Hochschule Luzern Design & Kunst Bachelor XS Schmuck 6. Semester Schriftliche Bachelorarbeit Mentorat: Monica Gaspar 2019
VERSCHWENDUNG & VERGÄNGLICHKEIT Eine Auseinandersetzung mit den Funktion von Verschwendung und Schmuck
Yasmin Knüsel St. Karlistrasse 65 6004 Luzern 0794803102 yasmin.knuesel@stud.hslu.ch
Zeichenzahl: 31 107 Abgabedatum: 06.05.2019
INHALTSVERZEICHNIS EINLEITUNG S. 4. FRAGESTELLUNG S. 5. DIE GABE IM FOKUS DER VERSCHWENDUNG S. 6. DAS OPFER S.6. POTLATSCH S.7. VERSCHWENDUNG S.8. ZWISCHENFAZIT S.9. SCHMUCK IM FOKUS VON VERGÄNGLICHKEIT S.10. FAZIT S.13. LITERATURVERZEICHNIS S.15. INTERNETQUELLEN S.15. BILDQUELLEN S.15.
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Abb. 1: Vulpes vulpes
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EINLEITUNG 1
In der Schweiz werden jährlich bis zu 25 000 Rotfüchse erlegt, aufgrund fehlender 2 Nachfrage nach einheimischem Fuchsfell werden die meisten in Kadaversammelstellen entsorgt. Dies irritiert vor allem in Anbetracht des steigenden Bedarfs nach Fellbesatz 3 an Wintermänteln. Trotz der äusserst erfolgreichen Anti–Pelzkampagnen in den 90er Jahren, erfährt der Einsatz von Pelz heute eine neue gesellschaftliche Akzeptanz. Bis auf wenige Ausnahmen stammt verwendetes Fell von Tieren aus Zuchtbetrieben. Problematisch sind nicht nur die oft prekären Haltungsbedingungen der Tiere, sondern auch die teilweise unzureichenden Umwelt- und Sicherheitsrichtlinien im Bezug auf die 4 Gerbung mittels Chromverfahren in Industrie- und Schwellenländern. Unter diesen Gesichtspunkten überrascht das Verbrennen von tausenden Füchsen umso mehr. Die oben genannten Umstände weckten mein Interesse und bildeten die Grundlage für die praktische Bachelorarbeit. Ausgangslage war ein Rotfuchs als Grundmaterial für die Herstellung von Schmuckobjekten. Einer jener Füchse, der sonst verbrannt worden wäre. Eine ethisch und moralisch einwandfreie vertretbare Wahl, dachte ich. So vertraute ich auch darauf, dass die Gründe für die Fuchsjagd einleuchtend sind. Doch der Jäger, welchen ich auf der Jagd begleiten durfte, konnte mein Vertrauen nicht bestätigen. Und auch der Präparator, welcher mich bei der Dekonstruktion des Fuchses unterstützte, fand keine überzeugenden Gründe für das Ausmass der Fuchsjagd. Argumente für die Jagd auf Rotfüchse in der Schweiz gibt es viele, jedoch auch genau so viele Gegenargumente. Mein Unvermögen eine befriedigende Antwort für diesen Tatbestand zu finden, führte mich zu einem Thema, dass mich vor einem Mienenfeld bewahrte. Denn die Jagd ist eine hochemotionale Angelegenheit, welche einer umfassenden Auseinandersetzung bedarf. Dennoch kann ich nicht ausschliessen, dass mich ca. 30 000 Zeichen nicht vor einer Tretmiene bewahrt hätten. Der springende Punkt für mich ist denn auch nicht die Fuchsjagd an sich, sondern das Ausmass der Verschwendung die mit ihr einhergeht.
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Bundesamt für Statistik 2017, Jagd, abgerufen am 01. 05. 19 Das einheimische Fell findet kaum Absatz weil die Gerbung in der Schweiz kostspielig ist und dass Fell im Gegensatz zu gezüchteten Tieren eine unregelmässigere Zeichnung aufweist. Der Marktanteil von schweizer Rotfuchspelz beträgt weniger als ein Prozent. 3 Vgl. Mosbeck 2015, Schweizer Rotfuchs, abgerufen am 01. 05. 19 4 Vgl. Klawitter 2017, Pelz tragen mit Anstand - geht das, abgerufen am 01. 05. 19 2
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FRAGESTELLUNG Die Auseinandersetzung mit dem Thema Verschwendung führte mich zur Verschwendungstheorie von Georges Bataille, dem Essay über die Gabe von Marcel Mauss und der Opfertheorie von René Girard. Auf Grundlage dieser Theorien untersuchte ich das Phänomen des Gabenaustausches im Fokus der Verschwendung, um herauszufinden welche Zusammenhänge zwischen der rituellen Verschwendung und der daraus resultierenden Gewährleistung des Fortbestands einer Gesellschaft besteht. Die Auseinandersetzung mit dem Thema Verschwendung konnte aber eine zweite Frage nicht beantworten, die aber von äusserster Relevanz für die praktische Bachelorarbeit war. Während einer Besprechung fragte mich Susan Curtis, meine Dozentin: „Why would you want to wear an animal that has been killed?“ Diese Frage führte zur mich zur Beschäftigung mit der tieferen Bedeutung von Schmuck, die über die rein ästhetische oder materielle Funktionen hinausgeht. Ansätze dazu finden sich im Phänomen der Gabe und auch in Batailles Verschwendungstheorie. Diese Erkenntnisse nutzte ich, um die Funktion von Schmuck im Fokus der Vergänglichkeit zu Untersuchen. Dies führt zu folgender Fragestellung: Welche Funktion hat Verschwendung in archaischen Gesellschaften und wie wirkt sich diese auf die tiefere Bedeutung von Schmuck aus?
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DIE GABE IM FOKUS DER VERSCHWENDUNG Die folgenden Abschnitte untersuchen die Verschwendung im Fokus archaischer Kulturen. Die Grundlage dazu bildet ein Essay über die Gabe, welches der französische Soziologe Marcel Mauss Anfang des 20. Jahrhunderts publizierte. Dieses Essay war die erste Schrift, welche sich umfassend mit dem Phänomen der Gabe auseinandersetzte. Sein Fokus lag auf der Untersuchung vom Gabentausch in archaischen Gesellschaften 5 wie den Indianerstämmen Nordamerikas oder den Inselbewohnern Neuguineas. Mauss sieht in der Funktion der Gabe ein System zur Ermittlung von sozialen, moralischen, ökonomischen und politischen Rangordnungen, die sich mit jeder Gabe neu 6 definieren. Die Gabe ist ein ständiger Austausch von Gütern zwischen zwei Parteien, die mit drei Verpflichtungen einhergehen: Der Gabe, Annahme und Erwiderung. Wer seine Position stärken will, verpflichtet sich zur Gabe. Die beschenkte Partei ihrerseits verpflichtet sich zur Annahme des Geschenks, tut sie dies nicht, verliert sie ihr Gesicht. Mit Annahme des Geschenks tritt die dritte Pflicht in kraft, die Gegengabe. Die beschenkte Seite steht nun so lange in der Schuld des Schenkenden, bis sie mit einer Gegengabe beglichen wird. Ein ewiger, sich fortwährend wiederholender Kreislauf beginnt. Das Phänomen der Gabe basiert also auf dem ständigen Vorhandensein von 7 Schuld, welche das soziale Machtgefüge definiert. Die Gabe ermöglicht ein friedliches Zusammenleben mit anderen Gesellschaften, die sich ansonsten feindlich gegenüber stehen könnten. Das ständige zirkulieren der Gaben ist denn auch Voraussetzung für den Zusammenhalt und verdeutlicht die Fragilität dieser sozialen Strukturen. Denn wird 8 die Gabenkette durchbrochen, ist der Frieden nicht mehr gewährleistet.
DAS OPFER Opferrituale in archaischen Kulturen sieht Mauss als eine Gabe an die Götter. Somit besteht ein Vertrag zwischen ihnen und den Menschen. Das Opfer dient als Mittel um beispielsweise die Gunst der Götter zu erlangen. Einen anderen, durchaus beunruhigenden Aspekt des Opfers beleuchtet der Soziologe René Girard. Er sieht das Opfer als den Ursprung eines jeden Rituals. Dieses wiederum sei unerlässlich für das 9 Überleben und Wohlergehen von Gemeinschaften. Seiner Theorie zufolge sind alle Gemeinschafen ständig vor Ausbrüchen unkontrollierter Gewalt bedroht. Diese begründet er mit dem, wie er es nennt, mimetischen (Mimesis: griechisch für 10 Nachahmung) Begehren. Unser Verlangen sei nicht unser eigen, sondern wir lernen durch Nachahmung schon von Kind auf, das zu begehren, das der Andere begehrt. So die Ausgangslage. Begehren nun zwei Personen das gleiche Objekt und kann dies nicht 11 geteilt werden, kommt es zur mimetischen Rivalität. Diese Rivalität tritt häufig unter Personen auf, die sich sehr ähnlich sind und vergleichbare Ziele haben. So lässt sich auch das Verlangen nach dem gleichen Objekt begründen. In ihrem Kampf um das begehrte Objekt werden sich die Gegner durch gegenseitige Nachahmung immer ähnlicher. Diesem Modell liegt die Annahme zu Grunde, dass das begehrte Objekt seinen Wert hauptsächlich durch das Begehren der anderen generiert. Somit kann das Begehren mit dem Erwerb des Objekts nicht gestillt werden. Langfristig sind 12 Enttäuschung und ein Gefühl der Leere unumgänglich. Die Rivalität führt
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Vgl. Hoffmann 2009, Verschwendung, S. 22 f. Vgl. Därmann 2010, Theorien der Gabe, S. 26 f. Vgl. Böhme 2006, Fetischismus und Kultur, S. 289 f. 8 Vgl. Därmann 2010, Theorien der Gabe, S. 25 f. 9 Vgl. Harrison 2005, René Girard. abgerufen am 29.04.19 10 Vgl. Hoffmann 2009, Verschwendung, S. 28 f. 11 Vgl. Harrison 2005, René Girard. abgerufen am 29.04.19 12 Vgl. Hoffmann 2009, Verschwendung, S. 28 f. 6 7
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schlussendlich in eine Eskalation der Gewalt und das begehrte Objekt wird durch die entfesselte Gewalt zusätzlich aufgewertet. Es kommt zur mimetische Krise. Der Kampf um das begehrte Objekt breitet sich wie ein Virus auf die Mitglieder der Gemeinschaft aus. Diese Gewaltspirale kann nur gestoppt werden, wenn sich die mimetische Ansteckung vom begehrten Objekt auf ein anderes Objekt verlagert. Dieses Opfer, der Sündenbock, meist ein Mitglied der Gemeinschaft, wird nun für das ganze Unheil verantwortlich gemacht und in einem weiteren Ausbruch von Gewalt grausam getötet. Dieser Akt eint die Gemeinschaft und sorgt für ein Ende der Gewalt. Der Sündenbock wird vom Schuldigen, dem Verursacher allen Übels, zum Heiligen stilisiert. So habe es doch auf wundersame Weise den Frieden zurück gebracht. Natürlich währt der Frieden nicht ewig und die Gesellschaft wird von neuen Rivalitäten bedroht. Diesmal aber, wird man sich an die Lösung der Probleme durch die Tötung des Sündenbocks erinnern. Ein neues Opfer wird für die erneute Kriese verantwortlich gemacht und ebenfalls getötet. Jedoch nicht mehr im kollektiven Absturz in die Gewalt, sondern in Form eines Rituals und in Verbindung mit einem Opferfest. Das rituelle töten kanalisiert das Gewaltpotenzial und projiziert sie auf das Opfer, so wird verhindert, dass sie innerhalb der Gemeinschaft ausschlägt. Die mimetische Kriese kann also durch ein Opferritual beendet werden. Im verlaufe der Zeit wurde das 13 Menschenopfer durch Stellvertreter wie Vieh oder Lebensmittel ersetzt.
POTLATSCH Geradezu als Paradebeispiel für mimetische Rivalität kann der Potlatsch gesehen werden. Potlatsch bedeutet Gabe in der Sprache der Chinook-Indianer, er beschreibt eine Zeremonie, bei der konkurrierende Indianerstämme mittels eines Gabenwettstreits soziale Hierarchien definieren. Mauss definiert den Potlatsch als 14 „System der totalen Leistung“ , denn er beeinflusst ganze soziale, religiöse und ökonomische Strukturen innerhalb der betroffenen Gemeinschaften. In fast allen archaischen Gesellschaften können Elemente des Potlatsch gefunden werden. Auch die heutige Geschenkkultur, beispielsweise Weihnachten, kann mit ihm in Verbindung gebracht werden. Der Potlatsch hat seinen Ursprung an der Westküste Nordamerikas, wo man ihn bis Anfang des 20. Jahrhunderts praktizierte, bevor er seitens der Regierung verboten wurde. Die Indianerstämme lebten am Meer oder in Flussnähe, ihre Lebensweise war stark von den Jahreszeiten geprägt. In den Sommermonaten lebten die Stämme grösstenteils autonom und betrieben Fischfang und Jagd. Sie taten dies äusserst erfolgreich und zu Zeiten von Mauss waren sie in der Lage grosse Überschüsse zu erzielen. Das eigentliche gesellschaftliche Leben spielte sich erst in den Herbst - und Wintermonaten ab. Dann wenn die Stämme in den Städten zusammen kamen, dienten wichtige Anlässe wie Feste, Rituale und Hochzeiten als Anlass, den angehäufte Reichtum der Sommermonate im Rahmen von Potlatschzeremonien mit vollen Händen auszugeben. Bei einem Potlatsch überhäuft die Gastgeberseite seinen Gast mit Reichtümern und Geschenken von unschätzbarem Wert: Kunstvoll bestickte Wolldecken, Wappenschilde aus Kupferplatten, aus Horn gefertigte Pfeifen, Keulen, Blasrohre und Löffel. Der Gast wiederum verpflichtet sich zur Annahme dieser Gaben, aber auch zum Gegenfest von noch grösserem, pompöserem Ausmass. Bei einem missglückten Potlatsch verliert die Gegenseite nicht nur ihr Gesicht, sondern auch 15 ihren politischen Status. Der Potlatsch kann als spielerischer Kriegsschauplatz gesehen werden. Statt Blut werden hier Reichtümer verschwendet. Durch vollständige Materielle und körperliche Verausgabung wird die Konkurrenz unterworfen. Bei einem verlorenen Potlatsch kann es unter Umständen so weit kommen, dass die unterlegene Partei ihren Status als Person an den Gegner verliert. Und dies kann gar heissen, dass 16 man in Sklaverei fallen oder getötet werden kann. Das rituelle Schenken verhindert 13
Vgl. Harrison 2005, René Girard. abgerufen am 29.04.19 Böhme 2006, Fetischismus und Kultur, S. 289. Vgl. Hoffmann 2009, Verschwendung, S. 42 f. 16 Vgl. Därmann 2010, Theorien der Gabe, S. 20. 14 15
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kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Stämmen und gleichzeitig führt es zu gegenseitiger Abhängigkeit. Der Potlatsch kann denn auch als Zins gesehen werden. Um diesen Zins, von 30 bis 100 Prozent abzubezahlen, wird der betroffene Stamm die ganzen Sommermonate fleissig an der Herstellung von neuen Luxusgütern arbeiten und seine ganze Energie in diese investieren. Die durch den Potlatsch bedingte Abhängigkeit führt zu friedlichem Zusammenleben verschiedener Gemeinschaften und somit zu deren Fortbestand. Was die Theorien von Mauss und Girard verbindet ist der Tatbestand der Verschwendung. Sowohl im beim Opfer, wie auch im Potlatsch wird verschwendet. Jedoch mit dem Unterschied, dass im Potlatsch vorwiegend Reichtümer verschwendet werden und keine Mitglieder der Gesellschaft wie dies beim Opfer der Fall ist. Die Verschwendung hat aber bei beiden eine gesellschaftsfördernde und 17 friedenstiftende Funktion.
VERSCHWENDUNG Eine andere Sicht auf das Phänomen der Verschwendung in archaischen Gesellschaften hat der französische Philosoph und Soziologe Georges Bataille. Auf der Grundlage von Mauss’s Essay über die Gabe entwickelte er seine eigene Theorie zur Verschwendung. Anders als Mauss rückt Bataille nicht die gesellschaftsbildende Funktion der 18 Verschwendung in den Vordergrund, sondern reine Lust am Verlust . Bataille unterteilt die menschliche Tätigkeit in zwei Bereiche, in produktive und unproduktive Konsumtion. Die produktive Konsumtion definiert einen auf die Produktion reduzierbaren Konsum. Dieser beinhaltet die Ausgaben für den Lebenserhalt, dem nötigen Konsum für die Befriedigung der Grundbedürfnisse und der Fortsetzung der Produktion. Als unproduktiven Konsum dagegen kann alles bezeichnet werden, was über das Notwendige hinausgeht. Dazu zählen Ausgaben für Luxus, Trauerzeremonien, Kriege, Spiele, Feste oder gar die Sexualität, sofern sie nicht der Fortpflanzung dient. Diese Beispiele fasst Bataille unter dem Begriff der Verausgabung zusammen. Sie hat keinen nützlichen Zweck, die Verausgabung trägt ihren Zweck in sich selbst. Der Fokus liegt hier auf dem Verlust und der hat so gross wie möglich zu sein, 19 soll die Tätigkeit ihren Sinn erfüllen. Praktischer Nutzen oder materieller Gewinn sind 20 nicht Ziel der unproduktiven Verausgabung, es ist der Verlust. Diese Verlustbereitschaft erklärt denn auch zeitgenössische Phänomene wie beispielsweise die unverhältnismässig hohen Einsätze bei Wettspielen, welche die Teilnehmer in den finanziellen Ruin, oder gar in den Tod stürzen können. Ein anderes Beispiel findet Bataille im Schmuck und in Luxusgütern. Er sieht die Anziehungskraft von Juwelen nicht nur in ihrer Schönheit, wäre dies der Fall, könnte man sie problemlos durch Imitate ersetzen, den wahren Wert ziehen sie aus seiner Sicht aus dem finanziellen Opfer dass 21 für ihren Erwerb erbracht werden muss. Nach Batailles Ansatz erfüllt die Verschwendung ihren wahren Zweck, wenn der Verlust, also das Opfer, so gross wie möglich ist. Diesen Fokus auf grösstmögliche Verschwendung findet man auch wieder in den Potlatschritualen. Bataille sieht den Potlatsch im Kennzeichen des totalen Verlusts. Im Vordergrund steht die Zerstörung des gesamten erwirtschafteten Überflusses. Unter diesem Gesichtspunkt erscheint die Luxusproduktion in Archaischen Gesellschaften als Nutzlos, dienen sie doch nur dazu, gleich wieder verschwendet zu werden. In einem Punkt stimmt Bataille aber mit Mauss und Girard überein, auch er sieht die Notwendigkeit von Festen für eine stabile Gesellschaft. Die Zeit zwischen Festen wird produktiv genutzt um möglichst hohe Überschüsse zu produzieren, die beim nächsten Fest wieder verschwendet werden können. Die Arbeit dient so als Mittel um die Lust am Verlust zu befeuern. Gleichzeitig verhindert das gemeinsame Ziel Rivalitäten 22 untereinander. 17
Vgl. Hoffmann 2009, Verschwendung, S. 42 f. Vgl. ebd., S. 49. 19 Vgl. Mazumdar 2015, Gold und Geist, S. 140 f. 20 Vgl. Hoffmann 2009, Verschwendung, S. 48. 21 Vgl. Mazumdar 2015, Gold und Geist, S. 141 f. 22 Vgl. Hoffmann 2009, Verschwendung, S. 49. 18
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ZWISCHENFAZIT Die Auseinandersetzung mit den Phänomenen der Gabe führte zur Erkenntnis, dass gezielte, rituelle Verschwendung von erheblicher Relevanz für den Fortbestand einer Gesellschaft ist. Die Gabe an die Götter gewährleistet deren Milde und die Opfer- und Potlatschrituale haben die soziale Funktion unkontrollierte Gewaltausbrüche zu verhindern um so das Wohlergehen der Gemeinschaft zu ermöglichen. Es hat sich gezeigt, dass das mimetische Begehren die Ursache zwischenmenschlicher Rivalität und Gewalt ist. Im Beispiel des Opfers wird die Gewalt im Rahmen eines Rituals auf ein Objekt projiziert und verhindert so die Eskalation von Gewalt untereinander. Beim Potlatsch führt das überschütten des Gegners mit Reichtümern zum materiellen Ruin der einen Seite und zur Schuld der Gegengabe auf der anderen. Die daraus resultierende gegenseitige Abhängigkeit führt somit zum friedlichen zusammenleben verschiedener Gemeinschaften. Dass aber ganze Gesellschaften ihre Ressourcen in das generieren von Objekten investieren, die nur dazu dienen verschwendet zu werden, lässt sich nicht nur mit der gesellschaftsstärkenden Funktion erklären. Hier macht Batailles Ansatz, der reinen Lust am Verlust durchaus auch Sinn. Dennoch hat die Lust am exzessiven Verlust auch eine gewaltbannende Wirkung. Verschwendungsakte in archaischen Kulturen haben die Funktion, Gewalt zu verhindern, so Gesellschaften zu stärken und somit die eigenen Überlebenschancen zu erhöhen.
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SCHMUCK IM FOKUS VON VERGÄNGLICHKEIT Schmuck gehört zu jenen Objekten, welche Teil des Gabenaustausches sind. Auch ihm haftet der Charakter des überflüssigen an. Doch was hat es mit der Zwecklosigkeit von Geschenken auf sich? Auch heute noch sind Geschenke keine nützlichen Dinge des täglichen Gebrauchs, es sind gewissermassen unnötige Objekte. Diese Objekte lassen sich in zwei Kategorien unterteilen: Entweder sind es Dinge von kurzer Lebensdauer oder sie sind für die Ewigkeit bestimmt. Kurzlebige Dinge wie Blumen, Parfum oder eine teure Flasche Wein, sind für die Verschwendung bestimmt. Die Blumen verwelken innert kürzester Zeit, aber man käme nicht auf die Idee, sie durch Imitate zu ersetzten, denn ihren Reiz ziehen sie aus dem Vergänglichen. Auch die Bereitschaft des Gebers, ein Vermögen in solche Flüchtigkeit zu investieren, imponiert. Auch die teure Flasche Wein ist innerhalb kürzester Zeit ausgetrunken und ein exzesshafter Aspekt, ein zelebrieren der Verschwendung wird ersichtlich. Unter diesem Aspekt erinnern diese Geschenke an die Verschwendungszeremonien der Potlatschfeste. Für die Ewigkeit bestimmt Geschenke können Fotografien, Schmuck oder andere Wertgegenstände sein. Sie entziehen sich der Abnutzung durch den täglichen Gebrauch. Ein direkt ersichtlicher Nutzen ist nicht vorhanden, vielmehr sind sie Objekte der Projektion zwischenmenschlicher Beziehungen. Diese Objekte verlieren ihren Status als reines Ding durch das Schenken, sie werden symbolisch mit der schenkenden Person aufgeladen. Dies führt zum Umstand, dass Geschenke nicht einfach weitergeschenkt oder entsorgt werden können, ohne dass dieses Verhalten mit der Person in 23 Verbindung gebracht wird, von der das Objekt ursprünglich stammt. Die symbolische Aufladung der Geschenke und die damit einhergehende soziale Bindung mit der schenkenden Person ist also der Sinn des Nutzlosen. Was ist aber der Sinn des Schmucks, wenn er nicht Teil einer Gabe ist? Schmuck ist weder nötig für den Lebenserhalt noch ist er Nützlich. Aus Batailles Sicht ist er gar reine Verausgabung, da sein Erwerb aus der Motivation, einen möglichst 24 hohen Verlust zu erzielen resultiert. Und auch das mimetische Begehren lässt sich im Schmuck erkennen: „Man schmückt sich für sich und kann das nur, indem man sich für 25 andere schmückt.“ Somit Schmückt man sich, um dadurch neidische Blicke auf sich zu ziehen, der Neid der Anderen als Motivation sich zu schmücken. Schnell ist man in Versuchung Schmuck als und als reines Medium der Selbstdarstellung abzutun. Damit täte man ihm aber Unrecht, denn das Tragen von Schmuck hatte nie nur rein 26 ästhetische Gründe. Ein möglicher Sinn kann in der zuvor erläuterten Funktion der Verschwendung gefunden werden. Zwar vermag es der Schmuck alleine nicht Gewalt zu verhindern oder Gesellschaften zu stärken, aber eine Funktion des Schmucks ist, dass er wie Geschenke symbolisch aufgeladen werden kann. Schmuck kann mit dem Glauben aufgeladen werden, dass er uns vor dem Tod beschützen kann. In dieser Funktion kann Schmuck gleich wie die Verschwendung, als eine Überlebensstrategie gesehen werden. Diese Funktion wird nun im Fokus der Vergänglichkeit und im daraus resultierenden Verlangen nach Unvergänglichkeit, nach der Ewigkeit, beleuchtet. Um sich mittels Schmuck vor dem Tod zu schützen, lud man ihn symbolisch mit Kräften auf. Dazu diente das Tragen von Talismanen, die Herstellung unter bestimmten Bedingungen und die Verwendung von spezifischen Materialien sollten stärkende oder 27 beschützende Eigenschaften hervorrufen. So verwendete man beispielsweise Bärenkrallen in der Absicht, den Träger dadurch mental stärken und schützen zu können. Die ersten Materialien, welche für Schmuck verwendet wurden, waren denn 23
Vgl. Därmann 2010, Theorien der Gabe, S. 20 f. Vgl. Mazumdar 2015, Gold und Geist, S. 140. 25 Simmel 1908, Psychologie des Schmuckes, S. 244. 26 Vgl .Macho 1987, Schmuck Zeichen am Körper, S. 71. 27 Vgl. Unger 2017, Jewelry matters, S. 171. 24
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auch tierischen Ursprungs. Meist Überreste der Jagd, die sogenannte „Antimaterie der 28 Küche“ , diese Bezeichnung trifft auf jene unverderblichen Materialien zu, welche ungeniessbar sind und nicht verdaut werden können. So wurden beispielsweise Knochen, Zähne, Krallen, Felle, Hörner oder Geweihe zu Schmuck verarbeitet. Die Unverderblichkeit dieser Materialien hatte aber nicht nur einen rein praktischen Nutzen. Das unverderbliche symbolisierte das Unvergängliche, und somit auch den Wunsch nach dem Schutz vor der eigenen Vergänglichkeit. Das Verlangen nach dem Ewigen ist ein immer widerkehrendes Motiv der Schmuckgeschichte. Schmuck hat nicht nur die Funktion uns zu schützen, er ist auch Ausdruck unserer Sehnsüchte. Schmuck ist also vielmehr als eine Verschönerungsmassnahme oder Wertanlage, vielmehr ist er ein Medium der Wunscherfüllung, ein magisches Objekt, auf welches die eigenen 29 Wünsche und Ängste projiziert werden können. Das Material spielte dabei stets eine zentrale Rolle. Auffallend ist, dass der Schmuck oft aus den gleichen Materialien bestand, wie die zu dieser Zeit verwendeten Waffen. Die Verwendung von Steinen als Waffe glich unsere körperliche Unterlegenheit gegenüber Raubtieren aus führte zum erfolgreichen Fortbestand der Menschheit. Diese Überlegenheit wollte man symbolisch auf den Schmuck übertragen. Eine weitere Funktion der Steine war das gewährleisten von geistiger und körperlicher Gesundheit. Vor allem Halbedelsteinen wurden heilende Eigenschaften zugesprochen, sie dienten als magische Objekte um verschiedenste Gebrechen zu therapieren. So wurde der Amethyst beispielsweise als Mittel gegen Halluzinationen eingesetzt, der Saphir sollte bei Herzkrankheiten helfen und der Smaragd galt gar als Geburtshelfer. Neue technische Möglichkeiten ersetzten Steinwaffen durch Metall, dieser Fortschritt machte sich auch in Schmuck bemerkbar. Zu den Edelsteinen gesellten sich die Edelmetalle. Und natürlich wurden auch ihnen magische Kräfte nachgesagt, so erhofften sich Alchemisten auf der Suche nach der Rezeptur von Gold nicht nur Reichtum, sondern auch ein Elixier der Unsterblichkeit, den Stein der Weisen. Gleichzeitig wurde Gold aber auch mit dem Teufel, der Gier und dem Neid assoziiert. Es fällt auf, dass das Material im Schmuck oft zweideutig besetzt ist, so können dem gleichen Material sowohl positive wie auch negative Eigenschaften nachgesagt werden. Ein Material kann heilend und gleichzeitig auch tödlich sein. Was traditionelle Schmuckmaterialien gemeinsam haben, ist deren Unvergänglichkeit. Und somit verweisen sie auf das Unsterbliche. Dieser Anspruch an die Ewigkeit findet sich auch in der Formensprache des Schmucks wieder. Die ursprünglichsten Schmuckstücke waren Ringe, Ketten und Armbänder, was sie alle gemeinsam haben ist die Grundform des Kreises. Da er weder einen Anfang noch ein Ende besitzt, ist der Kreis das Symbol für die Ewigkeit schlechthin. Natürlich lässt sich die runde Form auch aus praktischer Sicht erklären, so ist es die einfachste Weise Schmuck am Körper zu tragen. Ein weiteres Motiv, dass sich bis Heute uneingeschränkter Beliebtheit erfreut, ist die Schlange. Dargestellt in der Form eines Kreises und sich in den Schwanz beissend, symbolisiert auch sie den ewigen Zyklus. Die Schlange steht aber nicht nur für den Sieg über den Tod, sie ist auch ein archaisches Symbol für Fruchtbarkeit. Im Gegensatz dazu wird sie auch mit der Unterwelt in Verbindung gebracht, so ist sie gleichzeitig ein Symbol für die Versuchung, das Böse und den Teufel. Wieder erscheint 30 die Dualität, das gleichzeitige Vorhandensein von Leben und Tod. „Wir dürfen nicht vergessen: in der Ewigkeitsverheissung des Schmucks ist die Todesdrohung schon eingeschlossen, von allem Anfang an. Nur das tödliche ist stark genug, uns vor dem 31 Tode zu schützen.“ Dieses Zitat zeigt die Zusammenhänge dieser Dualität und verweist auf die schützende Funktion des Amuletts. Während Talismane eine vorwiegend stärkende Funktion aufweisen, dienen Amulette zum Schutz des Trägers. So sollen sie uns vor Missgunst, Unheil, Krankheit und schlussendlich vor dem Tod selbst bewahren. Bis ins Mittelalter hat man versucht, Kinder mit Amuletten vor bösen Geistern zu 28 29 30 31
Macho 1987, Schmuck Zeichen am Körper, S. 73. Vgl. Macho 1987, Schmuck Zeichen am Körper, S. 71. Vgl. ebd., S. 73 ff. Macho 1987, Schmuck Zeichen am Körper, S. 76.
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schützen und auch heute noch werden Kleinkindern Bernsteinketten um den Hals gehängt. Oft richtet sich die Symbolik oder das Material der Amulette nach dem, wovor sie uns schützen sollen, so ist das Auge ein überaus beliebtes Symbol zum Schutz vor dem bösen Blick. Die Wirksamkeit solcher Objekte ist Natürlich eine Sache des reinen Glaubens und dennoch finden sich auch heute noch Spuren dieses Glaubens in der gegenwärtigen Verwendung von Schmuck. Er kann unsere magische Rüstung sein, eine Projektionsfläche für all unsere Wünsche und Ängste. In ihm verbirgt sich die Hoffnung, 32 den Tod am Ende doch noch zu überwinden.
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Vgl. Macho 1987, Schmuck Zeichen am Körper, S. 76ff.
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FAZIT Die Funktion von Verschwendung in archaischen Gesellschaften ist das Verhindern von gewalttätiger Rivalität und dadurch das Gewährleisten des friedlichen Zusammenlebens von Gemeinschaften was deren Fortbestand ermöglicht. Die Verschwendung ist also eine aktive Massnahme, die eigenen Überlebenschancen zu erhöhen, uns vor einem gewaltbedingten Tod zu bewahren. Schmuck kann die Funktion einnehmen, den Träger passiv vor dem Tod zu beschützen. Er schützt den Träger in dem er an die Wirksamkeit der schützenden Funktion glaubt. Die symbolische Aufladung von Schmuck mit magischen Kräften zeigt sich in der Verwendung von Amuletten und Talismanen. Es hat sich gezeigt, dass dabei die Materialwahl und die Formensprache von höchster Relevanz ist. Eine weitere Erkenntnis ist, dass Schmuck ein Medium der Projektion von Wünschen und Ängsten ist. Die symbolische Aufladung von Schmuck sehe ich denn auch als den wahren Sinn, als den Kern des Schmucks. Die Betrachtung dieser Funktion im Fokus der Vergänglichkeit wiederspiegelt die uralte Angst vor dem Tod und die Sehnsucht nach der Ewigkeit. Die Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Gabe hat gezeigt, welche sozialen Funktionen sich hinter dem Gabenaustausch verbergen. Die drei Verpflichtungen, die mit der Gabe einhergehen, führen zur unerlässlichen Zirkulation der Gabe und tragen zu einer stabilen Gesellschaft bei. René Girards Theorie der mimetischen Rivalität erklärt die Ursache von zwischenmenschlicher Gewalt und die Relevanz des Opfers um diese zu bannen. Rituale gewährleisten so das Wohlergehen und den Fortbestand von Gemeinschaften. Anhand des Potlatschrituals wurde aufgezeigt wie verschiedene Indianerstämme durch die Verschwendung von Reichtümern in gegenseitiger Abhängigkeit friedlich zusammenleben können. Und George Batailles Theorie der Verausgabung sieht die Verschwendung nicht primär in der Motivation der Gesellschaftsbildung, sondern in im Zweck an der Verschwendung selbst. Im Bezug auf meine Praktische Bachelorarbeit sehe ich den Fuchs unter dem Aspekt der reinen Verausgabung. Das Ausmass der Fuchsjagd kann mit dem Bedürfnis nach Verschwendung ansatzweise erklärt werden. Auch der Schmuck, welcher aus einem Fuchs generiert wird, bezieht seinen Wert teilweise aus dem Bewusstsein des Verlusts. Das Opfer des Lebens wertet den Schmuck auf. Gleichzeitig führt der Tatbestand der bereits vorhandenen Verschwendung zur Abwertung und Entschärfung der Situation. Hätte ich ein anderes Tier verwendet, das nicht zur Verschwendung bestimmt gewesen wäre, beispielsweise einen Schwan, so hätte ich mich auf einen Sturm der Entrüstung gefasst machen müssen. Vor allem wenn er nur für diesen Zweck getötet worden wäre. Dann wäre die Verschwendung, das Opfer zu gross gewesen. Die Tatsache dass der Fuchs ohnehin entsorgt worden wäre, führt zur Legitimation der Verwendung des Materials. Macht ihn dadurch aber auch weniger wertvoll, er wird als Abfallprodukt definiert. Auch die mimetische Rivalität lässt sich auf den Fuchs anwenden. Ein Argument für die Fuchsjagd ist der Schutz von Bodenbrütern, Rehkitzen und Feldhasen. Ein zu hoher Fuchsbestand gefährde diese, da sie sonst den Füchsen zu Opfer fallen würden. Die Gegenseite Argumentiert mit Neid auf den Fuchs, der dem Jäger das Wild streitig 33 macht. Dieser Neid könnte als Motivation zur Fuchsjagd dienen.
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Vgl. SRF 2014, Von der Fuchsjagd muss man angefressen sein, aufgerufen am 1. 5. 19
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Die Auseinandersetzung mit der Verschwendung liefert einige Lösungs- oder Erklärungsansätze im Bezug auf den Rotfuchs. Wie verhält sich dies im Bezug auf den Schmuck? Gibt es eine Antwort auf die Frage einer meiner Dozierenden? „Why would you want to wear an animal that has been killed?“ Die Suche nach einer Antwort resultierte in der Erkenntnis, dass dazu eine vollumfassende, tiefere Auseinandersetzung nötig ist, die den Rahmen dieser Arbeit sprengen würden. Die Beantwortung dieser Frage wird also Gegenstand weitere Untersuchungen sein. Die theoretische Auseinandersetzung führte zur Erkenntnis, dass dem Material eine besondere Beachtung zugetragen werden sollte. Zu Beginn glaubte ich, dass die gestalterische Auseinandersetzung mit dem Fuchs losgelöst vom Ursprung des Materials geschehen kann. Dass eine Reduktion auf das Material selbst möglich sei. Ich nahm an, sobald der Ursprung des Materials visuell nicht mehr erkennbar sei, trete der Ursprung in den Hintergrund. Rational betrachtet würde ich das zum jetzigen Zeitpunkt immer noch vertreten. Doch Schmuck funktioniert nicht rein rational, eine Eigenschaft des Schmucks ist, dass das Phänomen nicht nur mit rationaleren Mitteln erklärt werden kann. Der Aspekt des Irrationalen macht Schmuck gerade spannend, denn es öffnet Spielräume für eine symbolische Aufladung. Schmuck kann eine Projektionsfläche für all unsere Wünsche, Sehnsüchte und Ängste sein.
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LITERATURVERZEICHNIS Böhme 2006: Hartmut Böhme, Fetischismus und Kultur. Eine andere Theorie der Moderne, Hamburg 2006 Därmann 2010: Iris Därmann, Theorien der Gabe zur Einführung, Hamburg 2010 Hoffmann 2009: Till Johannes Hoffmann, Verschwendung. Philosophie, Soziologie und Ökonomie des Überflusses, Diss. Univ. Osnabrück, 2009 Knerr 2009: Anne-Barbara Knerr, Schmuck und Sinn. Fragen und Antworten zum Phänomen Schmuck, Norderstedt 2009 Macho 1987: Thomas H. Macho, Schmuck Zeichen am Körper, hrsg. vom Linzer Institut für Gestaltung, Ausst.-Kat. Oberösterreichisches Landesmuseum, Linz 1987 Mazumdar 2015: Pravu Mazumdar, Gold und Geist. Prolegomena zu einer Theorie des Schmucks, Berlin 2015 Unger 2017: Marjan Unger, Suzanne van Leeuwenvan, Jewelry matters, Rotterdam 2017 Simmel 1908: Georg Simmel, Psychologie des Schmuckes, in: Individualismus der modernen Zeit und andere soziologische Abhandlungen, hrsg. Otthein Rammstedt, Frankfurt am Main 2008, S. 244.-251.
INTERNETQUELLEN Bundesamt für Statistik 2017, Jagd, https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/land-forstwirtschaft/jagdfischerei-fischzucht/jagd.html abgerufen am 01. 05. 19 Harrison 2005: Robert Pogue Harrison, René Girard. Warum kämpfen wir? Und wie können wir aufhören?, Neue Zürcher Zeitung, https://www.nzz.ch/feuilleton/renegirard-spricht-ueber-neid-grausamkeit-und-glauben-ld.1464403, abgerufen am 29.04.19 Klawitter 2017: Nils Klawitter, Pelz tragen mit Anstand - geht das?, Spiegel Online, https://www.spiegel.de/spiegel/das-fragwuerdige-comeback-der-pelzmode-a1180448.html, abgerufen am 01. 05. 19 Mosbeck 2015: Anja Mosbeck, Schweizer Rotfuchs: Sein Pelz landet meist im Abfall, az Limmattaler Zeitung, https://www.limmattalerzeitung.ch/limmattal/regionlimmattal/schweizer-rotfuchs-sein-pelz-landet-meist-im-abfall-128967012, abgerufen am 01. 05. 19 SRF 2014: Von der Fuchsjagd muss man angefressen sein, https://www.srf.ch/news/regional/graubuenden/von-der-fuchsjagd-muss-manangefressen-sein, abgerufen am 01. 05. 19
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