

MENTA TION BEX DOKU



WIR GEHEN REIN:
* Wieso dieses Projekt?
* Tamed objects
* Wie können wir erlernte
Strukturen entlernen?
* 3D-Druck-Blasen
* Erste Projektphase: mehrgendrige Formen
Assoziationen
Collagen
* Zweite Projektphase: queere Verbindungen
* Ausgestellte Formen
* Danksagungen

aber BEX geht RHINO RAWW
Mit untamed objects untersuche ich eine alternative Formsprache für elektronische Haushaltsgeräte.
Foto in Zusammenarbeit mit Dennis Wittman.

Wieso dieses
Projekt?
Haushaltsgeräte unterstreichen die eurozentrischen Geschlechtskonstruktionen. Ein gutes Beispiel ist der Vergleich zwischen Stabmixer und Bohrmaschine.
„Welches Objekt wirkt gefährlicher?“


Alle, die ich gefragt habe, anworteten mit: „Die Bohrmaschine“
Der Grund dafür liegt im Design. In einem durchschnittlichen Haushalt wird in der Bohrmaschine meistens ein Bohr- oder Bitaufsatz eingespannt. Ein Stabmixer allerdings hat zwei scharfe und schnell drehende Klingen. Die Gestaltung suggeriert, dass ein Stabmixer leicht zu bedienen ist und keine Vorkenntnisse voraussetzt. Im Gegensatz zu Bohrmaschinen, die Professionalität, Abenteuerlust und Gefährlichkeit ausstrahlen.
Das zeigt wie stark Design in Wechselwirkung mit sozialen Strukturen steht. Gesellschaftliche Vorstellungen von Geschlecht, und was einem Geschlecht zugetraut und zugeordnet wird, beeinflussen die Formsprachen. Diese wiederum untermauern die sozialen Konstruktionen.
Mein Ziel ist es herauszufinden, wie wir diese erlernten Zeichen und Strukturen entlernen können.
Karin Ehrnberger entlarvte die Vergeschlechtlichung von Haushaltsgeräten auf den erste Blick, indem sie die Formsprache von einem Stabmixer und einer Bohrmaschine umdrehte.


Mixer „Mega Hurricane Mixer“, 2006
Drill „Dolphina“, 2006




Tamed objects
Im englischen werden Haushaltsgeräte household oder domestic objects genannt Für mich ist die Vorstellung der herkömmlichen Haushaltsgeräte als gezähmt sehr passend. Sie wurden domestiziert durch Kontrolle, Funktion und schlussendlich dem Patriarchat.
Die untamed objects hingegen sind ungezähmt, humorvoll, weird, surreal, überraschend und teils unkontrolliertbar.




Wie können wir erlernte Strukturen entlernen?
Diese Frage war ein zentraler Punkt und ist schwer zu beantworten.
Meine Methode für dieses Projekt war, meine Untersuchung mit einem jungen und transformativem Verfahren durchzuführen. Dies bedeutet viel explorativer Raum und einen gewissen Kontrollverlust. Ich konnte die Rahmenbedingungen für die Transformation setzen, wurde jedoch immer wieder überrascht von dem Ergebnis.
3D-Druck-Blasen
3D-Druck-Blasen ist ein Verfahren, welches 3D-Druck Rohlinge durch Hitze und Druckluft verändert. Die Filamentdrucke werden zuerst in heissem Wasser erhitzt und dann unter Einsatz eines Druckluftkompressors aufgeblasen. Dadurch entsteht aus einem CAD Model ein Unikat.
Verschiedene Parameter, unteranderem die Qualität des 3D-Druckes, die Hitze und die Dauer des Luftdruckes, tragen zum Endresultat bei. Mit diesen Faktoren kann gespielt werden.
Die aufgeblasenen Formen haben eine Materialerinnerung. Das bedeutet, dass wenn sie wieder erhitzt werden, sie einigermassen in die Ursprungsform zurück gehen. Dies kann verwendet werden um Verbindungen wieder aufzulösen.
Bild links: Erwärmen des Rohlings Bild rechts: Aufblasen des Rohlings


Ines .
Fotos:
3D-Druck wird häufig für technische Teile, Reparaturen und Fanartikel verwendet und meistens nicht als wertvoll betrachtet. Mit meiner Arbeit will ich die Qualität und diverse Einsatzmöglichkeiten des Filamentdruckes zeigen, vor allem in den künstlerischen Anwendungsbereichen.
Für mich war die Verknüpfung des digitalen mit dem manuellen Verfahren einer der interessantesten Punkte. Die Nachbearbeitung erfordert viel Feingefühl, was nicht direkt mit 3D-Druck in Verbindung gebracht wird.
Bild links: Erwärmen des Rohlings Bild rechts: Rohling verbunden mit zwei weiteren Formen


Fotos: Ines .
Erste Projektphase: mehrgendrige Formen
Wieso mehrgendrig?
Will ich eine antipatriarchale oder genderneutrale Arbeit? Das war eine der ersten Fragen die sich mir stellten. Oder gibt es eine weitere Option? Denn der antipatriarchale Ansatz würde lediglich dem Status Quo entgegenhalten und auf weiblich konnotierte Dinge setzen, demnach die Binaritäten bestärken. Der genderneutrale Ansatz würde auf ein Gender reduzieren, was meiner Meinung nach auch nicht ideal ist.
In dem Text more gender, more design? leitet Larissa Holaske den Begriff mehrgendrig ein. Aus dem Gedanken, dass die Vielfalt von Gender zelebriert werden sollte.
Mehrgendriges Design
Ich will dem Mehrgendrigen weder Gestalt geben und definieren wie die Formsprache aussehen sollte. Ich will viel mehr über die Ausstrahlung und die Gefühle sprechen, die sie auslösen. Somit belasse ich individuelle Interpretationsmöglichkeiten und behalte den Raum für vielfältige Assoziationen.
Im Idealfall wirkt mehrgendriges Design einladend, spielerisch, lustvoll, laut und ist intuitiv und etwas weird.
Praktische Ebene
In dieser Entwurfsphase ging es darum, das Verfahren kennenzulernen. Da dieses bisher kaum ausgetestet wurde, blieb mir sehr viel Spielraum.
Ich lies mich erstmals von meiner Neugier und Intuition leiten. Entstanden ist eine Serie an unterschiedlichsten Formen, die allerlei Assoziatonen hervorrufen.
Auch nach Monaten werde ich noch überrascht. Beim Versuch zielgerichtet eine neue Form zu kreiieren, passierte das Gegenteil meiner Erwartung. Die Form hat sich an ungeplanter Stelle ausgedehnt. Nicht nur die Formen und Verbindungen sind untamed, sondern auch der Prozess.

Vorstellung


Resultat
Untamed und mehrgendrige Formen




Assoziationen
Die entstandenen Formen sind assoziationsreich. Seien es körperliche, organische oder metallische Konnotationen, für mich ist es interessant diese Fülle abzuholen und nicht zu reduzieren.




































Collagen
Wie sehen die untamed shapes kombiniert aus?



































































Zweite Projektphase: queere Verbindungen
Wieso queer?
Nach der ersten Phase hatte ich die Erkenntnis, das Queerness ein Teil meiner Arbeit ist.
Gender und Queerness sind seit jeher miteinader verwoben. Zum Beispiel war ein früher Versuch homosexuelle
Anziehung, als eine vertauschte Seele, zu beschreiben. Also ein Mann, der sich zu anderen Männern hingezogen fühlte, hätte eine weibliche Seele und somit auch das erotische Verlangen einer Frau.
Auch schon der Begriff Homosexualität bezieht sich auf das Geschlecht und setzt ein binäres Genderkonstrukt voraus.
Unter Queerness verstehe ich zum einen, anti-heteronormative sexuelle und geschlechtliche Identitäten, sowie eine Kultur und die Art und Weise wie wir Beziehungen eingehen.
Die queere Kultur ist geprägt von Unterdrückung und Verdrängung und antwortet mit einer bunten, lauten, stolzen, humorvollen und extravaganten Bildwelt.
Praktische Ebene
Für mich sind die Formen mehrgendrig und die Beziehungen, die sie zueinander eingehen, queer.
Das 3D-Druck-Blasen eignet sich besonders gut um Formen zu verbinden. Vor dem Aufblasen, kann es gleichzeitig in eine andere Form gehalten werden und erst dann aufgeblasen werden.

Untamed und queere Verbindungen


Die Fotos auf den folgenden Seiten sind in Zusammenarbeit mit Dennis Wittman entstanden.






Mit untamed objects untersuche ich eine alternative Formsprache für elektronische Haushaltsgeräte.
Die Gedanken zu Gender und Queerness im Design führten zu der Serie auf den vorherigen Seiten. Die Objekte sind absichtlich nicht funktional, weil die ästhetische Auseinandersetzung im Vordergrund steht.
Elektronischen Haushaltsgeräte, z.B. die Küchengeräte, Werkzeuge und Badezimmergeräte, erfahren jeweils eine unterschiedliche geschlechtliche Zuordnung. Um diese Aufteilung nicht zu reproduzieren, spreche ich alle elektronischen Geräte im Haushalt an.
Die Arbeit soll inspirieren und die Vielfalt sowie Möglichkeiten von Diversität in der Formsprache aufzeigen. Sie soll dazu motivieren sich von den gewohnten funktionalistischen Ästhetiken zu lösen und sich den Fragen von Gender und Queerness im Design zu stellen. Denn es ist nicht nur aufregend und unerwartet, sondern macht auch Spass.
Ausgestellte Formen:



































Danksagungen
Miriam Nietlispach und Vera Sacchetti
Juri Liechti
Mamma
Katharina
Felix Kosok Dennis
Sie kamen, sahen und wussten. Ich hätte nicht besser mentoriert sein können. Der mich wie ein Protegé aufgenommen hat. Niemand ist so aufmunternd wie er.
Die ALLE meine Texte mit einem scharfen Auge durchleuchtete.
Für die Layout- und Fotografie Mentorate.
Für das spannende Gespräch.

Dokumentation praktische Arbeit
Mentorin: Miriam Nietlispach 2026
HSLU DFK
Bex (Rebekka Nitsch)