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Ein neues Kapitel für Königsfelden

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Themenheft von Hochparterre, Juni 2026

Ein neues Kapitel für Königsfelden

Die Gesamtsanierung der Psychiatrischen Dienste Aargau hat ein weiteres Etappenziel erreicht. Auf dem Areal mit geschützter Parklandschaft treten Alt und Neu, Geschichte und Gegenwart in einen lebendigen Dialog.

Cover: Das historische Klinikgebäude inmitten eines prächtigen Baumbestands

Rückseite: Passerellen aus der Gründerzeit verbinden Alt- und Neubau der Klinik für Erwachsenen- und Alterspsychiatrie.

Inhalt

4 Die Geschichte fortschreiben

Architektur zwischen Erhalt, Erneuerung und Erweiterung

16 Ein Park für alle

Der geschützte Grünraum und seine vielfältigen Funktionen

22 Bausteine der Entwicklung

Regionale Bedeutung, Denkmalpflege und Energiekonzept

26 Alles zu seiner Zeit

Ein Blick auf erreichte Etappen und langfristige Ziele

Themenfokus

Die Inhalte dieses Hefts erscheinen auch als Themenfokus auf der Website von Hochparterre: koenigsfelden.hochparterre.ch

Editorial

Raum für Gesundheit

Auf dem 24 Hektar gro ssen Gelände der Psychiatrischen Dienste Aargau ( PDAG ) in Windisch üb erlagern sich die Zeitschichten: Mit ihrem Legionslager Vindonissa legten die Römer vor 2000 Jahren den Grundstein. Im Mittelalter baute Agnes von Habsburg das von ihrer Mutter auf den römischen Ruinen gegründete Kloster zu einem religiösen und wirtschaftlichen Zentrum aus. Der Neubau der ‹ Heilanstalt › Ende des 1 9. Jahrhunderts bildete die Basis für den psychiatrischen und psychotherapeutischen Klinikbetrieb, in dem heute rund 1800 Menschen aus 50 Berufsgruppen jährlich über 20 00 0 Patient*innen behandeln. Die Wiedereröffnung des Hauptgebäudes markiert nun eine weitere wichtige Bauetappe.

Hochparterre widmet der Sanierung und Erweiterung des geschichtsträchtigen Areals eine eigene Publikation: Der Beitrag ‹ Die Geschichte fortschreiben › handelt vom Dialog zwischen historischer und zeitgenössischer Architektur und dokumentiert das Nebeneinander von Architektur- und Psychiatrieges chichte. Eine zentrale Rolle spielt auch der üppig bepflanzte Park mit dem alten Baumbestand – nicht nur wegen s einer heilsamen Wirkung für die Patient*innen, sondern auch, weil er als wichtiger Freiraum für die Mitarbeiter*innen und als Stadtpark für die Bevölkerung dient. Wie dieses Gartendenkmal mit seiner Funktion als Erholungsraum, Therapiemittel und Erlebnispark gepflegt und weiterentwickelt wird, zeigt der Beitrag ‹ Ein Park für alle ›. Was es bei der koordinierten Planung zu berücksichtigen galt und was der Masterplan für die Zukunft vorsieht, ist unter dem Titel ‹ Alles zu s einer Zeit › zu le sen. ‹ Bausteine der Entwicklung › entlang der Themen Denkmalpflege, Gebietsentwicklung und Energieversorgung ergänzen die Beiträge.

Den Zauber des Parks und die markanten Architekturen der Klinikbauten hat der Fotograf Georg Aerni eingefangen. Seine Bilderstrecke zwischen Nüchternheit und Opulenz spannt einen unaufgeregten Bogen rund um das vielschichtige Areal. Roderick Hönig

Dieses Themenheft / dieser Themenfokus ist eine journalistische Publikation, entstanden in Zusammenarbeit mit Partnern. Die Hochparterre-Redaktion prüft die Relevanz des Themas, ist zuständig für Recherche, Konzeption, Text und Bild, Gestaltung, Lektorat und Übersetzung. Die Partnerinnen finanzieren die Publikation, genehmigen das Konzept und geben ihr Einverständnis zur Veröffentlichung.

Impressum

Verlag Hochparterre AG Adressen Ausstellungsstrasse 25, CH-8005 Zürich, Telefon +41 44 444 28 88, www.hochparterre.ch, verlag@hochparterre.ch, redaktion@hochparterre.ch Geschäftsleitung Deborah Fehlmann, Roderick Hönig Redaktionsleitung Axel Simon Leitung Themenhefte Roderick Hönig Konzept und Redaktion Roderick Hönig, Ursula Trümpy Fotografie Georg Aerni, www.georgaerni.ch Art Direction Antje Reineck Layout Jenny Jey Heinicke Produktion Ursula Trümpy Korrektorat Rieke Krüger Lithografie Team media, Gurtnellen Druck Stämpfli AG, Bern Herausgeber Hochparterre in Zusammenarbeit mit den Psychiatrischen Diensten Aargau AG und Huggenbergerfries Architekten hochparterre.ch / koenigsfelden Themenheft in Deutsch bestellen ( Fr. 15.—, € 12.— ) und als E-Paper lesen

Auf dem historischen Areal der Psychiatrischen Dienste

Aargau fehlten Behandlungsplätze. Das Architekturbüro Huggenbergerfries hat dem denkmalgeschützten Bau neues Leben eingehaucht und ihm ein Gegenüber gebaut.

Die Geschichte fortschreiben

In Pferdewagen fuhren sie ein. Die Gebäudetrakte waren nach Geschlecht getrennt, in den Zimmern reihte sich Bett an Bett. 55 Angestellte b etreuten die fast 300 psychisch kranken Menschen. Und von der Gebäudemitte aus dirigierte der Klinikdirektor den Betrieb. Was heute unvorstellbar ist, galt beim Bau der ‹ Heil- und Pflegeanstalt Königsfelden › im 19. Jahrhundert als vorbildlich.

Nun erzählt das Architekturbüro Huggenbergerfries mit dem Erweiterungsbau und der Sanierung des historischen Hauses das neueste Kapitel der vielschichtigen Arealgeschichte.

Ein Stationshaus namens ‹ Magnolia ›

Das Kapitel enthält zwei grosse Abschnitte und beginnt in den 2000er-Jahren. Damals wurde der Platz trotz der Erweiterungsbauten aus den 1960ern knapp. Die Patient*innen teilten sich Vier- oder Mehrbettzimmer. 2009 ergab das Standortkonzept, dass ein Erweiterungsbau mit 250 Betten notwendig war. Nördlich des Altbaus definierte die Klinik gemeinsam mit der Denkmalpflege einen engen Perimeter für das neue Stationshaus. Anhand dieser Rahmenbedingungen schrieben die Psychiatrischen Dienste Aargau (PDAG) 2013 einen Wettbewerb für den Neubau und die Sanierung des denkmalgeschützten Hauptgebäudes aus. Das Büro Huggenbergerfries überzeugte mit einem Haus, das sich auf den Altbau bezieht und gleichzeitig eine starke neue Adresse im Neubau schafft. Die im Raumprogramm angelegte Trennung der Funktionen setzten sie konsequent um. Was nicht zur Station gehört, planten sie im Altbau: Therapieräume, Konferenz- und Sitzungszimmer, die Büros der Chefärzt*innen. Da das Gesamtprojekt zu teuer war, entschieden die PDAG im Vorprojekt, zunächst nur den Neubau umzusetzen. In Zusammenarbeit mit dem Generalunternehmen Eiffage Suisse realisierten die Architekt*innen bis 2020 das Stationshaus ‹ Magnolia ›: Drei Kuben mit je einem Innenhof greifen ineinander; die beiden äusseren Volumen schieben sich dem Altbau entgegen und fassen den Hof. Mit dem Einsteinmauerwerk und dem hellen Putzrelief bezieht sich das neue Haus auf die historische Klinik. Das ähnliche Material und die sorgfältige Setzung täuschen nicht über die Grösse des neuen Hauses hinweg. Der mittlere und der westliche Trakt sind vier Geschosse hoch, der östliche hat drei Etagen. Die Asymmetrie entspricht dem Wunsch nach Erweiterbarkeit. Wo heute die Dachterrasse ist, könnte künftig eine Station aufgestockt werden. Weil sich die Aufteilung der zehn Stationen während der Planung ständig wieder änderte, entwickelten die Architekt*innen – auch im Hinblick auf ( sehr wahrscheinliche ) künftige Änderungen – möglichst nutzungsneutrale Grundrisse. Jeweils zwölf Doppelzimmer teilen sich einen Hof, einen Aufenthaltsraum und ein Stationsbüro. Der Grundriss ist auf soziale statt auf räumliche Sicherheit ausgelegt. Die Türen sind nicht abgeschlossen, vielmehr sind die Räume so gestaltet, dass die Patient*innen sich weder verlaufen noch unbemerkt verschwinden können. Vom Büro aus überblickt das Pflegepersonal den Rundlauf um den Innenhof. Wer nach Hause gehen möchte, kann in der Sitzecke beim Eingang noch einen Moment lang beim Stationsbüro verweilen – oft ist der Wunsch bald verflogen. Was heute im Betrieb selbstverständlich erscheint, erforderte viel Planungsaufwand. Für die Fenster entwickelten Huggenbergerfries einen Schwingflügel, der sich nur 20 Zentimeter weit öffnen lässt. Weil sie nachweisen mussten, dass er hält, wenn sich jemand mit vollem Gewicht dagegen wirft, testeten sie das Ganze an einem nachgebauten Zimmer im Untergeschoss des Betriebsgebäudes, unter Berücksichtigung von Pflegeabläufen und

Oberflächen. Die einfachen Materialien – Terrazzoplatten, Linoleum und Parkett – nehmen Bezug auf den Altbau. Details wie die feinen Holzfriese um die Stützen oder die elegant in die Decke eingelassenen Lampen betonen, wie wenig die Psychiatrie heute mit den überfüllten Trakten des 19. Jahrhunderts oder dem sterilen Spitalumfeld von einst gemein hat.

Ein aufgefrischtes Hauptgebäude

Im Altbau ist inzwischen vieles zur alten Selbstverständlichkeit zurückgekehrt. Aufgrund zwingend notwendiger technischer Renovationen zur Aufrechterhaltung des Betriebs wurde trotz der damit einhergehenden Kostenfolge der Weg zum Projektstart 2022 geebnet. Die Architekt*innen haben aufgeräumt und sorgfältig wiederhergestellt, was während des langjährigen Betriebs verloren ging. Dabei war auch detektivische Arbeit angesagt. Der gesamte Altbau war spitalweiss gestrichen. Also liessen sie die darunterliegenden Farbpigmente untersuchen und stellten die ursprünglichen Farben wieder her. Ein Fensterbauer aus der Region ersetzte sorgfältig alle Fenster – die neuen bestehen wie beim Ursprungsbau aus gezogenem Glas. Die ehemaligen Schlafsäle wurden in grosszügige Therapieräume verwandelt, in den bestehenden Anbauten sind die Toiletten verstaut. Die vielen technischen Installationen sind in den Büros geschickt unter einer Holzverkleidung versteckt, die mit der Fussleiste kombiniert wurde.

Die denkmalpflegerisch besonders wichtige Mitte des Hauses bleibt repräsentativ. Wo einst der Direktor wohnte, werden Sitzungen und Konferenzen stattfinden. In dreien

der vier grossen Säle ergaben die Farbproben keine Resultate, was auf eine bauzeitliche Tapete oder Bespannung hindeutet. So entschieden die Architekt*innen, die Wände mit Velours zu bespannen. Auf den Stoff wurden mittels Thermodruck Muster aus der Zeit geprägt. Die Räume sind heute nach der Stofffarbe benannt: Grüner und Blauer Saal. Im vierten Saal sind die vier über den Türen aufgemalten Apostel erhalten geblieben – hier werden Patient*innen Gottesdienste feiern.

Ganz so einfach liess sich das Gebäude aber nicht auf die neue Nutzung ein. Seine Bruchsteinwände waren für den Erdbebenfall nur schwer zu berechnen, die Balken lagen nur auf den Wänden auf. Bei starken Erschütterungen hätte sich die Konstruktion im Innern unabhängig von den Wänden bewegt und wäre irgendwann abgerutscht. Heute verbinden Verstrebungen am Dachrand kraftschlüssig beide Teile des Hauses. Auch das Dach brachte Überraschungen mit sich: Balken, die bei der Sondierung von unten stabil wirkten, zeigten erst bei der Neueindeckung ihre ausgehöhlte, pilzbefallene Seite und mussten deshalb ersetzt werden.

Doch die Mühen der langen, sorgfältigen Planung sind den beiden Häusern nicht mehr anzusehen. Wer heute bei den Psychiatrischen Diensten eintritt, kommt meist in der hellen Eingangshalle des Neubaus an. Von dort wandert der Blick über den Hof zum Altbau. Die beiden Häuser fassen den ehemaligen Kiesplatz zu einem schönen Zwischenraum. Er lädt Patient*innen wie auch Anwohnende zum Flanieren und Entdecken ein – und bildet damit einen wichtigen weiteren Schritt in Richtung Entstigmatisierung der Psychiatrie.

Das PDAG-Areal aus der Vogelperspektive: im Vordergrund das historische Hauptgebäude und der ‹ Magnolia ›-Neubau, im Hintergrund die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie – alles eingebettet in eine geschützte Parkanlage Foto: Beat Bühler
Tageslicht, Holz und warme Farben prägen die Zimmer im Neubau für Allgemein- und Alterspsychiatrie.

Neubau ‹ Magnolia › ( 1 ), 2020; Sanierung

Hauptgebäude ( 2 ), 2026

Königsfelderstrasse 1, Windisch AG

Bauherrschaft:

Psychiatrische Dienste

Aargau ( P DAG ), Windisch

Bauherrenberatung:

Stokar Partner, Basel

( ‹ Magnolia › ); Chrysta Partner, Zürich ( HG )

Bauherrentreuhand:

Kontur Projektmanagement, Bern ( HG )

Architektur:

Huggenbergerfries, Zürich

Freiraum:

Koepflipartner Landschaftsarchitekten, Luzern

Kostenplanung:

EXA Baumanagement, Luzern

Tragkonstruktion:

ZPF Ingenieure, Basel

HLKS: Hans Abicht, Aarau

Elektrotechnik:

Scherler, Baden ( ‹Magnolia › ); R+B Engineering, Brugg ( HG )

Brandschutz: Enerpeak, Chur

Bauphysik: Gartenmann

Engineering, Zürich

Sicherheit: 4 Management

2 Security, Zürich

Restaurierung ( HG ): Wendel Odermatt, Engelberg Generalunternehmung

( ‹ Magnolia › ):

Eiffage Suisse, Opfikon

Bauleitung ( HG ): Tschudin Urech Bolt, Brugg

Auftragsart:

Studienauftrag, 20 14

Kosten ‹ Magnolia › ( BKP 2 ): Fr. 92,8 Mio

Kosten Hauptgebäude ( BKP 2 ): Fr. 33 Mio

Obergeschoss

PDAG Klinik Königsfelden Sanierung Hauptgebäude

Obergeschoss

Längsschnitt

Querschnitt

PDAG Klinik Königsfelden Sanierung Hauptgebäude

« Die Architektur kann dazu beitragen, dass die Patienten sich aufgehoben fühlen »

Längsschnitt

Rafael Meyer ist Klinikleiter und Chefarzt der Klinik für Konsiliar-, Alters- und Neuropsychiatrie, Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter Fachausschuss bei den PDAG. Zudem präsidiert er den Verein Swiss Memory Clinics und ist Vorstandsmitglied der Schweizerischen Gesellschaften für Alterspsychiatrie und -psychotherapie sowie für Konsiliar- und Liaisonpsychiatrie und Psychosomatik.

PDAG Klinik Königsfelden Sanierung Hauptgebäude

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Im Zentrum für Alterspsychiatrie, im Neubau ‹ Magnolia ›, sind architektonische und psychiatrische Anforderungen eng verknüpft. Was macht die Abteilung besonders ?

Rafael Meyer: Die Architektur spielt bei allen psychiatrischen Angeboten eine Rolle; in der Alterspsychiatrie ist sie besonders wichtig. Viele unserer Patienten haben Probleme mit der Orientierung, dem Gedächtnis oder der Konzentration und sind wegen Begleiterkrankungen weniger mobil. Ihr stationärer Aufenthalt dauert länger als in anderen Abteilungen der PDAG oder in einem Spital. Die Menschen sollen sich wohlfühlen und sich gut orientieren können. Hier hilft die Architektur: Die Stationen sind um einen Innenhof organisiert, Tageslicht und Rundlauf schaffen Orientierung. Warme Farben und Waldsujets ziehen die Menschen in den Aufenthaltsbereich. Auch das Mobiliar ist auf die Bedürfnisse älterer Menschen abgestimmt: Es braucht beispielsweise Handläufe und in der Höhe angepasste Sitzflächen. Einige grundlegende Ideen wie den Rundlauf um den Innenhof haben wir bei allen Stationen im ‹ Magnolia › umges etzt.

Sich in einem Haus wohlzufühlen und sich orientieren zu können, sind sehr grundlegende Anforderungen.

Kann die Architektur in der Psychiatrie noch mehr zum Behandlungsprozess beitragen ?

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Für Menschen mit fortgeschrittener Demenz gibt es im Erdgeschoss einen Garten, den sie direkt von der Station aus erreichen. So können sie draussen sein, ohne sich auf dem Areal zu verirren. Auch kleine Massnahmen können viel bewirken: Ein rutschfester Bodenbelag verhindert Stürze, gute Akustikmassnahmen und eine am Tag-NachtRhythmus orientierte Belichtung helfen gegen sensorische Überreizung. Es ist deshalb wichtig, den Betrieb bereits bei der Planung mitzudenken. Trotzdem sollte man den Einfluss der Architektur nicht überbewerten. Die Behandlung findet durch Diagnostik, therapeutische Gespräche, Medikation und Fachtherapien statt. Die Architektur kann dazu beitragen, dass die Patienten sich aufgehoben fühlen. Das wiederum trägt zur Entstigmatisierung bei. Auch für die Besucher ist die Gestaltung der Räume wichtig. Schon im grosszügigen Empfangsbereich sehen sie, wie sorgfältig das Haus gestaltet wurde und dass ihre Angehörigen sich wohlfühlen.

Der Neubau ‹ Magnolia › ist schon seit einigen Jahren in Betrieb. Was können Sie im Hinblick auf weitere geplante Projekte daraus lernen ?

Mit 24 Personen sind die Stationen im ‹ Magnolia › relativ gross. Im Aufenthaltsraum kann es bei hoher Bettenbelegung zu Reizüberflutung kommen – für die Patienten und das Behandlungsteam eine herausfordernde Situation. Im Hinblick auf einen möglichen Neubau prüfen wir die Verkleinerung der Abteilungsgrössen auf 12 bis 18 Personen und Abteilungen mit Einzel- statt Doppelzimmern. So könnten wir die Stationen noch stärker auf die Bedürfnisse der Patienten ausrichten und wohnlicher gestalten. Dabei beschäftigt uns natürlich auch die finanzielle Realisierbarkeit. Interview: Mirjam Kupferschmid

Neues Arbeits- und Sitzungszimmer im denkmalgeschützten Hauptgebäude
Das Haupttreppenhaus im alten Klinikbau für Erwachsenen-

Kraftakt der schnellen Planung und Umsetzung: Im Jahr 2016 erfolgte der Neubau der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Foto: Melanie Haas

1. Obergeschoss

Klinik für Kinderund Jugendpsychiatrie

Königsfelden, 2016 Zürcherstrasse 241, 5210 Windisch AG

Bauherrschaft: Psychiatrische Dienste Aargau ( PDAG ), Windisch

Auftragsart: Wettbewerb, 2014

Architektur: FSP Architekten, Spreitenbach Baukosten ( BKP 1–9 ): Fr. 1 9 Mio

0 10 20 m

Hogwarts hinter Putzfassaden

Nur vier Jahre nach dem Projektstart eröffnete 2016 die neue Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie ( KJP ) auf dem Areal Königsfelden – ein wichtiger Schritt, um die Angebote des Kantons an einem zentralen Standort zu bündeln. Gemeinsam mit dem damaligen Chefarzt Jürg Unger und dem Berater Daniel Pauli entwickelten die PDAG das Raumprogramm. Im Wettbewerb entwarfen die Teams ein Haus mit drei Stationen, einer Tagesklinik, Büros und Schulräumen. Im Oktober 2014 gingen Erne Holzbau und FSP Architekten als Gewinner hervor. Schon im darauffolgenden Juni legten sie den Grundstein. Die Geschwindigkeit bestimmte die Bauweise: Grosse Teile wurden im Werk aus Holz vorgefertigt, abgesehen vom Anschluss an das unterirdische Wegnetz hat das Haus kein Untergeschoss.

Je nachdem, wer die Geschichte erzählt, orientiert sich das Haus an der Struktur seiner Nachbarbauten oder an der Harry-Potter-Zauberschule Hogwarts. Für beide Fälle gilt: Die Stationen sind um zwei Innenhöfe gruppiert. So haben Kinder und Jugendliche verschiedene Ausblicke, und das Pflegepersonal behält den Überblick über die Stationsgänge. Die leicht abgedrehten Fassaden sind im Aussenraum kaum wahrzunehmen, in den Gängen brechen sie gemeinsam mit den grünen Farbquadraten das strenge Raster. Im Treppenhaus tanzen die Fenster in verschiedenen Formaten die Treppe entlang. Aussen fassen gerippte Putzfelder die unterschiedlichen Fenster. Sie nehmen diskret Kontakt auf mit den fein gewellten Metallfeldern des Nachbarbaus.

Die Architektur des Kinder- und Jugendpsychiatriezentrums ist kein Zauberwerk, aber der Hogwarts-Vergleich inmitten strenger Vorgaben und knapper Budgets hat zu einigen gestalterischen Kniffen geführt. Sie schaffen eine inspirierende Atmosphäre, die dem Haus für die jungen Patient*innen etwas von seiner Schwere nimmt. Mirjam Kupferschmid

Es begann in Vindonissa

Die Geschichte des Areals Königsfelden reicht bis in die Römerzeit zurück und lässt sich gut anhand der unterschiedlichen Nutzungen zusammenfassen. Sie beginnt mit einer militärischen Infrastruktur, geht im Mittelalter in eine klösterliche Ordnung über und endet in einer Gesundheitsarchitektur, die die Spuren der Geschichte aufnimmt und weiterzieht.

Den Ausgangspunkt bildet das römische Legionslager Vindonissa, errichtet vor 2000 Jahren nahe der Aar e. Es galt nicht nur als wichtigstes Militärzentrum zwischen Elsass und oberer Donau, sondern schon damals auch als Ort der Heilkunst. Archäolog*innen fanden in den 1930erJahren etwa Reste eines Lazaretts und eines Kurhauses sowie Spuren eines Militärspitals für knapp 500 Patienten. Das Militärlager für mehr als 6000 Soldaten und mehrere tausend Hilfssoldaten prägte die Topografie nachhaltig: Strassenachsen, Geländeterrassen und Infrastrukturen bildeten ein erstes räumliches Gerüst, das teilweise bis heute nachwirkt. Im 3. Jahrhundert zogen die römischen Truppen wieder ab – danach blieb das Gebiet zwar besiedelt, verlor aber seine militärische Bedeutung.

Im Mittelalter setzte mit der Gründung des Klosters Königsfelden eine neue, prägende Bauphase ein. Anlass war die Ermordung des Königs Albrecht von Habsburg 1308 durch seinen Neffen auf einem Feld bei Windisch, das seither Königsfelden heisst. Um seine Seele zu retten, stifteten die Hinterbliebenen ein Kloster mit einem Frauen- und einem Männerkonvent und einer Kirche; für den Klosterbau wurden auch alte Römerquader verwendet. Es entstand in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Legionslagers und nutzte teilweise dessen Strukturen weiter. Ab 1317 liess sich Albrechts Tochter Agnes im Kloster nieder und vollendete das Gründungswerk ihrer Mutter. Sie betrieb ab 1330 ein Spital für « gemeine Sieche und kranke Kinder ». Das Areal entwickelte sich zu einem religiösen und wirtschaftlichen Zentrum mit klar gefassten Höfen, Gärten und Nutzflächen. Im Zuge der Reformation wurde das Kloster 1528 in eine bernische Landvogtei umgewandelt, psychisch Kranke wurden aber weiterhin betreut. Die Geschichte der modernen psychiatrischen Klinik in Königsfelden begann mit der Gründung des Kantons Aargau 1803. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts schmie deten Kanton und Klinikdirektoren erste Pläne für einen Neubau und veranstalteten 1860 einen Wettbewerb. Das Preisgericht, dem auch Gottfried Semper angehörte, prämierte drei Projekte. Im Anschluss bat der Landammann Semper, die Planung der Anstalt gleich selbst zu übernehmen. Der Grosse Rat verhinderte die Direktvergabe, die Planung lag brach. 1862 nahm der neue Klinikdirektor Edmund Schaufelbühl den Faden wieder auf und reiste durch Europa, um sich « ausländische Anstalten » anzusehen. Gemeinsam mit Kantonsbaumeister Ferdinand Rothpletz plante er danach das Klinikgebäude und den umliegenden Park.

Vorbildlicher Klinikneubau

Im Jahr 1872, nach vier Jahren Bauzeit, wurde das heutige Hauptgebäude eingeweiht, und die ersten Patient*innen zogen in die ‹ Kantonale Krankenanstalt für körperlich Kranke und Irre › ein: Frauen im linken Flügel, Männer im rechten – je nach Diagnose und sozialem Status in unterschiedlichen Abteilungen. In den grosszügigen Räumen zwischen den beiden Flügeln wohnte der Klinikdirektor. Das ‹ Correspondenz-Blatt für Schweizer Aerzte › jubelte: « Die neue Anstalt in Königsfelden ist weitaus die schönste und besteingerichtete Anstalt der Schweiz. » Tats ächlich folgte bereits die frühe psychiatrische Institution den damals fortschrittlichen Prinzipien einer offenen, land-

schaftlich eingebetteten Anlage. Entsprechend entstanden rund ums Hauptgebäude pavillonartige Klinikbauten in einer parkartigen Umgebung, die Heilung durch Licht, Luft und Bewegung unterstützen sollte. Zugleich riss man die mittelalterlichen Klostergebäude ab, und die Kirche, die damals als Kornspeicher diente, wurde wieder in ein Gotteshaus rückgebaut.

Im Laufe des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts kamen weitere Stationen, Ökonomiegebäude und Infrastrukturen hinzu, wobei die pavillonartige Struktur erhalten blieb. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte eine Phase der Verdichtung und Modernisierung ein: Überbelegung, Mammutabteilungen mit 70 und mehr Patient*innen, zu kleine Arbeitsräume, mangelhafte Personalunterkünfte und die Ansprüche neuzeitlicher Psychiatrie motivierten die Königsfelder*innen, die nächste Ausbauetappe anzupacken: 1959 bewilligte die Aargauer Bevölkerung in einer Abstimmung 19 Millionen Franken. Als Erstes wurde 1964 das im Grundriss dreieckige Schwesternhochhaus mit 85 Zimmern eingeweiht, entworfen von Barth und Zaugg. Im selben Jahr wurde mit dem Bau eines neuen Betriebsgebäudes begonnen, 1967 mit dem Bau der neuen Aufnahmestation sowie dreier Pavillons für ältere Kranke, entworfen von den Architekten Blatter, Schenker und Brunner. Die insgesamt 248 neuen Betten wurden 1970 bezogen. Parallel dazu wurde der Campus unterirdisch erweitert: Kanäle und später Gänge für elektrische Fahrzeuge, die Menüs, Wäsche oder Medikamente verteilen, und Velos, auf denen die Angestellten zirkulieren. Weil der Umbau der Klinik teurer zu stehen gekommen wäre als ein Ersatz, wurde damals auch diskutiert, ob sie abgerissen werden könnte. Der Kanton entschied sich 1971 jedoch für den Erhalt bei gleichzeitigem Abriss der Seitenflügel. Als Ersatz wurden zwei weitere Pavillons mit Küche und Personalrestaurant errichtet. Seit den 1990er-Jahren wurde das Areal zunehmend unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten weiterentwickelt. Historische Bauten – insbesondere im Umfeld des Klosters – wurden restauriert und in die Gesamtanlage integriert.

Heute zeigt sich das Areal als geschichtsreiches und vielschichtiges Ensemble: römische Spuren im Untergrund und eine mittelalterliche Klosterkirche als identitätsstiftender Kern – eingebettet in einen Klinikcampus mit weitläufigem Park, der historische Schichten mit zeitgenössischer Architektur verbindet. Haus und Gartenanlage sind heute Denkmäler von nationaler Bedeutung, und das gesamte Areal gilt als wichtige Ausgrabungsstätte für die Archäologie. Roderick Hönig ●

Quelle: Simon Teuscher, Claudia Moddelmog: ‹ Königsfelden – Königsmord, Kloster, Klinik ›, Verlag Hier und Jetzt, 2012

Blick von Brugg auf das Hauptgebäude und die Klosterkirche ETH-Bildarchiv ( ohne Datierung )

Eine Kolonnade empfängt Besucher*innen und Patient*innen auf der Nordseite des Hauptgebäudes –als architektonische Referenz auf die Säulenhalle des

Zum Eingangsbereich der Stationen gehört jeweils eine wohnliche « Königsfelder Sitzecke ».

Ein Park für alle

Seit 1988 steht der landschaftlich gestaltete Park rund um die Klinik Königsfelden unter kantonalem Denkmalschutz. Dass er von Beginn an ein Vorzeigeprojekt sein sollte, verrät die Planungsgeschichte: 1870, als die Bauarbeiten für die neue ‹ Heilanstalt › auf Hochtouren liefen, gab Hochbaumeister Ferdinand Karl Rothpletz bei keinem Geringeren als Conrad Löwe « ein Projekt zu den G arten- und Parkanlagen für die neue Irrenanstalt in Königsfelden » in Auftrag. Der aus Württemberg eingewanderte deutsche Kunstgärtner galt damals als Bester seines Fachs und hatte in den vergangenen zwei Jahrzehnten neue Massstäbe in der Gestaltung herrschaftlicher privater Parkanlagen in Zürich und Winterthur gesetzt. Nach seinem frühen Tod im Auftragsjahr vollendete der Zürcher Stadtgärtner Rudolf Blattner den Entwurf. Es entstand ein Park im damals üblichen gemischten Stil, der landschaftliche und formale Elemente vereinte und Platz für differenzierte Bepflanzung bot. Schmuck- und Kübelpflanzen inszenierten das Hauptgebäude und kontrastierten mit offenen Rasenflächen und Gehölzgruppen. Geschwungene Wege fassten die einzelnen Gartenpartien zusammen und verdichteten die unterschiedlichen Szenerien zu einer abwechslungsreichen Abfolge.

Im Gegensatz zu anderen, zeitgleich entstandenen Anlagen rund um psychiatrische Anstalten, etwa dem Burghölzli in Zürich, war der Park in Königsfelden bei Weitem üppiger bepflanzt und mit grösserem Formenreichtum ausgestattet. Zudem zeichnete er sich dadurch aus, dass er den zweiflügligen Klinikbau nicht nur umgab, sondern funktional eng mit dessen innerer Nutzung verknüpft war. Gemäss der Überzeugung, dass die Gärten zur Heilung der Patient*innen beitragen würden, erhielt jede Abteilung einen eigenen Bereich: Der vorderste und grösste Garten stand den « Ruhigen » und den « Pensionären » zur Verfügung. Dahinter folgten die Gärten der « Unruhigen », der « Unreinlichen » und schliesslich die der « Tob enden ». Während die vorderen Gärten von einem Zaun mit Postamenten und Strauchgruppen gefasst waren, wurden die hinteren durch bis zu vier Meter hohe Ziegelmauern und Gräben abgeschlossen. Die Patientengärten waren damit nicht nur voneinander, sondern auch vom übrigen Park abgegrenzt. Edmund Schaufelbühl, erster Direktor der Klinik und massgeblich am Entwurf beteiligt, betonte, « dass Gärten und Abtheilungen von der Aussenwelt so abgeschlossen sein müssen, dass eine äussere Beobachtung [ ] unmöglich wird ». Im daran ans chliessenden Parkbereich wurden Nutzgärten, Tiergehege und Teiche angelegt. Der Park bildete damit eine in sich geschlossene Welt, die sich weitgehend selbst versorgte.

Erfuhr die Anlage im Laufe der folgenden Jahrzehnte einige punktuelle Anpassungen, wurde der Landschaftspark ab den 1960er-Jahren stark verändert: In einem ersten Schritt fielen die als nicht mehr zeitgemäss geltenden Zäune und Mauern der Patientengärten. Den Idealen der Zeit entsprechend, sollte der Grünraum fliessend zwischen den einzelnen Gebäuden und den an das Klinikareal angrenzenden Quartieren vermitteln, sodass Gärten und äusserer Park miteinander verschmolzen. Zur Freude der Bevölkerung fiel 1965 auch die Parkmauer entlang der südlichen Grundstücksgrenze.

Heute werden diese Eingriffe wieder rückgängig gemacht. Grundlage dafür ist ein umfassendes gartendenkmalpflegerisches Gutachten, das der Kanton Aargau im Jahr 2012 verabschiedete und das zurzeit überarbeitet wird. Es basiert auf dem 2009 abgeschlossenen und 2022 revidierten Masterplan, den die beiden Landschaftsarchitekten Rainer Zulauf und Maximilian Kindt gemeinsam mit dem Architekturbüro Liechti Graf Zumsteg erstellten.

Mit ihrer Üppigkeit und Formenvielfalt hatten schon die Gärten der einstigen ‹ Heilanstalt › Vorbildcharakter. Im Zentrum der heutigen Gestaltung stehen vor allem denkmalpflegerische und therapeutische Aspekte. →

Wohltuender Ort: Üppige landschaftliche Elemente und Formenreichtum prägen den Park in Königsfelden.

Text: Claudia Moll

Landschaftsplan Bestand

1 Klinik für Erwachsenenund Alterspsychiatrie

2 H auptgebäude

3 I nnenhöfe

4 P ark

5 ehemaliger Patientengarten

6 H irschgehege

7 K losterkirche

8 K losterscheune

9 K losterareal

10 P otager

11 B egegnungszentrum

12 P avillonbauten

13 Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie

14 Versorgungstrakt

b estehende Bauten Wege und Plätze G rünflächen b estehendes Gehölz

Landschaftsplan Vision neue Bauten S

Das Parkpflegewerk ist das massgebende Planungsinstrument zur weiteren Entwicklung des Parks. Leitbild und Massnahmenplan definieren Umsetzungsschritte mit unterschiedlichen Zeithorizonten. Einerseits tragen sie den hohen denkmalpflegerischen Werten Rechnung, andererseits ermöglichen sie eine nutzungsorientierte Entwicklung des Areals. Das Grundlagenpapier hält als eine der wichtigsten Prämissen fest, dass die unterschiedlichen Freiräume nicht verschmelzen, sondern als eigenständige Bereiche erhalten und erkennbar bleiben sollen. Raumplanerisch ist das Parkpflegewerk inzwischen in der 2022 in Kraft getretenen Bau- und Nutzungsordnung ( BNO ) verankert. Es dient als Basis für Pflege und Entwicklung des Areals, das darin als ‹ Zone Königsfelden › ausgewie sen ist. « Das Parkpflegewerk b eschreibt einen anzustrebenden Zielzustand des Parks ohne festen zeitlichen Horizont », erläutert Thomas Zweifel, L eiter Betriebe der PDAG. Die Umsetzung erfolge deshalb nicht in einem einzigen Schritt, sondern etappenweise. So konnte man 2012 / 2013 als erste wichtige bauliche Massnahme die Umzäunung wiederherstellen, die man in den 1960er-Jahren entfernt hatte. Auf der Grundlage historischer Pläne entstand ein neuer Parkabschluss, der aus einem zwischen steinernen Postamenten aufgespannten Staketenzaun, den Torbögen beim Haupteingang am Portiergebäude und einer Parkrandbepflanzung besteht.

Gärten mit therapeutischem Wert

Mit dem Abschluss der Sanierung des Hauptgebäudes aus dem 19. Jahrhundert steht als nächster wichtiger Schritt die Wiederherstellung der Patientengärten an. Landschaftsarchitekt Maximilian Kindt, durch seine Mitarbeit an Masterplan und Parkpflegewerk bestens mit der Anlage vertraut, ist heute mit einem eigenen Büro selbständig tätig und Hauptansprechperson für alle Eingriffe im Park. « Mauern, Zäune und Gräb en werden rund um die Gärten nicht mehr neu errichtet », erläutert er. Statt baulicher Elemente sollen künftig vielfältige Gehölzstreifen den öffentlichen Parkbereich von den Gärten abgrenzen. « Damit wird die differenzierte Gestaltung aus dem 19. Jahrhundert auch ohne bauliche Elemente und Einfriedungen wie der erlebbar. »

Maximilian Kindt ist sich der Komplexität seiner Aufgabe bewusst. Es geht nicht nur um die Wiederherstellung der Gegebenheiten, die im 19. Jahrhundert vorzufinden waren. Auch die anderen Zeitschichten siehe ‹ Erlebbare Zeitschichten › gilt es zu berücksichtigen. So muss man etwa dem Schutz der archäologischen Substanz Rechnung tragen. « Es wäre schön, den ehemaligen Obstgarten neben dem Kloster zu erneuern. Jede Baumgrube kann jedoch ein römisches Fragment zum Vorschein bringen, sodass die Spatenstiche sorgfältig geplant und abgestimmt werden müssen », erklärt Kindt. Gleichzeitig plant er mit dem Promenadenband auch ein neues Element. Der breite baumbestandene Grünstreifen wird entlang der nördlichen Grenze des Areals den westlichen und östlichen Teil verbinden sowie den neuen Hauptbau und das Begegnungszentrum der Klinik in die Gesamtanlage einbinden.

« Es ist unzweifelhaft, dass die [ ] geräumigen und hübschen Gartenanlagen auf die Gemüthsstimmung der Kranken einen wohltuenden Einfluss ausüben. » Bereits im ersten Jahresbericht der Klinik Königsfelden aus dem Jahr 1 873 findet sich die Erkenntnis, dass eine ansprechende Freiraumgestaltung die Genesung positiv beeinflusst. Andrea Jaggi, auf dem Areal Königsfelden für die Fachtherapien in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie zuständig, bestätigt das, verweist jedoch auch auf den Wandel, den dieser Ansatz in den vergangenen

Erlebbare Zeitschichten

Auf dem Campus der heutigen Psychiatrischen Dienste Aargau überlagern sich mehrere Zeitschichten. Das weitläufige Legionslager Vindonissa ist noch immer durch sichtbare Fundamentreste sowie verborgene Überreste der Lagermauer und Mannschaftsbaracken präsent. Aus der Zeit des 1309 gegründeten Doppelklosters steuern der Innenhof des Frauenklosters, die Klosterscheune und der ehemalige Nutzgarten eigenständige Freiräume bei. Die prägendste Zeitschicht bildet der landschaftliche Park mit seinem imposanten Baumbestand, der zwischen 1868 und 1872 rund um die neue ‹ Heilanstalt › angelegt wurde. Im nordöstlichen Arealteil lassen sich die fliessend gestalteten Freiräume rund um die Pavillonbauten erkennen, die aus den 1960er-Jahren stammen. Eine eingespielte Zusammenarbeit zwischen den Eigentümern – Kanton Aargau und PDAG – und den verschiedenen Nutzer*innen sowie eine breit abgestützte fachliche und planerische Begleitung erlauben es, die vielschichtige Anlage konsistent zu erhalten und gezielt weiterzuentwickeln.

150 Jahren durchlaufen hat: Stand im 19. Jahrhundert vor allem die Beschäftigung der Patientinnen und Patienten im Vordergrund – nicht zuletzt trugen sie mit ihrer Arbeit in den Gartenanlagen zur Selbstversorgung der Klinik bei –, so ist heute ein therapeutischer Ansatz ausschlaggebend. « Sich aktiv an der frischen Luft b etätigen zu können, wird geschätzt und ist ein etablierter Bestandteil unserer Fachtherapien », erklärt Andrea Jaggi. In Kleingruppen bewirtschaften Menschen aus verschiedenen Stationen den speziell dafür eingerichteten Therapiegarten. Dort können sie sich von der Aussaat bis zur Ernte um Blumen, Gemüse und Kräuter kümmern. Neben der Gartentherapie bietet die Klinik auch tiergestützte Therapien an. « Die Patient*innen können unsere Ponys und Esel versorgen, sie auf die Weiden bringen oder mit ihnen spazieren gehen. Die Grösse unseres Parks ist hier ein grosses Glück. » Schon seit rund 20 Jahren bietet die Klinik Gartentherapie und tiergestützte Therapie an – ein Angebot, das sehr beliebt ist und durchaus ausgebaut werden könnte. Die weitläufige Parkanlage in Königsfelden ist jedoch nicht nur ein Ort, an dem sich Patient*innen wohlfühlen. « Der Park ist für alle da », b estätigt Thomas Zweifel. « Von den Investitionen, die wir hier tätigen, profitieren die Patient*innen und die Öffentlichkeit – und wo möglich, tragen wir auch den ökologischen Aspekten Rechnung. » Dass die Bevölkerung von Brugg und Windisch den Klinikpark im Rahmen der Gebietsentwicklung ‹ Vision Mitte › vor rund zehn Jahren zum schönsten Ort ihrer Wohngemeinde gewählt hat, erfüllt den Betriebsleiter mit Stolz und ist für ihn ein Ansporn, sich weiterhin für dessen Pflege und behutsame Entwicklung einzusetzen. ●

Der Westflügel des Klinik-Neubaus wurde mit einem lauschigen Dachgarten ausgestattet.

Über die Bedeutung des PDAG-Areals für die Region, den denkmalpflegerischen Wert des Hauptgebäudes und Massnahmen zur nachhaltigen Energieversorgung.

Aufzeichnungen und Text: Roderick Hönig

Bausteine der Entwicklung

« Die Stadt der kurzen We ge ist das Modell für nachhaltige Siedlungsentwicklung »

« Die Bedeutung des Areals Königsfelden geht weit über die heutige Nutzung der PDAG hinaus. Einerseits ist es ein attraktiver, niederschwelliger Freiraum, der die Standortgunst von Windisch massgeblich erhöht. Hier kommen nicht nur Arbeitnehmende und Patient*innen zusammen, sondern auch Eltern, Kinder, Jugendliche, Ältere und Tiere. Weil der denkmalgeschützte Park unmittelbar an den Campus der Fachhochschule Nordwestschweiz ( FHNW ) angrenzt, ist er andererseits auch ein wichtiger Player im Rahmen der Gebietsentwicklung ‹ Stadtraum B ahnhof Brugg Windisch ›.

Seit 2019 laufen Planungen zur stadträumlichen Entwicklung dieses rund 34 Hektar gro ssen Gebiets. Dabei geht es erstens um die Transformation der industriell geprägten Areale zu einem lebendigen neuen Stadtquartier, zweitens um eine verbesserte Verbindung der öffentlichen Räume und Nutzungen über die Gleise hinweg sowie drittens um den Stadtraum als Verkehrsdrehscheibe. Die Testplanung über das Teilgebiet auf der PDAG-Seite der Gleise wurde 2025 abgeschlossen. Sie skizziert ein zukunftsfähiges Quartier für rund 4000 bis 6000 Einwohner*innen und Beschäftigte. Für den Kanton, der das Gebiet als kantonalen Entwicklungsschwerpunkt klassiert hat, hat die Ansiedlung von Arbeitsplätzen erste Priorität. Für Windisch und Brugg als Zentrumsgemeinden mit überdurchschnittlichem Wachstum ist ein grosser Wohnanteil wichtig. Für mich ist deshalb die Frage zentral, wie gross er wird. Für die PDAG können sowohl Wohnen wie Arbeiten interessant sein: Neuer Wohnraum würde bestehenden und zukünftigen Angestellten erlauben, an ihrem Arbeitsort zu wohnen. Das würde den Pendelverkehr reduzieren und die ‹ Stadt der kurzen Wege › fördern. Sie ist für mich das Modell für nachhaltige Siedlungsentwicklung. Aber auch als Standort für komplementäres Gewerbe und ergänzende Dienstleistungen, wie etwa Arbeitsintegration oder Therapie, ist der ‹ Stadtraum Bahnhof Brugg Windisch › interessant. Kurz: Obwohl das Areal der PDAG nicht Teil der Planung ist, spielt es eine wichtige Rolle darin. Zentral für die Gemeinden und die PDAG ist das Thema Erschliessung: Jedes Auto mehr generiert unerwünschten Verkehr. Und weil die PDAG laufend mehr Arbeitsplätze schaffen, steigt der Druck auf Parkplätze. Diese kosten Geld, vor allem wenn sie unter die Erde sollen. Und weil der Platz begrenzt ist und die Anzahl Parkplätze nicht beliebig vergrössert werden kann, ist der Campus und sein Park auch in dieser Frage mehr als Zaungast. » Roland Schneider ist Gesamtprojektleiter ‹ Stadtraum Bahnhof Brugg Windisch › und Leiter Planung und Bau Windisch.

« Die Renovation des Hauptgebäudes ist mit dem Neubau eng verknüpft »

« Schon bei seiner Erstellung war das palastähnliche, spätklassizistis che Hauptgebäude aus dem Jahr 1 872 als Klinik seiner Zeit voraus: Es verfügte über ein eigenes zentrales Heizsystem, war mit Strom und Gasleuchten versorgt und mit seinen internen Wasserklosetts wegweisend für damalige Spitalbauten. Der hohe architektonische und repräsentative Anspruch hatte viel mit dem Selbstverständnis und Selbstwertgefühl des damals noch relativ jungen Kantons Aargau zu tun. Heute ist der Hauptbau ein Denkmalschutzobjekt von nationaler Bedeutung und seit 1988 integral kantonal geschützt.

Eine gute Voraussetzung für die denkmalpflegerische Renovation war, dass grosse Teile der Nutzung bestehen oder zumindest mit ihnen verwandt geblieben sind: Die PDAG konzentrieren im historischen Hauptgebäude neu Büro- und Therapieräume und entlasten damit das Raumprogramm des gegenüberliegenden Bettenhauses ‹ Magnolia › aus dem Jahr 2 020. Die Renovation ist mit dem Neubau also eng verknüpft. Schon in einer frühen Projektphase wurden mit Bauherrschaft und Architekt*innen denkmalpflegerische Leitlinien festgelegt. Bei der Renovation des prächtigen Mittelrisalits, wo es am meisten historische Bausubstanz gab, lag der Fokus auf der Rückführung zur ursprünglichen Festlichkeit.

Mit Freude blicke ich heute in die prächtige Säulenhalle. Schablonenmalereien begleiten einen durchs Treppenhaus, und auch der Festsaal macht seinem Namen wieder alle Ehre. In den weniger repräsentativen Flügelbauten, wo früher Patientenzimmer lagen, wurde ein klares architektonisches Konzept umgesetzt, und die Räume zeigen sich einfacher gestaltet: Im Detail wurde aber auch hier auf Befunde aus der Bauzeit eingegangen, was sich beispielsweise am grünen Wandsockel in den Korridoren zeigt. Die strukturelle Rückbesinnung zeigt sich darin, dass nachträglich eingefügte Nasszellen rückgebaut und die neuen WC-Anlagen am Standort der ursprünglichen Abortanlagen zusammengefasst wurden, also dort, wo der Architekt und damalige Kantonsbaumeister Ferdinand Karl Rothpletz sie platziert hatte.

Auch der Park, gestaltet nach einem Plan des damaligen Zürcher Stadtgärtners Rudolf Blattner, ist geschützt –und zwar nicht als Teil der Anlage, sondern als eigenständiges Schutzobjekt. Gleichzeitig mit der Klinik geplant und erstellt, wurde er von Beginn an als wichtiger Bestandteil der Heilstätte verstanden und genutzt: von Menschen, die nicht mehr als ‹ vom Teufel besessen › galten, s ondern als Kranke, die Pflege und Ruhe benötigten. Heute gibt ein Masterplan die langfristige Entwicklungsrichtung vor, und das Parkpflegewerk sieht vor, zwischenzeitlich verloren gegangene historische Elemente wie Patientengärten oder das Wegnetz wieder besser lesbar zu machen.

Ein wiederkehrendes Diskussionsthema zwischen Nutzer*innen, Gemeinde und Denkmalpflege ist die Parkplatzfrage. Der Rückbau der heute noch vorhandenen Parkfelder ist zwar vorgesehen, die Umsetzung wird aber wohl noch eine Weile dauern. Das Ziel, den Park vom Individualverkehr zu befreien, teilen aber alle Beteiligten. » Heiko Dobler ist stellvertretender Denkmalpfleger des Kantons Aargau.

Auf dem Weg zur einer CO₂-armen Energieversorgung

Auch die Energieversorgung des PDAG-Areals wird im Rahmen der Gesamtsanierung grundlegend erneuert. Ziel ist die Reduktion der fossilen Energieträger zugunsten der erneuerbaren. Das Versorgungskonzept steht auf drei Pfeilern: der Nutzung der Wärme des Grundwassers, ihrer Umwandlung mittels Wärmepumpen und der Stromerzeugung durch Photovoltaik. Die erforderliche neue Anlage wird in der bestehenden Energiezentrale errichtet. Zwei der vier Wärmepumpen gehören dem Brugger Versorger IBB Energie. Sie machen das arealeigene Energiesystem zu einem regional abgestimmten, weshalb die Fernwärme- und Fernkälteleitungen auch bis ins Zentrum Brugg verlegt werden. Im Zentrum steht die Nutzung von Grund- und gereinigtem Abwasser der ARA Brugg als Wärmequelle. Für die Nutzung des Grundwassers wurde ein 40 Meter tiefer Brunnen gegraben, dem die Wärmepumpen die Umweltwärme entziehen. Die gewonnene Energie nutzen die PDAG für die Beheizung ihrer Gebäude und für die Warmwassererzeugung. Mit diesem System gelingt es, rund 80 Prozent des jährlichen Wärmebedarfs abzudecken. Die bestehende Ölheizung bleibt zur Abdeckung von Spitzenlasten an sehr kalten Tagen und als Sicherheitsreserve bestehen.

Bei der Umwandlung der Umweltwärme des Grundwassers entsteht auch Kälte, die genutzt und über ein hauseigenes Netz verwendet wird, etwa zur Kühlung der Gebäude im Sommer oder zur ganzjährigen Kühlung von Einrichtungen wie der eigenen Apotheke. Nach der energetischen Nutzung wird das Wasser wieder dem natürlichen Kreislauf zugeführt. Der für den Betrieb der Wärmepumpen erforderliche Strom wird so weit wie möglich auf den Dächern von sieben Gebäuden produziert und direkt im Areal verbraucht – insbesondere für den Betrieb der Wärmepumpen und der Lüftungs- und Kühlanlagen.

Die Umstellung auf Energieproduktion über Grundwasser, Wärmepumpen und Photovoltaik kostet inklusive Betrieb der Energiezentrale und Netzanpassungen rund 18 Millionen Franken. ●

Die offene Eingangshalle mit gemeinschaftlichem Aufenthaltsraum ist Dreh- und Angelpunkt im Klinikneubau ‹ Magnolia ›.

Ein neues Kapitel für Königsfelden

Die Entwicklung des Areals Königsfelden ist noch nicht abgeschlossen. Ein Rückblick auf die letzte Ausbauetappe und eine Vorschau auf das, was der Masterplan skizziert.

Alles zu seiner Zeit

« Es braucht eine strenge finanzielle Führung, Vertrauen und Mut »

Thomas Zweifel ist Leiter Betriebe sowie Mitglied der Geschäftsleitung der Psychiatrischen Dienste Aargau. In seinen Zuständigkeitsbereich fällt auch die Entwicklung des Areals Königsfelden.

Seit 15 Jahren begleiten Sie als Leiter Betriebe die Gesamtsanierung des Areals. In welche Etappen unterteilt man ein solches Grossprojekt ?

Thomas Zweifel: Die se Frage ist einfach zu beantworten. Unsere finanziellen Möglichkeiten gaben die Etappen vor. Konkret heisst das, dass wir, solange wir keine hohe Kostensicherheit bei dem einen Teilprojekt hatten, das nächste nicht auslösen durften. Der Kostenrahmen war eng: Im Rahmenbetriebskonzept wurden die Gesamtkosten auf rund 200 Millionen Franken geschätzt. Der damalige Vizepräsident und spätere Verwaltungsratspräsident setzte dann in einer denkwürdigen Sitzung das Kostendach auf 120 Millionen Franken herunter. Das Gesamtprojekt wurde in Zusammenarbeit mit dem begleitenden Architekten Daniel Pauli in vier Teilprojekte aufgeteilt. Konnte der Kosten- und Zeitrahmen eingehalten werden? Heute beläuft sich die Gesamtinvestition auf mehr als 200 Millionen Franken. Das sind 80 Millionen mehr, als das Kostendach vorgab. Denn wir haben mehr gebaut als ursprünglich geplant. Im Laufe des Projekts dazugekommen sind der Ersatzbau Forensik für 33 Millionen Franken, der Ausbau der technischen und energetischen Sanierung des Versorgungstrakts von 7 auf 23 Millionen und die Erneuerung der Energieversorgung für 19 Millionen. Der Ersatzneubau der Klinik für Forensische Psychiatrie führte dazu, dass die Sanierung des Hauptgebäudes, die ursprünglich im Teilprojekt mit dem Neubau des Bettenhauses enthalten war, sich zeitlich nach hinten verschob. Der Grund: Nachdem 2016 ein Patient aus der damaligen Klinik für Forensische Psychiatrie ausgebrochen war, fassten wir den Auftrag, so schnell wie möglich eine Klinik mit noch höheren Sicherheitsstandards für forensische Psychiatrie zu bauen. Sie wurde 2021 eröffnet. In welche Teilprojekte wurde die Sanierung unterteilt ?

Das Teilprojekt 1 umfasste zu Beginn den Neubau für die Erwachsenenpsychiatrie, heute ‹ Magnolia › ( eröffnet im Jahr 2020 ), und die S anierung des denkmalgeschützten Hauptgebäudes ( fertiggestellt 2026 ). D er Neubau für Kinder- und Jugendpsychiatrie – Teilprojekt 2 – wurde 2016 eröffnet. Teilprojekt 3, die S anierung der Pavillons für Forensik und Abhängigkeitserkrankungen, ist ebenfalls umgesetzt, und Teilprojekt 4, die S anierung der Versorgungstrakte, wurde im Jahr 2022 abgeschlossen.

Welche Herausforderungen brachten die unterschiedlichen und verschobenen Bau- und Planungsphasen mit sich ?

S ehr herausfordernd war, die Kontinuität im Projektteam zu gewährleisten. Je konstanter das Team, desto einfacher konnten wir die Wechsel bei den auftragserteilenden Organen abfangen. Zudem war der Einbezug der Nutzerinnen und Nutzer während der langen Planungszeit sehr aufwendig: Architekt Petr Chrysta hat in unserem Auftrag 117 Workshops mit dem Pflegefachpersonal, der Ärzteschaft und den Support-Mitarbeitenden durchgeführt. Wenn Sie die Gesamtsanierung mit der Besteigung eines 4000er-Gipfels vergleichen:

Auf welcher Höhe befinden wir uns heute ?

Wir sind b ereits wieder auf dem Abstieg. Allerdings müssen wir unsere Abfälle in Form von Baumängeln sauber erfassen und beseitigen.

Welches sind die drei wichtigsten Erkenntnisse, die Sie mitgenommen haben ?

Erstens braucht es eine strenge und stringente finanzielle Führung – und das über die ganze Projektdauer hinweg. Zweitens ist Vertrauen gefragt – es eröffnet Verhandlungsspielräume aller Art. Vertrauen setzt jedoch eine sorgfältige Auswahl externer und interner Projektbeteiligter voraus. Drittens braucht es Mut, um etwa unliebsame Entscheidungen zu treffen und auch die Verantwortung dafür zu tragen. Dabei denke ich nicht nur an die vielen gewichtigen Beschlüsse, die in den Verwaltungsratssitzungen gefasst wurden, sondern auch an die unzähligen Entscheide, die tagtäglich getroffen werden mussten. Glücklicherweise stieg die Entscheidungssicherheit mit dem Know-how. Auf dem Campus der PDAG zu bauen, kann man mit einem Tanz auf rohen Eiern vergleichen. Welche Rolle spielten die Spuren der Geschichte ?

Der Respekt vor der Arealgeschichte und ihren historischen Artefakten ist ebenso wichtig wie die Rücksicht auf die Bedürfnisse der jetzigen Nutzerinnen und Nutzer. Für diese Gratwanderung hat sich der Masterplan als äusserst geeignete Wegleitung erwiesen. Er definiert die gemeinsamen Ziele und regelt auch die Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten: Immobilien Aargau, kantonale Denkmalpflege, Kantonsarchäologie, Parkpflege, Museum Aargau und Gemeinde Windisch.

Knackpunkt Parkierung: Wie weit sind wir vom Idealzustand entfernt ?

Ich antworte mit zwei Zeilen, die G oethe geschrieben hat: « Alles zu seiner Zeit hat alles seine Zeit. » Sie werden bald pensioniert. Was wird Ihre Nachfolge anpacken müssen ?

Konkret stehen die Themen Parkierung und Neubau des Werkhofs an. Die Errichtung des Bettenhauses für 160 Patientinnen und Patienten auf dem Baufeld D ist bereits in der Startphase. Aber es ist, spitz formuliert, wie bei vielen grossen Bauten: Nach der Gesamtsanierung ist vor der Gesamtsanierung. Interview: Roderick Hönig

Revidierter Masterplan, 2022 Hauptgebäude Park

P otager (Pflanzgarten) Kloster Pavillonanlage Versorgung Promenade

die unterschiedlichen Teilbereiche des Areals – Klosterbezirk, Park oder Pavillonzone – in ihrer jeweiligen Eigenart gestärkt werden, ohne dass man die Wahrnehmung als Gesamtanlage infrage stellt.

Ein Blick in die Zukunft

Der Masterplan formuliert und skizziert die langfristige Entwicklung des 24 Hektar umfassenden Areals Königsfelden. Er besteht aus mehreren Teilplänen und hat keinen zeitlichen Horizont. Er wurde 2009 im Auftrag des Kantons Aargau vom Architekturbüro Liechti Graf Zumsteg, der kantonalen Denkmalpflege, den Landschaftsarchitekten Rainer Zulauf und Maximilian Kindt, der Kantonsarchäologie sowie der Gemeinde Windisch und den PDAG als verbindliches Planungsinstrument entwickelt und im Jahr 2022 revidiert.

Das Plankompendium zeigt, wie das Areal künftig noch deutlicher als zusammenhängende, öffentlich zugängliche Parklandschaft wahrgenommen werden soll. Die Ausgangslage bilden die verschiedenen Zeitschichten des Ortes: der mittelalterliche Klosterkomplex, das Klinik-Hauptgebäude und die jüngeren Ergänzungen. Der Plan zeichnet in groben Zügen vor, wie diese historischen Strukturen sichtbar bleiben und das Areal sich trotzdem entlang heutiger Nutzungsanforderungen weiterentwickeln kann. Ein zentrales Element bildet dabei der Park mit seinem prächtigen Baumbestand. Gleichzeitig sollen

Der Masterplan regelt auch die Orte und Höhen der Bebauungen. Eine Regel lautet etwa, dass neue Gebäude an historische Gebäudeanordnungen anknüpfen oder sich in weniger sensiblen Bereichen konzentrieren müssen. Gut zu erkennen ist das beim Bettenhaus ‹ Magnolia ›, das städtebauliche und architektonische Bezüge zum Hauptgebäude herstellt. Ein Verdichtungspotenzial definiert der Masterplan vor allem im Pavillonbereich, der sich in Richtung Bahn erstreckt. Hier haben neuere, nicht mit dem Masterplan konforme Eingriffe und Bauten die Ensemblewirkung geschwächt, weshalb der Vorschlag darin besteht, diesen Bereich neu zu denken. Die Verfasser*innen schlagen vor, die bestehende Pavillonanlage auf vier Baufelder zu konzentrieren. Insgesamt sieht der Plan Potenzial für rund 11 0 00 zusätzliche Quadratmeter Nutzfläche.

Als wichtiges aussenräumliches Element der künftigen Organisation des Areals ist eine neue Promenadenachse geplant, die den Pavillonbereich mit dem Hauptgebäude und dem Neubau ‹ Magnolia › verbindet und zugleich historische Bezüge im Freiraum aufnimmt. Sie existiert bereits, ihre Entwicklungsmöglichkeiten als ordnende Achse sind jedoch noch nicht ausgeschöpft. Parallel dazu sieht der Plan vor, heute verstreute Nutzungen in neuen Versorgungsbauten zusammenzuführen, während kleinere Nebengebäude, etwa rund um die Klosterscheune, teilweise zurückgebaut werden sollen. Damit lässt sich der Park von technischen Einrichtungen entlasten.

Insgesamt sieht der Plan eine moderate bauliche Entwicklung vor. Die zusätzliche Nutzfläche wird auf rund zehn Prozent gegenüber dem heutigen Bestand geschätzt. Durch die Konzentration der Verdichtung im Norden des Areals kann der Charakter der historisch gewachsenen Parkanlage prägend bleiben. Roderick Hönig ●

Ein neues Kapitel für Königsfelden

Die Wiedereröffnung des sanierten Hauptgebäudes setzt eine weitere Wegmarke in der Arealentwicklung der Psychiatrischen Dienste Aargau ( PDAG ) in Windisch. Dieses Heft widmet sich dem Dialog zwischen Alt und Neu. Es dokumentiert die wichtigen Stationen in der Architektur- und Psychiatriegeschichte des Ortes und wirft ein Schlaglicht auf das Spannungsfeld zwischen zeitgemässer therapeutischer Einrichtung, denkmalgeschützter Anlage und archäologisch bedeutender Ausgrabungsstätte. www.koenigsfelden.hochparterre.ch

In Zusammenarbeit mit:

Mit freundlicher Unterstützung von: FSP Architekten

Daniel Pauli Architektur Consulting Chrysta & Partner

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