be a prism through which to see many other things that went on in my head while designing the building.

pography of the museum, to relate Benjamin’s particular destinations to a reversal of his one-way street. As if one was seeing it from the other side, through the museum. That was at least my general inspiration! Benjamin’s description of Berlin to me was very relevant and continues to be so.

In 1985, some years before you won the competition for the Jewish Museum Berlin Building, you presented the installation Three Lessons in Architecture. The Machines : Each of these machines, The Reading Machine , The Memory Machine , and The Writing Machine , refers to a specific era. There is a connection of The Writing Machine to the JMB; could you explain its role?

1985, ein paar Jahre bevor Sie die Ausschreibung für das Gebäude des Jüdischen Museums Berlin gewannen, haben Sie die Installation „Three Lessons in Architecture. The Machines“ ausgestellt. Jede dieser Maschinen, „The Reading Machine“ (die Lese- Maschine), „The Memory Machine“ (die Erinnerungs- Maschine) und „The Writing Machine“ (die SchreibMaschine), bezieht sich auf eine bestimmte Epoche. Zwischen „The Writing Machine“ und dem Jüdischen Museum Berlin besteht

There’s a strong relation between exile and writing.

Besides this biblical quote you include very poetic pieces from Walter Benjamin’s Einbahnstraße (One-Way Street): You mention all the buildings and places that he listed in the fragment “Travel Souvenirs”. Why?

Well, I designed an imaginary installation in my drawings: They were not just empty plans but had so-called “exhibits” inside them. I tried to use Einbahnstraße and to reverse its direction through the to-

There are many connections, but the most physical one was that I tried to build its equivalent in what is today the Garden of Exile. There’s a strong relation between exile and writing; really, exile exists purely in writing. This is what The Writing Machine implies. Later, I transformed it because, of course, it required a very different approach in a building rather than in an art installation.

Why are you so fascinated by machines? Which machine would you build today?

Eine Maschine für die Erinnerung der Erinnerung, das Schreiben des Schreibens oder das Lesen des Lesens.

eine Verbindung; könnten Sie sie erklären?

Es gibt viele Verbindungen, aber die unmittelbarste, konkreteste Verbindung besteht darin, dass ich versucht habe, mit dem heutigen Garten des Exils ein Pendant zur „Writing Machine“ zu schaffen. Exil und Schreiben sind eng miteinander verbunden; eigentlich existiert das Exil nur im Schreiben. Genau das ist die Botschaft von „The Writing Machine“. Später habe ich dann das Konzept umgearbeitet, denn selbstverständlich erfordert ein Gebäude einen ganz anderen Ansatz als eine Kunstinstallation.

Was fasziniert Sie so an Maschinen? Was für eine Maschine würden Sie heute bauen?

Le Corbusier sagte, das Haus sei eine Wohnmaschine. Doch was für eine Art von Maschine ist ein Haus? Ist es jene Maschine, die Le Corbusier erfand und die eine technologische, funktionalistische Auffassung vom menschlichen Körper beinhaltet, oder hat es eher etwas mit Erinnerung, mit Schreiben und mit Lesen zu tun?

Was für eine Art von Maschine ich heute bauen würde? Wahrscheinlich eine

Maschine für die Erinnerung der Erinnerung, das Schreiben des Schreibens oder das Lesen des Lesens. Schließlich sind wir heute von KI-Robotern umgeben!

Ihre Arbeit schöpft aus so unterschiedlichen Quellen wie Literatur, Musik oder Geschichte. Wie würden Sie Ihren Beruf definieren, ohne dabei das Wort „Architektur“ zu verwenden?

Mein Beruf gehört zu den freien Künsten. Wissen Sie, die Leute denken immer, die Grundlagen der Architektur seien Mathematik, Geometrie, die Naturwissenschaften und so weiter. Aber ich sage, meine Arbeit gehört zu den freien Künsten, denn Architektur ist eine Kunst der Freiheit. Sie wird nicht nur von der Schwerkraft bestimmt. Zudem vergessen viele Menschen, dass Architektur eng mit Gedankenfreiheit im demokratischen Sinne verbunden ist.

Können Sie diese Beziehung zwischen Architektur und Demokratie etwas näher erläutern?

Jedes architektonische Bauwerk – das gilt selbst für die Pyramiden – muss eine Tür haben. Es geht also immer um den anderen, darum,

Le Corbusier said the house is a machine to live in. But what kind of machine is a house? Is it the machine that Le Corbusier invented, which is a kind of technological, functionalistic idea of the human body, or is it really to do with memory, with writing, and reading? So, what kind of machine would I construct today?

Probably the memory of the memory, the writing of the writing, or the reading of the reading machine. As we live in the era of AI, and robots are all around us!

Your work is inspired by all kinds of different ideas, from literature to music to history. How would you describe your profession without using the word architecture?

It's one of the liberal arts. You know, people think mathematics, geometry, science, and all these are the main necessities in architecture. But I say my work is one of the liberal arts because liberal means free, and architecture is an art of freedom. It's not something just

have a door. So, it's always about the other, about somebody else entering. That is the beginning of a thought of the other. And this thought is the beginning of democratic sense: Who is the other, who are the others? How are we to relate in a civilized way? We can see the disasters that are on the horizon today across the world – they have a lot to do with closed doors, with marginalization and segregation.

We know that music plays an important role in all your doings. How is it implemented in your architecture of the JMB?

I was very interested not just in Schönberg's Moses and Aaron, which I tried to incorporate in the geometry of the building, but that aside, I tried to understand the acoustical space. I constructed a model with the idea of being able to play it like an instrument, a model you could hit and experience the function of the Voids in relationship to all other spaces as sound. To

Architecture is an art of freedom.

bound by gravity. And many people forget that architecture is closely connected with freedom of thought in a democratic sense.

Could you explain this connection between architecture and democracy?

Every piece of architecture, even the pyramids, must

me, the ear, when it comes to orientation, is much more important than the eye; the ear provides our sense of balance.

There are several Berliners and Germans, among them not only Walter Benjamin but also Rahel Varnhagen, Paul Celan, and Heinrich Heine included in your design

dass jemand anderes eintritt. Das ist der Anfang einer gedanklichen Auseinandersetzung mit dem anderen. Und dieser Gedanke wiederum ist der Anfang eines demokratischen Bewusstseins: Wer ist der andere, wer sind die anderen? Wie können wir zivilisiert miteinander umgehen?

Heute ziehen überall in der Welt Katastrophen herauf –sie haben viel mit geschlossenen Türen, mit Ausgrenzung und mit Abschottung zu tun.

Wir wissen, dass die Musik bei all Ihren Projekten eine große Rolle spielt. Inwiefern spiegelt sich das in der Architektur des JMB wider?

Walter Benjamin, sondern auch Rahel Varnhagen, Paul Celan und Heinrich Heine; Sie bezeichnen sie als „geistige Entitäten“. Was haben diese Menschen, von denen einige jüdisch, andere zum Christentum konvertiert sind, gemeinsam?

Ich hatte mich intensiv mit der Geschichte Berlins auseinandergesetzt und war mit vielen dieser Persönlichkeiten seit Langem vertraut. Ich wollte sie an einem Ort zusammenbringen, um die Idee einer Art „Mischehe“ der Kulturen zu veranschaulichen, um zu zeigen, wie diese unterschiedlichen Menschen tatsächlich jenes Gebilde geschaffen haben,

Ich baute ein Modell, um es wie ein Instrument zu spielen.

Zum einen fand ich Schönbergs Oper „Moses und Aaron“ sehr interessant und versuchte sie in die Geometrie des Gebäudes einzubeziehen; zum anderen wollte ich den akustischen Raum verstehen. Ich baute ein Modell, um es wie ein Instrument zu spielen, ein Modell, das man anschlagen kann, um zu erfahren, wie sich die Voids im Verhältnis zu allen anderen Räumen klanglich auswirken. Wenn es um Orientierung geht, ist für mich das Ohr viel wichtiger als das Auge; das Ohr gibt uns den Gleichgewichtssinn.

Ihr Entwurf des Jüdischen Museums Berlin bindet diverse Berliner*innen und Deutsche ein – nicht nur

of the JMB; you call them Geistige Entität , or spiritual entity. What do these specific people— some Jewish, some converted to Christianity— have in common?

dedicated to the urbanization of what formerly was an SS-camp in the town of Oranienburg north of Berlin: Your design proposal focused very strongly on the his-

I wanted to show this idea of an “intermarriage” of culture.

das wir Berlin und Deutschland nennen, und das 20. Jahrhundert. Sie einander nahezubringen, war wie ein chemischer Prozess. Man nimmt eine Adresse, man nimmt ein geometrisches Element, man kombiniert beides und fragt sich: Was ergibt sich daraus für den Museumsraum? Vielleicht ein Fenster, ein Ausblick, ein Blickwinkel der Erinnerung?

Was für ein Modell könnte denn Klänge entstehen lassen? Sind nicht die Modelle alle aus Papier und weichem Material, das eigentlich kein Geräusch erzeugt?

Selbst Papier oder Pappe gibt Klänge ab! Wenn man genau hinhört, erwacht

I had delved deeply into Berlin's history and long knew many of these characters. I wanted to bring them into one site, to show this idea of an “intermarriage” of culture, to show how these different people really created this entity we call Berlin and Germany, and the 20th century. It was a sort of chemical process to bring them close together. You take an address, you take a piece of geometry, you intersect them and find out: what does it give you within the museum’s space? Maybe a window, a view, an angle of memory?

Which model is it exactly that would give you a sound? Aren't they all from paper and soft material that doesn't really give off sound?

Even paper, even cardboard makes sounds! You know, if you listen, even a piece of crumpled paper when it's unwound becomes alive.

With your architecture, and especially with the Jewish Museum, you manage to translate the historical rupture of the Holocaust into buildings. In a certain way, you did the same in a project

tory of the site, with the result that this history cannot be ignored any more by anyone involved. Is there a process that leads you to this very impressive effect?

I really think—and have always thought—that after the events of the Shoah and after Hiroshima, the world is radically different. We cannot think in the same ways about reality, history, and continuity. Those events require a completely new way of looking at history, looking at physical space, at sites, and how to go on with them. Architecture, too, has changed completely and in historical sites there is something that must be addressed, something which is there, which is no longer like what it was in the past. These spaces cannot just continue to be developed in the same way.

If you were to build the Jewish Museum Berlin today, what would you change?

I would build the Voids larger and the bridges that cross them narrower; I think my idea of the Void of a means to address the physical emptiness that resulted from the expulsion,

sogar ein zusammengeknülltes Stück Papier wieder zum Leben, wenn man es glattstreicht.

Mit Ihren architektonischen Werken und insbesondere mit dem Jüdischen Museum Berlin gelingt es Ihnen, den historischen Bruch des Holocaust in ein Gebäude zu übersetzen. In gewisser Weise haben Sie das auch bei einem Projekt in Oranienburg im Norden Berlins getan, bei dem es darum ging, ein ehemaliges SS-Truppengelände zu „urbanisieren“: Ihr Entwurf stellt die Geschichte des Ortes klar in den Mittelpunkt, sodass sie von niemandem mehr ignoriert werden kann. Gibt es einen Prozess, durch den Sie zu diesem sehr beeindruckenden Ergebnis gelangten?

Ich bin fest davon überzeugt – und war es schon immer –, dass die Welt nach den Ereignissen der Schoa und nach Hiroshima eine vollkommen andere ist. Wir können nicht mehr so wie vorher über Realität, Geschichte und Kontinuität nachdenken. Diese Ereignisse erfordern eine völlig neue Sicht auf die Geschichte, auf den physischen Raum, auf Orte und darauf, wie wir mit all dem umgehen sollten. Auch die Architektur hat

sich grundlegend verändert, und an historischen Stätten gibt es etwas, das thematisiert werden muss, etwas, das da ist, aber nicht mehr so ist, wie es früher war. Solche Orte kann man nicht auf die gleiche Weise wie andere weiterentwickeln.

Wenn Sie das Jüdische Museum Berlin heute bauen würden, was würden Sie anders machen?

Ich würde die Voids größer anlegen und die Brücken über sie hinweg schmaler. Ich glaube, dass meine Idee der Voids , mit denen ich die physische Leere thematisiert habe, die durch die Vertreibung, Zerstörung und Auslöschung jüdischen Lebens in der Schoa verursacht wurde, zutreffend ist und dass sie in der Welt nach der Schoa noch an Bedeutung gewonnen hat. Wir sehen heute, wie falsch es war zu glauben, das Ende der Schoa würde das Ende des Antisemitismus bedeuten. Die Voids müssen größer ausfallen.

Die Voids beeindrucken alle Besucher*innen des JMB. Was sollte Architektur leisten und vermitteln können?

Meines Erachtens sollten sie eine Erfahrung auslösen, die sich nicht in Worte fassen lässt, etwas, das über bloße

Wir können nicht mehr so wie vorher über Realität, Geschichte und Kontinuität nachdenken.

destruction, and annihilation of Jewish life in the Shoah is true, and it has increased its importance in the postShoah world. Today, we see that it was an illusion to think the end of the Shoah would be the end of antisemitism. The Voids need to be bigger.

Should a building ever be demolished?

That’s difficult to answer. I'm personally against demolition because there's such an effort to make a building! But would you demolish a prison? Would you demolish

Today, we see that it was an illusion to think the end of the Shoah would be the end of antisemitism.

The Voids impress every visitor to the JMB. What should architecture be capable of and convey?

I think it should be able to embody in your experience something that cannot be put into words, something that is not information that could be read or given. It should embody something you must experience in space and in time, and not only intellectually.

Fortunately, the Jewish Museum Berlin has a large audience. What would you like to ask our visitors who often spend hours in your building?

If you are not Jewish, do you have an idea of Jews and what it means to be Jewish after you experienced the building and the exhibitions? Do you learn something profound, not just in terms of information, but in their own persona? Do you come out slightly different than when you walked in?

a trace of history that is evil? You'd have to think about it. What we tear down, or even just clean of historical traces, is lost. Take, for example, the Air Force ministry in Berlin, today the Federal Ministry of Finance. It is such an important building! I'm always disturbed that they restored it, polished it, and all that remains in terms of remembering is a little plaque that says this was Göring’s ministry. They should have done something so that people could not innocently walk by that building! Everyone should understand that this building had a role in the destruction of millions of people.

What makes you curious?

I like to think more than curiosity, I like to think of the sense of wonder: What are we doing here? Why were we born? Why in this era? What are we supposed to see? Where are we going with all this?

Information hinausgeht und das man nicht durch Lektüre rezipieren oder vermitteln kann. Architektur sollte etwas verkörpern, das man in Raum und Zeit erfahren muss, statt es intellektuell aufzunehmen.

Glücklicherweise erfreut sich das Jüdische Museum Berlin großer Beliebtheit. Was würden Sie unsere Besucher*innen, die oft mehrere Stunden in Ihrem Gebäude verbringen, fragen?

Wenn sie nicht jüdisch sind: „Haben Sie nach dem, was Sie durch das Gebäude und die Ausstellungen erlebt haben, eine Vorstellung davon, wer Jüdinnen und Juden sind und was es bedeutet, jüdisch zu sein? Haben Sie etwas Wesentliches gelernt, etwas, das nicht nur die Fakten betrifft, sondern auch in Bezug auf die Menschen selbst? Sind Sie beim Verlassen des Museum ein kleines bisschen verändert im Vergleich zu vor Ihrem Besuch?“

Sollte ein Gebäude je abgerissen werden?

Schwierige Frage. Ich persönlich bin gegen das Abreißen, weil es so viel Mühe kostet, ein Gebäude überhaupt zu errichten! Aber was ist mit einem Gefängnis, würde man das abreißen? Würde man die Spuren einer dunklen, bösen Vergangenheit tilgen? Darüber müsste man sorgfältig nachdenken. Was wir abreißen oder auch bloß von den Spuren der

Geschichte befreien, ist verloren. Nehmen wir zum Beispiel das Reichsluftwaffenministerium in Berlin, heute das Bundesfinanzministerium. Es ist so ein bedeutendes Gebäude! Jedes Mal stört es mich, dass man es restauriert und herausgeputzt hat und dass nur noch eine kleine Gedenktafel daran erinnert, dass dies Görings Ministerium war. Man hätte etwas tun sollen, das verhindert, dass die Leute unbedarft an diesem Gebäude vorbeigehen! Jedem sollte klar sein, dass dieses Gebäude einen Anteil an der Vernichtung von Millionen von Menschen hatte.

Was weckt Ihre Neugier?

Ich glaube, mehr als Neugier ist es das Gefühl des MichWunderns: Was tun wir hier? Warum wurden wir geboren? Warum gerade in dieser Zeit? Was soll uns das zeigen? Wohin führt uns das alles? Sich zu wundern ist etwas Schönes, weil dadurch unsere Komfortzonen auf den Kopf gestellt werden. Es sagt: Pass dich nicht an, gehorche nicht, mach etwas anderes, rebelliere! Man könnte sagen, Neugier ist eher etwas Sanftes; sie ist gewissermaßen der geistige Kern einer kleinen Erschütterung. Aber sich zu wundern, zu staunen, ist gewaltig, es ist eine Rebellion, eine Rebellion gegen Konventionen!

Lieber Daniel Libeskind, vielen Dank für dieses Gespräch!

To wonder is something beautiful because it undermines and subverts our comfort zones. It says, “don’t conform, don’t obey, do something else, rebel!” One could say curiosity is mild; it’s the intellectual essence of a small upheaval. But to wonder is huge, it’s a rebellion, a rebellion against conventions!

Dear Daniel Libeskind, thank you for this interview!

Das Interview führten / The interview was conducted by Miriam Goldmann & Marie Naumann

Walter Benjamin, „Einbahnstraße“, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin 1928, Schutzumschlag von Sasha Stone Walter Benjamin, Einbahnstraße (One ­Way Street), Ernst Rowohlt Verlag, Berlin 1928, cover design by Sasha Stone

WALTER BENJAMIN

REISEANDENKEN

TRAVEL SOUVENIRS

ATRANI. Die sacht ansteigende geschweifte Barocktreppe zur Kirche. Das Gitter hinter der Kirche. Die Litaneien der alten Frauen beim Ave Maria: Einschulung in die erste Sterbeklasse. Wenn man sich umwendet, grenzt dann die Kirche wie Gott selber ans Meer. Allmorgendlich bricht die christliche Ära den Fels an, aber zwischen den Mauern darunter zerfällt immer wieder die Nacht in die vier alten römischen Viertel. Gassen wie Luftschächte. Auf dem Marktplatz ein Brunnen. Am Spätnachmittag Weiber herum. Dann einsam: archaisches Plätschern.

MARINE . Die Schönheit großer Segelschiffe ist einziger Art. Denn sie sind nicht allein in ihrem Umriß durch Jahrhunderte unverändert geblieben, sondern erscheinen in der unwandelbarsten Landschaft: auf der See gegen den Horizont abgehoben.

VERSAILLES FASSADE

Es ist, als habe man dies Schloß vergessen, wo man es vor so und soviel hundert Jahren Par Ordre Du Roi nur auf zwei Stunden als das Versatzstück einer Féerie hingestellt hat. Von seinem Glanz behält es nichts für sich, es gibt ihn ungeteilt an jene königliche Lage, die mit ihm abschließt. Vor diesem Hintergrund wird sie zur Bühne, auf der die absolute Monarchie als allegorisches Ballett tragiert ward. Doch heute ist es nur die Wand, deren Schatten man aufsucht, um den Fernblick ins Blau zu genießen, das Le Nôtre erschuf.

HEIDELBERGER SCHLOSS

Ruinen, deren Trümmer gegen den Himmel ragen, erscheinen bisweilen doppelt schön an klaren Tagen, wenn der Blick in ihren Fenstern oder zu Häupten den vorüberziehenden Wolken begegnet. Die Zerstörung bekräftigt durch das vergängliche Schauspiel, das sie am Himmel eröffnet, die Ewigkeit dieser Trümmer.

SEVILLA ALCAZAR. Eine Architektur, die dem ersten Zuge der Phantasie folgt. Sie ist durch praktische Bedenken ungebrochen. Nur Träume und Feste, deren Erfüllung, sind in den hohen Gemächern vorgesehen. Darinnen werden Tanz und Schweigen Leitmotiv, weil alle menschliche Bewegung vom stillen Getümmel des Ornamentes eingesogen wird.

MARSEILLE KATHEDRALE .

Auf dem menschenleersten, sonnigsten Platz steht die Kathedrale. Hier ist es ausgestorben, trotzdem im Süden, zu ihren Füßen, La Joliette, der Hafen, im Norden ein Proletarierviertel dicht anstößt. Als Umschlagplatz für ungreifbare, undurchschaubare Ware steht da das öde Bauwerk zwischen Mole und Speicher. An vierzig Jahre hat man darangesetzt. Doch als dann 1893 alles fertig war, da hatten Ort und Zeit an diesem Monument sich gegen Architekten und Bauherrn siegreich verschworen und aus den reichen Mitteln des Klerus war ein Riesenbahnhof entstanden, der niemals dem Verkehr konnte übergeben werden. An der Fassade

sind die Wartesäle im Innern kenntlich, wo Reisende I.­ IV. Klasse (doch vor Gott sind sie alle gleich), eingeklemmt wie zwischen Koffer in ihre geistige Habe, sitzen und in Gesangbüchern lesen, die mit ihren Konkordanzen und Korrespondenzen den internationalen Kursbüchern sehr ähnlich sehen. Auszüge aus der Eisenbahnverkehrsordnung hängen als Hirtenbriefe an den Wänden, Tarife für den Ablaß auf die Sonderfahrten im Luxuszug des Satan werden eingesehen und Kabinette, wo der Weitgereiste diskret sich reinwaschen kann, als Beichtstühle in Bereitschaft gehalten. Das ist der Religionsbahnhof zu Marseille. Schlafwagenzüge in die Ewigkeit werden zur Messezeit hier abgefertigt.

FREIBURGER MÜNSTER .

Mit dem eigensten Heimatgefühl einer Stadt verbindet sich für ihren Bewohner – ja vielleicht noch für den verweilenden Reisenden in der Erinnerung der Ton und der Abstand, mit dem der Schlag ihrer Turmuhren anhebt.

MOSKAU BASILIUSKATHEDRALE . Was die byzantinische Madonna im Arm hat ist nur eine hölzerne Puppe in Lebensgröße. Ihr Schmerzensausdruck vor einem Christus, dessen Kindsein nur angedeutet, nur vertreten bleibt, ist intensiver, als sie je mit einem lebenswahren Knabenbilde ihn zur Schau tragen könnte.

BOSCOTRECASE . Vornehmheit der Pinienwälder: ihr Dach ist ohne Verflechtungen gebildet.

NEAPEL MUSEO NAZIONALE . Archaische Statuen tragen im Lächeln das Bewußtsein ihres Leibes dem Betrachter entgegen wie ein Kind die frisch gepflückten Blumen ungebunden und zerstreut uns entgegenhebt, während die spätere Kunst strenger die Mienen schürzt, gleich dem Erwachsenen, der mit schneidenden Gräsern den dauernden Strauß flicht.

FLORENZ BAPTISTERIUM. Auf dem Portal die „Spes“ Andrea de Pisanos. Sie sitzt und hilflos erhebt sie die Arme nach einer Frucht, die ihr unerreichbar bleibt. Dennoch ist sie geflügelt. Nichts ist wahrer.

HIMMEL . Im Traume trat ich aus einem Hause und erblickte den Nachthimmel. Ein wildes Glänzen ging von ihm aus. Denn, ausgestirnt wie er war, standen die Bilder, nach denen man Sterne zusammenfügt, in sinnlicher Gegenwart da. Ein Löwe, eine Jungfrau, eine Waage und viele andere starrten, als dichte Sternhaufen, auf die Erde herunter. Kein Mond war zu sehen.

Walter Benjamin wurde am 15. Juli 1892 als erstes von drei Kindern in Berlin geboren; er war Philosoph, Übersetzer und Literaturkritiker. 1933 ins Exil gezwungen, nahm er sich, nach einem vergeblichen Versuch nach Spanien zu gelangen, im September 1940 das Leben. Die genre-übersteigende Gedankensammlung „Einbahnstraße“, aus dem die Reiseandenken hier entnommen sind, erschien 1928 im Rowohlt Verlag.

Walter Benjamin was born in Berlin on July 15, 1892, the eldest of three children; he was a philosopher, translator, and literary critic. Forced into exile in 1933, he took his own life in September 1940 after a failed attempt to reach Spain. His genre-defying collection of meditations, Einbahnstraße (One-Way Street), which includes the “Travel Souvenirs” was published first in 1928.

ATRANI . The gently rising, curved baroque staircase leading to the church. The railing behind the church, the litanies of the old women at the Ave Maria: preparing to die first­ class. If you turn around, the church verges like God Himself on the sea. Each morning, the Christian era crumbles the rock, but between the walls below, the night falls always into the four old Roman quarters. Alleyways like air shafts. A well in the market­place. In the late afternoon women about it. Then, in solitude: archaic plashing.

NAVY. The beauty of the tall sailing ships is unique. Not only has their outline remained unchanged for centuries, but also, they appear in the most immutable landscape: at sea, silhouetted against the horizon.

VERSAILLES FAÇADE . It is as if this château had been forgotten where hundred of years ago it was placed Par Ordre du Roi for only two hours as the movable scenery for a féerie . Of its splendor it keeps none for itself, giving it undivided to that royal condition which it concludes. Before this backdrop it becomes a stage on which the tragedy of absolute monarchy was performed as an allegorical ballet. Yet today it is only the wall in the shade of which one seeks to enjoy the prospect into blue distance created by Le Nôtre.

HEIDELBERG CASTLE

Ruins jutting into the sky can appear doubly beautiful on clear days when, in their

windows or above their contours, the gaze meets passing clouds. Through the transient spectacle it opens in the sky, destruction reaffirms the eternity of these fallen stones.

SEVILLE, ALCAZAR

. An architecture that follows fantasy’s first impulse. It is undeflected by practical considerations. These rooms provide only for dreams and festivities, their consummation. Here dance and silence become the leitmotifs, since all human movement is absorbed by the soundless tumult of the ornament

MARSEILLES, CATHEDRAL

.

On the least frequented, sunniest square stands the cathedral. This place is deserted, despite the proximity at its feet of La Joliette, the harbour, to the south, and a proletarian district to the north. As a reloading point for intangible, unfathomable goods, the bleak building stands between quay and warehouse. Nearly forty years were spent on it. But when all was complete, in 1893, place and time had conspired victoriously in this monument against its architects and sponsors, and the wealth of the clergy had given rise to a gigantic railway station that could never be opened to traffic. The façade gives an indication of the waiting rooms within, where passengers of the first to fourth classes (though before God they are all equal), wedged among their spiritual possessions as between cases, sit reading hymn books that, with their concordances and cross references, look

very much like international timetables. Extracts from the railway traffic regulations in the form of pastoral letters hang on the walls, tariffs for the discount on special trips in Satan's luxury train are consulted and cabinets where the long­ distance traveller can discreetly wash are kept in readiness as confessionals. This is the Marseilles religion station. Sleeping cars to eternity depart from here at Mass times.

FREIBURG MINSTER . The special sense of a town is formed in part for its inhabitants—and perhaps even in the memory of the traveller who has stayed there—by the timbre and intervals with which its tower clocks begin to chime.

MOSCOW, ST. BASIL’S

What the Byzantine madonna carries on her arm is only a life ­size wooden doll. Her expression of pain before a Christ whose childhood remains only suggested, represented, is more intense than any she could display with a realistic image of a boy.

BOSCOTRECASE . The distinction of the stone ­pine forest: its roof is formed without interlacements.

NAPLES, MUSEO NAZIONALE . Archaic statues offer in their smiles the consciousness of their bodies to the onlooker, as a child holds out to us freshly picked flowers untied and unarranged; later art laces its expressions more tightly, like the adult who binds the lasting bouquet with cutting grasses.

FLORENCE, BAPTISTRY. On the portal, the “Spes” by Andrea de Pisano. Sitting, she helplessly stretches her arms for a fruit that remains beyond her reach. And yet she is winged. Nothing is more true.

SKY. As I stepped from a house in a dream the night sky met my eyes. It shed intense radiance. For in its plenitude of stars the images of the constellations stood sensuously present. A Lion, a Maiden, a Scale, and many others shown lividly down, dense clusters of stars, upon the earth. No moon was to be seen.

Lesen Sie mit! JMB Buchclub

Im Gespräch mit der Medienwissenschaftlerin Astrid Deuber-Mankowsky und Monika Sommerer, Leiterin der JMB-Bibliothek, erkunden wir gemeinsam die fragmentarische Bilderwelt Walter Benjamins in „Einbahnstraße“, einem Schlüsseltext der literarischen Moderne. 16. Juni 2026, 18.30 Uhr, W. M. Blumenthal Akademie

Read Along! JMB Book Club (in German)

In conversation with media scholar Astrid DeuberMankowsky and Monika Sommerer, head of the JMB Library, together we will explore Walter Benjamin’s fragmentary world of images in Einbahnstraße 16 June 2026, 6:30 pm, W. M. Blumenthal Academy

Das JMB wird 25 – und mit dem Museum feiern die FREUNDE DES JMB Geburtstag! Ohne Unterstützung geht es nicht: Bildungsprogramme, neue Objekte für die Sammlung, Ausstellungen und Veranstaltungen werden in ihrer Vielfalt durch den Förderverein und sein Pendant, die FRIENDS OF THE JEWISH MUSEUM BERLIN IN THE U.S., erst ermöglicht.

Highlights from Twenty­five Years of Friendship

The JMB is turning twenty­five, and the FRIENDS OF THE JMB are joining the celebration. External support is essential to our work. Educational programs, new additions to the collection, exhibitions, and events are made possible by the friends’ association and its counterpart, the FRIENDS OF THE JEWISH MUSEUM BERLIN IN THE U.S.

Als Dank für ihre Unterstützung erwartet die FREUNDE neben dem guten Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun, ein besonderes Programm: Kuratorinnenführungen und ­ gespräche sowie Theater­ und Musikveranstaltungen zur Vertiefung der Themen der Wechselausstellungen, spannende Newsletter und die kostenlose Zusendung des JMB Journals In addition to the satisfaction of knowing they are doing something meaningful, FRIENDS are offered a special program in appreciation of their support: curator­led tours and talks, theater and music events that explore the themes of the temporary exhibitions, engaging newsletters, and a complimentary subscription to the JMB Journal.

Wenn das Jüdische Museum Berlin zu Sommerfesten im Museumsgarten einlädt, dann freuen sich die Kinder vor allem auf eines: Mazze und Challah backen! Der LEHMOFEN war die erste Förderung der FREUNDE DES JMB und tut seit 24 Jahren treue Dienste. Eine Investition von langanhaltender Freude –jedes Jahr im Sommer zieht der Duft von frischem Brot durch Kreuzberg.

When the Jewish Museum

Berlin hosts its annual summer festivals in the museum garden, there is one activity children look forward to most of all: baking matzah and challah. The CLAY OVEN was the first project supported by the FRIENDS OF THE JMB. A lasting investment in joy, it has been going strong for twenty­four years. Every summer, the scent of freshly baked bread wafts through Kreuzberg.

In unserer Jubiläumsausstellung „Das Gegenteil von Jetzt“ kommt ein besonderes Stück unserer Sammlung zum Einsatz: Ein BLÜTHNER- FLÜGEL aus dem Jahr 1913. Er ist Begleitinstrument in einer Chor­ Performance von Ari Benjamin Meyers. Die Restaurierung des Flügels wurde im Jahr 2004 ermöglicht durch die FREUNDE DES JMB.

Our anniversary exhibition The Opposite of Now features a special object from our collection: a 1913 BLÜTHNER GRAND PIANO Music performed on the instrument will accompany a choir performance by Ari Benjamin Meyers. The piano was restored in 2004 with the support of the FRIENDS OF THE JMB.

Eine Konstruktion aus Glas und Stahl überdacht den 670 Quadratmeter großen Innenhof des barocken Altbaus: Der GLASHOF, nach einem Entwurf des Museumsarchitekten Daniel Libeskind, war ein komplexes Bauprojekt –unkonventionell in der Gestaltung wie im verwandten Material. Die FREUNDE DES JMB, die FRIENDS OF THE JEWISH MUSEUM BERLIN IN THE U.S. und weitere Förderer, denen wir ebenfalls sehr dankbar sind, ermöglichten es durch eine großzügige Unterstützung. Das ganz besondere Ambiente im Glashof, sei es zur Kaffeepause, bei Veranstaltungen oder besonders festlich bei der Verleihung des Preises für Verständigung und Toleranz, ist für alle eindrucksvoll.

2002 2007 2004

The 670 ­square ­meter inner courtyard of the Baroque Old Building is enclosed by a glass­and­steel structure called the GLASHOF. Based on a design by museum architect Daniel Libeskind, it was a complex construction project—unconventional in both form and materiality. It was made possible by the generous support of the FRIENDS OF THE JMB, the FRIENDS OF THE JEWISH MUSEUM BERLIN IN THE U.S., and additional partners, to whom we are deeply grateful. Its distinctive atmosphere leaves a lasting impression on visitors, whether they stop by for a coffee break, an event, or— when the space is at its most festive—the presentation of the Prize for Understanding and Tolerance.

Während eines Ostseeurlaubs im Jahr 1902 porträtierte Lovis Corinth seine Schülerin und Geliebte Charlotte Berend. Der Maler, Grafiker und Kunstschriftsteller Corinth gehörte zu den Mitbegründern der Münchner Secession. Das Porträt PETERMANNCHEN erzählt vom Spannungsverhältnis jüdischer Identitäten diesseits und jenseits von Religion und diesseits und jenseits von Bürgertum. Dank der Unterstützung der FREUNDE DES JMB ist es seit 2007 Teil der Kunstsammlung.

During a holiday on the Baltic Sea in 1902, Lovis Corinth painted a portrait of his student and lover Charlotte Berend. Corinth—a painter, graphic artist, and writer on art—co ­founded the Munich Secession. The portrait PETERMANNCHEN explores the tensions shaping Jewish identity—within and beyond religious and middleclass norms. Thanks to the support of the FRIENDS OF THE JMB, it has been part of our collection since 2007.

2007 2007 2010

JMB ON.TOUR – DAS JÜDISCHE MUSEUM BERLIN MACHT SCHULE! Seit mehr als 15 Jahren kommt die Dauerausstellung des JMB zu Schüler*innen in ganz Deutschland. Die Programme vermitteln Wissen zu deutsch­jüdischer Kultur, Geschichte und Gegenwart für Jugendliche ab 12 Jahren und junge Erwachsene. Das Angebot umfasst interaktive Workshops und gibt Raum für einen offenen Austausch, der durch Museumsvermitt

ler*innen geleitet wird. Die FREUNDE DES JMB haben dieses wegweisende Angebot für museale OutreachProgramme auf den Weg gebracht und lange begleitet. JMB ON.TOUR—THE JEWISH MUSEUM BERLIN VISITS CLASSROOMS: for more than fifteen years, the JMB’s core exhibition has traveled to students throughout Germany. The programs offer insights into GermanJewish culture, history, and contemporary life for adolescents and young adults. Activities such as interactive workshops promote open exchange and are guided by the museum’s educators.

Ein Meilenstein in der Erwei terung des Museumsareals: 2010 gelang der Kauf des Grundstücks der ehemaligen BLUMENGROSSMARKTHALLE, gegenüber des Museums. Das Gebäude ist heute die W. Michael Blumenthal Akademie, hier findet sich die öffentliche Bibliothek des Museums und das umfangreiche Archiv. Zudem beherbergt die Halle seit 2020 ANOHA, die Kinderwelt des Jüdischen Museums Berlin – den Eingang weist eine beeindruckende Faultierskulptur. Der Frometund­ Moses­ MendelssohnPlatz ist mittlerweile Zentrum eines neuen und wachsenden Kiezes. Ohne die Unterstützung der FREUNDE DES JMB wäre diese zukunftsweisende Investition nicht möglich gewesen.

A milestone in the expansion of the museum: in 2010, the JMB acquired the site of the former WHOLESALE FLOWER MARKET HALL opposite the museum complex. It now houses the W. Michael Blumenthal Academy, home to the museum’s publicly accessible library and extensive archives. Since 2020, it has also housed ANOHA, the children’s world of the Jewish Museum Berlin, with a striking sloth sculpture marking the entrance. Fromet and Moses Mendelssohn Square is now the center of a growing new neighborhood. This forward­looking investment would not have been possible without the support of the FRIENDS OF THE JMB.

OBJEKTEN DES RELIGIÖ -

SEN GEBRAUCHS dokumentiert das JMB jüdische Geschichte und Kultur anhand von Ritual­ und Alltagsgegenständen. Aufgrund der Verfolgung und Flucht von Jüdinnen und Juden stoßen die Sammlungskurator*innen nur äußerst selten auf ein jüdisches Zeremonialobjekt, das sich seit Generationen im Besitz einer deutschen Familie befindet. Der Tora­Schild der Familie Falk­ Helman ist ein solch seltenes und schönes Stück. Der Ankauf wurde 2014 finanziert durch die FREUNDE DES JMB.

The JMB documents Jewish history and culture through its COLLECTION OF RELIGIOUS OBJECTS , including both ritual and everyday artifacts. Due to the persecution and displacement of Jews, it is rare for the museum’s curators to encounter ceremonial objects that have remained in the possession of German Jewish families for generations.

One such rare object is the beautiful Torah shield that once belonged to the Falk/ Helman family. Its acquisition was funded in 2014 by the FRIENDS OF THE JMB.

Partizipative Angebote gehören zur DNA des JMB. Richtungsweisend ist 2018 der Launch von JEWISHPLACES: Auf einer interaktiven Karte bündelt die Plattform Wissen zu jüdischen Orten, Einrichtungen und Biografien und macht sichtbar, wie eng jüdisches Leben mit der deutschen Gesellschaft verwoben ist. Getragen von der engagierten Community ist die Datenbasis heute auf über 16.000 Einträge angewachsen. Die FRIENDS OF THE JEWISH MUSEUM IN THE U.S. haben die Entwicklung wesentlich unterstützt.

Participatory programs are encoded in the JMB’s DNA.

A milestone event was the 2018 launch of JEWISHPLACES —a platform that

2014 2020 2018

2020 eröffnete die neue DAUERAUSSTELLUNG DES JMB „Jüdische Geschichte und Gegenwart in Deutschland“. Zeitgleich wird die JMB APP gelauncht. Seitdem können die neue Dauerausstellung, der Museumsgarten und viele weitere Orte im Museum auch digital besucht werden. Dank der FRIENDS OF THE JEWISH MUSEUM BERLIN IN THE U.S. existiert das Angebot heute in acht Sprachen. Ein digitales Hands­ on­ Highlight in der Dauerausstellung ist das interaktive FAMILIEN -

ALBUM . Hier werden über 400 Objekte aus den Familiensammlungen des Museums präsentiert, jedes erzählt eine Geschichte. Zusammen fügen sie sich zu vielschichten Porträts jüdischen Lebens in Deutschland, über Jahrhunderte hinweg.

In 2020, the JMB opened its new CORE EXHIBITION , Jewish Life in Germany: Past and Present . The JMB APP was unveiled at the same time, enabling visitors to explore the core exhibition, the museum garden,

pools knowledge about Jewish locations, institutions, and biographies on an interactive map, showing how closely Jewish life and German society are intertwined. Supported by a dedicated community, it features a database that has grown to more than 16,000 entries. The FRIENDS OF THE JEWISH MUSEUM BERLIN IN THE U.S. provided crucial support for its development.

Die interaktive Karte zu jüdischem Leben in Deutschland: The interactive map about Jewish life in Germany:

and many other areas of the museum in a digital environment. Thanks to the FRIENDS OF THE JEWISH MUSEUM BERLIN IN THE U.S., the app is now available in eight languages. A digital highlight of the core exhibition is the interactive FAMILY ALBUM , which presents more than 400 objects from the museum’s family collections and the stories they tell. These objects create multifaceted portraits of Jewish life in Germany across the centuries.

2021 konnte ANOHA , die Kinderwelt des Jüdischen Museums Berlin, nach coronabedingter Verzögerung endlich erste Besucher*innen empfangen. Ein großer Dank gilt allen Förderern und den FRIENDS OF THE JEWISH MUSEUM BERLIN IN THE U.S. für die Unterstützung, gerade in schwierigen Zeiten. In 2021, after a Covid­related delay, ANOHA , the children’s world of the Jewish Museum Berlin, welcomed its first visitors. We would like to thank all our sponsors, including the FRIENDS OF THE JEWISH MUSEUM BERLIN IN THE U.S., for their support under difficult conditions. ERWERBUNGSFOND

Das JMB setzt ein STARKES ZEICHEN IN SOCIAL

MEDIA : Seit November 2025 wird der TikTok Kanal des JMB aktiv und kuratiert bespielt. Die FREUNDE DES JMB unterstützen diese wichtige digitale Präsenz des Museums und damit eine verlässliche Stimme jüdischer Perspektiven im Netz – für wahre Geschichten und echte Informationen. Getting the message out on social media: since November 2025, the JMB has actively managed and curated its own TIKTOK CHANNEL . The FRIENDS OF THE JMB support this important digital project, which provides a trusted online voice for Jewish perspectives, grounded in real stories and reliable information.

KUNST: Seit 2015 unterstützen die FREUNDE DES JMB künstlerische Projekte und die Erweiterung der Sammlung. Für die Ausstellung „Sex. Jüdische Positionen“ wurde 2024 das Auftragswerk „Episoden aus dem Babylonischen Talmud“ der in Berlin lebenden israelischen Künstlerin Noa Snir sowie dessen Ankauf für die Sammlung ermöglicht.

ACQUISITION FUND FOR CONTEMPORARY ART: since 2015, the FRIENDS OF THE JMB have supported artistic projects and the expansion of the collection. For the exhibition Sex: Jewish Positions , the friends’ association provided funding for the commissioning and subsequent acquisition of the work Episodes from the Babylonian Talmud (2024) by Berlin­based Israeli artist Noa Snir.

Mitten im Libeskind­ Bau bietet der LOTTE KALISKI RAUM einen geschützten Rückzugsort. Er wurde speziell für und von neurodiversen Personen konzipiert, um sich abseits des Trubels mit den Ausstellungsthemen und der Museumsarchitektur auseinanderzusetzen. Er ist offen für alle Besucher*innen des JMB. Der Lotte Kaliski Raum wurde durch die Unterstützung der FREUNDE DES JMB ermöglicht.

The LOTTE KALISKI ROOM is a quiet retreat at the heart of the Libeskind Building. It was designed by and for neurodiverse people, allowing them to engage with the themes and architecture of the museum away from the bustle of crowds. It is open to all JMB visitors and was made possible with the support of the FRIENDS OF THE JMB.

2025 2024 2026

DI.KLA – DER DIGITALE

KLASSENRAUM DES JMB ist ein kostenfreies OnlineLernangebot zu jüdischer Geschichte und Kultur und richtet sich an Schulklassen ab der 7. Jahrgangsstufe. Verschiedene Lerneinheiten sind auf Deutsch und Englisch verfügbar und lassen sich flexibel in den Unterricht einbinden. Das Angebot wächst stetig! Ohne die FRIENDS OF THE JEWISH MUSEUM BERLIN IN THE U.S. wäre das nicht möglich. Thank you!

DI.KLA—THE JMB’S DIGITAL CLASSROOM — is a free online learning resource devoted to Jewish history and culture and aimed at school classes from

the seventh grade onward. Various learning units are available in German and English and can be easily integrated into lessons. The program, which continues to grow, would not have been possible without the support of the FRIENDS OF THE JEWISH MUSEUM BERLIN IN THE U.S. Thank you!

In der Eric F. Ross Galerie im Libeskind­ Bau wird seit 2023 eine AUSSTELLUNGSREIHE präsentiert: Unter dem Titel JMB SAMMLUNG werden Perspektiven eröffnet auf bekannte oder noch nie gezeigte Objekte aus der Sammlung. Die FREUNDE DES JMB fördern diese Reihe. Die Ausstellung „Inventuren. Salman Schockens Vermächtnis“ erfreute sich zahlreicher Besucher*innen. Aktuell ist die Ausstellung „Between the Lines. Daniel Libeskind und das Jüdische Museum Berlin“ zu sehen.

Since 2023, the Eric F. Ross Gallery in the Libeskind Building has hosted the EXHIBITION SERIES JMB COLLECTION . The exhibitions present new perspectives on both familiar and previously unseen objects from the museum’s holdings and are supported by the FRIENDS OF THE JMB. Past shows include Inventories: The Legacy of Salman Schocken, which attracted a large number of visitors; the current exhibition is Between the Lines: Daniel Libeskind and the Jewish Museum Berlin.

WER ERZÄHLT UNS GESCHICHTE?

WHO TELLS US HISTORY?

Ziehe

Erkunden Sie unsere Familiensammlungen! Explore our family collections yourself!

jmberlin.de/familiensammlungen

jmberlin.de/en/family-collections

Blick auf ein Dokument am Scanner während des Digitalisierungsprozesses View of a document on the scanner during the digitization process

Die Familiensammlungen im Jüdischen Museum Berlin sind Zeugnisse von jüdischen Alltags- und Lebenserfahrungen aus 250 Jahren und stehen gleichzeitig für unzählige Momente der Geschichte. Jeder einzelne Gegenstand geht mit der Verpflichtung einher, die Erinnerungen an die Menschen wachzuhalten, die dem Jüdischen Museum Berlin ihre Nachlässe anvertraut haben: Emigrant*innen, Überlebende des Holocaust und ihre Nachkommen in der ganzen Welt. The family collections at the Jewish Museum Berlin bear witness to 250 years of Jewish life and experience and reflect many important moments in history. Each object carries the responsibility to keep alive the memory of the people who entrusted family papers and possessions to the Jewish Museum Berlin: emigrants, Holocaust survivors, and their descendants worldwide.

DE Ein Mitgliedsausweis der Jüdischen Gemeinde Berlin aus dem Jahr 1980, das Foto eines Paares auf einer Hollywoodschaukel in den USA um 1955, ein gefälschter Ausweis von ca. 1942, ein Berechtigungsschein der Berliner Verkehrsbetriebe von 1938, ein Sederteller von 1853: Jedes dieser Objekte könnte Anlass für eine spannende Erzählung sein, eine Entdeckungsreise oder ein Forschungsprojekt. Gemeinsam ist ihnen, dass sie zu den Familiensammlungen des Jüdischen Museums Berlin gehören – jedes Dokument, jeder Gegenstand, jede Fotografie bezeugt nicht nur einen Moment in der Geschichte, sondern trägt auch ganz persönliche Erinnerungen in sich.

Von Generation zu Generation geben Familien ihre Erinnerungen weiter – mündlich, schriftlich und häufig auch durch Dinge. Deren materieller Wert spielt dabei oft keine Rolle: Das Lieblingsstofftier, ein besonderer Schnappschuss, das Ölgemälde einer Großfamilie können ebenso große Bedeutung transportieren wie eine kostbar geschmiedete Chanukkia.

In der Erinnerungsgeschichte jüdischer Familien haben sich die Schoa und ihre Folgen tief eingeschrieben: Familien wurden ermordet, ihre Erinnerungen gelöscht, Hab und Gut zerstört. Menschen, die vor den Nazis fliehen konnten, mussten Dinge zurücklassen; wenn überhaupt, konnte nur Ausgewähltes bewahrt werden, Kostbarkeiten – ob von materiellem oder immateriellem Wert –, an die später die Familienerzählungen

EN A membership card issued by the Jewish community in Berlin in 1980, a photograph of a couple on a swing in the United States around 1955, a forged ID from around 1942, a Berlin public transport ticket from 1938, and a Seder plate from 1853—all of these objects could serve as the starting point for an engaging story, a journey of discovery, or a research project. What they have in common is that they all come from the family collections of the Jewish Museum Berlin. Each document, object, and photograph not only bears witness to a moment in history but holds deeply personal memories.

Families pass down memories from generation to generation—orally, in writing, and often through objects. In many cases, the material value of these objects is of little importance. A favorite stuffed animal, a special photograph, or an oil painting of an extended family can carry as much meaning as an intricately crafted Hanukkah menorah.

The Shoah and its aftermath have left an indelible mark on Jewish collective memory: entire families were murdered, their memories extinguished, their possessions destroyed. Those who managed to flee the Nazis were forced to leave many things behind. In most cases, only a few items could be preserved—objects of material or immaterial value around which family stories later developed. Memories are not fixed representations of the past but are continually reconstructed. Personal belongings are sorted, labeled, researched, and analyzed within families or by heirs. At the same time, many objects remain undiscovered in basements or attics, and new testimonies constantly emerge, providing a record for future generations.

There are a variety of reasons for families to donate objects to a museum: in some cases, they are aware of their historical significance beyond the family itself, while in others personal connections may have weakend due

Kurt Friedländer

Während der Zeit des Nationalsozialismus überlebt Kurt Friedländer (1899–1986) durch eine sogenannte Mischehe, muss aber jahrelang Zwangsarbeit leisten. Nach dem Krieg wird er als Opfer des Faschismus anerkannt und ist Mitglied in der Ostberliner Jüdischen Gemeinde. Bis zu seinem Tod im Jahr 1986 lebt er in Pankow und wird im Familiengrab auf dem Jüdischen Friedhof Berlin­Weißensee beigesetzt. Auf dem Mitgliedsausweis der Jüdischen Gemeinde Berlin vom 21. August 1980 ist der Zusatz „Hauptstadt der DDR“ zu lesen.

Kurt Friedländer

During the Nazi era, Kurt Friedländer (1899–1986) survived in what was called a “mixed marriage,” but was subjected to years of forced labor. After the war, he was recognized as a victim of fascism and became a member of the Jewish community in East Berlin. He lived in Pankow until his death in 1986 and was buried in his family’s plot in Jewish Cemetery BerlinWeissensee. His membership card for the Jewish community in Berlin, dated August 21, 1980, describes the city as the “capital of the GDR.”

anknüpften. Erinnerungen sind keine festgeschriebenen Darstellungen, sondern werden immer wieder neu rekonstruiert. Nachlässe werden innerhalb der Familien oder von Erb*innen sortiert, beschriftet, erforscht und analysiert. Manches verbleibt aber auch unentdeckt in Kellern oder auf Dachböden. Zudem kommen immer wieder neue Überlieferungen hinzu, die Zeugnis für zukünftige Generationen ablegen.

Die Gründe, warum Familien ihre Erinnerungsstücke an ein Museum geben, sind unterschiedlich: Manchen ist deren historische Bedeutung über die eigene Familie hinaus bewusst, bei anderen werden persönliche Bezüge durch fehlende Sprachkenntnisse oder Kontextinformation schwächer. In allen Fällen werden Materialien dadurch aus einem persönlichen, privaten Kontext in einen öffentlichen überführt. Dass sie abgegeben werden und somit zu Sammlungs-

to a lack of language skills or contextual knowledge. In all instances, these materials are transferred from a personal, private setting to the public sphere. Their donation and incorporation into our collection reflect the deep trust placed in our work. As a museum, we have a great responsibility and an obligation to document, preserve, and share knowledge about these collections with a wide audience.

Starting Point for Educational Work

Since its inception, the Jewish Museum Berlin has received more than 1,800 such family collections from around the world, making it a central site for the preservation of German-Jewish family heritage. The collections offer insight into the religious, cultural, economic, and private lives of Jewish individuals in the past and present. They are essential to

Walter Schoenholz und Ilse Sternberg

Walter Schoenholz (1923–2016) und Ilse Sternberg (1924–1994) stammen aus dem Ruhrgebiet. Walter Schoenholz wächst in Recklinghausen auf und wandert 1937 mit seinen Eltern nach Palästina aus. 1950 zieht er weiter nach England und ein Jahr später in die USA. Ilse Sternberg kommt aus Bochum und kann 1939 mit einem Kindertransport nach England flüchten; später geht sie in die USA. 1952 heiraten die beiden. Die Fotografie, die das junge Ehepaar auf einer Hollywoodschaukel zeigt, stammt aus den Jahren 1955–1960.

Walter Schoenholz and Ilse Sternberg

Walter Schoenholz (1923–2016) and Ilse Sternberg (1924–1994) both came from Germany’s Ruhr region. Walter Schoenholz grew up in Recklinghausen and emigrated to Palestine with his parents in 1937. In 1950, he continued on to England and, one year later, to the United States. Ilse Sternberg was born in Bochum and escaped to England on a Kindertransport in 1939; she later moved to the United States. The two married in 1952. The photograph of the young couple on a swing dates from 1955–1960.

objekten werden, stellt einen großen Vertrauensbeweis in unsere tägliche Arbeit dar. Für uns als Museum ist es eine große Verantwortung und Verpflichtung, die Sammlungen zu erschließen, zu bewahren und das Wissen darüber an eine möglichst breite Öffentlichkeit weiterzugeben.

Ausgangspunkte für Vermittlungsarbeit

Das Jüdische Museum Berlin hat seit seinem Entstehen mehr als 1.800 solcher Nachlässe von Familien aus aller Welt erhalten und ist zu einem zentralen Ort für das Sammeln deutsch-jüdischer Familienkonvolute geworden. Sie bieten Einblicke in religiöse, kulturelle, wirtschaftliche und private Lebensbereiche von Jüdinnen und Juden in Geschichte und Gegenwart. Für unsere Museumsarbeit sind die Bestände essenziell: Durch sie können wir einzelne Schicksale, ganze Familienbiografien aber auch historische Momente in ihren Zusammenhängen verdeutlichen und immer wieder von neuem nach ihrer heutigen Relevanz befragen.

Familiensammlungen sind zudem ein häufiger Ausgangspunkt bei der Vermittlungsarbeit des Museums, etwa bei Führungen, Workshops oder Schulbesuchen von JMB on.tour oder dem digitalen Lernraum JMB di.kla : Gerade persönliche Objekte mit ihren Erzählungen stellen – oft auch emotionale – Anknüpfungspunkte für die Lebensrealitäten ganz unterschiedlicher Gruppen dar. Auch für analoge und digitale Ausstellungs- und Publikationsprojekte sind die Bestände relevant. In der Dauerausstellung präsentieren wir zahlreiche Exponate in unterschiedlichen thematischen und historischen Zusammenhängen. Im Familienalbum, einer interaktiven Wand mit über 500 Objekten, laden wir die Besucher*innen auf eine ganz persönliche Entdeckungsreise durch die Familiennachlässe ein.

Um das JMB noch stärker im digitalen Raum zu etablieren, werden seit 2024 in einem eigens entwickelten Digitalisierungsprojekt Familiensammlungen erschlossen. Ziel der Digitalisierung ist es, die Sichtbarkeit, Zugänglichkeit und langfristige Sicherung unserer Familiensammlungen nachhaltig zu verbessern: Nutzer*innen aus aller Welt können Fotos über unsere Online-Sammlung genau untersuchen, Tage- und Notizbücher können gelesen, dreidimensionale Objekte am Bildschirm betrachtet werden, und Stifter*innen erhalten die Gelegenheit, mit ihren teilweise weit verstreuten Familienangehörigen die Sammlungen anzuschauen, ohne nach Berlin reisen zu müssen.

our work as a museum, enabling us to illustrate individual fates, family histories, and historical moments in their broader context and to continually question their relevance for the present.

Family collections also often serve as the starting point for the museum’s educational work, which includes guided tours, workshops, school visits as part of the JMB on.tour program, and the digital learning platform JMB di.kla. Personal objects in particular, together with the stories they tell, often help to connect emotionally with the lived realities of different groups. The collections are also important for digital and non-digital exhibitions and publications. In our core exhibition, for example, we present numerous objects in different thematic and historical contexts. As part of the Family Album installation—an interactive wall featuring more than 500 objects—we invite visitors to embark on a highly personal journey of discovery through the family holdings.

To enhance the JMB’s digital presence, we began cataloging the family collections in 2024 as part of a specially developed digitization project. The goal is to improve the visibility, accessibility, and long-term availability of these holdings. Users around the world can examine photographs in detail via our online collection, read diaries and notebooks, and view three-dimensional objects on screen. At the same time, donors can explore the collections together with family members who may be scattered around the globe, without anyone having to travel to Berlin.

Pioneering Digitization Process

In this way, more than 250 years of Jewish family life and experience can be shared with people around the world and made available for academic research and educational work. Conversely, knowledge and information can also be shared with the museum: each entry includes the prompt “Do you know more about this object?”

To make these new avenues of access possible, the museum’s holdings are processed, inventoried, conserved, digitized, indexed, reviewed for copyright and personal rights, and presented online. In total, more than ten staff members are involved in the digitization process, working in fields such as archiving, collections documentation, photography and photographic documentation, conservation, and legal affairs. By early 2026, we had created more than 50,000 digital reproductions. A total of 20,000 are already accessible

Aus aller Welt erhält das JMB ganze Nachlässe oder einzelne Objekte durch Schenkungen. Dafür möchten wir den Stifter*innen unseren aufrichtigen Dank aussprechen – für ihr Engagement, ihre Unterstützung und ihr Vertrauen!

The JMB receives complete collections and individual objects from around the world. We would like to express our sincere thanks to our donors for their dedication, support, and trust.

Alice Kaufmann

Der gefälschte Ausweis für Alice Laurency (1897–2000), geb. Kaufmann, ist auf den Namen Juliette Goffinet ausgestellt und auf Herbesthal, den 2. August 1924, datiert. Es handelt sich um einen Vordruck, der handschriftlich ausgefüllt ist und in französischer sowie flämischer Sprache vorliegt; er entstand vermutlich zwischen 1942 und 1944. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten und der zunehmenden Verfolgung bringt sich Alice Laurency 1938 nach Belgien in Sicherheit. Im Dezember 1942 geht sie aus Angst vor einer Deportation in die Illegalität. Das befreundete Ehepaar Joseph (1903–1996) und Marie Elisabeth Baltus (Lebensdaten unbekannt) besorgen ihr diesen Ausweis, der ihr das Leben unter falscher Identität in Belgien ermöglicht.

Alice Kaufmann

The forged identity card used by Alice Laurency (1897–2000), née Kaufmann, was issued in the name of Juliette Goffinet, and dated Herbesthal, August 2, 1924. It appears on a printed form with French and Flemish lettering, probably produced between 1942 and 1944 and intended to be filled out by hand. In 1938, in response to intensifying persecution under the Nazi regime, Alice Laurency sought refuge in Belgium. In December 1942, fearing deportation, she went into hiding. The card allowed her to live under a false identity in the country and was acquired for her by friends, the married couple Joseph (1903–1996) and Marie Elisabeth Baltus (dates unknown).

Seder-Teller

Der Seder­Teller trägt die Gravur „Pessach 22. April 1853“ und ist Teil der Familiensammlung Kaufmann­ NathanBernheim­ Kiefe, die sich über zwei Jahrhunderte und fünf Generationen erstreckt. Dieser Seder­Teller ist aus Zinn und trägt eine aramäische Inschrift. Wer ihn anfertigen ließ oder wem er gehörte, ist nicht bekannt.

Seder Plate

The Seder plate is engraved with the words “Passover, April 22, 1853.” It comes from the collection of the Kaufmann, Nathan, Bernheim, and Kiefe families, which spans two centuries and five generations. It is made of pewter and also features an Aramaic inscription. Who commissioned it or to whom it belonged remains unknown.

Zukunftsweisender Digitalisierungsprozess

Über 250 Jahre Lebenserfahrung jüdischer Familien können somit mit Menschen auf der ganzen Welt geteilt werden und stehen für die wissenschaftliche Forschung und Vermittlungsarbeit zur Verfügung. Umgekehrt kann Wissen an uns weitergegeben werden: Unter jedem Eintrag findet sich die Frage „Wissen Sie mehr zu diesem Objekt?“

Um diese Zugänge zu ermöglichen, werden Museumsbestände erschlossen, inventarisiert, restauriert, digitalisiert, verschlagwortet, auf Urheber- und Persönlichkeitsrechte überprüft und online zugänglich gemacht. Insgesamt sind über 10 Mitarbeiter*innen aus den Bereichen Archiv, Fotografie, Fotodokumentation Sammlungsdokumentation, Restaurierung und Justiziariat in den Digitalisierungsprozess eingebunden. Bis Anfang 2026 sind über 50.000 Digitalisate erstellt worden, davon sind bereits über 20.000 online zugänglich, täglich werden es mehr. Dieses umfangreiche Projekt wird bis Ende des Jahres gefördert durch die Siemens AG, die Berthold Leibinger Stiftung sowie die Bertelsmann SE & Co. KGaA. Das Vermächtnis der Familie Adler-Salomon hat es dem JMB ermöglicht, die Grundlagen für die digitale Erschließung seiner Sammlungen zu schaffen. Wir hoffen auch in Zukunft Förderer zu finden, die uns bei diesen wichtigen Aufgaben unterstützen.

Jedes Objekt kann Neugier wecken: Als Teil von größeren Sammlungen bieten sich komplexe Lesemöglichkeiten an, lassen sich vielstimmige jüdische Perspektiven und Standpunkte entdecken. Vorgefertigte Meinungen können hinterfragt und Impulse gegeben werden zum Weiterdenken. Die Familiensammlungen liefern für Interessierte unterschiedliche Anknüpfungspunkte und lassen sowohl Alltagserfahrungen als auch Geschichte erfahrbar werden.

Theresia Ziehe ist Teil des JMB-Teams zur Digitalisierung der Familiensammlungen. Seit 2006 ist sie Kuratorin für Fotografie am JMB und kuratierte zahlreiche Ausstellungen, darunter „Ein anderes Land. Jüdisch in der DDR“ (2023/24) und „Deutsche Juden heute. Leonard Freed“ (2024/25), sowie „Nach 1945“, den Epochenraum zur Nachkriegsgeschichte der Dauerausstellung.

Theresia Ziehe is part of the JMB team for the digitization of family collections. Since 2006, she has been curator for photography and has curated numerous exhibitions, including Another Country. Jewish in the GDR (2023/24) and German Jews Today. Leonard Freed (2024/25), as well as After 1945 , the historical epoch room on post-war history in the core exhibition.

Edgar Lax

online, with more being added daily. This extensive project is funded through the end of the year by Siemens, the Berthold Leibinger Stiftung, and Bertelsmann SE & Co KGaA. The bequest of the Adler-Salomon family has enabled the JMB to lay the groundwork for the digital cataloging of its collections. We hope to continue to secure supporters to assist with these important tasks in the future.

All objects spark curiosity. As part of larger collections, they lend themselves to complex interpretations and reveal a plurality of Jewish perspectives and positions. They call into question preconceived ideas and encourage further reflection. The family collections can be approached in many different ways and bring everyday experiences and history to life.

Der Fahrausweis zeigt Edgar Lax (1923–2013) im Porträt mit weißem Hemd in die Kamera lächelnd. Als Adresse ist die Zimmerstraße 48b im Berliner Bezirk Mitte angegeben, wo er zusammen mit seinen Eltern lebt. Auf der Rückseite ist die Gültigkeitsdauer des Ausweises mit dem Datum 31. März 1939 vermerkt. Zu diesem Zeitpunkt hatte er aber Berlin bereits verlassen: Der 15 ­Jährige kann im Februar mit einem Kindertransport aus Deutschland flüchten.

Edgar Lax

This public transport ticket bears a photograph of Edgar Lax (1923–2013) in a white shirt, smiling at the camera. The address given is Zimmerstrasse 48b in Berlin’s Mitte district, where he lived with his parents. As can be seen on the back, the ticket expired on March 31, 1939, but by that time Edgar had already left Berlin: in February, at the age of fifteen, he escaped Germany on a Kindertransport.

Yael Bartana, Farewell, 2024

Video still

Aus Anlass seines 25-jährigen Bestehens lädt das Jüdische Museum Berlin sein Publikum ein, sich von der häufig bedrückenden Gegenwart zu lösen und nach gesellschaftsverändernden Ansätzen zu suchen. Zwölf eigens entwickelte künstlerische Projekte appellieren an die Vorstellungskraft. Sie fragen nach einem Gegenteil von Jetzt: nach der individuellen und kollektiven Fähigkeit, sich aus dem Bestehenden herauszudenken und für ein besseres Leben einzutreten. Beteiligt sind jüdische und nicht-jüdische Künstler*innen unterschiedlicher Generationen. Einige kommen aus Krisengebieten, einige lassen jüdische Erfahrungen in ihre Arbeit einfließen, einige erkunden das Potenzial vermeintlich widersprüchlicher Zuschreibungen. Im Medium der Kunst, die ihren Gegenstand nicht festschreibt, sondern einem unabschließbaren Spiel der Deutungen überlässt, setzt die Ausstellung auf eine Aktivierung der sozialen Fantasie. „Das Gegenteil von Jetzt“ folgt der bereits im Talmud angelegten Methode einer polyphonen und mehrschichtigen Auseinandersetzung. Die Frage nach dem Gegenteil wird gerade in Krisenzeiten laut, jedes Werk greift sie auf eigene Weise auf. Gemeinsam liefern sie Ausgangspunkte für eine Debatte und zeigen, dass das Bestehende für die Suche nach dem Besseren offen bleibt.

Mit Werken von: Yael Bartana, Andrea Büttner, Chto Delat, Arnold Dreyblatt, William Forsythe, Dana Kavelina, Alexander Kluge, Daniel Laufer, Dor Zlekha Levy, Ari Benjamin Meyers, Alona Rodeh und Eran Schaerf.

Kuratiert von Julia Friedrich und Shelley Harten. Ermöglicht durch die FREUNDE DES JMB und gefördert durch die Aventis Foundation, die Berliner Sparkasse und die Stiftung am Grunewald.

Eine Publikation zur Ausstellung erscheint in einer zweisprachigen Ausgabe (Deutsch & Englisch) im Hirmer Verlag, München.

On the occasion of its twenty-fifth anniversary, the Jewish Museum Berlin is inviting its guests to free themselves from the often oppressive present and search for approaches that can change society. Twelve artistic projects developed specifically for the exhibition appeal to the power of the imagination. They seek the opposite of now, the individual and collective ability to think outside the box and stand up for a better life.

Jewish and non-Jewish artists from different generations will be participating in the exhibition. Some come from crisis-stricken regions, some let their Jewish experiences flow into their work, some explore the potential of supposedly contradictory attributions. In the medium of art, which does not predetermine its subject but instead allows a never-ending game of interpretations, the exhibition focuses on activating the social imagination. The Opposite of Now pursues the method of a polyphonic and multilayered discourse that was already established in the Talmud. The question of the opposite becomes particularly pressing in times of crisis, and every work tackles it in its own way. Together they offer points of departure for a debate and show that that the present remains open in its search for something better.

With works by: Yael Bartana, Andrea Büttner, Chto Delat, Arnold Dreyblatt, William Forsythe, Dana Kavelina, Alexander Kluge, Daniel Laufer, Dor Zlekha Levy, Ari Benjamin Meyers, Alona Rodeh, and Eran Schaerf.

Curated by Julia Friedrich and Shelley Harten. Made possible by the FRIENDS OF THE JMB and supported by the Aventis Foundation, Berliner Sparkasse and Stiftung am Grunewald.

A publication accompanying the exhibition will be available in a bilingual edition (German & English) by Hirmer Verlag, Munich.

TikTok: ein informeller Lern- und Begegnungsort.

Wie erreicht man Menschen am besten? Indem man ihnen dort begegnet, wo sie längst sind. Zum Beispiel auf TikTok! Schon lange ist TikTok viel mehr als eine reine Unterhaltungsplattform für Jugendliche. Mit Schminktipps und Tanz-Tutorials bekannt geworden, wird die Kurzvideoplattform heute sowohl von Influencer*innen als auch von Akteur*innen aus Kultur und Politik genutzt. Denn auch komplexe Themen und Botschaften können in Formaten von 60 bis 90 Sekunden für Jugendliche und junge Erwachsene zugänglich gemacht werden.

TikTok: an informal place to meet and learn.

What is the best way to reach people? By encountering them where they have long since been. For example on TikTok! For a long time already, TikTok has been much more than just an entertainment platform for young people. Having become popular through makeup tips and dance tutorials, the short video platform is today used by influencers as well as cultural and political personalities. Even complex subjects and messages can be made accessible for adolescents and young adults in 60–90-second formats.

Content Creatorin am JMB: Rosa Jellinek

Content Creator at the JMB: Rosa Jellinek

DE Komplexe Themen in kurzen Formaten – das ist nicht immer unproblematisch: Mit jedem neuen Medium besteht durch fehlende Richtlinien und ungenügende Regulierung das Risiko der rasanten Ausbreitung von Falschinformationen oder grob unsensiblen Inhalten. So ging vor einigen Jahren in den USA die sogenannte Holocaust Challenge viral: Jugendliche „verkleideten“ sich als Opfer der Schoa, trugen gestreifte Häftlingskleidung und schminkten sich Augenringe ins Gesicht. Solche Challenges oder „Trends“ führen, außer dass sie – bewusst oder unbewusst – einzelne Schicksale nicht nur ignorieren, sondern banalisieren, zur Verbreitung eines stereotypisierenden und verzerrten Bildes von Opfern der Schoa. Nach großer Kritik an den Content Creator*innen wurde ein grundlegendes Problem sichtbar: Eine generell fehlende Sensibilisierung im Umgang mit historischen Themen, Themen also, die nicht nur ein hohes Maß an inhaltlicher Kenntnis, sondern auch Fingerspitzengefühl erfordern. Als Reaktion darauf wurde 2021 die TikTok Shoah Commemoration & Education Initiative der Hebräischen Universität in Jerusalem und TikTok Deutschland ins Leben gerufen. Ziel der Initiative ist es, Gedenkstätten und Museen zu vernetzen und sie in der Erstellung von verantwortungsvollen historischen Kurzvideos für die Bildungsarbeit zu schulen. Das JMB war 2022 Teil des ersten Schulungs-Jahrgangs; wir nahmen an der gemeinsamen Kampagne #GedenkenBildet teil und veröffentlichten TikToks zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts. Die Initiative war erfolgreich: Bis Ende 2022 erreichten 335 Videos von insgesamt neun teilnehmenden Institutionen über 11 Millionen Aufrufe.

So unterhaltsam und lehrreich die Kurzvideos sind –der Aufwand ist enorm. Daher wurde das Projekt TikTok am JMB erst einmal stillgelegt. Bis wir Dank der großzügigen Förderung der FREUNDE DES JMB dort ansetzen konnten, wo wir aufgehört hatten – nun aber mit einem neu aufgestellten Team innerhalb der Social-Media-Redaktion, einem professionellem Aufnahmestudio und dem großen Engagement des gesamten JMB-Kollegiums. Seit November 2025 posten wir Einblicke in die Sammlungen, machen auf einzelne Schicksale während des Nationalsozialismus aufmerksam und ermöglichen niedrigschwellige Zugänge zu gegenwärtigen jüdischen Traditionen.

Ha Van Dinh arbeitet seit 2019 im Team Marketing & Kommunikation am JMB und verantwortet im Rahmen der Digitalen Transformation des Jüdischen Museums Berlin die Redaktion sowie strategische Weiterentwicklung der Social-Media-Kanäle.

Since 2019, Ha Van Dinh has been part of the Team Marketing & Communication at the JMB and is now responsible for the editing and strategic further development of the social media channels within the scope of the digital transformation of the Jewish Museum Berlin.

EN Presenting complex topics in short formats can be challenging, and sometimes leads to real problems. Every new medium starts with a lack of guidelines and insufficient regulations; with that comes the risk of a rapid spread of false information or grossly insensitive content. For example, the so-called “Holocaust Challenge” went viral in the United States a few years ago. Young people “dressed up” as victims of the Shoah, wearing striped prisoner clothing and with dark circles drawn under their eyes. Not only do such challenges or “trends” ignore—consciously or unconsciously—individual fates, and even trivialize them, they also lead to the spread of stereotyped and distorted images of victims of the Shoah. Following major criticism of the creators, a fundamental problem became apparent: a basic awareness in dealing with historical subjects was lacking, subjects requiring not only considerable knowledge, but also tact and sensitivity. Consequently, the TikTok Shoah Commemoration & Education Initiative was started in 2021 by Hebrew University in Jerusalem and TikTok Germany. Its goals are to create a network of the memorial sites and museums, and to train them in creating responsible historical short videos for use in education work. The JMB took part in the joint campaign #GedenkenBildet (commemoration educates) and circulated TikToks for the International Holocaust Remembrance Day. The project was successful. By the end of 2022, 335 videos by a total of nine participating institutions had been viewed more than 11 million times.

As entertaining and educational as the short videos are, they require an enormous effort and resources. For that reason, the TikTok project at the JMB was put on hold. Thanks to the generous support of the FRIENDS OF THE JMB, we have been able to pick up where we left off, but this time with a new social media team within the marketing and communications department, a professional recording studio, and the outstanding dedication of the entire JMB staff. Since November 2025 we have been posting glimpses into the collections, drawing attention to individual fates during the Nazi period, and enabling low-threshold access to contemporary Jewish traditions.

It is important for us to inspire young adults for our subject matter. With our TikTok channel we do not only impart

Es ist uns wichtig, junge Erwachsene für unsere Themen zu begeistern. Mit unserem TikTok-Kanal vermitteln wir nicht nur jüdische Geschichte in Deutschland, sondern bauen darüber hinaus eine Brücke zu historischen Ereignissen und zu aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen. Dabei nehmen die Zuschauer*innen keine passive Rolle ein, sondern treten mit uns in den direkten Austausch: Wir regen Dialoge mit und innerhalb der Community zu Themen an, die sie in ihrer Lebensrealität interessieren. Klassisches Familiendrama an Feiertagen, die jiddische Sprache und jüdische Orte ganz in der Nähe – wir zeigen, dass jüdische Kultur keine Randerscheinung ist, sondern integraler Bestandteil der deutschen Gesellschaft.

Das beinhaltet auch, sich die plattformtypische Sprache anzueignen und den Personen auf Augenhöhe zu begegnen. Unser Kanal ist nicht belehrend, sondern aufsuchend, offen für ernste, aber auch lustige Themen, und er erreicht eine Zielgruppe, die das JMB meist nur von Schulausflügen kennt. Der Kanal wird von unserer Host und Content Creatorin Rosa Jellinek mit Leben gefüllt. Zusätzlich nutzen wir Kooperationen mit etablierten und reichweitenstarken Kanälen. Beispielsweise entstanden im Rahmen der Ausstellung „Claude Lanzmann. Die Aufzeichnungen“ fünf Kurzvideos in Zusammenarbeit mit Susanne Siegert, die jeweils einen besonderen Fokus innerhalb der Sammlung Lanzmann setzen, einzelne Geschichten, aber auch das Thema Täterschaft beleuchten.

Social Media ist kein abgeschlossenes Konzept: Formate, Praktiken und der Austausch mit der Community bleiben in Bewegung. Im JMB denken wir analog und digital eng zusammen und erweitern die Jubiläumsausstellung „Das Gegenteil von Jetzt. Künstlerische Wege in eine andere Gegenwart“ um ein begleitendes Programm. Eine Veranstaltung richtet den Blick auf jüdische Kultur auf TikTok im deutschsprachigen Raum. Während sich in anderen Regionen sichtbare Szenen entwickelt haben, bleibt Jüdische Kultur auf TikTok auffallend unterrepräsentiert. Warum ist das so und was sagt diese Leerstelle über strukturelle Bedingungen und gesellschaftliche Dynamiken aus? Solche Fragen zur öffentlichen Diskussion zu stellen, sehen wir genauso als Teil dieses Projekts als die Bespielung der Plattform selbst.

Mit ihren Kanälen keine.erinnerungskultur erreicht die Bestseller­Autorin und Grimme ­ Preisträgerin Susanne Siegert unter dem Slogan „Mit dem, was du in der Schule NICHT über Nazi­Verbrechen lernst“ mehrere hunderttausend Personen – mit einem Video. In einer Kooperation entstanden fünf Videos zur JMB ­Ausstellung „Claude Lanzmann. Die Aufzeichnungen“.

The best­selling author and Grimme Prize winner Susanne Siegert reaches several hundred thousand followers with one video alone on her channel keine.erinnerungskultur Her slogan: “All that you do NOT learn in school about the Nazi crimes.” Five videos were created in collaboration for the JMB exhibition Claude Lanzmann: The Recordings.

Jewish history in Germany, we also build a bridge between historical events and contemporary social developments. In this, the audience does not take on a passive role, but enters into a direct exchange with us: We encourage dialogue with and within the community on topics that concern them in their own lives: classical family dramas on holidays, the Yiddish language, and Jewish places nearby. We show that Jewish culture is not a peripheral phenomenon, but an integral part of German society.

This also means appropriating the platform-specific language and encountering people on an equal footing. Our channel is not didactic, but openly seeks serious or also humorous subjects, and it reaches a target group that is usually only familiar with the JMB from school trips. The channel is brought to life by Rosa Jellinek, host and content creator. We also use collaborations with established wide-reach channels. For example, within the framework of the Claude Lanzmann: The Recordings exhibition, five short videos were made in collaboration with the content creator Susanne Siegert. Each of them had a special focus within the Lanzmann collection, illustrating individual stories but also the subject of perpetrators. Social media is not a finalized, immutable concept: formats, practices, and the exchange with the community continue to evolve. In the JMB, our thinking is both analog and digital, and we are expanding our anniversary exhibition The Opposite of Now: Artistic Paths to a Different Present with an accompanying program. One event draws attention to how Jewish culture is portrayed on TikTok in German-speaking countries. Whereas visible scenes and communities have developed elsewhere, Jewish culture has been conspicuously under-represented here. Why is that the case and what does this gap say about structural conditions and social dynamics? We view the posing of such questions for public discussion to be just as much a part of this project as the content on the platform itself.

Folgen Sie uns auf TikTok: Follow us on TikTok:

Seit jeher steht der Mensch bei uns im Mittelpunkt.

Eine große Marke setzt nicht nur im Markt Zeichen. W ie wichtig uns der Mensch ist, erkennen Sie nicht nur an unserem Firmenlogo. Der faire und verantwortungsvolle Umgang mit unseren Mitarbeitern, Kunden und Geschäftspartnern war immer schon ein fester Bestandteil unserer Unternehmenskultur. Diesen Anspruch füllen wir gerne auch außerhalb unserer Werkstore mit Leben. In Stiftungen, zahlreichen Projekten und Partnerschaften machen wir mit Herz und Engagement deutlich, dass wir auch in Zukunft vor allem auf eins setzen: den Menschen.

231221_DOE_Anzeigen_KC_RZ_V3.indd 2

21.12.23 14:56

GUTE LAUNELIEFERUNG

Für alle Familien: Der HIMBEERNewsletter bringt jeden Donnerstag aktuelle Veranstaltungstipps fürs Wochenende, News, Infos und Inspirationen rund ums Leben mit Kindern in Berlin.

berlinmitkind.de

JUNGE PERSPEKTIVEN

YOUNG PERSPECTIVES

DEINE TOUR DURCHS MUSEUM MIT DER JMB APP

YOUR TOUR THROUGH THE MUSEUM IN THE JMB APP

Du möchtest das Jüdische Museum Berlin auf eigene Faust entdecken? Mit Junge Perspektiven bietet dir die JMB App eine kostenlose Tour, die zu dir passt. Egal, ob du mit deiner Schulklasse unterwegs bist, mit deiner Familie oder allein – die Tour gibt dir die Möglichkeit, das Museum selbstständig und in deinem eigenen Tempo zu erkunden. Die interaktive Tour wurde gemeinsam mit Jugendlichen entwickelt. Sie führt dich in etwa einer Stunde durch die Dauerausstellung des Museums. An zehn Stationen triffst du auf junge jüdische Perspektiven, erfährst mehr über jüdische Kultur in Vergangenheit und Gegenwart – und kannst dabei Parallelen zu deinem eigenen Leben entdecken. An jeder Station bieten dir Audios, Videos, Texte und Quizze verschiedene Möglichkeiten, deine Tour zu gestalten. Du kannst die wichtigsten Fakten zu einer Person oder einem Kunstwerk erfahren. Aktiv erkundest du die Geheimnisse der Museumsarchitektur. Junge jüdische Berliner*innen erzählen dir von ihrem Alltag und den jüdischen Traditionen. Und immer wieder hast du Gelegenheit, dich selbst und deine Gedanken einzubringen.

Junge Perspektiven wurde gefördert durch die Friede Springer Stiftung und die Michael Otto Stiftung.

Ready to discover the Jewish Museum Berlin for yourself? Young Perspectives on the JMB App gives you a tour that’s made for you. Whether you’re here on a school trip, with friends, your family, or flying solo, this tour makes it possible to explore the museum independently and at your own pace. The interactive tour was developed together with young people. It guides you through the museum’s core exhibition in about an hour. There are ten stations where you can explore young Jewish perspectives, learn more about Jewish culture past and present, and maybe even spot a few parallels with your own life.

At each station, audio clips, videos, texts, and quizzes offer you various options for creating your own tour: You can learn the most important facts about a person, or a work of art, or explore the secrets of the museum’s architecture. Young Jewish Berliners tell you about their everyday lives and Jewish traditions. And you will have plenty of opportunities to contribute your own thoughts and ideas.

Young Perspectives was made possible with the generous support of the Friede Springer Stiftung and the Michael Otto Stiftung.

Starte deine eigene Tour durchs Museum – individuell, multimedial und ganz nah an dem, was dich interessiert!

Start your own tour through the museum: one that’s on your terms, that’s full of multimedia, and that’s designed to be interesting for you.

5 J a h r e

5 Y e

Ane Kleine-Engel ist seit November 2019 Leiterin der Kinderwelt des Jüdischen Museums Berlin. Sie promovierte in Jiddistik, lehrte weltweit an veschiedenen Hochschulen und kuratierte ab 2008 Ausstellungen für Gedenk- und Bildungsstätten.

Ane Kleine-Engel has been Director of the Children's World of the Jewish Museum Berlin since November 2019. She earned her doctorate in Yiddish studies, taught at various unversities worldwide, and curated exhibitions for memorial and encounter sites since 2008.

ANOHA wird 5 Jahre alt – die Kinderwelt des Jüdischen Museums Berlin ist nun also im idealen Alter, um sich selbst zu besuchen! Wir schauen zurück: In den Jahren seit Eröffnung haben wir Erfahrungen gesammelt, beobachtet und vor allem immer wieder gefragt: Wer kommt zu uns? Warum? Es sind Kinder, die uns als Expert*innen antworten, wenn wir neugierig sind: Was wollt ihr im ANOHA erleben? Wie sieht eure Vision von der Zukunft aus? In was für einer Welt leben wir nach der großen Sintflut?

ANOHA is turning five—which means the children’s world of the Jewish Museum Berlin has now reached the perfect age to visit itself! Since our opening, we have gathered experience, observed the world around us, and kept asking questions, such as: Who comes to visit us, and why? It is the children themselves who provide expert answer to our questions. What do they want to experience at ANOHA? What is their vision of the future? What kind of world have we lived in since the Great Flood?

DE Weisheit liegt nicht im abschließenden Wissen, sondern in der ständigen Bereitschaft zur Neugier. Viele der Anregungen der Kinder haben wir aufgenommen und in neue Angebote, Programme oder Aktionen umgesetzt. Dabei bleiben Fragen sehr wichtig. Angelehnt an die Sprüche der Väter (Pirkej Awot 4,1) gibt es das Sprichwort:

Wer ist weise?

Der zu fragen versteht.

לואֱשל עדויש הז ?םכח אֱוה ימֶ (Mi hu chacham? Se schejodea lisch'ol.)

Wir vom ANOHA-Team begegnen immer wieder der Neugier der Kinder: Woher wussten denn die Tiere, dass sie zur Arche kommen müssen? Gute Frage! Wir fragen zurück: Was meint Ihr? Flüsterpost? Lautes Ausrufen? Den Gong am Säbelzahntiger schlagen? Die jungen Besucher*innen haben im ANOHA unterschiedliche Methoden ausprobiert.

Eltern und Lehrkräfte stellen auch Fragen: Wie können wir uns auf den Besuch vorbereiten? Oder: Wie kann ich den Besuch im ANOHA an unseren Lehrplan anbinden? Diese Fragen sind in unser pädagogisches Begleitmaterial eingeflossen. Ganz neu erscheint es zum fünften Geburtstag von ANOHA und beinhaltet insgesamt sieben Module: Angelehnt an Interpretationen der Erzählung und den Rahmenlehrplan für Grundschulen in Berlin und Brandenburg gibt es drei Module für Kinder ab sechs Jahren: „Zusammenleben“, „Vielfalt x Feiern“ und „Wasser“; angelehnt an das Berliner Bildungsprogramm für Kitas gibt es drei Module: „Geschichten“, „Vielfalt“ und „Ernährung“. Außerdem eine Handreichung zum Umgang mit Antisemitismus in der Kita mit „Pädagogischen Impulsen für Fairness und ein gutes Miteinander“. Das Modul „Noach – Noah – Nuh“ bietet für alle Altersstufen einen Einblick in die Perspektivenvielfalt auf die eine Geschichte, die im Judentum, Christentum und Islam vorkommt.

Jedes Modul beginnt mit einer kleinen Einführung ins Thema und enthält dann Impulse zur Vorbereitung des Besuchs von ANOHA, für kurze Aktionen im ANOHA oder Ideen zur Nachbereitung, wenn bestimmte Themen mit den Kindern noch vertieft werden sollen. Eine kleine Auswahl an solchen Impulsen (auch für zuhause!) haben wir hier zusammengestellt.

EN Wisdom does not lie in a final body of knowledge but in the willingness to remain curious. We have incorporated many of the children's suggestions into new programs and activities at ANOHA. Asking questions remains essential. Inspired by Sayings of the Fathers (Pirkei Avot 4:1), one might say:

Who is wise? The person who knows how to ask questions.

(Mi hu chacham? Ze sheyodea lish’ol.)

We at ANOHA encounter children’s curiosity all the time. How, they often wonder, did the animals know to go to the ark? Good question! We ask in return: What do you think? Through whispered messages? Shouts? By striking the gong on the saber-toothed tiger? The young visitors to ANOHA have tried out all sorts of ideas.

Parents and teachers also have questions. What can they do to prepare for a visit? How can teachers connect the visit to the school curriculum? Such questions are addressed in our educational materials. A new edition is being released for ANOHA’s fifth anniversary and includes seven modules in total. The three modules Living Together, Diversity x Celebration, and Water are designed for children aged six and up and follow interpretations of the story and the curriculum guidelines for primary schools in Berlin and Brandenburg. Three additional modules—Stories , Diversity, and Food —draw on Berlin’s education program for daycare centers. There is also a guide to addressing antisemitism in preschools and daycare centers, offering educational ideas for promoting fairness and respectful coexistence, starting with the youngest. Finally, the module “Noach—Noah—Nuh” introduces learners of all ages to diverse perspectives on the story of the ark, which appears in Judaism, Christianity, and Islam.

Each module begins with a brief introduction to the topic and then offers ideas for preparing for a visit to ANOHA, short activities during the stay, and suggestions for follow-up work if parents or teachers wish to explore specific topics in greater depth with children. We have compiled a small selection of these suggestions here, including activities that can also be done at home.

ANOHA wird gefördert durch / ANOHA is supported by:

Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages

Deutsche Bank Stiftung

Siemens AG

Daimler AG

Berthold Leibinger Stiftung

FREUNDE DES JMB

FRIENDS OF THE JEWISH MUSEUM BERLIN IN THE U.S.

Michael Otto Stiftung

Heinz und Heide Dürr Stiftung

Klaus und Kirsten Mangold

Friede Springer Stiftung

Deutsche Bahn AG

Arend und Brigitte Oetker

Familie Jörg A. Henle

BNP Paribas Stiftung

BMW Group

Bank of America

Robert Bosch GmbH

anoha.de/impulse-kita anoha.de/impulsegrundschule

Limonana Give Your Water a Boost! Verlecker dein Wasser!

Worum geht's?

Essen und Schmecken

Wasser als Kostbarkeit und Ressource

Auf der Arche gab es keine Limo! Aber die Tiere brauchten zum Trinken auch nicht mehr als Regenwasser – und das fiel ausreichend vom Himmel. Wasser ist das gesündeste Getränk. Und man kann es ganz einfach verleckern! Dazu wird Leitungswasser in eine Karaffe gefüllt und Kräuter wie Minze oder Melisse oder Obst wie Zitronen, Orangen, Himbeeren, Erdbeeren und Melonenstücke dazu gegeben. Ein typisch israelisches selfmade ­ Getränk ist die Limonana. Der Name setzt sich aus den Hebräischen Worten Limon (Zitrone) und Nana (Minze) zusammen –und die verraten auch schon das Rezept!

Frisches Wasser kommt für uns aus dem Wasserhahn. Frisches Obst haben wir zu allen Jahreszeiten zuhause. Minze wächst auf der Fensterbank. Ist das für alle Kinder auf der Welt so?

Aim of this activity:

Eating and tasting

Text

Kristina Friske, Ane Kleine-Engel, Eva Stollreiter

Water as a precious commodity and resource

There was no soda on the ark, but that was no tragedy, as the animals needed only rainwater to drink. And there was plenty of that falling from the sky. Water is the healthiest of all drinks, and it is easy to make it taste better. Just fill a carafe with tap water and add herbs such as mint or lemon balm, or fruit such as lemons, oranges, raspberries, strawberries, or melon. A typical homemade drink in Israel is Limonana, whose name is derived from the Hebrew words limon (lemon) and nana (mint). That’s also the recipe!

In Europe, fresh water comes from the faucet, and we have fresh fruit at home throughout the year. Herbs like mint grow on the windowsill. Is that the same for children in other parts of the world?

Worum geht's?

Basteln und Upcyclen

Vielfalt und Rücksichtnahme

Socktopus &Glitterhorn

Aim of this activity:

Crafting and recycling Diversity and consideration for others

Auf der Arche im ANOHA leben viele verschiedene Tiere: kleine und große Tiere, wilde Tiere, Haustiere, Lieblingstiere, sogar ausgestorbene Tiere. Alle sind willkommen! Fünfzehn Künstler*innen haben 150 Tierskulpturen aus wiederverwerteten Materialien und Alltagsgegenständen gebaut: Eine Eselin mit Fußball­Maul, ein Krokodil mit Skateboard­Zunge, ein Mops mit Medizinball­Bauch. Selbstgebastelte Upcycling ­Tiere bringen diese Artenvielfalt nachhause: Aus Küchen­ und Klorollen, Kronkorken, Eierkartons, Plastiktöpfchen, alten Socken und Stoffresten wird mit Kleber, Klammern und Fäden ein Eisbär, ein Nagetier oder ein Tier, das es so noch nie gab auf dieser Welt: Socktopus und Glitzerhorn.

Stellt Euch gegenseitig Euer Tier vor. Diese Fragen helfen dabei:

• Woraus besteht sein Körper?

• Was macht es besonders?

• Was mag es gerne? Was überhaupt nicht?

• Was kann es gut? Was nicht?

• Wo fühlt es sich wohl?

• Und wie geht es ihm gerade jetzt?

At ANOHA, many different animals live together on the ark—animals big and small, wild animals, pets, favorite animals, and even extinct animals. They are all welcome here. Fifteen artists created 150 animal sculptures from recycled materials and everyday objects: a donkey with a soccer ball mouth, a crocodile with a skateboard tongue, and a pug with a medicine ball belly. By making their own upcycled animals, children can bring this biodiversity into their own homes. First, they gather materials—egg cartons, toilet­paper tubes, bottle caps, small plastic cups, old socks, and scraps of fabric. Then they combine the materials using glue, clips, and thread to create a polar bear, a rodent, or even an animal that has never existed before: a socktopus or a glitterhorn.

Present your animals to each other! These questions might help:

• What’s it’s body made of?

• What does it like? What doesn't it like at all?

• What is it good at? What isn’t it good at?

• Where does it feel happiest?

• How is it feeling right now?

Zungen TonguebrecherTwisters

Worum geht's?

Sprachspiel

Jüdischer Feiertag: Schabbat

Vielfalt & Feiern

Der jüdische Ruhetag beginnt am Freitag, wenn die Sonne untergeht, und endet am folgenden Tag mit Einbruch der Dunkelheit. Während dieser Zeit darf nicht gearbeitet werden. Auch Malen oder Computerspiele sind nicht erlaubt. Trotzdem freuen sich viele jüdische Kinder auf den Schabbat, weil er sich wirklich besonders anfühlt. Am Schabbat ist das gemeinsame Essen wichtig (gekocht wird am Vortag), viele Familien gehen zusammen spazieren, manche besuchen die Synagoge, um zu feiern und zu beten. Und wenn es doch zu ruhig wird? Dann spielen alle etwas – oder üben Zungenbrecher!

Tierisch tierisch

Kluge kleine Katzen kratzen keine Krokodile

In der ganzen Hunderunde gab es nichts als runde Hunde

Schlaue Schafe schlafend schlummernd, schlummernd schlafen schlaue Schafe

Und jetzt Level 2:

Zungenbrecher auf Englisch und Spanisch

How much wood would a woodchuck chuck, if a woodchuck could chuck wood?

(Wie viel Holz würde ein Murmeltier fressen, wenn ein Murmeltier Holz fressen würde?)

Cuando cuentas cuentos, cuenta cuánto cuentos cuentas

(Wenn du Geschichten erzählst, zähle, wie viele Geschichten zu erzählst)

Und jetzt Level 3: Zungenbrecher auf Hebräisch

Na­ CHASCH na­SCHACH na­ CHASCH

(Eine Schlage biss eine Schlange)

ga­NAN gi­DEL da­ GAN ba­ GAN, da­ GAN ga­DOL ga­DAL ba­ GAN

(Ein Gärtner baut im Garten ein Korn an, im Garten wächst ein großes Korn)

Aim of this activity:

Language games

The Jewish holiday of Shabbat Diversity and celebrations

In Judaism, the day of rest begins at sunset on Friday and ends at nightfall the next day. During this period, work is prohibited, and people are not allowed to paint or play computer games. Despite these restrictions, some Jewish children look forward to Shabbat because it feels truly special. On Shabbat people gather for a shared meal (cooking is done the day before). Many families go for a walk together, and some may visit the synagogue to celebrate and pray. If things get too quiet, everyone plays a game—or practices tongue twisters.

Animal tongue twisters

How much wood would a woodchuck chuck if a woodchuck could chuck wood?

A big black bug bit a big black bear, made the big black bear bleed blood.

And now level 2:

tongue twisters in German, Spanish and English Kluge kleine Katzen kratzen keine Krokodile.

(Clever little cats don’t scratch crocodiles.)

In der ganzen Hunderunde gab es nichts als runde Hunde.

(Round the hound round were only round hounds.)

Schlaue Schafe schlafend schlummernd, schlummernd schlafen schlaue Schafe.

(Smart sheep, softly slumbering; slumbering, smart sheep sleep.)

Cuando cuentas cuentos, cuenta cuánto cuentos cuentas.

(When you tell tales, tally how many tales you tell.)

And now level 3: tongue twisters in Hebrew

Na­ CHASH na­SHACH na­ CHASH

(A snake snapped at a snake.)

ga­NAN gi­DEL da­ GAN ba­ GAN, da­ GAN ga­DOL ga­DAL ba­ GAN

(A gardener grows grain in the garden; great grain grows in the garden.)

Dein ABlessing Haussegen for the Home

Wünsche formulieren

Was macht einen Raum zu einem guten Ort fürs Miteinander?

Die Mesusa erinnert die Menschen an ihre Verbindung zu Gott und daran, die Gebote zu leben.

Am Türrahmen ihrer Wohnung, ihres Hauses oder eines Zimmers haben manche Jüdinnen und Juden ein kleines Kästchen, eine Mesusa. In ihr steckt eine Schriftrolle mit einem Gebetstext, der das Zuhause und die Menschen darin beschützen soll. Wer eintritt oder weggeht, kann die Mesusa berühren und daran denken. Ein ähnliches Kästchen kann gebastelt und mit Wünschen gefüllt werden. Was ist mir zuhause oder in der Klasse wichtig: Freundlichkeit? Ruhe? Zusammenhalt? Alle dürfen eigene Wünsche auf einen kleinen Zettel schreiben. Für das Kästchen können leere Verpackungen, z. B. schmale Schachteln oder Smarties­Rollen dekoriert werden. Der beschriftete Zettel wird gerollt in das fertige Kästchen gesteckt. Am Türrahmen oder Eingang des Raums befestigt, sind die fertigen Kästchen mit den verschiedenen Wünschen ein sichtbares Zeichen, das alle willkommen heißt und daran erinnert, was den Kindern für ihr Zusammensein wichtig ist.

Eine Mesusa wird leicht schräg am rechten Türrahmen angebracht. Auf der Pergamentrolle im Innern steht u. a. das jüdische Glaubensbekenntnis Schma Jisrael aus der Tora.

Formulating wishes

What makes a shared space ideal for life together? A mezuzah reminds people of their connection to God and the importance of living according to His commandments.

Jews often attach a small case called a mezuzah to the doorframe of their apartment, house, or room. It contains a parchment scroll inscribed with a prayer meant to protect the home and its inhabitants. When entering or leaving, people touch the mezuzah and reflect on its meaning. Children can make a small case of their own and fill it with wishes for their home or classroom. What is important to them in these spaces? Kindness? Peace and quiet? A sense of community? First, they write their wishes on a slip of paper. Next, they decorate a small empty container, such as a narrow box or a Smarties tube. The written note is then rolled up and placed inside the finished case, which is attached to the doorframe or hung near the entrance of the room. With their different wishes, these cases offer a warm welcome to visitors and remind them what is important to the children during their time together.

A mezuzah is attached at a slight angle to the righthand doorpost. It contains a parchment scroll inscribed with passages from the Torah, including the Shema Yisrael, a central prayer.

Worum geht's?

Lesen, rechnen, Zahlenspiele

Hebräische Schriftzeichen lernen

Es gibt eine spannende Besonderheit in der hebräischen Schrift! Jedes Schriftzeichen hat auch einen Zahlenwert. Es ist also möglich, Wörter „auszurechnen“. In der jüdischen Tradition gibt es eine Methode, um über die Zahlenwerte tiefer in die Bedeutung von Worten und Texten einzutauchen. Sie heißt Gematria. Das hebräische Wort für Leben יח (sprich: Chai) besteht z. B. aus zwei Buchstaben: Chet 8 = ח und Jud 10 = י , die addiert 18 ergeben. Die Zahl 18 ist deshalb im Judentum ein Symbol für ein glückliches Leben. Manche Menschen spenden gerne 18 Euro, um ein glückliches Leben zu wünschen.

Im modernen Hebräisch werden die weltweit verbreiteten arabischen Zahlen verwendet. Die arabischen Zahlen heißen so, weil sie im Mittelalter über arabische Mathematiker nach Europa kamen – ursprünglich stammen sie aus Indien. Deshalb nennt man sie manchmal auch das indisch­arabische Zahlensystem.

Langeweile wegrechnen und Wörter in Zahlen umwandeln / Keep boredom at bay by turning words into numbers:

Aim of this activity:

Reading, arithmetic, number games Learn Hebrew letters

Hebrew script has an intriguing feature: every letter has a numerical value, which makes it possible to “calculate” words. In Jewish tradition, there is a method for exploring the deeper meanings of words and texts through their numerical values. It is called gematria. For example, the Hebrew word for life, יח (pronounced chai), consists of two letters: chet (ח = 8) and yud (י = 10). Together they add up to 18. In Judaism, the number 18 is a symbol of a happy or blessed life, and it is common for people to donate 18 euros as a way of wishing someone a good life.

In everyday life, modern Hebrew uses Arabic numerals. These numerals are called “Arabic” because they reached Europe via Arab mathematicians in the Middle Ages. Since they originally came from India, they are sometimes referred to collectively as the Indo ­Arabic numeral system.

אב + math ausrechnen Word Wörter

Dove of Peace Deine Friedenstaube

Worum geht's?

Miteinander reden, gestalten, nachdenken

Jüdische Perspektiven auf die Geschichte der Arche befassen sich oft mit der Verantwortung, die der Mensch für die Erde bekommen hat.

In der Geschichte von der großen Flut schickt Noach eine Taube, um zu sehen, ob schon Land aus den Fluten aufgetaucht ist. Als sie mit dem Blatt eines Olivenbaumes zurückkommt, weiß er: Das Wasser geht zurück, die Flut ist bald vorbei. Ein Neuanfang ist möglich. Aus buntem Papier lassen sich ganz einfach Tauben falten. Damit daraus Friedenstauben werden, müssen wir aber noch handeln! Was kann jeder und jede von uns zu einer friedlichen Welt beitragen? Freundlich sprechen, jemanden trösten, Müll aufheben, auf Tiere achten... Die Gedanken, Wünsche und Ideen zu einem guten Miteinander werden auf die Flügel der Tauben geschrieben oder gemalt. Vielleicht entsteht in der Klasse oder in der Familie dann ein Schwarm bunter Friedenstauben. An dünnen Schnüren befestigt, können sie sogar durch den Raum fliegen.

of this activity:

Talking with one another, creating, reflecting Exploring human responsibility for the earth—a frequent focus of Jewish interpretations of the story of the ark

In the story of the Great Flood, Noach releases a dove to see whether any land has emerged from the floodwaters. When the dove returns with an olive leaf, he knows that the water is receding and the flood will soon be over—a new beginning is possible. Children can easily make paper doves by folding sheets of colored paper. However, further action is required to transform these into “doves of peace.” What can each of us do to make the world a more peaceful place? Speak kindly and comfort others? Collect litter or take care of animals? In this activity, children write or paint their thoughts, wishes, and ideas for peaceful coexistence on the wings of paper doves, creating a colorful flock for the classroom or home. Attached to thin strings, the doves can even fly around the room.

Always New Immer wieder neu

Worum geht's?

Zuhören, nachdenken, sich ausdrücken

Jüdische Perspektiven laden dazu ein, Texte immer wieder neu zu entdecken und zu deuten.

Im Judentum werden Texte immer wieder gelesen und neu gedeutet. Jede Generation stellt neue Fragen an alte Texte und bringt sie in Zusammenhang mit der Gegenwart. Entdecken Sie mit den Kindern die Geschichte von der großen Flut und der Arche auf diese Art.

Erste Runde: Lesen Sie die Geschichte auf Seite 92 vor. Im Anschluss dürfen die Kinder frei erzählen, was ihnen aufgefallen ist oder welche Bilder in ihrem Kopf entstanden sind.

Zweite Runde: Lesen Sie die Geschichte ein zweites Mal. Welche Fragen haben die Kinder nun an den Text? Die Fragen müssen nicht unbedingt beantwortet werden. Und zu jeder Frage können viele verschiedene Antworten existieren.

Dritte Runde: Lesen Sie die Geschichte ein drittes Mal vor. Sind diesmal neue Fragen aufgekommen oder hat sich der Blick auf die Geschichte verändert? Was denken Sie?

Auch die Gedanken der Erwachsenen gehören zur Entdeckungsreise durch die Geschichte.

Aim of this activity:

Listening, reflecting, expressing yourself

In Jewish tradition, texts are constantly rediscovered and reinterpreted.

In Judaism, texts are constantly read and interpreted anew. Each generation brings new questions to old texts and connects them to the present. Use this approach to explore the story of the Great Flood and Noach’s Ark with children.

First round: Read the story on page 93 aloud. Afterward, the children can share what they noticed or how they imagined events in the story.

Second round: Read the story a second time. What questions do the children now want to ask about the story? It is not necessary to answer all the questions, and each question may have several different answers.

Third round: Read the story a third time. Do the children have new questions? Has their view of the story changed? What do you think about it? The adults’ ideas are also part of this journey of discovery.

Die Tora ist der wichtigste Text für Jüdinnen und Juden. Sie ist kein Buch, sondern eine Schriftrolle, die beim Lesen immer weiter aufgerollt wird. Sie ist in 54 Wochenabschnitte unterteilt und wird im Laufe eines Jahres vollständig gelesen. Am Feiertag Simchat Tora feiert man, dass gleich wieder mit den ersten Zeilen begonnen wird, nachdem die letzten Zeilen der Tora verlesen wurden. The Torah is the most important text in Judaism. It is not a book but a scroll that is unrolled as it is read. It is divided into fifty­four weekly portions and is read in its entirety over the course of a year. On the holiday of Simchat Torah, Jews celebrate the completion of the Torah reading cycle and the start of the new one.

Die Geschichte1 von der großen Flut und der Arche

G’tt 2 schuf die Welt mit allen Tieren und den Menschen. Und G’tt fand seine Schöpfung sehr gut. Doch dann waren die meisten Menschen nicht freundlich. Sie stritten, belogen sich und taten schlimme Dinge. Sie vergaßen, was richtig war und sie vergaßen G’tt. Nur einer war anders: Noach3 / Noah / der Prophet Nuh. Er war rechtschaffen, ehrlich, hilfsbereit und versuchte, so zu leben, wie G’tt es sich wünscht. Er sorgte für seine Familie, kümmerte sich um Tiere und behandelte alle, sowohl Menschen als auch Tiere, mit Respekt.

N. warnte die Menschen und sagte: „G’tt hat mir angekündigt, dass bald eine große Flut kommen wird. Ich soll ein Schiff bauen, eine Arche. Und darauf soll ich all jene mitnehmen, die an G’tt glauben. Und von allen Tieren sollen Paare4 an Bord kommen, Männchen und Weibchen.“ So redete N., doch die meisten Menschen lachten ihn aus. „Was soll das? Es gibt doch gar kein Meer hier!“, riefen sie. Doch N. ließ sich nicht beirren. Er vertraute G’tt und tat, was ihm aufgetragen worden war. Und er brachte alle Tiere an Bord: Löwe und Löwin, die Schmetterlinge, Hasen und Kängurus, Spinnen, Elefantenkuh und Elefantenbulle, Hühner und Hahn, Eulen, Schnecken, Hamster, Siebenschläfer, Esel und Eselin und viele, viele mehr. Schließlich waren alle Arten an Bord der Arche. Zuletzt gingen N. und Angehörige seiner Familie an Bord. Und die Arche wurde geschlossen.

Dann zogen dunkle Wolken über den Himmel. Der Regen setzte ein. Erst sanft, dann immer heftiger. Schließlich bedeckte das Wasser Felder, Bäume und Häuser. Es regnete vierzig Tage und vierzig Nächte, wird gesagt. Das Wasser wurde höher und höher. Bald war alles überflutet. Die Erde versank unter den Fluten, und das Schiff begann zu schwimmen, nur N. und alle, die auf der Arche waren, lebten in Sicherheit.

Nachdem der Regen aufgehört hatte, wartete N. geduldig. Als das Schiff schließlich zur Ruhe kam, ließ er einen Vogel5 fliegen. Eines Tages kam er zurück mit einem Olivenblatt im Schnabel. Das war das Zeichen, dass das Wasser zurückging und das Land wieder sichtbar wurde. Das Leben konnte neu beginnen.

Da öffnete N. die Tür. Nun konnten alle, die während der großen Flut auf der Arche waren, vorsichtig ihren Fuß auf die Erde setzen und neu beginnen. N. dankte G’tt aus tiefstem Herzen. G’tt versprach, die Erde nie wieder durch eine solche Flut zu zerstören. Als Zeichen dieses Versprechens erschien am Himmel ein Regenbogen6. Dieses Versprechen ist der erste Bund, den G’tt mit allen Lebewesen geschlossen hat.

1 Diese Textfassung soll eine neutrale Erzählgrundlage bereitstellen. Sie wurde auf Grundlage des Wochenabschnitts Noach, Genesis 6 – 9 und Koran 11:25 – 49 (spätmekkanische Verse in Kapitel Hud) verfasst. Die Autorinnen: Dr. Sandra Anusiewicz­Baer, Ulrike Häusler, Dr. Ane Kleine­Engel, Prof. Dr. Tuba Işık

2 Aus religiösem Respekt und weil Gott kein Mensch ist, ist es Brauch, den Namen Gottes nicht auszuschreiben. Damit wird auch ausgedrückt, dass wir nicht wissen, ob diese Bezeichnung tatsächlich der richtige Begriff ist. In der Tora stehen hier die vier hebräischen Buchstaben des Tetragramms JHWH.

3 Ob Noach, Noah oder der Prophet Nuh, es meint immer den Mann, der die Arche gebaut hat. Im weiteren Text kürzen wir ihn ab mit N – dies kann wahlweise mit Noach oder Noah oder Prophet Nuh aufgefüllt werden. Die hebräische sowie arabische Wurzel des Wortes verweist auf Ruhe. In deutschen Bibelübersetzungen wird Noach meist mit Noah übersetzt. Im Arabischen ist es der Name Nuh.

4 Nach der Tora bzw. der Bibel sollen sieben Paare von allen Vögeln und ebenfalls sieben Paare von allen reinen Tieren an Bord gehen. Alle anderen Tiere der Erde und der Lüfte kommen mit einem Paar, männlich und weiblich (Genesis 7, 2 – 3). Laut Koran (11:40) sollen ein Paar von jeder Tierart beiderlei Geschlechtes an Bord.

5 Nach der Tora bzw. Bibel sandte Noach zunächst einen Raben und danach eine Taube aus (Genesis 8, 6 – 7). Im Koran wird kein spezifischer Vogel erwähnt.

6 Der Regenbogen in Tora bzw. Bibel (Genesis 9, 8 – 17) ist das sichtbare Zeichen des Bundes zwischen Gott und den Menschen. Der Regenbogen findet keine Erwähnung im Koran.

The Story1 of the Great Flood and the Ark

G­d2 created the world with all the animals and human beings. And G­d saw that his creation was good. But most people were not kind. They argued, lied to one another, and did terrible things. They forgot what was right, and they forgot G­d. Only one person was different: Noach / Noah / the Prophet Nuh.3 He was righteous, honest, and helpful, and sought to live his life as G­d desired. He cared for his family, looked after animals, and treated all living creatures, both people and animals, with respect.

N. warned the people: “G­d has told me that a great flood is coming soon. He wants me to build a ship—an ark—and take everyone aboard who believes in G­d, as well as pairs4 of every kind of animal, male and female.” Thus spoke N., but most people laughed at him. “What’s the point?” they said. “We don’t even have a sea here!” But N. was not deterred. He trusted G­d and did what he had been told, bringing all the animals aboard: lions, butterflies, rabbits, kangaroos, spiders, elephants, chickens, owls, snails, hamsters, dormice, donkeys, and many more. Once all the different animals were on board the ark, N. and his family entered, and the ark was closed.

Then dark clouds gathered in the sky and rain began to fall— gently at first but soon with increasing intensity. Eventually, the water covered fields, trees, and houses. It is said to have rained for forty days and forty nights. The water continued to rise, and soon everything was flooded. The earth sank beneath the water, and the ark began to float. Only N. and all those on the ark were safe.

After the rain stopped, N. waited patiently. When the ark finally came to rest, he sent out a bird.5 One day, it returned with an olive leaf in its beak. This was the sign that the waters were receding and the land would soon be visible again. Life could begin anew.

N. opened the door, and everyone who had been on the ark during the Great Flood cautiously set foot on the earth. They could now begin a new life. N. thanked G­d from the bottom of his heart. G­d promised never again to destroy the earth with such a flood.

As a sign of this promise, a rainbow appeared in the sky.6 It was the first covenant G­d made with all living creatures.

1 This version of the story is intended to provide a neutral, shared narrative framework. It is based on the weekly Torah portion Noach, and the Bible (Genesis 6–9), and the Quran (11:25–49, late Meccan verses in Surah Hud). The authors are Dr. Sandra Anusiewicz­Baer, Ulrike Häusler, Dr. Ane Kleine­Engel, and Professor Dr. Tuba Işık.

2 It is customary not to write out God’s name in full out of religious respect and because God is not human. This convention also reflects the belief that we cannot know whether any designation of God is truly the correct one. In the Torah, the divine name appears as the four Hebrew letters of the Tetragrammaton, YHWH.

3 Whether Noach, Noah, or the Prophet Nuh, the name always refers to the man who built the ark. In the text, we abbreviate his name to N., which can be read as Noach, Noah, or the Prophet Nuh according to preference. The Hebrew and Arabic roots of the name are associated with rest and repose. In German Bible translations, Noach is usually rendered as Noah; in Arabic, the name is Nuh.

4 According to the Torah and the Bible, seven pairs of all birds and seven pairs of all clean animals went aboard. All the other animals on the earth and in the air came in pairs, male and female (Genesis 7:2–3). According to the Quran (11:40), a pair of every kind of animal, male and female, went aboard.

5 According to the Torah and the Bible, Noah first sent out a raven and then a dove (Genesis 8:6–7). The Quran does not mention a specific bird.

6 In the Torah and the Bible (Genesis 9:8–17), the rainbow is a visible sign of the covenant between God and mankind. The rainbow is not mentioned in the

Liebe Lehrer* innen

Impressum Credits

© 2026, Stiftung Jüdisches Museum Berlin

Herausgeberin / Publisher:

Stiftung Jüdisches Museum Berlin

Direktorin / Director: Hetty Berg

Redaktion / Editors: Marie Naumann, Katharina Wulffius

E-Mail: publikationen@jmberlin.de

„Reiseandenken“ von Walter Benjamin (S. 58) stammt aus: Walter Benjamin, „Einbahnstraße“, Ernst Rowohlt Verlag Berlin, 1928.

“Travel Souvenirs” by Walter Benjamin (p. 59) is cited by: Walter Benjamin, “One-Way Street and Other Writings,” translated by Edmund Jephcott and Kingsley Shorter, NLB, London, 1979; also in: Walter Benjamin: Selected Writings. Volume 1: 1913–1926. Edited by Marcus Bullock and Michael W. Jennings, Cambridge/MA, London/England: The Belknap Press of Harvard University Press, 1996, pp. 470–472 © 1996 by the President and Fellows of Harvard College

Wir danken Simon & Schuster LLC (New York) und Sebastian Ritscher / Mohrbooks AG für die Bereitstellung des Textes „Neugier ist das beste Mittel gegen Angst“ (S. 26–33), der entnommen ist aus: Mario Livio, „Why? What Makes us Curious”, New York, Simon & Schuster, 2017. Many thanks to Simon & Schuster LLC (New York) and Sebastian Ritscher / Mohrbooks AG for providing the text “Curiosity Is the Best Remedy for Fear,” (pp. 26–33), which is excerpted from: Mario Livio, Why? What Makes Us Curious, New York: Simon & Schuster, 2017.

Wir danken Hanno Dannenfeldt und Kristina Friske / bürominimal, Berlin, für die Unterstützung beim Erstellen des Beitrags „5 Jahre ANOHA“ (S. 82–93). Many thanks to Hanno Dannenfeldt and Kristina Friske / bürominimal, Berlin, for their assistance in creating the article “5 Years of ANOHA” (pp. 82–93).

Übersetzungen ins Englische / English

Translation: Adam Blauhut (S./pp. 34–41, 60–73, 82–93), Allison Brown (S./pp. 3, 7, 19–24, 74–79), Kate Sturge (S./pp. 8–15)

Übersetzungen ins Deutsche / German Translations: Antje Korsmeier (S./pp. 51–56), Stefan Rippliner (S./pp. 26–33)

Layout: Eggers + Diaper, Aachen Lithografie / Lithography: Michaela Müller, bildpunkt Druckvorstufen GmbH, Berlin Druck / printed by: Druckhaus Sportflieger, Berlin

Wir danken allen Autor*innen und Mitwirkenden! With many thanks to all authors and staff!

ISSN: 2195-7002

Gefördert durch / Sponsored by

Stiftung Jüdisches Museum Berlin Lindenstraße 9–14, 10969 Berlin Tel.: +49 (0)30 25993 300 www.jmberlin.de info@jmberlin.de

Falls Rechte (auch) bei anderen liegen sollten, werden die Inhaber*innen gebeten, sich zu melden. / Should rights (also) lie with others, please inform the publisher.

Cover: Unter Verwendung einer Fotografie von Silke Helmerdig, Baudokumentation des Jüdischen Museums Berlin 1994, JMB

S./pp. 3, 5 (unten/bottom), 62 (oben/top), 82, 87, 91, 92: JMB, photo: Yves Sucksdorff

S./p. 7: BKM, Kay Herschelmann

S./pp. 5 (oben/top), 9–15: Stephan Pramme

S./p. 18: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto

Services

S./p. 28: JMB, Ankauf aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin, © 2017

Patrick Mooney/Geoffrey Burne, photo: Jens Ziehe

S./pp. 16–17, 31, 61 (unten rechts/bottom right): JMB, photo: Jens Ziehe

S./p. 33: CC BY 2.0 Jon-Eric Melsæter

S./pp. 5 (2. von oben/second from top), 34–35: Silke Helmerdig, Baudokumentation des Jüdischen Museums Berlin, 26.5.1995, JMB

S./pp. 36, 37: JMB, photo: Roman März

S./p. 40: JMB, Schenkung von Daniel Libeskind, photo: Roman März

S./p. 38: Courtesy of Studio Libeskind

S./pp. 45–48, 57, 76: JMB

S./p. 50: © Lana Barkin

S./p. 61 (oben/top): Hans Georg Gaul

S./p. 61 (unten links/bottom left): JMB, Schenkung von Tessa Uys, photo: Jens Ziehe

S./pp. 5 (2. von unten/second from bottom), 62 (unten links/bottom left): JMB, erworben mit Unterstützung der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Jüdischen Museums Berlin, photo: Jens Ziehe

S./p. 62 (Mitte/middle): Nadja Rentzsch

S./p. 63 (oben/top): JMB, erworben mit Unterstützung der Freunde des Jüdischen Museums Berlin, photo: Roman März

S./p. 62 (unten/bottom): JMB, photo: Svea Pietschmann

S./pp. 64 (oben/top), 66, 93: JMB, photo: Jule Roehr

aus dem Babylonischen Talmud, Berlin, 2024; JMB

S./p. 65 (links/left): JMB, photo: André Wagenzik

S./p. 65 (oben/top): Visual Space Agency & Studio Bens; navos create, Berlin

S./p. 68: JMB, Schenkung von Sonja Leder; S./p. 69: JMB, Schenkung von Michael und Daniel Schoenholz; S./p. 71: JMB, Schenkung von David Permantier; S./p. 73: JMB, Schenkung von Bobby und Daryl Lax → Digitalisierung gefördert durch das Vermächtnis der Familie Adler-Salomon, der Siemens AG, der Berthold Leibinger Stiftung und der Bertelsmann SE & Co. KGaA / Digitization supported by the legacy of the Adler-Salomon family, Siemens AG, the Berthold Leibinger Foundation, and Bertelsmann SE & Co. KGaA

S./p. 72: JMB, Schenkung von Andrea Bertschi-Kaufmann, Claudia Kaufmann und Theodor Kaufmann, photo: Roman März

S./p. 74: Courtesy of Annet Gelink Gallery, Amsterdam; Sommer Contemporary Art, Tel Aviv; Galleria Raffaella Cortese, Milan; Petzel Gallery, New York; Capitain Petzel, Berlin and Cecilia Hillström Gallery, Stockholm

S./p. 79: Susanne Siegert (@keine.erinnerungskultur)

S./p. 81: JMB, Made in May Creative Studio

S./p. 85: pexels, Elina Sazonova

S./p. 86: JMB, photo: Patrick Imbacher

Auch wir sind jüdische Geschichte.

Zwischen 1850 und 1934 reisten rund 5 Millionen Menschen über Hamburg nach Amerika aus, darunter auch Hunderttausende jüdische Mernschen. Die „Auswandererhallen“ in der Nähe des Hafens wurden 1901 von der HAPAG eröffnet. Sie dienten dazu, die Auswanderer vor der Überfahrt nach Amerika organisiert unterzubringen. Für viele jüdisch-amerikanische Familien begann die Geschichte ihrer Immigration tatsächlich in Hamburg, oft auf einem Schiff der HAPAG auf dem Weg nach New York.

Heute verbinden wir über 800 Häfen der Welt mit über 300 Containerschiffen – und wünschen „Alles Gute zum Geburtstag“.

Ein Vierteljahrhundert unverzichtbare Arbeit für Dialog und Verständigung.

Rothschild & Co. gratuliert zu diesem besonderen Jubiläum und dankt für den wichtigen gesellschaftlichen Beitrag.

Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
JMB Journal Nr 28 Stay Curious by Jewish Museum Berlin - Issuu