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Berner Bauernkeramik, Sabrina Brunner, BA Objektdesign, 2026

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Berner Bauernkeramik

Dokumentation Bachelorarbeit

HSLU Objektdesign, 2026

Motivation und Ausgangslage

Bereits als Kind war ich fasziniert vom Freilichtmuseum Ballenberg, den Tagen auf dem Bauernhof bei meinen Grosseltern und den Filznachmittagen mit Schafswolle aus dem Dorf. Diese Interessen verbindet vor allem die Begeisterung für alte Handwerkstraditionen, regionale Tätigkeiten und das Stiften kultureller Identität. Dabei habe ich in meiner schriftlichen Arbeit die Frage, wie traditionelles Handwerk in der Gegenwart weiterbestehen kann und welche Rolle Gestaltung dabei spielt, vertieft. Ich bin folgender Fragestellung nachgegangen:

Wie kann sich die Berner Bauernkeramik zwischen Tradition und Gegenwart weiterentwickeln, ohne ihre kulturelle und gestalterische Identität zu verlieren?

Als Ausgangslage und Inspiration dient mir die Berner Bauernkeramik. Mit Sensibilität und sozialer Verantwortung untersuche ich, wie dieses Handwerk in der Gegenwart verortet werden kann und welches gestalterische sowie gesellschaftliche Potenzial darin liegt. Vom Aussterben bedroht? Ja, vielleicht. Im Fokus steht der Diskurs zwischen Ressourcen, Materialität und traditionellen Herstellungstechniken.

Meine persönliche Zielsetzung ist, dass sich die gestalterische Arbeit als intergenerationeller Wissenstransfer versteht und die Berner Bauernkeramik im zeitgenössischen Kontext verortet. Ich sehe mich als Schnittstelle zwischen Handwerkstradition, Vermittlung und Design. Die gestalterische Arbeit soll ein Akt des Vermittelns, Kontextualisierens und Bewahrens sein.

SDG

Das Projekt setzt sich mit folgenden Zielen für eine nachhaltige Entwicklung auseinander:

. SDG 4 Hochwertige Bildung, Unterziel 4.7

. SDG 8 Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum, Unterziel 8.9

. SDG 12 Nachhaltiger Konsum und Produktion, Unterziel 12.b

Recherche

Im ersten Schritt habe ich die historische und kulturelle Bedeutung der Berner Bauernkeramik aufgegriffen und rekonstruiert. Dabei habe ich Archivmaterialien, Fachliteratur, Museumsbestände sowie Materialien aus Ateliers ausgewertet. Zusätzlich hatte ich einen Besuchstag bei der Töpferei Aebi, die Berner Bauernkeramik bis heute traditionell herstellt. Vor Ort erhielt ich einen Einblick und konnte ein Interview mit der Betreiberin führen. Im Museum zur alten Töpferei in Heimberg hatte ich die Möglichkeit, einen Einblick zu erhalten, wie Bauernkeramik museal ausgestellt wird. Zudem war ich im Gespräch mit Max Wymann über das Projekt Berner Bauernqueeramik, das Tradition und Symbolik in einen neuen Kontext überführt. Die Recherche und Gespräche in der Töpferei vor Ort, das Besuchen von Werkstätten, Ateliers und Museen haben mir ein tieferes Verständnis für die Keramik sowie für die dahinterstehenden Menschen ermöglicht. Dabei wurden die jeweiligen Identitäten der Ausführung sichtbar. Werte, Geschichten, Philosophien und Lebensweisen konnten ein Stück weit aufgeschlüsselt werden. Durch erste Erkenntnisse habe ich die gestalterischen Kernprinzipien der Bauernkeramik zerlegt. Diese sind auf der nächsten Seite ersichtlich.

Bilder: ©Bundesamt für Kultur

Material Form Farbe

Farbpigmente

Wasser

Drehen

Engoben Pflanzen

Brand Ton

Geschirr

Giessen

Drehscheibe

Henkel Werkzeuge

Brennofen

Tierformen

Untensilien

Drehen/Farbe

Freihandformen

Tonvorkommen

Symbolik

Ornament

Wiederholungen

Alltag

Tiere

Religion

Ländlichkeit

Muster

Traditionen

Medium kultureller und politischer Identität

Techniken

Ritzen, Wegnehmen

Sprüche

Malhörnli

Freihandformen

Engobemalerai mit dem Malhörnli, Töpferei Aebi 2026

Vorgedrehte Töpfereien bereit für die Engoben

Farbpigmente für die Engobe

Atelierplatz im alten Bauernhaus der Töpferei Aebi

Prozess

In einem ersten Schritt habe ich mich an den gestalterischen Kernprinzipien orientiert. Im Zentrum steht dabei nicht die Reproduktion traditioneller Formen, sondern die Übersetzung von handwerklichen Prinzipien, Entscheidungslogiken und Haltungen in eine zeitgenössische, objektbasierte Gestaltung. Dabei habe ich mich entschieden, meinen Fokus auf die Farbigkeit der Engobemalerei zu legen. Mich interessiert dabei das gestalterische Potenzial der Farbigkeit und die Übersetzung in einen grafischen Parameter. Dabei habe ich das angeeignete Wissen aus der schriftlichen Arbeit über Gestaltung, Materialität und Handlung in die gestalterische Arbeit eingesetzt. Im Zentrum der Arbeit steht dabei die persönliche Auseinandersetzung mit der Keramik. Der Prozess soll ebenfalls die Tradition von einer Generation in die nächste tragen und die Interaktion mit der Keramik sowie deren Auseinandersetzungen vermitteln. Fragestellungen, die mich während der Arbeit immer wieder begleitet haben, sind:

• Ab wann findet eine Aneignung des Handwerks statt?

• Darf ich mich ohne grosse Vorbildung dem Handwerk annehmen?

• Wie gelingt es mir, Respekt gegenüber der alten Tradition zu bewahren c und diese zeitgenössisch zu übersetzen?

• Wie kann ich meine Auseinandersetzung am besten vermitteln?

• Kann ich durch meine Arbeit eine Zugänglichkeit schaffen?

c Wenn ja, wie?

• Kann das Handwerk gerettet werden?

c Oder dient es rein als Inspiration?

Farbpalette der Töpferei Aebi der Engoben

digitalisierte Palette im Illustrator

Möglichkeiten von neuen Engobekombinationen

1. Brand

In einem ersten Brand habe ich mich mit dem Malhörnli auseinandergesetzt und versucht, die vorgegebenen Punktreproduktionen auf die lederharte Keramik aufzutragen. Dabei konnte ich erste Erfahrungen im Umgang mit dem Werkzeug sowie mit den traditionellen Maltechniken sammeln. Ebenfalls habe ich neue grafische Symboliken aufgetragen und deren Wirkung auf der keramischen Oberfläche untersucht.

In einem weiteren Schritt habe ich mithilfe von Papiervorlagen grafische Muster und reduzierte Formen auf die Probeplättli übertragen. Durch das Experimentieren mit unterschiedlichen Anordnungen, Grössen und Formen entstand ein erster gestalterischer Dialog zwischen Tradition und zeitgenössischer Formensprache. Dabei entwickelte sich zunehmend ein Interesse an einer reduzierten und vereinfachten Symbolik, die auf der Keramik stattfindet. Besonders die Reduktion bestehender Motive auf ihre wesentlichen gestalterischen Merkmale eröffnete neue Möglichkeiten der Interpretation und Übersetzung.

Die Engobefarbe entfaltet ihre Farbikeit erst nach dem Glasurbrand

Probeplättli nach dem Glasurbrand

2. Brand

Während des Prozesses wurde mir bewusst, dass ich das Handwerk nicht retten und all seine Qualitäten weiterführen kann. Was mir jedoch klar wurde, ist, dass mich das Handwerk inspiriert. Die intensive Auseinandersetzung mit der Berner Bauernkeramik eröffnete mir neue gestalterische Perspektiven und diente als Ausgangspunkt für meine eigene Arbeit.

Ich habe mir eine kleine Sammlung von Berner Bauernkeramik angelegt, darunter diese Röstiplatte aus Steffisburg aus dem Jahr 1987. Die formale Sprache sowie die Mustergebung inspirierten mich für den weiteren Brand. Ich setzte mich illustrativ mit Elementen dieses sowie weiterer Teller auseinander und analysierte deren gestalterische Merkmale. Diese griff ich in einem Parameter im Illustrator auf und legte daraus eine mögliche Farbigkeit fest.

Anschliessend bereitete ich die Formen für den Schneideplotter auf, um Papiervorlagen als Hilfsmittel für die Bemalung herzustellen. Ich entschied mich für runde Platten, die jeweils aus ausgewalltem Ton ausgeschnitten wurden. Die Platten bearbeitete ich anschliessend auf der Drehscheibe weiter, um ihnen eine präzisere Form und Oberfläche zu verleihen.

Leider sind diese Platten beim Vorbrand bei 980 °C im Ofen gerissen. Dies ist auf Lufteinschlüsse im Ton zurückzuführen. Die entstandenen Scherben konnte ich jedoch für Glasurtests weiterverwenden. Dadurch konnten die Fehlschläge dennoch in den weiteren Arbeitsprozess integriert werden und dienten als Material für zusätzliche Experimente.

Grafische Vorlage im Illustrator

Umsetzung auf der Keramikplatte mit Glasur

Definition einer Farbauswahl

Erstellen von Musterplättli der unterschiedlichen Engoben

Glasurproben

Damit die Engobenfarben ihre leuchtende Farbwirkung entfalten können, benötigen sie eine transparente Glasur. Für erste Versuche konnte ich Bruchstücke des ersten Brandes verwenden. Die Glasur erwies sich jedoch als wenig geeignet zum Aufstreichen, da sie sich unregelmässig verteilte und keine gleichmässige Oberfläche bildete.

In weiteren Tests stellte sich heraus, dass das Übergiessen der Stücke die besten Ergebnisse erzielt. Auf diese Weise lässt sich die Glasur gleichmässiger auftragen und erzeugt eine regelmässige Oberfläche. Die glasurbereiten Stücke werden anschliessend bei 1020 °C gebrannt.

Durch den Glasurbrand entsteht eine schützende Oberfläche, welche den porösen Ton wasserdicht macht. Gleichzeitig schützt die Glasur die Keramik vor Schmutz und Bakterien und ermöglicht dadurch eine sichere Verwendung im Kontakt mit Lebensmitteln. Die transparente Glasur verstärkt zudem die Farbigkeit der Engoben und bringt deren Leuchtkraft sowie die feinen gestalterischen Details stärker zur Geltung.

Bruchstücke mit Glasur vor dem Brand

Erste Glasurversuche durch eintauchen der Keramikstücke

Übergossene Stücke sind am regelmässigsten

Vor dem ersten Brand noch ohne Glasur

Nach den Bränden mit Glasur

3. Brand

Im weiteren Brand habe ich die Erkenntnisse und Outputs des zweiten Brandes aufgegriffen und sensibel weiterentwickelt. Ziel war es, die bisherigen Erfahrungen in den gestalterischen Prozess zu integrieren und die gewonnenen Erkenntnisse gezielt anzuwenden.

Die tellerförmigen Platten habe ich jeweils aus einer ausgewallten Tonplatte ausgeschnitten. Durch die vorgängigen Brände wurde mir bewusst, wie wichtig eine sorgfältige Verarbeitung des Materials ist. Insbesondere mussten Lufteinschlüsse konsequent vermieden werden, da diese während des Brennvorgangs zu Spannungen und Rissen führen können.

Auf dem noch feuchten Ton haftet die Engobe am besten und lässt sich gleichmässig auftragen. Anschliessend muss der Ton vollständig austrocknen, damit die Stücke den Vorbrand unbeschadet überstehen. Dieser Arbeitsschritt erfordert Geduld und eine kontinuierliche Kontrolle des Materials.

Zudem erarbeitete ich fortlaufend Ton- und Glasurproben in unterschiedlichen Zuständen. Diese dokumentieren die verschiedenen Stadien des keramischen Prozesses und dienen als Veranschaulichung der Materialzustände. Gleichzeitig ermöglichen sie einen direkten Vergleich zwischen ungebranntem Ton, Engobenauftrag, Vorbrand und Glasurbrand und machen die Veränderungen des Materials sichtbar.

4. Brand

In einem finalen Brand habe ich mich entschieden, die Formen weiter zu reduzieren und nur vereinzelte Elemente aufzugreifen, die ich innerhalb der definierten Farbpalette weiterverfolgt habe. Der Fokus lag dabei auf einer bewussten Reduktion der gestalterischen Mittel sowie auf der Konzentration auf einzelne Formen, Farben und Muster.

Die Platten sind in ihrer Gestaltung nun reduziert und minimiert. Durch die Vereinfachung der formalen Sprache treten die ausgewählten Elemente stärker in den Vordergrund und erhalten eine neue Wirkung. Dadurch entsteht eine zeitgenössische Interpretation der Berner Bauernkeramik, die traditionelle Einflüsse aufnimmt, diese jedoch in eine reduzierte und aktuelle Formensprache übersetzt. Die Objekte bewegen sich somit zwischen Tradition und Gegenwart und machen den gestalterischen Transformationsprozess sichtbar.

Auch hier benutze ich Papier-Schablonen für die Formen, dadurch wird der Gestaltungsprozess weiter vereinfacht und zugänglicher gemacht. Die Muster können einfacher nachvollzogen und reproduziert werden, wodurch die Vermittlung der Technik unterstützt und der Einstieg in die Auseinandersetzung mit der Keramik erleichtert wird.

Möglichkeiten und Relevanz

Die Arbeit verbindet Objektdesign mit kultureller Nachhaltigkeit und zeigt auf, wie Gestaltung zur Weitergabe von handwerklichem Wissen beitragen kann. Sie positioniert Design als vermittelnde Praxis zwischen Tradition und Gegenwart und knüpft direkt an die schriftliche Untersuchung der Berner Bauernkeramik an.

Ich wünsche mir, dass durch den gestalterischen Prozess die Tradition von einer Generation zur nächsten getragen wird und die Interaktion sowie die Auseinandersetzung mit der Keramik ein Gefühl von Identität, Zugehörigkeit und Kontinuität vermitteln. Die Arbeit versteht sich dabei nicht als Versuch, das Handwerk zu retten oder unverändert weiterzuführen, sondern als zeitgenössische Interpretation, die von dessen Werten, Herstellungstechniken und gestalterischen Prinzipien inspiriert ist.

Durch die Reduktion von Formen, Mustern und Elementen sowie den Einsatz von Schablonen soll ein niederschwelliger Zugang zur Bemalung geschaffen werden. Die gestalterischen Prozesse werden dadurch nachvollziehbarer und einfacher vermittelbar. Die Schablonen unterstützen den Wissenstransfer, indem sie die Auseinandersetzung mit traditionellen Motiven erleichtern und gleichzeitig Raum für eigene Interpretationen schaffen.

Ich hoffe, dass das Projekt auf diese Weise Respekt gegenüber kultureller Vielfalt, handwerklichem Wissen und menschlicher Kreativität fördert. Gleichzeitig soll es dazu anregen, traditionelle Handwerkstechniken nicht nur als historisches Kulturgut zu betrachten, sondern als lebendige Inspirationsquelle für gegenwärtige und zukünftige Gestaltungspraxen.

Rück- und Ausblick

Die Auseinandersetzung mit der traditionellen Handwerkskultur habe ich als sehr bereichernd erlebt. Die Begegnungen mit Menschen und ihren Geschichten haben mich inspiriert und fasziniert. Die Schnittstelle zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft hat mich sowohl gestalterisch als auch persönlich gefordert.

Das Projekt widerspiegelt eine persönliche Auseinandersetzung und hat mir zwischenzeitlich auch Parallelen zum Leben aufgezeigt. Der Anfangsprozess bereitete mir Schwierigkeiten, insbesondere da ich nicht genau wusste, wohin sich die Arbeit entwickeln würde. Dabei habe ich mich stellenweise auch etwas verloren. Durch die Unterstützung, die ich in Mentoratsgesprächen erfahren durfte, konnte ich jedoch neue Wege einschlagen und meinen gestalterischen Prozess wieder klarer ausrichten.

Im Rückblick sehe ich die Arbeit als wichtigen Lernprozess im Umgang mit offenen Fragestellungen, Materialität und gestalterischer Entwicklung. Sie hat mir gezeigt, wie stark Recherche, Experiment und Reflexion ineinandergreifen und wie daraus ein eigener gestalterischer Zugang entstehen kann.

Ein schöner Ausblick für mich ist, dass ich mir durch dieses Projekt eine Grundlage sowie Werkzeuge erarbeitet habe, die ich zukünftig im Unterricht im technischen Gestalten auf der Primarstufe einsetzen kann. Ich hoffe dadurch, eine mögliche Zugänglichkeit, Freude und Kontextualisierung der Berner Bauernkeramik an weitere Generationen weiterzugeben und so das Interesse an traditionellem Handwerk im zeitgenössischen Kontext zu fördern.

Dank

Danke für die grosse Unterstützung, die ich während meiner Arbeit erfahren durfte!

Miriam Nietlispach

Vera Sacchetti

Thomas Wüthrich

Töpferei Aebi, Trubschachen

Museum zur alten Töpferei, Heimberg

Max Wymann, Berner Bauernqueeramik

Keramikwerkstatt DFK

Mitstudierende

Familie und Freunde <3

Kontakt

Sabrina Brunner brunnersabrina@outlook.com @sabrinas.atelier

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