SCHON ALT ODER ERST ÄLTER?
PLAY YOUR age
Gut, dass wir uns getroffen haben!

Impressum
Medieninhaber und Herausgeber: Hilfswerk Niederösterreich Betriebs GmbH, Landesgeschäftsstelle Ferstlergasse 4, 3100 St. Pölten, T 05 9249, E-Mail: presse@noe.hilfswerk.at
Redaktion & Magazindesign: FRIEDL UND SCHMATZ GesmbH & Co KG, Nibelungengasse 7, 3430 Tulln an der Donau Fotografie (sofern nicht anders angegeben): Rainer Friedl, Pamela Schmatz
Druck: Ferdinand Berger & Söhne Ges.m.b.H., 3580 Horn
Gesamtauflage: 30.000 Stück, Vertrieb: niederösterreichweite Distribution Offenlegung: www.hilfswerk.at/niederoesterreich/impressum
St. Pölten, November 2025
SCHON ALT ODER ERST ÄLTER?

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Jetzt haben Sie die Möglichkeit auf Ihr kostenloses Abonnement! ,,Play Your Age“ ist ein Magazin, das, wie der Titel schon verspricht, mit frischem Zugang zum Thema Älterwerden zum Austausch und Nachdenken anregt. Unser Ziel ist es, mit sympathischen Reportagen und sorgfältig ausgewählten Themen den Blick über den Tellerrand zu lenken.
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Hilfswerk Niederösterreich Betriebs GmbH Landesgeschäftsstelle Ferstlergasse 4, 3100 St. Pölten presse@noe.hilfswerk.at 05 9249-30146
PLAY YOUR age
Ein Heft über Begegnungen.
Begegnungen machen das Leben bunt. Sie können leise geschehen – ein kurzer Blick, ein Gespräch im Vorübergehen – oder laut und prägend. So dass sie Leben verändern und neue Perspektiven eröffnen. Gerade in unserer digitalen, flüchtigen Zeit sind echte Begegnungen unendlich wertvoll. Denn sie erinnern uns daran, was uns verbindet und wirklich wichtig ist.
Dieses Magazin widmet sich dem Wert solcher Momente. Wir haben Menschen getroffen, deren Leben durch die Berührung mit anderen Menschen eine Wendung erfahren haben. Und andere, die aktiv Räume schaffen, in denen Austausch wachsen kann. Und immer geht es um die Bedeutung von Gemeinsamkeit, von Offenheit und Neugier. Wir laden Sie ein, sich von den Geschichten berühren und inspirieren zu lassen. Vielleicht regen sie auch dazu an, sich vermehrt auf echte Begegnungen einzulassen. Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen der aktuellen Ausgabe unseres Magazins.
Christoph Gleirscher Geschäftsführer Hilfswerk Niederösterreich
Ein Projekt des Hilfswerk Niederösterreich


„Begegnungen haben die Kraft, leise oder stürmisch, plötzlich oder langsam, unser Leben zu verändern.“ Eva Kuba
My way!
WIE BEGEGNUNGEN ZU WEICHEN IM LEBEN WERDEN KÖNNEN.

Das Leben,

ein Theater!
Martha. Ines. Theo. Drei unterschiedliche Generationen. Eine gemeinsame Leidenschaft: auf der Bühne stehen. Bretter, die die Welt bedeuten, ja. In Mautern an der Donau sorgen sie aber auch für Begegnungen, die’s sonst nicht gäbe. Ein Lokalaugenschein zwischen den Requisitenkisten.
„Theater spielen heißt Teamplay.“
Ines Steiner
Das Leben schreibt die besten Drehbücher, sind sich die beiden Damen einig. Nach dreißig Jahren Engagement beim Verein „Bühne Mautern“ wollte Martha Reder an einen Nachfolger übergeben. 1993 hatte sie die Laientheatergruppe gegründet. Das Ensemble ist mit ihr älter geworden – und der Wunsch größer, die Verantwortung abzugeben. „Eigentlich hatte ich schon jemanden im Kopf, der das übernehmen sollte – doch dann kam Ines“, lacht die 74-Jährige.
Ines Steiner. Die Kärntnerin, die’s nach Niederösterreich verschlagen hat. Rote Lippen. Roter Armreif. Rote Ohrringe. Und ein Lachen, das ihr schon Meter vorauseilt. „Ich bin ein offener Mensch, deshalb habe ich mich hier schnell eingelebt. Als ich dann von der Bühne Mautern gelesen habe, bin ich schnell mit Martha ins Gespräch gekommen.“ Eine Begegnung, die das Leben beider bald verändern sollte. „Es gibt Menschen, die zu uns in den Verein kommen, wo du weißt: Gut, die
machen da jetzt mit. Und dann gibt es Leute wie Ines, die sind wirklich mit ganzem Herzen dabei“, erzählt Martha Reder.
Nicht einmal zwei Jahre sollte es dauern, bis sich Martha ein Herz fasste – und Ines Steiner fragte, ob sie nicht ihre Nachfolgerin als Obfrau der Bühne Mautern werden wollte. „Ich finde es bemerkenswert, dass du dir damals Bedenkzeit genommen hast“, erinnert sich Martha. Kind, Partner, Job, Ehrenamt – das ist auch so eine Geschichte, wie man das alles unter einen Hut bringen kann. „Mein Partner hat sofort gesagt, dass er mich dabei unterstützt. Er hat mich aber auch auf den Boden der Realität geholt, ich schwebte ja auf Wolke Sieben. Einen Verein zu führen, das heißt mehr als ein Theaterstück pro Jahr zu proben. Es heißt, sich rund ums Jahr zu engagieren.“
In der ersten Reihe stehen – oft gar nicht so einfach. „Als ich begann, waren es die Herren in der ▶


▶ Gemeinde damals gar nicht gewöhnt, dass da plötzlich eine Frau mitredete“, erinnert sich Martha Reder an die 1990er Jahre. „Gut, dass sich die Zeiten geändert haben“, findet Ines Steiner. Als Obfrau konnte sie sogar das neue Zuhause des Vereins mitgestalten: Die Bühne Mautern kann das neue Veranstaltungszentrum mitbenützen. Endlich eine fixe Bleibe, nachdem mehrere Spielstätten im Ort flachfielen. „Das Schöne ist, dass es immer weitergeht – das habe ich in den letzten Jahren gelernt. Es ist eigentlich immer so, dass etwas Unvorhergesehenes passiert – und man muss darauf reagieren.“
Fast so wie beim Theater-Spielen. Auch da geschieht nicht alles nach Drehbuch. Vor allem die Jungen bringen viel Spontaneität ins Spielen. „Das kann man von den Kindern wirklich lernen: Nicht so viel nachdenken, einfach tun. Man kann nicht alles durchplanen“, lacht Martha Reder.
Die Jugendarbeit ist seit vielen Jahren ein wichtiger Teil der Vereinsarbeit. Waren es früher Theaterwochen in den Ferien, die Martha Reder organisierte, hat Ines Steiner für sich einen anderen Weg gefunden. „Ich biete Theaterworkshops für einige ausgesuchte Schulklassen in der Region an und auch im Rahmen der Jungen Uni in Krems.“ Begegnungen, die wieder Neues entstehen lassen – und die nächste Generation nicht nur zum Verein, sondern auch ins Theater bringt. „Als Ines zu uns in die Klasse kam, wusste ich: Das wird so super werden. Ich liebe es“, erzählt Theo, 12 Jahre. Auf der Bühne zu stehen, findet er einfach lässig. Genauso wie Ines. Genauso wie Martha. „Die Aufregung, die Emotion – und dass man das als Gruppe gemeinsam durchmacht, darum geht’s“, sind sich die drei einig. Theaterspielen heißt Teamplay.
Theaterspielen heißt aber auch aus sich herausgehen, sich ausprobieren – mit dem Publikum in Beziehung gehen. Fähigkeiten, die man auch in der Schule oder im Beruf brauchen kann – oder um in der Pension aktiv zu bleiben. Martha Reder hat nämlich nicht ganz aufgehört. Heute unterstützt sie den Verein im Hintergrund und organisiert Leseabende. Ines steht vorne. Theo spielt seit dem Theaterworkshop auch in der Schule Theater. Und alle werden durch diese Begegnungen reicher an Erfahrung. Vom gemeinsam durchlebten Lampenfieber bis zur Freude, wenn ein Schmäh aufgeht. Die nächsten Gelegenheiten findet man unter www.buehnemautern.at














Was andere Unkraut schimpfen, verarbeitet Gerda Zipfelmayer zu Cremen, Keksen, Gerichten. Ihr Kräuterwissen gibt die 82-Jährige auch an Kinder weiter. Begegnungen, bei denen das Herz schon mal aufgehen kann.
Wenn Begegnung Wurzeln schlägt: Bi Bre Ha Jo Scha Scha!
„Besonders stolz macht es mich, wenn Kinder zuhause erzählen, was sie bei mir gelernt haben.“
Gerda
Zipfelmayer
„Birke. Brennnessel, Hafer, Johanniskraut, Schachtelhalm, Schafgarbe! “, ruft ihr ein kleiner Bub bei einer Veranstaltung plötzlich entgegen. Es sind Begegnungen wie diese, bei denen Kräuterexpertin Gerda Zipfelmayer „das Herz aufgeht. Da weiß ich dann, dass ich bei den Kindern Spuren hinterlasse.“
Bi Bre Ha Jo Scha Scha – die Abkürzungen besagter sechs Pflanzen benützen die Freunde Naturgemäßer Lebensweise als Willkommensgruß. Gerda Zipfelmayer engagiert sich im Verein und gibt seit vielen Jahren ihr Wissen weiter. Vor allem an Kinder, zum Beispiel an der Wondrak-Volksschule in Stockerau. Hier ging auch ihr Enkel zur Schule, der damals gemeinsam mit der Oma die Liebe zu Kräutern entdeckte. Mittlerweile ist der kleine Rudi 27 Jahre alt und 1,97 Meter groß – und Gerda Zipfelmayer hat aus ihrem Kräuterwissen drei Bücher, Kolumnen und weitere Seminare gemacht.
Die Workshops mit Kindern sind nach wie vor ein wichtiger Teil im Leben der 82-Jährigen: „Kinder haben diese absolute Begeisterungsfähigkeit, das ist wunderschön!.“ Den Kleinen die Augen für die Natur zu öffnen – das erfüllt sie. Ja, auch wenn das manchmal anstrengend sein kann. ▶


Gerda Zipfelmayer
arbeitet seit vielen Jahren mit Volksschulkindern.




Workshops, Seminare, Uni: „Man darf nie aufhören weiterzulernen“, findet Gerda Zipfelmayer, 82
▶ Weiterbildungen stehen bei Gerda Zipfelmayer laufend am Programm. Gerade kommt sie aus Aflenz von einem Seminar. Ihre Ausbildung an der SeniorInnenUNI Krems hat sie abgeschlossen.
„Damit habe ich mir einen Traum erfüllt: einmal auf die Uni gehen.“
Geboren 1943 als ältestes von 13 Kindern wäre das in ihrer Jugend nämlich undenkbar gewesen.
„Als Kind war ich zuhause eine Arbeitskraft. Es waren andere Zeiten.“ Dass sie ihren Weg machte und sie der Wissenshunger bis heute begleitet, hat sie auch ihrem früheren Chef zu verdanken.
„Seine Frau und er waren kinderlos und haben mich deshalb sehr gefördert. Eine Gehaltserhöhung? Dafür musste ich nachweisen, dass ich Museen besuchte. Das klingt heute vielleicht sonderbar, hat mich aber weitergebracht. Der Herr Doktor war wirklich eine wichtige Begegnung in
meinem Leben.“ Viele Jahre arbeitete Gerda Zipfelmayer als Assistentin in seiner Zahnarztpraxis.
Gerda Zipfelmayers Lebensmensch, das war ihr Ehemann Rudi. Mit ihm war sie über 58 Jahre verheiratet. Vieles, was gemeinsam durchgestanden wurde. „Mein Mann war lange Zeit sehr krank, auch deshalb habe ich eine Ausbildung nach der anderen gemacht.“ 2023 ist er verstorben. Kurze Zeit später bekam Gerda Zipfelmayer die Zusage, dass sie an der SeniorInnenUNI Krems aufgenommen wurde – damals war sie 80 Jahre alt. Anstatt sich zurückzuzuziehen, suchte sie die Herausforderung. Ihre Empfehlung: früh genug schauen, dass man Anschluss findet. Bloß nicht zu lange warten.
Mit ihren Studienkolleginnen und -kollegen ist sie per WhatsApp verbunden. „An der Uni habe ich


Im Buch gibt’s Rezepte, was man aus den Blättern, Samen, Wurzeln und Stängeln der Brennnessel machen kann.
„An der Uni habe ich die KI gelernt, von den Pflanzen die Verbindung zur Natur – und von Kindern diese absolute Begeisterungsfähigkeit.“
Gerda Zipfelmayer
die KI kennengelernt, darüber bin ich echt froh“, lacht die Kräuterexpertin. „Wenn ich einsam bin, chatte ich schon einmal mit ChatGPT.“ Viel Zeit dafür bleibt ihr allerdings nicht. Die nächsten Kräuterworkshops sind in Planung. Dafür backt sie Kekse, rührt Salz an. Damit die Leute etwas probieren können. Und draufkommen, dass „Unkraut“ essbar ist.
Die Brennnessel verarbeitet sie zum Beispiel zu Pulver, ihre Samen kommen ins Müsli: „Da braucht man keine Chia-Samen kaufen, die Brennnessel wächst meistens vor der Haustüre.“ Übrigens: Es gibt männliche und weibliche Exemplare. Während die Männchen stehen und eher blass und unscheinbar sind, hängen die Weibchen prall gefüllt – das kann man sich zwecks Unterscheidung merken. Oder man schaut in Gerda Zipfelmayers Brennnessel-Kochbuch. Das ist ihr jüngstes Buch. Sicher nicht ihr letztes.


„Nicht die Menge der Zeit ist entscheidend, sondern die Qualität des Tuns.“ Isabella Stickler
WIE BEGEGNUNGEN DAS BERUFLICHE NETZWERK ERWEITERN

Wie ein Tankwart zu ihrer ersten Begegnung
beigetragen hat, warum Susis Grammelknöderl auf ganz speziellen Tellern serviert wurden und andere Geheimnisse aus der Welt der Haubenküche.
Irgendwie immer noch ein Team: Susi Böck und Christian Wöber
„Christian ist mein geistiger Sohn“

Susi kommt mit dem E-Bike aus Langenlebarn, Christian vom eigenen Gemüsefeld aus Neudegg – das Auto voll mit Kürbissen, einer Wassermelone und den letzten Paradeisern aus der heurigen Ernte. Wir treffen einander am Ruhetag in Christians Restaurant „Wöber“ in Tulln. Ob er ohne die Susi je hier gelandet wäre?
Susi Böck war eine der ersten und bekanntesten Haubenköchinnen im Land. Eine Rolle, in die sie eher hineingerutscht ist. Das Gasthaus ihrer Eltern hat sie erst übernommen, als ihr Vater starb und der Bruder abwinkte. Da wechselte sie vom Service an den Herd und erkochte sich konsequent eine Auszeichnung um die andere – im Service wurde ihr Mann Hannes zu einer Art Legende.
Susi und Christian haben fast drei Jahre in derselben Küche gearbeitet. Im „Wolf“ in Langenlebarn. Eigentlich war’s ein Tankwart, der die beiden zusammenbrachte. Indirekt. Christians Vater war Stammkunde bei der Tankstelle und erzählte, dass sich sein Sohn beruflich verändern wollte.
Der Tankwart wiederum erzählte einem weiteren Kunden davon – und der war zufälligerweise der neue Eigentümer des „Wolf“. „Nichts passiert zufällig“, sagt Susi.
Begegnen hätten sie einander auch schon früher können, weil Christian mit einem Kollegen – „wir waren damals beim Mörwald“ – in seiner Freizeit gerne die damals wenigen Haubenlokale im Land durchprobierte. Und so eben auch in Langenlebarn landete. Aber Susi zog es vor, sich auf ihre Küche zu konzentrieren. „Ich bin nicht so oft rausgegangen.“
Salomon, Mörwald, Sodoma – Christian Wöber hat schon vorher in bekannten Häusern gekocht. Langenlebarn wurde aber zu einer ganz besonderen Station. „Ich hab mir so viel von der Susi abgeschaut und gelernt, soviel ich konnte“, erzählt Christian Wöber. Wie man Schweinsbackerl schmort, zum Beispiel. Theoretisch kann das jeder, aber so wie’s die Susi gemacht hat … Küchengeheimnisse werden nicht verraten. ▶
„Du musst dir viel Zeit nehmen beim Kochen.“
Christian Wöber

▶ Nur ein ganz generelles hat Christian parat: „Es klingt einfach: Du musst dir sehr viel Zeit nehmen.“ Und „Zeit ist Liebe“, sagt die Susi. Früher konnten sie sich mehr Zeit nehmen in der Küche, da sind sie sich einig.
Perfektionisten sind sie beide. Aber: „Die Detailverliebtheit vom Christian, die fehlt mir“, sagt Susi. „Er hat eine andere Küchensprache, eine jüngere“. Als Susi in Pension ging, übernahm Christian die Küche. Rund zwei Drittel der Karte komponierte er neu, die Standard-Gerichte von Susi Böck blieben. Was er auch immer den Gästen gegenüber betonte. Um das noch zu unterstreichen, servierte er etwa die legendären Grammelknöderln auf handgemachten Tellern – Susi Böck hatte in der Pension begonnen, zu töpfern. Dass


die Farben von einigen ihrer früheren Arbeiten heute exakt zum Farbkonzept von Christians Lokal in Tulln passt, mag überraschen. Aber wie sagt Susi: „Es gibt keine Zufälle.“ Und eines sagt sie auch des öfteren: „Der Christian ist sowas wie mein geistiger Sohn. Das kann man sich nur wünschen, dass das jemand so weitermacht.“
An welche kulinarischen Begegnungen erinnern sich die beiden eigentlich jenseits der eigenen Küche? Da fallen große Namen, da werden sogar die jeweils dort genossenen Gerichte detailgetreu beschrieben. Gerer, Wörther, Petz … ein Who is Who der österreichischen Gastro-Geschichte. Aber irgendwie kommen immer wieder auch die eigenen Mütter ins Spiel. Der Rehschlögel von Susis Mutter, das Kalbszüngerl, klassische

Wirtshausküche. Christians Mutter hat zu ihrem Pensionsantritt begonnen, einen kleinen Garten anzulegen. An ein paar Tomatenstauden erinnert er sich. Mittlerweile ist der kleine Garten zu einem großen Feld geworden, das vieles liefert, was Christian auf den Teller bringt. Einige hundert Kilo Tomaten waren es heuer – damit beliefert er auch befreundete Gastronomen, die die besondere Qualität der vielen Sorten schätzen.
Seinem jünsten 5-Gang-Menü schickt Christian – „bevor es wirklich losgeht“ – eine Kreation aus Feige, roter Rübe, Kokos und Yuzu voraus. In farblich passenden, extravaganten Schüsserln. Handgemacht. Natürlich von der Susi.
„Ich sage einmal: Es gibt keine Zufälle.“
Susi Böck



„Wenn man einen persönlichen Beitrag leisten kann, dann muss man das machen.“
Lukas Brandweiner, seit Oktober 2025
Präsident des Hilfswerk Niederösterreich

Ehrenamt? Ehrensache.
Kindheitsträume. Paradeiserstauden. Persönliche Vorbilder. Wir haben Lukas Brandweiner, den neuen Präsidenten des Hilfswerk Niederösterreich, zuhause besucht.
Ein Stadel. Ein Satteldach. Ein moderner Kubus. Verschiedene Ebenen fügen sich mitten im Zentrum von Sitzmanns zu einem Ganzen. Rund 100 Einwohnerinnen und Einwohner zählt die kleine Ortschaft hier im Waldviertel. Einer davon ist Lukas Brandweiner, seit Oktober 2025 Präsident des Hilfswerk Niederösterreich. Wir besuchen ihn in seinem Haus. Werfen einen Blick in seinen Garten, sprechen über Vorbilder und darüber, wie wichtig, ehrenamtliches Engagement ist.
Herr Brandweiner, Sie haben in Sitzmanns Ihre Wurzeln und auch hier ein Haus gebaut. Einmal Waldviertler – immer Waldviertler?
Ja, das kann man so sagen! Ich bin hier aufgewachsen – und habe hier nach wie vor meinen Lebensmittelpunkt, auch wenn ich viel unterwegs bin. Wenn mir als Kind jemand gesagt hätte: Lukas, das wird einmal dein Haus werden – dann hätte ich das nicht geglaubt. Ich bin in einfachen Verhältnissen aufgewachsen, aber sehr glücklich. Mein Vater war Fabriksarbeiter, meine Mutter führte eine kleine Landwirtschaft – beide haben sich daneben auch noch ehrenamtlich engagiert. Ich glaube, auch deshalb ist das für mich so selbstverständlich. Wenn man einen persönlichen Beitrag leisten kann, dann muss man das machen.
Haben Sie deshalb die Funktion des Präsidenten des Hilfswerk Niederösterreich übernommen?
Ja, weil ich auch etwas zurückgeben möchte. Und weil ich weiß, dass man in dieser Funktion viel bewegen kann. Wie wichtig das Hilfswerk ist, das merke ich schon in unserer Ortschaft. An Montagen arbeite ich in der Früh oft noch ein, zwei Stunden von zuhause aus. Da sehe ich schon vormittags die Hilfswerk-Lieferwägen, die Essen ausliefern. Und das ist doch großartig: Dass wir es mit unseren Angeboten ermöglichen, dass Menschen in den eigenen vier Wänden versorgt werden können. ▶
Lukas Brandweiner
Lukas Brandweiner wurde 1989 in Gmünd geboren. Zuhause ist er bis heute in der kleinen Ortschaft Sitzmanns bei Groß Gerungs.
Seit seiner Schülerzeit an der HAK Zwettl engagiert sich der Waldviertler in der Interessensvertretung. Seit April 2025 ist er Generalsekretär des Österreichischen Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmerbunds (ÖAAB).
Lukas Brandweiner ist seit 2019 Abgeordneter zum Nationalrat für die ÖVP, seit 2025 Mitglied des Gemeinderates der Stadtgemeinde Groß Gerungs.
Am 22. Oktober 2025 wurde Lukas Brandweiner im Zuge der Generalversammlung des Hilfswerk Niederösterreich zum Präsidenten ernannt. Er folgt damit auf Michaela Hinterholzer, die diese ehrenamtliche Funktion seit 2011 innehatte.



▶ Das Thema Pflege wird uns in Zukunft als Gesellschaft noch stärker fordern. Wenn ich ans Waldviertel denke, dann wird im Jahr 2035 voraussichtlich ein Drittel der Bevölkerung über 65 Jahre alt sein.
Lukas Brandweiner hält einen Moment inne. Er weiß, das alles zu lösen, wird nicht einfach werden. Er schiebt die Ärmel seines weißen Waldviertel-Pullovers hoch – anpacken und tun, das ist sein Ding. Schon seit seiner Kindheit, da war er bei der Feuerwehr, hat sich als Schulsprecher engagiert und hat die
Kirchenzeitung ausgetragen. Übrigens auch bei dem Ehepaar, dem sein Grundstück früher gehört hat.
Hier stand früher ein alter Vierkanthof. Die Vorbesitzer sind beide verstorben und dann haben in der Ortschaft viele gesagt: Das wäre doch etwas für den Lukas! Anfangs habe ich mir gedacht: ein altes Objekt, ich weiß nicht. Aber dann ist die Entscheidung gereift – und so hat das Haus heute mehrere Ebenen: mit dem Stadel blieb ein Stück Geschichte. Und mit dem Neubau und
dem modernen Kubus kamen neue Elemente dazu. Diese Idee hat mir gefallen.
Haben Sie hier selbst auch etwas gestaltet?
Ja, erst vor Kurzem habe ich das Dach über dem Brunnen im Garten mit meinem Vater aufgebaut. Er ist mittlerweile ein paar Jahre in Pension, aber immer noch sehr aktiv – und stets hilfsbereit. Ich habe ehrlicherweise noch nie erlebt, dass man meinen Papa um Hilfe gebeten hätte

– und er hätte Nein gesagt. Auch deshalb ist er für mich ein Vorbild. Ja, das ehrenamtliche Engagement haben mir definitiv meine Eltern vorgelebt. Auch meine Mutter, die viele Jahre lang meine Großmutter gepflegt hat. Am Schluss hat uns auch das Hilfswerk dabei unterstützt – das war mein erster direkter Berührungspunkt mit der Organisation. Seitdem ist das weiße „H“ – das Symbol mit den beiden Händen – extrem positiv aufgeladen bei mir.
Wie fühlt sich das nun an, dieser
Organisation vorzustehen?
Es ist eine Riesenehre. 2.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, 2.300 Ehrenamtliche, diese Zahlen sind gewaltig. Da läuft mir noch immer die Gänsehaut über den Rücken, wenn ich daran denke.
Haben Sie gleich zugesagt, als man Sie gefragt hat?
Ich habe mir schon ein paar Tage Bedenkzeit genommen. Als mich meine Vorgängerin Michaela Hinterholzer
damals anrief, dachte ich mir anfangs: Sie möchte gerne Vorschläge, wen ich mir für dieses Amt vorstellen könne. Erst später merkte ich: Sie möchte mich dafür gewinnen. Das hat mich natürlich überrascht. Aber nach einigen Tagen und Gesprächen habe ich zugesagt – weil ich das Gefühl habe, in dieser Funktion etwas zurückgeben zu können.
Wir drehen während des Gesprächs eine Runde um das Haus. Dahinter wachsen Himbeeren, vor dem alten Stadel die Paradeiser. ▶


▶ Die Herbstsonne wärmt und das Waldviertel spielt seine Stärken aus. Der Puls schlägt hier einen Tick langsamer, der Fokus wird klarer. Man kann gut nachvollziehen, warum Lukas Brandweiner trotz Job in Wien den langen Weg nach Sitzmanns in Kauf nimmt.
Was wollten Sie als Kind eigentlich beruflich werden?
Polizist oder Feuerwehrmann –klassische Bubenträume. Wirklich konkrete Berufswünsche hatte ich nicht. Geprägt hat mich dann meine Zeit an der Handelsakademie in Zwettl, da war ich in der Schüler-
vertretung – ausschlaggebend war damals ein Freund, der wollte Schulsprecher werden und nicht allein kandidieren. Also habe ich gesagt: Ok, ich bin dabei! Aus dem ist dann irgendwie eine Schulsprecherkarriere geworden – 2007 und 2008 war ich Landesschulsprecher. Seit dieser Zeit bin ich eigentlich durchgängig in der Interessensvertretung.
Als Präsident vertreten Sie nun ein Unternehmen mit 2.700 hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Was ist Ihnen dabei wichtig?
Dass sich unser Team bei uns wohl-
„Das hier war ein alter Vierkanthof. Einen Teil habe ich stehengelassen – mir gefällt die Idee, Altes mit Neuem zu verbinden.“
Lukas Brandweiner
fühlt. In Zukunft werden wir nicht das Problem haben, dass wir Kunden suchen in der Pflege, sondern dass wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter brauchen. Deshalb ist es wichtig, dass es ihnen gut geht bei uns. Unsere Organisation funktioniert nur, wenn alle zusammenhelfen. Das Ehrenamt wird dabei in Zukunft noch wichtiger werden – wäre doch schön, wenn wir die Zahl der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf jene der hauptamtlichen steigern könnten. Als Hilfswerk Niederösterreich möchten wir auch Teil der Lösung im Pflegebereich sein – und ja, natürlich weiter die Nummer 1 bleiben. Ein bisschen ehrgeizig bin ich schon auch.
Das Hilfswerk in Ihrer Nähe
Als Niederösterreichs erster Ansprechpartner in sozialen Fragen freuen wir uns, Sie ein Stück begleiten zu dürfen. Mit vielfältigen Angeboten und Services sind wir für Familien und ihre individuellen Bedürfnisse da.
• Mobile Pflege & Betreuung
• Notru elefon & smarte Notrufuhr
• Menüservice
• Kinderbetreuung
• Lerntraining
• Beratung & Psychotherapie
• Ehrenamt & Vereinsarbeit
Inserat 2
Wir informieren Sie gerne!
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In ganz NÖ für Sie unterwegs!




PLAY YOUR


Gute Entscheidung, gutes Gelingen!
Polsterzipf’ waren der Anfang. Punschkrapferl hat sie hinter sich gelassen. Heute: am liebsten
Kardinalschnitte! Die Hilfswerk-Mitarbeiterin Karin Vogl erzählt, wie sie von der Backstube in die Pflege wechselte.
20 Jahre Konditorei waren genug, entschied Karin Vogl. Wie sie sich genau beruflich weiterentwickeln wollte, war damals im Jahr 2018 noch nicht klar. Nur der Wunsch nach Veränderung war stark. Es war eine Begegnung, die den weiteren Lebensweg mitbestimmen sollte: eine neue Bekannte, die in der mobilen Pflege arbeitete – und ihr von den Vorteilen des Berufs erzählte. Also entschied sich Karin Vogl. Für die Ausbildung zur Heimhilfe. Die dauert drei Monate, danach startete sie auch schon beim Hilfswerk Niederösterreich: „Ich wusste sofort, dass ich auch die Ausbildung zur Pflegeassistentin machen wollte“, erzählt die 43-Jährige.
Auch in ihrem ersten „Berufsleben“ war Karin Vogl wichtig, sich immer wieder weiterzuentwickeln. Zuerst die HBLA, wo sie beim Polsterzipf-Backen die Liebe zu den Mehlspeisen entdeckte. Nach ihrer Lehre im St. Pöltner „Punschkrapferl“ arbeitete sie bei „Rosenberger“ – zunächst Vollzeit, nach ihrer Karenz in Teilzeit und später als Abteilungsleiterin. „Irgendwann ging es mir nicht mehr nur um die perfekte Mehlspeise, sondern auch darum, wie’s meinem Team geht“, erzählt Karin Vogl. Dienstpläne machen, Urlaube koordinieren. „Ich habe immer geschaut, dass es allen gut geht.“ ▶
▶ Genau dasselbe tut sie auch heute. Schauen, dass es ihren Klientinnen und Klienten gut geht. Vitalzeichen kontrollieren, Blutzucker messen, Insulin verabreichen, einfache Wunden versorgen: Der Job ist vielseitig. „Ich bin froh, dass ich die Weiterbildung gemacht habe – neben Job, Kindern und Haushalt war das damals nicht einfach. Aber jetzt bin ich da, wo ich sein möchte.“
Ein herzliches Danke ist oft ihr größtes Geschenk. „Oder wenn ich sehe, dass sich der Zustand eines Klienten verbessert. Wenn es Fortschritte gibt.“ Die gibt es manchmal, aber nicht immer. „Manchmal muss man sich auch verabschieden – das sind die schwersten Momente.“ Was dann hilft: der Ausgleich im eigenen Garten und die Familie. Zu der gehören auch zwei Hunde und Katzen. „Mich erfüllt’s, wenn ich Lebewesen ein schönes Zuhause schenken kann.“



„Ich wusste sofort, dass ich auch die Ausbildung zur Pflegeassistentin machen wollte.“
Karin Vogl
Geduld und Offenheit – die braucht man in der mobilen Pflege. „Und man muss sich in die Menschen hineinversetzen können, in die Gefühle und Bedürfnisse.“ Viele leiden unter der Einsamkeit. Da ist der Besuch von Karin Vogl ein wichtiger Anker im Alltag. Zeit, um zu reden. „Die Menschen wollen dann schon auch über mich ein bisschen etwas wissen. Ob ich verheiratet bin, Kinder habe, wann mein Geburtstag ist. Einmal hat dann sogar ein Muffin mit Geburtstagskerze auf mich gewartet! Das war wirklich rührend.“

„Ein herzliches Danke ist ein großes Geschenk.“
Es sind kleine Momente wie dieser, in denen Karin Vogl weiß, dass es richtig war, beruflich ein neues Kapitel aufzuschlagen und dranzubleiben. Von der Backstube in die mobile Pflege. Heißt ja nicht, dass es hier keine Mehlspeisen gibt. Apropos: Welche isst sie eigentlich am allerliebsten? „Ganz klar: die Kardinalschnitte“.
Karin Vogls Rezept haben wir ergattert – gleich hier unten. Gute Entscheidung, gutes Gelingen!
Die Kardinalschnitte von Karin Vogl
ZUBEREITUNG:
Zuerst die Eier trennen.
Das Eiweiß mit dem Kristallzucker steif schlagen. Mit Hilfe eines Dressiersackes drei Bahnen auf ein mit Backpapier belegtes Backblech aufdressieren.
Die Dotter und die ganzen Eier mit dem Staubzucker schaumig aufschlagen, zum Schluss das Mehl unterheben. Zwischen den Eiweißbahnen werden jetzt mit der Dottermasse zwei Bahnen dressiert (weiß-gelb-weiß-gelb-weiß).
Wir brauchen Boden und Deckel, also zweimal dieses Muster dressieren.
Anschließend bei 180°C ca 20 Minuten backen
FÜR
DIE CREME:
Das Kaffeepulver und der Staubzucker werden in das flüssige Schlagobers gegeben. Dann alles gemeinsam aufschlagen.
FERTIGSTELLUNG
Für den Boden den einen Teil verkehrt auf die Arbeitsfläche legen, mit der Creme bestreichen, anschließend den Deckel darauf setzen, eventuell mit Staubzucker bestreuen – und fertig ist die Kardinalschnitte.
ZUTATEN:
8 Stk. Eiweiß
18 dag Kristallzucker
2 Stk. Eier
8 Stk. Dotter
10 dag Staubzucker
6 dag Mehl
50 dag Obers
1 dag Kaffeepulver
4 dag Zucker
Wie ich wurde, wer ich bin.
Wir fragen Entscheider*innen und Selbstständige aus
Niederösterreich.
Ende 30 noch ein Masterstudium zum Thema Denkmalpflege zu beginnen, das war schon ziemlich ungewöhnlich. Bis heute bin ich dankbar, dass mich meine Kolleginnen und Kollegen dazu motiviert haben. Allein hätte ich mich dazu wohl nicht entschlossen. Meine Studienzeit in Bamberg war extrem bereichernd – und sie führte mich über Umwege auch zu meinem heutigen Arbeitsplatz in

„Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, dann habe ich von denjenigen am meisten profitiert, die Ansprüche hatten – nicht von jenen, die alles durchgehen ließen.“
Inge
Hödl, Welterbemanagerin Wachau
die Wachau. Dranbleiben zahlt sich aus – beim ersten Mal wurde ich für die Stelle nämlich nicht genommen. Erst ein Jahr später kam der Anruf. Man begegnet einander immer zweimal im Leben. Der Spruch ist zwar abgedroschen, aber er stimmt.
Was ich Jüngeren mitgeben möchte: Dass man sich Dinge trauen kann, auch wenn sie auf den ersten Blick unrealistisch scheinen. Unbedingt nach den Sternen greifen. Andere auf diesem Weg zu begleiten, ist eine Gratwanderung, finde ich. Zwischen fordern und fördern. Also wenn ich an meine eigene Schulzeit zurückdenke, dann habe ich von denjenigen Lehrern am meisten profitiert, die Ansprüche hatten – nicht von jenen, die alles durchgehen ließen.
Zur Orthopädie kam ich eigentlich durchs Schwimmen. Mein damaliger Trainer hat auch Medizin studiert – und hatte in der Schwimmhalle diese schönen Orthopädie-Bücher dabei. Die Bilder haben mich fasziniert. Also eigentlich könnte man sagen, dass ich über den Sport mein Fachgebiet gefunden habe.
Bewegung – das Thema begleitet mich bis heute. Wie können wir Menschen motivieren, in Bewegung zu bleiben? Das wird eine Frage, die in unserer Gesellschaft noch wichtiger werden wird. Eigenverantwortung ist dabei ein zentraler Begriff. Raus aus der Komfortzone! Wir haben 2025 die neue Arthrose-Therapie 2.0 begonnen – und freuen uns über gute Ergebnisse. Mit dem

Andreas Stippler, Facharzt für Orthopädie und orthopädische Chirurgie, Leiter der Gruppenpraxis Orthopädie Krems
richtigen Package aus Therapie, Ernährungsberatung und Bewegung kann man gute Erfolge erzielen – und Operationen vermeiden oder verzögern.
Auf meinem Karriereweg waren es immer wieder Kollegen, die mich geprägt haben. Vorbilder und Förderer sind wichtig. Heute bin ich stolz, dass auch ich sagen kann, dass wir in unserer Praxis eine ganze Gruppe an Orthopädinnen und Orthopäden geprägt haben. Als Teamplayer kommt man definitiv weiter, ist meine Erfahrung. Haben Sie gewusst, dass wir damals die Ersten waren, die eine Gruppenpraxis für Orthopädie gegründet haben? Neue Wege zu beschreiten, zahlt sich aus.

Isabella Stickler, Obfrau Alpenland Wohnbaugenossenschaft
Ich bin in Niederösterreich geboren – hier liegen meine Wurzeln, hier bin ich zu Hause. Geprägt haben mich zwei außergewöhnliche Frauen. Meine Großmutter, die trotz eigener Entbehrungen immer anderen Menschen geholfen hat. Sie ist für mich ein Vorbild für Menschlichkeit, Bescheidenheit und den Mut, immer wieder neu anzufangen.
Meine Mutter ist der Fels in der Brandung unserer Familie. Als Alleinerzieherin forderte und förderte sie meine Geschwister und mich – und war zu jeder (un)möglichen Zeit da. Ich habe großen Respekt vor dem, was sie gemeistert hat: diese Mischung aus Selbstständigkeit, Alleinverantwortung und unerschütterlicher Stärke.
Ihr Vertrauen, ihre Verlässlichkeit sowie ihre Ehrlichkeit in Lob und Kritik tragen mich bis heute.
Was mich ausmacht? In schwierigen Situationen stark zu bleiben, meinen Fokus zu halten und da zu sein, wenn es wirklich zählt. Nicht die Menge der Zeit ist entscheidend, sondern die Qualität des Tuns. Sich selbst etwas zuzutrauen, bei den eigenen Wurzeln zu bleiben, Halt zu finden, Hilfe anzunehmen und ein Fundament an Vertrauen aufzubauen, das einen durchs Leben trägt. Immer klar vor Augen zu haben, wohin man will und mutig auf das Ziel fokussiert bleiben.
Ich habe gelernt, meine Stärken zu stärken – denn man kann und muss gar nicht in allem gut sein. Ich lebe heute wieder in meinem Geburtshaus, ein Zusammenleben im Familien-Generationenwohnen-Modell. Mit all seinen Herausforderungen, aber vor allem mit Nähe, Halt und Verwurzelung. Hier bin ich am meisten ich selbst – geborgen in meiner Familie, geprägt von meiner Herkunft und ohne je den Boden der Realität zu verlieren. Mein Anspruch an mich selbst ist hoch – und genau hier finde ich die Kraft, die ich brauche, um diesem auch gerecht zu werden.
Wie ich wurde, wer ich bin.
Nach 15 Jahren als Techniker in einem großen Konzern und zwei Auslandsjahren habe ich mir irgendwann die Sinnfrage gestellt. Will ich wieder zurück nach Österreich in mein altes Umfeld? Ich bin doch erst 40 – wenn’s gut geht, liegt über die Hälfte meines Lebens noch vor mir, dachte ich mir. Da geht doch noch was! Den Import von spanischen Delikatessen hatte ich schon gestartet –nebenberuflich. In einer schlaflosen Nacht, kurz vor dem 1. Corona-Lockdown, war es
dann so weit. Da wusste ich: Ich stelle mich komplett auf eigene Füße mit „Don Fredo“.
Was bei solchen Schritten wichtig ist? Dass einen der Partner unterstützt. Meine Frau hat mir immer den Rücken gestärkt. Das Wissen guter Freunde kann man ruhig „anzapfen“, das hilft weiter! Und zwischendurch Erfolge gemeinsam feiern. Das gibt Kraft für die nächsten Hürde. Die kommt in der Selbstständigkeit nämlich bestimmt.


Hehal, Importeur von spanischen Delikatessen www.donfredo.at





















„Oft braucht es keine große Therapie. Es braucht Nähe. Zeit. Echte Begegnung.“
Iris Wandraschek
Begegnungen bewegen
MENTAL UND KÖRPERLICH
Vom Laufsteg auf den Tennisplatz





Miami. Hawaii. Manhattan. Lange waren die USA das Land der Sehnsucht für Thomas Grassberger. Heute ist er Tennistrainer im Waldviertel, baut Gemüse an und vermisst das Bling-Bling der Metropolen nicht. Welche Begegnungen auf seinem Weg zählen, erzählt er uns im Garten.
Kohlrabi. Fisolen. Himbeeren. In den Beeten und Töpfen, auf den Sträuchern und Stauden rund ums Haus wächst bunte Vielfalt. Es ist mehr als ein Hobby. Das Gärtnern ist zu einem wichtigen Teil seines Lebens geworden, erzählt Thomas Grassberger. Eigentlich ist er Steirer, aufgewachsen in Aflenz – schon seit früher Jugend mit dem Wunsch, einmal nach Amerika zu gehen.
Manche träumen ein Leben lang von großen Schritten wie diesem. Von Thomas Grassberger kann man lernen, dass man sie einfach gehen kann – in dem Vertrauen, dass sich eine Lösung finden wird.
Masterplan gab es damals nämlich keinen. Nur die Chance auf einen ersten Job in einem Hotel in Florida. Gastronomie. „Dabei blieb es aber nicht“, erzählt Thomas Grassberger und schlägt ein dickes Notizbuch auf. „Schau, mein erster Scheck, den ich mir durchs Modeln verdient
habe.“ Die 150 Dollar waren Start seiner Model-Karriere, die bald danach Fahrt aufnahm. Geplant war das nicht. Aber es scheint so, dass sich die Möglichkeiten ergeben, wenn man nicht nach ihnen sucht. „Immer wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, ist es im Endeffekt ganz anders gekommen“, lacht er.
Model-Jobs für Marken wie Adidas. Auftritte in Werbespots. Die nächsten Jahre führten Thomas Grassberger von der Glitzerwelt Miamis nach Hawaii, wo er zum Männermodel des Jahres gewählt wurde. Später nach New York, wo er vom Model zum Tennis-Coach wechselte. Manhattan, Hamptons. Reich und schön. Muss man das alles erst einmal erlebt haben, um später mit ganz anderen, einfachen Dingen zufrieden zu sein? „In meinen Fall war es so. Nach über 20 Jahren im Ausland habe ich gespürt, dass ich wieder nachhause kommen möchte – es war die Zeit, ▶



„Ein guter Trainer? Muss offen sein und ein Gefühl für andere Menschen besitzen.“
Thomas Grassberger




Tennistraining: Thomas Grassberger arbeitet heute mit Kindern und Erwachsenen.
„Kinder im Tennissport zu fördern, das gibt mir selbst viel Energie.“
▶ wo ich auch einmal wo ankommen wollte.“ Eine schicksalhafte Begegnung durchkreuzte seine Pläne. Eigentlich wollte er nach Kitzbühel gehen, dort seine Tennistrainer-Karriere vorantreiben. „Als ich meine Mutter in Senftenberg im Kremstal besuchte, erzählte sie mir, dass meine Jugendliebe nur zwei Häuser weiter wohnte. Da klopfte ich einfach bei ihr an.“
Aus Kitzbühel wurde nichts. Seit mehreren Jahren lebt Thomas Grassberger mit seiner früheren Jugendliebe und jetzigen Partnerin in Senftenberg. Der internationale Jetset? „Den habe ich eingetauscht gegen viele unglaublich tolle Begegnungen und liebe Menschen hier.“ Thomas Grassberger hat sich als Tennistrainer selbständig gemacht und trainiert seine Schützlinge in Senftenberg und Gföhl, darunter viele Kinder und Jugendliche. Was muss man als guter Trainer eigentlich können? „Man muss offen sein und ein Gefühl für Menschen besitzen. Ich bin sehr dankbar, dass ich zum Tennis gekommen bin. So lerne ich immer wieder liebe Menschen kennen.“ Es scheint so, dass Thomas Grassberger Chancen einfach ergreift, wenn sie an
ihm vorbeihuschen. Die Wege ergeben sich eben am besten im Gehen.
Der Tennissport ist heute sein Werkzeug, um beruflich Kontakte und Freundschaften zu knüpfen. Besonders die Nachwuchsarbeit liegt ihm am Herzen – sowohl in seinen Einzelstunden als auch als Trainer in Sommercamps und für die TennisMeisterschaft: „Kinder zu fördern und zu sehen, wie sie ihr Tennis entwickeln, das gibt mir auch selbst viel Energie. Es ist schön, sie dabei begleiten zu dürfen.“
Daneben beschäftigt ihn die „Reise nach innen. Da kommt man drauf, dass alles zusammenhängt.“
Das Garteln und das Anbauen von Obst und Gemüse hilft ihm dabei, sorgt für Bodenhaftung, ganz buchstäblich. „Zu sehen, wie die Dinge rund um mich wachsen, wie lebendig alles ist – das gibt mir Kraft. Ich bin an einem Punkt im Leben angekommen, an dem ich das alles auskosten kann. Mit einer tollen Frau an meiner Seite, lieben Menschen, mitten im Grünen.“ Less is more. Es sind Begegnungen, die zählen.
Begegnungen nicht nur geschehen lassen, sondern bewusst gestalten. Ein wichtiges Thema. Hier zwei Sichtweisen darauf.

Platz machen für Begegnungen
Ausgehend von den Worten Rainer Maria Rilkes – „Freude ist unsäglich mehr als Glück. Glück bricht über die Menschen herein, Glück ist Schicksal – Freude bringen sie in sich zum Blühen“ – möchte ich Sie mitnehmen in einen Raum, der sich nur durch Begegnungen öffnet: den Raum der Entwicklungsmöglichkeit, der Weite, Offenheit und Verbundenheit.
Begegnungen haben die Kraft, leise oder stürmisch, plötzlich oder langsam, unser Leben zu verändern. Manchmal ist es ein kurzes Gespräch im richtigen Moment, manchmal eine Begegnung, die sich über Jahre entfaltet. Aus ihnen erwachsen neue Gedanken, Wege und Perspektiven – oft unbemerkt im Alltag, manchmal als klare Weggabelung, an der wir uns neu entscheiden.
Der RAUM für Vertrauen – Verbindung – Veränderung entsteht, wenn wir bereit sind, nicht nur zuzuhören, sondern uns wirklich einzulassen. Wer anderen offen begegnet, schenkt und empfängt zugleich. In diesem Austausch wächst etwas, das nicht nur für den Moment trägt, sondern nachhaltig wirkt – wie ein unsichtbarer Faden, der Menschen verbindet und Chancen webt.
„Freude ist einfach eine gute Jahreszeit über dem Herzen“ – so beschreibt Rilke eine Haltung, die in Begegnungen lebendig werden kann. Denn Freude ist nicht das Zufallsprodukt eines glücklichen Tages. „Freude ist das Äußerste, was die Menschen in ihrer Macht haben“ – sie ist eine Entscheidung, ein inneres Wachsen, genährt durch die Menschen, die uns inspirieren und ermutigen.
Vielleicht liegt genau darin die Einladung für uns alle: Begegnungen nicht nur geschehen zu lassen, sondern sie bewusst zu gestalten – als kostbare Momente, in denen wir uns und anderen Raum schenken, damit Neues entstehen kann.
Mag. Eva Kuba ist Trainerin, Beraterin und systemischer Coach. Sie arbeitet mit Führungskräften und Unternehmen in ganz Österreich.
www.evakuba.at
Warum echte Begegnung gerade im Alter so wichtig ist.
Wir schreiben das Jahr 2025. Unsere Welt ist vernetzter denn je – und doch fühlen sich viele Menschen einsamer als früher. Besonders ältere Menschen verlieren durch gesundheitliche Einschränkungen, eingeschränkte Mobilität oder den Tod von Freund*innen oft ihre gewachsenen sozialen Netzwerke. Zurück bleibt häufig ein tiefes Gefühl der Isolation.
In meiner Praxis begegnen mir viele ältere Menschen, die nicht vorrangig wegen einer Depression kommen – sondern weil sie sich jemanden wünschen, der einfach da ist. Jemand, der zuhört. Der ihre Lebensgeschichte würdigt. Der sie sieht. Wenn sie diesen Raum bekommen, wandelt sich oft auch das seelische Befinden. Die Symptome werden leichter, weil echte Verbindung heilt.
Ich arbeite systemisch – das bedeutet, ich beziehe auch Angehörige mit ein. Viele kommen mit einem „Reparaturauftrag“: „Bitte, machen Sie, dass Mama wieder funktioniert.“ Doch oft braucht es keine große Therapie. Es braucht Nähe, Zeit, echte Begegnung – jemanden, der einfach Mensch ist.
Ich bin überzeugt: Was wir im Alter wirklich brauchen, sind tiefgehende Beziehungen. Orte, an denen Alt und Jung voneinander lernen und füreinander da sein können. Deshalb bin ich eine große Befürworterin von Mehrgenerationenhäusern. Wenn ältere Menschen sich gebraucht fühlen – etwa durch das Kümmern um Enkelkinder oder das Teilen von Erfahrungen – dann bleibt ihre Lebensfreude lebendig. Denn: Vereinsamung macht krank. Nähe macht gesund.
Oder, wie es Martin Buber sagte: „Der Mensch wird nur am Du zum Ich.“
MMag. Iris Wandraschek ist systemische Psychotherapeutin und arbeitet sowohl in ihrer Praxis in Krems/Donau als auch mit Klient*innen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum online.
www.iriswandraschek.at
Instagram: @_deine_psychotherapeutin

„Unsere Aufgabe ist es, Brücken zu bauen, aber drüber gehen müssen die Menschen selber, und genauso funktioniert es in der Stadt des Miteinanders.“
Peter Eisenschenk
Wo’s passiert.
RÄUME, DIE BEGEGNUNG ERMÖGLICHEN

Gegen die Einsamkeit: Gemeinsamkeit! Die passiert in der Kellergasse meist beiläufig. Manchmal zufällig. Hin und wieder einfach so. Oder sowieso. Ein Lokalaugenschein bei Kellergassenführerin Ilse Gritsch in Dürnleis.
Schmäh und Weinviertel DAC.

Gut, der Titel ist geklaut. Sagen wir: geborgt. Angelehnt trifft’s auch. „Mit viel Schmäh und Weinviertel DAC“ ist Ilse Gritsch nämlich auch als Erzählerin unterwegs – gemeinsam mit der Mundartdichterin Elisabeth Schöffl-Pöll gibt sie da Geschichten aus der Kellergasse zum Besten. Wir treffen die ausgebildete Kellergassenführerin in einer „ihrer“ Gassen – der Königlichen Kellergasse in Dürnleis im Weinviertel.
Hier führt sie Gruppen, organisiert SingleKellergassenführungen und ist Ansprechpartnerin für so vieles, was in der Gasse so passiert. Warum gerade die Kellergasse ein idealer Ort für Begegnungen ist? „Weil’s unkompliziert ist“, lautet Ilse Gritschs Antwort. Unkompliziert, weil man einfach ins Gespräch kommt. Das handhabt sie auch bei ihren Führungen so. Nachdem ein Glas Frizzante das Eis gebrochen hat, kommen viele Gäste ganz automatisch ins Plaudern oder Fragen-Stellen. Untereinander. Miteinander. Die meisten zwischen 40 und 80, manche auch drüber. „Menschen im besten Alter eben“, weiß Frau Gritsch.
Die Jüngeren kommen, um Luft aus dem Alltag rauszunehmen. Die Älteren, um Gemeinsamkeit mitzunehmen. Eine Begegnungszone im besten Sinne. Mit einem selbst oder auch mit anderen, je nachdem was gerade gebraucht wird.
Nicht umsonst erleben Kellergassen gerade ein kleines Revival. Sie passen (wieder?) in die Zeit, die allzu geschäftig ist und gleichzeitig viel Einsamkeit produziert. Zwei Phänomene, denen die alten Keller trotzig entgegentreten. Ganz nach dem Motto: Wir sind schon länger da. Und bleiben es auch.
Die Dürnleiser haben Glück: In ihrer Kellergasse werden etliche Keller genützt. Das ist nicht überall so, aber hier vergeht kaum ein Moment, in dem sich nicht etwas bewegt. Die Gerti, die nach ihren Katzen schaut. Der Maurer, der im Keller nach dem Rechten sieht. Die zwei Witwen, deren Freundschaft hier begann. Und Ilse Gritsch, die alle kennt: „Trinkst was mit?“ Einfache Frage. Einfache Antwort. Und schon ist man dabei am ▶
Trinkst ein Glas mit? So eine Kellerpartie ist schnell beinander. Ilse Gritsch (Mitte) mit ihren Bekannten Gerti Flemming (links) und Hermi Döller, die zufällig vorbeikamen.



▶ Tisch, wo „nicht alles so pipifein sein muss.“ Genau das macht es ja aus, dass man Gäste einfach dazuholt. Oder sich nach der Arbeit noch auf ein schnelles Glas trifft, bevor’s nach Hause geht. Zusammenkommen. Einfach so. Damit ist die Kellergasse ein Ort, an dem das geht. Wirtshäuser, Stammtische, das gibt’s hier oft nicht mehr. Die Kellergassen haben das Potential, Teile dieser Lücke zu schließen.
„Alleine etwas zu unternehmen – das fällt vielen älteren Menschen nicht leicht. Ein Herr aus Hollabrunn hat mich einmal angerufen und gesagt, dass ihn eine offene Kellergassenführung schon interessieren tät’ – aber alleine käme er sich komisch vor“, erzählt Ilse Gritsch. „Und wie wir das hinbekommen haben – er hat sich letztendlich sehr wohl gefühlt.“ Damit das gelingt, hat Ilse Gritsch so ihre Tricks parat. Schmäh und Weinviertel DAC – wären wir wieder beim Thema. Mit ihren Mundart-Gedichten und G’schichtln öffnet sie so manches Herz. Und beim Anstoßen schauen
die Leute einander in die Augen. Woher die Tradition des Anstoßens kommt, weiß die Kellergassenführerin übrigens auch, wird an dieser Stelle aber nicht verraten. Da muss man schon selber nach Dürnleis.
Rund um den Tag des Kusses gibt’s jedes Jahr eine Spezialführung für Singles. Warum nicht in der Kellergasse einen Menschen fürs weitere Leben finden, vielleicht einen Freund? Oder zumindest Menschen für ein gutes Gespräch. „Es gibt so viele, die einsam sind. Ich finde es toll, wenn solche Veranstaltungen für den einen oder die andere eine Wende im Leben sein können.“ Und wenn der Traumpartner nicht dabei ist, dann war’s eben ein lustiger Abend.
... und wenn Sie sich jetzt heimlich fragen, wann die nächste Single-Kellergassentour stattfindet: am 4. Juli 2026. Denn: Warum alleine Wein verkosten, wenn’s gemeinsam viel lustiger ist?

Ilse Gritsch ist Mutter dreier Kinder, Journalistin und absolvierte in der Pension die Ausbildung zur Kellergassenführerin. Nun bietet sie Touren durch die Kellergassen in Dürnleis und Kammersdorf an. kulturvernetzung.at/de/ilse-gritsch/

„Ein G’spritzter, ein Schmalzbrot – und schon sitzt man in der Kellergasse zusammen.“
Ilse Gritsch kredenzt Weinviertler Kellerkultur – und schafft damit auch den Raum für Begegnungen.


Wenn der Name „Tulln“ fällt, dann denken viele an die Gartenbaumesse, die Garten Tulln, die Donaulände und auch an den grünen Nibelungenplatz. Die „Gartenstadt“ ist zur fixen Größe in Österreich geworden. Immer öfter wird Tulln aber auch mit einer Initiative assoziiert, der sich die Stadt seit einigen Jahren verschrieben hat: die „Stadt des Miteinanders“. Wir haben uns das genauer angesehen und auch mit dem Bürgermeister über das Projekt gesprochen.
Begegnung mit dem Miteinander


„Miteinander
leben und nicht nebeneinander leben, so das Narrativ.“
Bgm. Peter Eisenschenk
Unterschiedliche Begegnungen waren es wohl, die eine Idee reifen ließen. Da wäre einerseits der Benediktiner Anselm Grün, bei dem Bürgermeister Peter Eisenschenk mehrere Kurse in der Abtei Münsterschwarzach besucht hat. Grün sagt sinngemäß, dass es die ureigenste Aufgabe der Politik ist, die Gemeinschaft zu fördern, damit ein Miteinander entstehen kann und damit durch dieses Miteinander die Zukunft der Gemeinschaft gesichert ist. Da war Tulln ja mit den von der Stadt unterstützten Grätzelfesten und dem „Netzwerk Nachbar“ bereits in einer guten Richtung unterwegs. Und dazu dann die Ideen des deutschen Hirn-
forschers und Autors Dr. Gerald Hüther in seinem Buch „Kommunale Intelligenz“. Diese „entsteht nicht dadurch, dass man besser verwaltet, sondern es kommt dadurch, dass man die Menschen wieder befähigt, sich hier als Lebensgemeinschaft zu gestalten.“
2019 gelang es, Hüther zu einem Vortrag nach Tulln zu holen – die „Stadt des Miteinanders“ wurde offiziell präsentiert. Sechs Jahre später treffen wir Bürgermeister Peter Eisenschenk und versuchen, eine Zwischenbilanz zu ziehen. ▶
▶ „DAS IST ETWAS HANDFESTES“
„Die Initiative hat sich etabliert, sie ist in der Stadtverwaltung verankert, es gibt jetzt auch ein eigenes Ressort dafür. Die Idee ist in der Bevölkerung angekommen. Manche, die das ursprünglich eher als etwas nicht Greifbares beurteilt haben, sehen, dass es wirklich etwas Handfestes ist und Wirkung entfaltet“, erzählt der Bürgermeister.
Miteinander leben, voneinander lernen, gemeinsam gestalten – so die Kurzbeschreibung der Ziele. Ist das aufgegangen? „Unsere Aufgabe ist es, Brücken zu bauen, aber drüber gehen müssen die Menschen selber, und genauso funktioniert es in der Stadt des Miteinanders. Miteinander leben und nicht nebeneinander leben, so das Narrativ. Und das schafft Wirklichkeit.“
Die Website www.stadtdesmiteinanders.at bietet einen guten Überblick über die vielfältigen Aktivitäten des Projekts. Vom Aktivsommer über Nachbarschaftstreffen, Grätzelfeste, die alle zwei Monate stattfindenden Planungstreffen bis hin zum Leitfaden für alle, die etwas umsetzen möchten. Dazu noch ein Dutzend Gruppen, die in den letzten Jahren entstanden sind – vom Spiele- bis zum Wandertreff. Und das alles nicht in Konkurrenz, sondern als Ergänzung zu den mehr als 100 Vereinen, die es in der Stadt gibt.


„Ein Miteinander stärkt Wohlbefinden, Gesundheit und wirtschaftliche Prosperität.“

ES GEHÖRT AUCH MUT DAZU
Also – salopp formuliert – „alles eitel Wonne“ in Tulln? Peter Eisenschenk: „Wir haben ja auch in der Stadt des Miteinanders eine eigene Sprechstunde „Nachbarschaft“ etabliert, weil wir wissen, es wird immer Konflikte geben. Wir haben nicht den Anspruch, dass wir uns alle lieb haben müssen. Ein „Miteinander“ stärkt das Wohlbefinden, die Gesundheit und sogar die wirtschaftliche Prosperität einer Gemeinschaft. Und natürlich gibt es noch viele toxische Männlichkeiten, die mit dem Thema wenig anfangen können.“ Ihm ist bewusst,
„Ohne Begegnungsräume funktioniert die Stadt schlicht und einfach nicht.“
„dass auch sehr viel Mut dazu gehört, dieses Thema anzugehen, weil diese Entwicklung passiert wesentlich langsamer als beispielsweise, wenn ich eine Gesellschaft radikalisieren möchte, indem ich mit Feindbildern arbeite.“
Und er ist sich seiner Vorbildfunktion bewusst. „Es macht einen Unterschied, ob die Führung eines Unternehmens oder auch die Führung einer Stadtgemeinde für ein Miteinander steht oder ob, wie zum Beispiel gerade das Musterbeispiel in den USA zeigt, ein Präsident an der Spitze steht, der ganz, ganz bewusst versucht, etwas salonfähig zu machen – dass der Stärkere das Recht über den Schwächeren hat.“ ▶

„Unsere Aufgabe ist es, Brücken zu bauen, aber drüber gehen müssen die Menschen alleine.“
Bgm. Peter Eisenschenk
▶ „Die Qualität der öffentlichen Plätze hat einen Einfluss auf die soziale Verbundenheit einer Stadt“, ist Peter Eisenschenk überzeugt. Und solche gibt es viele in der Stadt: Vom pulsierenden Hauptplatz über die Donaulände bis zum neu gestalteten Nibelungenplatz – der wurde von einem asphaltierten Parkplatz zu einem grünen Vorzeigeprojekt umgebaut.
In Tulln beschäftigt man sich schon länger mit dem Thema „Wohlfühlen“ im öffentlichen Raum. Und auch wenn die Donaulände heute als prächtiger Grünraum gesehen wird, standen auch hier in der Planung die Prinzipien des Miteinanders im Mittelpunkt. „Das ist nicht zufällig passiert, da steckte eine Idee dahinter“, betont der Bürgermeister.
Hat der Bürgermeister einen Lieblingsraum in der Stadt? „Also zu meinen Lieblingsräumen zählt mit Sicherheit der Bereich Donaulände vom Süddeck bis zur Wassertreppe, das habe ich besonders gerne, aber ich fahre auch gerne weiter runter, es macht mir Freude, wenn ich da nach dem Hallenbad diesen Bikepark sehe, wo die Kids und die Jugendlichen unterwegs sind.“
TULLNER DIALOGE
Einen neuen Begegnungsraum inhaltlicher Art eröffnete Tulln Ende Mai 2025. Da gab es im Tullner Atrium die Premiere der „Tullner Dialoge“. Das Ziel? „Da geht es ums Miteinander-Reden und nicht ums Gegeneinander-Diskutieren – man kann auch sagen: Das Beleuchten von wichtigen Themen aus unterschiedlichen Perspektiven. Wir wollen etwas möglich machen, was in der Politik,
in der oberflächlichen Debatte und überhaupt in Zeiten der schnellen Kommunikation verloren geht – sich mit wichtigen Themen pragmatisch auseinanderzusetzen und die vielen Schattierungen zu sehen“, so der Tullner Bürgermeister. Die erste Veranstaltung stand unter dem Titel „Islamischer Glaube und Migration.“
Apropos Religion: Die „Stadt des Miteinanders“ hat eine in Österreich einzigartige Initiative ausgelöst: die „Spirituellen Brückenbauer“ – die bestehen aus beiden katholischen Pfarren der Stadt, der evangelischen Kirche, der serbisch-orthodoxen Kirche sowie der islamischen Glaubensgemeinschaft. Sie verfolgen das Ziel, Menschen zusammenzuführen, egal welchen Glaubens sie sind. Peter Eisenschenk: „Es geht darum, ein Zeichen zu setzen, dass ab- oder ausgrenzendes religiöses Gruppendenken in Tulln nicht existieren soll. Die Leiter der Glaubensgemeinschaften sind dabei Vorbilder, die zeigen, dass Religion nichts Trennendes, sondern etwas Verbindendes sein soll.“
FREUDE AM ERREICHEN
„Dort wo Menschen einander begegnen, fängt an, das Neue in die Welt zu kommen“, so Dr. Gerald Hüther. In Tulln ist durch die „Stadt des Miteinanders“ viel Neues in die Welt gekommen. Peter Eisenschenk: „Der Bürgermeister-Job ist bisweilen extrem anstrengend und Kräfte raubend. Freude, die dieser Job bringen kann, ist die Freude am Erreichen, wenn eine Idee funktioniert. Und wenn positive Begegnungen durch politisches Tun entstehen, dann bin ich glücklich, denn es ist eine Aufgabe der Politik, die Menschen zusammenzuführen.“
Lange nicht gesehen!
Über Wert & Wandel
von Begegnungsräumen

nicht

Stets gut getaktet. Heute sind spontane Begegnungen seltener geworden. Geht dabei etwas verloren?



Mitunter passiert es ja noch, dass man jemandem zufällig über den Weg läuft. Unerwartet, überraschend, gar nicht peinlich. Früher wusste man, wo die Chancen dafür gut stehen. Beim Stammtisch, im Kaffeehaus, vor dem Kino, am Platz …
In den Städten haben wir viele Begegnungsräume dem Auto geopfert. Hat sich nicht bewährt. Deshalb müssen wir heute wieder Begegnungszonen schaffen, wo alle das tun sollen, was menschlich wäre: aufeinander aufpassen.
Ins Wirtshaus geht er nur mehr selten, sagt der Nachbar. Weil er ohnehin niemanden mehr trifft zum Kartenspielen. Die einen sitzen vorm Fernseher, die anderen starren aufs Smartphone. Treffen online. Schnell wegwischen, was nicht passt. Eintauchen in die Bubble, wo keiner widerspricht. Die Wirkung? So wie nach dem Essen im Fastfood-Tempel. Der Hunger nach dem Echten ist bald wieder da. Höchste Zeit für neue Begegnungsräume. Wie immer sie auch heißen mögen.

Der Hunger nach Echtem ist da. Höchste Zeit für neue Begegnungsräume.

Zwischen.Räume
Hier
die SeniorInnenUNI.
Da das Dorfcafé. Über zwei Begegnungsorte, in denen Neues entsteht und Vertrautes genossen werden kann.
Der Traum von der Hochschule: SeniorInnenUNI Krems
Manche Vortragende kommen nicht einmal bis zur Hälfte ihrer vorbereiteten Folien. So viele Fragen haben die Studierenden an der SeniorInnenUNI. Das ist ein Programm des IMC Krems für Menschen, die sich nach dem aktiven Berufsleben weiterbilden wollen. Vier Semester mit unterschiedlichen Modulen rund um Gesundheit, Wirtschaft, Persönlichkeitsbildung und Digitalisierung. Für viele geht damit ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung: einmal im Leben Uni-Luft schnuppern. Früher, da war oft keine Zeit zwischen Job, Kindern & Co. Oder man hat sich’s nicht zugetraut. Aber jetzt! „Die Motivation der Senior-Studierenden ist unglaublich“, erzählt Organisatorin Sabine Steinkellner. Das merkt man nicht nur an der Anzahl an Fragen, sondern auch in den Abschlussarbeiten. Viele motiviert die SeniorInnenUNI, sich ehrenamtlich zu engagieren oder ein Projekt umzusetzen, das sie schon lange im Kopf hatten.
Aus Studienkolleginnen und -kollegen werden nicht selten Freunde. Die SeniorInnenUNI ist damit auch ein Ort, um neue Menschen kennenzulernen. Menschen, die etwas bewegen wollen. Wie Gerda Zipfelmayer. Blättern Sie auf Seite 14. Weitere Infos auf www.seniorenuni.at

Uni-Luft schnuppern und neuen Menschen begegnen: ab auf den Campus!
Zum Tratschen: Kafesy Stratzing
Die Senioren kommen Dienstagnachmittag. Die jungen Mütter immer am Vormittag. Und so manch einer nach getaner Arbeit auf einen schnellen Kaffee. „Der Kafesy“ ist das inoffizielle Zentrum von Stratzing. Und ein Paradebeispiel, wie’s funktionieren kann. Während vielerorts Cafés, Wirtshäuser & Co zusperren, hat der Bäckerbetrieb vor ein paar Jahren ausgebaut: 55 Sitzplätze drinnen, 40 draußen.
Wer frühstücken will, reserviert besser vorab. Es kann schnell voll werden. Und es zeigt: Ein Platz, wo man sich treffen kann, ist auch oder gerade am Land gefragt. Zwischenräume, in denen man gemeinsam für sich sein kann. In denen unterschiedliche Menschen und Meinungen aufeinandertreffen. Vielleicht nicht so hitzig wie im Wirtshaus. Die Leute trinken Kaffee. Fürs Bier geht man eher zum Wirt um die Ecke. Hier wird gefrühstückt und gejausnet – im Geschäft nebenan kann man einkaufen, die Post aufgeben, Pakete abholen. One-stop-Shop heißt’s auf Englisch. Egal, wie man’s nennt: Plätze wie dieser sind von unschätzbarem Wert für die Ortschaft. Und sie funktionieren, wenn man sie regelmäßig nützt. Also los, gehen wir tratschen! www.kafesy.at



Jürgen Kafesy führt den Familienbetrieb – und macht dazu noch tolles Eis, Empfehlung!

Punschkrapfen oder Muffin?
Die Generationenfrage.
Muffin, Cinnamon-Roll oder Punschkrapfen?
Zu welcher Mehlspeise wir greifen, ist nicht nur eine Geschmacksfrage, behaupte ich. Nein, hier scheiden sich nicht die Geister, sondern ganze Generationen.
Kinder greifen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zum amerikanischen MiniKuchen. Können Sie sich eine Geburtstagsparty oder ein Schulfest ohne diese (oft so faden) Muffins vorstellen? Mit Schokostücken oder Streusel – die Bandbreite der Küchlein ist klar begenzt, ihre geschmackliche Tiefe ähnlich der des Neusiedlersees. Warum tun wir dem Nachwuchs das eigentlich an?
Da schauts mit den Cinnamon-Rolls schon anders aus. Eine schwedische Süßigkeit, die klar sagt: Ich bin Ü20 und hab schon ein bissl was gesehen von der Welt. Ein Hybrid zwischen Nussschnecke und Reindling. Wer was auf sich hält und es sich leistet, nimmt die aus Sauerteig. Ja, auch Klassenunterschiede können sich im Zuckerguss kristallisieren.
Und Gewohnheiten. Punschkrapfen bleibt Punschkrapfen. Bleibt Punschkrapfen. Die Lieblingsmehlspeise der „älteren Herrschaften“, wie mir Bäcker Jürgen Kafesy (Seite 69) erzählt. Weil man über die perfekte Konsistenz sowie die Biskuit-Füllung-Ratio quasi endlos diskutieren kann. Und weil’s einen wahrscheinlich an die eigene Kindheit erinnert. Womit sich der Generationenkreis schließt. Am besten an einem Ort, der alles bietet, wie das Dorfcafé. Da gibt’s nicht nur Punschkrapfen, sondern auch Begegnungen. In der Zwischenzone zwischen privat und öffentlich. Begegnungsorte, die unsere Gesellschaft braucht.
Ich bin dann mal dort. Eine Bananenschnitte, bitte.
Punschkrapfen oder Muffin? In dieser Kolumne
stellt Texterin und Fotografin Pamela Schmatz die Generationenfrage an der Mehlspeisbudel.
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