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Der Tod das muss ein Wiener sein_Programmzettel_01Februar2026

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SOMA MORGENSTERN (1890-1976)

aus: »WIEN. NATÜRLICH: DAS KAFFEEHAUS« ( Feuilleton, 1930)

Wie kommt es aber, dass die Wiener für die Mußestunden im Café tatsächlich mehr Zeit übrighaben als sonst ein arbeitender Mensch? Das liegt – in der Folge – sozusagen in der Natur des Wiener Kaf feehauses, das ein ziemlich kompliziertes Gebilde ist. Sehen wir uns den Wiener im Café kurz an: Was treibt er da im Stammlokal? Schluckt er hastig einen Kaffee, um sich mit einem Fetzen Blech musik im Ohr gleich dem Tempo des Verdienerlebens zu ergeben? – Nein, so tut der Wiener nicht. Er hat da Verschiedenes vor. Je nach dem, was für eine Art Mensch er repräsentiert.

Er trinkt Kaffee, gewiß. Einen Weißen. Einen Weißen mehr licht. Eine Teeschale braun. Eine Schale Gold. Eine Schale Nuß. Einen Mokka mit Schlag. Einen Türken Natur. Einen türkischen passiert. Oder einfach einen Schwarzen. Das alles sind Variationen, und sie sind noch lange nicht erschöpft, wenn ich hinzufüge: einen kleinen Kapuziner, einen Weißen mit Haut, einen Weißen mit sehr viel Haut. Wer das nicht begreift, wird auch den Wiener Komiker nicht verste hen, der ein Erlebnis erzählt: »Ich kam um 7 Uhr früh in B. an. Um 1/28 war ich schon in einem Kaffeehaus und sagte dem Kellner: ›Bitte, einen Kaffee.‹ Der Kellner: ›Wollen Sie ein Tässchen Kaffee, ein Kännchen Kaffee oder einen Kaffee mit Sahne?‹ Ich sagte (hier macht der Komiker sein ›miesestes‹ Gesicht): ›Wissen Sie was? Ge ben Sie mir ein Bier!‹« [...]

Rechnet man sich vor, daß anderswo die Menschen auch Zeitungen lesen, Karten oder sonst was spielen, so genügt das Kalkül allein, um dahinterzukommen, dass der Wiener im Café nicht einfach so »da sitzt«. Er hat hier zu tun!

Selbst diese Gäste, die scheinbar nur, eben nur so dasitzen, sind noch lange keine Nichtstuer. Im Wiener Kaffeehaus spielt sich nämlich auch – und in erster Reihe! – ein gut Teil des Stadtlebens ab, das man geselliges Leben nennt. Woanders huldigt man mehr dem netten Spiel: Ladest du mich ein, lade ich dich ein. Das tut man natürlich auch in Wien. Aber meistens trifft man sich wo in einem Kaffeehaus. Und es ist kein schlechter Ersatz. (Darüber ließe sich streiten. Ich könnte nur mit Argumenten für das Kaffeehaus dienen.)

DER TOD, DAS MUSS EIN WIENER SEIN

oder: Wie kommt der Wolf ins Kaffeehaus?

HERMANN LEOPOLDI (1888– 1959)

In einem kleinen Café in Hernals

KURT WEILL (1900– 1950)

Der Abschiedsbrief

MORITZ EGGERT (*1965) Neues Märchen

HUGO WOLF (1860– 1903)

O wär dein Haus durchsichtig wie ein Glas ( Italienisches Liederbuch ) Mein Liebster hat zu Tische mich geladen ( Italienisches Liederbuch ) Ich ließ mir sagen und mir ward erzählt ( Italienisches Liederbuch )

ROBERT B. SHERMAN (1925–2012) & RICHARD M. SHERMAN (1928–2024)

Füttert die Vögel (aus: Mary Poppins )

GEORG KREISLER (1922–2011) Tauben vergiften

GUSTAV MAHLER (1860–1911) Starke Einbildungskraft

JOSEPH HAYDN (1732–1809) Lob der Faulheit

HUGO WOLF

In dem Schatten meiner Locken ( Spanisches Liederbuch )

FRANCIS POULENC (1899–1963) Hôtel

PROGRAMM

GEORG KREISLER

Der Tod, das muss ein Wiener sein

LEONARD BERNSTEIN (1918–1990)

I am easily assimilated (aus: Candide )

MAURICE RAVEL (1875–1937)

Chanson romanesque

BENEDIKT EICHHORN (*1962)

Sex

PAUSE

GUSTAV MAHLER

Frühlingsmorgen

JOHANNES BRAHMS (1833 – 1897)

Dein blaues Auge op. 59/8

HUGO WOLF

Zur Warnung

KURT WEILL

Wie lange noch

MAURICE RAVEL

Chanson à boire

JAKE HEGGIE (*1961)

The moon’s the North Wind’s cooky (aus: Songs to the Moon )

JOHN MUSTO (*1954)

Nude at the piano

HUGO WOLF

Mein Liebster ist so klein ( Italienisches Liederbuch )

Nicht länger kann ich singen ( Italienisches Liederbuch )

Wie lange schon war immer mein Verlangen ( Italienisches Liederbuch )

GEORG KREISLER

Der Musikkritiker

WILLIAM BOLCOM (*1938)

Amor

HUGO WOLF

Abschied

FRANZ SCHUBERT (1797 –1828)

Fischerweise D 881

FRANCIS POULENC

Voyage à Paris

HAGAR SHARVIT, Mezzosopran

MIKHAIL TIMOSHENKO, Bariton

ELITSA DESSEVA, Klavier

NIKOLAUS BÜCHEL, Regie & Dramaturgie

Mit freundlicher Unterstützung der

Die israelische Mezzosopranistin HAGAR SHARVIT studierte zunächst an der BuchmannMehta- Musikschule in ihrer Heimatstadt Tel Aviv. Nach Abschluss ihres Studiums kam sie nach Europa und ist seitdem hier als Sängerin tätig. Sie nahm an mehreren Gesangswettbewerben teil und gewann verschiedene Preise, darunter den 1. Preis sowie den Publikumspreis beim internationalen Liedwettbewerb » Das Lied « und den 3. Preis beim Internationalen Wettbewerb für Liedkunst Stuttgart 2012.

Die junge Mezzosopranistin ist eine vielseitige und begeisterte Liedersängerin, die u. a. im Pierre Boulez Saal in Berlin, im Berliner Konzerthaus, beim Lucerne Festival, beim Heidelberger Frühling, beim Kissinger Sommer, beim Ravinia Festival, in Aix-en-Provence, in der Elbphilharmonie, beim Zeist LiedFestival und im Théâtre de la Ville in Paris aufgetreten ist. Sie arbeitete dabei u. a. mit Pianisten wie Graham Johnson, Ammiel Bushakevitz, Eric Schneider, Helmut Deutsch, Daniel Gerzenberg, Kunal Lahiry und Alexander Fleischer zusammen. Zu ihren Partien auf der Opernbühne gehören Nerone in Händels Agrippina, Amastre in Xerxes . Ottavia in Monteverdis L’incoronazione di Poppea , Cherubino ( Le nozze di Figaro ), Angelina ( La cenerentola ), Pinocchio (Johnathan Dove The Adventures of Pinocchio ), Hermia (Britten A Midsummer Night’s Dream ) und viele mehr.

In der Saison 2024/25 gab Hagar Sharvit ihr Debüt an der Oper von Marseille in einer Neuproduktion von Dvoraks Rusalka . Außerdem übernahm sie die Rolle der Alkmene in Die Liebe der Danae an der Oper Carlo Felice in Genua und gab ihr Orchesterdebüt in Mahlers Kindertotenliedern unter der Leitung von Leonhard Garms. In Schostakowitschs Aus der jiddischen Poesie übernahm sie die Altpartie im Münchener Prinzregententheater in einem Konzert des Münchner Rundfunkorchesters unter der Leitung von Patrick Hahn. Darüber hinaus gab sie Liederabende bei der Hugo-Wolf-Akademie in Stuttgart, beim Schumannfest in Zwickau sowie in Florenz, Genua, Berlin und Tel Aviv. Im Rahmen des internationalen Gedenktages für die Opfer des Holocaust trat sie in Paris in der Zentrale der UNESCO-Stiftung auf. Höhepunkte der vergangenen Spielzeiten waren u. a. Hermia an der Oper Carlo Felice in Genua, Hänsel in Hänsel und Gretel , Cherubino in Le nozze di Figaro , Der Trommler in Ullmanns Der Kaiser von Atlantis , Matz in Lucia Ronchettis Das fliegende Klassenzimmer an der Deutschen Oper am Rhein, die Alt-Solo-Partie in Dvoraks Stabat Mater mit der Opéra de Tours sowie Mendelssohns 2. Sinfonie mit dem Ensemble Pygmalion und Raphael Pichon in Versailles, im Dortmunder Konzerthaus und an der Opéra de Bordeaux. Außerdem gab sie Liederabende u. a. in der Elbphilharmonie und beim Martha Argerich Festival in Hamburg sowie mit dem Vogler Quartett beim Rheinvokal Festival. Mit Graham Johnson gastierte sie bei der Israeli Schubertiade, mit Les Talens Lyriques in CPE Bachs Magnificat beim Thomaskirche Bachfest und in Leipzig sowie als Ismene in Scarlattis Armida am Theater an der Wien.

Geboren in einem kleinen Dorf im Uralgebirge in Russland, begann der Bariton MIKHAIL TIMOSHENKO seine musikalische Ausbildung in Mednogorsk und verfeinerte sein Können an der Hochschule für Musik in Weimar und Berlin bei Mikhail Lanskoi.

Von 2015 bis 2017 war er Mitglied der Akademie der Opéra National de Paris und er war in der preisgekrönten Dokumentation L’Opéra von Jean-Stéphane Bron sowie in der DVD-Aufnahme Don Carlos – Live from Paris Opera zu sehen. Im Jahr 2016 gewann er den 1. Preis beim Internationalen Gesangswettbewerb Bordeaux Médoc, den Cercle Carpeaux Lyric Prize, den AROP-Preis der Opéra National de Paris und den ersten Preis des Siemens Opernwettbewerbs. Im folgenden Jahr gewann er den Grand Prix beim Internationalen Maria Callas Wettbewerb in Griechenland. 2018 gewann er im Duo mit seiner Klavierpartnerin Elitsa Desseva den 1. Preis beim Internationalen Wettbewerb für Liedkunst Stuttgart.

Zu den Höhepunkten seiner Karriere zählen bemerkenswerte Aufführungen wie die Weltpremiere der Kammeroper En Silence von Alexandre Desplat in Luxemburg und Paris-Bouffes du Nord, Ottokar in Der Freischütz im Konzerthaus Berlin, Albert in Werther und Prosdocimo in Il Turco in Italia in Lausanne, Leporello in Don Giovanni beim Glyndebourne Festival, Chtchelkalov in Boris Godounov in Toulouse und im Théâtre des Champs-Elysées in Paris, Marcello in La Bohème im Royal Opera House in London sowie Papageno in Die Zauberflöte in Montpellier und an der Opéra Bastille in Paris.

Als Konzertsänger hat Mikhail mit renommierten Dirigenten wie Teodor Currentzis, Manfred Honeck, Philippe Herreweghe, Markus Poschner, Emmanuelle Haïm und Martin Haselböck zusammengearbeitet. Er trat auf den Bühnen angesehener Veranstaltungsorte und Festivals wie dem Musikverein Wien, den Salzburger Festspielen, dem Festspielhaus Baden-Baden, der Berliner Philharmonie und dem Konzerthaus Berlin auf.

Seine Diskografie umfasst Mozart Masses (Complete) mit Christoph Poppen und dem Kölner Rundfunkchor und Kammerorchester, Im wachen Traume – Schumann/Reimann, Byrd/Pierini, Purcell mit dem Delian Quartett und Le Concert d’Astrée & Emmanuelle Haïm – Une Nouvelle Fête Baroque! 20 Ans . Philanthropie liegt dem Sänger sehr am Herzen. Seit 2009 organisiert er Benefizkonzerte für Kinder mit psychischen Störungen in Russland. In Zusammenarbeit mit der gemeinnützigen Organisation »Touch« in Orenburg und dem Zentrum für soziale Anpassung »Mayak« in Orsk unterstützt er mehrere Internate für geistig behinderte Kinder.

Die bulgarische Pianistin ELITSA DESSEVA gilt als eine der führenden Liedinterpretinnen ihrer Generation und tritt als solche bei bedeutenden Festivals und in internationalen Musikzentren auf, darunter u. a. die Wigmore Hall in London, das Musée d’Orsay in Paris, das Concertgebouw in Amsterdam, der Pierre Boulez Saal in Berlin, der Musikverein in Wien, das Festival Heidelberger Frühling, das Grachtenfestival in Amsterdam, das Festival Young Artists in Bayreuth und das Seiji Ozawa Matsumoto Festival in Japan. Neugierig, die Tiefe des Liedgenres durch die Augen eines Komponisten zu erforschen, präsentierte sie 2024 ihre eigene Liedkomposition Gift beim LiedBasel Festival. Um Liedkonzerte noch ansprechender zu gestalten, gab die vielseitige Pianistin 2025 Konzertprogrammgestaltung-Workshops für Lied-Duos beim Wettbewerb »Franz Schubert und Musik der Moderne« in Graz. Als Solistin hat Elitsa Desseva mehrere Preise gewonnen, darunter den 1. Preis beim Liszt-Bar -

tok Klavierwettbewerb in Sofia, den Béla Bartók-Preis beim Ile-de-France International Piano Competition in Paris und, zusammen mit der Mezzosopranistin Polina Artsis, den 1. Preis beim Internationalen Liedduo Wettbewerb in Groningen und beim Internationalen Karl-Adler Jugendmusikwettbewerb in Stuttgart, wo sie 2018 im Duo mit Mikhail Timoshenko auch den 1. Preis beim Internationalen Wettbewerb für Liedkunst Stuttgart gewann. Durch den Preis der Yordan Kamdzhalov Stiftung konnte sie Liszts Klavierkonzert Nr. 2 beim Internationalen Festival »Balabanov’s House Music Days« in Plovdiv aufführen. Geboren in Bulgarien, begann sie im Alter von sechs Jahren in ihrer Heimatstadt Sofia mit dem Klavierspiel und debütierte im Alter von zehn Jahren mit dem Sofia Sinfonietta Orchestra. Sie setzte ihre Studien an der Hochschule für Musik in Weimar und der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien bei Balasz Szokolay, Thomas Steinhöfel, Charles Spencer und Markus Hadulla fort. Elitsa Desseva wurde zudem von renommierten Musikerinnen und Musikern gefördert und unterstützt, so z. B. von Thomas Hampson, Mitsuko Shirai, Véronique Gens, Angelika Kirchschlager, Brigitte Fassbaender, Ian Bostridge, Hartmut Höll, Graham Johnson, Susan Manoff, Julius Drake, Malcolm Martineau und Helmut Deutsch.

Auf Einladung von Thomas Hampson wurde Elitsa Desseva 2022 Studienleiterin und Akademiepianistin an der renommierten Heidelberger Liedakademie. Sie ist ehemalige Stipendiatin der Heidelberger Liedakademie, der Académie Orsa-Royaumont, der Academy LiedBASEL, der Carnegie Hall SongStudio und Mitglied der Internationalen Hugo-Wolf-Akademie.

NIKOLAUS BÜCHEL , in Wien geborener Liechtensteiner, studierte anfänglich Jura, Marketing, Romanistik und Theaterwissenschaft, bevor er am Mozarteum Salzburg sein Studium in Schauspiel und Regie abschloss. Zusätzlich nahm er intensiven Gesangsunterricht in München und Köln. Nach ersten Theatererfahrungen in Wien und München ging er 1981 mit dem Intendanten Peter Eschberg als Schauspieler und Regieassistent nach Bonn. Seit 1985 über 120 eigene Inszenierungen u. a. am Schiller-Theater Berlin, Volkstheater Wien, Kammeroper Wien, Staatstheater Stuttgart, Theater Bonn, Schauspiel Frankfurt, Oper Klosterneuburg, Staatstheater Saarbrücken und Darmstadt – mehr und mehr im Musiktheater und regelmäßig für große Festivals. Daneben steht Nikolaus Büchel immer wieder selbst als Schauspieler auf der Bühne, unterrichtet an verschiedenen Akademien und Kunstuniversitäten Schauspiel und übernahm mehrfach Theaterleitungsaufgaben u. a. in Kiel und Bonn. Außerdem entwarf er über 60 Bühnenbilder. Mehrere seiner Objekte und Installationen wurden ausgestellt, etwa am Schauspielhaus Wien und am Theater Rampe in Stuttgart. 2016/17 fand erstmals eine große Personale-Ausstellung am Gasometer in Triesen/Liechtenstein statt.

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