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Hausärzt:in 02/2026

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Praxiswissen:

DOSSIER VORSORGEMEDIZIN GESUNDHEITSCHECK NEU DENKEN

Vorsorgeuntersuchung im Fokus –Impfen als Präventionsstrategie

Weniger suchen, mehr wissen.

Ihr Begleiter im medizinischen Berufsalltag.

Ihr Arbeitsalltag ist stressig genug –verlieren Sie nicht auch noch Zeit mit der Suche nach medizinischen Informationen oder Terminen. Mit Gesund.at haben wir ein Portal geschaffen, das Ihnen diese Arbeit abnimmt. Selbstverständlich haben wir auch an Weiterbildung gedacht, so können Sie ab sofort DFP-Punkte auch unterwegs sammeln! Klingt gut, oder?

Editorial

Vom KI-Hype zum unterstützenden Werkzeug

Kaum ein Thema hat in den vergangenen Jahren für so viel Aufmerksamkeit im Berufsleben so vieler gesorgt wie die künstliche Intelligenz. Auch in Ordinationen und in Redaktionen kamen drängende Fragen auf: Wird KI Diagnosen stellen, Therapien festlegen bzw. das Denken und Schreiben von Artikeln übernehmen und uns Entscheidungen abnehmen? Die Erwartungen schwankten oftmals zwischen Heilsversprechen und Bedrohungsszenarien. Heute, nach der ersten Hypewelle, zeigt sich ein etwas nüchterneres Bild. Und genau darin könnte die eigentliche Chance der KI liegen: In vielen ärztlichen Praxen ist sie inzwischen angekommen, ohne großes Aufsehen zu erregen. Sie liest Röntgenbilder vor, erkennt Auffälligkeiten bei Hautveränderungen, unterstützt bei der Auswertung von EKGs oder hilft, Verwaltungsprozesse zu strukturieren. Selten agiert sie autonom. In der Regel ist sie das, was gute medizinische Werkzeuge immer waren: ein Assistenzsystem, das Hinweise gibt, Zeit spart und die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche lenkt. Die Verantwortung bleibt beim Menschen.

Der Wandel in den Redaktionen vollzieht sich ähnlich und doch unter deutlich anderen Vorzeichen. Auch hier geht es vor allem darum, wie die KI Rechercheprozesse beschleunigen, große Datenmengen erschließbar machen oder erste Textentwürfe liefern kann. Für Kongressnachberichte etwa ist sie eine echt wertvolle Unterstützung. Dabei interessiert uns nicht eine etwaige Haltung der KI bzw. welche Relevanz sie einzelnen Aussagen der Vortragenden beimisst, sondern dass sie dabei hilft, schneller dorthin zu gelangen, wo menschliche – journalistische – Fähigkeiten gefragt sind.

Bekenntnis zur Qualität

Der Wandel vom Hype zum Werkzeug ist allerdings kein neutraler Prozess. Er ist eingebettet in ökonomische Rahmenbedingungen. KI kann entlasten, doch ebenso als Vorwand bzw. Argument dienen, notwendige Einsparungen durchzusetzen.

Während in vielen Praxen der Personalmangel zwar auch belastend, aber selten existenzbedrohend ist, befinden sich zahlreiche Redaktionen in einer strukturellen Krise. Sparrunden samt Stellenabbau haben das Vertrauen in technologische Heilsversprechen vielerorts beschädigt. Die KI wird dann verständlicherweise von den Mitarbeiter:innen primär als Rationalisierungsmaßnahme wahrgenommen und nicht als Entlastungsmöglichkeit. Obwohl sie in Wahrheit den wirtschaftlichen Druck nicht verursacht hat, sondern ihn nur sichtbar macht. Was es umso mehr braucht, ist ein klares Bekenntnis dazu, dass Qualität Zeit, Erfahrung und Verantwortung erfordert. Nicht die Technologie entscheidet über die Qualität, sondern der Umgang mit ihr. Ärztliche Erfahrung und journalistische Sorgfalt lassen sich nicht automatisieren. In der Medizin wie im Journalismus geht es letztlich um Vertrauen – der Patient:innen bzw. der Leser:innen. Dieses Vertrauen entsteht wohl kaum durch Algorithmen. Es wird Menschen entgegengebracht, die Werkzeuge kompetent einsetzen.

Eine Frage des Vertrauens

Unser Anspruch bleibt jedenfalls, Ihnen auch in Zukunft fachlich fundierte, sorgfältig erarbeitete Inhalte, unterstützt durch Expert:innen und KI, zur Verfügung zu stellen. In unserer druckfrischen Ausgabe der Hausärzt:in finden Sie wieder viele spannende Veranstaltungsnachberichte, u. a. vom Österreichischen Impftag ab Seite 14. Der künstlichen Intelligenz ist ein Artikel zur digitalen Nachhaltigkeit im Praxisalltag ab Seite 40 gewidmet, unter dem Motto „ Daten brauchen Energie … und Ressourceneffizienz“. Wir wünschen Ihnen eine informative Lektüre.

Ihre

Mag.a Karin Martin

Redaktionsleiterin RegionalMedien Gesundheit, karin.martin@regionalmedien.at

pharmazeutisch

Impfungen fungieren als eine der wichtigsten präventiven Maßnahmen.

05 Neue S3-Leitlinie Schizophrenie Von Achtsamkeit bis Clozapin

06 Metabolische Migräne Wenn das Gehirn in den Energiemangel rutscht

18 Praxisupdate 2026

Hypercholesterinämie und moderne Lipidtherapie

22 Entwicklungen in der PneumoOnkologie Highlights von internationalen Kongressen

VORSORGEMEDIZIN

08 Gesundheitscheck neu denken Vorsorgeuntersuchung im Fokus

12 Impfen als Präventionsstrategie Serie 1: Entwicklungen im Impfprogramm

25 Noch ist Heizsaison! Hausstaubmilben mögen warme, trockene Luft

26 Was wirklich zählt Akute und chronische Bronchitis in der Primärversorgung

29 Top-Husten-Produkte nach Menge und Wert Marktanalyse von Maria Koeppner-Bures, IQVIA Austria

38 Wie „grün“ sind IT und AI

Digitale Nachhaltigkeit im Praxisalltag

40 TERMINE

Aktuelle Kongresse und mehr

41 Ordi-Geflüster

Die neue Patient:innengeneration

43 Was gibt es Neues Nachberichte von aktuellen Hintergrundgesprächen

39 Impressum extra

30 Gefahr im Verzug Winterinfektionen aus pneumologischer Sicht: Teil 2

34 AFP-Praxiswissen: Insomnie Ursachen, Diagnose und Behandlung

Neue S3-Leitlinie Schizophrenie 2025

Von Achtsamkeit bis Clozapin: Therapie im Wandel

Seit Oktober 2025 ist die überarbeitete S3-Leitlinie Schizophrenie verfügbar: Die Leitlinienversion von 2019 wurde nicht nur überprüft und neu konsentiert, sondern auch um vier gänzlich neue Empfehlungen erweitert: um die Durchführung von achtsamkeitsbasierten Verfahren zur Reduktion von Positivsymptomen (stark), den Einsatz von digitalen und technikgestützten Therapieangeboten (schwach), die Praxis der „ Acceptance and Commitment Therapy“ (konsentiert) sowie um die Behandlung einer komorbiden posttraumatischen Belastungsstörung bei Schizophrenie-Patient:innen mit „ P rolonged Exposure“- und „ Eye Movement Desensitization and Reprocessing“Verfahren (schwach).

In der Pharmakotherapie unterstrich man die Bedeutung des therapeutischen Drug-Monitorings bei Clozapin – durch die Änderung von Empfehlungsgrad B zu A. Ebenso wurde der Einsatz von Clozapin in der Kinder- und Jugendpsychiatrie von B auf A hochgestuft. Die starke Empfehlung für die antipsychotische Monotherapie wurde hingegen auf B herabgestuft, während bei therapieresistenter Schizophrenie ein Behandlungsversuch mit Clozapin als Monotherapie eine starke Empfehlung erhielt. Falls die Gabe von Clozapin nicht möglich ist, kann eine Kombination von zwei Antipsychotika zur Anwendung kommen. Zudem wurde Olanzapin für die Behandlung von Negativsymptomen aus der Empfehlung entfernt, Cariprazin hingegen ergänzt.

Hier geht es zur aktuellen Leitlinie:

Auch das Nebenwirkungsmanagement ist angepasst worden: Die Schwelle für eine Intervention bei Gewichtszunahme wurde von sieben auf drei Prozent gesenkt und Topiramat, ein Wirkstoff zur Behandlung dieser Begleiterscheinung, aufgrund schwächerer Evidenz und eines Rote-Hand-Briefs gestrichen. Den Einsatz von GLP-1-Rezeptoragonisten hat man angesichts der begrenzten Evidenzlage vorerst zurückgestellt. Ergänzt wurden außerdem neue Vorgaben für das Blutbild- und Myokarditis-Monitoring bei Clozapin sowie zusätzliche Informationen über Nebenwirkungen.

Im Bereich der Psychotherapie bekam die Empfehlung für die Psychoedukation eine neue Beurteilung: Die Einbeziehung der Familie weist nun eine stärkere Evidenz auf als die bifokale Psychoedukation. Weiters gehören das metakognitive Training und die kognitive Remediation nun zu den starken Empfehlungen – die systemische Therapie erhielt erstmals eine Empfehlung (Grad C). Von den psychosozialen Therapien erfuhren zwei eine Aufwertung: die Ergotherapie von keiner Empfehlung zu Empfehlungsgrad B und Bewegungsinterventionen von B zu A. Laura Elisabeth Schnetzer, BA

Wenn das Gehirn in den Energiemangel

Neue Erkenntnisse rund um die „metabolische Migräne“

Migräne ist weit mehr als nur Kopfschmerz. Es handelt sich um eine komplexe neurologische Erkrankung, die über eine Milliarde Menschen weltweit in ihrem Alltag erheblich einschränkt. Eine Medizinerin, die das besonders gut versteht, ist Prim.a Dr.in Eva-Maria Ornella. Die Ärztin war selbst jahrelang massiv von Migräne betroffen. Aus dieser doppelten Perspektive – der medizinischen und der persönlichen – entwickelte sie ein neues Verständnis der Erkrankung und insbesondere der Verbindung von Stoffwechselstörungen und Migräne. „Metabolische Migräne“ ist ein relativ neuer Begriff aus der Migräneforschung, sie steckt also quasi noch in den Kinderschuhen. „I n den letzten Jahrzehnten lag der Schwerpunkt in der Migräneforschung vor allem auf der medikamentösen Behandlung. Wir wissen aber heute, dass diese Medikamente bei vielen Patient:innen nicht die erhoffte Wirkung erzielen. Die Zahl der ,Non-Responder‘ liegt etwa bei den neuen CGRP-Antikörpern zwischen 43 und 73 %“, hält Prim.a Ornella fest. „ Das heißt, es muss noch eine andere Ursache geben, bei der wir genauer hinschauen müssen.“

Im Zentrum der aktuellen Forschung rund um die „metabolische Migräne“ steht die Annahme, dass es sich nicht primär um eine Gefäßkrankheit handelt, sondern um eine tiefer liegende Störung im Energiestoffwechsel des Gehirns. Prim.a Ornella: „Das Gehirn der Betroffenen kann seinen Energiebedarf in bestimmten Situationen nicht mehr ausreichend decken – es kommt zu einer Art energetischer Krise. Die Energieunterversorgung kann die Reizschwelle im Gehirn senken und eine Migräneattacke auslösen “

Ungleichgewicht

im Gehirn

Immer mehr Forschungsergebnisse deuten der Expertin zufolge darauf hin, dass Migräne auch als Stoffwechselstörung des Gehirns angesehen werden kann. „ Das Problem liegt in der zellulären Ebene des Gehirnstoffwechsels. Genauer: Die Mitochondrien – die ,Kraftwer-

Prim.a Dr.in Eva-Maria Ornella, Leiterin der Abt. f. Innere Medizin

Mein Gesundheitszentrum Klagenfurt, mit Wahlarztordination in Villach, ist auch Künstlerin.

rutscht

ke‘ der Zellen – arbeiten bei den Betroffenen ineffizient. Daraus resultiert eine sogenannte ,Energiekrise‘, bei der das Gehirn vorübergehend seine normale Funktion nicht mehr aufrechterhalten kann“, erklärt sie. Dies wiederum führe zu einer Überempfindlichkeit des Gehirns – Licht, Geräusche, Gerüche oder selbst kleinste Blutzuckerschwankungen könnten in der Folge zur Qual werden und in den stark einschränkenden Attacken enden: „ Die Migränepatient:in ist quasi nicht mehr leistungsfähig. Der Stecker ist raus. Erst wenn das Gleichgewicht im Gehirn wiederhergestellt ist, hört die Attacke auf.“

Prim.a Ornella betont zudem den Einfluss von oxidativem Stress, also der Schädigung von Zellen durch freie Radikale. Dieser Prozess sei besonders bei einem gestörten Energiestoffwechsel verstärkt aktiv – ein weiterer Faktor, der Migräneanfälle begünstige.

Metabolischer Ansatz

Das Behandlungskonzept kann, auf den neuen Erkenntnissen aufbauend, aus fünf Hauptsäulen bestehen: u Blutzuckerstabilität: Vermeidung von Blutzuckerschwankungen durch eine ausgewogene Ernährung, um Energieengpässen im Gehirn vorzubeugen. v Erhöhte Zufuhr von Antioxidantien und Reduktion von oxidativem Stress: Durch die Aufnahme von Antioxidantien und die Minimierung von Stressfaktoren soll oxidativem Stress entgegengewirkt werden. Wichtig ist

Prim.a Ornella zufolge auch die Vermeidung von Umweltgiften wie Pestiziden und Schwermetallen. w Mikronährstoffversorgung: Vitamine und Mineralstoffe wie Magnesium, Coenzym Q10 oder B-Vitamine unterstützen die Zellfunktion. Ein wesentlicher Bestandteil der Therapie sind zudem Omega-3-Fettsäuren mit hohem DHA-Anteil. Auch Vitamin D spielt eine entscheidende Rolle in der Migränetherapie.

x Bereitstellung von alternativen Energiequellen: Durch eine ketogene Diät wechselt der Körper in den sogenannten Fettstoffwechsel und produziert dann aus Fett Ketonkörper. Nach einer gewissen Umstellungszeit kann das Gehirn lernen, diese für die Energiegewinnung zu nützen. „ Der Vorteil einer ketogenen Ernährung liegt darin, dass der Blutzuckerspiegel stabil bleibt. Ketonkörper können ebenfalls eine positive Wirkung auf das Gehirn haben. Ob eine ketogene Ernährung für die einzelne Patient:in geeignet ist, sollte aber am besten mit der Ärzt:in des Vertrauens besprochen werden“, rät Prim.a Ornella. y Maßnahmen, welche die Mitochondrienneubildung fördern: Das sind im Wesentlichen Krafttraining – oder noch besser High-Intensity-Training (HIT) –, Saunagänge oder Eisbaden. „I nsbesondere durch kurzes, aber regelmäßiges Krafttraining werden in unseren Muskelzellen schnell neue Mitochondrien gebildet“, betont die Ärztin.

Diese Erkenntnisse hätten nicht nur wissenschaftliche, sondern auch praktische Bedeutung: „Viele Betroffene berichten von einer deutlichen Verbesserung ihrer Lebensqualität durch den metabolischen Ansatz – inklusive seltenerer oder weniger intensiver Migräneattacken.“

Unterschiede zwischen Männern und Frauen?

Die Forschung zur metabolischen Migräne zeigt, dass sich diese bei Frauen und Männern unterschiedlich manifestieren kann. Frauen sind öfter betroffen und erleben signifikant häufiger intensivere Symptome. „ Nämlich vor allem zwischen dem 30. und dem 40. Lebensjahr, gerade dann, wenn Frauen besonders leistungsfähig sein sollen und mit Familie, Haushalt und Job eine extreme Mehrfachbelastung besteht“, weiß Prim.a Ornella. Weiters gebe es Hinweise, dass Frauen nach einer Mahlzeit eine höhere Insulinausschüttung und dadurch nach den Mahlzeiten niedrige Glukosespiegel hätten. Das deute darauf hin, dass sie für metabolische Migräne anfälliger sind. Ein wesentlicher Faktor hierfür seien hormonelle Schwankungen. Insbesondere das Geschlechtshormon Östrogen dürfte dabei eine große Rolle spielen. Auch betreffe Migräne dreimal häufiger Frauen als Männer. Prim.a Ornella weiß aus persönlicher Erfahrung, was es heißt, mit den Vorurteilen dieses als „ Frauenkrankheit“ angesehenen Leidens zu leben, das häufig mit „ Es sind ja nur Kopfschmerzen “ abgetan wird. „ Aber nichts ist nur schwarz oder weiß. Bei mir ist aus etwas ganz Schlimmem auch etwas sehr Schönes entstanden“, erzählt sie. „ D urch die ständige Migräne konnte ich körperlich kaum mehr aktiv sein, und so hat sich mein Zugang zur Kunst entwickelt. Heute bin ich Ärztin und Künstlerin.“

Kein Patentrezept für alle

Migräne sei zwar nicht heilbar, aber die Migräneattacken ließen sich deutlich reduzieren, so Prim.a Ornella. Bei vielen kämen die Attacken sogar jahrelang nicht wieder. „ Jede Migränepatient:in ist individuell zu betrachten und behandeln und es muss Betroffenen ganz genau zugehört werden“, unterstreicht die Expertin. „ Es gibt leider kein Patentrezept für alle. Bei manchen Migränepatient:innen schlägt sich die jahrelange Migräne zum Beispiel im Schlafrhythmus nieder und sie entwickeln zunehmend Schlafstörungen, was zusätzlich belastend sein kann …“ Was könnte man trotzdem jeder Migränepatient:in raten für sich zu tun? „ Den Nährstoffbedarf ermitteln zu lassen und Mängel auszugleichen sowie jeden Tag fünf Liegestütze zu machen“, resümiert die Expertin. Das sei der erste Schritt in Richtung gesunder Mitochrondrien.

Red

Literatur:

Olivito I et al., Clinical Nutrition 2024, Volume 43, Issue 8, 1781 – 1787. Gunasekera L et al., Brain Behav 2025 Sep;15(9):e70860. Caprio M et al., J Transl Med 21, 692 (2023).

Gesundheitscheck neu denken

Vorsorgeuntersuchung im Fokus: Stärken, Lücken, Perspektiven

Österreich hat ein leistungsfähiges und zugleich kostenintensives Gesundheitssystem. Laut Statistik Austria betrugen die laufenden Gesundheitsausgaben im Jahr 2024 insgesamt 57.837 Millionen Euro, was 11,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht.1 Damit ist Österreich im Bereich der Gesundheitsaufwendungen –gemessen am prozentualen Anteil des BIPs – seit 2021 eines der drei ausgabenstärksten Länder der EU.2 Trotz dieses großen finanziellen Einsatzes zeigen sich gesundheitliche Defizite. EurostatDaten aus dem Jahr 2023 belegen, dass Österreicher:innen nur rund 60 Jahre bei guter Gesundheit verbringen, während der EU-Durchschnitt insgesamt 63 Jahre beträgt. Interessanterweise unterscheiden sich Frauen und Männer in Österreich hinsichtlich der gesunden Lebensjahre kaum, obwohl Frauen insgesamt eine höhere Lebenserwartung aufweisen.3

Zurückgeführt werden jene Ergebnisse unter anderem auf den großen Anteil der Bevölkerung mit chronischen, nicht übertragbaren Erkrankungen, darunter Adipositas, Diabetes mellitus Typ 2, Herz-Kreislauf- oder psychische Erkrankungen. Die österreichische Vor-

sorgeuntersuchung soll dazu beitragen, Risikofaktoren und Krankheiten frühbzw. rechtzeitig zu identifizieren. Im Jahr 2024 ließen 1.409.861 Menschen einen Gesundheitscheck durchführen. Das entspricht einem Anstieg von 6,9 Prozent, verglichen mit 2023. Dennoch nehmen insgesamt nur rund 15 Prozent der Bevölkerung jenen in Anspruch. Auch geschlechtsspezifische Unterschiede sind erkennbar: 2024 nutzten lediglich 649.722 Männer das Angebot, während sich 760.139 weibliche Personen einem Basisvorsorgecheck unterzogen.4 Zusätzlich zur jährlichen Vorsorgeuntersuchung gibt es Programme für die Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs sowie Brustkrebs ab dem 40. Lebensjahr, Darmkrebs ab dem 45. Lebensjahr und Prostatakrebs ab dem 50. Lebensjahr. Eine neue Umfrage des Spectra-Instituts zum Thema „Vorsorge, Prävention, Krebsscreening“ ergab, dass Vorsorgemaßnahmen wie die Selbstabtastung von Brust bzw. Hoden oder der PAP-Abstrich von Österreicher:innen am häufigsten genutzt werden – rund 70 Prozent der Befragten wählten solch eine Maßnahme in den letzten 24 Monaten. Deutlich ernüchternder ist jedoch das Bild bei Vorsorgeuntersuchungen

durch die Hausärzt:in bei Blut- oder Stuhltests sowie der Mammographie, weil weniger als 55 Prozent der Befragten diese Angebote innerhalb der letzten zwei Jahre nutzten. Daraus lässt sich schließen, dass insbesondere die häufigsten Krebserkrankungen – Prostata- und Brustkrebs – im medizinischen Vorsorgesetting nicht mit ausreichender Regelmäßigkeit abgeklärt werden. Hier gilt es, mehr Awareness zu schaffen. Als besonders motivierende Faktoren für die Inanspruchnahme von Vorsorgeuntersuchungen werden persönliche Empfehlungen durch Hausärzt:innen sowie Einladungen per Post oder E-Mail mit direkter Terminbuchungsmöglichkeit genannt.5

Angesichts dieser Entwicklungen im Bereich der Prävention soll hier die Vorsorgelandschaft in Österreich näher betrachtet werden. Die Hausärzt:in hat deshalb Expert:innen und Verantwortliche aus dem Gesundheitswesen eingeladen, die aktuellen Vorsorgeuntersuchungen zu resümieren, allfällige Lücken in der Versorgung aufzuzeigen und die zukünftige Gestaltung der Gesundheitschecks zu skizzieren.

Laura Elisabeth Schnetzer, BA

„Jeden ärztlichen Kontakt nutzen“

Dr. Artur Wechselberger Facharzt für Allgemein- und Familienmedizin und Leiter des Referats für Sozial- und Vorsorgemedizin der Österreichischen Ärztekammer

Die Vorsorgeuntersuchung ist seit Jahrzehnten ein wichtiges Instrument zur Prävention und Früherkennung zahlreicher Volkskrankheiten und aus einer modernen, qualitativ hochwertigen Gesundheitsversorgung nicht mehr wegzudenken. Durch den jährlichen Gesundheitscheck können unter anderem Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-,

Stoffwechsel- und Atemwegserkrankungen, aber auch für Krebs, Erkrankungen des Bewegungsapparats oder psychische Leiden frühzeitig erkannt und eine Erkrankung letztendlich verhindert werden. Denn die frühe Diagnose ermöglicht eine rasche Behandlung. Je schneller therapeutische Maßnahmen gesetzt werden, desto größer ist die Chance auf Vermeidung, Eindämmung oder Heilung einer Erkrankung. Im Rahmen der jährlichen Vorsorgeuntersuchung bei Fachärzt:innen für Allgemein- und Familienmedizin werden genau jene Risikofaktoren zuverlässig und unkompliziert erhoben, die maßgeblich zur Entstehung all dieser Krankheiten beitragen. Schon bei der Anamnese lassen sich durch die Erfassung aktueller Beschwerden, des Lebensstils, früherer Erkrankungen und familiärer Vorbelastungen Risikofaktoren sehr gut abschätzen. Weitere wichtige Hinweise geben die körperliche Untersuchung und verschiedene Labortests. Beinhalten die Ergebnisse bedenkliche Abweichungen, können entweder unverzüglich Behand-

lungspläne daraus abgeleitet oder zusätzliche, spezifischere Tests und Untersuchungen veranlasst werden. Leider nehmen in Österreich immer noch zu wenige Menschen dieses kostenlose Vorsorgeangebot in Anspruch. Damit sich das ändert, gilt es, das Bewusstsein für die Gesundheitsvorsorge zu stärken. Über öffentliche Informationen hinaus sollte jeder ärztliche Kontakt dazu genutzt werden. Allgemeinmediziner:innen bieten neben Internist:innen und Lungenfachärzt:innen die allgemeine Vorsorgeuntersuchung für Personen ab dem 18. Lebensjahr an. Kassenverträge für das gynäkologische Untersuchungsprogramm können sowohl Frauenärzt:innen als auch Hausärzt:innen abschließen und damit die kostenfreie Vorsorgeuntersuchung jährlich durchführen. Ärztliche Expertise hilft nicht nur bei der Früherkennung von Risikofaktoren. Einen wichtigen Bestandteil der Vorsorgeuntersuchung bildet zudem das abschließende Beratungsgespräch, in dem essentielle Informationen zu einem >

gesunden Lebensstil vermittelt werden. Schließlich geht es darum, die eigenen Lebensgewohnheiten darauf auszurichten, dass man viele Jahre bei guter Gesundheit leben kann.

„Transparente Kommunikation an die Bevölkerung“
„Gesundheitscheck der Zukunft – risikoorientiert und zielgerichtet“

Dr. Andreas Krauter, MBA Leitender Arzt und Fachbereichsleiter des Medizinischen Dienstes und der Versorgungsinnovation der Österreichischen Gesundheitskasse

Was ist in der Zukunft geplant – und wo braucht es eine neue Herangehensweise? Diese Fragen sind entscheidend, wenn es um die Vorsorgeuntersuchung geht. Denn Medizin und Gesellschaft entwickeln sich weiter,

Prävention und Früherkennung gewinnen in Österreich ebenfalls zunehmend an Bedeutung. Das spiegelt sich nicht nur im aktuellen Regierungsprogramm wider, sondern auch in internationalen Entwicklungen wie dem „ Europe’s Beating Cancer Pla n“, der den Ausbau qualitätsgesicherter Screening-Programme in allen EU-Mitgliedstaaten vorantreibt. Ein effektives Vorsorgebzw. Screening-Programm muss dabei strukturiert, evidenzbasiert und klar organisiert sein – mit definierten Zielgruppen, einheitlichen Qualitätsstandards sowie transparenter Kommunikation an die Bevölkerung. Traditionell gibt es in Österreich opportunistische Screening-Angebote im Rahmen der jährlichen Vorsorgeuntersuchung. Mit der Einführung des Brustkrebs-Früherkennungsprogramms 2014 wurde erstmals ein nationales, strukturiertes Screening etabliert. Dieser Umstieg zeigt, wie anspruchsvoll die Transformation ist: Eine erfolgreiche Umsetzung benötigt ein breites Stakeholder-Management, interdisziplinäre Abstimmungsprozesse und verständliche Informationen für die Zielgruppe. Gleichzeitig hat das Programm durch einschlägige Qualitätssicherungsmaßnahmen und eine laufende Evaluierung eine signifikante Qualitätssteigerung bewirkt. Wesentlich war nicht zuletzt der niederschwellige Zugang zum Programm – ein Faktor, der für alle Screeningprogramme essentiell ist. Die Ausgestaltung eines Screeningprogramms hängt wesentlich davon ab, ob es sich um ein bevölkerungsbezogenes oder ein Risikoscreening handelt – etwa bei Lungenkrebs, wo insbesondere Hochrisikogruppen profitieren. Umso wichtiger ist eine sorgfältige Abwägung von Nutzen und eventuellen Risiken wie Überdiagnosen. Damit solche Programme Erfolg haben, braucht es hohe Teilnahmeraten. Solche erzielt man nur mittels frühzeitiger, zielgruppengerechter Kommunikation sowie einer guten Integration in bestehende Strukturen. Das Future Health Lab unterstützt diesen Prozess aktiv – durch Dialog, Vernetzung und die Entwicklung von Maßnahmen, welche Menschen in Österreich langfristig mehr gesunde Lebensjahre ermöglichen.

unser Vorsorgesystem muss das ebenfalls tun.

Die allgemeine Vorsorgeuntersuchung stellt seit Jahrzehnten ein zentrales Instrument der Prävention in Österreich dar. Jetzt zeigen neue wissenschaftliche Erkenntnisse, dass eine Überarbeitung nötig ist. Die Österreichische Gesundheitskasse arbeitet derzeit gemeinsam mit den anderen Sozialversicherungsträgern und dem Dachverband an einer inhaltlichen Neuaufstellung. Das Ziel besteht darin, moderne, evidenzbasierte Maßnahmen zur Früherkennung in die Vorsorgeuntersuchung aufzunehmen – begleitet von einer fundierten wissenschaftlichen Bewertung, unter anderem durch das Austrian Institute for Health Technology Assessment. Diskutiert werden dabei neue Ansätze wie die Lungenkrebsfrüherkennung mittels Low-Dose-CT oder das Screening auf Aortenaneurysmen bei Männern. Diese Beispiele verdeutlichen, dass Vorsorge künftig stärker risikoorientiert und zielgerichtet sein soll. Neben der individuellen Risikobewertung wird ein wesentlicher Schwerpunkt auf der strukturierten Beratung zur Lebensstiländerung liegen. Prävention wirkt dann nachhaltig, wenn Menschen befähigt werden, aktiv Verantwortung für ihre Gesundheit zu übernehmen. Auch die Darmkrebsvorsorge wurde modernisiert – etwa durch die Herabsetzung der Altersgrenze von 50 auf 45 Jahre. Der Plan beinhaltet außerdem den verstärkten Einsatz des FITTests als niederschwellige Alternative zur Koloskopie. Die Vorsorgeuntersuchung der Zukunft ist damit mehr als ein Check-up: Sie fungiert als zentrales Element eines nachhaltigen, modernen Gesundheitssystems.

Literatur:

1 statistik.at/statistiken/bevoelkerung-und-soziales/ gesundheit/gesundheitsversorgung-und-ausgaben/ gesundheitsausgaben (abgerufen am 09.02.2026).

2 ec.europa.eu/eurostat/databrowser/view/HLTH_ SHA11_HC__custom_553425/bookmark (abgerufen am 09.02.2026).

3 ec.europa.eu/eurostat/statisticsexplained/index.php?title=Healthy_life_years_ statistics&action=statexp-seat&lang=de (abgerufen am 09.02.2026).

4 statistik.at/statistiken/bevoelkerung-und-soziales/ gesundheit/gesundheitsversorgung-und-ausgaben/ krankheitspraevention (abgerufen am 09.02.2026).

5 Spectra Marktforschungsgesellschaft mbH, Ergebnisbericht „Vorsorge, Prävention, Krebsscreening in der Bevölkerung“, 2026.

Mag.a Romana Ruda Managing Director des Future Health Lab © Matthias Nemmert_BTTR

MED-NEWS

Arzneimittelinformation, die ankommt

Therapie der benignen Prostatahyperplasie

Wirkstoffwissen: Sabal- und Urtica-Extrakte in Prostagutt® duo

Die benigne Prostatahyperplasie (BPH) kann sich stark auf die Lebensqualität auswirken. Infolge der Umstellungen, die der Körper im Alterungsprozess durchmacht, steigt die Prävalenz prinzipiell unter Männern ab 50 Jahren kontinuierlich. Bereits 80 % der Männer zwischen 70 und 80 sind von einer BPH betroffen, aber es kommen auch jüngere Fälle vor.

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Für wen ist Prostagutt® duo geeignet?

Prostagutt® duo empfiehlt sich für Männer ab 18 Jahren, die aufgrund einer BPH unter folgenden Symptomen leiden: häufiges Wasserlassen (insbesondere nachts), plötzlicher Harndrang, unvollständiges Entleeren der Harnblase oder generelles LUTS („lower urinary tract syndrome“). Prostagutt® duo sollte bereits bei den ersten Anzeichen einer beginnenden BPH verschrieben werden (Watchful Waiting). Für Patienten unter einer Dauermedikation stellt es eine gute Ergänzung dar.

Was ist das Besondere an Prostagutt® duo? ?

Die Kombination der Extrakte aus Brennnessel (Urtica) und Sägepalme (Sabal) wirkt synergistisch auf die irritativen und obstruktiven Beschwerden bei einer beginnenden BPH. Sabal und weitere Arzneipflanzen werden in der S2eLeitlinie der Deutschen Gesellschaft für Urologie empfohlen.1 Einerseits reduziert die doppelte Pflanzenkraft die Probleme im Harntrakt, andererseits drosselt sie das auf die Harnröhre drückende Prostatawachstum. Der Spezialextrakt wirkt sich somit vorteilhaft auf den gesamten Beschwerdekomplex aus. Prostagutt® duo bringt keine Einbußen in puncto Sexualfunktion mit sich!

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Welche sind die wirksamen Inhaltsstoffe?

Sägepalmenextrakt hemmt nachweislich jene Hormone, die für das Wachstum der Prostata verantwortlich sind. Darüber hinaus entspannt er die Muskulatur des Organs.

Brennnesselwurzel-Extrakt wirkt entzündungshemmend – insbesondere in den Harnwegen. Er verringert außerdem Ödeme und beruhigt das gereizte Prostatagewebe. An der Entstehung der Hyperplasie ist ein erhöhtes Level von Entzündungsmediatoren (Prostaglandin, Leukotrien) maßgeblich beteiligt. Zusätzlich liegt vor allem bei Männern über 50 ein veränderter hormoneller Status im Verhältnis von Testosteron, Dihydrotestosteron (DHT) und Östrogen vor. Genau bei dieser Pathogenese setzt der kombinierte Wirkstoff an und zeigt positive Effekte in Hinblick auf die 5a-Reduktase und die Aromatase.

Gibt es Studiendaten zu Prostagutt® duo?

Die Wirksamkeit von Prostagutt® duo ist durch mehrere Studien bestätigt.2-7 Es wurde nachgewiesen, dass es eine Effektivität erreicht, die jener von Tamsulosin2 bzw. Finasterid3 entspricht. So zeigt Prostagutt® duo eine mit synthetischen BPS-Präparaten vergleichbare Reduktion nächtlicher Blasenentleerungen.5 Auch belegen Real-World-Daten von insgesamt 77.923 Patienten aus dem Jahr 2022, dass Prostagutt® duo bei häufigem und vermehrtem nächtlichem Harndrang eine überlegene bzw. die gleiche Wirksamkeit im Vergleich mit Tamsulosin erzielt. Prostagutt® duo hat zudem weniger Nebenwirkungen, was Harnverhalt und Erektionsstörungen betrifft.7

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Wie ist es einzunehmen?

2 x täglich 1 Kapsel unzerkaut mit Wasser morgens und abends zu oder nach einer Mahlzeit. Langzeiteinnahme möglich.

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Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Prostagutt® duo ist nebenwirkungsarm. Selten können leichte Magen-DarmBeschwerden auftreten und sehr selten Überempfindlichkeitsreaktionen. Wechselwirkungen sind nicht bekannt.

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Wer darf das Medikament nicht einnehmen?

Männer unter 18 Jahren sowie Frauen.

1 S2e-Leitlinie „Diagnostik und Therapie des Benignen Prostatasyndroms (BPS)“. Feb. 2023; Version 5.0.

2 Engelmann U et al., Arzneim.-Forsch./Drug Res. 2006; 56, No. 3, 222-229.

3 Sökeland J et al., Der Urologe (A) 1997; 36: 327-333.

4 Synergistische Wirkeffekte der Kombination von Sabal- & Urtica-Spezialextrakt [nach Koch und Biber 1994, Koch 2021, Kraft 2016, Pigat 2019, Michel 2020].

5 Oelke M et al., World J Urol. 2014; 32(5): 1109 1117.

6 Lopatkin N et al., Int Urol Nephrol, 2007. 39(4): p. 1137 1146.

7 Madersbacher S et al, Postgrad Med. 2022 Nov 21:1-6.

DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

Prostagutt® duo im Überblick:

• pflanzliches Arzneimittel

• rezeptfrei in der Apotheke erhältlich

• 2 x tägl. 1 Kapsel

Vorteile:

• keine Beeinträchtigung der Sexualfunktion

• für die Langzeiteinnahme geeignet

• nebenwirkungsarm

• laktosefrei, glutenfrei

• ausgezeichnete Studienlage

• keine Beeinflussung des PSA-Wertes

• keine Wechselwirkungen bekannt

Impfen als Präventionsstrategie

Serie, Teil 1: Aktuelle Entwicklungen im öffentlichen Impfprogramm –Überblick und Einordnung für die ärztliche Praxis

SERIE IMPFEN

Teil 1, Februar: Impftag 2026, öffentliches Impfprogramm

Teil 2, März: Jetzt an FSME denken! Blick auf den Impfplan

Teil 3, April: Epidemiologie HPV

Teil 4, Mai: RSV – Schwerpunkt Pädiatrie

Teil 5, Juni: Reisemedizin

Teil 6, August: Herpes Zoster

Teil 7, September: Kinderimpfplan

Teil 8, Oktober: Epidemiologie Pneumokokken

Teil 9, November: Impfbewusstsein, Influenza

Teil 10, Dezember: Impfkommunikation, COVID

Öffentliche Impfprogramme, die für alle leicht zugänglich sind, sollen dazu beitragen, die nötigen Durchimpfungsraten zu erreichen.

„ Damit wird die Gesundheit der Bevölkerung maßgeblich verbessert und ein gesundes Aufwachsen und Altern geförder t“, so PD Mag.a Dr.in Maria Paulke-Korinek, Leiterin der Abteilung Impfwesen im Gesundheitsministerium, beim Österreichischen Impftag 2026 in Wien.

Im Bereich der öffentlichen Impfprogramme habe sich im Jahr 2025 sehr viel getan: „I m öffentlichen Impfprogramm von Bund, Ländern und Sozialversicherungen wurden bis dato die meisten jemals im eImpfpass dokumentierten Influenza-Impfungen innerhalb einer Woche verzeichnet“, freute sich Doz.in Paulke-Korinek. „I m Herbst 2025 konnten zudem erstmals Gratis-Impfungen gegen Pneumokokken-Infektionen und Gürtelrose für Personen ab 60 Jahren und bestimmte Risikopersonen bereitgestellt werden. Die Akzeptanz der Impfung sowohl in der Kolleg:innenschaft

als auch unter Bürger:innen ist erfreulich hoch, sodass alle verfügbaren Impfungen sehr rasch bestellt wurden.“ Die Immunisierungen gegen Pneumokokken-Infektionen und Gürtelrose seien mittlerweile auch verpflichtend im eImpfpass zu dokumentieren. „ Aus diesen Zahlen ist klar ersichtlich, dass erfreulicherweise bereits große Mengen von Impfstoffen verimpft wurden“, unterstrich die Expertin. Auch das mit 30.6.2026 endende HPV-Nachholimpfprogramm zeige deutliche Erfolge: Die Durchimpfungsraten in der Zielgruppe der Personen vom 21. bis zum 30. Geburtstag habe man mehr als verdreifachen können. Details zu den öffentlichen Impfprogrammen sind verfügbar unter impfen.gv.at

Doz.in Paulke-Korinek bot daraufhin einen umfassenden Überblick über den aktuellen Stand der Impfprogramme in Österreich, mit Fokus auf COVID-19, FSME, RSV- sowie HPV-Infektionen, Influenza, Pneumokokken-Erkrankungen und Herpes Zoster:

„COVID-19 bleibt relevant“

Auch wenn COVID-19 in der öffentlichen Wahrnehmung mittlerweile weniger präsent ist, verursacht die Erkrankung laut SARI-Dashboard unter den respiratorischen Infektionen weiterhin die meisten Hospitalisierungen. Die Zahlen sind im Vergleich zu früheren Saisonen zwar gesunken, liegen aber nach wie vor auf hohem Niveau, vor allem bei älteren Menschen. Auch in der aktuellen Saison (Herbst/Winter 2025/26) kommt es immer noch zu relevanten Krankenhausaufnahmen. Obgleich insbesondere Personen höheren Alters betroffen sind – Hospitalisierungen treten in allen Altersgruppen auf. COVID-19 stellt damit weiterhin keine harmlose Erkrankung dar, auch wenn die Situation stabiler ist als in den Pandemiejahren.

Parallel dazu lässt sich ein deutlicher Rückgang der dokumentierten Impfungen beobachten (von über 600.000

auf aktuell rund 370.000), was kritisch gesehen wird, da Impfstoffe verfügbar und Hospitalisierungen teilweise vermeidbar sind. Die Impfung bleibt ein zentrales Instrument zur Abwendung von schweren Krankheitsverläufen und Hospitalisierungen. Gerade für ältere Personen und Risikogruppen wird die COVID-19-Impfung weiterhin ausdrücklich empfohlen. Ärzt:innen und Gesundheitspersonal werden ermutigt, das Thema COVID-19-Impfung aktiv anzusprechen, weil das Risiko häufig unterschätzt wird. Sinkende Impfzahlen stehen im Gegensatz zur weiterhin relevanten Krankheitslast.

Exkurs: Um schwere Krankheitsverläufe hintanzuhalten, sollten Risikopatient:innen auch auf die Möglichkeit einer antiviralen Therapie hingewiesen werden. Dabei gilt es zu beachten, dass diese nur bei einem Behandlungsbeginn innerhalb der ersten Tage nach der Infektion wirkt. Eine frühzeitige antivirale Therapie reduziert Hospitalisierungen und die Mortalität signifikant.

„FSME-Fälle treten früher auf“

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist ein saisonales Thema. In den letzten Jahren wurde festgestellt, dass FSME-Fälle früher auftreten, teils bereits im März oder April. Daher sollte man rechtzeitig – vor bzw. zu Beginn der Zeckensaison – an die Impfungen denken.

Die empfohlene Impfstrategie: Auffrischungsimpfungen gegen FSME sollten vor bzw. während der Saison erfolgen. Der Frühling ist eine besonders geeignete Zeit, den Impfstatus zu überprüfen und nötige Impfungen nachzuholen. Zur Zielgruppe zählen vor allem Personen, die sich häufig im Freien aufhalten (z. B. beim Wandern oder bei Gartenarbeit), insbesondere in FSME-Risikogebieten. Der Beginn der FSME-Saison wird als guter Anlass gesehen, gleichzeitig andere empfohlene Impfungen (z. B. gegen Pneumokokken bei älteren Personen oder >

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„Öffentliche Impfprogramme tragen dazu bei, die Gesundheit der Bevölkerung zu verbessern und ein gesundes Aufwachsen und Altern zu fördern.“
PD

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Risikogruppen) zu überprüfen und ggf. durchzuführen.

Der Appell an impfende Ärzt:innen:

Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, jetzt mit der FSME-Impfplanung zu beginnen, zumal sich die Zeckensaison und damit das Erkrankungsrisiko bzw. Infektionsgeschehen zeitlich nach vorne verschoben haben.

Das zeitlich begrenzte kostenlose HPVNachholimpfprogramm für 21- bis 30Jährige endet fix am 30. Juni. Seit 1.1.2026 sind nur noch Zweitimpfungen erlaubt. An den medizinischen Impfempfehlungen ändert sich durch das Ende der Nachholaktion nichts. Ab dem 30. Lebensjahr sind weiterhin drei Dosen empfohlen.

Die Daten zeigen bei den 21- bis 30Jährigen eine deutliche und kontinuierliche Verbesserung der Durchimpfungsrate mit zwei Dosen – das Ergebnis großangelegter Impfkampagnen. Bei 14-Jährigen zeichnet sich hingegen ein Rückgang ab (von 52 % auf 49 %). Dieser Trend ist insofern besorgniserregend, als das Ziel bei 90 % liegen muss, damit sich HPV-assoziierte Erkrankungen wie Gebärmutterhalskrebs wirksam verhindern lassen. Daher sollte der Fokus wieder stärker auf Schulkinder und jüngere Jahrgänge gelegt werden. Die Erfolge bei jungen Erwachsenen dürfen nicht zulasten der Basisimmunisierung bei Jugendlichen gehen.

HPV: „Nach Nachholaktion Fokus auf Jugendlichen“ >

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* Impfplan Österreich 2025/26 Version 1.1: Die FSME-Immunisierung besteht aus 3 Teilimpfungen (Grundimmunisierung) und regelmäßigen Auffrischungsimpfungen. Die Effektivität der FSME-Impfung beträgt für – nach dem empfohlenen regulären Schema – geimpfte Personen 83–99 %. Grundimmunisierung als auch Auffrischungsimpfungen sollten VOR Beginn der Zeckensaison im Jänner/Februar erfolgen. ** Die FSME-Impfung bietet ausschließlich Schutz vor der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Medieninhaber: Österreichischer Verband der Impfstoffhersteller | Produziert von: Österreichischer Apothekerverlag, Wien

Pfizer Corporation Austria GmbH, Wien

Die HPV-Impfung ist nach wie vor kostenlos im Kinder- und Jugendimpfprogramm bis zum 21. Geburtstag verfügbar. Sie gilt als hochwirksam, sicher sowie zentral für die Krebsprävention.

Das Ziel besteht darin, mit der Immunisierung schwere Krankheitsverläufe, postherpetische Neuralgien und Komplikationen bei älteren Menschen zu verhindern. Somit stellt die Impfung einen wichtigen Bestandteil der Präventionsstrategie im höheren Lebensalter dar.

Herpes Zoster: „Teil des öffentlichen Impfprogramms“

Die Herpes-Zoster-Impfung wurde Teil des öffentlichen Impfprogramms und wird nun für Personen ab 60 Jahren kostenlos angeboten. Zugelassen ist der Impfstoff ab 50 Jahren.

Die Immunisierung besteht aus zwei Impfungen. Der empfohlene Abstand liegt bei mindestens zwei Monaten, möglich sind zwei bis sechs Monate zwischen den Dosen. Eine häufige Frage aus dem Publikum des Impftages lautete: Was tun bei Lieferengpässen oder Terminproblemen? Wird der empfohlene Mindestabstand überschritten, ist das unproblematisch – die zweite Dosis kann auch später nachgeholt werden. Wichtig ist, dass beide Dosen verabreicht werden, um den vollen Schutz zu erreichen. Trotz organisatorischer Hürden wird zur konsequenten Nutzung des Impfangebots ermutigt.

Die Herpes-Zoster-Impfung ist in die Verordnung zum Impfschadengesetz aufgenommen worden. Damit sind mögliche Impfschäden gesetzlich abgedeckt, unabhängig vom Alter der geimpften Person.

RSV: „saisonale Immunisierung mit hoher Wirksamkeit“

Die RSV-Immunisierung ist klar als saisonale Maßnahme definiert (von 1. Oktober bis 31. März). Hospitalisierungsdaten zeigen deutliche Unterschiede zwischen immunisierten und nicht immunisierten Kindern, was die hohe Effektivität der Maßnahme bestätigt. Wesentlich sind eine bedarfsgerechte Bestellung und der rechtzeitige Einsatz vorhandener Impfstoffe, insbesondere im Hinblick auf Ablaufdaten ausländischer Ware.

Exkurs: Seit 2023 stehen auch RSVImpfstoffe zur Verfügung, die Erwachsene wirksam schützen können. Sie werden für alle ab 60 und für Schwangere in der SSW 32-36 (oder vier bis acht Wochen vor der Geburt) zum passiven Schutz des Säuglings einmalig empfohlen. Die Effektivität bleibt auch nach mehreren Saisonen bestehen. Expert:innen fordern, dass sie künftig, zumindest für Personen ab 75 Jahren, auch ins Erwachsenenimpfprogramm aufgenommen werden.

Grundlage für zukünftige Mengenplanungen bildet.

Pneumokokken: „neue Strategie für ältere und vorgeimpfte Personen“

Die Pneumokokken-Impfung ist für Personen ab 60 Jahren sowie für definierte Risikogruppen kostenlos verfügbar. Unabhängig von früheren Impfungen wird empfohlen, mit dem 21-valenten Impfstoff nachzuimpfen, um zusätzliche bei älteren Menschen relevante Serotypen abzudecken. Der ideale Abstand bei sequenzieller Impfung beträgt zwischen einem und sechs Jahren.

Organisatorische Neuerungen und Dokumentation

Seit 2025 gibt es eine neue Logistik im öffentlichen Impfprogramm, die Sammellieferungen mehrerer Impfstoffe ermöglicht. Bestellungen sind transparenter, Stornierungen ausdrücklich erwünscht. Gesetzlich verpflichtend zu dokumentieren sind Impfungen gegen Influenza, COVID-19, HPV-, Mpoxund RSV-Infektionen sowie Herpes Zoster, inklusive des Impfsettings. Diese Daten sind essenziell für die Planung, Budgetierung und Weiterentwicklung des Programms.

Influenza: „hohe Akzeptanz, Bedeutung der Dokumentation“

Die Influenza-Impfung wird sehr gut angenommen, mit Spitzenwerten von bis zu 175.000 Impfungen pro Woche. Für die aktuelle Saison stehen 1,5 Millionen Dosen zur Verfügung, von denen bislang rund 1,1 Millionen dokumentiert sind. Eine vollständige Eintragung im eImpfpass durch die betreuenden Ärzt:innen ist wichtig, zumal jene die

INFO

Österreichischer Impfplan

Wie jedes Jahr wurde auch heuer der Impfplan Österreich vollkommen überarbeitet und aktualisiert. Diesmal ist es zwar zu keinen großen Änderungen der Impfempfehlungen gekommen, jedoch gibt es viele wichtige Details, die präzisiert und aktualisiert wurden. Die Überarbeitungen und Aktualisierungen sind auf den ersten Seiten des Impfplans übersichtlich zusammengefasst. Details unter sozialministerium.gv.at/impfplan

Mag.a Karin Martin
© Akademie der Ärzte

Praxisupdate 2026

Hypercholesterinämie und moderne Lipidtherapie

© Klaus Ranger

GASTAUTORIN: Dr.in Elisabeth Sattler

Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie in Wien

©

Die Hypercholesterinämie zählt zu den zentralen und zugleich gut beeinflussbaren Risikofaktoren für atherosklerotische kardiovaskuläre Erkrankungen (ASCVD). Diese stellen in Österreich mit rund 34 % weiterhin die häufigste Todesursache dar. Trotz klarer evidenzbasierter Leitlinien werden empfohlene LDL-CholesterinZielwerte im klinischen Alltag jedoch

TABELLE

ASCVD-Risikokategorie Definition und Beispiele

oft nicht erreicht. Gründe hierfür sind unter anderem eine zögerliche Therapieeskalation, persistierende Sicherheitsbedenken gegen Statine sowie eine eingeschränkte Therapieadhärenz. Gleichzeitig stehen im Jahr 2026 moderne Lipidsenker zur Verfügung, die eine effektive, individualisierte und insgesamt sehr sichere LDL-Senkung ermöglichen.

LDL-Therapieziel

Niedrig 10-Jahres-Risikowerte < 1% (SCORE2/SCORE2-OP) < 116 mg/dl

Mittel 10-Jahres-Risikowerte ≥ 1 % und < 5 % 100 mg/dl

Hoch SCORE2 ≥ 5 % und < 10 % oder deutlich erhöhte Einzel-RF, Lp(a) > 125 nmol/l ohne weitere RF, FH ohne weitere RF, moderate CKD (GFR 30-59 ml/ min), DM ohne Endorganschaden oder weitere RF

Sehr hoch SCORE2 ≥ 10 %, ASCVD in Bildgebung/klinisch (Ereignis), FH mit weiteren RF, Lp(a) > 125 nmol/ l + weitere RF, schwere CKD (GFR < 30 ml/min), DM mit Endorganschaden

Extrem hoch Rezidivierende Ereignisse (2. Ereignis innerhalb von 2 Jahren) trotz adäquater Therapie

< 70 mg/dl und Senkung um ≥ 50 %

< 55 mg/dl und Senkung um ≥ 50 %

< 40 mg/dl

Diagnostik und Risikostratifizierung

Die Hypercholesterinämie ist definiert als Erhöhung des Gesamtcholesterins und/oder des LDL-Cholesterins. Für die primärpräventive Therapieentscheidung ist neben dem absoluten LDLWert die risikoadaptierte Einordnung maßgeblich. Die ESC empfiehlt hierfür ein strukturiertes Vorgehen mit individueller Risikoeinschätzung mittels SCORE2 bzw. SCORE2-OP:

• SCORE2 für bisher herzgesunde Patient:innen > 40 Jahre: errechnet das Risiko, in den nächsten 10 Jahren einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden.

• SCORE2-OP errechnet das 10-Jahres-Risiko eines kardiovaskulären Ereignisses für Patient:innen ≥ 70 Jahre.

Empfohlene Basisdiagnostik

• Gesamtcholesterin, LDL-, HDL-Cholesterin und Triglyzeride,

• optional: Apolipoprotein B, Non-HDL-Cholesterin, hs-CRP,

• Lipoprotein(a): zumindest einmal im Leben,

• Ausschluss sekundärer Ursachen (v. a. Hypothyreose, nephrotisches Syndrom, Lymphom),

• Carotisduplexsonographie, Echokardiographie, evtl. ABI-Messung.

LDL-Zielwerte (ESC-/EAS-Guidelines, Focused Update 2025)

Die LDL-Zielwerte wurden 2025 sowohl für die Primärprävention als auch für die Sekundärprävention bei manifester ASCVD angepasst und für diesen Artikel in der Tabelle zusammengefasst.

Lebensstilinterventionen

Lebensstilmaßnahmen sind ein obligater Bestandteil jeder Therapie, reichen jedoch insbesondere bei höherem Risiko meist nicht als alleinige Maßnahme aus:

• mediterrane, ballaststoffreiche Ernährung,

• Reduktion gesättigter Fettsäuren,

• regelmäßige körperliche Aktivität (≥ 150 min moderates Ausdauertraining/Woche),

• Rauchstopp und strukturiertes Gewichtsmanagement.

Medikamentöse Lipidtherapie –Stand 2026

1. Statine (First Line)

Hochintensive Statine wie Atorvastatin oder Rosuvastatin senken das LDLCholesterin dosisabhängig um 40-60 % und reduzieren Morbidität und Mortalität signifikant. Myalgien werden zwar häufig berichtet, sind jedoch nicht immer kausal. Ein strukturiertes Vorgehen bei vermuteter Statinintoleranz (CPK-Kontrolle, Dosisanpassung, Substanzwechsel) ist essenziell.

2. Ezetimib

Bevorzugte Add-on-Therapie bei Statinen mit zusätzlicher LDL-Senkung von ca. 15 %. Bei sehr hohem Ausgangs-LDL sollte bereits initial eine Kombinationstherapie mit Statin + Ezetimib erfolgen. Sehr gute Verträglichkeit und hohe Kosteneffektivität. Initiale gastrointestinale Nebenwir-

kungen sind meist mild und selbstlimitierend.

3. Bempedoinsäure

Orale Option bei Statinintoleranz oder als Kombinationstherapie im Falle insuffizienter Zielwerterreichung. LDLSenkung von etwa 20 % zu erwarten. Myalgien treten seltener auf als unter Statinen. Vorsicht bei Hyperurikämie und Gichtanamnese.

4. PCSK9-gerichtete Therapien

• PCSK9-Antikörper (Evolocumab, Alirocumab) bewirken eine LDLSenkung von 50-60 %, haben eine klare Evidenz in puncto Ereignisreduktion bei sehr hohem Risiko, werden gut vertragen und sind sicher in der Anwendung.

• Inclisiran (siRNA): halbjährliche subkutane Gabe nach Initialphase.

• Neue Substanzen: lang wirksame PCSK9-Inhibitoren wie Enlicitid-Decanoat (oral) und Lerodalcibep (s. c.) erweitern perspektivisch das therapeutische Spektrum. >

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Praktischer Therapiealgorithmus u Kardiovaskuläres Risiko bestimmen und LDL-Ziel definieren.

v Mit hochintensivem Statin beginnen.

w Bei Zielverfehlung: Ezetimib ± Bempedoinsäure etablieren.

x Bei sehr hohem Risiko frühzeitige Eskalation mit PCSK9-Therapie oder Inclisiran.

y Laborkontrolle 8-12 Wochen nach jeder Therapieanpassung.

Addendum: Familiäre Hypercholesterinämie (FH)

Die FH betrifft etwa 1 von 250 Personen (heterozygot) und ist deutlich unterdiagnostiziert. Die lebenslang erhöhte LDL-Exposition führt unbehandelt zu frühzeitiger ASCVD.

Warnsignale:

• LDL > 190 mg/dl,

• positive Familienanamnese bezüglich früher kardiovaskulärer Ereignisse,

• tendinöse Xanthome oder Arcus corneae bei Patient:innen unter 45 Jahren.

Die Diagnose ist primär klinisch (z.B. mittels Dutch Lipid Clinic Network Score), eine genetische Bestätigung hilfreich, aber nicht zwingend erforderlich.

Therapie:

• hochintensives Statin + Ezetimib,

• frühzeitige Eskalation mit PCSK9Therapien bei unzureichender LDLSenkung,

• Lebensstilmaßnahmen allein sind nicht ausreichend!

Neue Option bei homozygoter FH Evinacumab, ein monoklonaler Antikörper, senkt das LDL unabhängig von der LDL-Rezeptor-Funktion um etwa 40-55 %. Anwendung: intravenös einmal monatlich als Add-on einer maximal tolerierten Statintherapie. Evinacumab

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stellt derzeit die wichtigste medikamentöse Option bei homozygoter familiärer Hypercholesterinämie dar und wird von spezialisierten Zentren eingesetzt.

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Im Jahr 2026 stehen hochwirksame, sichere und gut verträgliche Lipidtherapien zur Verfügung, mit denen sich LDLZielwerte bei nahezu allen Patient:innen erreichen lassen. Eine konsequent leitliniengerechte, risikoadaptierte Therapie ist der Schlüssel zur nachhaltigen Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse.

Literatur:

Score2-/Score2-OP: doi.org/10.1093/eurheartj/ehab309 FH dutch clinic lipid score: fh-score.eu/de-de/fh-score

Mach F et al., ESC/EAS Scientific Document Group. 2025 Focused Update of the 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias. Atherosclerosis. 2025 Oct;409:120479.

Gaba P et al., Association Between Achieved LowDensity Lipoprotein Cholesterol Levels and Long-Term Cardiovascular and Safety Outcomes: An Analysis of FOURIER-OLE. Circulation. 2023 Apr 18;147(16):11921203.

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Erfolgsversprechende Entwicklungen

Beim „2. Connected in Lung Cancer“ präsentierten Expert:innen

Highlights von internationalen Kongressen

Die moderne Therapie des Lungenkarzinoms erfordert eine immer umfassendere Diagnostik. Prim.a Dr.in Dagmar Krenbek vom Institut für Pathologie und Bakteriologie der Klinik Floridsdorf erklärte in ihrem Vortrag bei der Fortbildung „C onnected in Lung Cancer“*, dass die rein histologische Beurteilung heute nicht mehr ausreiche. Bereits bei der Erstdiagnose sollte auch eine reflexartige molekulare Biomarkertestung erfolgen – unabhängig vom Tumorstadium. Denn schon im frühen Stadium beeinflussen molekulare Alterationen therapeutische Entscheidungen.

Was ist bei der Testung zu beachten?

Neben etablierten Targets rücken zunehmend neue Biomarker in den Fokus. HER2 etwa ist beim nichtkleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) sowohl durch Mutationen (v. a. Exon-20-Insertionen) als auch durch Überexpression oder Amplifikation relevant und mittlerweile therapeutisch adressierbar – z. B. mit Tyrosinkinase-Inhibitoren (TI) oder Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten (ADC). Ein weiteres vielversprechendes Ziel ist TROP2, ein Oberflächenprotein, das in Tumorzellen stark exprimiert wird. ADC nutzen diese Expression, um Chemotherapeutika gezielt in die Tumorzellen einzuschleusen. Neue Ansätze der digitalen Pathologie mit KI-gestützter Quantifizierung könnten hier künftig eine präzisere Patient:innenselektion ermöglichen. Auch Veränderungen im CDKN2A/ p16-MTAP-Signalweg gewinnen an Bedeutung. Der Verlust von Methylthioadenosin-Phosphorylase tritt bei rund 15 % der NSCLC auf und stellt einen potenziellen neuen therapeutischen Ansatzpunkt dar. Die Immunhistochemie bietet dafür ein praktikables Screening-Instrument, ergänzt durch weiterführende molekulare Analysen.

Zusammenfassend unterstrich Prim.a Krenbek: „ Eine strukturierte, erweiterte Diagnostik inklusive Next-GenerationSequencing, HER2-Testung und neuer Marker ist essenziell. Digitale Pathologie und neue Biomarker werden die Diagnostik weiter verändern – mit dem klaren Ziel, Therapieentscheidungen präziser und wirksamer zu gestalten.“

SCLC: Von der Vernachlässigung zu neuen Standards

Ass.-Prof. PD Dr. Andreas Pircher von der Med Uni Innsbruck, Innere Medizin V, Hämatologie und Onkologie verwies darauf, dass das kleinzellige Lungenkarzinom (SCLC) lange Zeit ein „ Stiefkind“ der Thoraxonkologie gewesen sei, sich jedoch zuletzt eine dynamische Entwicklung mit praxisrelevanten Innovationen gezeigt habe. Besonders wichtig seien deutschsprachige Leitlinien (D/A/CH), die zuletzt im September 2025 aktualisiert wurden und den klinischen Alltag besser abbilden als die ESMO-Leitlinie von 2021. Bei Limited Disease SCLC ist die kombinierte Radiochemotherapie weiterhin Standard. Die ADRIATIC-Studie etablierte die Durvalumab-Konsolidierung als neuen Versorgungsstandard. Aktuelle Updates zeigen, dass Durvalumab insbesondere die extrathorakale Progression, vor allem im Zentralnervensystem (ZNS), signifikant reduziert – unabhängig vom Einsatz der prophylaktischen kranialen Bestrahlung. Damit rückt das Gehirn als zentrales Zielorgan der SCLC-Therapie weiter in den Fokus. Bei Extensive Disease bleibt die ChemoImmuntherapie Standard, allerdings profitieren nur etwa 10 % der Patient:innen langfristig von der Immunerhaltung. Neue Leitlinien haben erstmals das Konzept der Switch-Maintenance integriert, basierend auf der IMFORTE-Studie. Nach der Induktion mit Atezolizumab/

NACHBERICHT

Carboplatin/Etoposid führte die intensivierte Erhaltung mit Atezolizumab plus Lurbinectedin zu einer signifikanten Verbesserung von progressionsfreiem (PFS) und Gesamtüberleben (OS) (medianes OS 13,2 vs. 10,6 Monate), allerdings bei erhöhter Toxizität. Eine sorgfältige Patient:innenselektion ist Prof. Pircher zufolge daher essenziell. In der Zweitlinie stellt die DELFI304-Studie mit dem bispezifischen TZell-Engager Tarlatamab (DLL3×CD3) einen Durchbruch dar. Gegenüber einer Chemotherapie zeigte sich ein signifikanter Überlebensvorteil (OS-HR 0,60) mit teils langanhaltenden Remissionen – auch bei ZNS-Metastasierung. Das häufige, meist milde Cytokine-ReleaseSyndrom sei mit etablierten Managementstrategien gut beherrschbar – so der Experte. Tarlatamab werde als neuer Zweitlinienstandard gesehen. Abschließend betonte Prof. Pircher, dass die Zukunft der SCLC-Therapie in der besseren biologischen Charakterisierung liege. Neue molekulare Subtypen und Transkriptionsfaktor-Profile könnten künftig eine präzisere individualisierte Therapie ermöglichen – ein Paradigmenwechsel für eine lange therapeutisch vernachlässigte Erkrankung.

Mag.a Karin Martin Literatur bei den Vortragenden

Hier geht’s zu weiteren Nachberichten auf Gesund.at:

* DFP-Fortbildung „2. Connected in Lung Cancer – Wichtige Highlights für die österreichische Praxis zusammengefasst“, 13.1.2026, Wien, medtis.at

V.li.n.re.: OA Hochmair, Prim.a Krenbek, OÄ Wass und Doz. Pircher.

Gesund.at

Nicht die Katze ist immer das

Problem

Schwerpunkt: Allergische und infektiöse Atemwegserkrankungen

Praxiswissen: Insomnie verstehen

Von den Ursachen bis zu neuen Wegen in der medikamentösen Behandlung

Noch ist Heizsaison!

Hausstaubmilben mögen eine warme, trockene Raumluft

Die Hausstaubmilbenallergie ist eine der häufigsten allergischen Erkrankungen der Atemwege. In Europa sind schätzungsweise 10–20 % der Bevölkerung betroffen. Obwohl die Sensibilisierung ganzjährig besteht, berichten viele Patient:innen über eine deutliche Symptomzunahme in der Herbst- und Winterzeit. Die Heizsaison stellt damit einen zentralen Beratungsanlass für Arztpraxis und Apotheke dar. Hausstaubmilben, insbesondere Dermatophagoides pteronyssinus und D. farinae, kommen vor allem in Matratzen, Bettwaren und Polstermöbeln vor. Während der Heizperiode begünstigen warme, trockene Raumluft, reduzierte Lüftungsintervalle und ein vermehrter Aufenthalt in Innenräumen die Aufwirbelung von Milbenallergenen.

Klinisch äußert sich dies bei Personen mit Hausstaubmilbenallergie häufig als persistierende Rhinitis mit morgendlicher Nasenobstruktion, Niesreiz, Augenjucken sowie Husten oder asthmatischen Beschwerden. Nicht selten erfolgt zunächst eine Selbstmedikation aufgrund vermeintlicher Erkältungssymptome.

Allergenexposition reduzieren

Eine zentrale Säule der Therapie ist, die Allergenexposition zu reduzieren. Evidenzbasierte Maßnahmen umfassen den Einsatz milbendichter EncasingBezüge für Matratzen, Kissen und De-

cken, das wöchentliche Waschen der Bettwäsche bei mind. 60 °C sowie die Reduktion von Staubfängern im Schlafzimmer. Das gilt auch für Kuscheltiere. Nicht waschbare Exemplare sollten durch eine mehrstündige Kältebehandlung bei −18 °C von Milben befreit und anschließend gründlich ausgeschüttelt werden.

Ergänzend werden regelmäßiges Stoßlüften, eine Raumtemperatur unter 18 °C und Staubsauger mit HEPAFilter empfohlen. Luftbefeuchter sind kritisch zu bewerten, da eine erhöhte Luftfeuchtigkeit das Milbenwachstum fördert.

Pharmakotherapie

Die symptomatische Therapie erfolgt leitliniengerecht mit Antihistaminika, intranasalen Glukokortikoiden und ggf. antiasthmatischen Medikamenten. Bei gesicherter IgE-vermittelter Sensibilisierung und persistierenden Beschwerden trotz konsequenter Allergenvermeidung und Pharmakotherapie sollte eine allergenspezifische Immuntherapie (AIT) erwogen werden. Diese ist subkutan und sublingual verfügbar und kann langfristig Symptome, Medikamentenbedarf sowie das Risiko der Entwicklung eines allergischen Asthmas reduzieren.

PA/Red

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Was wirklich zählt

Akute und chronische Bronchitis in der Primärversorgung

GASTAUTOR:

Dr. Marcel Rowhani

Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie

In Ordinationen, Ambulanzen, Stationen und Apotheken gehört Bronchitis zum Alltag. Ihre akute Form ist einer der häufigsten Gründe für eine Vorstellung bei der Allgemeinmediziner:in – und bedingt rund 10 % der ambulanten Konsultationen, mit einer Häufung im Spätherbst und Winter. Das Hauptsymptom: Husten, meist über ein bis drei Wochen, mit oder ohne Auswurf. Ein purulentes Sputum stellt dabei keinen verlässlichen Hinweis auf eine bakterielle Ursache dar.

Akute Bronchitis:

Wann Betroffene beruhigen, wann handeln?

Die akute Bronchitis ist definiert als Infektion der unteren Atemwege ohne Nachweis einer Pneumonie und ohne vorbestehende chronische Entzündung. In der überwiegenden Zahl der Fälle stehen virale Erreger im Vordergrund (u. a. Influenzavirus A/B, Parainfluenzavirus, Rhinovirus, RSV, Coronaviren). Bakterielle Auslöser wie Bordetella pertussis, Mycoplasma pneumoniae oder Chlamydia pneumoniae sind deutlich seltener. Klinisch dominieren Husten, Krankheitsgefühl, Kopfschmerz, oft nach oder zusammen mit einer Rhinitis. Obstruktive Atemgeräusche, Dyspnoe und thorakale Schmerzen durch Hustenbelastung sind möglich. Komplikationen umfassen sekundäre bakterielle Infektionen und Pneumonie.

Was sofort geklärt werden muss:

• Atemfrequenz,

• Zeichen einer Dyspnoe, Einsatz einer Atemhilfsmuskulatur,

• Zyanose, Bewusstseinslage,

• Auskultation (Rasselgeräusche? Erguss?),

• Blutdruck und Kreislaufstabilität.

Diese erste Einschätzung entscheidet darüber, ob es bei „einer banalen Bronchitis“ bleibt – oder ob die Gefahr besteht, dass die Patient:in eine Pneumonie entwickelt.

Red Flags einer Pneumonie

Der Verdacht auf Pneumonie besteht bei Tachypnoe (≥ 30/min), Hypotonie (≤ 90/60 mmHg), Verwirrtheit, Hypoxämie, auffälligen feinblasigen Rasselgeräuschen oder Ergusszeichen. Hier ist mehreres einzubeziehen: Pneumonie, COVID-19, aber auch Differenzialdiagnosen wie Asthma, kardiale Dekompensation, Lungenembolie (plötzlicher Beginn, pleuritischer Schmerz, Hämoptysen). Bei Raucher:innen darf ein Tumorgeschehen nicht vergessen werden. In der allgemeinmedizinischen Praxis stehen die klinische Untersuchung, ggf. ein Labor (BB + Diff, CRP, Kreatinin, Elektrolyte) und ein Thoraxröntgen im Vordergrund. Im stationären Setting

© stock.adobe.com/Minerva Studio

kommen BGA (pO2, pCO2, pH, Laktat), Blutkulturen und Procalcitonin hinzu.

Für die Einordnung der Schwere einer ambulant erworbenen Pneumonie hat sich CRB-65 bewährt – anhand dieses Scores lässt sich rasch beurteilen, ob eine Patient:in hospitalisiert werden sollte:

Kriterien CRB-65

C Confusion Bewusstseinseintrübung

R Respiratory rate ≥ 30/min

B Blood pressure ≤ 90/60 mmHg

65 Alter ≥ 65 Jahre

Punkte Behandlung

0 Mortalität < 1 % meist ambulant behandelbar

1-2 Mortalität ~ 6 % stationäre Aufnahme empfohlen

3-4 Mortalität ~ 23 % Überwachung/ Intensivstation

Weitere Aufnahmekriterien sind Hypoxämie, instabile Komorbiditäten (z. B. kardiale oder diabetesbedingte), Komplikationen wie Pleuraerguss oder Nierenversagen, außerdem soziale Faktoren wie fehlende häusliche Betreuung.

Antibiotika bei akuter Bronchitis? Fast nie …

Die akute Bronchitis ist in der Regel viral verursacht. Antibiotika sind daher in den allermeisten Fällen nicht indiziert. Die Bestimmung von CRP bzw. ein CRP-Schnelltest kann hilfreich sein, wobei hohe CRP-Werte (> 30-50 mg/L) auf bakterielle Infekte hinweisen können.

Stattdessen steht meist die symptomatische Behandlung im Vordergrund:

• Hustenlinderung (z. B. Hustenpastillen, pflanzliche Zubereitungen, Honig),

• Schonung, Rauchstopp bzw. Beendigung der Passivrauchbelastung,

• Antitussiva (z. B. Codein als OTC) bei belastendem Reizhusten, vor allem nachts.

Dabei handelt es sich vor allem um pragmatische Maßnahmen, denn die Evidenzlage für viele Hausmittel ist schwach. Klinische Relevanz hat aber die subjektive Entlastung, insbesondere die Schlafqualität ist wichtig.

Rolle der Apotheke

Gerade in der Offizin ist es entscheidend, Patient:innen mit „ Husten seit drei Tagen, Wunsch nach einem Antibiotikum“ nach Gefährdungszeichen zu fragen (Fieber, Atemnot, Verwirrtheit) und bei Bedarf zur ärztlichen Beurteilung zu schicken – ohne eine vorschnelle Antibiotikaforderung zu verstärken.

Rolle der Hausärzt:in

Die Message „ Es ist kein Antibiotikum nötig … “ lässt sich klarer

kommunizieren, ohne Patient:innen zu verunsichern: „Ich habe jetzt Ihre Lunge abgehört, Ihre Sauerstoffversorgung ist stabil, Sie zeigen keine Zeichen einer Lungenentzündung. Das heißt: Wir können sicher symptomatisch behandeln und beobachten.“ Das signalisiert aktive Kontrolle – im Unterschied zu „Wir tun nichts … “ .

Chronische Bronchitis/COPD: die anderen Patient:innen

Chronische Bronchitis bedeutet nicht einfach „ Husten, der nicht vergeht“, sondern stellt eine Verlaufsform der COPD dar. Nach der klinischen Definition handelt es sich um Husten, der über mindestens drei Monate in zwei aufeinanderfolgenden Jahren besteht.

Die typische Ausgangssituation in der Praxis: ältere Patient:in, jahrzehntelange Raucher:innenvorgeschichte (z. B. 60 Packyears), „gelegentlich Husten mit weißlichem Auswur f “ , dazu Belastungsdyspnoe – oft erst auf Nachfrage geäußert, weil langsam progredient. Bei moderater Symptomlast (z. B. CATScore von 9 Punkten) und fehlenden häufigen Exazerbationen stehen am Anfang vor allem die bronchodilatato -

rische Therapie (LAMA bzw. LAMA + LABA) sowie die Prävention.

Zur Basisversorgung gehört:

• Rauchstopp – er ist und bleibt die Intervention Nummer 1.

• Schutzimpfungen laut österreichischem Impfplan für Risikogruppen inklusive Influenza-, COVID-19-, RSV-, Herpes Zoster- und DiTet-pert-Polio Impfung.

• Frühzeitige pulmologische Rehabilitation oder Atemphysiotherapie. Diese Maßnahmen reduzieren Exazerbationen, verbessern Belastbarkeit und Lebensqualität – oft wirksamer als jede Eskalation der Inhalatortherapie.

Bei stärker eingeschränkten Patient:innen (z. B. mit CAT-Score von 36 Punkten, wiederholten Infekten oder Krankenhausaufenthalten, Langzeitsauerstofftherapie, Dyspnoe in Ruhe) verschieben sich die Prioritäten. Hier geht es um Exazerbationsprävention, Symptomkontrolle, Angstund Dyspnoe-Management im Alltag – und weniger um rein spirometrische Ziele. Häufig notwendig sind LAMA + LABA + ICS, bedarfsadaptierte Kurzzeitbronchodilatatoren (SABA/ SAMA), eine Anpassung der Langzeitsauerstofftherapie und eine strukturierte Atemphysiotherapie. Auch psychische Begleiterkrankungen wie Angst und Depression sind aktiv zu behandeln, da sie Dyspnoe subjektiv verstärken und die Adhärenz verschlechtern. Inhalative Steroide (ICS) empfehlen sich nicht für alle, sondern nur für die „richtigen“ COPD-Patient:innen: Hohe Exazerbationslast, eosinophile Entzündung und Sputumproduktion sind klinische Marker, die ein Ansprechen auf inhalative Corticosteroide wahrscheinlich machen. Gleichzeitig müssen potenzielle Nebenwirkungen (u. a. Infektrisiko) offen adressiert und insbesondere über die Dosisabhängigkeit von Cortison-Nebenwirkungen gesprochen werden. >

Gemeinsame Aufgabe: Exazerbation verhindern

Die COPD-Exazerbation ist immer ein potenziell katastrophales Ereignis. Jede Exazerbation beschleunigt den Funktionsverlust, steigert die Sterblichkeit und führt häufig zur nächsten Exazerbation – ein Teufelskreis. Prävention heißt daher: Rauchstopp, Impfungen, korrekte Inhalationstechnik, rechtzeitige Rehabilitation und frühzeitige Eskalation bei Verschlechterung, nicht erst „nach dem dritten Infekt in diesem Winter“

Hierfür kann jede Versorgungsstufe etwas beitragen:

hausärztliche Praxis: regelmäßige Kontrolle von Symptomen (z. B. CAT), Dyspnoe, Exazerbationshäufigkeit, rechtzeitige Therapieanpassung.

Spital/Ambulanz: klare Entlassungspläne nach Exazerbation –inklusive der Angabe der Dauer und des Ziels von systemischen Steroiden und Antibiotika, nicht einfach „weiter wie bisher“.

Apotheke: Schulung/Inhalatorkontrolle („ Z eigen Sie mir bitte kurz, wie Sie inhalieren “), Abwendung eines Übergebrauchs kurzwirksamer Bronchodilatatoren, zudem Besuch bei der Hausärzt:in anraten.

Fazit & Take-home-Messages

Akute Bronchitis:

• meist viral, also kein Antibiotikum,

• symptomatisch behandeln, aber strukturiert triagieren,

• bei Red Flags Pneumonie ausschließen und CRB-65-Score dokumentieren.

Chronische Bronchitis/COPD:

Die wichtigsten Interventionen sind:

• pneumologische Vorstellung,

• Rauchstopp,

• Rehabilitation/Atemphysiotherapie,

• Infektionsschutz durch Impfungen,

• individuell abgestufte inhalative Therapie (LAMA/LABA ± ICS).

Für Primärversorger:innen bedeutet das: Es muss weder jeder Husten antibiotisch noch jede vermutete COPDErkrankung mit inhalativer Tripletherapie behandelt werden. Wichtig ist, Risiken früh zu erkennen, Exazerbationen zu verhindern und Therapieziele gemeinsam mit den Patient:innen zu definieren – ambulant, stationär und in der Apotheke: in einem System statt in drei getrennten Welten.

Die Top-Husten-Produkte nach Menge und Wert

Marktanalyse von Mag.a pharm. Maria KoeppnerBures, IQVIA Austria

• Die Kategorie der Hustenmittel erzielt in den öffentlichen Apotheken und Hausapotheken im MAT Dezember 2025 mit ~5,4 Mio. Packungen ~55,9 Mio. Euro Umsatz AVP.

• Der entsprechende Markt sinkt aktuell im Vergleich zum Vorjahr um -13,7 % nach Menge und um -9 % nach Wert.

• Die am meisten abgegebene Darreichungsform mit ~58 % Anteil an den verkauften Packungen ist flüssig und oral einzunehmen.

• ~16 % der veräußerten Mengen beinhalten eine Kombination aus Acetylcystein und Ascorbinsäure, ~14 % enthalten Ambroxol und ~13 % Acetylcystein.

© Koeppner-Bures

Handelsname

BRONCHOSTOP

Marktanteil nach Menge (Prozent)

Marktanteil nach Wert (Prozent)

Hersteller/Vertrieb

13,2 % (1) 21,1 % (1) Kwizda

AEROMUC 12,7 % (2) 7,2 % (5) Infectopharm

PARACODIN 12,4 % (3) 6,7 % (6) Teofarma

PROSPAN 10,9 % (4) 14,7 % (2) Engelhard

MUCOBENE 7,7 % (5) 3,5 % (10) Ratiopharm

MUCOSOLVAN

6,7 % (6) 8,8 % (3) Opella Healthcare

ACETYLCYSTEIN-HEXAL 4,9 % (7) 2,3 % (11) Hexal-Pharma

BRONCHIPRET

4,5 % (8) 7,8 % (4) Bionorica

AMBROBENE 4,3 % (9) 2,0 % (13) Ratiopharm

RESYL C CODEIN 3,7 % (10) 2,3 % (12) Stada Arzneimittel

• 32,9 % der verkauften Packungen sind Phytopharmaka.

• Der Anteil der als rezeptpflichtig abgegebenen Packungen beträgt 20,5 %.

• Die Top-3-Produkte nach Menge machen 38,3 % des Gesamtabsatzes aus. Bronchostop® (Kwizda) liegt nach Einheiten an erster Stelle, gefolgt von Aeromuc® (Infectopharm) und Paracodin® (Teofarm).

• Die Top-3-Produkte nach Wert umfassen 44,5 % des Gesamtumsatzes.

Nach Umsatz führt Bronchostop® vor Prospan® (Engelhard) und Mucosolvan® (Opella Healthcare).

In Kooperation mit

* Quelle: IQVIATM DPMÖ sell-out Österreich, Verkäufe der öffentlichen österreichischen Apotheken sowie Großhandelslieferungen an ärztliche Hausapotheken, ATC-Klassen: R05C/D/F Hustenpräparate & OTC-Klasse 01A Hustenmittel (exklusive: 01G1/ 01B1/01V1/05F1/18A2), ausschließlich registrierte Arzneimittel aus dem Warenverzeichnis I, Absatz/Menge in Einheiten, Umsatz/Werte in Euro, bewertet zum Apothekenverkaufspreis (AVP inkl.USt), Wachstum vs. Vorjahr, MAT Dezember 2025 (Jänner 2025 bis Dezember 2025 kumuliert); Produktsummen inkl. Parallelimporte.

Hausärzt:in

Gefahr im Verzug

Winterinfektionen aus pneumologischer Sicht – Teil 2: Infektionen bei chronischen Atemwegserkrankungen – Indikationen für inhalative

Therapeutika

GASTAUTOR:INNEN:

Dr. Tobias

Bernhardt

Klinik Hietzing, 6. Med.

Abteilung:

Innere Medizin/ Pneumologie

Prim.a Doz.in

Dr.in Robab BreyerKohansal, Klinik Hietzing, 6. Med. Abteilung: Innere Medizin/ Pneumologie © privat

Der Winterkongress* 2025 hat spannende und neue Aspekte der täglichen klinischen Praxis beleuchtet. Nachfolgend ein auszugsweiser Rückblick auf Winterinfektionen aus pneumologischer Perspektive.

Infektionen bei COPD und Asthma

Dr.in Theresa Santa (Klinik Hietzing) resümierte die wichtigsten Infektionen

als zentrale Trigger von Exazerbationen chronischer Atemwegserkrankungen, etwa der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) und von Asthma bronchiale, im klinischen Kontext: von der Diagnose bis zur Therapie.

Epidemiologie & Pathophysiologie

Eingangs verdeutlichte sie anhand von Daten der Statistik Austria, dass Exazerbationen bei COPD gehäuft in den Wintermonaten aufträten. Dies bringt eine höhere Rate von Hospitalisierungen und eine gesteigerte Mortalität mit sich. In jenen Monaten nimmt auch der Antibiotikaverbrauch zu, im Gegensatz dazu bleibt der Einsatz von Kortisonpräparaten über das Jahr konstant. Die dafür ursächliche ausgeprägtere Infektanfälligkeit wird unter anderem mit ungünstigen Verhaltensweisen bzw. Umgebungsbedingungen in der kalten Jahreszeit erklärt. Dazu zählen der vermehrte Aufenthalt in geschlossenen Räumen, weniger Aktivität an der frischen Luft und auch Änderungen der Luftfeuchtigkeit in der Heizperiode.

Prinzipiell sind Patient:innen mit chronischen Lungenerkrankungen wie COPD oder Asthma anfälliger für Infektionen mit Viren und Bakterien. Der Grund ist die chronische Entzündung in den Atemwegen, welche zur Schädigung des respiratorischen Epithels, zu herabgesetzter mukoziliärer Clearance, gestörter Makrophagenaktivität und zur Dysregulation des Immunsystems führt. Die häufigsten Erreger sind Rhinoviren, Adenoviren, Influenzaviren oder Bakterien wie Pneumokokken, Hämophilus influenzae und Moraxella catarrhalis. Auch die Verbreitung von PertussisBakterien und Mykoplasmen hat in den letzten Saisonen zugenommen. Bei Patient:innen mit Asthma kann außerdem eine Allergenexposition (z. B. gegenüber Pollen, Gräsern, Hausstaub, Tierhaaren) ursächlich für eine Exazerbation sein.

Klinisch präsentieren sich Asthma- und COPD-Patient:innen während einer akuten Exazerbation ähnlich. Im Vordergrund stehen vermehrte Dyspnoe durch Husten – oft mit purulentem, missfärbigem Auswurf sowie pfeifendem Atemgeräusch (Giemen) als Zei-

chen der bronchialen Obstruktion und manchmal mit begleitendem thorakalem Engegefühl. Die Lungenfunktion ist während dieser Atemkrisen erwartungsgemäß verschlechtert.

Therapie

• Virale Infektion: symptomatisch. Bei Influenza g Oseltamivir (jedoch nur bei frühzeitigem Beginn empfohlen).

• Bakterielle Infektion: klinische Diagnose (purulentes Sputum); empirisch Betalaktame, Cephalosporine, Makrolide; Flourchinolone nur bei PseudomonasVerdacht. Indizien: erhöhtes CRP, Leukozytose.

• Bronchodilatation: SABA und SAMA.

• ICS: bei Asthma immer indiziert; bei COPD nach GOLD abhängig von Eosinophilenwert (> 300/µl) und Exazerbationshäufigkeit.

• Systemische Steroide für fast alle hospitalisierten Patient:innen mit Exazerbationen (Prednisolon-Äquiv. 40 mg/d für 5 Tage – Studien haben die Wirksamkeit bewiesen!)

Die Expertin empfiehlt jedoch auch Achtsamkeit im Umgang mit ICS: Aktives Absetzen ist unbedingt zu erwägen bei häufiger Pneumonie, sehr niedrigen Eosinophilen im Blut und bei Mykobakterieninfektionen.

Eine spezifische Erregerdiagnostik mittels Sputumuntersuchung ist nicht primär indiziert und soll nur bei Versagen der Ersttherapie erfolgen, oder wenn schwere Exazerbationen mit Hospitalisierung vorliegen. Sobald ein Erreger nachgewiesen wurde, ist die Therapie entsprechend anzupassen und eventuell sogar zu deeskalieren. Die häufigsten Differenzialdiagnosen zur infektbedingten Exazerbation sind, aufgrund der ähnlichen Beschwerdesymptomatik, die Pulmonalembolie, kardiale Dekompensation oder Pneumonie. Bekannt ist, dass häufige Exazerbationen bei COPD oder Asthma zu einer erhöhten Mortalität führen und Treiber der Krankheitsprogression sind. Die durchschnittliche Erholungszeit nach einer Exazerbation beträgt vier bis sechs Wochen, wobei manche Patient:innen das ursprüngliche lungenfunktionelle Ausgangsniveau nicht mehr erreichen. Daher ist die Verhinderung von Exazerbationen eines der Hauptziele in der Langzeittherapie. Als eine der wichtigsten präventiven Maßnahmen fungieren Impfungen. Empfohlen sind laut GOLD Impfungen gegen Pneumokokken-Infektionen, Influenza, COVID-19, RSV-Infektionen, Pertussis und Herpes Zoster.

Inhalationstechniken –Basis einer erfolgreichen Therapie

Dr. Tobias Bernhardt von der Klinik Hietzing (6. Medizinische Abteilung mit Pneumologie) sprach über das richtige Inhalieren bei Winterinfektionen und den Schlüssel zum Erfolg. Die Indikationen für inhalative Therapeuti- >

„Prinzipiell sind Patient:innen mit chronischen Lungenerkrankungen wie COPD oder Asthma anfälliger für Infektionen mit Viren und Bakterien.“
Dr.in Theresa Santa, Klinik Hietzing

ka sind vielfältig. Am häufigsten eingesetzt werden sie zur Bronchodilatation, Antiinflammation und Sekretolyse im Rahmen eines akuten respiratorischen Infekts oder auch in der Langzeittherapie von chronischen Lungenerkrankungen wie COPD. Weitere Spezialeinsatzgebiete sind inhalative Antibiotika, Vasodilatatoren und die Blutstillung bei Hämoptysen.

Wirkmechanismus

Der Wirkort sind die kleinsten Atemwege, die Bronchiolen, die in ihrer Gesamtheit über 90 % des Lungenvolumens ausmachen. Um dorthin zu gelangen, dürfen die Teilchen nicht größer als 5 µm sein. Damit sie in dieser Größe nicht kohärieren – sprich zusammenkleben –, liegen sie entweder als Aerosol an ein Treibgas gebunden vor (Dosieraerosole) oder als Pulver an ein größeres Laktoseteilchen gebunden (Pulverinhalatoren). Beide Systeme haben ihre Vor- und Nachteile. Pulverinhalatoren bedürfen beim Inhalieren eines größeren Kraftaufwandes (inspiratorischer Peak-Flow), sind aber dafür einfacher in der Handhabung, da die Freigabe des Medikaments atemzuggetriggert ist und daher keinerlei Koordination erfordert. Dosieraerosole benötigen sehr wenig inspiratorische Atemmuskelkraft. Um die Inhalationsdosis freizugeben, sind jedoch ein Druck auf die Kartusche und ein simultanes Einatemmanöver unerlässlich. Oft scheitert es an dieser Koordination, weswegen Fachgesell-

schaften Inhalationshilfen in Form von Vorschaltkammern empfehlen. Diese können zusammen mit dem Dosieraerosol rezeptiert werden, sodass die Krankenkassen deren Kosten übernehmen. Dr. Bernhardt fasste zusammen: Pulverinhalatoren müssten rasch, kräftig und lange inhaliert werden, während Dosieraerosole langsam, kontinuierlich und tief inhaliert werden sollten.

Überprüfen und schulen

Der Markt unterschiedlicher Herstellerfirmen und Produkte ist riesig und die entsprechenden Devices sind oft sehr unterschiedlich in der Handhabung. Abhilfe schaffen Inhalationslehrvideos, welche für jedes einzelne Produkt verfügbar und im Internet z. B. unter atemwegsliga.de oder auf der Seite der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ogp.at) abrufbar sind. Jeder behandelnden Ärzt:in wird nahegelegt, die Inhalationstechniken der Patient:innen zu überprüfen und gegebenenfalls Schulungen durchzuführen, um sicherzustellen, dass das verordnete Inhalativum seinen gesamten Wirkumfang entfalten kann.

Feuchtinhalationen über druckluftbasierte oder ultraschallbasierte Vernebler haben ihre Berechtigung eher im Akutsetting – also während einer akuten Exazerbation – und sind wegen aufwendiger Reinigungsprozesse meist nur im Spitalskontext empfohlen.

Für die Bronchodilatation stehen zwei große Wirkstoffklassen zur Verfügung: 1) Beta-2-Sympathomimetika und 2) Muscarinrezeptor-Antagonisten. Beide wirken an den glatten Muskelzellen der Bronchien und erzielen eine Erweiterung ebenjener.

Im Gegensatz dazu hat ein inhalatives Kortikosteroid rein entzündungshemmende Effekte und somit differenzierte Einsatzgebiete, darunter Asthma und COPD. Eine Rolle spielen neben der Exazerbationshistorie hierbei zudem die eosinophilen Granulozyten, wie Dr.in Santa bereits in ihrem Beitrag erläuterte. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass inhalative Therapeutika sowohl bei

NACHBERICHT

„Jeder behandelnden Ärzt:in wird nahegelegt, die Inhalationstechniken der Patient:innen zu überprüfen und gegebenenfalls Schulungen durchzuführen.“

akuten Atemwegsinfektionen als auch bei chronischen Lungenerkrankungen einen großen Stellenwert haben. Die richtige Inhalationstechnik ist oft der Schlüssel zum Erfolg und bedarf intensiver Schulungen durch Kolleg:innen im niedergelassenen Bereich wie auch in den Kliniken in enger Zusammenarbeit mit Atemphysiotherapeut:innen.

Dr. Tobias Bernhardt, Klinik Hietzing <

INFO

HINWEISE für Patient:innen

Pulverinhalatoren (DPI):

WANN: � benötigen hohen inspiratorischen Flow � unkomplizierte Handhabung (atemzuggetriggert)

WIE: Kräftig, schnell, lange inhalieren.

Dosieraerosole (MDI):

WANN: � geringer Kraftaufwand � koordinationsabhängig

WIE: Langsam, tief, gleichmäßig inhalieren. Mit Hilfsmittel: Vorschaltkammer (verordnungsfähig).

Feuchtinhalationen: v. a. im Akutsetting; aufgrund der Hygiene-anforderungen primär im Spital, Verlust an Medikation durch Vernebelung.

* 2. Österreichischer E-Kongress „Winterinfektionen 2025“ von MedConnect, 8. November 2025.

Praxiswissen:

Insomnie verstehen und behandeln

Ursachen, Diagnose sowie neue Wege in

der medikamentösen Behandlung

AFP-Punktesammler

JETZT NEU

FÜR APOTHEKER:INNEN

GASTAUTOREN:

Gerhard Klösch, MPH

Pressereferent der Österreichischen Gesellschaft für Schlafmedizin und Schlafforschung (ÖGSM-ASRA)

Priv. Doz. Dr. Michael Saletu FA für Neurologie Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Schlafmedizin (ÖGSM/ASRA)

Schnellzugriff zum von der Apothekerkammer akkreditierten Literaturstudium: Über diesen QR-Code gelangen Sie direkt zur Fortbildung auf Gesund.at

Dieser Fortbildungsartikel beschäftigt sich mit den aktuellen Richtlinien zur Behandlung der Insomnie. Er erläutert die Diagnosekriterien und die möglichen Ursachen der Entstehung von Schlaflosigkeit. In der Folge werden die medikamentösen Behandlungsoptionen entsprechend den aktuellen S3-Leitlinien zur Behandlung der Insomnie dargestellt und diskutiert.

Seit der letzten Revision der Internationalen Klassifikation von Schlafstörungen (ICSD-3) im Frühjahr 2014 haben sich einige, wenngleich nicht gravierende, Veränderungen ergeben, insbesondere bei der Therapie der Insomnie. Die damals vorgenommenen Vereinfachungen in der Diagnostik der Insomnie – seither wird nur mehr zwischen chronischer Insomnie und Kurzzeit-Insomnie unterschieden – haben sich bewährt. Zur Erinnerung: Unter chronischer Insomnie werden die psychophysiologische Insomnie, die idiopathische Insomnie, die Schlafwahrnehmungsstörung (oder paradoxe Insomnie), eine inadäquate Schlafhygiene und die verhaltensabhängige Insomnie im Kindesalter subsumiert.

„Kurzzeit-Insomnie“ hat als Sammelbegriff die Bezeichnung „a npassungsbedingte Insomnie“ abgelöst. Der inhaltliche Unterschied zur chronischen Insomnie liegt lediglich darin, dass die Beschwerden kürzer als drei Monate bestehen und/oder seltener als dreimal pro Woche auftreten.

Als diagnostische Kriterien gelten persistierende Ein- und Durchschlafstörungen sowie vorzeitiges Erwachen am Morgen, die allesamt mindestens dreimal pro Woche über einen Zeitraum von drei Monaten vorkommen müssen. Um eine chronische Insomnie handelt es sich ebenfalls, wenn die Beschwerden zwar kürzer als drei Monate, aber persistierend über mehrere Jahre auftreten.

© Thomas Klaffl

Eine Ein- und Durchschlafstörung liegt dann vor, wenn das Einschlafen länger als 30 Minuten dauert bzw. die nächtlichen Wachzeiten ebenfalls 30 Minuten überschreiten. Analog dazu ist ein vorzeitiges Erwachen am Morgen dann gegeben, wenn 30 Minuten vor dem gewünschten Aufstehzeitpunkt sich kein Schlaf mehr einstellt. Bei Kindern und Jugendlichen gelten 20 statt 30 Minuten.

Die Veränderungen seit 2014 betreffen in erster Linie Anpassungen bei der ICSD-3 und den Insomnie-Diagnosekriterien im DSM-5 sowie bei der neuesten Revision der Internationalen Klassifikation der Krankheiten ICD-11. In der ICD-11 wurde die Unterscheidung zwischen einer „organischen“ und einer „n ichtorganischen Insomnie“ aufgrund mangelnder Evidenz aufgegeben, und es wird nur noch die Diagnose „chronische Insomnie“ gestellt.

Deutlich verändert haben sich jedoch die Empfehlungen für das Vorgehen bei der medizinischen Anamnese. So wird die Verwendung von Schlaftagebüchern ausdrücklich empfohlen, eine apparative Untersuchung mit Hilfe von Aktigrafen,Wearables oder eine Routineuntersuchung mittels Polysomnografie im Schlaflabor wurde als nicht zielführend eingestuft. Die gravierendsten Neuerungen betreffen jedoch die Behandlungsoptionen. Anstelle einer medikamentösen The-

rapie gilt nun als First-Line-Option die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I). Diese stellt ein Bündel verschiedener Strategien dar: Das chronische Nicht-schlafen-Können soll mit Hilfe von kognitiver Umstrukturierung, Stimuluskontrolle, Entspannungsmethoden, Schlafedukation usw. behandelt werden. Eine Fülle von einschlägigen Studien zeigt, dass sich dank der KVT-I mittel- und langfristig sehr gute und anhaltende therapeutische Erfolge erzielen lassen, die signifikant größer sind als jene durch medikamentöse Ansätze allein, und das bei allen Formen der Insomnie (als primäres Leiden wie auch als Komorbidität).

Diagnostik der Insomnie: Schlaftagebücher statt Schlafmessgeräten

Die Diagnose einer chronischen Insomnie basiert nun weitgehend auf einer Eigenanamnese der Patient:in betreffend Ein- und Durchschlafstörungen sowie das frühzeitige Erwachen am Morgen. Das geschieht mit Hilfe von Schlaftagebüchern und/oder Schlaffragebögen. Schlaftagebücher erfassen täglich die Schlafens- und Aufstehzeiten, die Zeit, die zum Einschlafen benötigt wird, sowie die Anzahl von nächtlichen Wachphasen. Sinnvoll sind auch die Beurteilung der Schlafqualität (z. B. durch

Apotheker:innenfortbildung – Das Wichtigste in Kürze

Die aktuellen S3-Leitlinien zur Behandlung der Insomnie unterscheiden zwischen chronischer und Kurzzeit-Insomnie (entsprechend den Empfehlungen der ICSD-3):

Eine chronische Insomnie liegt dann vor, wenn Ein- und Durchschlafstörungen sowie frühmorgendliches Erwachen mindestens dreimal pro Woche über einen Zeitraum von drei Monaten bestehen.

Eine Einschlafstörung liegt dann vor, wenn mehrmals pro Woche das Einschlafen länger als 30 Minuten dauert (bei Kindern länger als 20 Minuten).

Die geäußerten Beschwerden der Patient:in sind bereits ausreichend für die Diagnosestellung; eine weitere Abklärung durch technische Messmethoden (Polysomnografie, Aktigrafie) ist nur zur Ermittlung möglicher Komorbiditäten notwendig.

Bei den medikamentösen Therapieoptionen wird eine Behandlungsdauer von < 4 Wochen empfohlen, wobei Benzodiazepine (BZs) und Z-Substanzen (BZRAs) nach wie vor am wirksamsten sind.

Duale Orexin-Rezeptor-Antagonisten (DORAs) gelten als wichtigste Alternative zu Benzodiazepinen.

eine Schulnotenskala) und Angaben zur Befindlichkeit am Morgen und während des Tages. Schlaftagebücher sollten mindestens über sieben Tage/Nächte (ideal sind zwei Wochen) ausgefüllt werden. Vorlagen für ein Schlaftagebuch bzw. ein Abend- und Morgenprotokoll sind über die Homepage der DGSM abrufbar (dgsm.de).

Empfehlenswert ist auch die Verwendung von Schlaffragebögen wie z. B. dem Insomnia Severity Index (ISI), der Regensburger Insomnie Skala (RIS) oder der ALIBABA-Checkliste, abrufbar über die Homepage der ÖGSM (schlafmedzin.at).

Aktigrafie und Wearables

Ambulante Messgeräte wie die Aktigrafie (Bewegungsmonitore von der Größe einer Armbanduhr, am Handgelenk zu tragen) oder Wearables, die den Schlaf mittels Bewegungsanalyse oder Pulswelle erfassen, sind für die Diagnostik der Insomnie nicht mehr zwingend notwendig. Sie können mitunter sogar kontraproduktiv sein, weil sie die Beschäftigung mit der Schlafproblematik noch intensivieren und so zusätzlich Angst/Verunsicherung erzeugen. Eine aktigrafische Untersuchung sollte nur bei Verdacht auf einen unregelmäßigen Schlaf-wachRhythmus (bzw. auf eine Schlaf-wachRhythmus-Störung) erfolgen.

Geräte, die ausschließlich aufgrund einer Bewegungsanalyse den Schlaf quantifizieren, neigen dazu, bei Patient:innen mit Insomnie die Einschlafzeit oder die Schlafeffizienz (Prozentsatz der Zeit, die tatsächlich geschlafen wurde) zu überschätzen, und liefern somit keine validen Schlafdaten. Inwiefern ambulante Geräte, die über die Pulswelle auch die Herzratenvariabilität bestimmen, den Schlaf valider erfassen, wird erst die Zukunft zeigen.

Polysomnografie (PSG)

Eine Überweisung in ein Schlaflabor zur polysomnografischen Abklärung einer Insomnie ist ebenfalls nicht mehr zwingend notwendig. Eine PSG sollte nur dann erfolgen, wenn andere Schlafstörungen ausgeschlossen werden müssen (z. B. schlafbezogene Atmungsstörungen, periodische Gliedmaßenbewegungen im Schlaf), des Weiteren bei bestimmten Risikogruppen in Verbindung mit Selbst-

Hausärzt:in pharmazeutisch AFP

und Fremdgefährdungen (z. B. Problematik der Tagesschläfrigkeit bei Berufskraftfahrer:innen oder Menschen, die Nachtarbeit leisten) oder bei Verdacht auf eine Schlaffehlwahrnehmung (Diskrepanz zwischen dem subjektiven Schweregrad und dem tatsächlichen Ausmaß insomnischer Beschwerden).

Erklärungsansätze in Bezug auf Insomnie

Patient:innen mit Insomnie neigen zum Grübeln über den Schlaf, zeigen vermehrt Ängste hinsichtlich möglicher Auswirkungen von Schlaflosigkeit, sie fühlen sich tagsüber schnell erschöpft und klagen über Konzentrationsstörungen, mangelnde Stresstoleranz und eine erhöhte körperliche Anspannung. Das „ Nicht-abschalten-Können“ führt wiederum zu Ein- und Durchschlafproblemen bzw. zu ungünstigen Schlafgewohnheiten (z. B. zu langen Bettzeiten) in den Folgenächten, wodurch ein Circulus vitiosus der Schlaflosigkeit (vgl. Morin 1993) entsteht, der sich kaum durch Medikamente verändern lässt. Nach dem Modell von Spielman et al. (1987) spielen bei der Entwicklung einer Insomnie prädisponierende Faktoren (Persönlichkeit, transgenerative Faktoren) ebenfalls eine Rolle, die bei einem akuten Auslöser (meist stressbedingt) zu Einund Durchschlafstörungen führen und sich in der Folge durch symptomstabilisierende Faktoren (fehlerhafte Anpassung des Verhaltens, „katastrophisierende“ Gedanken) als chronische Insomnie verfestigen können. Aufgrund dieser Konstellation haben sich psychoedukative und kognitiv-behaviorale Ansätze in der Behandlung der Insomnie als besonders effektiv herausgestellt.

Aktuelle Therapieansätze zur Behandlung der Insomnie

Medikamentöse Therapieoptionen

• Benzodiazepine (BZs)/BenzodiazepinRezeptor-Agonisten (BZRAs) sind nach wie vor die am häufigsten verwendete Substanzklasse in der medikamentösen Therapie der Insomnie. Positive Effekte stellen sich relativ bald nach Beginn einer BZs-/BZRAs-Therapie ein. Diese sollte aber eine Einnahme-

dauer von max. vier Wochen nicht überschreiten. Einzelne Präparate mit dem Wirkstoff Eszopiclon können auch bis zu sechs Monate lang verwendet werden. Beschränkungen der Einnahmedauer sind durch die ungünstigen Nebenwirkungsprofile einzelner BZs und BZRAs bedingt. In erster Linie sind diese durch die Entwicklung von Toleranz und Abhängigkeit, nächtliche Verwirrung und Stürze, negative Auswirkungen auf die kognitiven Funktionen und durch Gedächtnisstörungen begründet. Katereffekte und damit verbundene Beeinträchtigungen der Fahrtauglichkeit sowie die Entstehung einer Rebound-Insomnie nach Entzug stellen weitere Nebenwirkungen dar.

• Antidepressiva sollten generell nur bei einer Depression als Komorbidität verschrieben werden. Eine Langzeittherapie mit sedierenden Antidepressiva ohne depressive Begleitsymptomatik wird nicht empfohlen. Off Label zeigen sich bei niedriger Dosierung leicht positive Effekte bei der Gabe von Doxepin und Trazodon über einen Behandlungszeitraum von bis zu vier Wochen.

• Antipsychotika sind in der Behandlung einer Insomnie nicht anzuraten. Einzelne Studien zeigen positive Effekte von Melperon und Pipamperon bei psychischen Komorbiditäten, desgleichen von sedierenden Neuroleptika wie Quetiapin oder Olanzapin.

• Duale Orexin-Rezeptor-Antagonisten (DORAs) gelten zurzeit als große Hoffnung in der medikamentösen Behandlung von Insomnien. In zwei großen kontrollierten Phase-III-Studien mit Daridorexant (als einziger DORA in der EU zugelassen) konnte bei einer Dosis von 50 mg über drei Monate eine signifikante Verbesserung bei objektiven Schlafparametern nachgewiesen werden, und zwar bei nur geringen Nebenwirkungen. Dennoch wird eine Langzeittherapie (> 1 Jahr) mit Orexin-Rezeptor-Antagonisten gegenwärtig nicht empfohlen.

• Für Antihistaminika gibt es eine ungenügende Evidenz bei der Behandlung insomnischer Beschwerden. Zugelassen sind Doxylamin und Diphenhydramin, Promethazin und Hydroxizin, dennoch wird aufgrund ungünstiger Nebenwirkungen (Sedie-

rung und Rebound-Effekte) eine Behandlung der Insomnie mit sedierenden Antihistaminika nicht empfohlen.

• Melatonin/retardiertes Melatonin wird zwar als „natürliches Schlafmittel“ gerne verschrieben, dennoch ist die Studienlage betreffend die Wirksamkeit ungenügend bzw. widersprüchlich. Für die Behandlung von Schlafproblemen bei älteren Menschen (> 55 Jahre) kann nach Abwägung der Vor- und Nachteile der Einsatz von Circadin in Erwägung gezogen werden. Dennoch sollte eine Langzeittherapie mit Melatonin vermieden werden (< 1 Jahr).

• Phytotherapeutika: Eine mäßige Wirkung von Baldrian und Substanzen der traditionellen chinesischen Medizin im Vergleich zu Placebo konnte zwar in einigen Studien belegt werden. Jedoch kann wegen fehlender Studien und Metaanalysen keine Empfehlung für eine Langzeitbehandlung mit pflanzlichen Substanzen bei Insomnie abgegeben werden. Das Gleiche gilt für homöopathische Behandlungsansätze.

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Literatur:

American Academy of Sleep Medicine (Hrsg). ICSD-3 (International Classification of Sleep Disorders). American Association of Sleep Medicine, Darien 2014. Heidbreder A, Chronische Insomnie – alte, neue und zukünftige Therapieoptionen, InFo Neurologie + Psychiatrie 2023; 25 (5).

Morin MC, Insomnia – Psychological Assessment and Management. New York, The Guilford Press 1993. Riemann D et al., The European Insomnia Guideline: An update on the diagnosis and treatment of insomnia 2023; J. Sleep Res. 2023;32:e14035.

S3-Leitlinie „Insomnie bei Erwachsenen“ Update 2025 (AWMF-Registernummer 063-003) Version 2.0. Spielman A, Caruso L, Glovinsky P, A behavioral perspective on insomnia treatment. Psychiatr Clin North Am 1987;10:541-553.

AFP-Pflichtinformation

Fortbildungsanbieter: Österreichische Gesellschaft für Schlafmedizin und Schlafforschung (ÖGSM-ASRA)

Lecture Board:

Dr.in Johanna Holzhaider 2. Vizepräsidentin der OBGAM Gruppenpraxis Sandl, Oberösterreich

Dr. Rainer Popovic

Leiter des Curriculums „Schlafmedizin“ der Österreichischen Gesellschaft für Schlafmedizin (ÖGSM/ASRA)

AFP-Literaturstudium HAUSÄRZT:IN

So machen Sie mit: Entsprechend den Richtlinien der ÖAK finden Sie im Anschluss an den Fortbildungsartikel Multiple-Choice Fragen. Eine Frage gilt dann als richtig beantwortet, wenn Sie von den vorgegebenen Antworten alle richtigen angekreuzt haben. Für eine positive Bewertung ist erforderlich, dass Sie die Fragen überwiegend richtig beantworten können. In diesem Fall wird 1 AFP-Fachpunkt angerechnet.

Online lesen und beantworten:

Dieser Fortbildungsartikel inkl. Test steht online auf Gesund.at noch 3 Jahre zur Verfügung. Wenn Sie dieses elektronische Angebot nutzen, erhalten Sie auch die Teilnahmebestätigung elektronisch.

Per E-Mail oder Post: Schicken Sie den beantworteten Fragebogen bitte per Mail als Scan-Dokument an office@gesund.at oder per Post an Redaktion HAUSÄRZT:IN/RMA Gesundheit GmbH, Am Belvedere 10 / Top 5, 1100 Wien.

Einsendeschluss: 31. Dezember 2026. Unsere aktuellen Fortbildungen finden Sie unter Gesund.at (AFP-Fortbildungen).

AFP-Fragen zu „Insomnie verstehen“

Die Anzahl der richtigen Antworten ist nach jeder Frage in Klammern angegeben.

Welche Arten der Insomnie werden aktuell unterschieden? (1 richtige Antwort)

Psychophysiologische Insomnie, idiopathische Insomnie, chronische Insomnie.

Chronische Insomnie und Kurzzeit-Insomnie.

Langzeit-Insomnie, Kurzzeit-Insomnie und falsche Schlafhygiene.

Organische Insomnie, nicht organische Insomnie, Schlafwahrnehmungsstörung.

2

Zur Diagnostik der Insomnie werden folgende Untersuchungsmethoden empfohlen? (1 richtige Antwort)

Klinische Anamnese, stationäre oder ambulante Polysomnografie, Labordiagnostik.

Klinische Anamnese, Fragebögen und apparative Messmethoden (Polysomnografie, Aktigrafie).

Eigenanamnese, Schlaftagebuch und/oder Schlaffragebögen.

Klinische Anamnese, Polysomnografie oder Aktigrafie (ambulante Bewegungsmessung).

Welche Substanzklassen werden bei der medikamentösen Behandlung einer Kurzzeit-Insomnie nicht empfohlen? (2 richtige Antworten) 3

Melatonin, nicht retardiertes Melatonin. Antihistaminika.

Antipsychotika.

Duale Orexin-Rezeptor-Antagonisten.

Welche Aussage trifft auf Benzodiazepine (BZs)/ Benzodiazepin-Rezeptor-Agonisten (BZRAs) zu? (1 richtige Antwort) 4

Sie sind nach wie vor die am häufigsten verwendete Substanzklasse in der medikamentösen Therapie der Insomnie.

Sie sollten generell nur bei einer Depression als Komorbidität verschrieben werden.

Sie haben nur eine mäßige Wirkung im Vergleich zu Placebo.

Sie sind in der Behandlung einer Insomnie nicht anzuraten.

Welche Aussagen zu Melatonin/retardiertem Melatonin als „natürliches Schlafmittel“ sind korrekt? (2 richtige Antworten): 5

Die Studienlage für Melatonin/retardiertes Melatonin betreffend die Wirksamkeit ist ungenügend bzw. widersprüchlich.

Die Studienlage betreffend die Wirksamkeit ist sehr gut.

Der Einsatz von Circadin kann bei älteren Menschen (> 55 Jahre) nach Abwägung der Vor- und Nachteile in Erwägung gezogen werden.

Sie sind in der Behandlung einer Insomnie nicht anzuraten.

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Wie „grün“ sind IT und AI?

Digitale Nachhaltigkeit im Praxisalltag

Digitale Anwendungen begleiten heutzutage nahezu jeden Schritt im medizinischen Alltag, ihr Einsatzgebiet reicht vom Computerarbeitsplatz über diagnostische Geräte bis hin zu Cloud-Diensten und Videosprechstunden. Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie viel Strom all die technischen Geräte in Ihrer Praxis tagtäglich verbrauchen? Auch wenn der Energiebedarf einzelner Anwendungen gering erscheint, summiert er sich über den laufenden Betrieb zu einem relevanten Stromverbrauch. Hinzu kommt: Die für digitale Dienste benötigten Rechenzentren tragen inzwischen mit über einem Prozent zum weltweiten Stromverbrauch bei, mit weiterhin steigender Tendenz. Digitalisierung ist damit nicht automatisch nachhaltig im ökologischen Sinn, sondern erfordert eine bewusste Steuerung.

Daten brauchen Energie

GASTAUTORIN:

Assoz. Prof.in Privatdozentin DDr.in Daniela Haluza, MSc Fachärztin für Klinische Mikrobiologie und Hygiene, Public-HealthExpertin und Umweltmedizinerin an der Medizinischen Universität Wien, Zentrum für Public Health, Abteilung für Umwelthygiene und Umweltmedizin.

Mit AI („Artificial Intelligence“) werden im Grunde genommen Systeme bezeichnet, welche Aufgaben übernehmen, die normalerweise menschliche Intelligenz erfordern, zum Beispiel Muster erkennen, Entscheidungen treffen oder gro -

ße Datenmengen verarbeiten. Diese komplexe Datenverarbeitung bedarf jedoch eines hohen Energieaufwandes. So benötigt eine typische AIChatbot-Anfrage etwa 3 Wattstunden (Wh), während eine einfache Internetsuche mit rund 0,3 Wh auskommt. Bei häufigen Anwendungen und einer stetig zunehmenden Nutzung datenintensiver Angebote, etwa hochauflösender Videokonsultationen, steigt der Gesamtverbrauch deutlich. Gerade deshalb gewinnen alltägliche Entscheidungen an Bedeutung: Müssen alle Bilder in maximaler Auflösung gespeichert werden? Wie lange bleiben Geräte im Stand-byModus aktiv? Sind alle digitalen Funktionen dauerhaft notwendig? Nachhaltige Digitalisierung setzt genau an diesen Stellen an. Sie fragt nicht nach dem technisch Machbaren, sondern nach dem medizinisch sinnvollen, organisatorisch angemessenen und zugleich ressourcenschonenden Einsatz digitaler Lösungen. Wird Technik gezielt genutzt, lassen sich Treibhausgasemissionen reduzieren, ohne die Qualität der Patient:innenversorgung zu verschlechtern. Digitale Nachhaltigkeit beginnt also nicht im weit entfernten Rechen-

zentrum, sondern mit dem bewussten Gebrauch digitaler Anwendungen im Praxisalltag. Neue Begriffe wie Green IT und Green AI stehen für eine Digitalisierung, welche Effizienz, Versorgungsqualität und Umweltverantwortung zusammen denkt.

Ressourceneffizienz im Praxisalltag

Unter dem Begriff Green IT sind alle Maßnahmen subsumiert, die den Energieverbrauch und Ressourcenbedarf der technischen Infrastruktur verringern. Das Ziel besteht darin, digitale Prozesse ökologisch und ökonomisch effizient zu gestalten, ohne den Praxisbetrieb zu verkomplizieren. Für die Praxis bedeutet dies konkret: Monitore, Drucker und andere Geräte sollten außerhalb der Sprechstunden abgeschaltet oder zumindest in den Stand-by-Modus versetzt werden. Technische Geräte sollten möglichst lange genutzt und bei Bedarf repariert statt frühzeitig ersetzt werden. Auch die Wahl von Software und CloudDiensten beeinflusst die Nachhaltigkeit erheblich: Anbieter, die energieeffiziente Rechenzentren nutzen und erneuerbare Energien einsetzen, reduzieren den Strombedarf deutlich. Solche Maßnahmen senken neben dem Energieverbrauch auch die Betriebskosten und schonen Ressourcen.

Haluza/DALL·E-2025

Intelligente Prozesse für Umwelt und Praxis

Unter Green AI wird der gezielte Einsatz von künstlicher Intelligenz verstanden. Er dient dazu, Prozesse zu vereinfachen, Ressourcen zu sparen und Emissionen zu reduzieren. AI ist nicht automatisch „grün“, denn komplexe Modelle können einen hohen Energieaufwand verursachen. Wird sie jedoch gezielt genutzt, kann sie ökologische und ökonomische Vorteile bringen – eine Win-win-Situation! Ein Beispiel aus der Praxis ist der Einsatz von AI-gestützten Termin- und Triage-Systemen: Patient:innen mit leichten Beschwerden können zunächst telefonisch oder per Videosprechstunde betreut werden. Das reduziert Anfahrtswege, senkt CO2-Emissionen, spart Papier und verkürzt Wartezeiten. Beim Material- und Medikamentenmanagement kann AI helfen, Überhänge, Doppelverordnungen oder ablaufende Präparate frühzeitig zu erkennen. Die Benefits: Abfallreduktion, Kostensenkung und eine effizientere Versorgung. Durch zielgruppenorientierte AI-Anwendungen lassen sich all jene Patient:innen identifizieren, die besonders von präventiven Maßnahmen profitieren. Dadurch können Krankenhausaufenthalte vermieden werden, was sowohl die Krankheitslast vermindert als auch den ökologischen Fußabdruck der Versor-

IMPRESSUM

gung verkleinert. Gleichzeitig können Patient:innen in puncto gesundheitsfördernder und klimafreundlicher Lebensweisen beraten werden, was messbare Vorteile für Gesundheit, Praxis und Umwelt bringt.

Fazit

Digitale Nachhaltigkeit ist kein abstraktes Zukunftskonzept, sondern ein unmittelbarer Gestaltungsraum für den Praxisalltag. Wer seine digitale Infrastruktur bewusst steuert und AI gezielt einsetzt, kann ökologische Verantwortung mit ökonomischer Vernunft verbinden. Stromkosten lassen sich senken, Material- und Zeitverschwendung reduzieren und Abläufe spürbar entlasten – ohne Einbußen bezüglich der Versorgungsqualität. Digitale Anwendungen unterscheiden sich stark in ihrem Ressourcenverbrauch. So benötigt eine Anfrage an einen AI-Chatbot deutlich mehr Energie als eine einfache Internetsuche. Digitalisierung ist daher nicht automatisch nachhaltig, sondern muss gezielt eingesetzt werden. Unterstützung erhalten Arztpraxen dabei von Fachstellen und Expert:innen, die bei der Auswahl und Umsetzung sinnvoller „g rüner“ digitaler Lösungen weiterhelfen. Wird Technik dort verwendet, wo sie Abläufe vereinfacht, unnötige Untersuchungen vermeidet und Ressour-

Herausgeber und Medieninhaber: RegionalMedien Gesundheit – RMA Gesundheit GmbH, Am Belvedere 10 / Top 5, 1100 Wien, Tel. 01/74321708114, office@gesund.at.

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Grundlegende Richtung: Unabhängige österreichische Fachzeitschrift für niedergelassene Ärzt:innen.

Die HAUSÄRZT:IN – Praxis-Magazin für Primärversorgung –ist ein interdisziplinäres Informations- und Fortbildungsmedium.

cen schont, wird Digitalisierung nicht zur zusätzlichen Belastung, sondern zu einem wertvollen Unterstützungsinstrument. Im Idealfall bleibt dadurch mehr Zeit für das, was wirklich zählt: das persönliche Gespräch.

Hinweis: AI-gestützte Technologien entwickeln sich rasant weiter – dieser Artikel spiegelt den Wissensstand von Dezember 2025 wider.

Literatur bei der Verfasserin.

INFO

Praxistipps für digitale Nachhaltigkeit

Green IT:

� Geräte möglichst lange nutzen oder reparieren lassen.

� Energieeffiziente Hardware bevorzugen.

� Stand-by- und Dauerbetrieb vermeiden.

� IT- und Cloud-Anbieter mit nachhaltigen Rechenzentren wählen.

Green AI:

� Prozesse gezielt vereinfachen.

� Termin- und Triage-Tools zur Reduktion unnötiger Praxisbesuche nutzen.

Wichtig

� Digitale Auswertungen zur Verringerung von Material- und Medikamentenabfällen einsetzen.

Selbstverständlich erarbeiten wir alle Inhalte unserer Ratgeber sorgfältig. Dennoch können wir nicht garantieren, dass alles vollständig und aktuell ist bzw. sich seit dem Druck keine Gesetzesänderung ergeben hat.

� Prävention und Vermeidung von Überversorgung fördern.

Unsere Ratgeber dienen Ihnen als Erstinformation. Sie enthalten die häufigsten Fragen, viele anschauliche Beispiele, Hinweise auf Stolpersteine und einen Überblick über die wichtigsten gesetzlichen Regelungen. Bei individuellen Fragen steht Ihnen unsere Hotline zur Verfügung: (01) 501 65 0

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In unserem Fachmagazin setzen wir auf genderneutrale Sprache. Verwendet wird der Doppelpunkt – als beste Symbiose aus Leserlichkeit und Inklusion. Zugunsten der besseren Lesbarkeit verzichten wir teilweise auf die gänzlich orthografisch/ grammatikalisch korrekte Schreibweise. Etwa geben wir bei Artikeln und Pronomen jeweils nur eine Variante an – jene, die zur längeren Variante des gegenderten Wortes gehört. Weitere Informationen siehe: meinmed.at/kommunikation/genderneutrale-sprache/2688 issuu.com/hausarzt/docs/ha_2023_12/3 (Hausärzt:in 12/23, Editorial, S. 3)

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Artikelnummer 456

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TERMINE Aktuelle Kongresse und mehr

07.03.2026

14. Fachtagung der ÖGAM Vorarlberg

Ort: ÖGK Panoramasaal Dornbirn

25.03-28.03.2026

European Lung Cancer Conference

Ort: Bella Center Kopenhagen

22.04-24.04.2026

10. Dreiländertagung Kopfschmerz

Ort: Lakeside Science & Technology Park Klagenfurt

08.03-10.03.2026

APOkongress

Ort: congress Schladming

09.04-11.04.2026

Jahreskongress der ÖGGG (Geriatrie und Gerontologie)

Ort: Hauptgebäude der Universität Wien

23.04-25.04.2026

9. Österreichischer Palliativkongress

Ort: Congress Graz

13.03.2026

OÖ Hygienetag

Ort: EventQUARTIER Messe Wels

10.04-11.04.2026

34. Jahrestagung der ÖGSM (Schlafmedizin)

Ort: Congress Center Villach

Weitere Infos und Veranstaltungen finden Sie in unserem Kongresskalender unter: gesund.at/ kongresskalender

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DFP-Fortbildungen

Die neue Patient:innengeneration

Digital vernetzt, ungeduldig und gut informiert

All das klingt nach einer Herausforderung, ist in Wahrheit aber eine große Chance für Ordinationen. Denn Patient:innen haben sich verändert – nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil ihr Alltag digital, schnell und informationsgetrieben ist. Genau diese Realität nehmen sie heute in die Praxis mit. Digital bedeutet für sie vor allem eines: Unkompliziertheit. Termine werden rund um die Uhr online gebucht, Rezepte in digitaler Form erwartet, Rückfragen via einen sicheren Messenger gestellt. Fehlen diese Basic Services, steigt die Bereitschaft, die Ordination zu wechseln. Nicht aus Trotz, sondern weil es anderswo reibungsloser funktioniert. Für Praxen heißt das: Wer in benutzerfreundliche, datenschutzkon-

forme Tools investiert und sie gut erklärt – auf der Website oder direkt im Gespräch –, entlastet das Team und reduziert unnötige Kontakte. Gleichzeitig ist diese Patientengeneration spürbar ungeduldiger. Lange Telefonwarteschleifen, tagelange Wartezeiten für E-Mail-Antworten oder volle Wartezimmer wirken wie aus der Zeit gefallen. Was hilft, ist Selfservice: Online-Terminverschiebungen, digitale Formulare, automatische Statusmeldungen wie „I hr Rezept ist abholbereit“ Das verkürzt nicht nur die gefühlte Wartezeit, sondern bringt auch Struktur in den Ordinationsalltag. Und dann kommen jene Patient:innen vorbereitet – informiert durch „ Dr. Google“ oder „ Dr. ChatGP T “ Sie re-

Neues auf Gesund.at

Eventberichterstattung

Pressegespräch Karl Landsteiner Institut für Lungenforschung und pneumologische Onkologie: Zukunft der Krebsmedizin

ÖDG-Jahrestagung: Diabetes in der Primär- und Sekundärversorgung

Medizinische Leitlinien

Schwindel

EXPERTIN:

Kathrin Zhuber, MBA Gründerin von DOC-N-ROLL

Healthcare Management (spezialisiertes Dienstleistungsservice für niedergelassene Ärzt:innen bzw. Therapeut:innen), doc-n-roll.at

cherchieren Symptome im Voraus und bringen konkrete Erwartungen mit. Das ist keine Bedrohung ärztlicher Expertise, sondern eine Einladung zum Dialog. Digitale Aufklärung vor dem Termin schafft Raum für das Wesentliche: Einordnung, Beratung und gemeinsame Entscheidungen. Gleichzeitig verändern sich die Rollen im Team. Ordinationsassistent:innen werden zu digitalen Lots:innen, klare Prozesse entlasten den Alltag. Entscheidend ist dabei weniger die Technik als die Haltung: Digitalisierung wirkt dort, wo sie begleitet, erklärt und als Unterstützung verstanden wird.

Fazit? Die neue Patient:innengeneration ist kein Risiko, sondern ein Spiegel unserer Zeit. Ordinationen, die sie als Chance begreifen, positionieren sich klar, arbeiten effizienter – und sind bereit für das, was kommt.

Studien einfach erklärt

Impfskepsis überwindbar?

Paracetamol ungefährlich für Ungeborene

Wirkstofflexikon

Hopfen ist die Arzneipflanze 2026

HMPPA-Presseeinladung: Vom Bier zur Heilpflanze

Am 28. Jänner wurde offiziell die Arzneipflanze des Jahres 2026 von der Herbal Medicinal Products Platform Austria (HMPPA) preisgegeben: der Hopfen, auch Humulus lupulus L. genannt. Zunächst eine erfreuliche Nachricht für ein Land, das sich in Sachen Bierkonsum im weltweiten Spitzenfeld befindet. Wenn man jedoch das volle Potential der Arzneipflanze 2026 entfalten möchte, sind andere Darreichungsformen deutlich besser geeignet. Der Hopfen zählt zur Pflanzenfamilie der Hanfgewächse und beinhaltet meh-

rere gesundheitlich relevante Inhaltsstoffe, insbesondere Phloroglucinderivate, Polyphenole (Flavonoide, Chalkone) sowie ätherische Öle (Myrcen, Humulen, ß-Caryophyllen). Die wirksamen Bestandteile des Hopfens befinden sich vorrangig in den Drüsenhaaren der weiblichen Blüten. Der phytotherapeutische Schwerpunkt liegt vor allem in der Behandlung leichter Schlafstörungen und nervöser Unruhe. Hopfen wirkt beruhigend, schlaffördernd und angstlösend, vermutlich über eine Beeinflussung des GABA-Systems sowie melatoninabhän-

giger Mechanismen. Ein weiterer möglicher Einsatzbereich ist die Linderung von Beschwerden in den Wechseljahren durch die phytoöstrogene Wirkung von 8-Prenylnaringenin, das an Östrogenrezeptoren bindet und hormonähnliche Effekte vermittelt.

Mehr Informationen zur Arzneipflanze 2026 finden Sie auf Gesund.at

Zuweisung und Reha-Antrag per E-Card

Pressekonferenz: DVSV und ÖÄK planen umfassende Digitalisierung bis 2030

Nach Monaten der Unstimmigkeiten treten Sozialversicherung und Ärztekammer nun wieder geeint auf. Am 22. Jänner präsentierten die Organisationen in einer gemeinsamen Pressekonferenz ihre „Zukunftsvereinbarung eHealth“, die eine Reihe an Innovationsprojekten für die kommenden Jahre skizziert. Hauptbestandteil der Offensive ist eine Ausweitung der E-Card-Services. So sollen bereits ab 2027 E-Verordnungen, E-Zuweisungen und E-Rehaanträge per E-Card die Norm werden. Von der Digitalisierung erhofft man sich eine

Kostenersparnis mit gleichzeitig besserer Leistung für die Patient:innen: „Digitalisierung im Gesundheitswesen ist ein zentraler Hebel für Entlastung, Qualität und Nachhaltigkeit“, betont Bundesministerin Korinna Schuhmann. „Richtig eingesetzt bedeutet sie mehr Zeit für das, worum es wirklich geht: die Versorgung der Menschen.“

Auch die Ende letzten Jahres beschlossene Diagnosecodierung wurde thematisiert. Man wolle die bis 01. Juli laufende Pilotphase nutzen, um bestehende Probleme zu klären. Vonseiten der Ärz-

Neuropathische Schmerzen

Pressekonferenz: Auftakt der Schmerzwochen 2026

Ein unsichtbares Leiden mit weitreichenden Konsequenzen war Thema einer Pressekonferenz der Österreichischen Schmerzgesellschaft am 28. Jänner 2026 in Wien: neuropathische Schmerzen. Betroffene leiden oft unter einem chronischen Verlauf, der ihre Lebensqualität stark einschränkt. Epidemiologisch stellen sie kein seltenes Phänomen dar – in Europa liegt die Prävalenz bei sieben bis zehn Prozent, bei Diabetespatient:innen sogar bei bis zu 34 Prozent. Die Behandlung bleibt herausfordernd, da klassi-

sche Schmerzmittel meist wirkungslos sind. Leitlinien empfehlen spezialisierte Pharmaka wie Antidepressiva, Antikonvulsiva oder topische Therapien. Ziele sind die Schmerzlinderung sowie die Stabilisierung von Schlaf und Alltag. Multimodale Ansätze, die medikamentöse, physikalische und psychologische Therapien kombinieren, gelten als Schlüssel. Innovative Verfahren wie die aurikuläre Vagusnervstimulation (aVNS) zeigen vielversprechende Ergebnisse. Seit 2025 kann sie in Österreich bei bestimmten

teschaft sowie Datenschützer:innen wurde zuletzt heftige Kritik an der Verordnung laut.

Lesen Sie den Nachbericht in voller Länge auf Gesund.at

Schmerzsyndromen abgerechnet werden. Dennoch bleibt die Versorgung regional oft unzureichend. Ein interdisziplinärer Ansatz und die Qualifizierung von Ärzt:innen sind notwendig, um eine adäquate Versorgung sicherzustellen.

Weiterführende Informationen finden Sie auf Gesund.at

Belastungsfaktor Schnarchen

LunaSol als nicht-invasive Therapieoption

Schnarchen ist ein weitverbreitetes Problem und belastet nicht nur den Schlaf, sondern oft auch Partnerschaften. Schätzungen zufolge sind etwa zwei Millionen Österreicher:innen betroffen. Die Folge sind Schlafmangel, Tagesmüdigkeit und erhöhte Reizbarkeit – nicht nur bei der schnarchenden Person, sondern auch bei deren Partner:in. Getrennte Schlafzimmer werden oft als kurzfristige Lösung gewählt, gelten jedoch langfristig als beziehungsbelastend.

Der medizinische Ursprung des Schnarchens liegt meist in der Erschlaffung

der Rachenmuskulatur im Schlaf, wodurch Unterkiefer und Zunge nach hinten sinken und den Atemweg verengen. Zahnmedizinische Unterkieferprotrusionsschienen setzen direkt an dieser Ursache an. Die individuell angepasste Anti-Schnarchschiene „LunaSol“ hält den Unterkiefer in leicht vorgeschobener Position und kann so das Schnarchen effektiv reduzieren oder stoppen. Vor der Versorgung sollte ärztlich abgeklärt werden, ob eine schlafbezogene Atmungsstörung wie eine obstruktive Schlafapnoe vorliegt. Bei einfachem

Schnarchen kann die Anpassung über die Zahnärzt:in erfolgen. AntiSchnarchschienen stellen damit eine evidenzbasierte, nicht-invasive Therapieoption dar, die die Schlafqualität beider Partner:innen verbessern kann. Quelle: Offizielle Pressemitteilung Orthos

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