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Kilim aus Van und Luzern DIE KULTUR DES KILIMS AUS VAN UND WIE EIN NEUES KILIM-LABEL ENTSTEHT
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Bachelorarbeit FS 2019 Aynur Turunc Moosstrasse 24 6003 Luzern aturunc@gmx.ch +41 78 889 08 41
Dozentin Schriftliche Arbeit Gabrielle Alioth
Dozenten Praktische Arbeit Egloff Brigitt Antonia Andreas Saxer
Zeichen: ca. 36150
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Inhaltsverzeichnis Einleitung
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2 Kilim-Tradition aus Van und Hakkari
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2.1 Die Geschichte 3 Materialien
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3.1 Die Eigenschaften von Schafswolle
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3.2 Die Färbung 3.2.1 Angewendete Färbung
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4 Weben 5 Die Entstehung des Ateliers 5.1 Interview 6 Zukünftiges Label
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6.1 Der Herstellungsprozess 6.1.1 Vorbereitung in der Schweiz 6.1.2 Gestalterischer Zusammenarbeit 6.1.3 Referenz-Kilims
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6.2 Produktion in Van 6.2.1 Garn im Lager zusammenstellen und in die Ateliers liefern 6.2.2 Weben 6.2.3 Nachbereitung
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7 Label
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7.1 Name
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7.2 Logo
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8 Fazit
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9 Literaturverzeichnis
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Einleitung In meiner praktischen Bachelor-Arbeit befasse ich mich mit Kilims - traditionellen, kurdischen, handgewobenen Teppichen. Hierbei arbeite ich mit einem Atelier aus Van zusammen. Die Stadt liegt weit im Osten der Türkei, in einem überwiegend kurdisch geprägten Gebiet. Das Kilim-Atelier ist ein soziales Projekt, welches ursprünglich von einer Privatperson aufgebaut wurde und heute von der Stadtverwaltung Van geleitet wird. Der Gründer wollte mit seinem Atelier jungen Frauen die Möglichkeit geben, neben Familienalltag oder Schulausbildung auch eine verlässliche, sichere Einkommensquelle zu haben. Dies ist eine von vielen Motivationen, weshalb ich mich für dieses Projekt entschieden habe. Nebst dem, dass ich den Spuren meiner kurdischen Vorfahren folgen und ihre Handwerktraditionen kennenlernen möchte, interessiere ich mich auch für den Produktionsablauf und eine mögliche Vermarktung in der Schweiz. Denn gleichzeitig ist der Gedanke, ein Design-Label zu entwerfen, welches ich später weiterentwickeln kann, um mich als Designerin damit zu entfalten. Zusammengefasst soll also mit diesen kurdischen, jungen Frauen eine einzigartige Kollektion erschaffen werden, welche die örtliche Tradition aufgreift und mit modernen Ideen, neuen Materialien und Designs in einem Co-Design mit mir vereint. Danach soll das Label durch mich in der Schweiz vermarktet werden. Diese schriftliche Arbeit soll parallel zu der praktischen Arbeit die Geschichte und Traditionen des Kilims und der Weberinnen dokumentieren und den Entstehungsprozess der Produktion und des Labels aufzeigen. Dafür werden folgende Aspekte behandelt: Mit welchen Materialien wird gearbeitet und was sind deren Eigenschaften? Wie kann man ein Label aufbauen und was muss dabei beachtet werden, um später die Frage zu beantworten, wo man sich als Label auf dem Markt platzieren möchte.
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2 Kilim-Tradition aus Van und Hakkari 2.1 Die Geschichte Kilim ist nicht gleich Kilim. Früher wurden diese leichten und doch sehr robusten Stoffe/Teppiche äusserst vielseitig verwendet. Die Kilims dienten in der Wohnung zum Beispiel als Tischersatz am Boden, als Raumtrenner oder als Sofalandschaften im Wohnzimmer. Des Weiteren konnten diese Textilien aber auch gut zu Kleidern oder Taschen weiterverarbeitet werden. Diese Produkte wurden oft mit den gleichen Materialien und Webtechniken hergestellt, weil sie von den Menschen selber hergestellt werden konnten und leicht zu transportieren waren. Dies war ein grosser Vorteil zu einer Zeit, in der die Menschen fast ausschliesslich Nomaden oder Halbnomaden waren, die ihre Zelte schnell und möglichst einfach zusammenpacken mussten. Das Besondere an diesem Produkt sind neben der Vielseitigkeit, Qualität und der Natürlichkeit der Materialien, vor allem der Entstehungsprozess und der hohe Stellenwert unter der Bevölkerung. Dieses Handwerk hat man zuhause praktiziert und von Generation zu Generation weiter gegeben. Dadurch entstanden Motive, die wiederum weiter vererbt wurden und sich mit der Zeit zu Symbolen der jeweiligen Stämme entwickelt haben. Die Kilims, die vor allem aus Van und seiner Umgebung kommen, werden noch heute mit den Motiven dieser alteingesessenen Stämme hergestellt. Einst war der Kilim ein Objekt oder Werk, mit dem die Frauen ihr Geschick und ihr Können zeigten und damit auch Anerkennung in ihrer Gemeinschaft erhielten. Jede junge Frau webte schon früh für ihre eigene „Cegiz-Truhe“, die sie Mitgift in die Ehe mitnahm. Man sagt im Volksmund auch heute noch: Die Frauen weben ihre Seele in den Kilim. Daher kann man sagen, dass die Killims nicht nur ein Wahrzeichen der Stämme sind, sondern auch die Charaktere der Frauen wiederspiegeln. Ein anderes Sprichwort aus früheren Zeiten war ausserdem folgendes: Ein Mann, der einen Teppich kaufen muss, hat keine gute Frau. Dies deutete darauf hin, dass seine Frau keinen Kilim weben und somit auch nicht für ihre Familie sorgen könne. Die selbstgemachten Kilims ihrer Frauen und Töchter durften die Männer aber auch nicht verkaufen. Nur die ärmsten Familien verkauften ihre Kilims, und das galt fast schon als Betteln. Doch wenn man einer Familie ein Kilim schenkte, war das eine grosse Ehre und zeigte dem Beschenkten, was für einen grossen Stellenwert er für diese Familie hatte.
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3 Materialien 3.1 Die Eigenschaften von Schafswolle Schafswolle ist ein überzeugendes Naturprodukt, sie hat viele Eigenschaften, die sich schon seit Jahrhunderten bewährt haben. Früher wurde der Kilim zu einhundert Prozent aus reiner Schafswolle von den Frauen selber hergestellt und mit Naturfarben gefärbt. Im heutigen Zeitalter wird der Kilim fast ausschliesslich von professionellen Herstellern produziert und vertrieben. Das Garn, das in den Ateliers in Van verwendet wird, bestellt die Atelierleitung in industriellen Mengen aus Istanbul. Nach ihren Angaben stamm das Rohmaterial für die 100% Schafswolle, die in Istanbul verarbeitet wird, aus der Türkei.
Abb: 1: Eine alte Bestellkarte im Atelierbüro, Fotog. Verfasserin Feb. 2019
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Dass diese Wolle seit Jahrhunderten in der Produktion von Kilims eingesetzt wird, ist natürlich auf die gute Verfügbarkeit in der Region zurückzuführen. Allerdings verfügt Schafswolle auch über einige besondere Eigenschaften - festgestellt einerseits durch lange Erfahrungen, andererseits
aber
auch
durch
moderne
Forschungsmethoden
am
deutschen
Wollforschungsinstitut in Aachen- was sie zu einem idealen Material für Kilims bis in die heutige Zeit macht. Schafswolle entgiftet die Raumluft Schafswolle bindet Stoffe aus der Gruppe der Aldehyde wie z.B. Formaldehyd dauerhaft an sich. Das Binden gelingt dem Material durch spezifische Proteinstrukturen der Wolle und werden so unschädlich gemacht. Labortest aber auch Langzeitversuche in öffentlichen Gebäuden konnten dies zeigen. Ausserdem kann Wolle Geruchsstoffe, die wir oft als unangenehm empfinden, aus der Luft filtern. Schafswolle wirkt temperaturausgleichend Schon am lebenden Schaf schützt die Wolle das Tier im Winter vor Kälte und im Sommer vor Hitze. Diese Eigenschaft erhält die Wolle durch die Tatsache, dass sie zu ca. 85% aus Luft besteht, einem hervorragenden Isolator. Die natürlich gekräuselten Wollfasern halten Luft in ihrer Struktur fest. Schafswolle nimmt Feuchtigkeit auf Wolle kann ungefähr 30% seines Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich nass anzufühlen. Durch die Kräuselung der Wollfaser kommt nur eine minimale Fläche der Haut mit dem Material in Kontakt und hält so Wasser von der Haut fern. Die Faser saugt Wasser auf und hält es im Innern fest, während die Aussenseite der Faser Wasser abstösst. Selbst im nassen Zustand hat Wolle immer noch einen wärmenden Effekt. Wenn die Luft um die Wolle herum eher trocken ist, kann die Wolle die festgehaltene Feuchtigkeit an die Umgebung abgeben. Schafswolle ist geruchshemmend Schafswolle neutralisiert Säuren und bietet Pilzen und Bakterien keinen guten Nährboden, um sich zu vermehren. Somit können diese Keime kaum üble Gerüche produzieren, und das Material kann länger getragen werden. Auch nach längerem Tragen reicht kurzes Lüften der Kleidung, um Gerüche wieder los zu werden. Schafswolle ist knitterarm Die Wollfaser ist äusserst elastisch und besitzt hohe Spannkraft, wodurch das Material praktisch knitterfrei wird.1
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Finkhof, https://finkhof.de/eigenschaften-der-schafwolle, Abgerufen am 5. Mai 2019
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Schafswolle ist schmutzunempfindlich Wollkleidung muss nicht so oft gewaschen werden, da die Schuppen an der Oberfl채che der Wollfaser Schmutz sehr leicht abstossen. Schafswolle l채dt sich nicht elektrostatisch auf Eine gewisse Menge an Wasser ist immer in der Wollfaser vorhanden und leitet kleine elektrische Ladungen aus dem Material ab. Nur bei starker Trockenheit geht dieser Effekt verloren, kann durch Wasserzugabe aber wieder hergestellt werden.2
Abb: 2: Kursleiterin Melek Ertas am Garnspinnen, Fotografie Verfasserin Sep. 2018
Melek Ertas ist Kilim Kursleiterin im Atelier und hat mir im Atelier-Garten vorgef체hrt, wie sie fr체her Garn gesponnen haben. Heute werden die Garne oft in Fabriken maschinell hergestellt.
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Finkhof, https://finkhof.de/eigenschaften-der-schafwolle, Abgerufen am 5. Mai 2019
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3.2 Die Färbung Es existieren in der Region Anatolien drei verschiedene Methoden, um Wolle zu färben: Methode 1: Eine sehr alte Methode ist das Wurzelfärben. Dies ist ein chemischer Vorgang, der Jahre der Erfahrung und viel Geschick voraussetzt. Es gibt keine niedergeschriebenen Rezepte für den Prozess. Die Wurzelfärbung erforderte vier wichtige Elemente: Farbstoff + Zusatzstoff + Hitze + Zeit. Zu grosse Abweichungen bei einem dieser Elemente kann das Ergebnis zerstören. Diese Methode ist sehr anspruchsvoll, da sogar bei Gebrauch der gleichen Pflanzen zur Gewinnung des Farbstoffs unterschiedliche Ergebnisse auftreten können. Methode 2: In Anatolien werden Farbstoffe der Alizarin-Gruppe verwendet. Hier werden sie auch noch in den Dorfläden verkauft. Sie sind sehr beliebt, da sie sehr einfach im Gebrauch und günstig in der Anschaffung sind. Diese Farbstoffe sind sehr kräftig und strahlend, bleichen bei Kontakt mit Sonnenlicht oder Wasser aber auch schnell aus. Die Farbstoffe der AlizarinGruppe kommen in keinem anderen Land der Welt mehr zum Einsatz, weil sie nachweislich krebserregend sind. Methode 3: Die Firma "Sümerbank" und ähnliche Fabriken produzieren schon gefärbtes Garn. Dieses ist teurer als mit Alizarin gefärbte Textilien und die Farben sind blasser. Ausserdem sind die Garne für viele Landbewohner nur schwer erhältlich, können nicht in kleinen Mengen und nicht selber (ausserhalb der Fabriken) hergestellt werden und sind in den Augen vieler Leute wenig originell.3
Abb: 3: Fatma Belli am Garn Färben, Fotografie Verfasserin Sep. 2018
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Özkahraman 2010, Seite 17
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3.2.1 Angewendete Färbung Rückblickend betrachtet wird deutlich, dass die Leute, die ich getroffen habe, nach der ersten Methode vorgehen. Mehrmals im Jahr wird das Garn im Garten des Ateliers gefärbt und vorbereitet. Im Atelier, mit dem ich zusammenarbeite, pflegen sie nach wie vor die Praktik mit natürlichen Färbemitteln und traditionellen Färbetechniken zu arbeiten. Die Färbemittel werden in trockenem Zustand gelagert, und in jedem Frühling wird das Lager wieder aufgestockt. Dies kommt daher, dass zu dieser Jahreszeit die meisten natürlichen Färbemittel geerntet und produziert werden. Wie der Atelier-Gründer Enver Özkahraman erzählte, bekommt er die Geldmittel dazu meist in Form von Spendengeldern von Privatpersonen aus den umliegenden Dörfern. Die Färbeprozedur ist nicht einfach und braucht viel Übung. Daher können es nicht viele der Frauen machen. Für mich wurde der Prozess von Fatma Belli, der Assistentin der Atelierleitung vorgeführt und erläutert. Für die Färbung brauchen sie mehrere grosse Kessel, eine Gaskochstelle, Färbemittel und pro Kilogramm Wolle ca. 3-6 Liter Wasser.4 Das Wasser wird aufgekocht und bei niedrigen Temperaturen mit dem Färbemittel vermischt. Wieviel von dem Färbemittel beigefügt werden muss, ist zu Beginn des Vorgangs nicht klar und muss je nach Konsistenz des Mittels entsprechend der Erfahrung des Färbers entschieden werden. Unter ständigem Rühren, damit das Garn gleichmässig gefärbt wird, muss man es ca. eine Stunde kochen lassen. Je nach gewünschter Farbe und Farbintensivität muss das Ganze länger oder weniger lang gekocht werden. Je länger die Mischung gekocht wird, umso dunkler und intensiver wird die resultierende Farbe. Nach der Färbung wird das Garn aus dem Kessel genommen und zum Abkühlen stehen gelassen. Nach der Abkühlung wird die überschüssige Farbe vom Garn abgewaschen und im Garten zum Trocknen aufgehängt. Während meiner Arbeit ist mir aufgefallen, dass die Garne in vielen Farbnuancen vorhanden sind. Wenn eine Farbe ausgeht, kann nicht mehr die gleiche Farbnuance produziert werden. Daher muss der Einsatz der Farben gut geplant und darauf geachtet werden, dass genug Material für die geplanten Kilims an Lager ist. Färbemittel werden aus Zweigen, Rinde, Wurzeln, Blüten, Samen und sogar aus Insekten wie Blattläusen hergestellt. Jede Pflanze hat einzigartige Eigenschaften und verhält sich beim Färben anders.
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Özkahraman 2010, Seite 15
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Hier einige interessante Färbemittel: Karminrot Schildläuse gehören zum Stamm der Insekten und aus einigen Arten dieser Läuse kann der Farbstoff Karmin gewonnen werden. Dieser Farbstoff und seine Gewinnung aus Läusen waren vielen verschiedenen Völkern in verschiedenen Teilen der Welt bekannt. Die Azteken benutzten ihn und in Europa wurden nachweislich schon seit der Eiszeit Läuse zu Gewinnung von Karmin gezüchtet. Der Farbstoff wir heute hauptsächlich zu Färbung von Textilien, Lebensmitteln oder Kosmetik eingesetzt. Karmin ist inzwischen auch als "E 120" bekannt und wird beispielsweise zur Färbung von Campari eingesetzt. 5 Indigo Der blaue Farbstoff Indigo wird aus einer Pflanze gewonnen, welche in keinem ihrer Teile blau erscheint. Weder die Blüten, die Blätter noch die Wurzeln sind irgendwo blau. Allerdings enthält die Pflanze eine gelbliche Zuckerverbindung, welche eine Vorstufe des Indigoblaus darstellt. Durch Vergärung dieses Stoffes und der damit verbundenen Oxidation entsteht der Farbstoff Indigo. Leider ist dieses Indigoblau nicht wasserlöslich und kann daher auch nicht zum Färben von Textilien eingesetzt werden. Erst durch den Einsatz von Natronlauge und Natriumdithionit wird das wasserlösliche Salz "Indigoweiss" gewonnen. Textilien, die mit diesem Salz behandelt werden, erscheinen zunächst gelb, bevor sie sich durch die Oxidation an der Luft blau verfärben.6
Abb: 4: Indigo Farbe vom Atelier, Fotografie Verfasserin Sep. 2018
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Özkahraman 2010, Seite 18
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Özkahraman 2010, Seite 18
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4 Weben Der Kilim ist ein flach gewobener Teppich ohne Flor, welcher auf einem horizontalen Webstuhl gewoben wird. Ein Kilim wird aus zwei Arten von Garn hergestellt: Kette und Schuss. Wobei die Kette aus einem robusteren und festeren Garn besteht und der Schuss im Vergleich dünner und weicher ist. In der Grundform ist dies eine sehr simple Webemethode. Sie lässt sich bis in prähistorische Zeiten zurückverfolgen.7 Die Besonderheit ist, dass der Schussfaden auf beiden Seiten des Kilims das Muster bildet und somit auch auf beiden Seiten verwendet werden kann. Die Kettfäden werden nach Grösse des Kilims mit einer Dichte von 40 Ketten pro Zentimeter gespannt.8 Die Länge der Kettfäden bestimmt die maximale Länge des Kilims. Die Frauen haben, nach ihren Angaben, Webrahmen für bis zu 3m Länge und 2m Breite. Da früher die Platzverhältnisse in den Wohnungen sehr eng waren, wurden auch oft Patchwork-Kilims hergestellt. Somit konnten die Frauen auch mit kleinen Webrahmen kleine Kilims weben und zu einem grossen Kilim zusammennähen. Die Schussfäden werden fest genug aneinander geklopft, so dass die vertikalen Kettfäden verdeckt werden. Daher verdankt ein Kilim ausschliesslich den Schussfäden sein Erscheinungsbild. Alle Muster sind das Ergebnis der nebeneinander gesetzten Schussfäden mit unterschiedlichen Farben. Somit können für die Kette auch ungefärbte Garne verwendet werden. Die Garne für die Schussfäden sind hingegen farbig. Eine Besonderheit sind die Schlitze, die beim Weben auftreten. Diese Schlitze entstehen bei der Schleifenwebtechnik, wenn die Schleifen mehrmals an der gleichen Stelle umgekehrt werden und so im Gewebe ein Schlitz entsteht (siehe Skizze). Diese Schlitze werden für den Erhalt einer grösseren Gewebefestigkeit möglichst klein gehalten.
Abb: 5: Skizzen Webetechnik, Fotografie Verfasserin Mai 2019
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Finkhof, www.kelim.de/geschichte-und-herstellung-von-kilim, Abgerufen am 10. Mai 2019
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Özkahraman 2010, Seite 33
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Werkzeug
Abb: 6: Werkzuege der Weberinnen, Fotografie Verfasserin April 2019
Neben dem Webstuhl brauchen die Frauen nur eine Schere und einen Maschenklopfer.
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5 Die Entstehung des Ateliers 5.1 Interview Enver Özkahraman (Gründer) Isa Sarihan (Atelierleiter) Könnt ihr euch bitte kurz vorstellen? Enver: Ich bin ursprünglich aus Diyarbakir und pensionierter Geograf / technischer Zeichner. Als junger Mann wurde ich vom Staat, der mein Arbeitgeber war, nach Hakkari versetzt, wo ich alle Dörfer und die geografischen Gegebenheiten kartografisch erfassen und dokumentieren musste. Meine Familie und ich wohnten lange Zeit in Hakkari, und als unsere Kinder älter wurden, sind wir wegen der besseren Schulbildung nach Van gezogen. Isa: Ich bin Isa und habe die Ateliers vor zwei Jahren von Enver übernommen. Diese Position habe ich bekommen, weil ich Enver und sein Team sehr gut kannte. Durch meine Tätigkeit als Fahrer von Enver konnte ich alle Abläufe und das tägliche Geschäft mitverfolgen und mir aneignen. Wie hast du mit diesem Projekt begonnen? Enver: Als ich damit begonnen habe, war es nicht ein Projekt, sondern eine Dienstleistung. 1999 gab es in Van grosse Zuwanderung aus den umliegenden kurdischen Dörfern und Kleinstädten. Auf Grund meiner jahrzehntelangen Erfahrung mit diesen Menschen und deren Traditionen kam der Gemeindepräsident auf mich zu und bat mich um einen Rat, was sie für diese geflüchtete Menschen machen könnten. Ich habe mich ein paar Tage zurückgezogen und überlegte mir, was den Menschen am meisten helfen würde. Ich wusste, diese Gemeinschaft hatte sich in den Randregionen von Van niedergelassen und ihre finanzielle Lage war sehr schlecht. Die Männer konnten sich Arbeit suchen und dafür auch die Quartiere verlassen, aber die Frauen blieben in diesen slum-artigen Quartieren zurück und mussten in dieser Situation machtlos ausharren. Deswegen habe ich der Gemeinde vorgeschlagen, etwas für die Frauen zu machen. Ich wusste, dass die alten Frauen eine Kilim-Tradition pflegten und praktisch professionelle Weberinnen waren. So entstand die Idee eines Kilim-Ateliers, wo die Frauen Kilims weben konnten, während die Gemeinde den Verkauf übernehmen könnte.
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Wie sind die Ateliers entstanden? Enver: Wie schon erwähnt wollten wir für die Frauen in den Randregionen Kilim-Ateliers aufbauen, damit die Frauen arbeiten konnten. Es entstanden die Ateliers, die den Frauen nicht nur einen Arbeitsplatz boten, sondern auch ein Plattform darstellten, auf der die Alten den Jungen das Handwerk beibringen konnten, und somit hatten wir auch generellen Zugang zu den Frauen bekommen. Das war fast am wertvollsten für uns, denn dies ermöglichte uns mit Workshops etc. auch sie über alltägliche Themen wie zum Beispiel Körperhygiene, Kindererziehungen etc. aufzuklären und zu fördern. Wir konnten auch einige Frauen soweit fördern und aufbauen, dass diese ein Studium in Angriff nehmen konnten. Wie viele Ateliers und Weberinnen habt ihr? Isa: Zurzeit haben wir wegen der Wirtschaftskrise nur noch drei Ateliers. Zu Spitzenzeiten hatten wir aber fünf kleinere Ateliers. Es wurden bewusst mehrere kleinere Ateliers in den Quartieren gegründet, denn die Frauen mussten für ihre Kinder und den Haushalt sorgen und konnten nicht weit weg von Zuhause Arbeiten. Aber darüber kann Enver mehr erzählen. Enver: Ja das ist so. Wir haben mit einem angefangen und wollten schauen, wie es bei den Menschen ankommt. Es war nicht selbstverständlich, dass wir das Vertrauen der Menschen gleich bekommen haben. Denn wenn es um die Mädchen geht, sind die Väter misstrauisch. Wir mussten zuerst einmal das Vertrauen aufbauen. Dies gelang mir, indem ich ihnen auch das Versprechen geben konnte, dass ich wie ein Vater auf die Töchter aufpassen würde. Wir hatten Wächter in den Ateliers, die schauten, dass keine unbefugten Personen, vor allem Männer, die Ateliers betreten konnten. Du hast bestimmt viele Anekdoten und Geschichten über die Kilims. Bei meiner letzten Reise hattest du über die Schenkung der Kilim gesprochen und dass man früher die Kilims nicht verkaufen durfte. Denn das war eine Schande für die Familie und wurde von der Gesellschaft fast schon als Betteln bezeichnet. Aber man darf sie verschenken, und dies war für die Beschenkten ein Zeichen der Ehre und der Wertschätzung. Hast du sonst noch Erinnerungen, die du mit mir teilen möchtest? Enver: Ja, sehr gerne. Damit du verstehst, weshalb Kilims hier so verbreitet sind, möchte ich dir über eine Begegnung mit einer Frau in einem Dorf erzählen. Ich war bei einer Familie zu Besuch und habe die Frau beim Weben gefragt, weshalb sie weben und nicht knüpfen. Sie antwortete mir ruhig und gelassen: "Wir leben nicht in Schlössern und Villen. Wir sind Halbnomaden. Wir müssen im Sommer in die Berge, und stell dir vor, wir müssten die groben und schweren geknüpften Teppiche immer mitschleppen. Die Kilims sind leicht, vielseitig,
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faltbar, robust und das ist, was zählt. Ausserdem können wir auch unsere Kleidungsstücke und Zelte daraus anfertigen.
Abb: 7: Quartier in dem sich ein Atelier befindet, Fotografie Verfasserin April 2019
Das ist das Quartier, in dem das Atelier liegt. Es ist ein Quartier, das sich langsam aber sicher von einem «Slum» zu einem normalen Quartier entwickelt.
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6 Zukünftiges Label In diesem Kapitel werde ich meine Erfahrungen zusammenfassen und reflektieren. Denn diese Arbeit soll in Zukunft zu einem funktionierenden Label weiterentwickelt werden. Es soll ein sich selber tragendes Kilim-Label entstehen, das mit wenig Eigenkapital und Schritt für Schritt aufgebaut werden kann. Um eine Vorstellung zu erhalten, wie man ein passendes Geschäftsmodell aufziehen könnte, wird mit dem "Lean Canvas Mindmaping" für Gründer gearbeitet. Dieses Modell hilft, die Zusammenhänge der verschiedenen Bauteile zu verstehen, relevante Fragen für ein Start-Up zu beantworten und die Widersprüche und Lücken besser zu erkennen. Die drei Phasen des "Lean Canvas" werden in folgendermassen dargestellt:
Abb: 8: Die 3 Phase der Lean Canvas ( https://www.elam.ch/lean-service-design-grundstruktur/ Bes. 10. Mai 2019 )
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WHY: Warum machen wir das? Es gibt mehrere Gründe, dieses Label aufzubauen. Diese hochwertige Handwerks-Tradition wird schon seit Jahrhunderten gepflegt und bewährt sich bis heute. Wie bei vielen Produkten wird leider auch der Kilim von industriellen Billigwaren langsam aber sicher verdrängt. Ich würde gerne helfen, dieser Entwicklung entgegen zu wirken und
den Kilim vor dem
Aussterben zu bewahren. Das hochwertige Produkt, das aus 100% natürlichem Material hergestellt und gefärbt ist, ist umweltfreundlich, nachhaltig und gesundheitlich unbedenklich. Ein Kilim ist eine einzigartige Anschaffung, die man einmal im Leben macht und die meistens auch vererbt werden kann. Die Weberinnen arbeiten zwar alle mit den traditionellen Symbolen und Mustern aber sie können die Anordnung, Grösse und Farben, in Zusammenarbeit mit mir, selber bestimmen. Daher entstehen Kilims, die von den Weberinnen geprägt und Unikate sind. Nicht zuletzt soll auch die Produktion unter fairen Umständen stattfinden oder soweit gefördert werden, dass dies gewährleistet werden kann. Zusammengefasst kann man also sagen, dass dieses Produkt ein bewusstes Kundensegment ansprechen soll, das auf Fairness, Nachhaltigkeit, Individualität und Qualität Wert legt.
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How: Wie machen wir das? Mein Vorteil bei der Produktion sind ganz klar meine Sprach- und Kulturkenntnisse, die mir einen schnellen Zugang zu der Leitung und den Weberinnen verschafft hat. Nichts desto trotz musste ich die Arbeitsweise und Einstellung der Menschen in Van zuerst kennen lernen. Obwohl man weiss, dass er nicht immer strikt eingehalten wird, muss der Ablauf gut geplant und vorbereitet werden. Je genauer ich selbst weiss, was ich möchte und wie ich an mein Ziel gelange, desto selbstbewusster kann ich den Leuten gegenüber auftreten und ihre Arbeit in die gewünschten Bahnen lenken. Wenn man die Umstände Vorort analysiert, sieht man schnell, wie schwierig die Situation zurzeit in Van ist. Die Umstrukturierung der Gemeinde, der plötzliche Rücktritt von Enver Özkahraman, die politischen Unruhen und, nicht zu unterschätzen, die Wirtschaftskrise sind nur einige Gründe, die dazu führen, dass die Ateliers zurzeit harzig vorankommen. Ob mit diesem Atelier schlussendlich zusammengearbeitet werden kann, ist momentan noch offen. Das ist aber auch bei diesem Vorhaben nicht relevant. Denn es gibt in Van und Umgebung sehr viele solche Ateliers mit ähnlichen Zielen. Das Ziel wird es sein, ein- bis zweimal pro Jahr nach Van zu reisen, um mit den Frauen eine neue Kollektion auszuarbeiten. Nachdem die Frauen eingearbeitet sind, können sie die Kilims in 1 - 2 Monaten unabhängig fertigstellen und in die Schweiz verschicken. Dabei muss idealerweise mit einer bestimmten Vertrauensperson zusammengearbeitet werden.
WHAT: Was machen wir konkret? In meiner praktischen Arbeit habe ich das konkrete Vorhaben bis zur Produktion der Prototypen umgesetzt. Beim ersten Schritt wurden zehn Testmuster von 40cm x 60cm hergestellt, die
bei der Ausstellung dieser Arbeit präsentiert werden. Damit konnten
verschiedene Farb- und Materialkombinationen getestet werden. Diese Muster wurden auch schon mit Dozenten und potenziellen Kunden besprochen, und es konnte herausgespürt werden, was diesen Personen am besten gefällt. Von fast allen habe ich wertvolle und meist positive und konstruktive Rückmeldung erhalten, die ich bei der Weiterarbeit einbauen konnte. Mit diesem Wissen konnte eine Kollektion vorbereitet werden, die schlussendlich aus sieben Teppichen besteht. Damit konnte der ganze Produktionsablauf abgebildet werden, was dazu führte, dass viele Zusammenhänge klarer wurden und ich viele wertvolle Erfahrungen für die Zukunft sammeln durfte.
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6.1 Der Herstellungsprozess Wie schon erwähnt, haben die ersten Erfahrungen bei meiner praktischen Arbeit bereits sehr tiefe Einblicke in die Produktion ermöglicht und so möchte ich in Zukunft auch weiterarbeiten. Somit habe ich schon ein Gefühl für den Produktionsablauf erhalten. Bei einer externen Bestellung, wie ich sie aufgeben würde, ist die Kommunikation sehr wichtig. Der offizielle Weg durch die Geschäftsleitung ist relativ intransparent und braucht sehr viel Geduld. Es ist oft nicht festzustellen, ob die Informationen korrekt oder überhaupt an die Ateliers weitergeleitet werden. Deswegen habe ich bei meinem zweiten Besuch die Informationen immer parallel an die drei Instanzen - Atelierleitung, Assistenz und Weberinnen - übermittelt. Somit konnte ich sicher gehen, dass keine wichtigen Informationen verloren gingen. Der Produktionsablauf verlief bei dieser Bachelorarbeit wie folgt:
6.1.1 Vorbereitung in der Schweiz Die Vorbereitung ist meiner Ansicht nach das Wichtigste. Denn wenn alles möglichst gut vorbereitet ist, läuft danach alles einfacher, dachte ich… Die Frauen haben alle Webstühle nach meiner Bestellung bespannt und für das Weben vorbereitet, damit wir in den begrenzten 3 Wochen Produktionszeit keine Zeit dafür verlieren. Ich wollte mit den gleichen Frauen weiterarbeiten, mit denen ich schon die Muster beim ersten Besuch erstellt hatte. Vieles hatte ich vor der Reise vorbereitet und auch klar kommuniziert. Ich habe alle Farben, Masse, Produktionszeiten der gewünschten Kilims kommuniziert und auch mitgeteilt, mit welchen Frauen ich arbeiten möchte. Damit ich einige Ideen und Vorstellungen mit ihnen teilen konnte, habe ich einige Skizzen und Fotomontagen erstellt und mitgenommen. In Zukunft möchte ich jedenfalls genauere Angaben machen können, welche Farben und wieviel davon ich benötige, damit ich sicher gehen kann, dass genug Webmaterial und ausreichend Farbe vorhanden ist. Wobei die Vorbereitung der Webstühle sehr gut funktionierte und so weitergezogen werden kann. Die Zusammenarbeit mit den Frauen soll nach wie vor intensiv fortgeführt werden.
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6.1.2 Gestalterischer Zusammenarbeit
Wie schon angedeutet, wird das Design von den Frauen während des Herstellungsprozesses mitgeprägt. Nichtsdestotrotz musste im Vorfeld eine gezielte Vorbereitung erfolgen. Die folgenden Fragen mussten vor den Atelierbesuchen beantwortet werden: Was möchte ich mit den Frauen machen und was soll dabei herauskommen? Wie soll die Zusammenarbeit sein? Nach meiner Recherche wurde mir klar, dass ich die traditionellen Muster, die Van und Hakkari wiederspiegeln, beibehalten möchte. Somit habe ich mit zwei bestehenden Kilim-Designs, wie unten dargestellt, weitergearbeitet. Von meiner Seite her kam eine Rahmengestaltung, die die Frauen dann mit ihren gewohnten Mustern selber bespielen konnten. Die Rahmengestaltung meinerseits bestand grob dargestellt aus Dimensionen, Farben, Verläufen und groben Mustern, die von den Weberinnen gefüllt und ergänzt werden konnten.
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6.1.3 Referenz-Kilims Mit diesen traditionellen Kilim-Motiven wurde gearbeitet. Asiret Kavgasi/ Kampf der Stämme Dieser Kilim wurde mit der Zeit von den Weberinnen selbst entwickelt. Es ist ein Mix-Kilim, der mit allen bekannten Motiven frei bearbeitet wurde. Man kann also sagen, dass dieser Kilim schon eine weiterentwickelte und moderne Version des Handwerks ist.
Abb: 9: Asiretin Kavgasi Kilim aus Van, Fotog. Verfasserin Feb. 2019
Muster
Abb: 10: Muster aus Workshop, Fotografie Verfasserin Feb. 2019
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Muster
Abb: 11: Muster aus Workshop, Fotografie Verfasserin Feb. 2019
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Sine Man kÜnnte diese Motive auch Pixel-Motive nennen. Da Sine aber schwierig zum Weben ist und die Frauen das nicht gerne machen, wird dieser Stil oft vernachlässigt.
Abb: 12: Sine Kilim aus Van, Bild aus Buch Van Kilims 1998
Muster
Abb: 13: Muster aus Workshop, Fotografie Verfasserin Feb. 2019
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Fotomontage
Abb: 14: Geflecht Ideen Skizze, Fotomontage Verfasserin Jan. 2019
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Fotomontagen
Abb: 15: Verlauf Ideen Skizze, Fotomontage Verfasserin Jan. 2019
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Fotomontagen
Abb: 16: Verlauf Ideen Skizze, Fotomontage Verfasserin Jan. 2019
Abb: 17: Verlauf Ideen Skizze, Fotomontage Verfasserin Jan. 2019
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6.2 Produktion in Van Als ich mit diesem Projekt begonnen habe, wusste ich, dass die Zusammenarbeit nicht einfach werden wird. Die Kulturen und die Arbeitseinstellungen sind sehr unterschiedlich und gewöhnungsbedürftig, und man muss lernen, damit umzugehen. Bevor der Ablauf hier erläutert wird, möchte ich meine Erfahrungen und Erkenntnisse vor Ort kurz zusammenfassen: Wie später auch erwähnt wird, lief vieles sehr gut und die Zusammenarbeit mit den meisten Beteiligten war zwar gewöhnungsbedürftig, aber dennoch sehr harmonisch. Leider habe ich mit einigen Beteiligten, vor allem mit der Leitung, eine eher unschöne Erfahrung gemacht. Obwohl auch mit ihnen die Zusammenarbeit sehr gut anfing, hat sich das Blatt gegen Ende abrupt gewendet. Sie haben mir viele Steine in den Weg gelegt, in dem sie zum Beispiel sich nicht mehr um die Nachbereitung, wie z.B. das Waschen der fertigen Kilims, gekümmert haben und behauptet haben, dass es bei der Gemeinde einen Verkaufsstopp gebe. Nach und nach wurde aber ganz klar, was das Ziel der Beteiligten war. Sie haben bemerkt, wie wichtig diese Arbeit für mich war, und erhofften sich, persönlichen Profit herausschlagen zu können. Korruption ist in der Türkei nach wie vor ein grosses Problem und als Frau sehr schwierig alleine zu bewältigen. Aus dieser Situation kam ich nur mit Hilfe der Weberinnen, der Assistentin Fatma Belli und dem Gründer Enver Özkahraman heraus, die 100% hinter mir standen und für Ordnung sorgten, weswegen ich ihnen besonders dankbar bin.
6.2.1 Garn im Lager zusammenstellen und in die Ateliers liefern Obwohl alle über mein Vorhaben frühzeitig informiert waren, gab es bei meiner Ankunft nicht genügend Garn und vor allem waren nicht alle Farben, mit denen ich arbeiten wollte, vorhanden. Somit musste ich aus den bestehenden Resten Farbkombinationen erstellen. Dies konnte ich mit der Assistentin der Leitung Fatma Belli ausführen. In Zukunft würde ich mir wünschen, dass wir das Lager sortierter gestalten könnten. Das Lager ist zurzeit sehr chaotisch organisiert, und niemand hat den Überblick, was im Lager vorhanden ist. Dies würde die Arbeit aller Beteiligten vereinfachen und wahrscheinlich auch Kosten sparen. Denn es sind so viele einzelne Farbtöne in Kleinmengen vorhanden, dass niemand diese verwenden kann oder möchte.
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Garnlager
Abb: 18: Garn wird mit Fatma Belli im Lager aussortiert, Fotografie Verfasserin Feb. 2019
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6.2.2 Weben Die Frauen haben mir, bevor ich nach Van gereist war, mehrmals gesagt, dass einige Weberinnen sich benachteiligt fühlen, weil ich sie nicht für die Zusammenarbeit vorgesehen hatte. Daher wollte ich eine Lösung dafür finden, damit auch die anderen Frauen mitarbeiten konnten. Dies fand ich notwendig, um eine gute Arbeitsatmosphäre zu gewährleisten und die Zusammenarbeit mit den Frauen zu erleichtern. Ursprünglich wollte ich 4 Kilims weben lassen und habe den anderen Frauen gesagt, sie sollen zu zweit die Kilims weben. Dies war aber nicht erwünscht, weil dann einige mehr verdienten als die anderen. Es freute mich so sehr, dass die Frauen alle motiviert waren, jeweils einen Kilim für mich zu weben, dass ich mich kurzfristig entschloss, mehr Kilims produzieren zu lassen. Da zurzeit sieben Personen in diesem Atelier arbeiten, habe ich mich dann entschieden, 7 Kilims zu erstellen. Die jüngste Weberin Nimet, die 22 ist, war dann aber leider in der ersten Woche erkrankt und den Kilim nicht fertigstellen konnte. Ausserdem hatten 3 Frauen in der Verwandtschaft einen Todesfall und fielen auch drei Tage aus. Ich merkte, dass die Frauen sich nicht gewohnt sind, nach festgelegten Zeiten und mit Deadlines zu arbeiten. Sie haben meistens keine Zeitvorgaben und weil sie nach Quadratmetern abrechnen, ist es ihnen überlassen, wie intensiv sie arbeiten. Als ich den Frauen kommuniziert habe, dass es wichtig ist, die Kilims in 3 Wochen zu haben, gaben sie sich besonders Mühe. Die meisten haben sich dann von ihren Schwestern und Schwägerinnen Hilfe geholt. Dies zeigte mir auch sehr deutlich, wie gross der Zusammenhalt in dieser Gesellschaft ist.
Abb: 19: Die Weberinnen im Atelier, Fotografie Verfasserin Jan. 2019
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6.2.3 Nachbereitung Nach dem die Kilims vom Webstuhl getrennt sind, wird in der Endphase alles von Restfuseln gesäubert. Diese werden von den Frauen mit der Schere abgeschnitten. Danach werden die Kilims zu einer externen Firma zum Waschen gebracht. Vor dem Waschen werden aber die feinen Fusel, die nicht weggeschnitten werden konnten, noch mit einem Bolzenbrenner abgebrannt. Nach dem gründlichen Waschen mit modernen Maschinen gehen die Kilims zum Pressen. Das Pressen soll alles noch kompakter und glatter machen. Das Interessante daran ist: Dieser Vorgang wird von einem Schreiner gemacht, denn dafür wird eine Furnierpresse verwendet. Unter Druck und Hitze bekommen die Kilims ihren letzten Schliff und sind dann für den Verkauf bereit. Diese Nachbereitung könnte in Zukunft auch in der Schweiz durchgeführt werden. Ich habe das Gefühl, hier könnte man den Vorgang vereinfachen und optimieren. Denn bei einigen Kilims habe ich den Eindruck, dass die Kilims zu stark angebrannt werden. Vor allem die weisse Farbe verliert dadurch ihren Glanz und wird leicht geröstet. Allerdings bin ich nicht sicher, ob man Firmen finden würde, die so etwas machen könnten.
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Waschen und Pressen
Abb: 20: Die Muster werden Gewaschen, Fotografie Verfasserin Feb. 2019
Abb: 21: Die Prototypen werden gepresst, Fotografie Verfasserin Mai 2019
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7 Label 7.1 Name Der Namen des Labels sollte die Frauen, die hinter diesem Label stehen, kurz und bündig darstellen. Daher wurde im kurdischen ein Name gesucht, der auch auf Deutsch einen Wiedererkennungswert hat. Schnell bin auf den Namen «Jin» gekommen. Jin bedeutet auf Türkisch «Frau» und gleichzeitig auch «Leben». Wir Frauen geben diesem Label ein Leben.
FRAU + LEBEN = JIN KILIM 7.2 Logo
JIN
JIN
JIN
JIN
JIN
JIN
JIN
JIN JIN
JIN JIN
Abb: 22: Logo Experimente, Grafik von Verfasserin 2019
Das Logo soll dezent sein und die Kilims nicht konkurrenzieren. Mit dem kurzen und knappen Namen konnte man ein kleines, quadratisches Logo kreieren. Die Schrift wurde bewusst fein und, da die Kilims sehr bunt sind, farblich eher neutral gehalten. Konkret wird mit schwarzem Hintergrund und mit einer sanften Schriftfarbe gearbeitet. Obwohl in vielen Kulturen die schwarze Farbe Trauer darstellt, kann es bei Produkten Eleganz, Vornehmheit, Genauigkeit und Stärke ausstrahlen.9 Was meiner Meinung nach genau richtig für dieses Label ist.
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Vgl. Verpackungsdesign unter neuropsychologischen Gesichtspunkten – dargestellt am Beispiel von Joghurtprodukten.
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8 Fazit Die vorliegende schriftliche Arbeit umfasst den Rahmen der praktischen Arbeit und hat mir geholfen, alles Wichtige zusammenzufassen und nochmals kritisch zu reflektieren. Ich konnte das theoretische Wissen, das ich mir angeeignet habe, gezielt bei meiner praktischen Arbeit einsetzen. Die Auseinandersetzung im Vorfeld mit Produkten, Materialität und deren Geschichten gab mir ein Verständnis für die Menschen und deren Umfeld vor Ort und zeigte mir auch, in wie fern ich mit meinen Wurzeln noch verbunden bin. Die zusätzliche, intensive Auseinandersetzung mit dem Label gab mir auch einen Einblick darin, was beim Aufbau eines Labels in der Schweiz wichtig ist und wo es Probleme geben könnte. Zurzeit sehe ich vor allem bei meinen Produktionspartnern Probleme, welche ich bei einer richtigen Produktion als Erstes lösen müsste. Abschliessend lässt sich aber sagen, dass ein solches Label meiner Ansicht nach Potenzial für die Vermarktung in der Schweiz hat. Dafür gibt es mehrere Gründe: Das Bedürfnis nach nachhaltigen und qualitativ hochwertigen Produkten in der Schweizer Gesellschaft ist hoch und steigend. Das Bedürfnis der Menschen, sich zum Beispiel durch die Einrichtung von der Masse abzuheben, erlebe ich immer wieder, und ich denke, dass mit einem solchen Einrichtungsstück, das immer ein Unikat sein wird, dieses Bedürfnis gestillt werden kann. Obwohl ich durch den kompletten Prozess bis zum jetzigen Zeitpunkt gesehen mit vielen Herausforderungen konfrontiert war und zum Teil auch an meine Grenzen gelangt bin, kann ich trotzdem sagen, dass ich für meine Designkarriere viel gelernt habe und es mich freut, dieses Projekt noch weiter entwickeln zu können.
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9 Literaturverzeichnis Yalcin 1998: Soner Yalcin, Van Kilims, Province of Van, Ankara 1998 Ă–zkahraman 2010: Enver Ă–zkahraman, Hakkari-Van Kilims, Istanbul 2010 Wucherpfennig 2014: Markus Wucherpfennig, Thesis, Verpackungsdesign unter neuropsychologischen Gesichtspunkten- dargestellt am Beispiel von Joghurtprodukten, Seulingen 2014
Internetquelle Elam 2018, Die 3 Phase der Lean Canvas. https://www.elam.ch/lean-service-designgrundstruktur/ (Abgerufen am 10. Mai 2019) Finkhof, Gesichte und Herstellung von Kilim. www.kelim.de/geschichte-und-herstellung-vonkilim, (Abgerufen am 10. Mai 2019)