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AVIVA, Chiara Aeschbacher, BA Objektdesign, 2026

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abstract

WISSEN VERBINDET,

HILFE ERMÖGLICHEN, SICHTBARKEIT SCHAFFEN

In meiner Arbeit habe ich untersucht, wie ich als Designerin dazu beitragen kann, den Zugang zu Informationen, Unterstützungsangeboten und Vernetzungsmöglichkeiten für FLINTA*-Personen zu verbessern.

Ausgangspunkt ist meine Beobachtung, dass Unsicherheit und Vorsicht für viele FLINTA*-Personen fester Bestandteil des Alltags sind, während gleichzeitig individuelle Sicherheitsbedürfnisse und bestehende Unterstützungsstrukturen oft wenig sichtbar oder schwer zugänglich bleiben.

Im Rahmen meiner Recherche, während meiner schriftlichen Bachelor-Arbeit, wurden Erfahrungen, Perspektiven und bestehende Angebote analysiert, um Faktoren zu identifizieren, die das Sicherheitsgefühl, die Selbstbestimmung und die gesellschaftliche Teilnahme von FLINTA*-Personen stärken können. Dabei zeigte sich, dass relevante Informa-

tionen häufig verstreut, schwer auffindbar oder mit hohen Zugangshürden verbunden sind.

Genau da setze ich an und erarbeitete das Konzept einer niederschwelligen, betroffenenzentrierten Plattform.

Die Website bündelt relevante Informationen an einem zentralen Ort und erleichtert den Zugang zu Unterstützungsangeboten. Nutzerinnen finden dort Informationen zu ihren Rechten, Anlaufstellen für Beratung und Unterstützung sowie eine Übersicht über Akuthilfeangebote und Notfallkontakte, die rund um die Uhr erreichbar sind. Auch Angehörige, Freundinnen und andere Bezugspersonen werden angesprochen, um kollektiv gegen Sexualisierte und geschlechtsspezifische Gewalt vorzugehen

PROJEKTZIEL

Ziel meines Projekts ist es, eine Brücke zwischen Wissen, Eigeninitiative und konkreter Unterstützung zu schaffen.

Die Arbeit versteht Sicherheit als kollektive Aufgabe und untersucht, wie Design dazu beitragen kann, Zugänglichkeit, Sichtbarkeit und Teilnahme nachhaltig zu fördern.

Meine entwickelte Lösung ist dabei nicht ausschliesslich digital gedacht, sondern wird durch verschiedene Kommunikationsmassnahmen ergänzt, um Menschen in ihrem Alltag direkt zu erreichen. Damit leistet meine Arbeit einen Beitrag zur Sichtbarmachung bestehender Strukturen und zur Förderung eines informierten, unterstützenden und solidarischen Umgangs mit geschlechtsspezifischer und sexualisierter Gewalt.

Sicherheit Aufklärung

Unterstützung

Community

Chiara Aeschbacher AVIVA
„Komm nach Hause, bevor es dunkel wird, es ist zu gefährlich.“
„Geh niemals allein nachhause und trenn dich nicht von deiner Gruppe.“
„Sei immer achtsam, die Welt ist gefährlich, besonders für junge Frauen.“

Solche Aussagen sind keine Einzelfälle, sondern Ausdruck einer wiederkehrenden sozialen Praxis, die FLINTA*-Personen dazu anhält, sich eingeschränkt zu verhalten und mit Angst zu leben. Mit zunehmendem Alter wurden diese abstrakten Ängste realer. Eigene Erfahrungen mit Sexismus, sei es am Arbeitsplatz, in öffentlichen Verkehrsmitteln, im Taxi oder in alltäglichen Situationen, führten dazu, dass sich mein Gefühl der Unsicherheit im öffentlichen Raum verstärkte.

Im Verlauf der Recherche dieser Arbeit, wurde schnell deutlich, dass diese Erfahrungen keineswegs individuell sind. Die von mir beschriebenen Erfahrungen finden sich auch bei Leslie Kern wieder, die festhält: „Uns wird eingetrichtert, dass eine oder die Vergewaltigung, unmittelbar um die nächste Ecke auf uns wartet“.

Jede FLINTA*-Person kann sich an einen Moment in ihrem Leben erinnern, in dem ihnen vermittelt wurde, dass sie vorsichtig sein oder sogar Angst haben sollten.

Das Thema Angst begleitet mich, seit ich ein kleines Kind war. Schon früh litt ich an starken Verlustängsten und entwickelte später auch eine ausgeprägte Angst vor dem Tod. Mit zunehmendem Alter wurde mir immer stärker vermittelt, dass die Welt ein gefährlicher Ort sei. Eine Botschaft die sich tief in mir eingeprägt hat.

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Sexualisierte und Geschlechtsspezifische Gewalt gegen FLINTA*

Meine Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Objektdesign, Gender Studies, Gewaltprävention, Rechtswissenschaften und Sicherheitsforschung.

Im Zentrum steht die theoretische Aufarbeitung der feministischen und der queeren Theorie sowie die Frage, wie ich als Designerin Empowerment, Deeskalation, Community und Prävention verbinden kann.

Ergänzend werfe ich einen kritischen Blick auf die Anwendbarkeit von Selbstverteidigungsmitteln, da deren histo- rische Ästhetik bis heute die Formgebung und die gesellschaftliche Wahrnehmung prägt.

Ich zeige auf, welche konkreten Schutzbedürfnisse, Hemmschwellen und Erwartungen FLINTA*-Personen im Alltag prägen und wie diese in verantwortungsvolle und deeskalierende Designprinzipien übersetzt werden können. Ein interdisziplinärer Ansatz ermöglicht es, diese Zusammenhänge sichtbar zu machen und verantwortungsvolle Gestaltungsprinzipien abzuleiten.

Chiara Aeschbacher

Femizide stellen die extremste und sichtbarste Form geschlechtsspezifischer Gewalt dar. Sie markieren jedoch nicht den Beginn, sondern den Endpunkt einer Gewaltspirale, die häufig lange zuvor ihren Ursprung hat.

Gewalt entsteht nicht erst im Moment der tödlichen Eskalation. Sie beginnt oftmals schleichend Beispielsweise durch Kontrolle, Einschüchterung, psychische Gewalt, Grenzüberschreitungen oder strukturelle Benachteiligung.

Genau an diesem frühen Punkt setzt mein Projekt an.

Vollendete Femizide 2025 (Zahlen sind ohne die Versuchten Femizide!)

Chiara Aeschbacher

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target group

FLINTA*-PERSONEN MÜSSEN SICHER UND SELBSTSTÄNDIG LEBEN!

FLINTA*-Personen

Akronym für, Frauen, Lesben, Inter-, Trans-und A-Genderpersonen. Auch Nicht-Binäre-Personen sind dabei inkludiert, deshalb befindet sich am Ende des Akronyms ein Stern.

Gewalt gegen FLINTA*-Personen ist ein strukturelles Problem mit hohen Betroffenenzahlen, oft sind sie deshalb eingeschränkt in ihrem Verhalten als Schutzreaktion vor potenzieller Gewalt.

Diese Problematik wurde bislang nur unzureichend durch alltagstaugliche, rechtlich zulässige und sozial akzeptierte Schutzlösungen adressiert, sonst hätte sich schonlange etwas an den immer noch steigenden Zahlen verändert!

Spezifisch möchte ich das sich FLINTA*-Personen sicher fühlen können, Beispielsweise alleine auf dem Nachhauseweg.

Die Arbeit leistet einen wichtigen Beitrag zur feministischen Sicherheitsforschung, zum inklusiven Design und zu einer gesellschaftlichen Auseinandersetzung darüber, wie Sicherheit für marginalisierte Gruppen gestaltet werden kann, ohne bestehende Ungleichheiten zu reproduzieren.

Chiara Aeschbacher

reasearch

Ausgangspunkt meiner Arbeit bildete meine schriftliche Bachelorarbeit. Sie diente mir als Grundlage, um mich sowohl theoretisch als auch inhaltlich vertieft mit meinem Thema auseinanderzusetzen und ein fundiertes Verständnis für die relevanten gesellschaftlichen Zusammenhänge zu entwickeln.

Einen besonderen Einfluss hatten dabei die Bücher zur feministischen und queeren Theorie. Obwohl beide Bücher als Einführungen konzipiert sind, empfand ich sie als sehr detailliert und inhaltlich anspruchsvoll. Gerade deshalb entschied ich mich bewusst dafür, mit diesen theoretisch komplexeren Texten zu beginnen. Rückblickend erwies sich diese Vorgehensweise als sinnvoll, da sie mir ein solides Fundament für die weitere Recherche und die Entwicklung meiner Fragestellung bot.

Ergänzend dazu setzte ich mich auch mit Literatur zur Gewalttheorie auseinander. Dieses Themenfeld war zwar für das Gesamtverständnis meines Projekts relevant, hatte jedoch einen geringeren Einfluss auf die konkrete Ausrichtung meiner Arbeit als die feministischen und queeren Theorieansätze.

Nach der intensiven theoretischen Auseinandersetzung widmete ich mich den beiden für meine Arbeit, zentralsten Büchern: Hast du Nein gesagt und Feminist City. Beide Werke erwiesen sich als äusserst wertvoll, nicht nur für die Ausarbeitung meiner schriftlichen Arbeit, sondern auch für mein persönliches Verständnis der behandelten Themen. Sie ermöglichten es mir, theoretische Konzepte mit konkreten Erfahrungen und gesellschaftlichen Realitäten zu verknüpfen und lieferten wichtige Impulse für die weitere Entwicklung meines Projekts.

Chiara Aeschbacher

Diskriminierungsformen, 2023

Anteil der Opfer, der die Formen erwähnt

Vertrauensintervall (95%)

Ausgrenzung, Nichtbeachtung Spott Verbale Gewalt, Drohung Mobbing, Informationen vorenthalten Andere Leistungsverweigerung Racial Profiling Hassnachrichten Körperliche Gewalt

Datenstand: 29.02.2024

gr-d-01.05.08.06.04

Quelle: BFS – Erhebung zum Zusammenleben in der Schweiz (ZidS), Modul Diskriminierung und Rassismus © BFS 2024

Sicherheits Survey an der HSLU

Zu Beginn meines Projekts entwickelte ich eine eigene Umfrage mit dem Ziel, mehr über die Wahrnehmungen und Erfahrungen von FLINTA*-Personen im Alltag zu erfahren. Dabei interessierte mich besondere, wie sicher sich die Teilnehmenden fühlen, ob sie in bestimmten Situationen Angst empfinden, welche Gründe dahinterstehen und ob sie Selbstverteidigungsmittel mit sich tragen.

Die Umfrage wurde über den E-Mail-Verteiler der HSLU verbreitet und richtete sich an alle FLINTA*-Personen an der Hochschule. Insgesamt nahmen 83 Personen an der Befragung teil. Dadurch konnte ich einen aussagekräftigen Einblick in die Erfahrungen, Bedürfnisse und Sicherheitswahrnehmungen der Zielgruppe gewinnen.

Die Ergebnisse der Umfrage bildeten eine wichtige Grundlage für die weitere Entwicklung meines Projekts und halfen dabei, zentrale Themen und Herausforderungen besser zu verstehen. Die vollständige Auswertung der Befragung ist im Abschnitt 09 – Survey dokumentiert.

FLINTA*Tischli Talk

Zufälligerweise fand während meiner Recherchephase ein FLINTA*-Tischli-Treff statt, an dem ich teilnehmen konnte. Initiiert wurde die Veranstaltung von zwei Masterstudentinnen der HSLU im Rahmen ihrer Arbeit zum Frauentag. Die Gelegenheit bot mir die Möglichkeit, direkt mit Personen aus der Zielgruppe ins Gespräch zu kommen und ihre Erfahrungen sowie Perspektiven kennenzulernen.

Wir trafen uns zu sechst beim Inseli in Luzern. Der Austausch begann mit zwei Leitfragen, die von allen Teilnehmenden beantwortet und auf einer Skala von 0 bis 10 eingeordnet werden sollten. Eine der Fragen bezog sich beispielsweise darauf, wie sicher oder unsicher sich die Teilnehmenden in Luzern fühlen.

Nach diesen beiden Gesprächsrunden erhielt ich die Möglichkeit, weitere eigene Fragen in die Gruppe einzubringen, um gezieltere Einblicke in individuelle Erfahrungen und Bedürfnisse zu gewinnen. Besonders deutlich wurde dabei, wie unterschiedlich Angst wahrgenommen und erlebt wird.

Während einige Teilnehmerinnen berichteten, dass sie sich insbesondere vor Gruppen von Menschen fürchten, empfanden andere einzelne Personen als bedrohlicher. Ebenso unterschiedlich waren die Einschätzungen zur Nacht. Einige fühlten sich nach Einbruch der Dunkelheit wohler, da die Strassen übersichtlicher seien und sich weniger Menschen im öffentlichen Raum aufhielten. Andere hingegen gaben an, nachts nur ungern oder gar nicht allein unterwegs zu sein. Diese Gespräche verdeutlichten, wie stark das individuelle Sicherheitsgefühl von persönlichen Erfahrungen, Wahrnehmungen und Lebensrealitäten geprägt ist.

interviews

007 Opferhilfe LANTANA Bern

Im Rahmen meiner Recherche besuchte ich die Opferhilfestelle LANTANA in Bern. Gluecklicherweise bietet die Organisation seit Kurzem Informationsabende an, die Interessierten einen Einblick in ihre Arbeit ermoeglichen. Diese Gelegenheit nutzte ich, um mehr ueber die Taetigkeit und die Angebote der Opferhilfe zu erfahren.

Gemeinsam mit vier weiteren Teilnehmenden nahm ich an einem solchen Informationsabend teil. Dabei stellte uns eine Opferhelferin die Organisation, ihre Arbeitsweise sowie die unterschiedlichen Unterstuetzungsangebote vor.

Das Gespraech vermittelte wertvolle Einblicke in die Herausforderungen der Opferhilfe und den Umgang mit Betroffenen von Gewalt.

Besonders interessant war die Erkenntnis, dass sich hauptsächlich Menschen an LANTANA wenden, welche bereits vor längerer Zeit Gewalt erfahren haben. Viele der Betroffenen erhalten dort Unterstuetzung, die ihnen zum Zeitpunkt der Gewalterfahrung nicht zur Verfügung stand oder die sie damals nicht in Anspruch nehmen konnten.

Im Vergleich zu anderen Anlaufstellen liegt der Schwerpunkt von LANTANA somit weniger auf der unmittelbaren Krisenintervention bei akuten Gewaltfaellen, sondern vielmehr auf der langfristigen Begleitung, Beratung und Unterstützung von Betroffenen bei der Aufarbeitung ihrer Erfahrungen.

Telefonat mit AnnaBéatrice

Durch meine Mentorin Miriam Nietlispach erhielt ich die Möglichkeit, Kontakt mit Anna-Béatrice Schmaltz aufzunehmen. In einem Telefongespräch konnte ich ihr verschiedene Fragen stellen, insbesondere zur neu eingeführten Notrufnummer 142. Das Gespräch bot wertvolle Einblicke in die aktuelle Situation der Unterstützungsangebote für Betroffene von Gewalt und deren gesellschaftliche sowie politische Einbettung.

Anna-Béatrice Schmaltz bewertet die Einführung der Nummer grundsätzlich positiv und sieht darin einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung. Gleichzeitig betonte sie jedoch, dass die bisherigen Massnahmen bei weitem nicht ausreichen. Ihrer Ansicht nach besteht weiterhin dringender Handlungsbedarf auf politischer und gesellschaftlicher Ebene.

Besonders wichtig sei es, Unterstützungsangebote konsequent betroffenenzentriert zu gestalten und langfristig ausreichend finanziell abzusichern. Darüber hinaus unterstrich sie die Bedeutung einer intersektionalen Perspektive, damit Hilfsangebote möglichst viele unterschiedliche Lebensrealitäten berücksichtigen und tatsächlich für alle Betroffenen zugänglich und nutzbar sind.

007 Infos von Sabrina Felder

Per E-Mail konnte ich Kontakt zu der lokalen Anwältin Sabrina Felder aufnehmen. Im Rahmen meiner Recherche bat ich sie um eine fachliche Einschätzung zu verschiedenen juristischen Fragestellungen, insbesondere im Bereich der Selbstverteidigung.

Dabei interessierte mich vor allem, welche Formen der Selbstverteidigung rechtlich zulässig sind, wo die gesetzlichen Grenzen liegen und wie sogenannte Graubereiche in der Praxis beurteilt werden. Von besonderer Bedeutung war für mich die Frage, wie realistisch es ist, dass eine angegriffene Person nach einer Verteidigungshandlung selbst rechtliche Konsequenzen befürchten muss, beispielsweise beim Einsatz von Pfefferspray.

Dank ihrer juristischen Expertise konnte Sabrina Felder die rechtlichen Rahmenbedingungen differenziert erläutern und aufzeigen, welche Voraussetzungen für eine verhältnismässige Selbstverteidigung erfüllt sein müssen. Ihre Antworten halfen mir dabei, die verschiedenen Möglichkeiten der Selbstverteidigung besser einzuordnen und deren Chancen sowie Risiken realistischer einzuschätzen.

Die gewonnenen Erkenntnisse waren insbesondere für die Entwicklung der Inhalte meiner Plattform wertvoll. Sie ermöglichten es mir, fundierter zu beurteilen, welche Empfehlungen sinnvoll und verantwortungsvoll sind und bei welchen Massnahmen – wie etwa dem Einsatz von Pfefferspray – rechtliche und praktische Herausforderungen berücksichtigt werden müssen.

Chiara Aeschbacher
Chiara Aeschbacher
Chiara Aeschbacher
Chiara Aeschbacher
Chiara Aeschbacher
Chiara Aeschbacher
Chiara Aeschbacher

Viele der befragten FLINTA*-Personen berichten, dass sie im Alltag eingeschränkt sind.

SIe sind konstant angespannt, stellen sich Szenarien vor und überanalysieren ihre Umfgebung um sich Sicherer zu fühlen. FLINTA*-Personen greifen immer häufiger zu härteren Selbstverteidigungsmassnahmen, da sie durch eigene Erfahrungen und die grosse mediale Berichterstattung gemerkt haben, dass Vorsicht und Gutmütigkeit nicht vor Gewalt schützen.

In der zu Beginn dieser Arbeit durchgeführten Survio-Umfrage wurde das Thema Selbstverteidigungsmittel ebenfalls aufgegriffen, und zwar mit der Frage: „Trägst du im Alltag ein Selbstverteidigungs-Tool mit dir herum?“

Die Auswertung zeigt im Hinblick auf die Selbstverteidigungspraktiken ein ambivalentes Bild. Einerseits verwenden einige einfache Strategien wie das Mitführen von Schlüsseln oder das Teilen des Standorts, andererseits besteht gleichzeitig ein unerfülltes Bedürfnis nach geeigneten Schutzmitteln.

Insgesamt unterstreichen die Ergebnisse, dass Sicherheit weniger durch isolierte Massnahmen als vielmehr durch das Zusammenspiel von sozialer Einbettung, Zugänglichkeit von Hilfe und situativer Kontrolle beeinflusst wird. Es könnte davon ausgegangen werden, dass es bereits genügend Selbstverteidigungs-Tools gibt, die mehr Sicherheit oder Schutz bieten könnten. Dazu zählen Pfefferspray, kleine Messer, Schlüsselanhänger, Pfeifen oder auch Schrillalarme.

Bei genauerer Betrachtung kann diese Annahme jedoch schnell widerlegt werden. Viele der vorhandenen Tools sind nicht intuitiv anwendbar, wirken nicht deeskalierend und bewegen sich in einer rechtlichen Grauzone.

Deutlich wird, dass Unsicherheitsgefühle vor allem in Situationen auftreten, die durch Dunkelheit, Isolation und eingeschränkte Kontrollmöglichkeiten geprägt sind. Besonders auffällig ist, dass nicht primär konkrete Orte, sondern vielmehr situative Faktoren wie fehlende Hilfeoptionen, das Alleinsein und das Gefühl, beobachtet zu werden, als ausschlaggebend wahrgenommen werden.

Zugleich wird deutlich, dass Sicherheit stark relational gedacht wird. Die grosse Mehrheit der Befragten würde sich durch eine unmittelbar verfügbare unterstützende Community sicherer fühlen. Dies weist auf die Bedeutung sozialer Vernetzungen und kollektiver Sicherheitsstrategien hin.

Chiara Aeschbacher
Chiara Aeschbacher

Rechtlicher Graubereich

Die Abbildungen zeigen sechs Formen der Selbstverteidigung. Die Abbildungen 1-3 verdeutlichen den rechtlichen Graubereich dieser Gegenstände, da sie als „gefährliche Gegenstände“ eingestuft werden und ein erhöhtes Eskalationspotenzial aufweisen.

Die Abbildungen 4-6 präsentieren hingegen präventive und deeskalierende Alternativen: einen Schrillalarm zur kurzfristigen Abschreckung und Aufmerksamkeitserzeugung, die SafeNow-App zur unmittelbaren Alarmierung zuvor definierter Kontakte sowie das Konzept „Luisa“, bei dem, Betroffene in Bars durch ein Codewort diskret Hilfe anfordern können. Diese Beispiele verdeutlichen Möglichkeiten individueller Sicherheit ohne Verletzungsrisiko oder rechtliche Grauzonen.

Chiara Aeschbacher

challenges 011

Vertrauen in Institutionen:

Anteil der Bevölkerung mit einem hohen Vertrauen in die Institutionen in der Schweiz, 2023

Bevölkerung ab 16 Jahren

Vertrauensintervall (95%)

Polizei Rechtssystem politisches System

Hohes Vertrauen: Werte von 8 bis 10 auf einer Skala von 0 bis 10

Datenstand: 03.12.2024

gr-d-20.03.04.04.05

Quelle: BFS – Erhebung über die Einkommen und Lebensbedingungen, SILC 2023 © BFS 2025

Objekte?! Deeskalation Empowerment

Betroffenenzentriert

Die Bedürfnisse von Betroffenen sind, einfach ausgedrückt, normale Ansprüche an unsere Menschenrechte. In Gesprächen mit befreundeten FLINTA*-Personen und am «FLINTA* Tischli-Talk», wird schnell klar, dass sie keine Sonderwünsche haben.

Sie möchten mit Respekt und Fürsorge behandelt werden. Sie wollen, ebenso wie alle anderen Menschen auch, verstanden werden und angemessene Hilfe bekommen.

Sie wollen sich sicher fühlen. Sie wollen selbstbestimmt existieren. Sie wollen kein Mitleid, sondern Mitgefühl!

Die Schweiz ist jedoch noch weit davon entfernt, diesen grundlegenden Bedürfnissen nachzukommen. Der Bund, die Polizei, das Strafrecht, und die Politik ergreifen immer noch nicht ausreichende Massnahmen, um aktiv etwas für Gefährdete und Betroffene zu tun.

Miriam Suter und Natalia Widla zeigen in ihrem Buch “Hast du Nein gesagt?“ anhand mehrerer Erfahrungsberichte von FLINTA*-Personen auf, inwiefern institutionelle Abläufe im Umgang mit sexualisierter Gewalt häufig unzureichend funktionieren und somit die Hemmschwellen vergrössern.

So wird unter anderem die Erfahrung einer betroffenen geschildert, die nach einer Vergewaltigung, die Polizei verständigte. Obwohl sie von einer Patrouille abgeholt wurde, erfolgte keine angemessene Betreuung, stattdessen wurde sie an einem Öffentlichen Ort, im Regen, abgesetzt und sich selbst überlassen. Diese Erfahrung verdeutlicht die man-

gelnde Sensibilität sowie fehlende Unterstützung im Umgang mit akuten Belastungssituationen.

Die 7 W-Fragen: Wer (Täter), Was (Tat), Wann (Tatzeit), Wo (Tatort), Wie (Tathergang), Womit, Warum (Motiv)

In einem weiteren Fall wird die Geschichte einer Betroffenen und deren Herausforderungen während einer polizeilichen Einvernahme, aufgezeigt. Zwar folgen diese Einvernahmen immer einem standardisierten Ablauf, wie den sogenannten 7-W-Fragen

Die 7 W-Fragen: Wer (Täter), Was (Tat), Wann (Tatzeit), Wo (Tatort), Wie (Tathergang), Womit, Warum (Motiv)

jedoch zeigt sich insbesondere bei Fragen nach dem „Warum“ häufig ein mangelndes Verständnis für die Dynamiken sexualisierter Gewalt. Fragen zur Kleidung, zum Verhalten oder zu Entscheidungen der Betroffenen können dabei Schuldzuweisungen implizieren und zusätzlich Belastungen erzeugen.

Diese Beispiele verdeutlichen, dass fehlende Sensibilisierung, unzureichende Ressourcen und problematische Kommunikationsweisen in institutionellen Kontexten wesentliche Hemmschwellen darstellen können. In der Folge wird das Vertrauen in Staatliche Stellen geschwächt, was sich auch in statistisch belegbaren Zurückhaltungen bei der Inanspruchnahme solcher Angebote widerspiegelt.

Chiara Aeschbacher

FLINTA*-PERSONEN MÜSSEN SICHER LEBEN

Intersektionalität

Chiara Aeschbacher

brainstorming

Chiara Aeschbacher
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building ideas

Chiara Aeschbacher

Website Community Empowerment Informationen

Chiara Aeschbacher
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Um mit der Entwicklung des Corporate Designs zu beginnen, widmete ich mich zunächst der Gestaltung eines Logos. Da zu diesem Zeitpunkt der Name der Plattform noch nicht feststand, entschied ich mich für einen intuitiven und ergebnisoffenen Gestaltungsprozess.

Um mich bewusst von digitalen Arbeitsweisen zu lösen und neue Ideen zu entwickeln, wechselte ich in den analogen Entwurfsprozess und experimentierte mit Tuschezeichnun-

gen. Ausgangspunkt waren einfache grafische Interpretationen des Buchstabens „F“ als Verweis auf FLINTA. Nachdem diese ersten Ansätze jedoch keine überzeugende Richtung erkennen ließen, erweiterte ich meine Herangehensweise und arbeitete mit Papier und Schere weiter. Durch das Ausschneiden und Kombinieren verschiedener Formen versuchte ich, dem Logo mehr Präsenz und einen klaren gestalterischen Rahmen zu verleihen.

Chiara Aeschbacher
Chiara Aeschbacher
Chiara Aeschbacher

Nach den ersten Entwurfsversuchen mit typografischen Ansätzen stellte sich schnell heraus, dass ich das Potenzial der Buchstabenformen als begrenzt empfand. Daher entschied ich mich, die Gestaltung wieder digital weiterzuentwickeln und verschiedene formale Ansätze zu untersuchen. Mein Ziel war es, dem Logo eine stärkere inhaltliche Bedeutung zu verleihen und die zentralen Werte des Projekts visuell zu transportieren.

Besonders passend erschien mir dabei die Symbolik des Gendersterns, da sich sowohl die Arbeit als auch die daraus entstehende Plattform an alle Menschen richtet und Vielfalt sowie Inklusion in den Mittelpunkt stellt. Darüber hinaus suchte ich nach weiteren visuellen Metaphern, die Verbundenheit, Gemeinschaft und Zusammenhalt ausdrücken könnten. In diesem Zusammenhang experimentierte ich unter anderem mit Formen, die an Kettenglieder, geflochtene Zöpfe, ineinandergreifende Hände sowie Häuser erinnern. Diese Elemente dienten als Ausgangspunkt für die Entwicklung eines aussagekräftigen und identitätsstiftenden LOGO.

Chiara Aeschbacher
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Chiara Aeschbacher
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Chiara Aeschbacher
Chiara Aeschbacher
Chiara Aeschbacher
Chiara Aeschbacher
Chiara Aeschbacher
Chiara Aeschbacher

Deeskalation

Empowerment

Community

Prävention

werkschau

Ständer für Postkarte

3X Postkarte

QR-Code für Website

Chiara Aeschbacher
Chiara Aeschbacher
Chiara Aeschbacher AVIVA

VISION 2027

Chiara Aeschbacher

Sichtbarkeit, Solidarität und gesellschaftlicher Verantwortung

AVIVA ist als Website konzipiert und bildet den Ausgangspunkt für eine langfristige Entwicklung hin zu einer umfassenden Plattform. Durch die Gestaltung einer klaren und wiedererkennbaren visuellen Identität soll eine Gemeinschaft entstehen, die sowohl Betroffene als auch unterstützende Personen miteinander verbindet.

Im Zentrum des Projekts steht das Ziel, die gesellschaftliche Aufmerksamkeit für geschlechtsspezifische und sexualisierte Gewalt zu erhöhen. Gleichzeitig soll der Zugang zu Informationen, Unterstützungsangeboten und Handlungsmöglichkeiten erleichtert werden. Menschen sollen befähigt werden, informierte Entscheidungen zu treffen, Unterstützung zu finden und sich aktiv mit dem Thema auseinanderzusetzen.

AVIVA versteht sich dabei nicht nur als Informationsangebot, sondern als Werkzeug für kollektive und nachhaltige Veränderung. Durch die Vernetzung von Wissen, Ressourcen und Menschen soll ein Beitrag zu mehr Sichtbarkeit, Solidarität und gesellschaftlicher Verantwortung geleistet werden.

Langfristig verfolgt das Projekt das Ziel, seine Inhalte und Botschaften weit über die Plattform hinaus in die Gesellschaft zu tragen. Im Sinne eines «Super Spreaders» soll AVIVA Impulse setzen, Gespräche anregen und dazu beitragen, das Bewusstsein für geschlechtsspezifische und sexualisierte Gewalt nachhaltig zu stärken!

Chiara Aeschbacher

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