PARKINSON DURCH
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Endokarditis-
Prophylaxe:
Sinnvolle und unsinnige Maßnahmen
Sprechstunde
Patient:innenfragen zur Narbenpflege kompetent beantworten Tattooentfernung
„Die Prävalenz steigt unabhängig von der
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Prophylaxe:
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Patient:innenfragen zur Narbenpflege kompetent beantworten Tattooentfernung
„Die Prävalenz steigt unabhängig von der




Ihr Arbeitsalltag ist stressig genug –verlieren Sie nicht auch noch Zeit mit der Suche nach medizinischen Informationen oder Terminen. Mit Gesund.at haben wir ein Portal geschaffen, das Ihnen diese Arbeit abnimmt. Selbstverständlich haben wir auch an Weiterbildung gedacht, so können Sie ab sofort DFP-Punkte auch unterwegs sammeln! Klingt gut, oder?






























Und jährlich grüßt das Murmeltier: Auch zum Jahreswechsel 2025/26 lautete der Tenor vieler Patient:innen wieder: „ D ieses Jahr wird alles ander s“ Ob Verzicht auf Alkohol oder Rauchen oder mehr Zeit für Familie und Sport – die Liste der guten Vorsätze ist meist lang. Die Umsetzung scheitert jedoch häufig schon nach wenigen Wochen, da Ziele zu ambitioniert und unrealistisch formuliert sind.
„Der Mensch ist nicht Opfer der Umstände, sondern Gestalter seiner Haltung.“
Viktor Frankl
„Das erzeugt nicht nur Druck, sondern führt auch rasch zu Demotivation, wenn Veränderungen nicht sofort sichtbar werden“, erklärt Prof. in Dr. in Jolana Wagner-Skacel von der Klinischen Abteilung für Medizinische Psychologie, Psychosomatik und Psychotherapie an der Med Uni Graz. Umso wichtiger sei es, Freiräume im Denken und Handeln zu schaffen. Denn durch Gewohnheiten sind wir in vertrauten Mustern verhaftet, die sich nicht von heute auf morgen ändern lassen. Sie können sowohl unterstützen als auch einschränken. Entscheidend ist laut der Expertin, sie zu reflektieren und eine Kultur der Selbstfürsorge zu entwickeln, die das eigene psychische und physische Wohlbefinden aktiv fördert.
In der Gruppe lassen sich oft neue Routinen einfacher verankern. Gleichzeitig erweitern gemeinsame Erfahrungen den persönlichen Handlungsspielraum und erleichtern echte Richtungswechsel.
Letztere sind auch im Bereich der Umweltmedizin dringend erforderlich. Erfahren Sie in unserer aktuellen Titelgeschichte ab Seite 7, welchen Einfluss Umwelttoxine
© shutterstock.com/AI

auf die Entstehung von neurologischen Erkrankungen wie Parkinson haben können. Das darf nicht weiter ignoriert werden!
Eine spannende Lektüre wünscht Ihnen

Ihre
Mag.a Karin Martin
Redaktionsleiterin RegionalMedien Gesundheit, karin.martin@regionalmedien.at

Die infektiöse Endokarditis hat eine Mortalität von 20 bis 30 %.

Das Potenzial der genetischen Modifizierung von Darmbakterien ist enorm.

Im Aufklärungsgespräch ist eine umfassende Information der Patient:innen wichtig.

Alle politischen Parteien und Verantwortlichen fordern eine Einigung zwischen ÖÄK und
05 Geschickt verschleiert … Patient:innen mit kognitiven Einschränkungen
10 Mental Load erkennen – Angststörungen verhindern Identifikation psychosozialer Dauerbelastungen
12 Hörverlust als unterschätzter Risikofaktor Schwerhörigkeit erkennen, kognitive Risiken reduzieren
14 Endokarditisprophylaxe Allgemeine Prävention und gezielte Maßnahmen
18 Mikrobiom: Schlüsselfaktor bei Adipositas und Diabetes Die Darmflora rückt in den Fokus klinischer Forschung
PARKISON & UMWELT
07 „Die Zahlen steigen unabhängig von der Altersentwicklung“ Umwelttoxine als Einflussfaktoren für Parkinson-Entstehung
20 Winterinfektionen aus Sicht der Pneumologie Teil 1: Husten, Schleim und respiratorische Insuffizienz
24 Die Top-AdipositasProdukte nach Menge und Wert Marktanalyse von Maria Koeppner-Bures, IQVIA Austria

25 Was gibt es Neues? Nachberichte von aktuellen Veranstaltungen
26 SPRECHStunde Tattooentfernung: State of the Art
29 Ordi-Geflüster Weniger Stress, mehr Flow
30 ArztSichtSache: Seitenblicke auf die Medizin „Schwieriger Weg zum einheitlichen Gesamtvertrag“
32 TERMINE Aktuelle Kongresse und mehr
24 Impressum extra

Fallbeispiel 1:
„Gute soziale Einbettung“ Die Konsultationen fanden bei der 79-jährigen llona S. vorwiegend in Form von Visiten statt. Ihre zarte Statur hatte durch die Sarkopenie infolge der fortgeschrittenen COPD eine Schwächung erfahren. Den Haushalt besorgte ihr Ehemann, der sich liebevoll um sie kümmerte. Ilona S. klagte darüber, dass sie „L öcher“ im Kopf hätte. Diese würden immer mehr. Dann erzählte sie von ihrer Zeit als junge Frau. Sie war im Widerstand gegen das NS- Regime tätig. Ohne den Duktus zu verlieren, rauchte sie dabei einige Zigaretten. Einmal ersuchte der Ehemann mich um eine Visite, weil er befürchtete, Ilona S. habe eine Thrombose. Das Bein sei so geschwollen und seine Frau habe keine Kraft, um aufzustehen. Es zeigte sich tatsächlich eine starke Verdickung des rechten Oberschenkels, die Patientin konnte das Bein aktiv nicht bewegen. Schmerzen wurden keine angegeben. Gänzlich war das Krankheitsbild nicht erklärbar, doch die Einweisung zur diagnostischen Bildgebung erfolgte glücklicherweise ins Unfallspital. Dort stellte sich ein Oberschenkel-Schaftbruch heraus.

GASTAUTOR::
Dr. Nikolaus Brinskele Arzt für Allgemeinmedizin in Wien
Fallbeispiel 2:
„I solierte Lebenssituation“
Erkennen und Screenen von Patient:innen mit kognitiven Einschränkungen in der Allgemeinpraxis >
Die kognitive Störung war durch die gute soziale Einbettung und das gut abrufbare Langzeitgedächtnis bei Ilona S. schwer erkennbar. Die sichere Sprache und der doch zufriedene Eindruck, den die Patientin machte, ließen nicht an die sicher schon vorhandene kognitive Störung denken. Die von der Patientin geschilderten „L öcher“ im Kopf hätten mehr Beachtung finden sollen. Die fehlende Schmerzzuordnung war das objektivierbarste Symptom. Zeichen von Unruhe, oder Agitiertheit sind nicht augenscheinlich gewesen.
Annemarie B. lebt allein. Sie hat sich die Freude an ihrem handwerklichen Geschick bewahrt und produziert verschiedenste Dinge. Sie töpfert und strickt viel und kunstvoll. Manchmal besuchen sie ihre Enkelkinder, die schon im schulpflichtigen Alter sind. Sie spielt mit ihnen Memory und das am Fußboden. Die Kinder sind erstaunt wie gewandt sie von dort wieder aufstehen kann. Ein Hausbesuch ist erforderlich, weil Annemarie B. über starke Schmerzen im Rücken klagt und sich kaum bewegen kann. An die Ursache kann sie sich nicht wirklich erinnern. Es könnte sein, dass sie aus dem Bett gefallen war. Sie hatte auch eingenässt. Nach der Einweisung ins Unfallkrankenhaus wird sie mit der Diagnose LWS-Prellung stationär zur Schmerztherapie aufgenommen. Schon in der zweiten Nacht entwickelt sie klinische Zeichen eines beginnenden Delirs. Nachdem auch ein Harnwegsinfekt diagnostiziert wird, kann sie an eine interne Abteilung verlegt werden. Die weitere Abklärung zeigt unter anderem einen MMSE * von unter 15. Als die Enkelkinder die Frau besuchen, zeigt sich, dass sie nicht alle von ihnen wiedererkennt. Nach einer leichten Stabilisierung des Gesamtzustandes wird Annemarie B. nach Hause entlassen. Am Folgetag wird eine neuerliche Visite nötig, nachdem sie morgens von Angehörigen unter dem Esstisch liegend aufgefunden wurde. Sie ist desorientiert. Als Versuch, ihr wieder zur Orientierung zu verhelfen, wird ihr ein Wollknäuel hingereicht. Annemarie B. ergreift diesen, wobei sie kurz einen zufriedenen Gesichtsausdruck zeigt. Dann allerdings betrachtet sie die Wolle
NACHBERICHT
Dr. Brinskele war Vortragender zum Thema bei der ÖGPP-Tagung 2025 „Psyche und Soma“ in Wien.


mit zunehmender Entfremdung und schleudert das Knäuel fast zornig weg. Nach der neuerlichen Hospitalisierung verstirbt Annemarie B. noch am selben Tag. In ihrer Wohnung finden sich zahlreiche Post-Its mit verschieden Notizen zu Vorgängen des alltäglichen Lebens, wie: „Um 10 Uhr ein Butterbrot gegessen“ Auf dem Esstisch liegt ein fast makaber wirkendes Blatt Papier mit dem Text „morgen 7 Uhr Feuerhalle“ Daneben das bunt gezeichnete Bild eines Jugendstil-Tors, bunt geschmückt. Durch ihre weitgehend isolierte Lebenssituation sind erhebliche Defizite, wie auch das fehlende Hungergefühl der Patientin, lange Zeit nicht entdeckt worden.
Wie zahlreich die Variationen der betroffenen kognitiven Qualitäten von Patient:innen sind, ist immer wieder erstaunlich. Die Tatsache, dass trotz massiver Einschränkungen komplexe Vorgänge, wie das Einschätzen der eigenen Existenz bis zum Erkennen des nahen Todes hin erhalten sein können, ist beeindruckend.
Im Zuge der Tätigkeit als niedergelassener Allgemeinmediziner im Rahmen
eines Kassenvertrages erinnere ich mich an viele Menschen (sicher mehr Frauen als Männer), die mir erklärten: „Ich glaub ich werde dement“ oder „Ich glaub ich bin schon ein bisserl dement“ Menschen mit bereits diagnostizierter DAT ** haben hingegen niemals gesagt „Ich habe Alzheimer“. Schon im Verlauf der einzelnen über die Jahre erfolgten Kontakte zeigt sich, dass Menschen, die tatsächlich kognitive Defizite haben, diese zum Teil geschickt zu verschleiern versuchen. Sie finden auch immer wieder Erklärungen für offensichtliche Mankos. Eine Patientin, die aufgrund ihrer Demenz über Monate keine Rezepte abgeholt hat und darauf angesprochen wird, sagt nach kurzem Stutzen, die habe sie wo anders geholt, was sich allerdings als unwahr herausgestellt hat. Hinter dem Verstecken der „L öcher“ steckt viel Schamgefühl und Angst. Es darf also nicht erwartet werden, dass Menschen, die ihre Defizite erkennen, als Hilfesuchende in die Ordination kommen. Ich habe das auch nie erlebt. Anders ist es bei Menschen, die im Sozialverband, zum Beispiel mit Angehörigen, leben. Da ist es oft der Nahestehende, der im Schlepptau den Betroffenen mitbringt. Dann
kann auch ein MMSE-Test durchgeführt werden.
Immer wieder versuche ich bei diagnostizierten DAT im Nachhinein Hinweise auf mögliche Vorboten der Erkrankung zu detektieren. Dabei kamen immer wieder kleine Auffälligkeiten im Verhalten betroffener Patient:innen als frühe Anzeichen vor. Dies wirklich spezifisch fest zu machen, ist mir aber nicht gelungen.
Die Erkrankung ist bei alleinlebenden Personen sehr schwer zu diagnostizieren, eine Abklärung ist nach einem akuten Ereignis im stationären Umfeld vor allem mittels MMSE möglich. Leichter ist es im niedergelassenen Setting die Ursachen für pseudodemente Krankheitsbilder zu finden, da meist eine Behandlungskontinuität besteht, und die Allgemeinmediziner:in über die internen und neurologischen Vorerkrankungen, beziehungsweise Risiken dafür, eher Bescheid weiß.
* Mini-Mental-Status-Test.
** Demenz vom Alzheimertyp.
„Die Zahlen steigen unabhängig von der Altersentwicklung“
Umwelttoxine als mögliche Einflussfaktoren für die Parkinson-Entstehung

Morbus Parkinson gehört zu den weltweit am schnellsten zunehmenden neurodegenerativen Krankheiten. Man schätzt, dass sich die Prävalenz bis 2050 gegenüber 2021 mehr als verdoppeln wird.1 Diese Entwicklung lässt sich nur zum Teil durch die alternde Bevölkerung und die höhere Lebenserwartung der Betroffenen erklären. Welche Faktoren noch eine Rolle spielen, ist derzeit Gegenstand der Forschung, ein Zusammenhang mit dem westlichen Lebensstil wird vermutet. Die Hausärzt:in sprach mit der Neurologin und ParkinsonExpertin PD Dr.in Eva Schäffer über Umwelttoxine als mögliche Risikofaktoren.
PD Dr.in Eva Schäffer, Oberärztin und Leiterin der Arbeitsgruppe Früherkennung Parkinson an der Christian-AlbrechtsUniversität Kiel, im Gespräch.
HAUSÄRZT:IN: Seit gut einem Jahr gilt Parkinson in Deutschland als Berufskrankheit der Landwirt:innen, weil man davon ausgeht, dass Pestizide sie verursachen können. Wie sehen Sie diese Entwicklung?
PD SCHÄFFER: Das ist auf jeden Fall eine sinnvolle Festlegung, weil wir mittlerweile die umfassende Evidenz aus verschiedenen Studien haben, dass die berufliche Exposition gegenüber Pestiziden mit der Parkinson-Krankheit assoziiert ist.
Viele der Pestizide, die in der Empfehlung berücksichtigt wurden, kommen in Europa aber gar nicht mehr zum Einsatz, etwa Paraquat ...
„Am wichtigsten ist es, diejenigen individuellen Faktoren zu fördern, die wir jeden Tag beeinflussen können.“
Das ist richtig. Gute Nachweise aus experimentellen Studien zu einzelnen Pestiziden gibt es vor allem für Paraquat und Rotenon, und es ist tatsächlich so, dass diese beiden Substanzen in der EU für die Landwirtschaft aktuell nicht genutzt werden. Es gibt aber auch epidemiologische Studien, die die Exposition gegenüber Pestiziden im Allgemeinen untersuchen. Und selbst wenn man diese einzelnen Pestizide herausnimmt, bleibt immer noch eine Assoziation mit der Parkinson-Krankheit bestehen.
Welche Konsequenzen sollten aus der Anerkennung von Parkinson als Berufskrankheit gezogen werden?
Ein erster wesentlicher Schritt, den wir direkt setzen können, ist, darüber aufzuklären. Studien belegen zum Beispiel, dass sich das Risiko für Landwirt:innen schon ändert, wenn man konsequent Schutzkleidung trägt. Früher haben sich Menschen auch deshalb oft nicht geschützt, weil sie nicht davon ausgegangen sind, dass die Pestizide schädlich sind.
Der nächste Schritt besteht darin, das Thema besser zu erforschen. Wir müssen andere Substanzen, die wir auch hier in der EU nutzen, in ihrer Relevanz untersuchen. Für Glyphosat etwa gibt es erste Studien zu Parkinson, aber wir haben noch lange nicht die Evidenzbasis wie für andere Substanzen. Wir müssen uns ansehen, wie man diese Zusammenhänge überhaupt messen kann. Allein zu erfassen, wer wie exponiert war, ist sehr schwierig, insbesondere wenn es nicht um Landwirt:innen geht, sondern beispielsweise um Menschen, die in der Umgebung von Landwirtschaftsbetrieben leben. Und dazu
kommt noch die lange Latenz. Wir müssen erst einmal in die Forschung investieren, damit wir die Zusammenhänge zwischen Umweltfaktoren und Parkinson verstehen und erkennen, wo die Probleme konkret liegen.
Sie haben es gerade schon angesprochen: Zu Glyphosat findet man widersprüchliche Studien –manche ergaben einen Zusammenhang mit Parkinson, manche nicht. Wie schätzen Sie das ein?
Es liegen erste Hinweise vor, dass Glyphosat eine Rolle spielt. Auch in diesem Kontext werden verschiedene Ansätze diskutiert, zum Beispiel die DarmGehirn-Achse: dass also Glyphosat das Mikrobiom verändert, welches wiederum mit der Parkinson-Krankheit assoziiert ist. Bislang reicht die Evidenz aber definitiv nicht aus, um nachzuweisen, dass Glyphosat eine Rolle spielt.
Und wie sieht es mit anderen Umweltfaktoren aus? Derzeit wird ja auch zu Feinstaub, Nanoplastik, Mikroorganismen etc. geforscht. Die beste Evidenz gibt es weiterhin für Pestizide. Es werden aber noch einige andere Faktoren untersucht, die mit Parkinson assoziiert sein könnten. Nach den Pestiziden am besten untersucht sind Lösungsmittel, ganz besonders Trichlorethylen. Auch dafür gibt es in der EU strenge Regularien. Trotzdem wurde und wird es in verschiedenen Bereichen intensiv eingesetzt, zum Beispiel in der chemischen Reinigung oder der Lackiererei. Und es gibt einige Studien, die gezeigt haben, dass dieses spezifische Lösungsmittel relevant sein könnte. Generell im Bereich neurodegenerativer Erkrankungen, zum Beispiel in Bezug auf Alzheimer, wird Luftverschmutzung, vor allem Feinstaub, viel diskutiert. Wie bei Pestiziden ist auch hier die Exponierung sehr schwer zu messen. Aber es häufen sich die Hinweise, dass die Feinstaubbelastung spezifische Mechanismen triggert, die letztendlich zu neurodegenerativen Erkrankungen führen können. Mikroplastik wird aktuell in mehreren Studien zu Alzheimer und Parkinson untersucht, es gibt jedoch noch keine ausreichende Evidenz.
Eine Studie von 2023 hat ergeben, dass Nanoplastik die Aggregation von Alpha-Synuklein fördert, die bekanntlich als Ursache für Parkinson gilt. 2
Es gibt erste Hinweise, ja. Aber da handelt es sich um einzelne Studien am Tiermodell, die Evidenzbasis ist noch nicht gut genug, um sicher sagen zu können, ob eine Kausalität besteht.
Schätzungen zufolge ist die ParkinsonPrävalenz zwischen 1990 und 2016 von 2,5 auf 6,1 Mio. gestiegen. Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass die Zahlen so stark wachsen?3
Der wichtigste Risikofaktor für die Parkinson-Krankheit ist immer noch das Alter. Die demographische Entwicklung spielt also natürlich eine Rolle, das ist kein Thema. Aber auch altersstandardisiert steigen die Zahlen: Es muss also noch weitere Einflussfaktoren geben. Und es wird angenommen, dass Umweltfaktoren eine entscheidende Rolle spielen, denn ebendiese haben sich – durch die Industrialisierung, aber auch durch unseren Lebensstil – in den letzten Jahrzehnten geändert: Wir bewegen uns weniger, wir essen schlechter und wir sind Umweltgiften ausgesetzt. Kausal ableiten können wir aus den Zahlen natürlich nicht, dass diese Faktoren Parkinson begünstigen, aber es ist eine der wichtigsten Hypothesen.
Was sind zusammengefasst Ihre größten Anliegen in Bezug auf die Parkinson-Prävention –was kann auf individueller und auf gesellschaftlicher Ebene getan werden, um der Erkrankung vorzubeugen?
Mein wichtigstes Anliegen ist, die Gegenspieler zu fördern, also die positiven Faktoren, die uns vor Parkinson schützen. Denn das kann jede:r von uns selbst tun. Umweltfaktoren sind wir ja erst einmal ausgeliefert, da müssen mächtige Entscheidungsträger:innen die Weichen stellen. Aber in puncto positiver Verhaltensmaßnahmen können wir jeden Tag selbst entscheiden, ob wir sie umsetzen. Dazu gehören insbesondere die körperliche Aktivität und eine spezielle Ernährungsweise, aber auch andere Aspekte wie Schlaf. Die
„Neurodegenerative Erkrankungen nehmen zu und werden durch Umweltfaktoren sicherlich begünstigt. Das können wir nicht weiter ignorieren.“
Evidenz, dass die genannten Faktoren Nervenzellen spezifisch vor Parkinson schützen können, ist derart umfangreich, dass wir stärker auf sie setzen sollten. Und das Großartige ist: Diese Maßnahmen sind für alle nützlich. Wenn Sie noch nicht erkrankt sind, wirken sie vorbeugend. Und wenn Sie bereits Parkinson haben, können Sie sie immer noch nutzen, um der Erkrankung entgegenzuwirken. Am wichtigsten ist es also, diejenigen individuellen Faktoren zu fördern, die wir jeden Tag beeinflussen können. Und der nächste Schritt besteht sicherlich darin, zu versuchen, politisch noch stärker darauf hinzuweisen, dass wir die Umweltfaktoren berücksichtigen müssen – gerade, weil Parkinson eine der weltweit am schnellsten zunehmenden neurologischen Erkrankungen ist. Dafür müssen wir aber gemeinsam im wissenschaftlichen Kontext entscheiden, wie wir die Evidenzbasis noch stärken können. Wir müssen hier international zusammenarbeiten, damit wir mit klaren Aussagen an die Politiker:innen herantreten können. Auf jeden Fall ist das Thema ein ganz, ganz entscheidendes. Diese Erkrankungen nehmen zu und werden durch Umweltfaktoren sicherlich begünstigt. Das können wir nicht weiter ignorieren.
Das Interview führte Felicia Steininger.
Quellen:
1 Su D et al., BMJ 2025; 388:e080952.
2 Liu Z et al., Science Advances 2023; DOI:10.1126/sciadv.adi8716.
3 Dorsey E et al., Lancet Neurology 2018; 17(11):939-953.

Die Rolle der Allgemeinmedizin bei der Identifikation psychosozialer Dauerbelastungen
Unter dem Begriff „ Mental Load“ werden jene kontinuierlichen kognitiven und emotionalen Belastungen zusammengefasst, die durch das alltägliche Planen, Organisieren, Koordinieren und Mitdenken im Alltag entstehen. „ Diese Form der Belastung betrifft überwiegend Frauen und stellt einen relevanten, bislang unterschätzten Risikofaktor für die Entwicklung somatischer und psychischer Erkrankungen dar”, betonte Dr.in Karin Semmler, Fachärztin für Allgemeinmedizin in Rohrbach an der Lafnitz, in ihrem Vortrag beim Allgemeinmedizinkongress in Graz.* Insbesondere Erschöpfungszustände, depressive Syndrome und Angststörungen stünden in engem Zusammenhang mit chronisch erhöhter mentaler Belastung.
Im Durchschnitt leisten Frauen täglich mehrere Stunden unbezahlter Sorgearbeit – zusätzlich zu ihrer Erwerbstätigkeit. Care-Arbeit umfasst bekanntlich Tätigkeiten wie Kinderbetreuung, Haushaltsführung, emotionale Beziehungspflege sowie die Versorgung pflegebedürftiger Angehöriger. Sie ist größtenteils unbezahlt und wird laut aktuellen Studien zu rund 70 Prozent von Frauen übernommen. „ Mental Load beschreibt allerdings nicht primär die Ausführung dieser Tätigkeiten, sondern die unsichtbare, oft unterschätzte Belastung, die damit einhergeht: an alle Aufgaben, Termine und täglichen Routinen denken zu müssen, To-do-Listen zu führen … ” , erklärte Dr.in Semmler. „Ich bin so müde … “ – diese Äußerung vieler Frauen sei mehr als eine Klage über Schlafmangel. Sie verdeutliche die tiefe Erschöpfung, die entsteht, wenn Verantwortung, Organisation und emo-

tionale Fürsorge dauerhaft ungleich verteilt sind.
Die ständige kognitive Aktivierung führt zu einer chronischen Stressbelastung, die auf neurobiologischer Ebene mit einer anhaltenden Aktivierung der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse vergesellschaftet ist. Die Folgen sind erhöhte Cortisolspiegel, Schlafstörungen und eine verminderte Stressresilienz.
Klinisch manifestiert sich dies häufig in unspezifischen Beschwerden, die in der hausärztlichen Praxis thematisiert werden. Patient:innen mit ausgeprägter Mental Load berichten über anhaltende Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Schlaflosigkeit, Spannungskopfschmerzen, funktionelle gastrointestinale Beschwerden oder kardiovaskuläre Symptome wie
NACHBERICHT
* 55. Kongress für Allgemein- und Familienmedizin (stafam), 27. bis 29.11.2025, Stadthalle Graz. © stock.adobe.com/Realm
Palpitationen und Blutdruckentgleisungen. Solche gesundheitlichen Probleme sind oft therapieresistent, solange die zugrunde liegende psychosoziale Belastung nicht erkannt und adressiert wird. Neben den somatischen Symptomen treten oft psychische Störungen in den Vordergrund, insbesondere Angststörungen und Depressionen. Auch soziale Isolation ist der Expertin zufolge ein Thema: „Wer keine Energie mehr für Freizeit oder Freundschaften hat, zieht sich zunehmend zurück.”
So kommen etwa generalisierte Angststörungen, Panikstörungen und somatoforme Angstmanifestationen bei Patient:innen mit chronischer Mental Load überdurchschnittlich häufig vor. Die permanente Übernahme von Verantwortung und das Gefühl, für das Funktionieren des gesamten Systems „Familie“ und „Haushalt“ zuständig zu sein, begünstigen eine anhaltende Hy-
pervigilanz. Diese äußert sich in übermäßiger Sorge, innerer Unruhe, vegetativer Übererregbarkeit und einem gesteigerten Kontrollbedürfnis.
Fachärzt:innen für Allgemeinmedizin sollten etwaige Belastungen möglichst erkennen und ansprechen. „ Eine gezielte Sozialanamnese ist wichtig, um die ,unsichtbare Last‘ wahrnehmbar zu machen“, unterstrich Dr.in Semmler.
Dabei könne auch gezielt nach der Verteilung von Sorgearbeit, nach subjektivem Verantwortungsdruck und fehlenden Regenerationsphasen gefragt werden. Hilfreich seien diagnostische Werkzeuge wie Kopf- oder Schmerztagebücher, 24-Stunden-Blutdruckmessungen oder standardisierte Depressions- und Angstskalen.
Die Behandlung erfordere meist ein Zusammenspiel von medizinischer und psychosozialer Unterstützung. Medikamente oder Psychotherapie könnten helfen, doch entscheidend sei die Veränderung im Alltag: „Kommunikation in der Partnerschaft, das Delegieren von Aufgaben und der Mut, Hilfe von außen anzunehmen, sind zentrale Schritte. Kur- oder Rehabilitationsmaßnahmen bieten ergänzend eine Entlastung.“
Psychoedukation hilft beispielsweise Patient:innen mit Angst- oder depressiven Störungen, den Zusammenhang zwischen Mental Load und ihren Symptomen zu verstehen und eigene Grenzen zu erkennen. Ergänzend können psychotherapeutische Verfahren, insbesondere kognitive Verhaltenstherapien, zur Reduktion angstbezogener Denkmuster beitragen. Auch der Einsatz sanfter phytotherapeutischer Maßnahmen, etwa von Präparaten aus Echtem Lavendel (Lavandula angustifolia), kann bei leichter Angst- und Spannungssymptomatik im Rahmen eines multimodalen Therapiekonzepts erwogen werden.
Gesellschaftliche und medizinische Verantwortung
„Mental Load ist nicht ausschließlich ein individuelles Gesundheitsproblem, sondern Ausdruck eines strukturellen Ungleichgewichts“, hob die Vortragende abschließend hervor.
Gleichberechtigung bedeute daher nicht nur gleiche Chancen im Beruf, sondern auch eine gerechtere Verteilung von Sorgearbeit. Die Aufgabe der Allgemein- und Familienmedizin liege darin, diese Last zu erkennen, ihre Folgen zu benennen und Wege zur Entlastung aufzuzeigen. Oder wie die deutsche Fachautorin und Expertin für das Thema Mental Load – Laura Fröhlich, MA – es formulierte: „ Die Frau fürs Leben ist nicht das Mädchen für alles!“
Mag.a Karin Martin
Quellen:
Kongress Journal. Offizielle Kongresszeitung der Steirischen Akademie für Allgemeinmedizin. 28.11.2025.
Fröhlich L, „Die Frau fürs Leben ist nicht das Mädchen für alles!“ und „Dein Workbook: Die Frau fürs Leben ist nicht das Mädchen für alles“, Kösel Verlag 2020.
Schwerhörigkeit erkennen, kognitive Risiken reduzieren
Etwa jede fünfte Österreicher:in ist laut Statistik Austria schwerhörig. Vor allem im Alter stellt Hörverlust ein weitverbreitetes Problem dar. Ungefähr eine Million der über 65-Jährigen ist davon betroffen. Bei den über 80-Jährigen sind es bereits mehr als 80 Prozent. Oft wird ein Hörverlust gar nicht bemerkt. „Um die 40 Prozent der über 65-Jährigen mit verminderter Hörfähigkeit nehmen ihre Einschränkung nicht bewusst wah r“, weiß Prof. Dr. Johannes Schobel, HNO-Facharzt im Tinnituszentrum St. Pölten. „ Eine wichtige Testfrage für die tägliche Praxis mit erstaunlich hoher Sensitivität wäre: ,Verstehen Sie in Gesellschaft, im Gasthaus, bei Hintergrundgeräuschen, alles genauso gut wie früher oder gibt es da schon Probleme?‘“
Formen, Ursachen und klinische Bedeutung
Schwerhörigkeit kann bekanntlich unterschiedliche Gründe haben und verschiedene Abschnitte des Hörsystems betreffen. Je nach Lokalisation der Störung unterscheidet man zwischen Schallleitungsschwerhörigkeit, Schallempfindungsschwerhörigkeit und kombinierter Schwerhörigkeit. Weiters differenziert wird bei der Schallempfindungsschwerhörigkeit zwischen einem sensorischen und einem neuralen Hörverlust.1
„Bei jedem einseitigen Hörverlust, unabhängig ob im Rahmen eines Hörsturzes oder schleichend einsetzend, sollte ein MRT des Klein-Hirn-Brückenwinkels mit Kontrastmittel zum Ausschluss eines Schwannoms des N. Vestibularis (,Akustikus-Neurinom‘) durchgeführt werden“, hält Prof. Schobel fest. „Um auch die sehr seltenen intra-labyrinthären Schwannome zu entdecken, ist ein
Hier geht’s zum Interview mit dem Experten zum Thema Tinnitus auf Gesund.at

hochauflösendes Felsenbein-/Innenohrprotokoll erforderlich.“
Eine Sonderform des Hörverlusts stellt die auditorische NeuropathieSpektrum-Störung dar, bei der Schall wahrgenommen werden kann, die neuronale Signalübertragung aber gestört ist. „ Dabei handelt es sich nicht um ein einheitliches Krankheitsbild, sondern um ein Zusammenwirken verschiedener Läsionsorte: Innere Haarzellen, Innere-Haarzellen-Synapse, Hörner v“, erklärt der Experte. „ Die Patient:innen haben – bei einem oft nur geringen Hörverlust im Tonhörtest – massive Probleme, Sprache zu verstehen. Auch für sie können Hörgeräte eine große Hilfe sein!“
Aktuelle Studien untermauern: Genetisch determinierte Hörbeeinträchtigungen können mit einem erhöhten Risiko verschiedener Demenzformen sowie mit einer verminderten allgemeinen kognitiven Leistungsfähigkeit einhergehen. Dabei zeigen sich je nach Subtyp der Schwerhörigkeit unterschiedliche Risikoprofile für einzelne Demenzformen. Als potenzielle vermittelnde Mechanismen werden soziale Isolation, eine depressive Symptomatik sowie strukturelle Veränderungen der Hirnrinde diskutiert. Daher ist die frühzeitige Erkennung und Behandlung von Hörstörungen für die Reduktion des Risikos eines kognitiven Abbaus oder einer Demenz essenziell. 2
Die Frage, ob Hörgeräte kognitive Beeinträchtigungen verhindern oder verlangsamen können, hat für die hausärztliche Praxis eine hohe Relevanz. Aktuelle Analysen zeigen vielversprechende Effekte: So war der Einsatz von Hörgeräten bei Menschen mit Schwerhörigkeit mit weniger depressiven Symptomen und einer verbesserten gesundheitsbezogenen Lebensqualität verbunden. 3
Neben kognitiven Risiken ist Schwerhörigkeit mit depressiven Symptomen und sozialer Isolation assoziiert – mit Auswirkungen, die sich durch Hörrehabilitation abschwächen lassen. Personen mit unbehandeltem Hörverlust weisen ein erhöhtes Depressionsrisiko auf.
Solche psychosozialen Folgen haben nicht nur einen Einfluss auf die Lebensqualität, sondern können auch die medizinische Komplexität in der hausärztlichen Betreuung steigern. Es bietet sich an, das Thema Schwerhörigkeit aktiv in die Praxisroutine zu integrieren. Besonders bei Patient:innen ab 60 Jahren empfiehlt sich ein systematisches Screening, bei dem gezielt nach Hörproblemen gefragt wird. Die frühe interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Fachärzt:innen und mit Audiolog:innen kann das Management verbessern. Darüber hinaus sollten bei Patient:innen mit Hörverlust die kognitive Funktion sowie die psychische Belastung evaluiert werden, um Begleitrisiken frühzeitig zu erkennen. Die Aufklärung der Patient:innen über die potenziellen Risiken unbehandelter Schwerhörigkeit ist ebenfalls entscheidend, um die Akzeptanz von Interventionen und die Lebensqualität zu steigern.
Red
Quellen:
1 msdmanuals.com/de/heim/hals-nasen-und-ohrener krankungen/schwerh%C3%B6rigkeit-und-taubheit/ h%C3%B6rverlust , zuletzt abgerufen: 19. Dezember 2025.
2 Jiang D et al., Relationship between hearing impairment and dementia and cognitive function: a Mendelian randomization study. Alz Res Therapy 16, 215 (2024). doi.org/10.1186/s13195-024-01586-6
3 Atef RZ et al., Impact of Hearing Aids on Progression of Cognitive Decline, Depression, and Quality of Life Among People with Cognitive Impairment and Dementia. J Alzheimers Dis. 2023;92(2):629-638. doi: 10.3233/JAD-220938.
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Trotz des rasanten medizinischen Fortschritts seit der Erstbeschreibung der infektiösen Endokarditis (IE) durch Sir William Osler vor 140 Jahren bleibt diese weiterhin eine schwere und langwierig zu behandelnde Erkrankung mit einer hohen Mortalität von 20 bis 30 %. Selbst in den Industrieländern hat sich die Rate in den letzten Jahrzehnten nicht verändert. Komplizierend ist das mikrobielle Biofilmbildungspotential, insbesondere auf implantiertem Fremdmaterial. Als behandlungsproblematisch hat sich neben der Klappendestruktion mit konsekutiver akuter Herzinsuffizienz auch das Vorhandensein septisch-zerebraler und viszeraler Embolien herausgestellt. 1955 veröffentlichte die American Heart Association (AHA) – als erste Fachgesellschaft weltweit – eine Empfehlung für die Antibiotikaprophylaxe der infektiösen Endokarditis (EP). Zwischen 1960 und 2007 wurden bestehende Maximalempfehlungen (von bis zu 21 verschiedenen Substanzen, über bis zu fünf Tage parenteral verabreicht) schrittweise deeskaliert. Zwischen 2007 und 2016 setzte die britische Regierung entsprechend der „ National Institute for Health and Clinical Excellence“-(NICE)-Empfehlung die EP vor zahnärztlichen Prozeduren völlig aus, was zu einem signifikanten IE-Inzidenzanstieg führte. Die Endokarditisleitlinie der European Society of Cardiology (ESC) von 2015 wurde 2023 aktualisiert und erweitert. Darin enthaltene Evidenzlevel und Empfehlungsgrade sind in Klammern in den Text eingefügt. Inhaltlich

GASTAUTORIN:
OÄ Dr.in Elisabeth Schönherrr AM, FÄ für Innere Medizin, Zusatzfach Kardiologie, Klin. Abt. f. Innere Medizin II, Kardiologie, Nephrologie und Internistische Intensivmedizin, Universitätsklinikum Wiener Neustadt
ebenfalls einbezogen wurde die rezente Empfehlung der Arbeitsgruppe Endokarditis der deutschen Paul-EhrlichGesellschaft für Infektiologie (PEG) für die S2k-Leitlinie zur kalkulierten parenteralen Initialtherapie bakterieller Erkrankungen bei Erwachsenen – Update 2024 (siehe Quellen).
Welche Präventionsmaßnahmen sind wichtig?
Eine der effektivsten Maßnahmen besteht darin, die Patient:innen in generellem Präventionsverhalten (IC) zu schulen, und zwar in Hinblick auf:
• sorgfältige Zahnhygiene zweimal täglich;
• professionelle Mundhygiene und zahnärztliche Routinekontrolle zweimal jährlich bzw. umgehende zahnärztliche Vorstellung bei Beschwerden;
• das Infektionspotential von kosmetischen Maßnahmen wie Tätowierungen, Piercings, Permanent-Make-up;
• die Desinfektion akuter und chronischer Hautwunden;
• sorgfältige Hauthygiene sowie Pflege und Therapie bei chronischen Hauterkrankungen;
• die Vermeidung von Selbstmedikation mittels Antibiotika;
• die Beschränkung invasiver Prozeduren (inkl. Infiltrationen) und transvenöser Infusionszugangssetzung auf das geringstmögliche Maß;
• die adäquate Antibiotikatherapie jeglicher bakteriellen Infektion.
Die zuletzt angeführte ESC-Empfehlung ist aus Sicht von Antimicrobial
Stewardship in puncto Resistenzentwicklung freilich ein zweischneidiges Schwert.
Das präoperative intranasale AbstrichScreening auf Staphylococcus aureus und die konsekutive Therapie bei positivem Carrierstatus werden empfohlen (IA).
Routinemäßig angeraten sind die kalkulierte präoperative/präinterventionelle Antibiotikaprophylaxe mit Abdeckung von Staphylococcus aureus – sowohl vor der Klappenprothesenimplantation als auch der Implantation elektronischer Devices, intravaskulärer Prothesen und anderen Fremdmaterials – sowie eine optimale periprozedurale Aseptik (IB).
Die kathetergestützte Fremdmaterialimplantation über einen inguinalen Zugang (TAVI, Mitraclip, Triclip, Watchman-Device, ASD- und VSD-Occluder, Leadless-PM etc.) bedarf einer Antibiotikatherapie mit Enterokokken im Spektrum (IIaC).
Potentielle Sepsisfoci (wie dentale Beherdungen) sollten zumindest zwei Wochen vor der elektiven operativen Implantation von Herzklappen, intrakardialen oder intravaskulären Devices bzw. vor der Transkatheter-Intervention saniert werden. Ausnahmen stellen dringliche Eingriffe bei instabilen Patient:innen dar (IIaC).
Das höchste Risiko, infolge einer Bakteriämie eine IE mit schwerem Verlauf zu erleiden, besteht bei Patient:innen mit: • vorangegangener HerzklappenersatzOperation (mechanisch, biologisch, mittels Homograft) oder Transkatheter-Klappenintervention (AK+PK IC; MK+TK IIaC);
• vorangegangener Herzklappenrekonstruktion (IC);
• Endokarditis in der Vorgeschichte (IB);
• angeborenen operativ oder transkathetersanierten Herzfehlern mit postoperativen palliativen Shunts, Conduits oder anderen Prothesen (IC);
• NICHT operativ sanierten angeborenen zyanotischen Herzfehlern (IC);
• mechanischen Herzunterstützungssystemen (VAD) (IC);
• Herztransplantation (IIbC).
Wann ist eine EP indiziert?
Insbesondere Staphylokokken, Streptokokken aus dem Hautbereich und Enterokokken aus dem Gastrointestinal-/ Harntrakt stellen hochpotente Endokarditisverursacher dar. Für Eingriffe mit Schleimhaut-/Knochenverletzungspotential und konsekutiver Bakteriämie ist die EP bei oben genannter Risikopopulation indiziert.
Mit Empfehlung IB:
• zahnärztliche Eingriffe im Bereich der Zähne, der Gingiva und der periapikalen Zahnzone (Zahnsteinentfernung/Mundhygiene, Zahnextraktion, Zahnimplantatsetzung).
Mit Empfehlung IIbC:
• invasive Maßnahmen im Respirationstrakt (Broncho-/Laryngoskopie; transnasale/endotracheale Intubation);
• invasive Maßnahmen im Gastrointestinaltrakt (Endoskopie);
• invasive Maßnahmen im Harntrakt (Zystoskopie);
• invasive Maßnahmen im Bereich Haut und Bewegungsapparat (Biopsie, Infiltration, Punktion).
Für welchen Zeitraum ist die EP indiziert?
• Für sechs Monate nach herzchirurgischer Sanierung angeborener Herz-
NACHBERICHT
fehler ohne Herzklappenprothesen, sofern keine residuellen Defekte bestehen (IC).
• Lebenslang: in allen anderen Fällen (Evidenz-/Empfehlungsgrade – siehe Absatz Zielgruppe).
Welche Substanzen kommen in Frage?
Substanzempfehlungen ohne bzw. mit Penicillinallergie sind in den Abbildungen 1 und 2 (siehe Seite 16) zu finden.
Intramuskuläre Antibiotikagaben werden in diesem Artikel nicht explizit behandelt, da diese Applikationsart für die Routine nicht praktikabel erscheint. Von Cefazolin sollte man nicht mehr als 1.000 mg i.m. verabreichen. Die maximale Dosis von 500 mg pro intramuskuläre Einzelgabe darf nicht überschritten werden und bei der Zubereitung ist neben Aqua ein „geeignetes Lokal- >
Die Expertin war Vortragende zum Thema bei der ÖKG-Jahrestagung 2025, 4. bis 7. Juni, Salzburg Congress.*
anästhetiku m“ beizumischen. In mehreren anderen Fachinformationen ist keine i.m.-Zubereitungsmodalität inkl. Lösungsmenge angeführt bzw. wird ausdrücklich erwähnt, dass „d ie gebrauchsfertige Lösung bei nicht bestimmungsgemäßer Applikation (intramuskuläre oder versehentliche paravenöse Gabe) Schmerzen auslösen kan n“. Bei Ampicillin ist je nach Hersteller auch eine Empfehlung für die i.m.-Gabe mit 10%iger Lösung (10 ml entsprechen 1.000 mg) zu finden.
Für den niedergelassenen Bereich sind aufgrund der Verfügbarkeit bzw. Erstattungsfähigkeit die oralen Substanzempfehlungen relevant, weswegen die entsprechenden Spezifika eingehender erläutert werden. Eine Dosisanpassung an die Nierenfunktion ist angesichts der einmaligen Verabreichung der EP nicht nötig.
AMOXICILLIN – seine orale Bioverfügbarkeit liegt bei 70 %. Es ist nahrungsunabhängig einzunehmen. In Kombination mit Allopurinol können vermehrt allergische Hautreaktionen auftreten. Filmtabletten können Magnesium, Lactose und Rizinusöl enthalten. Amoxicillin darf in der Schwangerschaft und Stillzeit nach Nutzen-Risiko-Abwägung verabreicht werden.
CEFALEXIN wird nahezu vollständig resorbiert. Die Einnahme ist unabhängig von Mahlzeiten möglich. Häufige Nebenwirkungen sind nicht bekannt. Cephalosporine können bei gemeinsamer Einnahme mit oralen Antikoagulanzien die Prothrombinzeit verlängern. Die verfügbaren Darreichungsformen –Filmtabletten sowie die orale Suspension – enthalten Lactose, Magnesium und Macrogol. Cefalexin ist plazentagängig und geringgradig muttermilchgängig. Daten hinsichtlich schädigender Nebenwirkungen liegen tierexperimentell bzw. in vivo (bei einer niedrigen Schwangerenfallzahl von n = 138) nicht vor. Eine Verabreichung nach sorgfältiger Indikationsstellung und Nutzen-Risiko-Abwägung ist möglich.
AZITHROMYCIN ist lediglich bis 37 % oral bioverfügbar und wird auch angesichts steigender Resistenzraten nicht vorrangig empfohlen. In Form von Filmtabletten oder einer oralen Suspension kann es unabhängig von Mahlzeiten ein-
genommen werden. Interaktionen unter anderem mit QT-verlängernden Substanzen, Antazida, Statinen, Carbamazepin sowie Ergotaminderivaten sind zu beachten. Die Darreichungsformen enthalten zum Teil Lactose und Magnesium. Azithromycin ist muttermilchgängig und sollte in der Schwangerschaft nur nach strenger Indikationsstellung und Risikoabwägung angewandt werden.
CLARITHROMYCIN wird wegen seiner oralen Resorptionsrate von 50 %, steigender Resistenzraten sowie des makrolidtypischen Nebenwirkungs- und Interaktionspotentials nicht vorrangig empfohlen. Die gleichzeitige Anwendung mit Ticagrelor, Ivabradin, Ranolazin, Statinen, Domperidon, Colchizin, oralem Midazolam, oralen Antidiabetika, Insulin, Ergotamin bzw. QT-verlängernden Substanzen ist kontraindiziert. Die Kombination mit sämtlichen oralen Antikoagulanzien ist mit dem Risiko schwerer Hämorrhagien behaftet. Clarithromycin kann mahlzeitenunabhängig eingenommen werden. Die Filmtabletten enthalten Lactose und Magnesium – das Granulat für die orale Suspension Macrogol. In der Schwangerschaft wird Clarithromycin nicht empfohlen, weiters besteht eine geringgradige Muttermilchgängigkeit.
CLINDAMYCIN ist aufgrund überregional steigender Resistenzraten von > 20 % und des erhöhten Risikos einer Clostridioides-difficile -Diarrhoe mit schwerem Verlauf nicht mehr in den Empfehlungen der ESC enthalten.
DOXYCYCLIN ist zu über 90 % oral bioverfügbar und sollte wegen der Chelatbildung nicht in Kombination mit Milchprodukten eingenommen werden. Medikamenteninteraktionen, zum Beispiel mit Carbamazepin, müssen beachtet werden. Entsprechend der Fachinformation sollte Doxycyclin bei Patient:innen, die über 70 kg wiegen, mit 200 mg dosiert werden. Die Darreichungsform als Filmtablette kann insbesondere für ältere Patient:innen eine Herausforderung sein und mit gesundheitlichen Folgen (bis hin zu Ösophagus-Ulzerationen) assoziiert sein. Die Einnahme mit reichlich Flüssigkeit, in aufrechter Position, nicht unmittelbar vor dem Schlafengehen bzw. die Anwendung der alternativen Darreichungsform – der löslichen Tablette – kann Abhilfe schaffen. Beide Darreichungsformen enthalten zum Teil Lactose, Mannitol, Macrogol, Magnesium und Rizinusöl. Doxycyclin ist muttermilchgängig und in der Schwangerschaft (außer im Falle einer

Abbildung 1 und 2: Substanzempfehlungen ohne bzw. mit Penicillinallergie.
mangelnden Alternative bei vitaler Indikation) kontraindiziert.
LINEZOLID ist als Reserveantibiotikum für grampositive Infektionen (Pneumonie, Haut-, Weichteilinfekte) zugelassen, teuer und aufgrund seiner Listung in der Gelben Box (RE1) nur nach vorangegangener chefärztlicher Bewilligung verfügbar. Dem Regeltext im Erstattungskodex entsprechend haben Indikationsstellung und Verordnung intramural zu erfolgen bzw. ist eine schriftliche Begründung der behandelnden Ärzt:in inklusive eines erbrachten Keimnachweises vorzulegen. Linezolid ist als Filmtablette zu fast 100 % oral bioverfügbar und kann unabhängig von Mahlzeiten eingenommen werden. Interaktionen, insbesondere mit MAO-Hemmern und serotonergen Wirkstoffen (beispielsweise mit SSRI oder Opioiden) sowie mit Vorerkrankungen, sind zu beachten. Die Filmtabletten enthalten zum Teil Magnesium, Macrogol und Sojalecithin, in dem wiederum Erdnussprotein vorkommen kann. Linezolid ist in der Schwangerschaft (außer im Falle mangelnder Alternativen bei vitaler Indikation) kontraindiziert und auch muttermilchgängig.
* Ersterscheinung: wmw-skriptum 2025; 22 (2):17-19. Abdruck mit freundlicher Genehmigung. Quellen:
2023 ESC Guidelines for the management of endocarditis, Delgado V et al., EHJ (2023), 44, 3948-4042; doi.org/10.1093/eurheartj/ehad193, 8/2023
S2k –Leitlinie Kalkulierte parenterale Initialtherapie bakterieller Infektionen –Update 2024, Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Infektiologie e. V., PEG. (5/25 in Finalisierung).
S3-Leitlinie Perioperative und Periinterventionelle Antibiotikaprophylaxe, AWMFRegisternummer 067-009, Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie e. V., DGHM 12/2024.
S2k-Leitlinie Diagnostik bei Verdacht auf eine Betalaktam-Überempfindlichkeit, AWMF-Registernummer 061-032, Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie, DGAKI, 10/2018, Überprüfung: 10/2023.
Kunkel M, Endokarditisprophylaxe, in: Antibiotika in der Zahnmedizin, Al-Nawas B et al., 2021, ISBN 978-3-86867-552-8 und in: Zahnmedizin 10/2022.
Rajani R, Klein JL, 2020, doi: 10.7861/clinmed.cme.20.1.1.
Serban AM et al., 2025, doi: 10.1136/openhrt-2024-003060.
Thornhill MH et al., 2016, doi: 10.1038/sj.bdj.2016.554.
Yogini H Jani et al., 2025, doi: 10.1016/j.jinf.2024.106367.
Savic L et al., 2019, doi: 10.1016/j.bja.2018.09.009. Fachinformationen der genannten Wirkstoffe.
� Das Patient:innenkollektiv sollte hinsichtlich der IE-Prävention einerseits präoperativ, andererseits im Rahmen jährlicher postoperativer Follow-ups geschult werden.
- In Österreich sind der Ausweis für Endokarditisprophylaxe des Österreichischen Herzfonds und der Herzpass der Paul-EhrlichGesellschaft verfügbar. Letzterer bildet den deutschen Usus ab und unterscheidet sich geringfügig vom österreichischen Pendant.
- Prinzipiell sollte die EP einmalig 30-60 Minuten vor den genannten Eingriffen verabreicht werden.
- Eine Dosisanpassung an die Nierenfunktion ist nicht nötig. Substanzdosierungen wurden entlang der Leitlinie Präoperative Prophylaxe, der aktuellen Fachinformation bzw. der klinischpharmazeutischen Empfehlung gewichtsbezogen adaptiert.
- Eine nicht abgeklärte Penicillinallergie sollte reevaluiert, risikostratifiziert und – falls möglich – delabelt werden.
- Die Einbindung sämtlicher Fachvertretungen, insbesondere der Österreichischen Zahnärztekammer, in die Erstellung eines Konzepts zur EP und in die landesweite Umsetzung ebenjenes wären erstrebenswert.
Die Darmflora rückt in den Fokus der klinischen Forschung

Das Darmmikrobiom ist nach wie vor ein Dauerbrenner in der Mikrobiologie – laufend werden neue Funktionen und Interaktionen zwischen der mikrobiellen Gemeinschaft und dem menschlichen Organismus entdeckt. Es ist also schon längst nichts Neues mehr, dass die Bewohner des Darmtrakts nicht nur die Verdauung unterstützen, sondern auch den Stoffwechsel und den Hormonhaushalt des Menschen auf vielfältige Weise beeinflussen. Damit bieten sie Ansatzpunkte für die Prävention und Behandlung von Stoffwechselerkrankungen wie Adipositas und Diabetes.
Der menschliche Verdauungstrakt ist das am dichtesten besiedelte Habitat
der Erde und damit Schauplatz eines ständigen Überlebenskampfes seiner Bewohner. Sie stehen in permanenter Konkurrenz zueinander, weshalb viele Bakterien Proteine produzieren, die in den Stoffwechselhaushalt ihrer Nachbarn eingreifen. Weit verbreitet ist die Manipulation des SGLT-2-Transporters, der sowohl bei Mikroorganismen als auch menschlichen Zellen vorhanden ist und die Glukoseausscheidung kontrolliert. Im Darm bilden Bakterien Peptide, die die mikrobiellen SGLT-2-Transporter blockieren und damit die Glukoseausscheidung erhöhen. Sie wirken möglicherweise auch auf die menschliche Variante. Was für mikrobielle Konkurrenten fatal ist, könnte für den Menschen also von Vorteil sein. Tatsächlich wird die Blockade des Transporters durch syntheti-
© stock.adobe.com/Pornarun
sche Moleküle bereits erfolgreich in der Diabetesbehandlung eingesetzt. Doch nicht immer ist der Einfluss des Darmmikrobioms auf den Stoffwechsel positiv: Beispielsweise besitzen Bakterien Gene für die Steroidbiogenese, womit sie unter anderem die Bildung von Sexualhormonen und Cortisol und damit unter anderem den menschlichen Blutzuckerstoffwechsel beeinflussen. Zusätzlich könnte auf diesem Weg die Bildung von viszeralem Fettgewebe gefördert werden, welches bekanntlich Entzündungsprozesse fördert und das Risiko erhöht, HerzKreislauf-Erkrankungen zu entwickeln.
Darmbakterien als künstliche Hormonproduzenten
Ein vielversprechender Ansatz für die Medizin ist die genetische Modifizie-
rung der Darmbakterien: So könnten die Mikroorganismen dazu gebracht werden, für den Körper nützliche Verbindungen zu produzieren. „Wir stehen hier erst am Anfang, aber das Potenzial ist enorm,“ betont Prof. Dr. Reiner Jumpertz-von Schwartzenberg, Leiter des Klinischen Studienzentrums am Institut für Diabetesforschung und Stoffwechselkrankheiten am Universitätsklinikum Tübingen. „Wenn wir lernen, diese Bakterien gezielt zu aktivieren oder zu verändern, eröffnen sich ganz neue therapeutische Möglichkeiten bei Adipositas und Typ2-Diabetes “
Ein Beispiel dafür ist das Hormon Glucagon-like Peptide 1 (GLP-1), das in den bekannten „ Abnehmspritzen“ eingesetzt wird, und die Diabetes- und Adipositastherapie bereits deutlich vereinfacht haben. Über Plasmide kann das GLP-1-Gen in Bakterien eingebracht werden, wodurch diese zur Produktion des Hormons befähigt werden. Eine erfolgversprechende Studie in diesem Bereich gibt es bereits: Sie zeigte, dass durch Transplantation dieser genetisch veränderten Bakterien tatsächlich der Glukosestoffwechsel des Wirts beeinflusst werden kann.
Über die Ernährung kann das Darmmikrobiom gezielt verändert werden, wie Prof. Jumpertz-von Schwartzenberg erklärt: „ Schon eine kalorienreduzierte Diät kann innerhalb kurzer Zeit messbare Effekte auf die Zusammensetzung der Darmflora haben “
Den zugrundeliegenden Prozess beschreibt die „ Hungry Microbiome“-Theorie: Durch eine Senkung der Kalorienzufuhr verändert sich das Mikrobiom sehr schnell – im speziellen werden vermehrt Gene für die Nahrungsaufnahme der Bakterien exprimiert, um die verfügbare Menge effizienter zu nutzen. Im Zuge dessen könnten die Mikroorganismen auch mit dem Wirt selbst in Konkurrenz um die Nährstoffe treten. Für den Mensch bleiben in der Folge schlicht weniger Kalorien übrig.
Gestützt wird dieser Ansatz unter anderem auf die Tatsache, dass die Transplantation eines solchen Mikrobioms tatsächlich eine Gewichtsreduktion auslösen kann.
Auch hier könnte man in Zukunft ansetzen, um Diabetes und Adipositas zu behandeln, so der Experte. Der Prozess könnte wiederum durch genetische Modifikation der Bakterien verstärkt werden.
Entscheidend für die Aufrechterhaltung eines gesunden Mikrobioms sei aber die eigene Lebensweise: „ Das Ziel ist ein vielfältiges Mikrobiom, das gut balanciert ist und viele Aufgaben übernimmt, von der Nahrungsabsorption bis zum Schutz vor pathogenen Keimen.“ Eine abwechslungsreiche Ernährung, die Ballaststoffe und fermentierte Lebensmittel enthält und körperliche Aktivität unterstützen die Darmflora, Stress ist hingegen ungünstig. Auch der Konsum von Zucker und Weißmehl sollte reduziert werden, da er das Wachstum schädlicher Bakterien fördert.
PA/Red
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Vertrieb: InfectoPharm Arzneimittel und Consilium GmbH ∙ Von-Humboldt-Str. 1 ∙ D-64646 Heppenheim. Kontakt: InfectoPharm Arzneimittel und Consilium GmbH ∙ Leopold-Ungar-Platz 2 / 1. Stock / Stiege 2 ∙ 1190 Wien
Telefon: 01/227 60 65-6060 · Fax: 01/227 60 65-6061 ∙ www.infectopharm.at ∙ austria.kontakt@infectopharm.com
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Teil 1: Husten, Schleim und respiratorische Insuffizienz – Atemwegssymptome bei Erwachsenen und Kindern richtig einordnen
GASTAUTOR:INNEN:





Über Wirkung und mögliche unerwünschte Wirkungen informieren Gebrauchsinformation, Arzt oder Apotheker.

Nahrungsergänzungsmittel. *im Vergleich zu easysleep 1 mg Filmtabletten. Eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung sowie eine gesunde Lebensweise sind von wesentlicher Bedeutung. Nahrungsergänzungsmittel dürfen nicht als Ersatz dafür verwendet werden.


Dr. Tobias
Bernhardt
Klinik Hietzing, 6. Med. Abteilung: Innere Medizin/ Pneumologie

Abteilung: Innere Medizin/ Pneumologie
Der Winterkongress* 2025 hat spannende und neue Aspekte unserer täglichen klinischen Praxis aus pneumologischer, infektiologischer und pädiatrischer Sicht beleuchtet. Nachfolgend ein auszugsweiser Rückblick aus pneumologischer Perspektive.
Tussis - ein häufiges, manchmal unterschätztes Symptom

Dr. Hazim Abozid (Standort Penzing, Klinik Ottakring, Wien) gab einen Überblick über die Diagnostik und die klinische Einteilung des Hustens: Einteilung nach Dauer:
• akut: ≤ 3 Wochen
• subakut: 3–8 Wochen
• chronisch: > 8 Wochen Zunächst sollten laut dem Experten sogenannte Red Flags immer ausgeschlossen werden: Stridor, Zyanose, Hämoptysen, schwere B-Symptomatik und eine respiratorische Insuffizienz.
Akuter Husten
Häufigste Ursache ist und bleibt die virale Infektion. Diagnostik: Anamnese plus klinischer Status – eine weiterführende Diagnostik (Labor, Bildgebung, Erregernachweis) ist primär nicht indiziert. Therapie: symptomatisch.
Subakuter Husten
Meist postinfektiös, trockener Reizhusten als Folge bronchialer Hyperreagibilität. Therapieoption: inhalatives Kortikosteroid (ICS) für 2–4 Wochen (praktisch bewährt: 4–8 Wochen mit anschließendem Ausschleichen). Ursachen protrahierter Verläufe: Pertussis, Mykoplasmen, SARS-CoV-2, Adenoviren.
Chronischer Husten (> 8 Wochen)
Die Prävalenz liegt in Österreich bei etwa 9 % – mit einer durchschnittlichen Dauer von drei Jahren! Essentiell: eine ausführliche Anamnese, ggf. Scores (z. B. LCQ) –damit können 85 % der Fälle erklärt und gegebenenfalls therapiert werden. Ausschluss von ACE-Hemmer-Therapie und Nikotinexposition vor weiterer Diagnostik.
Zu einer leitliniengerechten Basisdiagnostik gehört: 1) Bildgebung sowie 2) Lungenfunktion und Marker für eine Typ-2-Inflammation wie Eosinophile, FeNO (NO in der Ausatemluft). Für die Phänotypisierung ist es wichtig, folgende drei Hauptdiagnosen zu evaluieren: 1) asthmatischer Husten (bronchiale Hyperreagibilität), 2) refluxassoziierter Husten und 3) Upper-Airway-CoughSyndrom (UACS). Je nach Phänotyp erfolgt eine weitere Abklärung in den Fächern Pneumologie, Gastroenterologie bzw. HNO.
Dr. Abozid betonte, dass für die Abklärung eines chronischen Hustens ein Case-Manager entscheidend sei, der die umfangreichen diagnostischen Schritte koordiniere, die Therapie plane und das Ansprechen sowie den Verlauf überprüfe.
Sollte trotz einer Therapie der chronische Husten fortbestehen, spricht man von chronisch refraktärem oder chronisch unerklärlichem Husten . Trigger können Dämpfe, Lachen, Essen, Telefonieren oder ein Globusgefühl sein. In solchen Fällen ist eine Überweisung an eine Spezialambulanz sinnvoll.
Prim.a Univ.-Prof.in Dr.in Angela Zacharasiewicz, MBA (Klinik Ottakring, Leiterin der Abteilung für Kinderund Jugendheilkunde), unterstrich die Wichtigkeit der Prävention in der Kinderheilkunde und gab einen Überblick über die umfangreichen Impfempfehlungen, insbesondere im ersten Lebensjahr von Kindern, und über deren Relevanz für die Prävention von respiratorischen Infekten und Atemwegserkrankungen.
Im Herbst ist vor allem die Impfung gegen Influenza hervorzuheben, welche bereits ab sechs Monaten zugelassen und auch in Formulierungen wie Nasensprays – ganz ohne Nadelstich – verfügbar ist. Empfohlen wird weiters insbesondere für Säuglinge die RSV(Respiratorisches SynzytialVirus)-Impfung als Passivimmunisierung innerhalb des ersten Lebensjahres – seit Herbst 2025 auch im Rahmen eines Gratisimpfprogramms. Detaillierte Informationen zu Impfungen findet man beispielsweise auf der Website impfen.gv.at, auf der zudem der österreichische Impfplan abrufbar ist.
Einen weiteren wichtigen Punkt in der Prävention stellt eine „saubere“ Luft dar – speziell der Schutz vor inhalativen Noxen wie Tabakrauch. Nachgewiesen ist, dass Kinder von rauchenden Müttern ein erhöhtes Risiko haben, von einem verminderten Lungenwachstum, einem geschwächten Immunsystem, häufigen respiratorischen Infekten, „W heezing“ und Asthma betroffen zu sein. Alle genannten

Risiken können mit einer verminderten Lungenfunktion einhergehen.
Wie bei Erwachsenen sind auch bei Kindern Rhinoviren die häufigsten viralen Erreger respiratorischer Infekte. Vor allem bei Kindern mit Asthma ist durch die vermehrte Besetzung der dendritischen Zellen mit IgE und die dadurch verminderte Interferonproduktion die Immunabwehr geschwächt. Sie sind daher anfälliger für respiratorische Infekte und deren schwere Verläufe. Ein weiteres großes Thema in den Wintermonaten stellt Husten bei Kindern und Jugendlichen dar. Im Vergleich zum Husten bei Erwachsenen (chronisch ab acht Wochen) ist bei Kindern der Husten bereits ab vier Wochen als chronisch zu bezeichnen und abklärungswürdig. Der Algorithmus beginnt mit einer ausführlichen Anamnese, der klinischen Untersuchung und Diagnostik wie einem Lungenröntgen und einer Lungenfunktionsmessung. Unbedingt zu beachten sind die Red Flags des Hustens bei Kindern. Hierzu zählen unter anderem Hustenbeginn bei der Geburt, Husten immer nach der Nahrungsaufnahme, chronische Verschlechterung des Hustens, Belastungsdyspnoe, Gedeihstörung, Gewichtsverlust, Hypoxie, B-Symptomatik. Spätestens dann ist eine umgehende Abklärung in einem spezialisierten Zentrum indiziert. Neben der Dauer wird auch nach den Formen trockener und feuchter Husten unterschieden. Zusätzlich zu einer „Watchful Waiting“- Strategie kann bei trockenem Husten ein Therapieversuch
mit einem inhalativen Kortikosteroid (ICS) erfolgen, bei feuchtem Husten eine antibiotische Therapie. Bei Kindern ist initial nicht zwingend eine Röntgen- oder Laboruntersuchung notwendig – vielmehr kann man sich auf die klinische Beurteilung und die körperliche Untersuchung stützen. Das empfiehlt auch die aktuelle S2kLeitlinie 2024 zur pCAP („ Pediatric Community-Acquired Pneumonia“) Unbedingt ist jedoch ein Therapieansprechen binnen zwei Wochen zu prüfen. Für die kalkulierte antibiotische Therapie bei Kindern werden primär Amoxicillin oder Ampicillin empfohlen. Bei nachgewiesener Mykoplasmeninfektion kann – Prof.in Zacharasiewicz zufolge – je nach klinischem Bild zunächst mit einer antibiotischen Therapie zugewartet werden.
Von der Pneumonie bis zu den Bronchieklasien
Eine Pneumonie äußert sich bei Kindern nicht nur durch klassische Symptome wie Dyspnoe, Husten und Fieber, sondern oft auch in Form von Abdominalgien, Trinkschwäche, thorakalen Schmerzen oder Inaktivität. Bei Anzeichen einer schweren Infektion mit respiratorischer Kompromittierung (thorakale Einziehungen, Hypoxie, erhöhte Atemfrequenz, Vigilanzstörung) ist umgehend eine Hospitalisierung mit intensivmedizinischem Backup notwendig.
Bleibt Husten trotz erfolgter Therapie länger als vier Wochen bestehen und liegt kein erneuter akuter respiratorischer Infekt vor, ist eine weitere Ab -
NACHBERICHT
klärung indiziert. Andernfalls könnten etwaige schwerwiegende Grunderkrankungen übersehen werden oder Symptome wie Schlafunterbrechung und Tagesmüdigkeit bzw. strukturelle Erkrankungen auftreten. Beispiele hierfür sind die protrahierte bakterielle Bronchitis (PBB) oder Bronchiektasien (BE). Die PBB bedarf einer zwei- bis vierwöchigen antibiotischen Therapie und hat eine sehr gute Prognose. Bei Bronchiektasien ist die Früherkennung der Schlüssel zum Erfolg. Hier ist auch bei Kindern eine Computertomographie des Thorax unvermeidbar, da die pulmonalen Veränderungen in einer konventionellen Röntgenaufnahme nicht hinreichend sichtbar sind. Bei frühzeitiger Behandlung sind Bronchiektasien von Kindern im Gegensatz zu jenen von Erwachsenen potenziell reversibel. Für betroffene Kinder und ihre Eltern wurde die Initiative „C hild Bear Net“ ins Leben gerufen (improvebe.org).
Abschließend betonte Prof. in Zacharasiewicz die Bedeutung von Bewegung und Sport bei Kindern allgemein – und insbesondere bei jenen mit Asthma – für die Prävention respiratorischer Infekte und eine gesunde Lungenentwicklung.
Literatur bei den Expert:innen.
VORSCHAU
Teil 2 des Nachberichts in der Februarausgabe der Hausärzt:in hat Infektionen bei COPD- und Asthmapatient:innen zum Thema, außerdem Inhalationstechniken als Basis einer erfolgreichen Therapie.
* 2. Österreichischer E-Kongress „Winterinfektionen 2025“ von MedConnect, 8. November 2025.
• Die Kategorie der Antiadiposita erzielt in den öffentlichen Apotheken und Hausapotheken im MAT November 2025 mit ~179 tsd. Packungen ~38,4 Mio. Euro Umsatz FAP.
• Der entsprechende Markt wächst aktuell im Vergleich zum Vorjahr um +203 % nach Menge und um +269 % nach Wert.
• 67,1% der abgegebenen Packungen beinhalten die Substanz Tirzepatide.
• Der Mengenanteil der patentgeschützten Produkte beträgt 74,9 %.
• 98,4 % der verkauften Packungen sollten im Kühlschrank bei 2–8 Grad gelagert werden.
• Die Top-3-Produkte nach Menge machen 98,4 % des Gesamtabsatzes aus. Mounjaro® (Eli Lilly) liegt nach Einheiten an erster Stelle, gefolgt von Saxenda® (Novo Nordisk) und Wegovy® (Novo Nordisk).
• Die Top-3-Produkte nach Wert umfassen 97,7 % des Gesamtumsatzes. Nach Umsatz führt Mounjaro® vor Saxenda® und Wegovy®
Marktanalyse von Mag.a pharm. Maria KoeppnerBures, IQVIA
Austria


* Quelle: IQVIATM DPMÖ sell-out Österreich, Verkäufe der öffentlichen österreichischen Apotheken sowie Großhandelslieferungen an ärztliche Hausapotheken, ATC-Klasse: A08A ANTIADIPOSITA EXCL. DIAET.& MOUNJARO, ausschließlich registrierte Arzneimittel aus dem Warenverzeichnis I, Absatz/Menge in Einheiten, Umsatz/Werte in Euro, bewertet zum Fabrikabgabepreis (FAP), Wachstum vs. Vorjahr, MAT November 2025 (Dezember 2024 bis November 2025 kumuliert); Produktsummen inkl. Parallelimporte
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Grundlegende Richtung: Unabhängige österreichische Fachzeitschrift für niedergelassene Ärzt:innen.
Die HAUSÄRZT:IN – Praxis-Magazin für Primärversorgung –ist ein interdisziplinäres Informations- und Fortbildungsmedium.
Weitere Informationen finden Sie auch im Internet: www.arbeiterkammer.at
In unserem Fachmagazin setzen wir auf genderneutrale Sprache. Verwendet wird der Doppelpunkt – als beste Symbiose aus Leserlichkeit und Inklusion. Zugunsten der besseren Lesbarkeit verzichten wir teilweise auf die gänzlich orthografisch/ grammatikalisch korrekte Schreibweise. Etwa geben wir bei Artikeln und Pronomen jeweils nur eine Variante an – jene, die zur längeren Variante des gegenderten Wortes gehört. Weitere Informationen siehe: meinmed.at/kommunikation/genderneutrale-sprache/2688 issuu.com/hausarzt/docs/ha_2023_12/3 (Hausärzt:in 12/23, Editorial, S. 3)
Alle aktuellen AK Publikationen stehen zum Download für Sie bereit: wien.arbeiterkammer.at/publikationen
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Artikelnummer 456
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DFP-Fortbildung: Highlights internationaler Kongresse für die österreichische Praxis
Am 13. Jänner lud der Veranstalter medtis zur DFP-Fortbildung „2. Connected in Lung Cancer – Wichtige Highlights für die österreichische Praxis zusammengefasst“ nach Wien ein. Chairman der Veranstaltung war OA Dr. Maximilian Hochmair von der Klinik Floridsdorf. „Wir freuen uns, die spannendsten Erkenntnisse aus den internationalen Kongressen des vergangenen Jahres (ELCC, WCLC, ESMO, ASCO) als Start in das neue Jahr kompakt präsentieren zu dürfen“, betonte er im Vorfeld. In praxisnahen
Vorträgen wurden die neuesten Entwicklungen im Bereich der Lungenkrebsforschung zusammenfasst und deren Relevanz für die tägliche klinische Praxis in Österreich diskutiert. Den teilnehmenden Ärzt:innen wurde so die Gelegenheit geboten, sich auf den aktuellen Stand des Wissens zu bringen und sich fachlich auszutauschen. Prim.a Dr.in Dagmar Krenbek, Klinik Floridsdorf, erläuterte, worauf es bei der Testung zu achten gilt. OÄ Dr.in Romana Wass sprach zum Thema „NSCLC –Early Stage & Advanced non target“,
Priv.-Doz. Dr. Andreas Pircher, Med Uni Innsbruck, referierte über „SCLC“, und Prof. Hochmair gab einen Überblick über zielgerichtete Therapien.
Lesen Sie den Nachbericht zur Veranstaltung, deren Medienpartner die Hausärzt:in war, auf Gesund.at

Pressekonferenz zum Impftag: Der Impfmüdigkeit begegnen
Unter dem Titel „I’m back – da geht mir das Geimpfte auf!“ fand am 17. Jänner 2026 der Österreichische Impftag statt. Bei einer Pressekonferenz im Vorfeld sprachen Univ.-Prof.in Dr.in Ursula Wiedermann-Schmidt, MD, PhD, MSc, Leiterin des Zentrums für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie der MedUni Wien, MR Dr. Rudolf Schmitzberger, Leiter des Impfreferates der Österreichischen Ärztekammer, und Mag. pharm. Dr. Gerhard Kobinger, 2. Vizepräsident der Österreichischen Apothekerkammer,
über den großen Aufholbedarf bei der Impfbeteiligung.
Während die weltweite Durchimpfungsrate bei der dritten Dosis gegen Diphtherie, Tetanus und Pertussis bei 93 Prozent liegt, befindet sich Österreich mit 85 Prozent am unteren Ende der Liste. Dafür befindet es sich bei den Neuinfektionen mit Masern im europäischen Spitzenfeld. Im Vergleich zum Vorjahr ist zudem eine Verdreifachung der Hepatitis-A-Erkrankungen zu verzeichnen. Beim Keuchhusten verhält es sich ähnlich: Im Jahr 2023 wurden rund
2.800 Fälle von Keuchhusten gemeldet, während es 2024 insgesamt 15.465 waren. Das entspricht annähernd dem Infektionsgeschehen von 1959 – also der Zeit vor Einführung des nationalen Impfprogrammes. Weiterführende Informationen finden Sie auf auf Gesund.at

STAFAM 2025: Scham bleibt stärkster Co-Faktor sexuell übertragbarer Infektionen
Beim 55. Kongress für Allgemein- und Familienmedizin (STAFAM) vom 27. bis 29. November in Graz widmete sich ein Vortag von Dr. Richard Brodnig dem richtigen Umgang mit sexuell übertragbaren Infektionen (STIs) in der hausärztlichen Praxis. Der frühere Präsident der Jungen Allgemeinmedizin (JAMÖ) betreibt mittlerweile eine eigene Wahlarztordination in Wien, die u. a. auf sexuelle Gesundheit – STI-Screening, Beratung und Therapie, HIV-PrEP, Doxy-PEP –spezialisiert ist. Anhand von Fallbeispie-

len zeigte Dr. Brodnig, wie eine gelungene Kommunikation zwischen Ärzt:innen und Patient:innen sowie eine leitlinienkonforme Prophylaxe und Therapie aussehen können. Unter dem Motto: „STIVersorgung ist keine SpezialambulanzExotik, sondern eine Kernaufgabe der Fachärzt:innen für Allgemeinmedizin!"
Den Nachbericht zum Vortrag von Dr. Brodnig finden Sie auf Gesund.at

Patient:innen-Fragen kompetent beantworten
EXPERT:INNEN:
Dr.in Christina Hauser, Fachärztin für Dermatologie in Wien


Dr. Johannes Bisschoff, Facharzt für Dermatologie und Allergologie in Wien
„State of the Art in der dermatologischen Praxis“

Eine 32-jährige Patientin wird in der dermatologischen Sprechstunde vorstellig. Schon länger spielt sie mit dem Gedanken, sich eines ihrer Tattoos entfernen zu lassen. Von Freund:innen hat sie gehört, dass mit Schmerzen und Narben zu rechnen sei – nun will sie sich erkundigen, wie der Ablauf genau aussieht und was es bezüglich der Nachsorge zu beachten gilt. Sie möchte eine Narbenbildung unbedingt vermeiden.
Dr. in HAUSER & Dr. BISSCHOFF: Moderne Tattooentfernung erfolgt mittels hochpräziser Lasergeräte, die speziell darauf ausgelegt sind, Farbpigmente in der Haut zu zerkleinern, ohne das umliegende Gewebe zu schädigen – beispielsweise mit einem Pikosekundenlaser, der extrem kurze Lichtimpulse abgibt. Die Pigmentpartikel zerfallen dadurch in mi-
kroskopisch kleine Fragmente, welche der Körper in den folgenden Wochen über das Lymphsystem abtransportiert.
Können Narben entstehen?
Die Behandlung gilt als gewebeschonend und ist – bei professioneller Durchführung – mit einem sehr niedrigen Risiko einer Narbenbildung verbunden. Entscheidend sind die korrekte Beurteilung der Haut, der Tattoofarbe und -tiefe sowie die Wahl der passenden Laserparameter. Häufig werden Narben, die durch den Prozess des Tätowierens entstanden sind, durch die Entfernung vermehrt sichtbar – das liegt dann nicht an der Entfernung, sondern an der Stechtechnik und der individuellen Hautbeschaffenheit. Der Vorteil des modernen Pikosekundenlasers ist, dass er zudem Einstellungen für
„Der Prozess benötigt Zeit, Disziplin in der Nachsorge und eine realistische Erwartungshaltung.“
die Narbenbehandlung hat, wodurch in solchen Fällen auch bestehende Narben deutlich reduziert werden können.
Tut eine Tattooentfernung weh?
Die Schmerzen variieren je nach Körperstelle, Farbmenge und individueller Empfindlichkeit. Viele Patient:innen beschreiben das Gefühl als „Gummischläge“ auf die Haut. Um die Behandlung angenehmer zu gestalten, wird während des Laserns gerne eine starke Kaltluft-
kühlung eingesetzt. Dadurch ist die Sitzung für die meisten Patient:innen gut tolerierbar. Genauso wie das Stechen des Tattoos stellt dessen Entfernung keine Wellnessbehandlung dar.
Wie viele Sitzungen sind notwendig?
Die Tattooentfernung ist ein mehrteiliger Prozess, keine einmalige Behandlung. Durchschnittlich sind sechs bis zehn Sitzungen im Abstand von jeweils sechs bis acht Wochen erforderlich, in manchen Fällen auch mehr. Bei Permanent-Make-up oder wenn ein „touch-up“ gemacht werden soll, kann es deutlich schneller gehen. Faktoren wie Tattooalter, verwendete Farben, Tiefe der Pigmente und individuelle Hautbeschaffenheit können die Anzahl der notwendigen Sitzungen beeinflussen. Schwarze und dunkle Pigmente lassen sich am einfachsten entfernen, farbige Tattoos benötigen oft mehr Geduld. Generell kann man beim modernen Pikosekundenlaser mit weniger Sitzungen rechnen – im Vergleich zur Behandlung mit einem QSwitch-/Nanosekundenlaser.
Eine valide Einschätzung, wie viele Sitzungen notwendig sind, ist nicht auf Basis von Fotos vor der ärztlichen Aufklärung möglich. Da die Haut bei jedem Menschen anders reagiert, kann auch die Anzahl der Sitzungen im ärztlichen Aufklärungsgespräch nur geschätzt, aber nicht verbindlich festgelegt werden.
Welche Risiken gibt es?
Bei fachkundiger Behandlung treten Komplikationen selten auf. Möglich sind jedoch folgende:
• vorübergehende Rötungen, Schwellungen oder punktförmige Einblutungen,
• leichte Krusten- oder Blasenbildung in den ersten Tagen,
• Farbumschlag des Tattoos durch eine Veränderung der Farbmoleküle aufgrund der Behandlung,
• (meist vorübergehende) Veränderungen der Hautpigmentierung (Hypooder Hyperpigmentierungen), insbesondere bei einem dunklen Hauttyp,
• Narben (in sehr seltenen Fällen), meist infolge unzureichender Nachsorge oder zu aggressiver Laserparameter. Wichtig ist, dass Patient:innen realistische Erwartungen haben: Eine voll-
ständige Entfernung ist in vielen Fällen möglich, aber nicht bei jedem Tattoo garantiert. Es kann ein Schatten zurückbleiben.
Entscheidend für ein gutes Ergebnis ist die Nachsorge
Um eine komplikationsfreie Heilung zu unterstützen, ist folgende Nachsorge zu empfehlen:
u Kühlen und Schonen: In den ersten Stunden nach der Behandlung hilft vorsichtiges Kühlen gegen Schwellung und Brennen.
v Wundpflege: Eine beruhigende, desinfizierende Creme auftragen und die Stelle für einige Tage sauber und trocken halten.
w Krusten in Ruhe lassen: Die Haut sollte nicht aufgekratzt werden, um Narben zu verhindern.
x UV-Schutz: Striktes Meiden von Sonne und Solarium für mindestens sechs Wochen, danach konsequent Sonnenschutz mit LSF 50 verwenden.
y Sport und Saunabesuche aussetzen: Auf diese für 48–72 Stunden verzichten, um Reizungen hintanzuhalten.
z Beobachten: Bei starken Schmerzen, zunehmender Rötung oder
gelblicher Sekretion sollte eine ärztliche Kontrolle erfolgen.
Wann sollte eine Tattooentfernung gestartet werden?
Die Tattooentfernung mittels Pikosekundenlasers kann unter Einhaltung der empfohlenen Lichtschutzmaßnahmen ganzjährig begonnen werden. Am besten funktioniert die Behandlung bei ungebräunter Haut. Daher ist ein Therapiestart im Herbst oder Winter ideal, zumal sich auch der Sonnenschutz zur kühlen Jahreszeit einfacher umsetzen lässt.
Wie sehen Beratung und Erwartungsmanagement aus?
Im ärztlichen Aufklärungsgespräch ist es wichtig, die Patient:in umfassend zu informieren: Eine moderne Laserentfernung ist sicher, effektiv und bei professioneller Durchführung nahezu narbenfrei. Gleichzeitig benötigt der Prozess Zeit, Disziplin in der Nachsorge und eine realistische Erwartungshaltung. Viele Patient:innen empfinden die Laserbehandlung als deutlich weniger belastend, als sie ursprünglich vermutet hatten. <


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Die besten Ordi-Vorsätze 2026
Kaum ist das alte Jahr vorbei, steht sie wieder im Raum: die Idee, dass die Ordination heuer leichter laufen soll. Weniger Hektik, mehr Struktur, mehr Klarheit. Der Wunsch ist groß – und durchaus erreichbar.
Beginnen wir mit einem Klassiker: dem Team-Check statt dem Team-Stress Viele Praxen funktionieren wie gut geölte Maschinen – bis jemand hustet, der Drucker streikt oder fünf Patient:innen gleichzeitig anrufen. Ein Team-Update alle paar Woche oder ein kurzes, ehrliches „Wie läuft’s gerade wirklich?“- Gespräch wirken oft wie ein Reset-Knopf. Nicht perfekt, aber besser als jeder Feuerwehrmodus, der ohnehin nie langfristig funktioniert.
Dann wäre da der Vorsatz, den die moderne Medizin dringend nötig hat: digital mutiger werden . Nein, niemandes Praxis muss von heute auf morgen zur HighTech-Ordi mutieren. Aber ein einziges Tool, das Zeit spart – ein digitales Formular, eine bessere Terminlösung, ein optimierter Workflow – kann plötzlich Stunden pro Woche freischaufeln. Und Zeit ist schließlich die Währung, von der Ärzt:innen traditionell am wenigsten haben.
Damit sind wir schon beim nächsten Vorsatz: Dem Team etwas Gutes tun . Kein Obstkorb, kein Firlefanz. Echte Wertschätzung heißt: etwas anbieten, das den Ordinationsalltag erleichtert –vielleicht eine Fortbildungsstunde pro
EXPERTIN:
Kathrin Zhuber, MBA Gründerin von DOC-N-ROLL Healthcare Management (spezialisiertes Dienstleistungsservice für niedergelassene Ärzt:innen bzw. Therapeut:innen), doc-n-roll.at

Monat oder ein Benefit, der wirklich ankommt. Wer investiert, bekommt Energie zurück. Und Energie ist im Gesundheitswesen bekanntlich ein rares Gut.
Und dann kommt der unscheinbare, aber mächtige Vorsatz: Prozesse regelmäßig updaten . Einmal pro Saison einen Ablauf unter die Lupe nehmen – vom Laborweg über die Patientenaufnahme bis zum Rezeptmanagement. Nicht, weil etwas „schlecht“ ist, sondern weil Routine dazu neigt, blind zu machen. Wer Prozesse pflegt, pflegt letztlich das ganze Team.

Fazit? Es braucht keine revolutionären Vorsätze, um das Praxisjahr 2026 zu verbessern. Nur ehrliche Mini-Schritte, die jeden Tag ein klein wenig leichter machen. Und das ist ein Vorsatz, der tatsächlich überlebt.

Wir versorgen Sie täglich mit aktuellen News aus der Branche DFP-approbierten Fortbildungen neuen Fachartikeln wichtigen Terminen
Seitenblicke auf die Medizin
„Schwieriger

Hofrat Dr. Thomas Holzgruber
Patient:innenombudsmann der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien
Stand Jahreswechsel 2025/26: Verhandlungen der Kassenverträge


Immer wieder hört und liest man, dass bei den Kassenverhandlungen Stillstand herrscht. Der folgende Kommentar soll überblicksweise darstellen, warum die Angelegenheit so komplex ist. Seit der Zusammenlegung der Landesgebietskrankenkassen zur Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) ist der einheitliche Gesamtvertrag ein Dauerthema. Dieser soll österreichweit von der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), genauer von der Bundeskurie der niedergelassenen Ärzte (BKNÄ),
abgeschlossen werden. Schon bei der Gesetzwerdung zur ÖGK mit 1. Jänner 2020 wurde dies so gesetzlich festgelegt und anlässlich des Finanzausgleiches 2023 noch durch weitere gesetzliche Regelungen bestärkt. Jedoch war schon seit der Einführung der ÖGK klar, dass sich die Vereinheitlichung von regionalen Gesamtverträgen, die jahrzehntelang Tradition hatten, nicht so einfach gestaltet. Zusätzlich ist durch den Pandemiebeginn der einheitliche Gesamtvertrag in den
NACHBERICHT
Hintergrund gerückt. Jetzt hingegen wird von allen politischen Parteien und Verantwortlichen endlich eine Einigung zwischen ÖÄK und ÖGK gefordert.
Eine Frage der Finanzierung
Grundsätzlich versteht niemand, warum Tarife bei der BVAEB und der SVS sowie die meisten Vorsorgeuntersuchungs- und die meisten Mutter-KindPass-Tarife österreichweit einheitlich
Der Experte war Vortragender zum Thema beim Allgemeinmedizin Update Refresher von 11. bis 14. November 2026 in Wien.
sind, nicht jedoch die Tarife bei der ÖGK, die für 80 % der Versicherten in Österreich zuständig ist. Weshalb man sich bis dato nicht einigen konnte, ist einfach erklärt: Es geht um die Finanzierung.
In der Praxis sind nämlich die Texte der Gesamtverträge gar nicht so unterschiedlich, lediglich die Honorarordnungen lassen sich schwer bzw. kaum vergleichen. Sie haben unterschiedliche Tarifniveaus mit teilweise komplexer Regelungstechnik (z. B. Degressionen, Limite und Ähnliches). Es stellt sich somit eine zentrale Frage: Gelingt es, einen Gesamtvertrag abzuschließen, ohne dass die einzelnen Ärzt:innengruppen in den Bundesländern Honorarverluste erleiden müssen?
Zur Beantwortung der oben gestellten Frage ist es übrigens völlig irrelevant, ob man neue Honorierungsschemata vereinbart oder nicht. Am Ende zählt für die Ärzt:innenschaft, was monetär unter dem Strich herauskommt. Natürlich fordert die Ärztekammer eine Vereinheitlichung auf dem jeweils höchsten Tarifniveau, sodass die Kolleg:innen am höchsten Niveau nicht verlieren und alle anderen gewinnen. Die Kasse bemängelt jedoch, dass dies Mehrkosten von mehreren 100 Millionen Euro verursache – die sie nicht zu zahlen bereit ist. Wenn man bedenkt, dass es jetzt schon schwierig ist, in gewissen Regionen bzw. Fächern Ärzt:innen für Kassenverträge zu finden, so spricht auf der einen Seite vieles für die Ansicht der Kammer, dass Honorarverluste inakzeptabel sind. Auf der anderen Seite schreibt die Krankenkasse derzeit tiefrote Zahlen, weil es der Wirtschaft schlecht geht und sich daher die Einnahmenseite für die Kasse ungünstiger darstellt. Weiters erhöhen sich auch ohne Tarifsteigerungen die Ausgaben für die ÖGK bei Vertragsärzt:innen, weil Patient:innen vermehrt deren Ordinationen aufsuchen und die Ärzt:innenschaft verständlicherweise – oft unter enormem Einsatz – alle hilfesuchenden Patient:innen betreut.
Sämtliche Faktoren zeigen, dass eine Einigung über einen einheitlichen Gesamtvertrag mit einheitlichen Tarifen mehr als schwierig und am Ende eine reine Finanzfrage ist.
Deshalb verfährt man derzeit gemäß den Übergangsbestimmungen, nach denen die regionalen Gesamtverträge und die regionalen Honorarordnungen weiter gelten bzw. auch weiterverhandelt werden können – so lange, bis ein österreichweit einheitlicher Vertrag vorliegt. Konkret bedeutet dies, dass alle Landesärztekammern aktuell die Jahre 2025, 2026 und 2027 verhandeln, damit zumindest die bestehenden Tarife tunlichst an die Inflation angepasst werden. Die Abschlüsse werden nicht identisch sein, aber wahrscheinlich vergleichbar, weil in der ÖGK jeder Abschluss eines Landes von demselben Gremium, dem Verwaltungsrat der ÖGK, beschlossen werden muss.
In diesem Zusammenhang kann man auch den Bericht des Rechnungshofes, laut dem die Landesärztekammern entmachtet werden müssen, leicht entkräften. Der Rechnungshof spricht sich für einen österreichweiten Vertrag aus. Um solch einen abzuschließen, bedarf es aber einer Mehrheit in der Bundeskurie der niedergelassenen Ärzt:innen, die wiederum aus den Vertreter:innen der Landesärztekammern besteht, wobei das Stimmgewicht von der Größe der Länder abhängig ist. Die Landeskammern reden also weiter mit.
Im Zuge der Finanzausgleichsverhandlungen 2023 wurde die Ärztekammer bei den Stellenplänen entmachtet. Der Stellenplan wird nicht mehr von der Kammer/Kasse festgelegt, sondern mit 1. Jänner 2026 im regionalen Strukturplan Gesundheit (RSG) bestimmt. Der RSG ist pro Bundesland zu erstellen und wird vom jeweiligen Bundesland gemeinsam mit den Krankenkassen in der sogenannten Landeszielsteuerungskommission festgelegt. Die Ärztekammer hat lediglich ein Stellungnahmerecht und darf den Plan nur noch im Einvernehmen mit der Krankenkasse konkretisieren. Erzielt man bei der Konkretisierung keine Einigung, dann nimmt die Krankenkasse diese allein vor. Nur bei der Bepunktung der Bewerber:innen nach ausgeschriebe-
„Natürlich fordert die Ärztekammer eine Vereinheitlichung auf dem jeweils höchsten Tarifniveau, sodass die Kolleg:innen am höchsten Niveau nicht verlieren und alle anderen gewinnen.“
nen Kassenstellen hat die Kammer ihre Mitsprache behalten.
Bei der Abfassung dieses Artikels waren noch nicht alle RSG fertig beschlossen*, doch lagen zahlreiche Entwürfe vor, die ganz eindeutig eine Richtung definieren: Die Anzahl der Kassenplanstellen pro Bundesland wird steigen, aber nur sehr mäßig.
In der Allgemeinmedizin geht der Trend klar in Richtung Primärversorgungseinheiten (PVE), die in jedem Bundesland im RSG ausgebaut werden. Die Einzelordinationen wird es weiterhin geben und sie werden auch nach wie vor ausgeschrieben werden, jedoch wird der Anteil der Versorgungsleistungen durch PVE vor allem in Ballungsräumen massiv zunehmen.
Bei der PVE-Honorierung gibt es aktuell keine Änderungen, und es gelten weiterhin sehr unterschiedliche Regelungen pro Bundesland. Aber auch hier nur so lange, bis der österreichweite Gesamtvertrag steht und man sich danach überlegt, wie man auch bei den PVE österreichweit einheitlich vorgehen kann. Wobei sich bei der PVE-Honorierung dieselben Fragen der Finanzierung stellen und diese natürlich dort ebenfalls unbeantwortet sind. <
* Mehr Informationen zu den RSG finden Sie auf Gesund.at:
11.02.2026
Tattoos – medizinisch relevante Aspekte
Ort: Kammer für Ärztinnen und Ärzte, Wien
27.02.2026
1. Vorarlberger Kontinenz-Fachmeeting
Ort: Krankenhaus Stadt Dornbirn, Vorarlberg
17.03-20.03.2026
Österreichischer Infektionskongress
Ort: Hotel Gut Brandlhof, Salzburg
20.02-21.02.2026
Gynäkologie Studien und Kongressupdate
Ort: Online
01.03-06.03.2026
Internationaler
Sportmedizin Kongress
Ort: St. Christoph am Arlberg, Tirol
18.03-20.03.2026
Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie
Ort: Congress Center Villach, Kärnten
24.02.2026
Medizin mit Aussicht
Ort: Level 22 - Flughafen Tower, Wien-Schwechat
06.03.2026
Warum Gendern in der Kardiologie wichtig ist
Ort: Linz Ordensklinikum Elisabethinen, Oberösterreich
Weitere Infos und Veranstaltungen finden Sie in unserem Kongresskalender unter:
gesund.at/ kongresskalender


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