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EIN FUCHS EINE AUSEINANDERSETZUNG
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Hochschule Luzern Design & Kunst Bachelor XS Schmuck 6. Semester, Juni 2019
KÜNSTLERISCH-GESTALTERISCHE BACHELORARBEIT Mentorat: Kiko Gianocca, Anina Schenker
EIN FUCHS EINE AUSEINANDERSETZUNG
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Yasmin Knüsel St. Karlistrasse 65 6004 Luzern 0794803102 yasmin.knuesel@stud.hslu.ch
AUSGANGSSITUATION Pelz ist zurück. Auf Schweizer Strassen ist er präsent wie schon lange nicht mehr, jedoch nicht nur in Form von « als Zurschaustellung von Reichtum » verpönten Nerzmänteln. Pelz heute tritt vermehrt als schmückendes Element von Kleidung auf, etwa als Kragenbesatz oder Bommel. Keine Nerze, sondern weniger edle Marderhunde, Füchse und Kojoten werden für diesen Zweck verwendet. Pelz ist in diesem Fall kein Luxusstatement, sondern Alltagsmode. Parallel dazu werden in der Schweiz jährlich etwa 30 000 Rotfüchse geschossen, mit dem Argument der Bestandsregulierung. So lasse sich unter anderem die Ausbreitung von Krankheiten und Parasiten (Bsp. Fuchsbandwurm oder Reude) kontrollieren, welche uns oder unseren Haustieren gefährlich werden könnten. Dennoch stammen nur 0,2 % der verarbeiteten Felle in Europa aus der Jagd. Die Gerbung in der Schweiz ist kostspielig und mit langen Wartezeiten verbunden, landesweit existieren nur noch zwei Gerbereien. Ausserdem bedarf die unregelmässige Fellzeichnung von Rotfüchsen spezialisierte Fachleute. Kurzum, einheimischer Rotfuchs ist für die Textilindustrie kaum relevant. Der Grossteil der Pelze wird in Drittwelt- und Schwellenländern produziert, die Gerbung mittels Chromverfahren und oft unzureichende Umweltschutzmassnahmen in den jeweiligen Produktionsstandorten, führen dort zu starker Umweltbelastung und gesundheitlicher Gefährdung der Angestellten. Auch die Zucht von nicht domestizierten Wildtieren in engen Gitterkäfigen ist moralisch nicht zu rechtfertigen. Meist ist es Desinteresse und Unwissenheit gegenüber der Herkunft von Kleidung, die dazu führt, dass Konsumierenden nicht bewusst ist, dass sie Echtpelz tragen. Gute Imitate sind kaum von Echtpelz zu unterscheiden und befinden sich auf vergleichbarem Preisniveau wie günstig produzierter Echtpelz. Der kleinflächige Einsatz als Zierelement von Kleidung führt zur Verharmlosung der Thematik und zum Irrglauben, es würden nur Reste der Pelzindustrie für Kragenbesatz verwendet. Zurück zu den 30 000 Schweizer Rotfüchsen: der grösste Teil endet – inklusive Fell – in Tierkadaversammelstellen und wird verbrannt.
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MOTIVATION Dieses Beispiel der Verschwendung dient als Ausgangslage für die Künstlerisch - Gestalterische Bachelorarbeit. Thematisiert wird nicht die Pelzindustrie, sondern das Phänomen der Verschwendung. Der Fuchs steht exemplarisch für den Überfluss und die oft daraus resultierende fehlende Wertschätzung. Ich möchte Bewusstsein schärfen, um wetschätzender mit Ressourcen umzugehen. Der Schmuck, der aus dem Fuchs generiert wird, soll visuell so überzeugen, dass er getragen werden möchte. Materialien tierischen Ursprungs gehören zu den ursprünglichsten Schmuckmaterialien, diese archaisch anmutende Materialwahl soll in die heutige Zeit übersetzt werden. Durch die Arbeit mit mir noch unbekannten Materialien erhoffe ich, neue Erkenntnisse zu generieren und mich technisch wie auch gestalterisch weiterzuentwickeln.
PRÄZISE PROJEKTIDEE Für meine Bachelorarbeit beschränke ich mich auf einen Fuchs. Durch die bewusste Einschränkung wird die Wertschätzung erhöht und eine grösstmögliche Verwertung garantiert. Der Fuchs soll nicht als ein Abfallprodukt wahrgenommen werden, sondern als wertvoller Rohstoff und als Individuum. Startmaterial ist der erlegte Fuchs. Der gestalterische Prozess beginnt mit dem Fuchs, der in Einzelteile zerlegt und so weit wie möglich konserviert wird. Diese für die Weiterverarbeitung aufbereiteten Rohstoffe dienen als Ausgangsmaterial. Ausgehend von der Auseinandersetzung mit dem Fuchs, wird eine Serie aus tragbaren Schmuckobjekten generiert. Der Schmuck kann ganz oder zu Teilen aus Fuchs bestehen. Der Fuchs dient also als Startpunkt, lässt aber auch Weiterentwicklungen zu. Ziel ist eine möglichst unvoreingenommene Herangehensweise an das zuvor gewonnene Material. Das Material Fuchs* wird prozessorientiert und experimentell erforschst. Die Hinzunahme von weiteren Materialien erlaubt einen grösseren gestalterischen Spielraum. « Weitere Materialien » können sein: Metalle, Harz, hochwertige Garne und Textilien. Sie sollen unterstützend, nicht konkurrenzierend eingesetzt werden. Durch die Limitation auf einen Fuchs erwarte ich eine möglichst umfangreiche Verwertung des gegeben Materials sowie eine positive Auswirkung auf den kreativen Prozess. * «Material Fuchs» steht für sämtliche Materialien, die aus einem solchen generiert werden. (Fell, Leder, Knochen, Krallen usw.)
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METHODIK Aus der Notwendigkeit der Materialbeschaffung und um den Prozess der Jagd physisch und psychisch nachvollziehen zu können, werde ich einen Wildhüter auf der Jagd begleiten. Mit der Hilfe eines Präparators wird sorgfältig geplant, was vom Fuchs wie verwendet, oder konserviert werden kann. Bei der Beschaffung, Gewinnung und Konservierung des Materials werde ich so weit wie möglich involviert sein. Geplante Materialien sind: Fell, Leder, Knochen, Zähne und Krallen. Materialien, die schon seit Anbeginn der Menschheit unter anderem für Schmuck verwendet wurden. Wie der Rest des Tieres sinnvoll konserviert werden kann, muss in Zusammenarbeit mit dem Präparator definiert werden. Ziel ist eine Prozessorientierte Arbeitsweise, die Materialexperimente einschliesst. Handwerkliches Vorgehen wie Fräsen, Schleifen, Schneiden und Nähen, aber auch neue Technologien wie Lasercutter können zum Einsatz kommen.
MATERIALGEWINNUNG Arthur ein Jäger aus dem Berner Oberland, hat sich bereit erklärt, sich auf der Jagd begleiten zu lassen. Ausgerüstet mit Winterkleidung in mehreren Lagen und eingestellt auf eine Nacht im Freien machte ich mich auf den Weg nach Beatenberg. Arthurs Blockhaus steht am Hang, mit Blick auf den Thunersee und Postkarten–Bergpanorama. Und es steht am Waldrand, von seinem Balkon aus hat man freie Sicht auf alles was sich aus dem Wald herausbewegt. Keine Jagd im Freien also.
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Beatenberg, BE
Vollmond
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Arthurs Haus
Wir posieren fĂźr ein Foto, es fĂźhlt sich falsch an.
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Kurz nach Einbruch der Dunkelheit geh ich rüber zu Arthurs Haus. Am schneebedeckten Hang hat er Köder ausgelegt. Wir setzen uns auf den Balkon, das Jagdgewehr ist bereit. Wir warten, starren, kein mucks. Die Augen gewöhnen sich langsam an die Lichtverhältnisse. Es ist Vollmond, der Schnee reflektiert, dunkle Flecken beginnen zu flimmern. Meine Hände werden feucht. Jetzt erst wird mir bewusst in welcher Situation ich mich befinde. Wir warten etwa eine halbe Stunde und dann bewegt sich etwas, ein Fuchs. Er bewegt sich in unsere Richtung, das Herz rutscht mir in die Hose. Ein Schuss fällt. Das Tier gibt einen sonderbaren Laut von sich und rollt den Hang hinunter. Arthur schießt ein zweites mal um sicher zu gehen. Mit Taschenlampen eilen wir hinaus, 200 Meter vom Haus entfernt liegt es im Schnee, still liegt es da – tot.
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Arthur hebt das Tier hoch und wir gehen zurück richtung Haus, beiläufig erwähnt er, dass führ ihn die Fuchsjagsaison eigentlich schon abgeschlossen war. Hätte ich nicht gefragt, ob ich ihn auf die Jagd begleiten dürfte wäre die Füchsin nicht tot. Ich verfluche mich innerlich. Verfluche unsere mangelhafte Kommunikation und realisiere, dass ich ihren Tod nicht rechtferigen kann.
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Am nächsten Morgen beginnen wir mit der Arbeit an der Füchsin. Arthur zeigt mir wie mann des Fell - den Balg abzieht. Der Kadaver stinkt. Das Bleischrot hat den Darm beschädigt und dessen Inhalt hat das Fleisch vergiftet. Die Haut hat schon grüne Stellen, erste Anzeichen von Verwesung.
Abziehen des Balges
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Der Balg steht dem Körper - Kern gegenüber, die Füchsin teilt sich optisch in zwei Individuen.
Balg
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Kern
Entnahme der Organe
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Die Bibel der Konochenpräparation
PRÄPARATION Fachliche Unterstützung im Bezug auf die Präparation der Knochen bekam ich vom Naturmuseum St.Gallen. Lorenzo – der dort angestellte Präparator – liess mich einen Tag mitarbeiten. Um Knochen haltbar zu machen müssen alle verderblichen Teile entfernt werden. Zuerst wird manuell so viel Gewebe wie möglich entfernt, danach werden die Knochen mazeriert – das Gewebe wird aufgelöst, entweder mittels Enzymen oder mittels Fäulnis. Mir wurde letztere Methode empfohlen, was aber auch die langwierigste und Geruch intensivste ist.
Aufgrund einer Grippe wurde mein Termin mit Lorenzo um eineinhalb Wochen verschoben. Weil die Zeit drängte, begann ich unter Anweisung per E-Mail die Knochen zu säubern. Die Umsetzung war emotional schwieriger als angenommen. Ohne direkte fachliche Unterstützung, die Professionalität und eine gewisse Normalität vermittelt, hatte ich Mühe den Körper zu zerschneiden. Und er stank noch immer. Deshalb wusch ich ihn mehrmals, wodurch die Bearbeitung schwieriger wurde, da mir das Gewebe aus der Hand glitt.
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Als ich dann endlich nach St. Gallen konnte, wurde so einiges klar. 1: Ich arbeitete mit nur teilweise geeignetem Werkzeug. 2: Wird mit Sägemehl oder Stärke gearbeitet um ein entgleiten des Gewebes zu verhindern. 3: Meine Füchsin war verdorben. Dies merkte ich aber erst im Vergleich mit dem Fuchs den Lozenzo Präparierte. Durch das Schrot, das den Körper durchlöchert und weil wir das Tier erst am nächsten Morgen ausgenommen haben, setzte die Verwesung früher ein als üblich. Ich konnte nicht mehr mit meiner Füchsin weiterarbeiten.
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Professionelle Präparation, Naturmuseum St. Gallen
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Verbesserte Arbeitsbedingungen durch optimale Werkzeuge
Stärke
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NR. 2 Neustart. Fuchs Nr. 2 hat mir ein Jäger aus meiner Umgebung zur Verfügung gestellt. Diesmal ging alles leichter, ich kam mir nicht mehr vor wie eine Psychopathin die Leichen zerschneidet.
Das Seil hat der Jäger angebracht um den Körper für das einfrieren zu positionieren.
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Verletzungen durch Bleischrot
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Bleischrot – gesammelt
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Handschuhverbrauch
Entferntes Gewebe
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Entfleischte Knochen
Knochen gewässert in SalzlÜsung. Erneutes Entfleischen, weil zuvor nicht genug Gewebe entfernt wurde.
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Zur Mazeration bereite Knochen
Zersetztes Gewebe durch Warmwassermazeration (30 Grad)
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Salzablagerung
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Ausgekochte Knochen
Manuell gesäuberte Knochen & Krallen der Pfoten
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Gesäuberte Knochen, abgeschlossene Mazeration Entfettung in Aceton folgt
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Alle Knochen, Zähne & Krallen eines Fuchses
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ASCHE Das Fleisch, die Organe und alle Geweberesten verbrannte ich um Asche zu gewinnen. Dadurch erreichte Ich eine Transformation von verderblichem in unverderbliches Material.
Asche
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Die Pfanne schmolz ungewollt mit.
Gegerbtes Fell
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Mittels Salz konserviertes Fellstück
FELL Aufgrund der begrenzten Zeit entschied ich mich auf ein gegerbtes Fell zurückzugreifen.
Notizen
GESTALTERISCHER PROZESS Das Projekt ist Prozessorientiert aufgegleist, der Gesammte gestalterische Prozess wird an der Werkschau gezeigt.
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Arbeitstische
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Pinwand
Vor dem Schnitt
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Fellfragmente
Haare zählen
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Fßchse sind grau – (Unterwolle Winter)
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Herstellung von Fellobjekten Hinzunahme von Blei als weiteres Material
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Fellobjekt
Wasserstoffblond
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Knochen gebleicht
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Prozess Objekt fĂźr Postkarte
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Licht reflektierendes Objekt für Postkarte (Reflective Paint)
Ausgangssituation fĂźr Postkarte
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Foto: Raisa Durandi
Dekonstruktion des Objekts der Postkarte – Rekonstruktion
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Mรถrsern des Knochenschleiffstaubs & Asche
Tiefgezogene Formen: Eingiessen von Knochenstaub, Asche & Haaren
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Werkschau-Aufbau
Arbeitsprozess an der Pinwand
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Ausstellungssituation
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Fertiggestellter Schmuck
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Nach dem Sturm Arbeitstisch nach Aufbau Werkschau
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