Licht und Schutz
Editorial
Das Gesicht eines Hauses muss vielfältigen Ansprüchen genügen.
Die Komposition einer Fassade gehört zur Königsdisziplin des Architektenberufs. Sie prägt die Umgebung eines Gebäudes und ist quasi die Duftmarke einer Architektin. Anhand der Fassade entscheiden wir in Sekundenbruchteilen, ob uns ein Haus gefällt oder missfällt. Kurz: Die Fassade ist das Gesicht eines Bauwerks.
Während Jahrhunderten war eine Fassade einfach eine Mauer mit Löchern, in denen die Fenster sassen. Die Regeln der Baukunst waren einfach und verlässlich: Der Maurer verstand sein Handwerk ebenso wie der Schreiner und der Glaser, wie der Zimmermann und der Dachdecker. In dieser Weise traditionell erstellte Gebäude überdauerten Jahrhunderte – und hinter manchen stand nicht einmal ein Architekt. Doch die Welt und damit das Bauen sind komplexer geworden. Ein Fenster muss längst nicht mehr nur für Licht und Witterungsschutz sorgen, sondern es soll hochgedämmt sein, vor Schall schützen und wenig Unterhalt erfordern. Eine zeitgemässe Fassade ist ein mehrschichtiges Gebilde, bei dem die unterschiedlichen Teile zusammen als komplexes System funktionieren.
Dieses Heft stellt die Produkte von elf Schweizer Unternehmen vor. Da gibt es eine Fassade aus Platten, die verkehrt herum montiert sind, oder ein Klimasystem, das das Innere eines Hauses prägt. Der Sonnenschutz ist zweimal vertreten: innen, in einer topmodernen Umgebung, und aussen, in eine historische Sandsteinfassade integriert. Bei den Fassadensystemen erzeugen die an eine Backsteinmauer erinnernden Fassadenziegel ein traditionelles Bild, während das neuartige System mit integrierter Photovoltaik den Fokus auf die Energie legt. Zwischen diesen Extremen liegt die klassische Aluminiumfassade. Soll Licht durch das Dach in ein Haus fallen, gibt es eindrückliche Beispiele von Oberlichtern oder einem Sheddach. Und schliesslich zeigt das Heft das Beispiel eines Modulbaus sowie ein Holz/ Aluminium-Fenster, das in einer Siedlung 1544-fach eingebaut wurde. 0
Werner Huber war Architekt und ist heute Co-Geschäftsleiter von Hochparterre.
Inhalt
Eternit: Die Welle am Gleismeer (1)
Seite 4
Röthlisberger: Aktiver Innenausbau (2)
Seite 8
MHZ Hachtel: Schattenspender (3)
Seite 12
Zürcher Ziegeleien: Das Dach an der Wand (4)
Seite 16
Cupolux: 32 Tonnen Glas (5)
Seite 20
Aepli Metallbau: Modernisierung einer Stilikone (6)
Seite 24
Ernst Schweizer AG: Gemeinsam geplant (7)
Seite 28
Kästli: Sorgfalt im Detail (8)
Seite 32
Alho: Auf den Millimeter genau geplant, in Tagen gebaut (9)
Seite 36
EgoKiefer: Die 1544 Augen einer grossen Siedlung (10)
Seite 40
Velux Commercial: Viel Licht, klarer Mehrwert (11)
Seite 44
Die Welle am Gleismeer
Am Zollhaus, dem neuen Flaggschiff der Zürcher Wohnbaugenossenschaften, hängen die grauen Well platten von Eternit mit der Innenseite nach aussen. Ein Experiment, das auch der Hersteller spannend findet.
Es gibt viele Gründe, warum das Zollhaus, das neue Flaggschiff der Zürcher Wohnbaugenossenschaf ten, ein Kleid aus grauen, gewellten Faserzementplatten trägt. Die nichttragende Holzelementfassade war schnell gebaut und darum günstig. Sie ist nachhaltig, weil die Fassadenhaut leicht und langlebig ist und weil sie mit wenig Energie in der Schweiz produziert wurde. Aber es gibt auch einen architektonischen Grund: «Das Zollhaus sollte mehr mit dem benachbarten Gleiskörper zu tun haben als mit dem Quartier», sagt Architekt Philipp Fischer. Darum wählten er und sein Team Materialien, wie man sie an Nutzbauten der SBB findet: Feuerverzinkter Stahl und graues Welleternit wechseln sich in vertikalen Streifen ab – Fenster und Fassade. Die raue Welt der Gleise soll sich im Material des Zollhauses spiegeln. Darum sind die Faserzementplatten der Fassade von Eternit nicht nur unbeschichtet, sondern sogar ‹verkehrt herum›, mit der raueren Rückseite nach aussen, montiert.
Die raue Welt der Gleise soll sich im Material des Zollhauses spiegeln. Darum sind die Faserzementplatten von Eternit mit der raueren Rückseite nach aussen montiert.
Dieser Wunsch der Architekten nach Rauheit und Authentizität begleitet die mehr als hundertjährige Geschichte des Produkts. Seit 1903 produziert Eternit in der Schweiz Faserzement, und das Material prägte un
ter anderem das Neue Bauen. In den 1950er Jahren trat die gewellte Platte einen regelrechten Siegeszug an, denn die Architekten der NachkriegsAvantgarde liebten ihre Leichtigkeit und textile Oberfläche. Heute tragen Atelier oder Ferienhäuser, Fabrik und Industriebauten von damals eine romantische Patina. Manchmal sind sie sogar mit einer Moosschicht bedeckt, wie das Dach und die Fassaden des Wohnhauses von André Studer, 1959 in Gockhausen erbaut. Ebenso lebendig patiniert stellt sich Philipp Fischer die Fassaden des Zollhauses vor: bemoost an der nördlich gelegenen, baumbestandenen und daher eher feuchteren Strassenseite, und von der Sonne ausgebleicht und vom Flugrost rötlich gefärbt am offenen Gleisfeld. Der Architekt schwärmt vom «Rohling», wie er die gewellte Platte nennt. Mit der Rückseite nach aussen habe sie noch mehr Charakter, erscheine mineralischer. Wenn es regnet und das Wasser einzieht, entstünden «lebendige Wolkenbilder». Ob das alles ohne technische Einschränkungen geht, war lange
1 Zollhaus in Zürich: Feuerverzinkter Stahl und graues Welleternit wechseln sich in vertikalen Streifen ab.
unklar. Unbeschichtete Platten finden sich im Dachsortiment von Eternit, nicht jedoch im Fassadensortiment. Bei Lagerhallen und Wohnbauten werden sie gern gewählt. Sie decken sogar das Dach der Erweiterung des Landesmuseums in Zürich.
Die rauere Oberfläche der Rückseite entsteht, weil die Platten bei der Herstellung auf einem gewellten Netz trocknen. Auch wenn Philipp Fischer vermutet, dass sie schon vor dem Zollhaus bei anderen Projekten verkehrt herum verlegt worden sind: Die RückseitenLösung ist für Eternit noch Neuland. Domenico Mezzatesta, Architektenberater der Firma, setzte sich beim Zollhaus Projekt intern für diese Lösung ein. Beim Hersteller gab es zunächst Bedenken wegen einer unkontrollierten Alterung. Doch nach einer monatelangen Testphase entschied sich Eternit, das Projekt zu unterstützen. Denn das Restrisiko, dass sich die Platten leicht verformen könnten, ist gering. Da jedoch die Langzeiterfahrung fehlt, liegt dieses Risiko letztlich beim Architekten und Bauherrn. Mezzatesta:
«Wenn diese Parteien die unkontrollierbare Veränderung der Fassade wünschen, unterstützt Eternit solche Lösungen gerne.»
Nun hat die ‹umgedrehte Welle› also ihr Referenzobjekt. Da das Zollhaus prominent an den Gleisen steht, kurz vor dem Zürcher Hauptbahnhof, rufen viele Architekten bei Domenico Mezzatesta an, «nicht wöchentlich, aber regelmässig». Auch Philipp Fischer erhält Nachfragen von Kolleginnen, die das Material auf die gleiche Weise verwenden wollen. Material, das Patina ansetzen kann, hatten Architekten schon immer gern. Im Moment, so scheint es, gilt das mehr denn je. 0
2 Die Bar bei der Gleisterrasse.
3 Das Welleternit ist mit der Rückseite nach aussen montiert.
4 Das Zollhaus steht direkt am Gleisfeld des Hauptbahnhofs Zürich.
5 Neben dem Welleternit prägt verzinktes Stahlblech die Fassade.
Fotos: Meraner & Hauser OHG / SNG, Bozen
Neubau Wohn- und Gewerbeüberbauung Zollhaus, 2021
Zollstrasse 109–121, Zürich
Bauherrschaft: Genossenschaft Kalkbreite, Zürich
Architektur: Enzmann Fischer Partner, Zürich
Eternit (Schweiz) AG
Eternitstrasse 3
8867 Niederurnen GL
+41 55 617 11 11
info@eternit.ch
www.eternit.ch
Aktiver Innenausbau
Klimatechnologie gehört kaum zum Leistungsspektrum einer klassischen Schreinerei. Bei Röthlisberger wird sie zum dritten Standbein. Und schlanke Klima- und Lüftungsgeräte werden Teil der Architektur.
1 Bürogebäude der AHVAusgleichskasse Schwyz mit dem Lüftungssystem ‹Air› und den in den furnierten Türen verborgenen Ventilatoren.
2 In der Mensa liegt die Ventilation in den Brüstungen unter den Fenstern.
3 Auch im Gang kommt die frische Luf t aus den Türen.
Aus der 1928 gegründeten Schreinerei Röthlisberger ist ein technologisch fortschrittlicher Gesamtanbieter im Innenausbau geworden. Seit 1977 produziert und vertreibt die Röthlisberger Kollektion erfolgreich Designmöbel. Nun kommt ein neues, zeitgemässes Standbein hinzu: Klimatechnik. Und das kam so: Vor vier Jahren suchte Beat Kegel einen verlässlichen Partner, um seine Produktideen weiterzuentwickeln. Der erfahrene Zürcher Klimaingenieur wurde jüngst vom Bundesamt für Energie mit dem ‹Watt d’Or›Preis ausgezeichnet: für die radikal einfache Sanierung eines St. Galler Bürohauses aus den 1960er Jahren. Ein paar Apparate, vom Ingenieur erfunden und von Röthlisberger produziert, ersetzten dort die Ölheizung und die elektrische Kühlung. Der Energieverbrauch jenes Hauses reduzierte sich dadurch um satte neunzig Prozent.
Die Sensibilisierung für Klimafragen wächst. Und so wächst auch das Interesse für nachhaltige und günstige Alternativen zu den gebräuchlichen Systemen.
Mark Röthlisberger führt das Unternehmen in Gümligen bei Bern zusammen mit seinen beiden Brüdern in vierter Generation. «Nachhaltigkeit ist uns wichtig, auch am eigenen Werkplatz.» Verarbeitet wird ausschliesslich Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft, und der Betrieb verfügt über eine hochmoderne Energiezentrale. Der Strombedarf für die Produktion und die Büros wird von der eigenen Photovoltaikanlage abgedeckt. Da kam der Anruf von Beat Kegel wie gerufen. «Von HLKS Planung hatten wir keine Ahnung. Aber wir scheuen uns nicht vor innovativen Ideen und Dingen. Und die müssen nicht immer aus Holz sein», so Röthlisberger.
Dass Holz beim neuen System aber durchaus eine Rolle spielen kann, zeigt ein aktuelles Projekt. Das spätpostmoderne Gebäude der AHVAusgleichskasse
4 Vor den Fenstern sind die Gebläsekonvektoren des Systems ‹Wall› als Möbel verbaut. Fotos: Merlin Photography Ltd.
Schwyz erhielt eine innere Auffrischung, energetisch und visuell. In den neuen Innenausbau integriert muss man die Klimageräte regelrecht suchen. In der Halle der Caféteria finden sie sich zum Beispiel in den mit heller Esche furnierten Brüstungen zwischen den Betonpfeilern der Tragkonstruktion, oder sie stehen in weiss lackierten Sockeln vor einem wandfüllenden Fenster. In diesen Ausbauten kühlen oder wärmen Gebläsekonvektoren des Systems ‹Wall› die Luft, die zentral an einem Ort ins Gebäude geholt wird. Das Lüftungssystem ‹Air› hilft beim Transport dieser Luft von Raum zu Raum: In den furnierten Türen verborgene Ventilatoren verteilen sie dorthin, wo sie gebraucht wird. Es gibt keine HightechSensoren und keine aufwendigen Leitungen. Lüftungskanäle sind die Räume selbst. Es ist eine sanfte, eine schlanke Technik. Und durch die massgeschneiderten Holzeinbauten wird sie Teil der Architektur.
Für Heizungs, Kühlungs und Lüftungstechniker klingt das zuerst unglaubwürdig. Sie bauen ihre Technik in der Regel nach Normen ein, aufwendig und oft überdimensioniert. Anders die Handwerker aus Gümligen. Sie bauten zuerst verschiedene Prototypen. Sie mas
sen Luftmenge, Temperatur, Akustik. Und waren begeistert. «Das funktionierte und war nicht nur warme Luft», sagt Mark Röthlisberger lachend. Auf die Prototypen folgten erste kleinere Aufträge, dann grössere, wie die Sanierung in St. Gallen. Momentan werden die Klimasysteme in einem Schulneubau in Bern und in zwei weiteren in Zürich verbaut. Die Bürosanierung in Schwyz ist gerade fertig gestellt. Die Sensibilisierung für Klimafragen wächst. Und so wächst auch das Interesse an nachhaltigen und günstigen Alternativen zu den gebräuchlichen Systemen.
Der zusätzliche Vorteil von ‹Wall› und ‹Air›: Weil sie Teil des Innenausbaus sind, können sie von der Architektin frei gestaltet werden, in der Wand oder der Tür, als Schrank oder Brüstung. Damit sind sie herkömmlichen Systemen mit Radiatoren überlegen – nicht nur wegen der geringen Vorlauftemperatur, die nur wenige Grad über oder unter der gewünschten Raumtemperatur liegt, sondern auch durch gestalterische Flexibilität. Und soll das Klimagerät freistehen, gibt es die holzverkleidete Stele ‹Tower› oder das Element ‹Free›, eine Art stehende Schreibtischrückwand, um bestehende Büros ohne grossen Umbau anzupassen. 0
Umbau des Gebäudes
der AHV-Ausgleichskasse Schwyz Rubiswilstrasse 8, Ibach SZ Ursprüngliche Architektur: BSS, 1993 Umbau: BSS, 2021
Röthlisberger Innenausbau
Sägeweg 11
3073 Gümligen BE
+41 31 950 21 30
innenausbau@roethlisberger.ch www.roethlisberger.ch
Schattenspender
Wer im Glashaus nicht schwitzen will, braucht einen effektiven Sonnenschutz. MHZ Hachtel baut für anspruchsvolle Gebäude Gegenzuganlagen.
«In Mitteleuropa setzten Architekten meist auf farbneutrale Glasfassaden ohne einen integrierten Sonnenschutz», sagt Klaus Westenberger, Ingenieur bei MHZ Hachtel. Das Unternehmen stellt massgefertigte Sicht- und Sonnenschutzsysteme her. «Glas wirkt sich positiv auf das Wohlbefinden aus, erfordert aber zwingend eine Sonnenschutzanlage.» Die Geschichte des Glases in der modernen Architektur ist aber reich an Fehlschlägen: Überhitzung, Zugluft und Kälte, gleissend helles Licht und feuchte Räume waren Folgen unausgereifter Technik.
Dank einer verbesserten Fassadentechnik bleiben Glasbauten heute klimatisch stabil. Eine zentrale Rolle spielt die Reduktion des Licht- und Wärmeeintrags:
«Um den Sonnenschutz ästhetisch gut zu integrieren, planen ihn Architektinnen bereits in der Entwurfsphase mit ein», so Klaus Westenberger. Dank einer detaillierten Werkplanung wisse der Auftraggeber danach, ob die Anlage gestalterisch seiner Vorstellung entspreche. MHZ Hachtel hat sich auf technisch komplexe Konstruktionen im Objektbereich spezialisiert, Sonderanfertigungen sind keine Ausnahme, sondern die Regel.
sinnvoll. Zudem wirkt eine offene Anlage schlanker. Dass die Anlage so kompakt ist, liegt am koaxialen Konstruktionsprinzip. Koaxial set zt sich aus der Vorsilbe ‹ko› und dem griechischen Wort ‹axōn› zusammen und bedeutet ‹zusammen in einer Welle›. Beide Wellen und auch der Motor sind im selben System verbaut. Ein Federelement kompensiert die unterschiedlichen Durchmesser von Tuchwelle und Seilscheibe. Dadurch bleibt die Spannung konstant und der Stoff wickelt sich faltenfrei auf und ab.
«Um den Sonnenschutz ästhetisch gut zu integrieren, planen ihn Architektinnen bereits in der Entwurfsphase mit ein.»
Klaus Westenberger, Ingenieur bei MHZ Hachtel
So auch beim Gebäudeensemble der BMW Welt in München. Die Fassade des Doppelkegels mit angegliedertem Hauptgebäude ist grossflächig mit Glaspaneelen bedeckt. MHZ Hachtel hat das gläserne Hallendach und die nach innen geknickten Vertikalfassaden mit der Gegenzuganlage ‹k_oax› ausgestattet. 101 Anlagen beschatten insgesamt 3500 Qua dratmeter. Jede wurde spezifisch an den Bau adaptiert, weil die Einheiten unterschiedliche Abmessungen aufweisen. Die Technik liegt offen, im Innenbereich sind Gehäuse weder notwendig noch wirtschaftlich
Der Lebenszyklus einer Gegenzuganlage beträgt im Innenraum laut Klaus Westenberger dreissig bis vierzig Jahre: «Gegebenenfalls auch länger – vorausgesetzt, sie wird regelmässig gewartet.» Sind Wind und Wetter mit im Spiel, steigt die Belastung von Stoff und Technik. Hier liegt die Lebensdauer bei etwa 25 Jahren, und regelmässige Wartungen sind noch wichtiger. In einer Rehaklinik in Bellikon schützt eine speziell gefertigte Vordachkonstruktion die geparkte Gegenzuganlage. Je sechs Einheiten beschatten zwei miteinander verbundene Betonterrassen. Wind-, Sonnen- und Regenwächter steuern das Ein- und Ausfahren des gerafften Sonnenschutzsystems. «Bisher hatten wir noch keine Erfahrung mit dieser Art von Betonelementen», erklärt Mirsat Redzepi, der das Projekt geleitet hat. «Die Planung war herausfordernd. Jede konstruktive Anpassung an der Schnittstelle zu anderen Fachplanern löste eine Kettenreaktion aus.» Weil die Tragseile gros se Kräfte auslösen, mussten neben Pergola und Vordach auch die Befestigungen vom Bauingenieur freigegeben werden. Vorgefertigt wurden die Komponenten im eigenen Werk in Kirchheim. Zwei Montageteams fügten sie vor Ort zusammen und montierten die Anlagen mithilfe von Hubwagen.
Gegenzuganlagen beschatten das angrenzende Hallendach und die nach innen geknickten Vertikalfassaden.
Fotos: Stephan Falk
Nicht jede Geometrie erlaubt den Einbau einer Gegenzuganlage. «Technisch ist vieles möglich, aber nicht alles», so Klaus Westenberger. Der Träger kann geneigt, senkrecht oder waagrecht sein, doch horizontale Anlagen mit schräger Kante funktionieren aufgrund der Schwerkraft nicht. Anspruchsvoll sind stark gekurvte Fassaden wie jene im Hotel Kameha Grand in Bonn. Damit die Stoffbahnen dem Fassadenverlauf folgen können, wurden Umlenkrollen montiert. Der Blend- und Sonnenschutz der Veranstaltungshalle beschattet eine Fläche von 1500 Quadratmetern. Er erfüllt auch akustische Anforderungen: Zwar hat
Polyestergewebe keine schallschluckenden Eigenschaften. Doch die grosse Menge des flächenstabilen Stoffs verbessert die Akustik wesentlich. 0
2 In einer Rehaklinik in Bellikon schützt eine speziell gefertigte Vordachkonstruktion die geparkte Gegenzuganlage. Je sechs Einheiten beschatten zwei miteinander verbundene Betonterrassen. Wind-, Sonnen- und Regenwächter steuern das Ein- und Ausfahren des Systems.
Fotos: Melanie Keller, Marketing MHZ Schweiz
3 Besonders anspruchsvoll sind stark gekurvte Fassaden wie jene des Hotels Kameha Grand in Bonn. Damit die Stoffbahnen dem Fassadenverlauf folgen können, wurden Umlenkrollen montiert.
MHZ Hachtel & Co AG
Eichstrasse 10
8107 Buchs ZH
+41 848 47 13 13 architecture@mhz.ch www.mhz.ch
Das Dach an der Wand
Extrudierte Fassadenziegel der Zürcher Ziegeleien bekleiden Wohnhäuser, Türme und Supermärkte. Sie sind leichter als Sichtmauerwerk, optisch unregelmässig – und wiederverwendbar.
Als Klimakiller ist Beton längst in den Medien. Dass die Ziegelbranche vor ebenso grossen Herausforderungen steht, wissen wenige. Die Knacknüsse: Wie Lehm brennen, ohne Treibhausgase auszustossen? Wie die Steine verbinden ohne CO²-haltigen, allzu harten Zementmörtel? Wie sie wieder auseinanderbekommen, damit die Kreislaufwirtschaft gelingt?
Der Fassadenziegel ‹Urban› löst nicht alle diese Probleme. Aber er reduziert die Materialmengen und positioniert die Ziegler im Fassadenleichtbau. «‹Urban› verbindet die Vorteile von Sichtmauerwerk und Hinterlüftung», erklärt Roman Knuchel von den Zürcher Ziegeleien. Während sich vermauerte Steine und aufgeklebte Klinkerriemchen kaum trennen lassen, handelt es sich hier um einen demontierbaren, diffusionsoffenen und langlebigen Fassadenaufbau. Die Kombination mit einem nachhaltig konstruierten Holzbau bietet sich an.
‹Urban› ist dreissig Prozent leichter als übliche Fassadenziegel, was in der Ökobilanz den Transportaufwand wettmacht.
Nach dem Extrudieren raut eine Art Bürste die Oberfläche des Ziegels auf und gibt ihm eine unregelmässige Struktur. Mittlerweile gibt es vier Varianten, allesamt benannt nach Quartieren in Kopenhagen: Christianshavn, Frederiksberg, Holmen und Nordhavn. Sie sind unterschiedlich stark mit Eisenoxid durchgefärbt und darum unterschiedlich dunkel. Das sieht man nicht nur an den Schnittkanten und den Stössen, sondern auch bei den kleinen Rissen der aufgerauten Oberfläche, die durch den Engobefilm scheinen. In der Variante Christianshavn ist die Engobe nicht flächig appliziert, sondern als schwarze Spritzer aufgesprüht. «Das sieht noch unregelmässiger aus», so Roman Knuchel lobend über den Bestseller im Sortiment.
Den Anstoss zur Entwicklung gab der Krøyers Plads in Kopenhagen, eine Brache an bester Wasserlage zwischen Königlichem Schauspielhaus und Freistaat Christiania. Nachdem sich verschiedene Entwickler an der Nachbarschaft die Zähne ausgebissen hatten, führte ein partizipativer Planungsprozess zu drei Baukörpern, deren geknickte Wände und Dachflächen an die Giebel und Gauben historischer Speicherhäuser erinnern. Auch das Fassadenkleid sollte an dieses Bild anknüpfen. «Und hier liegt die eigentliche Erfindung», sagt Produktmanager Knuchel, «an der Oberfläche.»
1 Eine breite Auswahl an extrudierten Ziegeln.
2 Modell Christianshavn Natur
3 Modell Frederiksberg Natur.
4 Modell Holmen Natur.
Kein Wunder: Industriell betrachtet mag die heutzutage einheitliche Qualität von Ton und Brand ein Fortschritt sein. Wer die alten Steine nordischer Städte kennt, das Spiel leicht unterschiedlicher Rot- und Gelbtöne, setzt ästhetisch ein Fragezeichen hinter die heute gängigen Produkte. Und genau darum bürstet ‹Urban› die Perfektion aus dem Lehm.
Im Grunde genommen funktioniert der Fassadenziegel wie ein Dachziegel. Er ist nicht gepresst, sondern extrudiert und wahlweise auf Holzlatten geschraubt oder auf eine Unterkonstruktion aus Aluminium geklemmt. In der Schweiz kommt die Systemlösung bald bei einem 17-geschossigen Bauprojekt zum Einsatz. Aber Aluminium und Nachhaltigkeit? «Das ist gewiss nicht optimal», sagt Knuchel offen. «Aber Aluminium
5 Modell Nordhavn Natur →
ist leicht, und im Hochhausbau sind Holzlatten aus Brandschutzgründen keine Option. Ausserdem schaffen zwei Arbeiter beim Klemmen an einem Tag so nicht nur 50, sondern 150 Quadratmeter.»
In den meisten Fällen genügt es freilich, die Ziegel mit je zwei Schrauben auf Holzlatten zu schrauben. So kamen sie auch beim ersten Supermarkt für den europäischen Discounter Netto zum Einsatz, der beim strengen DGNB-Label das Goldzertifikat erreichte. Dass der Lehm aus dem Baselland es bis nach Jütland schaffte, liegt am geringen Gewicht. ‹Urban› ist dreissig Pro-
zent leichter als übliche Fassadenziegel, was in der Ökobilanz den Transportaufwand wettmacht. Denn erstens lassen sich dünnere Querschnitte extrudieren als pressen. Zweitens ist der Ton selbst nicht vakuumverpresst, was die Tonscherben zwar empfindlicher macht und das Schwundmass erhöht. «Aber nach dem Brand sind sie genauso dauerhaft», sagt Knuchel. «Sie halten mindestens hundert Jahre.» Ob der Supermarkt dann noch steht? Das darf man bezweifeln. Die Frage lautet darum: Werden die wiederverwendbaren Ziegel dereinst abgeschraubt und andernorts montiert? Möglich zumindest ist es. 0
In den meisten Fällen genügt es, die Ziegel mit je zwei Schrauben auf Holzlatten zu fixieren, so auch beim ersten Supermarkt für den europäischen Discounter Netto auf Jütland.
to: C. F. Møller Architects / Julian Weyer rie des Supermarkts in Horsens (Dänemark).
. F. Møller Architects
Zürcher Ziegeleien AG
Eichwatt 1
8105 Regensdorf ZH
+41 58 219 09 09
info@zz-ag.ch
www.zz-ag.ch
32 Tonnen Glas
In Baar baute Cupolux ein mehr als hundert Meter langes Oberlicht auf das Dach einer ausgedienten Chemiefabrik. Es sorgt für viel Tageslicht im neuen Landi-Laden.
Von Weitem strahlt die Farbenorgel von gelb über hell- zu dunkelgrün über einen Parkplatz im Industriegebiet von Baar. Fünf Meter hohe, stählerne Stelen, die ein fast hundert Meter langes Vordach halten, spielen das Konzert der Firmenfarben der Landi. Hinter dieser Fassade besorgen sich Freizeitgärtnerinnen, Hobbybauern und auch Landwirte Pflanzen, Werkzeuge, Dünger, Tierfutter und vieles mehr. Ihnen, zusammengeschlossen in einer Genossenschaft, gehört die Landi. So macht es sich gut, wenn die Bauernfirma ihre neuen Läden nicht auf die grüne Wiese baut und damit Kulturland schmälert, sondern sie auf einer Industriebrache errichtet.
«Es ist schon etwas Besonderes, eine so grosse Glasfläche auf ein altes
Dach zu bauen, das für ganz geringe Lasten ausgelegt ist.»
Die Landi Zugerland hat eine nicht mehr gebrauchte Chemie fabrik am Rand von Baar übernommen, das verschmutzte Erdreich gereinigt und einen Teil der alten Fabrik abgebrochen. Im übrig gebliebenen Gebäude haben G&A Architekten aus Altdorf einen grossen Laden mit Lager und Büros und einen ‹Hofmärt› eingerichtet.
Andreas Trinkler, Geschäftsführer Cupolux
Das alles findet Platz in einem fünfzig mal hundert Meter grossen Hallenhaus aus den 1960er-Jahren. Sein Merkmal ist der weitgehend stützenlose Raum im Innern und als Folge davon aussen ein mächtiges Dreieck auf dem Dach: die Trag kon struk ti on. Das eiserne Fachwerk bindet die eisernen Querbalken an, die auf den Längswänden aufliegen. Zwei grosse Y-Stützen, die Aussenmauern und eine Wand im Innern halten es.
Dieses Fachwerk sollte erhalten bleiben, als neue Aufgabe aber auch Tageslicht in die Halle bringen. Dafür suchten die Architekten Rat bei der Firma Cupolux, bekannt für Lichtkuppeln und unzählige Oberlichtlösungen, die in viele Dächer eingebaut Tageslicht in den Raum tragen. Für das Dach in Baar war eine massgeschneiderte Lösung nötig, passend zum Ort und fähig, auf unterschiedliche Herausforderungen zu reagieren. Andreas Trinkler, Geschäftsführer von Cupolux, skizziert die Idee: «Einst verkleidet wurde das Fachwerk freigelegt und zu einem mehr als hundert Meter langen Oberlicht umgebaut. Als Unterkonstruktion setzten die Zimmerleute von Abt Holzbau aus Baar eine Holzkonstruktion über das alte Fachwerk. Auf ihr befestigten unsere Montagemitarbeiter Stück für Stück die Aluminium-Glas-Konstruktion.» Die Isoliergläser bestehen innen aus einem Verbundsicherheitsglas und aussen aus einem Einscheibensicherheitsglas. Als Sonnenschutzglas schützt es vor zu grosser Hitze im Gebäude. Zudem gewährleistet die Sattelverglasung im Brandfall die natürliche Entrauchung des Gebäudes. Dafür wurden Fensterflügel eingebaut, die auch zum Lüften dienen.
1 Auf einem alten, für ganz geringe Lasten ausgelegten Dach liegen 32 Tonnen Glas.
2 Das Oberlicht sorgt für Helligkeit in der Halle.
3 Das eiserne Fachwerk bindet die ebenfalls eisernen Querbalken an, die auf den Längswänden aufliegen.
4 Zimmerleute setzten eine Holzkonst ruktion über das alte Fachwerk. Auf ihr ist die Aluminium-Glas-Konstruktion befestigt.
5 An der Fassade wird das Oberlicht zu einem skulpturalen Element.
6 Die Farbenorgel der Vordachstützen reicht von gelb über hell- zu dunkelgrün Fotos: Valentin Luthiger
Landi Zugerland, Baar, 2021
Bauherrschaft: Genossenschaft
Landi Zugerland
Architektur: G&A Architekten, Altdorf Konzeption, Konstruktion und Montage Oberlichtverglasung: Cupolux, Lachen
Zimmerei: Abt Holzbau, Baar
Baukosten: Fr. 17 Mio.
Volumen: 47 000 m³
Geschossflächen: 11 000m²
Andreas Trinkler fasst die Herausforderungen zusammen: «Es musste gut klappen zwischen dem Architekten, der die Idee hatte, dem Holzbauer, der die Tragkonstruktion für das Glas baute, uns, die wir Konzeption, Statik, Fertigung und Montage der Oberlichtverglasung beitrugen, und dem Dachdecker, der die Abdichtung an die Konstruktion anschloss. Und es ist schon etwas Besonderes, eine so grosse Glasfläche in zwei steilen Flügeln auf ein Dach zu bauen – 192 Elemente, jedes 4,5 Meter lang. 32 Tonnen Glas auf einem alten, für ganz geringe Lasten ausgelegten Dach.»
Von zwei Seiten scheint das Sonnenlicht nun in die Kaufhalle, in den kleinen ‹Hofmärt› und in die Büroräume. Die Kundinnen und Kunden können die Begonien, Gartensessel, Mistgabeln und den Betonmischer bei Tageslicht betrachten, prüfen und kaufen. Auch für das gute Dutzend Verkäuferinnen und Verkäufer ist es ein anderes Arbeiten – statt den ganzen Tag im Kunstlicht verbringen zu müssen, geniessen sie durch die grosszügige Oberlichtverglasung nun Tageslicht, frische Luft, die Sonne und den blauen Himmel. 0
Cupolux AG
Glärnischstrasse 7 8853 Lachen SZ
+41 44 208 90 40 info@cupolux.ch
www.cupolux.ch
Modernisierung einer Stilikone
Der Hauptsitz von Coop befindet sich in einem markanten Hochhaus aus den 1970er-Jahren mitten in Basel.
Für die Sanierung entwickelte Aepli Metallbau Fassadenelemente mit integrier ter Photovoltaik.
Die aussenliegende Betontragstruktur, darin ein Hüllkörper mit kleinteiligen Fensterbändern: Das CoopHochhaus in Basel ist ein Zeuge seiner Zeit. Gass + Boss Architekten hatten den markanten Turm 1978 geplant. Seither markiert er unübersehbar die Einfahrt zum Bahnhof. Bei der Sanierung war dem Architekturbüro Burckhardt + Partner das Gleichgewicht zwischen Erhalten und Verändern wichtig, erklärt Marco Husmann, Mitglied der Standortleitung des Büros Basel. Der Gesamtprojektverantwortliche für die Sanierung erklärt: «Gezielt haben wir Bauteile abstrahiert, Elemente feiner gefügt und die Materialvielfalt reduziert.» Die Tragstruktur blieb erhalten und damit auch die darin steckende graue Energie: das grosse Plus dieser Sanierung für den Klimaschutz.
«Wir haben viel Aufwand investiert, um gestalterische mit technischen und nachhaltigen Ansprüchen zu vereinen.»
Die engen Fensterreihen sind dagegen Vergangenheit. Glasfelder im liegenden Format, von aussen rahmenlos, ersetzen sie und verleihen dem Fassadenbild eine neue Ruhe. Sie schaffen eine horizontale Linie. Auch innen ist die Veränderung eindrücklich: Die riesigen Gläser erhellen die grosszügig geöffneten Räume bis tief in die Geschosse hinein und bieten freie Sicht auf die Stadt und das Umland.
Marco Husmann, Gesamtprojektverantwortlicher
«Die umfassende technische Erneuerung der Gebäudehülle sollte sichtbar sein, wir haben keinen rein restauratorischen Ansatz verfolgt», sagt Marco Husmann. «Die plane neue Doppelfassade unterscheidet sich deutlich von der vierzig Jahre alten Vorgängerkonstruktion. Die mittlerweile stumpf gewordenen Alukofferbrüstungen wurden durch Mattglas-Photovoltaikelemente ersetzt.» So blieb das Wechselspiel von opaken Brüstungsbändern und Fenstern erhalten,
wenn auch in komplett neuem Format. «Schon früh im Entwurfsprozess hat uns Aepli Metallbau massgebend unterstützt. Gemeinsam ist uns die integrale Entwicklung einer Lösung gelungen, die technisch, gestalterisch und ökonomisch überzeugt.»
Dabei handelt es sich um die erste verbaute Kombination von zwei Dritteln Aepli-Air-Control-Elementen und einem Drittel Photovoltaikmodulen. Sowohl für die Dämmung als auch für den Schallschutz weisen die vorgefertigten Aepli-Air-Control-Elemente überdurchschnittliche Werte auf. Zudem ist die Beschattung eingebaut und damit vor Wind geschützt. Die Photovoltaikelemente fallen dank der satinierten und bedruckten Glasoberfläche optisch nicht auf – wer nichts davon weiss, erkennt sie auch aus der Nähe kaum. Damit passt die Sanierung in die laufende architektonische Entwicklung: Photovoltaikmodule werden selbstverständlich, und man zeigt sie nicht mehr unbedingt her – was im Umkehrschluss voraussetzt,
dass sie architektonisch gekonnt integriert sind. «Wir haben viel Aufwand investiert, um gestalterische mit technischen und nachhaltigen Ansprüchen zu vereinen», bilanziert Marco Husmann.
Produziert und montiert hat die Fassade Aepli Metallbau. Die Ostschweizer Firma ist spezialisiert auf Grossprojekte und damit auf Prototypen: «Wir gehen von Grund auf neu an jedes Projekt heran und entwickeln die Elemente vom Profil über die Dichtung bis zu den Gläsern gemeinsam mit den Planerinnen», sagt Christian Löpfe, der die Sanierung des Coop-Hochhauses bei Aepli geleitet hat. So wurde es möglich, die Photovoltaikmodule direkt zwischen dem darüber und dem darunter anschliessenden Closed-Cavity-Element einzuhängen. «Diese Sonderentwicklung machte es über-
3 Mattglas-Photovoltaikelemente und Fenster wechseln sich ab.
4 Die Stilikone der 1970er-Jahre wird den heutigen Massstäben gestalterisch und energetisch gerecht.
Fotos: Zeljko Gataric
flüssig, die Isolation zu durchdringen, was den Wärmedämmwert der Fassade positiv beeinflusst. Zudem konnten wir die Montagezeit und die Kosten verringern», sagt Löpfe. Das war ein gros ser Vorteil, denn das Hochhaus wurde unter laufendem Betrieb saniert und umgebaut – und zwar von oben nach unten. Dazu nutzte Aepli Metallbau Mastkletterbühnen anstelle konventioneller Gerüste. Der Turm wurde in vier Etappen von je drei bis vier Stockwerken aufgeteilt. Die Mitarbeitenden im Haus hatten mehrere Rochaden und Umzüge zu bewältigen.
Die Arbeiten waren herausfordernd, doch man erreichte jedes Etappenziel: «Die Zusammenarbeit unter den beteiligten Firmen hat trotz Termindruck wie ein Uhrwerk funktioniert», blickt Christian Löpfe zurück. Und die Stilikone der 1970er-Jahre hat ein Kleid bekommen, das gestalterisch und energetisch den heutigen Massstäben gerecht wird: Der Heizenergieverbrauch des Gebäudes liegt um dreissig Prozent tiefer, und die Fassade liefert zehn Prozent des Strombedarfs – das zweite Plus der Sanierung. 0
Sanierung Coop-Hauptsitz TH 12, Basel, 2021
Bauherrschaft: Coop Immobilien, Bern Architektur, Generalplanung und Ausführung: Burckhardt + Partner, Basel Entwicklung, Produktion und Montage der Fassade: Aepli Metallbau, Gossau
Aepli Metallbau AG
Industriestrasse 15
9200 Gossau SG
+41 71 388 82 82
metallbau@aepli.ch www.aepli.ch
Gemeinsam geplant
Fassaden sind die Visitenkarten von
Gebäuden.
Am 3M-Hauptsitz in Rüschlikon gelang sie dank enger Zusammenarbeit von Architektin, Fachplaner und der Ernst Schweizer AG.
Mit einem Entwurf, der ein Ensemble entstehen liess, gewann das Berner Architekturbüro Matti Ragaz Hitz 2017 den Wettbewerb für den Erweiterungsbau des Schweizer Hauptsitzes des Multitechnologiekonzerns 3M in Rüschlikon. Der Gestaltungsplan verlangte Rücksichtnahme auf den Bestandesbau von 1983 und auf die Umgebung. Das Resultat ist ein Neubau mit einer mehrfach geknickten Fassade, die an den Seiten auf eine abgeschnittene Ecke zuläuft. Das Gebäude übernimmt einzelne prägende Elemente der Kassettenfassade des Bestandes, interpretiert diese aber sinngemäss neu. Über dem zurückgesetzten, transparent verglasten Erdgeschoss mit seinem schützenden Vordach sind die vier Obergeschosse markant gegliedert. Die Lisenen laufen vertikal durch, und die horizontalen Aluminiumverkleidungen der Deckenstirnen verbergen die dahinterliegenden Rafflamellen, die Unterkonstruktion und die Isolation. So entsteht eine Gesamtwirkung mit Gebäuden aus unterschiedlichen Zeiten – ein Spannungsfeld zwischen Einheit und Eigenständigkeit.
«Aluminium – etwa aus alten Fenstern und Fassaden – ist unendlich oft rezyklierbar. Qualität und Material eigenschaften bleiben dabei vollständig erhalten.»
Hersteller infrage gekommen wären, wie die Architektin und Projektleiterin Doris Mundt von Matti Ragaz Hitz betont. Den Zuschlag erhielt die Ernst Schweizer AG. «Die Vorarbeit der Fachplaner hilft allen Beteiligten bei der anschliessend nötigen Detailplanung», stellt Pius Baumeler, Leiter Vertrieb Fassaden, fest. «In jeder Detailplanung sind zahlreiche Sitzungen nötig, um das Projekt weiter zu optimieren.» Die Ansprüche der Architektinnen deckten sich nicht immer mit den technischen Gegebenheiten, so Baumeler. Auch Doris Mundt weiss aus Erfahrung, «dass ein solches Projekt nicht einfach von alleine läuft».
Pius Baumeler, Leiter Vertrieb Ernst Schweizer AG
Für die Umsetzung des Entwurfs zog das Architekturbüro den Fassadenplaner Fachwerk F+K Engineering bei. Die Fachleute setzten die Ausschreibung für die Fassade so offen auf, dass verschiedene Systeme und
Im Zuge der Diskussionen über Detaillösungen konnte die Ernst Schweizer AG für die Unter konstruktion und die Befestigungen am neuen 3MGebäude Optimierungen vorschlagen, die keine architektonischen Abstriche verlangten und dann auch so umgesetzt wurden. In Rüschlikon konnte man auf diese Weise insbesondere den Montageaufwand der 520 vorgefertigten und verglasten Fensterelemente minimieren und damit die Bauzeit verkürzen. Wichtig für den Fenster und Fassadenhersteller ist dabei
1 Der neue Hauptsit z von 3M mit seiner mehrfach geknickten Fassade, die an den Seiten auf eine abgeschnittene Ecke zuläuft.
immer der Nachweis, dass Statik und Bauphysik stimmen und die Sicherheit gewährleistet ist. Dank der guten Zusammenarbeit von Architekturbüro, Fachplanung, Bauleitung und nicht zuletzt dank der grossen Erfahrung der Ernst Schweizer AG sind alle Beteiligten sehr zufrieden mit dem Resultat.
Die Ernst Schweizer AG konnte auch Lösungen vorschlagen, die konsequent auf Nachhaltigkeit ausgelegt sind. Verbaut wurde Aluminium der Qualität Hydro Circal des Herstellers Wicona. Neue Recyclingtechnologien ermöglichen die Herstellung von Aluminiumlegierungen in Spitzenqualität, die aus mindestens 75 Prozent rezykliertem EndofLifeAluminium bestehen, also aus alten Fenstern und Fassaden. «Aluminium ist unendlich oft rezyklierbar, Qualität und Mate
2 Einer der Innenhöfe
3 die mit sich automatisch verdunkelndem Glas gedeckt sind.
4 Die Innenräume sind auf jeder Fensterachse unterteilbar.
Fotos: Roger Frei
rialeigenschaften bleiben dabei vollständig erhalten», so Pius Baumeler. Bei der Ernst Schweizer AG konnten durch diese Materialwahl 2020 insgesamt 29 Tonnen CO² eingespart werden.
Umweltschonend bauen bedeutet auch, dass eine Gebäudehülle als Ganzes optimiert wird. So findet sich am 3MNeubau im Erdgeschoss ein PfostenRiegelSystem. Die Pfosten korrespondieren mit dem Rhythmus der Lisenen der Obergeschosse. Die Obergeschossfassaden sind als Fensterbänder gefertigt. Trennwandanschlüsse sind auf jeder Fensterachse möglich. Die geschosshohen Fenster sind dreifach verglast und halten Hitze und Kälte draussen. Sie sind 1,3 Meter breit und 3,5 Meter hoch, mit einem absturzgesicherten Flügel. Die Ernst Schweizer AG lieferte sie fertig verglast auf die Baustelle. Die Montage erfolgte mit dem Kran. Der Innenhof des Neubaus ist mit zwei Oberlichtern gedeckt, deren Glas sich bei Bedarf automatisch abdunkelt. Damit erübrigt sich ein aussenliegender, beweglicher Sonnenschutz. 0
3M Hauptsitz Schweiz
Eggstrasse 91, Rüschlikon ZH
Bauherrschaft: SKE Immobilien Schweiz, Zug
Architektur: Matti Ragaz Hitz
Architekten, Bern
Fassadenplanung: Fachwerk F+K Engineering, Bern
Bauleitung: Schneebeli BauControl, Zug
Leistungen Ernst Schweizer AG:
geschosshohe Verglasungen aus wärmegedämmten Aluminiumprofilen mit DreifachIsolierglas
markante vertikale, äussere Lisenen aus Strangpressprofilen
Pfosten/RiegelVerglasungen im Erdgeschoss
Oblichter mit elektrochromem, automatisch abdunkelndem Glas
Ernst Schweizer AG
Bahnhofplatz 11
8908 Hedingen ZH
+41 44 763 61 11
info@ernstschweizer.ch
www.ernstschweizer.ch
Sorgfalt im Detail
Bei der Fassadenrenovation eines Eckhauses des ‹Zentralhofs› in Zürich galten strenge denkmalpflegerische Auflagen. Der Sonnenschutz der Firma Kästli und die dafür entwickelten Blenden erfüllen die Vorgaben.
«Ums Jahr 1830 war der Verkehr von und nach Zürich so lebhaft geworden, dass die Lage der Post im Gewinkel der Altstadt, im Niederdorf nicht länger zu halten war», beschreibt die NZZ in ihrer Abendausgabe vom 11. März 1969 die Ausgangslage, bevor 1838 an der Poststrasse der ‹Posthof› eröffnet wurde. Geplant hatte das Ensemble der Architekt Hans Conrad Stadler im Auftrag der Stadt. Die Poststrasse entstand in der Verlängerung der neuen Münsterbrücke als Ausfall achse Richtung Baden und ans linke Seeufer. Die Zeitung fährt fort: «Rasch wurde der ‹Posthof› zum Mittelpunkt des dem Tourismus aufgeschlossenen Zürich: nebenan erstellte der Hotelier Baur sein Hotel ‹en ville› und wenig später siedelte er sich auch ‹au lac› in der Nachbarschaft an.»
Das Eckhaus an der Fraumünster-/Poststrasse in Zürich.
Foto: Caroline Krajcir
Die Fassade an der Fraumünsterst rasse.
Plan: Alessandro Vassella
Der ‹Zent ralhof› im Jahr 1883.
Foto: Baugeschichtliches Archiv Zürich
jeden Benutzungszustand optisch gute Lösung herbeizuführen, die sich harmonisch in das Gesamterscheinungsbild der beiden Blöcke einfügt und gleichzeitig bei einfacher Bedienung bezüglich des Unterhalts technisch optimiert ist.»
«Die Blenden sehen modern aus, sind aber das Ergebnis einer aussterbenden Handwerkskunst.»
Marc Kästli, Geschäftsführer Kästli Storen
In Zusammenarbeit mit der Firma Kästli Storen und in regelmässiger Rücksprache mit der Denkmalpflege der Stadt Zürich wurden die Farbkonzepte von Fenster und Blenden, der Storentyp und der Stoff bestimmt. Eingesetzt wurde eine filigrane Ausstellstore mit beigem Stoff, passend zum Sandstein des Gebäudes. Die Führungsstangen aus Edelstahl sind unauffällig in die Fensteröffnung montiert, von aussen sichtbar sind nur wenige Metallelemente.
Um 1870 bezog die Post einen Neubau an der Bahnhofstrasse. Die Architekten Adolf und Fritz Brunner bauten den ‹Posthof› zum Wohn- und Geschäftshauskomplex ‹Zentralhof› aus und um. Gerade diese Geschichte verlangt von einer Fassadenrenovierung Sorgfalt im Detail, die Architektur wird durch die Vorgaben der Denkmalpflege bestimmt. Das gilt auch für den Sonnenschutz: In seiner Analyse schreibt der verantwortliche Architekt Alessandro Vassella: «Gestalterisch besteht bei der Erneuerung die Aufgabe, eine für
Alte Fotografien zeigten dem Architekten, dass die Wohnhäuser ursprünglich nicht mit Sonnenschutz ausgestattet waren. Die Fensteröffnungen wurden ohne Rollladenkästen konstruiert. Ein historisches Vorbild für den aussenliegenden Sonnenschutz gab es also nicht. Im Sinne einer wenig auffallenden Lösung hätte Alessandro Vassella gerne eine Ausstellmarkise ohne Blende verwendet. «Doch wenn die Rollos insbesondere im Handbetrieb unterschiedlich weit nach oben gezogen werden, ergibt sich ein uneinheitliches Bild.»
4 Filigrane Ausstellstore mit beigem Stoff.
5 Die Abdeckbleche mit ihrer Vertiefung prägen das Fassadenbild mit.
6 Das Haus nach der Sanierung, mit dem eingepassten Sonnenschutz. Fotos: Caroline Krajcir
Also entschied sich der Architekt für eine Blende, die die Welle samt Befestigungselementen kaschiert. Die Storen von Kästli und die Blenden wurden an dieser Strasse nicht zum ersten Mal eingesetzt. An der Fraumünsterstrasse 29 kam die gleiche Blende zum Einsatz wie beim Umbau gegenüber der Nationalbank, ein paar Häuser weiter Richtung See.
Die Manufaktur Sigerist in Schöftland konnte das damals eigens im Auftrag von Kästli entwickelte Werkzeug ein zweites Mal einsetzen. Sie prägte eine rechteckige Vertiefung ins Blech, die die Struktur der Fassade mitprägt. Von den vom Denkmalschutz vor-
gegebenen dunklen Fensterrahmen bekam sie ihre schwarzgrüne Farbe. «Die Blenden sehen modern aus, sind aber das Ergebnis einer aussterbenden Handwerkskunst», fasst Chef Marc Kästli zusammen.
Als 1969 das Eckhhaus des ‹Zentralhofs› gegen die Bahnhofstrasse abgebrochen wurde, befürchtete die NZZ, «dass Zürich wiederum einen Teil von der Atmosphäre einbüssen werde, die für sein 19. Jahrhundert charakteristisch ist». Doch die Sorge war unbegründet, berichtete die Zeitung: «Rücksicht waltete.» Gleiches lässt sich heute von der Fassadenrenovierung an der Poststrasse 1 sagen. 0
Fassadenrenovierung
Fraumünsterstrasse 29 / Poststrasse 1, 2021, Erster Bauabschnitt
Bauherrschaft: privat
Architektur: Alessandro Vassella, Zürich
Denkmalschutz: Denkmalpflege der Stadt Zürich
Sonnenschutz: Kästli, Belp
Hersteller Blende: Hans-Ulrich Sigerist Spenglerei & Metalldrückerei, Schöftland
Kästli & Co. AG Hühnerhubelstrasse 63 3123 Belp BE
+41 31 340 22 22 info@kaestlistoren.ch www.kaestlistoren.ch
Auf den Millimeter genau geplant, in Tagen gebaut
In Madetswil hat der Schmierstoffhersteller Panolin einen viergeschossigen Büroneubau realisiert.
Die Modulbauweise mit vorgefertigten Raummodulen der Firma Alho sparte Zeit, Kosten und Ressourcen.
«Wir hatten keine Erfahrung mit Modulbau, als wir uns mit unserem Architekten Willy Suter zusammensetzten und prüften, ob diese Bauweise für uns infrage kommt», erzählt Christian Lämmle, Verwaltungsratspräsident des 1949 gegründeten Schmierstoffherstellers Panolin. «Wir wollten unsere Ideen einbringen und verwirklicht sehen», so Lämmle. Mit der Firma Alho Systembau wurde also die Bauaufgabe diskutiert. Das Architekturbüro Suter erstellte den Vorentwurf, von Alho wurde dieser an die Modulbauweise angepasst.
«Das Gebäude lässt sich energetisch erneuern – oder auch einfach auseinanderbauen und an einem anderen Ort wieder aufbauen.»
dule beschrieben werden. Die Produktion trifft alle planerischen Entscheidungen. Es muss klar sein, wo die Versorgungsschächte hinkommen, wo die Stützen stehen. Auch die Leitungen für die Haustechnik werden vorverlegt. «Dass man zu diesem Zeitpunkt schon alles wissen muss, kann bei der Architektin und beim Bauherrn durchaus für Irritationen sorgen», so Käser.
Christian Käser, Geschäftsführer Alho
Grundsätzlich lasse sich jeder Entwurf in einen Modulbau überführen, sagt Christian Käser, Geschäftsführer bei Alho. Nur organische Kubaturen seien schwierig, «wir lieben den rechten Winkel». Der Entwurf kommt bei Alho in die Werksplanung, wo die einzelnen Mo-
Die Grundkonstruktion jedes Moduls besteht aus einem Stahlrahmen. Als Erstes wird der Boden eingebaut, dann kommt die Decke. Der Rahmen wird lackiert, alle Leitungen werden installiert, die Wände mit den Fenstern und zum Schluss die Bäder eingebaut. Während im konventionellen Bau alle Gewerke gleichzeitig und auf engem Raum arbeiten, können sie im Modulbau optimal koordiniert werden. Alho plant und fertigt digital, in der Werkshalle
1 Schritt für Schritt entstehen in den Werkshallen von Alho die Module.
stehen grosse Bildschirme mit den Plänen und den 3-D-Modellen. Die Baustoffmengen werden im Voraus berechnet und ‹just in time› angeliefert, es gibt kaum Abfall. Dieser Ablauf erlaubt es dem Unternehmen, grosse Mengen an Material zu bestellen und auf diese Weise Kosten zu sparen und ressourcenschonend zu bauen.
Auf der Baustelle muss alles haargenau passen. «Wir arbeiten im Millimeterbereich», sagt Christian Käser. Die Module werden Rahmen an Rahmen zusammengefügt und an wenigen Verbindungspunkten verschweisst. So entsteht ein zweischaliges System mit hohem Schallschutz. Weil die Lasten über die Eckstützen der Module abgetragen werden, sind die Wände nicht tragend und können flexibel versetzt werden. Pro Tag können sechs bis zehn Module montiert werden, in der Regel dauert es fünf bis zehn Tage, bis ein geschlossener Rohbau steht. Die 41 Module für den Neubau der Firma Panolin wurden im Alho-Werk im luzernischen Wikon vorgefertigt und von dort auf die Baustelle transportiert. Vier Monate später konnten die vierzig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das neue Gebäude beziehen. Es steht auf dem Grundstück der Firma neben der Produktionshalle aus der Anfangszeit des Unternehmens und einem Laborgebäude aus den 1980er-Jahren. In Anlehnung an diese beiden Bauten wurde die Fassade des Neubaus mit silberfarbenen Aluminiumkassetten verkleidet. Die Stirnseite ist vollständig verglast. Nachts erstrahlt dieses Schaufenster in flammendem Panolin-Rot. Im Erdgeschoss sind der Empfang, der Verkauf und die Kundenberatung untergebracht. Im ersten und im zweiten Obergeschoss befinden sich die Büros der Geschäftsleitung, der ITund der Marketingabteilung. Im dritten Stock liegt der Sitzungssaal – er ist mehr als hunder t Quadratmeter gross und fast vier Meter hoch.
Der Lebenszyklus eines Modulbaus beträgt laut Christian Käser fünfzig bis sechzig Jahre. Die Möglichkeit, die Grundrisse zu verändern und das Gebäude so anders nutzbar zu machen, verlängere die Lebensdauer zusätzlich. «Das Gebäude lässt sich energetisch erneuern – oder auch einfach auseinanderbauen und an einem anderen Ort wieder aufbauen», erklärt er. Da Alho keine Verbundwerkstoffe einsetzt, sind die Materialien zu neunzig Prozent rezyklierbar, und die Stahlrahmen der Module können wiederverwendet werden. 0
Bürogebäude Panolin, 2017 Madetswil ZH
Bauherrschaft: Panolin, Madetswil
Architektur: Willy Suter, Ehrikon
Modulbau: Alho Systembau, Wikon
Bruttogeschossfläche: 1320 m²
2 In der Werkshalle wird digital geplant und gefertigt.
3 Der Neubau der Firma Panolin in Madetswil.
4 Das Treppenhaus des dreistöckigen Bürogebäudes. Fotos: Alho Unternehmensgruppe
Alho Systembau AG Industriestrasse 8
4806 Wikon LU
+41 62 746 86 00
info@alho.ch
www.alho.ch
Die 1544 Augen einer grossen Siedlung
In der Siedlung Glattpark erstellten Pool Architekten 284 Wohnungen für die Allgemeine Baugenossenschaft Zürich. Die Holz/AluminiumFenster stammen von EgoKiefer.
Die Fenster sind die Augen eines Gebäudes. Durch sie blicken die Bewohnerinnen und Bewohner in die Welt. Die Fenster tragen aber auch wesentlich zum Charakter eines Hauses bei. Besonders viele Fensteraugen zählt die Siedlung Glattpark der Allgemeinen Baugenossenschaft Zürich (ABZ): 1544 Stück, was in der Summe der Fläche eines Fussballfelds entspricht. Die Siedlung Glattpark ist Teil des gleichnamigen Stadtteils in Opfikon, direkt an der Zürcher Stadtgrenze. Nachdem dort, auf dem einst als ‹teuerste Wiese Europas› bezeichneten Areal, in den frühen 1980er-Jahren noch 30 000 Arbeitsplät ze geplant waren, ist der Stadtteil heute ein Quartier mit vielfältigen Nutzungen. Die Lage ist fürs Wohnen attraktiv: verkehrstechnisch mit der Glattalbahn bestens erschlossen, und dank dem Opfikerpark gar mit einem eigenen See ausgestattet.
Die Fensterkonstruktion wirkt wegen der zusätzlichen Kante filigraner, und die einzelnen Elemente lassen sich klar voneinander unterscheiden.
Die Siedlung der ABZ mit 284 Wohnungen für mehr als 800 Menschen wurde vom Zürcher Büro Pool Architekten geplant. Sie setzten an die Quartierecke beim See einen Winkelbau, zwei schlanke Scheiben mit Kopfbauten und ein Hofhaus. Die 1,5- bis 8,5-Zimmer-Wohnungen bieten Raum für unterschiedliche Wohnformen und Lebensphasen. Zwischen den einzelnen Gebäuden liegen ein ruhiger Hof mit gemeinschaftlichen Gärten und ein Quartierplatz. Gemeinschaftsräume, Krippen, Ateliers, Läden, Waschsalons und ein Restaurant beleben die Überbauung.
1 Genossenschaftssiedlung Glattpark in Opfikon.
2 Eine gestalterisch ausgewogene Fensterteilung prägt den Raum.
Als Genossenschaft setzt die Bauherrschaft auf langlebige und unterhaltsarme Bauteile, die eine hohe Wohnqualität garantieren. Bei den Fenstern haben sich diesbezüglich Holz/Metall-Konstruktionen bewährt: Die äussere Aluminiumschale ist dauerhaft und erfordert keinen Unterhalt, die raumseitige Holzkonstruktion vermittelt das Bild eines traditionellen Holzfensters und ist angenehm anzufassen. Nirgends kommt man einem Fenster näher als in den eigenen Wohn- und Arbeitsräumen. «Wir sind froh, dass EgoKiefer unsere hohen qualitativen und gestalterischen Anforderungen erfüllen konnte», sagt Mischa Spoerri, der für das Projekt verantwortliche Partner bei Pool Architekten.
Bei der Siedlung Glattpark kam das Holz/AluminiumFenster Modell ‹EgoAllstar› zum Einsatz, und zwar in flächenversetzter Ausführung: Der Fenster- und der Flügelrahmen liegen aussen nicht in einer Ebene, sondern der Flügelrahmen ist – wie bei einem traditionellen Fenster – leicht zurückgesetzt. Aus der Ferne ist dieses Detail kaum wahrnehmbar, bei genauerem Hinsehen sehr wohl: Die Fensterkonstruktion wirkt wegen der zusätzlichen Kante filigraner, und die einzelnen Elemente lassen sich klar voneinander unterscheiden. Zudem wird der Aufbau der ganzen Fensterkonstruktion besser ablesbar.
Laut Mischa Spoerri waren die expressive Setzung und die Teilung der Fenster wichtige Gestaltungselemente zur Gliederung der langen Fassadenflächen. Sie markieren strukturelle Öffnungen: Es sind keine Löcher in der Wand, sondern sie reichen vom Boden bis zur Decke. Mit dieser architektonischen Massnahme behalten die einzelnen Bauteile ihre Eigenständigkeit, und
die Struktur prägt das Gebäude. Die Aufteilungen der unterschiedlichen Fensteröffnungen sind auf die jeweilige Funktion abgestimmt.
Als Konstante gibt es jeweils einen fest verglasten Streifen, der die ganze Raumhöhe aufspannt. Daneben ein oder zwei Flügel, die sich öffnen lassen, über einer fest verglasten Brüstung. Die Fensterteilungen mit ihren unterschiedlichen Massen in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen, ist eine wichtige Aufgabe im Entwurfsprozess. Dabei müssen die Architektinnen sowohl den Blick von innen als auch von aussen im Auge behalten. Die Profile von ‹EgoAllstar› sind so schlank gehalten, dass sie sich kaum von einem klassischen Holzfenster unterscheiden; insbesondere die identische Profilbreite in der Horizontalen und in der Vertikalen ist ein wichtiger Gestaltungsfaktor.
«Die Holz/Aluminium-Fenster von EgoKiefer in gebürstetem, natureloxiertem Aluminium schaffen einen willkommenen, lebendigen Kontrast zu den groben Putzflächen», sagt Spoerri. Ein ausgeklügelter Schnitt des Holz/Aluminium-Profils sorgt für eine einwandfreie Entwässerung, ausgezeichnete Wärmedämmwerte und eine hohe Dichtigkeit. Damit die 1544 Augen der Siedlung Glattpark während Generationen ungetrübt strahlen. 0
3 Langlebige Holz/Aluminium-Fenster in drei Versionen: mit unsichtbarem Flügelrahmen (links), mit flächenbündigem (Mitte) und mit dem im Glattpark verwendeten, flächenversetzten Flügelrahmen (rechts).
4 Zwischen den einzelnen Gebäuden liegen ein ruhiger Hof mit gemeinschaf tlichen Gärten und ein Quartierplatz.
5 Raumhohe Fenster bringen viel Licht und Luf t ins Haus.
Fotos: © Michael Egloff
Siedlung Glattpark, 2019
Wright-Strasse 45–73, Opfikon ZH
Bauherrschaft: Allgemeine Baugenossenschaft Zürich ABZ Architektur: Pool Architekten, Zürich Landschaftsarchitektur:
Studio Vulkan, Zürich
Totalunternehmerin:
HRS Real Estate, Zürich
EgoKiefer AG
Fenster und Türen
Hohenemserstrasse 32
9444 Diepoldsau SG
+41 71 757 33 33
zentrale@egokiefer.ch
www.egokiefer.ch
Viel Licht, klarer Mehrwert
Weber Hofer Partner Architekten haben das Dachgeschoss eines alten Industriegebäudes in Zürich umgebaut.
Die Sheddach-Lösung von Velux Commercial bringt viel Licht in die neuen Grossraumbüros.
1 Unter den Sheds in der Nähe der Hardautürme in Zürich arbeiten Architektinnen und Architekten.
2 Das lichtdurchflutete Grossraumbüro.
Auch die neue Belichtung unterstreicht diese räumliche Geste. Die Architekten haben das alte Dach aus den 1960er-Jahren bis auf die Stahlkonstruktion zurückgebaut und durch fünf Sheddach-Lichtbänder ersetzt. Da die Nutzlasten stiegen, mussten sie die tragende Stahlkonstruktion verstärken. Die Struktur ist mit Brettschichtholzträgern und Holzlatten ausgefacht, die auch als Unterkonstruktion für die Befestigung des Unterdachs, der Blechabdeckung und der Photovoltaikelemente dient. Als Unterdach verwendeten die Architekten eine diffusionsoffene Kunststoffbahn, die im Bereich der Photovoltaikelemente zur äussersten Dachhaut wird. So konnte sie einen grossen Anteil der metallenen Dachhaut einsparen.
«Gestalterisch liess sich das System sehr gut in das Sheddach integrieren.»Josef Hofer, Architekt
Wer Architektur plant, braucht gute, helle Räume. Weber Hofer Partner Architekten haben an der Zimmerlistrasse in Zürich die oberste Etage eines ehemaligen Industriegebäudes aus den 1920er- Jahren sanier t und umgebaut, um das Geschoss ihren Bedürfnissen als Grossraumbüro anzupassen. Die Architekten konnten die gesamte Grundfläche zwischen der Stras sen- und der Hoffassade freispielen. Die verglasten Sitzungszimmer und der durchgehend fugenlose Bodenbelag mit Fussbodenheizung betonen die Offenheit.
Belichtet und belüftet wird der Raum über hundert ‹Velux Modular Skylights›-Elemente. Pro Lichtband lassen sich vier motorisierte Module öffnen – als Teil des neuen Belüftungs- und Klimakonzepts. Die Shedfenster sind nach Norden ausgerichtet und versorgen die Büroräume gleichmässig mit diffusem Tageslicht. Bei Bedarf können sie mit
innenliegenden Storen verdunkelt werden. Nicht zu hell und nicht zu dunkel, das garantiert eine gute Arbeitsatmosphäre. Die Dreifachverglasung reduziert den Wärmeverlust. Die nach Süden ausgerichteten Flächen der Shed dach- Kon struk tion sind fast vollflächig mit Photovoltaikelementen belegt.
«Um eine gute Lösung für Sheddach-Verglasungen zu erreichen, war man bisher meist auf Eigenkonstruktionen angewiesen», erklärt der Architekt Josef Hofer. Für die Velux-Commercial-Lösung entschied er sich, weil die Konstruktion technisch durchdacht, die Montage einfach und die Zugänglichkeit der Installationen gut sei. «Gestalterisch liess sich das System sehr gut in das Sheddach integrieren», so der Architekt.
Eine indirekte Beleuchtung, die im Verglasungsbereich unsichtbar montiert ist, inszeniert das Sheddach auch am Abend, wenn der innenliegende Blendschutz das Kunstlicht reflektiert. Eine Akustikverkleidung sorgt für den guten Ton im Büro. In feinen Abstufungen bestimmen Weiss-, Hellgrau- und Beigetöne den Raum und treten je nach Lichteinfall unterschiedlich stark in Erscheinung. Das Resultat ist eine ausgeglichene Raumstimmung. Das alte Industriegebäude entspricht nach diesem Umbau allen Standards und Komfortansprüchen der heutigen Zeit.
Mit der Verdichtung wird es wichtiger, mehr aus den bestehenden Flächen herauszuholen. Neben dem Raum gehört dazu auch die Belichtung. Die verbesserten Lichtverhältnisse lassen sich auch finanziell beziffern. Velux Commercial hat den Umbau im Rahmen der Studie ‹Mehrwert des Tageslichts› von der Firma Wüest Partner analysieren lassen, die mit drei Case Studies das Aufwertungspotenzial von Sanierungen untersucht hat. Der Umbau an der Zimmerlistrasse steigerte den Marktwert des Dachgeschosses um 22 Prozent, rechnet Wüest Partner vor. Licht ist Wohlbefinden, Licht ist aber auch Geld. Gut belichtete Architektur rechnet sich also gleich doppelt. 0
3 Eine indirekte Beleuchtung, die im verglasten Bereich unsichtbar montiert ist, setzt das Sheddach auch am Abend in Szene.
4 Einzelne Sheds lassen sich öffnen und bei Bedarf verdunkeln.
5 Querschnitt eines Licht bands.
Fotos: Jürg Zimmerman
Umbau Atelier, 2017
Zimmerlistrasse, Zürich
Bauherrschaft:
Thomas Raible, Rapperswil
Architektur:
Weber Hofer Partner, Zürich
Ausführende Firma:
Josef Oetterli, Dällikon
Lichtplanung:
Velux Modular Skylights
Sheddach-Lichtband
Velux Commercial
Velux Schweiz AG
Bahnhofstrasse 40
4663 Aarburg AG
+41 62 289 44 31
info@veluxcommercial.ch
www.veluxcommercial.ch
Impressum
Verlag Hochparterre AG, Ausstellungsstrasse 25, CH-8005 Zürich, +41 44 444 28 88, www.hochparterre.ch, verlag@hochparterre.ch
Geschäftsleitung: Agnes Schmid, Andres Herzog, Werner Huber
Marketing und Verkauf:
Agnes Schmid, schmid@hochparterre.ch; Michael Volken, volken@hochparterre.ch
Texte: Redaktion Hochparterre
Gestaltungskonzept: Juliane Wollensack
Covergestaltung: Barbara Schrag
Layout: Antje Reineck
Produktion: René Hornung, Linda Malzacher
Korrektorat: Marion Elmer
Lithografie: Team media, Gurtnellen
Druck: Stämpfli AG, Bern
© Hochparterre, 2021 (Bilder und Pläne bei den Verfassern)
‹Werkplatz Spezial› ist eine Beilage der Zeitschrift Hochparterre, Ausgabe 8 / 21.
Sie versammelt Artikel zu Projekten ausgewählter Schweizer Unternehmen aus der Bau- und Architekturbranche.
Die Texte sind zuerst in Hochparterres Online-Rubrik ‹Werkplatz› erschienen.
hochparterre.ch / werkplatz
hochparterre.ch / werkplatz
Im Auftrag von:
Aepli Metallbau AG
Alho Systembau AG
Cupolux AG
EgoKiefer AG
Ernst Schweizer AG
Eternit (Schweiz) AG
Kästli & Co. AG
MHZ Hachtel & Co AG
Röthlisberger Innenausbau
Velux Commercial
Zürcher Ziegeleien AG
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