BELLA JAGERN
GESCHOSSEN
Dolce Vita mit Pfeil und Bogen
GETROFFEN
Gran Paradiso: Refugium des Steinwildes GEKOCHT
Dolce Vita mit Wild


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Dolce Vita mit Pfeil und Bogen
GETROFFEN
Gran Paradiso: Refugium des Steinwildes GEKOCHT
Dolce Vita mit Wild


Bei der Entwicklung dieser Hose haben wir auf Langlebigkeit, Funktionalität sowie ein zeitloses Design Wert gelegt und sie dann so produziert, dass unsere Umwelt dabei so wenig wie möglich belastet wird. Diese Hose ist für eine jahrzehntelange Nutzung gemacht, bevor sie schließlich an die nächste Generation weitergegeben oder auf dem Secondhandmarkt weiterverkauft werden kann.
Dadurch müssen weniger Hosen produziert werden, was Energieverbrauch und Abfall reduziert. Doch damit diese Kettenreaktion funktioniert, musst du sie so lange wie möglich nutzen, gut pflegen und, wenn nötig, reparieren. Und am allerwichtigsten: Ersetze sie nicht gleich in der nächsten oder übernächsten Saison durch eine neue Hose. Mit unseren Ex-
pertentipps zur richtigen Pflege und unserem Reparaturservice unterstützen wir dich bei jedem Schritt.
Na, was sagst du? Wir hoffen, dass dieser Deal für dich genauso sinnvoll ist wie für uns – und unsere Umwelt.



Liebe Leserinnen und Leser,
„BellaJagern“ steht für eine Form des Jagens, die nicht nur von Pflicht und Funktion, sondern auch vom Sinn für das Schöne geprägt ist. Von jener tiefen Verbindung zur Natur, zum Handwerk und zur Lebensfreude, wie sie in Italien gelebt wird.
In dieser Ausgabe laden wir euch zu einer Reise in den Süden ein. Wir beginnen mit Ötzi, dem ältesten bekannten Weidwerker Europas, dessen Jagdausrüstung bis heute fasziniert. In Norditalien besuchen wir die Familie Zoli, wo jagdliche Präzision und Handwerkskunst seit Generationen gelebt werden – nicht als Geschäftsmodell, sondern als Berufung. Im Aostatal folgen wir den Spuren des Steinwildes am Gran Paradiso, das dort nur überleben konnte, weil Weitblick und jagdlicher Schutz Hand in Hand gingen. Außerdem lernt ihr den Lagotto Romagnolo kennen, einen charmanten Jagdhund, dessen Wurzeln in die Sumpflandschaften der Romagna zurückreichen. Natürlich gehört zur italienischen Lebens-

art auch die Küche – und so zeigen wir euch, wie man mit Wildbret mediterrane Gerichte zaubert. Dazu präsentieren wir euch passende Weine, die nicht nur schmecken, sondern auch von Jagdleidenschaft erzählen. Letztere führt uns zu Giacomo Puccini, der nicht nur für große Opern, sondern auch für große Jagden brannte – ein Genie mit Flinte und Finesse. Und auch die Mode findet hier ihren Platz: mit einem Blick auf jene mühelose Eleganz, die man in Italien sprezzatura nennt – denn im Revier hat Haltung ebenfalls Stil.
Diese Ausgabe von JAGERN soll zeigen, dass Jagd und Lebensart kein Widerspruch sind. Dass Stil, Ethik, Handwerk und Genuss sich nicht ausschließen, sondern ein starkes Ganzes bilden. „Bella Jagern“ ist dafür nicht nur ein Titel, sondern eine Einladung.
In diesem Sinne: Viel Freude beim Lesen –und Weidmannsheil!








GESCHOSSEN
Dolce Vita mit Pfeil und Bogen

GETROFFEN
Gran Paradiso –Refugium des Steinwildes
50
Buchrezension: Rotwild
Zwischen Algorithmus und Achtsamkeit 60
Lagotto Romagnolo Ein jagdlicher Lockenkopf mit Schnüffelnase
Innenparasiten beim Haarwild

Im Takt der Wurfscheiben
18
Präzision aus Bella Italia
34
FRAG REINI: Die perfekte Flinte für den Schießstand
38
GPS-Tracking für Jagdhunde

GEKOCHT
Dolce Vita mit Wild
48
Eleganz ohne Anstrengung
Kolumne von Sabine Steindl

Ötzi und seine (Jagd-)Ausrüstung 4
54 Giacomo Puccini Jäger, Künstler, Lebeman
80 Ausblick & Impressum



Na, macht euch die Sommerhitze schon zu schaffen? Wie wäre es da mit einem Ausflug ins Hochgebirge? Natürlich soll dieser auch lehrreich sein und nicht zuletzt unterhaltsam! Dann besuchen wir am besten den Mann aus dem Eis in Bozen, denn der behält nicht nur schon seit Jahrtausenden einen kühlen Kopf, sondern ist noch dazu einer der ältesten erhaltenen Weidwerker überhaupt. Selbst nach Jahrzehnten der Forschung erzählt uns der tiefgefrorene Vorfahr immer wieder etwas Neues. Also: Schnell mit Tiroler Nussöl einschmieren und ab ins sonnige Südtirol!
TEXT: Othmar F. C. Hofer



Einzigartige Entdeckung
Eines Tages geht ein deutsches Urlauberehepaar in den Bergen wandern. Was sich vielleicht wie die Einleitung zu einem mehr oder eher minder geistreichen Stammtischwitz über den nördlichen Nachbarn anhört, stellt den Beginn einer der sensationellsten archäologischen Entdeckungen weltweit dar. Auf ihrer Tour durch die Ötztaler Alpen entdeckten Helmut und Erika Simon im September 1991 nämlich die vom stark abgeschmolzenen Gletscher am Tisenjoch freigegebenen Überreste eines Mannes, den sie zunächst für einen verunglückten Bergsteiger hielten. Die Reste der einst gewaltigen Eismassen waren jedoch hartnäckig und so kam es zu mehreren – gelinde gesagt ruppigen – Bergungsversuchen, welche den Einsatz von Presslufthammer und Eispickel sowie einen höchstpersönlich mittels Skistock herumstochernden Reinhold Messner beinhalteten. Quasi als Entschädigung für die unsanfte Behandlung, bei der es zu einer Verletzung des Eismannes an der linken Hüfte kam, wurde ihm ein Helikopterflug vom auf 3.210 Metern Seehöhe gelegenen Hochgebirgspass ins Tal hinunter spendiert. Von dort aus wurde der mumifizierte Leichnam in die Innsbrucker Rechtsmedizin verfrachtet, wo die erstmalige Begutachtung durch einen archäologischen Experten eine gewaltige Überraschung für alle Beteiligten bereithielt. Wie die charakteristische Eigenart des bei ihm gefundenen Beils dem geschulten Auge auf den ersten Blick verriet, stammt der Mann vom Similaun nämlich aus der Kupfersteinzeit! Zudem stellt er aufgrund seines guten Erhaltungszustands gemeinsam mit den ebenfalls in der Kälte konservierten Bekleidungsresten sowie Werkzeugen einen einmaligen Fund mit riesigem wissenschaftlichen Potenzial dar. Eine etwas später durchgeführte Radiokarbondatierung bestimmte das Alter der Gletschermumie dann auf 3350 bis 3100 Jahre v. Chr. Zu dieser Zeit war die Menschheit zwar größtenteils schon im Rahmen der neolithischen Revolution sesshaft geworden
und gewöhnte sich allmählich an die Verarbeitung von Kupfer und anderen Metallen, auf eine regelrechte Hochkultur mit komplexen Gesellschaften und einer Schrift als Kerncharakteristikum musste man zumindest in Europa jedoch noch lange warten. Die Minoer auf Kreta erbrachten solche Leistungen gegen 2300 vor unserer Zeitrechnung erstmals innerhalb der Grenzen unseres Kontinents. Wem das als Einordnung immer noch zu abstrakt ist, kann daran denken, dass sich die Schöpfer der berühmten Steinkreise von Stonehenge frühestens erst ca. hundert Jahre nach dem Ableben des ältesten erhaltenen Alpenbewohners an die Durchführung ihres Großprojektes machten. Ungefähr zur selben Zeit sah das ferne Ägypten den Aufstieg der ersten Pharaonen.
Der Erkenntnis von der bahnbrechenden Entdeckung folgte ein weltweites Medienecho, in dessen Verlauf sich die Presseleute mehr als 500 verschiedene, teils sehr skurrile Bezeichnungen für die Gletschermumie einfallen ließen. In einem Artikel der Wiener Arbeiter-Zeitung wurde aber noch im selben Jahr der bis heute gängigste Name geprägt: Ötzi. Dieser auf die Fundregion hinweisende Spitzname ist leicht zu merken, klingt freundlich und geht vor allem schneller von der Zunge als die per Beschluss der Südtiroler Landesregierung offiziell festgelegte Bezeichnung „Der Mann aus dem Eis“ bzw. „L’Uomovenutodalghiaccio“. Diese Entscheidung wurde in Bozen und nicht Innsbruck oder Wien gefällt, da Ötzi nicht wie zuerst angenommen auf österreichischem Staatsgebiet, sondern im unter italienischer Kontrolle stehenden Südtirol gefunden wurde. Eigens zu diesem Zweck durchgeführte Vermessungen ergaben, dass die Mulde, in welcher der kupferzeitliche Mann sein Leben aushauchte, weniger als hundert Meter von der fünftausend Jahre später durch die Siegermächte des Ersten Weltkriegs gezogenen Grenze entfernt liegt. Fast als wären sein Alter, die Begleitfunde sowie der Erhaltungszustand noch nicht


außergewöhnlich genug, kam dem Mann vom Tisenjoch so auch noch eine nicht unerhebliche politische Bedeutung zu. Die wirtschaftliche Dimension ist ebenso nicht zu verachten, denn die vom Eis konservierten Überreste ziehen jährlich Tausende Besucher nach Bozen ins Südtiroler Archäologiemuseum, wo sie seit 1998 in einer speziellen Kühlzelle besichtigt werden können. Nicht zuletzt kommt der Mumie beiderseits der Ötztaler Alpen auch eine Rolle im Rahmen der regionalen Identität zu.
Zu wem gehört der Mann aus dem Eis?
Ebenjene Viehzüchter aus dem Osten waren es dann, die dem Erdteil ihren genetischen und sprachlichen Stempel aufdrückten. Demzufolge dürfte sich auch die Sprache Ötzis in ihrer Struktur stark von den heute vorherrschenden indoeuropäischen Idiomen unterschieden haben, wie es noch heute etwa beim Baskischen der Fall ist.

In einer Zeit lange vor jeder Staatlichkeit spielten für Ötzi selbst Fragen der Nationalität natürlich noch keine Rolle, doch erbrachten genetische Untersuchungen einige interessante Befunde zu dessen Abstammung. So beweisen charakteristische Merkmale des Y-Chromosoms eine Verwandtschaft väterlicherseits mit jener Bevölkerung, die vom Nahen Osten kommend ab ca. 5700 v. Chr. den Ackerbau nach Europa brachte und dort die Jungsteinzeit einläutete. Aufgrund der markanten Verzierungen an ihrem Geschirr wird in diesem Kontext von der „Bandkeramischen Kultur“ gesprochen. Heutzutage ist diese spezielle Chromosomengruppe in Europa kaum noch anzutreffen und tritt lediglich in lange Zeit relativ abgeschotteten Gebieten, wie man sie etwa auf Sardinien oder Korsika findet, verstärkt auf. Im oberen Inntal und im Paznauntal finden sich ebenfalls derartige genetische Inseln und 2013 wurden mittels DNS-Analyse in Tirol sogar ganze 19 lebende Nachfahren des am Similaun Verstorbenen ausfindig gemacht. Die mütterliche Abstammungslinie Ötzis wird hingegen in den Dolomiten verortet und scheint mittlerweile erloschen zu sein. Demgegenüber befinden sich im Erbgut Ötzis keine aus den Steppengebieten jenseits des Schwarzen Meeres kommenden Gene, wie sie für die moderne Bevölkerung Europas und Nordamerikas charakteristisch sind. In diesem Kontext ist die Laktoseintoleranz Ötzis von besonderer Relevanz, da das für die Verdaubarkeit von Milchzucker verantwortliche Gen sich erst später in Westeuropa verbreitete, vermutlich im Zuge eines gewaltsamen Vordringens indogermanischer Völker am Beginn der Bronzezeit.
Das Erbgut des Mannes aus dem Eis verrät uns jedoch noch weit mehr über seine Lebensumstände, als dass ihm zu viel Milch Verdauungsprobleme bereitete. Ötzi trug nämlich die Veranlagung für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in sich, welche bei ihm sogar schon für Verkalkungen in den Arterien verantwortlich war. Außerdem konnten Spuren einer Borreliose-Erkrankung festgestellt werden, die er sich höchstwahrscheinlich durch einen Zeckenbiss zugezogen hatte. Hirschlausfliegen und Flöhe machten ihm als kleine Blutsauger zusätzlich das Leben schwer. Immerhin musste sich Ötzi wohl nicht zu sehr vor der Sonne in Acht nehmen, da sein Hautton ziemlich dunkel und mit jenem autochthoner Sarden vergleichbar war. Wie eine Untersuchung seiner Knochen zeigte, war Ötzi zum Zeitpunkt seines Todes um die 45 Jahre alt, was gemessen an den Lebensumständen im Neolithikum schon recht beachtlich ist, ihm aber auch ordentlich zu schaffen gemacht haben dürfte. Seine Zähne etwa waren stark abgenutzt und von Karies befallen. Sogenannte „Beau-ReilFurchen“ an einem Fingernagel deuten auf eine chronische Erkrankung hin, die das Immunsystem wiederkehrend vor große Herausforderungen stellte. Die besonders beanspruchten Stellen seines Bewegungsapparats dürften Ötzi infolge der Abnützungserscheinungen ebenso einiges an Weh bereitet haben. Höchstwahrscheinlich als eine Art Schmerztherapie ließ sich der Tote vom Similaun deswegen an seinen Gelenken und am Rücken ganze 61 Tätowierungen in die Haut schneiden. Die Striche und Kreuze wurden durch das Einreiben mit Holzkohle interessanterweise genau an jenen Körperzonen erstellt, die auch noch heute bei der Akkupunktur herangezogen werden. Neben dem Gestell und den Zähnen war auch die Lunge schon recht mitgenommen. Schuld


daran war aber kein Tabakkonsum Ötzis – die Vorstellung von einem genüsslich qualmenden Gletschermann mag zwar ihren Reiz haben, doch fand das stimulierende Kraut bekanntlich erst Jahrtausende später seinen Weg von Amerika nach Europa. Die Rußablagerungen im Atemtrakt stammen vielmehr vom Rauch der offenen Feuerstellen in den prähistorischen Behausungen. Um seinen niedrigen Körperfettanteil würden unseren (Kupfer-)Steinzeitmenschen heute jedoch viele beneiden. Das niedrige Lebendgewicht Ötzis von ungefähr 50 Kilogramm ist ebenso auf dessen urzeitliche Lebensweise zurückzuführen wie der vergleichsweise geringe Bleigehalt in seinem Haargewebe. Das für seine nicht gerade gesundheitsfördernde Wirkung bekannte Arsen fand sich demgegenüber jedoch in wesentlich höherer Konzentration im Mann aus dem Eis. Dies wird von den Forschern darauf zurückgeführt, dass Ötzi wahrscheinlich beim Schmelzen von Kupfer, bei dem es zur Bildung von Arsendämpfen kommen kann, anwesend war. Gestorben ist der Mann aus dem Eis jedoch nicht an einer Schwermetallvergiftung, sondern durch einen von hinten und vermutlich aus größerer Entfernung abgegebenen Pfeilschuss in seinen Brustkorb.
Hochtechnologie aus der Steinzeit
Die Ausrüstung Ötzis gibt Einblicke, wie die Menschen vor mehr als fünftausend Jahren ihr Überleben in der Natur sicherzustellen trachteten. Einfallsreichtum, Erfahrung und handwerkliches Können spielten dabei eine entscheidende Rolle – alles Dinge, auf die letztlich auch der Jäger von heute nicht verzichten sollte. Neben der Mumie selbst stellt das Kupferbeil den wohl berühmtesten Fund vom Tisenjoch dar. Das kommt nicht von ungefähr, denn Ötzi hatte mit der kleinen Hacke ein für seine Zeit hochmodernes Werkzeug von herausragendem Wert bei sich. Dabei wirkt das gute Stück auf uns, die wir längst an alle möglichen in vielfältigster Form verarbeiteten Metalle gewöhnt sind, eher unscheinbar. Der Schaft aus Eibenholz misst ungefähr 60 Zentimeter und die Kupferklinge wurde mittels Birkenteer und einer Umwicklung aus Lederriemen daran befestigt. Laut metallurgischen Untersuchungsergebnissen wurde das Erz für den Beilkopf in der südlichen Toskana gefördert, was auf überregionale Handelskontakte hinweist. Das Beil scheint seinem Besitzer gute Dienste getan zu haben, denn Abnützungsspuren an der Klinge zeugen von intensivem Gebrauch und lassen zudem auf einen
Rechtshänder schließen. Praktische Versuche durch einen Experimentalarchäologen bewiesen entgegen früheren Annahmen die Nützlichkeit von Ötzis Axt bei der Holzbearbeitung: Mithilfe eines Nachbaus konnte eine kleinere Eibe in knapp einer Dreiviertelstunde gefällt werden. Der vergleichsweise niedrige Härtegrad des Kupfers macht lediglich eine eigene Schlagtechnik, bei der nicht zu viel Wucht eingesetzt werden darf, und gelegentliches Nachschärfen erforderlich. Nicht nur der praktische Nutzen machte das Kupferbeil sehr wertvoll, sondern ebenso dessen Funktion als Statussymbol. Umso verwunderlicher nimmt sich da die Tatsache aus, dass derjenige, der Ötzi die tödliche Pfeilwunde beigebracht hat, das Kupferbeil liegen ließ. Wäre das Werkzeug ein verräterischer Beweis für einen heimlichen Mord gewesen? Waren der oder die Angreifer so sehr darauf fokussiert, die vom Niedergestreckten unter Umständen gehütete Herde wegzutreiben, dass sie auf das lukrative Beutestück vergaßen? Oder haben wir es sogar mit einem bewusst herbeigeführten Menschenopfer im Hochgebirge zu tun, wie es etwa aus der Andengegend überliefert ist?
Die genauen Hintergründe von Ötzis Ableben dürften wohl nie abschließend geklärt werden, zumal jede Erkenntnis einen ganzen Schwung weiterer Fragen mit sich bringt. So gibt auch der Bogen, den der Mann aus dem Eis dabeihatte, der Wissenschaft weiterhin Rätsel auf. Dieser wurde ebenso aus Eibe geschnitzt wie der Beilschaft und befand sich noch im Herstellungsprozess. Um einsatzfähig zu sein, hätte der 1,82 Meter lange Stab noch geglättet und mit einer Sehne versehen werden müssen. Warum Ötzi seinen Weg durchs Hochgebirge mit einem unfertigen Bogen antrat, ist unklar. Hatte er seine alte Waffe womöglich in einer Auseinandersetzung verloren und musste schnell flüchten? Die tiefe, kaum verheilte Wunde an seiner rechten Hand würde zumindest auf ein solches Szenario hindeuten, da derartige Verletzungen typischerweise bei der Abwehr von Messerangriffen entstehen. Von der nur einige Tage alten Handwunde könnte auch das am Bogen festgestellte Blut stammen. Einer anderen Theorie zufolge wurde das Eibenholz in den roten Saft

getaucht, um es gegen Feuchtigkeit schützen. Das Mysterium um Ötzis Habseligkeiten hört hier aber noch lange nicht auf. In dem aus der Decke eines Rehs gefertigten Köcher fanden sich zwölf unfertige Schäfte sowie zwei gebrauchsfertige Pfeile mit Feuersteinspitzen. Anhand der unterschiedlich gewickelten Befiederung wurde festgestellt, dass die Geschosse von zwei verschiedenen Leuten hergestellt worden waren. Neben einer Schnur lagen noch vier Geweihstücke in der Pfeiltasche, welche Ötzi womöglich beim Aus-der-Decke-Schlagen seiner Jagdbeute nutzte.



Experimente ergaben, dass sich Wild auf 30 bis 50 Meter gut mit dem rekonstruierten Bogenmodell erlegen lässt. Dieser Befund passt wiederum zum Mageninhalt der Eismumie, der sich nicht nur aus den Resten eines Einkornbrotes, sondern auch aus Hirsch- und Steinbockfleisch zusammensetzte.
Niederwild dürfte ebenfalls zur Kost der kupferzeitlichen Alpenbewohner gehört haben, da sich mit einem ebenso aus den Resten des Gletschers geborgenen grobmaschigen Netz aus Lindenbast Hasen oder Vögel fangen ließen. Aufgebrochen und zerwirkt hat Ötzi seine Beute dann mit seinem

insgesamt nur 13 Zentimeter langen Feuersteindolch, den er in seiner Scheide am Gürtel befestigt getragen haben dürfte. Das Silexmineral der Klinge stammt aus der Gegend östlich des Gardasees und wurde wahrscheinlich öfter durch Abdrücken der Ränder nachgeschärft. Hierfür eignete sich der Holzgriff mit bleistiftartig eingefügter Hornspitze im Gepäck des Mannes aus dem Eis, weswegen es heute als Retuscheur geführt wird. Über den Verwendungszweck einer weißen Steinscheibe mit Bohrloch herrschte lange Kopfzerbrechen. Durch die Öffnung in dem rundlichen Stück Dolomit-
marmor hatte man zahlreiche Riemen gefädelt, was von früheren Forschern einmal als Materialreserve für etwaige Reparaturen unterwegs und andermal als Talisman interpretiert wurde. Heutzutage gehen die Wissenschaftler aber von einer Nutzung als Vogelgalgen aus. Demzufolge band Ötzi das erlegte Federvieh an den Fellschnüren fest und trug die Vorrichtung mithilfe der Marmorscheibe unter den Gürtel geklemmt. Diese Befestigungsform ist nicht nur aus anderen Kulturen bekannt, etwa beim japanischen Kimono, sondern wurde gleichermaßen durch die Experimentalarchäologie als tauglich bestätigt.
Gegen Wind und Wetter schütze sich unser urzeitlicher Freund mit einem Ziegenfellmantel, Beinkleidern in der Art von Leggins, einer Bärenfellhaube und hirschledernen Schuhen mit einer Isolierschicht aus Heu. In einer auf seinen Kalbsledergürtel aufgenähten Tasche trug er Ahle, Bohrer und Schaber sowie einen kleinen Vorrat an Zunderschwamm fürs Feuermachen bei sich. Die Nützlichkeit von Hüftbeuteln ist eben auch keine Neuentdeckung der urlaubenden Pensionisten und halbstarken Möchtegerngangster unserer Tage. Ebenso dem Entfachen einer überlebenswichtigen Licht- und Wärmequelle dürften die Holzkohlestücke gedient haben, die Ötzi in Blätter gewickelt in einem Birkenrindengefäß mit sich führte. Zwei auf einen Fellstreifen gefädelte Stücke des Birkenporlings fungierten vermutlich als Medikamentenvorrat. Der Pilz verfügt über blutstillende und antibiotische Eigenschaften und könnte zudem als Mittel gegen die Parasiten gedient haben, die sich im Darm des Toten vom Tisenjoch angesiedelt hatten. Die in der Umgebung der Leiche gefundenen Reste einer Flechtmatte aus Sumpfgras könnten entweder wie ein über dem Kopf verschnürtes Minizelt oder als Behältnis auf
dem hölzernen Kraxengestell Ötzis genutzt worden sein. Die in älteren Rekonstruktionen noch auftauchende Funktion als Mantel wird heutzutage eher für unwahrscheinlich gehalten, da Rückentrage und Köcher nicht gleichzeitig mit der Sumpfgrasmatte hätten getragen werden können.
Der Jäger, der in die Kälte kam
Der Blick auf die neuen und alten Erkenntnisse zum Mann aus dem Eis offenbart, dass dieser zu Lebzeiten viel mit der Jagd zu tun gehabt haben muss. Dabei nutzte er größtenteils natürliche Ressourcen seiner direkten Umgebung, und zwar in einem Ausmaß, das uns heute nur mehr schwer greifbar erscheint. Man stelle sich kurz vor, jemand würde sich eine Jagdbüchse basteln aus Dingen, die er selbst in seiner näheren Umgebung zusammengesucht hat. Der ganze Vergleich mag zugegebenermaßen hinken und etwas an naive Naturromantik à la Rosseau erinnern. Andererseits veranschaulicht das Beispiel Ötzis, wie entscheidend Eigenschaften wie Einfallsreichtum, Erfahrung und Beobachtungsgabe für den Erfolg als Jäger im Besonderen und als Mensch im Allgemeinen sind. Und etwas Abkühlung hat der Ausflug auf den Gletscher auch gebracht, oder?




Die HANWAG Produktfamilie


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Das Flintenschießen ist mehr als nur ein jagdliches Handwerk – es ist ein Sport, der Präzision, Bewegung und Intuition vereint. Wer den Sommer nutzt, um seine Technik zu verfeinern oder ganz neu einzusteigen, wird im Herbst mit sicheren Treffern belohnt. Hier geben wir einen Überblick über die Geschichte der Flinte, erklären, wie ihr professionell in den Sport startet, welche Ausrüstung wirklich nötig ist – und warum Freude und Disziplin dabei Hand in Hand gehen.
TEXT: Reinhold Sodia
Die Geschichte der Flinte ist eine Geschichte von Eleganz, Präzision und jagdlicher Raffinesse. Ursprünglich entwickelte sie sich im 16. Jahrhundert als Antwort auf die wachsende Beliebtheit der Vogeljagd am Hof. Während mit der Büchse gezielt auf stehendes Wild geschossen wurde, erforderte das Schießen auf fliegendes Wild eine ganz andere Technik – und eben auch eine andere Waffe. Die Flinte war geboren: leicht, schnell in Anschlag zu bringen, mit weit streuender Schrotgarbe, ideal für bewegliche Ziele.
Im Barockzeitalter avancierte die Flinte zum Statussymbol. Prunkvoll gravierte Läufe, edle Schäfte aus Nussbaumholz und filigrane Schlossmechanismen waren Ausdruck von Stand und Geschmack. Wer etwas auf sich hielt – vom englischen Landlord bis zum französischen Marquis – übte sich im eleganten Schuss auf Fasan, Rebhuhn und Schnepfe. Die höfische Flugwildjagd wurde zu einer Kunstform.










ca. 1530


Mit der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts verlagerte sich das Flintenschießen zunehmend in den sportlichen Bereich. Disziplinen wie Trap, Skeet und später der jagdliche Schießparcours entwickelten sich – zunächst als Trainingsmethoden für die Jagd, später als eigene Wettkampfsportarten mit klaren Regeln. 1900 wurde das Flintenschießen sogar olympisch – und ist es bis heute geblieben.
Ungeachtet aller Sportlichkeit ist die Flinte aber bis heute vor allem eines: ein Werkzeug des praktischen Weidwerks. Ob bei der Treibjagd auf Hasen, beim Entenstrich am Teich oder bei der Krähenjagd im Morgengrauen – die Kunst, mit Schwung und Intuition zu treffen, ist geblieben.
Die Flinte verlangt nicht nur Technik, sondern auch Bauchgefühl. Sie ist die Waffe „des Fühlens statt Zielens“ – und genau das macht sie so faszinierend. Wer mit ihr schießt, verschmilzt im Bruchteil einer Sekunde mit Ziel, Bewegung und Moment. Kein Wunder, dass viele Jäger sagen: „MitderBüchsejagt derVerstand,mitderFlintedasHerz.“
Erste Vorderladerflinten erscheinen in Europa – meist Steinschlosswaffen für die Vogeljagd.
1700–1800 Blütezeit der höfischen Flugwildjagd. Flinten mit reicher Gravur und handgefertigten Schlössern gelten als Prestigeobjekte.
1835
Samuel Colt bringt das erste serienreife Revolversystem auf den Markt – die Serienproduktion von Feuerwaffen nimmt Fahrt auf.
1861 Die Firma Purdey perfektioniert das Seitenhebelverschluss-System – bis heute ein Markenzeichen klassischer englischer Flinten.
1880–1890 Die Geburtsstunde der modernen Bockdoppelflinte – insbesondere durch die italienischen Büchsenmacher Beretta und Perazzi.
1900 Flintenschießen wird erstmals olympische Disziplin bei den Spielen in Paris.
1920er-Jahre Der jagdliche Schießparcours wird als realitätsnahes Flintentraining in England und Frankreich populär.
Heute Technologische Innovationen (Choke-Systeme, Wechselbasküle, Carbon-Schäfte)

Flintenschießen ist Sport – im besten Sinne: Es fordert Körper und Geist, verlangt Timing, Technik und mentale Ruhe. Und es bietet alles, was den Menschen in Bewegung bringt: Spannung, Wettbewerb, Rhythmus, Freude. Wer richtig einsteigt, entdeckt nicht nur ein präzises Handwerk, sondern eine Leidenschaft.

Sportlicher Einstieg mit System – nicht allein, sondern angeleitet
Gerade weil das Flintenschießen so stark vom Bewegungsablauf und der Technik lebt, sollte der Einstieg nicht im Alleingang erfolgen. Ohne Anleitung schleichen sich Fehler ein, die sich später nur schwer wieder korrigieren lassen – etwa ein zu früher oder zu langsamer Anschlag, ein verkrampftes Zielverhalten oder die typische Schussvermeidung, das sogenannte „Mucken“.
Die erste Wahl ist daher ein individuell betreutes Training, möglichst in einer Schießschule mit erfahrenem Flintentrainer. Hier wird systematisch aufgebaut: vom korrekten Stand über das richtige Führen der Waffe bis hin zur kontrollierten Zielaufnahme und zum Abzug.
Ein professioneller Schießstand ist mehr als nur ein Ort, wo Wurfscheiben fliegen. Er ist eine Bühne für Konzentration, Koordination und körperliche Disziplin. Hier lernt ihr nicht nur das Schießen – sondern auch, wie der Sport funktioniert: in Serien, unter Zeitdruck, mit wechselnden Wurfwinkeln, auf verschiedenen Distanzen.
Wichtig ist, dass ihr die Gegebenheiten vor Ort kennenlernt. Wo sind die Wurfmaschinen? Welche Disziplinen werden angeboten – Skeet, Trap, Parcours? Wie läuft ein sportlicher Durchgang ab?
Je besser ihr die Abläufe versteht, desto gezielter könnt ihr trainieren – und Fortschritte erleben.


Sicherheit und Etikette –Respekt als Grundvoraussetzung
Wie in jeder ernsthaften Sportart gelten auch beim Flintenschießen klare Regeln – nicht aus Prinzip, sondern aus Verantwortung. Die Sicherheit steht über allem: Waffen werden stets geöffnet getragen, geladen wird ausschließlich am Schießstand, niemals beim Herumgehen oder außerhalb des Standes. Niemand wird durch den Lauf erfasst, auch nicht im Spaß. Wer das verinnerlicht, zeigt Respekt – nicht nur gegenüber der Disziplin, sondern auch gegenüber seinen Mitmenschen.
Zur Etikette auf dem Stand gehören auch Disziplin, Geduld und ein kameradschaftlicher Ton. Kein Geplänkel während des Schießens, kein ungebetener Rat, keine abfälligen Kommentare über Fehlschüsse. Flintenschießen ist ein Sport für Erwachsene – mit Haltung.
Was das Flintenschießen als Sport so einzigartig macht, ist seine Mischung aus Dynamik und Intuition. Man bewegt sich, reagiert, entscheidet in Sekundenbruchteilen – aber nicht hektisch, sondern mit Eleganz. Jeder gelungene Schuss ist das Ergebnis eines harmonischen Bewegungsablaufs –und fühlt sich entsprechend an. Der Schlüssel zum Erfolg: Freude bewahren. Wer zu verkrampft an die Sache herangeht, verliert schnell die Lust. Der Sport lebt von Motivation, nicht von Druck. Setzt euch Ziele, aber bleibt offen für Fortschritte im eigenen Tempo. Und vor allem: Genießt es. Der Moment, in dem die Wurfscheibe im Flug zerspringt, ist pures Adrenalin – und pures Glück.

Der Einstieg ins Flintenschießen gelingt am besten mit durchdachter Ausrüstung, die auf Sicherheit, Komfort und Effizienz ausgelegt ist. Vieles lässt sich leihen, anderes sollte zur persönlichen Grundausstattung gehören – vor allem dann, wenn ihr regelmäßig trainieren möchtet.

Qualität vom Marktführer – seit 1982
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Bevor es auf unserer Spritztour durch Norditalien wieder ins Gebirge geht, machen wir noch einen kurzen Zwischenstopp in der Lombardei. Es geht aber weder ans kühle Wasser des Gardasees noch in die Kulturund Modemetropole Mailand, sondern zu einem Familienunternehmen, dessen Name das Herz eines jeden passionierten Flintenschützen höherschlagen lässt. Firmenchef Paolo wird uns höchstpersönlich eine Art Mini-Führung durch die heiligen Hallen Zolis geben.
TEXT: Othmar F. C. Hofer

Lieber Paolo, was lässt sich denn als kurzer Einstieg zur Geschichte des Familienunternehmens Zoli sagen?
Die Geschichte unserer Familie ist eng mit dem Val Trompina in Norditalien verbunden. In dem Tal nahe Brescia wurden schon in der Antike Waffen aus dem lokal gewonnenen Erz hergestellt und laut einer Urkunde von 1490 beschäftigten sich die Vorfahren unserer Familie dort schon an der Wende vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit mit der Produktion von Feuerwaffenschlössern. In ihrer heutigen Gestalt wurde unsere Firma von Antonio Zoli bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet. Die verschiedenen Flintenmodelle hatten sich schon zu Beginn der 1960erJahre einen sehr guten internationalen Ruf erworben, wobei wir im Laufe der Jahre stetig unsere Produktpalette erweiterten. Die Einführung hochmoderner CNC-Geräte ermöglichte es unseren Büchsenmachern, noch mehr Zeit und Aufmerksamkeit in die Veredelung unserer Produkte zu investieren. Nicht umsonst sind wir nun als eine der wenigen Firmen weltweit bekannt, die den gesamten Ent-

stehungsprozess von der Entwicklung über das Design bis hin zur Fertigung eigenständig durchführen.
Heutzutage gibt es nicht mehr viele Familienunternehmen unter den großen Büchsenmacherfirmen. Was macht Zoli so einzigartig?
Für uns bei Zoli ist es eine wahre Stärke, ein Betrieb in Familienbesitz zu sein. Unser Hauptfokus liegt eindeutig auf dem Produkt sowie seiner Leistung und nicht auf irgendwelchen kaufmännischen Strategien. Wir kümmern uns mit Hingabe um jedes Detail, wobei wir eine einfühlsame Verbindung zu dem aufbauen, was wir kreieren und was wir repräsentieren möchten. Unsere familiären Beziehungen ermöglichen die Entstehung einer besonderen Identität, die relevanter ist denn je. Immerhin leben wir in einer Zeit, in der Kunden auf der Suche nach Produkten sind, die authentische Werte verkörpern. Es gleicht einem echten Pakt zwischen Hersteller und Kunden – ein Band, das weit über bloße Zahlen hinausgeht und über das sich ein gemeinsamer Sinn teilen lässt.

Wie läuft es denn derzeit mit der Firma? Wir sind überaus zufrieden mit unserer Reise bisher. Zoli hat sich über die letzten zwanzig Jahre eine Position am Markt aufgebaut und diese gefestigt, worauf sich ihr prominenter Platz im High-End-Segment gründet. Es war ein langer und herausfordernder Weg, aber das so erworbene Vertrauen des Marktes ist unsere größte Belohnung. Dieses Vertrauen wurde aus dem konstanten Bemühen geboren, das Produkt und den Kunden ins Zentrum unserer Strategie zu rücken. Heute greifen diejenigen zu Zoli, die sich etwas Einzigartiges sichern wollen, das sich nicht so leicht woanders finden lässt. Wir haben uns auf die Produktion von Schrotflinten für diverse Tontaubenwettbewerbe und auf hochqualitative Jagdflinten spezialisiert. Die Marke Zoli ist nunmehr ein Synonym für Qualität, Leistung und Service – essenzielle Werte für ein Produkt, das gemacht ist, um ein Leben lang zu halten.
Wie würden Sie das Verhältnis zwischen Tradition und Fortschritt beschreiben? Für Zoli sind Tradition und Innovation keine entgegengesetzten Konzepte, sondern zwei Seiten derselben Medaille. Immerhin ist das, was vor vielen Jahren Innovation war, nun zur Tradition geworden. Unsere Geschichte ist gebaut auf einer soliden Basis aus Erfahrung, Handwerk und Hingabe. Diese Werte definieren unsere Identität und garantieren die Zuverlässigkeit unserer Produkte. Jedoch lässt uns Innovation mit Begeisterung in die Zukunft bli-








cken. Wir investieren kontinuierlich in neue Technologien, Designs und Materialien, um die Leistung unserer Schrotflinten zu verbessern und unseren Kunden somit eine Erfahrung zu bieten, die ihresgleichen sucht. Das Gleichgewicht zwischen Tradition und Innovation ist das, was Zoli einzigartig macht: Der Respekt für unser Erbe wird zum Startpunkt für die Entwicklung neuer Lösungen, stets fokussiert auf Qualität, Leistung und Service. Weil wir glauben, dass ein exzellentes Produkt aus dem Zusammentreffen der Seele der Vergangenheit mit der Vision für die Zukunft entsteht.
Können Sie uns etwas über Ihren Custom Shop erzählen?
Heute ist der Custom Shop ein fundamentaler und essenzieller Teil unseres Geschäfts, der ungefähr die Hälfte unserer Verkäufe ausmacht. Das ist der greifbare Beweis für das, was ich vorher erklärt habe. Diejenigen, die sich an Zoli wenden, tun dies mit einem klaren Ziel: um

etwas wahrhaft Passendes und Einzigartiges zu erhalten. Der Custom Shop gibt uns die Freiheit, verschiedene Richtungen auszukundschaften und dabei weit über rein technische Lösungen hinaus vorzudringen. An diesem Ort der Kreativität und Präzision richten wir unsere Aufmerksamkeit aber auch auf die Ästhetik und bieten exquisite Gravierungen und handverlesenes Wallnussholz an. Nichtsdestoweniger stellt Schönheit für uns nie einen reinen Selbstzweck dar. Bevor man den künstlerischen oder handwerklichen Aspekt betrachtet, muss eine Flinte zuallererst ein Hochleistungswerkzeug sein. Unsere Philosophie kann da in einer Devise zusammengefasst werden: Schönheit rund um eine solide Grundlage schaffen.
Zeichnen sich neue Trends oder Innovationen auf dem Flintenmarkt ab?
In der Flintenbranche waren wirkliche Innovationen relativ selten in den letzten Jahrzehnten. Wir wurden weniger Zeugen von revolutionären Fortschritten, als dass wir eine konstante Verbesserung des Produktes sahen. Vor allem bezieht sich das auf die Herstellungsmethoden und die Qualitätskontrolle, wo neue Technologien und Simulationssysteme neue Impulse brachten. Man sollte diesen Aspekt aber nicht überinterpretieren. Das Fehlen größerer technologischer Umbrüche bedeutet

nicht, dass sich alle Produkte gleichen. Ganz im Gegenteil ermöglichen gerade langanhaltende Verbesserungsprozesse, dass signifikante Unterschiede erreicht werden. Deswegen hat Zoli auch zahlreiche Wettkampfsiege für sich verbuchen können. Jedes Detail – und sei es noch so klein –wird sorgfältig hergestellt, um überlegene Leistung sicherzustellen. Wir ruhen uns aber keineswegs auf unseren Lorbeeren aus. Ich kann so viel verraten, als dass wir an einer technischen Innovation arbeiten, die in den kommenden Jahren auf den Markt kommen und eine Lösung bringen wird, die unsere Marke weiterhin ganz vorne positioniert.
Gehen Sie selbst der Jagd oder dem Sportschießen nach?
Zugegebenermaßen hat sich die Zeit, welche ich mit dem Schießen oder Jagen verbringen kann, drastisch reduziert, seit die Firma sich auf die Welt des Tontaubenschießens und maßgeschneiderte Kundenaufträge konzentriert. Wenn ich mir aber einmal etwas Zeit für mich selbst freischaufeln kann, trainiere ich am liebsten mit Freunden Compak Sporting (spezielle Form des Tontaubenschießens, Anm. d. Redaktion). Es ist für mich weniger ein Wettbewerb als eine Gelegenheit für Entspannung und Geselligkeit, die häufig bei einem guten Essen und mit herzlichem Lachen ausklingt.


Ihre Firma hat ja weitreichende Verbindungen in die Welt des Flintensports, nicht wahr?
Bei Zoli pflegen wir einen offenen, freundlichen und professionellen Umgang mit den Schützen, die sich für unsere Flinten entscheiden. Es geht da weniger um traditionelles Sponsoring, sondern eher um Kooperationen, die sich natürlich entwickelt haben. Viele dieser Beziehungen haben sich dank der exzellenten Ergebnisse herausgebildet, welche die Schützen mit unseren Waffen zu erreichen vermochten. Mit der Zeit wurden daraus dann solide und langanhaltende Partnerschaften. Teil des Zoli-Teams zu sein, bedeutet auch, dass man zu einer Familie gehört, die eine internationale Dimension erreicht hat. Mich und die anderen aus dem Team erfüllt es mit großer Freude, wie Zoli-Schützen weltweit gemeinsam ihre Passion ausleben. Diesen Aspekt halten wir für wesentlich: die Freude und der Stolz, Teil eines Projektes zu sein, das nicht nur auf der technischen, sondern auch auf der menschlichen Ebene Unterstützung bietet. Bei Zoli verkaufen wir nicht nur Schrotflinten. Wir schaffen auch Verbindungen, die sich aus Vertrauen, Teilen und wahrer Leidenschaft zusammensetzen.
Lieber Paolo, wir danken herzlich für die Einsichten in Ihre traditionsreiche Firma und wünschen auch weiterhin noch viel Erfolg!






Der Gran Paradiso – das große Paradies – ist in vielerlei Hinsicht ein ganz besonderer Berg. Mit 4.061 Metern Höhe stellt er das höchste Massiv dar, dessen Basis ganz auf italienischem Boden liegt. Durch seine spezielle, markant vom Alpenhauptkamm hervorspringende Lage bietet sich dem Bergsteiger ein unvergleichliches Panorama, welches bis zum Matterhorn und Monte Rosa reicht. Daneben ist dieser Berg zwischen dem Aostatal und dem Piemont auch für uns Weidleute ausgesprochen interessant: An seinen steilen Hängen konnten einst die letzten Steinböcke der völligen Ausrottung entgehen, was den Grundstein für eines der erfolgreichsten Wiederansiedlungsprojekte aller Zeiten bildete. Welche Rolle dabei Könige, Wilderer und jede Menge gestohlene Kitze spielten, erfahrt ihr hier.
TEXT: Othmar F. C. Hofer


Am Ende der letzten Eiszeit vor mehr als 11.000 Jahren war der Steinbock noch im ganzen Alpenraum und sogar in den Bergen Griechenlands verbreitet. Die an das Leben in Hochgebirgslagen angepassten Vertreter der Gattung der Ziegen gehörten zu den regionalen Hauptbeutetierarten unserer steinzeitlichen Vorfahren. Das Jagdgeschick seiner neolithischen Bewohner dürfte auch für das Verschwinden der Art aus Hellas ca. 5500 v. Chr. verantwortlich sein. In den Alpen konnte sich das Steinwild wesentlich länger halten, obwohl es weiterhin gerne vom Menschen verspeist wurde, wie der Mageninhalt Ötzis beweist. Den zentraleuropäischen Beständen ging es aber erst Jahrtausende später richtig an den Kragen, als in der Frühen Neuzeit gutes Geld mit der Steinbockjagd verdient werden konnte. Allen voran waren Bezoarkugeln aus dem Magen und das sogenannte „Herzkreuz“, eine kreuzförmige Verknöcherung in der Scheidewand der Vorkammer, als Talismane und Heilmittel begehrt, wobei sich auch andere Körperteile und anscheinend selbst Losung an die Apotheker verkaufen ließen. Anfang des 17. Jahrhunderts dürften Steinböcke in Mitteleuropa schon zu einem sehr seltenen Anblick geworden sein, was etwa daran erkennbar wird, dass Fürsterzbischof Markus Sittikus von Hohenems 1617 extra ein Gemälde von einem Exemplar in seinem Besitz in Auftrag gab. Die Investition zahlte sich für den Salzburger Landesfürsten auf jeden Fall aus, denn der Bock vermochte seinem neuen Lebensraum im barocken Schlossgarten wohl nicht viel abzugewinnen und verendete bald. Schuld soll die ungewohnte Hitze gewesen sein, wie es hieß. Den Artgenossen in freier Natur erging es aufgrund des hohen Jagddrucks nicht besser, weshalb der Alpensteinbock Anfang des 19. Jahrhunderts beinahe als ausgerottet gelten konnte. Nur am Gran Paradiso im Aostatal im äußersten Nordwesten des heutigen italienischen Staates vermochte sich eine kleine Population von ungefähr hundert Tieren zu


halten. 1820 wurden diese letzten Überlebenden ihrer Art auf private Initiative hin unter behördlichen Schutz gestellt, der richtige Umschwung kam jedoch mit dem Interesse des Königshauses von Sardinien-Piemont an den Ziegenartigen aus dem Hochgebirge.
Artenschutz auf dem Königsweg
Immerhin leitet sich der Name „Piemont“ für diese Region Italiens an der Grenze zu Frankreich von der lateinischen Phrase adpedemmontium ab, was so viel wie „am Fuße der Berge“ bedeutet, weshalb es nicht abwegig erscheint, dass sich König Vittorio Emanuelle II. auch mit den abgelegenen Gebirgsteilen seines Landes beschäftigte. Zumindest die Steinböcke dürften ihn als sehr seltene Jagdbeute stark interessiert haben, da er extra eine Anzahl von Wildhütern zu deren Schutz anheuerte. Dabei wurden wohl einige Böcke zu Gärtnern gemacht, da sich auch ehemalige Wilderer unter den neuen Revierwächtern befunden haben sollen. Ein durchaus schlauer Zug, wenn man bedenkt, dass die einstigen schwarzen Schafe aufgrund ihrer Erfahrungen genau gewusst haben müssen, wie man illegalen Jägern das Handwerk legt. Ab 1856 war der Gran Paradiso also persönliches Revier Viktor Emmanuels, welcher von der begeisternden Möglichkeit fürs Weidwerk im Hochgebirge fleißig Gebrauch machte, wofür er auch Saumpfade und Unterkünfte bauen ließ. Ganz so oft kann der Monarch seinen Steinböcken dann wohl aber doch nicht nachgestellt haben, da es ja immerhin noch Regierungs- und Repräsentationspflichten wahrzunehmen galt. Und die Arbeit wurde definitiv nicht weniger. Nach zahlreichen bewaffneten Konflikten um die Zukunft der unterschiedlichen Kleinstaaten und Provinzen der stiefelförmigen Halbinsel wurde das sardisch-piemontesische Oberhaupt aus dem Haus Savoyen 1861 schließlich zum König von ganz Italien erklärt. Unter diesen Umständen kam dem Gran Paradiso mit seinem in Mitteleuropa einzigartigen Steinbockbestand dann allmählich auch eine identifikatorische Bedeutung als Natur-


juwel des geeinten italienischen Nationalstaats zu. Gerade die jagdliche Nutzung des Gebiets durch die Königsfamilie stellte sich als Glücksfall für die Arterhaltung heraus, da sich die Steinbockbestände dank der damit verbundenen royalen Schutzmaßnahmen bis zum Ende des Jahrhunderts wohl auf gut dreitausend Stück vermehrten.
Viktor Emmanuel hatte die günstige Entwicklung der Bestandszahlen durch die von ihm angeordneten Maßnahmen entscheidend befördert, wobei seine Jagdleidenschaft den ausschlaggebenden Beweggrund bildete. Diese Passion fürs Weidwerk sollte ihn dann auch im wahrsten Sinne des Wortes bis zum Grab begleiten, da sich der Nimrod bei einem winterlichen Nachtansitz derart verkühlte, dass er 1878 unter Schüttelfrost
das Zeitliche segnete. Die Begeisterung für den Gran Paradiso vererbte sich jedoch in der Dynastie weiter. Der Enkel des Reviergründers, Viktor Emmanuel III., wachte sogar so eifersüchtig über den tierischen Familienschatz, dass er nicht im Traum daran dachte, mehrere Gesuche um eine Überführung etlicher Exemplare in die Schweiz zwecks Wiederansiedlung auch nur beantworten zu lassen. Auch in den helvetischen Bergen war nämlich die lukrative Steinwildjagd allen Verboten zum Trotz bis zur Ausrottung betrieben worden. Naturfreunde wie Lokalpatrioten wünschten sich aber gleichermaßen die Rückkehr des Steinbocks, welcher nicht umsonst bis in unsere Tage das Wappen des Kantons Graubünden ziert. Hartnäckige Eidgenossen ließen sich in ihrem Eifer von der kalten Schulter des italienischen Königs nicht aufhalten und griffen schließlich zu drastischen
Methoden. Ein Hotelier aus St. Gallen engagierte kurzerhand einen Wilderer aus dem Aostatal, welcher ihm 1906 die ersten zwei Kitze vom Gran Paradiso ins Land schmuggelte. Diese etwas andere Form des Wilddiebstahls war von da an so erfolgreich, dass bis 1933 ganze 59 Kitze beschafft werden konnten. Die kleinen Böcke und Geißen wurden im St. Gallener Wildpark Peter und Paul mit Fläschchen und Bergheu aufgezogen. Ganz entgegen dem alten Sprichwort „Unrecht Gut gedeihet nicht“ wuchs das illegal ins Land geholte Steinwild schnell heran und vermehrte sich derart, dass bald Aussetzungen ins Auge gefasst wurden. Nachdem 1809 der vorläufig letzte Steinbock der Schweiz im Wallis erlegt worden war, konnte die Tierart schließlich gut einhundert Jahre später wieder in den eidgenössischen Bergen Fuß fassen. Unter anderem diesem Zweck diente auch der 1914 gegründete schweizerische Nationalpark im Engadin, welcher immerhin der erste seiner Art in den Alpen war. Die unfreiwilligen Steinbockspender in Italien zogen dann 1922 mit einem eigenen Nationalpark am Gran Paradiso nach.
Der Alpensteinbock zählt heute laut der Weltnaturschutzorganisation IUCN nicht mehr zu den bedrohten Arten, da sich dessen Gesamtpopulation bei der letzten Erhebung auf insgesamt ca. 53.000 erwachsene Tiere belief. Ebenso festgehalten wurden bei der 2020 durchgeführten Erhebung 180 verschiedene Besiedlungsorte. In Frankreich, Deutschland, Österreich und der Schweiz konnten die Ziegenartigen nach zeitweiliger Ausrottung wieder angesiedelt werden, wobei mittlerweile auch Bestände in Slowenien und Bulgarien gänzlich neu etabliert wurden. Dies alles war jedoch nur möglich, da sich die Art in dem Gebiet rund um den Gran Paradiso in einem letzten Refugium halten konnte. Dieser Restbestand umfasste jedoch eben weniger als hundert Stücke, was verdeutlicht, wie knapp es für die Art aufgrund der rücksichtlosen Übernutzung schon geworden war. Da alle heutigen Populationen von diesen wenigen Individuen abstammen, ist das Erbgut insgesamt wenig vielfältig, was in Kombination mit den relativ isolierten Siedlungsgebieten zum gefürchteten genetischen Flaschenhalsphänomen führen kann. Gemeinsam mit den steigenden Temperaturen stellt das Inzuchtproblem eine wesentliche Herausforderung für die Art dar, welche mancherorts noch durch Beunruhigung und Stress in Folge gesteigerter Freizeitaktivitäten im

Hochgebirge verschärft wird. Allen negativen Einflüssen zum Trotz hat das Steinwild nicht nur die Alpen allgemein, sondern ganz besonders den Gran Paradiso für sich fest zurückerobert. Auf den mehr als 70.000 Hektar des dortigen Nationalparks können sich die Böcke, Geißen und Kitze nahezu ungestört bewegen, wobei sie auch jenseits der französischen Grenze im Vanoise in einem nationalen Schutzgebiet unterwegs sind.



Rätselhafte Übersterblichkeit

Tierische Kindesentführung mit Happy End
Hüben wie drüben gilt ein komplettes Jagdverbot. Was sich auf den ersten Blick vielleicht wie ein Segen für die Steinböcke anhören mag, erweist sich bei genauerem Hinsehen als zweischneidiges Schwert. 2010 ging ein Aufschrei durch die Öffentlichkeit als der Corriere della Sera, die auflagenstärkste italienische Tageszeitung, von einem großen Steinbocksterben berichtete, welches seit Anfang der 90er-Jahre zu einem Einbruch der Bestandszahlen um die Hälfte geführt habe. Vor dieser Entwicklung hatte die Population anscheinend noch mit ungefähr 5.000 Exemplaren ihren Höchststand erreicht. Verantwort-



lich für den Einbruch war die niedrige Überlebensrate der Jungtiere, von denen drei Viertel das erste Jahr nicht überstanden.
Über den Grund für die erhöhte
Sterblichkeit bei Kitzen wurde von verschiedenen Seiten intensiv spekuliert, wobei die Bandbreite an vermeintlichen Ursachen von schlechterer Äsung aufgrund höherer Temperaturen bis hin zu Schadstoffen aus Flugzeugabgasen reichte. Der für den Nationalpark zuständige Tierarzt sprach in diesem Zusammenhang sogar von einem Rätsel.
In der Kontroverse, die sich nach 15 Jahren wohl nicht mehr in allen Details nachvollziehen lässt, scheint den wildbiologischen Erkenntnissen des Weidwerks kaum Platz eingeräumt worden zu sein.
Wie etwa der Sachbuchautor Dr. Marco Giacometti treffend bemerkte, kommt es bei einem steten Anwachsen der Bestandszahlen ohne Regulierung durch Jagd früher oder später zu einer Überweidung der natürlichen Äsungsflächen, welche wiederum durch das reduzierte Nahrungsangebot zu einer Schwächung der Muttertiere und weniger Milch für die Kitze führt. Die hohe Sterblich-

keitsrate der Jungtiere stellt in diesem Kontext bloß einen natürlichen Ausgleichsmechanismus dar, der bei einem Verzicht auf Jagd dazugehört.
Die Geschichte der Steinböcke gleicht einem Lehrstück über den verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen und veranschaulicht gleichzeitig das negative wie positive Potenzial der Jagd. Durch ungehemmten Raubbau wurde das Steinwild an den Rand des Aussterbens gedrängt und vermochte sich nur mehr in den unzugänglichen Abschnitten des Gran Paradiso in einem extrem kleinen Bestand zu halten. Es war jedoch gerade die Jagdleidenschaft König Viktor Emmanuels und seiner Nachfolger, die dem Steinbock seine letzte Zuflucht bewahrte. Von dieser Keimzelle ausgehend konnte der Steinbock dann schließlich über hartnäckige Bemühungen in vielen Gegenden wiederangesiedelt werden, wo er sich nicht zuletzt durch umsichtiges weidmännisches Vorgehen auch in einer herausfordernden Zukunft halten kann.





















Die italienische Küche – ein Gedicht aus Aromen, Farben und Lebensfreude. Wenn wir sie mit unserer Leidenschaft für Wildbret vereinen, entsteht eine kulinarische Symbiose, die ihresgleichen sucht. Inmitten der sonnenverwöhnten Landschaften, wo Reben gedeihen und das Leben in vollen Zügen genossen wird, finden sich Inspiration und Zutaten für ein Festmahl, das Gaumen und Seele berührt.
Ein italienisches Wildmenü verbindet rustikale Eleganz mit mediterraner Raffinesse – herzhaft, fein abgestimmt und voller Charakter. Hier findet ihr drei Rezepte für ein vollständiges Menü für vier Personen: mit einer frischen Vorspeise, einer kräftigen Hauptspeise und einer süßen Krönung des Abends.
TEXT:
Nadine Sodia


Carpaccio vom Reh mit Rucola, Oliven und Parmesan

▶ 300 g Rehrücken, fein aufgeschnitten (am besten leicht angefroren)
▶ 2 Handvoll Rucola
▶ 2 EL schwarze Oliven (z. B. Taggiasca)
▶ 1 EL Kapern
▶ 50 g Parmesan, gehobelt
▶ 3 EL bestes Olivenöl
▶ 1 TL Zitronensaft
▶ Salz, schwarzer Pfeffer aus der Mühle


1. Rehfleisch hauchdünn auf kalten Tellern auslegen.
2. Mit Rucola, Oliven, Kapern und Parmesan bestreuen.
3. Mit Olivenöl und Zitronensaft beträufeln.
4. Mit Salz und frisch gemahlenem Pfeffer würzen.
5. Dazu passt frisches Ciabatta – und ein kühler Weißwein aus dem Friaul.
Jagern-Tipp: CACCIATA – WEIN FÜR WILDLIEBHABER Wer Wildbret liebt, wird diese Weine schätzen. Die Linie „Cacciata“ aus der Toskana bietet weit mehr als nur Getränke zum Essen – sie ist ein flüssiges Bekenntnis zur Jagd, zur Natur und zur italienischen Genusskultur. Der Chianti Classico begleitet ein Wildschweinragout mit genau der richtigen Balance aus Kraft und Eleganz. Der Brunello di Montalcino bringt Tiefe, Würze und Fülle – wie geschaffen für dunkles, lang geschmortes Wild. Der Vermentino schließlich überrascht mit Frische und klarer Struktur – ideal zu zarten Vorspeisen wie dem Rehcarpaccio.
Diese Weine sind wie für Jäger gemacht – von Menschen, die die Natur nicht nur bewirtschaften, sondern leben. Jeder Schluck erzählt von toskanischen Jagdgründen, von Lagerfeuern und langen Abenden im Kreis der Jagdfreunde. Ein authentischer Begleiter für jedes Wildmenü.
HAUPTSPEISE
(Bandnudeln mit Wildschweinragout)

▶ 600 g Wildschweinschulter, in kleine Würfel geschnitten
▶ Olivenöl
▶ 1 Zwiebel
▶ 2 Knoblauchzehen
▶ 2 Karotten
▶ 1 Stange Sellerie
▶ 2 EL Tomatenmark
▶ 400 ml Rotwein (Chianti)
▶ 300 ml Wildfond
▶ 2 Zweige Rosmarin
▶ 1 Lorbeerblatt
▶ Salz, Pfeffer
▶ 400 g Pappardelle (frisch oder getrocknet)
▶ frischer Parmesan und frisches Basilikum zum Servieren
1. Fleisch in Olivenöl anbraten, Gemüse klein schneiden und mitrösten.
2. Tomatenmark zugeben, kurz karamellisieren lassen.
3. Mit Rotwein ablöschen, Fond zugeben, Kräuter und Gewürze hinzufügen.
4. Bei schwacher Hitze 2 Stunden schmoren lassen, bis das Fleisch zart ist.
5. Pappardelle al dente kochen, Ragout untermengen.
6. Mit Parmesan und frischem Basilikum servieren, ein Glas Barolo dazu, perfekt!

▶ 3 Eier (frisch)
▶ 60 g Zucker
▶ 250 g Mascarpone
▶ 200 ml starker Espresso
▶ 4 EL Wildkirschlikör oder Amaretto
▶ 200 g Löffelbiskuits
▶ Kakaopulver zum Bestäuben


1. Eigelb mit Zucker schaumig rühren, Mascarpone unterheben.
2. Eiweiß steif schlagen, vorsichtig unterheben.
3. Espresso mit Likör mischen, die Löffelbiskuits kurz eintauchen.
4. In einer Form abwechselnd Biskuits und Creme schichten.
5. Mindestens 4 Stunden kühlen, mit Kakaopulver bestäuben.
6. Wer mag, garniert mit kandierten Wildkirschen oder dunkler Schokolade.
La Tavolata – ein Fest der Sinne
Das Menü passt perfekt zu einer geselligen Runde im Grünen – mit Kerzenlicht, Lachen und einem Hauch von italienischem Lebensgefühl. Zwischen einem Glas kräftigem Rotwein, einem Happen Wildschweinragout und der zarten Süße des Tiramisus zeigt sich: Wildbret kann mehr als rustikal – es kann mediterran, elegant und sinnlich sein.
Buon Appetito – und Weidmannsheil auf dem Teller!


Viele, die das Flintenschießen für sich entdecken, kommen über die Jagd – andere suchen von Anfang an die sportliche Herausforderung. Was beide verbindet: Der Weg zur richtigen Flinte beginnt mit der Erkenntnis, dass es nicht „die eine Waffe für alles“ gibt. Wer regelmäßig Skeet, Trap oder jagdlichen Parcours schießt, braucht eine Flinte, die exakt zu seinem Bewegungsablauf passt. Hier meine Ratschläge aus der Praxis.
TEXT: Reinhold Sodia




"Die richtige Flinte fühlt sich nicht fremd an. Sie gehört zu dir."






Der Schaft – die Passform entscheidet
Im sportlichen Flintenschießen kommt es auf Wiederholbarkeit und Kontrolle an – und genau dafür muss der Schaft passen. Eine Flinte kann technisch noch so hochwertig sein: Wenn der Schaft nicht zur Statur und zum Bewegungsmuster des Schützen passt, sind Unsicherheit und Fehlschüsse vorprogrammiert.
Moderne Sportflinten sind heute in der Regel neutral geschäftet und damit für die Mehrheit der Schützen gut geeignet. Für kleinere oder besonders groß gewachsene Personen – und speziell für Damen – gibt es Modelle mit angepasster Schaftlänge und optimierter Schäftung, die bereits ab Werk ein sauberes und entspanntes Anschlagen ermöglichen.
Ob die Schäftung passt, zeigt sich im ersten Moment des Anschlags: Die Flinte sollte sich natürlich und ohne Suchen an die Wange legen lassen,
das Auge mittig über der Laufschiene liegen. Wer regelmäßig trainiert, profitiert davon, den Schaft bei Bedarf von einem Fachmann leicht anpassen zu lassen – etwa in Senkung, Schränkung oder Pitch. So entwickelt sich ein individuelles, sicheres Schießgefühl, das die Grundlage für sportlichen Erfolg bildet.
Lauflänge – je länger, desto ruhiger
Im Sport ist eine ruhige Führung der Flinte entscheidend – vor allem bei sich wiederholenden Bewegungsabläufen, wie sie beim Trap oder Parcours vorkommen. Darum empfehle ich Läufe mit einer Länge zwischen 71 und 76 cm, je nach Körpergröße und Disziplin. Eine längere Lauflänge sorgt für mehr Laufschiene, einen ruhigeren Schwung und ein stabileres Bild beim Mitschwingen. Für Skeet sind auch 71 cm gängig – Hauptsache, die Lauflänge harmoniert mit der persönlichen Bewegungsdynamik.


Schaftlänge
Senkung
Schränkung
Pitch


Wichtige Begriffe beim Schaftmaß
Abstand vom Abzug bis zur Schaftkappe. Sie beeinflusst den Anschlagwinkel und die Schulterposition. Zu lang – eingeschränkte Beweglichkeit; zu kurz – instabiler Sitz.
Vertikale Absenkung des Schaftes im Verhältnis zur Laufachse. Sie bestimmt, wie tief das Auge hinter der Laufschiene liegt – wichtig für die Zielaufnahme.
Seitliche Biegung des Schaftes – angepasst an Rechts- oder Linksschützen. Beeinflusst, ob das Auge mittig über der Laufschiene liegt.
Neigungswinkel der Schaftkappe zur Laufachse. Hat Einfluss auf den Sitz an der Schulter und das Rückstoßverhalten.
Balance und Gewicht –sportlich ausbalanciert
Eine gute Sportflinte liegt ausgewogen in der Hand, mit leichter Tendenz zur Mündungslastigkeit. Das erleichtert das Mitschwingen und verhindert, dass die Flinte „flattert“. Beim Gewicht sind Flinten zwischen 3,3 und 3,6 Kilogramm im Sportbereich gängig – etwas schwerer als jagdliche Modelle, aber besser für präzises Schwingen über mehrere Durchgänge hinweg. Entscheidend ist: Die Flinte muss im Anschlag ruhig bleiben, darf aber nicht so schwer sein, dass sie den Schützen nach zwei Runden ermüdet.
Wechselchokes – Flexibilität auf dem Stand
Kein Schießstand ist wie der andere – Licht, Winkel, Distanzen und Wind spielen mit. Mit Wechselchokes könnt ihr darauf reagieren. Für Trap eignen sich oft engere Kombinationen, für Skeet oder schnelle Parcoursziele eher offene Chokes. Ich empfehle: Kennt eure bevorzugte Kombination, probiert aber regelmäßig Alternativen aus – so lernt ihr auch eure Streuung besser einzuschätzen.
Praxis vor Kauf – trainieren, vergleichen, fühlen
Mein wichtigster Tipp: Bevor ihr euch für eine Flinte entscheidet, solltet ihr sie im realen Einsatz geschossen haben. Am besten auf dem Schießstand, mit Trainerbegleitung, bei mehreren Disziplinen. Testet unterschiedliche Marken, Längen und Konfigurationen – nur so findet ihr heraus, welche Waffe eurem Stil und euren Bewegungsgewohnheiten entspricht. Wer sportlich ambitioniert ist, sollte außerdem langfristig denken: Ersatzteile, Choke-Kompatibilität, Ersatzschaftsysteme – all das spielt eine Rolle, wenn man regelmäßig schießt oder an Wettkämpfen teilnimmt. Im sportlichen Flintenschießen entscheidet nicht der Name der Waffe, sondern wie gut sie zu einem passt. Wer trainiert, wird sensibel für Details – und weiß, wie viel Unterschied ein gut angepasster Schaft, ein gut balancierter Lauf oder ein klarer Abzug machen kann. Lasst euch beraten, nehmt euch Zeit, und denkt daran: Die Flinte ist euer Partner im Wettkampf – sie sollte euch nicht nur liegen, sondern auch Freude machen.


NSI Due Trap Japan Special 12/70 – 24 g, 2,4 mm Olympia-erprobt und von Weltklasseschützen geschätzt.
• Geringer Rückstoß
• Gleichmäßige Garbe
• Ideal für Trap-Wettkämpfe

NSI GT 12/70 – 28 g, 2,4 mm Die bewährte Wahl für Training, Skeet und Parcours.
• Sanft, zuverlässig und druckstabil
• Perfekt für lange Schießeinheiten
• Optimale Deckung auf mittlere Distanz
„Die beste Flinte bringt wenig, wenn die Patrone nicht passt. Mit NSI stimmt das Gesamtpaket – vom ersten Schuss bis zur letzten Serie.“
Reinhold Sodia

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Präzision, Sicherheit und Verantwortung im jagdlichen Alltag
TEXT: Othmar F. C. Hofer
BILDER: Imkerei Herndl
In der modernen Jagdausübung spielt die Ortung des Jagdhundes eine zentrale Rolle. Ob beim Stöbern, auf Nachsuchen oder während der Ausbildung im Gelände –zu wissen, wo sich der Hund gerade befindet, ist nicht nur für den Jagderfolg entscheidend, sondern vor allem eine Frage der Verantwortung. Technologische Entwicklungen bieten hier eine ganze Bandbreite an Möglichkeiten. Besonders GPS-Trackinggeräte, die speziell für die Jagd entwickelt wurden, ermöglichen eine präzise Ortung – selbst in entlegenstem Gelände und unter anspruchsvollsten Bedingungen.
TEXT: Othmar F. C. Hofer


Technologieeinsatz bei der Hundearbeit
Jagdhunde arbeiten selbstständig, zielgerichtet und oft über weite Strecken. Dabei verlassen sie die Sicht- und Hörweite des Führers, arbeiten sich durch Dickungen, über Gräben und unwegsames Gelände. Gerade bei der freien Arbeit auf Schweiß oder beim Stöbern auf Wild ist der direkte Einfluss des Führers begrenzt. Ohne technische Unterstützung kann es schnell passieren, dass sich der Hund verirrt, verletzt oder ungewollt in Gefahr bringt.







Hier setzen GPS-Ortungssysteme an. Sie liefern präzise Standortdaten des Hundes in Echtzeit –unabhängig vom Mobilfunknetz. Hochwertige Systeme kombinieren Satellitenortung mit Funktechnologie, manche nutzen zusätzlich GSM-Netze zur Datenübertragung. Je nach Modell und Ausführung ermöglichen sie auch die Anzeige von Bellverhalten, Stehzeiten, Geschwindigkeit und Bewegungsrichtung. Diese Informationen sind im jagdlichen Einsatz von unschätzbarem Wert –sowohl zur Kontrolle des Jagdgeschehens als auch zur Sicherheit des Hundes.
Warum professionelle GPS-Systeme unverzichtbar sind
Ein professionelles GPS-System für Jagdhunde erfüllt mehrere zentrale Anforderungen gleichzeitig: Es ist robust, wetterfest, verfügt über eine lange Akkulaufzeit und liefert auch unter schwierigen Bedingungen zuverlässige Ortungsdaten. Geräte von etablierten Herstellern wie Garmin, Tracker oder Dogtrace bieten oft eine Reichweite von mehreren Kilometern, arbeiten mit topographischen Karten und ermöglichen es, mehrere Hunde gleichzeitig zu überwachen.
Diese Technik ist kein Luxus, sondern notwendig, um die Kontrolle über das Jagdgeschehen zu behalten. Gerade in großen Revieren oder bei komplexen Jagdformen wie Bewegungsjagden ist es entscheidend, dass der Hund punktgenau lokalisiert werden kann – sowohl zur Steuerung des Jagdverlaufs als auch zur Gefahrenvermeidung, etwa im Hinblick auf Straßenquerungen, Wildkontakte oder Erschöpfungszustände.
Einsatz in Training und Alltag Nicht nur im scharfen Jagdeinsatz, sondern auch im Training sind GPS-Systeme äußerst hilfreich. Sie geben dem Hundeführer Einblick in das Suchverhalten, die Ausdauer, die Flächenabdeckung und das Bewegungsmuster des Hundes. Auf dieser Basis lassen sich gezielt Schwächen erkennen und Trainingsmaßnahmen optimieren. Auch bei jungen Hunden, die noch nicht vollständig an den Führer gebunden sind, sorgt die Technik für Sicherheit und Rückverfolgbarkeit.
AirTags und andere Consumer-Geräte: Grenzen der Alltagstechnologie
In Diskussionen über Hundeortung tauchen immer wieder Produkte wie Apple AirTags auf. Zwar mögen diese im Alltag hilfreich sein – etwa beim Wiederfinden von Schlüsseln oder Gepäckstücken –, doch im jagdlichen Kontext stoßen sie schnell an ihre Grenzen. AirTags arbeiten nicht mit GPS, sondern über Bluetooth in Verbindung mit anderen Apple-Geräten. In entlegenen Waldgebieten ohne Mobilgeräte in der Nähe sind sie somit de facto wirkungslos. Zudem fehlen ihnen alle jagdlich relevanten Funktionen wie Echtzeitortung, Bewegungsanalyse oder Verhaltensanzeige.
Die Jagd verlangt von uns nicht nur Wissen, Können und Erfahrung, sondern auch ein hohes Maß an Verantwortung gegenüber unseren Hunden. Ein professionelles GPS-Trackingsystem ist Ausdruck dieser Verantwortung. Es schützt, unterstützt und optimiert die Arbeit des Hundes – im Jagdbetrieb ebenso wie in der Ausbildung. Wer ernsthaft mit Jagdhunden arbeitet, kommt an dieser Technik nicht vorbei.

aktuelle GPS-Tracker
1. Tractive DOG 6 – der smarte Alleskönner
Der Tractive DOG 6 punktet mit präzisem Live-Tracking und Gesundheitsmonitoring. Der Tracker überträgt Standortdaten in Echtzeit und ist weltweit einsetzbar. Zusätzlich analysiert er das Aktivitäts- und Schlafverhalten des Hundes – eine sinnvolle Erweiterung, besonders im Training. Die App ist intuitiv bedienbar, die Akkulaufzeit liegt je nach Nutzung bei bis zu zehn Tagen. Ideal für alle, die ein universelles Gerät mit smarten Funktionen suchen.
2. Weenect XT – für anspruchsvolles Gelände
Speziell für den Einsatz in unwegsamem Gelände konzipiert, überzeugt der Weenect XT mit einer besonders starken Antennentechnik. Die Abdeckung in Europa liegt laut Hersteller bei 99 Prozent, auch in bewaldeten oder bergigen Regionen. Die App bietet verschiedene Kartenansichten, darunter Satelliten- und Reliefkarten, sowie eine Kompassfunktion zur Geländeorientierung. Die Akkulaufzeit ist mit bis zu drei Wochen überdurchschnittlich – allerdings ist das Abo-Modell vergleichsweise kostspielig.
3. MiniFinder Rex –der robuste Spezialist für die Jagd Der MiniFinder Rex wurde gezielt für den Jagdeinsatz entwickelt. Das Gerät ist stoßfest, wasserdicht und bietet eine Akkulaufzeit von bis zu 100 Stunden. Besonders interessant für Jäger: die Möglichkeit zur Zwei-Wege-Kommunikation und die Verwendung von Vibrationssignalen, etwa als Rückrufhilfe. Der Rex überzeugt durch seine Zuverlässigkeit und Anpassungsfähigkeit im harten Jagdalltag, die Bedienung erfordert jedoch etwas technisches Verständnis.









Künstliche Intelligenz im Fadenkreuz der Jagdethik

Ein Essay über Technik, Verantwortung und das Wesen der Weidgerechtigkeit
Wenn sich in der Dämmerung die Welt in Töne und Schatten auflöst, wenn das Herz des Jägers mit jedem Schritt leiser schlägt und das Wild scheinbar aus dem Nichts in die Schneise tritt, dann geschieht Jagd in ihrer archaischsten Form. Doch was geschieht, wenn in diesen Momenten ein Prozessor mithört, eine Kamera mitanalysiert, eine Software berechnet, was wir einst aus Erfahrung wussten?
Künstliche Intelligenz – kurz KI – hält Einzug in die Welt der Jagd. Und sie stellt Fragen. Fragen nach Nützlichkeit, nach Ethik, nach dem Wesen der Jagd selbst.
TEXT: Nadine Sodia

Die technischen Möglichkeiten – wenn Maschinen mitjagen
Die moderne Jagd ist längst nicht mehr auf die Fähigkeiten des Menschen allein beschränkt. Wildkameras, Ferngläser mit Entfernungsmessung, GPSHalsbänder – all diese technischen Helfer sind vertraute Begleiter geworden.
Doch mit der Einführung von künstlicher Intelligenz beginnt ein neues Kapitel. Nun geht es nicht mehr um Hilfsmittel im klassischen Sinne, sondern um Systeme, die mitlernen, mitdenken, mitentscheiden – zumindest scheinbar.


Da sind zum einen jene Wildkameras, die nicht nur auslösen, wenn sich etwas bewegt, sondern die erkennen, was sich bewegt. Mit Hilfe neuronaler Netze, also künstlicher Lernstrukturen, unterscheiden sie Reh von Fuchs, Wildschwein von Wanderer, Hirsch von Baum. Sie analysieren die Daten in Echtzeit, filtern Fehlaufnahmen heraus, benachrichtigen den Jäger über relevante Ereignisse. Diese Datenfülle kann zur Wildbestandserhebung dienen, zur Analyse von Bewegungsmustern, zur besseren Planung von Jagden oder zur Wildschadensprävention. Besonders in großen Revieren oder dort, wo Wildwanderungen über mehrere Hegeringe hinweg beobachtet werden sollen, bieten solche Systeme faszinierende Möglichkeiten. Noch eindrucksvoller sind die Entwicklungen im Bereich der Drohnentechnologie. Ausgestattet mit Wärmebildkameras und durch KI gestützte Bilderkennungssoftware können Drohnen Wildtiere aufspüren, bevor sie vom Mähwerk erfasst werden. Die Kitzrettung wird so vom Glücksfall zur systematisch planbaren Maßnahme. Auch im Winter, bei der Zählung von Schwarzwild oder Rotwild, zeigt sich der Nutzen dieser Technik. Die Software erkennt Wärmequellen, analysiert Bewegungsmuster und gleicht
KI sieht –aber fühlt nicht.

diese mit gespeicherten Datensätzen ab. Die Genauigkeit übertrifft mitunter das menschliche Auge.
In einer anderen Liga operieren jene schussunterstützenden Systeme, die in jüngster Zeit auf den Markt drängen. Sie messen Windrichtung, Temperatur und Entfernung, schätzen Bewegungsgeschwindigkeiten und berechnen in Sekundenbruchteilen die optimale Treffpunktlage. Manche Geräte geben dem Schützen sogar ein visuelles oder akustisches Signal, wann der „perfekte Moment“ zum Schuss gekommen ist. Das klingt nach Präzision, nach Sicherheit – und nach einer tiefgreifenden Veränderung des jagdlichen Handelns.
Neben den Einzelgeräten gibt es vermehrt Plattformen, die alle gesammelten Daten in Echtzeit analysieren und daraus Handlungsempfehlungen ableiten. Wann sind welche Wildarten aktiv? Wo besteht Handlungsbedarf im Bestand? Welche Abschusszahlen wären ökologisch sinnvoll? Diese digitalen Assistenten, oft mit KI angereichert, bieten auf den ersten Blick Effizienz, auf den zweiten Blick stellen sie allerdings die Selbstständigkeit des Jägers infrage.

Weidgerechtigkeit im Zeitalter der Technik – zwischen Verantwortung und Verführung
Der Begriff der Weidgerechtigkeit ist tief in der jagdlichen Tradition verankert. Er ist keine Vorschrift, kein Gesetz, sondern ein ethisches Fundament, gewachsen aus Jahrhunderten der Auseinandersetzung mit dem Wild, mit der Natur und mit dem Menschen selbst. Weidgerechtigkeit ist Haltung. Sie fragt nicht nur, was erlaubt ist, sondern was richtig ist.
Künstliche Intelligenz passt auf den ersten Blick nicht in dieses Gefüge. Sie ist kalt, kalkulierend, analytisch – ohne Gefühl, ohne Empathie, ohne Gewissen. Und dennoch kann sie, klug eingesetzt, der Weidgerechtigkeit dienen. Wenn sie hilft, Leid zu vermeiden – etwa durch frühzeitige Kitzerkennung oder präzisere Schussunterstützung –, kann sie sogar eine moralische Verbesserung darstellen. Denn Weidgerechtigkeit bedeutet auch, unnötiges Leiden zu vermeiden,
Wer nicht zweifelt, jagt nicht.
Wild nicht zu beunruhigen und Fehlabschüsse zu verhindern. Doch es gibt eine Grenze: Sie ist erreicht, wenn der Jäger aufhört, selbst zu entscheiden. Wenn er dem Algorithmus blind vertraut, statt die Verantwortung in sich zu tragen. Wenn die Technik nicht mehr ergänzt, sondern ersetzt. Denn Weidgerechtigkeit lebt von der Auseinandersetzung, von der inneren Reife, vom Zweifel. Der Jäger, der einen Schuss setzt, muss diesen nicht nur technisch, sondern auch moralisch verantworten können. Eine Maschine kann das nicht. Besonders kritisch wird es, wenn Systeme Entscheidungen vorbereiten, die zuvor ausschließlich im Erfahrungsbereich des Menschen lagen. Wann ist der passende Moment zum Schuss? Was sagt das Verhalten des Stückes? Wie reagiert das Wild auf Wind, Licht oder Geräusche? Solche Einschätzungen kann kein Algorithmus ersetzen. Und wenn er es dennoch tut, entmündigt er den Menschen – oder schlimmer: Er lullt ihn in eine gefährliche Technikgläubigkeit ein.


Das verlorene Erlebnis – wenn Algorithmen den Reiz nehmen
Die Jagd ist kein reiner Akt der Beutegewinnung. Sie ist ein Erlebnis, ein innerer Weg, ein stilles Abenteuer. Wer jemals in der kalten Morgenluft die ersten Balzlaute des Birkhahns gehört hat, wer sich stundenlang an ein Alttier herangepirscht hat, um es dann doch nicht zu schießen, weil das Gefühl nicht stimmte, der weiß, was verloren geht, wenn Technik das Ruder übernimmt.
Künstliche Intelligenz verspricht Effizienz. Doch die Jagd ist nicht effizient. Sie ist langsam, manchmal frustrierend, oft ungewiss – und gerade deshalb so wertvoll. Wer sich auf Drohnen, Kameras und KI-Analysen verlässt, verzichtet auf das sinnliche Erleben. Auf das Lauschen, das Riechen, das Schmecken. Er erlebt nicht mehr die Unsicherheit, die Spannung, die Freude über einen gelungenen Pirschgang, sondern lediglich das Ergebnis. Hinzu kommt: Wer das Handwerk nicht mehr übt, verliert es. Fährten lesen, Verhalten deuten, Wetterlagen interpretieren – all das braucht Übung, braucht Fehler, braucht Erfahrung. Wird es durch Technik ersetzt, verkümmert es. Die Jagd wird zur Bedienung eines digitalen Gesamtsystems – und der Mensch zum Zuschauer seiner eigenen Entfremdung.
Ethik in anderen Disziplinen – was wir von Militär, Medizin und Verkehr lernen können
Interessanterweise stehen auch andere Lebensbereiche vor ähnlichen Fragen. In der Medizin etwa helfen KI-Systeme bei der Diagnostik. Sie erkennen Muster, die dem menschlichen Auge entgehen, schlagen Therapien vor, sortieren Risikogruppen. Doch jeder Arzt weiß: Die Entscheidung bleibt beim Menschen. Denn sie erfordert Einfühlung, Kommunikation, das Abwägen von Lebensgeschichten – nicht nur von Symptomen.
Beim Militär ist die Debatte noch schärfer. Sogenannte „autonome Waffensysteme“, die eigenständig Ziele identifizieren und angreifen könnten, sind international hoch umstritten. Die Forderung nach meaningfulhumancontrol, also einer sinnvollen menschlichen Kontrolle, ist zentraler Bestandteil aller ethischen Diskurse. Denn Töten darf keine automatisierte Entscheidung sein. Und selbst im Straßenverkehr, wo autonome Fahrzeuge längst


Realität sind, gilt: In kritischen Situationen muss ein Mensch die Verantwortung tragen. Technische Systeme dürfen nicht die alleinigen Entscheider über Leben und Tod sein.
Diese Prinzipien lassen sich eins zu eins auf die Jagd übertragen. Auch hier geht es um Leben. Auch hier geht es um Verantwortung. Auch hier darf keine Entscheidung ohne inneres Urteil gefällt werden.

KI-Systeme in der Jagd – was gibt es schon?
1. Wildkameras mit KI-gestützter Bilderkennung
Moderne Kameras wie etwa die Bushnell CelluCORE Live oder die SPYPOINT FLEX nutzen Deep-LearningAlgorithmen, um Wildarten automatisch zu erkennen. Die Systeme sortieren Fehlauslösungen aus, priorisieren relevante Aufnahmen und senden Echtzeit-Benachrichtigungen ans Smartphone. Einige Modelle erkennen sogar Individuen anhand von Körpermerkmalen.
2. Drohnen mit Wärmebild und KI-Analyse
Geräte wie die DJI Mavic 3 Thermal in Verbindung mit Softwarelösungen wie Wildretter AI oder ThermalKit sind heute Standard bei der Kitzrettung. Die integrierte KI erkennt Wärmequellen, analysiert Bewegungen und filtert natürliche Objekte wie Steine oder Maschinen aus. Das Ergebnis: hohe Trefferquote bei minimaler Fehlidentifikation.
3. Smarte Zielfernrohre mit Zielintelligenz Systeme wie das ATN X-Sight 4K Pro oder das militärisch inspirierte TrackingPoint Precision-Guided Firearm kombinieren Entfernungsmesser, Ballistikrechner und Bewegungssensorik. Die KI berechnet in Echtzeit die ideale Treffpunktlage unter Berücksichtigung von Wind, Neigung, Entfernung und Zielverhalten – eine Technologie, die die Grenzen der Schießtechnik neu definiert.
Fazit: Die Jagd braucht Technik – aber mehr noch braucht sie das Herz Künstliche Intelligenz ist ein Werkzeug. Wie jedes Werkzeug kann es klug oder töricht, maßvoll oder maßlos eingesetzt werden. Die Jagd darf sich der Technik nicht verschließen – aber sie darf sich ihr auch nicht ausliefern. Denn die Jagd ist mehr als ein Datensatz, mehr als ein Zielbild, mehr als eine Trefferquote. Sie ist ein Dialog zwischen Mensch und Natur. Ein Spiel aus Nähe und Distanz, aus Wissen und Gefühl, aus Respekt und Verantwortung. Kein Algorithmus der Welt kann diesen Dialog führen. Nur der Jäger selbst – mit wachem Auge, ruhiger Hand und klarem Gewissen.

4. Revier-Management-Plattformen mit KI-Integration
Digitale Tools wie HuntControl, DeerLab oder Revierwelt sammeln Daten aus Wildkameras, WetterAPIs und Nutzerbeobachtungen. KI-Algorithmen analysieren Wildwechsel, Bewegungsmuster und Abschusserfolge. Das Ziel: intelligente Vorschläge zur Reviergestaltung, Abschussplanung und Wildschadensvermeidung.
5. Geräusch- und Bewegungserkennungssysteme
Neu auf dem Markt sind akustische Sensoren wie das Song Meter Mini mit KI-Software, die Wild durch ihre Lautäußerungen identifizieren können – etwa röhrende Hirsche, keckernde Füchse oder grunzende Sauen. Diese Technologie kommt bisher vor allem in wissenschaftlicher Wildtierforschung zum Einsatz, hält aber zunehmend auch Einzug in den jagdlichen Alltag.

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TEXT: Othmar F. C. Hofer
ILLUSTRATION: Huber Zeiler
Das Thema Rotwild stellt wenig verwunderlich einen Dauerbrenner auf dem weidmännischen Büchermarkt dar. Immerhin handelt es sich um ausgesprochen majestätisches Wild und eine heißbegehrte Beute. Der eine oder andere wird sich angesichts der schon fast unüberschaubaren Fülle an einschlägigen Publikationen nun die Frage stellen, was ein neues Buch da denn noch zu bieten haben mag. Immerhin lässt sich selbst das Rad nicht konstant neu erfinden. Die Antwort, mein lieber skeptischer Leser, ist simpel: Rotwild in Wort und Bild hält auf erfrischende Art und Weise, was es verspricht. Nicht mehr und nicht weniger. Erfahrt hier, wie der routinierte Experte Hubert Zeiler einen „alten Hut“ informativ, ansprechend und mit einfacher Eleganz aufbereitet.
Noch bevor das erste Wort darin gelesen ist, fällt einem der wertige, aber gleichzeitig schlichte Einband des Buches aus Naturleinen auf, welcher sich im Unterschied zu den ansonsten meist glatten Oberflächen angenehm griffig anfühlt. Dem positiven haptischen Eindruck schließt sich gleich ein optischer an, denn schon sticht dem langsam neugierig werdenden Leser eines der vielen vom Autor selbst gemalten Aquarelle entgegen. Sie werden einen durch das ganze Werk begleiten, da keine Doppelseite ohne mindestens eine das Auge auf angenehm zurückhaltende Weise ansprechende Abbildung auskommt, das Inhaltsverzeichnis einmal ausgenommen. Diese Darstellungen zählen zu den

besonderen Stärken der Publikation, da sie nicht nur die darin behandelten Themen gut veranschaulichen, sondern in ihrer betonten Einfachheit einen Charme versprühen, den kein Programm der Welt künstlich generieren könnte. Hier verrät sich die geübte Hand des Illustrators, der aufgrund seiner Erfahrung genau weiß, was es wirklich braucht und was nur ablenkenden Ballast darstellen würde.
So wie bei den Bildern kein Strich zu viel oder zu wenig getan wurde, so erweist sich auch der Text als bündig und verständlich, ist aber nicht wortkarg gehalten. Auf mehr als 180 Seiten lässt sich so ziemlich alles an wissenswerten Grundlagen zum Rotwild erfahren. Die sechs Kapitel sind übersichtlich nach den Aspekten Lebensraum, Verhalten, Forschung, Bejagung, biologische Eigenschaften sowie historische Bedeutung gegliedert.
In den jeweiligen Unterkapiteln werden die Belange dieser für uns so besonderen Tierart mittels schnörkelloser, verständlicher Sprache erklärt, wobei sowohl naturwissenschaftliche Kenntnisse als auch ethische und kulturelle Betrachtungen einfließen. Durch immer wieder eingestreute kurze Erzählungen, Anekdoten und Sinnsprüche wird die Lektüre bei aller theoretischen Fundierung nie trocken. Konkrete Empfehlungen zu Dingen wie Altersansprache oder Abschussplan sorgen für den praktischen Bezug, während aktuelle Forschungsergebnisse ebenso Erwähnung finden. Auf diese Weise können selbst alte Hasen noch das eine

oder andere dazulernen und sich mitunter überraschen lassen. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass die Äsungsgewohnheiten des alpinen Rotwildes stark von traditioneller Weidewirtschaft abhängen oder dass seine Leber dem Brunfthirsch als sofort verfügbares Energiedepot dient?
Dem renommierten Fachmann Zeiler ist es gelungen, ein übersichtliches, informatives und kurzweiliges Buch über Rotwild zu verfassen, das durch die selbstgemalten Illustrationen eine bedeutende zusätzliche Aufwertung erhält. Das Werk präsentiert sich in inhaltlicher und ästhetischer Hinsicht wie aus einem Guss und begegnet dem Leser mit einer Unaufgeregtheit, welche sich in unserem Zeitalter der unausgesetzten Medienüberflutung als wahre Wohltat erweist. Rotwild in Wort und Bild lädt zur konzentrierten Lektüre, zum gelegentlichen Schmökern oder einfach nur zum Betrachten der feinen Bilder zwischendurch ein. Diese Fibel einer der Jagdwildarten schlechthin macht sich überall auch als Gesprächsstarter oder Zeitvertreib gut – egal, ob am Couchtisch, im Bücherregal, auf dem Nachtkastl oder in der Waldhütte.


Hubert Zeiler
Rotwild in Wort und Bild
1. Auflage 2025
Verlag: Der Anblick
192 Seiten
ISBN: 978-3-200-10239-2

Kommt euch das auch so vor? Italienerinnen und Italiener sehen immer so aus also, ob sie direkt vom Fotoshooting kämen. Der Herr in Mailand: silbergraues Haar, maßgeschneiderter Blazer; die junge Frau in Rom: weite Hose, enger Rollkragen, Sneakers – alles passt; der Teenager in Venedig: Shirt, Pulli – alles wie zufällig übergeworfen, aber dennoch perfekt. Sie sind nicht schöner, nicht dünner, nicht reicher als wir und doch ist ihr Modestil lässig unkompliziert, passend. Aber warum wirkt das Ganze bei ihnen so mühelos?
Der Versuch einer Erklärung
Es gibt ein italienisches Wort: sprezzatura. Das bedeutet so viel wie „gelassene Eleganz“, die Fähigkeit, Dinge so zu tun – oder zu tragen –, als kämen sie ganz von selbst. Kein Zwang, kein Aufwand. Ein stimmiges Bild. Mode gehört in Italien zum Alltag. Man zieht sich nicht nur für spezielle Events gut an, nein, auch der Gang in den Supermarkt oder in die Bar wird stilgerecht zelebriert.
In Italien schließen sich Funktionalität und Stil nicht aus. Menschen tragen

Kleidung, die passt – zur Jahreszeit, zur Tätigkeit, zur Umgebung. Sie kombinieren Wetterschutz mit Stil, Formgefühl mit Praktikabilität. Gute Kleidung schützt nicht nur, sie vermittelt auch etwas. Was wir als lässig oder cool empfinden, ist oft das Ergebnis eines feinen Gespürs für Proportionen, Material, Farbe und Kontext. Der italienische Stil ist nie laut. Es geht um Qualität und Wertschätzung – Werte, die schon von der Nonna mitgegeben werden. Kleidung ist Kommunikation, kein reines Konsumthema – in Bella Italia ist sie Teil der Sozialisation. Wer sich nachlässig kleidet, fällt unangenehm auf. Basta!
Und wir?
Vielleicht ist diese entspannte Form der Selbstachtung in unserer Kultur verloren gegangen. Nicht Coolness um jeden Preis, nicht Zurschaustellung – sondern die Haltung, dass es etwas bedeutet, wie man sich der Welt zeigt. Was man dazu braucht?

Einen Spiegel, Selbstbewusstsein und die Bereitschaft, sich Folgendes zu fragen: Fühle ich mich wohl in dem, was ich trage? Zeige ich mich so, wie ich gesehen werden will?
TEXT: Sabine Steindl
FOTO: Martina Weiss


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Wenn bei uns von italienischem Lebensgefühl die Rede ist, darf ein Begriff nicht fehlen: Dolce Vita! Immerhin offenbaren sich im Land, wo die Zitronen blühen, dem Reisenden von jenseits der Alpen gleichermaßen neue leiblich-kulinarische wie geistig-kulturelle Genüsse. In der Person Giacomo Puccinis zeigen sich beide Aspekte untrennbar miteinander verschmolzen. Der große Maestro schuf nicht nur vielfach gespielte Opernklassiker wie LaBohème,Tosca oder MadamaButterfly, sondern führte nebenbei ein leidenschaftliches Leben voller ausgedehnter Jagden, Schmäuse und Liebschaften.
TEXT: Othmar F. C. Hofer
Früh übt sich … Als Giacomo Puccini am 22. Dezember 1858 im toskanischen Lucca zur Welt kam, war ihm eine musikalische Karriere schon in die sprichwörtliche Wiege gelegt. Anfang des 18. Jahrhunderts verließ ein gleichnamiger Vorfahr Celle, den bergigen Ursprungsort der Familie, um im nahegelegenen Lucca schlussendlich Leiter des Stadtorchesters und Domorganist zu werden. Jener Giacomo begründete damit eine Familientradition, welche diese beiden Stellen für sage und schreibe 125 Jahre
lang durchgehend in den Händen der Puccinis halten sollte. Somit ist der spätere weltberühmte Komponist in geordnete, gutbürgerliche Verhältnisse geboren, welche unter anderem durch den für das Kind viel zu frühen Tod des Vaters zwar keine großen Sprünge zuließen, aber dennoch einer ordentlichen musischen Ausbildung des Sprösslings nicht im Wege standen. Viele Anekdoten sind schon über die Jugend und das weitere Leben des berühmtesten Sohnes der norditalienischen Stadt erzählt worden, von denen Puccini selbst die meisten




als bloße Erfindungen abtat. Gesichert ist jedoch, dass sich der spätere große Meister der Tonkunst zunächst in einer Tanzkapelle verdingte und einem Schneiderssohn Musikunterricht erteilte. Schon als Jugendlicher zeigte er aber deutliche Anlagen zum Lebemann: Wie er selbst später einmal einem befreundeten Pfarrer gestehen sollte, sackte der junge Giacomo den Lohn für sein Orgelspiel in einer lokalen Kirche lieber heimlich selber ein, anstatt ihn seiner Mutter Albina als Beitrag für die alltäglichen Ausgaben zukommen zu lassen. Ein andermal hatte er sogar heimlich einige Orgelpfeifen aus der Kirche mitgehen lassen, um sie bei einem Altmetallhändler zu versetzen. Für die weiterführende Ausbildung am Mailänder Konservatorium waren jedoch deutlich mehr Lire vonnöten, als sich mit etwas altem Blech verdienen lassen. Das ersehnte Studium in der teuren Metropole wurde 1880 durch die Zuwendungen eines spendablen Onkels und ein von der italienischen Königin Margherita höchstselbst gewährtes Stipen-
„O weh!!! Au!!! O Gott!!!
Um Gottes willen Hilfe!!!
Es ist genug!!! Zu viel!!!
Ich sterbe!!! Jetzt geht es ein bisschen besser!“
Giacomo Puccini in den Notizen seiner Studentenzeit
dium möglich. Der nach strengen traditionellen Gesichtspunkten ausgerichtete Unterricht scheint Puccini aber keine große Freude bereitet zu haben, wie Randeinträge in seinen Notizbüchern aus dieser Zeit vermuten lassen. Wenn er sich nicht gerade am Konservatorium mit der veralteten Schulungspraxis oder eigenständigen Klavierübungen zu Hause abmühte, fand der Studiosus auch Zeit für die einfachen Genüsse des Lebens, wie etwa eine abendliche Zigarre, einen halben Liter Wein zur Minestrone oder Ausflüge mit der dampfbetriebenen Straßenbahn. Obwohl der junge Mann es nicht immer ganz genau mit dem Kursbesuch nahm und dafür sogar vom akademischen Rat verwarnt wurde, schickte die liebe Mutter nicht nur das sehnsüchtig begehrte heimatliche Olivenöl, sondern auch noch das Geld für einen Stehplatz im Theater. Dabei wird er wohl die feinen Hosen angehabt haben, die er sich gleich nach seinem Umzug nach Mailand für fast ein Drittel seiner monatlichen Barschaft bestellt hatte.

Nach seinem Studium fühlte Puccini sich ganz zum Komponisten berufen und verdiente sein Geld nie wieder durch direktes Musizieren oder Unterrichten. So lehnte er 1893 beispielsweise auch die ihm angetragene Professur am Mailänder Konservatorium ab. Infolge seiner anscheinend eher gering ausgeprägten praktischen Fähigkeiten am Klavier soll der Maestro es zeitlebens nach Möglichkeit sogar vermieden haben, seinen Anhängern größere Kostproben vorzuspielen. Beim Komponieren selbst hingegen drückte sich Puccini vor keinen Mühen, wie die langen Schaffensphasen für einzelne Werke beweisen. Er ließ sich Zeit, erstellte viele Änderungen und überarbeitete Partituren selbst noch nach deren Erstaufführung. Daneben wurden auch zahlreiche Projekte wieder von ihm verworfen, selbst wenn sie schon recht weit gediehen
waren. All dies trug zum schmalen Umfang seines Lebenswerks bei, dessen Stücke sich in einer Gesamtzeit von unter 20 Stunden aufführen lassen. Zum Vergleich kann Wagner herangezogen werden, der nach einer etwa gleich langen Schaffenszeit ein musikalisches Œuvre von mehr als doppelter Länge und dazu noch zahlreiche theoretische Schriften hinterließ. Zusätzlich sind die Werke des Italieners kompositorisch wesentlich einfacher aufgebaut als etwa die komplizierten Klangstrukturen des Leipzigers. Ebenjene Einfachheit, wie sie uns heute etwa in Filmmusiken begegnet, brachte Puccini längere Zeit recht wenig Anerkennung aus Fachkreisen ein. Seine Kunst des simplen, doch treffenden Ausdrucks fand jedoch beim Publikum großen Anklang und brachte ihm nach einigen Anfangsschwierigkeiten stattlichen kommerziellen Erfolg. Durch Kompositionsaufträge, Aufführungstantiemen sowie

Ich habe Lust zu lachen und Lachen zu machen."
Giacomo Puccini
Notenverkauf erwarb sich der Vollblutkomponist ein Vermögen, das ihm und seiner Familie nicht allein ein standesgemäßes Leben, sondern auch einiges an Luxus ermöglichte. In den ersten sechs Monaten des Jahres 1900 nahm Puccini beispielsweise nicht weniger als 27.000 Lire ein, was zu dieser Zeit in etwa dem achtzigfachen Einkommen eines durchschnittlichen italienischen Arbeiters entsprach. Vermutlich mit den Jugenderfahrungen als klammer Halbwaise im Hinterkopf achtete Puccini zeitlebens genau auf seine Ausgaben, wobei er mitunter auch die Grenze zum Skurrilen und Knausrigen überschritt. Dass der reiche


Komponist Bargeld vor seiner Frau versteckte, lässt sich vielleicht noch zu den Eigenheiten einer – vorsichtig formuliert – stürmischen Ehe rechnen. Andere Anekdoten zeugen von regelrechtem Geiz. Nach Aussagen eines Angestellten bekam dieser einmal im Februar von Puccini zwei Lire weniger Gehalt als sonst ausgezahlt. Die Begründung hierfür war genial-einfach: Da der zweite Monat des Jahres ja lediglich 28 Tage habe, sei eben weniger Lohn fällig. Ein andermal machte der Maestro einem befreundeten Architekten große Vorhaltungen, als dieser ihm die Reisespesen für seine zahlreichen Besuche verrechnete, die durch die wechselnden Wünsche des Bauherrn nötig geworden waren.
Bei aller Sparsamkeit wusste Puccini sehr genau, wie man es sich gutgehen ließ – auf mannigfaltige Weise. Der mitten im 19. Jahrhundert Geborene begeisterte sich für moderne Technologie und Schnelligkeit, weshalb er sich einige der schnittigs-

ten fahrbaren Untersätze seiner Zeit kaufte. Für seinen Lancia Trikappa ließ Puccini 1922 ganze 90.000 Lire springen, nur um sich zwei Jahre darauf den Lancia Lambda zu holen, der als erstes Auto über eine selbsttragende Karosserie verfügte und es auf wilde 115 km/h brachte. Nicht nur zu Lande, sondern auch am Wasser gab Puccini gerne Gas: Die Yacht „Cio-Cio-San“, welche der Tonkünstler nach der Protagonistin seiner tragischen Oper Madama Butterfly benannte, hatte Platz für 20 Passagiere, einen Motor mit 100 PS, 16 Knoten Höchstgeschwindigkeit und verfügte selbstredend über ein eigenes Klavier an Bord. Ob Puccini viel auf dem extra umgebauten Instrument spielte, ist fraglich, doch

Das Gebiet an der Grenze zur Region Latium stellt eine Ausnahme zum ansonsten meist stark kultivierten Landschaftscharakter der Toskana dar. Die Maremma blieb in den letzten Jahrhunderten nur dünn besiedelt und wurde hauptsächlich zur Viehzucht genutzt. Nicht ohne Grund entstand dort eine eigene Rinderrasse, welche sich durch besonders lange Hörner und ihr aufgrund der speziellen Weidehaltung als Delikatesse geltendes Fleisch auszeichnet. Einer Pferdesowie einer Hirtenhunderasse hat die wilde Küstenlandschaft ebenso ihren Namen gegeben. Sehr geschult im Umgang mit allen drei Tierarten ist der Buttero, welcher die italienische Variante des Cowboy-Typus darstellt. In einem Wettstreit mit den Reitern von Buffalo Bills Wild-West-Zirkus sollen die Butteri einst sogar den Sieg davongetragen haben.

findet sich in seinem Werk ohne Zweifel maritimer Einfluss. Der flinke Marsch Avanti Urania von 1896 ist nach dem Dampfboot eines Marchese aus der florentinischen Familie Ginori benannt. Ebenjenem Markgrafen hatte der Komponist im Jahr davor übrigens auch die Widmung von La Bohème angetragen, was nicht nur mit dessen Verbindungen innerhalb der feinen Gesellschaft zu tun hatte. Die reichen Jagdreviere des Adligen und seiner Freunde dürften ebenso eine nicht unwesentliche Rolle gespielt haben, denn immerhin zählte das Weidwerk zu den liebsten Freizeitvergnügungen Puccinis.
Sehr entgegen kam ihm da wohl auch, dass sich die Villa des lieben Marchese Ginori gleich auf der anderen Seite des Massaciùccoli-Sees gegenüber der eigenen Residenz des Musikers in Torre del Lago befand. In diesem idyllischen Ortsteil Viareggios unweit seiner Geburtsstadt Lucca sollte Puccini dann eben nicht nur einen erheblichen Teil seiner Werke komponieren, sondern nebenbei – oder böse gesagt: stattdessen – munter auf Entenjagd gehen. Um ungestört seiner heftigen Jagdleidenschaft frönen zu können, zögerte der Tonkünstler nicht, kurzerhand einen Freund an seiner statt zum Klimpern ans Klavier zu setzen, was aber noch zu den harmloseren Täuschungsmanövern gegenüber der in mehrerlei Hinsicht (zu Recht) argwöhnischen Ehefrau Elvira darstellt. Eindeutig übertrieben hatte es der Schrecken aller toskanischen Enten, als er bei einem seiner Ausflüge mit der Flinte erwischt und postwendend unter dem Verdacht der Wilderei fest-

genommen wurde. Was dramatisch begann, wandelte sich spätestens im zweiten Akt der Vorstellung zu einer Art Gerichtsposse mit anschließender Freisprechung des Angeklagten. Den Umtriebigen zog es jedoch nicht nur zum Wasser, sondern auch zum Wein, weshalb er gemeinsam mit Freunden in Torre del Lago den „Club La Bohème“ ins Leben rief. Eine rustikale Schilfhütte gleich ums Eck wurde zum festen Lokal des Vereins, in dem man es sich laut Statuten gutgehen ließ und dazu noch besser aß. Das lustige Treiben am Seeufer dürfte auch zu dem Ruhestörungsprozess gegen den leidenschaftlichen Lebemann geführt haben und trug wohl auch zu dessen späterer Diabeteserkrankung einiges bei. Es stellt sich hier die Frage, ob eher die Schießfreudigkeit oder die gute Figur des Komponisten zu seinem angeblichen Spitznamen uomopalla („Kugelmann“) führte. Wie dem auch sei, zur Entstehungszeit seiner Bohème-Oper war Puccini jedenfalls noch fit genug für (Jagd-)Ausflüge in der örtlichen Maremma, wie das sumpfige Küstenland im Süden der Toskana genannt wird.
Puccini blieb seiner Heimat zeitlebens eng verbunden, was ihn jedoch nicht davon abhielt, gelegentlich den Rest der Welt unsicher zu machen. Die Einladung zu einem wahren Puccini-Fest in Buenos Aires samt Übernahme der Reisekosten und freier Logis nahm der zu diesem Zeitpunkt weltberühmte Komponist zum Anlass für eine


Südamerikareise. Dabei lukrierte das Musikidol ein saftiges Nebeneinkommen, indem es seinen Namen ungeniert für Werbekampagnen für Likör, Seife oder Mineralwasser zur Verfügung stellte.
Selbstredend wurde der Maestro auch zu einer ausgedehnten Jagd eingeladen, bei der er aber seine argentinischen Gastgeber durch seine schlechten Schießkünste verwunderte.
Dafür scheint Puccini bei diversen anderweitigen Ausflügen immer wieder sehr erfolgreich gewesen zu sein. Elvira Bonturi war ihrem eigentlichen Ehemann schließlich nach allen Regeln der Kunst davongelaufen, um mit dem Komponisten eine Beziehung einzugehen, die erst nach dem Tod ihres offiziellen Gatten Jahrzehnte später durch eine Heirat gesellschaftlich legitimiert wurde. Puccini freilich ließ sich als waschechter Bohemien von solchen Kleinigkeiten nicht beirren und unterhielt im Laufe der Jahre zahlreiche Affären im In- und Ausland. In Bayern lernte er beispielsweise die einer angesehenen Offiziersfamilie entstammende und ebenfalls verheiratete Josephine von Stengel kennen. Mit der gleichermaßen schönen wie kunstsinnigen (damals 26 Jahre jungen) Dame besuchte Puccini 1912 sogar die Bayreuther Festspiele, wo es beinahe brenzlig wurde für den inkognito reisenden Don Juan. Ein Landsmann aus dem Umkreis Winifred Wagners erkannte ihn nämlich und erzählte der Grande Dame davon, welche den Maestro zu sich in die Loge laden ließ. Das Treffen mit der prominenten Wagner-Witwe hätte natür-
Ich habe solche Angst und solches Entsetzen vor dem Altern!."
Giacomo Puccini

lich die zur Tarnung inszenierte Scharade Puccinis auffliegen lassen und ihm ordentlich Ärger vonseiten der eifersüchtigen Elvira beschert. Zu seinem Glück konnte er dem anderen Herrn aus Italien sein kleines Problem begreiflich machen, woraufhin sich der Fan verständnisvoll zeigte und Winifred berichtete, dass er sich leider geirrt habe. Welche Bedeutung Puccini solchen Seitensprüngen beigemessen hat, lässt sich anhand eines Wortspiels erahnen, dass sich der immerhin schon in den Vierzigern steckende Schelm beim Eintrag in das Gästebuch seines Bayreuther Hotels einfallen ließ. Seiner „Gattin“ verpasste er da nämlich den Namen „Agloria Giovani“, was sich fast wie „Al gloria giovane“ anhört, zu Deutsch: „Zum Ruhm der Jugend“. Die außereheliche Liaison erschien dem Jäger von Tönen, Enten und Schürzen also im wahrsten Sinne des Wortes als Verjüngungsbehandlung – das verleiht dem Wort „Kurschatten“ wirklich eine neue Bedeutung.
Allen Versuchen, dem Alter Einhalt zu gebieten, zum Trotz stand selbst für den großen Meister der einfachen Töne die Zeit nicht still. Als der leidenschaftliche Zigarettenraucher 1924 immer stärkere chronische Halsschmerzen bekam, wusste er trotz der widersprüchlichen Befunde und beschönigenden Aussagen der Ärzte vielleicht schon insgeheim, dass der Fall des Vorhangs nahte. Puccini gab dennoch nicht auf und ging am Tag nach der Diagnose noch ein letztes Mal auf die Jagd. Er arbeitete bis zuletzt weiter an seiner Turandot, welche jedoch keinen Abschluss durch ihn finden sollte. Der Versuch, seinen Kehlkopfkrebs an einer Brüsseler Spezialklinik zu kurieren, schlug fehl und so schied Puccini am 29. November 1924 aus dem Leben. Ein Leben für und durch die Jagd – in mehrerlei Hinsicht. Ein Leben mit einigen Fehltritten zwar, doch mit Sicherheit ein voll ausgekostetes.
Der Lagotto Romagnolo ist eine alte, charmante italienische Hunderasse mit Ursprüngen in der Region Romagna. Zunächst als Wasserjagdhund eingesetzt, hat sich dieser vielseitige Hund aufgrund seiner herausragenden Spürnase und seines exzellenten Geruchssinns später als Trüffelsuchhund etabliert. Mit seinem freundlichen, lebhaften Wesen und seiner Energie begeistert er jeden, der sich für ihn entscheidet. Besonders sportliche Halter, die viel gemeinsam mit ihm unternehmen, finden im Lagotto einen treuen Gefährten. Obwohl er sich auf die Trüffelsuche spezialisiert hat, hat sich der kleine Italiener bis heute viele Eigenschaften eines klassischen Jagdhundes bewahrt, was ihn für verschiedene jagdliche Aufgaben prädestiniert.
TEXT: Matthias Leinich


Ursprünglich wurde der Lagotto Romagnolo in den Feuchtgebieten Norditaliens zur Jagd auf Wasserwild eingesetzt. Der Name „Lagotto“ leitet sich vom italienischen Wort lago (See) ab und verweist auf seine enge Verbindung zu sumpfigen Jagdgebieten. Dank seines dichten, lockigen Fells war er bestens gegen Wasser und Kälte geschützt. Die Geschichte des Lagotto geht weit zurück und führt uns zu den Wasserhunden, die schon im 18. Jahrhundert von Carl von Linné als canisaquaticus (Wasserhunde) bezeichnet wurden. Lagotti waren für die Bewohner der Romagna unverzichtbare Helfer – sie jagten nicht nur Wasservögel, sondern apportierten sie auch und spürten mit ihrem feinen Geruchssinn Trüffel auf. Neben seiner Jagd- und Trüffelsuchkompetenz war der Lagotto zudem ein aufmerksamer Wächter für Haus und Boot – denn trotz seines freundlichen Wesens zeigt er eine bemerkenswerte Portion Mut und Durchsetzungsvermögen. Aggressivität ist jedoch bei dieser Rasse nicht erwünscht. Mit der Trockenlegung vieler Feuchtgebiete in der Romagna fand der Lagotto schließlich seine neue Berufung als Trüffelsuchhund, behielt aber viele Eigenschaften eines Jagdhundes bei.


Der Lagotto Romagnolo begeistert nicht nur mit seiner Geschichte, sondern auch mit seinem temperamentvollen Wesen. Als intelligenter, arbeitsfreudiger und ausdauernder Hund zeigt er sich sehr bindungsfähig. Ein enger Kontakt zu seinen Menschen ist für ihn essenziell, um seine positiven Eigenschaften zu entfalten. Zwingerhaltung oder zu wenig Kontakt führen schnell zu psychischen Problemen, da der Lagotto eine enge Verbindung zu seiner Familie braucht. Mit seinem ausgeprägten Suchtrieb und seinem exzellenten Geruchssinn eignet er sich hervorragend als Apportierhund und als Spürhund für verschiedene Wildarten. Bei artgerechter Haltung entwickelt er sich zu einem friedlichen, fröhlichen Begleiter, der sich gut mit Menschen und anderen Tieren versteht. Der Lagotto benötigt eine konsequente, aber liebevolle Erziehung, da er durch seine hohe Intelligenz schnell lernt, Lücken im Training zu nutzen. Trotz seiner lebhaften Art ist er kein ungestümer Hund, sondern ein treuer, in die Familie eingebundener Gefährte. Mit seinem niedlichen Aussehen und seiner charmanten Art zieht er schnell die Aufmerksamkeit auf sich. Seine Robustheit und Arbeitsfreude machen ihn auch zu einem perfekten Begleiter für sportliche Aktivitäten wie Agility oder Obedience. In der Vergangenheit wurden einige Lagotti zudem erfolgreich als Fährten-, Sanitäts- und Katastrophenhunde ausgebildet und auch als Drogenspürhunde werden sie eingesetzt.

Der Lagotto als vielseitiger Jagdhund Im 17. Jahrhundert war der Lagotto bereits ein unverzichtbarer Helfer bei der Jagd auf Wasserwild in den Sumpfgebieten rund um Ravenna. Er hatte ein exzellentes Gespür für Wild und brachte die erlegte Beute zuverlässig zu seinem Besitzer. Obwohl der Lagotto nicht primär als Vorstehhund gezüchtet wurde, zeigt er bei der Jagd auch heute noch eine bemerkenswerte Fähigkeit, Wild aufzuspüren. Besonders bei der Nachsuche von verletztem Wild kann er sich als wertvoller Helfer erweisen. Dank seiner Herkunft als Wasserhund apportiert der Lagotto leidenschaftlich und kann sowohl im Wasser als auch an Land eingesetzt werden. Bei der Entenjagd oder beim Apportieren von Federwild zeigt er seine hohe Leistungsbereitschaft. Besonders überraschend für viele ist seine Fähigkeit zur Schweißarbeit. Mit seiner ausgeprägten Spürnase ist er in der Lage, verletztes Wild zuverlässig aufzuspüren. Der Lagotto kann sich mit entsprechender Ausbildung auch zur Meisterschaft in der Nachsuche entwickeln und ist ein ausgezeichneter Stöberhund. Seine wahre Leidenschaft hat der Lagotto jedoch im

zweiten Bildungsweg als Trüffelsuchhund entdeckt. Diese Arbeit erfordert die gleiche hohe Konzentration und den ausgeprägten Suchtrieb, die auch für die Jagd von Vorteil sind. Da das Aufspüren von Wild bei der Trüffelsuche jedoch als störend empfunden wird, wird der Jagdtrieb in dieser speziellen Linie gezielt reduziert. Besitzer sollten darauf achten, den Jagdinstinkt nicht zu fördern, wenn der Lagotto als Trüffelsuchhund ausgebildet werden soll.
Der Lagotto Romagnolo ist ein leicht erziehbarer Hund, der eine enge Bindung zu seiner Bezugsperson aufbaut. Durch seine Sensibilität reagiert er hervorragend auf Lob und positive Verstärkung. Eine gewaltfreie, konsequente Ausbildung ist daher am effektivsten. Der Lagotto besitzt einen ausgeprägten Suchtrieb, der in der Erziehung gezielt gefördert werden sollte, um unerwünschtes selbstständiges Arbeiten zu vermeiden. Besonders wichtig ist eine frühe Prägung auf jagdliche Situationen, wenn der Hund später als Jagdhund ein-

gesetzt werden soll. Um unerwünschtes Verhalten zu verhindern, sollte die Energie des Lagotto durch ausreichende körperliche und geistige Auslastung kanalisiert werden. Der unkomplizierte Charakter dieser Hunderasse macht ihn auch für Hundebesitzer ohne viel Erfahrung ideal. Als Welpe ist der Lagotto ein energiegeladenes Bündel, das mit ein paar Tipps aus der Hundeschule schnell zu bändigen ist. Wenn sein Arbeitseifer durch ausreichend Beschäftigung gestillt wird, ist der Lagotto ein ausgezeichneter Begleiter für Familien. Sein verspieltes Wesen verträgt sich gut mit Kindern und obwohl er ein wachsamer Hund ist, ist er kein Kläffer, sondern ein ausgeglichener Gefährte. Auch das Zusammenleben mit anderen Hunden und kleineren Haustieren funktioniert in der Regel problemlos.
Die Abstammung des Lagotto Romagnolo ist von großer Bedeutung. Viele Zuchtvereine schreiben mittlerweile Gesundheitstests vor, um Inzucht und genetische Erkrankungen zu vermeiden. Mit einem Stammbaum können Züchter die Elterntiere nachvollziehen und so das Risiko für Erbkrankheiten ver-

ringern. Wie viele andere Hunderassen ist auch der Lagotto anfällig für bestimmte genetische Krankheiten, darunter Epilepsie, Hüftgelenksdysplasie und die lysosomale Speicherkrankheit. Frühzeitige Tierarztbesuche und regelmäßige Gesundheitschecks sind daher unerlässlich.
Ein grob gelocktes Fazit
Der Lagotto Romagnolo ist eine vielseitige und charmante Hunderasse mit einer faszinierenden Geschichte als Wasserjagdhund und Trüffelsuchhund. Mit seinem freundlichen, intelligenten und arbeitsfreudigen Wesen eignet er sich hervorragend als Familienbegleiter und Freizeitpartner, der sowohl geistige als auch körperliche Auslastung benötigt. Seine bemerkenswerte Spürnase und Vielseitigkeit machen ihn zu einem wertvollen Helfer auf der Jagd und bei der Trüffelsuche. Der Lagotto ist ein treuer, anhänglicher Hund, der eine enge Bindung zu seiner Familie benötigt und bei artgerechter Haltung zu einem ausgeglichenen, harmonischen Gefährten wird.
Ein alter Parasitologen-Spruch besagt: „Wer Parasiten hat, ist niemals allein.“
Es kommt aber wie in vielen Lebenslagen auf die Dosis an. Die Bezeichnung „Parasitismus“ leitet sich aus dem Altgriechischen (para = neben, siteo = mästen, sich ernähren) ab und bezeichnet den Nahrungserwerb aus einem anderen Organismus, also einem „Wirt“. Das Schmarotzertum der Parasiten kann den Wirt schädigen und ihn sogar töten, muss ihm aber auch nicht schaden. Dieser Beitrag gibt eine Übersicht zu Innenparasiten beim Haarwild.
TEXT UND BILDER: Univ. Doz. Dr. Armin Deutz
Die meisten Parasitenarten sind hochspezialisiert und oft nur an einen Wirt oder wenige Tierarten gebunden. Die meisten Parasiten und Wirte passten sich im Laufe einer langen gemeinsamen Entwicklung einander an, was in vielen Fälle zu gewissen Gleichgewichtssituationen führte, in denen Parasiten zwar profitierten, ihre Wirte jedoch nicht mehr als nötig schädigten oder gar töteten. Entwicklungsgeschichtlich haben Parasiten sogar wesentlich zur Entwicklung von Abwehrreaktionen wie Immunität und Resistenz beigetragen, welche Tiere und Menschen in den allermeisten Fällen von Infektionen nicht nur mit Parasiten, sondern auch mit Viren, Bakterien oder Pilzen schützen. Negative Umweltfaktoren, hohe Wilddichten, Fütterungsfehler oder weitere Grundkrankheiten können jedoch das „Gleichgewicht“ zwischen Parasiten und Wirten zugunsten der Parasiten verschieben, wonach es dann zu häufigeren klinischen Erscheinungen oder Verendensfällen kommt. Es existiert also eine sensible Beziehung zwischen Wirten, Parasiten und deren Umwelt.




Im Falle einiger Parasitosen, etwa der „Lungenwurmseuche“ beim Gamswild, kann es jedoch auch vermutlich ohne bedeutendere negative Umweltfaktoren zu größeren Ausfällen kommen. Auch Rehwild ist – besonders bei zusätzlichem Auftreten negativer Umweltfaktoren – recht anfällig für einen Labmagen-Darmwurmbefall, beispielsweise mit dem Roten Magenwurm. Viele Parasitosen sind sogenannte „Faktorenkrankheiten“ und können so als Indikatoren für Lebensraumgüte und Wilddichte, in gefütterten Wildbeständen zumindest als Weiser für eine wildartgerechte Fütterung sowie gute Fütterungshygiene herangezogen werden.
Innerhalb der Wirtstiere sind Parasiten auch nicht gleichmäßig verteilt. Ein höherer Befall liegt meist bei jungen (hauptsächlich bei einjährigen) und alten sowie aus anderen Ursachen erkrankten Tieren vor. Bekannt ist auch, dass der Befall bei (brunftaktiven) männlichen Tieren höher sein kann, nicht zuletzt, weil das männliche Geschlechtshormon Testosteron auch schwächend auf das Abwehrsystem wirkt.
Übersicht zu Innenparasiten
Endoparasitosen, also parasitäre Erkrankungen der Innenorgane, können unter sonstigen ungünstigen Verhältnissen bei Wildtieren ebenfalls seuchenhaften Charakter annehmen. Manche dieser Parasitosen kommen nur regional vor, da einige Parasiten in ihrer Entwicklung Zwischenwirte (Schneckenarten, Ameisen, Moosmilben etc.) benötigen. Folgende Innen(=Endo)parasiten sind für unsere Wildarten von größerer
Bedeutung: Lungenwürmer, Labmagen-Dünndarmwürmer, Dickdarmwürmer, Leberegel, Bandwürmer und Bandwurmfinnen. Trichinen führen bei befallenen Wildtieren zu keinen klinischen Erscheinungen, sind aber wie der sogenannte „Fuchsbandwurm“ (E.multilocularis) oder in seltenen Fällen der Große Leberegel auch auf den Menschen übertragbar. Übertragungsmöglichkeiten zwischen verschiedenen Wildarten oder zwischen Haus- und Wildtieren werden häufig überschätzt. Die meisten Parasitenarten sind auf einzelne Wild- oder Haustiere spezialisiert, es gibt aber auch einige wenige „Generalisten“ (z. B. Großer Leberegel, Roter Magenwurm), die relativ leicht zwischen den Tierarten übertragbar sind. Der Große Leberegel wird auch mit der zunehmenden Gülleausbringung (bis auf Almflächen hinauf) in Zukunft verstärkt zu diskutieren sein.
Beachtenswert ist, dass sich bei Innenparasiten von der gesamten Biomasse bzw. der Anzahl einer Parasitenpopulation nur ein verschwindend kleiner Prozentsatz als parasitierende Stadien in den Wirten aufhält. Mehr als 90 bis 95 Prozent befinden sich als Eier, heranwachsende Stadien oder als Infektionsstadien in der Umwelt. Auf beliebten Äsungsflächen oder im Großraum von Fütterungen kann es zu erheblichen Anreicherungen von Larven kommen. Eine entwicklungsgehemmte Ruhephase (Hypobiose) ist für viele Parasiten zum Überdauern ungünstiger Witterungsbedingungen möglich (PROSL, 2008).
Von Parasiten befallene Organe sind für den menschlichen Verzehr untauglich. Sonstige essbare Organe und das Wildbret sind genusstauglich, sofern keine weiteren Auffälligkeiten (z. B. deutliche Abmagerung, Gelbsucht, Abszessbildung, entzündliche Veränderungen des Bauchfells oder vermehrte Bauchhöhlenflüssigkeit, umfangreiche Verklebungen der Bauchhöhlenorgane) vorliegen.
Im Magen-Darm-Kanal der Wildwiederkäuer schmarotzen zahlreiche Arten sogenannter „Rundoder Haarwürmer“. Diese meist nur 1 bis 3 cm großen Parasiten machen – anders als Bandwürmer oder Leberegel – eine direkte Entwicklung ohne Zwischenwirte durch. Mit der Losung werden Eier ausgeschieden, die sich zu infektionsfähigen Larven entwickeln und zufällig von weiteren Wirtstieren aufgenommen werden. Interessant ist das Verhalten vieler Infektionslarven, weil sie in der Dämmerung und bei Tau an den Äsungspflanzen hochklettern und bei Sonnenaufgang wieder nach unten wandern. Ein starker Magen-Darm-Wurmbefall („Magenwurmseuche“) führt zu Entzündungen im Verdauungstrakt, Durchfall, Kümmern, struppiger Decke, verzögertem Haarwechsel, Blutarmut sowie allgemeiner Schwächung. Die Magen-Darm-Entzündung führt einerseits zu Durchfall und erschwert andererseits die Aufnahme von Nahrungsbestandteilen über die Darmschleimhaut.

Symptome eines Magen-Darm-Wurmbefalls sind Durchfall, verzögerter Haarwechsel, Abmagerung, blasse Schleimhäute (hier Lidbindehaut), helle Organe und Muskulatur sowie etwas seltener Flüssigkeitsansammlungen in Körperhöhlen und im Kehlgangsbereich. (Fotos: A. Deutz)
Eine sichere Diagnosestellung ist nur über eingehende parasitologische Untersuchungen (Losung, Organteile) möglich. Losungsproben zur parasitologischen Untersuchung müssen ganz frisch sein.
Der günstigste Zeitraum für eine Untersuchung ist von März/April bis September/Oktober, da die Ausscheidung von Parasiten, -eiern und -larven im Winter gering ist.


Links: Massenbefall mit dem Roten Magenwurm im eröffneten Labmagen; rechts: Wurmei unter dem Mikroskop. (Fotos: A. Deutz) Lungenwurmbefall bei Schalenwild Verschiedene Lungenwurmarten parasitieren in den Luftwegen oder im Lungengewebe des Schalenwildes. Jede Wildart hat ein eigenes Spektrum von Lungenwürmern. Diese werden nach Größe, Entwicklungszyklus und Schadwirkung im Wirtstierorganismus grob in Große und Kleine Lungenwürmer eingeteilt.

Während Große Lungenwürmer eine direkte Entwicklung durchmachen, entwickeln sich kleine Arten über Zwischenwirte.
Große Lungenwürmer: Diese weißen, fadenähnlichen Parasiten mit einer Länge von rund 4 bis 6 cm (Männchen) bzw. 6 bis 9 cm (Weibchen) befallen Haus- und Wildwiederkäuer. Reh- und Rotwild wird von Dictyocaulusviviparus befallen, Gams-, Steinund Muffel von D. filaria. Beide Lungenwurmarten parasitieren in der Luftröhre und in größeren und mittleren Bronchien. Lungenwurmweibchen legen in den großen Luftwegen des Wirtstieres Eier ab, in denen sich bereits entwickelte Larven befinden. Diese schlüpfen noch im Wirtstier aus den Eiern, sodass in die Außenwelt bereits geschlüpfte Erstlarven mit Bronchialschleim ausgehustet oder mit der Losung ausgeschieden werden. In der Losung entwickeln sich die Larven vor direkter Sonneneinstrahlung und Austrocknen geschützt zu etwa 0,5 bis 1 mm langen infektionsfähigen Larven. Diese verlassen die Losung und gelangen auf umliegende Pflanzen, mit denen sie vom Wild beim Äsen aufgenommen werden. Regen erleichtert das Ausschwemmen der Larven aus der Losung und auf nassen Pflanzen können die Larven auch weiter aufsteigen. Besonders interessant ist eine weitere Methode der Larvenverbreitung: Larven lassen sich auch von auf der Losung wachsenden schimmelartigen Pilzen gemeinsam mit ihren Fruchtträgern über rund 20 bis 30 cm auf umliegende Pflanzen schleudern. Die in der Losung verlaufende Entwicklungsphase


der Lungenwürmer von der Erstlarve bis hin zur Drittlarve (Ansteckungslarve) verläuft bei Außentemperaturen über 20 °C innerhalb von nur drei bis sieben Tagen, bei niedrigeren Temperaturen über 14 Tage. Unterhalb von 5 °C stellen die Larven ihre Entwicklung ein. Larven sind gegenüber UV-Licht und Austrocknung empfindlich, weshalb im Sommer viele Larven absterben. Bei kühlerem, feuchtem Wetter überleben Larven mehrere Monate und können in milden Wintern oder unter Schnee geschützt auch überwintern. Nehmen Wildtiere Lungenwurmlarven beim Äsen auf, gelangen diese aus dem Dünndarm in die Darmlymphknoten und über die Lymph- und Blutbahn in die Lunge, um sich zu geschlechtsreifen Parasiten zu entwickeln. Bereits drei bis vier Wochen später können schon wieder Larven ausgeschieden werden, wobei die Hauptausscheidungszeit zwischen Mai und August liegt und damit eine Infektionsgefahr bis in den Frühwinter gegeben ist.
Ein Befall mit Großen Lungenwürmern verursacht bei Schalenwild Atemprobleme und meist oberflächliches Husten. Infolge der Schleimhautentzündung und Schleimbildung werden feinere Bronchien verengt oder verstopft, was die Atmung erschwert. Schwer erkrankte Stücke ziehen dem Rudel oft hinterher oder bleiben alleine und bereits kurze Fluchten können Atemnot oder stärkeres Husten provozieren. Durch die Schleimhautreizung sind die Luftwege anfälliger für bakterielle oder virale Infektionen, die von Bronchitis bis zu Lungenentzündungen reichen.
Kleine Lungenwürmer: Zu den Kleinen Lungenwürmern zählen einige Arten, die jeweils auf bestimmte Schalenwildarten spezialisiert sind. Rotwild wird von Varestrongylussagittatus befallen, Rehwild von V.capreoli, bei Gams- und Steinwild parasitieren einige weitere Arten. Während Große Lungenwürmer überwiegend in der Luftröhre und in größeren Bronchien zu finden sind, befallen die mehrere Zentimeter langen, fadendünnen Kleinen Lungenwürmer kleinere Luftwege und das Lungengewebe selbst, wo sie Wurm- oder Brutknoten verursachen. Das Aussehen der Knoten ist oft typisch für die jeweilige Lungenwurmart. Die stecknadelkopf- bis haselnussgroßen, grauen oder gelben Vorwölbungen sind beim Tasten und Anschneiden von fleischiger Konsistenz. Bei knotig-eitrigen Veränderungen mit nach dem Anschneiden rahmig abrinnendem Eiter oder auch verkalkten Abszessen, muss besonders bei Rot- und Schwarzwild unbedingt auch an Tuberkulose gedacht werden.


Oben: angeschnittener Wurmknoten von Kleinen Lungenwürmern (Foto: A. Deutz); unten: mikroskopischer Schnitt durch einen Lungenwurmbrutknoten mit angeschnittenen Lungenwurmlarven (Foto: AGES Mödling).
Kleine Lungenwürmer entwickeln sich über Nacktund Gehäuseschnecken als Zwischenwirte. Aus den Lungenwurmeiern schlüpfen Erstlarven meist schon im Wirt, diese werden aufgehustet, abgeschluckt und mit der Losung ausgeschieden. Treffen diese Larven auf Schnecken, bohren sie sich in den Schneckenfuß und entwickeln sich über zwei Häutungen zu ansteckungsfähigen, ca. 0,5 bis 0,8 mm großen Drittlarven, die in den Zwischenwirten mehrere Monate überleben können. Schalenwild nimmt die Larven beim Äsen entweder zufällig mit den Zwischenwirten oder nach ihrem Freiwerden aus abgestorbenen Schnecken auf. Nach der Larvenaufnahme dringen diese in die Darmwand ein, gelangen über Blut- und Lymphgefäße in die Lunge, wo der Zyklus erneut beginnt und nach drei bis sechs Wochen schon wieder Larven ausgeschieden werden. Erwachsene Kleine Lungenwürmer können in der Lunge mehrere Jahre überleben und haben im Winter keine Ruhephase, d. h. es können ganzjährig Larven ausgeschieden werden, die auch sehr widerstandsfähig gegen Frost sind. Regional zeigen bis zu 100 Prozent der über einjährigen Stücke bei Reh- und Gamswild einen Befall mit Kleinen Lungenwürmern. Lungenwurmerkrankungen mit tödlichem Ausgang sind bei Rehund Gamswild keine Seltenheit. Ein stärkerer Befall, meist bei Jungwild, führt zu verzögertem Verfärben,
Husten, Atembeschwerden, Abmagerung, Nasenausfluss (besonders bei Gamswild) und bei Rehböcken zu gestörter Geweihbildung. Bei bakteriellen oder viralen Infektionen der vorgeschädigten Lungen kann es besonders beim Gamswild häufig zu oft eitrigen Lungen- und Brustfellentzündungen kommen, die häufig tödlich enden. Der Befall mit Kleinen Lungenwürmern ist am erlegten/verendeten Wild im Zuge des Aufbrechens/der Sektion leicht an den typischen Wurmknoten erkennbar. An Lungenentzündung erkrankte Lungenteile sind meist dunkler als das gesunde Nachbargewebe und fühlen sich derb-fleischig an – gesundes Lungengewebe ist rosa und puffigweich. Im Falle einer Rippen-/Lungenfellentzündung lässt sich die Lunge beim Aufbrechen nicht leicht und nicht komplett aus der Brusthöhle entfernen.
Die Leberegelerkrankung, hervorgerufen durch den Großen oder Kleinen Leberegel ist eine zumeist chronisch verlaufende Erkrankung. Diese flachen Saugwürmer kommen vor allem bei Wild- und Hauswiederkäuern sowie Feldhasen und seltener Wildkaninchen, Schweinen, Pferden oder Hunden vor. Eine wechselseitige Übertragung zwischen Haus- und Wildtieren ist bei beiden Leberegelarten auf gemeinsam genutzten Weide-/Äsungsflächen möglich.


Oben: Doppelbefall mit Großen (gelber Pfeil) und Kleinen Leberegeln (roter Pfeil); unten: verdickte Gallengänge als Reaktion auf einen Leberegelbefall. (Fotos: A. Deutz)
Erwachsene Egel leben in den Gallengängen der Leber. Ein geringer Befall wird symptomlos vertragen. Stärkerer Befall führt zu Leberschädigungen. Die typischen Krankheitssymptome, hervorgerufen vor allem durch den Großen Leberegel, sind Abmagerung, Durchfall, stumpfes und struppiges Haarkleid sowie Blutarmut und Gelbsucht. Massive Schädigungen des Lebergewebes durch wandernde Jungegel können in Einzelfällen auch zur Bildung von Abszessen führen. Seltener können auch Todesfälle auftreten, dies vor allem bei Muffelwild und Hausschafen. Die befallenen Gallengänge sind beim Muffelwild oft extrem verdickt und teilweise auch verkalkt, was an einem „Knirschen“ beim Anschneiden der Leber zu hören ist. Die Unterscheidung zwischen den Arten kann an den Egeln selbst an befallenen Lebern von erlegten/verendeten Tieren oder mittels parasitologischer Losungsuntersuchung (unterschiedliche Eier) erfolgen. Durch Anschneiden der Leber quer zu den Gallengängen ist ein Leberegelbefall leicht erkennbar. Einerseits sind die Gallengänge verdickt und andererseits ist die Gallenflüssigkeit nicht olivgrün, sondern braungrün und flockig, zudem sind meist auch einzelne Leberegel aus den Gallengängen ausdrückbar. Die Zunahme der Gülledüngung birgt auch das Risiko der Verbreitung von Leberegeln und der Klimawandel bewirkt, dass sich diese Parasiten bereits in Hochlagen vermehren können. Witterungsbedingungen wie warm-feuchte Sommer und milde Winter sowie günstige Bedingungen für die Zwischenwirte sind von entscheidender Bedeutung für ein vermehrtes Auftreten von Leberegeln. Klimawandelbedingt scheint das Gamswild vermehrt mit diesem Parasiten konfrontiert zu werden.
Großer Leberegel (Fasciola hepatica)
2–5 cm lang, lorbeerblattähnlich

Kleiner Leberegel (Dicrocoelium dendriticum)
0,5–1,5 cm x 1–3 mm, lanzettförmig, transparent
Eier reifen im Wasser Eier enthalten bereits Wimperlarventransparent
1 Zwischenwirt (Zwergschlammschnecke)
unter +10 °C keine Weiterentwicklung, aber Eier überleben Monateschnecke)
Aus einem Ei entwickeln sich im Zwischenwirt bis 2.000 Schwanzlarven
Entwicklung dauert rund
2 Monate
2 Zwischenwirte (Landschnecken, Ameisen)
Wimperlarven sehr hitze-, kälte- und trockenheitsresistent, bis 20 Monate infektiös
Aus einem Ei entwickeln sich in den Zwischenwirten bis zu 40.000 Schwanzlarven
Entwicklung dauert rund
6 Monate

Auch die Gams hat ihre Schwächen. Parasiten lieben Stress.



Für den Großen Leberegel ist die amphibisch lebende Zwergschlammschnecke, auch „Leberegelschnecke“ genannt, der Zwischenwirt. In der Schnecke entwickeln sich aus Wimperlarven über ungeschlechtliche Vermehrung zahlreiche Schwanzlarven. Diese verlassen aktiv die Schnecke und haften sich dicht unter der Wasseroberfläche an Pflanzen, wo sie sich abkapseln und infektiös werden, bis sie zufällig von Endwirten mit der Äsung aufgenommen werden. Nach dem Verlassen der Kapsel bohren sich die jungen Leberegel durch die Wand des Zwölffingerdarms und gelangen so in die Leber, deren Gewebe sie während sechs bis acht Wochen durchwandern (Wanderphase), bis sie nach dieser Zeit in die Gallengänge durchbrechen und geschlechtsreif werden. Große Leberegel legen täglich bis zu 120.000 Eier, die nun wiederum mit der Losung in die Außenwelt gelangen, wo ein weiterer Entwicklungszyklus mit dem Schlupf von Wimperlarven seinen Anfang nimmt. Verkapselte Schwanzlarven bleiben im Frühjahr und Sommer über Monate infektionsfähig.
Der Kleine Leberegel benötigt verschiedene, vor allem Kalkböden liebende Landschneckenarten und zusätzlich Ameisen als zweiten Zwischenwirt für seine Entwicklung vom Ei bis zum Leberegel. Die Eier mit bereits voll entwickelten Wimperlarven gelangen mit der Losung in die Umwelt, wo sie von der Schnecke aufgenommen werden. In deren Darm schlüpfen die Wimperlarven und vermehren sich ungeschlechtlich in drei bis vier Monaten zu Schwanzlarven (Zerkarien), die zur Atemhöhle der Schnecke wandern, wo sie mit einer Schleimhülle umgeben werden. Mehrere hundert Zerkarien bilden gallertartige Schleimballen, die nun von der Schnecke ausgestoßen und von Ameisen aufgenommen werden. Innerhalb von ein bis zwei Monaten entwickeln sich in deren Leibeshöhle infektiöse Larven. Einzelne Larven wandern ins Unterschlundganglion („Gehirn“) der Ameise, was das Verhalten der Ameise verändert. Statt nachts in den Ameisenhaufen zurückzukehren, verbeißt sie sich an der Spitze einer Äsungspflanze (oft Blüten), wo sie nun samt infektiösen Schwanzlarven von einem Endwirt aufgenommen wird. Über den Hauptgallengang wandern die Larven in die Leber ein, gelangen in kleinere Gallengänge, wo sie geschlechtsreif werden und wieder mit der
Eiablage beginnen. Die Reizung der Gallengänge führt zu vermehrter Schleimbildung und chronischer Gallengangentzündung, in schweren Fällen auch zu Leberzirrhose. Meist verläuft der Befall mit Kleinen Leberegeln aber symptomlos.
Parasitosen und Klimawandel
Ein wesentlicher Faktor in der Entwicklung von Parasiten ist der Einfluss der Temperatur auf die Stadien außerhalb von warmblütigen Wirten. Für jede Parasitenart gibt es einen Temperaturschwellenwert, unter dem keine Weiterentwicklung mehr erfolgt. Darunter gibt es einen noch tiefer gelegenen Temperaturbereich, der in einer Kältestarre überlebt wird, darunter sterben die Parasiten ab. Im Allgemeinen werden aber niedere Temperaturen (Überwinterung!) von Parasiteneiern und -larven gut toleriert (PROSL, 2008).
Die freilebenden Stadien der wichtigsten Labmagenparasiten stellen jegliche Weiterentwicklung unter 5 °C ein. Steigt die Temperatur im Frühjahr über 5 bis 6 °C (was auch für viele andere Parasiten der Schwellenwert ist), werden die Parasitenstadien wieder aktiv. Mit zunehmenden Temperaturen beschleunigt sich die Entwicklung. Der dunkle Kot wird durch Sonneneinstrahlung und bakterielle Zersetzung zusätzlich erwärmt. Bei 7 °C dauert es fünf Wochen, bei 19 °C drei Wochen und bei 15 °C etwa neun Tage, bis aus einem mit dem Kot ausgeschiedenen Ei eine infektionsfähige Larve heranwächst (PROSL, 2008). Eine durchschnittliche Erwärmung um 4 °C kann daher in sensiblen Zonen die Entwicklungsgeschwindigkeit der freilebenden Parasitenlarven nahezu verdoppeln und in höher gelegenen Regionen erst ermöglichen.
Übermäßige Ausfälle (wie Gewichtsverluste, Verendensfälle) können mit einigen vorbeugenden Maßnahmen zumindest verringert werden. So sollten offensichtlich stark „verwurmte“, abgekommene Stücke möglichst frühzeitig erlegt oder offensichtlich zu hohe Wildbestände möglichst frühzeitig abgesenkt werden. Bei Fütterungen ist bereits die Standortwahl wesentlich (trockener, möglichst sonniger Standort), weiters die Futtermittelauswahl und die Fütterungshygiene (Vermeiden der Bodenvorlage). Untersuchungen in letzter Zeit haben ge-

zeigt, dass ein absoluter Zusammenhang zwischen chronischer Pansenübersäuerung und dem Befallsgrad mit Parasiten besteht. Dies ist auch nicht verwunderlich, hat doch eine chronische Pansenübersäuerung auch eine negative Wirkung auf das Immunsystem. Nach Abschluss der Fütterung sollten Futterreste und Losung weitgehend aus dem Fütterungsbereich entfernt, dieser eventuell gekalkt und bei Fütterungen auf Grünland ein bis zwei Reinigungsschnitte im Sommer durchgeführt werden. Durch das Mähen und die Entfernung des oft hohen Aufwuchses um die Fütterungen im Sommerhalbjahr gelangt UV-Licht (= Sonnenlicht) bis zum Boden, was zur Austrocknung und raschen Abtötung von Parasiteneiern und -larven führt. Jegliche Stressfaktoren (Druck durch Freizeitgesellschaft, Jagddruck, konkurrierende Wildarten, Wilddichte, Mangel an geeigneten Wintereinständen usw.) sollten so weit wie möglich reduziert werden.
Problemkreis Entwurmung
Nachdem es sich bei parasitären Erkrankungen überwiegend um Faktorenkrankheiten handelt, sind, wie bereits erwähnt, für ihre Entstehung bzw. für die Ausbildung klinischer Symptome am Wirtstier neben dem Parasitenbefall hauptsächlich negative (Umwelt-)Faktoren wie Stress, hoher Infektionsdruck, zu hohe Wilddichten, Massierung von Wildtieren an Fütterungen, Fütterungsfehler (z. B. chronische Pansenübersäuerung) usw. verantwortlich. Es besteht ein signifikanter Zusammenhang zwischen Wilddichte und Befallsgrad mit Parasiten, d. h. je höher die Wilddichten, desto höher auch der Parasitenbefall und damit die Verluste. In diesem Zusammenhang ist die Forderung aufzustellen, dass der ganzjährig zur Verfügung stehende Wildlebensraum und nicht der Lebensraum in der Vegetationsperiode, wo Rehe selbst in ausgeräumten Kulturlandschaften ausreichend Einstand und Deckung finden, zur Ermittlung der lebensraumangepassten Wilddichte herangezogen werden sollte. Nach der Mais- und Getreideernte konzentriert sich in diesen Regionen das Wild nämlich auf kleinräumige Einstände, wodurch dort die Wilddichte stark ansteigt. Folgen davon sind erhöhter innerartlicher Stress und deutlich erhöhte Ansteckungsgefahr. Parasiteneier bzw. -larven sind je nach Art über mehrere Wochen bis Monate infektiös, können teilweise auch über-
wintern oder überdauern in Zwischenwirten. Obwohl die Medikation von Wildtieren in freier Wildbahn daher eine rein kosmetische Maßnahme ist, wurde früher das Risiko der Rückstandsbelastung des Lebensmittels Wildfleisch in Kauf genommen. Neben dem gesetzlichen Verbot in Österreich seit 2003 sprechen auch zahlreiche fachliche Argumente gegen einen Einsatz von Entwurmungsmitteln bei Wildtieren in freier Wildbahn: kein „Universalwurmmittel“ gegen die unterschiedlichen Parasiten, einige Parasitosen sind überhaupt nicht behandelbar, aus parasitologischer Sicht ungünstiger Entwurmungszeitpunkt in der Schonzeit (wegen Wartezeit!), Dosierungsproblematik, nur kurze Wirkung, mögliche Arzneimittelrückstände mit negativen Auswirkungen auf das Wildbretimage usw. In der Vergangenheit wurden auch Präparate eingesetzt, die für die Anwendung an Wildtieren sowie für die orale Anwendung (über Äser/Maul) bei Wiederkäuern in Österreich nicht zugelassen waren (z. B. Avermectine).
Insgesamt können negative Umweltfaktoren oder zu hohe Wilddichte sicher nicht über die – verbotene – medikamentöse Entwurmung ausgeglichen werden. Vielmehr kommen biotopverbessernden Maßnahmen sowie dem Erreichen einer lebensraumangepassten Wilddichte eine deutlich höhere Bedeutung zu als einer zeitlich und örtlich nur punktuell wirksamen Entwurmung von Wildtieren mit all den oben angeführten Nachteilen.


Buchtipp: WILDKRANKHEITEN, HUNDEKRANKHEITEN, ZOONOSEN. Erkennen – vermeiden – (be)handeln
Das Autorenteam: Armin Deutz, Uschi Deutz, Andreas Duscher 64 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen, Hardcover, ISBN 9783-7020-1331-8, Leopold Stocker Verlag, € 39,00
Eine etwas andere Jagdreise in die Toskana







Unser letzter Ausflug in dieser Ausgabe führt uns auch am weitesten in den Süden, denn es geht in die Maremma, den wilden Südwesten der Toskana. Diese ganz zu Unrecht eher unbekannte Region hat neben einer wunderbaren Landschaft und einem beeindruckenden Kulturerbe auch einiges zu bieten, was das Jägerherz erfreut. In dem einstigen Streifgebiet von Briganten und Räubern kann sich der Weidmann von heute nach wie vor auf abenteuerliche Pfade wagen, wo er mitunter die eine oder andere Gemeinsamkeit mit Puccini oder dem Mann aus dem Eis zu entdecken vermag. Gemeinsam mit Corso Baccheschi Berti, einem der renommiertesten Anbieter von Jagdausflügen in der Gegend, nehmen wir euch zum Abschluss mit auf einen Abstecher jenseits konventioneller Pfade.
TEXT: Othmar F. C. Hofer BILDER: Lisbeth Junker | Instagram: @fraeuleinwaidfrau.pictures




Die Maremma ist der südlichste und zugleich wildeste Teil der Toskana, in dem sich die Landschaft bis in unsere Tage viel ihres ungezähmten Charakters bewahren konnte. Passend dazu existieren keine genau festgelegten Grenzen für dieses regionale Naturjuwel etwa auf halbem Weg zwischen Siena und Rom, doch stellt die Gegend um Grosseto zweifellos das Kerngebiet der Maremma dar. Die nördlichen Ausläufer der Region werden vom 1.738 Meter hohen Monte Amiata, dem höchsten Berg der Südtoskana, überragt, von wo sich im Westen eine Küstenlinie mit fast 150 Kilometern Gesamtlänge Richtung Süden zieht. Dort reicht sie bis nach Latium hinein und umfasst malerische Städte wie Viterbo mit seiner berühmten Macchina di Santa Rosa. Dieser zeremonielle Turm bringt es auf eindrucksvolle 30 Meter Höhe und fünf Tonnen Gewicht, was die Einwohner jedoch nicht davon abhält, ihn alljährlich zu Ehren der Ortsheiligen durch die mittelalterlich geprägte Innenstadt zu tragen. Abseits der Siedlungen findet sich eine abwechslungsreiche Landschaftsstruktur mit Sümpfen, Weidegründen, Dünen, Hügeln und Bergen, in denen Mensch und Tier gleichermaßen frei umherschweifen können. Der wohl unberührteste Teil Mittelitaliens


hat aber neben den zahlreichen kulturellen und natürlichen Schmuckstücken ebenso einiges an weidmännischem Potenzial zu bieten. Nicht umsonst zog es den begeisterten Jäger Giacomo Puccini regelmäßig in die Maremma, wo ihn nebenbei kulinarische Genüsse wie eine deftige Mazzafegato-Wurst oder eine honigsüße Stange Sfratto erwarteten.
Capitolo Toscano
Während die lokalen Spezialitäten wohl noch unverändert gleich gut munden wie in früheren Zeiten, haben sich die Umstände fürs Jagen in der Maremma definitiv gewandelt. Was dem glücklichen Fremden einst erst durch gute Kontakte und wohlwollende Einladungen möglich war, steht heute auch weniger vernetzten Weidleuten mit Reiselust offen. Eine besondere Perle im Schatzkästchen der maremmanischen Jagdmöglichkeiten stellt hierbei Capitolo Toscano dar. Gegründet wurde diese ausgezeichnete Anlaufstelle für Touristen in Grün von Corso Baccheschi Berti, einem Pirschführer und Organisator von Jagden mit jahrelanger Erfahrung vor Ort. Unzufrieden mit den Angeboten anderer Jagdunternehmer, wurde es für Corso damals zum Herzenswunsch, seinen Gästen eine möglichst mitreißende und zugleich bedeutungsvolle Jagderfahrung zu ermöglichen. Hierfür liegt das Hauptaugenmerk bei Capitolo Toscano seither auf Artenschutz, lokalen Traditionen und dem





kulinarischen Erbe der Toskana. In den Revieren des Unternehmens, die sich vom Monte Amiata bis hin zur Mittelmeerküste erstrecken, lassen sich die Wunder der lokalen Natur hautnah erleben, während man Schwarz-, Reh- oder Damwild nachstellt. Wer daneben auch zur Flinte greifen möchte, hat die Möglichkeit, Ringeltauben zu erlegen. Jede Jagd wird möglichst genau auf die Wünsche des jeweiligen Gastes zugeschnitten, wobei das Sammeln unverfälschter, authentischer Erlebnisse im Vordergrund steht. Die Erlegung der ersehnten
Beute stellt in der Regel zwar aus rein jagdlicher Sicht den Höhe-, aber noch nicht den Endpunkt der spannenden Reise dar, da es anschließend an die Verwertung des Wildbrets geht.

Gemeinsam mit den Jagdgästen wird die Beute Schritt für Schritt aufgearbeitet, egal, ob ein Rehbock aus der Decke geschlagen oder ein Wildschweinfilet ausgelöst werden soll. Von der Pirsch übers Zerwirken bis hin zum Kochen wird eine umfassende und eindrückliche Erfahrung geboten, die ihresgleichen sucht. Besonders stolz ist man bei Capitolo Toscano darauf, dass in jenen zur Gesamtheit des Jagderlebnisses gehörenden Nachbereitungsphasen so viel wie möglich vom Körper des Wildtiers verwertet und nichts verschwendet wird. Typischerweise erstrecken sich die Vorgänge von der ersten Einführung nach der Ankunft bis hin zum fertigen Festessen über vier Tage. Wer möchte, kann seinen Jagdausflug auch verkürzen und auf die Teilnahme an der gemeinsamen Verwertung verzichten. Die Erfahrung zeigt aber, dass die allermeisten Gäste es als sehr bereichernd empfinden, Seite an Seite mit Corso und seinen Mitarbeitern zu zerwirken und zu kochen. Schon manch alter Hase

konnte sich so ein paar neue Kniffe aneignen, denn die Verantwortlichen erklären alles genau und versuchen, so anschaulich wie möglich vorzugehen. Das köstliche Mahl aus frisch zubereiteter Pasta, einer würzigen Fleischsauce und diversen, über offener Flamme gegarten Grillspezialitäten bildet die besondere Krönung eines jeden Aufenthalts. Dieser veritable Schmaus in bester toskanischer Tradition bildet für Corso eine Verkörperung des wahren weidmännischen Geistes und stellt den Gipfel der Gefühle einer wahrhaftigen Jagderfahrung dar, da es sich nicht zuletzt um eine Ehrbezeugung gegenüber dem erlegten Wild handelt. Für viele Gäste – so Corso – stellt das eine einmalige Gelegenheit in ihrem Leben dar, was alle bei Capitolo Toscano mit großem Stolz erfüllt.
Bogenjagd

Rinder, Cowboys, Pfeil und Bogen … aber kein
Neben der einzigartigen Umgebung in der Maremma und der speziellen Verwertung des erlegten Wildbrets stellt die Möglichkeit, in den Revieren von Capitolo Toscano mit Pfeil und Bogen zu jagen, für uns einen
weiteren besonders interessanten Aspekt dar. Immerhin ist die Bogenjagd derzeit in Österreich, der Schweiz und Deutschland grundsätzlich verboten, wobei in der Bundesrepublik Ausnahmegenehmigungen zur Verhütung von Wildschäden oder zur Forschung erteilt werden können. Auf italienischem Boden ist es jedoch an und für sich erlaubt, auf Ötzis weidmännischen Spuren zu wandeln. Allerdings hat der technische Fortschritt seit den Jagdzügen unseres kupferzeitlichen Freundes dafür gesorgt, dass sich die Waffen von damals und heute abgesehen von der grundsätzlichen Funktionsweise kaum mehr gleichen. Die in unseren Tagen zur Jagd genutzten Compoundbögen haben mit ihren Vorrichtungen zur Zuggewichtsreduktion sowie Abzugs- und Zielhilfen in etwa so viel mit einem handgeschnitzten Eibenholzbogen zu tun, wie eine spätmittelalterliche Hakenbüchse mit einem modernen Repetierer samt Hochleistungszielfernrohr. Ein Kinderspiel ist die Bogenjagd heute dennoch nicht, wie gleich zu sehen sein wird.





Bei Capitolo Toscano betrachtet man den Umgang mit Pfeil und Bogen als ursprünglichste und reinste Form der weidmännischen Kunst, denn um Aussicht auf Erfolg zu haben, muss besonders viel an Können, Hingabe und Fokus aufgebracht werden. Aufgrund dieser hohen Anforderungen reisen größtenteils nur Gäste an, die bereits über solide Erfahrung mit dem Bogen verfügen und gut mit der notwendigen Ausrüstung vertraut sind. Wer sich an die große Herausforderung wagt, wird je nach Situation an einen vielversprechenden Hochstand oder aber auf die Pirsch geführt. Auf ca. 14.000 Hektar Land in Privatbesitz können die Wagemutigen entweder auf Wildschweine, Rehe oder Damwild gehen, wobei die Freude an der Schönheit der Landschaft mit der jagdlichen Spannung verschmilzt. Der Jagderfolg ist da nicht nur vom reinen Aufspüren der Beute abhängig, sondern erwächst auch aus einem tiefen Verständnis für die Verhaltensweisen des Wildes und für die Umgebung, die es bewohnt. Selbstredend ist dies auch essenziell, wenn sich der Gast für die Ausübung des Weidwerks mit der Büchse in Händen entscheidet.
Viele Gäste reisen extra aus Übersee an, was oft nochmals zur Spannung beim Jagderlebnis beiträgt, da sie zwar erfahrene Jäger sein mögen, aber meist nicht mit der einzigartigen toskanischen Tierwelt vertraut sind. Gerade in diesem Kontext ist es für Corso unglaublich belohnend, Kenntnisse

über das Wild auszutauschen. Er glaubt fest daran, dass die Beziehung zum Weidwerk und zum Wild immer tiefer wird, je mehr ein Jäger von seiner Beute versteht. Hierdurch wird die Jagd für ihn erst von einer bloßen Beschäftigung zu einer wahrhaft sinnerfüllten Erfahrung erhoben. Die Bogenjagd stellt jedoch kein leichtes Unterfangen dar. Nach Ansicht des erfahrenen Pirschführers besteht die große Kunst nicht darin, besonders weite Schüsse zu landen, sondern sich bis auf kurze Distanz an seine Beute heranzupirschen. Dafür sind konstantes Achten auf die Windrichtung, strategisches Planungsvermögen und ein detailliertes Verständnis der Umgebung unumgänglich. Schon viele erfahrene Bogenjäger sind nach einem ganzen Tag des Pirschens mit leeren Händen nach Hause zurückgekehrt, was diese spezielle Jagdart letztendlich umso großartiger macht, wenn man sie einmal gemeistert hat.
Corso Baccheschi Berti führt so viele seiner Gäste wie möglich persönlich durchs Revier, da es seine Überzeugung ist, dass persönliche Expertise gemeinsam mit wahrer Passion für das Land den ausschlaggebenden Unterschied machen. Die Erfahrung, gemeinsam mit einem hingebungsvollen Führer zu jagen, der das Weidwerk und die Region gleichermaßen liebt, ist für ihn einfach unbezahlbar.
Capitolo Toscano: E-Mail: corso@capitolotoscano.com https://capitolotoscano.com/ Instagram: capitolotoscano


Für Abenteuer gemacht

Alles für Sportschützen

Weiterbildung in der
Die nächste JAGERN-Ausgabe erscheint am 1. September 2025.
Anzeigenschluss: 11. August 2025

IMPRESSUM
IDEE & KONZEPT: Nadine Sodia

▶ Hirschbrunft & Schwarzwildjagd im Herbst
▶ Jagdliche Bräuche & Hubertus
▶ Frankreich: Wildküche & Parforcejagd
▶ Hunde, Ausrüstung & Sicherheit
AUTOREN: Armin Deutz, Othmar F. C. Hofer, Matthias Leinich, Reinhold Sodia, Nadine Sodia, Sabine Steindl
ART-DIREKTION & GRAFIK: Alexandra Brindlinger | ab-jetzt.at
LEKTORAT: Elisabeth Skardarasy | elisabeth-skardarasy.at
DRUCK & HERSTELLUNG: Ferdinand Berger & Söhne Ges.m.b.H.
MEDIENINHABER: Nadine und Reinhold Sodia
HERAUSGEBER: SODIA Jagdwaffen- und Bekleidungs GmbH
ANZEIGENSERVICE: anzeigen@sodia.cc
REDAKTIONSANSCHRIFT: Vogelweiderstraße 55, 5020 Salzburg, T: 0662 872123, E: redaktion@sodia.cc
Zur besseren Lesbarkeit wird das generische Maskulinum verwendet, wobei gleichermaßen männliche, weibliche und diverse Personen gemeint sind.

Deine eigene JAGERN -Tasse? Gibt’s auf www.sodia.cc unter JAGERN Magazin