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Vom Abfall zum Baustoff

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Themenheft von Hochparterre, Mai 2026

Vom Abfall zum Baustoff

Das Bauen ist verantwortlich für den grössten Abfallberg im Land. Zirkulit nutzt diesen, um zirkuläre Baumaterialien herzustellen.

4 Zirkularität ist eine Frage der Perspektive

Guillaume Habert über das Spannungsfeld zwischen Recyclingquote und Ressourcenverbrauch

6 Mischabbruch als Mine

Im Innern der Recyclingmaschine: Eberhard in Oberglatt

12 Beton im Kreislauf

Mit Unternehmergeist und Klimabewusstsein: Kästli Bau in Rubigen

18 « Wir können die Zukunft nicht schönrechnen »

Als Nachhaltigkeitsexpertin bei Zirkulit kennt sich Miriam Enders mit Ökobilanzen aus

20 Dämmen mit Luft und Abfall

Vom Experimentierlabor zur Produktionshalle: Swissporit in Dulliken

Editorial

Lernen, mit Schutt zu bauen

Das lineare Bauen muss zum Kreislauf werden. Nur wie ? Das Firmen-Netzwerk Zirkulit geht diese Aufgabe vom Ende her an. Das Unternehmen Eberhard beispielsweise gewinnt aus Bergen von Mischabbruch sekundäre Rohstoffe. Dank eines ausgeklügelten Prozesses mit optischen Sensoren, KI-gesteuerten Greifarmen und Nassaufbereitung kann es den grössten Abfallstrom der Schweiz noch besser nutzen und den immer knapper werdenden Deponieraum schonen. Es sortiert die Materialien auseinander, trennt die mineralischen in schwere und leichte Bestandteile und bereitet sie zu sekundären Rohstoffen auf. Weitere Zirkulit-Partnerfirmen stellen daraus neue Baustoffe her: Kästli Bau bei Bern produziert einen zirkulären Beton, der mehr Sekundärmaterial, aber weniger Zement als gewöhnlicher Recyclingbeton enthält und zusätzlich CO₂ speichert. Die Zuger Firma Swisspor schäumt aus Bauschutt den ersten zirkulären Dämmstoff.

Dieses Themenheft erzählt, wie der Zirkulit-Kreislauf funktioniert. Der ETH-Professor Guillaume Habert erläutert, was Recycling wirklich bringt. Die Fotografin Annick Ramp hat Schutthaufen und Trennanlage, Labor und Produktionshallen ins Bild gesetzt – und die Menschen dahinter. Ganz langsam schliesst sich der Kreis – damit wir das lineare Bauen hinter uns lassen. Axel Simon und Palle Petersen

Themenfokus

Die Inhalte dieses Hefts erscheinen auch als Themenfokus auf der Website von Hochparterre: zirkulit.hochparterre.ch

Dieses Themenheft / dieser Themenfokus ist eine journalistische Publikation, entstanden in Zusammenarbeit mit Partner*innen. Die Hochparterre-Redaktion prüft die Relevanz des Themas, ist zuständig für Recherche, Konzeption, Text und Bild, Gestaltung, Lektorat und Übersetzung. Die Partner*innen finanzieren die Publikation, genehmigen das Konzept und geben ihr Einverständnis zur Veröffentlichung. Impressum Verlag Hochparterre AG Adressen Ausstellungsstrasse 25, CH-8005 Zürich, Telefon +41 44 444 28 88, www.hochparterre.ch, verlag@hochparterre.ch, redaktion@hochparterre.ch Geschäftsleitung Deborah Fehlmann, Roderick Hönig Redaktionsleitung Axel Simon Leitung Themenhefte Roderick Hönig Konzept und Redaktion Axel Simon, Palle Petersen Fotografie Annick Ramp, www.annickramp.ch Art Direction Antje Reineck Layout Lena Hegger Produktion Nathalie Bursać Korrektorat Rieke Krüger Lithografie Team media, Gurtnellen Druck Stämpfli AG, Bern Herausgeberschaft Hochparterre in Zusammenarbeit mit Zirkulit hochparterre.ch / zirkulit Themenheft in Deutsch oder Französisch bestellen ( Fr. 15.—, € 12.— ) und als E-Paper lesen

Inhalt

Z irkularität is eineFra g e evitkesrePred

Auch höchste Recyclingraten machen das Bauen nicht automatisch zirkulär. Doch sie lassen uns die Materialien in unseren Gebäuden anders sehen.

Wenn wir von zirkulärem Bauen sprechen, scheinen alle ein klares Bild vor Augen zu haben: einen Kreis. Die Materialien zirkulieren, die Ströme sind geschlossen, der Abfall verschwindet. Auf Gebäude bezogen würde das heissen, dass Materialien endlos und verlustfrei von einem Bauwerk ins nächste übertragen werden. Simpel – zumindest dem Anschein nach. Doch hinter dieser scheinbaren Klarheit verbirgt sich eine grundsätzliche Ambiguität. Je nachdem, wo man im System des Bauwesens steht, können ein und dieselben Materialströme äusserst linear oder zirkulär aussehen. Und das ist keine Frage der Interpretation oder Theorie. Wir haben es hier nicht mit Quantenphysik zu tun, wo Dinge – je nachdem, wie wir sie beobachten – existieren oder nicht existieren. Hier geht es um Kies, Stahl und Glas – Millionen Tonnen schwerer, greifbarer Materialien, die wir bewegen.

Missverständnisse zum Materialkreislauf

Betrachten wir zuerst das Gesamtbild. Jedes Jahr verbraucht der Schweizer Bausektor rund 32 Millionen Tonnen Material. Davon sind etwa 27 Millionen Tonnen Rohstoffe aus direktem Abbau. Anders gesagt: 85 Prozent der Materialien, die b eim Bauen verwendet werden, stammen direkt aus natürlichen Ressourcen. Aus dieser Perspektive ist der Vorgang in überwältigendem Masse linear: fördern, verbauen, abreissen, immer und immer wieder. Doch wenn wir den Blick auf die Bau- und Abbruchabfälle verschieben, ändert sich die Geschichte. Von ungefähr 7,5 Millionen Tonnen jährlich anfallendem Bauschutt werden in der Schweiz bereits rund 5 Millionen Tonnen recycelt. Dies entspricht einer Recyclingquote von etwa 65 Prozent. Und plötzlich steht die Bauwirtschaft weit weniger linear da als oft dargestellt.

Denn hier kommt das Paradox: Auch wenn wir sämtliche Bau- und Abrissabfälle wiederverwenden würden, würde der Recyclingprozess am Ende trotzdem nur ein Viertel des Materials bereitstellen, das für Neubauten erforderlich ist. Die übrigen drei Viertel müssten immer noch aus der Natur beschafft werden. Der Materialkreislauf wäre auf der Output-Seite geschlossen, aber auf der Input-Seite immer noch weit offen. Hier entstehen die Missverständnisse über die Zirkularität.

Recycling als Kunstform

Aus der Perspektive von Architekt*innen und Entwickler*innen ist ein zirkuläres Gebäude oft eines, das fast zur Gänze aus Sekundärstoffen besteht. Einige wenige Projekte beweisen, dass dies technisch möglich ist. Das Baubüro In Situ beispielsweise hat diese Logik mit seinem Projekt K118 sehr weit ausgelotet. Doch solche Projekte bleiben unter den 6000 Gebäuden, die in der Schweiz jedes Jahr gebaut werden, die Ausnahme. Eben: Selbst wenn die Planung immer auf den maximalen Einsatz von Sekundärstoffen ausgerichtet wäre, würden wir schlicht nicht genügend Abfälle erzeugen, um alle Gebäude damit zu realisieren. Aus der Perspektive der Abriss- und Recyclingbetriebe wird Zirkularität anders definiert. Da lautet das Ziel: Null Deponie und maximale Wiederverwertung der Bau- und Abbruchabfälle. Firmen wie Eberhard Unternehmungen haben das Recycling zu einer Kunstform erhoben. In einem hochtechnologischen, digitalen Verfahren durchlaufen Millionen Tonnen Material eine Choreografie von Maschinen, Sensoren, Robotern und Algorithmen. Aufbereitungsanlagen wie das seit 2021 von Eberhard betriebene EbiMIK nutzen Robotik und Machine Learning zum Sortieren sehr spezifischer Fraktionen und streben eine Recyclingquote von über 95 Prozent an. Beide Perspektiven sind berechtigt, und beide sind unvollständig.

Der wahre Wert der Recyclingrate

Auch perfektes Recycling macht nicht wett, dass Rohstoffe abgebaut werden müssen. Nur eine drastische Reduzierung des Materialbedarfs um 60 bis 70 Prozent bei sehr hohen Recyclingquoten kann die Schleife wirklich so schliessen, dass sie aus jeder Richtung wie ein Kreis aussieht. Recycling schliesst den Output-Kreis, doch ohne Reduzierung der Nachfrage bleibt der Input-Kreis weitgehend unberührt. Die Motivation verschiebt sich dadurch entscheidend. Wir sollten höchstmögliche Recyclingraten anstreben, aber nicht wegen der illusorischen Vorstellung, dass diese das Bauen automatisch zirkulär machen. Ihr wahrer Wert liegt anderswo. Recyclingraten von über 95 Prozent zwingen uns, uns der Vielfalt und Komplexität der Materialien in den Gebäuden zu stellen. Es erfordert fortgeschrittene Sortiermethoden, um Mineralien,

Text:
Guillaume Habert

Metalle, Kunststoffe, Holz, Fremdstoffe und schädliche Substanzen in hochwertige, hochspezifische Abfallströme zu trennen. Problemkomponenten wie Kunststoffe und in Zukunft auch PFAS, sogenannte Ewigkeitschemikalien, können kompakt zusammengeführt und ordnungsgemäss entsorgt werden, damit sie nicht in neue Baumaterialien rückverdünnt werden. Hochspezialisiertes Sortieren ermöglicht auch industrielle Feedback-Schleifen, in denen Betriebe die bei ihnen anfallenden Materialien rückgewinnen und in die Produktionsprozesse reintegrieren können. Eine solche gezielte Wiederverwendung ist nur möglich, wenn die Abfälle sauber und homogen sind und so eindeutig zugeordnet werden können.

Beim Material ansetzen

In diesem Sinne geht es beim Recycling nicht nur darum, Kreisläufe zu schliessen, sondern auch darum, die Materialqualität zu verbessern. Was zählt, ist, Verantwortung für das zu übernehmen, was wir abbauen, nutzen und entsorgen. Die Sekundärstoffe so gründlich zu sortieren, zu behandeln und zu reinigen, dass sie die Qualität von Primärstoffen erreichen und bedenkenlos entweder in die Industrie – oder letztlich in die Natur – zurückgeführt wer den können. Zirkularität ist demzufolge kein perfekter Kreis. Zirkularität ist eine anspruchsvolle Disziplin der Materialverarbeitung. ●

Abfall in der Schweiz

Aushub- und Abbruchmaterial 62 % 48 400 000 t

Bauabfälle 20 % 15 000 000 t

Siedlungsabfälle 8 % 6 000 000 t

Biogene Abfälle 7 % 5 300 000 t

Sonderabfälle 3 % 2 400 000 t

Quelle: Bundesrat, Bericht ‹ Abfallwirtschaft, Abfallvermeidung, Abfallplanung, Messung ›, 2023

Baustoffbedarf in der Schweiz

Beton 39,79 Mio. Tonnen

Kies, Sand 6,33 Mio. Tonnen

Keramik, Gips, Glas etc. 3,15 Mio. Tonnen

Mauerwerk 2,90 Mio. Tonnen

Metalle 1,39 Mio. Tonnen

Asphalt

1,31 Mio. Tonnen

Holz

0,86 Mio. Tonnen

Brennbare Materialien 0,86 Mio. Tonnen

Quelle: Empa: ‹ Projekt MatCH – Bau ›, 2016

Der französische Biologe und Geologe hat sich lange mit Lehm als Zementersatz beschäftigt und erforscht heute nachwachsende Materialien und Materialflüsse. Er leitet die Professur Nachhaltiges Bauen am Departement Bau, Umwelt und Geomatik der ETH Zürich.

Guillaume Habert
Themenheft von Hochparterre, Mai 2026 Vom Abfall zum Baustoff Mischabbruch als Mine
Eberhard wendet viele verschiedene Verfahren an, um aus Mischabbruch unterschiedliche Rohstoffe zu gewinnen.

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Den Baukreislauf zu schliessen, heisst, beim Abfall anzufangen und beim Material aufzuhören – oder umgekehrt. Ein Besuch bei der Firma Eberhard in Oberglatt.

Wer zu Eberhard möchte, muss nur einem der vielen blaugelben Lastwagen oder Bahnwaggons folgen. Sie transportieren Bauschutt auf das Areal in Oberglatt, an arbeitsreichen Tagen bis zu 50 Ladungen – oder 1000 Tonnen.

Auch die grossen Hallen leuchten im Dunst des Glatttals blau-gelb. In ihnen werden aus Bauabfällen neue Baustoffe gemacht. Auf einer Mulde steht « Pioniere in Saugtechnik », in den Hallen dahinter wird gebr ochen, gerüttelt, geklaubt, gesiebt. Eberhard wendet viele verschiedene

Verfahren an, um aus den angelieferten Haufen staubigen Mischabbruchs unterschiedliche Rohstoffe zu machen. Die LKWs und Bahnwaggons, die das Werk wieder verlassen, fahren Holz, Plastik und Metalle zu Partnerfirmen, die das mineralische Material recyceln. Daraus entstehen neue « Sekundärrohstoffe » mit – und das ist wichtig – den gleichen Eigenschaften wie Primärkies und -sand. Nur so helfen sie, den Kreislauf beim Bauen zu schliessen. Unter Patrick Eberhards blau-gelber Faserjacke schaut ein weisses Hemd hervor. Als CEO von Eberhard sind seine Tage durchgetaktet. Auf die Frage, warum er mache, was er mache, lacht er. Da sei er nun mal reingeboren. Das Familienunternehmen leitet er als Teil der dritten →

Text: Axel Simon
Viele Lastwagen und Bahnwaggons transportieren Bauschutt nach Oberglatt.
« Wir wollten alle Ressourcen nutzen, die bei uns anfallen. »
Patrick Eberhard, CEO Eberhard

Generation. Nach einer Strassenbaulehre und einem Bauingenieurstudium ist er seit zehn Jahren im Unternehmen, seit zwei Jahren leitet er es. Der Name Eberhard steht für Erdbau, Rückbau, Altlastsanierung – und Baustoffe. Schon lange sucht die Firma nach Möglichkeiten, den anfallenden Bauschutt auch wiederzuverwenden. In den 1970ern unterfütterte sie mit Aushub Feldwege. Anfang der 1980er nahm sie die erste stationäre Recyclinganlage in Betrieb. Seit 1999 macht in Rümlang ein Baustoff-Recycling-Zentrum aus Betonabbruch Recyclingbeton. Nun ist das Unternehmen beim zirkulären Beton angekommen.

Patrick Eberhard sagt, er wisse schon: Anders als zum Beispiel die Wiederverwendung von Bauteilen sei das Rezyklieren im industriellen Massstab nicht sexy. Doch wenn man Wirtschaftlichkeit ernst nimmt und nach umsetzbaren Lösungen sucht, könne man mit Grossanlagen etwas bewegen. Und Beton habe in der Klima- und Ressourcenfrage nun mal den grössten Hebel.

Von der Baustelle ins Werk

Der Kreislauf beginnt auf der Baustelle. Früher trennte man dort nach der Schadstoffbeseitigung das Abbruchmaterial so gut es ging. Beim alten Mehrmuldensystem wandert der Betonabbruch in einen Behälter, Holz in einen zweiten, der Mischabbruch mit Ziegeln, Mörtel, Putz in einen dritten und so weiter. Heute trennt Eberhard auf der Baustelle nur noch den reinen Beton vom Mischabbruch, Letzterer wird anschliessend in Oberglatt aufbereitet. Das ermögliche eine grössere Sorgfalt mit viel weniger Lärm und Staubemissionen. Ausserdem spare dies Zeit und Geld, erklärt Franz Schnyder. Der Ingenieur ist Geschäftsführer der Firma Zirkulit, ein Netzwerk von Unternehmen, das von Oberglatt aus zu wachsen begann. Bisher sei Mischabbruch praktisch wertlos gewesen, wurde downgecycelt oder ging nicht selten auf die Deponie, so Schnyder. « Heute machen wir daraus B aumaterial. » Sein Blick auf den Rückbau von Gebäuden sei ein spezieller, sagt Patrick Eberhard. Dieser Blick lehre, Verantwortung für Klima und Ressourcen zu tragen. « Enkelfähigkeit» nennt er das. Heute koste das Deponieren mehr,

Ein 100-Tonnen-Bagger sortiert den angelieferten Bauschutt vor. In der Halle nebenan stehen Patrick Eberhard und Franz Schnyder.

wegen strengerer Umwelt- und Sicherheitsauflagen und beschränktem Deponieraum. Auch die Primärrohstoffe werden immer knapper und damit teurer. Da sei es auch wirtschaftlich nahegelegen, vom Ende des Bauzyklus an den Anfang zu gehen. « Wir wollten alle Ressourcen nutzen, die bei uns auf dem Recyclinghof anfallen », sagt Eberhard. Zwei Drittel des Abbruchs sei reiner Beton, und der werde bereits gut verwertet. Entscheidend sei das letzte Drittel, der Mischabbruch. « Sieben Jahre lang haben wir getüftelt. Eine Anlage gebaut, sie verändert, neu gebaut, angepasst. Inzwischen sind wir bei Anlageschema Nummer 55. » Die Anlage EbiMIK nahm 2021 den Betrieb auf. Der Name steht für « Eberhar d – Materialien im Kr eislauf ». Sie hat einen zweistelligen Millionenb etrag gekostet und ist eine Wette auf die Zukunft. « Hätten wir rein wirts chaftlich gedacht, gäbe es sie nicht », sagt Patrick Eberhard. Das EbiMIK existiert, weil das Familienunternehmen den Müll als Mine sieht, den Kreislauf beim Bauen schliessen will. Es geht um Werterhalt und Ressourcenschonung.

Künstliche Intelligenz sortiert

Mit einer Staubwolke kippt der Lastwagen seine Ladung vor die Füsse eines Ungeheuers. Der 100-TonnenBagger steht in Halle 3.1 und heisst ‹ Senneb ogen 865 E ›. Franz Schnyder zeigt auf ein armdickes Kabel. « Der läuft rein elektrisch, mit Solarstrom vom Dach. » Der lange Greifarm des Baggers pickt erstaunlich geschickt einen grossen Betonbrocken aus dem Schutt und lässt ihn krachend in eine Mulde fallen, pickt und wirft ein Stück Holzbalken in eine andere. Danach beisst er satt in den Dreck,

Der Zirkulit-Kreislauf

Re-usevon Bauteilen Schadstoffe

Rückbau nach Schadstoffsanierung Direktauflad von Misch- und Betonabbruch

der vor ihm liegt, und befördert eine Tonne davon in eine lärmende gelbe Maschine, einen ‹ Sizer ›. Dies er verkleinert sperrige Stücke auf Kopfgrösse. Nachdem noch Magnete Eisen aus dem Dreck gezogen haben, verschwindet er auf dem Laufband in der Wand.

In der nächsten Halle ist alles noch grösser und lauter. Treppen und Stege durchkreuzen ein System aus Laufbändern und Maschinen. Die einen brechen, andere rütteln und sieben, ein weiterer Magnet holt nach, was die zwei vor ihm versäumt haben. All das können viele Recyclinganlagen im Land. Das, was diese hier besonders macht, steht in ihrem Zentrum. Dort weiten sich zwei parallele Laufbänder, von Scheinwerfern erhellt. Greifarme lauern im Halbdunkel darüber.

Plötzlich fährt einer der Greifer blitzschnell zu einem Brocken, der sich unter ihm hindurchbewegt, packt ihn und bugsiert ihn in einen der seitlichen Behälter. Sechs solcher Roboter sind hier am Werk, je drei hintereinander. Kombinierte Kameras erfassen das Material auf dem Band dreidimensional und informieren die jeweiligen Greifarme, wenn sie etwas erfasst haben, das wie Plastik oder Gips, Holz, Aluminium oder Asphalt aussieht. Ihre Beuteschemata variieren und wurden während eines Jahres mittels Künstlicher Intelligenz programmiert. Könnten solche Arbeiten nicht auch geschulte Mitarbeiter*innen machen ? Franz S chnyder: « Die Roboter dürfen schwerer heben, sie könnten 24 Stunden am Tag arbeiten und brauchen kaum Pausen. Mit gleichbleibender Qualität greifen sie bis zu 12 00 0 Mal pro Stunde zu. Eine solche Arbeit ist Menschen nicht zumutbar. » →

Mischabbruch

Betongranulat Plastik(Recycling)Metall(Recycling)

Betonabbruch

Fein- /Grobsand

Leichtmineralik

Schwermineralik

Neubau mit zirkulären Baustoffen Holz(Thermische Verwertung) Filterkuchen(Thermische Verwertung)

Zirkuläre Baustoffe

Zirkulärer Beton

Die geheime Halle

Nach der Behandlung durch die Roboterarme sind nun alle nicht-mineralischen Teile aussortiert. Fehlt noch die Trennung der Leichtmineralik aus Ziegel und anderen porösen Stoffen von der Schwermineralik aus Beton und Kies. Das passiert in der letzten grossen Halle. Dort sind Besucher*innen jedoch nicht zugelassen, zu gross sei die Gefahr, dass die sogenannte Nassaufbereitung von der Konkurrenz kopiert werde, sagt Franz Schnyder. Schwarze Rohre leiten das Regenwasser aller Gebäude dorthin, um die Leicht- von der Schwermineralik zu trennen.

Der Rundgang endet im Labor von Franz Schnyder, der neben der Leitung von Zirkulit auch für die Hightech-Betone bei Eberhard verantwortlich ist. Im grossen Raum mit 800-Grad-Ofen und Kältekammer testet sein Team neue Betonmischungen. In den Regalen stapeln sich Siebeinsätze und grosse Kanister mit Zusatzmitteln. In Eimern wartet die letzte Produktion mineralischer Granulate auf die Kontrolle: vier verschiedene Korngrössen, die leichtmineralischen schimmern rötlich, die schwermineralischen gräulich. Das ist das Material, das als Müll in Oberglatt ankam und den Ort nun als Rohstoff wieder verlässt.

Kontrolle und Vertrauen

Die mineralischen Materialien ersetzen Primärrohstoffe wie Kies und Sand. Eberhard und weitere ausgewiesene Zirkulit-Partnerfirmen produzieren nach den gleichen Grundsätzen kreislauffähige Produkte, wie Beton, Dämmstoffe, Putze oder Mörtel. Deren Umwelteigenschaften werden von unabhängiger Seite überwacht, das sei wichtig, sagt Patrick Eberhard. Die Partner des Zirkulit-Netzwerks seien bei ihrem Baustoff « best in class » und sollen zur Firmenkultur passen. Es seien Pionier*innen. « Und es sind Familienunternehmen, denn auch das ist ein Beitrag an die Nachhaltigkeit. »

Familienunternehmen optimieren nicht kurzfristig, sondern blicken voraus. Was «Pionier*innen » be deutet, zeigt das Beispiel Zirkulit: Patrick Eberhard habe mit einigen Betonproduzent*innen gesprochen, aber nicht alle hätten « so viel Musik gehört », wie er es nennt. Also habe man das selbst in die Hand genommen. Die Vision kreislauffähiger Häuser gründet auf einer mineralischen Basis, denn mineralische Rohstoffe kommen im Gebäudepark am häufigsten vor. Zirkuläres Bauen, nicht um einem Trend zu folgen, sondern aus einer gesellschaftlichen Verantwortung heraus.

Zwischen Zuversicht und unternehmerischem Pionierdenken macht sich bei Patrick Eberhard auch Nachdenklichkeit bemerkbar. Die Komplexität der Branche sei gross, sagt er. « Wir haben viel investiert. Das ist noch nicht auf dem Boden. » Enkelfähigkeit bedeute, langfristig den günstigsten Weg zu gehen, auch wenn er kurzfristig mehr koste. Ein Problem dabei: In der Baubranche laufe noch kein richtiger Wettbewerb in Sachen Umwelt. « Wir müssten die G esetze heute so gestalten, dass die Baustoffe, die wir einsetzen, bei einem Rückbau in 50 bis 70 Jahren wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden können. Und wir müssten die Abfallströme gezielt lenken. »

Die Grundlagen sind jedoch schon heute gesetzlich festgelegt: Abfälle verwerten, Abbruch möglichst vollständig als Rohstoff nutzen, mit Sekundärbaustoffen bauen. Doch neutrale Kontrolle sei freiwillig und als Besteller*in brauche man viel Vertrauen bei der Wahl eines Unternehmens. Und so arbeiten die beiden Firmen Eberhard und Zirkulit nicht nur darauf hin, Gebäude an ihrem Lebensende nicht zu entsorgen, sondern als Quelle neuer Materialien zu nutzen. Sie ringen auch mit den Verhältnissen, die das ermöglichen – oder eben nicht. ●

Sieben und sortieren: Im Testlabor ist auch Handarbeit gefragt.
Sechs Roboterarme sortieren das Abbruchmaterial KI-gesteuert nach visuellen Gesichtspunkten.
Themenheft von Hochparterre, Mai 2026 Vom Abfall zum Baustoff Beton im Kreislauf
Beton brechen ist einfach. Um ihn – ohne Zugabe von mehr Zement – im Kreislauf zu halten, brauchts einiges mehr.

Mehr Recyclinggranulat, weniger Zement und dabei so leistungsfähig wie Primärbeton – so vereint der zirkuläre Beton den Schutz von Ressourcen und Klima.

B etonimKrei sl a u f

« Unsere Kiesgrube ist randvoll wegen des Rückbaus der Autobahn zwischen Thun und Spiez », sagt Daniel Kästli und zeigt auf Berge von Asphaltplatten und Betonbrocken hinter dem Werksareal im bernischen Rubigen. Das Familienunternehmen Kästli Bau beschäftigt rund 350 Angestellte im Infrastruktur-, Tief- und Rückbau. Kästli übergibt zurzeit das Zepter an die fünfte Generation. Er ist ein Patron alter Schule – vielwissend, herzlich, bestimmt –und überzeugt, dass die Kreislaufwirtschaft für ökologisches Bauen zentral ist. In den 1990er-Jahren baute sich der ETH-Bauingenieur ein vollständig demontierbares Nullenergiehaus. Am Ende des Besuchs fährt er mich mit seinem Twike zurück zum Bahnhof und wundert sich über die tonnenschweren Elektro-SUVs von heute.

« Man muss die Welt dort verbessern, wo man die Dinge selbst in der Hand hat », sagt er gelass en. In der Betonproduktion ist der Hebel gross: Nach Wasser ist Beton das meistverwendete Material der Welt. In der Schweiz entfallen etwa 70 Prozent des Baustoffbedarfs und des Bauabfalls auf Beton. Global verursacht Zement 8 Prozent der CO₂-Emissionen – drei Mal mehr als der Flugverkehr und doppelt s o viel wie der Kontinent Afrika.

Mehr Recycling, weniger Zement, gleiche Leistung Auf dem Rundgang über das weite Firmengelände erklärt Kästli die Welt des Recyclingbetons. Seit der Jahrtausendwende spielt dieser in der Schweiz eine grosse Rolle und leistet einen Beitrag zum Ressourcenschutz. Doch in der Klimakrise liegen die Herausforderungen anderswo. Zwischen Abbruchbergen, haushohen Stahlsilos und tonnenschweren Maschinen kommt Kästli zur Sache: Asphalt lässt sich komplett wiederverwenden, denn das enthaltene Bitumen bindet physikalisch, wird beim Abkühlen hart und bei Hitze wieder weich. Der Zement im Beton dagegen bindet hydraulisch und chemisch irreversibel. « Ist die kristalline Matrix nach dem Abbinden des Betons ausgebildet, lässt er sich bloss noch zu Kiesersatz zerkleinern », so Kästli. « Recyclingbeton braucht darum neuen Zement. »

Doch genau hier liegt die Krux: 90 Prozent des CO₂ im Beton entstehen beim Zementbrand. So spart gewöhnlicher Recyclingbeton zwar Ressourcen, aber keine Emissionen. Im Gegenteil: Er benötigt bis zu 10 Prozent mehr Zement, denn die Siebkurve – also die Verteilung der Korngrössen – ist kaum kontrolliert, gebrochenes Granulat hat eine grössere Oberfläche als Rundkies und der Zementstein ist poröser, was die Steifigkeit vermindert. Bei einem geringen Anteil an Sekundärmaterial bleibt das folgenlos, weshalb im Primärbeton bis zu ein Viertel ohne Deklaration erlaubt ist. Doch bei Recyclingbeton liegt der Anteil oft etwa bei der Hälfte. « Auch landet das meiste Recyclinggranulat in Magerbeton oder Strassenkoffern », kritisiert Kästli. « Das ist kein Kreislauf, sondern Downcycling. » ‹ Zirkulit ›-Beton hingegen hält trotz eines Anteils von über 60 Prozent Sekundärmaterial den normierten Mindestzementgehalt ein. Dennoch erfüllt er die gleichen Anforderungen wie Primärbeton. Kästli spricht darum nicht von Recyclingbeton, sondern von « zirkulärem B eton ». Den Schlüssel sieht er nicht in einer grossen Erfindung, sondern im « optimierten Mixdesign » – basierend auf zahllosen Tests mit Siebkurven, Zementmengen und -sorten sowie einem neuen organischen Fliessmittel. →

Text:
Palle Petersen
Kreislauf
Unsichtbare Qualitäten: Wie viele Sekundärrohstoffe und wie viel Zement ein Beton enthält, sieht man nicht, ist aber umso wichtiger.

Sortieren, brechen, sieben, mischen

Treibhausgasemissionen 140 kg CO2, - 10 kg CO2-Speicherung

Umweltbelastung 191 000 UBPs

Primärenergie 302 kWh

Preis ab Werk +15 % ohne CO2-Speicherung +30 % mit CO2-Speicherung

Zireco ›*

Treibhausgasemissionen 194 kg CO2

Umweltbelastungspunkte 248 000 UBPs

Primärenergie**

Preis ab Werk + 0 %

Primärbeton**

Treibhausgasemissionen 210 kg CO2

Umweltbelastungspunkte 287 000 UBPs

Primärenergie

Preis ab Werk ( Referenzwert ) + 0 %

Treibhausgasemissionen 217 kg CO2

Umweltbelastungspunkte 285 000 UBPs

Primärenergie

Preis ab Werk +0 % ‹ Zirkulit ›*

Der Unterschied beginnt in der Kiesgrube, wo auch der Betonabbruch lagert. Ein Bagger schaufelt grosse Brocken davon auf einen Haufen. Die schadstoffbelasteten Feinfraktionen scheiden dabei aus. Danach zerschlägt ein mobiler Prallbrecher die Schollen. « Eine Achs e mit Hämmern zertrümmert den Beton mit roher Gewalt », erklärt Kästli das unsichtbare Innenleben des Metallungetüms, das so gross wie ein Zugwaggon ist. Es bricht nicht nur, sondern mahlt auch. Das Granulat wird kubischer, das Oberflächenproblem wird entschärft.

Anschliessend ziehen Magnete den Armierungsstahl aus dem Recyclingkies, der auf Förderbändern zur Siebstrasse gelangt. Dort wird der Kies in vier Fraktionen sortiert: 0 bis 4 Millimeter ist die kleinste, 16 bis 32 Millimeter die grösste. Das ist Standard bei Primärkies, doch kaum eine Betonproduzentin investiert in eine zweite Siebstrasse und zusätzliche Silos. « Primärkies kostet nur 10 Rappen pro Kilo», sagt Kästli. « Aber nur mit getrennten Fraktionen erreicht man auch mit Recyclingmaterial die optimale Packungsdichte und spart Zement. »

Neben dem Kiessilo stehen fünf weitere für verschiedene Zementsorten. Die drei Schweizer Zementherstellerinnen bieten längst Kompositzemente an, die den emissionsintensiven Klinker mithilfe von Flugasche, Hüttensand oder anderen Substituten reduzieren. « Die fünf Zirkulit-Partnerfirmen teilen sich Forschung, Rezepturen und den Auftritt », sagt Kästli, « trotzdem haben alle andere Ausgangsstoffe, optimieren ihre Rezeptur selbst und wählen die passende Zementsorte, um die Vorgaben zu Sekundärrohstoffen und CO₂-Obergrenze einzuhalten. »

Die Umweltauswirkungen werden chargenweise von externen Stellen geprüft. Umweltproduktdeklarationen ( EPD ) bescheinigen den Recyclinggranulatanteil – notabene frei von Mischabbruch –, die Zementsorte und Zementmenge. Kästli betont die Bedeutung von Transparenz: « Im Bau wird nicht immer das Bestellte geliefert. Oft sind Materialinhalte und Herstellungsmethoden nicht transparent ausgewiesen. Doch für saubere Vergleiche sind beim nachhaltigen Bauen nachvollziehbare Methoden und Zahlen unverzichtbar. » →

Bemerkungen

Verglichen wird je ein Kubikmeter Beton der Klasse A gemäss NormpositionenKatalog ( NPK ) für die Lebenszyklusmodule A1 – A3. Entsprechend sind sämtliche Anforderungen an NPK-A-Betone erfüllt –etwa Druckfestigkeit, Expositionsklasse, Grösstkorn, Konsistenz oder Eignung Sichtbeton.

* ‹ Zirkulit › / ‹ Zireco ›: Berechnung Intep, Prüfung UMTEC, Freigabe für die KBOBListe ‹ Ökobilanzdaten im Baubereich › ** Primärbeton: Durchschnittsrezepturen gemäss FSKB, Berechnung mit Ökobilanzrechner für Betonsorten *** Recyclingbeton: Schätzung Eberhard

Sekundärrohstoffe

Primärrohstoffe Zement

Firmenpatron Daniel Kästli erkennt Ressourcen, wo andere Abfall sehen.

« Man muss den Beton dort nutzen, wo er abgebrochen wird. »

Daniel Kästli, Verwaltungsratspräsident von Kästli Bau und Zirkulit

→ Carbon Removal als Sahnehäubchen

Der Rundgang endet vor einem grossen Stahltank. Darin lagert CO₂, das von der Abwasserreinigungsanlage Bern abgefangen und verflüssigt worden ist. Hier in Rubigen wird es wieder verdampft und ins Silo mit Betongranulat eingebracht, wo es an den Zementresten versteinert und dauerhaft gebunden bleibt. Diese Methode des Carbon Removal – die Karbonatisierung – ist technisch makellos, gleicht aber nur circa 5 Prozent der Gesamtemissionen aus siehe ‹Klimakrise rückwärts ›, Hochparterre 6-7 / 2025 . Kästli spricht vom « Sa hnehäubchen » au f dem Gesamtpaket.

Im Vergleich zu anderen Carbon-Removal-Methoden ist die künstliche Karbonatisierung ohnehin teuer. Neben dem ‹ Zirkulit › mit über 60 Pr ozent Sekundärrohstoffen, ‹ EC O 1 ›-Zement und CO₂- Speicherung bieten die fünf Partnerfirmen darum auch den ‹ Zire co ›-Beton an. Dieser ist kaum teurer als herkömmlicher Beton, hat einen etwas geringeren, aber noch immer überdurchschnittlichen Anteil an Sekundärrohstoffen und weist keine CO₂-Speicherung aus. « Wir begasen trotzdem sämtliches Granulat », erklärt Kästli, « denn es lohnt sich, die teure Anlage laufen zu lassen und das zusätzlich gespeicherte CO₂ in Form von Zertifikaten auf dem Freiwilligenmarkt zu verkaufen. »

Bei Kästli Bau prüft der ‹ Gold Standard › die Speicherleistung und bescheinigt sie den Käufer*innen in einer Umweltproduktdeklaration. Der Rest wird als Carbon-Removal-Zertifikat verkauft, auch wenn der Marktpreis von unter 300 Franken pro Stück kaum die Vollkosten deckt. Kästli hofft darum, so wie die anderen Partnerfirmen von Zirkulit in ein Programm des Bundesamts für Umwelt ( BAFU ) aufgenommen zu werden, das neue Carb onRemoval-Methoden fördert und deutlich höher entschädigt. « Weil wir die Anlage vor dem Programmstart gebaut haben, können wir frühestens nach einer Revision daran teilnehmen », s agt Kästli nüchtern. Als erfahrener ÖkoTechnologe kennt er das Problem der ‹ Early Mover ›: Auch bei der Photovoltaik wurden nicht die Pionier*innen gefördert, sondern die ersten Nachzügler*innen.

Die Zukunft des Betons Gemäss Kreislaufwirtschaftsmodell ‹ 10R Framework › stehen ‹ refus e › und ‹ rethink › zuoberst – sprich: gar nicht oder weniger bauen, zum Beispiel ohne Untergeschosse. Dann folgen ‹ repair › und ‹ reus e › – sanieren, wiederverwenden, umnutzen. Erst am Ende steht ‹ re cycle › – denn das Trennen und Wiederaufbereiten von Baustoffen ist ein aufwendiger, energieintensiver und teurer Kreislauf. Doch die Realität zeigt: Vor allem in urbanen Gebieten werden massenhaft Nachkriegsbauten abgerissen. Es macht Sinn, diese Volumenströme ins Bauen zurückzuführen, und das möglichst ohne Qualitätsverlust. Stolz erklärt Kästli: « Unser B eton zeigt, dass Klima- und Ressourcenschutz, Qualität und Ökonomie kein Widerspruch sind. »

Wäre es nicht sinnvoller, den Recyclinganteil im gesamten Beton auf 25 Prozent zu erhöhen, statt aufwendig in einzelnen Betonen auf bis zu 80 Prozent ? Es wird sowieso vier Mal mehr gebaut als rückgebaut. « In einer theoretischen Welt stimmt das », sagt Kästli. « Aber B eton ist schwer, das Geschäft damit sehr lokal. Man muss den rückgebauten Beton darum dort nutzen, wo er abgebrochen wird. Recyclinggranulat von hier ins Simmental zu fahren, wäre Unsinn. »

Der ‹ Anhang ND › der neuen Betonnorm SN EN 206 erlaubt es, den bisher unverrückbaren Mindestzementgehalt zu unterschreiten und « Beton nach Eigens chaften » zu bestellen. Ist das Reduktionspotenzial beim aufwendig optimierten Zirkulit dabei geringer ? Vermutlich nicht unbedingt, aber es könnten mehr Zusatzstoffe nötig sein, um den erhöhten Zementleimbedarf des Recyclinggranulats auszugleichen. Erfahrungswerte gibt es allerdings noch nicht genügend. So simpel Beton vordergründig ist, so komplex ist er im Detail, und die Zusammenhänge sind nicht linear. Denkbar sind ausserdem das Abspalten bestimmter Fraktionen oder eine stärkere Reduktion des Klinkeranteils durch Rückbaumaterialien. Bis die Kreisläufe völlig geschlossen sind und Netto-Null erreicht ist, bleibt viel zu tun. Den Zirkulit-Partnerinnen wird die Arbeit darum so schnell nicht ausgehen: Selbst der beste Recyclingbeton kann noch besser werden. Er muss. ●

Abfall zum Baustoff Beton im Kreislauf
Graue Böden, graue Maschinen, grauer Beton: Was unscheinbar daherkommt, ist für die Bauwende zentral.

«Wir könnendi e Z u thcinfnuk hcernöhcs n e n»

Durchschnittswerte aus Ökobilanzdatenbanken. Zum Schluss prüft ein externes Umweltbüro alle Daten und berechnet die Gesamtbilanz. Diese beinhaltet alles von der Rohstoffgewinnung bis zum Ende des Lebenszyklus. Was ist nicht Bestandteil der Materialbilanz ?

Anders als in einer Gebäudebilanz ist die Nutzungsphase in einer Materialbilanz nicht berücksichtigt. Ausserdem werden Prozesse ausgeklammert, die weniger als ein Prozent der Emissionen ausmachen, etwa die administrative Arbeit im Büro. Die Systemgrenze beschäftigt uns insbesondere in Bezug auf das rezyklierte Material. Der Abbruch und Transport zur Aufbereitungsanlage gehört in die Gebäudebilanz des Abbruchobjekts. Erst am Werktor wird das Material Teil unseres Produkts und unserer Materialbilanz. Wichtig ist diese Frage auch bei Abfallprodukten wie Flugasche, die Teile des Zements ersetzt und als Nebenprodukt im Kohlekraftwerk anfällt. Für die Materialbilanz müssen wir nachweisen, dass die Stromproduktion das Hauptziel des Prozesses ist – zum Beispiel indem wir aufzeigen, dass der Verkauf des Stroms lukrativer ist. Bei fast allen Prozessen entstehen Treibhausgasemissionen. Letztlich geht es immer um die Frage, in wessen Ökobilanz diese auftauchen. Und wie kommt die erstellte Materialbilanz in die Ökobilanzdatenbank ?

Miriam Esders ist Nachhaltigkeitsexpertin bei Zirkulit und erklärt, wie Ökobilanzen funktionieren und warum diese gerade bei rezyklierten Baustoffen wichtig sind.

Interview: Mirjam Kupferschmid

Wie berechnet Zirkulit als Herstellerin von zirkulären Baustoffen ihre Ökobilanz ?

Miriam Esders: Zuerst dokumentieren wir Zusammensetzung, Herkunft und Transportwege des Materials. Dann betrachten wir die Herstellungsprozesse. Für unseren Beton wird Recyclinggranulat gebrochen, gesiebt und gewaschen. Das braucht Energie, deren Herkunft wir kennen müssen. Wo konkrete Daten fehlen, nutzen wir geprüf te

Lebenszyklen gemäss der Norm zur Umweltproduktedeklaration ( EN 15804 )

Die Liste ‹ Ökobilanzdaten im Baubereich ›, die von der Koordinationskonferenz der Bau- und Liegenschaftsorgane der öffentlichen Bauherren ( KBOB ), dem Verein Ecobau und der Interessensgemeinschaft privater Bauherren ( IPB ) gemeinsam verantwortet wird, ist massgebend. Entsprechend sind die Daten breit abgestützt und gut geprüft. Als Herstellerin eines neuen Baustoffs übergeben wir die Berechnung des Umweltbüros zunächst an eine externe Prüfstelle. Danach entscheidet die Prüfstelle der KBOB über den Eintrag. Beim Dämmstoff ‹ Ecorit › untersuchen wir derzeit, ob die Herstellung dem Modell entspricht. Im Gegensatz zum EU-Ausland muss keine unabhängige Stelle unsere Produktion prüfen. Wir lassen die Konformität jedoch freiwillig prüfen.

Mit den KBOB-Daten lässt sich die Gebäudebilanz berechnen. Was ist dabei wichtig ?

Man muss die Mengen der verb auten Baustoffe kennen, ausserdem die Bauprozesse, die Gebäudetechnik und das Heizsystem – und das idealerweise früh im Prozess. Dann hilft die Ökobilanz dabei, die Stellschrauben für ein ökologischeres Haus zu finden. Etwa beim Beton: Wählt man einen Beton mit geringerem CO₂-Ausstoss pro Kubikmeter, gilt es zu prüfen, ob er gleich viel leistet wie der Standard-

Herstellung

Rohstoffbereitstellung A1 Transport A2

cradle-to-gate

Herstellung A3

Transport A4

Errichtung

Errichtung und Einbau A5

gate-to-site

Nutzung B1

cradle-to-site cradle-to-grave

Miriam Esders

Die Bauingenieurin hat an der ETH Zürich doktoriert und ist Nachhaltigkeitsspezialistin bei Zirkulit und berät Planende bei der Realisierung zirkulärer, umweltoptimierter Gebäude. Sie ist aktives Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen ( DGNB ) und der Schweizer Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft ( SGNI ).

Nutzung

Betrieblicher Energie- und Wassereinsatz B6 – B7

Instandhaltung, Reparatur, Ersatz, Erneuerung B2 – B5

beton. Ist am Ende eine dickere Betondecke nötig, sind die Emissionen möglicherweise trotz der guten Intentionen höher. Nicht zuletzt dient die Gebäudebilanz als Nachweis, ob die Zielwerte des SIA-Klimapfades 390 / 1 oder der verschiedenen Labels erreicht sind. Die Berechnungsgrundlage ist immer dieselbe. Das schafft Vergleichbarkeit. Wo und warum unterscheiden sich die Ökobilanzen der Zirkulit-Baustoffe von marktüblichen Produkten ?

Die Liste ‹ Ökobilanzdaten im Baubereich › benennt genaue Werte für Primärenergie, Treibhausgase und Umweltbelastungspunkte ( UBP ). ‹ Zirkulit › und ‹ Zireco › werden zwingend mit dem von der relevanten Materialnorm geforderten Mindestzementgehalt hergestellt. Daher schneiden sie hinsichtlich Energie und Emissionen deutlich besser ab als der Durchschnitt. Die CO₂-Begasung des Betongranulats fällt zudem leicht ins Gewicht. Allerdings ist der Prozess so optimiert, dass er weniger Emissionen verursacht, als gespeichert werden. Diese Negativemissionen sind in der KBOB-Liste aufgeführt, dürfen aber nicht in die Gebäudebilanz gerechnet werden. Bei den Umweltbelastungspunkten dagegen zeigt sich ein klarer Vorteil: Sie beurteilen eine breite Palette von 21 Themen, darunter Wasserressourcen, Landnutzung, diverse Schadstoffe und Abfälle. Vor allem beim Punkt ‹ Mineralische Ressourcen › schneidet der ‹ Zirkulit ›-Beton wegen des hohen Sekundärmaterialanteils sehr gut ab. Darüber hinaus optimieren wir die Prozesse, beispielsweise den Stromverbrauch oder die Materialzusammensetzung. Neu verwenden wir die jüngst am Markt lancierten, CO₂-ärmeren ‹ EC O 1 ›-Zemente. Wird der Restwert in der Ökobilanz berücksichtigt, wenn Rückbaumaterial eines Gebäudes verwendet wird, das vor dem Ende seiner Lebensdauer abgerissen wurde ?

Nein, diese Restlebensdauer gehört auf die andere Seite der Systemgrenze, sprich zum abgebrochenen Gebäude. Die Annahme von 60 Jahren Lebensdauer für die Tragstruktur ist ein Mittelwert. Das funktioniert, schliesslich verwenden wir in der Praxis auch Material von 100-jährigen Gebäuden. Die gleiche Frage beschäftigt uns übrigens am Ende unserer Bilanz: Wir wissen nicht, was die nächsten Jahrzehnte mit dem ‹ Zirkulit ›-Beton passieren wird. Vermutlich wird es grosse Fortschritte in der Materialverwertung geben. Vielleicht werden sogar 100 Prozent rezykliert. Doch wir können uns die Zukunft nicht schönrechnen, wir brauchen Lösungen für heute. Deshalb nutzen wir die heutige Abfallstatistik des Bundesamtes für Umwelt ( BAFU ). Was in 60 Jahr en passiert, wissen wir nicht. ●

Rückbau und Abriss

Entsorgung

Abfallbehandlung C3 Beseitigung C4

Themenheft von Hochparterre, Mai 2026
Abfall
Baustoff Dämmen mit Luft und Abfall
Unter der Leitung von Christian Röthenmund schäumt Swisspor Feinmineralik aus Mischabbruch zu zirkulärem Dämmstoff für massive Wandaufbauten auf.

mitLuft und Abfall

Der Dämmstoff ‹ Swisspor Ec orit › ist das Ergebnis von jahrelangen Exp erimenten, viel Tüftlerwillen und Hartnäckigkeit. Ein Besuch in der Produktion.

Text:

« Das ist 90 Prozent Luft ! » Christian Röthenmund nimmt das ‹ Swisspor Ecorit ›-Muster aus einer EPS -Box und stellt es zu den Feinstoffen, die in Konfitüregläsern abgefüllt auf dem Tisch stehen. Röthenmund leitet bei Swisspor die Geschäftsfeldentwicklung. Seit 2017 forscht Swisspor mit der Firma Eberhard und der Materialmanufaktur De Cavis an einem Dämmstoff aus mineralischem Bauabfall, der vollständig zirkulär ist. Im solothurnischen Dulliken wird der zirkuläre Dämmstoff produziert. Um zu zeigen, wie das mit der Luft im aufgeschäumten Stoff genau funktioniert, greift Röthenmund erneut in die Präsentationsbox. Er zieht eine Seifenblasendose heraus und bläst ein paar schimmernde Blasen in das Barackenbüro. « Wir pro duzieren Luftblasen, auf denen sich das feine Material ablagert, verfestigt und abbindet – fertig ! »

Experimentieren, bis es funktioniert

So einfach es heute klingt, so lang und kompliziert war der Weg bis hierhin. Die Schäumungstechnologie für den neuen Dämmstoff entstand dank eines missglückten Laborexperiments. Anfangs der 2000er-Jahre arbeitete der spätere Doktorand Urs Gonzenbach an der ETH an besonders zuverlässiger und fester, nahezu luftfreier Keramik. Doch eines der Experimente ging schief: Die Suspension schäumte über Nacht auf und wuchs zu einem erstaunlich stabilen Schaumgebilde. In seiner Doktorarbeit vertiefte Gonzenbach diesen spannenden Befund, liess das Schäumungsverfahren durch die ETH Zürich patentieren und gründete 2009 die Firma De Cavis.

Zur gleichen Zeit suchte die Firma Eberhard nach einer Möglichkeit, jene mineralischen Leichtstoffe zu verwerten, die nach ihrer Materialaufbereitung übrigblieben – und das in einem neuen Baustoff. Swisspor wusste von dieser Idee und begann 2017 aufgrund eines Versorgungsengpasses bei Rohstoffen für Dämmungen mit der Entwicklung. Die ersten Muster ähnelten Kalksandsteinen und hätten sich als Alternative zu Gipsplatten angeboten. Um daraus eine Dämmung zu machen, musste mehr Luft ins Material. Nach vielen Versuchen gelang es, Platten in einer gewissen Dicke herzustellen, die die Mitarbeitenden dem Swisspor-Patron Bernhard Alpstaeg zeigten. « Nach einer Viertelstunde ents chied er: Das machen wir ! », so Röthenmund. G emeinsam gründeten Eberhard und Swisspor die Produktionsgesellschaft Swissporit und tüftelten ab 2020 in der Halle in Dulliken an der Produktion. Doch der Standort stellte sie bald vor Herausforderungen. Als Swissporit mit dem Aufbau der Produktion begann, existierten für viele Prozesse keine passenden Maschinen. Zudem erschwerte die Pandemie die Beschaffung der benötigten Teile. Vieles baute sie darum selbst. Auf diese Weise verzögerte sich zwar der Produktionsaufbau, doch so erkannte Swissporit laufend Arbeitsschritte, die sie integrieren konnte, statt sich dafür auf Zulieferinnen zu verlassen: etwa bei der Mischung der Komponenten, die sie heute von Grund auf selbst macht, statt fertig einzukaufen. Für die Lagerung dieser einzelnen Stoffe brauchte es jedoch viele und hohe Silos, zu hoch für die Halle. Eine Lagerung draussen kam wegen der Feuchtigkeit nicht in Frage. Also versetzten sie das Hallendach –nach mehreren Baueingaben – nach oben.

Mirjam Kupferschmid

80 % ( Sekundärrohstoffe aus Siedlungs- und Produktionsabfall ) 53 % ( Sekundärrohstoffe Rückbau )

% ( Primärrohstoffe )

Treibhausgasemissionen

Treibhausgasemissionen

Treibhausgasemissionen

Treibhausgasemissionen

Treibhausgasemissionen

Treibhausgasemissionen

Bemerkungen

Verglichen wird je ein Quadratmeter Fassadendämmung mit einem U-Wert von 0,2. Es handelt sich um einen massiven mineralischen Wandaufbau mit Feuerwiderstand, ‹ EI 30 plus ›-Klebemörtel sowie aussen einem Grundputz mit Armierungsgewebe und Abschlussbeschichtung bzw. Deckputz. Der Aufbau ohne Dämmung verursacht graue Emissionen von 69 kg CO₂ / m2 Fassade.

* Quelle: Ökobilanz der Fachhochschule Ostschweiz ( OST ) ** Quellen: KBOB-Liste ‹ Ökobilanzdaten im Baubereich ›, Ecobau-Datenbank, Hochparterre Themenheft ‹ Vielfältige Fasern ›, 3 / 2024

Komplett digitalisiert

Martin Jenal, Leiter der Projektentwicklung Technik, führt durch die Anlage. Er hat sie geplant und aufgebaut, kennt zu jeder Maschine eine Geschichte. Zwischen den blauen Silos verlaufen unzählige Kabel und Rohre. Von einem einzigen Bildschirm aus überwacht und justiert eine Person die komplett digitalisierte Produktion. Die Rohstoffe werden in kleinen Mengen angemischt: die aus dem Rückbau anfallende und aufbereitete Leichtmineralik von Eberhard, ein mineralischer Binder sowie ein Partikelstabilisator, damit die Staubkörner an den Luftblasen kleben. Danach kommt das von Gonzenbach entwickelte Triebmittel ins Material. Sobald die graue Masse die untersten Zentimeter der Schalung bedeckt, reagiert es mit Wasser, schäumt auf und füllt die Schalung.

S ekundärrohstoffe aus Rückbau

S ekundärrohstoffe aus Siedlungs- und Produktionsabfall Primärrohstoffe

D ämmstärke in Zentimeter

« Nachdem die Reaktion stattgefunden hat, b efinden sich nur noch Luft und mineralische Stoffe in der Dämmung », sagt Röthenmund. In der Ökobilanz machen Binde- und Triebmittel den grössten Teil aus. Wie Beton karbonatisiert ‹ Swissp or Ecorit › in der Nutzungsphase beim Kontakt mit Luft und bindet eine kleine Menge Kohlenstoff, ungefähr 2,7 Prozent der Herstellungsemissionen. Die Daten werden gerade in der Ökobilanz verifiziert siehe ‹ Wir können die Zukunft nicht schönrechnen ›, Seite 18. Die Maschine, die das Triebmittel in die Mischung bringt, haben Eberhard und Swisspor zusammen mit einem Tüftler entwickelt, der auch der Erfinder einer Verpackungsmaschine für Osterhasen aus Schokolade ist. Weil die Halle nicht nur zu niedrig, sondern auch zu kurz war, entwickelte dieser auch einen Mechanismus, um die Schalung am Ende der Halle

Bauteilkonfigurator

Der ‹ Swisspor Configurator › liefert Produktvorschläge, integrierte U-Wert-Berechnungen sowie umfassende bauökologische Beurteilungen. Er ermöglicht bereits in frühen Projektphasen fundierte Entscheidungen

zu öffnen und die Blöcke mittels Förderband zurück zur Säge zu bringen. Weil die Schalung exakt den Querschnitt einer Plattengrösse hat, bestimmt erst die Schnittdicke das Produkt. Anschliessend ruhen die Blöcke während 24 Stunden in hohen Gestellen an warmer Luft. Mit optimierten Paletten und S chutzwinkeln gelangt das Produkt schliesslich auf die Baustellen. Sichtlich stolz sagt Jenal: « Alle, die beim Aufbau dieser neuartigen Produktionsanlage beteiligt waren, mussten ihre besten Leute schicken. »

Alles rezyklieren

Anfang 2024 verliess die ‹ Swisspor Ecorit ›-Dämmung er stmals die Produktionshalle. Für den Umbau des Zürcher Google-Hauptsitzes nutzte Swissporit Frässtaub, der beim Ausbau der Betonbrüstungen entstand, und fertigte daraus Dämmplatten, die an der Decke des Untergeschosses sichtbar blieben. Im Showroom in Dulliken testet ein Produktentwickler derzeit weitere Anwendungen und Materialkombinationen an grossen Mock-ups. Ein Anwendungstechniker zeigt Berufsleuten, wie sie das Produkt am besten verarbeiten. Idealerweise schützt ein rein mineralisches Mörtelsystem den ‹ Swissp or Ecorit › im Aussenbereich vor Witterung und mechanischen Einflüssen. Innen harmonisiert der Dämmstoff gut mit Lehm- und

Kalkputz – der weiche Lehm ergänzt den spröden Baustoff. Dank ihrer Porosität sorgen die beiden Materialien im Innenraum für ein gutes Raumklima.

Da sämtliche Wandaufbauten komplett mineralisch sind, können sie dereinst vollumfänglich in der Aufbereitungsanlage von Eberhard rezykliert werden. Dasselbe gilt für weitere Produkte, die etwa Zirkulit mit anderen Firmen entwickelt hat: Die Firma Stahlton 3D-druckt neue Deckenelemente und produziert vorfabrizierte Fassadenelemente aus Glasfaserbeton und einem maximalen Anteil von Sekundärmaterial. Sievert verwendet rezyklierte Betongranulate für Grundputze und Mauermörtel.

Gemeinsam haben die Partnerfirmen viel erreicht und noch ebenso viel vor. Röthenmund ist überzeugt, dass der ‹ Swisspor Ecorit › einst komplett aus rezykliertem Material bestehen wird. Heute ist das noch nicht möglich, denn das von Eberhard gelieferte Material ist noch zu grob, um sich perfekt um die Luftblasen zu legen. Für einen optimalen Dämmwert wird darum heute 40 Prozent Sekundärmaterial verwendet, für etwas weniger hohe Dämmleistung bis zu 70 Prozent. Röthenmund geht davon aus, dass sich das rezyklierte Material zukünftig noch feiner mahlen lässt. Und mit ausgewählten puzzolanischen Abfallstoffen könnte man eines Tages sogar die Bindemittel ersetzen. ●

Über einen einzigen Bildschirm werden Triebmittel, Binder und Stabilisatoren überwacht und zur rechten Zeit an den richtigen Ort gebracht.

Vom Abfall zum Baustoff

Die Abfallberge wachsen stetig, die Ressourcen schrumpfen, das CO₂ in der Atmosphäre wird immer mehr. Darum muss das lineare Bauen zum Kreislauf werden. Zirkulit – ein Netzwerk aus produzierenden Familienunternehmen – arbeitet daran. Es gewinnt aus Abbruchmaterial hochwertige Sekundärrohstoffe und produziert damit zirkuläre Baustoffe wie Beton, Dämmung oder Putz. www.zirkulit.ch

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