Die Apostelgeschich te von Paulus und Thekla KAPITEL 1 1 Als Paulus nach seiner Flucht aus Antiochia nach Ikonion hinaufging, wurden Demas und Hermogenes seine Begleiter; sie waren damals voller Heuchelei. 2 Paulus aber sah nur auf die Güte Gottes und tat ihnen nichts Böses, sondern liebte sie sehr. 3 Dementsprechend bemühte er sich, ihnen alle Worte und Lehren Christi und den Plan des Evangeliums des geliebten Sohnes Gottes gefällig zu machen und sie in der Erkenntnis Christi zu unterweisen, wie sie ihm offenbart worden war. 4 Als aber ein gewisser Mann namens Onesiphorus hörte, dass Paulus nach Ikonion gekommen war, eilte er ihm entgegen, zusammen mit seiner Frau Lektra und seinen Söhnen Simmia und Zeno, um ihn in ihr Haus einzuladen. 5 Denn Titus hatte ihnen eine Beschreibung von Paulus gegeben; sie kannten ihn aber noch nicht persönlich, sondern nur seinen Charakter. 6 Sie gingen auf der Königsstraße nach Lystra und blieben dort stehen und warteten auf ihn. Sie verglichen alle, die vorbeikamen, mit der Beschreibung, die Titus ihnen gegeben hatte. 7 Schließlich sahen sie einen Mann kommen (nämlich Paulus), von kleiner Statur, kahlköpfig, mit krummen Schenkeln, schönen Beinen, hohlen Augen und einer krummen Nase; voller Anmut; denn manchmal erschien er wie ein Mensch, manchmal hatte er das Antlitz eines Engels. Und Paulus sah Onesiphorus und freute sich. 8 Onesiphorus sprach: Sei gegrüßt, du Knecht des seligen Gottes! Paulus erwiderte: Die Gnade Gottes sei mit dir und deinem Haus! 9 Demos und Hermogenes aber wurden von Neid ergriffen, und Demas sagte, vorgeblich fromm: Sind wir denn nicht auch Diener des seligen Gottes? Warum hast du uns nicht gegrüßt? 10 Onesiphorus antwortete: Weil ich bei euch die Früchte der Gerechtigkeit nicht erkannt habe; dennoch seid ihr, wenn ihr zu solchen Menschen gehört, auch in meinem Haus willkommen. 11 Dann ging Paulus in das Haus des Onesiphorus, und es herrschte große Freude unter den Verwandten deswegen. Sie verrichteten ihr Gebet, brachen das Brot und hörten Paulus das Wort Gottes über Mäßigung und die Auferstehung predigen, und zwar folgendermaßen: 12 Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen. 13 Selig sind, die ihr Fleisch unbefleckt (oder rein) halten; denn sie werden der Tempel Gottes sein.
14 Selig sind die Mäßigen (oder Keuschen); denn ihnen wird Gott sich offenbaren. 15 Selig sind die, die ihre weltlichen Vergnügungen aufgeben; denn sie werden von Gott angenommen werden. 16 Selig sind die, die Frauen haben, als hätten sie keine; denn sie werden zu Engeln Gottes gemacht werden. 17 Selig sind, die vor dem Wort Gottes zittern; denn sie werden getröstet werden. 18 Selig sind, die ihre Taufe rein bewahren; denn sie werden Frieden finden mit dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. 19 Selig sind, die der Weisheit Jesu Christi nachfolgen; denn sie werden Söhne des Höchsten genannt werden. 20 Selig sind, die die Weisungen Jesu Christi befolgen; denn sie werden im ewigen Licht wohnen. 21 Selig sind die, die um Christi willen den Ruhm der Welt verlassen; denn sie werden Engel richten und zur Rechten Christi gesetzt werden und werden nicht die Bitterkeit des Jüngsten Gerichts erleiden. 22 Selig sind die Leiber und Seelen der Jungfrauen, denn sie sind Gott wohlgefällig und werden den Lohn ihrer Jungfräulichkeit nicht verlieren; denn das Wort ihres (himmlischen) Vaters wird sich als wirksam erweisen zu ihrer Rettung am Tage seines Sohnes, und sie werden Ruhe genießen in Ewigkeit. KAPITEL 2 1 Während Paulus diese Predigt in der Gemeinde hielt, die sich im Haus des Onesiphorus befand, saß eine gewisse Jungfrau namens Thekla (deren Mutter Theoklia hieß und die mit einem Mann namens Thamyris verlobt war) an einem Fenster in ihrem Haus. 2 Von dort aus hörte sie, dank des Fensters in dem Haus, in dem Paulus war, Tag und Nacht die Predigten des Paulus über Gott, über die Liebe, über den Glauben an Christus und über das Gebet. 3 Sie wich auch nicht vom Fenster weg, bis sie sich mit überschwänglicher Freude den Lehren des Glaubens unterwarf. 4 Als sie schließlich viele Frauen und Jungfrauen zu Paulus hineingehen sah, wünschte sie sich inständig, würdig erachtet zu werden, vor ihm zu erscheinen und das Wort Christi zu hören; denn sie hatte Paulus noch nicht persönlich gesehen, sondern nur seine Predigten gehört, und das allein. 5 Als sie sich aber nicht dazu bewegen ließ, vom Fenster wegzugehen, schickte ihre Mutter nach Thamyris, der voller Freude kam, da er nun hoffte, sie heiraten zu können. Daraufhin fragte er Theoklia: „Wo ist meine Thekla?“ 6 Theoklia antwortete Thamyris: Ich habe dir etwas sehr Seltsames zu berichten; denn Thekla rührt sich drei Tage lang nicht vom Fenster, nicht einmal zum Essen oder Trinken, sondern ist so vertieft in die listigen und trügerischen Reden eines gewissen Fremden, dass ich es sehr bewundere, Thamyris, dass eine junge Frau von ihrer bekannten Schamhaftigkeit sich so verführen lässt. 7 Denn dieser Mann hat die ganze Stadt Ikonion und sogar deine Thekla und andere in Aufruhr versetzt. Alle Frauen und jungen Männer strömen zu ihm, um seine Lehre anzunehmen; er verkündet ihnen unter anderem, dass es nur einen Gott gibt, der allein anzubeten ist, und dass wir in Keuschheit leben sollen.