Skip to main content

IHWA_Programmheft_TruthAboutLove_SarahMariaSun_KilianHeriold_JanPhilipSchulze_20Febr2024

Page 1

R KO N Z E RT

»Tell me The Truth About Love« Sarah Maria Sun Sopran Kilian Herold Klarinette Jan Philip Schulze Klavier 20. Februar 2024 In Zusammenarbeit mit der Staatsgalerie Stuttgart

#liedlovers

www.ihwa.de


TELL ME THE TRUTH ABOUT LOVE

FRANZ SCHUBERT (1797– 1828)

Der Hirt auf dem Felsen D 965 (1828)

GEORGE GERSHWIN (1898– 1937)

The Man I love (1924)

BENJAMIN BRITTEN (1913– 1976)

Cabaret Songs (1937-39) Tell me the Truth about Love Funeral Blues Johnny Calypso

LEONARD BERNSTEIN (1918-1990)

aus: Trouble in Tahiti (1952) What a movie

PAUSE

2


GYÖRGY LIGETI (1923-2006)

Három József Attila-dal (1950, Drei Lieder nach Attila József ) Megfáradt ember (Der müde Mann) Perc (Minute) Jöjj testvérkém (Komm, Brüderchen)

LEONARD BERNSTEIN

Sonate für Klarinette und Klavier (1942) Grazioso, un poco più mosso Andantino – Vivace e leggiero

GEORGES APERGHIS (*1945)

Le rire physiologique (1982)

GYÖRGY LIGETI

Mysteries of the Macabre (1978)

FRANZ SCHUBERT

Abschied von der Erde D 829 (1826)

SARAH MARIA SUN, Sopran KILIAN HEROLD, Klarinette JAN PHILIP SCHULZE, Klavier

3


GESPRÄCH

ÜBER DIE LIEBE, DIE WAHRHEIT UND MUSIKALISCHE VULKANAUSBRÜCHE

Dr. Cornelia Weidnerim Gespräch mit Sarah Maria Sun C. Weidner: Liebe Sarah, euer Programm heißt »Tell me the Truth about Love« – welche Wahrheit oder Wahrheiten über die Liebe dürfen wir erwarten? S. M. Sun: Na ja, Liebeslieder sind ja meistens Lieder über das, was eben gerade nicht so gut läuft in einer Liebesbeziehung. So ist es auch in unserem Programm: In den Liedern geht es eher um diese problematischen Seiten der Liebe, wobei das aber oft in eine sehr schöne, manchmal sentimentale, manchmal sehr aufrichtige und vor allem häufig auch komische Form gepackt wird. Diese Komik war uns sehr wichtig, denn Kilian, Philip und ich sind allesamt ziemliche Ulknudeln. Somit haben wir größtenteils sehr humorvolle Stücke ausgesucht, in denen eher die Unfähig­keit beschrieben wird, zu lieben oder geliebt zu werden. Die einzigen nicht komischen Nummern sind die beiden Stücke von Franz Schubert, die wie eine Klammer den Anfang und das Ende des Programms bilden. Der Hirt auf dem Felsen hat im dritten und letzten Teil des Liedes allerdings trotzdem auch etwas sehr Ekstatisches. Allerdings geht es hier vielleicht eher um die Liebe zum Leben oder um die Liebe zu Gott und auch darum, was vielleicht nach dem Tod kommt. Dieses Lied hat einen wahnsinnig traurigen Mittelteil und schließt dann mit dieser koloratösen, ekstatischen Botschaft. Obwohl das Stück sehr häufig als Schlussstück in einem Programm zu hören ist, finde ich das eigentlich einen ganz tollen Auftakt zu einem Konzert. Er kommt sehr aus der Ruhe, holt das Publikum dort ab und schraubt sich dann immer weiter nach oben. Und danach geht es in diesem Programm eigentlich immer weiter aufwärts und aufwärts und aufwärts. 4


Das ist wirklich ein absolut aberwitziges Feuerwerkprogramm aus Komik und Brillanz und Virtuosität. Ligetis Mysterys of the Makabre sind ja nur ein Teil davon. Alle Stücke in diesem Programm sind eigentlich wirkliche Meilensteine oder Meisterwerke. Hier ist alles drin, was Musik im besten Fall bieten kann. Aber um noch einmal auf die Liebe zu kommen: Ich denke, dass es also eher der Spaß an Liebesmissgeschicken ist und an dem, was so allzu menschlich ist. Und außerdem ist »Tell me the Truth about Love« natürlich auch noch der Titel eines der Stücke aus den Cabaret Songs von Benjamin Britten, das ja auch auf dem Programm steht. Es ist also ein Programm mit Augenzwinkern, bei dem auch mal gelacht werden darf. Vor allem in der aktuellen Zeit ist das vielleicht auch besonders wichtig. Dann kann so ein Abend, der mit Humor und guter Laune zum Lachen anregt, auch Kraft und Energie geben – das kann im Moment jeder ganz gut brauchen. Ja, auf jeden Fall! Und besonders wichtig ist auch, über sich selbst lachen zu können. Humor ist eines der wichtigsten Mittel, die der Mensch entwickelt hat, um Distanz zu schaffen von dem, was am allerschlimmsten ist. Die Tragödie ist ja eigentlich die Quelle des Humors, indem man über das Schlimme lacht. Ich versuche Larmoyanz zu vermeiden. Das ist etwas sehr Ungutes. Ein humorvolles Programm bedeutet, dass man sich auch mit schlimmen Dingen durchaus auseinandersetzt. Der Humor und die Distanz ermöglichen einem dabei aber, sich damit zu beschäftigen, ohne daran zu scheitern und sich dann davon abzuwenden. Das Programm zeigt wieder eine enorme stilistische Vielfalt – von Schubert über Britten und Bernstein bis Ligeti. Diese musikalische Vielseitigkeit ist ja quasi zu Deinem Markenzeichen geworden. Warum ist es Dir so wichtig, Programme 5


GESPRÄCH

zu gestalten, die über alle vermeintlichen musikalischen Grenzen hinausgehen? Oder gibt es diese Grenzen vielleicht nur in unseren Köpfen? Ich mache diese Programme ja nicht alleine. Sie entstehen immer im Zusammenspiel mit meinen Mitstreitern, vor allem mit Jan Philip Schulze. Wir machen schon seit vielen Jahren Programme gemeinsam. Das geht dann wirklich wie beim Ping Pong, wir sind beide fifty-fifty daran beteiligt. Mir ist total wichtig, dass man das auch so wahrnimmt. Ohne Philip wären vor allem diese LiedProgramme undenkbar. Er ist nicht nur ein genialer Pianist – und irgendwie ja auch ein pianistischer Darsteller auf der Bühne – , sondern eben auch ein genialer Kopf. Am Anfang gibt es eigentlich erst einmal immer nur die Idee für ein Thema, die sich häufig einfach aus Dingen generiert, die uns zufällig über den Weg laufen oder uns in anderen Programmen begegnen. Dann überlegen wir, dass man zu diesem oder jenen Thema mal ein Programm entwickeln müsste, und die Suche geht los. Wir schicken uns dann die Stücke in unzähligen BrainstormSessions hin und her - per WhatsApp, am Telefon und natürlich auch live, wenn wir uns mal sehen und beim Kaffee oder Bier zusammensitzen. Dann führt man das Programm ein-, zweimal auf, feilt weiter daran, verändert und entwickelt weiter. So war es bei Killer Instincts und so ist es jetzt auch hier wieder gewesen. Im Zentrum stand hier zunächst sicherlich das Thema »Liebe« – ein Programm zum Valentinstag. Aber letztlich geht es um noch viel mehr: um die Frage, was das Musikmachen für uns im Kern bedeutet. Was macht für uns den Spaß am Musizieren und am Konzertieren aus? Wir haben im Moment tatsächlich kaum ein anderes Programm, das derartig unterhaltsam und virtuos zugleich ist. Es sind unglaublich brillante Kompositionen, die enorme Anforderungen an uns drei stellen. Das ist

6


schon ziemlich wahnwitzig. Ich glaube, sonst ist niemand so bekloppt, so ein Programm zu machen. (lacht) Du hast schon gesagt, wie wichtig Dir die langjährige musikalische Partnerschaft mit Jan Philip Schulze ist. Auch mit Kilian Herold ist dies ja nicht die erste Zusammenarbeit. Wie wichtig sind diese musikalischen Partner für Dich? Und war von Anfang an klar, dass dieses Programm mit dem Klarinettisten Kilian Herold entstehen sollte? Ja! Ich wollte Kilian unbedingt mit zu euch nach Stuttgart bringen. Das Tolle hier in Stuttgart ist ja, dass Du uns quasi eine Carte blanche gibst und uns als Künstler fragst, was wir gerne machen würden. Das ist wirklich eine ganz tolle Sache, weil man das nicht oft hat, wobei ja eigentlich der Künstler/die Künstlerin oft selber am besten weiß, was ihm/ihr am besten legt und was er/sie auch am liebsten präsentieren möchte. Das sind dann eigentlich immer »goldene« Programme. Mit Philip war ich ja schon öfter da, auch mit den Gurks. Und mit Kilian verbindet mich nun auch schon seit bald 15 Jahren eine künstlerische Freundschaft. Für mich hat Kilian Herold einfach den schönsten Ton auf einer Klarinette, den man derzeit weltweit finden kann. Er ist nicht umsonst als Solo-Klarinettist u. a. bei den Berliner Philharmonikern tätig. Neben seiner Arbeit im Orchester veranstaltet er auch Festivals und hat eine Professur an der Musikhochschule in Freiburg. Da bin ich so froh und dankbar, dass er überhaupt die Zeit findet, mit Philip und mir auf Reisen zu gehen und diese Konzerte zu spielen. Das ist so ein Geschenk, ihn zu hören und zu erleben. Ich freue mich wahnsinnig darauf. Und ganz nebenbei hat Kilian auch so einen schrägen Humor wie Philip und ich. Das passt einfach – und er hat sich sogar von mir breitschlagen lassen, in diesem Programm auch noch zu singen…

7


GESPRÄCH

Du bist ja auch oft mit größeren Ensembles unterwegs, stehst in Opernproduktionen auf der Bühne. Was ist für Dich der besondere Reiz so einer kleinen Besetzung – nur die Stimme mit Klavier und/oder Klarinette? Gerade dieses Trio-Programm oder auch die Abende mit Philip allein sind meine Sahnehäubchen im Jahr! Diese Programme sind extrem anspruchsvoll und fordern uns ganz und gar mit all unserer künstlerischen Kreativität und Vielfalt. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten und Techniken zu singen, nicht nur die sogenannte traditionelle Gesangstechnik. Das ist nur eine von vielen Techniken, die man fürs Singen einsetzen kann, neben volkstümlichen Techniken, Obertongesang, Untertongesang, die sogenannten »Extended Techniques« in der zeitgenössischen Musik und vieles mehr. Ein Liederabend bietet so viele Möglichkeiten, davon etwas zu zeigen. Wenn ich zu einem Orchesterkonzert eingeladen werde, singe ich meistens ein oder maximal zwei Stücke im Konzert und das Orchester übernimmt den Rest des Abends, und diese Stücke suche ich in der Regel auch gar nicht selbst aus. Da werde ich gezielt für das eine oder andere Stücke eingeladen. Ich liebe es, mit Orchestern zu arbeiten, aber da ist es oft so, dass ich gerade erst so richtig warmgelaufen bin, wenn mein Stück dann schon vorbei ist. Beim Liederabend bin ich ganz frei und ganz ich selbst in der Programmwahl und -zusammenstellung. Ich kann dem Publikum hier ein so riesiges Spektrum zeigen, was es alles an Ausdrucksmöglichkeiten gibt und auch an Möglichkeiten, Inhalt textlich zu verarbeiten, denn die Arbeit mit sehr vielen intelligenten Texten gehört auch zum Liederabend. Das macht mich einfach sehr glücklich. Musiktheater ist auch was Tolles. Ich bin sehr gerne auf der Bühne, auch als Schauspielerin oder Darstellerin, Sänger-Darstellerin, wie man das immer so schön beschreibt. Aber das kann man gar nicht miteinander vergleichen, das ist wie Äpfel mit Frikadellen zu vergleichen.

8


Der Liederabend ist letztlich die reichste und vielfältigste Form der Präsentation. Auf kleinstem Raum ist hier alles verdichtet wie eine Wundertüte oder eine Art musikalischer Vulkanausbruch. Eine Frage noch zum Abschluss: Wo hast Du die »Wahrheit über die Liebe« gefunden? Tja, wie das so ist, wenn man in einer langen Partnerschaft lebt, gibt es doch immer wieder diese Auf und Abs. Das kennt, denke ich, jeder. Einmal glaubt man, dass es so nun überhaupt nicht mehr geht und man sich unbedingt trennen muss, und am nächsten Tag ist man sich wieder sicher, dass man ohne den oder die andere auf gar keinen Fall leben kann. So ist das immer. Und dann gibt es die Phasen, Wochen, Monate, wo es ganz alltäglich dahinfließt. Also: Nur die eine Wahrheit über die Liebe, die gibt es gar nicht. Wobei - eine wahre Liebe habe ich gefunden: Das ist die Liebe zu meiner kleinen Pudel­ dame, zu diesem kleinen Monsterchen. Die vergöttere ich geradezu. Sie hat mich total um den Finger gewickelt! Ansonsten geht die Suche nach der Wahrheit immer weiter. Schließlich heißt es ja auch bei W. H. Auden im titelgebenden Lied: »I’ve sought it since I was a child / But haven’t found it yet; / I’m getting on for thirty-five, / And still I do not know / What kind of creature it can be / That bothers people so.« Liebe Sarah, ich danke Dir sehr für diese Gespräch und die Einblicke. Wir sind sehr gespannt - und freuen uns auf das Programm!

9


TEXTE

FRANZ SCHUBERT DER HIRT AUF DEM FELSEN

Wenn auf dem höchsten Fels ich steh, Ins tiefe Tal hernieder seh Und singe, Fern aus dem tiefen dunkeln Tal Schwingt sich empor der Wiederhall Der Klüfte. Je weiter meine Stimme dringt, Je heller sie mir wiederklingt Von unten. Mein Liebchen wohnt so weit von mir, Drum sehn ich mich so heiß nach ihr Hinüber.

GEORGE GERSHWIN THE MAN I LOVE

Someday he’ll come along, The man I love; And he’ll be big and strong, The man I love; And when he comes my way I’ll do my best to make him stay. He’ll look at me and smile, I’ll understand; And in a little while, He’ll take my hand; And though it seems absurd, I know we both won’t say a word.

10


In tiefem Gram verzehr ich mich, Mir ist die Freude hin, Auf Erden mir die Hoffnung wich, Ich hier so einsam bin. So sehnend klang im Wald das Lied, So sehnend klang es durch die Nacht. Die Herzen es zum Himmel zieht Mit wunderbarer Macht. Der Frühling will kommen, Der Frühling, meine Freud, Nun mach ich mich fertig Zum Wandern bereit. Wilhelm Müller (1794-1827)

Übersetzung: Andreas Meier DER MANN, DEN ICH LIEBE

Eines Tages wird er auftauchen, der Mann, den ich liebe; und er wird groß und stark sein, der Mann, den ich liebe; und wenn er vorbeikommt, werde ich alles tun, damit er bleibt. Er wird mich ansehen und lächeln, ich werde verstehen; und nach einer kleinen Weile wird er meine Hand nehmen; und auch wenn es absurd klingt, weiß ich, dass wir beide kein Wort sagen werden.

11


TEXTE

Maybe I shall meet him Sunday, Maybe Monday, maybe not; Still I’m sure to meet him one day, Maybe Tuesday will be my good news day. He’ll build a little home Just meant for two, From which I’ll never roam, Who would – would you? And so all else above, I’m waiting for the man I love. Ira Gershwin (1896 – 1983)

BENJAMIN BRITTEN Texte: W. H. Auden (1907-1973) TELL ME THE TRUTH ABOUT LOVE

Some say that love’s a little boy, And some say it’s a bird, Some say it makes the world go round, And some say that’s absurd, And when I asked the man next-door, Who looked as if he knew, His wife got very cross indeed, And said it wouldn’t do. Does it look like a pair of pyjamas, Or the ham in a temp’rance hotel? Does its odour remind one of llamas, Or has it a comforting smell? Is it prickly to touch as a hedge is, Or soft as eiderdown fluff? Is it sharp or quite smooth at the edges? O tell me the truth about love.

12


Vielleicht treffe ich ihn am Sonntag, vielleicht am Montag, vielleicht auch nicht; doch ich bin sicher, ihm eines Tages zu begegnen, vielleicht wird Dienstag der Tag der guten Nachricht sein. Er wird ein kleines Zuhause bauen, nur für uns zwei, das ich nie wieder verlassen werde, wer würde das schon – würdest du? Und deshalb, vor allen Dingen, warte ich auf den Mann, den ich liebe.

Übersetzung: Andreas Meier TELL ME THE TRUTH ABOUT LOVE

Manche sagen, die Liebe sei ein kleiner Junge und manche sagen, sie sei ein Vogel, manche sagen, sie hält die Welt am Laufen und manche sagen, das sei lächerlich. Und als ich den Mann im Nachbarhaus fragte, der so aussah, als ob er es wüsste, da wurde seine Frau doch sehr böse und sagte, ich solle das lassen. Sieht sie aus wie ein Schlafanzug oder der Schinken in einem Kurhotel? Erinnert ihr Duft an den von Lamas oder hat sie einen beruhigenden Geruch? Fühlt sie sich stachlig an wie eine Hecke oder weich wie Daunenflaum? Ist sie scharf oder glatt an den Rändern? O sag mir die Wahrheit über die Liebe.

13


TEXTE

Your feelings when you meet it, I Am told you can’t forget, I’ve sought it since I was a child But haven’t found it yet; I’m getting on for thirty-five, And still I do not know What kind of creature it can be That bothers people so. When it comes, will it come without warning Just as I’m picking my nose? Will it knock on my door in the morning Or tread in the bus on my toes? Will it come like a change in the weather, Will its greeting be courteous or bluff, Will it alter my life altogether? O tell me the truth about love.

FUNERAL BLUES

Stop all the clocks, cut off the telephone, Prevent the dog from barking with a juicy bone, Silence the pianos and with muffled drum Bring out the coffin, let the mourners come. Let aeroplanes circle moaning overhead Scribbling on the sky the message He Is Dead, Tie crepe bands round the white necks of the public doves, Let the traffic policemen wear black cotton gloves. He was my North, my South, my East and West, My working week and my Sunday rest, My noon, my midnight, my talk, my song; I thought that love would last for ever: I was wrong. 14


Wenn du sie triffst, so sagt man, kannst du dieses Gefühl nie mehr vergessen, ich habe seit meiner Kindheit nach ihr gesucht und sie noch immer nicht gefunden; jetzt werde ich bald fünfunddreißig und weiß noch immer nicht, was das für ein Geschöpf sein könnte, das die Menschen derart plagt. Wenn sie kommt, kommt sie ohne Warnung, just dann, wenn ich gerade in der Nase bohre? Wird sie morgens an meine Tür klopfen oder im Bus auf meine Zehen steigen? Wird sie wie ein Wetterumschwung hereinkommen, wird ihr Gruß höflich oder ruppig sein, wird sie mein Leben vollkommen umkrempeln? O sag mir die Wahrheit über die Liebe.

Übersetzung: Andreas Meier BEERDIGUNGS-BLUES

Halt alle Uhren an, schalt das Telefon aus, hindere den Hund mit einem saftigen Knochen am Bellen, bring die Klaviere zum Schweigen und mit einer dumpfen Trommel bring den Sarg heraus, lass die Trauergemeinde kommen. Lass Flugzeuge klagend über uns kreisen und in den Himmel schreiben: Er Ist Tot, binde Kreppband um die weißen Hälse der Stadttauben, lass die Verkehrspolizisten schwarze Wollhandschuhe tragen. Er war mein Nord, mein Süd, mein Ost, mein West, meine Arbeitswoche, meine Sonntagsruhe, mein Mittag, meine Mitternacht, meine Sprache, mein Lied; ich dachte, die Liebe würde ewig andauern: Ich lag falsch. 15


TEXTE

The stars are not wanted now: put out ev’ry one; Pack up the moon and dismantle the sun; Pour away the ocean and sweep up the wood; For nothing now can ever come to any good.

JOHHNY

O the valley in the summer when I and my John Beside the deep river would walk on and on While the grass at our feet and the birds up above Whispered so soft in reciprocal love, And I leaned on his shoulder; »O Johnny, let’s play«: But he frowned like thunder and he went away. O the evening near Christmas as I well recall When we went to the Charity Matinee Ball, The floor was so smooth and the band was so loud And Johnny so handsome I felt so proud; »Squeeze me tighter, dear Johnny, let’s dance till day«: But he frowned like thunder and he went away. Shall I ever forget at the Grand Opera When music poured out of each wonderful star? Diamonds and pearls hung like ivy down Over each gold and silver gown; »O John I’m in heaven«, I whispered to say: But he frowned like thunder and he went away. O but he was fair as a garden in flower, As slender and tall as the great Eiffel Tower, When the waltz throbbed out down the long promenade O his eyes and his smile they went straight to my heart;

16


Wir brauchen die Sterne jetzt nicht: Mach sie alle aus; pack den Mond ein und bau die Sonne ab, schütte das Meer aus und kehre den Wald zusammen; denn nichts kann jemals wieder gut werden.

Übersetzung: Andreas Meier JOHHNY

O das Tal im Sommer, als ich und mein John weiter und weiter am tiefen Fluss entlangwanderten, während das Gras an unseren Füßen und die Vögel dort oben so sanft in gegenseitiger Liebe flüsterten und ich mich an seine Schulter lehnte; »O Johnny, lass uns spielen«: Doch er sah mich mit finsterer Miene an und er ging fort. O der Abend vor Weihnachten, ich erinnere mich gut, als wir zum Wohltätigkeitsball gingen, der Boden war so glatt und die Band war so laut und Johnny so stattlich, ich war so stolz; »Halt mich fester, lieber Johnny, lass uns bis zum Morgen tanzen«: Doch er sah mich mit finsterer Miene an und er ging fort. Werde ich jemals den Abend in der Oper vergessen, als sich Musik aus jedem herrlichen Stern ergoss? Diamanten und Perlen hingen wie Efeu an jedem goldenen und silbernen Kleid herab. »O John, ich bin im Himmel«, flüsterte ich ihm zu: Doch er sah mich mit finsterer Miene an und er ging fort. Ach, doch er war schön wie ein blühender Garten, so schlank und hochgewachsen wie der große Eiffelturm, als der Walzer auf der langen Promenade verklang, drangen seine Augen und sein Lachen direkt in mein Herz;

17


TEXTE

»O marry me, Johnny, I’ll love and obey«: But he frowned like thunder and he went away. O last night I dreamed of you, Johnny, my lover, You’d the sun on one arm and the moon on the other, The sea it was blue and the grass it was green, Ev’ry star rattled a round tambourine; Ten thousand miles deep in a pit there I lay: But you went away.

CALYPSO

Driver drive faster and make a good run Down the Springfield Line under the shining sun. Fly like an aeroplane, don’t pull up short Till you brake for Grand Central Station, New York. For there in the middle of the waiting-hall Should be standing the one that I love best of all. If he’s not there to meet me when I get to town I’ll stand on the side-walk with tears rolling down. For he is the one that I love to look on, The acme of kindness and perfection. He presses my hand and he says he loves me, Which I find an admirable peculiarity. The woods are bright green on both sides of the line, The trees have their loves though they’re different from mine. But the poor fat old banker in the sun-parlour car Has no one to love him except his cigar.

18


»O heirate mich, Johnny, ich werde dich lieben und dir folgen«: Doch er sah mich mit finsterer Miene an und er ging fort. Ach, letzte Nacht träumte ich von dir, Johnny, mein Geliebter, du trugst die Sonne auf einem und den Mond auf dem anderen Arm, das Meer, es war blau und das Gras, es war grün, jeder Stern schimmerte wie ein rundes Tamburin; zehntausend Meilen tief lag ich dort in einer Grube: Doch du gingst fort.

Übersetzung: IHWA (deepl.com) CALYPSO

Fahrer, fahre schneller und komme gut voran Auf der Springfield Line unter der strahlenden Sonne. Fliege wie ein Flugzeug, halte nicht kurz an Bis du an der Grand Central Station in New York bremst. Denn dort in der Mitte der Wartehalle Sollte der stehen, den ich von allen am meisten liebe. Wenn er nicht da ist, um mich zu empfangen, wenn ich in der Stadt bin Werde ich auf dem Gehsteig stehen und Tränen vergießen. Denn er ist derjenige, den ich am liebsten anschaue, Der Inbegriff von Güte und Vollkommenheit. Er drückt meine Hand und sagt, er liebt mich, Was ich für eine bewundernswerte Eigenart halte. Die Wälder sind hellgrün auf beiden Seiten der Linie, Die Bäume haben ihre Liebe, auch wenn sie anders ist als die meine. Aber der arme, dicke, alte Bankier im Sonnenwagen Hat niemanden, der ihn liebt, außer seiner Zigarre.

19


László Moholy-Nagy (1895 –1946): Komposition K 4, 1923


TEXTE

LEONARD BERNSTEIN WHAT A MOVIE

What a movie!! What a terrible, awful movie! It’s a crime what they put on the screen! I can hardly believe what I’ve seen! Do they think we’re a lot of children? It would bore any four year old! What drivel! What nonsense! What escapist Technicolor twaddle!! «Trouble in Tahiti«, indeed! «Trouble in Tahiti«, imagine! There she is in her inch or two of sarong, Floating all among the floating flowers … Then she sees him, the handsome American; (I must say he’s really a man: Six feet tall, and each foot just incredible!) Well, they’re madly in love, But there’s trouble ahead: There’s a legend: «If a princess marry white man, and rain fall that day, Then the white man shall be sacrifice without delay.« Sure enough, on the night of their wedding day, There’s a storm like nothing on earth; Tidal waves and siroccos and hurricanes; And to top it all off, / The volcano erupts. As the natives sing: Ah! Ah! Ah! Olé! They go crazy with the drumming and the chanting and ritual dance, While the lovers sing a ballad of South Sea romance.

22


Übersetzung: Andreas Meier WAS FÜR EIN FILM!

Was für ein schrecklicher, furchtbarer Film! Ein Verbrechen, was sie da auf die Leinwand gebracht Ich kann kaum glauben, was ich gesehen habe! haben! Denken die, wir sind ein Haufen Kinder? Das würde jeden Vierjährigen langweilen! Was für ein Geschwafel! Was für ein Unsinn! Was für ein realitätsfernes Farbfilmgeschwätz! »Ärger auf Tahiti«, allerdings! »Ärger auf Tahiti«, stell dir vor! Da ist sie, in ihrem freizügigen Sarong, wie sie inmitten der gleitenden Blumen gleitet ... Dann sieht sie ihn, den hübschen Amerikaner; (zugegeben, er ist wirklich ein Mann: sechs Fuß groß, und jeder Fuß schlicht unglaublich!) Nun ja, sie sind unsterblich verliebt, aber es liegt Ärger in der Luft: Es gibt eine Legende: »Wenn Prinzessin weißen Mann heiraten und regnen diesen Tag, dann muss der weiße Mann ohne zu zögern opfern werden.« Und tatsächlich, in der Nacht ihres Hochzeitstages gibt es einen Sturm wie nicht von dieser Welt; Flutwellen, Sciroccos und Wirbelstürme; und als Krönung des Ganzen / bricht der Vulkan aus. Da singen die Eingeborenen: Ah! Ah! Ah! Olé! Sie drehen völlig durch mit ihrem Trommeln und Singen und rituellen Tanz, während die Liebenden eine Südseeromantikballade singen.

23


TEXTE

It’s so lovely, I wish I could think of it; Da da dee da da dee da da. It was called «Island Magic«, I think it was. Oh, a beautiful song! I remember it now: «Island Magic, where the midnight breezes caress us, And the stars above seem to bless us, That’s Island Magic«. Well, in any case, the hero is tied to a tree. (Did I tell you he’s a flyer who got lost at sea?) Anyway, all the natives are crazy now, Running wild with lances and knives; Then they pile up the wood for the sacrifice, And the witch-doctor comes, / And he sets it on fire. As the natives sing: Ah! Ah! Ah! Olé! But at this point Comes the good old U.S. Navy, a-singin’ a song; They come swarming down in parachutes, a thousand strong! Ev’rything now is cleared up and wonderful: Ev’ryone is happy as pie; / And they all do a great Rhumba version of «Island Magic« of course! It’s a dazzling sight; With the sleek brown native women Dancing with the U.S. Navy boys, And a hundred-piece symphony orchestra: «Island Magic!! Where the palmtrees whisper together, And it’s always midsummer weather, That’s Island Magic,

24


Es ist so entzückend, ich wünschte, ich könnte mich Da da di da da di da da. erinnern; Es hieß »Inselzauber«, ich glaube, so hieß es. Oh, ein schönes Lied! Jetzt erinnere ich mich: »Inselzauber, wo die Mitternachtsbrise uns liebkost, und die Sterne dort oben uns zu segnen scheinen, das ist Inselzauber«. Jedenfalls ist der Held an einen Baum gefesselt. (Habe ich erwähnt, dass er ein Pilot ist, der auf dem Meer verloren ging?) Wie auch immer, die Eingeborenen spielen jetzt alle rennen wild mit Lanzen und Messern herum; verrückt, dann stapeln sie das Holz auf für die Opferung und der Medizinmann kommt / und zündet es an. Während die Eingeborenen singen: Ah! Ah! Ah! Olé! Doch an dieser Stelle kommt die gute alte U.S. Navy und singt ein Lied; sie schwärmen herab mit Fallschirmen, zu Tausenden!

Jetzt ist alles aufgeklärt und wunderbar: Jeder ist glücklich wie ein Honigkuchenpferd; und natürlich tanzen alle eine tolle Rumbaversion von »Inselzauber«! Es ist ein überwältigender Anblick mit den schlanken braunen einheimischen Frauen, die mit den Jungs von der U.S. Navy tanzen und einem hundertköpfigen Sinfonieorchester: »Inselzauber!! Wo die Palmen einander zuflüstern und es immer Mittsommerwetter gibt, das ist Inselzauber,

25


TEXTE

Island Magic! With the one I love very near; Island Magic, whisp’ring native words in my ear; Island Magic, only you, my darling, could weave it, And I never ever will leave it, And I simply cannot believe It really is mine! / Island Magic! / Island Ma-« What a terrible, awful movie!!! How long have I been standing here chattering? If I don’t get going this minute, there won’t be any dinner / When Sam comes home! Leonard Bernstein (1918–1990)

GYÖRGI LIGETI Texte: Attila József (1905–1937) MEGFÁRADT EMBER

A földeken néhány komoly paraszt hazafele indul hallgatag. Egymás mellett fekszünk: a folyó meg én, gyenge füvek alusznak a szívem alatt. A folyó csöndes, nagy nyugalmat görget, harmattá vált bennem a gond és teher; se férfi, se gyerek, se magyar, se testvér, csak megfáradt ember, aki itt hever. A békességet szétosztja az este, meleg kenyerébo˝ l egy karaj vagyok, pihen most az ég is, a nyugodt Marosra s homlokomra kiülnek a csillagok.

26


Inselzauber! Mit meinem Liebsten nah bei mir; Inselzauber flüstert einheimische Worte in mein Ohr; Inselzauber, nur du, mein Schatz, kannst ihn ersinnen und ich werde niemals davon ablassen und ich kann einfach nicht glauben, dass er wirklich mein ist! / Inselzauber! / Inselzau-« Was für ein schrecklicher, furchtbarer Film!!! Wie lange stehe ich schon hier und schwatze? Wenn ich nicht sofort loslege, gibt es kein Abendessen, wenn Sam nach Hause kommt!

Übersetzungen: Beáta Nagy DER MÜDE MANN

Auf den Felden gehen einige finstere Bauern schweigend nach Hause. Wir liegen Seite an Seite: der Fluss und ich. Schwache Grashalme schlafen unter meinem Herzen. Der Fluss rollt leise in großer Ruhe. Die Sorge und die Last sind in mir Tau geworden. Weder Mann noch Kind, weder Ungar noch Bruder, nur ein müder Mensch ist es, der hier herumliegt. Der Abend teilt Frieden aus, Ich bin eine Scheibe aus seinem warmen Brot. Jetzt ruht auch der Himmel auf dem ruhigen Maros-Fluss Und auf meiner Stirn sitzen die Sterne.

27


TEXTE

PERC

Dalol a madársereg, Hogy az erdo˝ zeng belé, Maszatos parasztgyerek Inal a folyó felé. A Nap is süt melegen, Tüzesíti a leget, Nem is látni az egen Pici keskeny felleget. A parasztgyerek hevül, A folyóparton ledül, Homokon gurul tovább, Kavicsot fog, jó lapost, A folyóba dobja most S fütyörészve áll odább.

JÖJJ, TESTVÉRKÉM

Jöjj, testvérkém, atyánk, a bujdosó nap, A távol falujába ballagott. Kigyújtják hamvas üvegét a holdnak, A méla égi templomablakot. Az est sötét báránya ballagóba, S feketébb hulló selyemgyapja már. És szo˝ke hajad mintha mezo˝ volna, mit teljesen betölt a holdsugár.

GEORGES APERGHIS LE RIRE PHYSIOLOGIQUE

Mon pianiste est irrésistible! Vous avez remarqué qu’il ne riait jamais! ... Il ne peut pas! C’est physiologique ... Vous savez que, physiologiquement, le rire résulte de la contraction des muscles du visage, ce qui provoque une modification du faciès, accompagnée de sons très

28


MINUTE

Die Vögel singen, dass der Wald widerhallt. Ein verschmiertes Bauernkind huscht zum Fluss. Die Sonne strahlt warm, macht die Luft feurig Nicht einmal eine schmale Wolke ist am Himmel zu sehen. Dem Bauernjungen wird es heiß, er legt sich am Ufer hin. Auf dem Sand rollt er weiter. Greift sich einen Stein, einen schönen flachen, wirft ihn in das Wasser jetzt. Pfeifend geht er weiter.

KOMM, MEIN BRÜDERCHEN

Komm, mein Brüderchen. Unser Vater, die lauernde ist in das weit entfernte Dorf geschlendert. Sonne, Oben wird schon das Glas des Mondes angezündet, Das unschuldige Kirchenfenster. Das dunkle Lamm des Abends geht spazieren, Und sein seidenes Fell wird immer schwärzer. Dein blondes Haar ist wie eine Wiese Die der Mondschein überflutet.

Übersetzung: Andreas Meier DAS PHYSIOLOGISCHE GELÄCHTER

Mein Pianist ist hinreißend! Wie Sie bemerkt haben, lacht er nie! Er kann nicht! Das ist physiologisch ... Sie wissen, dass das Lachen physiologisch gesehen durch das Zusammenziehen der Gesichtsmuskeln entsteht, was zu einer Modifikation des Gesichts führt, begleitet von

29


TEXTE

caractéristiques tels que: Ha! Ha! Ha! Ha! Ou encore: Hi! Hi! Hi! Hi! C’est irrésistible! Le rire est caractérisé en outre par une respiration saccadée ... Cette respiration s’explique par une convulsion des muscles expirateurs ... Hi! Hi! Hi! Hi! Hi! Une inspiration brutale vient de temps à autre interrompre ces convulsions ... Heursshh! Si l’expiration nécessaire ne peut se faire à temps, le rire devient douloureux! Ha! Ha! Ha! Ha! Ha! Le visage se congestionne, le rieur est sur le point de s’asphyxier, c’est irrésistible! D’où les expressions: »Crever de rire.« Ou: »Étouffer de rire.« D’où aussi: »Les plus courtes sont les meilleures.« Car si la plaisanterie dure un peu trop longtemps, que se passe-t-il? Les muscles abdominaux se contractent de façon spasmodique: Hi! Hi! Hi! Hi! Hi! – Arrêtez, vous me faites mal au ventre! D’où, parfois ... Ha! ... mixtion involontaire, c’est-à-dire que le rieur fait pipi dans sa culotte ... C’est le cas de mon pianiste... C’est pourquoi il ne rit pas. Il se retient! (Au pianiste) N’est-ce pas? Dites? Laissez-vous aller un peu à rire pour illustrer ma démonstration! Pianiste (se laissant aller): Ha! Ha! Ha! Ha! Ha! (Le pianiste change d’expression, se lève et sort.) Vous voyez? ... Ça fait partie de ces choses qui vous échappent! Raymond Devos (1922 – 2006)

30


sehr charakteristischen Lauten wie: Ha! Ha! Ha! Ha! Oder auch: Hi! Hi! Hi! Hi! Das ist hinreißend! Das Lachen ist außerdem durch eine ruckartige Atmung gekennzeichnet ... Diese Atmung erklärt sich durch eine Zuckung der Atemmuskulatur … Hi! Hi! Hi! Hi! Hi! Ein unerwartetes Einatmen unterbricht diese Zuckungen von Zeit zu Zeit … Heursschhh! Wenn die notwendige Ausatmung nicht rechtzeitig erfolgen kann, wird das Lachen schmerzhaft! Ha! Ha! Ha! Ha! Ha! Ha! Das Gesicht wird blau, der Lacher ist kurz davor, zu ersticken, das ist hinreißend! Daher die Ausdrücke: »Vor Lachen sterben.« Oder: »Vor Lachen ersticken.« Oder auch: »Die kürzesten sind die besten.« Denn wenn der Spaß zu lange dauert, was passiert dann? Die Bauchmuskeln ziehen sich krampfhaft zusammen: Hi! Hi! Hi! Hi! Hi! – Hören Sie auf, Sie verursachen mir Bauchschmerzen! Das führt manchmal dazu ... Ha! ... unfreiwillige Mischung, das heißt, der Lacher macht Pipi in seinen Schlüpfer ... Das ist der Fall bei meinem Pianisten ... Deshalb lacht er nicht. Er hält es zurück! (Zum Pianisten) Ist das nicht so? Sagen Sie es. Lassen Sie sich ein wenig zum Lachen bringen, um meine Demonstration zu veranschaulichen! Pianist (gibt auf ): Ha! Ha! Ha! Ha! Ha! (Der Pianist ändert seinen Gesichtsausdruck, steht auf und geht.) Sehen Sie? ... Das ist eines der Dinge, die Ihnen dabei entgehen!

31


TEXTE

GYÖRGY LIGETI MYSTERIES OF THE MACABRE

Psst! Pspsst! Pspspsst! Shsht! Co! Coco! Cocococo! Cococo! Cocoding zero! O! Cococoding Zero zero: highest security grade! Zero, Zero! Birds on the wing! Doubleyousee! Snakes in the grass! Rabble, rabble, rabble! Riot, riot! Unlawful assemblies! Communal insurrection! Mutinous masses! Turbulence! Panic! Panic! Paaaaaapapapapanic! Groundless! Groundless! Phobia! Wide of the mark! Right off the mark! Hypopo, Hypoooooopoooooopopopopopota, Hypopochondria! Rsch! Rsch! March! Marcht! March target! Direction! Rection! Direction! Prince! Your Place! March target royal palace! Palace! Password: Gogogogolash, Gogolash! Demonstration! Protestations, ha! Provocations, ha! Pst! Pst! Much discretion! Close observation! Take precautions! That’s all! Pst! Pst! Not a squeak! Confidential! One more thing: Bear in mind: Silence is golden! What is it now? Secret cypher! Codename: Loch Ness Monster! Comet in sight! Red glow! Burns bright! Pst! Sit tight! No fright! Yes! No! No! Yes! No! No! Yes! Yes! No! Beyond all doubt! Satellite! Asteroid! Planetoid! Polaroid! Coming fast! Hostile! Perfidious! Menacing! Momentous! Fatal! Stern measures! Stern measures! Stern measures? Stern measures! Kukuridu! Kikeriki! He’s coming! Coming! Coming! Coming! Coming! Kekerikeke! Kokorikökö! Kukurikükü! Kakarikakaka!

32


Übersetzung: Andreas Meier MYSTERIES OF THE MACABRE

Psst! Pspsst! Pspspsst! Schscht! Ko! Koko! Kokokoko! Kokoko! Kokode zero! Oh! Kokokode Zero zero: höchste Geheimnisstufe! Zero, Zero! Kommen Störche! Dabeljusi! Krokodil groß! Menge, Menge, Menge! Masse, Masse! Vo-vo-vo-volksmenge! Me-me-me-men-schen-mas-se! Ma-ma-ma-mas-se! Unruhe! Panik! Panik! Paaaaaapapapapanik! Grundlos! Grundlos! Phobie! Unmotiviert! Undefiniert! Hypopo, Hypoooooopoooooopopopopopota, Hypopochondririe! Rrsch! Rrsch! Marsch! Marschr! Marschroute! Marschrichtung! Richtung! Marschrichtung! Fürst! Palast! Marschrichtung Papalast! Fürst! Palast! Tarnwort: Gogogogolasch, Gogolasch! Demonstration! Protestaktion! Provokation! Pst! Pst! Diskretion! Observation! Sanktion! Ende! Pst! Pst! Keinen Pieps! Bankgeheimnis! Was ich noch sagen wollt’: Schweigen ist Gold! Was ist denn schon wieder? Geheimmeldung! Ziffer: Blaue Ente! Roter Komet! Planet! Magnet! Pst! Diskret! Diskret! Ja! Nein! Nein! Ja! Nein! Nein! Ja! Ja! Nein! Ohne Zweifel! Satellit! Asteroid! Planetoid! Polaroid! Am Zenit! Morbid! Perfid! Bedrohlich! Gefährlich! Tödlich! Maßnahmen! Maßnahmen! Maßnahmen? Maßnahmen! Kukuridu! Kikeriki! Er kommt! Er kommt! Er kommt! Er kommt! Er kommt! Kekerikeke! Kokorokökö! Kukurikuku! Kakarikaka!

33


TEXTE

Makarikaka! Makabrikaka! Makabrika! Kabrikama! Brikamaka! Kamakabri! Makabri! Makrabi! Makrabey! Makrabey! Makrabey! Makrabey! Makrabey! Makrabey! Makrabey! Makrabey! Makrabey! Coming! Coming! Look there! There! There! There! He’s getting in! He’s getting in! He’s getting in! He’s in! Where’s the guard? Where’s the guard? The guard! The guard! The guard! Call the guard! Call the gua’! Call the gua’! Call the gua’! Call the gua’! Call ’e gua’! Call ’e gua’! Call ’e gua’! Call ’e gua’! Call ’e gua’! Call ’e gua’! Call ’e gua’! Call guarda! Da! Da! Da! Da! Da! Da! Da! Ada! Ada! Ada! Ada! Ada! Ada! Ada! Ada! Da!! Da!! Da!! Da!! Da!! Da!! Da!! Da!! Da!! Da!! Pssst Da Text: Michael Meschke (* 1931) und György Ligeti, ins Englische übersetzt von Geoffrey Skelton (1916–1998)

FRANZ SCHUBERT ABSCHIED VON DER ERDE

Leb’ wohl, du schöne Erde! Kann dich erst jetzt versteh’n, Wo Freude und wo Kummer An uns vorüber weh’n. Leb’ wohl, du Meister Kummer! Dank dir mit nassem Blick! Mit mir nehm’ ich die Freude, Dich lass’ ich hier zurück. Sei nur ein milder Lehrer, Führ’ alle hin zu Gott, Zeig’ in den trübsten Nächten

34


Makarikaka! Makabrikaka! Makabrika! Kabrikama! Brikamaka! Kamakabri! Makabri! Makrabi! Makrabe! Makrabe! Makrabe! Makrabe! Makrabe! Makrabe! Makrabe! Makrabe! Makrabe! Er kommt! Er kommt! Er kommt! Er! Er! Er! Er ist schon da! Er ist schon da! Er ist schon da! Schon da! Ist schon da? Ist schon da! Schon da! Schon da! Schon da! Ist schon da! Ist schon da! Ist schon da! Ist schon da! Is’ schon da! Is’ schon da! I’ schon da! I’ schon da! I’ scho’ da! I’ scho’ da! I’ scho’ da! Ist schon da! Da! Da! Da! Da! Da! Da! Da! Is’ da! Is’ da! Is’ da! Is’ da! Is’ da! Is’ da! Is’ da! Is’ da! Da!! Da!! Da!! Da!! Da!! Da!! Da!! Da!! Da!! Da!! Pssst Da.

Ein Streiflein Morgenrot! Lasse sie Liebe ahnen, So danken sie dir noch, Der früher und der später, Sie danken weinend doch. Dann glänzt das Leben heiter, Mild lächelt jeder Schmerz, Die Freude hält unfangen Das ruhige, klare Herz. Adolf Pratobevera von Wiesborn (1806 – 1875)

35


MITWIRKENDE

SARAH MARIA SUN

Sopran

Sarah Maria Sun wurde als Interpretin für zeitgenössische Musik international bekannt. Heute umfasst ihr Repertoire über 2.000 Kompositionen des 16. bis 21. Jahrhunderts. Sie wirkte an mehr als 370 Uraufführungen mit. 2017 (Lohengrin von Salvatore Sciarrino) und 2019 (Psychose 4.48 von Philip Venables) wurde sie als Sängerin des Jahres nominiert. In der Saison 2021/22 sang sie die Compagna in Luigi Nonos Intolleranza bei den Salzburger Festspielen unter der Leitung von Ingo Metzmacher. Im Herbst 2023 gab sie in Mexico City ihr Debüt als Lulu in der Mexikanischen Erstaufführung der gleichnamigen Oper von Alban Berg. In den letzten Jahren spielte sie zunehmend Monodramen komplexer (Frauen-)figuren. Sie tritt als Solistin regelmäßig in Konzerthäusern und Festivals wie der Suntory Hall Tokyo, dem Muziekgebow Amsterdam, der Elbphilharmonie Hamburg, der Tonhalle Zürich, dem Auditorio National Madrid, der Berliner und Kölner Philharmonie, den Biennalen Paris, Venedig und München, dem Arnold Schönberg Center Wien und den Festivals in Witten, Donaueschingen, Herrenhausen, Cervantino und Vertice Festival in Mexico u.v.m. auf. Außerdem gastierte sie an den Opernhäusern in Zürich, Basel, Dresden, Frankfurt, München, Düsseldorf, Stuttgart, Mannheim, Leipzig, Strasbourg, Luxembourg, Zagreb, der Opéra Bastille und Opéra Comique in Paris. Von 2007-2014 war sie die Erste Sopranistin der Neuen Vocal­solisten Stuttgart. Ihre Diskografie umfasst mehr als 30 CDs, wovon viele mit Preisen ausgezeichnet wurden. Sie gibt regelmäßig Meisterkurse für Vokalmusik des 20. und 21. Jahrhunderts, u. a. in Oslo, Harvard, Chicago, Stockholm, Zürich, Luzern, Rostock, Moskau, Dresden,

36


Hannover und Berlin. 2018-22 war sie Gastprofessorin, Tutorin und Lehrbeauftragte an den Musikhochschulen Hannover, Graz und Luzern; seit 2022 unterrichtet sie als Professorin an der Musikhochschule Basel.

KILIAN HEROLD

Klarinette

Kilian Herold erhielt seine eigene musikalische Ausbildung in Berlin bei Francois Benda, in Chicago bei John Yeh und Larry Combs und in Hannover bei Johannes Peitz. Während seiner Studienzeit war er Stipendiat des Cusanuswerks und des Deutschen Musikrats. 2004 wurde Kilian Herold im Alter von 23 Jahren Mitglied und Gesellschafter der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen unter Paavo Järvi. Von Herbst 2011 bis Frühjahr 2016 war er Soloklarinettist des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg. In jüngster Vergangenheit arbeitete er mit Dirigenten wie Paavo Järvi, Daniel Harding, Trevor Pinnock, François Xavier Roth, Christoph Eschenbach, Herbert Blomstedt und David Zinman zusammen. Auch als Solist und Kammermusiker ist Kilian Herold sehr aktiv. Er konzertierte beim Rheingau Musik Festival, beim Schleswig-Holstein Musik Festival, bei den internationalen Brahmstagen Baden-Baden sowie in zahlreichen Konzerthäusern in Europa, Indien, Südamerika, China und Japan. Als Solist führte er u. a. die Klarinettenkonzerte von Mozart, Weber und Nielsen mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, dem Istanbul State Symphony Orchestra und dem SWR Sinfonieorchester auf. Eine gemeinsame CD mit der Sopranistin Sarah Maria Sun mit Werken für Klarinette und Sopran von Mátyas Seiber erschien im Frühjahr 2017. Im Frühling 2016 wurde Kilian Herold als Klarinetten-


MITWIRKENDE

professor an die Musikhochschule Freiburg berufen. Außerdem ist er seit Frühjahr 2017 künstlerischer Leiter der internationalen Klarinettentage Staufen.

JAN PHILIP SCHULZE

Klavier

Jan Philip Schulze verfolgt eine besonders vielseitige Karriere, die ihn als Liedbegleiter, Kammermusiker und Spezialist für Neue Musik regelmäßig auf die großen Podien Europas und Asiens führt und zugleich pädagogische, veranstalterische und editorische Tätigkeiten bündelt. Mit Juliane Banse, Annette Dasch, Rachel Harnisch, Dietrich Henschel, Christiane Iven, Jonas Kaufmann, Johan Reuter, Robert Dean Smith, Sarah Maria Sun und Violeta Urmana ist Jan Phlip Schulze u.a. bei den Salzburger Festspielen, der Schubertiade Schwarzenberg, den Festivals von Luzern, München, Edinburgh und Tokio, an der Mailänder Scala und den Opernhäusern von Madrid, Valencia, Barcelona, Paris, Brüssel, in der Berliner Philharmonie und der Londoner Wigmore Hall aufgetreten. Er hat zahlreiche Werke uraufgeführt und über Jahre mit den Komponisten Hans Werner Henze, Wolfgang Rihm, Dieter Schnebel, Jörg Widmann, Manfred Trojahn, Nikolaus Brass eng zusammengearbeitet. Voll Entdeckerlust hat er in den letzten Jahren eine umfangreiche und vielfältige Diskographie eingespielt: neben hochgelobten Einspielungen der Klavierwerke von Jörg Widmann (neos) und Hans Werner Henze (col legno) umfasst sie u.a. frühklassische Kammermusik (mit dem Trio Amédée auf Dabringhaus), Hindemiths Marienleben (mit Rachel Harnisch bei Naxos) und Klaviersextette aus Frankreich (mit dem Arcis Quintett bei calig).

38


VORSCHAU

SO | 17. MÄRZ 2024 | 18.00 UHR Konzertsaal, HMDK Stuttgart WINTER-WELT-REISE JULIAN PRÉGARDIEN, Tenor / NEUS ESTARELLAS, Klavier / NATASHA LOGES, Konzept & Moderation Lieder von Schubert u. a. In Zusammenarbeit mit der Global Art Song Conference der HfM Freiburg SO | 21. APRIL 2024 | 11.00 UHR Opernhaus, Staatstheater Stuttgart LIEDMATINEE: HUGO-WOLF-MEDAILLE CHRISTIAN GERHAHER, Bariton / GEROLD HUBER, Klavier / CHRISTIANE IVEN, Laudatio Lieder von Hugo Wolf / Verleihung der Hugo-Wolf-Medaille

DIE NÄCHSTEN GALERIEKONZERTE: FR | 07. JUNI 2024 | 19.30 UHR Vortragssaal, Staatsgalerie Stuttgart FREIHEIT! FREIHEIT? GÜNTHER GROISSBÖCK, Bass JULIUS DRAKE, Klavier Lieder von Franz Schubert, Carl Loewe, Richard Strauss und Gustav Mahler. DO | 18. JULI 2024 | 19.30 UHR Vortragssaal, Staatsgalerie Stuttgart WANDERER JOCHEN KUPFER, Bariton MARCELO AMARAL, Klavier Lieder von Lieder von Franz Schubert, Robert Schumann, Richard Strauss, Hans Sommer, Alban Berg u. a.

Karten & Info WWW.IHWA.DE I TEL. 0711.722233699

39


IMPRESSUM Herausgeber Internationale Hugo-Wolf-Akademie für Gesang, Dichtung, Liedkunst e.V. Stuttgart, Jägerstraße 40, 70174 Stuttgart, Deutschland, Telefon +49(0)711-22 11 77, Fax +49(0)711. 22 79 989, info@ihwa.de, www. ihwa.de Vorstand Prof. Dr. Hansjörg Bäzner (Vorsitzender), Hans Georg Koch (Stv. Vor sitzender), Albrecht Merz (Schatzmeister), Walter Kübler (Schrift führer), Erster Bürgermeister Dr. Fabian Mayer (Ver tre ter der Landeshauptstadt Stuttgart), MDgt Dr. Claudia Rose (Ver treterin des Landes Baden-Württemberg), Cornelius Hauptmann, Richard Kriegbaum, Patrick Strub Künstlerischer Beirat Prof. Marcelo Amaral, Oswald Beaujean, Prof. Dr. h.c. Thomas Hampson, Prof. Christiane Iven, Dr. Regula Rapp Intendanz/Redaktion Dr. Cornelia Weidner Textnachweis Das Gespräch mit Sarah Maria Sun führte Dr. Cornelia Weidner als Originalbeitrag für dieses Programmheft. Wir danken dem Brucknerhaus Linz und Andreas Meier, dass wir seine deutschen Übersetzungen der Liedtexte nutzen durften. Ebenso danken wir wir dem Klavier-Festival Ruhr für die Überlassung der Übersetzungen von Beáta Nagy. Bildnachweis Titel (Ausschnitt), S. 16/17: Titel (Ausschnitt), S. 20/21: László Moholy-Nagy (1895–1946), Komposition K 4, 1923, Lithographie, 60,0 x 43,8 cm; Abbildung mit freundlicher Unterstützung und Genehmigung der Staatsgalerie Stuttgart (www.staatsgalerie.de); Thomas Jauck (Sarah Maria Sun), Kaupo Kikkas (Kilian Herold), Martin Buhler (Jan Philip Schulze) Änderungen des Programms und der Mitwirkenden vorbehalten.

Dieses Programmheft wurde auf Recyclingpapier weiß, Blauer Engel, FSC gedruckt.


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
IHWA_Programmheft_TruthAboutLove_SarahMariaSun_KilianHeriold_JanPhilipSchulze_20Febr2024 by hugo-wolf-academy - Issuu