


GOLDA SCHULTZ Sopran
JONATHAN WARE Klavier
Samstag, 07. März 2026 I 19.00 Uhr
Vortragssaal, Staatsgalerie Stuttgart
DARK MATTER(S) – PROGRAMM
Es gibt Gedanken, die wir nur in der Nacht im Schutz der Dunkelheit, denken. Dann denken wir über unsere Endlichkeit nach, über Beziehungen oder das Ende unserer Tage. Wie sollen wir ihnen gegenüber treten? Wie sollen wir unserer Endlichkeit begegnen? Werden wir damit hadern oder werden wir sie akzeptieren und uns ins Unbekannte begeben? Mit Liedern von Komponistinnen und Komponisten wie Florence Price, Richard Strauss und George Crumb und Texten von Shakespeare und Walt Whitman an unserer Seite wird die Reise vielleicht nicht so dunkel sein...
GEORGE CRUMB (1929 – 2022)
Apparition (1979)
The Night in Silence
Vocalise I – Summer Sounds
When Lilacs last in the Dooryard bloomed
Dark Mother
Vocalise II – Invocation
Approach Strong Deliveress!
Vocalise III – Death Carol
Come lovely and soothing Death!
The Night in Silence
CLARA SCHUMANN (1819 – 1896)
Es fiel ein Reif (1840)
Sie liebten sich beide op. 13/2 (1842)
Ihr Bildnis op. 13/1 (1840)
FLORENCE PRICE (1887 – 1953)
Because
Hold Fast to Dreams (1945)
Night (1946)
PAUSE
JOHANNES BRAHMS (1833 – 1897)
Ophelia-Lieder WoO post. 22 (1873)
Wie erkenn ich dein Treulieb
Sein Leichenhemd weiss
Auf morgen ist Sankt Valentins Tag
Sie trugen ihn auf der Bahre bloss
Und kommt er nicht mehr zurück?
RITA STROHL (1865 – 1941)
aus: Dix Poésies mises en musique (1901)
La Momie
Barcarolle
La Tristesse de la Lune
RICHARD STRAUSS (1864 – 1949)
Vier letzte Lieder (1948)
Frühling
September
Beim Schlafengehen
Im Abendrot
GOLDA SCHULTZ, Sopran
JONATHAN WARE, Klavier
Mit freundlicher Unterstützung der
Peter Linder Stiftung
Das Konzert wird vom Südwestrundfunk SWR Kultur aufgezeichnet. Sendetermin: Sonntag, 20.09.2026, Abendkonzert
IM GESPRÄCH
MENSCHLICHE GESCHICHTEN ERZÄHLEN
Der Pianist Jonathan Ware im Gespräch mit Cornelia Weidner
Cornelia Weidner: Jonathan, wir freuen uns schon sehr auf das Wiedersehen mit Dir in Stuttgart – und darauf, dass Du mit Golda Schultz ein wunderbares Programm in der Staatsgalerie gestalten wirst. Wie habt ihr euch kennengelernt? Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Golda und was macht eure künstlerische Partnerschaft aus?
Jonathan Ware: Golda und ich kennen uns schon aus der Studienzeit. Wir haben beide an der Juillard School of Music in New York studiert. Allerdings hatten wir da gar nicht so viel miteinander zu tun. Ich habe hin und wieder Gesangsstunden von Golda korrepetiert und dachte damals schon, was das für ein tolle Sängerin ist! Aber im Studium gab es noch nicht die Gelegenheit für eine engere Zusammenarbeit und wir waren da auch noch nicht wirklich befreundet. Das kam dann erst ein oder zwei Jahre später, als Golda noch ganz jung im Ensemble der Bayerischen Staatsoper München engagiert war und ich ganz frisch nach Deutschland gekommen war. Ich war glaube ich noch kein halbes Jahr in Deutschland, als Golda eine Anfrage für ein Konzert in der Schweiz bekam und mich dann fragte, ob ich da spielen könnte. Das war eine Art Gala, kein Liederabend. Sie hat dann hautsächlich Opernarien gesungen. Das war das erste Mal, dass wir gemeinsam ein Konzert bestritten haben –und wir haben das wirklich sehr genossen. Ich war zu der Zeit in Berlin und Golda eben in München. Für die Proben zu dem Programm haben wir uns ein paar Mal getroffen und dabei dann auch spontan ein paar andere Sachen ausprobiert und uns angeschaut, was man mal zusammen machen könnte. Darunter waren auch Lieder und Golda hatte in dieser Zeit auch die ersten Anfragen für Liederabende bekommen, war sich damit aber noch
unsicher, weil sie bis dahin eben hauptsächlich Oper gemacht hatte. Aber sie war absolut bereit und voller Kraft, Energie und Neugier, um mehr Lied zu machen.
Da war sie bei Dir natürlich an der richtigen Adresse! Aus dieser ersten musikalischen Zusammenarbeit ist eine sehr intensive künstlerische Partnerschaft und letztlich auch eine Freundschaft geworden. Man spürt bei euch, dass die Chemie stimmt und ihr menschlich auf einer Wellenlänge liegt.
Ja, absolut. Golda ist wirklich eine meiner engsten Freundinnen. Es ist unglaublich schön und auch einfach, mit ihr zusammenzuarbeiten. Inzwischen wohnen wir beide in Berlin, wobei Golda allerdings relativ selten dort ist und ich auch viel unterwegs bin. Aber immer, wenn wir beide mal in Berlin sind, versuchen wir uns zu treffen, um Ideen auszutauschen, neue Projekte zu überlegen und einfach, um uns zu sehen und miteinander zu reden, auch ganz privat.

IM GESPRÄCH
Golda kann wegen ihres vollen Terminkalenders nicht bei diesem Interview dabei sein. Weil Du sie aber so gut kennst und ihr so eng miteinander arbeitet, kannst Du diese Frage sicherlich beantworten: Welche Bedeutung hat das Lied in Goldas künstlerischem Leben?
Ich glaube, dass das Lied sehr wichtig für sie ist. Natürlich ist sie sehr aktiv im Opernbetrieb und dort auch sehr eingespannt. Ich denke aber, dass gerade da das Lied eine sehr willkommene Abwechslung ist und vor allem eine Form, in der man – letztlich im Gegensatz zur Oper – so viel eigene Verantwortung und Freiheit hat in der Musikalität, der Interpretation, im Repertoire. Diese Freiheit liebt Golda ganz besonders, und vor allem auch, dass sie hier so frei im Repertoire ist.
Ich glaube, dass wir beide im Grunde genommen keinen großem Unterschied machen zwischen Operngesang, Lied, populärer Musik etc. Das alles ist Musik, die etwas erzählen will. Und Golda ist wirklich eine große Erzählerin, ob sie nun auf der Opernbühne steht oder auf dem Lied podium. Schließlich geht es ja hier wie dort darum, menschliche Geschichten zu erzählen. Das ist das existenzielle kulturelle Erbe, das wir als Menschen haben und das letztlich alle Kunstformen miteinander verbindet.
Ich finde es immer wieder sehr besonders und total faszinieren, wie Golda es schafft, den Konzertsaal in ein großes Wohnzimmer zu verwandeln, also allen Menschen im Saal innerhalb kürzester Zeit das Gefühl zu geben, willkommen zu sein – als würde sie bei sich zu Hause jemanden begrüßen und in ihr Haus lassen, um die nächsten 90 Minuten miteinander zu teilen. Das ist wirklich ganz wunderbar und außergewöhnlich.
Sehr besonders und außergewöhnlich sind ja auch immer eure Programmzusammenstellungen. Vor allem legt ihr gro-
ßen Wert darauf, dass auch Lieder von Komponistinnen in den Programmen vertreten sind. Eure Debüt-CD »This be her verse« war sogar ausschließlich Komponistinnen gewidmet. Und auch in »Dark matter(s)« war es Golda sehr wichtig zu betonen, dass dieses Programm Lieder von drei Komponistinnen und drei Komponisten enthält – was tatsächlich selbst im Jahr 2026 leider noch eher ungewöhnlich ist. Warum ist euch diese Art der Programmgestaltung so wichtig?
Na ja, Frauen machen über 50% der Weltbevölkerung aus, warum sollten dann nicht auch Konzertprogramme 50% Werke von Frauen enthalten?
Da bin ich absolut bei Dir! Wir wissen nur, dass die Realität da noch sehr anders aussieht – und dass es tatsächlich auch manchmal gar nicht so einfach ist, Lied-Repertoire von Komponistinnen zu finden, weil diese eben zum Teil kaum bekannt sind, nicht verlegt wurden etc. Wie seid ihr also auf die Komponistinnen im heutigen Programm gestoßen?
Clara Schumann und Florence Price kannten Golda und ich beide schon. Florence Price erlebt gerade in den USA eine Art Renaissance und wird dort wiederentdeckt. Und auf Rita Strohl bin ich durch Freunde aufmerksam geworden, durch eine Cellistin und auch durch eine Sängerin. Es gibt eine Cellosonate von Rita Strohl, die ein wichtiges Stück im Cello-Repertoire ist. Dadurch ist sie dort sehr bekannt. Ihre Lieder werden eigentlich erst in den letzten zehn Jahren wiederentdeckt. Es gibt von ihr zum Beispiel auch Douze Chants de Bilitis, sie vertont hier die gleichen Texte wie Debussy in seinen berühmten Billitis-Liedern. Und ihre Lieder stehen denen von Debussy in nichts nach. Die sind unfassbar schön.
Vielleicht ist es beim Planen eines Liederabendprogramms tatsächlich ein bisschen unser Ziel, die Programme so zu gestalten, dass auch viele Komponistinnen da -
IM GESPRÄCH
bei sind, wobei wir das eigentlich gar nicht groß thematisieren. Es geht einfach darum, dass es gute und schöne Musik ist, die für uns gut passt – und dann ergibt sich das eigentlich ganz von selbst.
Der Zyklus »Apparition« stammt von dem amerikanischen Komponisten George Crumb. Warum freust Du Dich ganz besonders auf dieses Stück?
Na ja, das ist ein Stück, in dem für den Pianisten endlich mal ein bisschen mehr los ist. (lacht) Aber Spaß beiseite: Da ist zuerst einmal der Text von Walt Whitman, den Crumb vertont hat. Es sind Auszüge aus Whitmans Elegie auf die Ermordung von Abraham Lincoln, When Lilacs Last in the Dooryard Bloom’d . Dieser Text spricht mich einfach an. Ich bin ja Amerikaner, und im Moment ist es leider so, dass die amerikanische Bevölkerung gespalten ist wie fast nie zuvor. Da gibt es so viel Gegeneinander, das ist wirklich eine Art nationale Krise im Moment. Und auch international gibt es sehr viel Unerfreuliches, Kriege etc. Und dieser Text, der eben ursprünglich als Trauergedicht nach der Ermordung von Abraham Lincoln im Jahr 1865 entstanden ist, ist eigentlich ein sehr positiver Text. Es geht hier um Wiedergeburt und die Kreisform des Lebens – so ist auch der Liederzyklus in einer Kreisform angelegt. Und das finde ich schön, dass hier ein Platz für Hoffnung ist, denn die können wir alle gerade jetzt gut gebrauchen.
Unser Programm »Dark Matter(s)« befasst sich ja generell mit den dunklen Seiten im Leben, mit Nacht und Tod. Aber uns ist vor allem wichtig, dass es dabei immer eine Hoffnung gibt. Das drücken alle Lieder im Programm aus. Und um nochmals auf Apparition zurückzukommen: Ich finde Crumbs Musik wirklich schön und auch tatsächlich sehr traditionell, da es hier um menschliche Emotionen geht und da die Klänge Emotionen er -
zeugen sollen. Auch wenn Crumb vielleicht einen Ruf als Enfant terrible hatte und die Behandlung des Klavierparts durchaus ungewöhnlich ist, so ist es doch in dem Sinne sehr traditionell komponiert, dass hier Menschen durch die Emotionen in der Musik miteinander in Verbindung gebracht werden sollen. Das ist dann letztlich gar nicht so anders als bei Strauss – beide haben ein bisschen was von Filmmusik.
Ihr eröffnet das Programm mit Crumbs »Apparition« und beschließt es mit dem zweiten großen Liederzyklus des 20. Jahrhunderts, den »Vier letzten Liedern« von Richard Strauss, die ja eigentlich Orchesterlieder sind. Für dich als Pianist besteht da nun also die besondere Aufgabe, mit dem Klavier das Orchester zu ersetzen. Ist das eine besondere pianistische Herausforderung? Es gibt ja durchaus eine ganze Reihe von Liedern, die als Klavierlieder entstanden sind und die später orchestriert wurden. Hier haben wir es aber mit einem Orchesterwerk zu tun. Es gibt keine Klavierfassung der »Vier letzten Lieder« von Richard Strauss.
Das ist tatsächlich eine Herausforderung, vor allem aber deshalb, weil die Zuhörer in erster Linie den Orchesterklang kennen. Und wenn dieser nun auch erwartet wird, kann man letztlich nur enttäuscht werden. Man kann sich natürlich auf dem Flügel die anderen Instrumente vorstellen und auch versuchen, bestimmte Klangfarben nachzuahmen – aber eine Geige oder 30 Geigen, die zusammen spielen, klingen einfach anders als ein Flügel. Das ist einfach so. Es gibt aber auch Vorteile dieser Klavierfassung. Die Lieder werden in dieser Besetzung viel intimer. Man kann die Sängerin mit dem Klavier individueller und anders begleiten. Anfangs habe ich tatsächlich versucht, den Orchesterklang eins zu eins mit dem Flügel nachzuahmen – und war dann immer von mir selbst enttäuscht, weil das einfach nicht geht. Und so respektiere ich die Orchesterfassung natürlich und weiß,
IM GESPRÄCH
wie das Orchester jeweils klingt, mache mich dann aber ein Stück weit davon frei und versuche, die Klänge so zu erzeugen, dass es zum Flügel passt. Man muss akzeptieren, dass es mit dem Flügel etwas anderes ist als mit Orchester und den Vorteil herausarbeiten, dass man sehr viel näher dran ist am Publikum und auch an der Sängerin. Die Stimme bekommt ein ganz anderes Gewicht, kann mit viel mehr Farben arbeiten, weil sie eben nicht über das Orchester drüberkommen muss, was dann auch wieder der Textverständlichkeit zugutekommt. Somit ist es wirklich eine ganz eigene Fassung, die man nicht mit der Orchesterversion vergleichen sollte.
Welche Klavierfassung von den »Vier letzten Liedern« wirst Du spielen?
Es gibt eine offizielle Ausgabe, die bei Boosey & Hawkes erschienen ist. Die wird häufig gemacht. Ich werde aber tatsächlich meine eigene Fassung spielen.
Zuletzt noch eine Frage: Vor bald zwölf Jahren hast Du mit Ludwig Mittelhammer den 1. Preis beim Internationalen Wettbewerb für Liedkunst in Stuttgart gewonnen. Wie ist es für dich, nach Stuttgart zurückzukommen?
Ich kann fast nicht glauben, dass das schon zwölf Jahre her ist, seit ich den Wettbewerb mit Ludwig gemacht habe. Verrückt! Und ich freue mich immer, nach Stuttgart zurückzukommen. Es ist so ein freundliches Publikum hier, ja, das ist so, wie bei der Familie zu sein.
Lieber Jonathan, ich danke Dir für das schöne Gespräch. Wir freuen uns schon sehr auf dieses wunderbare Programm!
Caspar David Friedrich (1774–1840) Frau vor der untergehenden Sonne, um 1818

TEXTE
GEORGE CRUMB
Texte: Walt Whitman (1819–1892)
APPARITION
The night, in silence, under many a star; The ocean shore, and the husky whispering wave, whose voice I know; And the soul turning to thee, O vast and well-veil’d Death, And the body gratefully nestling close to thee.
When lilacs last in the dooryard bloom’d, [ … ] I mourn’d, and yet shall mourn with ever-returning spring.
Dark Mother, always gliding near, with soft feet, Have none chanted for thee a chant of fullest welcome?
Approach, strong Deliveress! When it is so – when thou hast taken them, I joyously sing the dead, Lost in the loving, floating ocean of thee, Laved in the flood of thy bliss, O Death.
Come lovely and soothing death, Undulate round the world, serenely arriving, arriving, In the day, in the night, to all, to each, Sooner or later, delicate death.
The night, in silence, under many a star; The ocean shore, and the husky whispering wave, whose voice I know;
And the soul turning to thee, O vast and well-veil’d Death,
And the body gratefully nestling close to thee.
Übersetzungen: Jürgen Brôcan
ERSCHEINUNG
Die stille Nacht unter zahllosen Sternen, Die Meeresküste und die heiser flüsternden Wellen, deren Stimme ich kenne
Und die Seele dir zugewandt, O großer tiefverschleierter Tod
Und der Körper dankbar an dich geschmiegt.
Als jüngst der Flieder blühte im Garten vorm Haus [...] Trauerte ich und werde noch trauern bei jeder ewigen Wiederkehr des Frühlings.
Dunkle Mutter, die du stets auf sanften Sohlen herbeigleitest, Hat dir nieman den Sang des vollsten Willkommens gesungen?
Komm näher, starker Erlöser!
Wenn es so ist, wenn du sie genommen hast, sing ich freudig den Toten, Verloren im Treiben deines liebenden Todes Gebadet in der Flut deiner Seligkeit, o Tod.
Komm, lieblicher mildernder Tod
Walle rings um die Welt, heiter triff ein, triff ein Am Tage, in der Nacht, bei allen, bei jedem Früher oder später, du köstlicher Tod.
Die stille Nacht unter zahllosen Sternen, Die Meeresküste und die heiser flüsternden Wellen, deren Stimme ich kenne
Und die Seele dir zugewandt, O großer tiefverschleierter Tod
Und der Körper dankbar an dich geschmiegt.
TEXTE
CLARA SCHUMANN
Texte: Heinrich Heine (1797 – 1856)
ES FIEL EIN REIF IN DER FRÜHLINGSNACHT
Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht, Es fiel auf die zarten Blaublümelein: Sie sind verwelket, verdorret.
Ein Jüngling hatte ein Mädchen lieb, Sie flohen heimlich von Hause fort, Es wusst’ weder Vater noch Mutter.
Sie sind gewandert hin und her, Sie haben gehabt weder Glück noch Stern, Sie sind gestorben, verdorben.
SIE LIEBTEN SICH BEIDE
Sie liebten sich beide, doch keiner Wollt’ es dem andern gestehn; Sie sahen sich an so feindlich, Und wollten vor Liebe vergehn.
Sie trennten sich endlich und sahn sich Nur noch zuweilen im Traum; Sie waren längst gestorben Und wussten es selber kaum.
FLORENCE PRICE
BECAUSE
Because I had loved so deeply, Because I had loved so long, God in His great compassion Gave me the gift of song.
IHR BILDNIS
Ich stand in dunkeln Träumen
Und starrte ihr Bildnis an, Und das geliebte Antlitz Heimlich zu leben begann.
Um ihre Lippen zog sich
Ein Lächeln wunderbar, Und wie von Wehmutstränen Erglänzte ihr Augenpaar.
Auch meine Tränen flossen Mir von den Wangen herab –Und ach, ich kann’s nicht glauben, Dass ich Dich verloren hab’!
WEIL
Weil ich so tief geliebt habe, Weil ich so lange geliebt habe, Gab mir Gott in seiner großen Barmherzigkeit Die Gabe des Liedes.
TEXTE
Because I have loved so vainly, And sung with such faltering breath, The Master in infinite mercy Offers the boon of Death.
Paul Laurence Dunbar (1872 – 1906)
HOLD FAST TO DREAMS
Hold fast to dreams
For if dreams die
Life is a broken-winged bird That cannot fly.
Hold fast to dreams
For when dreams go Life is a barren field
Frozen with snow.
Langston Hughes (1902 – 1967)
NIGHT
Night comes, a Madonna clad in scented blue.
Rose red her mouth and deep her eyes, She lights her stars, and turns to where, Beneath her silver lamp the moon, Upon a couch of shadow lies
A dreamy child, The wearied Day.
Louise C. Wallace (1902 – 1973)
Weil ich so vergeblich geliebt habe, Und mit so stockendem Atem gesungen habe, Bietet der Meister in unendlicher Barmherzigkeit den Segen des Todes an.
HALTET AN TRÄUMEN FEST
Haltet an Träumen fest, Denn wenn Träume sterben, Ist das Leben ein Vogel mit gebrochenen Flügeln, Der nicht fliegen kann.
Haltet an Träumen fest, Denn wenn Träume gehen, Ist das Leben ein unfruchtbares Feld, Mit Schnee bedeckt.
NACHT
Die Nacht bricht herein, eine Madonna in duftendem Blau.
Ihre Lippen sind rosarot und ihre Augen tief, Sie entzündet ihre Sterne und wendet sich dorthin, Wo unter ihrer silbernen Lampe der Mond Auf einem Bett aus Schatten Ein träumerisches Kind liegt, Der müde Tag.
TEXTE
JOHANNES BRAHMS
Texte: August Wilhelm Schlegel (1767 – 1845) nach William Shakespeare (1564–1616)
WIE ERKENN’ ICH DEIN TREULIEB
Wie erkenn’ ich dein Treulieb Vor den andern nun?
An den Muschelhut und Stab. Und den Sandalschuh’n.
Er ist lange tot und hin, Tot und hin, Fräulein!
Ihm zu Häupten ein Rasen grün, Ihm zu Fuß ein Stein.
SEIN LEICHENHEMD WEISS WIE SCHNEE
Sein Leichenhemd weiß wie Schnee zu sehn, Geziert mit Blumensegen, Das still betränt zum Grab musst gehn Von Liebesregen.
AUF MORGEN IST SANKT VALENTINS TAG
Auf morgen ist Sankt Valentins Tag, Wohl an der Zeit noch früh, Und ich ’ne Maid am Fensterschlag Will sein eur Valentin.
Er war bereit, tät an sein Kleid, Tät auf die Kammertür, Ließ ein die Maid, die als ’ne Maid Ging nimmermehr herfür.
AUF SIE TRUGEN IHN AUF DER BAHRE BLOSS
Sie trugen ihn auf der Bahre bloß, Leider, ach leider!
Und manche Trän’ fiel in Grabes Schoß –Ihr müßt singen: »’Nunter, und ruft ihr ihn ’nunter.«
Denn traut lieb Fränzel ist all meine Lust.
UND KOMMT ER NICHT MEHR ZURÜCK?
Und kommt er nicht mehr zurück?
Und kommt er nicht mehr zurück?
Er ist tot, o weh!
In dein Todesbett geh, Er kommt ja nimmer zurück.
Sein Bart war so weiß wie Schnee,
Sein Haupt dem Flachse gleich:
Er ist hin, er ist hin, Und kein Leid bringt Gewinn: Gott helf’ ihm ins Himmelreich!
RITA STROHL
LA MOMIE
Belle petite morte au squelette exigu
Qui sans doute mourus au débus de ton âge,
Tes jeunes os couchés dans ce beau sarcophage
Gardent le geste encor d’un sommeil ingénu.
Nul de ceux qui t’aimaient, hélas, n’avait prévu
De tes restes charmants le profane étalage,
Et pour parer un peu ton ultime voyage,
Près de toi, dans la tombe, ils avaient maintenu
Cette rose dont l’or est presque da la cendre,
Cet anneau qui peut-être était un gage tendre,
Cette poupée et ces menus jouets d’enfant.
Petite, il est encor quelques âmes pieuses,
Ton ombre peut dormir, je lui fais lentement
Une libation de larmes amoureuses.
Achille Segard (1872 – 1936)
BARCAROLLE
A l’ombre da la voile étendus, les amants
Goûtent l’âppre plaisir
Da vivre hors du monde
Et de n’entendre rien
De la rumeur profonde
Que la vie autour d’eux palpitante répand.
DIE MUMIE
Schöne kleine Tote mit einem engen Skelett, die wahrscheinlich in deinem frühen Alter starb, deine jungen Knochen, die in diesem schönen Sarkophag liegen, behalten noch die Geste eines naiven Schlafes. Leider hatte niemand von denen, die dich liebten, damit gerechnet, dass deine lieblichen Überreste profan zur Schau gestellt werden würden,
Und um deine letzte Reise ein wenig zu schmücken, hatten sie dir im Grab diese Rose, deren Gold fast wie Asche aussieht, diesen Ring, der vielleicht ein zärtliches Pfand war, diese Puppe und das kleine Kinderspielzeug erhalten.
Kleines, es gibt noch einige fromme Seelen, Dein Schatten kann schlafen, ich gebe ihm langsam ein Trankopfer aus liebenden Tränen.
BARCAROLE
Im Schatten des Segels liegen die Liebenden, und genießen das Vergnügen, außerhalb der Welt zu leben und sie hören nichts Von den tiefen Geräuschen, die das Leben um sie herum verbreitet.
TEXTE
Ils se laissent bercer par ces eaux musicales
Où la bruit de la rame a des chuchotements Et sont comme étourdis des parfums violents Que les magnolias et les cèdres exhalent.
Achille Segard (1872 – 1936)
LA TRISTESSE DE LA LUNE
Ce soir, la lune rêve avec plus de paresse ; Ainsi qu’une beauté, sur de nombreux coussins, Qui d’une main distraite et légère caresse, Avant de s’endormir, le contour de ses seins,
Sur le dos satiné des molles avalanches, Mourante, elle se livre aux longues pâmoisons, Et promène ses yeux sur les visions blanches Qui montent dans l’azur comme des floraisons.
Quand parfois sur ce globe, en sa langueur oisive,
Elle laisse filer une larme furtive, Un poète pieux, ennemi du sommeil,
Dans le creux de sa main prend cette larme pâle, Aux reflets irisés comme un fragment d’opale, Et la met dans son cœur loin des yeux du soleil.
Charles Baudelaire (1821 – 1867)
Sie lassen sich von diesen musikalischen Gewässern wiegen
Wo das Geräusch des Ruderns ein Flüstern hat Und sind wie betäubt von den heftigen Düften, die die Magnolien und Zedern verströmen.
DIE TRAURIGKEIT DES MONDES
Heute Abend träumt der Mond träger; Wie eine Schönheit, auf vielen Kissen, Die mit einer zerstreuten Hand, vor dem Einschlafen, leicht die Konturen ihrer Brüste streichelt,
Auf dem seidenen Rücken der weichen Lawinen, Sterbend, gibt sie sich den langen Blasen hin, Und lässt ihre Augen über die weißen Visionen schweifen, Die wie Blüten in den Azur aufsteigen.
Wenn sie manchmal auf dieser Erde in ihrer müßigen Langsamkeit eine verstohlene Träne entweichen lässt, Nimmt ein frommer Dichter, ein Feind des Schlafes,
In die Mulde seiner Hand diese bleiche Träne, Mit Farbenreichtum wie ein Opalfragment, Und legt sie in sein Herz, weit weg von den Augen der Sonne.
TEXTE






