WINTER 2015
MIT DEN AUGEN EINES FLÜCHTLINGS Gespräch: Der Anfang in Österreich
FAKTEN STATT HÖRENSAGEN
ÖSTERREICHISCHE POST AG/SPONSORING.POST 08Z037821S, ÖSTERREICHISCHER INTEGRATIONSFONDS, SCHLACHTHAUSGASSE 30, 1030 WIEN
Argumente: Wissen für Stammtisch und Alltag
GEMEINSAM ANPACKEN – INTEGRATION SCHAFFEN
Wie Bürger, Gemeinden und Flüchtlinge ein gutes Zusammenleben sichern können
DiePresse.com/abo
AUS LEIDENSCHAFT ZUM HANDWERK.
Der Wunsch, etwas zu erschaffen. Die Kraft, die einen innerlich antreibt. Die Liebe zum Detail. Der Stolz, sein fertiges Werkst체ck in H채nden zu halten. Wir erleben dieses Gef체hl jeden Tag.
Wir schreiben seit 1848
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11/27/14 9:29 PM
ZUSAMMEN:ÖSTERREICH
Winter 2015
ED I T O R I A L
I NHA LT
Liebe Leserinnen und Leser! Kaum ein Thema beschäftigt Österreich derzeit so sehr wie die Flüchtlinge, die in unser Land kommen. 95.000 Asylanträge werden dieses Jahr gestellt, das sind rund dreimal so viele wie im letzten Jahr. Kurzfristig dreht sich alles um die Aufnahme und Erstversorgung der Geflüchteten, doch die eigentliche Herausforderung beginnt erst danach: Wie die dauerhafte Integration der Flüchtlinge in unsere Gesellschaft gelingen kann, ist das Thema dieser Ausgabe.
Wie kann die dauerhafte Integration der Flüchtlinge gelingen?
FOTOS: ÖIF/LÄNGLE; COVERFOTO: WWW.WEINFRANZ.AT
Wie sehr die Frage der Flüchtlingsintegration Österreich bewegt, zeigten uns auch die Reaktionen auf die letzte ZUSAMMEN:ÖSTERREICH-Ausgabe. Auf dieses Heft, das die Rolle der vielen Freiwilligen in den Vordergrund stellte, erhielten wir so viele Rückmeldungen wie noch nie. Sie, liebe Leserinnen und Leser, schrieben uns aus Schulen, Universitäten, Gemeinderäten, Vereinslokalen, Arztzimmern, Büchereien, Pfarren und anderen Orten mehr. Wir danken für die zahlreichen interessierten und konstruktiven Nachrichten!
Auch weiterhin freuen wir uns auf Ihre Meinung zum Thema der Stunde sowie auf Kritik, Lob und kostenlose Abo-Bestellungen unter magazin@integrationsfonds.at.
Die ZUSAMMEN:ÖSTERREICH-Redaktion v. l. n. r.: Aleksandra Klepić, Roland Goiser, Maja Sito, Valentin Schwarz, Franziska Troger, Julian Unger. Nicht im Bild: Kristina Nedeljković
SCHWERPUNKT: FLÜCHTLINGE
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TITELGESCHICHTE. VOM FLÜCHTLING ZUM NACHBARN. Wie die Integration von Flüchtlingen in der Gemeinde und ein gutes Zusammenleben funktionieren können.
06 Startklar: In Pöchlarn, wo seit dem Sommer erstmals Flüchtlinge untergebracht sind, spenden die Bürger Kleidung, Schuhe und Spielzeug in großer Zahl. Was in der Gemeinde für die langfristige Integration geschieht, lesen Sie ab Seite 6.
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DOPPELINTERVIEW. FLÜCHTLING SEIN – DAMALS UND HEUTE. Zwei Geflohene vergleichen ihre Erfahrungen. KURZPORTRÄTS. WIE ÖSTERREICH ZUR NEUEN HEIMAT WIRD. Zwei Flüchtlinge und vier Unterstützer erzählen. ARGUMENTATIONSHILFE. FAKTEN STATT HÖRENSAGEN. Sieben Fragen – sieben Antworten. MENSCHEN. GEFLÜCHTET UND ERFOLGREICH. Österreichische Promis mit Fluchthintergrund.
Engagiert: : ORF-Journalist Christian Schüller kennt den Krieg in Syrien aus nächster Nähe. Auf welche Weise er sich für die Geflüchteten einsetzt, hat Aleksandra Klepić erfahren.
Zusammen:Österreich
›› 003
ZUSAMMEN:ÖSTERREICH
Winter 2015
›› I NH A LT MENSCHEN UND PROJEKTE Migration, Integration und Zusammenleben
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PORTRÄT. DAHEIM IN EUROPA. Veronika Rezic´ setzt sich für das Friedensprojekt Europa ein. PROJEKTPORTRÄT. DAMIT WENIGER MENSCHEN FLIEHEN MÜSSEN. Was wir alle gegen die Armut in Entwicklungsländern tun können. SPORTPREIS. MIT DISZIPLIN UND RESPEKT. Auszeichnung für zwölf Integrationsprojekte. PUBLIKATION. „MITGEBRACHTE KOMPETENZEN AUCH NUTZEN“ Neuer Forschungsbericht über Berufsanerkennung. ZUSAMMEN:LEBEN. BEFREUNDET AUF DEN ZWEITEN BLICK. Zwei Menschen. Zwei Herkunftsländer. Eine Geschichte.
Unzertrennlich: Sabrina (links) und Erika sind Lehre rinnen, Kolleginnen und Freundinnen. Warum sie einander anfangs falsch einschätzten, erzählen sie auf Seite 34.
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RUBRIKEN Wissenswertes, Service und Unterhaltung
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Geschmackssicher: Wie er aus roten Linsen eine wärmende Wintersuppe zaubert, verrät Moh El Hamdaoui auf Seite 32.
I M PRE S S UM
TIPPS FÜR LEHRER. PROJEKT- UND UNTERRICHTSMATERIAL.
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WORTWANDERUNG. BEGRIFFE MIT MIGRATIONSHINTERGRUND.
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INTEGRATION AKTUELL. NEUES VOM ÖIF.
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TERMINE. VERANSTALTUNGEN UND FRISTEN.
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RÄTSEL. RATESPASS MIT GEWINNSPIEL.
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REZEPT. MAROKKANISCHE LINSENSUPPE.
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Zusammen:Österreich
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Medieninhaber, Herausgeber und Redaktionsadresse: Österreichischer Integrationsfonds, Schlachthausgasse 30, 1030 Wien, Tel.: +43/(0)1/710 12 03-0, Fax: +43/(0)1/710 12 03-500, mail@integrationsfonds.at Chefredakteur: Mag. Roland Goiser, roland.goiser@integrationsfonds.at Leitende Redakteurin: MMag. Franziska Troger, franziska.troger@integrationsfonds.at Chef vom Dienst: Mag. Valentin Schwarz, valentin.schwarz@integrationsfonds.at Redaktion: Aleksandra Klepić, BSc; Mag. Maja Sito, BA; Mag. Julian Unger; Freie Mitarbeit: Kristina Nedeljković; Produktion und Anzeigen: Styria Multi Media Corporate GmbH & Co KG, Geiselbergstraße 15, 1110 Wien, www.corporate. styria-multi-media.com Geschäftsführung: Mag. Martin Distl, Eva Maria Kubin, MA Artdirektion: Mag. Nina Ullrich Projektleitung: Mag. Ivana Jelić Grafik: Jennifer Fiala Anzeigenleitung: Harald Kuso Korrektur: Mag. Birgit Forst Produktion: Styria Media Design – m4! Mediendienstleistungs GmbH & Co KG, www.styria.com/mediadesign Hersteller: Ferdinand Berger & Söhne GmbH, Wiener Straße 80, 3580 Horn. Die Artikel von Gastautorinnen und -autoren drücken deren persönliche Meinung aus und müssen nicht den Positionen des Österreichischen Integrationsfonds entsprechen. Seiten, die mit „Werbung“ oder „Advertorial“ gekennzeichnet sind, sind entgeltliche Einschaltungen gemäß § 26 Mediengesetz. Alle Rechte vorbehalten, auch die Übernahme, vollständige oder auszugsweise Weiter- oder Wiedergabe, gem. § 44 Abs. 1 und 2 Urheberrechtsgesetz.
ZUSAMMEN:ÖSTERREICH
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IN T E G R AT I O N I N Z A H L E N
LE S E RBRI E FE
Leser antworten …
Schülerinnen und Schüler in Österreichs Klassenzimmern haben eine andere Muttersprache als Deutsch, das ist jede und jeder Fünfte.
… auf
ZUSAMMEN:ÖSTERREICH 3/2015: Freiwillig engagieren – gut zusammenleben
Asylanträge wurden von Jänner bis Oktober in Österreich gestellt, berichtet das Innenministerium. Bis Jahresende werden bis zu 95.000 Anträge erwartet.
FOTOS: WWW.WEINFRANZ.AT, XDRAGAN TATIĆ; ILLUSTRATIONEN: NIEL MAZHAR
Jahre ist eine Mutter bei ihrer ersten Geburt durchschnittlich alt. Frauen, die nicht in Österreich geboren wurden, bekommen bereits etwas früher Kinder, im Schnitt mit 27 Jahren. von 4 Österreicherinnen und Österreichern engagiert sich persönlich in der Flüchtlingshilfe, zeigt eine Umfrage des Instituts marketagent.com.
IN T E G R AT I O N I S T …
… zusammenleben, sich anpassen und sowohl Rechte als auch Pflichten wahrnehmen. Fadi Merza, mit elf Jahren aus Syrien zugewandert, ist ThaiboxWeltmeister und Integrationsbotschafter
AKTIV WERDEN, ABER WIE?
Service: Zehn Ideen für alle, die etwas tun wollen
SPRACHTRAINING PER MAUSKLICK
Online: Neue Angebote auf Österreichs größter Deutschlern-Plattform
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anerkannte Flüchtlinge sind derzeit laut AMS arbeitslos, davon 7.000 in Schulungen. 4.700 fanden in den ersten drei Quartalen einen Job.
S S i e uc h r e i b e n M e i n n s I h re ma ung an i n t e gg a z i n @ r f o n da t i o n s s.at
HERBST 2015
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FREIWILLIG ENGAGIEREN – GUT ZUSAMMENLEBEN
In der Freizeit für das Miteinander: Was eine Vielzahl ehrenamtlicher Initiativen für erfolgreiche Integration leistet
04.09.2015 11:06:41
Stolz auf Helfer Österreich hat mich in den letzten Monaten überrascht, und zwar positiv. So viele Menschen, die auf die große Zahl an Flüchtlingen nicht mit Angst und Ablehnung reagieren, sondern mit Hilfsbereitschaft! Darauf kann man stolz sein. Es wurde Zeit, dass auch dieses helle Österreich einmal sichtbar gemacht wird. Romana Bauer, Wien Schweres Thema, leicht gestaltet Das Magazin ist kreativ gestaltet und leicht, obwohl das Thema schwer ist. Gratulation, bin begeistert! Andrea Scheer, Graz Danke für Integrationstipps Danke für die Liste mit zehn Integrationstipps. Ich denke, viele Gemeinden stehen gerade erstmals vor der Aufgabe, Flüchtlinge aufzunehmen, und wissen nicht genau, wie sie damit umgehen sollen. Da ist jede Anregung hilfreich. Manfred Schnabl, Steyr
Zusammen:Österreich
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SCHWERPUNKT: FLÜCHTLINGE
Titelgeschichte
I N T E G R AT I O N V O R OR T
Vom Flüchtling zum Nachbarn Viele Gemeinden nehmen derzeit erstmals Flüchtlinge auf.Wie deren Integration gelingen kann, hat ZUSAMMEN:ÖSTERREICH im niederösterreichischen Pöchlarn nachgefragt. TEXT
Valentin Schwarz und Roland Goiser 006
Zusammen:Österreich
SCHWERPUNKT: FLÜCHTLINGE
Titelgeschichte
Deutsch lernen steht für Qasim Azizi und Maisan Hanach (rechts) derzeit im Vordergrund. Die pensionierte Lehrerin Hadmut Rille-Eiler unterstützt die Flüchtlinge dabei.
E
ins, zwei, drei, vier …“, beginnt Qasim Azizi zu zählen. „Zehn, elf, zwölf, dreizehn …“, setzt Maisan Hanach fort. Azizi stammt aus Afghanistan, Hanach aus Syrien. An diesem Novembervormittag sitzen sie, Stifte in der Hand und Lehrbücher vor sich, im ehemaligen Gemeinde-Kindergarten von Pöchlarn an der Donau. Die deutschen Zahlen zu lernen ist für Azizi und Hanach ein Schritt auf dem Weg in ein neues Leben. Vertrieben von kriegerischen Konflikten in ihren Herkunftsländern, finden sie seit dem Sommer in der niederösterreichischen Kleinstadt Schutz.
FOTO: WWW.WEINFRANZ.AT
HERAUSFORDERUNG DEUTSCH „Erst heute sind zwei neue Teilnehmer aus Afghanistan in den Kurs dazugekommen. Sie haben gleich genauso motiviert mitgemacht wie meine anderen Schüler“, freut sich Hadmut Rille-Eiler. Die pensionierte Lehrerin leitet den Deutschkurs in ihrer Freizeit. Es ist einer von insgesamt drei Kursen, den die engagierten Bürger des Sozialen Netzwerks Pöchlarn für die rund 25 Flüchtlinge organisieren, die ihre Stadt im Sommer erstmals aufgenommen hat. Viele sind pensionierte Lehrerinnen und Lehrer, aber auch Hausfrauen, Studierende und ein Techniker sind dabei. „Meine Gruppe ist die am weitesten fortgeschrittene“, sagt Rille-Eiler. „Alle Teilnehmer
Zusammen:Österreich
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SCHWERPUNKT: FLÜCHTLINGE
Titelgeschichte
Kleidung, Schuhe, Spielzeug: Das Sachspendenlager in Pöchlarn ist so gut gefüllt, dass nichts Neues angenommen werden kann.
INFOS FÜR BÜRGERMEISTER Wie Pöchlarn haben heuer viele kleinere und mittelgroße Gemeinden erstmals Flüchtlinge aufgenommen. „Etliche Kommunen sind jetzt zum ersten Mal mit der Frage der Integration konfrontiert“, sagt Eva Grabherr. „Für die ist das Thema wirklich neu.“ Grabherr ist Mitglied im Expertenrat für Integration und unterstützt seit Jahren Vorarlberger Gemein den im Integrationsbereich. Aktuell ist sie
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Zusammen:Österreich
auch in anderen Bundesländern unterwegs, etwa um Gemeinden mit neuen Flüchtlingsquartieren zu beraten. Was Bürgermeister brauchen, für die das Thema neu ist, weiß Grabherr aus Erfahrung. „Sie stellen sich meist die Frage: Integration, was heißt das überhaupt? Ich erläutere daher zuerst, auf welchen Ebenen
Maßnahmen wichtig sind.“ Zentral seien etwa Deutschkenntnisse, der Einstieg in den Arbeitsmarkt, das Wohnen oder die soziale Integration, also Begegnung zwischen Flüchtlingen und Einheimischen. In vielem können Freiwillige gut unterstützen, die Gemeinde braucht es aber koordinierend (siehe Tipps, Seite 10). Das
WISSEN
WER MUSS WAS TUN?
Damit das Zusammenleben gelingt, sind Flüchtlinge und Einheimische gefragt. Als wichtigste Aufgabe für beide Seiten sehen die Befragten das Deutschlernen. FLÜCHTLINGE:
ÖSTERREICHISCHE GESELLSCHAFT:
1.
DEUTSCH LERNEN
1.
ZUM DEUTSCHLERNEN VERPFLICHTEN
2.
LEBENSWEISE ANPASSEN
2.
FÖRDERUNTERRICHT AN SCHULEN
3.
MIT WERTEN IDENTIFIZIEREN
3.
UMDENKEN DER GESELLSCHAFT QUELLE: REFUGEE REPORT VON MARKETAGENT.COM, SEPTEMBER 2015, 2.018 BEFRAGTE
FOTOS: WWW.WEINFRANZ.AT; ILLUSTRATION: MATTHIAS MOSER
sind wirklich fleißig. Ich habe selbst mit über fünfzig noch Französisch ge‑ lernt – ich weiß, wie schwer das als Erwachsene ist.“ Maisan Hanach beschäftigen derzeit vor allem die deutschen Artikel. Lachend zuckt sie die Schultern und fragt: „Warum hat ein Tisch oder eine Tasse ein Geschlecht?“ Beim Üben der Sprache unterstützen sie ihre beiden Söhne, die in Pöchlarn in die Schule gehen. „Sie lernen viel schneller als ich und wollen inzwischen, dass ich Deutsch mit ihnen spreche.“
SCHWERPUNKT: FLÜCHTLINGE
Kommentar
EX P E RT E NM E I NUNG
Flüchtlinge sind gekommen, Bürger sollen sie sein Man sagt hier viel öfter Bitte und Danke als in Syrien. Das ist sehr höflich, ich mag das.
mache sich bezahlt, denn gut verzahnte Maßnahmen stärkten einander automatisch. Maisan Hanach, „Ein guter Sprachkurs aus Syrien geflohen verbessert auch den Kontakt zwischen Flüchtlingen und Bevölkerung, und umgekehrt.“ Einen besonders großen Mehrwert haben Freundschaften mit Einheimischen, weiß Grabherr aus Erfahrung: „Das hilft bei der Wohnungssuche, aber auch für die Stimmung in der Bevölkerung. Vorurteile verschwinden am besten über Kontakt.“
HILFE ZUR SELBSTHILFE Aufnahme, Erstversorgung, Unterbringung: Diese Aufgaben seien bisher im Vordergrund gestanden, sagt Franz Wolf, Geschäftsführer des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF). „Aber die Integration der Flüchtlinge ist die langfristige Herausforderung, die gerade erst beginnt. Ziel ist, dass Flüchtlinge möglichst bald ein selbstständiges Leben in Österreich führen. Dafür braucht es auch Unterstützung: zum Deutschlernen und für die rasche Integration am Arbeitsmarkt.“ Deutsch lernen – das steht auch für die Österreicher bei der Flüchtlingsintegration an erster Stelle, wie Umfragen zeigen (siehe „Wissen“). Für ebenfalls wichtig halten sie die Anpassung der Lebensweise und die Identifikation mit den hierzulande üblichen Werten. Doch was heißt das in der Praxis, etwa in Pöchlarn?
Wer im Land bleiben darf, soll rasch ein selbstständiges Leben führen können. Das kann gelingen, wenn alle Beteiligten zusammenarbeiten. TEXT
Heinz Faßmann
2015 wird ein Rekordjahr werden. 95.000 Asylwerber werden erwartet. Viele davon sind Kriegsflüchtlinge, rund die Hälfte wird auf Dauer bleiben können. Demografisch betrachtet heißt das: Unsere Bevölkerung wächst dieses Jahr doppelt so stark wie sonst. Die dauerhafte Unterbringung ist ebenso eine Herausforderung wie die Integration der mehrheitlich niedrigqualifizierten jungen Männer aus Syrien, Irak und Afghanistan. Der Expertenrat für Integration hat dem Integrationsministerium einen Plan zur raschen und systematischen Eingliederung der Asylberechtigten vorgelegt, damit sie möglichst bald an den zentralen gesellschaftlichen Prozessen teilhaben können.
Nachqualifizierung. Überdies muss den Asylberechtigten aber auch klar gemacht werden: Die liberale, demokratische Grundordnung ist die unabänderliche Kernstruktur unseres Gemeinwesens. Mitgebrachte Traditionen und religiös verbrämte, rechtliche Normen müssen sich den staatlichen Normen unterordnen. Der liberale Staat kann nur dann bestehen, wenn die Freiheit, die er seinen Bürgern gewährt, auch von innen heraus vertreten wird. Der bekannte deutsche Rechtsphilosoph, Ernst-Wolfgang Böckenförde, hat auf dieses Dilemma treffend hingewiesen. Eine entsprechende Unterweisung ist daher wichtig, denn sie schafft Klarheit und erleichtert die Teilhabe.
Das vielleicht wichtigste integrationspolitische Ziel ist es, die Flüchtlinge rasch in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Sie sollen möglichst bald ohne Unterstützung durch die öffentliche Hand leben können. Eine Verteilungsdiskussion zwischen österreichischen Beitragszahlern und Asylberechtigten mit Anspruch auf Mindestsicherung wäre für den sozialen Frieden alles andere als förderlich. Die Vorschläge des Expertenrats betreffen daher den raschen Spracherwerb, das Nachholen des Pflichtschulabschlusses, die einfachere Anerkennung mitgebrachter Qualifikationen und die berufliche
Österreich steht vor einer außerordentlichen Aufgabe. Die Integration der Flüchtlinge ist nicht einfach, nicht kostenfrei und sie wird auch nicht friktionslos verlaufen. Sie kann aber gelingen, wenn die Bevölkerung, die öffentliche Hand und insbesondere die Asylberechtigten selbst dazu bereit sind. Wenn das der Fall ist, dann ist nicht nur eine Pflicht erfüllt, sondern auch eine Chance für Österreich entstanden.
Heinz Faßmann
ist Vizerektor der Universität Wien und Vorsitzender des Expertenrats für Integration.
Zusammen:Österreich
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SCHWERPUNKT: FLÜCHTLINGE
Tipps für Gemeinden
INTEGRATION VON FLÜCHTLINGEN
ZEHN TIPPS FÜR IHRE GEMEINDE
Von Eva Grabherr, Expertenrat für Integration
1 Aktiv kommunizieren: Flüchtlinge sind ein sensibles Thema. Da muss Kommunikation Chefsache sein. Nützen Sie auch Gemeindemedien. 2 Info-Veranstaltung machen: Sachliche Information verhindert, dass sich Gerüchte verselbstständigen. Mindestens die Hälfte der Zeit sollte der offenen Diskussion dienen.
4 Gerüchte ansprechen: Nehmen Sie Gerüchte als Hinweis darauf, wozu es Informationsbedarf gibt. Klären Sie dann auf und informieren Sie sachlich. 5 Integration steuern: Die Gemeinde ist die ideale Plattform, um wichtige Beteiligte zu koordinieren, also Schule, Kindergarten, Vereine oder Pfarre. 6 Freiwillige koordinieren: Seien Sie Drehscheibe für Freiwillige, Flüchtlinge und institutionelle Angebote. Den besten Überblick über Angebot, Nachfrage und Bedürfnisse hat jemand, der in der Gemeinde beschäftigt ist. 7 Freiwillige unterstützen: Engagierte brauchen oft nicht viel. Schon ein mitbenützter Raum oder Kopierer erleichtern ihnen die Arbeit. 8 Engagement anregen: Ermuntern Sie potenzielle Freiwillige. Fragen Sie etwa pensionierte Lehrer, wenn ein Deutschkurs gebraucht wird. 9 Freiraum lassen: Greifen Sie aber nicht zu stark in die tägliche Freiwilligenarbeit ein – das demotiviert. 10 Danke sagen: Engagierte Menschen freuen sich über Wertschätzung. Auch ein kleines Dankesfest ist eine schöne Geste.
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Zusammen:Österreich
In Pöchlarn an der Donau haben 25 Flüchtlinge Aufnahme und Anschluss gefunden.
WORKSHOPS ZUR ORIENTIERUNG
die Trennung von Religion und Staat oder „Wir sagen unseren Flüchtlingen gleich die Gleichberechtigung von Mann und zu Beginn, welche Gepflogenheiten es hier Frau erhalten Flüchtlinge nun in neuen gibt“, sagt Helene Bergner, Sprecherin Orientierungsworkshops. „Wer dauerhaft des Sozialen Netzwerks in Österreich bleibt, hat viele Pöchlarn und GemeinChancen, es gibt aber auch derätin. „Das sind simple klare Regeln, die es zu beachDinge, etwa dass man im ten gilt“, sagt GeschäftsfühSommer nach halb zehn rer Franz Wolf. „Die WorkUhr draußen möglichst shops vermitteln den Flüchtnicht mehr laut sein lingen ein konkretes Bild dasollte“, sagt Bergner. „So von, wie das Zusammenleben beugen wir Konflikten vor. in Österreich funktioniert.“ Bislang gab es keine einzige Beschwerde über unSPRACHFÖRDERUNG sere Flüchtlinge.“ Für die Ziel ist, dass FÜR KINDER Syrerin Maisan Hanach Flüchtlinge Für Kinder und Jugendliche waren viele Umgangs- möglichst bald ist die Schule der Ort, an formen in Österreich neu. Integration tagtäglich ein selbststän- dem „Ich musste mich erst dastattfindet. „Wir haben derran gewöhnen, dass man diges Leben zeit sieben Flüchtlingskinder hier öfter Bitte und Danke in Österreich in unseren Klassen“, sagt sagt als in Syrien“, erzählt führen Thomas Krancan, Direktor sie. „Das ist sehr höflich, der Pöchlarner Volksschule. Franz Wolf, ich mag das.“ Wissen über ÖIF-Geschäftsführer Die Anforderungen an die
FOTOS: WWW.WEINFRANZ.AT, ÖIF/UNGER, FRANZ HELMREICH
3 Info-Punkt schaffen: Auch eine dauerhafte Stelle, an die Bürger sich mit Fragen wenden können, ist sinnvoll.
SCHWERPUNKT: FLÜCHTLINGE
Interview
H E LFE R I N I M GE S P R Ä C H
„Wir müssen realistische Vorstellungen vermitteln“ Ilse Bari unterstützt Pöchlarns Flüchtlinge, wo sie kann – wenn nötig mit klaren Worten.
Pädagogen sind unterschiedlich: „Manche haben ein großes sprachliches Talent und Englischvorkenntnisse, sie lernen schnell dazu“, erklärt Krancan. Andere müssten erst die lateinische Schrift lernen oder hätten gar noch nie ein Schulheft in der Hand gehabt. „Je älter ein Kind, desto schwieriger ist es, so einen Rückstand aufzuholen“, weiß Krancan. „Der Unterschied im Sprachniveau zu den Muttersprachlern wird mit jedem Jahr größer.“ Sieben Kinder, die maßgeschneiderte Unterstützung benötigen – wie schafft die Volksschule Pöchlarn das? „Wir haben derzeit eine junge Kollegin, die sich als Stützkraft ausschließlich um die Deutschförderung kümmern kann“, sagt Krancan. „Ohne sie wäre es weit schwieriger.“ Die Schüler selbst seien eifrig bei der Sache, lobt der Direktor. „Sie sind alle sehr brav, wir hatten bisher keinerlei Konflikte. Wenn ich mir vorstelle, was die Kinder auf der Flucht alles erlebt haben müssen, bin ich ganz erstaunt, wie gut sie sich bei uns eingliedern.“
Als im Sommer erstmals Flüchtlinge nach Pöchlarn kamen, war Ilse Bari eine Helferin der ersten Stunde. Noch bevor das lokale Soziale Netzwerk strukturierte Unterstützung anbieten konnte, hielt die Pensionistin einen improvisierten Deutschkurs ab. Ein Gespräch über kulturelle Unterschiede und enttäuschte Erwartungen. Sie sind als eine der Ersten auf die Flüchtlinge in Pöchlarn zugegangen. Warum? Ilse Bari: Ich habe längere Zeit in Syrien und in der Türkei gelebt, habe Freunde in diesen Ländern. Ich kenne die Kultur also ganz gut und weiß, wie man mit den Leuten redet. Daher hatte ich keine Berührungsängste. Wie haben die Flüchtlinge auf Sie reagiert? Bari: Anfangs habe ich einfach meine Freundschaft angeboten und sie ermuntert, mich alles zu fragen, was sie nicht verstehen, was sie interessiert oder beunruhigt. Zugleich habe ich im Alltag geholfen, sie etwa zum Arzt begleitet. So haben wir gegenseitiges Vertrauen aufgebaut. Das war später wichtig, als ich auch unangenehmere Dinge ansprechen wollte.
Welche unangenehmen Dinge? Bari: Die Leute, die aus dem Kriegsgebiet kommen und alles verloren haben, wollen sich hier eine Existenz aufbauen – aber haben oft falsche Erwartungen ans Leben in Österreich. Sie kennen unser Sozialsystem nicht und glauben, wir leben in einem Schlaraffenland, wo ihnen die gebratenen Hähnchen in den Mund fliegen. Ihnen ist oft nicht bewusst, dass sie für eine Wohnung Miete zahlen müssen. Auch Strom und Wasser sind bei uns, anders als in Syrien, nicht gratis. Ich bemühe mich, ihnen realistische Vorstellungen zu vermitteln und klarzumachen, dass wir für all das hart arbeiten und dass sie mit Putzmaterial oder gespendeter Kleidung nicht verschwenderisch umgehen sollten. Wie sprechen Sie so etwas an? Bari: Ich nehme mir das kraft meines Alters einfach heraus. Auch die erwachsenen Flüchtlinge könnten meine Kinder sein, das verschafft mir Respekt. Es ist wichtig, trotz aller Verbundenheit eine nötige Distanz zu bewahren, um ernste Dinge ansprechen zu können. Besteht dabei nicht die Gefahr, anmaßend zu wirken? Bari: Ich sage ja nicht, dass unsere Kultur die einzig wahre oder überhaupt die bessere ist. An der des Nahen Ostens schätze ich etwa die Offenheit, Warmherzigkeit und Freundlichkeit. Aber um hier leben zu können, muss man die Gepflogenheiten kennen. Und diejenigen, bei denen es gut klappt, können dann Vorbild für andere sein.
Zusammen:Österreich
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SCHWERPUNKT: FLÜCHTLINGE
Titelgeschichte
R EITANS R E FLE X I O NE N
Medien mit Verantwortung
„DA GAB’S AUFREGUNG IM ORT“ Geht es um Flüchtlinge und Integration, geraten Medien und Journalisten in ein Dilemma. Sie haben eine Integrationsfunktion, doch im Geschäft mit den schlechten Nachrichten ist mit den guten kaum eines zu machen. Medien brauchen Aufmerksamkeit, betonen gerade in Krisen den Konflikt und nicht den Kompromiss. Journalisten suchen zuvorderst Sensation und Konfrontation, nicht Verständnis und Verständigung. Die Politik sorgt sich zuerst um ihre Klientel, nur selten um Kenntnis vom Anderen. Die Medien sind digitalisiert, die Gesellschaft folglich segmentiert, weiters irritiert durch die Meldungsflut. Im Chaos des Internets surft dann jeder für sich. Schicksale werden Massenware. Was also tun, damit Medien zur Integration beitragen und diese gelingt? Es bleibt nur eines: bei Medien und Journalisten als Kehrseite der Medaille der Freiheit die Verantwortung zu verankern. Das bedeutet sachgerechte Information in Zusammenhängen, dazu das Bemühen, unvoreingenommen und objektiv zu berichten und zu analysieren. Moralisieren ist kein Ersatz dafür, auch nicht auf sozialen Medien, welche rasch unsozial werden. Es ist so: Die Qualität der Information ist mitbestimmend für jene der Integration.
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Zusammen:Österreich
Manche Kinder lernen schnell dazu, andere hatten noch nie ein Schulheft in der Hand.
den Tag die Fernsehbilder von den Grenzen und fragen Förderunterricht für die sich: Schaffen wir das wirkKinder, Sprachkurse für die lich?“, sagt Grabherr. Auch Erwachsenen, berufliche Umfragen bestätigten, dass Thomas Krancan, Integration und Werteverbeim Thema Flüchtlinge SorDirektor Volksschule mittlung sind große Aufgage – und nicht etwa Wut – das Pöchlarn ben für sich. Doch viele vorherrschende Gefühl in der Bürgermeister beschäftigt vor allem eines: Bevölkerung sei. „Wenn es gelingt, der undie Skepsis in der eigenen Bevölkerung. sicheren Mehrheit diese Sorge zu nehmen „Als bekannt wurde, dass Flüchtlinge und sie zu überzeugen, sich aktiv an der nach Pöchlarn kommen, gab’s große Auf- Integration zu beteiligen, dann ist diese regung im Ort“, erzählt Gemeinderätin auch zu schaffen.“ Helene Bergner. Das Blatt gewendet habe eine vom Bürgermeister organisierte Info- FALSCHE ERWARTUNGEN veranstaltung, die viele Ängste ausräumen Einer, der es bereits geschafft hat, ist Rakonnte. „Dort war ein Großteil der Wort- min Nouri. Erst sechzehn Jahre war er alt, meldungen positiv. Diejenigen, die nur als er alleine aus Afghanistan nach Österstreiten wollten, waren klar reich kam. „Ich kannte niein der Minderheit. Das hat manden, hatte noch nie eine eine gute Basis geschafSchule besucht“, erzählt er. fen.“ Heute, so Bergner, In Österreich holte er den sei die Stimmung in Hauptschulabschluss nach Pöchlarn gut. „Wir beund schaffte die Lehre als kommen so viele SachElektriker, ohne ein Jahr wiespenden, dass wir im Moderholen zu müssen. „Mein ment nichts Neues annehGlück ist, dass ich die richmen können.“ tigen Leute getroffen habe, die mir den Weg gezeigt und Wir sollten BEVÖLKERUNG IN SORGE mich unterstützt haben“, sagt Expertin Eva Grabherr auch in zehn Nouri. „Und ich habe einwar bei vielen Infoveran- Jahren dazu fach nicht aufgegeben, auch staltungen in Gemeinden stehen können, wenn ich Rückschläge erlebt – und hat dabei ganz ähnhabe.“ Seine Erfahrungen was wir heute liche Erfahrungen gegibt der heute ausgelernte macht wie Helene Bergner getan oder Elektriker an seinen Nachfolin Pöchlarn. „Die Mehr- nicht getan ger weiter, ebenfalls ein afheit ist konstruktiv einge- haben. ghanischer Flüchtling. „Ich stellt und will helfen, versage ihm: Du musst dich anHelene Bergner, spürt aber ein Unbehagen. Soziales Netzwerk strengen, dann kannst du’s Diese Menschen sehen je- Pöchlarn schaffen.“ Auch gerade erst
FOTOS: WWW.WEINFRANZ.AT, ÖIF/UNGER, YVONNE NICKO/LDM OÖ, THINKSTOCK; ILLUSTRATION: MATTHIAS MOSER
Von Claus Reitan, Journalist
SCHWERPUNKT: FLÜCHTLINGE
Service
SERVICE & TIPPS
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Weitere Fakten, Lesetipps und Angebote zum Thema Flüchtlinge finden Sie hier.
Ich erkläre den Flüchtlingen, dass das System hier nur funktioniert, wenn alle etwas beitragen.
ankommende Flüchtlinge unterstützt Nouri. „An freien Abenden gehe ich an die Bahnhöfe, um zu übersetzen und den Leuten Tipps Ramin Nouri, zu geben“, erzählt er. früher Flüchtling, „Leider haben sie oft heute Elektriker falsche Erwartungen und glauben, dass in Österreich der Staat alles bezahlt.“ Derartige Geschichten über Europa seien in den Herkunftsländern weit verbreitet. „Auch mir wurde auf dem Weg nach Österreich erzählt, dass ich hier automatisch Arbeit, Auto und Wohnung bekommen würde. Mir ist aber schnell klar geworden, dass die Menschen hart für alles arbeiten. Den Flüchtlingen erkläre ich, dass das System nur funktioniert, wenn alle etwas beitragen“, sagt Nouri.
Argumente gegen rechte Sprüche und ausgrenzende Parolen bietet die Broschüre „Da mach ich nicht mit!“ der jugendinfo jetzt in einer neuen Auflage. Bestellung unter www.jugendinfowien.at.
Kostenloses Sprachtraining für alle Flüchtlinge und Zuwanderer, ergänzend zu einem Kurs, bietet die ÖIF-Initiative Treffpunkt Deutsch. Verfügbar an den Integrationszentren in Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Linz, Salzburg und Wien. www.integrationsfonds.at/ treffpunkt-deutsch
Vokabeln lernen mit Bildern ermöglicht das neue Bildwörterbuch des ÖIF. Es richtet sich insbesondere an Anfänger und enthält 900 Illustrationen zu Vokabeln des österreichischen Standarddeutsch.
ALLE TRAGEN VERANTWORTUNG Der Staat, der alles lösen soll? Auch Helene Bergner aus Pöchlarn kennt diese Vorstellung, wenn auch von anderer Seite. „Viele meinen, der Staat würde nicht genug für die Flüchtlinge tun“, sagt sie. „Ich halte es aber für falsch, die ganze Verantwortung abzuwälzen. Auch ich bin Teil meines Staats, meiner Gemeinde, meiner Pfarre. Wir tragen alle dazu bei, wie gut das Zusammenleben funktioniert.“ Weltpolitische Probleme, die Menschen zur Flucht zwingen, könne man klarerweise nicht lösen. „Aber wir können denen helfen, die zu uns kommen“, meint Bergner. „Meine Einstellung ist: Wir sollten auch in zehn Jahren dazu stehen können, was wir heute getan oder nicht getan haben.“
Deutsch üben rund um die Uhr ermöglicht das ÖIF-Sprachportal. Es bietet Online-Übungen, Lernvideos, Podcasts und vieles mehr. Auch auf Arabisch verfügbar! www.sprachportal.at
Erfolgsrezepte aus Gemeinden bietet das Handbuch „Wege aus der Asylquartierkrise“, das auf den Erfahrungen von über hundert Bürgermeistern mit der Integration von Flüchtlingen basiert. Auf www.alpbach.org/buerger meister frei verfügbar.
Die Meinung der Österreicher zu vielen Aspekten der aktuellen Flüchtlingsbewegung bildet der „Refugee Report“ von Marketagent ab. Ergebnisse verfügbar unter www.marketagent.com
Zusammen:Österreich
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SCHWERPUNKT: FLÜCHTLINGE
Doppelinterview
F L ÜCHT LI N G E I M G E S P R Ä C H
Flüchtling sein – damals und heute Wie es Geflohenen beim Neustart in Österreich ergeht, haben zwei Betroffene ZUSAMMEN:ÖSTERREICH erzählt. INTERVIEW
Kaderavek: Ich konnte die Sprache kaum
W
ie war es in den 90ern, als Flüchtling nach Österreich zu kommen? Wie ist es heute? Ein Syrer und eine gebürtige Bosnierin vergleichen ihre Erfahrungen. Herr Alkhalil, Sie sind erst kurz in Österreich, Ihre Eindrücke noch ganz frisch. Was ist der größte Unterschied zu Syrien? Kajin Alkhalil: Schwer zu sagen. Das Le-
ben in Syrien und in Österreich ist wirklich nicht vergleichbar. Was mir als Erstes aufgefallen ist: In Wien kann man sich sehr bequem fortbewegen. Aus meiner Heimatstadt kannte ich weder U-Bahn noch Straßenbahn. Radmila Kaderavek: Das kenne ich. Ich habe 1993 über Nacht meine Koffer packen müssen und bin vom bosnischen Land in die österreichische Großstadt gezogen. Das war eine echte Umstellung. Überall Lärm, Menschen, Gewusel und U-Bahnen. Alkhalil: Also lärmig finde ich Wien nicht, im Gegenteil. Die Leute lachen weniger und reden leiser. Den Österreichern wird manchmal nachgesagt, nicht so emotional zu sein. Alkhalil: Das kann ich noch nicht beurtei-
len. Aber mir scheint, dass die eigene Familie hier keinen so hohen Stellenwert hat wie in Syrien. Kaderavek: Ach, das dachte ich anfangs
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Zusammen:Österreich
auch, es stimmt aber nicht. Familie funktioniert zwar anders, als ich es gewohnt war, aber mit gleich viel Liebe. Aus Bosnien war ich gewohnt, dass Verwandte und Freunde einfach in der Tür stehen. In Österreich kündigt man Besuche Tage vorher an. Frau Kaderavek, was war für Sie am Anfang in Österreich besonders schwierig?
und lebte mit meiner Tochter von den letzten Ersparnissen. Diese Existenzangst ist für Leute, die sie nie hatten, nur schwer nachvollziehbar. Aber ich war auch froh und dankbar. Wir hatten ein Dach über dem Kopf, auf der Straße wurde nicht geschossen, der Krieg war weit weg. Was waren Ihre ersten Schritte, um hier Fuß zu fassen? Kaderavek: Ich wollte so schnell wie mög-
lich Deutsch lernen und arbeiten. Mit alten Hauptschul-Lehrbüchern einer Nachbarin habe ich endlos Vokabeln gepaukt. Wenn ich auf ein Amt gegangen bin, habe ich mir die Sätze vorher notiert und dann
Mir scheint, dass die eigene Familie hier keinen so hohen Stellenwert hat. Kajin Alkhalil, Elektriker, kam vor 14 Monaten aus Syrien nach Österreich
ILLUSTRATIONEN: NIEL MAZHAR
Franziska Troger und Aleksandra Klepi´c
SCHWERPUNKT: FLÜCHTLINGE
Doppelinterview
Familie funktioniert hier zwar anders, als ich es gewohnt war, aber mit gleich viel Liebe. Radmila Kaderavek, Krankenschwester, flüchtete 1993 aus Bosnien
aufgesagt. Sie fragen einen dort ja oft dasselbe und ich wollte auf Deutsch antworten können. Alkhalil: Behördenwege sind auch heute noch schwierig und die Existenzängste kenne ich ebenfalls. Ich möchte möglichst bald wieder in meinem alten Job als Elektriker arbeiten, weiß aber noch nicht, ob
meine Ausbildung hier gilt. Haben Sie auch Ablehnung erlebt? Kaderavek: Anfangs hatte ich oft das Ge-
fühl, dass die Leute genervt sind, weil ich mich nicht gut ausdrücken konnte. Aber es hat mich auch motiviert. Ich wollte mich dann erst recht beweisen. Zum Glück waren meine Kollegen sehr hilfsbe-
reit und haben mich unterstützt. Alkhalil: Ich habe die Österreicher bisher nur als sehr hilfsbereit erlebt. Schade finde ich, dass ich noch kaum persönliche Kontakte habe. Einmal war ich zum Spaghetti-Essen bei einer österreichischen Familie eingeladen, das war sehr nett. Ich möchte die österreichische Küche gerne besser kennen lernen. Frau Kaderavek, was ist heute ganz anders als zu Ihrer Zeit? Kaderavek: In den 90ern gab es kaum
Deutschkurse oder Informationsangebote. Heute ist Integration mehr Thema, über erfolgreiche Zuwanderer wird auch berichtet. Das macht Mut.
ZAHLEN & FAKTEN
WANN KAMEN VIELE FLÜCHTLINGE NACH ÖSTERREICH? Die aktuelle Flüchtlingsbewegung ist die vierte große seit dem Zweiten Weltkrieg.
QUELLE: UNHCR, BMI, MEDIENSERVICESTELLE NEUE ÖSTERREICHER/INNEN
200.000 180.000 160.000
180.000 162.000
140.000 120.000
123.000
40.000 20.000 0
Ungarn 1956/57
60.000
(bis Ende 2015)
Syrien/ Afghanistan/ Irak 2014/15
80.000
Tschechoslowakei 1968
100.000
Jugoslawien 1991–1999
115.000
Schutz vor Verfolgung und Krieg finden Menschen schon lange in Österreich. Seit 1945 wurden viermal große Zahlen an Flüchtlingen aufgenommen. Jedes Mal zog ein Teil von ihnen weiter oder kehrte ins Herkunftsland zurück, doch viele blieben dauerhaft. Die Gesellschaft, in die sie sich integrierten, hat sich im Lauf der Zeit verändert. Während der Ungarnkrise war Österreich arm und seine Bevölkerung teilte, was sie hatte. Zur Zeit der Jugoslawien-Konflikte war das Land wohlhabender, ein System zur Integration existierte aber noch kaum. Die heutige Flüchtlingsbewegung könnte zur bislang größten werden und stellt eine erhebliche Herausforderung dar. Doch auch der Lösungseifer ist beeindruckend: In den Schulen, Gemeinden, Unternehmen, der Politik und der Gesellschaft gibt es unzählige engagierte Menschen, die sich um die Integration der Flüchtlinge bemühen.
Zusammen:Österreich
015
SCHWERPUNKT: FLÜCHTLINGE
Kurzporträts
Mein M ein S entee br t Beruf udium un ingt d Das s serfahrun g mit . Vorauind gute s s e tzung Mario Schin als M en. dler h e n to r ilft bei d er Jobs
uche
ERF OL GS G E S C HI C H T E N
Wie Österreich zur neuen Heimat wird Die Integration von Flüchtlingen hat viele Gesichter. Sechs Porträts von Geflohenen gestern und heute sowie einheimischen Unterstützern. TEXT
Aleksandra Klepi c´
Alles über „Mentoring für MigrantInnen“ finden Sie auf
www.integrationsfonds.at/mentoring
014
Zusammen:Österreich
Mario Schindler
Mit seiner langjährigen Erfahrung unterstützt er einen Flüchtling beim Einstieg in den Arbeitsmarkt
B
ald gehe ich in Pension“, sagt Mario Schindler. „Bis dahin möchte ich meine Erfahrung weitergeben.“ Davon profitiert der Ingenieur Hussain Mohammad, der aus Syrien nach Österreich geflohen ist. Im Rahmen des ÖIF-Programms „Mentoring für MigrantInnen“ unterstützt Schindler ihn beim Einstieg in den Arbeitsmarkt. „Hussain bringt ein Studium und viel Berufserfahrung mit. Das sind gute Voraussetzungen“, sagt der Mentor. „Sein Deutsch muss er aber noch verbessern.“ Sie treffen sich alle zwei Wochen, schreiben Bewerbungen und üben Vorstellungsgespräche. Schindler, von Beruf Personalberater, unterstützt seinen Schützling auch bei kulturellen Feinheiten: „Ich erkläre ihm etwa, mit welchen Worten er bei Abendterminen ein Glas Wein höflich ablehnen kann, wenn er das möchte.“
nserer Dank u finden Treffen iss immer a die Alr in die r b e ss e h a f t h i n e i n . c Geseicllosla Kozlik betreut
Nicola Kozlik
Die Deutsch-Wagramerin unterstützt eine syrische Familie beim Start in Österreich
N Familie rische s e ein y
Z
u Beginn war ich nervös“, erinnert sich Nicola Kozlik. „Wir kommen ja aus verschiedenen Kulturen und ich wusste nicht, worauf ich achten muss.“ Seit dem Sommer betreuen sie und ihr Mann in Deutsch-Wagram die syrische Familie Alraiss – und die anfängliche Unsicherheit ist längst verflogen. „Ihr Deutsch wird immer besser, wir lachen viel miteinander.“ Dreimal pro Woche treffen sich die Kozliks und ihre Schützlinge. Sie gehen gemeinsam einkaufen, auf den Spielplatz oder üben Vokabeln. „Dank unserer Treffen finden sie immer besser in die Gesellschaft hinein.“ Auch die Kinder beider Familien verstehen sich prächtig – ganz ohne gemeinsame Sprache: „Wir haben einen zweijährigen Sohn, die Tochter der Alraiss‘ ist eineinhalb. Sie spielen miteinander, lieben sich heiß.“
Aladin Nakshbandi
In Österreich hat er mit seiner Familie Schutz vor dem syrischen Bürgerkrieg gefunden
FOTOS: WWW.WEINFRANZ.AT
D
er syrische Bürgerkrieg vertrieb Aladin Nakshbandi und seine Familie aus ihrem Heimatland. „Die Lage war sehr ernst“, sagt der Entwicklungsmanager. „Wir haben alles hinter uns gelassen: Unsere Familie, Freunde, unser Haus und unsere Karrieren.“ Nun bauen die Nakshbandis sich ein neues Leben in Österreich auf. Besonders rasch ist der Neustart den fünf Kindern geglückt. In der Schule fanden sie rasch Anschluss. „Sie haben so schnell Deutsch gelernt, da komme ich als Vater gar nicht mit“, sagt Nakshbandi lächelnd. „Außerdem haben sie alle gute Noten, darauf bin ich besonders stolz.“ Er ist dankbar für die Aufnahme in Öster reich: „Mir wurde hier sehr geholfen.“ Sein Motto für ein gutes Zusammenleben: „Es ist wichtig, die Bräuche und Sitten gegenseitig zu respektieren.“
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Aladin Syrer andi, akshb
Zusammen:Österreich
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SCHWERPUNKT: FLÜCHTLINGE
Kurzporträts
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Ordensschwester Anna
Die Franziskanerin betreut und unterstützt Frauen, die Opfer von Ausbeutung wurden
E
tliche Frauen, die vor Krieg und Gewalt in ihrem Heimatland fliehen, geraten an die Falschen“, sagt Ordensschwester Anna. „Sie werden mit falschen Versprechen nach Österreich geschleppt und hier ausgebeutet.“ Im Verein SOLWODI, der von Schwestern unterschiedlicher Gemeinschaften geführt wird, kümmert sich die Franziskanerin um Opfer von Menschenhandel und Prostitution. „Unser Ziel ist, dass die Frauen den Weg in ein normales Leben finden“, sagt Anna. Sie erhalten etwa einen Deutschkurs sowie Hilfe bei der Arbeitssuche. „Viele, die wir früher betreut haben, leben heute allein und sind normal berufstätig.“ Anna sieht sich als Ordensschwester und Sozialarbeiterin: „Gott hat jeden Menschen dazu erschaffen, sein Glück zu finden. Denen, die keinen guten Start im Leben hatten, möchte ich helfen.“
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Alles über Treffpunkt Deutsch
finden Sie auf www.integrationsfonds.at/ treffpunkt-deutsch
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Zusammen:Österreich
Christian Schüller
Der ORF-Journalist will Flüchtlingen langfristig weiterhelfen – und übt daher mit ihnen Deutsch
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ie große Flüchtlingsbewegung nach Europa hat Christian Schüller nicht überrascht. Der langjährige ORF-Korres pondent in der Türkei kennt die Lage in Syrien nur zu gut. „Millionen Menschen sind dort auf der Flucht vor dem Krieg. Es war nur eine Frage der Zeit, bevor sie Schutz in Europa suchen.“ Schüller entschloss sich, persönlich aktiv zu werden. „Die akute Versorgung ist wichtig. Aber ich will etwas tun, das den Menschen langfristig weiterhilft.“ Das tut Schüller nun als Deutschtrainer bei der ÖIF-Initiative Treffpunkt Deutsch. Freiwillige unterstützen dort Zuwanderer und Flüchtlinge ergänzend zu einem Kurs beim Erlernen der Sprache. „Viele haben außerhalb meiner Stunde niemanden, mit dem sie Deutsch sprechen können“, sagt Schüller. „Dabei hilft gerade das Üben im Alltag.“
FOTOS: WWW.WEINFRANZ.AT
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In den 80er Jahren gab e Flüchtlinge s für w Beratungss eder te noch Infom llen aterial. Peter Beňovs ký,
aus der Tsch echoslowak ei geflohen
Peter Benovský
Als er aus der Tschechoslowakei nach Österreich floh, war von Integration noch keine Rede
V
or dreißig Jahren war alles anders, sagt Peter Be novský. ˇ Damals floh der Filmschaffende mit Frau und Kind aus der Tschechoslowakei nach Österreich. „Wir waren mit vielen Dissidenten befreundet“, erinnert er sich. „Die Polizei hat uns täglich beobachtet und bei jedem Schritt überwacht.“ In Wien war es für die Neuankömmlinge nicht leicht. „Von Integration war damals keine Rede. Es gab weder Beratungsstellen noch Infomaterial“, erinnert sich Be novský. ˇ Die wenigen Deutschkurse waren mangels staatlicher Unterstützung unerschwinglich. All das habe sich heute glücklicherweise verbessert, sagt Be novský, ˇ ebenso die Stimmung in der Gesellschaft. „Früher wurde über Zuwanderer nur als Opfer oder Täter diskutiert. Heute verläuft die Debatte konstruktiver.“
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SCHWERPUNKT: FLÜCHTLINGE
A R G UM E NTAT I O NS HI LF E
Fakten statt Hörensagen
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Bevölkerung: Sieben von zehn sind zwischen 16 und 46 Jahre alt. Rund drei Viertel sind männlich.
Wer über Flüchtlinge spricht, trifft oft auf Ängste und Unsicherheit.Wir liefern die wichtigsten Fakten für eine Versachlichung. TEXT
Julian Unger
D
iskussionen über Flüchtlinge bestimmen derzeit Stammtische, Büros und Freundeskreise. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten für eine konstruktive Debatte zusammengetragen.
1. Zehntausende Menschen kommen
nach Österreich.Warum? Die drei größten Gruppen an Flüchtlingen, die derzeit nach Österreich kommen, stammen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. In allen drei Ländern toben seit vielen Jahren blutige Kriege. Gleichzeitig kommen auch viele Menschen nach Österreich, bei denen keine anerkannten Asylgründe vorliegen.
2.
Haben wir schon jemals so viele Flüchtlinge aufgenommen wie heute? 2014 und 2015 sind es zusammen rund 123.000 Menschen, die als Flüchtlinge nach Österreich gekommen sind. Sowohl im Zuge der Ungarnkrise 1956 als auch
020
Zusammen:Österreich
nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 bot unser Land mehr Menschen Schutz, konkret rund 180.000 bzw. 162.000. Sie zogen allerdings größtenteils weiter oder kehrten in ihre Heimatländer zurück. Im Lauf der Jugoslawienkriege der 90er-Jahre bot Österreich geschätzt 115.000 Menschen aus Kroatien, Bosnien und dem Kosovo Schutz. Rund die Hälfte blieb dauerhaft in unserem Land. Bei den Menschen, die aktuell aus Kriegsgebieten nach Österreich kommen, ist derzeit noch offen, wie viele von ihnen dauerhaft im Land bleiben und damit integriert werden müssen.
3. Werden alle dauerhaft in Österreich
5. Und ihr Bildungsstand? Sind das
Fachkräfte oder Analphabeten? Vermutlich weder noch. Genaue Angaben sind schwierig, da viele Flüchtlinge über keine Dokumente verfügen. Vermutlich ist ihr Bildungsniveau im Schnitt aber niedriger als das der österreichischen Bevölkerung. Als am relativ höchsten qualifiziert gelten die Syrer. In jedem Fall gilt: Voraussetzung für die Integration und ein selbstständiges Leben in Österreich ist der rasche Eintritt in den Arbeitsmarkt.
bleiben? Nein. Langfristig bleiben darf nur, wer Asyl erhält. Dafür müssen die Betroffenen glaubhaft machen, dass sie verfolgt werden oder Verfolgung fürchten müssen. Für 2015 wird erwartet, dass zwischen 11.000 und 18.000 Menschen Asyl oder vorübergehenden Schutz gewährt bekommen. In den letzten Jahren waren es meist nur 3.000 oder 4.000. Die Zahl der Menschen, die dauerhaft in Österreich bleiben werden, steigt also – und ihre Integration wird ein zentrales Thema für unsere Gesellschaft.
4. Was wissen wir über diese Menschen? 6. Was ist nötig, damit die IntegratiDie wichtigsten Eckdaten: Die drei größten Gruppen stammen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. Sie sind im Schnitt wesentlich jünger als die einheimische
on der Flüchtlinge gelingt? Das Um und Auf sind Deutschkenntnisse. Wer die Sprache spricht, kann Kontakte knüpfen, Freundschaften schließen, einen
FOTOS: WIKIMEDIA/RALF ROLETSCHEK, WIKIMEDIA/MANFRED WERNER, FLICKR/FRANZ JOHANN MORGENBESSER, FLICKR/BERLIN BEYOND; ILLUSTRATIONEN: MATTHIAS MOSER
Faktensammlung
SCHWERPUNKT: FLÜCHTLINGE
Erfolgsbeispiele
ME NSCHE N Job finden, kurz: sich in die Gesellschaft einbringen. Die Bundesregierung finanziert aktuell 10.000 zusätzliche Deutschkursplätze, auch andere Akteure wie das AMS oder die Stadt Wien bauen ihr Angebot aus. Der entscheidende nächste Schritt ist der Einstieg in den Arbeitsmarkt, um auf eigenen Beinen stehen zu können. Kinder profitieren sprachlich und sozial von einem raschen Start ins Bildungssystem: In den Kindergärten gibt es spezielle Sprachförderung. Für Schüler ist jede Unterstützung wertvoll, die über den Regelunterricht hinausgeht, etwa in Lern cafés der Caritas, durch engagierte Privatpersonen oder lokale Initiativen.
7. Warum kommen alle ausgerechnet
zu uns? Am Beispiel Syrien zeigt sich, dass die meisten Menschen in andere Landesteile flüchten. Vier Millionen Syrer haben bisher das Land verlassen; die meisten von ihnen fanden in Nachbarländern Zuflucht, also im Libanon, der Türkei, Ägypten, Jordanien und dem Irak. Nach Europa kamen heuer allein über das Mittelmeer rund 870.000 Flüchtlinge - knapp die Hälfte davon aus Syrien. Allein im September und Oktober kamen 350.000 Flüchtlinge in unser Land, rund 17.000 von ihnen stellten einen Asylantrag. Der Großteil reiste weiter, die meisten von ihnen nach Deutschland und Skandinavien. Für das gesamte Jahr 2015 geht man von 95.000 Anträgen in Österreich aus.
Geflüchtet und erfolgreich Etliche österreichische Prominente kamen ursprünglich als Schutzsuchende in unser Land.
Zlatko Junuzović, Fußballer Kaum wo sind Leistungsträger mit Migrationshintergrund so sichtbar wie im Sport. Ohne sie hätte sich Österreich kaum für die Fußball-EM nächstes Jahr qualifiziert. Einer der Väter dieses Erfolgs ist ZLATKO JUNUZOVIĆ. Im Alter von fünf Jahren floh er mit seinen Eltern vor dem Krieg im bosnisch-serbischen Grenzgebiet. Auch MIRNA JUKIĆ, die für Österreich mehrere Europameis tertitel und eine Olympia-Medaille gewann, wurde als Kind innerhalb Kroatiens vertrieben, bevor ihre Familie nach Nina Kusturica, Wien auswanderte. Gar erst zwei Jahre Regisseurin alt war ALI MAHLODJI, als seine Eltern den Iran aus politischen Gründen verlasAmina Dagi, sen mussten. Er gründete die erfolgMiss Austria reiche Karriereplattform watchado. com. Ebenfalls im Kindesalter kam AMINA DAGI nach Österreich. Das in Dagestan geborene Model wurde 2012 zur Miss Austria gekürt. Mehrfach ausgezeichnet wurde auch der gebürtige Bulgare DIMITRÉ DINEV für seine Romane, Erzählungen und Theaterstücke. Im Film zu Hause ist NINA KUSTURICA. Die Regisseurin floh als Jugendliche aus Bosnien. Aus dem Fernsehen bekannt ist PAUL LENDVAI. Im Ungarn der 1950er poIoan Holender, litisch verfolgt, kam der Journalist Operndirektor nach Österreich. Zur selben Zeit und aus ähnlichen Gründen wurde der Student und Aktivist IOAN HOLENDER von den Hochschulen Rumäniens ausgeschlossen und emigrierte schließlich. In Wien leitete er lange Jahre die Staatsoper.
Zusammen:Österreich
021
MENSCHEN UND PROJEKTE
Angebote für Schulen
n im a t i o m e r. r g I n t e s e n z i me , T i p p s : g s K l a o r s c h l ä n ge n a n V fe h l u E m pagazin@nds.at und m n s fo i n te
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F IL M - W O R K SHO P S
Integration im Klassenzimmer Wie Filme im Unterricht wertvoll eingesetzt werden, zeigt das Projekt KIMIK - Kino mit Klasse.
UNTERRICHTSMATERIAL
WIE ES IST, FLÜCHTLING ZU SEIN Alle reden über Flucht und Asyl, doch wie das Thema im Unterricht richtig aufgreifen? Eine Möglichkeit bieten die Kurzfilme, die das UNOFlüchtlingshilfswerk UNHCR auf der DVD „Flüchtlinge schützen“ herausgebracht hat. Vom Volksschüler bis zur Studentin ist für alle etwas dabei. Einige Filme stellen Kinder und Jugendliche vor, die nach Österreich oder Deutschland geflohen sind, andere zeigen die Situation vor Ort in Krisengebieten oder erzählen die Geschichte von UNHCR. Begleitendes Unterrichtsmaterial ist ebenfalls enthalten. Die DVD „Flüchtlinge schützen“ ist auf www.unhcr.at Service Bildungsmaterialien kostenlos bestellbar. Dort sind alle Filme auch online frei verfügbar.
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Zusammen:Österreich
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Ein guter Film weckt Emotionen und verstärkt so den Lernprozess.
n der letzten Schulwoche Mercedes Echerer, schwarze Löwe“ über einen Film schauen, um Projekt Kino mit Klasse afrikanische Flüchtdie Zeit bis zum Ferienbelinge, die einem kleiginn totzuschlagen? Nicht mit Mercedes nen österreichischen Fußballverein kurzEcherer. „Film kann ein wertvolles Hilfs- zeitig zu ungeahntem Erfolg verhelfen, mittel für den Unterricht sein“, sagt die wird beispielsweise über Vorurteile diskuSchauspielerin. Wie sie sich das vorstellt, tiert. „Nach einem dieser Workshops hat zeigt Echerer im von ihr initiierten Projekt mir ein Lehrer geschrieben, dass der Kino mit Klasse, kurz KIMIK. Klassen al- nächste Geografie-Test über Afrika so gut ler Schultypen und Altersstufen können ausgefallen ist wie sonst keiner in seiner Thementage mit Titeln wie „Perspektive Laufbahn“, erzählt Echerer. Afrika“ oder „Die vielen Gesichter des Islam“ buchen. Zuerst wird ein Spielfilm WORKSHOP-ANMELDUNG MÖGLICH gezeigt, dann das Thema in einem Work- „Ein guter Film weckt Emotionen. Richshop gemeinsam mit Experten vertieft. tig eingesetzt, verfestigt er den Lernpro„Die Lehrer erhalten außerdem Materi- zess und verbessert die schulischen Eralien zur Nachbereitung der Workshops“, folge.“ Einen Thementag buchen können sagt Echerer. Auf Basis des Films „Der Sie über www.kimik.at.
MENSCHEN UND PROJEKTE
Wissenswertes
B E G R I FFE M I T M I G R AT I O N S H IN T E R G R U N D
Wortwanderung Begriffe, die in den deutschen Sprachraum ein- oder aus diesem ausgewandert sind.
Pingelig ist eine pedantisch genaue Person. Eine von mehreren Theorien über die Herkunft leitet das Wort vom französischen épingle für Nadel her. In Frankreich gilt, wer übermäßig fein angezogen ist, als tiré à quatre épingles – mit vier Nadeln glattgezogen. Aus schlampig wird in österreichischer Umgangssprache schlampat – und auf Rumänisch șlampăt. Im Hebräischen wiederum ist ein unor-
dentlicher Mensch ein schlumper. Die Schublade dient der Ordnung in Kasten und Schreibtisch. Auf Polnisch erfüllt sie ihre Aufgabe als szuflada. Der Anorak schützt vor Wind und Wetter. Erfunden wurde er in Grönland, wo er auch seinen Namen herhat. In Kalaallisut, einer Inuit-Sprache, heißt annoraaq wörtlich „etwas gegen den Wind“.
Gratis-Abo ZUSAMMEN:ÖSTERREICH erscheint vierteljährlich und ist für alle Interessierten kostenlos im Abonnement erhältlich.
Der Kran, der als Spielzeug Kinderherzen höherschlagen lässt, ist seit der Antike bekannt. Mit starrer Säule und beweglichem Arm erinnerte er die Menschen an einen stehenden Vogel – den Kranich. Bereits auf Altgriechisch bezeichnete bzw. géranos Federtier und Hebewerkzeug gleichermaßen. Die Namensgleichheit findet sich heute in vielen Sprachen.
K we i t e n n e n S i e re B e mit M egri h i n t ei g ra t i o n f f e srg r Schr und?
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gelingen
HISCHE
SOMME 2015
ÖSTERREIC
FOTOS: KIMIK; ILLUSTRATION: NIEL MAZHAR
Das Chaos scheint in manchem Kinderzimmer unbezwingbar. Kein Wunder, ist es doch der Urzustand der Welt – zumindest für die alten Griechen. Allerdings bedeutet bzw. chásma Kluft oder leerer Raum, also das exakte Gegenteil der heutigen Bedeutung. Demnach war am Anfang das Nichts, welches sich nach und nach füllte. Noch in der Antike verschob sich die Bedeutung: Platon beschreibt das Chaos zu Beginn alles Daseins als wüstes Durcheinander. Das passt schon eher zu einem unaufgeräumten Zimmer.
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FREIWILLIG ENGAGIEREN – GUT ZUSAMMENLEBEN
In der Freizeit für das Miteinander: Was eine Vielzahl ehrenamtlicher Initiativen für erfolgreiche Integration leistet
03.06.2015
18:17:13 04.09.2015 11:06:41
Senden Sie Name und Adresse per Mail an magazin@integrationsfonds.at oder füllen Sie diesen Coupon aus und schicken Sie ihn in einem Kuvert an: Österreichischer Integrationsfonds, Redaktion ZUSAMMEN:ÖSTERREICH, Schlachthausgasse 30, 1030 Wien
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MENSCHEN UND PROJEKTE
Porträt
I NTEGR AT I O N S B O T S C H A F T E R IN
Daheim in Europa Frieden und Reisefreiheit sind für Veronika Rezic´ keine Selbstverständlichkeit. Umso engagierter vermittelt sie Schülern ihre Bedeutung. TEXT
Kristina Nedeljkovic´
N
ovska in Kroatien, Mattersburg im Burgenland, Graz in der Steiermark. An all diesen Orten ist Veronika Rezic´ zu Hause. Doch fragt man sie, als was sie sich fühlt, als Kroatin oder Österreicherin, schüttelt sie lächelnd den Kopf. „Lange Jahre wusste ich nicht, was ich auf diese Frage antworten soll“, sagt sie. „Heute sage ich stolz: Ich bin Europäerin.“ Am Anfang dieser Entwicklung stand ein Kulturschock.
DEUTSCH DANK 1.000 BÜCHERN Rezic´ war fünf Jahre alt, als sie den großelterlichen Bauernhof in Kroatien hinter sich ließ und den Eltern folgte, die aus beruflichen Gründen ins Burgenland gezogen waren. „Plötzlich musste ich in den Kindergarten gehen. Ich kannte dort niemanden und niemand sprach mit mir“, erinnert sie sich. „Ich dachte zuerst, die anderen Kinder mögen mich nicht. Dann realisierte ich, dass sie mich einfach nicht verstanden.“ Die Sehnsucht danach, Anschluss zu finden, motivierte Rezic´, so rasch wie möglich Deutsch zu lernen. Zum Glück hatte sie, unterstützt von den Eltern, bereits lesen gelernt. „Ich habe ein Buch nach dem anderen ver schlungen und so mein Deutsch verbessert“, erinnert sie sich. Noch heute hängt in der
024
Zusammen:Österreich
Eine europäische Identität hilft gerade Jugendlichen, die zwischen zwei Ländern hin- und hergerissen sind, meint Veronika Rezić.
FOTOS: ÖIF/UNGER
MENSCHEN UND PROJEKTE
Porträt
Wer Krieg erlebt hat, weiß das Friedensprojekt Europa zu schätzen.
bot A n g eü r
f n le Schu SERVICE
Wohnung ihrer Eltern Friedensprojekt EuroVeronika Rezić, eine Urkunde, die bestä- Integrationsbotschafterin pa zu schätzen.“ Datigt, dass die kleine Verorüber diskutiert Rezic´ nika während ihrer Volksschulzeit 1.000 seit kurzem regelmäßig mit Jugendlichen. Bücher gelesen hat. Doch auch ihre Mut- Als eine von 25 „Integrationsbotschaftern tersprache kam nicht zu kurz. Der Volks- für Europa“ spricht sie bei Schulbesuchen schuldirektor organisierte aus eigenem nicht nur über ihre Herkunft und ihr LeAntrieb Kroatisch-Förderstunden für Re- ben in Österreich, sondern auch über ihre zic´, ergänzend zum Regelunterricht. Spä- Haltung zur EU. ter, im Gymnasium, ermöglichten engagierte Lehrer dasselbe. „Ohne diese Un- SUCHE NACH IDENTITÄT terstützung hätte ich meinen heutigen Job Um Schülerinnen und Schülern die Vorwohl nicht“, meint die Universitäts-Lehr- teile der europäischen Integration näherbeauftragte für Bosnisch, Kroatisch und zubringen, erzählt Rezic´ von ihrer KindSerbisch. heit: Nach dem Krieg sei die Familie häufig die Großeltern besuchen gefahren, die GEGEN KRIEG, FÜR EUROPA nach Kroatien zurückgekehrt waren. „Beim Rezic´ hatte sich in Mattersburg gerade Abschied hat uns die Oma immer große eingelebt, als in ihrem Heimatland der Mengen an Eiern und Fleisch vom BauKrieg ausbrach. Direkt am Wohnort ihrer ernhof mitgegeben. Und der GrenzbeamFamilie tobten die Kämpfe. Die Großel- te hat uns beides, wenn wir Pech hatten, tern, Tanten und Onkeln – alle mussten wieder weggenommen und das gute Essen fliehen. Sie fanden Aufnahme bei den aus- weggeworfen.“ Das Verbot, Nahrungsmitgewanderten Verwandten im Burgenland. tel von einem Land ins andere zu trans„Wir lebten zeitweise zu acht oder neunt portieren, erscheint heutigen Jugendlichen in unserer kleinen Wohnung mit nur höchst kurios, erzählt Rezic´. „Dabei ist einem Schlafzimmer“, erinnert sich Rezic´. das nur wenige Jahre her.“ Offene Gren„Mich hat das als Kind nicht gestört, zen, Reisefreiheit und Weltoffenheit: Diese denn es bedeutete, dass alle in Sicherheit Werte sind es, die sie heute zur stolzen sind.“ Damals, meint sie heute, habe sie Europäerin machen. „Gerade Kinder mit zum ersten Mal verstanden, was Europa Migrationshintergrund fragen sich oft, wo bedeute. „Meine Familie fand in einem sie dazugehören. Eine europäische Identität anderen Land Schutz, als sie das brauch- kann ihnen helfen“, meint Rezic´. „Denn te. Das ist für mich Europa.“ Nach Ende wer Europäerin ist, muss sich nicht mehr des Kriegs kehrten die Verwandten nach zwischen zwei Ländern entscheiden.“ Kroatien zurück, doch Rezic´’ Einstellung geboren in blieb. Die Europäische Union (EU), ist sie Veronika Rezić (30) Novska, Kroatien, ist Lehrbeauftragte überzeugt, ist der beste Schutz vor neuen an der Universität Graz für Bosnisch, Kriegen. „Wer Krieg erlebt hat, weiß das Kroatisch und Serbisch.
DIE INTEGRATIONSBOTSCHAFTER
„ZUSAMMEN: ÖSTERREICH“ ist nicht nur der Name dieses Magazins, sondern auch eines Projekts von Integrationsminister Sebastian Kurz und dem Österreichischen Integrationsfonds. Mehr als 350 gut integrierte Migranten besuchen als Integrationsbotschafter Schulen in ganz Österreich, um ihre persönliche Erfolgsgeschichte zu erzählen und mit den Kindern und Jugendlichen zu diskutieren. 45.000 Schüler profitierten bisher davon. Das Projekt läuft seit drei Jahren und konnte die Zahl der Integrationsbotschafter seither verdreifachen. In mehreren Ausbaustufen wurden die Themen Ehrenamt, Bildung und Identität aufgegriffen. Seit 2015 vermitteln 25 „Integrationsbotschafter für Europa“ außerdem den Wert der Europäischen Integration. www.zusammenoesterreich.at
Zusammen:Österreich
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MENSCHEN UND PROJEKTE
Aktuelles
NEUES V O M Ö S T E R R E IC H I S C H E N IN T E G R AT IO N S F O N DS ( Ö I F)
Integration aktuell
BUNDESLÄNDER: Derzeit kommen viele Menschen aus Kriegsgebieten nach Österreich. Was können wir alle tun, um sie rasch zu integrieren? Dieser Frage gingen im Oktober und November Podiumsdiskussionen in Klagenfurt, St. Pölten (Foto), Linz, Innsbruck, Wien, Salzburg und Graz nach.
WIEN: Unterstützung für engagierte Studierende bietet das Liese Prokop Stipendium der ZUSAMMEN:ÖSTERREICH Akademie. Im aktuellen Studienjahr werden 34 Stipendiaten aus 18 Ländern gefördert. Sie erhalten 300 Euro monatlich sowie die Kosten für Studien- oder Nostrifikationsgebühren. Die Verleihung fand am 16. Oktober im Integrationsministerium statt.
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Zusammen:Österreich
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DEZEMBER
WIEN: Mit Fußball zu einem besseren Zusammenleben: Das ist das Ziel der Aktion „Teamplay ohne Abseits“, die Integrationsministerium, ÖIF, ÖFB und Bundesliga am 18. November starteten. Fünfzig Fußballspieler und –spielerinnen mit Migrationshintergrund werden zu Integrationsbotschaftern geschult und halten Workshops für Vereine und Nachwuchsteams.
NOVEMBER
FRANKREICH: Integration ein Gesicht geben: Das tun die Integrationsbotschafter von ZUSAMMEN:ÖSTERREICH. Auf Einladung von Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve stellten Just Agbodjan Prince (3. von rechts) und Mehmed Alajbegović (links) sowie ÖIF-Vertreter die Initiative am 21. und 22. Oktober in Paris vor.
OKTOBER
TIROL: Bei der ÖIF-Initiative „Treffpunkt Deutsch“ üben Freiwillige mit Flüchtlingen und Zuwanderern ihre Sprachkenntnisse – kostenlos und ergänzend zu einem Kurs. Im Oktober starteten Lerngruppen auf unterschiedlichen Niveaus am Integrationszentrum Tirol. Damit ist Treffpunkt Deutsch an allen ÖIFStandorten verfügbar.
FOTOS: WWW.WEINFRANZ.AT, ÖIF, ISTOCK, ADA
NIEDERÖSTERREICH: Die Herausforderungen im Integrationsbereich steigen und der ÖIF baut seine Infrastruktur aus. Im November nahm ein neues Inte grationszentrum in St. Pölten den Betrieb auf. Am dortigen Welcome Desk erhalten Flüchtlinge, Zuwanderer und Einheimische ab sofort Beratung und Unterstützung. Das neue Integrationszentrum ist das siebente in Österreich.
Alle ÖIFA finde ktivität n Sie en www .inte auf gratio
MENSCHEN UND PROJEKTE
Projektporträt
EN G A G I E R E N G E G E N A R M U T
Damit weniger Menschen fliehen müssen Wer heute in Entwicklungsländern die Armut bekämpft, verhindert morgen Flüchtlingskrisen.Wie wir alle mithelfen können, zeigt eine neue Initiative.
A I n f o sl l e auf:
www. entw mitm icklung.a achen t/
Ein gutes Leben für alle Menschen ist das Ziel von Entwicklungszusammenarbeit.
esse aller Beteiligten. Dieses Ziel verfolgt die Austrian Development Agency (ADA), die Agentur der Österreichischen Entwicklungs zusammenarbeit. In der neuen Initiative „MIT-
N
MACHEN! Österreich weltweit engagiert“
eben Krieg und Verfolgung ist ruft sie gemeinsam mit dem Außenminies oft auch materielle Not, die sterium Privatpersonen, BildungseinrichMenschen dazu zwingt, ihr Hei- tungen, Gemeinden, Vereine und Untermatland zu verlassen. Flucht nehmen dazu auf, sich einbringt für die Betroffenen Jeder Einzelne zubringen. „Jeder Einzelne die Gefahren einer Reise kann etwas kann etwas beitragen, dains Ungewisse mit sich – beitragen, mit die Welt in Zukunft für und für die Aufnahmelän- damit die Welt alle Menschen ein gutes der große Herausforderungen Leben bietet“, sagt ADAin Zukunft für bei der Versorgung und InteGeschäftsführer Martin alle Menschen gration. Ledolter. „Deshalb zeigen ein gutes wir Möglichkeiten auf, wie ALLE KÖNNEN ETWAS TUN Leben bietet. sich die Österreicher engaDie weltweite Armut zu beMartin Ledolter, gieren können.“ Die Vorkämpfen ist daher im Inter- ADA-Geschäftsführer schläge reichen von be-
wusstem Einkaufen über Workshops an Schulen bis hin zu Auslandsinvestitionen durch Unternehmen, die die ADA unter bestimmten Voraussetzungen auch finanziell fördert.
SIEBZIG NEUE FREIWILLIGENPLÄTZE Zentral ist auch das Engagement direkt vor Ort. Gerade junge Menschen interessieren sich oft für Freiwilligeneinsätze in Lateinamerika, Afrika oder Asien, ob für einen Monat während der Sommerferien oder als längere Volontariate oder Praktika. Siebzig zusätzliche Plätze stellt die ADA nun im Rahmen von MITMACHEN! zur Verfügung. Die Unterstützung umfasst Organisation, Finanzierung, Vorbereitung und Nachbetreuung. So können sich junge Menschen engagieren und zugleich ihren Horizont erweitern.
Sie wollen sich an der Initiative MITMACHEN! beteiligen? Alle Infos unter www.entwicklung.at/mitmachen
KURZ GEMELDET
DEUTSCHLERNEN IM AUSLAND
Kurse für alle Alters- und Niveaustufen sowie Fachsprachkurse bietet das Österreich Institut. Standorte sind in Belgrad, Budapest, Bratislava, Brünn, Laibach, Rom, Warschau, Krakau und Budapest. Die Zertifikate sind international anerkannt. www.oesterreichinstitut.at
ENGAGIERTE SCHÜLER FÖRDERN
Das START-Stipendium unterstützt Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund aus wenig privilegierten Familien, die sich zur Matura hocharbeiten wollen, mit Zuschüssen zu Bildungsausgaben, Seminaren und Coachings. www.start-stipendium.at
VON UND FÜR TSCHETSCHENEN
Über Tschetschenen gibt es viele Klischees. Für einen besseren Ruf ihrer Gruppe setzen sich erfolgreiche Vertreter im Verein „Toleranz“ ein. Sie bemühen sich um eine bessere Integration ihrer Landsleute – etwa durch Bildungsberatung für Kinder und Jugendliche. www.toleranzpro.at
Zusammen:Österreich
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MENSCHEN UND PROJEKTE
Integrationspreis Sport
V O R ZEI G E P R O J E K T
Mit Disziplin und Respekt Wer gemeinsam sportelt, lebt auch gut zusammen. Das zeigen ein Wiener Rugbyteam aus Flüchtlingen und Einheimischen und elf weitere Projekte, die den Integrationspreis Sport erhalten haben. TEXT
Valentin Schwarz
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MIT SPORT BRÜCKEN BAUEN Das Besondere: Richson setzt die RugbyWerte auch für die Integration von Zuwanderern und Flüchtlingen ein. Gemeinsam mit rund zehn anderen Ehrenamtlichen der Rugby Union Donau Wien baute er ein Team mit Jugendlichen aus Afghanistan, Syrien, Somalia und Öster-
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Zusammen:Österreich
Beim Rugby ist egal, wo jemand herkommt, wie er aussieht, ob er groß, klein, dick oder dünn ist. Udochuku Richson, Projektleiter Rugby Open Borders
Sports Brücken bauen und kulturellen Austausch ermöglichen.“
ZWÖLF PROJEKTE AUSGEZEICHNET reich auf. Rugby Opens Borders, Rugby öffnet Grenzen, lautet der Name. „Die meisten kannten Rugby anfangs nicht. Doch schon nach dem ersten Probetraining hat sie der Zauber gepackt“, erzählt Richson. Heute treffen sich rund 30 Jugendliche regelmäßig, um gemeinsam dem spitzen Ball hinterherzujagen. Neben dem Sport wird zusammen gekocht, außerdem gibt es Workshops zu Themen wie Fitness oder Ernährung und Ausflüge. „So lernen die Spieler zugleich die österreichische Gesellschaft besser kennen“, sagt Richson. „Wir wollen mithilfe des
Für das außergewöhnliche Engagement erhielt Rugby Opens Borders dieses Jahr als einer von insgesamt zwölf Siegern den Integrationspreis Sport verliehen. Mit insgesamt 15.000 Euro zeichnet er Projekte aus, die das Miteinander von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund im Sport fördern. „Das ist eine wirklich schöne Anerkennung für die Arbeit, die wir alle in unserer Freizeit leisten“, freut sich Richson. „Hoffentlich können wir damit andere inspirieren, dass sie gerade in der aktuellen Situation einen Unterschied machen können.“
FOTO: NADINE STUDENY, ELIA ZILBERBERG
en Ball fangen, übers Spielfeld stürmen, zu Boden gerissen werden, im Schlamm landen – Rugby gilt vielen als brutaler Sport. Nicht so Udochuko Richson: „Rugby ist in erster Linie ein besonders sozialer Sport“, sagt der ehemalige Nationalspieler, Sohn österreichisch-nigerianischer Eltern und Gründer eines Teams aus Flüchtlingen und Einheimischen. Disziplin, Respekt und Toleranz sind Teil des Rugby-Ehrenkodex, der Mannschaften weltweit heilig ist, erklärt Richson. „Das Spiel lebt vom Teamgeist. Es ist egal, wo jemand herkommt, wie er aussieht, ob er groß, klein, dick oder dünn ist.“ Rassismus, in anderen Sportarten noch immer nicht überwunden, sei im Rugby tabu. „Früher habe ich Fußball gespielt, da war meine Hautfarbe öfter ein Thema“, sagt Richson. „Im Rugby ist das noch nie passiert.“
MENSCHEN UND PROJEKTE
Termine
TERMINE
SALZBURG: Alles, was sie über Asyl, Zuwanderung und Integration wissen müssen, erfahren Redakteure und Medienmacher beim Workshop des ÖIF und Kuratoriums für Journalistenausbildung www.kfj.at DEZEMBER
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Jugendliche aus Ländern wie Afghanistan, Syrien, Somalia und Österreich sind in Udochuku Richsons (rechts) Rugbyteam aktiv.
AUF EINEN BLICK
PREIS: Integrationspreis Sport PREISGELD: Insgesamt 15.000 Euro SIEGER: Birol Yilmaz, Rugby Union Donau Wien, Kneipp Aktiv Club Höchst, Muslimische Jugend Österreich, Verein Akasya, MFFV 23, Caritas Graz, FK Rüdengasse, United in Cycling, Austrian College Sports League, DSG Union Haid, VS Ratten KOOPERATIONSPARTNER: Integrations- und Sportministerium, Bundes-Sportorganisation, Städtebund, Coca-Cola WEITERE INFOS: www.integrationsfonds.at/sport
WEITERE ANGEBOTE: Workshops in Fußballvereinen für ein gutes Zusammenleben bietet die Aktion „Teamplay ohne Abseits“ von ZUSAMMEN:ÖSTERREICH. Fußballer und Fußballerinnen mit Migrationshintergrund kommen als Integrationsbotschafter zu Besuch und arbeiten mit den Jugendlichen. www.zusammen-oesterreich.at Wichtige Begriffe von A wie Asyl bis Z wie Zweite Generation erklärt das Integrationsglossar des ÖIF. Es eignet sich unter anderem für Vereinsfunktionäre oder Pädagogen, die mit Kindern und Jugendlichen über Integration sprechen wollen. Kostenlos bestellen per Mail an pr@integrationsfonds.at
WIEN: Der Workshop „Erfolgreich in Wien: Chancen bei der Bildungs- und Berufswahl für Jugendliche mit Migrationshintergrund“ informiert über Erfolgsrezepte aus der Wirtschaft. 10:00 Uhr, Anmeldung und Info unter bildung@integrationsfonds.at JÄNNER
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WIEN: Der Workshop „Erfolgreich in Wien: Die richtige Ernährung für mein Baby und mich“ beantwortet die Fragen schwangerer Frauen, Mütter und Verwandter. 10:00 Uhr, Anmeldung und Info unter bildung@integrationsfonds.at FEBRUAR
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MENSCHEN UND PROJEKTE
Publikationen
Lisa Fellhofer weiß, warum Zuwanderer ihre Ausbildungen oft nicht anerkennen lassen.
A NER K E N NUNG S - S T U D IE
„Mitgebrachte Kompetenzen auch nutzen“ Zuwanderer und Flüchtlinge können ihre Qualifikationen oft nicht einsetzen. Ein neuer ÖIF-Forschungsbericht zeigt Gründe und mögliche Lösungen auf. TEXT
Valentin Schwarz
ie Juristin, die putzt. "Die Erfolgsaussichten Lisa Fellhofer, Leiterin Der Arzt, der Taxi des Teams Wissenssind dadurch für die Zufährt. Diese Zu- management des ÖIF wanderer oft nicht absehwanderer-Klischees sind albar", sagt Fellhofer. „So len bekannt – und der Realität oft allzu konzentrieren sie sich lieber darauf, kurznahe. „Migranten sind überdurchschnitt- fristig den Lebensunterhalt ihrer Familie lich oft unter ihrer Qualifikation beschäf- zu sichern, als langfristig ihren Beruf austigt“, sagt Lisa Fellhofer, Leiterin des üben zu können.“ Vor allem Menschen mit Teams Wissensmanagement des Österrei- Abschlüssen aus Nicht-EU-Staaten seien chischen Integrationsfonds (ÖIF). Die davon betroffen, so Fellhofer. „Die AnerFolgen sind gravierend, nämlich langfris- kennung ausländischer Abschlüsse sollte tig niedrigere Einkommen und ein höhe- vereinfacht und vereinheitlicht werden.“ res Risiko, arbeitslos zu werden.
FLUCHT OHNE ZEUGNISSE VERFAHREN OFT AUFWENDIG Acht von zehn Zuwanderern und Flüchtlingen lassen ihre Abschlüsse nicht anerkennen. Dafür ist oft nicht mangelnder Wille der Betroffenen verantwortlich, belegt ein Forschungsbericht, den der ÖIF, die Donau Universität Krems und das Forschungsinstitut abif erstellt haben. „Unsere Interviews zeigen, dass Migranten den großen Wunsch haben, in ihrem Beruf zu arbeiten“, sagt Fellhofer. Warum ihnen das oft nicht gelingt? Die Verfahren sind meist langwierig und aufwendig, zudem unterscheiden sich die Regelungen je nach Berufsfeld und Qualifikation stark.
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Zusammen:Österreich
Etliche Qualifikationen, die Menschen nach Österreich mitbringen, sind zudem mit traditionellen Methoden nicht bewertbar. Gerade Flüchtlinge mussten ihre Zeugnisse und Diplome häufig zurücklassen. „Für solche Fälle braucht es flexible Verfahren. Auch wenn diese rechtlich nicht bindend sind, können sie für den Einsatz auf dem Arbeitsmarkt ausreichend sein“, sagt Fellhofer. „Diese neuen Verfahren müssen noch breiter etabliert werden. Schließlich ist es in unser aller Sinn, wenn Menschen, die nach Österreich kommen, ihre mitgebrachten Kompetenzen auch nutzen können.“
WISSEN
KOSTENLOS BESTELLEN Der ÖIF-Forschungs bericht „Anerkennung von Qualifikationen. Fakten, Erfahrungen, Perspektiven“ wurde vom Österreichischen Integrationsfonds, der Donau Universität Krems und dem Forschungsinstitut abif erarbeitet. Er ist per Mail an pr@integrationsfonds.at kostenlos bestellbar.
FOTOS: ÖIF/UNGER, THINKSTOCK, ÖIF/SITO
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Die Anerkennung ausländischer Abschlüsse sollte vereinfacht und vereinheitlicht werden.
FORSCHUNG AKTUELL
FOKUS INTEGRATION
Der Österreichische Integrationsfonds (ÖIF) empfiehlt: Termine und Aktuelles rund um Integration und Migration LEHRGANG AB FEBRUAR: Wie kommuniziere ich richtig über die Kulturgrenzen hinweg? Wie führe ich in einem diversen Team von Mitarbeitern? Diese und viele andere Fragen beantwortet der Lehrgang „Transkulturelles Management“. Alle acht Module sind einzeln buchbar. Alle Infos zu Inhalten und Anmeldung finden Sie auf www.integrationsfonds.at Themen Weiterbildung
ÖIF-MONITOR JETZT ONLINE: Der ÖIF-Monitor informiert monatlich über aktuelle Entwicklungen im Migrationsund Integrationsbereich auf nationaler und internationaler Ebene. Bislang als PDF verschickt, erscheint er nun als Online-Magazin, ist damit leichter teilbar und bequemer durchsuchbar. Der ÖIF-Monitor ist auf www.integrationsfonds.at/ monitor frei verfügbar. Monatliche Updates können Sie unter monitor@integrationsfonds.at abonnieren.
Migrationsmanagement Master-Lehrgang
Jetz bewer t ben!
WIE MENTORING GUT FUNKTIONIERT: Über 1.200 Zuwanderer profitierten bisher vom ÖIF-Mentoring-Programm. Die Zufriedenheit ist hoch, wie eine Evaluierung zeigt. Wichtigster Erfolgsfaktor ist, dass Mentor und Mentee aus derselben Branche kommen. Unterschiede bei Alter, Geschlecht oder Herkunft spielen keine Rolle.
Know-How in sechs Semestern
Die Evaluierung von Erich Neuwirth ist als ÖIF-Dossier Nr. 36 erschienen und auf www.integrationsfonds.at Themen Publikationen ÖIF-Dossier frei verfügbar.
St. Virgil Salzburg und Österreichischer Integrationsfonds.
RASCH ZUR BERUFSANERKENNUNG: Damit die nach Österreich mitgebrachte Qualifikation hier auch gilt, ist oft viel Arbeit nötig (siehe Artikel links). Das in Deutsch/Englisch erschienene AnerkennungsABC dient als Wegweiser durch das Verfahren. Bestellen Sie das Anerkennungs-ABC kostenlos per Mail an pr@integrationsfonds.at oder laden Sie es auf www.integrationsfonds.at Themen Publikationen als PDF herunter.
Eine umfassende und fundierte Weiterbildung für die Bereiche Integration und Migration: Der Universitätslehrgang Migrationsmanagement bildet Sie berufsbegleitend zum Master of Advanced Studies (MAS) aus. Entwickler und Organisatoren: Universität Salzburg,
Bewerben Sie sich jetzt für den im März 2016 startenden sechssemestrigen Lehrgang. Der ÖIF vergibt Teilstipendien. Alle Infos dazu und zum Lehrgang insgesamt unter www.migrationsmanagement.at
MENSCHEN UND PROJEKTE
Unterhaltung
„Leben wird nicht gemessen an der Zahl von Atemzügen, die wir nehmen; sondern an den Momenten, die uns den Atem nehmen.“
MAYA ANGELOU
Welches Wort suchen wir?
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u en! n w e g in
Lösen Sie das Rätsel und gewinnen Sie eine DVD des Films „Macondo“, der die Geschichte von Ramasan erzählt, einem elfjährigen tschetschenischen Flüchtling in Wien. Alle Teilnahmeinfos finden Sie auf www.integrationsfonds.at/ gewinnspiel
Der Ski muss doch ein Österreicher sein – oder? Leider falsch. Österreich und die Schweiz haben zwar die höchste Skifahrer-Dichte , doch die Hänge hinabgekurvt wird hier erst seit rund 130 Jahren. Die dafür nötigen Latten sind
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Zusammen:Österreich
Zugewandert: der Ski fast hundertmal so alt. Vor rund 10.000 Jahren wurde der Ski erfunden, sagt die Forschung – und zwar im chinesischen Altai-Gebirge. Mit uigurischen Migranten, heißt es, kam er nach Skandinavien. Tausende Jahre lang zur Fortbewegung verwendet, etwa von Jägern oder Soldaten, wurde der Ski im 19. Jahrhundert zum Sportgerät. Der Norweger Sondre Norheim band als erster Stiefel und Latte zusammen, gilt als Vater der Bindung. Fortan waren Schwünge und
Sprünge ohne Skiverlust möglich. Ganz auf die Abfahrt zugeschnitten war schließlich der vom Niederösterreicher Mathias Zdarsky erfundene Alpinski. Er war kürzer als sein nordischer Verwandter und mit Fersenbindung versehen. Nach 1945 wurde Skifahren zum Massensport, die Geräte immer ausgefeilter. Das erste Patent für einen stark taillierten Ski, Vorläufer des heutigen Carver, stammt von Zvone Debeljak – einem Slowenen.
FOTOS: ISTOCKPHOTO.C0M/SIHUO0860371
ags Allt ände t ens ons g e g i g ra t i n d M u r t m i n te rg hi
MENSCHEN UND PROJEKTE
Zusammen:Genießen
„Linsensuppe ist ein tolles Winteressen, sie gibt Kraft und wärmt den Körper von innen“, sagt Moh El Hamdaoui. „Alle lieben sie und simpel zu kochen ist sie außerdem.“ Vielmals täglich kredenzt er die Linsensuppe den Gästen in seinem Restaurant „Le Petit Maroc“, das kleine Marokko.
G A S T FR E U ND S C H A F T
Ein Winter voll marokkanischer Wärme Warum Sie eine Linsensuppe unbedingt mit roten Linsen zubereiten sollten, verrät Moh El Hamdaoui. TEXT
Aleksandra Klepi c´
„Minze, Kreuzkümmel, Koriander: Erst durch die Gewürze wird die Linsensuppe richtig marokkanisch“, sagt El Hamdaoui. Verfeinert wird sie mit Zitronensaft und einem Klecks Joghurt. Und die Hauptzutat? „Unbedingt rote Linsen verwenden“, meint der Gastronom. „Sie geben der Suppe ein feineres Aroma und die schöne gelbe Farbe.“ Die in Österreich beliebten braunen Hülsenfrüchte verwendet er höchstens für Eintopf. „Rote Linsen haben noch einen Vorteil: Sie müssen nicht eingeweicht werden. Die Zubereitung geht also schneller.“ LINSENSUPPE: 1. Zwiebel und Knoblauch würfeln, in Butterschmalz glasig dünsten. 200 g Linsen, grob gehacktes Suppengrün und Paprikapulver hinzufügen, alles 2 Min. andünsten. 2. Mit 1,2 l Wasser aufgießen, zugedeckt 15 Min. köcheln lassen. Dann Gemüse und Linsen mit dem Stabmixer pürieren, mit Salz und Pfeffer würzen. 3. Die Suppe mit Joghurt und Zitronensaft verfeinern und mit gezupfter Minze, Kreuzkümmel, Koriander bestreuen.
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MENSCHEN UND PROJEKTE
Doppelporträt
Zwe M i Zwe e n s c h e n i Her . kunf länd t G e s ce r. E i n e s hich te.
Z U S A M M E N :L E B E N
Befreundet auf den zweiten Blick Erika und Sabrina sind Lehrerinnen, Kolleginnen und beste Freundinnen – auch wenn sie einander anfangs falsch einschätzten. TEXT
D
ie erste Begegnung war etwas seltsam. Im Studium stehen sich Sabrina aus Wien (rechts) und Erika aus Ungarn in einem Kennenlern-Spiel gegenüber, müssen sagen, wie sie die andere einschätzen. „Sabrina hielt mich für einen Hippie“, sagt Erika. „Du hast dafür geglaubt, ich wäre aus der Gothic-Szene“, grinst Sabrina. Beide Annahmen waren falsch – und aus den auf den ersten Blick ungleichen Frauen wurden beste Freun-
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Zusammen:Österreich
dinnen. Heute unterrichten sie an derselben Wiener Volksschule. In klassenübergreifenden Projekten, etwa bei der Leseförderung, stehen sie gemeinsam vor den Kindern.
versetzen.“ Auch sozial sind die beiden Vorbild: „Die Kinder wissen, dass wir Freundinnen sind“, sagt Sabrina. „Wenn es Konflikte gibt, fragen sie manchmal: Wenn ihr streitet, wie versöhnt ihr euch danach?“
VORBILD BEIM STREITEN
Sie kennen zwei Menschen unterschiedlicher Herkunft, deren Geschichte erzählt werden sollte? Schreiben Sie an magazin@integrationsfonds.at!
Die Mehrheit ihrer Schüler hat eine nichtdeutsche Muttersprache – wie Erika auch. „Ich musste Deutsch ebenso als Fremdsprache lernen und kann mich gut in sie hinein-
FOTO: WWW.WEINFRANZ.AT
Maja Sito
WO KANN ICH MICH ALS UNTERNEHMER/IN ZU HAUSE FÜHLEN?
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Wir stehen in vielen Bereichen unseres Lebens vor einem grundlegenden Wandel: Unsere Energie? Wird immer grüner. Unsere Industrie? Wird immer digitaler. Unsere Mobilität? Nimmt neue Formen an. Und unsere Städte? Beginnen sogar zu denken! Österreichs Wirtschaft und Gesellschaft stehen durch diesen Paradigmenwechsel vor einer enormen Herausforderung: es geht um nichts Geringeres als die Wettbewerbsfähigkeit und Leistungsfähigkeit unseres Landes.
Wir von Siemens stellen uns diesen Herausforderungen. Gemeinsam mit unseren Kunden bringen wir erneuerbare Energien in Österreichs Stromnetze, finden neue innovative Lösungen für Österreichs öffentlichen Verkehr und treiben die Digitalisierung von Österreichs Industrie voran. Darüber hinaus entwickeln wir gemeinsam mit Forschungspartnern in einem europaweit einzigartigen Projekt die Seestadt Aspern zu einer Smart City – einer denkenden, grünen Stadt der Zukunft.
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